1882 / 280 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Ueberhaupt würde eine Bestrafung des Kontravenienten nur dann erfolgen können, wenn landesgeseßlich auf die Ueber- tretung des $. 19 des Erlasses eine Polizeistrafe angedroht ist.

Nath einem Erkenntniß des Reichs gerichts, vom 27. Januar d. J., kann, wenn bei einer Mehrzahl von Steuervergehen die Strafe für jedes einzelne Vergehen 600 6 event. 6 Wochen Haft nit übersteigt, die ge- sammte zu substituirende Freiheitsstrafe nur in Hast von höchstens dreimonatlicher Dauer bestehen. Ferner is in Steuerstrafsachen die Konfiskation der gemißbrauchten Ge- fäße mit Wirksamkeit gegen den Eigenthümer dieser Gesäße nur ausgesprochen, wenn derselbe zu dem Verfahren zugezogen ist.

Der Königlih rumänische Gesandte Herr Liteano ist vom Urlaube nah Berlin zurülgekehrt und hat die Ge- schäfte der Gesandtschaft wieder übernommen.

Der General-Lieutenant von Wißendorff, bisher beauftragt mit der Führung des VIl. Armee-Corps, ist anläßlih seiner Ernennung zum kommandirenden General dieses Armee-Corps zur Abstattung persönliher Meldungen aus Münster hier eingetroffen.

Sachsen-Altenburg. Altenburg, 2. November. (Lpz. Ztg.) Die Landschaft des Herzogthums ist zur Fortseßung ihrer Berathungen auf den 30. d. M. einberufen

worden. Dem Vernehmen nah wird die diesmalige Diät nur Turz sein.

Desterreich-Ungarn, Wien, 25. November. Die Cen- tralkommission für die Grundsteuerregulirung hat ihre Arbeiten beendet. Nah den gefaßten Beschlüssen stellt sih der gesammte Reinertrag auf 164 955 513 Fl., und es beträgt bei dem Umlageprozente von 22,7 die Gesammt- summe der Grundsteuer 37445 314 Fl.

Jm Schoße der Regierung wird, wie hiesige Blätter berihten, an dem Entwurfe eines Heimstätten geseßes eifrig gearbeitet, Das Ministerium des Jnnern und des Ackerbaues trachtet im Einvernehmen mit den Landesstellen ein Geseh zu Stande zu bringen, welches ein vor jeder Exekution gesichertes Existenzminimum genau bestimmen würde, das theils in Hausthieren und Geräthen zu bestehen hätte und das in ein- elnen Kronländern verschieden würde bemessen werden. Die

orlage soll zunähst in den Reichsrath und dann bezüglich p: Dur@hführungs-Modalitäten an die einzelnen Landtage gelangen. i

Prag, 27. November. (W. T. B.) - Bei den Gemein d e- wahlen in der Josefstadt sind an Stelle der wegen der be- kannten Rede des Bürgermeisters ausgetretenen vier deutschen Stadtverordneten sämmtlihe von dem böhmischen Wahlcomité aufgestellten Kandidaten gewählt worden.

Pest, 27. November. (W. T. B.) Das Unterhaus billigte mit 55 Stimmen Majorität das Vorgehen des Minister-Präsidenten . betreffs der Konfiskation antisemitischer Pamphlete. Der Justiz-Minister rechtfertigte in Beantwortung der Fnterpellation Mezey's bezüglih der Tisza-Eszlarer Affaire die Beaustragung des Vizenotars Bary mit der Untersuchung dur die damaligen Personalverhältnisse des Nyiregyhazaer ee Mein indem er hervorhob, daß Bary bereits früher als sel iger Untersu@ungsrihter fungirt habe. Die Verhaftung ' Moriz Scharss sei wegen Verdachtes der Mitshuld erfolgt. Später, als dessen Eltern inhastirt wurden, sei Moriß Scharf um seiner persönlichen Sicherheit willen bis ur Ausfindigmachung einer geeigneten Unterkunft, also nicht als Häftling, im Gefängnißgebäude verpflegt worden. Ueber den Gang der Untersuhung sei Seitens des Unter- Jsuchungsrihters keinerlei Mittheilung gemacht worden. Es sei aber bekannt, daß Zeitungsberichterstatter die Zeugen ihrerseits nochmals befragten. Der Minister bedauerte jedwede Becin- flussung des Untersuhungsverfahrens und erklärte, er habe auf Ersuchen Bary's die Einleitung des Preßprozesses gegen das Wochenblatt veranlaßt, welches über die amtlihe Wirksamkeit Bary's kompromittirende Mittheilungen enthalten habe. Die Delegirung eines neuen Gerichtéhofes würde den allgemeinen Rechtsgrundsäßen zuwiderl aufen und wäre im vorliegenden Falle unzweckmäßig. Er, der Minister, habe niht verabsäumt, innerhalb der gele lihen Schranken sein oberstes Aufsichtsrecht

u üben, er habe fich aber gehütet, in die geseßlich gewähr-

eistete Rechtssphäre der Justiz einzugreifen. Er sei über- eugt, die ungarische Justiz werde in dieser Angelegen- heit eine unülberschreitbare Scheidewand gegen Leiden- chast, Voreingenommenheit und andere ungeseßliche Einflüsse bilden. Mezey erklärte \si{ch durch die Antwort des Ministers nit befriedigt und kritisirte einzelne Punkte der Ausführun- gn desselben. Der Minister erwiderte, wenn der gesunde

inn der Bevölkerung geändert werden sollte, werde es Sorge des Ministeriums sein, die volle Freiheit und Unabhängigkeit des weiteren Gerihtsverfahrens vor allen Einflüssen von außen her zu fichern. Die Antwort des Justiz-Ministers wurde ein- stimmig zur Kenntniß genommen.

weiz. Bern, 24. November. (N, Zür. Ztg.) Der Gesandte Dr. Kern in Paris hat um seine Entlassung auf den 1, März 1883 nachgesucht.

Großbritannien und land. London, 27. No- vember. (W. T. B.) nterhause erwiderte heute der Unter-Staatssekretär Dilke auf eine Anfrage Bartletts : nah der der Regierung zugegangenen Jnformation sei der von den Russen beseßte entfernteste Punkt Gevers oder Gauros auf der Route setzGen Asterabad und Babadeurma, doch schienen kleinere Abtheilungen russisher Kavallerie Atak Derigez übe en zu haben. Auf weitere A nfragen erklärte Dilke: die Regierung ziehe jeßt den Vorschlag der egyp- tishen Regierung en der Fortdauer der inter- nationalen Gerichtshöfe in gung. Daß der Khedive, welhem die Bai von Tajura unter der Souveränetät des Sultans gehört, diese an nkreih abgetreten habe, sei ihm nicht bekannt. Der englische Botschaster in Konstantinopel sei im August des lehten Jahres dahin instruirt worden, mit den Unt ern des Berliner Vertrages über den Jahrestribut und den ldantheil Bulgariens zu berathen. Die Be- rathungen en indessen zu keinem praktischen Resultate ge-

ührt; später sei eine Fortsehung derselben dur die Unter- lungen über die russische Kriegskostenentshädigung ver- dert worden. Neuerdings tssefkretär

der t ini turtishen Grenze je die Ent

ung der euro:

päisen Grenzkommission noch nicht völlig auzsge-

. Was das bezüglide Gesuch Serbiens an- gehe, so werde der englishe Vertreter - in Konstantinopel angewiesen werden, si bezüglich des Schuldenantheils Serbiens den Ansichten der Vertreter der übrigen Mächte anzuschließen. Der Staatssekretär für Frland erklärte Gibson: er könne den bereits bekannten Details über die Dubliner Mordthat vom Sonnabend nichts hinzufügen. Der Premier Gladstone verschob seine Mittheilungen über die egyptis hen Kriegskosten bis morgen, weil Stanley seine bezügliche Jnter- pellation auf morgen vertagte. Das Haus seßte sodann die Be- rathung der Geschäftsordnung fort und .nahm ohne Ab- stimmung die 13. Resolution an, nah welcher die bisher an- genommenen Resolutionen das permanente Reglement bilden sollen. Ein Antrag Stanley's, die Cloture nur bis Ende nächster Session geltend zu machen, wurde nah kurzer Debatte mit 137 gegen 90 Stimmen abgelehnt. Das Haus be- gann hierauf die Berathung des Antrags auf Einseßung permanenter Ausschüsse für die Bills, - betreffend die Rechtspflege, den Handel, die Schiffahrt und die Fabriken.

Dublin, 27. November, Nachts, (W. T. B.) Heute Abend wurde hier ein gewisser Field, welcher in dem Pro- zesse des kürzlih zum Tode verurtheilten Hynes als Ge- ¡hworener fungirt hatte, auf der Straße von einem Mann, der von einem vorüberfahrenden Wagen heruntersprang, mit einem Dolche angefallen und tödtlih verwundet. Der Mörder ist entkommen.

28. November. (W. T. B.) Gestern Abend wurde der Gerichtsvollzieher Mullins von drei Männern

überfallen und mit Dolchmessern verwundet, die Thäter sind verhaftet.

Frankreich. Paris, 27. Nooember. (W. T. B.) Die Deputirtenkammer votirte das Budget des Kriegs- Ministeriums. Der Kriegs-Minister bekämpfte in einer sehr beifällig aufgenommenen Rede den Antrag auf Aufhebung des Fnvalidenhauses, welher shließlih zurückgezogen wurde. Der Antrag der Budgetkommission auf Reduktion der für das Junvalidenhaus ausgeworfenen Summe wurde E und die vom Minister beantragte höhere Summe

ewilligt.

Da es in Folge der übertriebenen Forderungen der Re- gierung von Madagaskar für jeßt unmöglich scheint, ein Einvernehmen zwischen dieser und der französischen Regierung zu erzielen, so sind die madagassishen Gesandten heute Vor- mittag nah London abgereist.

Drei des in der Kathedrale von St. Denis be- gangenen Diebstahls verdähtige Personen sind verhaftet worden.

27. November, Abends. (W. T. B.) Gambetta hat sih heute Morgen bei der Uebung mit einem Revolver an der Hand verleßt. Die Kugel hat jedoch nur eine Fleisch- wunde gemacht und die Verwundung ist ohne Bedeutung.

Türkei. Konstantinopel, 27. November. (W. T. B.) Der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg beab- sihtigt, morgen von hier wieder abzureisen. Der Sultan verlieh dem Herzog den Osmanie: Orden 1. Klasse. Tahir Effendi ist zum interimistishen Minister der Evkafs ernannt worden. Wie gerüchtweÿe verlautet, wären noch weitere Ver-

fonernnaen in der Beseßiing der Minister- und Staats sekretär- osten zu erwarten. :

Numänien, Bukarest, 27. November. (W. T. B.) Wie dem „Romanul“ gemeldet wird, wurde der ehemalige bulgarische Minister des Auswärtigen, Zankoff, gestern Abend bei seiner Rückehr aus dem Auslande in Rustschuk bei dem Betreten des bulgarishen Gebietes von Gensd’armen ver- haftet, den Händen derselben aber von der Volksmenge, welche ihn am Landungsplaßze erwartet hatte, wieder entrissen und im Triumphe nah seiner Wohnung gebracht.

Nußland und Polen. St, Petersburg, 2W. Novem- ber. (W. T. B.) Anläßlih des Geburtstagsfestes der Kaiserin fand am Sonntag im Palais in Gatschina großer Empfang und Morgens Festgottesdienst in der Palais- kirche statt, Der Zu zu leßterer ging aus den Gemächern JZhrer Majestäten durch die chinesisde und griechische Galerie, den kieinen Thronsaal, den weißen Saal und die Tschesmensche Galerie. Den Majestäten folgten sämmtli%e Mitglieder des Kaiserlichen Hauses und der Minister des Kaiserlichen Hauses. Im kleinen Thronsaale hatten die Damen des Gefolges der Kaiserin und der Großfürstinnen Aufstelluna genommen, im Weißen Saale die Minister, die Mitglieder des Reichsraths und das militärische Gefolge des Kaisers, in der Tschesmenschen Galerie die Offiziere der Leib-Regimenter. Bei der Rückehr aus der Kirche nahmen die Majestäten die Glückwünscheentgegen ; unter den ree Personen befanden sich auch der dänische Ge- andte, von Wind, der deutsche Militärbevollmächtigte, General von Werder, der Generalgouverneur von Moskau, Fürst Dolgoruki , sowie die Adelsmarschälle von St. Peters- burg und Moskau. Gegen 1 Uhr fand ein Früh: stück siatt, an welchem 250 Personen Theil nahmen. Abends 7 Uhr war Familiendiner und um 91/2, Uhr Ball im Arsenalsaale, zu welhem 150 Personen geladen waren, darunter auch der dänische Gesandte und General von Werder. Die Kaiserin betheiligte sich an den Tänzen, welche nah dem Souper bis 21/2 Uhr früh dauerten.

In Bezug auf die vom Bergbaukongreß in Charkow be- antragte Echöhung des Zolls auf Steinkohle und

S En ist bis jeyt von Seiten der Regierung keine Entschließung gefaßt worden.

Schweden und Norwegen. Stockholm, 27. No- vember. (W. T. B.) Der Wortlaut des Toâstes, welchen der König bei dem Galadiner auf den Großherzog und Fol: rohergogin von Baden ausbrachte, ist der olgende :

Gw. Königliche Hoheit, Lieber Bruder und Vetter! Die Ex- cignifsie dieser Tage dürften ganz besonders dazu eignet sein, manche erhebende Gedanken zu erwecken. Vor ürzem dur Gottes Gnade von todesgefährlider Krankheit gerettet und, zur Freude cines treuen Volkes, vollständig wiederher- gestellt sind Ew. Königliche Hoheit, um der Aufnahme des ersten Enkels in den heiligen Taufbund beizuwohnen, nun zu dicsem fernen nordishen Lande gekommen , diesem selben Lande, welches das Vaterland Jhrer erhabenen Mutter sowle deren Vor- väter war und die Peimath der geliebten Tochter geworden, und Sie stehen jeyt innerbalb der Mauera dieses Schlosses, wo sowohl Ihre verewigte Frau Mutter als deren eben geborener Urenkel das Licht der Welt zum ersten Mal geshaut! Wer mag nit hierin cin neues

cugniß erkennen, wie die Fügungen Gottes der Menschen böbftes Ges

ole die Macht der das \ch{önste Vermächtniß der e e

Königliche Hoheit! Liebe Schwester und Cousine! Es ist der Königin und Mir ein Bedürfniß Unserer Herzen, auszusprechen, wie gebe Ihr Aufenthalt in unserem Lande und in unserem Familien-

eise uns hoh beglückt hat.

Aufrichtig dankbar blickèn Wir zurück auf die eben erlebte bedeu- tung8volle Zeit mit ihren Sorgen und Freuden, durch welche, wie Wir zu hoffen wagen, das Band treuer verwandtschaftliher Liebe, das uns bereits vorher verbunden, noch enger befestigt worden ist!

Auf das Wohl Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin von Baden !“ ßherzog

Amerika. Washington, 27. November. (W. T. B.) Die Nathricht des New-Yorker Journals „World“ von der angeblihen Demission des Schaßsekretärs Folger ent-

behrt der Begründung.

Afrika. Egypten. Kairo, 27. November. (W. T. B.) Dem Vernehmen nah würden morgen gegen 60 Un ter- suhungsgefangene zweiter Kategorie gegen Kaution auf freien Fuß geseßt werden. Auf der Eisenbahnroute von Kafrdowar fand ein Eisenbahnunfall statt, bei welchem glückliher Weise nur wenig Personen verleßt wur- den. Unter den Getödteten befindet ih kein Europäer ;

U vermuthet, daß der Unfall durch Bosheit herbeigeführt wurde.

Zeitung8fimmen.

„Daily News“ schreiben:

Fürsl Bi3marck, wenn er von dem preußischen Landtag die indis rekte Besteuerung anstatt der direkten verlangt, handelt weder über- raschend noch unbillig, wenn es- auch den meisten Leuten in diesem Lande so vorkommen mag Abgesehen von verfassungsmäßigen Rücksichten muß eingeräumt werden, daß die Beweise für Erseßung der direkten Besteuerung durch indirekte sehr stark sind. In Preußen ist die Einkommensteuer eine zwiefahe. Man hat daselbst die eigent- liche Einkommensteuer, die von Hausständen bezahlt wird, die 150 Pfund jährli und darüber einnehmen, und die Klassensteuer, die solchen Familen auferlegt wird, die 21 Pfund jährli bis 150 Pfund besißen. Diese Steuer heißt deshalb so, weil sie nicht un- mittelbar das Einkommen jedes Steuerzahlers trifft, sondern diese zu- sammen auf eine Anzahl von Klassen vertheilt sind, von denen jede dur bestimmte Schranken des Einkommens begrenzt wird. Die Ab- I drüdkt somit zu {wer auf Diejenigen, welhe cin Einkommen

aben, das die niedrigere Grenze eben überschreitet, und zu leicht auf Diejenigen, deren Einkünfte eben unter der höheren Grenze liegen. Ein noch ernsteres Bedenken ist dagegen dies, daß Jeder, der genug verdient, um si zu erhalten, verpflichtet ist, direkt zum Staats- {ay zn steuern, und so jede Person, die jährlich 21 Pfund oder wöchentlich 8 Schilling verdient, dieser Klassensteuer pflichtig ist. Wenn wir sagen, daß nur etwa 2# 9/9 der ganzen Be- völferung Preußens Familien angehören, die jährlih 150 Pfund und darüber besißen, und daß 689/69 oder fast zwei Drittel zu Familien gehören mit Einkünften von 21 bis 150 Pfund jährlich, f wird man einsehen, wie ernst diese Klassensteuer is. Wenn wir dann hinzu- fügen, daß fast cin Drittel der ganzen Bevölkerung Familien ange- hört, die weniger als 21 Pfund jährlich besigen, so wird die Sache nochÞ ernster erscheinen. Fürst Bismarck macht nun den Vor- {lag, die vier unteren Klassen, deren Gefammtbeiträge auf nicht mehr als 350 000 Pfund \i{ belaufen, unmittelbar von der Steuer zu befreien. Es muß in der That zugegeben werden, daß eine F die nur 8 Schilling die Woche verdient, keine Einkommen- teuer zahlen follte. . . . Was uns wundert, ist nit, daß in Preußen Unzufriedenheit herrscht, sondern daß das Volk si eine solche Steucr so lange hat gefallen lassen.

Einem Artikel der in München erscheinenden „Al[- gemeinen Zeitung“ über die Einwirkung der preußischen Landtagéwahlen auf die Haltung des Reichstags entnehmen wir folgende Sätze:

Wenn auch die Parteiverhältnisse im Reichstage dieselben ge- blieben sind, die Sn der Parteien is eine ganz andere ge- worden. Die Liberalen haben in Preußen eine Niederlage erlitten, die Konservativen einen Sieg erfohten, und das wird, wenn nit den Muth der Einen \{wäcen, so doch den Muth der Anderen, die sid durch den Ausfall der MReichstagswahlen hatten eins{ücbtern lassen, stärken. Als der Reichstag auseinanderging, hatte er das Mo- nopol mit erdrüdckender, die Zollerhöhungen der Novelle mit ge- ringer Mehrheit abgelehnt; jeyt, wo er wieder in Thätigkeit tritt, steht er vor der Forderung neuer Verbrauhsabgaben und ganz un- mittelbar vor einer Erböbung der Holzzölle. Und die Kenner der parlamentarischen Arena \{chütteln bedenklih den Kopf, wenn Jemand der Erwartung Ausdruck giebt, der Reichstag, der den Honigzelt ab- gelehnt habe, werde mit den böberen Holzzöllen nit be jer verfahren. Die agrarishe Bewegung ist den Konservativen bei den Wahlen zu Hülfe gekommen; der konservative Ausfall der Wablen wird dazu bei- tragen, der agrarisben Bewegung einen neuen Anstoß und einen mäch- tigen Einfluß zu geben.

Die „Görlißer Nathrithten“ schreiben zur Jnnungsfrage:

Bedauerlicher Weise lassen es konservative und liberale Blätter an der richtigen Unterstüßung der Innungsbestrebungen glei häufig fehlen: die ersteren, indem sie die Gewerbtreibenden in der irrigen Meinung bestäcken, dem Handwerk könne in dec gehörigen Weise nur dur Zwangkêinnungen und weitgehende Bevorrechtungen geholfen werden, die leyteren, indem sie das gesammte Jnnungs- wesen als alten Zunftzopf abfällig behandeln und die Freunde desselben auf solhe Weise entmutbigen und verbittern. Wäre das Verhältniß der Presse Ju den Jnnungsbestrebungen das richtige, so erschiene geradezu unbegreiflih, warum von der Zahl, der Thâätig- keit und den Erfolgen der auf Grund des Gesetzes vom 18. Juni 1881 gebildeten Innungen bisher so außerordentli wenig zu hören gewesen ist, Ueber dergleichen Dinge des praktischen Lebens mitzu- reden, ist freilih s{wieriger und anscheinend undankbarer, als ins Blaue binein über die wahrea Aufgaben preußischer und deutscer Politik zu raisonnicen oder Urtheile über das Verhältniß Englands und Frankreichs zur egyptischen oder einer anderen beliebigen efirage”

in die Welt zu senden, wie wir sie alltäglih in großen und kleinen Preßorganen lesen.

Zur Holzfrage wird der „Wiesbadener Zeitung“ NE JUEEE Untermain aus dem Spessart, 25, November, geschrieben :

Seit der Aufhebung der Holuölle im Aahre 1865 sind die Er- trôge der Staatsforsten wegen des Sinkens der Holzpreise beftändig mit Ausnahme der Gründerzeit rückwärts gegangen, wodur die Staatskassen sehr empfindliche Verluste erlitten. Ebenso er- litten die Gemeinden durch die geringen Erträge ihrer Waldungen große Verluste, Es sind Fälle vorgekommen, wo Gemeinden aus dem Verkauf ihres Holzes die Ausgabea (br die Waldungen (Forsttebniker, Waldaufseher, Kultur, y ee ne, eigerungêe- kosten, Steuern 2c.) kaum decken konnten. Diese ohnehia \{hon dur Kreis-, Distrikt- und Kommunalumlagen überlasteten Gemeinden müssen zur Deckung des Ausfalles der jährlichen Erträge ihrer Wal- dungen abermals zur Erhöhung der Kommunalumlagen greifen.

Deshalb ist das Lerlangen der Forstwirthe nah verstärktem

Su die Konkucrenz des Raubdan treibenden Auslandes fideris lle berahiat, Dicsen Giug sann ves cler aur Lo R,

Provinzen Hannover , Hefsen-Nassau, S{leëwig-Holstcin und der

796 500 6, bestehend in der zweiten Rate des Kaufgeldes von ‘des neuen Reichétag8gebäudes erworbenen, dem preußischen Fiskus gehörig A Grundftücte Nr. 1 und 3 am Königsplaßze zu Berlin zu zahlen auf 3196 500 6 oder abgerundet auf obige 3 200000 M zu ver-

‘Domânenrenten betragen im Jahre vom 1. April 1879/80 2544144 M 4 S, im Jahre vom 1. April 1880/81 2652131 A 62 S und im Jahre vom 1. April

‘wirthscaften 11 594 6) eingetreten, die dadurch veranlaßt sind, daß

Toft ist und die betreffenden Domänengrundstücke der Domänenver-

Landtags- Angelegenheiten. Der Erlös aus den in der Monarchie, aus\{licßlich der

Hohenzollernschen Lande, vorkemmenden Ablösungen von Do- mänengefäilen und aus dem Verkaufe von Domänen- und Forstgrundstücken ift mit 2400000 Æ in Ansaß gebracht. Da außerdem pro 1. April 1883/84 eine außergewöhnliche Einnahme von

1435 000 M, welches das Deutsche Neich für die behufs Erbauung

at, dem Domänenveräußerungsgelder-Fonds zufließen wird, so ist der Gesammterlös aus Ablösungen und Verkäufen pro 1. April 1883/84

anschlagen. Nab der dem Etat beigefügten Uebersicht hat diese Ein- nahme exkl. der Tilgung8quoten von den zur Amortisation regulirten

1881/82 1 642 629 46 38 4, zusammen also 6838905 M 47 4. Das ergiebt jährli durchs{nittlich in vollen Mark 2 279 635. ‘Werden hierzu an Tilgung2quoten von Domänen-Amortisationsrenten gerechnet rot. 800000 46, so ergiebt sich eine Summe von 3079 635 4M Die Erläuterung bemerkt nun hierzu, daß auf eine so Hohe Einnahme pro 1. April 1883/84 aus den gewöhnlichen Ab- Isfungen und Veräußerungen niht gere{bnet werden könne wegen des immer noch andauernden Mangels an Kauflust, und weil die Zahl der in den alten Landestheilen überhaupt zur Veräußerung geeigneten Grundstücke si ganz erheblich vermindert habe. Es hätte diese Ein- nahme vielmehr mit höchstens 2 400 090 Æ in Ansatz gebracht werden Tönnen.

Der Etat der Gestirtverwaltung weist (Kap. 33 und 33a.) 1841520 G Einnahmen (— 5820 4) auf. Einigecmaßen erheb- licbe Aenderungen sind nur in den Tit. 7 (Landgestüte, Sprung- und Füllengeld 1 139 855 4) und 8. (Ertrag von Grundstücken und Guts-

‘das mit dem Posenscben Landgestüt Zirke verbundene kleine Zucht- gestüt für kaltblütige Schläge, welches sih nit bewährt hat, aufge-

waltung zurülgewährt sind. Das hannoversche Landgestüt ist mit 10 Beschälern weniger (215), das rheinische mit 20 mehr (80) bedacht worden. Hierdurh ermäßigen sich die Einnahmen der Landgestüte im Ganzen um 13 367 46 Den Cinnahmen sind noch die Wittwen- und Waisengeldbeiträge hinzugetreten, fo daß in der Gesammteinnahme eine Ermäßigung von rund 5820 # eintritt.

Die dauernden Ausgaben (Kap. 108) stellen ih auf 3 849 060 M, gegen den laufenden Etat 26 010 #6 Die Erspar- niß liegt hauptsächlih in dem Abschnitt „Landgestüte“, insonderheit in dem Titel „Fourage“. i ;

Zu außerordentlichen und einmaligen Ausgaben Find (Kap. 13) 771590 A (+ 642 680 6) auêgeworfen, und zwar 6000 A zum Ankauf des ehemaligen Chausseehauses bci Gudwallen ; 36450 6 zum Neubau eines abgebrannten Stalls zu Jonasthal; 45 680 (6 zur Drainirung von Jodezlauken u. \. w., leßte Rate; 18 700 6 zum Bau eines Wohnhauses zu Graditz; 43 090 #6 zum Bau eines Stalls bei dem Oberschlesishen Landgestüt, 71 670 6 desgl. bei dem Pommerschen; 125 000 #4 zum Neubau des Westfä- lischen LandgesiÜts zu Warendorf, erste Rate; 202 000 #4 zur Er- richtung eines zweiten Landgestüts in der Provinz Posen (in Gnesen), erste Rate und 223 000 6 zum Ankauf von Ischledimmen, einer Enklave von Trakehnen. r H

In dem Etat des DeutshenNeich8- und Königlich Preußischen Staats-Anzeigers erhöht sich die Einnahme (Kap. 25h. : 522350 A) um 18850 Æ, und zwar 18000 Insertion8gebühren und 850 „#6 Wittwen- und Waisengeldbeiträge mehr. In den Ausgaben (Kap. 53: 442 350 4) sind 14730 4 hin- zugetreten, und zwar 70 4 Wittwen- ‘und Waisengelder, 12 600 mehr für Saß, Druck und Papier und 2060 G mehr Antheil des Reichs an dem Betriebsübersbuß. Der Letztere beträgt für Preußen 80 000 M4, für das Neich 40 000 4

Der Etat des Ministeriums der auswärtigen Ange- legenheiten erhöht sich in den Einnahmen (Kap. 26: 8070 4) um 3570 «A Wittwen- und Waisengeldbeiträge. Den Ausgaben (Kap. 55 und 56: 50210 M4) sind 1530 4 hinzugetreten, und zwar 1230 M zur Verstärkung des Fonds für Porto und Telegramme (bisher rur 170 M) und 300 4 Wittwen- und Waisengelder. i

In den Etat des Kriegs-Ministeriums sind in den Ein- nahmen (Kap, 35: 1755 4) ebenfalls die Wittroen- und Waisengeld- beiträge neu cingestellt worden. Au die Ausgaben (Kav. 127: 107 572 M) erhöhen si nur um die Wittwen- und Waisengelder (100 A6).

Der Etat der Lotterie verwaltung sür das Iahr vom 1, April 1883/84 weist eine Einnahme von 4034 300 6 aus, wie im vorigen Etat. Abweichungen vom vorigen Etat zeigen sih in den Titeln: „Aus dem Lotteriespiel und zwar aus dem Absatz der Loose 2c.” mit 1458 4 88 A weriger, „Gesetzliche Wittwen- und Waisengelder* mit 1512 K 69 „Z mehr und in dem Titel „Sonstige Einnabmen (für Drucksachen 2c.)* mit 61 X 81 ch4 weniger.

Die Summe der Ausgabe beträgt 89709 M (— 100 4). In Titel „Besoldungen“ findet \ich{ch ein Mehr von 1000 und îin Titel „Wohnungögeldzushuß für die Beamten“ von 240 M, welche zur Besoldung bezw. als Wohnungszuscbuß für cinen neu anzustellenden Wächter in Ansa gebracht siud. Die Anstellung eines Wächters zur sicheren nächtliden Bewachung der Kasse und der Lokalien der General-Lotteriedireklion hat sid als dringendes Be- dürfniß herausgestellt. Titel „Büreaubedürfnisse“ zeigt ein Weniger von 1270 #6 Neu eingestellt în den Etat ist der Titel „Gesetzliche Wittwen- und Waisengelder“ mit 130 M

Der Ueberschuß der Einnahme über die Autgabe beträgt 3 953 600 Æ (— 100 M).

Der Etat tes Seehandlungs- Instituts beziffert die Ein- nahme: A. Für die allgemeinen Staatsfonds mit 3000000 & (wie im vorigen Etat). Für das Jahr vom 1. April 1883/84 if neben einem, dem Reinertrage des Jahres 1881/82 entsprehenden Jahres-

ewinn von rund 2730 000 #4 eine Kapitalablieferung von 270 000 4, m Ganzen also obige Einnahme von 3000000 A als Beitrag zu den allgemeinen Staatsausgaben in Ansay gebrat. B, Für Reh- nung des Jastituts: 4600 4 (4- 4690 M4) in den Titeln «Gesetzliche Wittwen- und Waisengeld-Beitcäge“ rit 4570 K auf Grund des Gesetzes vom 20. Mai 1882 und „sonstige Einuabmen“ (Zablung eines Unterbeamten für Feuerungsmaterial) mit 30,4 Die Einnahme unter Abschniit A. wird den allgemeinen Staatsfonds, die Einnabmen unter Abschnilt B. im Gesammtbetrage von 4600 „( werden dagegen den Erträgnissen des Scehandlungs-Instituts zugeführt,

Die Ausgabe beträgt 268461 M (4- 10439 4). Dieses Mehr resultirt aus den Titeln: „Remunerirung von Hülfearbeitern und Hülfédienern“ mit 2000 M in Folge der stetig zunchmenden Ee- châfte der Seehandlung, „Pensionen 2c.“ mit 4419 M (Der Mehr- etrag besteht în der Pension eines i. J, 1882/83 iu den Rubestand gettetenen Seehandlungsbeamten), und in dem Titel „Bureaubedütfe- nisse* mit 4020 M Die Verwaltungskosten im Betrage von 268 461 M werden aus den Erträgnissen des Instituts bestritten.

=— Jm Etat der Münzverwaltung beträgt die Einnahme 225 640 M (— 11180 M). Hiervon entfallen auf die Münze in Berlin 221 760 M (— 12060 M). Hier zeigen ein Weniger die Titel: „Ertrag der Ausprägung von Münzen und Medaillen* mit 2300 M und „sonstige vermishte Einnabmen (für Probemetalle, Probir- und Schmelzgebühren ?c.)* mit 11 880 K Neu eingestellt in den Etat ift Titel „Gesetzliche Wittwen- und Waisengeldbeiträge*“ mit 2120 M, avf Grund des Geseyes vom 20, Mai 1862, Die Probir- anstalt in Frankfurt a. M. bat cine Einoahme von 3880 M {4+ 890 M), Ein Mehr von 800 A steckt hier in dem Titel „Ein- nahmen der Probiranftalt* mit 800 M und mit $0 M in dem Titel

oSeseyliche Wittwen- und Waisengeldbeiträge“.

Die Ausgabe beziffert sih auf 222 730 4 (— 9840 (). Hier- von kommen auf die Münze in Berlin 217 030 Æ (— 10100 4). Von diesem Weniger werden erspart: in Titel „Besoldungen“ 4350 M Mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Betrieb der Münze sind die Stellen a. eines Betriebs-Sekretärs mit einer Besoldung von 1800 4 und b. eines Zählkomtoir - Vorstehers mit eizer Besoldung von 2550 MÆ, zusammen obige 4350 Æ entbehrlich geworden. Aus dem- selben Grunde sind in dem Titel „Wohnungsgeldzushüsse für die Beamten“ 1080 4 weniger eingestellt. Der frühere Titel 3 , Zur Heran- ziehung und Ausbildung von Eleven“ mit 1090 Æ ift als entbehrlich in Abgang gestellt worden. Ebenso sind nab Maßgabe der wirklichen Aut- gaben in den letzten Jahren in dem Titel „Zur Remunerirung von Komtoirgehülfen und Dienern“ 1000 M erspart und 300 in dem Titel Außerordentlihe Remunerationen und Unterstüßungen“ mit Rüksibt auf die Absetzung der obenbezeineten 2 Beamtenstellen. Ein Weniger von 3000 M findet sich in dem Titel „Zur Beschaffung und Unterhaltung der Maschinen, Betriebsmaterialien und Inven- tarienstücke, Werkzeuge 2c.“ und ein Weniger von 340 #4 in dem Titel „Unvorhbergesehene und vermischte Ausgaben“. Dem gegenüber steht ein Mehr von 790 (6 in dem Titel „Zur Unterhaltung der Gebäude, sowie zur Bestreikung der Abgaben und Laslen derselben“. Neu eingestellt ist Titel „Geießliche Wittwen- und Waisengelder“ mit 180 4 Die Probiranstalt in Frankfurt a. M. beziffert ihre Ginnahme auf 5700 4 (+4 260 4); das Mehr von 260 A hat Titel „Zur Remunerirung cines Probirgehülfen“. Bei dem Anwachsen der Geschäfte der Probiranstalt scheint eine Lohnerhöhung erforderlich. ( er Veberschuß der Einnahme über die Ausgabe beträgt 2910 46 1340 M). ;

Der Etat der Bureaus des Staats-Ministerium pro 1883—84, welcher in Einnahme (Kp. 25a.) 3400 M und in Ausgabe (Kp. 44) 298 880 aufweist, weicht von dem laufenden Etat im Wesentlihen nur durch Einstellung der Wittwen- und Waisengelder und Beiträge ab. i | :

Der Etat der Staatsarch ive zeigt jeßt ebenfalls eine be- sondere Einnahme (Kp. 25b. 9370 4), die sich aus 5680 4 Wittwen- und Waisengelderbeiträgen bildet, ferner aus 3170AErlöfen aus archivali- \ N und Zuschüfsen zu den Autorhonoraren, die auf Grund des Beschlusses des Hauses der Abgeordneten etatisirt, und aus 520 4 verschiedenen Einnahmen, die von dem Finanz-Ministerium über- nommen sind. Die dauernden Ausgaben (Kap. 45 316 844 4) stellen sih um 13470 4A böher als pro 1882—83, Davon ent- fallen 4620 # mehr auf Beamtenbefoldungen 2c., 4000 #4. mehr auf die Gewinnung von Hülfsarbeitskräften, 480 4 auf Wittwen- und Waisfengelder und 3170 #, mit den entsyrechenden Einnalhme- posten balanzirend, mehr zur Erwerbung von Archivalien und Büchern. Als einmalige und außerordentliche Ausgabe sind (Kap. 1) 7209 ( zuc Einwölbung der Räume des Staatsarchivs zu Osnabrück ausgeworfen.

Der Etat der General-Ordenskommission erhöht sich in den Einnahmen (Kap. 25e. 12 950 46). Der Erlös für zurück- gekommene alte Ordensinsignien ist um 1140 é geringer angeseßt, dagegen sind die Wittwen- und E D etrage mit 1330 6 und die kleinen, vom Finanz-Ministerium übernommenen Einnahmen mit 80 6 binzugetreten. Unter den Ausgaben (Kap. 46 208 120 4) fanden sich 58 000 4 mehr für Anschaffung und Unterhaltung der Ordensinsignien (jeßt 130 000 46) und 4000 #4 weniger für Ehren- sold an die Inhaber des Eisernen Kreuzes I1. Klasse. G

In dem Etat de8Geheimen Civilkabinets äft ein Ein- nahmekapitel (25 d.) mit 8900 Æ eingestellt worden. Dasselbe setzt sih zusammen aus 6360 #4 Beitrag des Deutschen Reichs zu den Verwaltungskosten und 60 H. kleinen Einnahmen, welche beiden Posten bisher bei dem Finanz-Ministerium verrechnet wurden, und 2540 4 Wittwen- und Waisengeldbeiträge. Die Au3gaben (Kap. 47 122 680 „#) erhöhen sich um 8100 M, wovon 7890 (4 auf Erhöhung der Gehälter und neu zu dotirende Stellen fallen. 210 # betragen die geseßlichen Wittwen- und Waisengelder. N

Au der Etat der Ober-Recchnungskammer entbält einen neuen, mit 18 300 K abs{ließenden Einnahmetitel (Kap. 25 e.), in welchen 18000 4 Wittwen- und Waisengeldbeiträge und 300 4 von dem Finanz-Minister übernommene kleine Einnahmen eingestellt sind. Die Ausgaben (Kap. 48) stellen sih auf 729 828 #, 54 910 M höher als im laufenden Etat. Es entfallen davon 8700 (A mehr auf einen vortragenden Rath und 42 900 ÆA auf 11 andere neu anzuftellende Beamte, außerdem 7500 4 Wohnungeégeldzuschuß für dieselben. Da- gegen werden an den Remunerationen für Hülfêarbeiter 11400 4 erspart; zu außerordentlichen Remunerationen sind 750 4 mebr aus- geworfen. Außerdem treten noch 1560 „6 Wittwen- und Waisen- geldbeiträge hinzu. Ja den \sächlihen Ausgaben sind diejenigen für Geschäftöbedürfnisse um 900 4, für Tagegelder 2c, um 3000 4, für Unterhaltung der Dienstgebäude 2c. um 1000 M erhöht worden. (Außerdem find noch 531 473 \A im Neichshautéhalts-Etat ausgeseßt.)

Der Etatder Prüfungskommission für böhereVer- waltung8beamte hat sih in der Einnahme (Kap. 25 f.: 5400 A) um 5100 M erhöht. Nachdem das Gesetz über die Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst vom 11. März 1879 nunmebr seit länger als 2 Jahren in Kraft getreten ist, Lat ih die Zahl der im Vorbereitungsdienste bei den Verroaltung8behörden bcschäftigten Re- ferendare sehr ecrheblih vermekbrt; dieselbe betrug am 1. Januar 1882 185 und bat seit dieser Zeit no zugenommen. (s werden deshalb voraussihtlich im Laufe der nächsten Jahre mit Eins{luß der auf Grund des $. 14 Nr. 2 a. a. O. zur Ablegung ter großen Staats- prüfung zugelassenen Personen mindestens 90 Kandidaten jährli der Prüfung2kommission zur Prüfung überwiesen werden. Jn Folge dessen wird \sich die Einnahme an Prüfungtgebühren (60 von jedem Kandidaten) gegen den bitherigen Betrag von 300 A um 5100 M auf 5400 M erböhen.

Demgemäß sind auch für die Ausgaben (Kap. 49: 6300 4) 3390 M mehr etatisirt worden.

Der Etat für den Disziplinarho f (Ausgabe Kap. 50: 10 770. 46), diejenige für den Gerichtshof zur Entscbeidung der Kompetenzkonflikte (Ausgabe Kap, 51: 3400 „#) und die- jenige für die Gesey-Sammlung (Einnahme Kap. 25 g.: 172 830 M; Ausgabe Kap. 52: 172600 M; Ueberschuß 230 6) find unverändert geblieben. | i

Im Etat des Ministeriums des Innern betragen die Einnahmen (Kap. 31) 4320841 4 (4+ 728458 G), Zu der Mehreinnahme haben die neu eingestellten Wittwea- und Waisengeld- beiträge 670 087 M L EeTdoen. Der une Een X. ermäßigt

ich durch zahlreiche kleine Aenderungen în den einzelnea Positionen ns 4805 M, dagegen treten nah dem zweijährigen Durchschnitt bei den Gebühren für Ausferligung von Reiselegitimationen und Paß- karten 3894 M, bei den Cinnahmen der Lokalpolizeiverwaitung 9261 M (darunter 7200 M Miethe der Stadt Berlin für die zu ortspolizeilihen Zweckden benußtca Räume des fiskalischen Grundstücks Molkenmarkt 3), bei der Landgensd'armerie 2632 M und bei den

Strafanstalten 40048 M dinzu, bei letzteren dur Eröffnung der-

neuen Anstälten zu Herford, Weblheiden und Ziegenhain. Die Jnsertionsgebühren-Einnahmen der Amtsblätter find um 7941 M êher ar.geseht worden. A G L E worten, Ausgaben (Kap. 83 bis 98) belaufen ih auf 41236021 M (833654 M mchr als im laufenden Etat). Kap. 83, Ministerium 600 951 4, ist unverändert geblieben. Kap. 84, fallstiiGes Burcau 381 710 #4, ermäßigt (in Folge der Perabseduna der Direktorialbesoldung von 10200 auf 7500 Æ, dur Hinzutritt der Remuneration sür cinen vierten fländigen Bureau-Hülfsardbeiter mit 1500 #, der Erhöhung des Nemuneratlontfonds um 500 M und des Fonds für temporäre Hülftarbeiter um 3480 4, sowie Ver- stärkung des Fonds sür Bureaubedürfnisse um 2693 6) um 6873 „K Kap. 85, Meteorologis&es Institut 29 790 Æ, bleibt unverändert. Kap. 86, Ober-Verwaltungtgericht :c., 426 553 H sind 2583 K bin- en in gol der in Bromberg neu tenden Deputation r dasHeimathwesen. DieStandesämter, Kap. 87, 389 661 M, weisen eine fa parniß voa 7062 M auf, die Negierungs-Amtsblättec (Kap. 88: 487 M) vermehrte \ähliche Kosten im Betrage ron 42025 K

, 89, ddrosteien 561 338 M, stellen die Diäten und Fubotaler um 29270 die Ausgaben für Burcandbedürfnisse um

6562 A böber. Das Kap. 90, Landrätbliche Behörden und Aemter 7175 181 Æ, änvert si nur um 3821 Æ, die weniger gebrauchf werden. Die Polizeiverwaltung von Berlin (Kap. 91: 6 644811 4) erfordert 26046 Æ mehr; der Hauptzugang besteht in 26250 Æ, die für 14 neue Bureau-Aisistentenstellen bei dem Einwobner-Melde- amt in Ansaß gekommen sind. Die Kosten der Polizeiverwaltung in den Provinzen (Kap. 92: 2923 877 M) erböhen si um 48 840 4 Den Distriktskommifsarien in der Provinz Posen sind die Bureau- und Pferdegelderaverfe, um je 300 A (auf 1200 6) erböht worden, wodur Kap. 93 (543945 4) um 41400 #4 erböbt worden ift. In Kap. 94 (Landgensd’armerie 9 188 761 A4) find 219 262 A. Mehrausgaben ausgeworfen; dieselben sind zum Theik dur die Neuanstellung von 8: berittenen und 20 Fußgenéd’armen ver- anlaßt worden, ganz besonders aber durch 138000 M, die in Folge der Erhöhung der Pensfionsfäße, für Pensionen mebr aufgewendet werden müssen. In Kap. 95, Allgemeine Ausgaben im Interesse der Polizei 1424338 M (+ 89817 M), find zu außerordentlicheæ Remunerationen Königlier - Polizeibeamten 10000 «A und für Zusbüsse an Kommunen zur Unterbringung wverwahrkoster Kinder 100 000 mehr eingestellt worden. Die Strafanstalisverwal- tung (Kap. 96]: 2 341 858 A) erfordert 258 707 4 mehr, bauytsäch- lih in Folge des Hinzutritis der neuen Strafanstalten. Für Wohl- thätigfeitszwe@e (Kap. 97: 1151487. M, 7304 Á.) werden 75 000 M bei dem Unterstüßungsfonds für ehemalige Krieger aus den Jahren 1806-15 erspart, dagegen treten 67 800 4 Wittwen- und Waifengeldec hinzu. Kap. 98, Allgemeine Ausgaben 143 274 4, diffe- rirt um 730 gegen den laufenden Etat.

Zu einmaligen und außerordentlihen Ausgaben sind (Kap. 9) 818 470 A (+ 781 399 M4) ausgeworfen, davon 11 500 M6 für Reparatur des Ministerialdienstgebäudes, 259 000 A für die Polizei- verwaltung (darunter 200000 4 T. Rate zum Neubau der Morgue in Berlin), 15 000 4 1. Rate zur Beschaffung von Revolvern für die berittenen Mannschaften der Landgendarmerie und 532970 4 für die Strafanstalten.

Statiftiscx SLahrihterr.

Gemäß den Verdöffentlihungen des Kaiserlichen Gesund- beitsamts sind in der 46, Jahreswo@e von je 1000 Bewohnern auf den Jahresdurchscnitt berechnet als gestorben gemeldet: in Berlin 22,5, in Breslau 22,7, in Königsberg 24,8, in Cöln 28,7, in Frantfurt a. M, 17,1, in Hannover 19,2, in Caffel 23,1, in Magdeburg 22,6, in Stettin 20,6, in Altona 21,0, in Straßburg 20,5, in Mey 18,9, in München 25,3, in Nürnberg 26,1, in Augsburg 22,3, in Dres- den 27,0, in Leipzig 16,0, in Stuttgart 19,2, in Braunschweig 18,0, in Karlsruhe 19,0, in Hamburg 20,8, in Wien 23,4, in Budapest 23,1, in Prag 25,9, in Triest 25,1, in Krakau 21,4, in Basel 16,3, in Brüssel 16,3, in Paris 23,3, in Amsterdam 20,9, in Kovens- hagen 22,5, in Stockholm 19,9, in Christiania 19,6, in St. Peterse burg 30,2, in Warschau 30,1, in Odessa 309,7, in Bukarest 26,3, in Nom 20,2, in Turin 180, in Madrid 37,7, in London 21,1, in Glas- gow 29,0, in Liverpool 28,9, in Dublin 26,1, in Edinburg 21,0, in Alexandrien (Egypten) 45,0. Aus der Zeit vom 22,—28. Dftober in New-York? 240, in Philadelphia 17,9, in Chicago 19,1, in Cin- cinnati 20,6, in St. Louis —, in San Franzisko 19,5, in Kalkutta 24,5, in Bombay 24,0, tin Madras 34,4.

Beim Beginn der Berichtswoche berrs{Gten an den meisten deut- schen Beobacbtungtstationen nördliche und nordwestliche, in Karlsruhe südweslliche Luftströmungen, die aber bald ziemli allgemein (in Konitz erst um die Mitte der Wowe) nah Oft und Nordost, in Cöln, Berlin und Breslau bis nab Südost umgingen. Um die Mitte der Woche gewannen an den meisten Stationen südliche (\üdöstlihe und südwestliie) mit östlihen Winden wechselnde Windrichtungen die Ober- band; doch gingen sie am Schluß der Woche wieder an den meisten Stationen nach Nord und Nordwest, in Berlin und Cöln nah Nordost, in Bretlau nah West. Die Temperatur der Luft war ia den ersten Tagen der Woche noch cine höhere, nahm aber mit dem Umgange des Windes nach Nord allgemein ab, so daß das Ther- mometer an den meisten Stationen fast täglich (in Karlsrube ers am Schluß der Woche) unter den Gefrierpunkt sank (in Konitz und Bremen bis unter —7,5 Grad C., Niederschläge, meist Scnee, fielen fast täalih und besonders in Süddeutschland in reichem Maße. Der beim Wochenbeginn hohe Luftdruck nabm in den ersten Tagen der Woche zu, sank vom 14. ab ras und tief, stieg aber in den leßten Tagen allgemein wieder und zeigte nur an den Oststationen am S{luß der Woche cin abermaliges Sinken. a

De Sterblickeitäverhältnisse der meisten Großstädte Europas blicben au in dieser Berichtsrvoche günstige. ‘Die allgemeine Sterbe lihkeitsverhältniß;ahl für die deutshen Städte betrug 22,8 (gegen 226 der Vorwoche, pro Mille und Jahr berechnet). Die Theils nahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit war gegen die Vors woche ziemlich allgemein vermindert. Von 10000 Lebenden starben

pro Jahr 68 Säuglinge aeaen 73 der Vorwoche. In Berlin 68, in

München 86. : . Unter den Todetursachen zeigten von den Infektionskrankheiten nur Mosecn, Diphtberie und Croup, besonders in deutschen Städten, cine Zunahme der Sterbefälle. Maserntodesfälle waren ansehnlich vermehrt; Masern berrshten in Königsberg, Graudenz, Nürnberg, Erfurt, Dreéden, Plauen, Halberstadt, Hamburg, Hannover, London. Auch îin den Megierungsbezitken Erfurt, Aachen und Stettin sind Moasern sehr verbreitet. Diphtherie forderte glcifalls zahlreiche Opfer, besonders in Königsberg, Danzig, Breslau, Königsbütte, München, Nürnberg, Dresden, Chemniu, Berlin, Halle, Leivzig, Braunschweig, Magdeburg, Hamburq, Hannover, Prag, Triest, Am- sterdam, St. Petersburg, Paris, Madrid, wenn au) in einzelnen Orten die Zahl der Todesjälle gegen die Vorwotbe ctwas abgeaom- men hat. Ja Elbing hat die dort bislang heftig her:\{ende Epi- demic sehr nachgelassen. Todesfälle an Croup waren in Berlin, Breélau, Chemniy häufiger. Das Swarlaw{fieber, oft in Verbindung mit Diphtherie ausftretend, zeigte zwar im AlU- gemcinen cine Abnahme der Todesfälle, do war deren abl in Landsbera a. W., Passau, Dresden, Plauen, polda, Frankfurt a. D., Cottbus, Beclin, Hannover, Budapest, rag, Wien, London und St. Petersburg noch immer eine größere. Typkôse Fieber baben meist abgenommen ; in Paris erlagen der Epis demie 120 Personen, iu Berlin noh 4, in London und Alexandrien flieg die Zabl der Todesfälle daran. Sterbefälle aa Flecktyphus kamen nur vereinzelt aus St. Petersburg, London, Madrid und den rößeren spanischen Städten zur Anzeige. Todcéfälle an Keuch- usten waren in Berlin vermehrt. Darmkatarrhe und Brechdurch» fälle der Kinder zeigen aligemein Nacblässe; Todesfälle an Ruhr kamen aur 2 zur Anzcige. Auch in Alexandrien hat die Zahl der- selben abacnommen. Pocken zeigten fid in Wien, Budaveit, Prag, Paris, London und Warschau seltener. Jn Rotterdam, St. Peterd- burg und Madrid nahm die Zahl der Blatterntodetfälle erheblich u. Au in Rio de Janeiro berrshten Pocken im Oktober in großer Autdchnuna. In Alexandrien kamen 2 Sterbefälle daran zur Mel- dung. Die Cholera ia Mekka war den leßten Mittheiluagen zue folge ciwas im Abnehmen.

Gewerbe und Handel,

er Aufsichtsrath des Eisenhüttenwerks? Thale hat die Bilanz pro 1881/82 festgestellt, welcde abzüglich der General und Unfen im Betrage von 152797 Æ mit cinem Beutt von 303480 M abscdlicht. Davon find dem Amortisaliontfond 158 275 M, dem Ecneuerungsfond 35205 H, dem Delcredere-GConto 5000 M, dem Reservesonds 10000 K ü bevotrstedenden Generalversammlung die dende auf die b g eet ggr vorgeslagen Pervex,:

ofen, 24, November. (Ostsec-Zta.) die bayerisHen Mär in ¿inger Zeit einen durcdaus eins gcslagen , so zeigt sich denno hier feste