1882 / 233 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Oesterreich-Ungarn. Wien, 4. Oktober. (W. T B.) Der Kronprinz Rudolf und Prinz Leopold von Bayern sind heute nah Eisenerz abgereist, um an den dort vom Kaiser und dessen Gästen, dem König von Sachsen und dem Prinzen Wilhelm von Preußen abzuhaltenden Hochwildjagden theilzunehmen.

Prag, 3. Oktober. (W. T. B.) Dcr Landtag berieth heute die Virilstimmenvozrlaae. Der Berichterstatter Schar- schmid empfahl die unveränderte Annahme. Professor Czyhlarz sprach ebenfalls für die Vorlage, weil die Rechts- fontinuität der deutshen Universität unangetastet bleibe. Pro- fessor Kvicala bezeihnete das neuerlihe emphatishe Betonen des Gegensaßes für überflüssig; seine Partei werde man nicht überzeugen. Jndem er zur Abwehr \chreite, könne man ihm nicht Friedenss{örung vorwerfen. Eduard Gregr wies auf Grund der Geschichte nah, daß die Universi- tät keine deutsche sein könnte und kritisirte sodann den Prü- fungserlaß der Regierung. Czyhlarz verwahrte sih gegen den Vorwurf der Friedensstörung und wies darauf hin, daß die deutshen Abgeordneten zahlreih erschienen seien, obwohl es sih niht um ein deutsches Juteresse handele. Nach einer sehr versöhnlichen beifällig aufgenommenen Schlußrede des Bericht- erstatters Scharshmid wurde die Vorlage einstimmig ange- nommen,

Preßburg, 4. Oktober. (W. T. B.) Ein Erlaß des Minister-Präsidenten Tisza verhängt das Standrecht auf einen Monat über das Preßburger Komitat und ernennt den Obergespan Esterhazy zum außerordentlichen Re- gierungs-Kommissar für das ganze Preßburger Komitat.

Großbritannien und Jrlaud. London, 2. Oklo- ber. (Allg. Corr.) Großbritanniens Staatsein- künfte in dem am 30. v. M. beendeten zweiten Quartal des laufenden Finanzjahres betrugen 18 360 270 Pfd. Sterl. oder 226 200 Pfd. Sterl. mehr als in dem entsprechenden Quartal des vorhergehenden Jahres. Die Einkünfte in den ersten sechs Mecenaten des laufenden Fiskaljahres ergeben einen Mehrertrag von 443 988 Pfd. Sterl.,, an welchem in En E Weise die Einnahmen aus den Stempelgesäl- en, der Gebäudesteuer, den Zöllen, des Postamtes, und die unter der Rubrik „Verschiedenes“ einbegrifsenen Einnahmen betheiligt sind. Die Bodensteuer und der Telegraphendienst lieferten ebenfalls eine Mehreinnahme, wogegen die Getränke- steuer, die Vermögens- und Einkommensteuer mit einer niht unbeträchtlihen Abnahme figuriren.

Jn der Sonnabendsißzung des Dubliner Kommission€s gerichts brahte Richter Lawson die Angelegenheit des am 16. August wegen Mißachtung des Gerichtshofes zu drei Mo- naten Gefängniß und Zahlung einer Geldbuße von 500 Pfd. Sterl. verurtheilten Abgeordneten und Obersherifs ron Dublin, Mr. Gray, zur Sprache. Er bemerkte, daß während der sechs Wochen, welche Gray in der Haft zugebracht, die Angriffe gegen den Gerichtshof anfgehört hätten und in dem Ton der Presse, nawen!lich in dem des (von Gray heraus- gegebenen) „Freemans Fournal“, eine beträhtlihe Wendung zum Besseren eingetreten wäre. Die Prozesse der Kommission seien alle erledigt worden, und das Vorgehen der Gerichtsbehörde hätte die Wirkung gehabt, zu verhindern, daß dem Lause der Gerechtigkeit Einhalt gethan werde. Jn An- betracht aller dieser Umstände und der Mr. Gray in seiner Stellung als Großsherif obliegenden Pflichten fühle ¡er sich

rel nb "Beger EntriGtung der ihm auferlegten Geld- buße von 500 Pfd. Sterl. die Freiheit wiederzugeben. Gray

zahlte Nachmittags die 500 Pfd, Sterl. und wurde unverzüg- lih aus der Hast entlassen. i

Jrland wurde gestern von einem heftigen Sturme

heimgesucht, der im Binnenlande wie an der Küste bedeuten- den Schaden anrichtete. Hier und da sind au Menschen vèrunglückt.

4. Oftober. (W. T. B.) Der Premier Gladstone kehrte gestern von Penmaen-Mawr (Nordwales) nach Ha- varden zurück und erwiderte auf eine ihm auf dem Bahn- hofe von Penmaen-Mawr überreilte Adresse mit Worten warmer Anerkennung für die Haltung der englischen Offiziere und Soldaten in Egypten. Er würde nicht von einem Triumphe sprechen, wenn die Sache, für welche die englischen Soldaten si s{lügen, keine gere{htfertigte wäre. Kein Land könne aber unter einer militärishen Tyrannei des Wohl- standes genießen, und diese militärische Tyrannei sei es, die die englishe Armee umgestürzt habe. Ec hoffe, daß Egypten, die große Pforte für den ganzen Orient, bald wieder zu Giüd und Wohlstand gelange.

Frankreich. Paris, 2, Oktober. (Köln. Ztg.) Morgen er- folgt im Elysée die Ueberreichung des Baretts an den päpstlichen Nuntius Czacki, der in der nälsten Woche nah Ztalien abreist, Die Brazzaschen:- Verträge mit den Neger- Supeingen am Congo werden jeßt in den Bureaux der

tinisterien des Auswärtigen und der Marine geprüft; das Ergcbniß dieser Untersuhung wird der Berathung des Ministerconseils zur Unterlage dienen, die der Vorlage der Sache in den Kammern vorausgehen soll,

_— 83. Oftober. (W. T. B.) Der Kriegs-Minister Billot hat heute ein Schreiben an den General Chanzy gerichtet, in welhem er denselben im Namen des Präsidenten Grévy zu dem Ausfall der Manöver des 6. Armee-Corps beglückwünsht und \sich namentli über den Eifer und die Zntelligenz der Divisions:Generäle aurion und Berge bei der Ausführung der ministeriellen nstruktionen lobend ausspriht. Die anderweitig verbreitete

lahriht von der Abberufung des Generals Berge ist somit unbegründet.

Türkei. Konstantinopel, 3, Oktober. (W. T. B) Der Zwischenfall mit den auf dem Dampscr „Odessa“ aus Egypten zurückgekehrten Arbeitern hat im Sinne

des von der Pforte vorgeshlagenen Kompromisses seine Erledigung gefunden,

Montenegro. Cettinje, W. September, (Pol. Corr.) Neben den Stämmen der Grudi und Hotti nahmen nach awt- lien, aus Podgoritya eingclaufenen Meldungen auch die M3- lissori eine feinds¿lige Stellung der montenegrinischen Gren z: bevölkerung gegenüber ein. Es vergeht fast keine Nat, in der die diesseitigen Grenzwächter niht dur von albanesi- scher Seite abgegebene Schlüsse beunruhigt würden. Auf der gan en Linie von der Kakarigka Gora bis zum Tzemower

olje knattern die Gewehre, und der Zustand, welcher ih in diesem Winkel entwickelt, kann nicht anders als ein halbkriegerisher genannt werden. Es wird hier beson- ders über den Umstand geklagt, daß die auf den Po:

sitionen von Schiptschanik disponirten türkishen Nizams keine Miene machen, die aufrührerishen Albanesen in die Schranken der Ordnung zurückzuweisen. Die diesen albanesishen Be- lästigungen am meisten ausgeseßten Stämme der Kuci und Piperi verspüren nicht übel Lust, nah althergebrachtem Brauche den Grudì, Hotti und Molifsori heimzuleuhten, und {on ward ein „Rachezug“ nah Dinosch und Pikalje geplant. Die Albanesen, die Lunte rohen, brachten all ihr beweglihes Hab und Gut von diesen Wohnsißen nah Tuse, während in Dinosh und Pikalje Vedetten ausgestellt wurden. Jndessen is es ge- lungen, die Kuci als au die Piperi bisher von der Aus- führung ihrer Absicht zurückzuhalten. Die Fürstliche Regierung hat an die Grenzkapitäne und. Serdare die strengsten Wei- sungen ertheilt, daß die Grenzbevölkerung mit den ener- gischesten Mitteln zur Nuhe verhalten werde.

Liußland und Polen. St. Petersburg, 3. Oktober. (W. T. B.) Das „Journal de St. Pétersbourg“ be- merkt zu den von verschiedenen auswärtigen Blättern gebrach- ten Artikeln betreffs der Kilia-Mündung: es scheine, daß mehrere Mitglieder von dem Ex-ckutiv-Comité der euro- päischen Do naukommission die Preiention erhoben haben, die Messungen der russishen Jngenieure an der Kilia-Mün- dung müßten unter der Direktion des Comités gefchehen. Dieses Verlangen sei durchaus zu bestreiten, denn die europäishe Kommission und ihr Comité seien eingeseßt worden, um die Schiffahrt auf der unteren Donau bis zum Meere zu sichern. Das sei geschehen durch die Arbeiten in der Sulina-Mündung. Die Kilia - Mündung sei bis jeßt außer- halb des Wirkungskreises der europäischen Kommi}sion ge- blieben, und man sehe niht ein, weshalb die Kom- mission sich jeßt mit ihr beschästige, wo sie in ruf- fischem Besiße sei. Von Hindernissen für die freie Be- wegung könne keine Rede sein, da diese ja so wie so dur die Sulina-Mündung ermögliht sei. Anknüpsend an eine Aeußerung der auswärtigen Presse über die Zoll- politik Rußlands. bemerkt das Journal: was man in Berlin Retorsionszölle nenne, habe in Rußland nie Geltung gehabt; die russishen Tarife seien aus fiskalishen oder industriellen Gründen erhöht worden, aber niemals in Folge von Erhöhungen Seitens der Nachbarländer.

Dem Grafen Baranoff ist anläßlih seines 50jährigen DUONNIOAAIS der Andreas-Orden mit Brillanten verliehen worden.

4. Oktober. (W. T. B.) Es ist vielleicht angemessen, darauf hinzuweisen, daß in der egyptishen Frage bisher zwischen den europäischen Negierungen auch nicht der geringste Mißton hervorgetreten is. Es is allgemein das volle Ver- trauen vorhanden, daß Gladstone seine Versprehungen durch- aus loyal halten werde. Rußland hat in der egyptischen Frage keinerlei arrière pensée gehabt. Was Deutschland an- langt, so hat man hier anerkannt, daß dasselbe auch bei Be- handlung dieser Frage sih um die Erhaltung des Friedens vielfach verdient gemaht hat. Jederzeit herrschte volles Ein- verständniß zwischen hier und Berlin.

Der „MRegierungs-Anzeiger“ veröffentliht cinen Kaiserlichen Erlaß, durch welhen die zum Tode ver- urtheilten politischen Verbrecher Nagorny und FJewsejeff zur Zwangsarbeit auf unbeslimmte Zeit in den Bergwerken begnadigt werden. Gleidzeitig wird bei zwei anderen politishen Verbrechern die Zeit der ihnen zuerkannten Zwangs- ULUVTLL YECLUUFSICTCHT,

___— (St. Pet. Ztg.) Ueber die Explosion auf der Popowka „Nowgorod“ bringt der „Regierungs- Anzeiger“ folgenden amtlichen Bericht :

Am 17, September explodirlen auf der gegenwärtig in Sewastopol ankernden Popowka „Nowgorod“ aus biëher noch nicht ermittelter Ursache in der Minenkammer zwei Minen, wobei gegen zwanzig Perfonen getödtet und verwundet wurden, darunter drei Offiziere. Sofort nach Empfang der Benachrichtigung über diesen Vorfall ordnete der Ober-Kommandirende der Flotte und der Häfen des Schwarzen Meeres die Vornabme einer Üntersuchung an. Zur Fest- stellung der Ursache dieses Unglücksfalles und bebufs strenger Unter- suchung der Sache wurden nach Sewastopol unverzüglid abkomman- dirt: der Direktor der Kanzlei des Marine-Ministeriums Contre-" Admiral Kasnakoff und der Gehülfe des Verwesers des Marine- Mineurwesens, Kapitän 1, Ranges, Werchowski.

Süd-Amerika. (W. T. B.) Nach einer dem „New.- York Herald“ zugegangenen Korrespondenz aus Lima, vom 13. September, war der Vize-Präsident von Peru Montero, in Arequipa eingetroffen, hatte das Ministerium gebildet und unterhandelte mit Bolivia wegen Fortsehung des Krieges. Unter seinen Befehlen hatte der- jelbe etwa 5000 Mann, Jn Bolivia war inzwischen Arie, ein Mitglied der Friedenépartei, zum Präsidenten des Kon- gresses gewählt worden.

Zeitungsstimuten.

Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ widmet der zur Zeit in Moskau veranstalieten Ausstellung russischer Jndustrieerzeugnisse einen Artikcl, dem wir folgende Stellen entnehmen :

. « « + Die russishe Tuchindustrie befindet si gleichfalls, Dank den Schußzöllen und den großen Lieferungen für die Armee, in starkem Aufschwunge. 463 Fabriken in den rein russishen Gouvernements mit 22240 Webstühlen und 69 005 Arbeitern liefern füc 584 Mill. Rubel jährli Tuch. Außerdem befinden sih in Polen 223 Fabriken

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mit 7 Mill. Rubel Jahrceêprodukt, in Finland 10 Fabriken mit cinem Ertrage- von 342 000 Rbl, __ Am staunenêwerthesten ift der Cinfluß des russishen Schut:zoll- svste:ns auf die Entwidckelung der Zuckcrindustrie gewesen, die in letter Zeit eine reißend schnelle Ausdehnung gewonnen hat. Im Jahre 1825 existirten in Rußland nur 7 kleine Zvckerfabriken ; die \{nellere Ent- wickelung der Industrie begann seit 1840. Gegenwärtig finden wir in 14 russischen und in 9 polnishen Gouvernements belegen 239 abrifen, die 89500 Arbeiter beschäftigen, und die 154 Millionen Jerfoweß Rüben verarbeiten, aus denen sie 11 Millionen Pud ese gewinnen. Seit 1876 ist mehrfach Zucker aus Rußland na uropa bei günstigen Konjunkturen exportirt worden, wie {on früber und in großer Ausdehnung nach Persien,

Ein ferner dur staailihe Fürsorge und ein steles uweckbewuktes Scutzollsystem erstarkter Industriezwcig ist die Maschinenintustrie. Bi dieser letztern Juduunie galt als auêsgesprochenes Ziel der wirtb- scaftlihen Maßregeln, Rußland vom Auslande gänzli unabhängig zu maGen, und heute muß dieses Ziel als nahezu erreicht bezeichnet

erden.

Die russishe Maschiueniadustrie begann seit dem Kcimkriege, um sodann erst in den 70er Jahren, Dank andauernder Unterstützung Seiters der Regierung und der Érböbung der Schutzölle, einen grö- heren Aufschwung zu nehmen. So wurden in den Sabren 1844 bis 1864 in Rußland 200 Lokomotiven gebaut, dann bis zum Jahre 1869

gar keine, dagegen wurden im leßtgenannten Jahre 1000 Lokonio- tiven im Auslande bestellt. Hierauf aber wurden von 1869—1880 1963 Lokomotiven in Rußland gebaut

Der S&hluß des Artikels lautet:

Wir haben hiermit nur beispielsweise einige der haupts\ächlicsten Industriezweige, die in Rußland vertreten sind, erwähnt und die Merkmale ihrer gegenwärtigen Entwickelungshöhe den deutschen be- .theiligten Interessentenkreisen zur Beachtung zu empfehlen gesucht. Der bierbei betbeiligten Interefsentenkreise giebt es aber in Deutsch- land sehr zahlreiche und ausgedehnte; sie umfassen nicht etwa blos diejenigen Produzenten, Industriellen, Fabrikanten und Erporteure, die durch die erst neuerdinds wieder erhöhten Schußzölle Rußlands mit einem allmählichen gänzliben Aufhören des bisherigen Absatzes ihrer Waaren nach Rußland bedroht werden. Das Interesse an diesen Erscheinungen geht viel weiter. es umfaßt die gesammte deutsche Volkswirthschaft. Gerade von freihändlerisber Seite hat man so häufig die drohend auêgesprochene Weissagung zu hören be- ommen, daß, wenn wir turb Scbußtzölle den ausländischen Erzeug- niffsen den Weg auf unsere Märkte versperren, das Ausland seinerseits nicht mehr im Stande sein würde, unsere Waaren zu kaufen, da es dieselben ja nur mit feinen Waaren bezahlen könnte. An diese selben Herren ger glauben wir uns daher jeßt mit der Frage wen- den zu Tonnen, womit denn die deutsche Volkswirthschaft auf die Länge die in Masse zu uns strömenden russishen Rohprodukte, Ge- treide insbesondere, dann Flachs und Holz bezahlen soll, wenn Ruß- land fortfährt, durch ScWußzölle, die fast mit jedem Jahreswechsel und noch einige Mal außer der Reihe gesteigert werden, den Eingang sämmtlichen deutschen Industricerzeugnissen über seineGrenzen systematisch zu versperren. Nach der freihändleris{en Doktrin, die für die ganze Welt fertige Schablonen hat, sollte Deutsbland in wirth\schaftlicher Beziehung zu Rußland etwa die Stellung ciner Stadt gegenüber dem flachen Lande einnehmen. Das Letztere lieferte die Bodenerzeugnisse an die Stadt, um dafür von derselben die Erzeugnisse einer hochentwickelten und weit über das eigene Konsumbedürfniß hinaus produzirenden Industrie im Austausch zu empfangen. Was aber dann, wenn die böse Welt sich nit mehr unter diese Schablone der {önen Harmonie der In- teressen fügea will, wenn das flache Land zwar fortfährt, das Jn- dustrieland mit seinen Getreideübersbüssen zu übers{hwemmen und unsere Landwirthschaft bedrängt und zum Aufgeben ihrer Thätigkeit zwingt, seinerseits sih aber weigert, die Industrieerzeugnisse dieses Käufers seiner Bodenprodukte im Austausch als Bezahlung zu nehmen, weil es seinen Bedarf an diesen Waaren durch eigene Haus- industrie selbsst zu befriedigen gedenkt. Sollen wir da, nachdem wir unsere Arbeitskräfte von dem landwirthschaft- lichen Betriebe durch die Üübergroße Konkurrenz des Imports haben verdrängen lassen, dieselben jeßt auch durch die Absperrung des Industrieexports wiederum brodlos werden lassen ?

Die deutshe Industrie wird, so glauben wir, die Unge- recbtigkeit und die Unmöglichkeit des Fortbestandes dieses einseitigen Handelsverkehrs wobl einzusehen geneigt sein und wird gern denjenigen Maßnahmen ihre Zustimmung geben, welche darauf abzielen könnten, in gerechter Nothwehr diejeni- gen Produktionszweige, die jetzt vom Importe russisher Rohprodukte hart bedrängt werden, zu {üßen und dadurch den Arbeitskräften E wenigstens auf diesen Gebieten einen gesicherten Erwerb zu schaffen.

__— Der „Hamburgische Correspondent“, welcher si lebhast für die Jnnungsfrage interessirt, schreibt in einem Artikel über die Zwangsinnungen :

Das geeignetste und allein geeignete Mittel zur Klarlegung und eventucllen Förderung dieser eminent wichtigen Sache wird von den Anhängern der obligatorischen Innungen trotz alles.darauf verwendeten Eifers bedauerlicher Weise nicht angeroendet. Dem gesammten Streit würde wahrsceinlih ein Ende gemacht werden können, wenn die Herren mit cinem wohlausgearbeiteten Normalstatut für die Zwangsinnung der Zukunft vor die Oeffentlichkeit treten und in demselben deutlich und genau sagen wollten, wie sie sich die Stellung der Großindustrie inrerhaib der obligatorishen Innung denken. Daß es in der Absicht liogen sollte, die Großindusirie überall da ganz zu verbieten, wo sie mit dein Kletngewerbe in Konkurrenz iritt, oder großindustriellen Autoritäten (z. B. Krupp in Essen oder Hartmann in Chemnitz), -die als Maschinenfabrikanten, Erfinder u. st. w. eine europäische Stellung einnehmen, das Ablegen von Prüfungen in der Scblosser- oder Schmiedekunst zuzumuthen und denselben für den Fall der Weigerung das Halten von Gesellen oder Lehr- lingen zu verbieten das kann von prafktishen Politikern do nit angenommen werden, Gegen Unterstellurgen folher Art würden si die Herren von Rauchhaupt und von Kleist sicher ebenso nachdrücklich verwal)ren, wie die gebildeteren und einsihtigeren Handwerkerführer, Aber wenn das nicht beabsichtigt wird wie will man den Innungs- zwang dann noch verwirklichen und die den Wählern gegebenen Ver- \prechungen wahr machen? Mit allgemeinen Redensarten von Förde- rung des korporativen Prinzips, Schutz des Mittelstandes, staatlicher Privilegirung derjenigen Leute, die ihre Leistungsfähigkeit ausge- wiesen haben u. \. w. ist in dem vorliegenden s{wierigen Verhält- nisse leider nit auszukommen. Soll den Faktoren der Gesetzgebung das System der Zwangsinnung Plausibel gemacht werden, so muß ganz genau und bis ins Einzelne angegeben wecden, wie man si die Sache denkt, wo man dieselbe anzugreifen gedenkt, in welche ret- lide Form sie gebrabt werden soll. Am zweckmäßigsten, einfachsten und wirksamsten würde das (wie oben gesagt) durch die Aufftellurg eines Statutenentwurfs gesehen. ;

Der „Schwäbische Merkur“ bespriht das in Verbindung mit einer Anzahl Gelehrter von Professor Dr, Schönberg in Tübingen fürzlih herausgegebene „Handbuch der politijchen Oekonomie“. Ueber den Abschnitt, welcher die indirekten Steuern behandelt, sagt das genannte Blatt u. A.: __ Die Vorzûü e der indirekten Steuern voll anerkennend, aker gegen ihre {wachen Seiten nicht blind, präzisirt {ließlihd Schall die steuer- politische Tageéfrage dahin : „Also nicht direkte oder indirekte Besteuerung ist die Frage, sondern eine den jeweiligen finanziellen Bedarf genügende, gerechte und gleihmäßige Besteuerung durch direkte und indirekte Steuern je iunerhalb der durch allgemein volkswirtbhschaftliche und natürlice Verhältnisse gesteckten Grenzen ist das Ziel, welchem ein rationelles Steuersystem zustreben muß.“ Man wird bienach dem Autor Ret geben, wenn er mit Hinweis darauf, daß die Zölle und Verbraucbésteuern in England 63%, in Frankrei 50 9/0, in Deutschland 38 9% aller Staatsabgaben bei einer Steuerlast pro Kopf von bezw. 40,27 M, 52,24 4 und 15,14 M ketragen, die Auf- gaben einer Stkeuerrcform für England und Frankrceih mehr in der Ausbildung des direkten Steuerwesens, insbesondere der Einkommen- besteuerung, für Deutschland dagegen in der Weiterbildung der in- direkten Steuern sucht.

Die „Schlesische Zeitung“ berichtet:

Na den Seitens des Landrathsamts des Kreises Landethut er- folgten Erhebungen über ten Stand der Industrie innerhalb des prnanuten Kreises zeigt sih durchgängig cine Besserung in den Ver- âltnissen, Der sih allmählich vollzichende Aufschwung nimmt cinen normalen Verlauf, indem nach Einführung des neuen Zolltarifs zunäcst bei gleihbleibenden Löhnen die Arbeitäsgelegenheit zunahm und jeyt, zum ersten Male seit zehn Jahren, auch die Arbeitslöhne sid zu heben beginnen. Die SOPUNEZerung tritt am Decut- listen keim Kohlenbergbau hervor, aber au in der Leinenband- weberei beginnt sie sih an cinzelneca Stellen bemerkbar zu machen, und wäre es nur zu wünscen, daß namentlich in der Handweberei allgemein eine beträhtlihe Lohnerhöhung Play griffe, Jn der all- mähligen Besserung in allen Branchen {eint cine Gewähr dafür zu liegen, daß dieselbe niht durch eine Spekulation hervorgebracht, fon-

dern daß fie ein Anzeichen des Gesundens der wirthschastlichen Ver- bâltnisse ift,

Amtsblatt des Reich8-Postamts. Nr. 61. Inhalt: Nerfügungen: vom 26. September 1882: Neue Ausgabe der Ab- theilung 1 des Abschnitts X der Allgemeinen Dienstanweisung; vom 97. September 1882: Postdampfschiffverbindungen mit Dänemark und Schweden.

Marineverordnungsblatt. Nr. 18. Inhalt: Straf- register und Strafurtheile. Verpfleguncszus{huß. Termin- falender. Proviantlieferungskontrakte. Zulagen. Schiffs- artillerie-Zeihnungen. —— Personalveränverungen. Benachrichti-

en.

g entral-Blatt der Abgaben-Gesetßgebung und Ver- waltung in den Königlich preußischen Staaten. Nr. 20.— Fnhalt: Anzeige der in der Geseß-Sammlung erschienenen Geseße und Rerordnungen. I. Allgemeine Verwaltungsgegenstände: Angabe des Ge- wits der Geldbeutel und Geldrollen_ im Kassenverkehr. Annahme von Depotscheinen der Reichsbank als Sicherheit für Zoll- und Steuer- fredite. Veränderungen in dem Stande und in den Befugnissen der Zoll- und Steuerstellen. 111. Indirekte Steuern : Ausführung des Gesetzes über die Reichsstempelabgaben. Statistisher Nachweis der Einfuhren an Getreide und der Ausfuhren von Mühlenfabrikaten. V1]. Personalnacbrichten.

Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 39, Inhalt: Amtliches : Personalnachrichten. Nichtamtliches: Bericht über den Eisenbahnunfall bei Hugstetten, Aukgrabungen in Troja. Ueber Stadteisenbahnen (Sch{luß). Vermischtes: Die Konkurrenz für Entwürfe zum neuen Rathhaus in Wiesbaden, Konkurrenz um den Thurmbau auf dem Astenberge. Leuhtthurm auf dem Rothen Sande in der Wesermündung. Um- und Erweiterungsbau des Gymnasiums in Essen. Brückeneinsturz. Französische Cisen- bahnen. Reglement für das Königlich italienische Civilgeniecorps. Tiefwasserhafen für Dover. Konkurrenz für das Denkmal des Kaisers Alexander I1. in Moskau.

Statiftiscés N acrichien.

Das Kaiserliche Statistisbe Amt veröffentlicht in dem soeben her- ausgegebenen Augustheft zur Statistik des Deutschen Reichs Zusam- menstellungen über dieSchiffsunfälle an der deutschen Küste und die Verunglücckungen deutscher Seeschiffe im Jahre 1881. Aus diesen Zusammenstellungen geht hervor, daß das Jahr 1881 der Sceschiffahrt annähernd im gleichen Maße gefährlid und verlustbringend war, wie das Vorjahr, und daß diese beiden Jahre im Vergleich zu früheren Jahrgängen ganz besonders reich an \{lim- men See-Ereignissen sich erwiesen. Die Zahl der amtlich bekannt gewordenen, an der deutschen Küste im Jahre 1881 vorge- fommenen Scbiffsunfälle betrug 236, von denen (bci 26 Kollisionen) 262 Schiffe betroffen wurden. Die Erhebungen für 1880 hatten ergeben 235 Un- fälle und 271 betroffene Schiffe, wogegen na den früheren Erhebun- gen auf die 7 Jahre 1873 bis 1879 nur 125 bezw. 139 durscnitt- lih auf ein Jahr sich berechnen. Von den im Jahre 1881 an der deutscben Küste verunglückten 262 Schiffen, worunter 174 deutscbe (154 Segel- und 20 Dampfsciffe) si befanden, sind gestrandet 137, gekentert 9, gesunken 32, in Kollision gerathen 52 und 32 von sonfli- gen Unfällen betroffen worden. Total verloren gingen 101 und theil- weise besbädigt wurden 114 Schiffe, 41 blieben unbeshädigt und von 6 Schiffen is der Ausgang des Unfalls unbekannt geblieben. Menschenleben sind, so weit bekannt, 89 in Folge der gedachten Un- fälle verloren gegangen. Der Sturm in den Tagen vom 14. bis 16. Oktober 1881 hat allein 60 Schiffsunfälle, darunter 39 Total- verluste, verursaht und 52 der an Bord gewesenen Perfonen das Leben gekostet. - Von den deutschen Küstengebieten fordert dasjenige der Nordsee von der Sciffahrt erheblih mehr Opfer als das der Ostsee; auf ersteres kamen im Jahre 1881 1-9 Schiffeunfälle (67,8 °%/9 der Gesammtzahl) und 7E Verluste an Menschenleben 85,4 % .

( DY Zahl der bis jetzt angezeigten auf das Jahr 1881 entfallen- den Verunglücckungen (Totalverluste) deutsher Seeschiffe beträgt 225 mit einem Nettoraumgehalt von 48 602 Registertons. An Bord dieser Schiffe befanden sih 1562 Mann Besaßung und 31 Passagiere, von welchen 214 Mann der Besat:ung und 11 Passagiere ihr Leben verloren. Von den gedachten Sciffen sind 121 gestrandet, 6 gekentert, 35 gesunken, 4 verbrannt, 39 in Folge {hwerer Beschä- gungen und 3 durch Kollisionen zu Grunde gegangen, und 17 ver- \collcn; beladen waren 194 mit cinem Raumgehalt von 42 739 Re- gistertons, die übrigen in Ballast oder leer. Die größte Zahl der PBerunglückungen fällt auf die Nordsee bezw. deren Küsten, wo 110 Schiffe verloren gingen, 46 Scbiffe sind in der Ostsee, 39 auf dem atlantishen Ocean, 8 im englischen Kanal, 7 im stillen Ocean, 3 im indischen Ocean, 4 zwischen Großbritannien und Irland, 2 zwischen den ostindishen Inseln und 2 an der Küste von Norwegen zu Grunde gegangen; in Bezug auf 4 Sciffe ist der Ort des Untergangs nicht genau ermittelt.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Das „Deutsche Familienblatt“ (Verlag von J. H. Schorer bierselb) bat im dritten Jahre seines Bestehens einen Leser- kreis von über 70000 Abonnenten um sich zu sammeln ver- standen: cin gewiß seltener Erfolg, der mehr als eine besondere Empfehlung sür die Gedicgenheit dieser Zeitschrift sprechen dürfte. Ju den nächsten Quartalen wird das „Deutscbe Familien- blatt“ folgende Rowane und Novelien bringen: „Die Spiritisten“, Roman von Mar Ring; „JIosa, die Geschichte eines Kindes“, von Ri. Tellheim; „Abendroth*, von A. Nuellens, und „Der Heren- meister“, von Heinri Seidel, mit Jllustrationen von A. Zick. Mit dem neuen Jahre erscheinen u. A.: Ernst Eckstein, „Prusias*“, ein Roman aus der rômisben Gescbichte; ferner „Zitta“, ein Roman aus dem Schwarzwald, vom Verfasser der „Mehalah.“ Auch die Schriftstellerin E. Werner kat einen Roman für das „Deutsche Familienblatt* unter der Feder. Ferner erscheinen: Poetisbe Er- zäblungen von Heinri Kruse, „Der Geizhals“ von Wilhelm Jensen, „Am Abend“ von E. O. Hopp, 2c. An belchrenden und unter- haltenden Artikeln werden die näcbsten Nummern u. a. Folgendes bringen: Du Prel, „Studien über decn Traum“; Brugsh Pascha, „Egyptens Bedeutung für den Weltverkehr“; Dr. Platen, „Reise- \sc{ilderungen aus Vorne“; Müller-Gauger, „Die Ahnen der Gauner*; M. Edardt, „Das Museum Godeffroy“; Kapitän Schück, „Sturm, Sciffbruh und Rettung,“ 2c. Von den angekündigten Holzschnitten seien genannt: „Das Begräbniß* von Oehmichen, „Der Schriftgelehrte und scine Tochter von K. Gebhardt, eine Defregaer-Nummer mit dem großen Bilde „Die heilige Familie“, eine Mondscheinlandschaft von Ries, der «Boëporus und das „Innere der Sophienmoschee“*, nach Original- aufnabmen, „Christian 11.* von A. Struijs, „Die Gedächtnißfeier“ von W. Geny, „Der Besuh_ dcs Kardinals im Kloster®* von Max Michael, „Herbststurm“ von O. Sinding, „Weitliche Anziehung“ von Hans Dabl, „Wüstenräuber“ von Ed. Berninger, „Rehe im Winter“ von C. Kröner. Man abonnirt auf das „Deutsche Familienblatt“ in allen Buchhandlungen und Postämtern zum Preise von 1,60 K viertel- jährli, oder auf den am 1. Oktober begonnenen Jahrgang der E jährli 26 Hefte zu 30 4. Bei den Postämtern

ann man nur auf die Wochenausgabe abonniren. L

Das soeben erschienene „Central-Bureau für den Weltverkehr* von Brash & Rothenstein, Berlin W., Friedrich- Straße 78, für die Monate Oktober, November und Dezember d. J., enthält in übersihtlih klarer Weise Informationen über den Reise- verkehr mit allen transatlantishen Ländern sowie ferner den Prospekt dieses für Information, Billetverkauf, Spedition- u. \. w. in Betreff übersecishen Verkehrs bestimmten Bureaus.

München, 2. Oktober. Wie die „N. N.“ melden, starb am 30, September zu Brixen in Tirol der Maler, Professor und Ebrenmitglied der Akatemie der bildenden Künste, Adolf Lier. Sein E Werk ziert zur Zeit noch die Kunsthalle der Landetaus- stellung in Nürnberg es ist die in abendlihe Dämmerung gehüllte Theresienwiese mit ter Ruhmetballe und der Bavaria im Hintergrunde.

Dresden, 2. Oktober. Das amtlihe „Dresdner Journal“ meldet, daß dem Geheimen Archiv-Rath Dr. Paul Haff el in Ber- lin die erledigte Stelle des Direktors des Haupt-Staatsarios hier- selbs, unter Ernennung zum Geheimen Regierungs-Rath, übertragen und der zeitherige Direktorial-Assistent am Königlichen Antiquarium und Privatdozent der Arcbäologie an der Universität zu Berlin Dr. Georg Treu zum Professor der Kunstgeschichte und Mitglicd des Akademischen Raths an der Königlichen Alkademie der bildenden Künste hierselbft, zum ordentliben Professor der Kunstgesbibte am Königlichen Polytechnikum, sowie zum Direktor der Königlichen Antikensammlung und des Museums der Gips8abgüsse hierselbst er- nannt worden ift.

&Wand- und Forftwirthschaft.

Aus dem Grceßherzogthum Mecklenburg, 1. Oktober, meldet man der „Köln. Ztg.“: Bei dem fast ununterbrochen während des ganzen Monats September hier herrs{henden wundervoll klaren Herbstwetter ist in den beiden Großherzogthümern Mecklenburg und den angrenzenden Theilen der preußischen Provinzen Pommern, Bran- denburg, Hannover und Scbleswig-Holstein - nicht allein die Ernte aller Getreidegattungen, sondern jeßt auch die Grummeternte der Wiesen und die Kartoffcl-, Rüben- und Wurzelernte glücklich beendet. Die Kartoffeln gaben einen ungleich reibern Ertrag, als man im August, wo die Fäulniß anzufangen begann, hier und da befürchtete, und die Preise ebenso wie die der Wurzeln, Rüben und des Heues und Strohes sinken fortwährend. Roggen, der, wie dies im August wohl häufig vorkam, nicht ganz trocken eingefahren ist, kann kaum no verkauft werden und alles, mit Ausnahme des Obstes, ift in Ueberfluß vor- handen. Da. im vorigen Jahre bei der Mißernte, besonders an Sutter, alle Landleute ihren Viehstapel, namentlich an Pferden und Rindvieh, möglichst zu verringern suchten, so kaufen sie jeßt zu den theuersten Preisen wieder Vieh, um den Ucberfluß an Futter einigermaßen zu verwerthen, Junge zweijährige Sterken wurden {on mit 300—350 6 bezahlt, bei der Ausrangirung der Kavallerie- und Artilleriepferde wurden cinzelne ausrangirte Pferde mit 4—500 A verkauft, und die preußische Remontekom- mission, welche jeßt ganz Mecklenburg bereist, muß für leichte Ka- vallerieremonten an 8-900 4 ausgeben. Auch S{weine, Kälber, Hammel, Gänse, kurz, alle Viehsorten haben jeßt übert:i:ben h be Preise und sind oft niht zu bekommen, da alle Landwirthe nichts verkaufen, sondern wo möglich zukaufen wollen, um ihre Ställe an- zufüllen und den Ueberfluß an Futter zu benußen. Es herrscht hierin jeßt gerade der {rofe Gegensaß zum vorigen Herbst, wo das Futter schr theuer und alles Vieh wohlfeil war. :

München, 1. Oktober. (Allg. Ztg.) Der heutige Haupttag des Oktoberfestes war, was nach der bisher so ungünstigen Witte- rung kaum noch zu hoffen war, vom Himmel sehr begünstigt; wir hatten cinen sehr {önen Herbsttag. In Folge dessen hatte sich, obwohl man mußte, daß nichts Neues geboten wird, eine große Menschenmasse man s{äßte dieselbe auf mindestens 70 000 Personen auf dem Geste platz eingefunden, der denn auch einen im Ganzen großartigen Anblick darbot. Das Fest bestand gleich den Vorjahren aus einer von den sämmtlichen hiesigen Militär-Musikcorps ausgeführten Musikproduk- tion, dem Umzug der Preisfahnenträger, Vorführung der preiégekrön- ten Thiere, wobei der K, Staats-Minister des Innern, Freiherr von Feilitz\ch, in Gegenwart des K. Regierungs-Präsidenten Freiherrn von Pfeufer und der Mitglieder des Generalcomités des landwirth- \c:aftlihen Vereins, die Preise an die betreffenden Landwirthe ver- theilte, dann dem Pferderennen, an welchem diesmal 11 Rennpferde theilnahmen. Der Münchener Rennverein zeigt uns zwar seit einer Neihe von Jahren durch scine Früßjahrsrennen, wie die Pferderennen eigentlich eingerihtet und veranstaltet werden müssen; es blieb dies aber bisher ohne den geringsten Einfluß auf das Oktokerfest-Rennen, das auch heute wieder ganz in der altherkömmlichen Weise abgehalten wurde, aber aub so zur nicht geringen Belustigung des weitaus größten Theils des Publikums beitrug. Morgen Vormittag beginnt auf dem Fes1plaße das von der K. Hauptschützengesellschaft veranstal- tete Festschießen, zu welchem sih die Schüßen vom Rathhause ab in festlichhein Zuge begeben.

2, Oktober. Ein Haupttheil im Oktoberfest- Programm ist alljährlih das Schießen auf. der- Theresienwiese, zu welchem die Schützen in festlihem Aufmarsche ausziehen. So versammelten sich auch heute dieselben in großer Zahl im Rathhaussaale und begaben sich Slag 10 Uhr in feierlihem Zuge mit ihren Gewehren unter Vorantragung der Preise und Fahnen fowie der Ehrengehänge ‘der Hauptschütengesellshaft, von Musik begleitet, auf die Theresienwiese, wo alsbald das Festschießen eröffnet wurde. Der Zug, den eine über- aus große Menge Volkes vom Rathhause ab begleitete, ging über den Mariecnplak, durch die Kaufinger-, Neuhauser- und Schwanthaler- straße zur Festwiese.

Gewerbe und Kandel.

Vom Berliner Pfandbrief-Institut sind bis Ende September 1882 14 095 200 M 4 °/oige, 44323 800 M 41/2 °/gige und 9181500 M 5"/cige, zusammen 67 600 500 K Pfandbriefe aus- gegeben, wovon noch 13 908 900 M 4“/cige, 37 093 800 M 41/2°/gige und 7 176 000 M 5%ige, zusammen 58 178 700 M Pfandbriefe ver- zinslih sind. Es sind zugesichert, aber noch nicht abgehoben 1 606 200 M, im Laufe des Monats September 1882 angemeldet 2 Grundstücke mit cinem Feuerversicherungêwerth von 92900 F

Nach den statistishen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief sih die Roheisenproduk- tion im Deutshen Reich (eins{ließlid Luremburgs) im August 1882 auf 271446 t, darunter 175 480 t Puddelroheisen, 12412 t Spiegelecisen, 61 791 t Bessemec- und 19 663 t Gießerei- roheisen,. Im August 1881 wurden 222602 t Nobeisen erzeugt. Vom 1. Januar bis 31. August 1882 betrug die Roheisenproduktion 1 867 873 t gegen 1 770 367 t im Vorjahre.

Dem Geschäftsbericht der Görlißer Maschinenbau- anstalt und Eisengicßerei übcr das am 30. Juni cr. beendete 10, Betriebsjahr der Gesell]\hast entnehmen wir Folgendes : Die dies- malige Produktion an Maschinen 2c. ist gegen das vorjährige Er- gebniß um 101 818 kg geringer, während der Geldwerth des Umsaßtzes pro 1881/82 um 41783 gegen 1880/81 gefliegen ist, Die Ge- sammtprodultion der Eisengießerei in fast durchgängig feinem Maschinenguß betrug während des verflossenen Geschäftsjahres 800 721 kg gegen 822 478 kg im Vorjahre. Der im verflossenen Jahre erzielte Uebirshuß beziffert \sich auf 82759 F, wovon 46 687 #4 zu Abschreibungen verwendet und 3070 G für unvorher- gesehene Ausfälle in Reserve gestellt worden sind. Von dem alsdann verbleibenden Reingewinn von 31063 M fliefien 3106 Æ in den Reservefonds, auf Tantièmekonto entfaüen 3075 Æ und 22125 K werden als Dividende von 24% an die Aktionäre vertheilt. Der Rest von 2757 f ist auf neue Rechbnung vorgetragen worden.

Königsberg i. Pr.! 4. Oktober. (W. T. B.) Die Be- triebseinnahme der Ostpreußischen Südbahn pr. Septbr. 1882 betrug nach vorläufiger Feststellung: im Personenverkehr 93405 M, im Güterverkehr 281331 M an Erxtraordinarien 12 000 K, zusammen 386 736 M; im Monat Septbr. 1881 definitiv 639 420 Æ, mithin weniger gegen den entsprehenden Monat des Vor- jahres 252684 «M; vom 1. Januar bis ult. Septbr. 1882 im Ganzen 3578 332 M gegen 2701788 M im Jahre 1881, mithin mehr gegen den entsprebenden Zeitraum des Vorjahres 876 544

Dortmund, 2. Oktober. (Eff. Ztg.) Jm Eisengeschäft hält die günstige Stimmung der Vorwochen unverändert an und das Vertrauen auf eine Andauer der bessern Konjunktur wird bei der Stetigkeit des Verkehrs immer zuversibtliher. Was die verschiedenen Branwhen betrifft, so hat sih der Bedarf in Puddel-Roheisen so gesteigert, daß die betreffenden Hochöfen denselben nur mit Mühe zu decken vermögen, obglei im Laufe des Jahres verschiedene Oefen, die bis dahin auf Gießereieisen gingen, auf Puddeleisen Umg worden sind. Es ift daher ron mehreren Werken die Vergrößerung der Produktion von Puddeleisen in Autsiht genommen. Die Firma Karl von Born hat auf ihrer im hiesigen Stadtbezir® gee legenen BAREUEA einen diitten Hochofen angelegt, der in kurzer Zeit dem Betriebe übergeben werden Tann, und

auf dem hiesigen Hochofenwerk der Dortmunder Union ist kürzlich der Bau eines vierten Ofens in Angriff genommen worden. Gießerei- und Bessemereisen is auf den heimischen Werken ziemlich rar und wird daher die englishe Konkurrenz in steigendem Maße in An- \spruch genommen. Die Walzwerkbranche ift im Allgemeinen reichlich mit Aufträgen versehen, au fehlt es nicht an neuen Ordres, so daß sie durchweg im flotten Betriebe stehen. Eine große Zahl von Walzwerken arbeitet gegenwärtig um \}o angestrengter, um noch vor Eintritt der {lehten Jahreszeit ihre Aufträge für Ruß- land, Schweden und die Ostseeprovinzen zu erledigen und so die dann höheren Schiffsfrahten zu vermindern. Die Stahl- werke haben zwar noch bedeutende ältere Bestellungen in Stahl- \cienen, Quer- und Langshwellen sowie Achsen, Rädern, Bandagen 2c. zu erledigen, auch sind neuerdings wieder umfangreiche Lieferungen von festem Eisenbahninaterial durch Submissionen von heimischen Eisenbahnen vergeben, aber der Mangel an Aufträgen für den Erport hat dadurch keine genügende Ausgleichung erfahren und sind daher die Preise für Stahlschienen um einige Mark pro Tonne zurückgegangen, wie aus den vor einigen Tagen abgehaltenen bezüglichen Submissionen hervorgeht. In der Kohlenindustrie dauert ein schr belangreichec Absaß und eine zunehmende Nacbfrage in allen Kohlenforten an, ins- besondere aber in Hausbrandsorten, Gas- und Cofekohlen. In Coke ist der Geschäftsgang ebenfalls ein reger und verkehren die Preise wie auch in Kohlen in steigender Tendenz. i

Nürnberg, 30. September. (Hopfenbericht der Allg. Br. u. Hopfenztg.) Der heutige Markt \chließt bei andauernder Bedarfsfrage, die sich im Lauf der ganzen Wocke für gute Kund- ichaftswaare aufrecht erhielt, in fester Tendenz. Die Landzufuhr be- trug nur 200 Ballen, die Bahnlieferungen etwa 500 Ballen, von denen dur Auswahl der besseren Sorten bis Mittag 300 Ballen zu untenstehenden Notirungen verkauft wurden. Die heutigen Noti- rungen lauten: 1882r Markthopfen Prima 280—295 #, do. desgl. Secunda 265—275 4, do. desgl. Tertia 220—250 A, do. Hallertauer Prima 300—325 Æ, do. desgl. Secunda 280—295 #, do. desgl, Tertia 250—275 Æ, do. Gebirgshopfen 295—310 M, do. Württemberger 280—320 H, do. Badische 300—315 H, do. Posener 305—320 4, do. Steiermärker 315—340 4, do Altmärkec 225—240 M, do. Oberösterr. (transit) 245—255 4, 1881r Hopfen 200—230 MÆ, 1880r Hopfen 100—110 M, 1879r Hopfen 75—99 M, ältere Jahrgänge 40—70 M j :

London, 3, Oktober. (W. T. B.) Bei dem gestrigen Schlusse der Wollauktion waren Preise unverändert. e

Glasgow, 3. Oktober. (W. T. B.) Die Verschiffungen von Roheisen betrugen in der vorigen Woche 15 023. gegen 16 434 Tons in derselben Woche des vorigen Jahres. Z

New-York, 2. Oktober. (W. L. B.) Weizenverschif- fungen der leßten Woche von den atlantischen Häfen der Ver- einigten Staaten nah Großbritannien 240 000, do. nah Frank- rei 175 000, do. na anderen Häfen des Kontinents 109 000, do. von Kalifornien und Or-gon nach Großbritannien 115 000, do. do. nach Frankreih —, do. do. na anderen Häfen des Kontinents Qrtrs.

Verkehrs-Anstalten.

In einem Artikel über die Eisverhältnisse an den deut- \chen Küsten der Ost- und Nordsee, welchen die „Annalen der Hydrographie und waiitumen Meteorologie“ in ihrem Augustheft brachten, werden auch über den Hafen von Warnemünde nah Angaben des dortigen Lootsencommandeurs Janßen s{häßbare Mit- theilungen gegeben. Aus denselbea ergiebt sich, daß kein anderer deutscher Ostseehafen so wenige winterliche Unterbrechungen der Schiff- fahrt aufzuweisen hat wie der genannte Rostocèr Hafenort. Die Eisbildung in Strom und See beginnt gewöhnlich in der zweiten Hälfte des Januar und erreicht {on gegen Ende des Monats Februar ihr Ende. Selten ist der Fluß ganz zugefroren und dann immer nur auf einige Tage, oft nur auf wenige Stunden, da das steigende Wasser die Cisdecke sprengt und die Strömung das Eis in wenigen Stunden aus dem Hafen in die See führt. Ein eigentliher Eisgang findet nicht statt und es tritt daher keine Eis- stauung ein. Auch hat der Eisgang auf die Tiefenverhältnisse keinen Einfluß. Nah Ausweis der in den Jahren 1871—1881 geführten Sournale ist der Hafen bis auf kurze Pausen im Winter 1876/77, 1879/80 und Lien für Dampfer stets und für Segelschiffe wenig fürzer zugänglich gewesen.

N ew-Vork, 3, Oktober. (W. T. _B,) Der- Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Rhein“ ift hier eingetroffen.

Verlin, 4. Oktober 1882.

Preußische Klassenlotterie. (Ohne Gewähr.)

Bei ‘der heute angefangenen Ziehung der 1. Klasse 167, Königlih preußischer Klassenlotterie fielen:

1 Gewinn von 9000 A auf Nr. 53 233.

1 Gewinn von 3600 M auf Nr. 21181.

4 Gewinne von 1500 # auf Nr. 7017. 10723, 63 088. 70 351.

3 Gewinne von 300 M auf Nr. 731. 8661, 21 531.

Am 27. September hielt der Verein für deutsches Kunst- gewerbe seine erste Sitzung nah den Ferien. Nach Erledigung der ge\chäftliden Mittheilungen und Aufnahme neuer Mitglieder hielt Hr. Dr. Pabst cinen Vortrag: „Kunstgewerbliches aus Paris“, Redner \cilderte in demselben auf Grund eigener Anschauung den derzeitigen Stand der Pariser Kunstindustrie. Dieselbe bewege \ih fast aus- \c{ließlih in den Bahnen des Roccoco und leiste auf diesem Gebiete allerdings ganz Bedeutendes; nit nur in den Zimzmereinrihtungen, welce dort nicht wie bei uns von den Architekten, sondern fast aus- {ließli von den Decorateuren besorgt würden, behaupte das Roccoco seine Herrschaft, sondern auch in den übrigen Fächern , zum Beispiel în der Metallindustcie. Jn der , namentirung sei das Nachahmen japanischer Muster allgemein. Bemerkenswerth sei die bedeutende Unterstüßung des Kunst- gewerbes durch den Staat; z. B. kaufe derselbe jährlich große Mengen von Kunstbronzen zur Dekorirung öffentliher Gebäude und zu Geschenken. Zu gleichem Zweck arbeiteten Staatsinstitute, wie die Parzellanmanufaktur in Sèores und die Gobelinmanufaktur. Neben den staatlichen Anstalten wirke die société des arts decoratifs, welche z. B. in diesem Jahre cine sehr rei ausgestattete Ausstellung für Zimmereinrihtung veranstaltet habe. An den Vortrag knüpfte si eine längere Diskussion über die Berechtigung des Roccocoftils im Kunstzewerbe. Vorgelegt wurden dur den Baumeister Schäfer und Hrn. Rechnungs-Rath Warneckte mehrere s{öône Leinenstickereien aus dem 16. und 17. Jahrhundert, von Hrn. Weidner eine seltene Seidenstickerei auf Papier, und von dem Baumeister Schäfer ver- schiedene auf Seide gedruckte Kupferslibe, wie solhe hier in der Kunsthandlung von Stiefbold zu haben sind.

Stolze’sherStenogravphen- Verein. Hauptversammlung Donnerstag, den 5. Oktober, Abends 8 Uhr, im Swloßrestaurant, S(loßfreibeit 8/9, Tagetordnung: 1) Voitrag des Herrn Bädler über die Kurzschrift von Römberg. 2) Vereinsangelegenheiten. Jeden Donnerstag, Abends 8 Uhr, im Vereinélokale Leseabend. Ca. 80 ftenographische Zeitungen versiedener Sprachen und Systeme e die neucsten stenographischen Litteraturerzeugnisse liegen zur freien Benutzung für Stenographen aller Svsteme aus, Gäste sind will- kommen.

Victoria-Theater. Morgen, Donnerstag, findet die 1 Aufführung von Scbillers „Vershwörung des Fietco“ statt. Am Freitag werden „Wallenstcins Lager“ und „Die Piccolomini* zur Auf-

führung gelangen. —————-