1883 / 50 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Flernia erforderlihen Arbeiten und Lieferungen zum Tarxwerthe von 521 586 Lire; L : :

2) von der General-Eisenbahn-Direktion zu Rom und von der Königlichen Präfektur zu Teramo für den 5. März d. J. bis Vormittags 10 Uhr eine Sub- mission auf die Lieferung von 30793 Schwellen und anderen zu Spezialzw.cken bestimmten Hölzern zum Tax- werthe von 157 700 Lire; —_ a

3) von der Direktion des Militär-Kommissariats der Division zu Neapel für den 27. März d. J. bis 2 Uhr Naqhmittags eine Submission auf die Lieferung verschiedener Militär-Auérüstungsgegenstände zum Taxwerthe von 793 250 Lire. j :

Ueber die speziellen Bedingungen ist das Nähere an Ort und Stelle einzusehen.

Dic im Reiths - Eisenbahn-Amte aufgcstellte, ¿- der Ersten Beilage des „Reichs-Anzeigers“ veröffent- lihte Uebersicht der Betriebs:-Ergebnisse deut- scher Eisenbahnen für den Monat Januar d. J. ergiebt für die 53 Bahnen, welche auch {hon im entsprechenden Monate des Vorjahres im Betriebe waren und zur Vergleichung gezogen werden konnten, nachstehende Daten : :

(Die preußischen Staatsbahnen und vom Staate für eigene Rechnung verwalteten Bahnen sind dabei als ein Bahn- fomplex betrachtet, weil durch die am 1. April 1881 bezw. im Laufe des Jahres 1882 eingetretene veränderte Bezirks- eintheilung ein Vergleih bei den einzelnen Verwaltungs- bezirken niht durchweg zu ermöglihen war.)

Die Einnahme aus allen Verkehrszweigen war im Fa- nuar d. J.: a. beim Vergleiche der provisorisch er- mittelten Ergebnisse des laufenden Fahres mit dem Definitivum des Vorjahres: im Ganzen (mit 99 706,65 km Betriebslänge) bei 39 Bahnen mit zusammen 97 504 48km böber und bei 14 Bahnen mit zusammen 2202,17 km niedriger als in demselben Monate des Vorjahres, und auf das Kilometer Betricbslänge bei 1 Bahn mit 105,40 km unverändert, bei 35 Bahnen mit zusammen 26 362,74 km höher und bei 17 Bahnen mit zusammen 8218,51 km (darunter 7 Bahnen mit vermehrter Betriebslänge) niedriger als in demselben Monate des Vorjahres; b. beim Vergleiche der provisorisch ermittelten Ergebnisse des laufenden Jahres mit den im Vorjahre ermittelten provisorishen Angaben: im Ganzen (mit 29 706,65 km Betriebslänge) bei 45 Bahnen mit zusammen 28 191,52 km höher und bei 8 Bahnen mit zusammen 1515,13 km niedriger, als in demselben Monate des Vorjahres, und auf das Kilometer Betriebslänge bei 43 Bal;nen mit zusammen 28 017,66 km höher und bei 10 Bahnen mit zusa:umen 1688,99 km (darunter 5 Bahnen mit vermehrter Betriebs- länge) geringer, als in demselben Monate des Vorjahres.

Bei den unter Staatsverwaltung stehenden Privatbahnen, ausschließlich der vom Staate für eigene Rech- nung verwalteten Bahnen, betrug Ende Januar d. F. das gesammte konzessionirte Anlagekapital 586 835 600 (192 157 900 é Stammaktien, 55 395 000 6 Prioritäts-Stamm- aktien und 339282 700 4 Prioritäts-Obligationen) und die Län ge derjenigen Strecken, für welche das Kapital bestimmt ist, 2612,45 km, so daß auf je 1 km 224630 M entfallen.

Bei den unter Privatverwaltung stehenden Privatbahnen betrug Ende Januar d. J. das gesammte konzessionirte Anlagekapital 1046196843 (405 194 850 M Stammaktien, 155 556 900 F Prioritäts- Stammaktien und 485 445 093 A Prioritäts:Dbligationen) und die Länge derjenigen Strecken, für welche dieses Kapi- e gan ist, 5666,66 km, so daß auf je 1 km 184 623 entfallen.

Zu den Feierlichkeiten anläßlih der silbernen Hochzeit Jhrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten des Kronprinzen und der Kronprinzessin ist eine Deputation des 2. Leib- Husaren - Regiments Nr. 2 Allerhöchst befohlen worden und aus Posen hier cingetroffen; ebenso eine Deputation des Königlih Sächsischen 2. Husaren- Regiments, Kronprinz Friedrih Wilhelm des Deutschen Reiches und von Preußen Nr. 19, aus Grimma.

Der General-Lieutenant Graf von Kaniß, à la suite der Armee, ist zu cinem vierwöchentlichen Aufenthalte hier an- getommen.

Sachsen: Weimar:Eisenach. Weimar, 26. Februar (Th. Corr.) Der Landtag hat am Sonnabend die erste Berathung der Steuergeseßnovelle vorgenommen. Die Redner sprachen sih fast ausnahmslos günstig über die Vor- lage aus, wenn sie au in dieser oder jener Richtung, nament- lich in Bezug auf Durchsührung des Progressivsteuer:Systems, Selbsifassion u. \. w. besondere Wünsche äußerten. Aus den Ausführungen des Chefs des Finanz-Departements, Geheimen Steuer-Raths Dr. Vollert ist hervorzuheben, daß er die Mög- lichkeit, cntsprehend den wiederholten Anträgen des Landtags auf Berücksichtigung der Schuldzinsen bei Feststellung des zu versteuernden Einkommens jeyt verfahren zu können, mit der Besserung der Finanzlage des Staats in Folge der indirekten Steuergeseßgebung des Reichs begründete. Jn der That gestalten sih die Vertältnisse nah dem Reichéhaushalts- Entwurfe für 1883/84 so, daß Sachsen-Weimar aus Reichsmitteln erhält : 626 397 f, an Matrikularbeiträgen zahlt 559 837 M, also cin Ueberstuß von 66 000 M bleibt. Dazu kommt, daß cine bedeutende Erhöhung des Gesammtsteuerkapitals einge- treten ist. Allerdings wird dur die Abrehnung der Schuld- zinsen ein erheblicher Ausfall bei den Einnahmen aus der Einkommensteuer bedingt. Die Vorlage ward an einen besonderen Ausshuß verwiesen.

Anhalt. Dessau, 24. Februar. (Leipz. Ztg.) Unter den Fragen, die jeßt dem Landtage zur Entscheidung vor- liegen, ist au diesmal wieder diejenige, welche dessen Thâtig- keit und zugleih das Jntercsse des Publikums am meisten in Anspruch nimmt, die finanzielle. Wie bereits gemeldet, war der Abschluß des Vorjahres ein außerordenilih günstiger, da an Uebershüssen allein aus dem Salzwerke Leopoldshall sich nahezu 1200 000 # herausstellten. Dem entsprechend konnten in den neuen Etat auch Ausgabe- posten von einer verhältnißmäßig außerordentlih bedeu- tenden Höhe aufgenommen werden. Es sind in dem Bauetat allein ausgeworfen worden: für Schulbauten 559 444 M, für Kirchen und Pfarrhäusex, 192 300 M, für ein neues Justizgebäude 600 000 4, für einen neuen Schacht in Leopoldshall 300 000 /; außerdem eine Summe von 100 000 4 à fonds perdu für den Bau einer Eisenbahn von Ballenstedt nah Quedlinburg.

Oesterreih:Ungarn. Wien, 26. Februar. (W. T. B.) Die in der Kaminski'shen Angelegenheit eingeseßte parlamentarische Untersuhungskommission beschloß, der „Polit. Corresp.“ zufolge, zunächst die Regierung aufzufordern, si über diese Angelegenheit zu äußern und dann die Erklärungen e gegenwärtig in Wien anwesenden Kaminski entgegenzu- nehmen.

27. Februar. (W. T. B.) Der Finanz-Minister wird im R«ichsrathe eine Vorlage zur Deckung des Defizits des Jahres 1883 einbringen, welches inklusive der Nothstandsbauten in Tirol nach dem Berichte des Budget- aus\husses 32 270 291 Fl. beträgt. Die Vorlage beantragt die Emission von 16 Millionen 5 proz. Papierrente, während der Rest den Kassenbeständen entnommen werden soll, welhe so reihlich vorhanden sind, daß die beabsichtigte Entnahme ohne Schädigung der Finanzgebahrung möglich ist. Jn diesem Frühjahr wird ein Eijenbahn-Telegraphen- Mes errihtet, dessen Stab nach Korneuburg kom- men soll.

Niederlande. Haag, 26. Februar. (W. T. B.) Die Zweite Kammer beschloß mit 66 gegen 12 Stimmen, die

Berathung des Gesetzentwurfs über die Herabseßung des j

Wahlcensus zu vertagen, - obwohl die Regierung die sofortige Berathung wünschte.

Großbritannien und Jrland. London, 26. Februar. (W. T. B.) Jn der heutigen Unterhaussizung er- widerte der Unter-Staatssekretär Fit maurice auf eine An- frage Forsters: es hätten Unterhandlungen mit Por- tugal wegen der Distrikte am Congoflusse stattgefunden; die Regierung habe indessen noch keinen Beschluß gefaßt. Der Staatssekretär Lord Hartington erklärte Northcote gegenüber: die Regierung könne nicht einwilligen, einen Ausshuß zur Untersuhung wegen der Frei- lassung Parnells zu ernennen; ebenso wenig fónne sie cinen Tag für die Berathung des hierauf bezüglihen Antrages Northcote's bestimmen. Hierauf wurde die A dreßdebatte fcrtgesezt. Parnell brate ein Amendement ein, in welhem die Verwaltung, die Aus- nahmegeseze und die Rechtspflege in Jrland einer scharfen Kritik unterzogen wurden. Hätte die Regierung die Sympa- thien Jrlands angerufen, so wäre der Frieden besser als durch Zwangsmittel hergestellt worden. Frland sei nie feind- seliger gegen England gesinnt gewesen als jegt. Chamberlain sei einer der Wenigen, welche die irishe Frage verstehen. Die Amendirung der Landakte und andere Jrland betreffende Fragen seien nothwendiger als irgend welche englischen Gesege. Das Haus lehnte s{ließlich mit 133 gegen 15 Stimmen das Amendement Parnells zur Adresse ab. Die Adreßdebatte wurde alsdann vertagt.

Frankreich. Paris, 25. Februar. (Fr. Corr.) Das Mee „Journal officiel“ veröffentliht nachstehendes

etret:

„Bericht an den Präsidenten der französisben Republik. Paris, 23. Febr. Herr Präsident! Die öffentlide Meinung hat sib dur die Anwesenheit von Offizieren in der Armee, welcbe den einstigen französischen Herrscherfamilien angehören, beunruhigen lassen. In der That konnten die - großen Prinzipien der militäriswen Sub- ordination und dér Einheit Ler Disziplin dur die Anwesenheit von Offizieren, denen ihre Geburt eine Ausnalmestellung ges{affen hat, an der Spiße der Truppen beeinträchtigt werden. Demnach erabte id, Herr Präsident, daß cs geboten ist, auf die Offiziere, deren Namen hier folgen, die Bestimmungen der Geseze vom 19. Mai 1834 (Art. 2, 3, 4, 5 und 6), vom 4. August 1839 (namentli die Art. 2, 3 und 5, leßter Paragraph) und vom 12. März 1875 (Art. 8) anzuwenden und dieselben in Nicbtaktivität durch Entziehung der Posten zu verseßen. Dicse Offiziere sind: die Herren von Orleans (Henri Eugène Philippe Louis), Herzog von Aumale, Divrisions-General in Diéponibilität; von Orleans (Robert P. L E. F.), Herzog von Chartres, kommandirender Oberst des 12, berittenen Fäger-Negiments; von Orleans (P. L. H.), Herzog von Alençon, Hauptmann im 12. Artillerie-Regiment. Wenn Sie diesen Vor- ilag genehmigen, fo habe iv die Ghre, Sie zu bitten, beifolgendes Dekret mit Ihrer Unterschrift zu versehen. Genchmigen Sie, Herr Präsident, u. \. w. . .. Der Kriegs-Minister Thibaudin.“

Der Präsident der französischen Republik, laut Gefsezen vom 19. Mai 1834 (Art. 2, 3, 4, 5 und 6), 4. August 1839 (Art. 2, 3 und 5, leßter Parapraph), 13. März 1875 (Art. 8) auf den Bericht des Kriegs-Ministers dekretirt: Art. 1. Die Offiziere, deren Namen folgen, sind durch Entziehung ihrer Posten in Nichtaktivität versetzt: Die Herren von Orleans (Henri Eugène Philipve Louié), Herzog von Aumale, Divisions-General in Dis- vonibilität; von Orleans (Robert P L. E. F.), Herzog von Chartres, fommandirender Oberst des 12, berittenen Jäger-Regiments; von Orleans (P. L. H.) !Herzog von Alençon, Hauptmann im 12. Artillerie- Regiment. Art. 2. Der Kriegs-Minister ist mit der Ausführung des vorstehenden Dekrets betraut. Gegeben zu Paris, den 23. Februar 1883. Iules Grévy. Für den Präsidenten der Republik. Der Kriegs-Minister Thibaudin. : E ;

Die Kommentare der republikanishen Presse zu dem vorstehenden Dekret, so weit solche bereits vorliegen, sind im Allgemeinen in einem gemäßigten und zurückhaltenden Tone gehalten. Die republikanischen Blätter billigen das Dekret rüchaltlos, und selbst diejenigen, welwe während der ganzen Prätendentencampagne cine gewisse abweichende Stellung eingenommen haben, erkennen an, daß hier eine „politisch unvermeidliche“ Maßregel vorliege. Alle republikanishen Organe aber sprechen zuglei die Hoffnung aus, daß nunmehr die ganze Prinzen- und Prätendentenfrage von der Tagesordnung abgeseßt werde, und daß sih nunmehr Regierung und Parlament anderen und nügßlicheren legis- lativen Arbeiten zuwenden möge. Mit dem heutigen Dekret sei das parlamentarische Lösegeld dieser zukünftigen Politik bezahlt worden, die Prinzen mit etwaigen Prätendentengelüsten seien gewarnt und, nahdem somit das Nothwendige geschehen, sei es Zeit, sich jeßt wieder an die ernste Arbeit zu machen.

%2. Februar. (W. T. B.) Die Deputirten- kammer seßte heute die Berathung der Anträge, betreffend die Revision der Verfassung, auf nächsten Montag fest.

Der Senat nahm mit 156 gegen 115 Stimmen den Anirag Humwbert an, durch welhen die gerichtliche Eidesformel abgeändert und der religiöse Eid zu einem fakultativen gemacht wird. Die Rechte des Senats becsch{loß, die Regierung über die Lage zu interpelliren, in welche die Armee durch die Dekrete gegen die Prätendenten verseßt worden sei, Die Jnterpellation wird wahrscheinli am Donnerstag eingebracht werden.

Italien. Rom, 2W. Februar. (W. T. B.) Das nächste Konsistorium ist auf die Woche vor Palmsonntag festgeseßt worden.

Nusland und Polen. St. Petersburg, 26. Fe- bruar. (W. T. B.) Der Herzog und die Herzogin von Edinburg sind heute Nachmittag nah Berlin abgereist.

Amerika. Washington, 2. Fekßruar. (W. T. B.) Die englische Regierung verlangt die Auslieferung des durch die Enthülungen des Kronzeugen Carey in Dublin der Theilnahme an den Dubliner Morden verdälßtigen Jrländers Sheridan.

New-York, 2. Februar. (W. T. B.) Durch den Haftbefehl gegen den der Theilnahme an den Dubliner Morden verdächtigen Sheridan ist die Frage angeregt worden, ob derselbe Seitens der Vereinigten Staaten an Eng- land ausgeliefert werden muß. Die Frage wird durch einen Kommissar der Vereinigten Staaten geprüft. Von dieser Ent- scheidung wird die Auslieferung abhängig gemacht werden.

Benjamin ist zum amerikanishen Gesandten für Persien, Wickham Doffmann zum Gesandten für Dänemark ernannt worden.

Afrika. Egypten. Alexandrien, 26, Februar. (W. T. B.) Die Regierung hat hinsihtlich der sofortigen Befriedigung aller Entshädigungsansprüche bis zum Betrage von 200 Pfd. Sterl. noch keinen Beschluß gefaßt. Lord Dufferin soll eine Petition zur Uebermittelung an die englische Regierung überreicht werden, in welher um das Ver- bleiben der englishen Truppen ersuht wird. Der größte Theil der Räuberbanden in der Provinz Charkieh ist gefangen genommen worden, fast alle Anführer sind frei- gelassene Schwarze.

Zeitungsstimmen.

Die „Politishe Wochenschrift“ urtheilt über das Bu „Richard Cobden und die Antikornzollliga, sowie ihre Bedeutung sür die wirthschastlihen Vehältnisse des Deutschen Reiches“ (Von Dr. F. Simmson. Berlin 1883, Ferd. Dümmler.) wie folgt :

Wir können im Allgemeinen den Ansichten der objektiv aecbaltenen Scrift beistimmen und bedauern nur die, allerdings nit baufizen Anspielungen auf „analoge deutsche Verbältniffe.“ Wer die damaligen engliswen Verhältnisse kennt, wird die Nothwendigkeit einer Beseitigung der Kornzölle und die segenëtreide Wirksamkeit Cobdens für England rüdckhaltêlos anerkennen müssen. Er wird aber auc wissen, wie wenig den damaligen englischen unsere heutigen deutsden Zustände entsprecen, wie unbedeutend den hoben englischen Kornzöllen gegen- über der teutsbe Getreidezoll (von 1 à 100kg) ift. Daß die Prin- zipten vollen Freibandels dem fapitalftärkeren, industriell so bo ent- widelten und für den internationalen Handel in jedec Hinsicht begün- tigten England entspreben, wird niemand leugnen wollen und daß Cobden dies Prinzip den engherzigen Sonderintcressen der eng- lischen Grundaristofratie gegenüber zum Durchbrub und zur Herr- daft brate, wird sein unvergängliches Verdienst für den Aufs{wung und die Blüthe des englishen Handels und der englischen Industrie bleiben. Deutscbland ist aber nit England und wir verweisen auf Nr. 4 der „Politishen Wocenschrift*, welLe ein Referat über die Erwiderung von Tucb auf den auch von Simonsfon angeführten Auf- saß von Nasse enthôlt, dem wir in materieller Hinsicht im All- gemeinen zustimmen können und der die Vortheile einer mafvollen Sc{ußzollpolitik für Deutscland klar au®einanderseßt.

In,Steins DeutscherCorrespondenz“ lesen wir:

._. . Volksredner, Parlamentsabgeordnete und Zeitung8redacteure finden stets ein danktares Publikum, wenn sie gegen den Kastengeist der Offiziere und gegen den Militarismus überhaupt zu Felde ziehen ; cs ist au über gar nichts leiter zu raisenniren, als über diese beiden fo dankbar s{einenden Themas. Doc jeder verständige Mann wird sofort zugeben müssen, daß wir mit dem Momente kein tauglihes Militär mehr haben würden, wo der das eigene Bewußtsein hebende, zu Thaten anspornende, das Zusammenhalten und die Disziplin beför- dernde militärisbe Geist, besser gesagt Sondergeist, erlöswen würde. Nuf ibm beruht die Tücbtigkeit der Wehrkraft eines Landes und wenn aus ibm cin Corvsgeist des Offiziercorps emporwäcst, so kann dies nur zum Vortheile des Ganzen gereichen, weil in ihm der so nothwendige militäris&e Geist feine vornehmste Stütze findet, und weil anderseits durch die Abgcschloessenbeit des Offizier- corvs die so nothwendige Cinigkeit desselben gefördert und erreicht und Überdies vermieden wird, daß in dasselbe der politisde Partei- geist einziebe. Indem das Militär nit nur zur Abwehr des Feindes, jondern aud zum Schuß unserer Gesetze da ist, haben wir wahrbaf- tig ein sehr großes Interesse daran, daß die militärisce Disziplin nit dur den Partcigeist gelockert werde. .

Wir balten cs daber nicht blos für sträflite Leichtfertigkeit, sondern obendrein für cine Versündigung an dèr gesunden Vernunft, an unserer gegenwärtigen Heereteinrihtung zu rütteln. Wir brauchen freilib kine weiteren Siege, und beten sogar tagtäglih um den Fricden; wir wollen aber nichts ver- säumen, damit unsere Verfassung wie unsere Grenzen dar ein wobldiscirlinirtes Heer auch fernerhin wohl gesHütt bleiben Der Kastengeist des Offiziercorps, d. b. der Corpsgeist defelben, ist hierzu ein unumgängliches Erforderniß, ja eine rein militäris{e Nothwendig- feit, und fein aufrichtiger Patriot, kein Anhänger der Staatsverfafung fann wünschen, daß er irgendwie gelockert werde.

„Friedr. Georg Wiecks Deutsche illustr. Ge- werbezeitung“ schreibt:

Der tur das Reich8zesez Über das Innungétwesfen neubelebie Gedanke dem Handwerkerstand cine cigene Standes- und Jater- cNenvertretung zu geben gewinnt Land auf Land ab immer mehr und mehr Boden; der Handwerker fängt an einzusehen, daß zur Hebung scines Standes vor allen Dingen eine geseßlich organitiirte Vertretung geschaffen werden muß, denn als solche konnten die Han- dels- und Gewerbekarnzmern nur wenig in Betrawt kommen.

Das Innungs8gescß vom 18. Juli 1881 verfolgt daber in der Hauvtsache diesen Zweck und hat hierfür eine Organisation mit dur&:aus genofenscaftlibem Charakter erwählt, wie dies anders au nicht sein fonnte, will man sich nicht geradezu auf den verfehlten Standvunkt der Zwangéinnungen stellen.

Wenn nun troßdem das Reichsgeseß bis jeßt Erfolge von größe- rem Belang nit aufzuweisen vermag, so darf der Grund hierfür nit ctwa in einer Mißbilligung der Aufgaben und Ziele dieses Gesetzes gesubt werden, als vielmehr einzig und allein in dem Um- stande, daß die Form, unter wêlcher die InnungEorganifation vor nd gehen muß, bei der Zerfahrznbeit unserer Verhältnisse be- deutende Schwierigkeiten bietet. Gleichwohl dürfen fich aber die Handwerker bierdur nit zurückscrecken lassen, namentlich, wo es gilt für ibre Interessen zu kämpfen, und umjoweniger, als ihnen in den Gewerbevercinen {hon ein fester Rückhalt gegeben ist, auf welcbem weiter aufgebaut werden kann, ohne daß dicfe Vereine deê- balb nöthig hätten, sib aufzulösen und in den Innungen aufzugehen. Die Reform der Gewerbevercine im Sinne des Innungs- gesetzes würde zugleih den Bestand derselben aub für die Zukunft sichern; daß aber für das fernere Vereinéleben Besorgnisse geäußert werden dürfen, erscheint insofern begründet, als nur nötbig ist, sb die Sa(lage vorzustellen, welde alsdann ent- stehen wird, wenn mit der Zeit das cine oder andere Handwerk si vom Gewerbeverein lostrennt und zu einer Innung abfondert. Wer fönnte dics bei freiwilligen Vereinen hindern? Der Anfang hierzu ist ja hon gemat. Andererseits dürfen und werden die Innungen die Vortheile nit untershäten, welche ihnen aus einem Zusammenhalt mit den Gewerbevereinen erwatsen, die, ganz abgesehen vom Kostenpunkt, im Stande find, den Innungen aus der Zahk der Nichthandwerker, wie z. B. Lehrer, Beamte 2c., Kräfte zur Verfügung zu stellen, welce diesen von großem Werthe sind. Dabei ift weiter nit zu vergessen, daß die von den Innungen verfolgten Aufgaben denjenigen der Ge-

werbevereine nit gegenüberstehen; jedoH haben die Janungen un- seren Gewerbevereinen voraus die geseßlide Anerkennung als juristisbe Person, welbe den leßteren durch ihre Verbindung mit den Innun- gen ebenfalls zu ftatten käme. _

Diese Erwägungen veranlaßten nun den Gewerbeverein Oehringen (Württemberg), die Bedenken gegen cine Reform in Gemäßheit des Fanungêgeseßes fallen zu [assen und deshalb für die dem Verein an- Zehörigen ¿0 Handwerker eine Innung zu gründen. Dieselbe wird den Namen „Handwerker-Innung für den Ober-Amtsbezirk Ochringen“ führen. Die Mitglieder der Innung bleiben nach wie vor Ange- hörige des Gewerbevereins, der außerdem no% 65 Nichthand- werker zählt.

Die Oehringer Handwerkerinnung madbt sh in Gemeinschaft

mit dem Gewerbeverein zur beiderseitigen Aufgabe: Die Ordnung des Lehrlingswesens, das gewerblibe Schul- und Prüfungswesen, Gründung einer Facbibliothek, Abhaltung von Vorträgen u. |. w., bat dagegen das Meisterprüfungêwesen als besser für größere Verbände geeignet, bei Seite gelassen. Dieselbe wird dur cine Vorstandschaft vertreten, die sch zusammenseßt aus einem Vorstand, den Obermeistern der einzelnen Gewerbe und ciner Anzahl weiterer Mitglieder, wele sämmtlib von der Innurgs-Versamm- lung gewählt werden. Gleiche Bewerke, welche mindestens 5 Angehörige bei der Innung haten, können tie Berufung eine? Vertreters in die Norstandschaft verlangen, der den Titel Obermeister führt. Für die gemeinsaftliben Angelezenbeiten bildet die Gewerbevereinsfasse, die SnnuugSfafse, da sie bisher {on ähnlibe Kosten bezablt hat ; für etwaige besondere Einrichtungen eines Gewerbes haben die Ange- hörigen derselben für sib aufzukommen, diese fizden ihre Regelung durd Nebenitatuten und stehen unter Verwaltung des betreffenden Obermeisters. Hierin ist sona jedem Handwerk eine gewisse Selbst- ständigkeit gegeben. : Das Statut ist an der Hand des Reihs-Normalstatuts ent- worfen worden. Wegen der vielfaben Abweichungen von leßterem wurde aber der Entwurf vor seiner Unterzeibnung der Begutachtung der K. württ. Centralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart unterstellt; zur Zeit befindet sib das Statut noch bei der K. Kreië- regierung zum Behuf der erforderlichen Genebmigung. ——

Dieses Statut hat unverkennbar die Absicht, das AusZeinander- geben der Handwerker in kleine Innungen zu verhindern und die im Gewerbeverein vorhandenen Kräfte aus der Klasse der Nicbthandwerker dur den unberührt bleibenden Bestand desselben für die Innung zu erhalten. S L

Die vorstehenden Ausführungen bere&btigen zu der Ansicht, daß die Centralisirung des Innungêëwesens in Beziehung auf die gemein- schaftliden Angelegenbeiten der andwerker eine Lebens- frage der Gewerbevereine geworden ift. Es darf daher als eine dringende Aufgabe der Gewerdbevereine bezeihnet werden, si auf Grund des Reich2gesetes in der Art zu reorgant- sren, daß alle Gewerbe ohne Üntersbied in Form einer Gesammt- innur.g unter derselben wie seither vereinigt blei‘en und nur die Ords- nung der besonderen Einrichtungen eines Handwerks der Regelung dur Nebenstatuten überlassen ift.

Ar&iv für Post und Telegraphie. Nr. 3. Inhalt: Aktenstücke und Aufsäße: Die Stadt-Fernsprecheinrihtung in Berlin. (Fortsezung.) Die Betriebseinrihtungen der Eisenbahnen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Octscaftsverzeicbnifse bei den Post- und Telegraphenanstalten. Kleine Mittheilungen: Urtheil des fcüheren französishen Minister Léon Sav über den Weltpoftver- trag. Kanal zwischen der Nordsee und dem Kattegat, Aus- führungsbestimmungen zu dem franzöfischen G-.se8z, betreffend die Ausgabe gestempelter Briefumsläge und gestempelter Streifbänder. Menderungen in der Konstcuktion dec Stangzenblißzableiter. Dir-kte Eisenbahn Calais-Marseille. Literatur des Berkehrêwesens : Katecbismus der elektrishen Telegravhie, Von Professor Dr. K. Ed. Zetste, Telegraphen-Ingenieur im Reichs-Postamte, Secbste, völlig umgearbeitete Auflage. Mit 315 in den Tert gedruckten Abbildungen. Leivzig, Verlagsbuchhandlung von J. I. Weber. 1883. Preis 4 # Zeitschriften-Ueberscbau.

Statistische Nachrichteu.

Gemäß decn Veröffentlibungen des Kaiserliwen Gesund- beitsamts fd in der 7. Jahreswoche von je 1009 Bewohnecn auf ten Jahresd!rch|chnitt berebnet als gestorben gemeldet: in Berlin 94,9, in Breslau 31,2, in Königsberg 39,1, in Cöln 24,8, in Franffurt a. M. 18,4, in Hannover 23,9, in Cafel 19,1, in Magdeburg 30,9, in Stettin 23,8, in Altona 29,4, in Straßburg 26,8, in Mey 16,0, in Müncen 34,0, in Nürnberg 27,7, in Augsburg 32,8, in Dres- den 23,6, in Leivzig 21,4, in Stuttgart 21,5, in Braunschweig 17,9, in Karlsruhe 20,0, in Hamburg 26,6, in Wien 33,9, in Budapest 30,0, in Prag 38,8, in Triest 27,7, in Krakau 39,2, in Basel 214, in Brüssel 23,3, in Paris 28,0, in Amsterdam 32,1, in London 20,1, in Glaszow 29,5, in Liverpool 27,2, in Dublin 39,1, in Edinburg 22,0, in Kopenhagen 25,2, in Stockholm 31,7, in Chri- ftiania 17,1, in St. Petersburg 39,6, in Warschau 34,0, in Odessa ?, in Rom20,3, in Turin 25,2, in Bukarest 31,7, in Madrid ?, ir Alexandrien (Egypten) 44,1. In der Zeit vom 21. bis 27. Sanuar in New-York 27,4, in Philadelphia 24,4, in St. Louis 27,0, in Cincinnati 20,1, in Cbicago ?, in San Franzisko 25,5, in Kalkutta 38,6, in Bombay 30,1, in Madras 33,6.

Beim Begian der Woche waren an den meiïten deutschen Beobacbtungsorten südliche und südwestlide, in Heiligenstadt und Berlin \üdöstlide Windrichtungen vorherrshend, die aber bald all- gemein (an den Oststationen etwas später) na Oft und Südost gingen und an den östlichen und mitteldeutswen Stationen mit Nord- oft und Südwest weselnd, bis zum Schluß der Woche vorwiegend blieben. An den nord-, west- und süddeutsben Stationen ging der Wind um die Mitte der Woche nah West und Südwest, in Karléruhe bis nach Nord und in den letzten Tagen der Woche in Bremen und Cöln bis nach Nordwest, in Karlsruhe bis nad Nordost. Die Temperatur der Luft entsprab in München dem vieljährigen Durch- \cnittêmittel, an den übrigen Stationen lag fie zum Theil er- beblich über der normalen. In den leßten Tagen der Woche berrsbte an den mitteldeutshen und östliben Stationen mäßiger Frost. Niederschläge fielen nur in West- und Süddeutschland in ergiebigem Maße. Der beim Wocenbeginn mäßig hohe Druck der Luft nahm im Laufe der Woche zu und erreichte am Sluß derselben allgemein einen hohen Stand.

Die Sterblichkeit hat im Allgemeinen in der Berichtswoche in den meisten größeren Städten Europas wieder zugenommen, doch werden aus den süddeutsben und englisden Städten vielfa kleinere Sterblichkeitsverhältnißzahlen gemeldet. Für die deutshen Städte stieg die letztere auf 25,9 von 25,6 der Vorwoche (pro Mille und Jahr) und zeigt das kindlice Alter eine geringere, die höheren Alters- flaïen cine größere Betheiligung an der Sterblichkeit. Von 10000 Lebenden starben pro Jahr 77 Säuglinge gegen 78 der Vorwoche (in Berlin 70, in München 139).

Unter den Todesurfachen erfuhren von den Infektionékrankheiten Masern, Diphtherie und Pocken eine erbeblichere Ab-, Scharlach, Keucbbusten und Unterleibstyphus eine größere Zunahme. Todesfälle an Masern waren nur in Nordhausen, Stockbolm, Alexandrien häu- figer, in München, Bamberg, Weimar seltener. Scharlacfieber führten in Dreéden, Glauchau, Frankfurt a. O., Hamburg, Barmen, Elberfeld, St. Petersburg häufig zum Tode. In Berlin nahm die Zahl der Sterbefälle ab. Diphtherie zeigte einen bedeutenderen Nachlaß der Sterbefälle, besonders in Berlin, Danzig, Elbing, Königsberg, Elberfeld, Crefeld, obwohl die Zahl der dur fie hervor- geru*fenen Sterbefälle sowohl in den genannten Städten, als auch

in Lübeck, Breslau, Nürnberg, Leipzia, München. Magdeburg, Ham- bura, Hannover, Amstertam, Paris, St. Petersburg, Warschau zum Theil cine nob größere als in der Vorwodbe geworden ift. Croup führte mehr Todesfälle herbei. Der Keubbusten, sowie überhaupt entzündlide Erkrankungen der Atbmungéorgane, erstere befonder8 in Danzig, Kiel, Stuttgart, Nürnberg, Magdeburg, Elberfeld, Mann- beim, Berlin, Wien, führten bäufiger zum Tode. Darmkatarrhe der Kinder zeigten keine wesentlibe Veränderung in ihrem Vor- fommen. Wohl aber waren typhöse Fieber bäufiger und riefen in Breélau, Chemnitz, Dortmund, Berlin, Budapest, Warschau, Bukarest und Alexandrien mebr, in Prag und Paris etwas weniger Todes- fälle hervor. Sterbefälle an Flecktyphus kamen aus deutscben Städten feiner, aus Amsterdam, Warschau, Valencia, Murcia, London ver- einzelt, aus Wien und St. Petersburg je 3 zur Berichterstattung. Potentodesfälle famen aus deutschen Städten nur 2, aus Heilbronn und Mes je 1 zur Anzeige. Aucþ aus Budapest, Genf, Amsterdam, Krafau, London, Brüffel, Birmingham, Granada, Liffabon wurden vereinzelte odec nur wenige, aus Wien, Valencia, Rotterdam, War- sau, Murcia, Alerandrien mehrfache Poentodesfälle gemeldet. In größerer Auëdehnung traten Pocken in New-Orleans, Paris, St. Petersburg und Baltimore auf. Aus in Rio de Janeiro grassirten im Dezember die Poen heftig.

Stockhbolm, 17. Februar. Na dem in diesen Tagen veröffent- liéten Bericht des Königliben Kommerzkollegiums über Schwedens Bergbau und Montanindustrie im Jahre 1881 waren 699 Gruben bebufs Eisecnerzgewinnung in Betrieb, jedo gabe nur 442 Gruben soldes im Betrage von 19 312724 Ctr.; außerdem wurden 122 319 Ctr. See- und Sumpferz gewonnen. Während des Jahres waren 197 Howöfen in Betrieb und produzirten dieselben 10 116 832 Ctr. Gußeisen und 12s 690 Ctr. Gußeisenwaaren. Die größte Produktion an Gußeisen in ganz Schweden hatte Hofors Eisen- werf mit 239 535 Ctr. An Gußeijenwaaren wurden außerdem noch 324 675 Cir. erzeugt. Die Stangeneisenfabrikation wurde in 276 Merken mit 745 S&melzherden oder Schmelzöfen betrieben und belief fich auf 588522 Ctr. An Swmelzstüken betrug die Produktion 3215 141 Ctr. und an Stahl 1169485 Ctr., wovon 925 205 Ctr. Bessemerstahl. In der Eisen- und Stahl- manufafturbrande waren 159 Werke beschäftigt, deren Gefammt- vrodufktion $93 113 Ctr. umfaßte An Erzea anderer Art wurden außerdem gewonnen: Silber- und Bleierze (aus 27 Gruben) 276 845 Ctr., Kuvfererz (14 Gruben) 690507 Ctr., Kobalterz (4 Gruben) 13 090 Ctr.,, Nickelerz (1 Grube) 50 Ctr., Zinkerz (21 Gruben) 1 030 654 Ctr., Manganerz (6 Gruben) 39 022 Ctr., und Sbwefel- fies (1 Grube) 31 900 Ctr. An edlen Metallen wurden gewonnen : Gold (in dem Silberberawerk König Gustav 11. zu Falun) 4 Pfd. 9 Ort 34 Korn, Silber 2768 Pfd. 75 Ort 45 Korn, Kupfer _23 868 Ctr., Nicel 198 Ctr., feraer Blei 8982 Ctr., Zink 121672 Ctr. Stuaffblcnde und 317152 Ctr. Waschblende, Kobalt 1046 Pfd., Braunstein 700 Ctr, Scbwefel 3374 Ctr., Eisenvitriol 9295 Ctr, rother Oker 29 002 Ctr., Alaun 6059 Ctr., Bleierz 919 Ctr, Stein- foblen ò 633 394 Kubikfuß. In allen Gruben- und Hüttenwerken waren 29 593 Arbeiter besbäftigt. Durch Unglücksfälle wurden im Fabre 1881 19 Arbeiter getödtet und 2d verlest.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Fm Verlage der Königlichen Hofbubbandlung von Ernst Sieg- fried Mittler und Sohn hierselbst ijt kürzlih die Geschichte zweier weiterer Regimenter der Königlich preußishen Armee erschienen, nämli:

1) Geschicte des 8, Westfäliswen Infanterie-Regi- ments Nr. 57. 1860—1882, Im Auftrage des Regiments be- arbeitet von A. von Schimmelmann 1, Premier-Lieutenant im Regiment. Preis 7 # Das Regiment gehört zu den in Folge der Armee-Reorganisation neu formirten Regimentern und umfaßt seine Gescbicbte daber den verbältnißmäßig kleinen Zeitabschnitt von kaum 22 Fahren. Gleichwohl erscheint die vorliegende Zusammenstellung aller dasselbe näher berührenden Begebenheiten als eine verdienst- lide Arbeit. Denn es ist dem Regimente vergönnt gewesen, sowobl an dem Feldzuge von 1866, wie namentliÞ an demjenigen der Jahre 1870/71 hervorragenden Antheil zu nebmen und sib in 21 S{blabten und Gefechten auszuzeidnen. Der Fnhalt ist in chronologisher Anordnung auf fünf Abschnitte vertheilt. Natdem in den beiden ersten Abschnitten über die Stiftung des Re- giments und die ersten Friedensjahre von 1860 bis 1866 furz beritet worden, erzählt der dritte längere Abschnitt von der Theilnahme des Regiments an dem Feldzuge von 1866. In dem folgenden Abschnitte: „Vier Iabre in Hannover“ schildert der Verfasser in aller Kürze die Friedenéthätigkeit während der Jahre 1866 bis 1870, um si dann in dem Hauptabschnitte des Buches der Darstellung des Feldzuges von 1870/71 zuzuwenden. Der kurze Scblußabschnitt is der De von 1871 bis 1882 gewidmet. Eine Reihe von Anlagen

ringt verschiedene Verzeichnisse, Rang- und Verlustlisten 2c. Außer-

dem sind dem Bub vier Karten : über die Slachten bei Königgräß, bei Vionville - Mars la Tour, bei Beaune la Rolande und zu den Operationen auf dem südw-:stlichen Kriegsscchauplaße in Frankreich beigegeben. Einen ansprechenden Titelschmuck bildet das wohlgelun- gene Portrait des verstorbenen früheren Chefs des Regiments, des verdienten General der Infanterie von Schwarßkoppen.

2) Kurzer Abriß der Geschichte des 2.Hannoverischen Infanterie-Regiments Nr. 77. Nach den Akten uud Kriegs- tagebüchern für die Unteroffiziere und Mannschaften zusammengestellt von Lau, Hauptmann und Compagniechef. Preis 1 50 -. Auch dieses Regiment gehört zu den erst dur die Armee-Reorgani- sation neu erricbteten Regimentern. Nach einem kurzen einleitenden Kapitel üter die Formation und Erclebnisse in der Garnison bis zum Kriege 1870/71 beschäftigt sch der Haupttheil der kleinen Schrift sachgemäß mit der ge-, drängten Darstellung der Ereignisse in dem Kriege von 1870/71, an denen rühmlihen Antheil zu nehmn dem Regimente beschieden war. Das erste Kapitel „von Saarbrücken bis Rocroy“ refapitu- lirt bier die wichtigsten Momente über die Stblachten bei Spicheren, Colombey und Nouilly, das Gefecht im Bois de Vaur die Swblacht bei Gravelotte, die Einschließung von Mey, die Belagerungen von Diedenhofen, Montmédy und Mézières und \chließlih den Handstreih auf Rocroy. In dem zweiten Kapitel: „Bet der Südarmee“ wird von dem Vormarsch gegen Lanares, dem Avantgardegefecht bei Bugnièrecs und Marac, den Vor- marîch gegen die Schweizer Grenze und den Gefechten bei Sombacourt und Chaffois berihtet. Kurz erwähnt wird alsdann noch der Ereignisse bis zum Rücfmarscb, der Rückkehr und des Einzuges. Die Friedensjahre 1872 bis 1881 bilden das Thema des Scblußkapitels. Auch dieser Strift sind medrere Listen und Verzeichnisse sowie sieben Terrain- sfizzen von Spicbheren, Metz, Diedenhofen, Montmédy, Mézières, Marac und Sombacourt-Chaffois als Anlagen beigefügt. Zur Zierde gereiht dem Büchlein das dem Titel vorangestellte Bildniß des Regi- menté-Chefs, des Hrn. Kriegs-Ministers, Generals der Infanterie von Kameke. 7 ;

Nab Abschluß des großen Werkes über den Krieg von 1870/71 ist der Große Generalstab nunmehr mit einer neuen Unternehmuna an die Oeffentlichkeit getreten, welche gleichfalls im Verlage von E. S. Mittler u. Sohn, Königl. Hofbucbhandlung hierselbst, unter dem Titel: Kriegsgeschichtlihe Einzel- \chriften, herautgegeben vom Königlihen Großen Generalstabe, Abtheilung für Kriegsgesbichte, ersheint. Ueber Anlaß und Zweck dieser Veröffentlihungen äußert sich der Generalstab wie folgt: „In den zusammenhängenden Dar- stellungen der von uns geführten Kriege können die cinzelnen Er- eignisse im Hinblick auf die Uebersichtlichkeit des Gesammtverlaufes nicht immer so ausführlich behandelt werden, als dies an 0 wünscenéwerth wäre. Der Generalstab beabsichtigt daher neben größeren geshidtliwen Werken fortan auch eingehendere Schilderungen einzelner Begebenheiten zu veröffentlihen. Dabei sollen besonders Vorgänge aus dem leßten Kriege ins Auge gefaßt werden, soweit sie dazu geeignet erscheinen, Aufshlüsse über wichtigere Fragen der

Truppenführung zu geben, namentli über den Gebrauch und die Leistungen der einzelnen Waffen, den Sicerheitsdienst und kleinen Krieg, das Befestigungëwesen, die Zusammenseßung, „Ausrüstung und Erhaltung der Heere. Auch in Bezug auf die Geschiébte der früheren Kriege enthält das Arcio des Generalstabes viel zu gesonderter Her- ausgabe Geeigneteê, defsen Veröffentlibung die Anschauungen vom Kriege bereichern, sowie eine tiefere und ribtigere Beurtbeilung der Ereignisse und der an denselben betheiligten Personen ermöglicen wird.“ Solchen Aufazaben sollen die nunmehr in zwangslosen Heften er- scheinenden Kriegsgesbichtliben Einzelschriften dienen, in welchen unter Anderem folgende Arbeiten und Handstriften zum Abdruck ge- langen werden: Die Unternehmung dezs Detachements v. Boltenstern im Loir-Thal am 26. und 27. Dezember 1870. Der Ueberfall von Fontenoy fur Moselle am 22. Januar 1871. Der Zug dec 6. Ka- vallerie-Division in der Sologne 6. bis 15. Dzzember 1870. Die Thâtigkeit der Artillerie in der [acht von Loigny-Poupry. Ueber den Einfluß, welchen die Festung Langres im Verlaufe des Krieges von 1870/71 ausgeübt hat. ie preußishen Truppen» Bewegungen im Jahre 1805, Tagebuch des Majors v. Wienskowski vom 1. Bataillon Garde während der Kriegsvorbereitungen von 1805. Nachrichten über Preußen in seiner großen Katastrovhe (1808). Hinterlafsene Handichrift des Generals v. Claufewis. Ueberfiht des Feldzuges in Bayern vom Jahre 1809. Führten die preußi- cen Regimenter zur Zeit des siebenjährigen Krieges Stamms nummern? Biogravbie dcs Generals von Fink. Auf diese dem Gescbichtsfreunde und -Kenner wie dem Militär glei werth- vollen Publikationen ist eine Subskription, die sch auf je 6 Hefte einen Band bezieht. Es ist beabsichtigt, jährlih etwa 3 Heste mäßigen Umfangs und in zwangéloser Reihenfolge auszugeben, deren Preis für die Subskribenten sh auf ca. 2—2,50 Æ für das einzelne Heft stellen wird. Jm Einzelverkauf wird der Preis der Heste erhöht; der des 1. Heftes bei Einzelbestellungen auf dasselbe, sobald das 2. Heft erscienen ist. Das 1. Heft, 87 Druckbogen und 4 Karten umfassend, ist soeben auëge1eben worden. Dasselbe enthält einen Beitrag zur älteren preußischen Kriegsgeschihte: „Die Kriegs- Vorbereitungen von 1805“, die infolge der französisben Ge- bietsverlezung von Ansbach (Oktober 1805) begannen und dur die S({lawbt bei Austerli (2. Dezember) ihr Ende fanden; sodann eine Darstellung, gewidmet dem rühmlihen Durbbrub des Detadbements von Boltenstern bei Montoire durb die mit Uecbermabt dasselbe umzingelnden französisben Truppen (26., 27. Dezember 1870). Vier Karten in Buntdruck erläutern den Tert.

Joseph Baer & Co., Buchhändler und Antigquare in Frankfurt a. M., Paris und London, haben wiederum zwei Kataloge, Lagerkatalog 123 und Antigquariscber Anzeiger Nr. 329, veröffentlicht. Der erstere enthält ein Verzeichniß von 1055 Schriften üter National - Oekonomie in englischer und franzöfisber Sprache, unter denen si viele wichtige Werke befinden ; der antiguarisbe Anzeiger aber unter dem Titel „Ziscellanea“ führt 296 Swriften auf, die, des verschiedenartigsten Inhalts, fich auf fast alle Länder Europas beziehen, aus dem 19,, 18., 17, und 16. Jahr- bundert datiren und in ihrer Mebrzahl mebr oder weniger selten sind. Unter denselben befinden sich z. B, u. Ä. Rossi La Roma sotte- ranea, Anglerii Opus Epistolarum, Bethlen Historiarum Panonico- 1 Dacicarum libri X., Dolzarnthal Skizzen zur Kunstgeschichte der modernen Medaillen - Arbeit, Briefe an Merck von Goethe, Herder, Wieland u. \. w., Callejo y Angulo Description de l’'isle de Sicile, Chabert Journal du siége de Metz en 1552, Chansous populaires grecques, Ducatiana ou remarques sur divers sujets d’histoire et de littérature. Falbe Recherches sur l’emplacement de Carthage. Hagnisches Originales Münzkabinet in Nürnberg u. \, w. u. s. wv.

Christiania, 20. Februar. Zu der Herausgabe des General - berichts über die norwegiswe Erpedition zur Unter- subung des nördlichen Theils des Atlautischen Dzeans und des Polarmeeres sind bisher 79009 Kronen bewilligt worden, und zu gleiem Zweck hat jeßt die Regierung 17000 Kronen für das nächste Finanzjahr zu bewilligen beantragt. Außer einer Ab- handlung des Hrn. H Friele über die Mollusken soll noch eine Ab- handlung des Professor Mohn über Tiefseetemperatur und die Bewe- gungen des Meeres zunäcbst Aufnahme in dem Bericht finden. Später follen dann noch größere Abhandlungen von Prof.G.O Sars, Dr. Daniel- sen, Dr. Koren und Dr. G. A. Hansen folgen. Die Fertigstellung des Berichts wird somit noch mehrere Jahre und die Aufwendung beträchtliher Geldmittel beanspruchen.

Gewerbe und Handel.

In Malaga sind vor Kurzem einige Fälle von Trichinofe vorgekommen, welche nach den angestellten Ecmittelungen zum Theil auf Mat Genuß von Sinken amerikanishen Imports zurückzufühß- ren find.

Der Ausfsi$htsrath der Süddeutshen Bodenkredit- bank in Müntden hat beschlossen, auf das erhöhte Aktienkapital 63% Dividende zu vertheilen. Außerdem werden 313 090 Æ zur Tilgung des Disagios verwandt, 87000 Æ gehen an den Reserve- fonds und 446 090 M werden auf neue Rechnung vorgetragen.

London, 26 Februar. (W. T. B.) Bei der am Sonnabend stattachabten Wollauktion waren Preise unverändert. Ton weniger fest.

Verkehrs-Anstalten.

Das Kursbureau des Reichs-Postamts hat eine Ueber sits- fa:te der ükersecischen Postdampferlinien im Welt- postverein unter Berücksibtigung der Postoerbindungen nach den außereuropäishen Konsulatsorten nah dem Stande vom 1. Januar 1883 bearbeitet und in der Reichsdrukerei durch den Druck verviel- fältigen lassen. Auf der Karte, auf welber die Staaten des Weltpostvereins durÞh gelbe Farbe hervortreten, sind alle Dampfschiffs - Verbindungen durch Linien angedeutet, deren Verschiedenheit auch die Nationalität der Schiffe erkennen läßt, welche diese Linie befahren. Dem Rande ist dann noch ein ebenfalls nah der Nationalität geordnetes Verzeichniß der 85 Routen mit den Zwiscbenstationen und Seitenlinien aufgedruckt, welches die Entfernungen und die Dauer der Reise ersihtli) mat, Die Karte gewährt in ihrer Anordnung nicht nur cinen praktishen Ueberblick, sondern sie verdeutliht auch den großen Umfang, welchen der W.ltpostverein be- reits erbalten hat, und den regen Verkehr, welcher innerhalb desselben B geordnetcr Weise herrscht. Der Druck der Karte ist vorzüglich ge- ungen.

Triest, 27. Februar. (W. T. B.) Der Lloyddampfer „Juviter“ ist gestern Abend mit der oftindishen Ueberlandpost aus Alexandrien hier eingetroffen. Southampton, 26. Februar. (W. T. B.) Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Elbe“ ist hier eingetroffen. Plymouth, 26. Februar. (W. T. B.) Der Hamburger Postdampfer „Westphalia“ ist hier eingetroffen.

Sanitätswesen und Quarantänewesen.

Na Jahalt einer Bekanntmachung des dänischen Justiz-Ministe- riums vom 20. d. M. sind die Quarantänemaßregeln, welche seiner Zeit wegen der in Christiansand ausgebrochenen Poten- epidemie gegen die von dort nah Dänemark kommenden Shiffe angeordnet worden waren *), nunmehr wieder aufgehoben worden.

*) Conf. „Reichs-Anzeiger“ Nr. 231 von 1882.