1882 / 288 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Hessen. Darmstadt, 6. Dezember. (W, T. B. Ständen is heute eine Sekundärbahnen zugegangen.

Den

Oesterreich-Ungarn. Pest, 7. Dezember. (W. T. B.) Das amtliche Blatt veröffentliht eine Verordnung des A>er- bau-Ministers, betreffend Maßregeln zur Verhinderung der Einschleppung der in Rumänien herrschenden orien- talishen Viehseuche. :

Schweiz. Zürich, 6. Dezember. (W. T. B.) Der ehentatics Pafitont des Nationalraths, Alfred Escher, is heute früh gestorben.

Niederlande. Haag, 6. Dezember. (W. T. B.) M der Zweiten Kammer erklärte heute auf die heftige ngriffe mehrerer Deputirten der Minister des Auswärtigen, van Rochussen: über den neuen Handelsvertrag mit Frankreih seien die Verhandlungen im Gange; der- fjelbe basire auf dem Prinzip der meisibegünstigten Nation und werde auf ein Jahr abgeschlossen werden. Der Vertrag werde die Form einer Konvention erhalten und nicht auf ein Geseß basirt werden, wie Frankreich ein solches für seinen Handelsvertrag mit England angenommen habe. n der Angelegenheit wegen Borneos habe die Regierung ihre Pflicht gethan. Der Minister bemerkte sodann bezüglich der Suezkanalfrage: das Jnteresse der Niederlande an dem Suezkanal sei zu cinleuhtend, als daß man besürchten _follte, daß die Niederlande über angen würden, wenn ernst- liche Verhandlungen in dieser Richtung stattfänden.

Großbritannien und Jrland. London, 5, De- ember. (Allg. Corr.) Eine ganz ungewöhnlih glänzende eierlichkeit, die Eröffnung des neuen Justizpalastes

dur die Königin, brachte gestern fast die ganze haupt- städtische Bevölkerung in Bewegung und bezeihnet in den Annalen der Justizpflege einen wichtigen Zeitpunkt. Zum ersten Male seit der Zeit der normännischen Könige hat die Beherrscherin der britishen Jnseln einer Staatsceremonie in dem ersten Gerichtshofe des Reichs präsidirt. Seit ahrhun- derten hatte die oberste Verwaltung der Rechtspflege ihr Heim in Westminster. Dieselbe ist nunmehr in ein geräumigeres und stattlihes modernes Gebäude, wel<hes am Strand, hart an der Grenze, wo die Cityregion beginnt, errichtet worden ist, verlegt, und zum ersten Male seit der Zeit Wil- helms des Eroberers sind die seither zerstreut gewesenen vielen Abtheilungen des gerihtlihen Organismus in dem neuen Justizpalaste vereinigt. Zum leßten Male waren gestern die höchsten Richter des Landes in der Halle des William Rufus in Westminster versammelt, wo seit einem Zeitraume von mehr als se<s Jahrhunderten Reht gesprochen wurde. Die große Har in dem neuen Justiztempel in St. Clements ist in gothishem Style gehalten und soll die shönste der Welt sein. Der Bau dieses neuen Justizpalastes hat aht Jahre gedauert. Ueber die Feet jetteit wird gemeldet :

Die Königin , welche in Windsor weilt, kam bald na 11 Uhr ur Stadt und fuhr mit ihrem Hofstaate direkt von der Ankunfts-

fiation in Paddington dur die ges<mü>ten und von tausend und abertaufend Menschen gefüllten Straßen, längs denen die Garde- und andere Truppen ein Spalier bildeten, von der berittenen Leibgarde esfortirt, dem ebäude, Das stürmische, nebelige me 4 welches früh am über London hinwehte und den: Ta

zu verderben drohte fe ü>liherweise allmähli< |auf- geklärt und „Zrobte, batte igte E See oi das Schau-

gepränge. Der Empfang der Königin auf der ganzen Stre>e war von Seiten der Volksmenge dur<aus herzlich und begeistert. Bei der Ankunft des Königlichen Zuges an dem Justizgebäude wurde die Königin von dem Prinzen von Wales empfangen. Die Königin selbs war, wahrscheinli< anläßlih des Hinscheidens des Erzbischofs von Canterbury, in tiefe Trauer gekleidet. Fast eine Stunde vor Ankunft der Königin hatten \ich bereits die Richter und höchsten Ge- rihtsbeamten und Advokaten, die meisten in ihren ehrwürdigen alt- modischen Amtstrahten, mit kurzen Hosen mit Schnallen, seidenen Strümpfen und Puderperrüc>en auf den Köpfen, eingefunden. Die meisten der Unterhausmitglieder waren in Windsor-Uniform oder im Hofanguge. Die Königlichen Leibtrabanten versahen den Dienst in der Ju tizhalle, in deren Mitte eine Emporbühne errichtet war, auf der sid der Thron- {esel der Königin befand. Zur re<hten Seite der Emporbühbne hatten sich die Queenscouncillers gruppirt, ihnen gegenüber das Ejamute diplomatisbe Corps, alle in Gala-Uuniform, und binter diesem die Mitglieder der beiden Häuser des Parlaments. Rings herum waren die Siye sowie die Gallerien diht mit Damen in glänzender Toilette und Herren, darunter viele Offiziere in Uniform, beseßt. Trompeten- ges{metter kündigte kurz vor 12 Uhr die Ankunft der City- prozession, des Lordmayors und seiner Gemahlin, begleitet von den Sherifs und Aldermännern in ihren \{harlacrothen, goldverbrämten und den Stadträthen in ihren blauen Mazarinroben, an. Ihnen folgte einige Minuten [pBer die richterliche Prozession, unter Vortritt des Premier-Ministers Gladstone in seiner richter- lien Amtstraht als Scahkanzler. Die richterliden Lords der Appellinstanz des Oberhauses trugen ihre [Owariammienen gold- verbrämten Roben und die übrigen Richter ihre \{harlachrothe Amtts- traht. Dieselben reihten si zu beiden Seiten um den Thronsessel, dem zunächst der Prinz von Wales mit dem Prinzen Christian von Sleswig-Holstein, der Ler und die sers in von Te>, der Minister des Innern, der Lord-Oberrichter, der Erzbishof von York und andere Staatêwürdenträger und Hofbeamte Plat genommen hatten. Der Regierungskommissär der öffentlichen L auten, Mr. Shaw-Lefevre, überreichte alsdann der Königin knicend auf sammtenem Kissen den SÖlüfsel des Justizgebäudes, wel<hes, wie er bemerkte, na ae Bau nunmehr vollendet sei und der Königlichen Ein- weihung harre in Gemäßheit der Fundamentalgesete des Reiches, als eines Gebäudes, wo der Rechtspflege gewartet werden soll, von Ihrer Majestät Gerichtsböfen und in Ihrer Majestät Namen. Die Königin nahm den Schlüssel in Empfang und überreichte denselben dem Mi- nister des Innern, welcher denselben weiter an den Lordkaniler über- q. Ihre Majestät ritete darauf an den Lord Selborne die folgenden orte: Fo bergebe den Schlüssel zu diesen Gerichtshöfen in Ihre Hände. Ich hoffe, daß die Vereinigung der verschiedenen Abtheilungen der Gerichtêpflege in diesem höchsten Gerictebofe zu einer \{nelleren und wirksameren Rechtspflege unter meinen Unterthanen in îneinen Sulunst, wis es in der Berengenbett dee Ca ee els Lo (band in all war, a e Hauptsicher- der Freiheiten meines Volkes be- Der anläßlih der Feier in den Grafenstand er- Selborne dankte der Monarchin in gewa ter E DEemadad, K ribildof

York hierauf Dedikationsgebet , un nister ern Sr Bee Harcourt, erklärte Namens der Königin das jur eröffnet. Der nz von Wales, mit dem Talarc eines Jur eg T sea und begleitet von den Schay- meiflern der Rechtskollegien, überreichte auf der in eine

ldwunschadresse, wor T luß der A T P im

und eran der Premier-Minister, der Lordkanzler, Niehter

Advokaten und R rte Baut Zelte Temple Theil namen, Tate

B Vorlage über den Bau von -

18gang des Prozesses Arabi herrs{t in

tin 6 der Aa Selbst die Oppo-

schließen si< den beifällizen Ausla}sungen der

ministeriellen Blätter über das Ende des unerqui>lihen Pro-

zesses an. Die „St. James Gazette“ indeß hätte gewünscht,

daß die Verbannung Arabi's den Anfang anstatt das Ende der Prozedur gegen die Rebellenführer gebildet hätte.

Frankreich. Paris, 5. ber. (Fr. Corr.) Der Vize-Admiral Duperre, See-Präfekt von Toulon, ist nah Paris berufen worden. Der Kreuzer „Flore“ hat Befehl erhalten, seine Vorbereitungen zu treffen, um sih in die Ge- wässer von Madagaskar zu begeben. Die „Flore“ wird die Flagge des Admirals tragen, welcher das Kommando des französishen Geschwaders an der Ostküste Afrikas übernimmt. Der Name des betreffenden kommandirenden Admirals ist no< nicht bekannt. Das Kanonenboot „Sagittaire“ ist bereit, na< dem Congo abzudampfen. Dem Vernehmen nach verlangt Hr. Savorgnan de Brazza für seine neue Forschungsexpedition von der französishen Regierung eine weit höhere Summe zu seiner Verfügung, als ursprünglich in Aussicht genommen war. : :

6. Dezember. (W. T. B.) Die Deputirten- kammer hat heute das Budget des Handels-Ministeriums angenommen. Der Finanz-Minister Tirard protestirte gegen unaufhörliche neue Kreditforderungen und erklärte, man müsse einhalten, wenn man nicht das Gleichgewicht der Finanzen in Frage stellen wolle. Nachdem sodann au< das Budget des Ministeriums der öffentlihen Arbeiten Annahme gefunden hatte, begann die Kammer die Berathung des Einnahme- budgets. Der Deputirte Marion entwi>elte sein Amende- ment, welches die Erhöhung der Steuer auf bewegliches Vermögen auf drei Prozent behufs Entlastung des A>erbaues bezwe>t. Der Finanz-Minister Tirard bekämpfte das Amende- ment und konstatirte, daß man Entlastungen im Betrage von 150 Mill. Fres. an dex Zu>er- und Weinsteuer vorgenommen habe. Diese Entlastungen hätten ein Defizit von 82 Millionen zur Folge gehabt und seien zum Theil die Ursache der gegen- wärtigen Lage. Eine neue Steuer würde drü>end sein für die ZFnhaber der beweglihen Werthe und würde die aus- ländishen Werthe vertreiben. Nah einigen Bemerkungen ebene und Ribots wurde die weitere Diskussion auf morgen vertagt.

Louis Blanc ist heute früh in Cannes gestorben.

Türkei. Konstantinopel, 6. Dezember. (W. T. B.) Munirx Pascha ist an Stelle Edib Effendi's zum Finanz- Minister ernannt worden. Edib Effendi hat die Direktion des Departements der indirekten Steuern wieder übernommen. Wie es heißt, wird Ahmet Vefik Pascha nah Angora ge- sendet werden.

Nufßland und Polen. St. Petersburg, 6. De- jemben (W. T. B.) Der Großfürst Wladimir giebt m „NRegierungsanzeiger“ bekannt, daß er am 4. d. M. das Kommando der Garde und des hiesigen Militärbezirks wieder angetreten e Das Hof-Ministerium ver- öffentlicht einen Kaiserlichen Befehl, wonach am Georg s8- feste, am 8. d, M., die coursähigen Personen und sämmtliche in der Residenz weilenden ,Georgs-Ritter, die Generalität und das Offiziercorps sh um 121/, Uhr Mittags im Winterpalais zum Tedeum zu versammeln haben. Die Georgs-Ritter sind zu der um 6 Uhr Abends stattfindenden- Kaiserlichen Tafel

geladen. (W. T. B.) Dem „Gol os“

__— 6. Dezember, Abends. zufolge sucht das Ministerium die Assignirung von 51/, Millionen Rubel nah zum Bau von vier neuen Kriegs- \chiffen, von denen zwei für das Baltische Meer, die beiden anderen für das Schwarze Meer bestimmt sind. Zur Feier des 50jährigen Jubiläums des russischen General- sta bes findet am 9, Dezember Mittags im Gebäude des Generalstabes in Gegenwart des Kaisers Gottesdienst, am 10. Dezember Mittags feierliher Aktus und Empfang der Deputationen und Abends 6 Uhr im Saale der Adelsversamm- lung Diner für Subskribenten und die Ehrengäste statt.

Afrika. Egypten. Kairo, 7. Dezember. (W. T. B.) Heute Vormittag wurden Mahmud Pascha, Sami Ali Pascha, Fehmi Abdellal Pascha und Tulba Pascha vor das Kriegs- gericht gestellt, Alle bekannten sih, wie Arabi Pascha bei der kriegsgerihtlihen Verhandlung vom vorigen Sonntag, der Rebellion schuldig. Die Sißung des Kriegsgerichts wurde

alsbald aufgehoben und das Urtheil wie beim Prozeß gegen Arabi vertagt.

Zeitungsfsimmen.

Der „Düsseldorfer Anzeiger“ führt in einem Artikel „Was können wir vom Ausland lernen ?“ u. A. Fol- gendes aus:

In Frankrei und England hat man keineswegs immer in erster Linie nah Gegenvorschlägen gesubt, um die Steuer vors{läge der Regierung zu Falle zu bringen. Dort is das Staats bewufitsein in gewisser Beziehung weit mehr ausgeprägt und in Folge dessen hat dort vor Allem die Frage nah dem Bedürfniß des Staats stets die erste Rolle gespielt. So schen wir denn in England und namentli<h in Frankreich ein ganz komplizirtes System von Steuern eingeführt, welche bei uns als lâftig und bedrü>end bezeichnet werden würden ues —— Theil in. der That au< deshalb bei uns abgelehnt wor-

en d.

Gerade auf dem Gebiet der von indirekten Belastungselementen vielfah dur{<seÿten Gewerbe- und Stempelsteuern, zu denen au die Lizenzsteuern zu re<nen sind, leisten Frankceih und Enaland bedeu- tend mehr wie Preußen. Diese Steuern liefern in Preußen jeßt 12% aller Abgaben, in England 21 °% und in Frankrei sogar 36 0/,, In England grengen die SJEReR ¡um Verkauf von Taba> und Spirituosen 39 Millionen Mark, zum Halten von Dienstboten, Wagen, Hunden ‘33 Millionen, die Abgabe von Eisenbabn- billeten 15 Millionen, die bgabe von Erbschaften und Testamenten 115 Millionen, von We<seln und an- dern Urkunden 87 Millionen. In Frankreih bringen die droits d'enregiatrements, de greffes, d'hypotheques, de almboo also im weitesten Sinne Verkehrsabgaben, Stempel und Taxen 490 Millionen Mark, die e tentteuer 98 Millionen, Eisenbahn- und andere Transportabgaben 62 Millionen, Wagen- und Pferdesteuer 9 Millionen. or wollen wir no<, doß in Frankrei ohne irgendwel<he ästigung des Verkehrs die Quittungssteuer bestebt, welche im Reichstage mit so großer Entschiedenheit abgelehnt worden ist, Von den augen mobiliarfteuern in Frankreich wollen wir hierbei ganz abschen, desgleichen von dem gro Umfang der Kommunalsteuern und b

Wenn au< Niemand wird verlangen wollen daß Deutschland all die Sleuern einführt, die in England und Frankrei bestehen, so kann do die Ausbildung der vornehmlich den Verkehr und , trieb betreffenden Abgaben Auslande, welhes do< sonst in so

vieler Beziebung als praktis< angesehen wird, zum Mindesten g Fingerzeig dafür gelten, daß Preußen und Deutschland na tien

ictung hin no cin großes Gebiet anbauen können, um daraus die Mittel zur Erleichterung der ärmeren Klassen von Personalfteuern, und zur Entlastung der Gemeinden und Schulverbände von drüen: den Kommunal- und Schullasten zu erhalten. j:

Der Vorschlag der Regierung, Lizenzsteuern für den Verkauf von Tabafabrikaten und Spirituosen einzuführen, bietet dem Landta e Gelegenheit, zu zeigen, daß er bereit ist, bei der weiteren Durhf rung der Steuerreform \i< von größeren Gesichtspunkten [leiten zy lassen, zu denen die Beispiele Frankreihs und Englands hinweisen. der dur<h die Aufhebung der vier stufen entstehende Ausfall au< a Ò Weise gede>t werden kann, darin hat die „National-Zeitung“ ganz Recht: daß aber der von der Regierung gemachte Vorschlag der richtige ist, zeigt uns das Ausland, von dem wir in mancher Beziehung nog viel lernen können. Wenn aber jenes Blatt der Meinung ift, da dadur< Taba>k und Spirituosen vertheuert werden, so mag es f dessen erinnern, was es am 12. Januar 1879 selbst geschrieben hat: „Wem Taba> oder Spiritus zu theuer wird, mag auf diese Genüfse völlig verzichten.“ Daß die Lizenzsteuern diese Nothwendigkeit nit entfernt herbeiführen werden, bedarf keines Beweises.

Die „Kölnische Zeitung“ läßt si berichten:

Die guten Aussichten sür das Zustandekommen des Krankenka#sen- geseßes verstärken sih von Sitzung zu Sißuna. So hat namentli in der gestrigen, in welcher die Kommission bis zum S. 49 gelangte, das Verständigungswerk einen wesentlichen Schritt vorwärts gethan,

auf andere

Auch die verhältnißmäßige Rascbheit, mit welcher die Kommission arbeitet,

verdient Anerkennung und berechtigt zu der Erwartung, daß die erste und zweite Lesung des Entwurfs no< vor Weihnachten beendigt werden. Die unglei< \<wierigere, weil weniger vorbereitete Bes rathung des Unfallversicherungs-Gesegentwurfs würde dann nah den Feiertagen beginnen können, wenn es au, wie schon früher hervor- gehoben wurde, zweifelhaft ist, ob mit der gegenwärtigen Grundlage namentli der Organisation ‘ein Abschluß gewonnen werden kann.

Die „Elberfelder Zeitung“ schreibt:

Ein Beschluß, wie ihn die „National-Zeitung“ empfiehlt, die Berathung des zweiten Etats bis zur Session von 1883/84 zu ver- tagen, ist nit nur geshäftordnungsmäßig, sondern auch verfassungs- mäßig unmöglih. Ob es eine Session 1883/84 geben wird, hängt auss{ließli< von der Bestimmung des Kaisers ab, der formell befugt ist, die gegenwärtige Session bis zum Beginn des Etatsjahres 1884/85 fortdauern zu lassen, und überhaupt reiht nah dem Grund- saße der Diskontinuität kein Beschluß des Reichstags über die gegen- wärtige Session hinaus, außer sofern er dur Zustimmung des Bundesraths Gesetz werden kann. Diejenigen also, wel<e fh nidt begnügen wollen, thatsähli< den Etat für 1884/85 fo lange un- erledigt zu lassen, bis „nach Aufarbeitung alles anderen Berathungs- \toffes die Beschlußunfähigkeit der Session ein nothgedrungenes Ende machen würde, vielmehr \si< nicht versagen wollen, in einem demonstrativen Beschlusse über das Attentat der bloßen Einbringung zweier Etats ein Verdikt zu fällen, werden ihren Sharfsinn zu etwas Unerhörtem anstrengen müssen.

Im „Deutschen Tageblatt“ lesen wir Folgendes:

Als es sh seinerzeit. um den Zollanschluß Hamburgs hbandelte,

war Unsere Opposition darüber vollständig einig, daß die Maßregel |

den Handel dieser Stadt vernichten, mindestens dezimiren müsse, Jeßt crläßt die Hamburger Handelskammer eine Erklärung, in welcher sie sih gegen das dem Senate vorliegende Projekt erklärt, weil es zu eige ie für zu lagernde Güter liefere. In dieser Erklärung eißt es u. a.:

Aber nicht allein das gegenwärtige Bedürfniß, sondern au dasjenige für die Zukunft ist jeßt, wo wir für lange Zeit hinaus eine Neugestaltung unserer Handelsanlagen vornehmen müssen, in Betracht zu_ ziehen, und zwar nit nur ein Bedürfniß, wie es sh bei regelmäßiger Zunahme unseres Handels na bisherigem Verhält- nissé nah und nah einstellen würde, vielmehr ist die Handelskammer überzeugt, daß mit den neuen Anlagen, und dur sie befördert, ein neuer Aufs{wung unseres Handels eintreten werde. Wir halten daher die Aussicht für gere<tfertigt, daß es Hamburg bei Vor- handensein genügenden und guten Lagerraums, bei Ausnutung der dur die absolut freie Bewegung im Freihafengebiet im Verglei mit dem Entrepotsystem gebotenen Vortheile atlingen werde, dur vergrößerte direkte Zufuhr die umfangreichere Lagerung mancher Ar- tikel Eee zu zichen und dadurch für dieselben einen Markt zu be- gründen.“

Die Handelskammer in Hamburg versvrict i also ganz andere Erfolge vom Zollans{bluß, wenn er dem Handel den nöthigen Lager- raum und Handelseinrihtungen \{<at, wie Hamburg sie bisher nit besaß, als die oppositionellen Doktrinäre, welche den Hamburger Handel meinten vertheidigen zu müssen.

Neichstags- Angelegenheiten.

Dem Reichstage ift folgender Entwurf eines Gesetzes, be- treffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwed>lke der Ver waltungen des Reichsheeres, der Marine und der Rei <# cisenbahnen, vorgelegt worden :

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen 2c. verordnen. im Namen des Reichs, na< erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des Reichstags, s folgt:

Der Reichskanzler wird ermätigt, die außerordentlichen Geld- mittel, welche

in dem Reichsbaushalts-Etat für das Etatsjahr 1883/84 zur Be- streitung einmaliger Ausgaben :

a, der Verwaltung des Reichshceres im Betrage von

15075 101 M, 11 693 825 1870000 , p @ 28 638 926 M,

b. der Marineverwaltung im Betrage von c. der Eisenbahnverwaltung im Betrage von

im Ganzen bis zur Höhe von d

un in dem Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1884/85 zur Bo streitung einmaliger Ausgaben : a, der Verwaltung des Reichshceres im Betrage von 11 299 314 M, b, der Marineverwaltung im Betrage von 8 197 900 c. der Eisenbahnverwaltung im Betrage von 250 000 „_ in Gas E D von... «¿ I A vorgesehen sind, im Wege des Kredits flüssig zu machen und zu diesem Zwe>k in dem Nominalbetrage, wie er zur Beschaffung jener Summe erforderlih sein wird, eine verzinsliche, na< den Bestimmungen des Gesetzes vom 19. Juni 1868 (Bundes-Gesciblatt Seite 339) zu ver waltende Anlcihe aufzunehmen E ¿Shayanweisungen auszugeben.

Die Bestimmungen in den $8. 2 bis 5 des Gesehes vom N. Januar 1875, betreffend die Aufnahme ciner Anleibe für Zwecke der Marine- und Telegraphenverwaltung (Reichs-Geseytlatt Seite: 18), finden au< auf die nah dem gegenwärtigen Geseh aufzunehmende Anleihe und auszugebenden Schaßanweisungen Anwendung.

Der dem Reichstag vorgelegte Entwurf eines Gesctzes, bo treffend die Abänderung des Reichöbeamtengese tel, hat folgenden Wortlaut:

Wir Preusen x von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König c

von X. verordnen im Namen des Reichs, nah erfolgter Zustimmung de

Bundesraths und des emen “Ag gt: e

Hinter $. 34 des Reiésbeamtengesehes vom 31. März 187! Ces Seseyblait Seite 61) wird folgender neue $. 34a, cis

untersten Klassensteuer, |

Bei denjenigen aus dem Dienste scheidenden Beamten , wel<e das fünfundseszigste Lebensjahr vollendet haben, ist eingetretene Dienstunfähigkeit nicht Boxbetinamag des Anspruchs auf Pension.

rtifel TI.

An Stelle des S8. 41 Absatz 1 bis 3 und des 8. 48 Absatz 1 des Meichsbeamtengesetzes treten Ent Vorschriften: ]

Die Pension beträgt, wenn die Versetzung in den Rubestand nah vollendetem zehnten, jedvo< vor vollendetem elften Dienstjahre ein- tritt, 1/60 und steigt von da’ ab mit jedem weiter zurügelegten Dienstjahre um 60 des in den $8. 42 bis 44 bestimmten Dienst- einkommens. - :

Ueber den Bctrag von 45/60 dieses Einkommens hinaus findet eine Steigerung nicht statt.

In dem im $. 36 erwähnten Falle beträgt die Pension 15/60, im Falle des $. 39 höchstens 15/60 des uorbezihneten Diensteinkommens.

Die Dienstzeit, welGe vor dem Beginn des einundzwanzigsten

Lebensjahres fällt, kleibt außer Berechnung. Artikel TIL

Hinter 8. 60 des Reichsbeamtengeseßes wird folgender neue S. 603. eingestellt :

Sucht ein Beamter, welcher das f\ünfundse<szieste Lebensjahr vollendet hat, seine Verseßung in den Ruhestand nicht na, so kann diese nad Anhörung des Beamten unter Beobachtung dec Vorschriften ‘der $8. 53 ff. in der nämlichen Weise verfügt werden, wie wenn der Beamte seine Pensionirung selbst beantragt hätte.

Artikel 1V.

Ist die na< Maßgabe diefes Gesetcs bemessene Penston geringer als die Pension, welhe dem Beamten hätte gewährt werden müssen, wenn er am Tage vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes nach den bis ‘dahin für ihn geltenden Bestimmungen pensionirt worden wäre, fo 4wvirddiese leßtere Pension an A a ersteren bewilligt.

rtikel V. Diescs Geseß tritt mit dem Tage seiner Verkündung in Kraft.

Statiftisce Nachrichten.

Die „N. Westf. Volksztg.“ !\{<reibt: Baumwollenindu- \rie. Nab der in Liverpool erscheinenden Jahresübersiht des Baum- wollenhandels waren im Betrieb : A e

In Großbritannien . 40600000 41 000 000 Auf dem Kontinent z 21 245000 21855 090 In den Vereinigten Staaten

11450009 12000000

Nord-Amerikas In Indien ; 1496000 1600060 zusammen 74791000 76475 000 Spindeln zur Herstellung von baumwollenen Gespinnsten (Zwirn nit mitgerechnet). :

Wenn man, was mäßig ges{<äßt ist, die Produktion einer Spindel pro Jahr auf 35 Pfund Garn bere<net, so ergiebt dies für das laufende Jahr eine Gesammtzahl von rund 2 Milliarden 6 Millionen Pfund erzeugtes Baumwollengarn, gleih einem unge- DSTEs Durchschnittêwerthe von 1 600 000 000 A Der wöcbentlicbe

erbrauh von roher Baumwolle betrug im Jahre 1881/82 für Großbritannien 70 500 Ballen, für den Kontinent 60 0093 Ballen, zusammen 130000 Ballen à 400 Pfund englis<, im Ganzen 52 200 000 Pfund englis, was zu dur<\<nittli< 6 Pence per englis Pfund gere{net, einen Werth von 1 305 000 Doll. oder 26 622 000 wöchentlichen Verbrauchs von Baumwolle in Europa. repräfentirt.

Aus diesen Zahien geht “hervor, welch riesige Bedeutung die Baumwollenindustrie gewonnen hat und wie sehr alle anderen Zweige der Textilindustrie hiñter ihr zurü>geblieben ind. Für die Leinen- industrie ift das kolossale Wachsthum des Baumwollenverbrauc8 geradezu verhängnißvoll geworden, und fast scheint es, als müsse sie mit der Zeit sol< übermächtigem Nebenbuhler unterliegen. Nichts- destoweniger ift daran festzuhalten, daß au die Flachtinduftrie no< ihre Zukunft hat, da je länger je mehr die Vorzüge der L.inen-

espinnste und Gewebe zur Geltung und dur erhöhte technische Leistung zur Verwerthung kommen werden.

Interessant ist es für alle Fälle, si< eine Vorstellung von den ungeheueren Dimensionen zu machen, in welche \sih die Erzeugnisse der einfawen Baumwollenstaude bewegen und was für eine Summe von tebnisben und persönlichen Kräften sie beschäftigen. Und dieses Alles ein Ergebniß von wenig mehr als einem Jahrhundert. Welche Prospekte bieten solche Erfahrungen für die industrielle Entwi>klung Tommender Zeiten man könnte \{windeln bei dem Gedanken,

wüßte man nit ebenso sicher, daß allem menschlichen Thun ein be- \timmtes Ziel gesetzt ist.

Kunsi, Wissenschaft und Literatur. London, 7. Dezember. (W. T. B.) Der Romans\{riftsteller A nthony Tro llope ist gestorben. Die in Leipzig am 9. d. M. erscheinde Nr. 2058 der e Zllustrirten Zeitung“ enthält folgende Abbildungen: Samo- jeden in Deutschland. Nach dem Leben gezeichnet von G. Broling. Ernst Stherenberg. Die Rheinübershwemmung bei Düsseldorf am 28. November. Nach der Natur gezeichnet von H. Herrmanu. Die Rheinübershwemmung in Düsseldorf am 2. November. 2 Abbildungen. Nah der Natur gezeichnet Ÿ: Herrmann: 1) Am Marktplaßk. 2) Am Si PiaB Anton Rubin- ftein, Bilder aus Italien: Das Fest der heil. Cäcilie in den Cal- listusfatakomben zu Nom am 22, November. 6 Abbildungen. Nach Ficinungen von H. Effenberger. (Zweiseitig.) Scene aus Anton ubinsteins Oper „Die Malkabäer“. Nach der Auffübhruna im Leipziger Stadttheater gezeichnet von F. Waibler. Kirchhof im Howhgebirge. Gezeichnet von Karl Heyn. Nach einem Lichtdru> aus dem Prachtwerk „Schildereien aus dem Alpenland“ (Feipzig A. G. Liebesfkind). Japanesishe Enten und Gans, 2 Abbildungen. Thiilstü>k einer beraldishen Karte des Deutschen Reichs um das Jahr 1500. PolytechnisWe Mittheilungen: Patentirter Negenschirm (Selbstöffner). * 3 Figuren. Neuerungen an ortemonnaies ; 1) S(lüsselportemonnaie, 2) Portemonnaie mit oppelvers{luß, 2 Figuren, 3) Kirsbbaums verbessertes Portemonnaie, Patentirte Ohrenwärmer. Tranéparente und rotirende Sternkarte von M. Schneider und Dr. L, Weinek. Wigands Projektionsapparat für Lehrzwe>ke. Vom Weihnachtsbüchertis<: Die Trinkstube in Frei- berg. Aus Albert Richters „Bildern aus der deutschen Kultur- geschihte®* (Leipzig, Brandstetter). Ansicht von Skopelos. Aus dem illuftrirten Prachtwerk „Griecendland in ort und Bild* (Leipzig, Schmidt u. Günther). Aus der „Geschichte der vierzig Veziere“, „Die \{önsten Märchen aus Tausend und eine Nacbt* (Leipzig, O. Spamer). Aus „Kinderlust“ von M. A. C. (Leipzig, E. Twietmeyer).

Land- und Forstwirth\chaft.

Soeben erschien ein neuer illustrirter Katalog empfeblens- werther Werke über Landwirths<aft, Gartenbau und Forstwesen der Verlagébuhhändlung von Paul Parey in Berlin 8W., 91 Zimmer- ftraße, wel<hen die Firma Jedermann gratis und franco zusendet. Wenn man den Katalog dursieht, so findet man fast jedes Gebiet der Landwirthschaft und des Gartenbaues dur< ein umfassenderes, mehr wissenschaftliches und ein kürzeres, mehr populäres Handbuch von namhastea Verfassern vertreten.

Gewerbe und Handel.

Die Berliner Handelsgesellshaft hat beute ibren Konsortialbesiy an Aktien des westfälishen Grubenverecins im Ein- versländniß mit der Vertraucnskommission dur Vermittelung eines hier domizilirenden rheinishen Bankhauses an Hrn. Fr. Grillo in Efsen verkauft. Der erzielte Preis übersteigt bedeutend denjenigen Betrag, zu weichem dieser Besiy seit langer Zeit zu Buche stand,

London, 6. azamber, (B. B.) Bei der gestrigen Woll- auftion war ausftralishe Wolle fest, Kapwolle ctwas unregelmäßig.

auf Seeland und Fünen sind wieder fahrbar. Post vom 4. d. M. ist eingetroffen.

Verkebrs-ÆXnfalten. Kopenhagen, 6. Dezember. (W. T. B.) Die Eisenbahnen Die Hamburger

Berlin, 7. Dezember 1882. Konsulatsberiqchte.

Bericht des Kaiserlichen General-Konsulats in

Shanghai,

vetreffend die wichtigeren Export- droguen Chinas. (Fortseßung.) __ Verwendung. Gallen find einer der jüngsten Exportartikel Chinas, da

sie erst seit Ende der 40er Jahre im Handel auftreten. Seit- her hat sih ihre Ausfuhr von Jahr zu Jahr sehr ras< ver- mehrt, und jetzt sind sie im Farbwaarenhandel ein so wichtiges Ztem geworden, daß es {wer sein würde, einen Ersaß dafür zu schaffen. Es liegt dies an ihrem außerordentlih hohen Tanningehalt, 72 bis 75 Proz., der sie, wie ein Berliner Be- riht mittheilt, insbesondere zur Herstellung zarterer Farben auf Baummwollengeweben als geeignet erscheinen läßt. Das Gleiche muß au von Seidengeweben gelten, für deren Färbung sie speziell in Frankreich eingeführt werden. Jn China sollen fie zur Herstellung dunkler und s{hwarzer Farben dienen, in Ja- pan in der Lacindustrie verwendet werden. Leßteres Land produzirt übrigens selbst die gleihen Gallen von Rbus semi- alata, auch, wie dur neuere Versuche in Deutschland bestätigt

ist, von gleihem oder ähnlichem Tanningehalt.

Nur soll die

Waare shle<t ausgelesen werden und muß die Produktion sehr unregelmäßig sein, da, wie oben bemerkt, von China aus oft bedeutende Quantitäten na< «Fapan gehen.

heute sind Kisten das Aus\cließliche.

: Verpac>ung und Fracht. Früher wurden Gallen theilweise in Ballen ver\ciffft,

Dieselben sind leider

sehr dünn und spröde und die umgebenden Matten werden

leiht durhgestoßen. einzunuähen, doch

Verpackung nicht allgemein gewordcn. Das

Man hat versucht, sie in Gunny Cloth ist diese unstreitig wünschenswerthe Maß der

Kisten varürt sehr je nah dem Jnhalt und Gewicht. Als Durchschnitt ist anzunehmen, daß eine Kiste 1,40 Pikul enthält

und zwischen 6 und 6!/z Kubikfuß mißt.

Bei einem ange-

nommenen Preise von 10 Taels per Pikul und einer dto. eFracht, von 2 Pfd. Sterl. per 40 Kubikfuß = 8 Taels, stellt n die Fracht per Pikul auf 1,25 Taels oder 12 Prozent vom angenommenen Werth: ein sehr hoher Saß. Man hat daher schon die Frage erörtert, ob es nicht angehen sollte, die Gallnüsse

zum Zwe> der Frachtersparniß einzustampfen.

Wenn dies zu

bewerkstelligen, ohne daß dadurch Entwerthung entsteht, so sollte wenigstens sür den direkten Konsum der Versuch gemacht werden; im Marktverkauf würde eingestampfte Waare aller- dings wohl erst na langer Zeit ihren wirklichen Werth haben.

per Kiste würde genügen.

Die Verschiffungsspesen sind nicht sehr erheblich, 0,2 Taels Einzelne Kisten müssen reparirt

werden, wofür im Durchschnitt 0,05 Taels per Kiste zu be- rehnen sind. Zollunkosten entstehen in Shanghai nicht, da alle dahin gelangenden Gallen via Hankow gehen, woselbst sie den nachher ‘in den Preis eingere<hneten Zoll von 0,5 Taels per Pikul nebst den Küstenzoll (Hälfte des N bereits

entrihtet haben.

Leßterer wird im Falle der Ausfuhr ins

Ausland zurü>vergütet und usancemäßig dem Verkäufer gegen

eine kleine Preisreduktion überlassen.

Leider sind die dafür

ausgestellten Drawba>-Certififate für Hankow an dem hiesigen

Hankow niht zu verwerthen.

Taels nominell, ein

! Wer kein eigenes Haus in ankow hat, muß sie daher verkaufen, wobei, da der

ertb nur 90 Shanghai-Taels is für 100 Haikuan-

Verlust von 20 Proz. ent-

steht hiesiger Preis von 14 Taels per Piful Gallen würde unter Zushlag von 20 Proz. Hinlegungskosten bei einem Course von 5 Schilling 2 Pence per 1 Tael einen Einstandspreis von 65 Schilling per Hundredweight in London

ergeben.

LeIER 60 und 70 Schilling, sind aber neuerdings bis auf

stellte sih wie folgt:

Jahresausfuhbr

Dortige Notirungen \{wankten im Jahre 1881

Pfd. Sterl. per Hundredweight gestiegen. ] usfuhr. Die mittlere Jahresausfuhr von Gallen aus ganz China

Mittlere Quantität in Werth in Haikuantaels |_

50523 | 303138

1867 bis 1871 7 676 1872 , 1876 17662 | 1059725) 110231 | 661387 1877 , 1881 21 457 | 1287420} 178405 1070 430

Die gesammte in den leßten 15 Jahren ins Ausland

460 560

exportirte Quantität betrug 233 976 Pikuls oder 14038 560 kg, valuirt zu 1 595 794 Haikuantaels oder 9 574 764 M Als Verschiffungshäfen sind an der direkten Ausfuhr nur Shanghai und Kanton betheiligt ; O mit dur<\{nittli<

etwa einem Zehntel der g uhr. gelegenheit bedient man Segelschiffe.

Als Verschiffungs- ih für Gallen vorwiegend der

Bestimmungsländer. Die Bestimwmungsländer der

Ausfuhr von Shanghai nah dem Auslande sind aus folgen- der Dn e tng, zu ersehen :

Ausfubr <inefis{er Galläpfel von Skanghai na; Europäischer

Kontinent

Staaten Nordamerikas

DBereinigte

Andere Länder

1867 Pikuls 1868 E

1869

1870 1871 1872 1873 1874 1875 1876 1877

T1401)

1

m |

mmt, was aus dieser Tabelle

Rhabarber und Moschus angegebenen Gründen

geht, unter den Bestimmungsländern der Gallen nächst Ena- land jeßt den ersten Nang ein. Die Ausfuhr dorthin, direkt und transita englisher oder fontinentaler Länder betrug nah kaufmännischen Angaben:

1882 (bis September)

1879 1880 1881 ca, Pikful 7000 8000 8000 1000 d. i. über die Hüälste des klei- nen Gesammt-

exports. Außer na< dem Auslande werden Gallen von Shanghai aus au na den nördlichen Häfen Chinas in beträhtlichen Mengen verschifft, Jn der Saison vom November 1879 bis

November 1880 z, B. gingen nah Chefoo, Tientsin und New- <wang ca. 2600 Pikuls. na Eyesos, si

Ursprung. ; : Cassia lignea, wilder Zimmt, ist die Rinde eines in den südwestlihen Pro- vinzen Chinas, Kwangsi, Kweichow und Yünnan in großen Mengen vorkommenden Lorbeerart. Da die Cassiadistrikte noch ni<t von sahkundigen Reisenden erforsht worden sind, so ijt weder über die botanischen Eigenschaften des gewöhnli als Laurus Cinnamonum Cassía bezeichneten Baumes no< über die Gewinnung des Gewürzes Genaueres bekannt. Nach den neuerdings veröffentlichten Mittheilungen des Archdeacon Gray in Kanton, der vermöge seines langjährigen Aufenthaltes da- selbst Gelegenheit hatte, Jnformation zu jamineln, erreicht der Cafsiabaum eine Dre von 40 bis 50 Fuß bei einem Dur<h- messer von 11/, Fuß und hat seine Blüthezeit im Januar. Die älteren Stämme werden jedo gewöhnlich abgehauen, und nur die zarten, der Wurzel neu entsprießenden Schößlinge oder Seßlinge davon, wenn fie eine Höhe von 9 bis 10 FUß: erreiht haben, benußt. Die Ernte ift eine zweimalige nah der ersten und nah déèr zweiten Regenzeit. Die durh die Regengüsse aufgeweihte Rinde wird mit- telst eines für diesen Zwe> eigens hergestellten Jn- strumentes leiht abgelöst; sie wird dann einige Tage hin- durch der Sonne ausgeseßt, bis sie fermentirt und endli, na<dem die Epidermis entfernt is, die röhrenartige Form annimnit, in der sie im Handel erscheint. Handelswege.

Der Cassiahandel befand si seit etwa 20 Jahren aus- \(ließlih in den Händen von 10 chinesishen Hongs in Kanton ; vermöge der Bedingungen des ihnen gewährten Monopols mußte die Waare auf dem die Provinz Kwangsi durhschneidenden sog. Westflusse aus den Produktionsdistrikten nah Kanton gebraht werden, wel<:r Plaß daher alleiniger Ausfuhrhafen geworden ist. Nach der Eröffnung von Pakhoi anno 1877 Tieß si< das Monopol gegenüber dem vertrags- mäßigen Rechte, dieses Produkt aus den naheliegenden Ur- sprungsorten mittelst Transitpässen direkt zu beziehen, nicht mehr aufrecht erhalten und ist feit Mitte des «ahres 1879 als erloschen zu betrahten. Dennoch ift die alte eine ungleich längere Transportzeit in Anspruch nehmende Handelsroute bis jeßt beibehalten worden, was wohl darin scinen Grund hat, daß die für das Geschäft erforderlichen Hülfseinrihtungen so [leiht niht an anderen Orten neuzuschaffen sind. Aus den Berichten des Zollamts in Pakhoi erfahren wir, daß von der gesamnten Cassiaproduktion ungefähr zwei Drittel ‘auf das dortige Gebiet mit dem Distrikte Yülin am Lienflusse und den Distrikten Pignan und Kwei am Westflusse entfallen. Der oberhalb Pakhoi mündende Lienfluß ist in geringer Entfer- nung von Yülin ab \chifffbar, und würde die Waare zu einem Kostensaße von 1,60 bis 1,80 Taels per Pikul in 7 Tagen von dort in den Hafen liefern. Aus\{ließli<h dieser Trans- portkosten und der Zölle soll si< der Originalpreis eines Pi- fuls auf ctwa 3 Taels stellen. Eine im Jahre 1879 von einer ausländischen Firma gemachte Versuchssendung von gegen 3000 Pikuls ist ungünstig ausgefallen, da der Transport in Folge befonderer Umstände 3 Wochen statt einer in Anspruch nahm. Hierdur< entmuthigt fanden im darauf folgenden are gar feine Verschiffungen statt, und über das finanzielle Resultat einer im Jahre 1881 gemachten kleineren Sendung hat noch nichts verlautet. Die Chinesen sollen jedoh zuver- sihtlih behaupten, daß sobald das Trarsitpaßsystem effeftiv dur{geführt sei, Pakhoi der Cassiahafen der Zukunft werden müsse und mit Leichtigkeit 50 000 bis 60 000 Pikuls jährli

exportiren könnte. Sorten, Preise.

Cassia wird in Kanton in den 3 Sorten Loting, Loo- Pook und Tai-wo zu Preisen, die sich im Jahre 1881 auf 7,75 bis 10,80 Doll. per Pikul für die beiden ersteren, und 8 bis 10 Doll. für die leßtgenannte Sorte stellten, gehandelt. Neuere Notirungen sind 8,40 bis 8,65 und resp. 8 Doll. Die Saison beginnt im Monat Mai, na< August finden in der Regel keine Bezüge mehr statt.

Verpa>unag. j

Die Verpa>ung von Cassia geschieht in Kisten oder in Mattenbündeln à 1/, Pikul. Jene, von der si tie vorge- nannten Preise verstehen, ist gewöhnlih 1/, Doll. und darüber theuerer als diese, was sih aber bei der Fraht wieder mehr als ausglei<t, Da nah Mac Cul’'ohs Angaben in der Kisten- verva>dung 5 Pikul auf eine Tonne von 40 Kubikfuß geyen, in Matten dagegen nur 31/,, bei einem Durchschnittspreise von 8,50 Doll, selkurse von 3 Schilling 10 Pence == 1 Doll. und einer Frahtrate von 2,10 Pfd. Sterl. ver Tonne nah London würde dieser Unterschied sich auf 31 Proz. aegen 44 Proz. Frachturtosten stellen. Die Londoner Preise shwankten während des Jahres 1881 zwishen 36 Shilling 6 Pence und 39 Schilling 9 Pence per Hundred weight, der dortige Einstand, wenn man die vorstehenden Annahmen zu Grunde legt, beträgt exklusive Kommissionen und Spesen aber inclusive Fraht 30 Schilling 3 Pence per L redEeant in Kisten. Die Verschiffun érfolgt in der Negel per Se if, vorzugsweise als einziger Befrachtungsartikel.

Entwerthuna.

Merkwürdig ist die Entwerthung, wel<he der Artikel Cassia im Laufe der neueren eit ahren Jak Verfolgt man die Preise in die lehten 1 rüd y: man eine sol<he Veränderung, daß man kaum den Artikel vor haben glaubt. Dennoch hat si< weder in den Produktions- und Tranéportbedingungen no< im des Geldes viel geändert. Es zeigt si< daher daß Cassia-Monopolisten in früheren Jahren ganz liche Profite von diesem Handelszweige davon müssen, wovon allerdings eine beträchtliche der Lekiutax ein

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