1925 / 289 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Hinblick auf die große Kreditbedürftigkeit der Landwirtschaft. (Sehr

ridtig! links urd in der Mitte.) Es wäre ganz bestimmt falsch, wenn

i wie es von mir verlangt wird, heute- eine Plakatievung von Er- leihterungen gäbe, die noch in diesem Winter kommen werden. (Sehr ri&btig!) Damit wäre niemandem genüßt. Seien Sue überzeugt, daf noch eine ganze Reihe von Erleichterungen kommen werden und zwangsläufig kommen müssen. . Aber das alles heute hier vor der Oeffentlichkeit mit Daten anzudeuten, dazu bin ih niht imstande, tas lebne i unter allen Umständen ab; denn das wäre der falscheste Dienst, den ih der Wirtschaft erweisen könnte. (Sehr richtig!)

Die Lage ist ernst, aber wir haben keine Veranlassung zu einem bcffnungslosen Pessimismus. Pessimismus in bezug auf die deutsche Landwirtschaft ist beute einfa ein vaterländishes Verbreben (Sehr gut! links.) Nach meiner Ansicht kommt die Landwirtschaft wenn sie sih auf die Tatsachen einstellt und wenn sie nun weiß, daß von Fall zu Fall geholfen werden soll und daß es zu Zwangsversteigerungen in großem Umfange kaum kommen fann ih habe bisher wirklich er- \chütternde Zahlen darüber, Gott sei Dank, noch nit erfahren können ganz bestimmt, wenn auch natürlich mit großen Schwierigkeiten, üter diese Krise himveg. Das ist meine feste Ueberzeugung! Seien Sie überzeugt davon, daß, wie sie es bisher getan hat, die ‘Neiché- regierung alles tun wird, was im Rahmen der Möglichkeiten liegt, um die Lage zu erleichtern, Aver, meine Damen und Herren, was find wir denn bier alle? was ist die deutsche Wirtschaft? Sie ist cine große Notgemeinschaft, nihts weiter. (Sehr richtig!) Ein einzelnen Berufsshand wird nit blühen, wenn die anderen am Boden liegen. Wir können die deutshe Wirtschaft nur in ibrer Gesamtheit fördern und müssen uns endlich darüber Élar werden, daß kein Berufsstand für sih allein faniert werden kann, fondern wir werden alle zusammen saniert werden oder wir wevden alle zusammen zugrunde gehen. (Sehr rictig! links) Wenn wir uns darüber aanz klar sind, dann, meine Damen und Herren, kommen ganz bestimmt etwas bes ie 1d persönlich in greifbarer Nähe vor Augen sche. (Zurufe rets.)

Darauf werden die Beratungen abgebrochen. tag 2 Uhr: Weiterberatung.

Schluß 4!4 Uhr.

ere Zeiten,

DonnerSs-

Preußischer Staatsrat. Sizung vom 9. Dezember 1925. (Bericht des Nachrichtenbüros des Vereins deutscher Zeitungsverleger.)

Der Staatsrat stimmte dem Entwurf einer Ausführungs- verordnung zum Reichsgeseß vom 6. Februar 1875 über die Beurkundung des Personenstandes und die Ehe- \chließung zu. Das Geseß bezweckt die Herstellung einer Ver- bindung zwischen den Registereinträgen über denselben Menschen oder dieselbe Familie. Die Standesbeamten haben Hinweise nah Maßgabe besonderer Bestimmungen zu machen. Diese Einträge sollen aber nicht zur Registereintragung gehören, auch nicht an ihrer Beweiskraft teilnehmen. Kosten entstehen den Gemeinden dadurch nicht.

_ Zugestimmt wurde auch der allgemeinen Verfügung, betr.

die Üebertragung richterliher Geschäfte in Auf- wertungs- und Grundbuchsachen auf die Gerichts- schreiber. Es handelt sih dabei in erster Linie um Er- teilung von Bescheinigungen und um die Erledigung der Kostenfestsezung. :

Der Vertreter des Fustizministeriums betonte die Notwendiakeit, die rihterlihen Beamten von der zu erwartenden außerordentlihen Mehrarbeit auf dem Gebiete der Au'wertung nah Möa'ichkeit zu entlafsten.

Gegen die Verordnung über die Zuständigkeit der Ver- waltungsgerichte und den Jnstanzenzug bei Streitigkeiten aus 2 87 des Angestelltenversiherungsgeseßes wurden Einwendungen nicht erhoben.

Nächste Sitzung: Donnerstag 5 Uhr.

Preußischer Landtag. 104. Sigung am 9. Dezember 1925, Mittags 12 Uhr. (Bericht des Nachrichtenbüros des Vereins deutscher Zeitungsverleger.)

Tas Haus sett die allgemeine Aussprache zu der soziâl- demotratishen Juterpellation über die bei den Knapp- shaftsinvaliden im Ruhrgebiet D VOL- genommenen Lohnkürzungenfort.

Abg. He in - Barmen (D. Nat.) erklärt, die Anfrage soi an Î falsche Adresse gerichtet. Das Parlament dürfe sh nichti in mischen, die die Gewerkschaften angingen. Das Vertrauensve zw:\chen Arbeitgobern und Arbeitnebmern sei leider m friedigend und werde durch solbe JInterpellationen ni festigt. Die Anfrage enthalte au “Uebertreibungen. es vorkommen, daß die Invaliden bei den Berggewerbe immer zu ibrem Necht kommen. Das feien aber Auënahm Vorwurf, der in der Interpellation erhoben werde, man gebe den Arbeitgebern meistens Recht, müsse zurückgewiesen werden. Mit Recht habe die Negierung eine Stellungnahme abgelehnt. Es könne höcstens das Neichéarbeitsministerium mit der Angelegenheit be- faßt werden. Im übrigen biete immer der Bergetat Gelegenheit ur Bespréchung dieser Dinge. Was in den Tarifverträoen, die auf Treu und Glauben aufgebaut sei abgesblossen sei, müsse auf de Gard Linie erhalten bleib (Zurufe links.) Jede willkü

e rio Li

U »andluna fei eine Störuno des wirtschaftlichen N oysitns “1+ s N C ZS Versünvigung an Volk und Vat Ma Sioger (Zentr, keit, daß Arbeitnehmer un GegensäLe müßten werden; sie babe bisher gute

E a ibe Ch Vio Nog Nuhrgebiets, besonders die des

abgerückt von dieser Arbeitsgemeinschaft. staatliche Gruben nit gesceut, tarifwidrig di herabzuseßen. Hier sei es hr wohl Pflich dem Nechten zu sehen. - Bei der Beratu müsse fich gleichfalls die Preußische Skt daß wesentlide Verscblechterungen des K

A O L S Ln nton und doß den Betroffener

eitaeber zusammenarbeiteten. innerhalb dec ritégemeinschaft ausge

t geleistet.

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Abg. Krämer (D. Vp.) weist

Beragewerbegerihtie nit objektiv urte

maunisten.) Ès treffe aub nit zu, daß

durchweg um zwei Mark und darüber dur die : kürzt worden seien. Gerade der f Arbeitsgemeinschaft weiter aufrecht erhalten; schaften : bt mebr mitmacen en. Widerspr Fommunisten.) Von 11 560 Invalid den vellen Tari 1 und nur 42 Abzüge von z Abg Sobottka (Kommunist) erwidert

) mmertien n Den

WMoraha à Bergbau babe

ckMeMenDerma! Une

Geitimmungen

sie lehne ab, si 3 Mi

sondern au die Unfallinvaliden erhielten völlig e Bezügé, ¿. B. 14 Mark monatl:ch. In Deutschland würden in hrheit nur die Faullenzer bezahlt! Die Regierung hade d Pflicht, dafür zu sorgen, daß die cejeblicen Bestimmungen gehalten werden. Der Neichsarbeitéminister beseitige den lebten kümmerliden Rest der Rechte der Bergarbeiter; fie würden sid aber den Sub der Invaliden erkämpfen!

Abg. Hartmann (Dem.) erklärt, die Sbuld daran, daß die

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Arbeitsgemein schaft gesprengt worden sei, trügen in der Hauptsade die Unternehmer, die es abgelehnt hätten, sih über die anderweitige Regelung der Arbeitszeit vorher mit den Gewerkschasten zu ver- ständigen. Die Lohnkürzungen bei Jnvaliden seien teilweise fehr zahlreih. Das zeige, daß an einem einzigen Tage von einer einzigen Zehe bei demjelben Berggewerbegericht 61 Fälle von Lobnkürzungen eingebrabt worden se. (Hört, bört!) Fest stehe auch, daß viele Arbeiter, wenn sie eine bestimmte Altersgrenze, wie . B. das 50. Lebensjahr, erreiht hätten, troßdem noch voll leistungsfähig seien. Es jei auch nicht immer der Fall, daß bei Meinungsverschiedenheiten der Lohn im Benehmen mit dem Be- triebsausschuß festgeseßt werde, wie der Manteltarif für das rheinish-westfäli}he Kohlenrevier es vorshreibe. Gegen die Drohung „Wenn Du klagst, wirst Du entlassen!“ müsse entshieden Einspruch eingelegt werden. Das Vertrauen der Arbeiter zu den Berg- gewerbegerichten sei bei den Arbeitern nicht sehr groß; hoffentlich ¡haffe die Reichsnovelle eine Besserung. Unzulässig müsse es sein, daß ohne weiteres Lohnkürzungen bei voller Arbeitsfähigkeit vor- genommen werden. Die Staatsregierung müsse bei ihren Werken mit gutem Beispiel vorangeben. Abg. Otter (Soz.) führt aus, den Jnvaliden würden will- fürlih die Bezüge gekürzt. So gebe cs Zechen, die den Jnvaliden monailich an 3000 Mark zu wenig gezahlt hätten. Den Fnvaliden seien Reverse vorgelegt worden, auf die lebt Lohnerhöhung zu ver- zihten, sonst würde ihnen gekündigt. (Hört, hört! links.) Die Fn- validen würden einfach terroriskert! Ein Lohn von 4 Mark für den Bergarbeiter sei geradezu kläglih! Der Redner führt sehr ausführlich Beispiele vorgekommener Lohnfkfürzungen - an.

Damit ist die Aussprache erledigt; die Große Anfrage wird dem R überwiesen. Das Haus geht über zur dritten Beratung des Etats. Der Fall von Schillings soll nicht bei der all gemeinen Aussprache, sondern bei der dritten Beratung des Kultushaushaltes behandelt iverden. (Die Redezeit für die gemeine Aussprache und füx die Einzelbesprehungen ist f jede Fraktion auf insgesamt drei Stunden festgeseßt, für Fraktionslosen auf zusammen 124 Stunden.)

Jn der allgemeinen Aussprache erklärt der

Abg. Haas (Soz.), daß die Deutshnarionalen -die Schuïd daran trügen, daß man den Etat erst so spät verabschieden könne, da sie unablässig bemüht gewesen seien, die Regierung in Preußen zu stürzen. Erst als man eingesehen habe, daß auf die Kommu- nisten bei dieser Regierungsstürzerei kein rechter Verlaß mehr wäre, habe man den Kampf als nuvlos aufgegeben. Zehn Monate lang hâtten die Leute der alten Shule im Reiche die Géscbide geleitet. Der Erfolg sei eine Kreditnot, wie sie noch nie da gewesen iväre. (Zuruf rechts: Fn zehn Monaten konnte man die Kreditnot nicht beseitigen!) Früheren Regierungen habe man so lanae Frist jus Beseitigung von Mißständen nicht gegeben. Die Zahl der veantragten Geschäftsaufsihren und Konkurse sei troß der Rechts-

regierung unheimlih gestiegen; erstere auf 967 im Oktober, leßtere gar auf 1343 im November. Man müsse auch bedenken, ivie ungeheuer die Zahl der Arbeitslosen gestiegen sei. Während es am 15. Oktober 298 872 Hauptunterstüßungsempfänger gegeben habe, betrüge diese Zahl am 1. Dezember \chon über 600 000. Wenn man dazu die Arbeitslosen zähle, die keine Hauptiunter- stüßung empfingen, könne man die Zahl der Arbeirslojen auf mindestens eine Million beziffern, wovon allein auf—die Rhein- provinz 100 000 Arbeitslose kämen. Die Zahl der Kurzarbeiter betrage etwa zwei Millionen. Die Unterstüßungssäpe, 22 Marft für einen Verheirateten mit drei Kindern, seien absolut unzu- reichend. Dabei hätten sämtliche bürgerlichen Parteien dem sozial- demokrarischen Antrage im Reichstag ihre Zustimmung ver}agt, der diese Säße um 50 Prozent statt der vorgesehenen 30 Prozent erhöhen wollte. Wohl aber habe man der Jndustrie, dex Winzercn und der Landwirtschaft ungezählie Millionen gegeben. Die fommenden Wintermonate bürgen unter solchen Umständen für uns sehx viel Shlimmes. Und in dieser elenden Wirtschafrslage wolle man den Hohenzollern ein ungeyeures Rietengeschenk machen und ihnen 200 bis 250 Millionen geben. Ein Schrei der Empörung würde durch Deutschland gehen, wenn diese Absicht geseßlihe Tatsache werde. (Lebhafte Zustimmung links.) Die Sozialdemokraten würden auch den vom preußischen Finanz- inister beabsichtigten Vergleich auf das entschiedenste befömpfen. 5 der Preissenkungsaktion jei nichts geworden; die Kartelle

ftierten doch die Preise wie sie wollten. Daß dies möglich sei, sei auch eine Schuld der Regierung Luther-Schiele, die niht gegen die Kartelle vorgehe. Die viel besprochene Not der Landwirtschaft erkläre sich zum großen Teil aus der ungeheuer gesunkenen Kauf- fraît der Bevölkerung, die zum Sparen selbst am Notwendigsten 2winge. Die Deutschnationalen hätten in der Reichsregierung 106 Monare lang nihts anderes als Erfüllungspolitik getrieben und dabei innenpolitisch ihr Schäfchen ins -Trockene gebracht. Als sie aber den Sí{lußstein unter die von ihnen getriebene Außen- politik seßten jollten, hätten sie sih seitwärts in die Büsche ge- {lagen S der Deutsch-Volksrarteilichen Koalirionsbrüder würde cs -sein, sich mit den Deutschnationalen deshalb aus- cinanderzusezen. Die Sozialdemokraten seien der festen Ueber- zeugung, daß die bis jeßt aufgetauchten Rücwirkungen von Locarno nur einen Anfang darstellien. Die Räumung der zweiten und dritten Kölner Zone müsse durch Abänderung der bestehenden Bestimmung der der ersten Zone baldigst nachfolgen. (Sehr richtig! links.) Auch die allgemeine Abrüstung müsse kommen! Zurufe rechts.) Sie (zu den Deutschnationalen) hören allerdings nit gern vom Frieden und von der Abrüstung; Sie lauern nur wieder auf die shöônen bunten Uniformen, die vielen Orden und die militäris&en Machtstellen. Dabei gehen Sie selbst gegen Jhren Reichspräsidenten von Hindenburg vor, der besser überïhauen fann, daß man jeßt den Weg der Verständiaung gehen muß, als der Shaumschläger Ludendorff. (Lebhafter Beifall links.)

Abg. von dexr Osten (D. Nat.) wendet sich gegen di2 Aus- führungey des Vorredners über die Abfindung der ehemaligen Fürsten. Wenn man dabei überhaupt von einem Geschenk prechen fann, so dürfte es auf seiten der Hohenzollern iegen. (Großer Lärm links. Zurufe: Frechheit; îo ctwas fann hier gesagt werden!) Wenn der Abg. Haas gesagt hat, die Deutsch- nationalen hätten zehn Monate die Geschide des Deutschen Volkes meistern fönnen, muß darauf verwiesen werden, daß die Deutsch- nationalen von neun Reichêministern nur drei gestellt hasen. (Zuruf links: Vier!) Wir sind aus der Regierung ausgetreten, gls die uns vorher zugestandenen Bedingungen für Locarno nicht erfüllt worden waren. Das war konseauent und gradlinig. (Sehr wahr! rechts. Gelächter linfs.) Angesichts der ungeheuren Not- lage unseres Volkes sollten wir uns aber nicht gegenseitig an- greifen, sondern alles daran seyen, um für unser deutshes Volk zu arbeiten. Der Kampf gegen Hunger und Not wird die wich- tigste Aufgabe des kommenden Winters niht nur, sondern weit darüber hinaus sein. Wenn man aber nicht die Wirtschaft gesund macht, ist alles andere vergeblih. (Sehr richtig! rechts.) Die Lanrd-

irtshaft ist mit Schulden belastet, die eine halbe Milliarde Zinjen erfordecn. Wenn feine erheblihe Zinsermäßigung erfolgt, muß unausbleiblich cine Katastrophe cintreien. Fndustcie und Land- joirtschaft leiden unter der mangelnden Kauffraft des inneren Marktes und einer von Fahr zu Fahr sich steigernden Ershwerung des Exports. Denn seit dem Kriege haben die überseeischen Länder sih {Fndustrien großgezüchtet, um sich vom Fmport unabhängia zu machen. Daher muß der heimische Marfi gestárft werden. Das ist aber unmöalich, solange die Kapitals- und Kreditnot anhält, so- lange die ungeheuren Zinsen weiterbezahli werden müssen und der aroße Steuerdruck auf der Wirtschaft liegt, der z- B. die Lan-

(Höhnijche -

wirtschaft im Osteæ-mît dem Achtfachen des Vorkxrie gébetrages be lastet. (Hört! hört! rehts.) Die Wirtschaft muß, wenn hier kein Wandel erfolgt, erliegen. Die Steucrn fommen immer weniger herein. Tas ijt eine böjses G Jch frage die Staatsregie- rung, was sie getan hat, um diese Katastrophe abzuwenden. Der Jnnenminister Severing hat zwar in dieser Beziehung nichts feIEn, aber verboten, daß die Schupo-Kasernen zu Veranstaltungen es alten Heeres verivendet werden. (Sehr gut: links.) Der Herr Reichswehrminister wird dieses „Sehr gut“ der Linken nicht unter- schreiben. Unser altes Heer hat das Recht, in seinen alten Kasernen Feiern zu veranstalten, die niht gegen die Verfassung gehen. Gegenüber der Behauptung des Vorredners, wir wollten nichts vom Frieden hören, möchte ich betonen: Wir find uns völlig bewußt, daß das entwaffnete Deutschland nicht in der Lage ist, einen Krieg gegen die bewaffneten Nachbarn zu führen. Wir find deshalb auch nur Gegner eiñer einseitigen Entwaffnung. (Zurufe links: Wir auch!) Was nah Locarno bis jeßt geschehen ist, E weder einer Abrüstungs- noch einer De ähnlih. Wer das nicht erkennt, treibt Fllusionspolitif. JFÜusions- politik haben unsere Hohenzollern niemals getrieben! (Gelächter und Zurufe links.) Die Westmächte treiben traditionellen Fmperia- lismus. Deutschland muß sich nach dem Osten orientieren. (Bei- fall rets.)

Abg. Dr. Heß (Zentr.) wendet sich unter lebhafter Zu stimmung des Zentrums und der Linken gegen die Bemerkung des deutshnationalen Abg. von der Osten, daß es si bei der Hohen zollernabfindung um ein Geschenk der Hohenzollern an die Nation

andeln könnte. Diese Version lehnt der Redner entschieden ab. ‘Lebh. Beifall.) Er erklärt: Darüber möchte ih doch keinen weifel lassen, daß cin folher Weg nicht zu dem Ziele führt, das Sie (nah rechts) in dieser Angelegenheit erreichen wollen. Eine solhe Auslegung würde den Kampf noch um vieles leidenshaft- licher gestalten, als er sowieso son ist. Zu den Aeußerungen des eutschnationalen Redners gegen den Locarno-Vertrag möchte ich erklaren, daß wir, die wir in den- beseßten Gebieten mit ibren schwierigen Verhäluissen mitten darin stehen, der Meinung find, daß die Annahnie des Locarno-Vertrages eine einfache Selbstver- ständlichkeit war. (Sehr wahr! im Zentrum und links.) Auf einem anderen Wege konnten wir am Rhein und im beseßten Gebiet nicht zum Ziele kommen, eine Auffassung, die au vou Generalfeldmarshall und Reichspräsidenten v. Hindenburg ins zwischen geteilt wird. Mit dem Gesang des Liedes „„Siegreidh woll'n wir Frankreich schlagen“ hat der deutschnationale Parteitag in diesem Jahre ges{lo}jen. 5h MUÿ ge- stehen, daß mir dieser Schluß 1m gegenwärtigen Augen- blidck außerordentli _mutig vorgekommen tit. _(Deiterkeit,) Wir am Rhein wollen mit solchen Mitteln nichts zu tun haben, und wir wissen, warum. (Sehr rihtig im Zenirum.) Der Abg. von der Osten Hat den Versuch gemacht, die deutih- nationale Politik nicht nur als richtig zu beweisen, sondern auch als gradlinig hinzustellen. Das erscheint mir reichlich kühn. Nah unserér Ueberzeugung ist diese gerade Linie am 20. Oftober zum mindesten im rechten Winkel abgebogen worden, Damals, als die Landesvorstände der deutschnationalen Partei gewissermaßen in Wanderschrift erklärten: Locarno dürfen die Deutschnationalen nicht langer rauhen, antwortete Graf Wejtarp: Also wird Locarno nicht mehr gerauht (Heiterkeit). Daun führt der Redner weiter aus: Beim Etat des Jnneren haben wir Klage geführt über die ungeheuerliche Heße des evangelishen Bundes gegen die deutshen Katholiken. Beim KultuSetat haben dit Deutschnationalen und die Völkishen den vergeblihen Versuch gemacht, uns den Vorwurf der Unduldsamkeit zurüdäzugeben. Der deutshnationale Abg. Koh nahm Bezug auf die vom Prälaten Salotti bei den Cauisius-Feiern in Rom angebli gehaltene Rede. Der erste Bericht über diese Rede ist ün Evangelischen Bund von einem abacfallenen katholishen Geistlichen, dessen Namen wir kennen, in total erlogener Fou, offenbar nux zun Zwedckte der Verheßung unter den Konfessionen in Deutschland erstattet worden. Sollte der mehr oder weniger festgestellte Wort- laut der Rede noch Dinge enthalten, die für die deutschen Protestanten verleßend sein könnten, fo hat die katholische Presse Deutschlands auch über diese Aeußerungen \chon Anfang August ihr Bedauern ausgesprochen, so die „Köknische Zeitung“ bereits am 2, August. Dazu. beduxfte es also nicht erst einex parla: mentarishen Aktion. Wo aber haben wir Aehnliches in der evangelishen Presse gegen die fortgeseßten Verunglimpfungen dek deutschen Katholiken durch den Evangelischen Bund erlebt? Daé alles hätten die Deutschnationalen doch durch ihre „Ftatholische Abteilung“ wissen müssen! Dann wehrt der Redner noch im einzelnen die Angriffe des völtishen Abg. Voß zurü, die sich sogar der deutschnationale Katholik Lufasjowiß zu eigen gemat habe. Er schließt mit der Erklärung, daß das Zentrum den Dingen nachgehen und den Kampf gegen die Jmparitat weiter- führen werde mit seiner ganzen Kraft, und wenn es noch so oft von der Rechten fälschlich als Störer des konfessionellen Friedené hingestellt werde. (Lebh. Beifall im Zentrum.)

Abg. Pie ck (Komnm.) erklärt, daß die Konmunisten den E& ablehnen würden, um damit zum Ausdruck zu bringen, daß sie dit einzige Partei im Preußischen Landtag seien, die dem Staats? ministerium niht nur das schärfste Mißtrauen entgegenbringe, sondern auch zuglei den schärfsten Kampf gegen die - von ihm betriebene Politik führe. Für die Not der Eriverbslosen habe man nur mitleidsvolle Worte übrig. Die Anträge der Kommu nisten, die mit der Tat für die Erwerbslosen eintreten wollten, seien im Hauptausshuß abgelehnt tworden. Dagegen verhandle man in wohlwollendem Sinne über die unverschämten Forderungen der Hohenzollern. Für die Landivirtschaft seien sofort Mittel da, wenn sie nur die Acußerung tue, es gehe ihr s{let. Aber für die Erwerbslosen und die darbende Beamtenschast habe man kein Geld. Aber in diefen Kreisen, besonders der Kicin- beamtenshaft dämmere die Erkenutnis über ihre ungleihe Ve- handlung. Wenn die sozialdemokratischen Führer heuté im Reis tage vor einem neuen Paktabs{hluß mit der Bourgeoisie ständen, so würde daraus nur dieser der Nußen erwachsen, niemals ader der jozialistisch eingestellten Arbeiterschaft. Auch für die Abfindu#?a an die Hohenzollern würden sich die Sozialdemokraten in einer großen Koalition einseyen. Durch ihre Zustimmung zu des Socarno-Verträgen hätten die Sozialdemokraten der Bourgeo!|t einen guten Dienst geleistet, besonders aber den Deutschnationalen, welche bei den der Reichstagsauflösung folgenden Neuwahlen äußerst shlecht abgeschnitien haben würden, Die Politik der Sozialdemokraten diene nicht den Jnteressen der breiten Masjen, sondern denjenigen der Bourgeoisie und des Kapitals. Locarno und London könnten den Frieden nicht» bringen, r nut

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die Beseitigung des kapitalistischen Systems vermöge das. Un der Hohenzollernabfindung sollte man durch Durchführung cet Volksenticheids an das Volk appellieren Dex Redner fordert zn® Schluß ausgedehnte Amnestie und kritisiert die preußgishe Ret pflege als Klassenjustiz.

Hierauf vertagt das Haus die Weiterbheratung Donnerstag 12 Uhr. Außerdem kleine Vorlagen.

Schluß 5 Uhr 15 Minuten.

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(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

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Verantmæertlicher Schriftleiter: Direktor Dr Tyrol Charlottenburg Verantwortli für den Anzeigenteil: Rechnungédireftor Menger! 74 in Berlin Verlag dzr Geschäftéstelle (V engering) in Berlin. Druek der Norddeutsben Bucbdruckerei und Merlagsanstalt, Berlin Wilhelmstr 32.

Vier Beilagen (einsbließilid Borfenhbeilage.) und Erste bis Dritte Zentral-Handelsregister-Beilage.

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E Erie Beilage zum Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staatsanzeiger.

1925

Berlin, Donnerstag, den 10. Dezember

Nichtamtliches.

(Fortsegung aus dem Hauptblatt.) Parlamentarische Nachrichten,

In der gestrigen Sipung des Haushaltsaus{chu ¿d eTietes gab i Vertreter bes R et finanzministertums an der Hand reichen Zahlenmaterial cinen Ueberblick über die Finanzlage des ° ei es. Er leate nah dem Bericht des Nachrichtenbüros des Vereins deutsczer Zeitungsverleger dar daß die dauernd orderlichen Aenderungen des noch uit verabschiedeten Haushaltes für 1925 die Beuriteilung der Finanzlage sehr erschwerten. Auf Grund der Erfahrungen der leßten Monate ist das Steneraufkommen für 1925 neu gest; Hiernach werden Länder und Gemeinden rund 325, das Rel i rund 100 Millionen Mark mehr gegenüber dem Haushalt-Sol erhalten. Dieses Mehraufkommen bedeutet feine Uebershuß- wirtschaft, da die Länder bereits bei Aufstellung ihrer Etats mit cinem höheren Aufkommen aus der Einkommensteuer gerehnet haben und das Reich den Mehrertrag braucht, um seinen Etat überhaupt ausgleihen zu fönnen. Dex Vertreter des Reichs- finanzministeriums gab sodann ein Bild ‘der gegenwärtigen Kassenlage des Reiches, für die maßgebend sei, daß das Jahr 192 in der ersten Hälfte höhere Einnahmen gebrachi habe als die ¿weite Hälfte bringen werde. Er trai hierbei der Auffassung ent- gegen, als ob das Reich Mittel in der Kasse habe, über welche es zcitweilig oder dauernd“ frei verfügen könne. Er teilte endli mit, daß das Etat3jahr 1926 mit rund dreihundert Millionen Mark Reparationszahlungen mehr belastet jei als 1925 und daher nur durch äußerste Beschränkung der Ausgaben ausgeglichen werden könne, und fügte einen Ausblié auf die zahre 1927 bis 1929 an, in denen die Reparationslasten weiter stark zunehmea, ohne daß schon jeßt nesagt werden könnte, dur welche Einnahme- steigerung oder Ausgabensenkung der Ausaleich sich finden läßt. Bur Beurteilung dex von den Parteien zur Beamtenbesoldungs- frage gestellten Anträge wird auf folgendes hinigetviesen: Nat den beim- Reich, bei Reichspost, Reichsbahn, Ländern und Ge- meinden angestelltén Ermittlungen betragen die Gesamtfosten für den Antrag Müller-Franken und Genosen: Erhöhung des BZu- chlags zu den Grundgehältern für die Befsoldungsgruppen I bis V1 von 123; auf 30 v. S., und für die Besoldungsgruppen VII bis IX von 10 auf 20 v .H. einjchließlih der durch das Reichs- versorgungsgeses festgelegten Auswirkungen auf die Renten dex Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen, insge}ami 673,3 Millionen Reichsmark jährlich; davon CLIOE N die allgemeine Reichsverwaltung 187 Millionen RM., die Ñeichspost 89 Millionen RM,, die Reichsbahn 131 Millionen RM., auf - die Länder 147,7 Millionen RM. und die Gemeinden 118,6 Mil- sionen RM. Die Kosten der von der deuts völfishen und tom- munistischen Partei gestellten Anträge würden die genannten Beträge noch erheblich übersteigen. Bei den Reichsverwaältungen mit den größten Perjonalkörpern, von denén bei dex Reih8post eiwa 80 v. Ÿ., bei der Reihsbahn etwa 90 v. H. des Gesamt- versonals sih in den Besoldungs8gruppen 1—Y1 befinden, beträgt unter Zugrundelegung des Le nshaltungbindex vom Novembèr 1995 glei 141,3 das tatsächlihe Realdurchschuit beintonimen, der in den Besoldungs8gruppen 1—VI1 steheuden Beamten bei derx Reichspost 102 v. H. real, bei der Reichsbahn 110 v. H. real von den Durhschnittsbezügen von 1913. der Béamten der Vruppen VII—IX betragen bei diesen Ver- waliungen ebenso wie bei den Beamten der Reichshohettver- waltungen, von geringen Ausnahmen abgesehen, allgemein 85—90 v. Ÿ. real von 1913. Schon 1 v. H. Erhöhung des Yu- \chlags zu den Grundgehältern i

amtlicher Beamten würde bei Reich, Reichspost und Reichsbahn 27,1 Millionen RM., bei Ländèrn und Gemeinden 27,9 Millionen RM., zusammen also 5 Mil- lionen RM. jährlich kosten. Der Gejamtbesoldungsaufwand an Grundgehältern, Eg ham gege au eh; Frauenzuschlaä, Kindêr- zushlägen und örtlichen Sonderzushlägen für das Reih ein- ihließlih der gemäß Reichüverjorgungsgeies.. von. den Veamten- bezügen abhängigen Renten der Kriegsbeschädigten und KUegs- hinterblicbenen —, Reichspost, Reichsbahn, Länder: und Gemeinden beträat nach dem'heutigen Stande rund 2.4 Milliarden RM. jährlich. Fast säuitliche Länder Häben auf Anfrage über die Durchführbar- Zeit der von den - Reichstagsparteien gestellten Anträge erklärt, daß ihnen und den Gemeinden Mittel für: Besoldungs8- eue niht-- zur Verfügung ständen, daß vielmehr, falls ‘eine Gehaltserhöhung beschlossen würde, sie die . dafür erforderlihe Miktél vom Reich überwiesen erhalten müßten. Nach diesen Eröffnungen der Regierung entspann sich’ - tine sehr lebhafte und - ausgedehnte Aussprache. - Von verschiedenèn Rednern wurde die Vertagung der Beamtenbesoldungsfrage vis zum Freitag verlangt, weil bis dahin der Sozialpolitische Aus- {chuß - seine Beratungen wegen der Exrwerbslosenfürsorge - ab- geshlossen habe. Von deutschnationaler S e.ite- wurde eine bestimntte Erklärung über die grundsäplithe Stellung der Regierung zur Erhöhung der Beamtenbesoldung gefördert. Auf eine - Verschiebung der Frage ad calendags graecas könnten . stch{ch ‘die Deutschnationalen nit einlassen. Staatssekxetär Fischer betonte aber, er sei- hierzu. heute nicht in der Lage. Seitens“ des Vertreters der Wirtshaftlichen- Vereinigung wurde erklärt, daß man erst den Kreisen helfen müsse, die übex- haupt kein Einkommen hätten, daß aber die Beamtenschaft doch immerhin über ein festes und sicheres Einkommen verfüge. Mau müsse an dem Grundsaß’ festhalten, daß - kèine Ausgabe- --ohne Deckung beschlossen_ verden dürfe. Neue Steuern könne’ die Wirt- schaft aber nicht extragen. Von dex Sozialdemokratischen Partei wurde eine Ergänzung der Regierungsdenkschrift Uber gestundete und rückständige Steuern gefordert. Das Zentrum sprach si dafür aus, .daß die Denkschrift dem gesamten Reichstage zugängig gemacht werden - möchte. Wegen der vorgerüdckten Zeit und des Beginns der Vollsigung mußte die weitere Beratung auf heute vertagt werden, ohne daß definitive | Beschlüsse gefaßt werden founten. - : L Alien Im Auswärtigen Aubschuß des Reichstags, dèr unter dem Vorsiß des Abgeordneten Hergt (D. Nât.) ‘gestern tagte, bildete der deutsch-russishe Handelsvertrag den Gegenstand der Tageßordnung. Einleitend-: ging Reichs- minister des Aeußeru Dt. Strejcmann auf die Debatte gelegentlich dex exsten Lesung des Handelsvertrages im Reichstag ein und betonte. dabei die besonderen politishen Gésichtspunkte, raun Abs as des Vertrages geführt Fn der- ih an- ie E IR (D, Nat.), Dr. Hilferdin g (Soz.), Da.u h (D. Vp.), Stoecker (Komm.) Dr. Haas (Dem.) und Kaas (Zentr.) das Wort. Na Abschlu ex Diskusston wurde der Handelsvertrag an den Handelspolitishen Ausschuß des Reichstags weitergeleitet. /

hatten.

aftspolitishe. Ausschuß des vors-

Der Wirts 8wirtshaftsrats behandelte in seiner

läufigen Rei

gestrigen Sißung den von der Reichsregierung zur Begutachtung -

vorgelegten Entwurf cines Geseßes zur Sicheru ns der (Ge - treidebewegung im Wirts aftsjahx 1925/26, Nach eingehender ‘Beratung der Vorlage saßte der Ausschuß laut Be- riht des Nachrichtenbüros des Vereins deutscher Zeitungsverleger mit Stimmenmehrheit folgende Entschließung: „Der Wirtschafts- politische Ausschuß: des Vorläufigen N aftsrats erfenut die ‘schwierige: Lage, in der si die Landwirtschaft Gienmartia befindet, und ‘die / daraus - entspringenden shädlichen irkungn, für die veutshe Volkswirtschaft an. Er würde jedes Mittel be- gtüßen, ; das geeignet is dec Landwirtschaft. stètige, die Pro- duktionsfkosten deckende Preise zu sicheru und die Verbraucher vor

Die heutigen Realbezüge'

den Nachteilcn zu shügen, die erhebliche Zreiss{wankungen und ungewisse Bedarfssicherung für sie bedeuten. Der Gedanke, cine j Ausgleichsstelle zu schaffen welche die weder dem landwirtschaft- lichen Erzeuger noch dem brotverzehrenden Verbraucher dienenden S@wankungen der Getreidepreise ausshalten soll, ist gesund. Die Auffassung darüber, ob der ens eines Gesebes zur Sicherung der Getreibewegung im Wirtschastsjahr 1925/26 geeignet ist, diesen Zweck zu verfolgen, geht aber selbst bei den Mitgliedern us der Landwirtschaft auseinander." Die Gefcßesvorlage selbt wurde mit großer Stimmenmehrheit abgelehnt.

Im Reichstagsausschuß füt Bildungöwesen wurde gestern der § 1 Abs. des Geseßenwur?s zur Bewahrung der Jugend vor Shund- und Schmubßbschriften faut Meldung des Nachrichtenbüros des Vereins deutscher Zoitungsverleger in folgender Fassun - angenommen: _„ZUm Schuße der beranwachsenden Jucend * werden Schund- und Schmußschriften in eine Liste aufgenommen. Außerdent ift eine alljährlih zu ergänzende Liste empfeblenswerter Kinder- und Jugendschriften herzustellen. Beide Listen sind Behörden und

N ales. die Jugendpflege betreiven, in ausreicender Anzahl zur Verfügung. zu stellen, die Liste der Schund- und Schmubschriften den Organisationen jedoch nur auf besondere Anforderung und wenn der Nachweis ernster Fugendpflege er- braht wird. Reidhs-, Staats und Gemeindebehörden haben die Verpflichtung, dafür Sorge zu tragen, daß in keiner ihrer Einrichtungen Bücher oder Schristen Kindern oder Fugendlichen zugänglih gemacht werden, die .in die Liste der Schmuß- und Schundscbriften aufgenommen sind, Organisationen, die jolche Bücher oder Schritzen der Jugend zugänglih machen, tonnen behördlicherseits niht mehr als Jugendpflege betreibende Yrga- nisationea angesehen werden und dürfen ‘nicht unterstüßt werden. Nech, Staat und Gemeinden haben dafür zu sorgen, daß möglichst in jeder Gemeinde wenigstens eine gute FugendbUcheret vorhanden t." Diese Fassung des § 1 Abs. 1 entspricht einem Antrage, der Pag iiig “E U gp Abgg. Schreck und Dr. Löwenstein, er im Ausschuß gegenüber der Regierungsvorlage die Mehrheit für sid hatte. Abg. Dr. Elsa Maß (D. Vp.) wies gegenüber An- griffen auf die Scyulbüchereien darauf hin, daß diese heute außer- ordentli wertvolles Schrifttum in der Mehrzahl enthalten. Das Geseß solle nicht ein Polizeigeseb darstellen, sondern ein Kultur- gesesk. Jn der Zusammenseßung der Prüfstellen müßten die vershiedenen interessierten und sahverständigen Kulturkreise Gelegenheit zur Mitwirkung erhalten. Abgelehynt wourde jedoch ein Antrag des Aba, D. Mumm (D. Nat.), wonacb wegen ciner politishen Tendenz als solcher eine Sthrist nicht auf die Liste geseßt werden soll.

Der Aeltestenrat des Preußischen Landtags be- riet gestern erneut über dic Geschäftslage. Bie dritte Lesung des Haushalts soll bis zum Montag bis auf die S{blußabstiummungen erledigt wèrden. Diese Abstimmungen will de Landtag am Dienstag vornehmen. Îm übrigen [tehen bis zu den Weihnachtsferien noch cine Reibe kléinerèr Vorlagen zur Erledigung, fo das Lippe-Geseh, das Feld- und Forstpolizeigesebß, die BVerwaltungsrechtsanmvaltsordnunag, die Bor- lage über Volköbegehren und Volkdentscheid, die Entwürfe über die Verlängerung des Grundvermögensteuergeseß und das Schußpolizei- beamtengèsez. Am 18, Dezembéy wird dann, wie bereits vorher be, s{lo!sen war, der Landtäg bis zum 12, Januar in die Weihnachts erien geben,

Der Hauptaus[{uß Les Preußischen Landtags abm in seiner gestrigen Sihung cinen gomoinsamen Antrag der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Demokraten, betreffend B e - willigung von staatlichen und Neicbömitteln zu

nden Aussprache nahmen die Abgeeordneten v. Freytagh-,

Erhaltung der infolge mangelhaften Schubes, insbesondere aber wegen der Eingriffe der Bésaßungsbehörden und -Iruppen gefährdeten und s{werbeschädigten, für. die Bevölkerung, des Industriebezirks so außerordentlich wichtigen WaldungenimGebietedes Sieds lungsverbandes Ruhrkohlenbezirkan. Zwei in gleicher Nichtung gehende Anträge der Deutschngtionalen und der Deutschen Volkspartei wurden hierdurch. für erledigt erklärt. Gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt wurde ein deutschnationaler Antrag: „Der Landtag wolle beschließen, das Staatsministerium zu ersuchen, alle den Beirag - von 150 Millionen Reichsmark übersteigenden Tinnahmen aus dem Vêrkauf von Holz aus dem Forstwirtschafts]ah® 1925 zun Vergrößerung: des staatlichen Forstbesibes zu ‘verwenden.

Der Ostausschuß des. Preußischen Landtags führte gestern die Beratung über die Urantraäge, die die besonderen Verhältnisse Ostpreußens behandeln, zu Ende, Zunächst wurde das Kapitel Wohlfahrt" behandelt und hierbei vor allem über die Erwerbslosigkeit, den Personalabbau bei der Reichsbahn und die bvgienishen Verhältnisse auf -dem Lande: und in den ostpreußischen Schulen Klage geführt. Dann wurden die Kulturverdh altnifse erörtert, insbesondere die Lage der Schulen, die Frage der Theater und der Volks- und Wanderbüchereien.

' hältnisse auf den medizinischen Instituten -der Universität Königsberg zur Sprache. - Den Abschluß bildete das Kapitel „Verwaltung. Hierbei spielte vor allen Dingen. die fchwierige Lage der ostpreußischen Beamten, die sih aus der insularen Lage Ostpreußens ergibt, cine große Rolle. Der Ausschuß beauftragte sodann die Berichterstatter entsvrechende Beschlüsse zu ‘entwerfen: Am Freitag wird der Aus {uß über sämtlichs Anträge und Vorschläge Beschluß fassen.

Handel und Gewerbe, Berlin. den 10. Dezember 1925. Telegrapbische Auszahlung.

j i Geld Buenos-Aires . 4 1 Pap.-Pe/. 1,740 / Canada . . . | l fanad. § 4.195 4,209 4,199 4,205 Van - » » b (f L Den 1,798 1,802 1,803 1,807 Konstantinopel | l türk. £ 2,215 2201 L 2200 London... . |1L _} 90/345 . 20,395 | 20,339 20,389 New Vork. . .|1§ 4,195 4 205 4195 4 209 Sr iatre

9, Dezember Geld Brief 1,735 1,742

10, Dezember Brtet 1,744

Rio de Janetro | l L 0,596 0,998 0,687 0,589 Uruguay . Goldopefo 4,235 4,245 4,235 4,245

Amsterdain-

Notterdam | 100 Gulden | 168,52 168,94 Athen . {100 Drachm. 554 6,56 Brüssel u. Ant-

WETPEN.... 19 01 Danztg ¿i „% « 80,63 velsingfors 10,545

16,88 7,44

IALEA v 104,77

168 54

9,94

168,96 5,96

19,05 80,83

19,01 80,62

10,585 | 10,545 1692 f 16,88 7,46 7,43 10503 1 104,57

9,05 80,82 10,985 16,92

7,45

104,83

100 Frecs. 100 Gulden 100 finnl. 100 Lire

100 Dinar 100 Kr.

100 (F8cudo 100 Kr. 100 Fres, 100 Kre.

100 Fres,

Iugotlayten . . Kopenhagen . . Lissabon und 1 AIDOTIO e E P E 4. ien A 6-00: bres chwelz « « « »

21,2759 21,320 895,19 85,41 15,76 16,80 2415 2,490 80,85 81,05 3,055 3,069 99,73 09,87

21,275 21,329 85,44 85,66 15,866 15,905 12418 12,458 80,85 81,05 Sofia . . « | 100 Leva 3,055 3,065 Spanien . . . . | 100 Pey)eten 69,73 59 87 Stockho!m und i (Sothenburg . | 100 r. 112,8! 112,52

12,24 12,24 Wien. .….. «[100Schilling]| 99,1 9,26

59,12

112,92

59,26 |

" Budapest « « «

100 000 -Kr. 9,87 - 5,89 6,87 5,89. !

Ausländiihe Geldtiorten und Banfknoten. ———

9, Dezember Geld Brief 2055 20,65

‘4B

4,237 4,225

10. Dezember | Geld Brte! Sovereigns 20,55 20,69 20 Fres.-Stücke —__ e Gold-Dollars . | 4,259 4,27 Amerikaniiche: 4 4,205 4225 4214

1000—5 Doll. 2 und 1 Doll 4,194 y Argentinische 1722 1,742 1,735 Brasiltaniiche . 9,579 0,599 0,597 Canadiiche « « 4.167 4,187 _ Englitce: ele S ; 20,322 20,422 20,412 1£Lu darunter ; 20,312 20,412 20,40 19,06 3,03 104,83

Tie. Belainche 18,96 19,06 Bulgarische 3,02 3,04 104,51 105,03 80,80 10,56 15,84

Dänitche . 100 Kr._ | Danziger. « « « | 100 Gulden 80,40 80,80 innithe. . « « | 100 finnl. M 10,50 10,56 15,845 15,929 168,99 16,94 T,48

Französisbe . « | 100 Fres. 168,13 168,97 85,36

Holländische . . | 100 Gulden 16,88 16,96

Ftalienische: Í über 10 Lire | 100 Lire 08 6 Jugoflavische . | 100 Dinar 7,399 7,435 Norwegiiche . - | 106 Kr, 85,19 85,61 Numäniiche: 1000 Lei unter 500 Lei Sch{wediiche . Schweizer . « Svanische . . . Tschecho-flov. : O Nt: 1000Kr. 1. dar. Oesterreichische. Ungarische. « «

100 Lei u ans 100 Let c O 100 Kr. 112,53 | 111,97 112,63 100 Frs, 81,14 80,72 81,12 59,77 59,50 9,80

100 Peseten

100 Kre. 12,448 g 12,44 100 Kr. 12,448 12,388 12,448 [00 Schilling 59/25 | 58,95 959,25 100 000 Kr. 5,86 5,82 5,86

490 12,38

Laut Mitteilung des Börsenvorstandes findet am Donnersea tag, den 24, Dezember 1925, die Versammlung der Wer k-« vapterbörse in der geit von 11 bis l Uhx statt. Die für die regelmäßige Kursfeststellung fonst , gültigen Zeitbestimmungen werden an diejem Tage um je eine Stunde vorverlegt. Die Börjens räume werden an diejem Tage bereits um 104 Uhr geöffnet.

London, 9. Dezember. (W. T. B.) Die Bank von England verkaufte heute aus ihrem Goldschaß Barrengold im Werte von b40 000 Ptund Sterling. Ferner gelangte heute Müinzgold im Werte von 22000 Pfund Sterling zum Export nab Argentinien, E

Wagengestellung für Koble, Kolk und Brikeits am 9, Dézember 1926: Nuhrrevier!: Gestelli 26 814 Wage, = OberschlesishesMNevier: Gestelt —,

Die Elektrolytkupternotierung der Veresusgung für deutsde Elektrolvtküpfernotiz stellte si laui Berliner Meldun des „W. T. B.“ am 9. Dezember auf 133,25 F (am 3. Dezember auf 134,00 F) für 100 kg. N

Berlin; 9. Dezember. (W. T. B.) Preisnotierungen fürNahruugsmittel. (Durhschnittseinkaufspretfe des Lebensmititteleinzelhandels für je 60 kg frei Haus Berlin.) - Fn Netchsmarkl: Gerstengraupen, lose 19,00 bis 22,90 H, Gerstengrüßze, lose 1800 bis 18,00 „#1, Haferflocken, lote 21,00 bis 21,50 M, Datergrüue, lose 22,90 bis 22,75 #Æ. BRoggenmehl 0st 15,25 bis 15,50 4, Weilzenguieß 24,25 bis 24,90 M, Hartgrieß 26,75 bis 2925 M 70 9/6 Weizenmehl 18,75 bis 22,25 #, Weizenauszuge mebl 23,75 bis 28,50 M, Speisecerbsen, Viktoria 19,00 bis 22,1) 6 Speiseerbsen, kleine —,— bis —,— #, Bohnen weiße, Perl is, bis 17,29 # Langbohrnen, handverlesen 26,00 bis 29,00 #4, Unfen,

Außerdem kamen die Vere- :

j bis 235,00 M, Noöstkaffee

fleine —,— bis —,— s, Linsen, mittel 27,00 ‘bis 38,00 M, Lin}ens große 89,25 bis 51,00 „(& Kartoffelmeh]! 15,75 bis 19,75 M, Makkaroni Hartgrießware 47,75 bis 60,75 4 Mehblschnittnudeln 26,00 bis 28,00 f, Eiernudein 46,00: bis 68,00 Bruchreis. 15,25 bis. 15,75 MÆ, Nangoon Reis 17,40 bis 17,75 #, glasierter Tafels- reis 19,20 bis 32,00 46, Tafelreis, Java 31,00 bis 43,90 Ningävfel cmerikan. 76,00 bis 87,00 6, getr. Pflaumen 90/100 in Originalkisten 44,00 bis 44,25 FÆ, getr. Pflaumen 90/100 fu Säcken 39,00 bis 39,50 4, entsteinte Pflaumen 90/100 in Originals kisten und Packungen 62,00 bis 63,00 „(6 Kal. Pflaumen 40/509 in Originalkisten 60,00 bis 63,00 #( ' Rosinen Caraburnu # Kisten 54,00 bis 70,00 4, Sultaninen Caraburnu 82,50 bis 106,00 e, Koriúthen choice 45,00 bis 51,00 4 Mandeln, süße : Bari 228,00 bis 240,00 4, Mandeln. bittere Bari 230,00 bis 235,00 „#6, Zimt (Kassia) 100,00 bis 105,00 „&, Kümmel, holl. 35,00 bis 36,00 #, \{warzer Pfeffer Singapore 147,00 bis 150,00 c, en Pfeffer Singapore 190,00 bis 210,00 #4, MRohkaffee Brafil 195,00 Nohkaffee Zentralamerika - 220,00 bis 300,00 MÆ, : 240,00 bis 300,00 Æ MNöstkaffee Zentrale amerika 300,00 bis 400,00 Æ, NRöfstgetreide, lo!e 16,00 bis 19,006 Kakao flettarm. 52,00 | bis 90,00 # Kakao. leit entêlt 90,00 ‘bis 120,00 Æ&Æ Tee, Souchon, gepadt 365,00 bis 405,00 1, Lee, indisch, gepackt 413,00 bis 200,00 „#, Julandszuker

Brasil

Melis 29,00 bis 30,00 6, Inlands8zucker Naffinade 30,25 bis 32,90 ¿sé Zucker, Würfel 33,75 bis 37,90 „Æ Kunstbonig 32,00 bis 34,00 „e Zuerfirup, hell, in Eimern 26,25 bis 37,90 Æ Speifesiruv. dunkel, in Eimern —,— bis —,— e. Marmelade, Erdbeer, Einfrucht 90,00 bis 107.00 Æ Marmelade Viertrucht 38,00 bis 40,00 (4 Pilaumenzs mus in Eimern 37,50. bis 49,590 #. Steintialz in Säcken 4,40 bis 4,80 Æ Steinsalz in Packungen 5,40 bis 7,50 # Siedesalz tn Säen 6.00 bis 6,20 # Siedetalz in Packungen 7,10 dis 8,00 „Æ, Braten\cchmalz in Tierces 85,50 bis 89,00 #Æ, Bratentcmalz in Kübeln 87,00 bis 89,50 M. Purelard in Tierces 84,90 dis 88,90 M, Purelard in Kisten 85,50 bis 89.00 e Speitetalg gevackt —,— bis —,— M, Margarine, Handelsware | 69,006 -[1 63,00 dis 66.00.44 Margarine, Spezialware 1 02.00. bis 84,00 Æ& 1 69,00

71,00 M, Molkereibutter la in Fässern 202,00 bis 208,00 „Æ Molkereibutter 1a in Packungen- 215,00 bis 220,00 .# MWMolfkere? butter 11 a in Fässern 182,00 bis 195,00 ¿&, MWMolkereidutter lla ü

Packungen 188,00 bis 201,00 &, Auslandöbutter in Fäßern 26 00

bis 225,00 4, Auslandöbutter in Packungen —.— dis —,— es, Corneed beef 12/6 lbs: per Kiste 47,00 bis 48 00 4 antl. Sve, geräuchert, 8/10—12/14 —,— *bis —,— &Æ, Allgüner Romaotour 80,00 bis 90,00 Æ, Allgäuer Stangen 63,00 bis 66,00 Æ, Tilfiter Käse, volltett 95,00 bis 115,00 Æ, erbter Edamer #0 130,00 bis 133,00 , eter Emmentaler 173,00 bis 178.00 #Æ, aud. unacz, Kondensmilch 48/16 23,00 bia 2682 „@& ausl. ger Fondern 926,00 bis 30,50 Æ#, Speifeöl, autgewogen 67,00 dis 74,0

Speilekfettc. Beriht von Se d vom- 9. Dezember 192%. Butter: Die matt. Die ermäßtgten Festöfferten von fehr billigen Angeboten dänücber die . mitunttr über "das Maß" der der Kopenhagener Notierung binaus

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