1882 / 244 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

E a L S, E E Se T E Lo

worden. Jm Jnteresse des Reichéfiskus wie in dem dadur bedingten preußischen finanziellen Jnterefse hat der Finanz- Minister si veranlaßt gesehen, die vorgedachte Cirkular: Ver- fügung unterm 30. v. M. dahin zu modifiziren, daß die Vermittelung von Versiherungsgesellshaften bei der Versendung der Werthpapiere fortan niht mehr in Anspruch zu nehmen, im Uebrigen aber nach den Bestim- mungen derselben au ferner zu verfahren ist.

Der Betrieb des Totalisators auf Wettrennpläßen ist,nach einem Urtheil des Reichsgerichts, Il. Strafsenats, vom 7. Juli d. J., ais Glüccks\piel zu erachten, und der Vorstand des Rennklubs, welcher den Betrieb des Totalisators auf seinem Rennplayt gestattet hat, ist wegen Gestattung eines Glüdsspiels aus $8. 285 des Strafgeseßbuchs zu bestrafen.

Der General-Lieutenant von Verdy du Vernois, Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements, ist aus Danzig, wohin er sich Ende vorigen Monats zu der dortselbst statt- er iy Festungs: Dienstübung begeben hatte, hierher zurück- gekehrt.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Großherzoglich mecklenburg-: s{hwerinsche Ober-Zolldirektor Oldenburg ist hier eingetroffen.

Das „Marine-Ver.-Bl.“ veröffentlicht folgende Nach- rihten über Schiffsbewegungen (das Datum vor dem Orte bedeutet A? kunft daselbst, nach dem Orte Abgang von dort). S. M. Knbt. „Albatroß“ 27./7. Montevideo 30./8. 31./8. Buenos-Ayres. (Poststation: Montevideo [Uruguay].) S. M. S. „Carola“ 4./7. Auckland 19./7. 5./8. Papeete (Tahiti). Beabsichtigte am 16./8. nah Samoa in See zu gehen. (Poststation: Sidney [Australien].) S. M. Knbt. „Cyclop“ 11./9. Gibraltar 13./9. 18./9, Marsala 18./9. 19./9. Malta 27./9. 2./10. Port Saïd. (Postistation : Alexandrien [Egypten]) S. M. S. „Elisabeth“ 10./8. Wla- diwostock 14./8. nach Chefoo. Poststation : Hongkong.) S. M. S. „Gneisenau“ 21./9. Port Saïd. Hat Befehl er- e nah Malta zu gehen. (Poststation: Malta.) S. M.

nbt. „Habicht“ 21./6. Alexandrien 30./9. 6./10. Malta 7./10. (Poststation : Plymouth.) S. M. S. „Hertha“ 23./9. Porto Grande 26./9. (Posistation: Plymouth). S. M. Knbt. „Hyäne“ 24./8, Valparaiso 26./8. (Poststation: Sidney [Australien].) S. M. Knbt. „Zltis“ 15./9. Singapore. Hat Befehl er- halten, sich wieder auf seine Station zu begeben. (Post- station: Hongkong.) S. M. Av. „Loreley“ 17,/9. Buyuk- déré. Leßte Nachriht von dort 9./10. (Poststation : Konstantinopel.) S. M. Knbt. „Möwe“ 28./8. Port Saiïd 24./9. 1./10. Malta 4./10. 10./10. Gibraltar 11./10. (Poststation : Due) S. M. Brigg „Musquito“ 6./9. Kiel. (Post- ation: Kiel.) S. M. S. „Moltke“ 28./6. Montevideo 23./7. nach Süd-:Georgien. (Poststation: Panama.) S. M. S. „Nymphe“ 4./9. Jaffa 6./9. 7./9. Haifa 8./9. 11./9. Æ yrut 14./9. 1./10. Suda-Bay. (Poststation: Suda Bay [Jnsel Candia].) S. M. S. „Olga“ Kiel 10./10. (Post- station: Plymouth.) S. M. S. „Stosh“ 7./8. Wladiwo- sto 14./8. nah Chefoo. (Poststation: Hongkong.) S. M. Brigg „Undine“ 6./9. Kiel. (Poststation: Kiel.) S. M. Knbt. „Wolfs“ 7./8. Shanghai. Lehte Nachricht von dort 19./8. (Poststation: Hongkong.) S. M. Aviso „Zieten“ 10./9, Malta 17./9, 27./9. Alexandrien. Hat Befehl erhalten, nah Malta zu gehen. (Poststation : Malta.)

Kiel, 16. Oktober. (Kl. Ztg.) Die Schiffsjungen- Briggs „Undine“ und „Musquito“ wurden gestern Nachmittag außer Dienst gestellt.

Vaden. Karlsruhe, 16. Oktober. (W. T. B.) Die „Karlsruher Zeitung“ veröffentliht ein Handschreiben des Großherzogs, d. d. Schloß Mainau vom 15. d. M. an den Sedaroüberioo, durch welches der Großherzog die Re- gteruna wieder übernimmt, dem Erbgroßherzog für ie Stellvertretung auf das Herzlichste dankt und ihm die Uebermittelung des Großherzoglihen Dankes an das badische Volk überträgt. Jn einem zweiten Handschreiben an den Staats-Minister Turban spricht der Großherzog dem Staats- Ministerium seinen Dank aus für den dem Erbgroßherzog, als seinem Stellvertreter geleisteten treuen Beistand.

Hessen. Darmstadt, 12. Oktober. (Köln. Ztg.) Heute trat der Finanzausschuß der Zweiten Kammer zu einer Sizung zusammen. Auf der Tagesordnung standen die drei Geseßentwürfe über die allgemeine Einkommensteuer, über die Einführung einer Kapital-Rentensteuer und über die Gewerbesteuer, niht au der den Ständen weiter zugegan- gene vierte Steuergeseßentwurf über die Erbschaftssteuer und

ie Schenkungssteuer, da dieser wegen der vielen einschlägigen juristischen Gesichtspunkte dem Geseßgebungsaus\{huß über- wiesen ist. Zunächst handelte es \sich nur um eine generelle Besprehung jener drei Entwürfe, in welcher anerkannt wurde, daß in den beiden zuerst genannten Ent- würfen im wesentlihen die Wünsche Berücksichtigung gefunden haben, welche auf dem zweiundzwanzigsten Landtage in Bezug auf die fraglichen Materien hervorgetreten waren. Diesem Landtage waren nämlich bereits ein revidirtes Ein- kommensteuergeseß, sowie ein Kapitalrentensteuergeseh vorgelegt und von der Zweiten Kammer berathen worden, ohne daß es jedoch wcgen dés Landtagsschlusses zu cinem Abschluß kam. Eine eingehendere Berathung der einzelnen Entwürfe steht in nächster Zeit bevor, erst dann wird eine Einladung der Regie- rung zur Theilnahme an den Sißungen stattfinden. Die Be- rihterstattung über das Erbschasts- und Schenkungssteuergesetz hat der Vorsitzende des Geseßgebungsausschusses Abgeordneter Rechtéanwalt Muhl:-Gießen übernomnen. Der Zusammen-

triti auch des leßtgenannten Ausschusses steht in nächster Ausficht.

Elsaß - Lothringen. Straßburg, 16. Oktober. (W. T. B.) Gegenüber der durch mehrere Zeitungen ver- breiteten Nachricht, daß der Statthalter sih gegen die Weiterführung der Kaiserlihen Tabackmganufaktur ausgesprochen habe, ist die „Elsaß: Lothr ingische Zeitung“ in der Lage zu erklären, daß diese Nachricht gänzlich unbe- gründet ist.

Oesterreich - Ungarn. Wien, 15, Oktober. Der Mos ist gestern Abend nah Gödöllö abgereist.

gram, 13, Oktober. Jn der heutigen Sißung des

Grenzausschusses gab Sektionachef Zivkovic Namens der

erung die Ecklärung ab, daß der Bedarf der Grenze für

die bereits vereinigten Behörden jährlich ins Budget ein-

gestellt werden soll. Demzufolge wird der Grenzauss{uß die egierungsvorlage über die Juartikulirung der Grenzinkor- porirungs-Verordnungen nochmels in Berathung ziehen. Der Grenzaus\{uß verhandelte heute auch über diezweite Zuschrift des Banus an den Landtag, betreffend die Landtagsbeschlü}se in An- gelegenheit der Grenzincorporirungs-Verordnungen. Der Aus- {uß nahm die Bescheide hinsihtlich des Wappens und der Titelfrage zur Kenntniß, dagegen lehnte der Aus\{uß die Kenntnißnahme der Regierungsantwort bezüglih des dritten Beschlusses, Uebertragung der Verwaltung der Grenz-Staats- forste aus dem Wirkungskreise des Finanz-Ministeriums in denjenigen des Ackerbau-Ministeriums, ab.

Schweiz. Bern, 14. Oktober. Das Rundschreiben des Bundesraths an sämmtliche eidgenössishen Stände, betreffend das Verbot der Anwerbung nach Egypten, hat nah dem „Bund“ folgenden Wortlaut:

„Nachdem als ziemlich sicher angenommen werden darf, daß die Werbungen nach Egypten, welche mit ziemlichem Erfolge betrieben zu werden seinen, es, wenn nicht aus\chließlih, so doch der Haupt- sache nah auf Individuen abgesehen haben, welche in der Schweiz den Rekrutenunterriht durchmach{ten und fich hierüber durch ihre Militärdienstbüchlein ausweisen können, glauben wir, dem Fortgange jener Werbungen nicht mehr ruhig zusehen zu sollen.

Wenn au vor der Hand noch dahingestellt bleiben mag, inwie- weit auf Werber und Angeworbene die Bestimmungen des Werbe- geseßes anwendbar sind, fo unterliegt es doch keinem Zweifel, daß der ohne Erlaubniß der kompetenten Behörde erfolgte Uebertritt einge- theilter \{weizerisher Militärpflichtiger in die Dienste eines fremden Staates als etwas {on vom rein militärischen Standpunkte aus durchaus Unstatthaftes anzusehen ift.

Durch die Bundesverfassung von 1874 und die in Ausführung derselben erlassenen Gesetze is das Band zwischen dem Bunde und dem militärpflihtigen und militärisch geschulten {chweizerischen Ange- hörigen ein weit engeres geworden, als es früher war. Dieser wird auf Kosten des Bundes instruirt, gekleidet und ausgerüstet; er darf nit einmal seinen Aufenthalt in der Schweiz ändern, ohne die da- herige Aenderung in scinem Dienstbüchlein vermerken zu lassen; die Unterlassung ist mit Strafe bedroht. Um so viel mehr muß das mit definitivem Verlassen des heimathlihen Bodens verknüpfte eigenmäch- tige Aufgeben des militärischen Verbandes mit der Schweiz Seitens eines s{weizerishen Wehrpflichtigen strafbar erscheinen.

Wir sind daher im Falle, die Fortseßung der im Gange befind- lichen Werbungen nach Egypten des Bestimmtesten zu verbieten, und laden Sie anmit ein, diesem Verbote, und zwar sofort, mit allen Ihnen zustehenden Mitteln Nachachtung zu verschaffen.“

Großbritannien und Jrland. London, 14. Okto- ber. (Allg. Corr.) Jn London, Windsor und anderen Städten des Landes werden umfassende Vorbereitungen getroffen, um den aus Egypten zurückehrenden Truppen einen festlihen Empfang zu bereiten. Jn den Zeitungen wird zur Gründung eines Unterstüßungsfonds für alle dienstunfähigen Soldaten aufgefordert, da die solhen Soldaten gewöhnlich gewährten Pensionen zum Unterhalt derselben nicht genügen.

17. Oktober. (W. T. B.) Die „Times“ erfährt : die englishe Regierung dürfte die Stellung Arabi Pas chas unter englishen Gewahrsam verlargen, sofern die egyptischen Behörden nicht angemessene Vorsorge träfen, um demselben einen unparteiishen Prozeß zu sihern. Der „Daily News“ zufolge hätte die Regierung der Kapkolonie be- schlossen, de Narlamér des Kaplandes die Zurückziehung der Kolonialbehörden aus dêm Basutoïan de anzuemptehlen.

Frankreich. Paris, 14. Oktober. (Fr. Corr.) Das „Fournal officiel“ veröffentliht heute ein Dekret des Präsidenten der Republik, wodurch der ober e Rath für Handel und Jnudustrie neu organisirt wird. Es wurde dies nöthig in Folge der Abtrennung der Abtheilung für Acerbau von dem Handels:Ministerium und die Errichtung des ersteren zu einem besonteren Ministerium. Den Vorsitz des gedachten Oberraths führt der Handels-Minister, Vize- Präsidenten sind die Herren Senatoren de Freycinet und Féray. Unter den Mitgliedern befinden \ich u. A. die Senatoren Pouyer - Quertier, Claude, Magnin und Sctheurer- Kästner, sowie die Deputirten Rouvier und Lavergne. Ein zweites Dekret bestimmt, daß vom 1. Oktober 1884 an Niemand in Algier mehr zum Notar, Gerichts- schreiber oder Avoué ernannt werden kann, wenn er nicht ein Certifikat des arabishen Verwaltungs- und Gewohnheits- rets, gemäß dem Dekret vom 24. Juli 1882, beizubringen vermag. i __ Gegen die Entscheidung des Präsidenten der Kammer sür dienstlihe Klagen in Sachen der Schwestern der Rue de la Lune hat der Seinepräfekt Floquet den Kompetenz- konflift erhoben.

General Navoleon Edgar Ney, Prince de la Mos- kowa, vierter Sohn des berühmten Marschalls Ney, ist nach langer, s{chwerer Krankheit, 70 vahr alt, gestorben.

(Köln. Ztg.) Die Botschafter der Königin von Ma- dagaskar werden morgen vomPräsidenten der Republik empfan- gen werden. Jm heutigen Ministerrath wurde beschlossen, daß fortan über die Verhandlungen den Zeitungen keine Be- richte mitgetheilt werden jollen. Der Bischof von Poi- tiers, Belot des Minières, hatte heute Morgen eine Unter- redung mit dem Minister des Jnnern wegen der feindseligen Oa jeiner Geistlichkeit, Die Regierung hat eine

ntersuchung wegen der jüngsten Unruhen in Montceau- les-Mines angeordnet. Auf Antrag der Regierung wird die Bank von Frankreih Pensionskassen für die zahl- reichen in verschiedenen Regierungsämtern beshäftigtenFr auen gründen. Jn Nuits (Cote d’Or) haben Unbekannte zwei Kreuze durch Dynamit in die Luft gesprengt.

15. Oktober. (Köln. Ztg.) Die Negierung hat schr strenge Maßregeln zur Verhütung neuer Unruhen in Montceau-les-M ines getroffen. Jn der Gegend, wo straf- fällige Handlungen vorkamen, sind Patrouillen der requirirten Truppen in Bewegung; auch wurden die Häuser der Zeugen, welche Aussagen gegen die Wühler maten, aeshüßt. Jn Chalon-sur-Saone wurde am Mittwoch das Gerichtégebäude, wo der Prozeß gegen die Aufrührer eröffnet wurde, militäris{h beseht. Der Direktor für allgemeine Sicherheit ift heute von hier nah Montceau abgereist, In den nächsten Tagen erscheint das Dekret zur Einberufung der Kammern. Der Prinz von Wales ist von Lau anne, wo er seine bei- den Söhne zurückließ, wieder in Paris eingetroffen und hat sofort dem Präsidenten Grévy einen Besuch gemacht.

,_— 16. Oktober. (W. T. B.) Der Conseilspräsident und Minister des Auswärtigen Duclerc eröffnete heute die internationale Konferenz zur Berathung über die Sicherheit der unterfeciiGen Kabel, indem er die Delegirten willkommen hieß und dem Wunsche Ausdruck gab, daß ihre erathungen gen sein möchten. Zum Präsidenten wurde Cochéry ernannt. Die Konferenz trat sodann unter

dem Vorsiße Cochéry's zu ihrer ersten Sißung zusammen, in der sie si mit der Prüfung der Vollmachten der einzelnen Delegirten beschäftigte.

Serbien. Belgrad, 16. Oktober. (W. T. B.) Der König wird sich von Rustshuk aus nah Tekutsch in der

Moldau begeben und voraus}jihtlich erst am Freitag hier wieder eintreffen,

Nußland und Polen. St: Petersburg, 15. Oktober. (W. T. B.) Das „Journal de St. Pétersbourg“ sagt in einer Polemik gegen den St. Petersburger Correspon- denten der Berliner „Tribüne“: derselbe habe Familienähnlich- keit mit dem Correspondeten der „Morningpost“ und zeige sih sonderbar genau unterrihtet über Alles, was General Tschernajeff auf der Reise nah Turkestan gethan und gesagt und vielleiht gar gedacht habe. Die dem Ge- neral zugeschriebenen Reden seien ganz in dem Styl der Cor- respondenzen der „Morningpost“ abgefaßt: sie athmeten Haß 0 England und sprächen die Ueberzeugung aus, Rußland abe nur eine Sorge, nämlih die englische Herrschaft in Indien zu beseitigen, was auch der Hauptgegenstand der Mission Tschernajeffs sei. Das „Journal de St. Pétersbourg“ will nur den flagranten Widerspru betonen zwischen dieser Sprache und den verständigen und kategorischen St. Petersburger Reden des Generals Tschernajeff. Die „Tribüne“ giebt weiterhin ein so trauriges Bild von dem Zustande der Truppen in Tur- kestan, von dezimirenden Krankheiten unter denselben, von einer ausfaugenden Verwaltung 2c., daß die „Morningposi“ vor der Gefahr einer russishen Jnvasion in Indien völlig gesichert erscheint. Es ist immer dieselde Taktik: Bald wird Rußland als ein Drohgespenst bald als ein Koloß mit thöner- nen Füßen hingestellt. Wir beshränken uns darauf, beide Bilder _&nander gegenüber zu stellen, sie neutralisiren sih gegenseitig. Es ist „la demonstration par Vabsurde,“

Ö Moskau, 14, Oktober. (W. T. B.) Gestern hat hier die Eröffnung des deutschen Theaters stattgefunden. Zur Aufführung gelangte „Emilia Galotti.“ Das Theater war ausverkauft und der Erfolg ein vollständiger.

Amerikck. New-York, 13. Oktober. (Allg. Corr.) Der heutige „Commercial Advertiser“ meldet, daß Hr. Fol- ger noch zu keinem Entschlusse bezügli seines Nücktritts ge- langt sei. Hier eingegangene Postnachrihten melden, daß am 7, September, dem Tage, an welchem das Erdbeben in Panama stattfand, vorheerende Fluthwogen die Ostküste des

Staates Panama und die Westküste der Jusel San Domingo heimsuchten.

Afrika. Egyoten. Kairo, 16. Oktober. (W. T. B.) Den Vertretern der Mächte ist am Sonnabend der Entwurf des Dekrets zugegangen, in welchem der Khedive anordugt, daß die internationalen Gerichtshöfe Schadenersaß- ansprüche niht zu berücksichtigen haben, da zur Unter- suchung derselben in Uebereinstimmung mit den Mächten eine Spezialkommission ernannt worden sei. Die englische Regierung hat heute ihre Zustimmung zu diesem Dekrete notifizirt. Die Zahlung der Coupons der uni- fizirten Schuld ist vollkommen gesichert und wird aus den für die Schuldzahlung besonders angewiesenen* Einkünften ne. Zuschuß aus den allgemeinen Einkünsten bestritten erden.

Alexandrien, 16. Oktober. (W. T. B.) Jn Folge von Gerüchten über eine in der Bevölkerung herrschende, besondere Aufregung wurden gestern Abend die Straßen von Patrouillen durchzogen. Eine Ruhestörung hat indeß nicht stattgefunden.

Zeitungsstimmen.

Dem Leitartikel der Wiener „Presse“ vom 14. d. M, entnehmen wir folgende Stellen :

Die Sozialpolitik, welche; in den leßten Jahren das gesammte öffentliche Leben beherrshte und die Wissenschaft glei sehr wie die Staatêmänner beschäftigt hat, {eint allerneuestens sowohl in Theorie wie in Praris an einem todten Punkt angelangt. Der deutsce Kanzler hatte es unternommen, die Gesellschaftsreform aus dem Bereiche der dofktrinären Diskussion durch umfassende Vorlagen zum Schutze und zur Förderung des sogenannten vierten Standes in die Wirklickeit überzuführen; man weiß indessen, daß er heute, naddem ihm mit dem Tabackmenopol auch das staats\ozialistis&e Budget ab- gelehnt worden ist, seine Pläne auf eine Zeit verlegt hat, da die Opposition der Interessen dur die Erkenntniß der g«fahrvollen Lage der Gesellschaft besiegt werden wird. Aber während der praktische Politif:r seine Projekte nur aufgeschoben hat, \ind die Tbeoretiker offenbar beim völligen Bankerott angelangt. Dies war deutlich zu er kennen aus den let: ten Jahresversammlungen der beiden großen deut- {en Vereine, welche si die Diskussion der Volkswirthschaft zur Aufgabe gestellt haben ; der eine in einer Richtung, welche der Bismarck- {en Politik völlig entgegengesetßt ist, während der andere dem Kanzler in der Theorie entgegenkommt, in der Praxis ihn aber im Stiche läßt. Der sogenannte „volkswirtbschaftlicbe Kongreß“ der Mancbesterpartei tagte fürzlid in Mannheim, der „Kongreß für Sozialpolitik“ in Frankfurt, aber das Ergebniß beider Berathungen ift derart, daf: die Auflösung beider Vereine cigentlih die logische Folge sein müßte. Die Resultatlosigkeit der wissenschaftliden Bestrebungen, der Lösung der gesellschaftlichen Frage näber zu kommen, ift sicherlih cine That- sache, welche auf die Politik hinüberwirkt und zu allernäcst die Folge hat, den Gegnern Bismarcks jeden Triumph über seinen Mikßerfolg zu verleiden. _ i

In erster Linie erregt das Geschick der deutschen Manckester- partei unser mitleidiges Interesse, weil sie von der stolzen Höhe einer einstigen Beherrscherin der deutschen Politik berabgestiegen ift zu einer, man möchte sagen, Winkelversammlung, denn auf dem Tage zu Mannheim wurde es {hon an dem spärlihen Besuche äußerlich klar, wie viele Anhänger das Evangelium des \{rankenlosen wirtk- schaftlichen Individualièmus, des Geben- und Geschebenlassens ver- loren hat. Die Berathungen selbst begannen mit einem Selbst- dementi und endeten mit einer Kundgebung für die Verbraucbé-, daß heißt die indirekten Steuern. In dem ersten Vor- trag über das „Manthesterthum*“ protestirte der Referent Dr. Barth dagegen, daß die deutshen Freibändler mit den eng lichen Mancestermännera identifizirt würden und daß sie den Ge- danken des laisser saire auch auf das politishe und soziale Gebiet übertragen wollten, Diese Lehre sei überbaupt im «Verblassen“, mehr noch in Deutschland als in England,“ aber auc die englischen Manester-Politifer hätten in Irland bereits die alte Theorie preis- gegeben. Diese Erklärung war nur die Einleitung der völligen Anarchie, iadem \ich fast bei jedem Punkte der Tagesordnun die Interessen gegen die Dolktrinen erhoben und nit einma über eine anscheinend so techaishe Frage wie «Lagerschein und Warrant“ cine Verständigung erzielt werden konnte. Bei der Debatte über die „Verbrauchésteucrn“ aber kam man, freilich unter mehrfachem Widerspruche, zu dem Schlusse, daß dieselben auf wenige einträgliche Artikel beschränkt werden soliten und daß der Taback vor Allem „bluten* müsse, Der volkswirthschaftlihe Kongreß endete mit einer Kundgebung für das Tabackmonopol da ist doch wohl die Lehre von der wicthschaftlichen Freiheit bankerott.

Dem „Düsseldorfer Anzeiger schreibt man aus Berlin: : A s

Was is Wahrheit? Kür die Leichtfertigkeit, mit welcher die Fortschritispartei dieselben Thatsachen bald in dem einen, bald in dem andern Sinne zu ihren Agitationszwecken ausnußt, liegt ein neuer hemerkenswerther Beleg vor. Von fortschrittlicher Seite wird dem System der Verstaatlihung der Eisenbahnen bekanntlich hartnäiger Miderstand geleistet, Die Herren behaupten, weil die Erträge der Bahnen wechselten und weil leine Bürgschaften gegen einen plôylicen Rückgang derselben geleistet werden können, theile das System der Staatseisenbahnen dem Staatsbudget eine \{ädlice Unsicherheit mit, die im öffentlichen Interesse vermieden werden müsse. Behauptungen dieser Art haben wir gerade während der gegenwärti- gen Wahlagitation häufig zu hören bekommen. Aus einer der letzten Nummern der Richterswen „Parlamentarishen Correspondenz“ erfah- ren wir mit einem Male, daß der Fortschritt an diese Aufstellung selbst nit glaubt, und daß es eben die nah seiner Angabe „unsiche- ren“ Erträge der „leider“ verstaatlihten Eisenbahnen find, _ die die Einführung neuer Steuern unnöthig machen sollen ! Die halbe Milliarde, welche der Einnahme-Etat der Eisenbahn- verwaltung gegenwärtig aufweist, ist nämlich nach Herrn Richters Ermessen viel zu niedrig gegriffen. „Eine Verkehrs\teigerung um nur 109% ergiebt {on 50 Millionen mehr, während die Verzinsung des Anlagekapitals in Folge der Transportzunahme nicht mehr erheischt und auch die Betriebskosten nicht entfernt in demselben Maßstabe zu steigen brauchen.“ Aus dem s{chlechten und unsicheren Geschäft ist also mit einem Male ein gutes und sicheres Geschäft geworden, bei welchem sih ohne Weiteres auf eine Vermehrung der Cinnahmen um 10% LeMnen B

Jn der vorgestrigen Abendnummer der „Nord- deutshen Allgemeinen Zeitung“ lasen wir:

Der Jahresbericht der Handelskammer in Bochum enthält fol- gende sehr interefsante Tabelle über die Preise ciniger wichtigeren Be- darfsartikel in den Konsumanstalten des Bochumer Vereins für den 1, Mai 1877, 1879, 1881 und 1882, welche zeigt, daß 1877, vor Ein- führung der Zölle, die Detailpreise fast durhgehend höher waren als gegenwärtig.

1877 1879| 1881 1882 Artikel. 1, Mai | 1. Mai | 1, Mai | 1. Mai

pr. Kiloar.|pr. Kilogr. |pr. Kilogr. pr. Kilogr. Butter, ff. holl. Natur-| 2,60 | 220 | 240 | 2,40 Bohnen, große weiße .. O2 029 084 0,30 G Bde O82 O29 084 0,34 Kaffee, roh. f. Java- 20220222 2,00 Mebl, ff, Weizen .……. | 0,40 | 032 | 030" |- O86 R a l O O O68 0/65 P e O 019 024 0,25 C O86} O06 036 | 0,32 S L479 1,89 1/30 V0 50 amel: gv, C lg Sinken, ger. roher .. E, | O80 i e C ah ete 192. (0,90 130 40 Seife, weiche, hem. rein 0407| 044 040. 040 E O0 | 006 0048 Zucker, Q]-Raffinade O 6 0/986 0,92 [0/96 E e es O0. 008 0,06 0,05 L L 00 0E O0 O8 S 024-020 |- O27 025 Der Durchschnittspreis des S bei den Bäkecn in Bochum

war für:

Air. aaa 0,22 0,16 0021 O ea e ed 027 1.098 O0 OS0

Jn der gestrigen Abendnummer der „Norddeutschen Al: gemeinen Zeitung“ finden wir nun folgende Aeußerung:

Wir haben aus dem Berichte der Handelskammer zu Bochum in Nr, 482 d. Bl. eine Tabelle zum Abdrucke gebracht, welche die Preise einiger wichtiger Artikel in der dortigen Konsumanstalt darstellt für den 1. Mai 1877, 1879, 1881 und 1882, Diese Zusammenstellung ergab, daß 1881 und 1882 die Mehrzahl der Artikel erheblich billiger gewesen ist als 1877, also vor Einführung des Zolltarifs und zur Zeit des tiefsten Niedergangs der deutschen Industrie. Die „Vossiscbe Zeitung“ druckt sofort am folgenden Morgen diese Tabelle ebenfalls ab, unterschlägt ihren Lesern aber die eigentli entscheidende Spalte derselben, d. h. dicjenige, welche die Preise für den 1. Mai 1877 ent- hält, Dieses Verfahren carakterisirt die Methode der Champions des Manchesterthums wieder einmal recht drastisch.

Statistische STachrichten.

Gemäß den Veröffentlibungen des KaiserliWen Gesund- heits amts sind in der 40, Jahreswoche von je 1000 Beroohnern auf den Jabresdurbs{nitt berechnet als gestorben gemeldet: in Berlin 24,5, in ‘Breslau 29,3, in Königsberg 31,9, in Köln 20,9, in Frankfurt a. M. 17,5, in Hannover 17,1, in Cassel 22,2, in Magdeburg 21,5, in Stettin 20,6, in Altona 13,3, in Strafiburg 16,0, in Mey 11,3, in München 25,8, in Nürnberg 14,5, in Augsburg 25,6, in Dres- den 18,3, in Leipzig 27,4, in Stuttgart 18,3, in Braunschweig 208, in Karlsruhe 17,0, in Hamburg 19,9, in Wien 22,0, in Budapest 23,0, in Prag 26,5, în Triest 266, in Krakau 17,5, in Basel 15,5, in Brüssel 19,2, in Paris 23,6, in Amsterdam 23,5, in Kopen- bagen 19,6, ia Stoctholm 26,5, in Christiania 17,1, ix St. Peters- burg 28,3, in Warschau 31,1, in Odessa 36,6, in Bukarest 23,4, in Rom 21,7, in Turin 16,0, in Madrid 33,0, in London 19,1, in Glas- goro 24,5, in Liverpool 22,2, in Dublin 19,9, in Edinburg 18,6, in Alexandrien (Egypten) —. Ferner aus früheren Wochen: in New-York 25,7, in Philadelphia 17,1, in Chicago 25,7, ia St. Louis —, in Cincinnati 19,6, in San Franzisko 21,5, in Kalkutta 23,3, in Bombay 23,2, in Madras 36,1,

Beim Beginn und in den ersten Tagen der Bericbtsäwocbe berrshten an den ostdeutshen Beobactungsorten und in Köln nord- westliche mit nördlichen, ia Köln mit \üdöstlihen wechselnde Luft- strômungen vor; an den mitteldeutshen Stationen und in Karlärube östlihe, bier bis nah Südwest laufende, in Bremen \üdwestliche Windrichtungen. Am 3. ging der Wind an den Ofistationen na Ost, in München und Köln na West resp. Südwest, an den mittel- deutshen Stationen und in Karlérube nah Nordwest und am 5. an allen Stationen nah Ost- und Südost. Die Temperatur der Luft lag allgemein über der normalen, do waren zu Ende der Woche die Morgentemperaturen an den Osistationen sehr niedrig (in Konitz am 7, Oktober 12 Grad C). Nieders@läge fielen selten und nicbt sehr ergiebig. Der {hon beim Wochenbeginn ziemli bobe Druck der Luft stieg im Laufe der Woche noch höher. Am 5., an den Oftflationen erst am Schluß der Wocbe begann er abzunehmen, slieg ledoh zu Ende der Woche wieder allgemein, außer an den Ost- stationen.

Auch in dieser Berichtêwoche blieben die Sterblichkeitäverhält- nisse der meisten größeren Städte Europas günstige, namentli hat n den größeren deutschen Städten die Sterblichkeit abgenommen ie allgemeine Sterblichkeitsverbältnisuabl für die deutschen Städte sank auf 22,7 (von 234 pro Mille und Jahr berechnet), Insbeson- dere war die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit eine wesentlich geringere. Von 10000 Lebenden starben pro Jahr Kinder unter 1 Jahr gegen 90 der Vorwoche (in Berlin und München je 95). Dagegen war die Sterblichkeit in den höheren Alters- faffen, besonders in der Altersklasse über 60 Jahr wieder eine ge- gerte

Unter den Todesursachen erfuhren Darmkatarrhe und Brech- durchfälle der Kinder cine weitere Abnabme, nur in Köniasberg, Breélau, München, Berlin, Wien, Pest, Praa, Paris, St. Petere- burg, Warschau, Odessa war die Zahl dersclben noch immer eine

größere als gewöhnlich. Ste-befälle an Ruhr kamen gleiwfalls seltener vor. Die Ruhrepidemie in Malmoe bat an Intensivität er- beblich abgencmmen. Masern zeigten \ich in Liegnitz häufiger. Todeéfälle an Scharlacbfieber, wie auc an Diphtherie wurden im Allgemeinen etwas seltener. Erstere haben in Berlin, Frankfurt a. O,, Barmen, Elberfeld, Piauen abgenommen, dagegen wurde ihre Zahl in Glauchau, Zeit, London größer. Die Diphtherie gewann in Lübeck, Breélau, München, Chemniß, Naumburg a. S, Leipzig, Magdeburg, Hamburg, Braunschweig, Wien, Lon- don mehr an Ausdehrung, in Berlin, Dresden, Königsberg, Elbing, Paris nahm die Zahl der Opfer ab. Der Keuchbusten bedingte in Köln und Crefeld weniger, in Gladba, Elberfeld, Aachen mehx Todesfälle. Typhöse Fieber herrshen in Königsberg, Berlin, Patis (in leßterer Stadt stieg die Zahl der Todesfälle in der Be- richtswoce auf 134). Sterbefälle an Flecktyphus kamen aus deut- schen Städten 2 (beide ous Dortmund) zur Anzeige. Einzelne Todes- fâlle daran wurden aus London, Kopenhagen, St. Petershura, War- hau, Granada und Madrid (4) gemeldet. Pocken waren im Allge- meinen felten und traten meist in beschränkter Zahl auf, wie in Wien, Paris, London, Warschau, Granada. In Pest, Rotterdam, Madrid und St. Petersburg hat ihre Zahl zugenommen. Einzelne Pocken- todesfälle wurden noch aus Liverpool, Birmingham, Rom, Malaga, Saragossa gemeldet. Aus deutschen Städten kamen 2 Poentodes- fâlle, je einer avs Berlin und Mülheim a./Rh. zur Mittheilung.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Am 12. d. M. verstarb hierselb im Alter von 75 Jahren der Historienmaler Prof. A dolf Eybel, besonders bekannt dur das umfangreiche Gemälde „Der große Kurfürst in der Schlacht bei Fehrbellin“ in der Gemäldegalerie des Königlichen Schlosses.

Das kürzlich besprochene, jeßt vollendete, illustrirte Lieferungs- werk: „Der Wun derborn“, eine Sammlung der \chönsten Mär- chen und Sagen aus deutschen Gauen, herausgegeben von Karl Scifart, illustrirt von Eugen Neureuther, ist im Verlage der Ge- brüder Kröner in Stuttgart erschienen. :

—— In dem Kunstverlage von Werner Große (Berlin 80,, Naunyn- firaße 38), ist unter dem Titel „Unsere vier Kaiser“ ein großes Kunstblatt erschienen, das ein Shmuck für das Zimmer jedes Patrioten zu bilden geeignet ist. Jn der Mitte des Bildes erblickt man Se. Majestät den Kaiser und König, auf Seinen Knien Sein Urenkelkind, den Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen haltend. Auf der einen Seite Sr. Majestät steht Sein Enkel, Se. Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm, zur andecen Seite Se. Kaiser- lie und Königliche Hoheit der Kronprinz. Der Anblick des Bildes kann nicht verfehlen, jedes pyatriotis{ fühlende Herz zu erwärmen. Die Größe des Kunstblatts - ift 71 X 56 ecmz sein Preis beträgt 2 M. Der Beifall, den dieses größere Blatt gefunden, veranlaßte die Verlagshandlung dieselbe Darstellung durch billigere Ausgaben in verschiedenen Größen auch weiteren Kreisen zugänglih zu machen. Es erschienen somit folgende vier Ausgaben des Bildes: Gríte Ausgabe (Preis 2 4), Größe des lithographischen Kunstblattes : 71 cm hoch und 56 ecm breit; Zwcite Ausgabe (Preis 50 9), Größe dieser Lichtdruckausgabe: 30 ecm boch und 22 em breit; Dritte Aus- gabe (Preis 20 9), Größe dieser Buchdruckausgabe auf Kupferdruckpapier: 39431 em; Vierte Ausgabe (Preis 10 4), Größe dieser Buchdruckausgabe auf feinem Papiere: 3224 cm. Das Bild dürfte sich besonders als passendes Weihnachtsgeschenk empfehlen, zumal auch eine Prachtausgabe auf chinesishem Papiere zu 9 M. und eine Fürstenauëgabe auf chinesis{em Papier in größerem Format zu 10 M in Vorbereitung ist. Als Pendant dazu erscheint in demselben Kunstverlage von Werner Große ein Gedenkblatt zur Erinnerung an die Feier der silbernen H ochzeit Ihrer Kai serlihen und KöniglihenHoheiten des Kr on- prinzen und der Kronprinzen in gleichfalls vier Ausgaben zu bezw. 2 M 50, 20 und 10 4.

Im Verloge von Friedr. Weiß' Nachf. (Hugo Söderström) zu Grünberg i./S{l. erschien soeben: „Schule und Haus“, offenes Sendschreiben an Hrn. Prof. Dr. Ubbelohde, Mitglied des Herrers hauses, in Marburg, von Dr. Friedr. Aly, Gymnasiallehrer in Magdeburg. (Preis 60 4.) Der Verfasser wendet sich gegen die Publikationen des Professors Ubbelohde, welche in den Schriften des „Liberalen Schulvereins für Rheinland und Westfalen“ erschienen sind Indem der Verfasser die Bestrebungen des genannten Vereins anerkennt, erhebt er mit Energie gegen die heftigen Angriffe Protest, welche Professor U. gegen das Scbulsystem Preußens im Allgemeinen und den höheren Lehrerstand im Besonderen gerichtet hat. Er weist zunäcbst nah, daß das eigene Erlebniß, auf welches Professor U seine Ausführungen stützt, eine unrichtige Auffassung Seitens des Betreffen- den erfahren hat. Sodann bespricht er die sogenannte Ueberbürdungs- frage: er bestreitet die Existenz einer absoluten Ueberbürdung der Scbüler an höheren Lehranstalten und weist zugleich auf die Mannig- faltigkeit der Ursachen hin, welche eine theils relative, theils aub nur scheinbare Ueberbürdung hervorrufen können. Insbesondere deckt er Schäden der häuslichenErziehung, zumal im Verhältniß zu den Anforderungen der Schule, auf und nimmt diese sowie die Lehrer gegen die Angriffe des Professor U. in Shuk. Er wahrt, wie der ganzen preußischen Schule, so dem preußishen Gymnasium den wohl- verdienten Ruhm, zu dem Aufs{hwunge des Vaterlandes wesentlich beigetragen zu haben, und betont die Nothwenigkeit, aub fernerbin die geistigen Kräfte unserer Jugend natürlid ohne Schädigung der Gesundheit anzuspannen, um die deutsbe Schule auf ihrer jezigen Höhe zu erhalten. Dem Sbrifthen if als Anhang eine Besprehung der revidirten „Lehrpläne für die böheren Schulen Preußens“ beigefügt. F

In demselben Verlage erschien: „Die Wünsche der preußi- s{hen Gymnasiallehrer“, Separatabdruck aus der „Monat- \{rift für deutshe Beamte“. (Preis 40 4.) F

Dresden, 16. Oktober. (Dr. J.) Der seitherige Professor der Kunslwissenshaften an der Königlichen Akademie der bildenden Künste zu Düsseldorf Dr. Carl Woermann ist zum Direktor der Königlichen Gemäldegalerie und der Königliben Sammlung der Kupferstiche und Handzeichnungen hierselb ernannt worden.

Land- und Forstwirthschaft.

Stuttgart, 14. Oktober. (St.-A. f. W.) Der Stand un- serer Weinberge ift nunmehr ein weit günstigerer, als noch vor 8 Tagen für mögli gehalten rourde, Dank der guten Witterung seit dem 1, d. M. Während man bisher nur {wache Hoffnung hatte, daß die Trauben überhaupt reif würden und gekeltert werden könnten, ist heute der ganze Ertrag gesichert. Die Frühtrauben, als Portu- gieser, s{roarzer Rießling u. A. können jeßt {on verwendet werden und geben ein brauchbares Getränk, das dem des Vorjahres kaum nacbstehen wird. Die anderen Traubensorten sind soweit vorange- s{ritten, insbesondere in der letzten Zeit, daß daraus ein trinkbarer Wein erzielt werden wird, Vornehmlich ist dies mit dem in unseren Halden stark verbreiteten Trollinger der Fall. So lange übrigens nicht das Wettec zur Lese drängt, wird so lange als möglich mit dem Herbsten zugewartet.

Vom Fläming, 12 Oktober, meldet man der „Neuen Pr. Ztg.*: Obgleich die jet im vollen Gange befindliche Kartoffel- ernte in hiesiger Gegend in jeder Beziehung zur Zufriedenheit aus- fällt, sind die Preise für die Frudt in den letiten Wochen bedeutend in die Höbe gegangen. Während man noch Mitte September nur 1,25 bis 150 M für den Centner guter Speisekartoffeln zahlte, kosten dieselben jet \{on 2 X Die Stärkefabriken hießger Gegend zablen {on durchsc{hnittlih 1,50 M

Gewerbe und Handel.

Na Mittheilungen aus Italien find von italienischen Behörden folgende Submissionen ausgeschrieben worden :

1) von der Direktion der Werkstatt für Militäraus- rüstung in Turin für den 25. Oktober d. Jo,, bis Nachmittags 3 Uhr, eine Submission auf die Lieferung verschiedener Aus- rüflungägegenstände, als Knöpfe, Zwirn, Schnallen, Futter- leinen, Kalb- und Hammelleder u. dergl. zum Taxrwertbe von 165 356 Lire,

2) von der A rtillerie, Direktion der Pulverfabrik zu Fossano für den 26. Oftober d. J., bis Nachmittags 3 Uhr, eine Submission auf die Lieferung von 71500 bg raffinirten Salpeter zum TarwertßT von 50050 Lire.

Von der Artillerie, Direktion der Gießerei in Neapel ist für die Submission auf die Lieferung von 27 062 kg Kupfer in Barren, welche Anfangs für den 19. September d. J. ausgeschrieben war, unter Herabsetzung des Taxrwerthes auf 71 265 Lire ander- weit Termin bis zum 28, Oktober d. I., Vormittags 10 Uhr, an- beraumt worden.

Ueber die speziellen Bedingungen is das Nähere an Ort und Stelle einzusehen.

Nürnberg, 14, Dfkfiober. (Hopfenberiht der Allg. Br.- u. Hopfenztg.) Der die8wöcbentliche Geschäftsgang des Marktes war weder für die Produktion, nochþ für den Handel ein befriedigender, denn mit Abnahme der ausgebotenen guten Qualitäten haben auch die Preise eine Reduktion erfahren, so daß die Wahrsteinlichkeit nahe liegt, daß die Notirungen unseres Marktes aufgehört haben, für die auswärtigen Einkaufsorte eine Norm zu bilden. In den meisten Produktionsorten stehen die Preise für Primaqualitäten ziemlich höher als am Platze. Das heutige Geschäft war so lustlos wie an den beiden vorhergehenden Markttagen. Wenn auch die Landzufuhr kaum erwähnenswerth war, so trafen doch zum Ueberfluß wieder mehrfache Sendungen aus den verschiedensten Hopfendistrikten ein, und da Kauf- lust fehlt, so {ließt die Geschäftswocbe bei gedrükter Stimmung. Die heutigen Notirungen lauten: 1882r Markthopfen Prima 265— 275 M, do. deêgl. Secunda 235—260 M, do. desgl. Tertia 200— 230 f, do. Wolnzacher Siegelgut Prima 340 - 350 4, do. desgl. Secunda 310—330 4, do. Hallertauer Prima 315—320 M, do. desgl. Secunda 290—3C0 4, do. desgl. Tertia 250—275 4, do. Gebirgs- bopfen 290—300 MÆ, do. Aischgründer 230—300 1, do. Steiermärker 340—3609 #6, do. Württemberger Prima 315— 320 M, do. desgl. Secunda 285—305 1, do. desgl. Tertia 250—265 4, do. Badische 260— 300 M, do. Posener Prima 305—325 4, do. desgl. Secunda 290— 300 M, do. Altmärker 215—240 #4, do. Oberöstecr. (transit) 245—255 Æ, do. Pôlißer 250—280 MÆ, 1881r Hopfen 200—230 M, 1880r Hopfen 100—110 4, 1879r Hopfen 75—9 H, ältere Jahr-

gänge 40—70 M Verkehrs-Anstalten.

Triest, 16. Oktober. (W. T. B.) Der Lloyddampfer „Hungaria“ ist heute früh mit der ostindish-cchinesischen Ueber- landpost aus Alexandrien hier eingetroffen.

St. Petersburg, 16. Oktober. (W. T. B.) Wie aus Rybinsk gemeldet wird, ist die Schiffahrt auf der Wolga des écrostes wegen sistirt. Aus Sclüsselburz wird berichtet, daß der alte Kanal zugefroren und die Schiffahrt gänzlich eingestellt ist.

Libau,* 16. Oktober. (W. T. B) Der Stettiner Dampfer „Orpheus“, mit Stükgütern nah St. Petersburg be- stimmt, ist Sonntag Nachts bei Steinsort, an der Küste von Kur- land, gestrandet. Die Mannschaft wurde gerettet. Der Vorder- aer i Dampfers ist voll Wasser. Ein Bergungsdampfer ist ein- getroffen.

New-York, 16. Oktober. Im Sciffsraum des Dampfers „Phoenician“ brach, nah hier eingegangenen Meldungen, am 9. d., als der Dampfer ca. 400 Meilen vom Kap Race entfernt war, Feuer aus, welces in ciner Stunde gelös{ht wurde. Wie man gann, liegt Selbstentzündung vor. Die Ladung ift bedeutend be- \chädigt.

New-York, 16, Olklöber, (W. T B) Der ¡Dampfer der National -Dampfschiffs-Compagnie (C. Messingîche Linie) „Helvetia“ ist hier eingetroffen.

Sanitätswesen und Quarantänewesen.

Nach Inhalt einer von der Kolonialregierung in Hongkong neuerdings *) und zwar unterm 5. v. M. erlassenen Verordnung sind außer Manila und Kiungchow E 4 die Hâfen von Ban- joemas, Bezocki, Cheribon (Java), ferner die Insel Panay, Probolingo, Zamboanga und Ilo-Ilo (Philippinen) fowie Sulu als von Cholera infizirt erklärt, und es ist für alle Pro- venienzen aus diesen Häfen eine Quarantäne von 10 Tagen, vom Tage des Auslaufens aus einem der vorgedahten Häfen an gere{net, angeordnet worden.

Denselben Quarantänevorschriften unterliegen auG die von Amoy, Formosa und Swatow kommenden Schiffe, weil diese Gebiete als mit den füc infizirt erklärten Häfen in Verbindung stehend angesehen werden.

*) cfr. „R. A.* Nr. 234 de 1882.

Berlin, 17. Oktober 1882.

Newe- York, 17, Oktober. (W. T. B.) Der Hamburg- Ameri- kanische Postdampfer „, Gellert* hat gestern Nachmittag in St. Johns die Passagiere des gesceiterten Postdampfers Bande aufgenommen und ift na Plymouth abgefahren.

Das Königliche Schauspielhaus hat das Paul Heyse'sdhe Drama „Hans Lange*® wieder in sein Repertoire aufgenommen und damit, wie die sehr beifällige Aufnahme am gestrigen Abend erwics, einen guten Griff gethan. Die Titelrolle, früber in den Händen Dörings, bat Hr. Berndal übernommen und sie so vortreff- lid in allen Einzelnheiten des so eigenartigen Bauerncharak- ters ausgestaltet, daß sie zu den besten Leistungen dies ses bewährten Künstlers zu renen ist. Fr. Frieb- Blumauer gab die alte Gertrud, Frl. Conrad die Dörthe. Erstere machte selbstverständlib aus ihrer kleinen Rolle wieder ein röftlides Kobinetéfstück, wie wic es schon gelegentlih der früheren Aufführungen des Stück w bewundern Gelegenheit hatten; die Letztere aber bewies durch ihr reizendes frishes Spiel, wie viel wir dadurch gewonnen baben, daß diese anwuthige Künstlerin unserem Hoftheater erhalten geblieben ist. Der Beifall mate si gegenüber dieser herzerquickenden Leistung sogar bei offener Scene \stürmis{ch Luft. In der Partie des Bugslaw konnte Hr. Müller alle cine s{hônen Mittel glänzend entfalten und wieder seine vorzügliche Be- fäbigung für das Liebbaberfac" darthun, in dem er sich mit jeder Rolle mehr vervollflommnet. Die HH. Conrad als Hofmarschall und Link als Henning sowie Frl. Stollberg als Herzogin, Letztere wenig- stens repräsentativ, vervollständigten das trefflide Ensemble. Aus- gicbiger Beifall des animirten Publikums lohnte die Hauptdarsteller nah jedem Aktshluß. Da das Stück in der ncuen guten Besetzung somit seine Lebensfäbigkeit glänzend dargethan hat, dürfte es dem Repertoire wieder auf längere Zeit angehören. :

Im Victoria-Theater geht nunwehr morgen in neuer glänzender Auéstattung das Schauspiel „Goldsand“ von Victorien Sardou zum ersten Mal in Scene.

Im Concert-Hause findet heute der erste Virtuosen-Abend statt. Hr. Hofmusikdirektor Bilse wird den Musikfreunden Gelegenbeit geben, aht Virtuosen zu hêren, und zwar Frl. Jansen (Harfe) und die Herren Nicolini (Posaune), Türpe (Kornet), Kriens (Klarinette), Liégeois (Cello), Chaussier (Waldhorn), Molé (Flôte) und Kola- kowski (Violine). Ja dem morgigen Svmvhoni-Concert wird die 5, (C moll-) Symphonie von Beet oven zur Aufführung kommen.

Das philharmonischeOrchesler, welhes am Sonnt2g von seiner Rundreise zurückgekehrt ist, beginnt unter der E Hen. Professor von Brenner mit dem heutigen Tage scine regelmäßigen CGon- certe (vier Mal wöchentlich) in der Philharmonie. Die Künsiler- s{aar wird \sich mit einem sehr interessanten Programm präsentiren, welches heute z. B. drei für Berlin ganz neue Kompositionen ent- halten wird, und zwar: die zweite slavishe Rapsodie von Dvorak, s{hwedisber Tanz für Streichorcbester von Goury und die Ouverture za „König Manfred® ron Carl Meineke.