1883 / 51 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

der E-tprinz von Sachsen-Meiningen, hinter Höcsttenselben die Herren des Gefolges. Nachdem der Ober:Ceremonien- meister dem Throne gegenüber Aufstellung genommen “und den Befehl zum Beginn der Cour erhalten hatte, defilirten vor Jhren Kaiserlihen und Königktichen Hoheiten zunächst die Hofstaaten und Gefolge, und sodann sämmtliche inländishen Damen, und zwar vorab die verheiratheten. Nah der Cour der Damen folgte die Cour der Herren. Die Damen gingen einzeln, die Herren paarweise. Man entfernte sih dur< das Rothe Gemah. Unmittelbar na< der Auf- wartung zogen die Höchsten Herrschaften Sih aus dem Thron- immer zurü>, womit um 91// Uhr die Feierlichkeit ge- lossen war.

Jhre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten die Kronprinzlihen Herrschaften boten, ehe Höcst- dieselben am gestrigen Abend die Cour der Hofgesellschaft entgegennah:nen, einer größeren Anzahl Deputationen aus allen Theilen des Landes Gelegenheit, dem Erlauchten Paare die Glü>wünj{che zur Silbernen Hochzeit nachträglich darbringen zu dürfen. :

Se. Kaiserlihe und Königliche Hoheit der Kronprinz, Höchstwelcher die große Generals-Uniform mit dem Bande des Schwarzen Adler-Ordens und den Abzeichen des Hosen- band - Ordens angelegt hatte, führte die Durchlauchtigste Gemahlin , während Jhre Königlichen Hoheiten die Erb- prinzessin von Sawhsen - Meiningen und die Prinzessin Victoria sowie Se. Hoheit der Erbprinz von Sachsen- Meiningen hinter den Höchsten Herrschaften schritten. Von dem Schweizersaale aus begab Sich das Erlauchte Jubelpaar durch die Braunschweigishen Gemächer nach der Neuen Gale- rie und nahm zunächst hier und später im Königszimmer die Vorstellung der Deputationen entgegen. Dieselben folgten sich also: 1) der ostpreußische Provinzial-Landtag]! 2) der Prorektor der Universität Königsberg, Prof. Dr. Bauer, und der Geh. Negierungs- Rath Prof. Ur. Friedländer, 3) der Provinzial-Ausshuß der Pro- vinz Westpreußen, 4) der Provinzial Aus\{huß der Provinz Bran- denburg und der Kommunal-Landtag der Kurmark, 5) die Aeltesten der Kaufmannschaft, 6) der deutsche Kriegerbund, 7) der Ober-Landforstmeister Ulrici, zur Ueberreichung der Stiftung eines forstlihen Waisenhauses, 8) der Verein für deutsches Kunstgewerbe, 9) das Dom-Kirchen-Kollegium und der Gemeinde-Kirchenrath, 10) die Regierungsbehörden der Provinz Pommern, 11) der Provinzial-Landtag der Provirz Pommern, 12) die Landstände der preußischen Ober: Lausitz, 13) der Pro- vinzial-Aus\huß der Provinz Sclesien, 14) der Provinzial- Aus\{<huß und Landtag der Provinz Sachsen, 15) die \{leswig- holsteinishe Provinzialvertretung, 16) die Prälaten und die Ritterschaft der Provinz Schleswig: Holstein, 17) der Pro- vinzial-Aus\{uß und Kommunal-Landtag der Provinz Han- nover, 18) der ständische Verwaltung2ausshuß der Pro.inz Westfalen, 19) der westfälishe Bauernverein, geführt dur den Freiherrn von Schorlemer - Alst, 20) der kommunal- ständische Verwaltungsaus\{<huß des Regierungsbezirks Wies- baden und die Universität Bonn. Jm Königszimmer schlossen Sich Jhren Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten Jhre Königlihen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Wilhelm an. Die Höchsten Herrschaften be- grüßten dann no< in den Parade-Vorkammern das ge- jammte Dífiziercorps des 1. Garde-Regiments z. F., sowie

die Offiziers-:Deputationen des 1. Garde-Landwehr- Regiments,

des Grenadier-Regiments „Kronprinz“ (1. Ostpreußischen) Nr. 1), des 2. Schlesishen Grenadier-Negiments Nr. 11, des Westfälishen Jnfanterie-Regiments Nr. 53, des 2. Schlejischen Dragoner-Regiments Nr. 8, des Kürassier-Regiments (Pom- merschen) Nr. 2, des 2. Leib-Husaren-Regiments Nr. 2 und des Königlih Sächsishen 2. Hu}aren-Negiments. f

Alle Deputationen beglü>wünshten Jhre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten und überreichten zum Theil kostbare Adressen.

Der S@Glußbericht über die gestrige Sizung A der Abgeordneten befindet si< in der Ersten eilage.

Jn der heutigen (37.) Sißung des Hauses der Abgeordneten, welcher der Minister der geisilihen 2c. An- gelegenheiten voa Goßler fowie zahlreihe Kommissarien bei- wohnten, seßte das Haus die zweite Berathung des Staats- haushalts für 1883/84 bei dem Etat des Ministeriums der geistlihen, Unterrihts- und Medizinal-Ange- legenheiten fort.

Bei Kap, 121 der daueriden Ausgaben (Elementar- Unterrichtswesen, Schullehrer- und Lehrerinnen - Seminare) betlagte der Abg. Dr. von Stablewski die seit dem Ministerium Falk bestehende Machtvollkommenheit des Staates auf dem Gebiete der Kirche und der Schule, die nirgends in der Geschichte in fol<em Grade sih finde. Das Falkshe System habe aber auf dcm Erzvater der R: volution, auf J. J. Rousseau be- ruht; seitdem fei es ja ctwas besser geworden: es würden jeßt feine Simultanshulen mehr errihtet, aber auch die jeßige Unterrichtsverwaltung entziehe den Religionsunterricht der Geisilichke:t generell. Der Vorwurf der Reichsfeindlichkeit habe doch wohl keine Zugkraft mehr. Die Polen lebten in einem Zustande, der an religiöse Unterdrü>ung grenze. Er frage den Kultus-Minister, ob es nicht richtig sei, daß in allen Posener Simultanschulen kein cinziger Katholik Rektor, kein einziger Lokalschulinspektor sei, und daß doppelt so viel evan- geiische als katholische Lehrer angestellt seien. Es gebe keinen anderen Ausweg als die Aufhebung der Simultanschulen, für deren Ecfolge sih nichts anführen lasse. : 7

Der Abg. Steinbusch führte aus, daß jeßt seit sieben Jahren ein- Viinisterial-Erlaß in Kraft sei, welcher der Kirche ihr ureigenstes RNeht genommen habe, nämlih das Ret auf Ectheilung und Leitung des Religioneunterrihts. Die fatho- lisze Kirche habe dieses Net ausgeübt, bevor der preußische Staat existirte. Das Allgemeine Landrecht, die Schulregle- ments des vorigen und dieses Jahrhunderts bezeichneten es gerad.zu als eine Pflicht tes Geistlihen, den Religions: unterrit in den Schulen zu ertheilen. Der Falkshe Erlaß von: 18, Februar 1876 bedeute das Staatsmonopol des s{hulplan- mäßigen Religionzunterrichts in der Volksschule. Seit dem Wechsel im Kultus-Ministerium seien ja wiederholt Geistliche zu dem Religionsunterricht zugelassen worden, nur nicht, wie er eben vernommen, in den polnischen Landestheilen. Aber so lange der Falkshe Erlaß bestehe, sei man nicht sicher, daß

nicht bei einem Wechsel der Perfonen oder Besinnungen die Unterrichtsverwaltung wieder einen andern Weg einschlagen werde. Dieser Erlaß stehe in Widerspru<h mit dem Art. 24 der

Artikel sei au< ni<t dur< das Sculaufsichtsgeseß aufgehoben, denn der Minister habe ausdrüd>lich erklärt, daß der Art. 24 durch dieses Geseß nicht berührt werde. Auf Grund der Ver- fassung also bitte er, dem Staatsmonopo! hier ein Ende zu O R Segen für den Staat und die Kirche, für Land und Volk.

Der Abg. Seyffardt (Crefeld) bezeichnete die Aufhebung der Crefelder Simultanschule als eine Vergewaltigung. Die Bewohner von Crefeld hätten si<h an das Abgeordnetenhaus gewandt, und die Unterrichtskommissioa werde ja nächstens darüber dem Hause Bericht erstatten. Der Kultus-Minister habe neulih gesagt, daß im firchenpolitishen Kampf sein Wohlwollen nur bis an die Grenze der Geseße gehe. Damit stehe sein Benehmen im Widerspruh. Jm August v. J. habe er der Geistlichkeit die Shulaufsicht in den westlichen Provinzen massenhaft zurü>gegeben und habe also diese Geistlichkeit zum Wächter eines Geseßes gemacht, das sie, wie der Minister wohl wisse, niht anerkenne und b:kämpfe. Wunderbar sei das Zusammentreffen dieser Maßregel mit dem Ausspruch des Abg. Windthorst, daß der Kampf um die Schule ein noc viel heftigerer sein werde als der Kulturkampf. Der Minister habe dies für ein neues Prozramm gehalten, während es thatsächlih eine alte Forderung der Katholiken sei. Seine Freunde erwarteten nicht, daß der Minister sih zu ihrer An- sicht bekennen würde, aber sie hofften, daß er der Sisyphus- arbeit entsagen würde, die weit gehenden Ansprüche der ka- tholishen Kirhe in Bezug auf die Vergewaltigung der Schule mit dem alipreußishen Standpunkt zu versöhnen.

Der Abg. Strosser spra< die Hoffnung aus, daß der Staat in der heilsamen Jnstitution der geistlißen Schulauf- siht no< weiter gehen werde, als er in leßter Zeit gethan. Jn Bezug auf die Simultanschulen bitte er den Minister, die bereits ins Leben gerufenen wieder in konfessionelle Schulen zu ver- wandeln. Der moderne Liberalismus führe die Freiheit im Munde, bringe aber die Knechtshaft Allen, die na< einer andern Façon als er selig werden wollten. Gerade die Simultanschulen trügen viel zur Verschärfung des konfessionellen Gegensaßes bei. Die Schule müsse niht nur Lehranstalt, sondern vor allem Erziehungsanstalt sein, _dazu sei aber das religiöse Vioment unentbehrlich. Aus der konfes sions- losen Schule würde eine religionslose und aus dieser eine religionsfeindlihe. Jn der Simultanschule könne vom Kirchengesang kaum die Rede sein. Der Ge- \hihtsunterriht müßte über die bedeutsamsten Epochen hinweggchen, die Lesebüher könnten nur no<h ver:- waschenes Zeug bieten, um nirgends Unstoß zu erregen. Ja Gießen seien zwei jüdishe Lehrer angestellt worden, von denen der eine den Namen „Je)us“ auszusprehen verboten habe, weil das den jüdishen Schülern Aergerniß geben würde. Wohin man mit den Simultanschulen \{ließlih komme, dafür böten die Schweiz und Holland abschre>ende Beispiele. |

Der Abg. Dr. Perger begrüßte es mit Freuden, daß in der Lokalschulinspektion eine Wandelung zum Besseren eingetreten sei; in seiner Heimath sicherli<h werde der Minister dies bei dem treuen Sinn der Bevölke- rung nit zu bereuen haben. Redner beklagte es, daß kein praktisher Shulmann im Hause sei, der die Wirkungen des Gesetzes von 1872 genau kenne uad hier mittheilen könne. Jn Ermangelung desselben habe er bei einem Schul: lehrer Erkundigungen eingezogen, aber dessen Bericht laute sehr betrübéndz namentli< die übermäßige Be- tonung der Realien habe in den Volksshulen un- günstig gewirkt. Auf die Ausbildung des Geistes werde zu wenig gesehen; selbst die hier erscheinende „Pädagogische Zeitung“ glaube, daß die Ueberbürdung auf den Schulen durch die Bestimmungen des Geseßes von 1872 gesteigert worden sei. Er bitte den Minister, hierauf sein Augenmerk zu riten. i

Der Abg. Seyffarth (Liegniß) erklärte, daß der Etat hier doh no<h immer re<t dürftig und kümmerlih aus- gestattet sei. Daß die deutshe Volksbildung zurü>- gegangen sei, müsse er bestreiten, und dies würde auh dur< das Resultat der Rekrutenprüfungen wider- legt. Jn Bezug auf die Simultanschulen sei der Abg. Strofser gar nicht in die Tiefe des Prinzips eingedrungen ; der- selbe habe nur verschiedene Anekdoten und Geschichten erzählt, die mit den deutschen Verhältnissen gar feinen Zusammenhang hätten. Wollten denn seine (des Redners) Freunde die Religion aufheben ? Sie wollten der Kirche geben, was der Kirche gebühre, aber auch dem Staate, was dicsem zukomme. Die Simultanschule vernichte niht die Religion, sondern im Gegentheile, sie ver- breite das e<t <ristlihe Prinzip der Toleranz und gegen- seitigen Liebe. Die Simultanschule dllein könne die religiöse Kluft überbrü>en, die Deutshland no< immer durchschneide. Der Abg. Strosser habe “in einer früheren Rede die Lehrer der Unbotmäßigkeit beshuldigt. Er, als Mitglied eines der preu- bischen Lehrervereine, müsse erklären, daß dieser Vorwurf völlig ungerec@;tfertigt sei. Wenn man wirklih Beschwerden habe, möge man sie niht in so allgemeiner Form vorbringen. Bezüglich der Lehrergehalte wolle er den Beschlüssen der Unterrichts- kommission niht vorgreifen. Er bekomme viele Zuschriften, in denen Lehrer über unzureihendes Gehalt und Pensionsversorgung klagten. Auch die Alterszulagen müßten geregelt werden ; daß dem bedeutende Schwierigkeiten entgegenständen, sei ja anzu- erkennen. Darin, daß eine Hebung der Verhältnisse der Volkslehrer nothwendig sei, stimmten, wie er hoffe, alle Par- teien übcrein.

Bei Schluß des Vlattes erhielt der Abg. Dr. Windthorst das Wort.

Wie wir aus guter Quelle vernehmen, hat Se. Ma- jestät der Sultan zu Gunsten der Rhbeinüber- s<hwemmten den Betrag von 100 Pfd. Sterl. türk. be- willigt, und wird diese Summe an das Unterstüzungs- Comité dur< Vermittelung der Ottomanisczen Bank gezahlt werden.

AllerhöWstenorts ift bestimmt worden, daß zur D is- position stehende Generale, welhe Chefs von Regimentern sind, sowohl zur General- wie zur Regi- ments:Uniform die aktiven Dienstabzeichen unverändert fort- zutragen und überall als aktive Generale ledigli<h nah Maß- gabe ih'es Patentes zu rangiren haben. Gleiches hat auch hinsichtlih derjenigen zur Disposition stehenden Generale zu gelten, welche à la suite eines Truppentheils oder à la suite der Armee geführt werden.

Durch Allerhöchste Ordre vom 10. Januar 1883 ist

genehmigt worden, daß bei dem Grunderwerbe für die Seitens des Staates beabsichtigte bezw. unternommene Ausführung

preußischen Verfassung und mache denselben illusorish. Dieser

des Neubaues der sogenannten Stadtschleuse zu Bromberg

und der dur diesen Bau bedingten sonstigen Anlagen das Enteignungsverfahren nah Maßgabe des Geseßes vom 11. Juni 1874 zur Anwendung gebradt werde.

Dem Kreise Münsterberg, im Regierungsbezirk Breslau , ist unter dem 24. Januar 1883 für die von der Gemeinde Töpliwoda erbaute Chaussee, welhe im Dorfe Töpliwoda von der Diersdorf-Töpliwodaer Kreishaussee abzweigend, bis zur Nimptsher Kreisgrenze führt und dort an die Silbig-Siegrother Chaussee anschließt, gegen Ueber- nahme ihrer künftigen <hausseemäßigen Unterhaltung das Recht zur Erhebung des Chausseegeldes nah den Bestimmungen des Chausseegeldtarifs vom 29. Februar 1840 einshließlih der in demselben enthaltenen Bestimmungen über die Befreiungen, sowie der sonstigen, die Erhebung etreffen- den zusäßlihen Vorschriften vorbehaltlih der Abänderung der sämmtlichen voraufgeführten Bestimmungen mit der Maßgabe Allerhöchst verliehen worden, daß das gedachte Ret nur gemeinsam mit demjenigen ausgeübt werden darf, welches dem Kreise Nimpts<h auf Grund des Allerhöchsten Erlasjes vom 7. Mai 1880 für die Silbiß-Siegrother Chaussee zusteht. Auch sollen die dem Chausseegeldtarife vom 29. Februar 1840 angehängten Bestimmungen wegen der Chaussee-Polizeivergehen auf die gedahte Straße zur Anwendung kommen.

Ja der Zeit vom 12. bis inkl. 31. März cr. und vom 2. bis inkl. 21. April cr. finden hierselbst militärärztliche Operations- resp. anatomische Kurse statt, und ift zur Theilnahme an denselben eine größere Anzahl Assistenz- Aerzte 1. Klasse und Ober:Stabzärzte der Armee und Marine fommandirt worden.

Der’ heutigen Nummer des „Reihs- und Staats- Anzeigers“ ist eine „Besondere Beilage“ (Nr. 2), enthaltend Entscheidungen des Reichsgerichhts, beigefügt.

Elsaß - Lothringen. Straßburg, 26. Februar. (Els.-Lothr. Ztg.) Der Kaiserliche Statthalter hat dur Erlaß vom 22. Februar d. Js. auf Grund der von der Optionskommission in ihrer se<zehnten Sißung abgegebenen Gutachten bestimmt, daß 413 Personen als elsaß:lothringische Staatsangehörige niht zu betrachten sind.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 27. Februar. (W. T. B.) Das Unterhaus begann heute nah der definitiven Er- Ls der Gewerbegesegznovelle die Generaldebatte über das

udget.

Velgien. Brüssel, 26.3Februar. (Köln. Ztg.) Paul Metayer isst heute im Hospital gestorben. Sein Kamerad Cyvoct benimmt si< den Gerichtsbeamten gegenüber mit einer spöttishen Dreistigkeit, do<h scheint er derjenige gewesen zu sein, der vor einigen Monaten zu Lyon im Theatercafé am Bellccourplaß die Bombe hat springen lassen. Die Be- s{lagnahme der Koffer und Briefschaften erfolgte hier bei einem Lampenarbeiter, Namens Delsaute, der an der Spitze einer kleinen Gruppe von Anarchisten stcht.

Großbritanaien und Jriand. London, 27. Februar. (W. T. B.) Jn der heutigen Sizung des Unterhauses fündigte Northcote an, daß er am nähsten Montag den Premier Gladstone selbst darüber interpelliren- werde, ob er den Tag für die Diskussion des Antrages, betreffend die Frei- lassung Parnells und seiner Genossen, bestimmen wolle. Bei der fortgeseßten Adreßdebatte brahte O'Connor ein Amendement ein, in welhem unter Hinweis auf den Noth- stand in Jrland erklärt wird: der Umstand, daß jede Zusage fehle, Geseße über die Frland betreffenden dringenden Fragen einzubringen, erscheine geeignet, die Unzufriedenheit und das Mißvergnügen in Jrland zu erhöhen.

Frankreih. Paris, 26. Februar. (Fr. Corr.) Der heutige Ministerrath beschäftigte si< außer mit der Er- ledigung der laufenden Angelegenheiten vornehmli<h mit der Frage der zu ernennenden Unter-Staatssekretäre. Der Conseilspräsident Jules Ferry wünscht hierbei in der Weise zu verfahren, daß in den hauptsählihsten Ministerien, als Aeußeres, Jnneres und Justiz, den betreffenden Ministern, die bekanntlich der Fraktion der Union républicaine angehören, Unter:-Staatssekretäre aus den Reihen der gemäßigten Union dé- mocratique beigesellt werden. Seine Absicht gebe hierbei dahin, ein gewisses Gleichgewicht zwishen den beiden Fraktionen, welche zusammen die eigentlihe gouvernementale Majorität und Stüge der Regierung in der Kammer bilden, in ihrer respektiven Vertretung im Ministerium herbeizuführen. Da aber hindernde Personenfragen si< dabei einmisch- ten, so wurde die Angelegenheit der Unter - Staats- sekretäre heute no< nicht entschieden und einem spä- teren Ministerrath unter dem Vorsize des Präsi- denten der Republik selbst vorbehalten. Nach einem gefaßten Beschlusse wird die Abtheilung der Kulte wieder vom Ministerium des Jnnern abgetrennt und von Neuem dem Justiz-Ministerium beigegeben werden. Der Ministerrath einigte sih ferner dahin, bei der gegenwärtig in der Kammer stattfindenden Diskussion des Gemeindegeseßzes das Amen- dement Jules Roche anzunehmen, welches bezwe>t, eine Reihe älterer Gesehesbestimmungen aufzuheben, wonah für die Gemeinden alle Ausgaben für die Kulte, welche zu bestreiten das spezielle Kirhenvermögen ni<ht ausreicht, obli- gatorish sind. Diese Ausgaben belaufen \si< etwa auf 20 Millionen. Dieselben würden also fernerhin nur no< fakultative sein und die allein obligatorishen Ausgaben für die Kulte diejenigen bleiben, welhe dem Staat auf Grund des Konkordats zur Last fallen.

Die Rechte des Senats war auf heute zusammen- berufen, um über die Opport unität einer Jnterpellation über die Dekrete gegen die Prinzen von Orleans zu berathen. Da jedo< ein Theil der Mitglieder in den Kom- missionen und Abtheilungen zurü>gehalten war, so wurde die Versammlung und Beschlußfassung vorläufig vertagt. Die Linke hat den Vorschlag gemacht, den gegenwärtig unter den republifanishen Gruppen bestehenden Modus der Nomin i- rung der Kandidaten für die erledigten Senatorensiße auf Lebenszeit abzuändern. Bekanntlich hat jeßt jede der drei Gruppen abwe<hselnd das Recht, den eventuellen Kandidaten zu bezeihnen. Die Linke beantragt nun, daß fernerhin jede Gruppe immer drei Kandidaten den übrigen Gruppen zur Auswahl präsentire. Das linke Centrum lehnte diesen Vor- shlag ab, und auch die Union républicaine sprah si un- günstig dagegen aus. Die Wahl eines neuen inamoviblen Senators an General E Stelle findet am 8. März statt.

27. Februar. (W. T. B.) Ein Jndividuum Namens Byrn, dessen Signalement demjenigen Frank Byrns, des

Sekretärs der irishen Landliga, zu entsprechen scheint, ist heute Vormittag verhaftet und dem Polizei-Präfekten vorge- führt worden. Der Verhaftete leugnet jedo, Frank Byrn

zu sein. oer Md Fevruar. (W. T. B.) Das „Journal offi- ciel“ meldet die Ernennung des Generals Février zum

B Eten General des 6. Armee-Corps an Chanzy's elle. :

Italien. Rom, 2. Februar. (W. T. B.) Gestern Abend explodirten auf dem Plate vor dem Knit nal, im Vorflur des Palastes Chigi und auf dem Venediger Plate gleichzeitig drei Papierpetarden; irgend welcher Schaden wurde dur dieselben nicht angerihtet. Wie es heißt, sind mehrere Verhaftungen vorgenommen worden.

28. Februar. (W. T. B.) Die wegen der gestern geworfenen Pet arden anfänglich verhafteten Personen wurden wieder freigelassen, da sie ihre Unshuld nahweisen Tonnten. Die Nachforschungen werden auf das Eifrigste fort- gesezt. Die Petarden bestanden aus stark-m Kartonpapier, waren stark vers{nürt und hatten eine cyuindrische Form.

Serbien, Belgrad, 24, Februar. (W. T. B.) Das amtliche „Militärblatt“ veröffentlicht das Dekret des Königs über die neue Formation der Armee.

Gen ff

Dänemark. Kopenhagen, 27. Februac. (W. T. B.) Das Folkething beshloß einstimmig, eine Kommission zu wählen, die si< mit der Frage beschäftigen soll, welche Stellung den im Auslande lebenden dänischen Unter- thanen na den bestehenden Uebereinkommen zukomme. Der Viinister-Präsident stimmte diesem Beschlusse bei.

Amerika. Washington, 27, Februar. (W. T. B.) Das Repräsentantenhaus hat den Tarifentwurf des Senats an eine Konferenz verwiesen. Die Kom- mission hat die Ernennungen Fosters zum Gesandten in Madrid, Hoffmanns zum Gesandten in Kopenhagen und Ben- jamins zum Gesandten in Teheran bestätigt.

Afrika. Egypten. Alexandrien, 26, Februar. (W. T. B.) Der „Agence Havas“ wird von hier gemeldet, zahlreiche dort wohnende Europäer hätten eine Petition unter- zeichnet, in welher um das dauernde Verbleiben englischer Tru ppen zu ihrem Schutze ersuht wird.

Zeitungsftimmen.

Die „Shlesische Zeitung“ schreibt:

Das Abgeordnetenhaus hat si< mit der Regierung über cine ‘Aenderung unseres Klassensteuersystems verständigt, wele eine Ab- nahme der Pfändungen um nit weniger als 85 ‘/g in Aussicht stellt Nach der sozialen wie nach der wirthswaftlihen Seite hin ijt damit ein erfreulider Schritt vorwärts gethan, den großen Zielen der Steuerreform aber hat uns derselbe nur wenig näber- geführt. Uns diese Ziele zu vergegenwärtigen, halten wir um so mehr für geboten, als gewisse Parteibestrebungen offenbar dahin gerichtet sind, dieselben vergessen zu machen und die ganze MRe- form A auf eine Modifikation unserer diretten Steuern zu beschränken. enn, was wir nit voraussetßzen, die anderweite Ge- staltung, wel<e unsere direkten Personalsteuern an der Hand der eben vom Abgeordnetenhause erlassenen Resolution erfahren sollen, darauf gerichtet wäre, die Erträge der Einkommensteuer erheblich zu steigern, diese Steuer also, welche heute nur eine sehr bescheidene Rolle in unserem Staatshaushalts-Etat spielt, zu einer Haupteinnahmequelle zu machen, so würde man sih damit von dem ursprünglihen Steuer- reformgedanken abwenden und eine diametral entgegengesetzte Richtung eins<lagen. Dcr ursprüngliche Gedanke, zu welchem sih von den Theoretikern des Manchesterthums und der Sozialdemokratie abge- sehen die öffentliche Meinung {on vor Jahren bekannt hat, ging dahin, daß von reihêwegen die indirekten Steuerquellen ergiebiger zu gestalten seien, um reihe Uebershüsse zu erzielen, dur< wel<e die Einzelstaaten und die kommunalen Verbände in den Stand gesetzt würden, nit nur ihre fulturellen Aufgaben in vollkommenerer Weise zu erfüllen, sondern au die direêten Steuern, vor allem die auf dem Einkommen und auf dem Grundbesiß lastenden, herabzumindern. . . ,

Außer den finanziellen Mitteln, deren der Staat zur vollkom- meneren Erfüllung seiner eigeren Aufgaben benöthigt, wird er also noch einer weiteren Steigerung seiner Einnahmen bedürfen, um die Lasten zu bestreiten, welde er den Gemeinden abnimmt, und die Aus- fälle zu de>en, welche aus dem Verzibt auf die Grund- und Ge- bäudesteuer erwahsen. Es handelt si demnach um große Summen, die- nur von reihêwegen beschafft werden können und denen

egenüber das, was etwa aus direkten Auflagen, wie

apitalrentensteuer, Börsensteuer 2c. no< erzielt werden kann, gar niht ins Gewicht fällt. Solhe Summen aber sind nur zu erlangen, wenn an dem Grundgedanken der Steuerreform, wie ihn Fürst Bismar> vor Jahren in seiner ersten grundlegenden Rede klar und bestimmt hinstellte, festgehalten wird, wenn nach dem Vorgange sämmtlicher großer Kulturstaaten der Erde gewisse, nit zum noth- wendigen Lebensbedarfe gehörende, aber einem großen Konsum unter- liegende Genußmittel, wie Tabak und geistige Getränke, diese e<ten «Lurxueéartikel des Volkes*, zu einer ausgiebigen Besteuerung herange- zogen werden. i

Angesichts des großartigen Gewinns, wel<er für das Wohl- ergehen der Gesammtheit, für die fkulturelle Blüthe unseres Volkes und für die Sicherung unseres Staatswesens aus der Erreichung der geste>ten Ziele erwachsen würde, halten wir es für Pflicht, immer

‘und immer wieder auf diese Ziele hinzuweisen und, soweit es

an uns liegt, dafür Sorge zu tragen, daß dieselben nit dur ein- seitige Ablenkung der Interessen auf die „Reform der direkten Per- sonalsteuern“ verdunkelt werden. l

In einem „Deutsche Wirthschaftspolitik in französischer Beleuchtung“ überschriebenen Leitartikel des „Deutschen Tageblatts“ lesen wir: f

Zu allen Zeiten ist der einzelne Mens<h und in weit höherem Grade no< ein ganzes Volk langsam und \{werfällig gewesen im Begreifen und Erkennen eines Fortschritts oder einer Reform und erleu<htete Staatémänner hatten nur zu oft die zäheste Opposition zu überwinden, um die Gedanken und Neuecungen „zu verwirklichen, wel<he ihr übershauender BVli> für die richtigen und noth- wendigen erkannt hatte. Nicht anders ergeht cs dem Reformator der deutschen Wirtk schaftspolitik, obs<on er do<h nur die wirthschaftliben Konsequenzen seines politischen Werkes gezogen und dem deutschen Volke, nachdem er es politis geeint, ein nationales Bewußtsein au in wirth\<aftlicer Hinsicht verliehen oder besser neueingeflößt hat. Wie sich dieses nationale Bewußtsein auf wirthschaftlihem Gebiete durh ein ge- \teigertes und fkonsolidirtes Wirken und Streben bethätigt, wie auf dem inneren Markte und zuglei< in Bezug auf den Export die deutsche Arbeit erfolgreiher und bewußter als je zuvor sih entfaltet das ließe si tagtäglih dur< mannigfabe Symptome und That- saden belegen und wird auch oppositionellerseits immer weniger be- fibitten. In den jüngsten Tagen hat au cin Unbefangener, ohne es zu wollen , der neuen deutshen Wirthschaftépolitik ein anerkennendes Zeugniß ausgestellt und dieser Unbefangene ist Frankreich.

Wie erinnerlih, hat sih der französishe Handelsstand aufgerafft und dem Präsidenten Grévy dur cine Deputation seine Beschwer- den und seine Wünsche unterbreiten lassen. Beziehen sih dieselben au< nur auf die Unsicherheit der politishen Zustände in Frankrei,

so liegen sie in Wahrheit do< viel tiefer und wurzeln vor allem in dem Rükgange von Handel und G-werbe, wie er in den Ausrreisen über Frankreichs Dae el konsta ‘irt worden. Woher dieser Rüd>gang ? „Wäbrend wir nur Aufmerksamkeit haben für unseren politischen Srosc- mäusekrieg“, so ungefähr schrieb ein Pariser Blatt, „verbesserte Europa sein Handwerkszeug, revidirte seine Zoll- und Transport- tarife, war eifrig bestrebt, seinen Erzeuanissen größeren Absatz zu verschaffen, verdrängte uns von allen Märkten und eignete sich unsere Schöpfungen und zuglei< jene Eigenschaften an, wel<e eint aus unseren Arbeitern Künstler ohne Konkurrenz machten, Wir sind von einem kommerziellen Sadowa und von einem industriellen Sedan bedroht.“ Und wenn jenes Pariser Blatt, der „National“, wiederholte, daß das industrielle Europa im Jahre 1883 das arbeitsame Franfreih bedrohe, wie Deutschland im Jahre 1870 das französische Heer, so wird man zugestehen müssen, daß man unter dem erfolgreih aufstrebenden Konkurrenten Frank- reichs in Paris nit eigentli< Europa, sondern Deutscbland versteht, welches seit Jnaugurirung der neuen Wirthschaftspolitik si kon- [Os hat und mit Kraft und Bewußtsein auf dem Weltmarkt vor- ringt.

Der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ \hreibt man aus Brüssel : 9 N

_ Von der hiesigen Union Syndicale, welche den Mittelpunkt der

verschiedenen Interessentenkceise bildet, wurde kürzlich die Frage erörtert, wie wichtig es lowohl für die Entwi>elung von Handel und Industrie im Lande, wie au für die Finanzen des Staates sei, eigene Dampfer- verbindungen mit den bedeutendsten übersecishen Häfen zu besitzen.

Um baldmöglichst zu dem gewünsdten Ziele zu kommen, soll Staatshülfe in Anspruch genommen werden. Bei der scharfen Kon- kurrenz der übrigen seefahrenden Nationen dürfe aber, wie hervor- gehoben wurde, ein folhes Unternehmen nit mit geringen Mitteln in Angriff genommen werden. Der Staat müsse einer Gesellschaft eine entsprechende Minimaleinnahme garantiren. Den finanziellen Bedenken gegenüber wurde geltend gemat, daß dur< regelmäßige direkte Verfrachtungsgelezenheiten der Erporthandel nit nur Bel- giens, sondern auc des südlicheren französisben und deutscen Hinter- landes na< Antwerpen geleitet werde, und daß der Staat aus dem Transitiren der Waaren auf seinen Eisenbahnen größere Sum- men vereinnahmen werde, als er für die Subventionen der Dampfer- linien werde auêgeben müssen. Ferner wurde betont, daß der ge- steigerte Seeverkehr auf die Leistungéfähigkeit von Handel und Ge- werbe des Landes in mannigfacer Beziehung belebend einwirken und ein sbnelleres Anwachsen des nationalen Wohlstandes und zugleich der Einnahme des Staates nah sich ziehen werde. Diese Gesichts- punkte fanden allgemeine Beistimmung, und man gab der Hoffnung Ausdru>, daß es bald gelingen werde, mit Hülfe der Regierung diese für Antwerpen wie für das ganze Land gleich wichtige Frage zu einer gedeihlichen Lösung zu bringen.

„Armee - Verordnungs - Blatt. Nr. 6. Inhalt: Gleichmäßige Bekleidung des auf dem Kriegs\hauplaß zur Verwen- dung kommenden männlichen Personals der freiwilligen Krankenpflege. Revolvertaïche und Kartusche der Kürassiere. Abänderung des S. 7 der Musterungs-Instruktion. Dienstabzeichen zur Disposition stehender Generale, welhe Chefs von Regimentern sind 2c. Ver- legung des Stab®quartiers des 1. Bataillons (Gerlahsheim) 2. Ba- dischen Landwehr-Regiments Nr. 110 von Gerlachsheim na< Mos- ba : Steigbügel- Probe für Dragoner, Husaren und Ulanen. Nacbträge zu Dienstvorschriften. Künsftige Veranschlagung und Be- \cbaffung der eisernen Oefen und eisernen Kobheerde für fortififato- rishe Neubauten. Unterhaltung des Utensilements in den dur< die Truppen zu besezenden Wachen. Uebungen der Arbeitssoldaten des Beurlaubtenstandes für das Etatsjahr 1883/84. Abänderung der Deutschen Wehr-Ordnung. Anstellung bei dem Schutzmanns- corps in Bremen. Anbringung von Doppelfenstern in den Büchsen- macer-Werkstätten der Truppen. Ausgabe von Nachträgen. Wohlthätigkeit.

Statistische Nachrichten.

Nah ciner kürzlih von dem norwegischen statistis&en Central- bureau veröffentlihten Uebersiht über Norwegens Ein- und Ausfuhr im Jahre 1882 an gewissen ‘hauptsäcblichen Waaren hat die Einfuhr an Konsumartikeln im Vergleich zum Vorjahre wesentlich abgenommen, dagegen die von Produktionsartikela nicht unbeträchtlich zugenommen. Was die Ausfuhr betrifft, so zeigen fast sämmtliche Fischwaaren eine Abnahme, dagegen befonders die Forstprodukte eine bedeutende Zunahme. Eingeführt wurden: Roggen 135 Mill, kg (gegen 149 Mill. kg im Jahre 1881), Gerste 42 Mill. kg (50 Mill. kg), Butter 3 324 000 kg (3 511 000 kg), Thee 72 000 kg (81 000 kg), Kaffee 6 976 000 ko (7602000 kg), Zuder 10 189 000 kg (9 392 000 kg), Wein in Fässern 1 615 000 kg (1 640 000 kg), Reis 2 340 000 kg (3511 000 kg), Takadblätter 1691 000 kg (1927 000 kg), Salz 1 327 000 kg (1 355 000 kg), Baumwolle 2 433 000 kg (2 194 000 kg), Maschinen im Werthe von 1 963 009 Kronen (2 381 000 Kronen). Ausfuhr: Stockfis<h 15 230 000 kg (18 876 000 kg), Klippfisch 40 123 000 kg (41 918 000 kg), gesalzenen Häring 526 000 k] (893 000 k1), Fischrogen 66 000 hl (52 000 bl), Ihran 101 000 hl (124 000 hl), Sohlleder 198 000 kg (194 000 kg), Bier 1 708 000 1 (1543 000 1), Zündhölzer 2 743 000 kg (2 3%5 000 kg), Holzmasse zur Papierfabrikation 59 033 000 kg (42 799 000 kg), Holz, rohes und bearbeitetes aller Art 916 000 Reg.-Tons (881 000 Reg.- Tons), Schwefelkies 62 611 000 kg (61 679 000 kg), Eis 227 000 Reg.-Tons (179 000 Neg.-Tons).

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Musikalishes Konversations-Lexikon. Eine Ency- kflopädie der gesammten musikalishen Wissenschaften für Gebildete aller Stände. Unter Mitwirkung vieler Musikgelehrten begründet von Hermann Mendel. Vollendei von Dr. August Reißmann. Zweite Ausgabe (Erste Stereotyp- Ausgabe) in elf Bänden. A<ter Band. Lieferung 84—93. Preis 5 F Berlin, Verlag von Robert Oppenheim. Dieser Band der umfangreichen Encyklopädie umfaßt die Artikel Paix bis Ry<nowsky. Unter den ersten Abschnitten finden wir eine Biographie Giovanni Pierluigi da Palestrina’s (dessen Styl jedo< eine no< eingehendere Würdigung hätte finden können); dann folgen u. A. Artikel über Partitur und Par- titurlesen und -spielen, die Biographien der Geschwister Patti, die Artikel Pauke, Pergolese (ein Meister, ‘der seiner Bedeutung ent- sprechend, wohl einen austführlicheren Artikel verdient hätte, während der kunstgeshictli<h viel unbedeutendere französisde Opernkomponist Philidor einer so ausgedehnten Berücksichtigung, wie sie ihm wider- fahren, weit weniger benöthigt war), Phantasie, Philosophie der Kunst, Physharmonika (leider ohne Erklärung des Namens), Pianoforte, Piccini, da Ponte, Posaune, Präludium (mit vielen Notenbeispielen) u. v. a, Aus dem Buchstaben O scien folgende Ab- schnitte herausgegriffen: Quant, Quart, Querstand, Querstrich, Quinte, Quintenfolgen, Quintenfuge 2c. (leßtere mit zahlreichen Beis spielen); aus dem Buchstaben R: Raff, Rameau, Recitativo, Refrain, Reichardt (Iohann Friedrih, Gustav u. A.), Reine>e, Reißiger (drei Repräsentanten dieser Künstlerfamilie), Nellstab, Rhythmus, Ries (mehrfach vertreten), M Rode, Romantik, Romanze, Romberg (Andreas, Bewhard u. A.), Rondeau, Rossini, Rousseau, Rubin- stein, Rungenhagen, Russishe Musik und Rust.

Bereits vor längerer Zeit haben wir auf das im Verlage von Heinrih Schmidt und Carl Günther in Leipzig erscheinende illustrirte Prachtwerk „Amerika, cine Schilderung der Vereinigten Staaten in Wort und Bild“, von Friedrich v. Hellwal d, aufmerksam ge- macht, welhes jenes Land dem deutschen geistig näher rü>en soll. eEindringlih“, hicß es in dem Prospekt, „wollen wir die in Europa fast so gut wie unbekannten landschaftlihen Schönheiten dieses Bodens B und damit der allgemeinen Vorstellung entgegentreten, welche ih mit wenigen Ausnahmen Amerika als reizlos denkt. Freilich

fehlt ihm eine Geshihte in unserem Sinne und damit auh die Poesie der Erinnerung, welbe in unserem Erdtheil so mane Stätte verklärt. Dafür entfalten si< oft no< drüben die ungeahnten Herrlichkeiten jungfräulicher Gebiete und sind wir dort Zeugen, wie die Umwandlung herrenloser Wildnisse in Heimstätten der Kultur fich vollzieht Wir dur<wandern die Thäler und Stlucbten der alten Gebirge, welche , die östliben Staaten \<mü>en, wir befuchen die gewaltigen Parks der Felsengebirge, die wie cin mäctiges Rückgrat den Leib des Kontinents durziehen, wir streifen dur< die Wunder des Yellowstone-Gebietes mit seinen „präbtigen Gevsirn, beißen Quellen und Been; wic be- wundern die imposanten Katarakten des Yosemitethales und die Riesenzedern des Mariposa-Haines. Aber nit bloß von der äußeren Natur mit ihrem vielfältigen, abwe<slungsreicen Zauber lassen wir uns fesseln; au „die Menschen, ihr Thun und Treiben wollen wir kennen lernen. Wir wollen eindringen in ibre Sitten und Gebräube, in ihre Denkart, ihre Pläne. Nirgends hat sich je aus bescheidenen Anfängen in rascherer Zeit eine mättige Nation entwid>elt, welche die Schätze der Wissenschaft sib dienstbar macht und wie keine andere auf allen Gebieten praktisher Thätigkeit Großes geleistet bat. Nicht ohne Nutzen nehmen wir ihre Städte in Augenschein, ftudiren ihre verschiedenen Einribtungen, besuhen Kirchen und Sculen und wandern dur die Werkstätten ihrer Industrie, versenken uns in die Scate ihrer Bergwerke und ziehen mit der bewaffneten Macht auf den Krieg8spfad gegen die rothhäutigen Urherren des Landes. Auf diese, soweit sie von der legreih fortschreitenden Gesittung nod nit verdrängt oder aufge]ogen find, geben ein interessantes Objekt für unsere Betrachtung und die wichtige Frage, wie die Zukunft dieser Lenden De gises me v Sil der europäiscen Zivilisation zugeführt werden können, soll bei ilderung der dahin abzi

Meine ry unerörtert e De y E E : le Jeßt vorliegende erste Lieferung des Werks läßt erwarten, daß die dur<h den Prospekt hervorgerufenen Hoffnungen Tit werden 2 tâusbt werden, Das erste Heft führt den Leser dur die romantischen Landschaften des Staats Maine urd durch die amerikanishe Schweiz im Staate New-Hampshire , deren großartige Szenerien dur eine Anzahl von_ Tertbildern (die Via Mala, die Donnerhöble, Eagle- See, der Obeliskfelsen, Ansicht der weisen Berge, Abstieg vom Mount Washington, Krystall-Katarakt bei Mount Washington 2c.) veranshauliht wird. Außerdem liegen noch folgende Vollbilder bei: Im Hafen von Newyork, Unter den Niagarafällen auf der kanadischen Seite, Bilder aus Philadelphia (6 Ansichten). Der durch seine geo- graphishen Studien mit den Quellen vertraute Verfasser des Tertes, Friedrich von Hellwald, beweist au<h in diesem Werke seine Be- gabung, ein weitschichtiges Gebiet zu beherrschen und ebenso anziehend wie gemeinverständlih darzustellen. Auf die Illustrationen und die Ausftattung des Werks hat die Verlagshandlung, wie bei ihren früheren Unternehmungen (Sclagintweit, Indien ; Kleinpaul, Rom; Frhr. v. Hübner, Spaziergang um die Welt; Frhr. v. Schweiger- Lercbenfeld, Griebenland; Mar Ring, Berlin), wieder ein Haupt- gewicht gelegt. Der Preis des Hefts, deren 50 zu erwarten sind,

beträgt 1 M __ Gewerbe und Handel.

_ Nach den statistishen Ermittelungen des Vereins deutscher Eijen- und Stahlindustrieller belief ih die Roheisen- produktion des Deutschen Reichs (einshließli< Luremburgs) im Monat Januar 1883 auf 278 995 t, darunter 156 934 t Puddel- M N 50 L Bien N 337t A 30 378 t Thomas- roheljen und 28 750 t Gießereiroheisen. ic Produktion im J 1882 betrug 285 217 t. y A

London, 27. Februar. (W. T. B.) Bei der gestrigen Woll- auktion waren australis{e Wolle weniger fest, Kapwolle unver-

ändert.

Glasgow, 27. Februar. (W. T. B.) Die Verschiffungen von Roheisen betrugen in der vorigen Woche 11 614, gegen 10 739 Tons in derselben Woche des vorigen Jahres.

New-York, 26. Februar. (W. T. B.) Weizenvers<if- fungen der leßten Woche von den atlantis<hen Häfen der Ver- einigten Staaten nah Großbritannien 75 009, do. na< Frank- reih 22 000, do. nach anderen Häfen des Kontinents 3000, do. von Kalifornien und Oregon nah Großbritannien 30 000, do. do. na<

Srankreih 7000, do. do. na< anderen Hâfen des Kontinent Qrtrs.

Verkehrs-Anstalten. 6 O F ee D. T. h ta Dampfer „Velvetta“ von der National-Damp iffs-Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier angekommen. 8

Berlin, 28. Februar 1883.

«n London is vor einiger Zeit ein Comité zusammen- getreten, welhes Sammlungen zum Besten der Ueber- s<wemmten veranstaltet hat, deren reiches Ergebniß in der Höhe von 8800 Pfd. Sterl. den verschiedenen Comités, welche sih zur Unterstüßung der übersGwemmten Gebiete des Rheins und oer L gebildet haben, in einzelnen Raten zuge-

ossen ift.

Kürzlich ist nun au< Jhrer Majestät der Kaiserin und Königin durh den Vorsißenden des Comités, Baron H. W. Schröder in London, aus dem German Fnundation Fund die Summe von 10000 # mit der Bitte ürerwiesen worden, dieselbe, nah eigenem Ermessen, an Vaterländische Frauenvereine in den betroffenen Distrikten zu vertheilen.

Jhre Majestät hat über diese Summe, sowohl zum Besten der Uebershwemmten als auch der nothleidenden Eifel-Bewohner in der Rheinprovinz, Verfügung getroffen E nachstehende Dankschreiben an den Baron Schröder gerichtet :

Ihr eben erhaltener Bericht hat Mich bewegt und zu doppeltem Danke verpflichtet. Ist es an und für si wahrhaft befriedigend, zu erkennen, wie die jeßige Zeit im Wohlthun die Kraft der Einigung und den Ersaß für viele Opfer findet, so muß insbesondere anerkannt werden, daß die ete Vaterlandsliebe nah und fern sih in einer Weise kund giebt, wel<e Deutschland ehrt und befreundete Nationen zur Unterstüßung veranlaßt. Jhnen war es wiederum vergönnt, an der Spitze eines solhen Werkes zu wirken und Ihren Namen in beiden befreundeten Nationen zur Geltung zu bringen. Die Er- innerung daran wird Ihnen stets eine lohnende sein, und Ich, die in Jhrem Hause weilte, freue Mich herzli< dar- über. ¡ Danken Sie Denen, die so freigebig geholfen haben, und sagen Sie ihnen, daß die Vaterländishen Frauen-Vereine stolz auf den Auftrag sind, die Gaben in re<ter Weise zu verwenden, \o- wohl da, wo fortlaufende Unterstüßung in Folge der Ueberschwem- mung nothwendig sein wird, als au< im Gebiete der Eifel, wo sih besondere Nothstände entwi>kelt haben. Gott vergelte allen Wohl- thätern in der Zukunft die Leistungen der Gegenwart !

Berlin, den 20. Februar 1883. E Angusta.

In dem am Sonnabend, den 3. März, Abends 64 Uhr, statt- findenden 3. Abonnements-Concert der Sing-Akademie wird der „Paulus“ von Mendelssohn aufgeführt werden. Einlaß- karten zu 4, 3 und 2,4, sowie zu der am Freitag, Nachmittags 4 Uhr, stattfindenden Generalprobe zu 1,50 A sind bei dem Hauswart der Sing-Akademie zu haben.