1882 / 293 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

deutschen Staaten ausgedehnt werden, lb er seinen An- trag gestellt habe, den er in einer Kommission im Zusammen- ng mit der Verordnung geprüft wissen wolle. Diesen uns{ theilten auch die folgenden Redner, die Abgg. Gold- {midt und A>ermann. , y Auch der Staats-Minister von Boetticher hatte nichts dagegen zu erinnern, konnte sih aber über den Antrag selbst

t äußern, da der Bundesrath sih bis jeßt mit demselben nit beschäftigt habe. Sollte der Antrag angenommen werden, so würde der Bundesrath denselben in nähere Erwägung ziehen. Der Abg. Kutschbah machte insbesondere auf die Ge- fahr für die sächsische sehr große Spielwaarenfabrikation auf- merksam, die keinen Ersaß für jene Stoffe habe, und bei An- wendung gänzlih giftfreier, aber ungemein theurer Stoffe niht mehr fkonkurrenzfähig sei. Der Antrag wurde hierauf an eine Kommission von 14 Mitgliedern verwiesen.

Es folgte die Anfrage des Abg. Dr. Windthorst wegen Aufhebung des Geseßes über die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern vom 4. Mai 1874. Dieselbe lautet:

Anm 18. Januar d. J. hat der Reichstag einem Gesetzentrourf, betreffend die Aufhebung des Gesehes über die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenätntern vom 4. Mai 1874, die verfassungsmäßige Zustimmung zu ertheilen beschlofsen.

Nach der Uebersicht der vom Bundesrathe gefaßten Ent- \<ließungen auf Beschlüsse des Reichstages aus der ersten Session der 5. Legislaturperiode, hat der Bundesrath diesen Gesetzentwurf dem zuständigen Ausschusse Überwiesen. i

Ich erlaube mir an den Herrn Reichskanzler die Anfrage zu

tellen :

f 1) Hat der Aus\{huß des Bundesrathes seinen Bericht er- B und hat der Bundesrath über den Geseßentwurf Beschluß efa

gef A Wenn, wie verlautet, der Beschluß des Bundesrathes ab- lehnend war, ist der Herr Reichskanzler in der Lage, die Gründe eines solchen ablehnenden Beschlusses mitzutheilen ?

Jn der Begründung seiner \ Juterpellation wies der Abg. Dr. Windthorst darauf hin, daß eigentli Nie- mand für die KYusrethterhaltung jenes Geseßes sei, und daß nur dilatorishe Momente angeführt worden seien. 233 gegen 125 Stimmen hätten si< für die Aufhebung des Gesetzes erklärt. Wie es scheine, oifigleIl sei darüber allerdings nihts bekannt) habe der Bundesrath die Annahme des Reichstagsbeschlusses abgelehnt. Dem- gemäß halte er si< zu der Frage berechtigt : welche - Gründe den Bundesrath zu jener Ablehnung ge- führt ‘hätten. Der Bundesrath wäre gerade die Stelle gewesen, seinerseits zur Herstellung des Friedens auf kirhlihem Gebiete mitzuwirken. Es sei keine wohlwollende Regierung, welche solhe Zustände fortbestehen lassen wolle.

Der Staats-Minister ‘von Boetticher wies diesen Vor- wurf zurü>. Auch der Bundesrath wolle die Freiheit des Kultus nicht beschränken. Der Bundesrath habe si< aller- dings ___gegen den Reichstagsbeshluß erklärt , der Reichskanzler sei aber ni<ht in der Lage, über die Gründe eine Auskunst zu geben. Verfassungsmäßig habe der Reichskanzler die Verantworlichkeit für die Anord- nungen und Verfügungen des Kaisers zu tragen, niht aber für die Beschlüsse des Bundésraths. Wenn man das Ver- hältniß umkehrte, so würde der Präsident des Reichstages kaum geneigt sein, die Verantwortlichkeit dafür zu übernehmen, wenn Bundesrathsmitglieder vom Präsidium des Reichstages eine Angabe über die Gründe verlangten, welche den Reichstag ur Ablehnung einer Vorlage des Bundesraths gesührt hätten.

er Reichskanzler sei nicht berufen, die Motive der einzelnen Bundesrathsmitglieder mitzutheilen, er werde dies weder in diesem noch in einem andern Falle thun.

Der Abg. Dr. Reichensperger (Olpe), auf dessen Antrag das Haus in eine Besprehung der Jnterpellation eintrat, pro- testirte gegen diese Art der Behandlung von Reichstags- beschlüssen Seitens des Bundesraths. Der Reichstag wende sih mit seinen Beschlüssen und Jnterpellationen an den Bundes- rath, niht an sih selbst, der Bundesrath müsse also eine Antwort geben. Was würde der Bundesrath sagen, wenn umgekehrt der Reichstag die Vorlagen des Bundesraths ablehnte, ohne eine Angabe von Gründen? Redner ging s\0o- dann des Näheren auf die traurigen Folgen des Ausweisungs- geseßes ein, welhes Deutsche s{hlehter behandle als Vagabonden und Strolche.

Der Abg. Frhr. von Schorlemer-Alst führte aus, der eigentlihe Grund, weshalb der Bundesrath die Annahme des Reichstagsbeschlusses abgelehnt habe, sei gewesen: der Reichs- kanzler habe eigentli<h nit gewollt, Das sei die Empfindung im Volke. Die Verantwortung für alle die Leiden der Verfolg- ten, die noch fortbeständen , . für die Mißstimmung im Volke treffe nun nicht mehr den Reichstag, au< die Bundesregie- rungen nit direkt, sondern Denjenigen, der die Macht in Händen habe und dem Wunsche des Reichstages nicht habe entspre<hen wollen. Der Abg. Dr. Windthorst fragte die Regierung, ob sie no< von Kultusfreiheit reden könne, wenn das Spenden der Sterbesakramente unter Strafe gestellt werde. Solle der Reichstag eine Bedeutung

ben, so müßten seine Beschlüsse mehr respektirt werden.

in einfaches Zurüclweisen sei eine Mißahtung des Reichs- tages. Es sei au nicht politish klug, die Gründe zu ver- weigern. Er und seine Freunde würden aber auf dem be- tretenen Wege fortschreiten.

Bei Schluß des Blattes ergriff der Staats-Minister von Boetticher das Wort.

Der S<{<lußber.<t über die gestrige Sißung des Hauses der Abgeordneten befindet sih in der en Beilage.

Den Kreisen West- und Ost:Sternberg, Regie- rungsbezirks Frankfurt a./O., welhe Jnhalts Vertrages d. d, Drossen, den 9. Dezember 1881 si verbindlih gemacht haben, die von Frankfurt a./O. über Drossen und Radach zum An: s{lusse an die Cüstrin-Posener Kunsistraße bei Burgwald führende, von dem Frankfurt-Drossener Chausseebauvereine er- baute Chaussee, und zwar jeder Kreis die in seinem Bereiche belegene Stre>e derselben, zum Eigenthum und zur dauern- den <ausseemäßigen Unterhaltung zu übernehmen, ist gegen die Erfüllung dieser Verpflichtung, das dem genannten Chaussee- bauverein dur< den Allerhölhsten Crlaß vom 25. März 1848 verliehene Recht zur Erhebung des Chausseegeldes nach den Bestimmungen des Chausseegeldtarifs vom 29. Februar 1840 einschließlich der in demselben enthaltenen Bestimmungen über die Befreiungen, sowie der sonstigen, die Erhebung be- treffenden zuf Vorschriften vorbehaltlih der Ahb- änderung der sämmtlichen vorausgesührten immungen unter dem 23. Oktober 1882 Allerhöchst übertragen worden.

angehängten Be igen wegen der Chaussee-Polizei-Verzehen fernerhin auf die gedadste_ Straße zur Anwendung kommen.

Das Recht zur Erhebung des Chausseegeldes ist ferner Allerhölhst verliehen worden : 1) unter dem 30. Of- tober 1882 dem Kreise Oschersleben, Regierungsbezirks Magdeburg, für die seinem Bereiche belegenen Chaufssee- stre>en : a. von Aderstedt über- Gunsleben bis zur Feldmark von Wad>ersleben , Kreises Neuhaldensleben, b. von der Grenzè der eben bezeihneten Feldmark na< Hamersleben zum Anschluß an die Kreischaussee von Hamersleben nah Neu - Wegersleben, bezw. 1ist das genannte Recht für die Stre>e zu b. in gleiher Weise übertragen, wie dasselbe dur< den Allerhöhsten Erlaß vom 14. Oktober 1867 den Unternehmern des Baues der L lebener Chaussee für die in den Kreis Oschersleben fallende Stre>e verliehen worden is}; 2) unter dem 1. November 1882 dem Kreise Ost-Prigniß im Regierungsbezirke Potsdam, welcher den Bau einer Chaussee von Station Zerniß der Berlin-Hamburger Eisenbahn bis zur Kreisgrenze in der Richtung auf Havelberg beschlossen hat, für diese Straße; 3) unter dem. 4. November 1882 dem Kreise Ruppin, Regierungsbezirk Potsdam, für die von Alt-Friesa> über den Bahnhof Dammkrug bis zur Neu-Ruppin-Fehrbelliner Chaussee herzustellende Kunststraße; 4) unter dem 22. November 1882 dem Amte Jbbenbüren und der Gemeinde Brochterbe>, Regierungsbezirks Münster für die in ihren Feldmarksgrenzen belegene Stre>e der Chaussee von Jbbenbüren über Brochter- be>, Lengerich, Lienen bis zur Grenze der Provinz Hannover. Auf alle diese gedahten Straßen sollen ebenfalls ‘die dem Chausseegeld-Tarife vom 29, Februar 1840 angehängten Be- stimmungen wegen der Chaussee-Polizei-Vergehen zur Anwen- dung kommen.

Die Bestimmung des 8. 211 der Reichs-Konkurs- Ordnung, wonah Schuldner, welche ihre Zahlungen eingestellt haben, mit Gefängniß bis zu zwei Jahren bestraft werden, wenn sie, obwohl sie ihre Zahlungsunfähigkeit kannten, einem Gläubiger in der Absicht, ihn vor den übrigen Gläubigern zu begünstigen, eine Sicherung oder Befriedigung 'ge- währt haben, welche derselbe nicht oder nicht in der Art oder niht zu der Zeit zu beanspruchen hatte, findet, nah einem Urtheil des Reichs ger iht s, 11. Strassenats, vom 10. Oktober d. J., nurdann Anwendung, wenn der Schuldner sih bewußt war, daß durch die Befriedigung die übrigen Gläubiger benachtheiligt würden oder doch benachtheiligt werden könnten. Sucht da- gegen der Schuldner einen ihn vor den übrigen Gläubigern sehr drängenden Gläubiger dur< Hingabe an Zahlungsstatt zur Ruhe zu bringen, in der Meinung, dadur<h im wahren «nteresse der übrigen Gläubiger zu handeln und nah seiner Erholung diese vollständig zu befriedigen, so ist der Schuldner aus 8. 211 der Konkursordnung nicht zu bestrafen.

S. M. S. „Gneisenau“, 16 Geschüße, Komman- dant Kommodore Freiherr v. d. Golt, ist am 12. d. Mts. in Phoztar eingetroffen und hat am 13. die Heimreise fort- geseßt.

S. M. S. „Nymphe“, 9 Geshüße, Kommandant Kor- (Capi Dietert, ist am 8. d. Mts, in Syrakus einge- troffen.

Kiel, 12. Dezem . (Kl, B18) Torpedo-Versuhsd&h<hement der Brigg „Undine“ eingeschifft.

Bayern. München, 12: Dezember. Das seit mehreren Jahren bestehende Projekt der Erbauung einer Eisenbahn durch den baySrishen Wald is in Niederbayern neuer- dings in hierzu veranstalteten Versammlungen zur Erörterung gelangt. Es wurden, was die Richtung der Bahn anbelangt, zwei verschiedene Beschlüsse gefaßt. Wie die „Alla. Ztg.“ ver- nimmt, wird die Staatsregierung in kürzester Zeit eine be- sondere Kommission nah Niederbayern, um nähere Ertebungen zu veranstalten, absenden, und es dürfte auf Grund derselben

voraussihtlih eine Vorlage für den nächsten Landtag vorbe- reitet. werden.

Me>lenburg. Schwerin, 12. Dezember. (Me>l. Anz.) Der Landtag hat gestern u. A. ein {werin\s{hes Reskript vom 9. Dezember, betreffend die Veränderung der Normativ- bestimmungen für Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung, an die Eisenbahn-Committe verwiesen. Das Reskript erklärt si< gegen den Fortbestand des bisherigen Maximums der Landeghülse und proponirt außer einigen sonstigen Modifika- tionen der ständishen Beschlüsse eine Abänderung der Nor- mativbestimmungen in folgender Fassung: „Die Landeshülfe wird nicht à sonds perdu gewährt. Ueber die Modalitäten der Gewährung wird im einzelnen Fall Bestimmung getroffen. Die Auszahlung erfolgt erst nah geschehener Betriebseröffnung.“

Morgen wird das prmirt y\-tan Bord,

Oesterreich : Ungarn. Kaiser ist gestern kommen.

(W.T. B) Jn dem Asylhause für Obdachlose fan- den heute infolge geringsügiger Ursache Exc esse statt. Ein Civil- wa<hmann wurde dur< Messerstiche verwundet, einGemeindediener die Stiege hinabgeworfen. Die Excedenten löshten die Lampen aus, zündeten die Strohsä>e an und zertrümmerten die Möbel. Die requirirte Mannschaft und die Feuerwehr löschten die Flammen. 34 Personen wurden verhaftet. Der Bürgermeister und der Polizei:-Präsident waren persönlich erschienen.

Großbritannien und Jrland. London, 11. De- zember. (Alg. Corr.) Aus ministeriellen Kreisen stammt die Mittheilung, daß in Verbindung mit dem fünszigjährigen Jubiläum des Eintritts Gladstone's in das Parlament am 13. ds , ein Rüetritt desselben als Premier, wie von ver- schiedenen Seiten angedeutet worden, nicht zu befürchten steht. Gladstone werde, so lange seine Gesundheit ausdauert, ganz sicher im Amte verbleiben, bis er no< mehr zur Lösung der Aufgabe, welche ihm von der Nation vor drittehalb

ahren übertragen wurde, und von der no< wenig in Aus- ührung gebra<ht worden ist, beigetragen hat. Er wird aber jeine Bürde dur Niederlegung des Schahkanzleramtes er- leihtern, und es fann als zuverlässig angenommen werden, daß der jehige Kriegs - Minister Childers in dieses Amt eintreten wird, sozald es ihm mögli<h ist, das Kriegsdepartement zu verlassen. Es werde alsdann nothwendig werden, mindestens zwei Ernennungen zur Ergänzung des Kabinets an Stelle der zurü>getretenen Minisier Bright und Forster vorzunehmen. Es liege

Wien, 12. Dezember. -Der torgen von Gödölld in Wien ange-

Auch sollen die dem Chausseegeldtarife vom 29, Februar 1840

neuen Kabinetsminister sein werde, um, wenn das überhaupt wögli sei, dem Lande die Versicherung zu geben, daß die Regierung niht den Weg eines Krieges gegen das „Privat- eigenthum“, worüber Lord Salisbury in feiner Rede zuy Hitchin so viel Staub aufwirbelte, betreten wird, was für alle Whigs eine tröstende Nachricht sein wird. Mit Lord Derby's Eintritt in das Kabinet, in welchem Lord Hartington “ge Nachfolger Gladsione's in der Führerschaft ausersehen st, wird es aber um so nothwendiger werden, daß die Radi- falen auch eine verstärkte Vertretung im Kabinet erlangen und es kann unter allen Umständen kein Zweifel darüber bestehen, daß eine der zwei erledigten Ministerstellen dur< Sir Charles Dilke beseßt werden wird.

Die Admiralität hat eine Kommission ernannt, deren Aufgabe es sein wird, si<h über die Marine- Organisation ausländisher Seemächte auf dem Saulenden zu halten. Bislang erhielt die britishe Ad- miralität ihre Fnformation über ‘die Neuerungen und Fort: schritte in dem Seewesen anderer Staaten von den Kapitänen der im Auslande stationirten Kriegsschifse, den Konsuln und den Militär- und Marineattachés an fremden Höfen. Kapitän W. H. Hall ist zum Chef des neugebildeten „Naval Jntelli: gence Comittee“ ernannt worden.

Generalmajor Sir Evelyn Wood begiebt si< {on am 16. d. nah Kairo, um seinen Posten als Höchstkonmman- dirender der neuen egyptishen Armee anzutreten.

Zwischen Großbritannien und der Republik Sal- vador ist ein Vertrag, betreffend die gegenseitige Aus- lieferung flüchtiger Verbrecher, zum Abschluß gelangt.

12. Dezember. (W. T. B.) Der russische Bot- schafter Baron von Mohrenheim, welcher gestern hier eingetroffen ist, wurde heute in Windsor von der Königin zur Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens empfangen,

Windsor, 12. Dezember. (W. T. B.) Die Königin as heute Nachmittag die madagassishen Ge-

andten.

Dublin, 13, Dezember. (W. T. B.) Das gericht- lihe Verfahren gegen Healy und Davitt ist auf un- bestimmte Zeit vertagt worden.

Frankreich. Paris, 11. Dezember. (Köln. Ztg.) Der Armee-Ausf<huß wird bis zu den Ferien keine Sißung halten, da sein Vorsißender, Hr. Gambetta, den Sißungen niht anwohnen kann. Uebrigens geht es demselben besser, denn er hat heute zum ersten Male nah seiner Verwundung das Bett verlassen können.

12. Dezember. (W. T. B.) Der heutigen Beerdi- gung Louis Blancs wohnte eine überaus große Volks- menge bei. Der von 6 Pfe: den gezogene Leichenwagen war mit zahlreihen Kränzen bede>t. Außer den offiziellen Per- fönlichkeiten folgten demselven viele Senatoren und Deputirte und etwa hundert Delegirte verschiedener Gesellshaften. Am Grabe verlas Charles Edmond eine Rede Victor Hugo's, in

Seele Ausdru> gegeben wird. Außerdem sprachen Henri Martin, Barodet, Madier de Montjau, Lo>kroy u. A. Die Reden wurden sehr beifällig aufgenommen; vielfah wurden Rufe: „Es lebe die Republik!“ gehört. Die Ruhe wurde nirgends gestört.

__ Spanien. Madrid, 12. Dezember. (W. T. B.) Heute “vera< ie dem Gen des KriegFMinisteriums Feuer

aus, dur< welches dié Biblioth.7 “üÜn&"A ey 40 zerstört und 20 Personen verwundet wurden.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 13. De- zember. (W. T. B.) Wie die „Neue Zeit“ erfährt, hat die Kommission zur Regelung der Judenfrage in ihrem Bericht dièë Nothwendigkeit betont, eine Zählun g der gesammten jüdischen Bevölkerung in Rußland zu veranstalten,

Zeitungsstimmen.

Die in Buenos Ayres erscheinende „Deutsche La Plata-Zeitung“ widmet dem Reichskanzler Fürsten Bis- mar> aus Anlaß seines am 24. September gefeierten 20 jäh: rigen Minister-Jubiläums einen Artikel, in welhem es u. A. heißt :

Wenn \{on das ganze deutsche Volk gegründete Ursache hat, diesen Tag als den Anbruch einer neuen segensreichen Aera, einer Epoche von nie geahnter Macht, Herrlichkeit und Größe zu begrüßen und zu feiern, so würden ganz besonders und vor Allem wir Deutschen im fernen Auslande uns der \creiendsten Undankbarkeit \{uldig machen, wollten wir diese Gelegenbeit niht benußen, um dem Fürsten Bismar> mit warmen, tiefempfundenen Worten aus dem Grunde unseres Herzens für alles Das zu danken, was er innerhalb der zwei Dezennien rast- losten Schaffen8, aufopfernden Thätigkeit, unter völliger Hinten- ansetzung seines cigenen Ichs, seiner Gesundheit und seines Lebens gethan hat.

Uns, die wir den inneren politishen Reibereien fernstehen, welche daheim im Vaterlande den völligen Genuß der großen glänzenden Errungenschaften trüben, die von ihm, dem größten Staatôämanne seines Jahrhunderts, in bundertfa< erneuten, aufreibenden und erbit- terten Kämpfen auf der Weltbühne erstritten wurden, uns, die wir nur die Woblthaten empfinden, welche des Vaterlandes Macht und Größe über Deutsblands Kinder in allen Zonen ausgegossen, unt muß des Fürsten Bismar> Bild in ganz besonders hehrem Glanze erscheinen.

Wer nur den geringsten Zweifel in die Berechtigung dieses Aub sprucbs sett, der versuche cs, sich um zwei Dezennien zurü>zuversetzen und sich zu vergegenwärtigen, was Deutschland war, che der eiserne Kanzler es zusammensweißte mit Blut und Eisen!

Kaum wird er es können, denn ah, man vergißt ja nur gar p bald die Shma< der Vergangenheit, wenn man gewohnt ist, in di sonnenhelle, rubmbeleubtete Gegenwart zu \{hauen!

Nat war cs, tiefdunkele, jedes eht Es Da mit Schas und Verzweiflurg erfüllende Nacht, als Herr von Biêmar> am 2A. September 1862 den Posten eines preußishen Gesandten am fran zösischen Kaiserhofe verlich, um das Amt anzutreten, welches ec nos heute beklcidet. :

Eine Aufzabe, deren er \si{ voll bewußt war, Hindernisse, dit jeden aaderea minder kühnen Geist von vornherein zurü>geschre> haben würden, erwarteten ihn

Daß er den Traum und das Sehnen unseres Volkes zur \{<önste Erfüllung brachte, daß er uns Deutsche im Auslande aus der u? würdigen Stellung erlöste, zu der die Zerrissenheit der geliebte! Heimath uns verurtheilt hatte, daß er der glorreiche Schöpfer de großen, einigen, ruhm- und ehrenreichen Vaterlandes wurde, welches wir heute so stolz sind, das wird ihm nie vergessen werden sondern immer sein \{önster, dur keinen Streit um Tagesfragen p verdunkelnder Lorbeer sein.

Jn der „Germania “” lesen wir:

Die Lage der Knappschaftskassen Ut in den letzten Jahren be sonders häufig sowohl aus der Mitte der Knappschaftsvereine selbt

Gewißheit für die Erwartung vor, daß Lord Derby einer der

heraus erörtert worden, wie aut von außenstehenden theils wol wollenden und theils tendentiós seindlichen Beurtheilern. Währe?

welcher dem Glauben an Gott und die Unsterblichkeit der |

jene für die etwa konftatirten Fehler in der Organisation und dem e<nungswesen der Knappschaften auf der bisherigen Grundlage derselben Abhülfe su<hten, war es der Mebrzahl dieser darum zu thun, zwar weniger den Knappschaftekassen selbst, mit deren Existenz man si< ja seit Generationen abgefunden hatte, einen Stoß zu verseßen, als in den Mängeln der Knappschaften die geseßlichen Versicherungen überhaupt re<t dunkel zu machen und ibnen egenüber die freiwillige Versicherung um so heller leuten zu lafsen. aren ja au in der That sowohl vom Regierungstische aus, wie no< mehr und no< früher von Centrum und Konservativen gerade die Knappschaften als Beispiel dafür angeführt worden, welcen Segen obligatorishe Arbeiterversiberungen für Krankheit, Unfall, Alter und Invalidität und zur Versorgung der Wittwen und Waisen verstorbener Arbeiter stiften fönnten! Hatten die Vertreter obligatorisher Arbeiterverfiberung dow selbst in der Organi- sation und den Einrichtungen der Knappschaften in vielen nit allen Beziehungen das Must.r gesehen zur Herstellung der neu- geplauten Arbeiterversicherungen, fo daß man in dem vorigjährigen Unfallversicberungsgeseße sogar, troß seiner im Wesentlichen bureau- kratishen Gestalt, für die Knappschaften zuleßt do< no< cin, wenn auch bescheidenes, Pläßchen offen zu halten suchte !

So begreift sih das negative Interesse des in den letzten Fahren so hart bedrängten und vielfa zurü>gedrängten Manchesterthums an den Knappschastskassen, und diesem Interesse verdanken die tendenzió- sesten Darstellungen bald über die Lage einzelner Knappschaftskassen und bald über das Institut überhaupt ihre Entstehung

„Steins deutsche Correspondenz“ schreibt:

. ._. . Man kann ja verschiedener Meinung darüber sein, ob der Import ausländischen Nußholzes einem Aufblühen der einheimischen Waldwirthschaft niht vorzuziehen sei, und eren im Inlande mögen sih bei Grwägung dieser Frage mancherlei einander kreuzender Inter- essen herausstellen. Darüber Tann jedo< wohl kein Streit obwalten, daß sehr ernstlihe Gründe für eine Pflege des einheimischen Holz- baues sprehen, und daß wir von unserem nationalen Standpunkte darauf hingewiesen sein sollten, diesen Gründen mehr Beachtung zu schenken, als den etwa in anderer Richtung gehenden. Aber nein den freibändlerishen Blättern steht Alles, was dazu hinführen könnte, den deutschen Wald zu begünstigen, von vornherein erst in zweiter, Alles aber, was auf Interessen des Holzhandels Bezug hat, in erster Linie. Wenn nur der Import blüht was liegt groß am Walde!

Der ausländische Schiefer mag viele Vorzüge haben, und der einheimishe Scieferbau mag au ohne Zollerböhung existiren können. Jmmerhin spricht doc Mancbes dafür, daß der Zoll unsere Scbiefer- produktion unglei leistungsfähiger machen würde, und daß nur die Gewöhnung an den einheimischen Schiefer fehlt, um denselben (vor- ausgeseßt, daß sih ihm Kapitalien zuwenden und er in Folge dessen gehörig au8gebeutet wird) als ebenso werthvoll ersheinen zu lassen, wie den ausländischen. Aber niht Rühren! Wie darf denn ein Gesichtspunkt der einheimischen Produktion beanspruchen, überhaupt zu Worte kommen zu können, wenn das Interesse des Handels ein anderes ist? j

Das amerikanishe Schweinefleis<h mag billig und nahrhaft sein, und es mag wahr sein, daß auch dort eine befricdigende sanitärische Kontrole ausgeübt wird. Aber die Vorsicht scheint do< zu gebieten, diese Frage mindestens in ernste Erwägung zu zichen und zur Ge- winnung von Vergleihsmomenten bezw. zur besseren Ermöglichung einer scharfen Kontrole die amerikanishe Schweineeinfuhr zunächst einmal zu ers{weren. Entseßen! Den Handel ers{<weren, während doch die Interessenten desselben behaupten, daß es mit der Tricbinen- gefahr lange nit fo arg, ja daß dieselbe bei den einheimischen Schweinen reer sei und während auf Seiten der Erschwerung kein anderes Interesse steht als das lumpige der einheimischen S{<weine-

zucht ?

Auf dem gleichen Blatte steht es, wenn unsere Freihändler \si< in der eigenthümlichen Lage befinden, immer auf \{le<ten Gang dec einheimishen Produktion renen zu müssen. Jubelnd wurde bei Ein- führung der Getreidezölle auf die zu befürhtende (glü>liher Weise nit eingetretene) Mißernte hingewiesen, und jubelnd wird jeßt wieder verkündet, daß in dem niht mehr zn leugnenden Aufblühen unserer Industrie ein Stillstand ‘eingetreten fei. Sicher ist das zwar nit, und es ließe sih au, wenn es so wäre, no< Manches darüber reden ; den Herren Freihändlern aber genügen einige zweifelhafte An- zeiben, um der handeltreibenden Welt händereibend die freudige Mähr zu verkünden, daß es mit der deutschen Industrie jeßt wieder bergab gehe. M :

Den „Görlißer Nachrichten und Anzeiger“ wird über den Aufs<hwung der Gewerbe und Jndustrie im Regierungsbezirke Breslau geschrieben :

__ Die größeren Fabriken des Bezirks sind mit Arbeiten auf vor- gängige Bestellung so reihli< versorgt, daß sie den Ansprüchen kaum genügen können, obgleih mehrere derselben im Laufe der leßten Zeit niht unerhebliche Vergrößerungen ihrer Anlagen und Erweiterungen ihres Betriebes vorgenommen haben, Die wesentlihe Geschäfts- verbesserung der Eisenwerke hat eine bedeutende Erweiterung des Steinkoblenbergbaues uad der Kokserzeugung zur Folge gehabt, so daß nahezu Mangel an Arbeitskräften eingetreten ist, um so mehr, als eine größere Anzahl rüstiger Arbeiter sich hat verleiten lassen, na den west- fälishen Bergwerken, wo es thatsäcblih {on an Arbeitern feblte, überzusiedeln. Jn den Massenartikeln der Leinen- und Baumwollen- fabrikation sind die vorhandenen Arbeitskräfte voll beschäftigt. Die Handwerker, die während des Sommers größtentbeils in der Land- wirthschaft, bei Bauten und anderen Gewerben beschäftigt waren, werden jeßt von den Fabrikanten auf das Lebhafteste in Anspruch ge- nommen und erhalten Arbeit, so viel sie nur irgend bewältigen können. Die Lobnverbäitnisse der Weber baben allerdings no< keine Aufbesserung erfahren können, weil die starke Konkurrenz, die nament- lih von Rheinland und von Sachsen ausgeht, zwingt, möglichst billig zu produziren, dagegen ist auf dem Gebiete der Baumwollenspinnerei, wo gleifalls eine Anspannung aller Arbeitskräfte herrs<t, eine kleine AuPesserung der Lohnsätze bereits bemerkbar geworden.

_— Die „Norddeutihe Allgemeine Zeitung“ berichtet aus Witten a. d. RN., 11. Dezember :

In Folge der besseren Lage der Industrie und der dadur her- beigeführten Lohnerhöhung hat der Armenetat unserer Stadt, welcher pro 1882/83 nicht weniger als 70500 Æ betrug, pro 1883/84 auf 66 500 M festgeseyt, also um volle 4000 A ermäßigt werden können, was im Interesse unserer Stadt, die zu diesem Etat einen baaren

Zuschuß von 57 800 M zu leisten hat, gewiß mit Freude zu be- grüßen ift,

Centralblatt für die gesammte Unterrichts-Ver- waltung in Preußen. Dezember-Heft. Inhalt: Autführung des Gesezes vom 20. Maî 1882, betreffend Fürsorge für die Wittwen und Waisen der unmittelbaren Staatsbeamten. a. Anwend- barkeit des Gesetzes auf die in einem unmittelbaren Staatüamte stehenden katholischen Geistlichen. b. Nibtanwendbarkeit des Gesetzes auf Lehrerin- nen in einem unmittelbaren Staatsamte. e. Nichtanwendbarkeit des Gesetzes auf die Mitglieder der Elementarlehrer-Wittwen- und Waisen- kassen. d. Nichtanwendbarkeit des Gesetzes auf Sculdieuer, welche in einer nicht zu Pension bere<htigenden Stelle angestellt sind. Zuwen- dungen zu q X. Zwecken unterliegen der Erbschaftsteuer, au wenn das Kapital, dessen Zinsen verwandt werden sollen, einem subjektiv befreiten Institute zufällt, Friedriw-Wilhelm-Stiftung

r Marienbad. Preisbewerbung bei der v. Rohrschen Stiftung ür talentvolle deutshe Künstler. Entscheidung auf die Bewer- bungen um Mendelssohn - Bartholdy - Staatéstivendien. WBe- [Gassung von Turnpläten, Betreibung von Turnübungen und

urnspielen im Freien, Einrichtung von Turnfahrten 2c. Dauer der Vertretung eines erkrankten Lehrers einer höheren Unterrichts- anstalt dur< die übrigen Lehrer der Anstalt, wenn diese Lehrer über das Maß der Pslichtstunden hinaus herangezogen werden sollen. Ausschluß der Sammlungen und der Bibliotheken der Seminare und Präparanden-Anstalten von der Versicherung gegen Feuersgefahr.

Ertheilung von Privatunterribt gegen Bezahlung dur< öffentliche Lehrer, insbesondere an S{üler der cigenen Klasse. Oeffentliche Lehrer bedürfen zur Ertheilung von Privatunterriht eines für Privats lehrer erforderlihen Erlaubnißscbeines der Ortss{hulbehörde nit. Zulässigkeit von Dienstalterszulagen und Rechtsverhältnisse der Lehrer bei Sculsystemen mit plañmäßia abgestuften Besoldungen. Scbulbeiträge (Scbuldgeld und Schulsteuer) der aus der Kirche ausgetretenen <ulinterefsenten in der Provinz Hannover. Glementarlehrer-Wittwen- und -Waisenkassen: a. Bedeutung des Auédru>kes „öffentliher Elemeantarlehrer“. Sorge für Versicherung einer Pension Seitens aller öffentlicher Lehrer, insbesondere au der in andere Stellungen des Lehrerstandes übergehenden und derjenigen an gehobenèn Schulen. b. Zugehörigkeit der Vorschullehrer an den nit ftaatliben Unterrichtsanstalten zu den Elementarlehrer-Wittwen- kassen. c. Nothwendigkeit der“ Erhebung der Gehaltsverbesserungs- gelder, Verfahren hierbei, Erhebung bei kombinirten Lehrer- und tirhlichen Stellen, Verwendung der Antritts- und Verbesserungs- gelder, Aufführung derselben in den Etats. d. Erhöhung bereits zahlbarer Wittwenpensionen nah dem Inkrafttreten des Gesezes vom 24. Februar 1881. Personal<hronik.

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteoro- logie. Heft X1. Inhalt: Die Untersuhungen im Golfstrom dur< den Ver. St. Dampfer „Blake“, Commander J. R. Bartlett, im Sommer 1881. Ueber den Einfluß der Tempecaturvertheilung auf die oberen Luftströmungen und auf die Fortpflanzung der baro- metrischen Minima. Von Dr. W. Köppen. (Mittheilung von der deutschen Seewarte). Aus den Reiseberihten S. M. S. „Elisabeth“, Kapt. z. See Hollmann. Reise von Yokohama nah Hakodate. Juni und Juli 1882, Cingänge von meteorologischen Journalen bei der deutschen Seewarte im Monat Juli 1882. Bemerkungen über die Barre von Laguna (Brasilien) und deren Veränderungen seit 18 Jahren. Großer Orkan auf der Insel Vavau, Tongagruppe, am 25. März 1882. Vergleichende Uebersicht der Witterung des Monats August 1882 in Nordamerika und Lentraleuropa. (Mit- theilung von der deutschen Seewarte). Kleine hydrographische Notizen. 1) Einsegelung in die Bucht von Salona, Golf von Korinth, 2) Mündung des Ogowéflusses, Westküste von Afrika, 3) Ankerplaß in der Clarence-Bucbt, Insel Ascension, 4) Insel Astove, Kanal von Mozambique, 5) Saya de Malha-Bank, Indischer Ozean, 6) (D 8.) Riff am nördlichen Cingange in die Gatparstraße, 7) An- segelung der Yung hin-Bucht und Lage der Jnsel Mouchez, Ostküste von Korea, 8) Bucht von Fusan, 80- Küste von Korea, 9) Matatea-I. und Matahiva-I., Paumotou-Archipel, 10) Strömungen in der Koreastraße, 11) Eröffnung und Schließung der Schiffahrt im Hafen von Montreal, St. Lorenz-Strom, 12) Tiefseefauna im Meerbusen

von Biscaya. Anzeige der Kartentafel Nr. 24. Tabellen. Kartenbeilagen.

Statistische LKahrichten.

Das soeben erschienene Oft oberheft zur Statistik des Deutschen Reichs enthält vorläufige Nachweisungen des Flächeninhalts der mit Taba> bepflanzten Grund- stü>e sowie der Zahl der Tabackpflanzer und der Taba>- pflanzungen im deutschen Zollgebiet für das Ernte- jahr 1882/83. Danah wurden im laufenden Jahre von 215 048 Pflanzern 294 469 Grundstü>e mit einem Gesammtflächen- inhalt von 22257 ha mit Taba> bepflanzt, wogegen im Jahre 1881 eine Fläche von 27244 ha, also 4987 ha mehr, mit Taba> bebaut worden waren. Von dem Gesammtflächeninhalt der im Jahre 1882 mit Taba>k bepflanzten Grundstü>e fallen 5364 ha (6997 im Vor- jahr) auf das Königreih Preußen, darunter 2130 ha auf die Provinz Brandenburg und 1014 ha auf Pommern, ferner 5302 ha (6456 im Vorjahr) auf Bayern, 205 ha (302 im Vorjahr) auf Württemberg, 7006 ha (8459 im Vorjahr) auf Baden, 978 ha (1161 im Vorjahr) auf das Großherzogthum Hessen und 2928 ha (3262 im Vorjahr) auf Elsaß-Lothringen. i

Ueber das niedere-Unterrichtswesen in Elsaß- Lothringen stellt die „Gemeinde-Zeitung für Elsaß-Lothringen“ in einer tabellarishen Uebersicht folgende Daten zusammen: Am 1. April 1882 betrug: 1) an öffentlihen Schulen die Zahl der Knaben- Schulklassen 976 mit 51 123 Schülern, davon kamen auf den Bezirk Uniter-Elfaß 240 Klassen mit 12 986 Schülern, Ober-Elsaß 426 Klassen mit 22 449 Scülern und Lothringen 310 Klassen mit 15688 Schülern ; die Zahl der Mädchen-Schulklassen 987 mit 47 912 Schülern, davon im Unter-Elsaß 237 Klassen mit 12226 Scülern, Ober-Elsaß 447 Klassen mit 21 854 Schülern und Lothringen 303Klassen mit 13 832 Schülern; die Zahl der Klassen an gemis{hten Scbulen 2481 mit 115968 Scbülern, und zwar im Unter-Elsaß 1260 Klassen mit 62 504 Schülern, Ober-Elsaß 468 Klassen mit 22 302 Schülern und Lothringen 753 Klassen mit 31162 Schülern. Die Zahl der Klassen an fatholisben Schulen betrug 3479 mit 167 138 Scülern, davon im Unter-Elsaß 1147 Klassen mit 57 589 Schülern, Ober-Elsaß 1017 Klassen mit 51 199 S%hülern und in Lothringen 1315 Klassen mit 58 350 Schülern. Die Zahl der Klassen an protestantischen Schulen belief fiG auf 621 mit 32326 Schülern. davon im Bezirk Unter - Elsaß 524 Klassen mit 27467 Swülern, Ober-Elsaß 57 Klassen mit 2811 Scülern und Lothringen 40 Klassen mit 2048 Schülern. Die Zahl der Klassen an “israelitisden Schulen betrug 67 mit 2392 Scbülern, davon im Unter-Elsaß 50 Klassen mit 1743 Schülern, Ober-Elsaß 8 Klassen mit 435 Scülern und in Lothringen 9 Klassen mit 214 Schülern. Die Zabl der Klassen an fonfessionell gemisbten Schulen betrug 277 mit 13 147 Schülern, davon im Unter-Elsaß 16 Klassen mit 217 Schülern, Ober-Elsaß 259 Klassen mit 1216) Schülern und in Lothringen 2 Klassen mit 70 Schülern. Die Gesammtzahl der Schulklassen an öffentlihen Schulen betrug 4444 mit 215 003 S{ülern, davon im Bezirk Unter-Clsaß 1737 Klassen mit 87 716 S{ülern, Ober-Elsaß 1341 Klassen mit 66 605 S{ülern und in Lothringen 1366 Klassen mit 60 682 Schülern. Das Lebrer- personal seßte si< zusammen aus 2417 weltlichen und 16 geistlichen Lehrern; hiervon waren 1955 Hauptlehrer und 478 Unterlehrec ; ferner aus 672 weltliwen und 1289 geistlihen Lehrerinnen; von Letz- teren waren 1048 Haupt- und 913 Unterlehrerinnen. Am 1. April 1882 betrug 2) an freien Schulen die Gesammtiabl der Scbul- flassen 168 mit 6096 Schülern; hiervon waren Knaben-S{ulklassen 40 mit 1710 Sülcrn, und zwar im Unter-Elsaß 7 Klassen mit 302 Schülern, Ober-Elsaß 13 Klassen mit 543 Schülern und in Lothrin- gen 20 Klassen mit 865 Schülern; es bestanden ferner 78 Mädcben- Schulklassen mit 2484 S{ülern, und zwar im Unter-Elsaß 38 Klassen mit 1128 Schülern, Ober-Elsaß 4 Klassen mit 116 Schülern und in Lo- thringen 36 Klassen mit 1240 Schülern; endlich bestanden 50 gemischte Scbulklassen mit 1902 Scülern, und zwar im Unter-Elsaß 4 Klassen mit 138Scbülern, Ober-Elsaß 42 Klassen mit 1627 Schülern und in Lothringen 4 Klassen mit 137 Schülern. Von der Gesammtzabl der Klassen an freicn Schulen waren 107 katholishe mit 3882 Schülern, und zwar im Unter-Elsaß 22 Klassen mit 654 Schülern, im Ober-Elsaß 28 mit 1057 Schülern und in Lothrinaen 57 mit 2171 S<ülern ; es waren protestantishe 26 mit 842 Schülern, und zwar im Unter- Elsaß 19 Klassen mit 672 Schülern im Ober-Elsaß 6 mit 145 Schülern und in Lothringen 1 Klasse mit B Schülern; die Zahl der israelitishen Schulklassen betrug 8 mit 255 Schülern, und zwar im Unter-Elsaß 2 Klassen mit 65 Scülern, im Ober-Elsaß 4 Klassen mit 144 Schülern und in Lothringen 2 Klassen mit 46 Schülern; konfessionell gemishte Schulklassen existirten mit 1117 Schülern, davon im Unter-Elsaß 6 mit 177 Schülern, Ober-Elsaß 21 mit 940 S@ülern. Das Lehrerpersonal an den freien Schulen setzte sich zusammen aus 51 weltlichen und 13 geistlichen Lehrern sowie aus 45 weltlichen und 60 geistlichen Lehrerinnen. 3) Kindersäle de- standen für Knaben 1, für Mädcen 5, für Knaben und Mädchen 427, zusammen 433 ; davon waren fatholis<e 309, protestantische 71 israelitishe 2 und fkonfessionel gemishte 51. Die Zabi der Schüler in denselben betrug 37 947, und zwar im Uater-Clsaß 16 571, Ober-Elsaß 12437 und in Lothringen 8939: das Lehrer-

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personal bestand aus 206 weltlihen und 294 geistlichen Lehrerinnen. —4)Fortbildungss<{<ulen bestanden 129 mit 2630 Scbülernz- von diesen Schulen waren 120 Knakten-, 7 Mädchen- und 2 gemischte Schulen; es waren ferner 87 katholische, 22 protestantische, 2 israeli- tische und 18 fonfessionell gemischte bildungëshulen waren 148 weltlide Lehrer, sowie 6 welt- lide und 1 geistlihe Lehrerin thätig. 5) Pensionate und Töchterschulen exiflirten 80 mit 6850 Sülern, und zwar 3 für Knaben, 76 für Mädchen ; es waren hiervon 42 fatholis<e, 15 pro- testantische und 1 igraelitis<es Institut. Das Lehrerpersonal bestand aus 76 weltlichen und 13 geistlichen Lehrern, sowie aus 177 weltlichen und 142 geistliben Lehrerinnen. 6) Mittels{<ulen bestanden 7 mit 880 Scbülern, davon im Unter-Elsaß 4, Ober-Elsaß 1 und in Lothringen 2; an denselben waren 39 weltlihe Lehrer thätig. 7) Lehrerbildungsanftalten existirten 13 mit 831 Schülernz es waren hiervon 6 Lebrerseminare mit 436 Scülern, 3 Lehrerinnen- seminare mit 195 Schülerinnen und 4 Präparandensbulen mit 200 Schülern. Der Konfession na waren von den Schülern 651 Katho- lifen, 165 Protestanten und 5 Jsraeliten und der Heimath nah 724 aus Elsaß-Lothringen und 107 aus dem übrigen Deutschland.

Scbulen. An den Fort-

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Ein für weite Kreise sehr rüßlihes Bu ist unter dem Titel: „Postbuc<h zum Gebrauch für das Publikum in Berlin (und Umgegend)“, im Auftrage der Kaiserlichen Ober-Postdirektion zu Berlin herausgegeben, dieser Tage ershienen. Schon eine kurze Auêlese aus dem langen Inhaltsverzeihniß wird erkennen lassen, welche Fülle von oftmals und vielfa< brauchbaren Mittheilungen und Bestimmungen über den Postbetrieb und -Verkehr in dem handlichen Buch gesammelt is. Da haben wir zunächst ein vollständiges alpha- betisches Verzeichniß der Straßen und Pläße Berlins, ferner Ver- zeichnisse der Postannahme-Stellen und die darauf bezüglichen Be- stimmungen, der im Berliner Bezirke vorhandenen Postbriefkasten sowie der von Berlin abgehenden und ankommenden Posten u. \. w. Dann folgen die allgemeinen Bestimmungen in Bezug auf die Ver= sendung und speziell der Einschreibsendungen, der Briefe mit Postzu- \stellungsurkunde, der gewöhnlichen Briefe, Postkarten, Dru>sachen, Waarenproben und Geschäftspapiere sowie die Portosäße für Brief- sendungen sowohl für Guropa wie für das ganze Gebiet des Welt- postvereins und der niht zum Weltpostverein gehörigen Länder in Asien, Afrika, Amerika und Australien. Weiter finden wir die Be- stimmungen über Postanweisungen, Postaufträge , Postnahnahme- sendungen und über die Versendung von Packeten ohne Werthangabe, sowie von Briefen und Packeten mit Werthangabe, cine Zusammen- stellung der im Weltpostverein gültigen allgemeinen Versendungs- bedingungen für Postpackete, die Portotare für Pakete ohné Werth- angabe und für Briefe und Pacete mit Werthangabe nah dem Reichspostgebiet, Bayern, Württemberg und Oesterrei, den Post- tarif für frankirte Pa>kete ohne Werthangabe und ohne Na<nahme bis 3 kg nah dem Auslande nebst Angabe der wesentlihen Ver- sendungsbedingungen, und Verzeichnisse: sämmtlicher Postorte un Reichs-Telegraphenämter im deutschen Reichspostgebiet mit Angabe des Ober-Postdirektions-Bezirks, in welchem dieselben liegen, und der Entfernungéstufe von Berlin; der bedeutenderen Orte in Bayern, Württemberg und Oesterreich - Ungarn, sowie ein Verzeichniß gleich- namiger oder ähnlich lautender Postorte. Aus dem weiteren Inhalte des Buches erwähnen wir no< die allgemeinen Bestimmungen in Bezug auf die Bestellung u. \. w., ein Verzeichniß der Ortschaften der Kreise Teltow und Niederbarnim mit Angabe der Bestellungs- Postanstalten, die Nachrichten für das Publikum bei Versendung von Lelegrammen, und \{ließili< die Mittheilungen über die Stadt-

ernsprecbeinrihtung in Berlin und die Benußung der öffentlichen

ernspre{stellen in Berlin bezw. in Charlottenburg. Man sieht, es ist in dem kleinen Bande über postalishe Verhältnisse Alles zusam- mengetragen, was für das große Publikum irgend von Interesse ift, so daß dem Buche eine große Verbreitung nit fehlen sollte.

In “W. Moesers Hofbuchhandlung hierselb sind die be- kanntesten Kernsprüche des Reichskanzlers Fürsten von Bismar> unter dem Titel: „Bismar>ks geflügelte Worte im Bild und Schrift“ in einer neuen Prachtausgabe in 48 in stylisirtem Typendru> erschienen. 26 Blätter tragen die Aussprücbe, die von bewährten Künstlerhänden meist in humoristisher Weise illustrirt sind. Ein Gedicht von Rud. Loewenstein leitet die Sammlung ein. Die Ausftattuna des Buchs ist des Inhalts würdig, und um dasselbe Vielen zugänglich zu machen, selbst der Preis Pn des Prachteinbandes auf nur 5 H gestellt.

„Vater Hennefuß* betitelt si eine von dem Archidiakonus an St. Clisabeth, Baumann, verfaßte, im Verlage von Arreprid Scbulze hier erschienene kleine Schrift, deren Gegenstand cin Berliner Bürger ist, dessen äußerer Lebensgang zwar wenig Stoff für Biographen bietet er war Bandagist und starb 1827 dessen Seelenleben aber umsomehr Interesse erwe>t, als sih in demselben das unbefrie- digte Bedürfniß des Geistes in der Zeit des Rationalismus abspie- gelt. „Bald Pietist, bald Quietist, bald Quäker, bald Sweden- borgianer, und do keins von allen, niht orthodox, nicht heterodox, nit Sektirer, au< niht Anhänger einer Kirhe, man<hmal Theo- soph, und doc ein ganzer Mann, ein ganzer Christ“, dieses Räthsel, welches Hennefuß bietet, hat der Verfasser gleichzeitig zu lösen ver- sucht, wobei namentli< das Verbältniß, in welhem Hennefu zu Scleiermadcher stand, beachtenswerth ift.“ Das Tagebuch, welches Hennefuß hinterlassen hat, bildet die Grundlage der Schrift. (Preis

1,50 M)

„Um Paris“, Unter diesem Titel hat der Professor Dr. A. Brenne>e in Ciberfeld in einer besonderen Ausgabe eine Erzählung veröffentlicht, welhe den Lesern vieler Zeitungen bereits aus den Feuilletons desselben bekannt geworden ist. Der Schauplatz der Er- zäblung ist Paris ur.d seine Umgegend in den Tagen der Belagerung im Jahre 1871, an welcher der Verfasser selb Theil genommen hat. Die Oertlicbkeiten und die kriegerishen Ereignisse sind daher mit Treue gescildert, was das Interesse an dor bineingeflohtenen Handlung nur erhöhen kann. Der Verfasser zeigt ih als feiner Beobadbter, der das, was er gesehen, au plaftish wiederzugeben versteht ; die Hand- lung ift spannend und die Sprathe fließend, das Ganze aber von einem woblthuendean, sittliben und patriotishea Hau durhweht, wie überhaupt auf den Gehalt der Erzählung mehr Gewicht gelegt worden ist als auf äußere Zuthaten. Das Buch ist von Cäsar Schmidt în Zürich verlegt.

„Deutsche Jugend*, herautgegeben vonJulius Loh- meyer, Verlag von Alphons Dürr in Leipzig. Diese \{ône und gediegene Unterhaltungésschrift für Knaben und Mädchen, welche von dem preußischen Unterrihts-Ministerium und ebenso von dem badischen Ober-Schulrath empfoblen ist, neuerdings au die Anerkennung des württembergisben Unterrichts-Ministeriums uad die ehrenvolle zeibnung der Widmungsannahme der En Volksautgakbe des Werkes dur Jhre Feajena! die Kaiserin und Jhre König- lihe Hoheit die Großherzogin von Baden erfuhren, hat soeben ihren 20. Band vollendet, der si aufs neue dur treffliche Beiträge auszeichnet. Wir nennen u. a. die Erzählungen von Julius Sturm, Emil Frommel, Heinrih Seidel, Augnst Beer, hann von Wildenradt, die lebensvollen Charafkterbilder und Biographien von

edor von Köppen, J. Stieler, A. W. Grube, Adolf und Carl

üller, Friy Werni>, Julius Lohmeyer u. A, welche von kleinen Meisterwerken der Jllustration von Woldemar Friedri, Eugen Klimsch, Fedor Flinzer, H. Lüders, W. Claudius, ul Thumann u. v. A. begleitet werden. Der neue 21. Band für das Winter- balbjahr wird, wie der Prospekt besagt, unserer Jugend cine Fülle werth- voller Gaben bieten. Wir maden u. a auf die folgenden aufmerksam. Die Erzählungen: Der Gaisbub von Julius Lohmever, illustrirt von E. Klim; Der junge Ulan von H. Büchner, illustrirt von W.

Heine; Revnald, historische Erzählung aus der en [Sen 5 tions- e e S Bs, N rt eon W. f 8, Mirgen un , s

Ad. mbervs Ne Bent

A. Godin, ferner Vamberys Neise dur den von Osw, Steia; Spaziergang auf den Aetna von Friy Werni>; Das

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