1882 / 260 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Morgen zu Wagen na «: dem Rendez-vous am {loß ritten die a auen “rap mit und kehrten nach nah dem Neuen is zurück, während Se. Kaiser-

Hoheit der Kronprinz noch an dem Jagddiner im König- lichen Stadtschlosse in Potsdam Theil m.

Nach Aufhebung der Tafel fuhr Höchstderselbe nah Berlin, stattete Sr. Majestät dem Kaiser einen Besuch ab, nahm in Höchstseinem Palais einige Meldungen und Vorträge ent- gegen, wohnte dem ersten Theil des Konzerts von Heinrich

rth in der Sing-Akademie und sodann der „Richelieu“- Aufführung zum Besten des Lette-Vereins im Victoria-Theater bei und kehrte mit Jhrer Ta KA Hoheit der Kron- prinzessin und Jhrer Königlichen Hoheit dec Prinzessin Victoria, Höchstwelche gleich nah Beendigung der Jagd mit dem 3 Uhr-Zuge nah Berlin gekommen waren und ebenfalls der Aufführung zum Besten des Lette-Vereins und dem Konzert beigewohnt hatten, um 9 Uhr 50 Minu!en nach dem Neuen Palaîs zurück. ?

Nah einer allgemeinen Verfügung des Justiz-Ministers, vom 30. v. M., ist die Wahrnehmung gemacht, daß wieder- holt Schöffen mit Strafe belegt worden sind, weil sie in einer Sizung, an welcher sie Theil zu nehmen hatten, aus- geblieben waren. Als Grund |des Ausbleibens ist vielfa bezeihnet worden, daß die Schöffen nur vor Beginn des Ge- \{häfstsjahres davon in Kenntniß geseßt werden, an welchen Tagen des Jahres sie in Funktion zu treten haben, daß sie dagegen eine weitere besondere Ladung zu der einzelnen Sißung nicht erhalten. Eine solhe besondere Ladung i} allerdings in dem Geseße niht vorgeschrieben. Es liegt indeß in der Natur der Sache, daß die vor Beginn des Geschäftsjahres erfolgte allgemeine Benachrichtigung im Lause des Jahres [leiht in Vergessenheit geräth, und ‘darum wird es als eine Härte empfunden, wenn ein Schöffe, welcher lediglih aus diesem Grunde, nicht aber aus Mißachtung seiner Pflicht aus- bleibt, in Strafe genommen wird. Da es überdies dem An- sehen der Strafrechtspflege niht förderlih is, wenn häufig die Festseßung von Straien gegen Personen erfolgt, welche zur Theilnahme an der Rechtsprehung berufen sind, so hat der Justiz-Minisier Veranlassung geno:nmen, den Amtsgerichten zu empfehlen, an alle Schöffen neben der gedachten allgemeinen

enahrihtigung noch besondere Ladungen zu den einzelnen Sibungen, und zwar etwa acht Tage vor den betreffenden Sizungstagen, zu erlassen.

Vom 1. November 1882 an is die gesammte Cor- respondenz bezüglih der Errichtung und Erhaltung der tri- gonometrishen Marksteine nicht mehr an die trigono- metrishe Ndtheilung, sondern an die Königliche Landesauf- nahme zu richten, welche ihrerseits die Correspondenz je nach ihrem Charakter an die trigonometrishe Abtheilung bezw. an die Plankanmer zur direkten Erledigung abgeben wird.

Die Aufgabe eines mit Kostbarkeiten (Goldwaaren, Juwelen 2c.) gefüllten Frachtgutes bei einer Eisenbahn mit der Aufschrift „Bijouterie“, ohne den Werth des Gutes zu deklariren, genügt,

erihts, I, Civilsenats, vom 30. September d, J., um die!

isenbahnverwaltung bei einem Verlust des Gutes für dasselbe haftbar zu machen. Die Nichtdeklarirung des Werthes hat nur zur Folge, daß sür den Fall des Verlustes des Gutes, ohne daß böslihe Handlungsweise des Fracht- führers oder seiner Leute nahzuweisen ist, Ersaß nur gemäß dem Normalsaß (60 M pro 50 kg) des deutschen Eisenbahn- betriebs-Reglements beansprucht werden kann.

_— An Einnahmen (einschließlich der kreditirten Be- träge) aus Zöllen und gemeinschaftlichen Ver- brauchssteuern, sowie anderen Einnahmen sind im Reich für die Zeit vom 1. April 1882 bis zum Schlusse des Monats September 1882 (verglihen mit der Einnahme in demselben Zeitraum des Vorjahres), zur Anschreibung gelangt : Pa 98 471 181 M (+5 607 692 A6), Tabadsteuer 1 965 215M

+1395 18246), Rübenzuckersteuer —55 339 59844 (Bonifikat.) G 36 976 848 M), Salzsteuer 17 012 156 M (+ 808 378 M),

ranntweinsteuer 10 432 501 M (+ 111 875 #4), Uebergangs- abgaben von Branntwein 52 826 #4 (— 2102 4), Braujieuer 8 054 504 6 (4- 203 266 A6), Uebergangsabgaben von Bier 614850 M (+4 57917 Æ); Summe 81263635 e (—28 794 640 M). Spielkartenstempel 391 542 M (—14 603 M), Wechselstempelsteuer 3 291 015 4 (+ 46 367 #), Stempel- abgabe für Werthpapiere, Shlußnoten, Rehnungen und Lotterieloose 5 261 165 M (4+ 5 261 165 1), Post- und Tele- aeg 72 301 210 (4+ 2696 017 A), Reichs:

isenbahnverwaltung 22 184 900 M (4- 307 827 M)

Die zur Reichskasse gelangte Jst - Einnahme, ab- züglih der Bonifikationen und erwaltungskosten, be- trägt bei den nahbezeihneten Einnahmen bis Ende September 1882: Zölle 89743 621 M (4 4489866 A), Tabadck- steuer 862875 M (4 358666 S), Rübenzuckersieuer 30 772 878 M (— 35 530 890 M), Salzsteuer 16 414 100 M (+ 435 528 M), Branntweinsteuer und Uebergangsabgabe von Branntwein 19 299 909 A (4+ 1 208 194 #4), Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 7 356 731-4 (+ 221 626 M); Summe 164 450 114 M (— W 817 010 M). Spielkartenstempel 413 660 (— 8070 M).

Na Mittheilungen aus Griechenland ist von der Banque Hellénique de crédit général eine Submission auf die Lieferung der Schienen und des Zubechörs für die in Bau begrifsene Eisenbahnstrede Piraeus- Patras - Pyrgos, Korinth- Nauplia ausgeschrieben

worden. Die Menge des für die etwa 400 km lange Eisen- |

bahnstreckde erforderlichen Materials beträgt ungefähr 18 000 t. Die SIR der Offerten hat bis zum 27. November d. J. bei dem Verwaltungsbureau der Eisenbahnbaugesellshaft im Piraeus zu erfolaen.

Die Submissionsbedingungen liegen in unserem Redaktions- bureau zur Einsichtnahme aus.

Nach Mittheilungen aus Jtalien sind von italieni- E Behörden folgende Submissionen ausgeschrieben worden :

1) von der Direktion der Militärkommission der Division in Turin sür den 14 November d. Z, bis Nathmittags 2 Uhr, eine Submission auf die Lieferung von L uG. zun Taxwerth vo 1 330 000 Lire,

2 von der Direktion der Militärkommission der Division in Neapel für den 14. November d. J, bis Na&mittags 2 Uhr, eine Submission auf die Lieferung

nah einem Erkenntniß des Reichs--

von Militärtuch zum Taxwerth von 280 000 Lire und

3) von der Artillerie-Direktion des Bau- Arsenals in Turin für den 21. November d. J., bis Rachmittags 2 Uhr, eine Submission auf die Lieferung von Hol “ti Taxwerthe von 40 500 Lire.

ber die speziellen Bedingungen is das Nähere an Ort und Stelle einzusehen.

Der Kaiserliche Botschafter von Keudell ist vom Urlaube nach Rom zurückgekehrt und hat die Geschäfte der dortigen Botschaft wieder übernommen.

Kiel, 2. November. (Kiel. Ztg.) Das Kanonenboot „Mö wee“ verließ am 21. Oktober Plymouth, lief am 22. wegen Sturmes in Portêmouth an und segte am 25. Oktober die Reise hierher fort, wo dasselbe am gestrigen Tage eintraf.

Hannover, 2. November. (Neue Hannoversche Zeitung.) Ln der heutigen Sißung des hannoverschen Provinzial-

andtages seßte das Haus die gestern unterbrohene Be- rathung des Finanz-Etats mit Position XRIV. fort.

Für das Landarmen- und Korrigendenwesen. 1) Behufs der gegen Korrigenden zu vollstreckenden Nachhaft in dem pro- vinzialständishen Werkhause zu Moringen, sowie den Korrek: tions- und Landarmenanstalten zu Wunstorf und Himmelsthür plus minus 298 020 M gegen 275 828 6 im Vorjahre.

Der Schayrath Müller referirte, die Zahl der Korrigenden habe gegen das Vorjahr niht ab-, sondern zugenommen. Während sih am 1. September 1881 999 Korrigenden in den Werkhäusern befunden hätten, sei diese Zahk am 1. Oktober 1882 auf 1205 gestiegen. Es scheine, als ob hingegen si die Zahl der im Lande vagabundirenden Arbeitslosen nicht ver: mehrt habe; mon könne daher wohl annehmen, daß die Polizei mit größerer Schärfe gegen die Landstreiher vorgegangen sei. Es sei eine Mehrausgabe von ca. 22000 ## beantragt, welche vorzugsweise durch Bedürfnisse der Anstalt zu Wunstorf motivirt werde. Was die Anstalt zu Moringen betreffe, die einen Zuschuß von 137 547 A erfordere, so ent- halte dieselbe jeßt 853 Korrigenden, während als normale Zahl 730 angenommen sei. Die Einnahmen aus der Land- wirthschaft seien von 19 900 # auf 16 830 A gefallen, was seinen Grund in der Unmöglichkeit habe, immer lohnende Beschäftigung für die Gefangenen zu finden.!

_ Nach längerer Debatte fuhr der Schagrath Müller in seinem Referat fort und zwar bei dem Etat der provinzial- ständischen Korrektions: und Landarmenanstalt zu Wunstorf. Dieselbe erfordere einen Zuschuß von 97925 6 gegen 79 560 / im Vorjahre. Diese Erhöhung sei hauptsächlich veranlaßt dur die vermehrten Ausgaben für die Beköstigung. Die Anstalt zu Himmelsthür erheishe einen Zushuß von 31 268 6 gegen 30491 M im Vorjahre. Der Titel 1 wurde Se.

2) Behufs des Landarmenwesens plus minus 250 000 M

Es entspann sich gelegentlich dieser Nummer eine leb- haste Debatte, an welcher die Abgg. Struckmann, von Lenthe, Grumbrecht u. A. Theil nahmen.

3) Dispositionsfonds für die Korrektionsanstalten. Tit. 2 und 3 wurden bewilligt.

Pos. XXVI1. Für Unterhaltung des Ständehauscs und zur BERTE n, der f demselben ruhenden öffentlichen Lasten. 1) Un holtunhskofien plus minus 1500 6 gegen 1000 im Vorjahre, hervorgerufen durch den Ablauf des Termins, während dessen der Erbauer des Hauses für vie Jnstandhaltung des Hauses verpflichtet war.

2) Abgaben und Lasten 1200 44

Pos. XXVI!, Jnsgemein 7000 # Beide Positionen wurden angenommen.

Hierauf wurde über den ganzen Etat abgestimmt und derselbe genehmigt.

Es folgte die Berathung des elften Gegenstandes der S ererenung: Gesuch des Ausschusses der Königlichen Land- wirthschaftsgesellshaft auf Gewährung einer Beihülfe zum An- kauf eines eigenen Hauses in der Residenzstadt Hannover. Nachdem der Abg. von Hammerstein-Loxten den Bericht dar- über erstattet und beantragt hatte, den Antrag der Land- wirthschaftsgesellshaft dahin zu modifiziren, daß derselben ein Darlehen à fonds perdu von 10 000 Æ, event. ein solhes von 30 000 Æ zu 3 Proz. mit 2 Proz. Amortisation gegeben

werde, vertagte sich das Haus nah kurzer Debatte auf Frei- tag 2 Uhr.

Schweiz. Bern, 2, November. (N. Zür. Ztg.) Die Handelskonvention zwishen der Schweiz und Spanien ist bis Mitte Dezember verlängert worden. Die Unterhand- lungen über einen neuen Vertrag beginnen nächstens.

Großbritannieu und Jrland. London, 2, November.

(Allg. Corr.) Heute finden dur ganz England die Muni- zipalwahlen zur Ergänzung der Stadt- und Gemeinde- vertretungen auf dem Lande statt. Jn vielen Stadtkreisen wird es gar keinen Wahlkampf unter den aufgestellten Kandi- daten geben, und im Ganzen zeigt sih in diesem Jahr eine viel geringere Aufreaung, als in vorhergehenden Jahren der Fall war; denn, obgleih von den Stadt- und Gemeinderathéroahblen politishe Rücklsichten nit ausgeschlossen sind und in der Regel dabei eine große Nolle spielen, legt man in dem heurigen Jahre diesen Wahlen eine geringere Parteibepdeutung bei, als sonst der Fall ist, wenn eine Parlamentsauflösung nebst all- gemeinen Neuwahlen in Auésicht steht. _ Die „St. James Gazette“ schreibt: „Mr. Parnell ist eine so große Autorität in Jrland, daß es ermunternd ist zu finden, daß er Ausweisungsmandate gegen drei seiner Pächter erwirkt hat, die seit vier Jahren mit ihrem Pacht- ins im Rückstande sind. Jeht muß die Pächterausweisung my aufhören gleihbedeutend mit harter Behandlung zu sein.”

Sir Garnet Wolseley ist von seinem Besuche bei der Königin von Balmoral zurückgekehrt und hat gestern offiziell seine

Funktionen im Kriegs-Ministerium als General-Adjutant der Armee übernoumen.

Die Untersuchungen auf demSchulschiff „Clyde“ wegen Unterschleiss nehmen, wie vorauszusehen war, großen Umfang an und beschränken si hon niht mehr auf Vor- gänge auf dem genannten Schiffe.

Der neue russische T Baron Mohrenheim

ist gestern Abend von Paris hier angekommen.

__— 3, November. (W. T. B.) Jn der heuigen Unterhaus- situng erklärte in Beantwortung ciner Anfrage Bartletts der Staatssekretär Dilke: bezüglih der Mission Lord Dufsfe- rins nah Egypten seien von keiner der Großmächte Vorstel- lungen erhoben worden, wohi aber habe die Pforte in Folge

eines Mißverständnisses Vorstellungen gemacht. Die Pforte habe geglaubt, daß die Mission Lord Dufferins einen veränderten Charakter der diplomatishen Beziehungen Englands zu der Pforte involvire und sei auch von der Annahme ausgegangen, daß keinerlei Präzedenzfall vor- liege. Die englische Regierung habe der Pforte dargelegt, daß es sich um keinerlei Veränderung in den diplomatischen Be- ziehungen Englands zur Pforte handele, und daß zwei Se enpiee vorhanden seien. Von einer türkishen Spezial- mission nah Egypten sei der Regierung nichts bekannt. Auf eine Anfrage Churchills erwiderte Dilke: die Instruktionen Lord Dufferins könne er nicht mittheilen ; dieselben würden wahrscheinli} noch im Laufe des heutigen Tages an Lord Dufferin abgehen. Vom Hause wurde hierauf die Berathung der Geschäftsordnung fortgeseßt.

_ Frankreih. Paris, 3. November. (Köln, Ztg.) Jn näwhster Zeit werden in Paris Verhandlungen über den Handelsvertrag zwishen Frankreih und Oesterreich eröffnet werden.

—(Fr.C.) Fn der verflossenen Nacht sind wiederum in verschie- denen Arrondissements von Paris aufrührerische Plakate an den Häusermauern angeschlagen gefunden worden. Dieselben tragen die Ueberschrift „Fnternationales revolutionäres Erxe- kutivcomité (Abtheilung Frankreich).“ Die Polizei hat mehrere Individuen beim Ankleben derselben erwischt. Jm Uebrigen dürfte man es jedoch wohl mehr oder minder mit einer Mysti- fikation zu thun hgben.

Rumänien. Bukarest, 3, November. (W. T. B.) ZU

Vize-Präsidenten der Kammer wurden Giani und Agarici gewählt.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 4. Novem- ber. (W. T. B.) Das „Journal de St. Péters- bourg“ schreibt: „Nah einer Depesche aus London hat der Unter-Staatssekretär Dilke im Unterhause nah einem Bericht des englishen Geschäftsträgers zu Teheran vom 830. Oktober von zwei russishen Jnge- nieuren gesprohen, welhe auf das Gebiet von Herat vorzudringen versucht, aber dazu von den afghanishen Behörden die Genehmigung nicht erlangt hätten. Alles, bemerkt das Journal weiter, was wir über diesen Geger stand sagen können, ist, daß man in St. Petersburg gar keine Kenntniß von einem derartigen Faktum hat, daß man vit weiß, um welche Persönlichkeiten cs sich handeln kann, und daß ein Jrrthum obwalten muß über die Qualifi- kation der Personen, von denen Dilke gesprochen hat.“

,_ Afrika. Egypten. Kairo, 3. November. (W. T. B.) Mit Genehmigung der Behörden is vom General Alison be- \chlossen worden, sofort drei englische Offiziere na ch dem Sudan zu entsenden, die über die gesammte militärische Lage daselbst berihten und sich auch über die Straßen von Suakim nah Khartum und über die Möglichkeit, Khartu m A N EIRIRans zu seßen, Jnformationen verschaffen ollen.

3, ‘November. (W. T. B.) Der französische Generalcontroleur Bredif hat heute ein Schreiben an den Premier - Minister Cherif Pascha gerichtet und darin um Auskunst gebeten, warum er angesihts der That- sahe, daß die europäishe Finanzkontrole niht durch ein Dekret des Khedive abgeschafffl sei, nicht zu den Sißungen des Ministerrathes eingeladen worben sei. Jn diplomatischen Kreisen wird dieser Brief als ein Anzeichen dafür betrachtet, daß die französische Regierung die Frage bezüglich der Finanzkontrole unverzüglih zur Ent- scheidung zu bringen beabsichtige, ohne die allgemeine Lösung der egyptishen Angelegenheiten abzuwarten, wie dies von der englishen Regierung vorgeschlagen war.

Zeitungss\timmen.

Einem, „noch ein Wort über die' Landtagëwahlen in Preußen“ überschriebenen Artikel, welcher der „A1ulgemeinen Zeitung“ von der Oder, 29. Oktober, zugegangen ist, ent- nehmen wir folgende Säßte:

Maa man den Einfluß der Regierungsorgane bei der Wahl von Konservativen noch so hoch anscblagen, o ist es do jedenfalls unrichtig, daß die Niederlage der Fortschrittäpartei und der Sezessionisten ledigli durch diesen Einfluß hervorgerufen worden ist. Nein: die Fortschrittäpartei is geshlagen worden, weil sie viel weniger Boden. in der Bevölkerung hat, als sie vielleicht selbst glaubt.

: Die Fortschrittspartei konnte {on um detwillen leinen weiteren Boden gewinnen, weil sie auf dem Gebiete der Steuer- politik und der sozialen Frage an Anschauungen festhält, welche jet als veraltet, um nicht zu sagen reaktionär, gelten.

Für die Notbwendigkeit einer parlamentarischen Regierung, wie sie doc der Fortschrittépartei als letztes politisches Ideal vorshwebt, fehlt in Preußen, ob mit Ret oder Unrechbt mag ganz dabin gestellt bleiben, jegliches Verständniß. Die monar(ishe Gefinnung hat in Preußen viel zu viel Anhänger, als daß die Begeisterung für die konstitutio- nelle Schablone der Fortscbrittspartei sehr groß sein könnte. Die Initiative, welche die deutsche und bezw. preußische Regierung auf wirthsaftlidbem, sozialem und finanziellem Gebiete in den letzten Jahren ergriffen hat, und welche aro aller düsteren Prophezeiungen der Fortschrittépartei wenigstens theilweise von Erfolg begleitet war, hat überdies sehr dazu beigetragen, die Fortschrittäpartci mebr und mchr als eine Partei unfruchtbarer Negation erscheinen zu lassen . . _ Das „Kleine Journal“ beschäftigt sich mit dem Ver- ältnisse der „Konservativen und Nationalliberalen“ und chließt seine Ausführungen :

, Vernünftige Leute sollten sich weder auf der einen Seite nob auf der anderen durch Parteibezeihnungen, wie konservatio und liberal, irre führen lassen. Es handelt si nicht um Schablonen, sondern um reelle Forderungen unseres politishen Lebens. Jn den wesent- libsten Punkten stehen si Konservative und Nationalliberale näher, wie Konservatire und Centrum, nämli in ihrer nationalen und anti- partikalaristishenAutfassung. Beide wollen das Uebergewicht des Staates, beide wollen die Einheit der Nation; wo so wichtige gemeinsame Grundsäße ind und wo auf dea brennendsten Fragen der Gegenwart eine Ver- tändigung mögli, da sollte man von allen Geaensäten absehen und si zu einer gemeinsamen Aktion verbinden. Die Nationalliberalen, mit der Wunde im Herzen, welche ihnen die Fortschrittler gescblagen haber, thäten wahrlich gut, die Hoffnung auf die große liberale Partei gänzli pre zu lassen und sich mit den Konservativen um die Person des Reichskanzlers zu shaaren, damit seine großen und wichtigen Entwürfe nun niht mehr länger dur den Hader der Par- teien verhindert werden, sondern endlih zur Ausführung kommen.

Die „Deutsche volkswirthshaftlihe Cor- Fergendeng. E id

„Die Einnahmen der Eisenbahnen, auf welche die allgemeine Ge- sckäftelage naturgemäß einen ¡E Leftensenden Einfluß ausübt, baben bis zum Scblusse des Monats tember eine ganz beträchtlihe Zu- nahme erfahren. Es ist dies ein Beweis mehr für die ünstigen Folgen der neuen Wirthschaftspolitik. Das Üdtiberanticden von

Handel und Gewerben kann nur noch von Solchen geleugnet werden, die ihre Ohren den deutlich redenden Thatsachen grundf ali verftopfen und denen die Parteitaktik über die Wahrheit geht. Die Mehreinnahmen der Hauptbahnen haben in den ersten 9 Monaten gegen die provisorische

tellung des Vorjahres über 36 Millionen Mark oder 6/5 betragen, während der Umfang des Bahnnetzes nur um 1# %% zugenommen hat. Soweit die amtlihen Ermittelungen eine Schlußfolgerung zulassen, scheint es, daß die Mehreinnahme im Wesentlichen auf einen gestei- gerten Güterverkehr zurückzuführen ist, wenngleih auch der Personen- verkehr bei den meisten Bahnen einen erfreulicen Aufschwung zeigt.

An der gesteigerten Verkehrsentwickelung sind die Privatbahnen nahezu

in demselben Grade betheiligt, wie die Staatsbahnen. In Preußen werden \fich die Mehreinnahmen der Staatseisenbahnverwaltung even- tuell auf 30 Millionen Mark berechnen lassen, welchen natürlich ent- \sprechende Mehrausgaben gegenüberstehen.

Jn der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ finden wir folgende Mittheilungen :

Die Braunschweigische Aktiengesellschaft - für Jute- und Flachs - industrie, welche zur Zeit in ihren beiden Fabriken ca. 1600 Per- sonen beschäftigt, deren Zahl sich durch Erweiterung des Haupt- etablifsements in Braunschweig in Kürze um etwa 400 vermehren wird, erhöhte am Lage der Einführung des Zolltarifs aus eigener Initiative ihren gesammten Arbcitern die Löhne um 109%. Jeßt nun, nachbdem der neue Tarif feine volle Wir- kung auf den Geschäftsbetrieb Jener Gesellshaft zu äußern beginnt, hat dieselbe, wie die „Braunschweigische Landeszeitung“ mit- theilt, ihrem Personal eine weitere Lohnerhöhung von 10 °/6 ange- fündigt. Es hat also bei diefem Etablissement der Zolltarif die Wirkung gehabt, daß seine Verwaltung auf eigenen Antrieb die Arbeitslöhne um 20 °/6 erhöhte, vielleiht nehmen die enragirten Frei- händler auch von dieser Thatsache geneigte Notiz, wenn fie wiederum die Klage erheben wollen: „eine Erhöhung der Arbeitslöhne hat der Zolltarif nicht gebracht.“

Der tägliche Wageneingang auf der Station Staßfurt erreichte in der zweiten Dekade des Oktober dieses Jahres die außerordentliche Höhe von 1300 Asen gegen 950 Achsen in derselben Zeit des Vor- jahres und gegen 700 Asen in derselben Zeit des Jahres 1880. Der Wagenverkehr ist dort also gegen das Vorjahr um nahezu 40/6 und gegen das Jahr 1880 um mehr als 80/6 gestiegen. Man kann hieraus ein Bild von dem großartigen Aufshwunge des Verkehrs in jenem Industrierevier, sowie von der außergewöhnlichen Steigerung der Leistungen der Staatsbahnen entnehmen. S

Jn der „Berliner Börsen-Zeitung“ lesen wir :

Vor einigen Tagen br1chten wir einen Ausweis über die Zu- nahme des Exports nah den Vereinigten Staaten von Amerika aus demjenigen Theile Deutschlands, der dem amerikanishen General- Konsul zu Berlin unterstellt is. Heute sind wir in der Lage, eine folche Uebersicht über den Gesammtwerth der ausgeführten Waaren

ro 1, Oktober 1881 bis Ende September 1882 zu geben, wie der- felbe von den amerikanischen Konsuln deklarirt worden ist: —+ Zunahme Abnahme

Doll.

39 276,67 24 167,00

1 279 384,64 1 405 943,11 1 255 959,68 94 384,20 192 022,58

1 122 338,91 356 709,38

1 720 817,37 231 474,11 504 222,50

1881/82 1880/81 Doll. Doll.

Konsulatsbezirk Aachen 1816 142,20 1423 965,35 Annaberg 1 430 789,09 1406 622,00 Barmen 5 063 194 61 3784 109,97 Berlin 5 121 239,08 3175 295,97 Y 303 739,82 1 129 608,97 1554 771,98 9 485 825,68

Bremen 1 047 780,14 2 244 203,59 5 649 316,88

Breslau 1 035 224,77 1037 099,19 1517 571,22

Braunschweig 3037 533,91 537 486,08 Hamburg

1 362 749,40 Chemnitz 8 363 557,67 Cöln 2 600 912,97 Crefeld 6 683 154,20 4 549 083,09 + 2134 071,11 Kehl (seit 18, Juli 1882 erft errichtet) 366 203,04 4- 366 263,04 Leipzig 2 412 308,39 984 023,79 Mannheim 12 094,90 381 599,27

+++++++#+

Dreéden 805 625,08 Düsseldorf 1013 348,72 Frankfurt a. M. 2 500 046,93 _+-

+++

3 396 232,18 2 891 093,10 1 724 421,43

491 341,51

d 928 499,51 2 903 188,00 Mainz 1 342 822,15 München 602 901,62 Nürnbera 2 499 911,76 Stettin 1197 761,62 -- Sonneberg 181015692 Stuttgart 847 091,03 _- Insgesammt für Dollar 64 467 868,45 51 152 963.06 + 13 314 905,39 oder für Mark 257 071 503,80 217 400 093,00,

also Zunahme des Exports im Laufe cines Jahres um 55 T88 377,91 M

111 560,11 3 334 713,75 834 801,99 140 828,23

267 532,91

1 338 589,85 2 077 689,83

773 164,51 73 926,12

Centralblatt für das Deutsche Reich. Nr. 44. Inhalt : Finanzwesen: Nacbweisung über Einnahmen des Reichs vom 1. April bis Ende September. Zoll- und Steuerwesen : Bekannt- machung, betreffend die Ausgabe neuer Reichsstempelmarken. Be- fugniß einer Steuerstelle. Bestellung eines Reichsbevollmächtigten. Konsulatwesen: Entlassung Polizeiwelen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiete.

Justiz-Ministerial-Blatt. Nr. 40, Inhalt: Allgemeine Verfügung vom 30, Oktober 1882, betreffend die Ladung der Scchöffen. =— Allgemeine Verfügung vom 25. Oktober 1882, betreffend die Ent- lassung geisteskranker Gefangenen. Allgemeine Sersügung vom

, Oktober 1882, betreffend die Besetzung ter Subaltern- und Unterbeamtenstellen bei den Reichs+ und Staatébehörden mit Militär- änwärtern.

Eisenbahn-Verordnungs-Blatt. Nr. 19, Inhalt: Allerhöcbste Konzessions-Utkunde, betreffend den Vau und rich einer Eisenbahn von Loëlau nach Annaberg durch die Oberschlesische nocl SisGof!. Vom 13. Oktober 1882. Erlasse des Mi- nisters der öffentlichen Arbeiten: vom 26. September 1882, betreffend die Feststellung der pensiontfähigen Dienstzeit der Baubeamten; vom 20. Oktober 1882, betreffend die Bezeichnung der Ver (redenen nt auf der Berliner Stadtbahn; vom 22. Oktober 1882, fend

lassung von Eatrichtung der gesetlihen Wittwen- und Waisen- träge; vom 27. Oktober 1882, betreffend Nichtanwendbarkeit

Gesezes vom--20, Mai 1882 (Ges. Samml. S, 298), betreffend die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der unmittelbaren Staats-

beamten, auf die Hinterbliebenen der vor dem 1. Juli 1882 verstor- benen Beamten; vom 28. Oktober 1882, betreffend die höheren Lehr- anstalten, welche zur Ausstellung gültiger Zeugnisse über die wissen- \chaftlibe Befähigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst berechtigt sind.

Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 44. Inhalt: Amiliches: Cirkularerlasse vom 21. Oktober 1882. Personalnach- richten. Nichtamtliches: Anlagen zur senkrechten Scbiffshebung in Frankreich. Die Rathhausbau-Konkurrenz und die Theaterneubau- frage in Wiesbaden. (Forts) Die projektirte Tower-Brücke über die Themse unterhalb der London-Brüccke. Vermischtes: Vor- lesungen aus dem Gebiete des Eisenbahnwesens. Berliner Stadt- bahn. Chrendenkmal für den Geheimen Regierungs-Rath Schmid. Sinkelpreis-Aufgabe im Berliner Architektenverein für 1883. Beleuchtung des großen Saales des Berliner Architektenvereins- hauses. Zweite Konkurrenz für einen monumentalen Brunnen zum Schmucke des Augustusplatzes in Leipzig. Elektrische Beleuchtung im neuen Wiener Burgtheater. Umgestaltung des Eisenbahnamtes im französischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten. Architekten- und Ingenieurverein in Hannover.

Statistische Nacprichteu.

Das neuesie Monatsbeft zur Stai1istik des Deutschen Reichs (Septemberheft 1882) veröffentliht unter der Ueberschrift: „Das Salz im deutschen Zollgebiete“ Uebersichten über die Pro- duktion und Konsumtion, Besteuerung und steuerfreie Ablassung, sowie Einfuhr und Ausfuhr von Salz im Etatsjahre 1821/82, ferner eine Reihe von Tabellen, in welchen die Hauptergebnisse dieser Uebersichten mit den bezüglihen Ermittelungen für die 9 Vorjahre (Kalenderjahre 1872 bis 1876 und Etatsjahre 1877/78 bis 1880/81) verglichen werden. Die Vergleichung ergiebt, daß die Zahl der Salzproduktions\tätten im deutschen Zollgebiete im Verlaufe der leßten 10 Jahre sich nur wenig verändert hat; die Zahl der Salzwerke mit bergmännishem Betriebe ist von 7 im Jahre 1872 auf 9 im Jahre 1881/82 gestiegen, die Zahl der Salinen mit Siedesalzgewinnung beträgt nach unerheblichen Schwankungen während der Zwischenjahre im leßten Jahre 61, wie im Jahre 1872, und die Zahl der chemishen Fabriken mit Salz- nebengewinnung i} von 83 im Jahre 1872 auf 80 im leßten Jahre zurückgegangen. Dagegen hat in dem gedachten Zeitraum die Salz- produktion ganz erheblich zugenommen und betrug im leßten Jahre beim fogenannten Krystallsalz 62 686, beim anderen Steinsalz 230 648 und beim Siedesalz 471 644 t (zu 1000 kg) gegen beziehungêweise 2819, 112 665 und 381 975 t im Jahre 1872. Der Absatz der deut- schen Salzwerke im Inlande belief sh im leßten Jahre auf 313 357 t versteuertes Speisesalz (1872 278 762 t) und 285022 t fteuerfreies Salz, zusammen 598 379 t (453 009 t im Jahre 1872). Nach dem Auslande wurden ausgeführt 144 751 t Salz (1872 47 118), daaegen vom Auslande in das deutsche Zollgebiet eingeführt nur 36074 t (44 326 t im Jahre 1872). Abgabefrei wurden verwendet im Zoll- gebiet 1881/82 291 074 t Salz (1872 179590 t), darunter 98337 zur Viehfütterung und 128 967 in Soda- und Glaubersalzfabriken. Der Gesammtsalzverbrauh des deutschen Zollgebiets beträgt im Durcbschnitt der leßten 10 Jahre 12,8 kg und ter Verbrau an Speisesalz 7,7 kg auf den Kopf der Bevölkerung.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Die iu den DOO des preußiscben Staats übergegangene Sa m m- lung von Handschriften des Herzogs von Hamilton um- faßt cine große Zahl von Manuskripten aus dem 7. bis 16. Jahr- hundert, welche theils von ausgezeichneter wissenschaftliher B»deutung, theils durch ihre Ausftattung mit Miniaturen von hohem künstleriscem Werthe sind. Unter den in leßterem Sinne besonders werthvollen Stücken ist beispielsweise zu nennen ein Psalterium, welces sicher vor der Mitte des 7. Jahrhunderts n. - Chr. ausgeführt - ift, byzantiniswe Miniaturhandscriften aus dem 9. bis 10. und eine größere Zahl höchst wvortreffliher künstlerisch aus- estatteter Manuskripte italienishen, französishen und nieder- ländischen Ursprungs aus dem 13.—15. Jahrh., ist vor Allem ber- vorzuheben eine Handschrift von Dante's göttliher Komödie in Großfolio mit vierundachtzig die ganzen Blattseiten bedeckenden Zeichnungen von der Hand des Sandro Botticelli, welche den gestaltenreichen Inhalt des tiefsinnigen Gedichts in einer höchst merkwürdigen und für die Kunst- wie die Kulturgeschichte gleich interessanten Weise zur Darstellung bringen, Die wissenschaftliche Bedeutung der Sammlung ruht wesentliÞch auf dem Gebiete - der politiscen, Kirhen- und Kulturgeshihte des Mittelalters und der Frührenaissance. Die ältere italienische, die altfranzösishe und die provengçalishe Literatur is reich und durch wichtige Stücke ver- treten; auch für die griehisbe und noch mehr für die römische Literatur, sowie für die Alterthumsstudien des 15. Jahrhunderts bietet {ih wichtiges Studienmaterial. Unter den merkwürdigen Prachtstücken der älteren Bücherausftattung is eine in Goldschrift auf Purpur- pergament in Majuskeln geschriebene Handschrift ter Evangelien nach Hieronymus Ueberseßung zu nennen. h

Die Vorschriften über die Prüfung der öffentli anzustellenden Landmesser, vom 4. September 1882, sind soeben in cinem korrekten Abdruck in 8. in R. von Deckters Verlag, Marquardt u. Schenck, (SW., Jerusalemerstraße 56,) zu dem Preise von 20 4 erschienen. i

Griechenland in Wort und Bild. Eine Schilderung des hellenishen Königreibes von A. von Sweiger-Lerchenfeld. Mit ca. 200 Jllustrationen. In 20 Lieferungen zu je 14 M. Leipzia, Schmidt u. Günther. Mit den Heften 16—20 liegt das {öne Werk voll- ständig vor; in denselben werden die malerischen Inseln des Aegäischen Meeres: Cuböa, Skyros, Skopelos, Tenos, Delos, Naxos, Thera jeyt Santorin, und vor allen die berühmtea Inseln Salamis und Aegina geschildert; darauf folgen die mit dem ganzen Liebreiz orien- talisder Natur ausgestatteten Jonischen Inseln : Korfu früher Kerkyra, Ithaka, Zante 2c. Die Jllustrationen, welche den Tert begleiten, geben uns zusammen mit lehterem ein treues Bild der herrlichen Inseln und des cigenthümlichen Lebens der Ivselgriecen, welches so weit verschieden von dem der Landgricchen ist. Ein Anhang befafit sich mit dem modernen Griechenland und giebt Aufs{luß über die beutigen Zustände, über Volkserziehung, Verkehräwesen, Handel und Gewerbe 2c. Das Werk umfaßt im Ganzen 224 Seiten Tert in Fotoformat mit 200 vortrefflidben, nach der Natur ausgeführten Illustrationen. Die Ausstattuna in Papier und Druck is durchaus elegant, und das in!eressante Werk empfiehlt \sih daher vorzüglich zu Weibnachtsgeschenken. 4

Das N ovemberheft der „Deuts{hen Rundschau“ (Berlin, Gebr. Pätel) enthält eine Novelle von Gustav zu Putlitz: das Maler-Majorle, anmuthigen Inhalts und frischer, lebhafter Sprache. Die Indischen Reisebrièfe Ernst Häcktels werden beendet. Sie \{ildern zuerst die Kaffecdistrikte des Hochlandes von Ceylon, dann mit Humor die indishe „Sommerfrishe“ Nurellia und mit aller Farbeapraht die von dort aus unternommenen Ausflüge fn die wildromantische, herrliche Untgerung jenes originellen Luaftkurort18. Den Schluß dieser Indishen Reisebriefe bildet die Heim- fahrt durch Egypten, welche dem Reisenden Gelegenheit bietet, uns alcihsam im Fluge noch ein Bild der dortigen Zustände zu geben. Als dritten Beitrag des Heftes empfangen wir die Fortsetzung der Aufzeichnungen eines deutschen Offiziers: „Aus zwei annektirten Län- dern“, die uns dieëêmal mitten in den ehemals Königlichen Hof von Hannover führen. Diesen fesselnden Blättern reiht ch{ der S{luß der wtsensda tlih ebenso bedeutenden wie trefflich geschriebenen Reise- studie über die Insel „Elba* von dem öslerreicishen Geologen E. Rever an. Von Interesse ferner ist der Bericht, welchen E. du Bois - Revmond Uber die zweiundfünfzigste Versammlung der britishen Naturforscher abstattet. n dem Essay: „Individua- lióômus in den aigten Staaten" id cine Stimme aus Amerika verathmen, die die Angriffe zu st, wie sie neuerlich

öfters gegen das amerifanishe „self-government“ gerichtet sind, Jn der „Uterarishen Rundschau* verdient ein gehaltvoller Artikel von

Professor Wilhelm Scherer über „Neuere Faust-Kommentare“ Be- achtung. „Uterarische Notizen“ und ein bibliocraphisches

der bervorragendften literarishen Novitäten beschließen das Heft. Goslar, 31. Oktober. (Hann. Cour) In dem Reichssaale unserer Kaiserpfalz wird gegenwärtig von dem Professor H. Wis- licenus der Triumphzug Kaiser Heinrichs II[. über die Alpen nah Deutschland gemalt. Das Bild befindet sich neben dem Gemälde, welches die Kaiser-Proklamation in Versailles darstellt.

Land- und Forstwirth\schaft. Im Regierungsbezirk Königsberg ist die Ernte im Allge- meinen eine gute zu nennen, insbesondere ist der Ertrag an Roggen und Weizen reichlich, der anderer Fruchtarten befriedigend gewesen. Hülsenfrüchte und Rübsen sind. R weniger gut gediehen, auch ist die Obsternte eine geringe, da die Baumblüthe fici Nacht- fröfte stark gelitten hat. Rüdesheim, 1. November, (Köln. Ztg.) Die Weinlese wird morgen nach Bes{1nhÿ des Herbstaus\{u}ses, dem früheren Ge- brauche ganz entgegen, zuerst im Berg „beginnen. Die Reife der Trauben ift hier am weitesten vorgeschritten, die Fäulniß derselben aber au bei dem anhaltenden nassen Wetter \o stark und allgemein eingetreten, daß die Lese, um größerem Verlust zu entgehen, nicht mehr verschoben werden konnte. Am Montag, 6. November, soll dann die Lese in Eibinger und den angrenzenden Lagen der Rüdes- heimer Gemarkung fortgeseßt werden. Die Trauben find namentlich in guten Lagen während der leßten 14 Tage bedeutend besser geworden, \o daß die diesjährige Srnte doch nit so \{lecht ausfallen wird, als man annehmen zu müssen befürchtet hat. Gewerbe und Handel.

W, L. Herislets „Coupon-Warner“ ist in R. Gärtners Verlage (Hermann Heyfelder) in Berlin in fünfter Auflage erschienen. Das Büchlein verfslgt den Zweck, über Coupons und Dividenden- \cheine der Werthpapiere alles Nichtnormale zusammengefaßt und übersichtlih (alphabetisch) geordnet zu berihten und mat si hier- durch nicht nur für alle Rendanten, Banquiers und Kapitalisten, sondern so lange die Sitte Zahlungen in Coupons zu leisten und anzunehmen üblich bleibt -—— für alle kaufmännischen Kreise als Nach- \{lagewerk unentbehrlich. Die Zahl der Auflagen beweist, daß das kleine

Werk chon bei seinem ersten Erscheinen cinem Bedürfniß entsprochen hat ;

«Inzwischen hat dasselbe nun nah verscbiedenen Richtungen hin inhalt- iche Bereicherung erfahren und cnthält in der vorliegenden Auflage ein Verzeichniß aller in Berlin, Leipzig, Dresden und sonsk in Deutschland sowie in Oesterreich vorkommenden Coupons , welce 1) entweder werthlos, augenblicklich nothleidend oder auf illegalem Wege in Umlauf gekommen sind; welche 2) nicht mit dem vollen aufgedruckten Betrage zur Auszahlung kommen ; 3) auf Thaler lauten und statt im Verhältniß von 1 Thlr. = 3 4. Gold nur im Verhältniß von 2 Thlr. = 3 Fl. Silber eingelöst werden; 4) von Fälschern nachgeahmt worden oder bei denen sfon- stige für den Kassirer wihtige Daten anzuführen sind; das Büch- lein theilt endlich alle Dividendenscheine mit, bei denen man aus dem Text gar nicht oder nur mit Mühe ersehen kann, ob sie zu ganzen oder halben resp. zusammengelegtcn Aktien gehören, oder welche zum Umtausch aufgerufen worden sind. Um bei den österreichischen Coupons im einzelnen Fall jeden Zweifel zu heben, theilt der „Cous- pon-Warner“ alle österreichi]{en Coupons mit, welbe in Deutschland vorkommen und fügt Hinzu, wie und in welcher Währung sie bezahlt werden. Der speziellen Behandlung der Coupons gehen interessante «Allgemeine Bemerkungen“ voraus, auf die noch besonders hingewiesen werden mag. _ ; i

Der Aufsichtsrath der S chlesiscchen Leinen-Industrie- Gesellschast Kramsta hat die Dividende auf 5 % festgeseßt, nachdem aus dem Reingewinn 193 000 Æ zu Abschreibungen und 30 000 M für den Reservefonds verwendet find. l :

Königsberg i. Pr,, 4. November. (W. T. B.) Die Betriebs- einnahme der Ostpreußischen Südbahn pr. Oktober 1882 be- trug näach vorläufiger Feststellung: Im Personenverkehr 86 133 M, im Güterverkebr 295 068 Æ, an Extraordinarien 12000 6, zusam- men 393 201 4, im Monat Oktober 1881 definitiv 536 877 , mithin weniger gegen den entsprehenden Monat des Vorjahres 143676 A Vom 1. Januar bis ult. Oktober 1882 im Ganzen 3 983 025 M gegen 3 238 665 K im Jahre 1881, mithin mehr gegen den entsprechenden Zeitraum des Vorjahres 724 360 4

New-York, 3. November. (W. T. B.) Baumwollen- Wochenbericht. Zufuhren in allen Unionshäfen 252 000 B,, Ausfuhr nah Großbritannien 101 000 B., Ausfuhr nah dem Konti- nent 70 000 B., Vorrath 580 000 B.

Verkehrs-Anstalten.

Nach einer Bestimmung des Ministers der öffentlichen Arbeiten, vom 20. v. M,, werden die bezügli des versbiedenartigen Verkehrs auf der Berliner Stadtbahn bisher üblih gewesenen Bezeich- nungen „Lokalverkehr* und „Externverkchr“ fortan dur die Bezeich- nungen „Stadtverkehr“ und „Fernverkehr* erseßt, die Be- zeihnung „Vorortverkehr“ aber beibehalten werden,

—-Das letztershienene Heft der „Nachrichten über Industrie, Handel und Verkehr aus dem statistishen Departement im K. K. Handels- Ministerium* enthält eine Statistik des österreichischen Posft- wesens im Jahre 1881 nebst einer Uebersicht über den neuesten Stand der Post in Europa. Wir entnehmen der verdienstvo=llen Arbeit nachfolgende Ergebnisse: Das Postgebict der im Reichsrathe ver- tretenen Königrcide und Länder hat eixe Ausdehnuna von rot. 299 984 qkm mit 22144 244 Bewohnern (na der Zählung vom 31, Dezember 1880) und umfaßte 1881 11 dem Handels- Ministerium unterstehende Postdirektionen und 4033 für den Manipula- tionsdienst bestimmte Postanstalten gegen 4025 im Jahre 1880. Von diesen Postanstalten waren: ärarishe Postämter 198 gegen 191 in 1880, Postambulancen 38 (wie 1880), nit ärarische: Bee und Postexpeditionea 3287 gegen 3264, Postämter mit Posistation 499

egen 519, Poststationen 11 gegen 13, Lricfsammlungskästen gab es: in Orten mit Postanstalt 5561 (wie im Vorjahre), ohne Postanstalt 2789 gegen 2652, Die österrcichishe Postverwaltung besißt ferner 42 Postämter auf fremdeu Staatsgebieten in Europa und Asien, und zwar je ein ärarishes Postamt in - Konstantinopel, Rusisbuk, Salonici, Beirut und Alexandrien. Die êöbrigen 37 Postämter sind theils Konsulats-, theils Liovd-Postexpeditionen, je nachdem der Poftdienst von Organen der Konsulate oder der Lloydagentien versehen wird. Von diesen unterstehen 20 der Post- direktion in Triest und die anderen 22 dem Postamte in Konstan- tinopel. Außerdem befinden si im Okkupationsgebiete Bosnien und Herzegowina 52 Kaiserlidbe und Königlihe Militär-Postanstalten neben 3 Feldpost-Exrposituren, welde von Civil: und Militär- Bediensteten VETICIEN werden. Im Jahre 1881 wurden 20 P anstalten neu errichtet und 12 eingezogen, daher au im Ganzen die abl der ôsterreihishen Postanstalten gegen das Vorjahr (4025) um si vermehrt hat. Im Allgemeinea entficlen 1881 744 qkm und 5491 Einwohncr auf je 1 Postamt. Unter den österreichisen Postanstalten befinden sid 676 Poser (im Vorjahre 629), wel aleiczeitiga den Telegraphendienst versehen. Die Zahl der Course (dic Postverbindung zwischen dem Ansauyd, und Gn jedes Sens als cin Cours gere{net) beirug im Jahre 1881 im Ganzen 3795 (3756 im Jahre 1880) mit einec Gesammtlänge von 40 502 km. Nach ihrer Länge vertheilten si die Course: Cours bis zu 1 km 518, von 1—5 km 1036, von 5—10 ka 796, 10—20 km 872, von 20—50 km 491, über 50 km 82. Die verkehrte: nit täglid auf 254 Coursen, täglih: 1 Mal auf 1922, 2 Mal auf 655, 3 Mal auf 235, 4 Mal auf 493 täglich wehr als 4 Mal L 236 Coursen. Die auf und Landstraßen zurückgelegtez Kilometer bezüfferten si{ch im 1881 mit 32 099 356, 1 mit 31 743 825. Der zum verwendeten Postwagen waren 5743 gegen 5730; 3048 gegen 3011, Posipferde 7655 gegen 7614. für Postbeförderung benutten Eisenbahnzüge 1065) und die ammtzabl der von den Eisenha lavfenen Kilometer 29 676 260. Auf ei

seen und Meer) bestanden im Jahre 1 1