1882 / 303 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Provinz Westpreußen. Auweis Regierungsbezirk Danzig. nweisung zum Anleiheschein des Kreises Marienburg, 11. Ausgabe, Buchstabe . . Nr über Mark Reichswährung, 5 Der Inhaber dieser Bunge Bang gegen deren Rücktgabe dem Anleiheschein des Kreises Marienburg, I. Ausgabe, Buch- 2. EE über . . . . Mark Reichswährung zu vier Prozent Zinsen die . . Reihe Zinsscheine für die fünf Jahre vom . . ten . 18... bis . ten ..….. 18 .. bei der Kreis-Kommunalkafse zu Marienburg, und bei den mit der Zinsenzahlung betrauten Stellen in Berlin und Dans sofern dagegen Seitens des als solcher legitimir- ten Inhabers des Anleihescheins kein Widerspruch erhoben ift. Marienburg W. Pr., den . . ten 15 Der Kreis- Aus\{huß des Kreises Marienburg W. Pr. (Unterschriften.) Die Unterschriften können mit Lettern oder edruckt werden, doch muß jede Anweisung mit

Anmerkung. Facsimilestempeln der cigenhändigen werden.

Die Anweisung is zum Unterschiede auf der ganzen Blattbreite unter den beiden leßten Zinsscheinen mit davon abweichenden Lettern in nachstehender Art abzudrucken :

. . ter Zinsschein. . „ter Zinsschein.

Anweisung.

Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten.

Der Privatdozent Dr. Alfred Hillebrandt is zum außerordentlichen Professor in der philosophishen Fakultät der Universität Breslau ernannt worden.

Am Friedrihs-Werdershen Gymnasium in Berlin ist die

Beförderung des ordentlichen Lehrers Dr, Hermann Kallen-

berg zum Oberlehrer genehmigt worden. :

Den Oberlehrern Johannes Barthel und Ludwig von S an dem Gymnasium zu Neustadt is das Prädikat Professor beigelegt worden.

Dem Lehrer an der Königlihen Gewerbe- und Handels- \{ule zu Cassel, Maler Karl Merkel, ist das Prädikat Professor beigelegt worden. / i

Der praktishe Arzt Dr. Geisler zu Hechingen ist zum Ober-Amtswundarzt des Ober-Amtsbezirks Hechingen er- nannt worden.

Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten.

Dem Thierarzt Heinrich Christoph Theodor Mehrdorf zu Beuthen ist die von ihm bisher kommissarish verwaltete Kreisthierarztstelle für die Kreise Beuthen und Kattowitz definitiv verliehen worden.

Ministerium der öffentlichen Arbeiten.

Der Bergrevierbeamte, Bergrath Arlt ist von Ratibor nach Waldenburg verseßt und der Berg-A}sessor Hoffmann in Breslau, unter Beilegung des Charakters als Bergmeister,

um Bergrevierbeamten ernannt worden. Dem Bergrath rlt ward die Verwaltung des Berareviers „Westlih Wal- denburg“ und dem Bergmeister Hoffmann die Verwaltung des Bergreviers Ratibor übertragen.

Nichtamitlicßes. Deutsches Neich.

Preußen. Berlin, 27. Dezember. Se. Majestät der Kaiser und König wohnten gestern dem Gottesdienst im Dome bei, empfingen später den K. K. österreichischen Militärbevollmächhtigten, Major Freiherrn von Steininger, besuhten Se. Königliche Hoheit den Prinzen Carl und machten sodann eine Spazierfahrt. i

Heute nahmen Se. Majestät den Vortrag des Geheimen Civil-Kabinets sowie die Meldungen des General-Lieutenants von Caprivi, des Königlich württembergishen General- Lieutenants von Faber du Faur und des Oberst-Lieutenants von Merdckel entgegen. G

Ferner hatte Se. Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Carl bei Sr. Majestät eine Abschiedsaudienz.

Die Weihnachtsbesherung fand am heiligen Abend bei den Kaiserlichen Majestäten im Palais für die Königliche Familie und die Hofstaaten statt.

Jhre Majestät die Kaiserin und Königin wohnte an beiden Feiertagen dem Gottesdienst in der Kapelle des Augusta- Hospitals bei,

Heute findet im Königlichen Palais, wie alljährlich am Zahress{luß, ein Diner für die hier anwesenden Botschafter mit ihren Gemahlinnen statt,

Jhre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin wohnten am ersten Weihnachtsfeiertage, Vormittags, mit Jhren Königlichen Hoheiten den Prinzessinnen Victoria, Sophie und Margarethe dem Gottesdienst im Dome bei, i

Um 5 Uhr fand bei Jhren Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten das Familiendiner statt. i

Se. Kaiserlihe Hoheit der Kronprinz begab Sih um 7 Uhr zu Zhrer Majestät der Kaiserin und Königin zur Weihnachtsbescherung der Zöglinge des Augusta-Hospitals und besuchte später die Vorstellung im Opernhause.

Gestern Vormittag 10 Uhr begaben Sich Jhre Kaiser- l und Königlichen eyen der Kronprinz und die Kron-

zessin mit Zhren Königlichen Hoheiten den Prinzessinnen

ictoria, Sophie und Margarethe nah Bornstedt zur Weih- nachtsbescherun und kehrte mit dem 2-Uhrzuge von Pots- dam nach Berlin zurü.

Um 4 Uhr fand im Kronprinzlichen Palais ein Kinder-

ute Vormittag 81/2 Uhr fuhr Se. Kaiserliche heit der Kronprinz zur Jagd nach Potsdam. Do

Der Bundesrath, die vereinigten Auss{hlisse dessel- ben e Rechnungswesen und für Elsaß-Lothringen sowie der Ausshuß für Rehnungswesen hielten heute Sißzungen.

Nach Mittheilungen aus Jtalien ist von der Direktion für Ausrüstung des zweiten Marine-

amensunterschrift eines Kontrolbeamten versehen

S

Departements in Neapel für den 8. Januar k. J., bis Mittags 12 Uhr, eine Submission auf die Lieferung von Droguen, Farben, Pinseln und Shwämmen zum Taxwerthe von 43 360,50 Lire ausgeschrieben worden.

Ueber die speziellen Bedingungen ist das Nähere an Ort und Stelle einzusehen.

Nah einer Cirkularverfügung des Finanz-Ministers vom 24. v. M. unterliegen kommissari\sch fungirende Steuersupernumerare niht den Bestimmungen des Wittwenpensionsgeseßes.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Kaiserliche Unter-Staatssekretär Dr. von Mayr is} hier angekommen.

Der Königlich bayerische Gesandte ani hiesigen Aller- höchsten Hofe, Graf von Lerchenfeld-Köfering, hat Berlin mit kurzem Urlaub verlassen. Während seiner Ab- wesenheit fungirt als interimistisher Geschäftsträger der Lega- tions-Sekretär Freiherr von Podewils.

Der General-Lieutenant von Caprivi, bisher be- auftragt mit der Führung der 30. Division, is anläßlich seiner kürzlih erfolgten Beförderung sowie Ernennung zum Commandeur der Division zur Abstattung persönlicher Mel- dungen aus Mey hier eingetroffen. “s

__— Der Königlich württembergische Militärbevollmächtigte hierselbst, General-Major von Faber du Faur ist zum Ge- neral-Lieutenant befördert worden.

Se. Königliche Hoheit der Prinz Carl hat dem Domänenpächter Jaekel in Buntowo den Charakter als Königlich Prinzlicher Ober-Amtmann verlichen.

Als Aerzte haben sich niedergelassen die Herren: Dr, Behrendt und Dr. Simon in Königsberg in Pr., Dr. Dembowski in Nordenburg, Dr. Noht in Bromberg, Dr. «Jacobs in Dortmund, Dr. Roetger in Schalksmühle, Dr. Ocken in Laer, Dr. Koepe in Camen, Dr. Cramer in Haspe, Dr. Rumpf und Dr. Prior in Bonn.

S. M. Kanonenboot „Albatroß“, 4 Geschüße, Kommandant Korvettenkapitän von Pawelsz, ist am 21. No- vember cr. in Montevideo,

S. M. S. „Nymphe“, 9 Geshütßze, Kommandant Kor- vetten-Kapitän Dietert, am 22. Dezember cr. in Palermo,

S. M. S. „Elisabeth“, 19 Geschüße, Kommandant

G J See Hollmann, am 13. November cr. in Swatow,

. M. S. „Gneisenau“, 16 Geschüße, Kommandant Kommodore Freiherr v. d. Golß, am 24. d. M. in Kiel eingetroffen.

Hessen. Darmstadt, 24. Dezember. (W. T. B.) Der Großherzog hat folgenden Erlaß an den Provinzial-Di- reftor Küchler zu Mainz gerichtet: Aus dem, was ih bei meiner persönlichen Anwesenheit in den am Ende vorigen Monats von dem Hochwasser des Rheins besonders {wer betroffenen Gemeinden erfahren und aus Jhren Berichten habe ih mit lebhafter Genugthuung entnommen, wie die Bewohner von Lau- benheim, Bodenheim und Nackenheim in opferwilliger Nächsten- liebe und thatkräftiger Besonnenheit gewetteifert haben, ihren bedrängten Mitbürgern zur Rettung von Leben und Eigenthum beizustehen. Es ist mir ein Bedürfniß, diese Thaten bürger- lihen Muthes und {(#£'st ezessender Hingabe sür Andere ausdrücklih anzuerkæogenannt/a aber die Zahl derer, die si in solher Weise verbum"gèmacht, so groß is, daß bei jeder Auswahl die Gefahr nicht ausgeschlossen werden könnte, gleiche Verdienste unabsihtlich zu übergehen, so habe ih be- schlossen, den drei Bürgermeistern, Möhn zu Laubenheim, Schöller zu Bodenheim und Mann zu Nackenheim, welche an Umsicht und Thatkraft ihren Ortsangehörigen vorangeleuhtet Jovtn, als Vertreter ihrer Gemeinden das Ritterkreuz zweiter

lasse meines Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.

Neuß à. L. Greiz, 21. Dezember. (Leipz. Ztg.) Der regierende Fürst ist heute Morgens aus Nachod in Böhmen wieder hierher zurückgekehrt. Jn der heutigen Sitzung des Landtags wurden die Etats durhberathen und für die Landeskassenrehnung der Jahre 1879, 1880 und 1881 Decharge ertheilt. Nah den Feststelungen ergab \ich Folgendes : A, Aktiva: im Jahre 1879 (eins{chl. 249 700 M Grundbesiß und 687067 F# Werthpapiere und Guthaben, erstere zum Courswerthe vom 29. Dezember des Vorjahres) 1033 165,38 M, hingegen 1881 (eins{l. Grundbesiß in der angegebenen Höhe und 71179675 M) 1077894,93 M B, Pasfiva: 1879 (inkl. 338700 # 4 proz. Staatsschuld- scheine und 118 995,49 F unverzinsl. Rest des Vorschusses) 1 028 449,65 A, hingegen 1881 (inkl. 343650 M 4 proz, Staatsschuldscheine und 96 059 Vorschuß) 955 191 # Es ergab sich daher ein Uebershuß der Aktiven: 1879 in Höhe von 4715,73 M, 1880 ein solher von 38 851,09 4 und 1881 in Höhe von 122 703,78 M

Elsaß - Lothringen. Straßburg, 23. Dezember. Vom 1. Januar 1883 ab werden die Amtsblätter des Ministeriums und der drei Bezirke durch ein „Central- und Bezirks-Amtsblatt für Elsaß-Lothringen“ erseßt werden. Dasselbe wird enthalten: 1. Nachrichten über den Jnhalt der jeweils ershienenen Nummern des Reichsgeschz- blatts und des Geseßblatts für Elsaß-Lothringen ; 11, Ver- ordnungen und Erlasse des Kaiserlihen Statthalters und des Ministeriums für Elsaß-Lothringen, welche nicht im Gesetblatt für Elsaß: Lothringen erscheinen; 111, Verordnungen und Er- lasse der VBezirkspräsidenten ; IV, Erlasse anderer Landesbehörden und Erlasse von Reichsbehörden, welche ür Elsaß - Lothringen von besonderer Wichtigkeit ind; V, Personal - Nachrichten. Abdrüde größerer Be- fanntmahungen welhe nur für einzelne Bezirke von Jnteresse sind, werden besonders an die Amtsblatt- empsänger dieser Bezirke versendet und im „Central- und Bezirks-Amtsblat(“ nur angefündigt. Das „Central- und Bezirks-Amtsblatt“ wird allwöchentlih Sonnabends erscheinen. Nach Bedürfniß werden Extranummern ausgegeben werden. n der „Gemeinde-Zeitung für Elsaß-Lothringen“ werden

rvrdnungen und Erlasse des Kaiserlichen Statthalters und des Ministeriums in Zukunst niht mehr veröffentlicht.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 24. Dezember. (W. T. B.) Der Kaiser hat den Kronprinzen Rudolf zum d marscall-Lieutenant und Vize-Admiral extra statum im See- Offizier-Corps ernannt,

27. Dezember. (W. T. B.) Alle Blätter ohne Unterschied der Parteistelung bringen anläßlih des 600jährigen Jubiläums der Dynastie Habs- burg Festartikel. Aus allen Theilen des Landes laufen Berichte über patriotische Feiern in den Kirchen und Schulen aller Konfessionen ein. Hier wurde ein feierliches Hoh- amt celebrirt, an wel{chem der Kaiser und die Mitglieder der Kaiserlichen Familien theilnahmen. Später empfingen die Majestäten die verschiedenen Deputationen zur Entgegennahme der Glückwünsche. Der Bürgermeister überreichte an der Spiße einer Deputation cine reie ate i das Episkopat Ober- österreihs und Niederösterreihs unter Führung des Erzbischofs. Ganglbauer unterbreitete seine Glückwüns

che. Großbritannien und Jrland. London, 24. De- zember. (W. T. B.) Der Bischof von Truro, Dr. Benson,

hat die Ernennung zum Erzbischof von Canterbury

angenommen.

23. Dezember. (W. T. B) Eine der Admiralität aus Suez zugegangene Depesche meldet, daß zwei der Be- duinen, welhe den Professor Palmer ermordet haben, in der Wüste gefangen genommen worden sind, und daß die Er- greifung aller Uebrigen binnen 14 Tagen erwartet wird.

25. Dezember. (W. T. B.) Den „Daily News“ zufolge wird der Unter-Staatssekretär Dilke an Stelle Dodsons als Präsident des Lokalregierungsamtes (Loca] Government Board) in das Kabinet eintreten und Dodson zum Kanzler des Herzogthums Lancaster ernannt werden.

Dublin, 24. Dezember. (W. T. B.) Gestern Abend wurde die gestrige Nummer des Wochenblatts „United Jreland“ wegen eines darin enthaltenen Artikels des Deputirten O’Brien, durch welchen zu Gewaltthätigkeiten und Einschüchterung aufgefordert wird, mit Beschlag belegt. Der Eigenthümer des Blatts veranstaltete eine neue Auflage, s großen Abjaß fand. OD'Brien soll gerichtlich belangt werden. -

26. Dezember. (W. T. B.) Der in Columbia auf die Selbstanklage, an dem Morde Lord Cavendishs theilge- nommen zu haben, verhaftete William Westgate ist wieder freigelassen worden, da der Staatsanwalt erklärte, derselbe könne an dem Verbrechen nicht theilgenommen haben.

Frankreich. Paris, 23, Dezember. (W. T. B.) Die Kreditforderung für die Expedition nah Tonkin ist bis zur Session im Januar verschoben worden. Jnzwischen werden dem Kommandanten Rivière Verstärkungen nah Hanoi gesandt werden.

Die Nachricht von der Ernennung Clavery's zum Generalkonsul in Tripolis und Férauds zum General- konsul in Kairo bestätigt sich nicht.

Der Senat stellte in dem Budget des Ministeriums des Aeußern den Posten von 20 000 Frcs. für auswärtige Mis- sionen wieder her, genehmigte die Budgets der Ministerien des Jnnern, der Posten und der Kulte unverändert und nahm den Geseßentwurf, betreffend die Formirung eines Corps gemischter Truppen für Tunesien, an.

24. Dezember. (W. T. B.) Nach den Mittheilungen der Journale ist der Zustand Gambetta's so befriedigend wie möglich; die Shmerzen in der Seite haben \sich vermindert. Von Seiten der Aerzte wird keine Komplikation mehr befürchtet und baldige Genesung in Aussicht gestellt. i

2%. Dezember. (W. T. B.) Dem Journal „Justic e“ zufolge sind 3 polnische Sozialisten ausgewiesen worden.

26. Dezember. (W. T. B.) Die Deputirten- kammer berieth heute über die Subvention der Lyceen, Der betreffende Geseßentwurf wurde angenommen. Morgen wird die Kammer sich mit dem Kredit für Tunis beschäftigen. Der Senat stellte in dem Kultusbudget den Kredit von 3000 Fr. für den Geistlihen des Militär-Prytaneums, welchen die Kam- mer der Deputirten geftrihen, wieder her und reduzirte die Subvention für den Primärunterricht um eine Million Francs.

Toulon, 24. Dezember. (W. T. B.) Die Rüstungen im Kriegshafen werden auf Anordnung des Ministeriums fortgeseßt. Zum Transport von etwa tausend Mann Tru p- pen nah Ton fin werden gegenwärtig die Dampfer „Corrèze“ und „Shamrock“ armirt. Dem Vernehmen nach steht die Ankunft von Truppen aus den Nordhäfen zu erwarten.

Spanien. Madrid, 24, Dezember. (W. T. B.) Die Deputirkenkammer hat den Antrag auf Reform der Verfassung mit 221 gegen 18 Stimmen abgelehnt und sih bis zum 8, Januar vertagt. Der Senat nimmt seine Sitzungen ebenfaUs ers am 8. n. M. wieder auf.

Italien. Rom, 23. Dezember. (W. T. W.) Der russische Minister des Aeußern, v. Giers, ist in Palermo angekommen. Der neue rumänische Gesandte Balaceano überreichte heute dem Kön ig seine Beglaubigungsschreiben.

24. Dezember. (W. T. B.) Das hiesige Zucht- polizeigericht hat gestern cinen der Ruhestörer, welche anläßlih der Hinrihtung Oberdanks Demonstrationen versuchten, zu einem Monat Gefängniß und in die Kosten verurtheilt; die übrigen Angeklagten wurden fceigesprochen. Am Dienstag werden abermals vier Personen, welhe wegen ähnliher Ruhestörungen gestern Abend verhaftet wurden, vor Gericht gestellt werden. t

2. Dezember. (W. T. B.) Der Papst empfing gestern die Gratulationen des heiligen Kollegiums. Auf die Ansprache des Kardinals di Pietro erwiderte der Papst: Er empfange die Wünsche der Kardinäle als ein

eichen der Hoffnung auf bessere Zeiten. Der Gang der Ereignisse enthülle immer mehr die Kühnheit der Feinde der Kirche. Mehrere italienishe Diözesen seien ohne Hirten, auh sei jüngst ein neues Attentat auf die Unabhängigkeit und Souveränetät des Papfstthums begangen worden. Man sehe gegen- wärtig die ehedem von politisher Klugheit und Staatsraison diktirte Rücksicht bei Seite, und o anderwärts die Volks- vertretungen die große moralishe Macht des Papstthums proklamirten, so verzichteten doch die Regierungen auf die Beziehungen zu dem päpstlichen Stuhle, und doch seien es die Päpste gewesen, welche Ztalien von den Barbaren erreltet, demselben die religiöse Einheit erhalten und aus demselben eine ruhmreihe und beneidete Nation gemacht hätten. Troß alledem werde der Papst seine hohe Mission fortseßen, die Rechte und die Jnteressen der Kirhe zu vertheidigen.

fordere die Kardinäle, Bischöfe und Gläubigen zur Mit- wirkung auf. s

Neapel, 25, Dezember. (W. T. B.) Wegen Theil- nahme an den anläßlich der Hinrichtung Oberdanks vorgekom- menen Demonstrationen ist ein Student zu einer e monatlichen, drei andere je zu einer einmonallihen Gefäng- nißstrafe verurtheilt worden.

Türkei. Konstantinopel, 25. Dezember. (W. T. B.) Der Pforte is Seitens Englands die Einladung zur Kon- ferenz in London für die Verlängerung der Vollmachten der europäishen Donauftfommission zugegangen. Die Pforte hat noch nicht geantwortet. Die Pforte arbeitet ein Reglement aus, durch welches der Verkauf von Loosen au s- ländischer Lotterien verboten wird.

Numänien. Bukarest, 23. Dezember. (W. T. B.) In einer heutigen Versammlung der liberalen Partei der beiden Kammern erstattete die außerparlamentarische Kommission, welche die Aufgabe hat, die zu revidirenden Artikel der Verfassung zu bestimmen, Bericht. Dieser wurde von den anwesenden Senatoren und Deputirten ge- nehmigt und unterzeihnet. Dem Vernehmen nah soll si die Revision u. A. auf die das Wahlgeseß betreffenden Ver- fassungsartikel erstreden. Auch die Einsezung eines Staats- rathes wird in dem Bericht vorgeschlagen.

26. Dezember. (W. T. B.) Jn der Deputirten- kammer wurde der Minister-Präsident gestern befragt, welche Stellung Rumänien gegenüber der demnächst in London behufs Regelung der Donaufrage zusammentretenden Konferenz einnehmen werde. Der Minister-Präsident erwiderte, alle Mächte hätten die Zulassung Rumäniens zur Konferenz in Aussicht gestellt.

Die liberale Partei der beiden Kammern hat in einer Privatversammlung mit 20 gegen 19 Stimmen beschlossen, von der Revision der Verfassung als zur Zeit inopportun Abstand zu nehmen.

Serbien. Belgrad, 26, Dezember. (W. T. B.) Der betreffende Ausshuß der Skupschtina genehmigte die Vorschläge des Kriegs-Ministers bezüglih der Heeres- organisation. Die betreffende Vorlage wird der Skupschtina demnächst zugehen.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 24. De- zember. (W. T. B.) Der Kaiser und die Kaiserin trafen estern Mittag mit Gefolge aus Gatschina hier ein, begaben ih nah dem Anitshkow-Palais und nahmen bei dem Groß- fürsten Wladimir das Diner ein. Später besuchten dieselben das Marien: Theater und kchrten alsdann nach dem Anits{chkow- Palais zurück, Heute findet im Beisein der Allerhöchsten Herrschasten aus Anlaß des Regimentsfestes des L dishen Garde-Regiments eine Parade desselben statt. - 26. Dezember. (W. T. B.) Der Kaiser und die Kaiser in wohnten gestern in der Kirch: des Anitshkow-Palais dem Gottesdienste bei. Um 12 Uhr nahm der Kaiser in der Midchael-Manege die Kirchenparade des Finnländischen Leib-Garde-Regiments ab. Nach der Parade fand im Anitshkow-Palais ein Dejeuner von 220 Gedecken statt, an welchem die Allerhöchsten Personen und deren Gefolge sowie die früheren und die jeßigen Offiziere des Finnländischen Leib- Garde-Regiments und einige hier anwesende Offiziere des Wolhy- nischen Leib-Garde-Regiments theilnahmen. Der Kaiser trank auf das Wohl beider Regimenter. Gegen 21/4 Uhr begaben \ih der Kaiser und die Kaiserin zu dem im Versammlungssaal des Adelsklub veranstalteten öffentlihen Konzert für die Er- richtung eines Denkmals Glinka’'s in Swmolensk. Als der Kaiser und die Kaiserin in der Kaiserlichen Loge erschienen, erhob si das gesammte Publikum und begrüßte die Majestäten mit enthusiastishen Hurrahs. Der Kaiser und die Kaiserin dankten. indem sie sich wiederholt nah allen Seiten ver- beugten. Als das Publikum sodann stürmisch die National- hymne verlangte, erschienen sämmtlihe Solosänger und Sängerinnen und die zahlreihen Herren- und Damenchöre in Begleitung von drei Orchestern auf der Estrade und trugen auf Verlangen des Publikums dreimal die Nationalhymne vor, nah deren Beendigung jedesmal stürmische Hurrahs folgten. Jn der Kaiserlihen Loge befanden sich außer den Majestäten noch die Großfürsten Wladimir und Michael und der Prinz von Oldenburg mit ihren Gemahlinnen. Der Kaiser und die Kaiserin wohnte dem Konzert bis zum Schlusse bei. Dasselbe bestand aus\chließlich aus Kompositionen Glinka’'s. Als sich die Majestäten entfernten, wurde abermals die Nationalhymne gesungen. Später kehrten der Kaiser und die Kaiserin nah Gatschina zurü.

26. Dezember. (W. T. B.) Das „Journal de St,. Pétersbourg“ sagt: Ausländische Blätter beschäftigen fich viel mit den Verhandlungen zwischen der russischen Regierung und dem Heiligen Stuhle, welhe zu einem günstigen Ausgange zu kommen scheinen. Dieses Nesultat wird von den Einen übertrieben, von den Anderen im Voraus ver- kleinert. Wir halten es für nüßlich, unsere Leser vor diesen ge- wagten Urtheilen zu warnen. Die römisch-katholische Kirche hat unwandelbare Dogmen, Grundsäße, Regeln und Traditionen ; andererseits haben die Regierungen civile und administrative Znteressen und Staategeseye, welchen sie niht zuwiderhandeln können. Zwischen diesen beiden äußersten Grenzen ist nur Raum für praktishe Tran«aktionen, welhe vor Allem auf thatsächlihen Fragen wie auf den gemäßigten Jntentionen der mit der Führung dieser delikaten Angelegenheiten beaustragten Personen beruhen. Papst Leo X111, hat sich von diesen guten Dispositionen beseelt gezeigt, und dieselben sind von dem Kaiserlichen Kabinet in aufrichtigster Weise aufgenommen und erwidert worden. Wir glauben, {ließt das Journal, so ist der wahre Charakter der fraglihen Arrangements. Die- seiden können gewiß dazu beitragen, Schwierigkeiten zu be- eitigen und gute Beziehungen zwishen der religiösen und civilen Macht herzustellen, deren Eintracht in den gegenwär- tigen A sozialer Unruhe mehr als je nöthig ist. Anderes darin suchen, hieße sich Täuschungen aussetzen.

Amerika. Washington, 24. Dezember. (W. T. B.) Der Senat berieth gestern die Bill über die Reform der Civilverwaltung; es wurde indeß, obschon die Sitzun bis nah 111/, Uhr Abends dauerte, bis jeyt noch keinerle Beschlu gefaßt.

Das Bureau für die Angelegenheiten der Indianer hat ein Cirkularshreiben an die in den reservirten Gebietstheilen wohnenden Jndianer erlassen, in welchem die Vielweiberei und die Aufführung verschiedener Tänze verboten, zugleih aber auf die Einführung civilisirterer Gebräuche und Einrichtungen hingewirkt wird.

Wie amtlich gemeldet wird, hat die mexikanische Re- gierung eine Kommission zur Berathung eines Handels- vertrages mit den Vereinigten Staaten eingeseßt.

New-York, 25. Dezember. (W. T. D) Aus Co- lumbia wird der Tod des Präsidenten Zald ua gemeldet.

Der Vizepräsident hat den Posten des Präsidenten über- nommen. .

27. Dezember. (W. T. B.) Nash einer Depesche aus Panama sind die Friedensverhandlungen zwischen Bolivia und Chile gescheitert in Folge der Weigerung Chiles, den beiden Kommissären Perus zu gestatten, den Konferenzen beizuwohnen.

Afrika. Egypten. Kairo, 23. Dezember. Das Dekret des Khedive, in welhem die Degradation Arabi's und der übrigen Verurtheilten ausgesprochen wird, soll morgen verkündigt werden. Die Degradation wird eine öffentliche sein und vor der Kaserne Kasr-el-Nil stattfinden. Die zur Verbannung Verurtheilten werden darauf alsbald nach Suez transportirt werden.

25. Dezember. Das Dekret des Khedive, durch welches Arabi, Abdellal, Ali Fehmi, Tulba, Mahmud Fehmi, Mahmud Sami und Yacub Sami degradirt werden, wurde heute Nachmittag im Kasernenhofe von Kasr-el-Nil vor den Gefangenen und in Gegenwart weniger Zuschauer verlesen. Die zur Verbannung Verurtheilten werden morgen früh von hier die Reise nah Ceylon antreten.

26. Dezember. Arabi und die 6 anderen nah Ceylon verbannten Hauptanstister ver Jnsurrektion sind gestern Abend 11 Uhr nah Suez abgereist, um von dort nah Ceylon eingeschifft zu werden. Das amtliche Blatt wicd morgen mehrere Dekrete des Khedive publiziren, durch welche Hassan, El Akad und Ali Buki auf 20 Jahre nach Massawah, 3 andere Angeklagte auf kürzere Zeitfristen nah Suakim und Rifaat Bey mit 19 Genossen auf Zeitfristen von verschiedener Dauer nah Orten außerhalb Egyptens verbannt, 12 andere

Angeklagte aber zur Jnternirung an ihren Wohnsißen ver- urlheilt werden.

Zeitungsftimmen.

Die „Elberfelder Zeitung“ {ließt eine Weihnachts- betrahtung mit folgenden Bemerkungen : Zum fünften Male geht nun Weihnachten dur das Land, seit die Spipen des deutschen Volkes die Verpflichtung auf sich genommen haben, dem friedlos aufgewühlten und dur{heßten Arbeiterstande die äußere Ruhe und Sicherheit einer, wenn auch noh so bescheidenen Existenz zu verschaffen, unter welchen es ihm möglih würde, den inne- ren M wieder zu gewinnen Sicherung gegen Krankheiten und die Unfälle, die seinem Gewerbe drohen, Sicherung für die Zeit, da er seine Arbeitskraft zum Besten der Gesammtwirthschaft ver- braucht haben wird. Diesmal leuchtet jenseits der Weihnachts- ferien, zu welchen der Reichstag auseinander gegangen ift, eine bessere Aussicht als je, wenigstens den ersten, wenn auch nur be- seidenen Schritt in dieser Richtung wirksamer Weise zu thun. Möchte denn nicht in leßter Stunde die Eitelkeit des Besserwifsens, die den ehrlihsten Deutschen so oft plagt, die aber noch öfter das \himmernde Gewand für kurz\ichtigen Eigennuß oder gar \{chleihendes Ueberwollen abgeben muß, das glücklich Begonnene noch in leßter Stunde scheitern machen! Möchten alle Mitglieder der Vertretung des deutschen Volkes an diesem volksthümlichen Feste sich vorhalten, O sie einem großen Theile dieses Volkes die \{chönste Weihnacbts- gabe nachzubringen haben, als ein Werk hoher Gerechtigkeit, aber auch hoher Menschenliebe! E E S E L Eo Einem „Sozialpolitishe Weihnachtsgedanken“ Üüber- schriebenen Artikel der „Schlesischen Zeitung“ entnehmen wir folgende Stellen : . . . Die alten Ordnungen, mit deren Ruinen unsere moderne sozialpolitishe Geseßgebung gänzlih ausgeräumt hat, laffen ih niht einfa wiederherstellen, wir haben nach neuen Formen zu suben. Aber an den Geist, aus dem jene Ordnungen er- wacbsen waren, muß im geläutertea Sinne unserer Zeit wieder angeknüpft werden. Dieser Geist war kein anderer als der chriftlich- germanische, den die auf dem Prinzip des Laisser fairo beruhende moderne Sozialgesegebung vollständig verleugnet hat. Wie sie den Einzelmenschen aus der Familie, aus dem Gemeinde-, aus dem Be- rufsverbande herausriß, fo auch aus dem nationalen. Alles, was sie an der Hand ihrer rein abstrakten Prinzipien geaen hat, paßt mindestens ebenso, ja ungleich besser für das Völkergemish Kali- forniens als für die deutshe Nation mit ibrer zweitausendjährigen historischeu Entwicelung.] s à Seit Jahren {on hat der nationale Geist gegen diese unserem Volke auferlegte Gesetzgebung reagirt. Aber was er erzielt hat, waren immer nur Korrekturen in einzelnen Punkten. Neue, große rinzipien waren nit zu erkennen. Da erwachte in unserem großen Staatsmanne ein vom nationalen, wie vom christliben Geiste getra- gener Gedanke, der unserer sozialen Entwickelung neue Bahnen ec- \{ließt. Soweit die Kraft des auf si selbst gestellten Indivi- duums niht ausreiht, die unseligen Folgen zu überwinden, welhe der moderne JIndustrialismus im Verein mit einer die Gesellschaft vollständig zerseßenden sozialen Ordnung über die große Masse unseres Volkes gebracht hat, vindizirt Fürst Bismarck diese Aufgabe dem christlihen Staate. Zu der manchester- lihen Theorie, welcbe . .. . den Staat auf den Nacbtwäter- dienst beshränken will, steht dieser Gedanke im denkbar \{roffsten Gegensaye, aber er hat auf den ersten Blick auch Manchen betroffen gemacht, der dieser Theorie nit huldigt. Bei unbefangener Würdi- gung unserer sozialen Verhältnisse muß indeß anerkannt werden, daß der Staat \{ließlid noch das einzige Heim ist, welches dem voll- ständig isolirten Individuum verblieben ist. Indem der Staat ch seines risilidben Charakters erinnert und die große ufgabe in die Hand nimmt, beanspruchßt er gleichzeitig das Reht für }sich, den Gemeinden neue Pflichten auf- zuerlegen und die Gewerbtreibenden in Korporationen zu vereinigen, denen er die Fürsorge für die Invaliden der Arbeit zu angemessenem Theile zuweist. So reduzirt \sich die Aufgabe des Staates im Wesentlichen zu!einer organisatorischen und observatorischen ; direkte finanzielle Hülfe zu leisten soll das große Gemeinwesen nur da berufen sein, wo die Kräfte der LOIIEY nicht ausreichen, Was bisher von Seiten einzelner Aktiengesellshaften, die das Ver- sicherungêwesen aussc{ließlich zu Erwerbäzwecken betreiben und große Dividenden und Courssteigerungen erzielen, geleistet worden ift, kann gegenüber einer solhen, die Gesammtheit aller Arbeiter umfassenden a volle Sicherheit gewährenden Organisation gar niht ins Gewicht allen. Wie sehr der Gedanke dem nationalen Füblen und Denken ent- pricht, hat die erung gezeigt, mit welcher die berrlihe Bot- chaft im weiten Vaterlande aufgenommen wurde, in der unser er- abener Kaiser die Heifano der sozialen Schäden im Wege positiver ürsorge für die Hülfösbedürftigen als die Aufgabe jedes großen emeinwesens bezeichnete, „welhes auf dem a any Fundamente des christliden Volkslebens stehe.“ Seit dem Beginne der Aera des Manwesterthums erklang hier das Wort vom christlihen Staate zum ersten Male wieder, und dieses Wort hat uns auf den natio- nalen Boden zurückgeführt. Wie das „Vorwärts* des alten Blücher einst halb Europa mit sich fortriß, so hat binnen der kurzen Frist eines Jahres dies Vorwärts unseres Kaisers bereits über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus gezündet, Im deutsch-österreichischen Reichstage if von hervorragenden Abgeordneten cine ganze Reihe von Geseyentwürfen, die auf dem gleichen Grundgedanken beruhen, in Antrag gebraht worden, und die öfsterreihishe Regierung hat zu diesen rlagen bereits in freundlicher Weise Stellung ge- nommen. Deutsche Reichstag hat, obglei er aus oppositionellen Wahlen hervorgegangen, die den gro a e petiGen Gesetzesvorlagen, în denen s der christliche

eru] des Staates zuerst bethätigen oll, sympathisch

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begrüßt, und kein Zweifel waltet, daß beide Vorlagen die ein

wohl son in dieser Session zum Gesetze erhoben werden. Alle anderweiten Beftrebungen, unsere sozialen Verhältnisse im nationalen Geiste neu zu gestalten, haben durch das Käiserliche Wort einen mächtigen Impuls erhalten. Heute son ift es in sichere Aussicht zu nehmen, daß man dem Drange des deutschen Hand- werks nach einer deligemähen Wiederaufrichtung des Innungs- wesens gerecht werten wird, indem man den fakultativen Innungen da, wo dies angezeigt erscheint, das Privileg der Lehrlingsausbildung ertheilt. Auch das Bestreben, die Arbeiter durch Zleramen der Verpflichtung, einen Personalausweis zu führen, wieder fester in die soziale Ordnung einzufügen, hat bereits entschieden Aussicht auf Er- folg. Hand in Hand mit diesen Bestrebungen gehen die auf Befesti- gung des bäuerlichen Besißzes gerichteten, bei welchen es \ich vor allem darum handelt, das alte deutshe Erbrecht in angemessener Form wieder herzustellen. Das soziale Moment tritt auch hier dem rein wirtbschaftlihen gegenüber weit in den Vordergrund.

Nach all dem dürfen wir unsere Weihnachtsbetrahtung mit dem Ausdrucke der festen Zuversicht \{hließen, daß es dem wieder mätig erwachenden deutschen Geiste gelingen werde, eine neue Gesellshafts- ordnung aufzurichten, die unter Gewährung cines erträglihen Daseins au diejenigen sich unterwirft, welche heute den Bannerträgern der Revolution und des Atheismus bewußt oder unbewußt folgen. Hoffen wir, ‘daß sich au an ihnen in nicht allzu ferner Zeit die hehre Ver- heißung erfülle: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden!

Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ sagt in einem zweiten Artikel über „die Steuerexekutionen im zweiten Vierteljahr 1882“ :

Die in Nr. 601 dieses Blattes mitgetheilten Zahlen betrafen aus\{ließlich die zur Zwangsbeitreibung überwiesenen Rückstände an Kommunal-, Kreis- und Provinzialsteuern der Monate April, Mai und Juni. Neben denselben kommen noch die Exekutionen in Beo trat, die sich auf Schulgelder und Schulsteuern bei öffentlichen Volkêschulen beziehen. Bevor wir zu diesen letzteren übergehen, sei no erwähnt, daß bei Eintreibung der ersterwähnten Steuern frucht- los geblieben waren :

von den im April d. J. vorgenommenen 446 241 Prang von den 301 820 im Mai vorgenommenen Pfän- Do E 31 638 von den 573 308 im Juni vorgenommenen Pfän- Dun Os

In Berlin, wo für den Monat April 166 247 Posten zur Fangbvolftrecküng gestellt worden waren, blieben 55 720 zumeist auf densiten der untersten Klassen der Gemeinde-Einkommensteuer bezüg- liche Posten, d. h. 33 9%), unvollstrebar. Von den Verhältnissen, die diesem Ergebniß zu Grunde lagen, wird der Leser ih auch ohne Zuhülfenahme der Phantasie Vorstellung machen können, ebenso auch von der Masse völlig unfruchtbar gebliebener Verwaltungsarbeit. Und doch ift damit nur ein Thkéil des Grekutionselends der drei Frühjahrsmonate des Jahres 1882 erörtert. Innerhalb des nämlichen Zeitraumes kamen noch die Schulbeitrags8- und Sculgeldbeiträge zur Hebung. Auch hier mußten 5,50 9%, bezw. 9 9% der fälligen Posten zur Zwangsvolistreckung überwiesen werden, und wiederum stellte sih heraus, daß die Zahl der fruchtlos ver- suchten Pfändungen eine außerordentlich große war. Von den im Monat April zur Exekution gestellten 44 213 Schulbeitragsposten L wegen mangelnder Pfandobjekte niht beigetcieben wer-

en ¿

Von den zur Zwangsvollstreckung gestellten 43 693 Schulgeld- posten 8312.

Im Mai blieben von 30 388 zur Zwangsbeitreibung überwiesenen i Eben 3066 unvollstretbar, von 43 998 Schulgeld- posten é ,

Im Juni blieben von 55632 Schulbeitragsposten 5206 und von 74759 Schulgeldbeiträgen 11 447 unvollstreckbar.

Verglichen mit der ungleib größeren Zahl von Zwangsvoll- streckungen welhe dur die Erhebung der Kommunal-, Kreis- und Provinzialsteuern nothwendig geworden, erscheinen die vorstehend mit- getheilten Ziffern ziemlih besheiden. Bedauerlicher Weise ift E Schein der Hauptsache nach ein trügerisher. In zahlreichen Gemein- den, namentlich den größeren Städten (u. Ä. au in Berlin) wer- den keine besonderen Sculsteuern erhoben, sondern diese in die Kommunalsteuern mit eingeschlossen. Danach liegt die Sache so, daß die Schullasten in den einen Landestheilen dazu beitragen, die Bürde der Kommunalsteuern bis zur Un- erträglikeit zu erhöhen, bez. die Zahl der dur diese Höhe bedingten

wangsvollstreckungen zu vergrößern, und daß sie in den anderen Landestheilen selbständig auf die Vermehrung der Zahl der Erekutionen einwirken. Da, wo anstatt der Scbulsteuern oder außer denselben Schulgelder erboben werden, mag die Bevölkerung sih vielfach an dieselben gewöhnt haben, immerhin aber bleibt es eine Ungerechtigkeit, daß in den verschiedensten Vermögensverhält- nissen lebende Kontribuenten in gleihem Maße zur Tragung der der Kommune aus der allgemeinen Schulpfliht erwacsenden Kosten herangezogen werden

Die Erhebungen, welche für die vorstehznd mitgetheilten Resul- tate die Grundlage gebildet haben , nehmen ihren regelmäßigen Fort- gang, und ebenso die Exekutionen und die nach Hunderttausenden zählenden fruchtlos bleibenden Pfändungen sammt den ihnen zur Seite gehenden Bedrängnissen und Demüthigungen für die Bethei- ligten. Allmonatlih ies dieselben Auftritte wieder, allmonatlih wird auf dieselbe Weise eine Summe von Unzufriedenheit und Ver- stimmung erzeugt, deren beständig angehäufte Last die Regierung zu tragen hat, ohne daß ihr bisher die Möglichkeit geboten gewesen wäre,

die längst gewünschte und als Nothwendigkeit anerkannte Abhülfe hafen zu können

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: Statistische Nachrichten.

Im Reichs-Eisenbahnamt is die „Statistik der Eisen- bahnen Deutschlands“ für das Betriebsjahr 1880/81 bearbeitet und zur Veröffentlihung in den nächsten Tagen fertiggestellt worden. Diese Uebersicht stellt zum erstenmale auf einbeitlicher Grundlage aas gemeinsamem Maßstabe die wichtigsten Verbältniffe aller in Betrie eten deutshen Bahnen dar. Alle Eintragungen in diese Ta- bellen sind gemäß dem dazu vom Reichs-Eisenbahnamt aufgestellten eNormalbuchungsformular für die Eisenbahnen Deutschlands“ ersol. Die Entwickelung des deutshen Bahnnetes, seine Längenverhält- nisse und geographische Vertheilung, die baulihen Anlagen und Be- triebsausrüftungen, die Leistungen, der 4 img und Güterverkehr, die finanzielle Verwaltung, sowohl Baukosten und Anlagekapital wie die Betricbseinnahmen und - Ausgaben, die Ecneuerungs- und Reserve- onds, die Verhältnisse der Beamten und Arbeiter, die Unfallstatiftik

ttheilungen über die ratvabnen alle diese für die Kenntniß und Beurtheilung der Eisenbahnen erheblihen Momente sind in Tabellen übersihtli dargestellt und dur Bemerkungen erläutert. Eine Anzahl von Karten soll die gedeibliche Entwicktelung dieses Eisenbahnneyes erläutern. Das in der Königlichen Hofbuchbandlung und Hofbuchdruckerei von E. S. Mittler und Sohn in Berlin her- gestellte Werk wird von ebenda ir: Buchhandel zu beziehen sein.

Kunst, Wissenschaft und Literatur. Kunsthandbuch für Deutschland, Oesterreich und die S{we iz. Eine Zusammenstellung der Sammlungen, Lehranstalten und Vereine für Kunst und Kunstzewerbe, von Rudolf Springer. Dritte vermehrte Auflage. Berlin, Sanne Buchhbandl 1883. Preis 10 „A In dieser neuen Aufla Kunst o nen in Kreisen der

welches seit scinem ersten Ers des Kunsthandwerks mit Beifall begrüßt worden ist, weil es

wirklichen Bedürfni ch ei der Rat abhalf, aua avs Boiccis A M Schweiz g: Mit dieser Erweiterung werden die s

niht nur einverstanden, sondern au da dankbar