1904 / 16 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Die Fureimaurerveceinigung hielt gestern eine Ver- sammlung ab, in der egen die Ausweijung des deutschen Neichstagsabgeordneten Deljor Einspruch erhoben rourde.

Schweden und Norwegen.

Der \chwedische Reichstag ist ld wie „W. T. B.“ meldet, feierli eröffnet worden. In der hronrede wird hervor- gehoben, daß Unterhandlungen mit einzelnen Mächten über den Ab-

{luß von Schiedögerichtsverträgen an( eknüpft seien. Ferner werden neue derartige erhandlungen rit anderen Mächten an-

gekündigt. Was die Konsulatsfrage betrifft, so wird in der Throvrede die Hoffnung aus esprochen, daß es den Mitgliedera des schwedis{ - norwegishen Staatsrats gelingen

möge, eine beiderseits zufriedenstellende Lösung zu finden. Ferner wird ein Geseßentwurf über die Grweiterung des politishen Stimm- rechts angekündigt ; es soll das allgemeine timmrecht als Grundlage dienen, wobei die Bedingung“ gestellt wird, daß Staats- und Kommunalsteuern gezahlt werden. Es wird vorgeschlagen, das System der . Proportionalwahlen einzuführen. Schließlich werden Gesetzentwürfe über die Fortführung der Staatsbahnen bis zur Grenze Finnlands und über Staatsbeiträge zur Errichtung von Arbeiter-

heimen angekündigt. : i Das gestern vorgelegte Budget weist an Einnahmen

178 Millionen Kronen, an Ausgaben 189 Millionen Kronen auf, wovon 11 Millionen durch Anleihe gedeckt werden sollen. Die elf Millionen sind für den Ankauf von Cisenbahnmaterial und den Bau von Eisenbahnen ' von Göteborg nah Skee und von Morjaen nah Karungi an der finnishen Grenze bestimmt.

Amierika.

Aus Buenos Aires meldet die „Agence Havas“, einem Telegramm aus Montevideo zufolge abe bei Jllescas ein blutiger Kampf zwischen den Regierungstruppen und den Aufständischen stattgefunden. Leßtere seien ge- \chlagen worden. Sie hätten gute Stellungen innegehabt, aber zu den Regierungstruppen gestoßene Verstärkungen und die Mitrailleusen hätten sie zum Rückzuge gezwungen. Ein anderer Kampf solle bei Mansa villagra sid ereignet haben. Es heiße, der Befehlshaber der Aufständishen Aparicio Saravia sei am Bein verwundet worden. Der General Muniz verfolge die Aufständischen lebhaft.

Asien.

Nach einer Meldung des „Reuterschen Bureaus“ aus Kalkutta vom gestrigen Tage sind in Jndien Nachrichten eingelaufen, nah denen sih 3000 bis 4000 Tibetaner etwa vierzig Meilen von Phar entfernt angesammelt hätten. Der Ausbruch von Feindseligkeiten sei sehr wahrscheinlih. Der Gesundheitszustand der englishen Truppen sei andauernd gut, troßdem Nachts 50 Grad (Fahrenheit) Kälte herrschten.

In Peking eingetroffene Missionsberichte melden, daß der Prinz Tuan ernstlih erkrankt und Tungfuhsiang gestorben sei. : : :

Aus Qn a! wird der Londoner „Daily Mail“ telegraphiert: der Vizekönig in Nanking Wei bereite die Ent- sendung von 10000 Mann cinesischer Truppen nah dem Norden vor: die ersten 5000 Mann sollten im Februar ab- gehen. Der Vizekönig habe auch von Japan für eine Million Taëls Gewehre gekauft; auch die Vizekönige und Gouverneure in den anderen Küstenprovinzen machten in Japan große Bes- stellungen von Gewehren und Schießbedarf. ;

Wie dasselbe Blait aus Tokio meldet, berief der japanische Finanzminister gestern die Leiter der hervor- ragendsten Bankfirmen zu einer Besprehung; später erließ der Minister besondere auf, die gegenwärtige Lage bezügliche An-

„ordnungen.

Der „Nussishen Telegraphenagentur“ wird aus Port Arthur mitgeteilt, es sei aus Söul die Meldung eingetroffen, daß dort eine beunruhigende Stimmung herrsche. Man befürchte den Ausbruch einer anticeuropäishen Bewegung. Zur Ver- stärkung des Schutzes der diplomatishen Missionen seien dort außer dem russischen auch ein amerikanisches, ein englisches und ein italienishes Detachement eingetroffen ; ein deutsches und ein französisches würden erwartet. Japan folle über 600 Soldaten in den Kasernen und üter 3000 in den Dörfern verteilte ver- fleideie Soldaten versügen. Eine bedeutende Zahl Ca P her tnd Koreaner gehöre der anticuropäishen Partei an und stehe unter dem Eirfluß der Japaner.

Dem „Reutershen Bureau“ wird aus Manila gemeldet: das asiatishe Schlachtshiffgeshwader der Ver- einigten Staaten sei gestern dort eingetroffen: dic durh- schnittlihe Geshwindigkeit auf der Fahrt des Geschwaders habe über zwölf Knoten betragen. Die Kreuzer würden heute erwartet. Wenn alle Schiffe eingetroffen sein würden, sollten sie Befehl erhalten, nah Olongampho (Yongampho ?) zu gehen.

Parlamentarische Nachrichten.

Der Schlußbericht über die gestrige Sißung des Neichs- tags und der Bericht über die gestrige Sitzung des Herren- hauses befinden sih in der Ersten und Zweiten Beilage.

Jn der heutigen (14.) Sihung des Reichstags, welcher der Reichskanzler Graf von Bülow, der Staatssekretär des Reichsmarineamts, Staatsminister, Admiral von Tirpit, der Kriegsminister, Generalleutnant von Einem, der Staatssekretär des Auswärtigen Amts Dr. Freiherr von Richthofen und der Staatssekretär des Reichsschagamts Dr. Freiherr von Stengel beiwohnten, stand auf der Tagesordnung die erste Beratung des MELCI Los wegen Feststellung eines Nachtrags zum I eihshaushaltsetat für 1903 (1496 000 () in Verbindung mit dem Entwurf eines Gesehes wegen Festsielung eines Nachtrags zum Haushal1setat jôr die Schhußgebiete für 1903, einer Ergänzung

es dem Reichstage vorliegenden Entwurfs des Reichshaus-

haltsetats für 1904 (1325 000 4) und einer Ergänzung des dem Reichstage vorliegenden Entwurfs des Haushaltsetats für die Schußhgebiete für 1904.

Das Wort nimmt zuerst der

Direktor der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts Dr. Stuebel: Im Anschluß an die gestrige Erklärung des Herrn Yeichs- fanzlers mödhte ih Ihnen einige Mitteilungen machen über den Auf- stand, der im Schußgebiete von Südwestafrika au8gebrochen ist. Nähere Berichte über den Aufstand liegen noch nicht vor. (Der Redner verbreitet ch über diesen Aufstand, seine Ausführungen

nd aber nur zum Teil auf der Journalistentribüne verständlich.) ie ersten Nachrichten über den Aufstand der Bondelzwarts rühren aus dem Monat November her. Am 20. und 21. November hatte ein Gefecht stattgefunden, in dem die Schwarzen zurückgeworfen wurden. Nach neueren Nachrichten ift niht daran zu esen daß in der Zeit zwishen dem 6. und 10. Januar der Aufstand der

Bondelzwarts ein Ende gefunden hat. Gleichzeitig mit diesen Nach- rihten kamen die ersten Alarmnachrichten aus dem zentralen Teil. Aus Windhuk kamen am 11. und 12. d. Vts. Telegramme, nach denen die Hereros Ofahandja besegt hätten, und daß die Gisenbahn-

und Telegraphenverbindung nah Windhuk unterbrochen sei. Auch die Verbindung zwischen Okahandja und Swakopmund war unterbrochen, wir bekamen nur noch direkte me aus Swakopmund. Unmittelbar nah dem Eintreffen der Telegramme aus Windhuk ist von Swakopmund eine Ersaykolonne für Okahandja mit der Eisenbahn entsendet worden. Wie weit diese Kolonne befördert worden ist, ist uns nicht bekannt. Von Karibib ist eine Entsezung von Otimbingwe versucht worden. In den legten Tagen ist eine Verstärkung Ugen worden, um namentli die Eisenbahnstation Karibib zu deen. tese ist in einen verteidigungsfähigen Zustand verseßt worden. Weiter war gemeldet, daß an der nördlichen Grenze des Hererogebiets alles ruhig sei, aber nah einem heutigen Telegramm soll auch dort ein Ort. inzwischen belagert sein. Wenn bei dem leßten Gefecht die Eingeborenen in Tropenuniformen angetroffen find, so staminen diese Uniformen aus dem geplünderten Magazin in Johann Albrechts-Höhe. Der Stellvertreter des Gouverneurs hielt die Entsendung eines Bataillons mit bespannter Ge für notwendig. Nach einem anderen Telegramm ‘eines Öberrichters ist die Lage Okahandjas sehr ernst. Um Ihnen über die Größe der Gefahr eine Vorstellung zu geben, möchte ih Ihnen einige Zahlen mitteilen. Die gesamte Be- völkerung des Schußzgebiets beträgt 4650 Köpfe, die vom Aufstand betroffenen Bezirke zählen 1830 Seelen, davon 1542 Weiße. In den drei Bezirken gibt es 216 Ansiedler und Farmer. An größeren Orten sind vorhanden: Groß-Windhuk, Klein-Windhuk, Karib:b, Okahandja, Omaruru, Otimbingwe. In den drei Bezirken befinden si 17800 Stück Rindvieb, 56 000 Stück Kleinvieh und über 1000 Pferde. Die Ursachen des Aufstandes sind darauf zurückzuführen, daß die Gin- geborenen die N vor der Olkupation niht vergessen können, in der sie in vollkommener Ungebundenheit und Zügellofigkeit lebten. Als die Deutschen ins Land kamen, betrachteten fie fie als gecignete Bundesgenossen gegenüber den Witbois, aber {on 1896 am es zu einem partiellen Aufstand. Dieser wurde nieder- gebrochen, und die beiden Rädelsführer wurden in Okahandja zum Tode verurteilt und erschossen. Der Hauptstamm der Hereros hat sich da- mals durchaus loyal benommen, es lag also nicht der mindeste Grund vor, an der Friedfertigkeit der Hereros zu zweifeln. Immerhin blieben die Hereros Gegner der staatlihen und gesellschaftlichen Ordnung, die wir thnen do beibringen mußten. Vazu kam, daß nach dem Bau von Eisenbahnen eine große Anzahl der Farmen [inks und rets dieser Bahnen in die Hände der Weißen übergegangen sind, und daß die wirtschaftliche Selbständigkeit der Hereros durch Kauf- verträge “vielfa eingeshränkt wurde. Es liegen hier vielfach widerstreitende Interessen vor. Es wurde shließlich wenigstens für folhe Kaufverträge eine kurze Verjährungsfrist eingeführt. Alle diese Beweggründe haben Aufstandsgelüste hervorgerufen. Vielleiht haben auh falsche Nachrichten über Niederlagen der Weißen zu dem Aufstande beigetragen. Db der Aufstand lange Zeit vorbereitet war, kann man nicht genau fagen. Symptomatisch ist, daß eine größere Anzahl von Eingeborenen, die in den Minen von Transvaal als Arbeiter beschäftigt waren, bei der Nach- richt von dem Bondelzwart8aufstande zurückkehrten, um sich an der Erhebung zu beteiligen. Die Missionare waren volllommen im Ungewissen über die Möglichkeit einer solhen Erhebung gewesen. Ein Farmer, der seit 12 Jahren im Schußgebiet gelebt hat, berichtete uns, er sei ganz sprahlos über den Aufstand, er begreife nit, wie die Leute die Sache so lange hätten geheim halten können. Wenn der Aufstand so überraschend gekommen ist, fo kann au von einer Verantwortung unsererseits kaum die Nede sein. Auch unter diesen traurigen Umständen haben sih wieder die Eisen- kahnen in Südwestafrikaals von großem Wert bewiesen. Die Operation3- basis ist mit Hilfe der Eisen ahnen bis in die Mitte des Landes vorgerückt worden. eitere Operationen ' werden hauptsächlich die Wiederherstellung der zerstörten Bahn zum-Zwecke haben. Zunächst gilt es nun, den Bedrobten Hilfe. zu bringen, und dazu soll vor allem das Bataillon Marineinfanterie dienen, das ohne jeden Verzug am nächsten Donnerstag die Ausreise antreten foll. Es er- wächst aber aus dem gleichzeitigen Aufstande der Bondelzwarts und der Hereros die zwingende Notwendigkeit einer Entwaffnung der Eingeborenen. Dazu ist eine Verstärkung der Schußtruppe durhaus notwendig. Es handelt sich jedoch hierbei nur um eine vorüber- gehende Verstärkung bis die Pacificierung des Landes durch die Ent- waffnung der Eingeborenen herbeigeführt ist. Die geforderten Maß- nabmen dienen zu Gunsten Südwestafrikas und unserer ganzen Kolonialpolitik.

Aba.“ Dr. Spahn (Zentr, auf der Tribüne \{chwer verständlih): Ich glaube, daß das ganze Haus darin einig ist, daß die geforderten Maßnahmen notwendig sind. Jch will dem Herrn Kolonialdirektor und seiner Verwaltung keinen Vorwurf daraus machen, daß er nicht {on früher Kenntnis von der Lage gehabt hat. Aber nah einem Artikel der „Frankfurter Zeitung“ von béute früh ist der Aufstand {on längst vorbereitet, und dort werden auch abweichende Gründe für sein Ausbrechen beige- bracht. Es wird dort angegeben, daß die Beitreibung der Schulden von den Hereros mit größter Schärfe seitèns der Händler erfolgt. Der gegenwärtige Augenblick is aber nit dazu aângetan, darüber näbere Erörterungen anzustellen. Was die geshäftlihe Behandlung des Nachtragsetats anbetrifft, so handelt cs sich um einen Nachtrag für das laufende Jahr und einen für 1904. Es hat gar kein Be- denken, den Nachtrag für das laufende Jahr auf Grund der uns gegebenen Auskünfte sogleih in zwei Lesungen zu erledigen.

(Schluß des Blattes.)

Die heutige (2.) Sißung des Hauses der Ab- geordneten, welher der Finanzminister Freiherr von Rheinbaben und der Minister des Jnnern Freiherr von Hammerstein beiwohnten, eröffnete “der Alterspräsident Schaffner mit der Mitteilung, daß 424 Wahlen von den Abteilungen geprüft worden, daß Anfechtungen derselben bisher niht eingegangen und diese Wahlen daher vorläufig als gültig anzusehen sind.

Auf der Tagesordnung stand zunächst die Wahl des räsidenten, der beiden Vizepräsidenten und der chriftführer.

Abg. Stengel (freikons., zur Geschäftsordnung): Von wver- schiedenen Seiten des Hauses ist der Wunsch geäußert, die Wahl des Präsidiums wieder dur Zuruf vorzunehmen. Es ift allerdings etwas ungewöhnlich, diesen Wahlmodus am Beginn einer Legislaturperiode zu benutzen. Indes glaube ih, daß es dem Wunsche des Hauscs ent- spricht, das Wahlgeschäft mögl*chst abzukürzen. Ich erlaube mir des- halb, zunächst die Wahl des Abg. von Kröcher „zum Präsidenten des Hauses durh Zuruf zu beantragen.

_ Dagegen erhob sich kein Widerspruh. Abg. von Kröcher ist somit zum Präsidenten des Hauses gewählt.

Abg. von Kröcher: Ih nehme die Wahl mit verbindlihem Danke an. Sie haben mih wieder in so freundlicher Weise dur Zuruf gewählt, daß ih Ihnen dafür nur ganz besonders danken kann, \o- wohl den Herren, von denen ih schon einige Jahre lang dieselbe Liebenswürdigkeit erfahren habe, wie namentlich auch den Herren, die mich noch nit kennen und troßdem mi in so liebenswürdiger Form gewählt haben. fig Der Abg. von Kröcher nahm darauf den Präsidenten- lh ein. i

Abg. Stengel beantragte ferner, durch Zuruf den Abg. Lr. Porsch zum Ersten Vizepräsitenten zu wählen.

Das Haus war damit einverstanden.

Abg. Dr. Porsch (Zentr.) erklärte: Mit aufrihtigem Danke nehme ih die auf mi gefallene Wahl an.

Abg. Stengel: Ih beantrage, zum Zweiten Vizepräsidenten den Abg. Dr. Krause dur Zuruf zu wählen. (Beifall links; der größte Teil der Kon)ervativen verläßt den Saal; Rufe links: Ah!)

Gegen den Vorschlag erhob si kein Widerspruh. Abg. Dr. Krause ist somit gewählt.

Ahg. Dr. Krause (nl.) erklärte: Ih nehme die Wahl mit Dank an. (Darauf traten die Konservativen unter der Heiterkeit der Unken wieder in den Saal ein.)

Zu Schriftführern wurden, gleichfalls auf Vorschlag des Abg. Stengel, dur Zuruf die Abgg. von Boelberg, Holtshke, Baensh-Schmidtlein, Eckert, Jürgensen, Fischbeck, von Hagen und Marx gewählt.

u Quästoren ernannte der Präsident die Abgg. Henning und Junghenn.

Präsident von Kröcher: Das Haus ist damit konstitutert. F werde Seiner Majeslät die vorgeschriebene Anzeige davon machen. glaube in Ihrer aller Sinne zu handeln, wenn ih, ehe wir weiter in unsern Geschäften fortfahren, dem Herrn Dank ausspreche, welher {ih als Alter3pr ger der Mühe unterzogen hat, das Präsidium zu führen. Der Abg. Schaffner hat auf der Höhe seiner Jahre in so be- wunderungswürdiger geistiger und körperlicher Frische das Amt geführt, daß wir wobl die frohe Hoffnung aussprechen können, ibn noch öfters als Alterspräsidenten amtieren zu sehen. Jch bitte Sie, sich zu Ehren des Abg. Schaffner von den Sitßen zu erheben. (Unter Beifall erhebt K das Haus.)

Abg. Schaffner: Ich danke Ihnen von Herzen recht sehr für die freundlihen Worte, die mir eben der Herr Adi ausgesprochen hat. Die Erfüllung des leßten Wunsches steht natürlich in Gottes Als Ich hoffe, daß mir die Gnade zuteil werden möge, auch erner noch als Alterspräsident zu fungieren. Das walte Gott!

Präsident von Kröcher erbat und erhielt darauf die Ermächtigung, Seiner Majestät dem Kaiser und König zum bevorstehenden Geburtstage die Glückwünsche des Hauses aus- zusprechen. :

Als „Schwerinstag“ für E O und Petitionen wurde, wie bisher, der Mittwoch jeder Woche in Aussiht genommen.

Es folgte sodann die Entgegennahme von Vorlagen der Königlichen Staatsregierung.

Das Wort ergriff der Finanzminister Freiherr von Rhein- baben, der dem Hause auf Grund Allerhöchster Ermächtigung die allgemeine Rechnung für das Etatsjahr 1900, die Uebersicht der Staatseinnahmen und -ausgaben für das Rechnungsjahr 1902 und den Staatshaushaltsetat für das Nechnungsjahr 1904 unterbreitete.

(Schluß des Blattes.)

Nach dem dem Hause der Abgeordneten vorgelegten Entwurfe des Staatshaushaltsetats Lir das Gtatsjahr 1904 find die Einnahmen des Staats auf 2 800 805 050 M, die Aus- gaben im Ordinarium auf 2626 260 668 , im Erxtra- ordinarium auf 174544382 46, zusammen mithin ebenfalls auf 9 800 805 050 Á veranschlagt.

Gegenüber den Veranshlagungen für das laufende Jahr zeigt, wenn die zur Balancierung des leyteren angeseßte außerordentliche Einnahme von 70 976 935 4 außer Betracht bleibt, die für 1904 angesezte Einnahme ein Mehr von 191 687 318 4, das sich mit 170 138 908 4 auf die Betriebsverwaltungen, mit 10 509 701 46 auf die Dotationen und die allgemeine Finanzverwaltung und mit 11 038 709 6 auf die Staatsverwaltungseinnahmen verteilt. Bei den Ausgaben im Ordinarium tritt dagegen ein Mehr von 104 086 798 M hervor, wovon 71388491 H auf die Betriebsverwaltungen, 10271927 A auf die Dotationen und die allgemeine Finanz- verwaltung und 22 426 380 6 auf die Staatêverwaltung8ausgaben entfallen. Das Extraordinarium ist um 16 623 585 M. höher angeseßt.

Bei den staatlichen Betrieb8verwaltungen ist im Ordinarium ein Mehrüberschuß von überhaupt 98 750 417 4 ver- ansclagt, der sich aus Mehrübershüssen von 103 338 962 H und aus Minderüberschüssen von 4 588 545 „6 zusammenseßzt.

Non den Mehrübershüssen entfallen 82787 742 # auf die Eisenbahnverwaltung, deren Einnabmen um 138 418 483 46. höher verans{laat sind, und zwar um 29 990 000 #6 bei dem Personen- und um 109 260 000 A bei dem Güterverkehr, während an dauernden Yusgaben 55 630 741 «4 mehr angeseßt sind. Von den Mehr- autgaben sind hervorzuheben: 6329 3C0 #4 Besoldungen und Wohnungsgeldzuschüsse, inabesondere für 3246 neue etatsmäßige Stellen, 6 647 900 4 für Hilfsarbeiter, 1464 000 G für Wohlfahrts- ¡wedte, 11 599 000 A für Betrieb3materialien, 12 801 000 G für den Oberbau, 11 833 000 (A für Betriebsmittel und 1978 000 4 Anteil Hessens an den Ergebnissen der gemeinschaftlichen Verwaltung des preußischen und besi en Eisenbahnbesißes.

Bei der Forstverwaltung ist ein Mehrübershuß von 11 515/000 verans{chlagt; insbesondere eine Mehreinnahme für Holz von 11600000 M; an Mehrausgaben werden namentlich erfordert 124 190 A Besoldungen usw., darunter die Bezüge für drei neue Oberförster- und 23 neue Försterstellen, ferner 1 129 0€0 für Werbung und Transport von Holi; dem Mehrerforternis {tehen gegenüber Minderausgaben von insgesamt 892 160 M, weil die be- treffenden Ausgaben vom 1. Oktober 1904 ab nah dem Forst- wirtshaftsjahr verrehnet werden sollen, darunter 388 600 M. zur Unterhaltung und zum Neubau der öffentlichen Wege; 195 200 Holzverkaufskosten, 64 000 ( Kosten für Vertilgung \{ädliher Tiere und 169 000 4 Beiträge zur Krankenversicherung der Arbeiter usw. Fm Extraordinarium ist wiederum ein Zushuß zu dem ordentlichen Grundstücksankaufsfonds und zwar in der Höhe von 4 000 000 M, statt der bisherigen 1400 000 M, vorgesehen.

Bei der Verwaltung der direkten Steuern is der Mehrübershuß auf 4613 700 M Verauidlaak indem die Einnahmen aus der Ein- fommensteuer um 5 000 0C0 M höher, diejenigen aus der Eisenbahn- abgabe dagegen um 304 000 4 niedriger in Ansatz gebracht find.

Bei der Verwaltung der indirekten Steuern ergibt sich ein Mehrübers{uß von 3 832800 H, der si aus einer Y ehreinnahme von 4925 000 4 und einer Mehrausgabe von 1 092 200 4 zusammen- seßt. Mehreinnahmen sind veranschlagt: 4700 000 & an Stempel- steuer und 900000 an Erbschaft3s\teuer, Mindereinnahmen dagegen 916 000 A an Vergütung für Erhebung von Neichssteuern; von Mehrausgaben sind hervorzuheben 758 918 (4 aus Anlaß des neuen Zolltarifs zur Vermehrung und anderweiten zweckmäßigeren Einteilung sowie zur besseren Ausbildung der Beamten der Zollverwaltung.

Ein Mehrübershuß von 206 920 4A entfällt auf die Domänen- verwaltung. Bei der Neuverpahtung von Domänenvorwerken hat sih zwar ein Minderertrag von 172930 #4 ergeben und außerdem entsteht dur Verkauf von sechs Domänenvorwerken ein Minderertrag von 34 700 4, andererseits ist aber aus der Selbstbewirtshaftung und der Verpachtung von neu angekauften Domänen eine Mehreinnahme von 687 000 X in Aussicht zu nehmen, der bei den Betriebskosten für selbstbewirtshaftete Grundstücke entsprehende Mehrausgaben gegen- überstehen. Diese sind unter Berücksichtigung der Meh1kosten für bereits vorhanden gewesene Grundbstüde a 210 225 M veranschlagt. m ganzen beziffern sih die Mehreinnahmen auf 478 270 4 und die Mehrausgaben auf 271 350 M

Endlich ist bei dem Seehandlungsinstitut auf Grund der Durh- E Es ein Mehrübershuß von 382400 A in Ansay ge- racht.

“Die Minderüberschüsse entfallen zum überwiegenden Teile nämli mit 4548 595 4 auf die Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung. Der Betrag von 4548 595 4 sett sich aus einer Mehreinnahme von 7 532 555 16 und einer Mehraus abe von 12081 150 A zusammen. Diese Mehrausgabe beruht hauptsächlih auf der fortshreitenden Ent-

j [ur die Alterszulagekassen der Volksschullehrer und L

des Landeseisenbahnrats,

widelung des angekauften WestfälisGen Bergwerksbefißes und auf der Betriebserweiterung der bereits vorhandenen anderweiten Werke. Ron Mehrausgaben find insbesondere zu erwähnen 2515 000 6 für

aterialien und Geräte, 5 089 000 „G an LWhnen, 664 000 4 für MWohlfahrtszwecke und 2 530 242 4 für Neu- und Grweiterungsbauten.

Die Dotationen und die allgemeine Finanzverwal- tung weisen einen Minderbedarf von 237 774 auf.

Die Verwaltung der dffentlihen Schuld erfordert zwar eine Mehrausgabe von 1 394550 4; zur Verzinsung sind 1 373 702 M und zur Tilgung 50018 4 mehr veranschlagt.

Dagegen ergibt \sih bei der allgemeinen E ns ein Minderbedarf von 1711059 ## indem ehreinnahmen von 10510 126 M Mehrausgaben von 8 799 067 ge enüberstehen. Den bezüglichen Ansägen in dem Entwurf zum Reichshaushaltsetat für 1904 entsprehend, sind die Ueberweisungen vom Neih um 7 188 420 „# höher eingestellt. Dazu tritt ein Mehr von 4 500 000 A an hinterlegten Geldern, während bei der Einnahme des vormaligen Staats\chates ein Weniger von 1 680 000 H anzuseßen war. Anderer- seits zeigt der Matrikularbeitrag eine Steigerung, die mit 7 237 825 M. annähernd der S der Üeberweisungen vom Reiche entspricht ; an den sonstigen Vichrausgaben sind dte üdckzahlungen von hinter- legten Geldern mit 1500 000 „6 beteiligt.

Bei den eigentlihen Staatsverwaltungen ist die Einnahme um insgesamt 11038 709 „46 böher verans{lagl, und zwar erscheinen u. a. 2162524 « beim Finanzministerium, 1558 500 4 bei der Bauverwaltung, 561 531 4 bei der Handels- und Gewerbeverwaltung, 3 564 100 M4 bei der Justizverwaltung und 1314865 „# bei der Ver- waltung des Inneru; in lehterer Summe ist eine Mehreinnahme von 1186 680 \ffM zu Beihilfen b unterstüzungsbedürstige ebemalige Krieger N der eine Mehrausgabe von gleichem Betrage gegen- übersteht.

Die dauernden Ausgaben bei den eigentlitea Staatsverwaltungen erhöhen sih um _ 22 426 380 M.

Sn dem Etat des Finanzministeriums sind an Mehrausgaben 4751464 4 vorgesehen, und zwar 1639 110 M für die Oberpräsidien und Regierungen, darunter die Bezüge für 30 neue Negierungsmitglieder, 150 Bureaubeamte und 25 Kanzlisten, 100 000 4 zur Verstärkung des Assessorendiätenfonds, 219 200 „& für Bureaubedürfnisse, 252500 4 zu Diäten, Fuhr- und Det eBuneronen und 500000 6 zur Verstärkung des Dispositionsfonds der Oberpräsidenten zur Förderung und Be- festigung des Deutschlums in den Ostmarken ; ferner 2 000 000 4 für Zivilpensionen, 1200 000 4 zu geseßlichen Witwen- und Waiseñs geldern und 100 000 f behufs Erhöhung des Fonds zu widerruflichen, nicht pie Gehaltszulagen an die in der Provinz Posen und den gemishtsprachigen Kreisen der Provinz Westpreußen angestellten mittleren, Kanzlei- und Unterbeamten. Im Extraordinarium sind 1000000 #46 jur Herstellung eines Königlichen Nesidenzschlosses in der Stadt Posen als erste Nate vorgesehen; ferner 3 000 C00 M als dritte Mate des Bedarfs zum G&rwerb und zur Erschließung des Umwallungsgeländes der Stadt Posen sowie 150 000 (A Beihilfe für den Neubau eines Stadttheaters in Thorn.

Bei der allgemeinen Bauverwaltung sind an dauernden Mehr- ausgaben veranschlagt 1 039 477 4, darunter 185 497 „6 Besoldungen und Wohnungsgeldzushüsse hauptsächlich infolge der Errichtung neuer Stellen, und 338 420 4 zur Unterhaltung der Seehäfen, der Binnen-

M hâfen und der Kanäle.

Bei der Handels- und Gewerbeverwaltung ist die dauernde Aus- gabe um 1 044 542 # gestiegen; insbesondere treten hinzu 854 961 M für das gewerbliche Unterriht3wesen, darunter 400 000 Zuschüsse zur Einrichtung und Unterhaltung von Fortbildung8s{hulen, 50 000 4 für Fahshulen von geringerer Bedeutung und 30 000 K zur Förde- rung der nicht gewerb8mäßigen Arbeit3vermittelung und echts- beratung für die minder bemittelten Bevölkerungskreise. Der Mehr- ausgabe für das gewerbliche Unterriht8wesen steht eine Mehreinnahme bei den Unterrichls8anftalten von 154 421 gegenüber.

Die dauernde Mehrausgabe der Justizverwaltung ftellt fich auf 374160 4 Abgesehen von dem Mehrbedarf aus Anlaß der Um- wandlung von 17 Amtsrichterstellen in Stellen für Amtsgerichts- direktoren und von 6 Staatsanwalts\tellen in Stellen für Erste Staats8anwälte find mehr vorgesehen die Gebälter für neue Stellen für 150 Richter und Staat8anwälte, 200 Bureaubeamte ufw., ferner 5400 A zu Zulagen von je 900 4 für 6 Erste Staatdanwälte, 100 000 A Gebührenanteile der Gerichtsvollzieher, 300 000 M für Hilféarbeiter, 200 000 6 zu Bureaubedürfnissen, 175 200 Ge- fängnisverwaltungskosten, 230 000 Æ zu vermishten Ausgaben, 166 562 M4 für die besonderen Gefängnisse, 600 000 46 bare Auslagen in Zivil- und Strafsachen und 199 550 „6 zur Unterhaltung der Justizgebäude.

Bei der Verwaltung des Innern find an Mehrausgaben namentli vorgesehen 257 569 „46 für die Polizeiverwaltung in Berlin und Umgebung, 204 867 # für die Polizeiverwaltung in den Pro- birzen, 129 241 für die Landgendarmerie, 1 427 071 M allgemeine Ausgaben im Interesse der Polizei, darunter 1 320 (00 für die Fürforgeerziehung Minderjähriger, endlih 403 293 A für die Straf- anstaltéverwaltung.

Bei der landwirtschaftliGen Verwaltung sind 1 381 686 H an dauernden Mehrausgaben eingestellt; darin sind enthalten 760000 M, die bisher im Gxtraordinarium zur Verstärkung verschiedener Dis- positions- usw. Fonds ausgebraht waren und nunmehr auf das

Ordinarium übernommen worden sind. Außerdem baben die betreffenden Fonds noch eine Verstärkung um in9gesamt 157 000 M erfahren. Von dem gesamten Mehr von

1381686 «A entfallen 196760 «A auf die Generalkom- missionen, 283 841 « auf die landwirtschaftlichen Lehranstalten 929 000 G auf die Förderung der Viebzuct und 202 000 auf allgemeine Ausgaben. Von den bisherigen extraordinären Ber- tärkungen hon Dispositionsfonds ist nur noch die des Dispositions- onds zu Prämien bei Pferderennen im Extraordinarium belassen und gleichzeitig um 250 000 4, nämlih auf den Betrag von 500 000 4 erhöht worden.

„Bei der Gestütverwaltung ist die dauernde Ausgabe um 431 053 46 erhöht, wélcher eine Mehreinnahme von 90635 A gegenübersteht. Don der Mebraus8gabe entfallen 250 000 G auf die Verstärkung des ordentlichen Pferdeankaufsfonds, außerdem ist im Extraordinarium wiederum ein Zuschuß zu diesem Fonds, und zwar in der Höhe von 115 000 M vorgeschen.

00n den dauernden Mehrausgaben bei der Verwaltung der geist- lichen, Unterrihts- und Medizinalangelegenheiten im Gesamtbetrage ae 4 961 345 M. find zu erwähnen: 311 142 4 für die Universitäten, 4 976 M für die höheren Lehranstalten, 2 330 327 A für das S cmentarunterriht8wesen, darunter der Mehrbedarf für 4 neue eminare und 5 neue Prâparandenanstalten, 300 000 behufs all- gemeiner Erleichterung der Volkss{ullasten, 400 000 4 zu P 300 | ehrerinnen, i 000 6 zur Errichtung neuer Schulstellen, 80 000 6 zu Pensionen ür Lehrer und Lehrerinnen an öffentlichen Nolks\(ulen, 450 000 A B Teiberls und Waisengeldern für die Hinterbliebenen von Volks- f lehrern ferner 236 027 G für Kunst und Wissenschaft, 581 145 Pf as technische Unterrichtswesen, 850 000 M Staatsrente an den C E und Waisenfonds und 184002 4 für das Medizinal- nd ZON den O und außerordentlihen Ausgaben entfallen t Bie Gigs nen 114 026 340 4, daiunter S 320 t dea nverw -

tungen 60 518 042 x altung, und auf die eigentlihen Staatsverwa

-———

Beid Ï j

diger: en Häusern des Landtags sind ferner zuge- eine übersihtlihe Darstellung der Ergebnisse

448 im Jahre 1903 stattgehabten Verhandlungen

EnisieigndeSeisenbahnrats und der n getraltenen eidungen nebst den Verhandlungsschriften und Drucksachen

ein Bericht über die Ergebnisse des Betriebes der vereinigten preußischen und hessishen Staats- GIPOE E im Rehnungsjahre 1902 und

Nachrichten von dem Betriebe der unter der preußishen Berg-, Hütten- und Salinenverwal- tung stehenden Staalow erte während des Etats- jahres 1902.

Außerdem sind dem Herrenhause unterbreitet worden:

eine Uebersicht der von der Königlichen Staats- regierung gefaßten Entshließungen auf Beschlüsse E Herrenhauses aus der 19. Legislaturperiode, owie

am 27. November 1903 geschlossene Nachtrags verträge a. zum Staatsvertrage zwishen Preußen, Sacsen- Meiningen und Sachsen-Coburg-Gotha, betreffend die Errichtung eines gemein E Landgerichts zu Meiningen, vom 17. Oktober 1878, b. zum . Staats- vertrage zwijchen Preußen, Sachsen-Meiningen und Sch warzburg - Rudolstadt, betreffend die Errichtung cines gemein\haftlihen Landgerichts zuRudolstadt, vom 17. Oktober 1878, und c. zum Staatsvertrage zwischen Preußen und den thüringischen Staaten, betreffend den Anschluß preußischer Gepletateile an: den Bezirk des gemeinshaftlihen thüringishen ODberlandes- gerihts zu Jena, vom 23. April 1878, sowie das dazu gehörige Schlußprotokoll nebst einer darauf bezüglichen Denk- schrift. Jn diesen Nachtragsverträgen is u. a. die Verlänge- rung E E des Vertragsverhältnisses auf weitere 25 Jahre vereinbart.

Dem Hause der Abgeordneten sind endlih noch zu- gegangen:

eine Nachweisung der durch Kauf und Tausch vorgekommenen Flächenzugänge sowie der dur Verkauf, Tausch und infolge von Ablösungen ein- getretenen Flächenabgänge bei der Domänenver- waltung für das Etatsjahr 1902 nebst einer summarischen Angabe der in der Zeit von 1867 bis zum 1. April 1902 vor- gekommenen gleichartigen Zu- und Abgänge,

eine Denkschrift, betreffend diejenigen in der vor- genannten Nachweisung mitenthaltenen Veräußerungen Un aus Dem au HerorbEmtlien Domänenankaufsfonds (Kapitel 10 Titel 3 der einmaligen und außerordentlichen Ausgaben des Staatshaushaltsetats für das Etatsjahr 1902) bewirkten Erwerbungen, bei welwhen der Wert 100 000 M im Einzelfalle übersteigt,

‘der Entwurf eines Gesehes, betreffend die Ver- ua G zum Besuche ländliher Fortbildungs- chulen in der Provinz Hessen-Nasjau, nebst Be- gründung und

der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Kosten der Prüfung und Ueberwachung von elektrischen Anlagen, Dampffässern, Aufzügen und anderen gefährlihen Einrichtungen, nebst Begründung.

Statiftik und Volkswirtschaft.

Die im Seeschiffahrtsverkehr in den preußischen Häfen angekommenen Schiffe 1902.

Aus den vom Königlichen Statistishen Bureau kbergestellten Vebersichten des Seeverkehrs im preußishen Staate veröffentlicht die „Stat. Korr.“ die folgenden wifiälten Zahlen über den Eingang. Sichî man von dem Binnenverkehr der Seeschiffe ab, fo trafen 1902 in den preußischen Hafenpläßen und Anlegestellen insgefamt 76 746 Schiffe mit einem Netioraumgehalt von 9 259 460 Negistertons sowie, die Schiffsfübrer, Aerzte, Ingenieure, Maschinisten, Heizer, Köche,Stewards usw. mitinbegriffen, 579 420 Mannschaften ein. Von diesen Fahr- zeugen langten 1448, d. h. 1,89 vom Hundert, mit inêgesamt 96 509 Registertons oder 1,04 und 9278 Köpfen oder 1,60 v. H. wegen Havarie, Reparatur, um Schuß zu suchen, Eises halber, um Order zu holen, zum Ueberwintern, um Kohlen oder Proviant ein- zunehmen, bebufs polizeiliher Besichtigung, zum Abbruche, zur Klassifizierung oder als S{leppdampfer an. Im Gegensaiz zu den bisherigen Ermittelungen zeigen diese Ziffern, mit denen von 1901 verglichen, eine beträhtlihe Verminderung.

Befaßt man sich nunmebr aués{ließlid mit den zu Handels8- ¡weden angekommenen Schiffen, so befanden sich unter ihnen 45 188 Dampfer gleich 60,01 mit 7 769 963 Negistertons gleich 84,80 und 486 052 Mann gleih 85,25 Hundertteilen. Die Beseitigung der Segel. dur die Dampfschiffe schreitet also noch fort. Ferner ent- fielen unter den Fahrzeugen überhaupt auf díe in Ladung 66 530 oder 88,36, auf die in Ballast 8768 oder 11,64, auf die Dampf- cie 43 095 oder 95,37 bezw. 2093 oder 4,63, auf die Segel- schiffe 23455 oder 77,83 bezw. 6675 oder 22,17 Hundertstel. Gegen das Vorjahr ist mithin keine wesentlice Aenderung in der Befrachtung eingetreten, die nahezu denselben Stand wie feit 1900 behauptet hat. Einen noch zutreffenderen Maßstab bildet aber die Tragfähigkeit, welhe si bei allen Schiffen zusammengenommen für die beladenen auf 8420078 gleich 91,89 und für die leeren auf 742873 oder 8,11, bei den Dampfern auf 7249 180 gleich 93,30 bezw. 520783 gleich 6,70, bei den Seglern auf 1170 898 glei 84 06 bezw. 222 090 glei 15,94 v. H. fiellte Demnach läßt die Befrachtung gegen das Borjahr im allgemeinen eine geringe Zunahme erkennen. Es gereiht zu besonderer Be- friedigung, daß sie gerade durch die hartbedrängte Segelschiffahrt bewirkt i\t, welhe eine nicht unerbeblihe Besserung entgegen einem Nückgange bei den Dampfern aufzuweisen hat. Die bedauerliche Ginshränkung in der Bemannung beginnt neuerdings abzunehmen, indem sich auf je einen Mann bei den Schiffen überhaupt 16,07, bei den Dampfern 15,99 und bei den Segelschiffen 16,57 Registertons er- gaben. Das Bestreben, zur Erhöhung der Ertragsfähigkeit immer größere Schiffe zu bauen, dauert an; denn im Berichtsjahre erreichte der Durchschnitt für ein Schiff ohne Unterscheidung der Bauart 121,69, für ein Dampfschiff 171,95, für ein Segelschiff 46,26 Register- tons. Der sich noch 1901 geltend machende Einfluß der Abänderung der Schiffsvermessungs8ordnung vom 20. Juni 1888 durch die Bekannt- machung vom 1. März 1895, welhe zumal bei den Dampfern eine scheinbare Verkleinerung des Laderaums bedingt, tritt somit jegt nicht mehr hervor. Schließlih verdient Erwähnung, daß die mit der Jahr- hundertwende begonnene \{wache Hebung des Seeverkehrs sich 1902 verstärkte, und zwar stieg der Verkehr gegen das Vorjahr bei den Schiffen um 1,82, bei den Registertons um 4,17 sowie bei den Mann- \chaften um 9,51 Hundertteile.

Zur Arbeiterbewegung.

Dur ein gestern abend in Crimmitschau von der Aus- standsleitung ausgegebenes Flu gblatt „An das kämpfende Pro- letariat von Crimmitshau und Umgegend" wird, wie „W. T. B,“ meldet, den Arbeitern anempfohlen, den Kawpf zu beenden. (Val. Nr. 11 d. Bl.) Sie werden aufgefordert, beute, Dienstag, bedingungslos die Arbeit wieder ul neter: Dieser Beschluß hängt jedeufalls mit der vorgestrigen Anwesenheit der Leiter der deutschen Textil- arbeiterorganijation ‘zusammen. i

“” Fuust und Wissenschaft.

Jn den Weihnachtstagen traf in Berlin ein Elbkahn ein, der in 422 Kisten ein wertvolles Geschenk Seiner Majestät des Sultans an Seine Majestät den Deutschen Kaiser, den Skulpturenschmuck der assade des Schlosses M'schatta, enthielt. Die Kisten sind in den unteren Räumen des seiner Vollendung entgegengehenden Kaiser Friedrih-Museums untergebraht worden, wo ein Raum zur Aufstellung dieser eigenartigen Skulpturen hergerichtet werden soll.

Die Ruinen von M’schatta liegen etwa drei Tagereisen östlih von Jerusalem, an der Pilgerstraße von Damaskus nach Mekka, hart an der Grenze der von den Beduinen be- wohnten nordarabishen Wüste. Die Ausmerksamkeit hat sich erst in neuerer Zeit auf diesen noch in seinen Ruinen imposanten, e Bau A seitdem in dem benachbarten

adaba eine katholishe Missionsstation angelegt worden ift. Der shweizerische Gelehrte Professor Dr. N. Birüinöip in Vevey Li eine eingehende Untersuchung und Aufnahmen des Baues gemacht, deren Publikationen er gemeinsam mit zwei anderen bekannten Orientforschern, Professor Euting in Straß- burg und Professor Strzygowski in Graz, vorbereitet hat.

Die Erwägung, daß mit dem Bau der sogenannten Hedschazbahn von Damaskus nach Mekka und der Anlage einer

tation in kürzester Entfernung von der Ruinenstätte die in so einsamer Lage shwer zu verhindernde Ausbeutung ihrer Steine als Baumaterial und damit die völlige Zerstörung des merk- würdigen Denkmals drohte, hatte einen dieser Forscher, Professor Strzygowski veranlaßt, die Brünnowschen Photo- graphien dem Geheimen Rat Bode mitzuteilen, der Gelegenheit and, sie Seiner Majestät dem Kaiser zu unterbreiten. Bald arauf hatte Professor Euting, der bejonders den Gedanken mit Abformung der Skulpturen verfolgte, diese Aufnahmen mit zeichnerisch hergestellten Kopien der Skulpturen Allerhöchst- demselben vorlegen können. Sie erregten das lebhafteste Interesse des Monarchen, der sogleich die nahe Verwandtschaft der reichen Ornamentik mit den Mustern sassanidisher Stoffe erkannte und die hohe Bedeutung dieser merkwürdigen Denk- máäler, deren gleichen die europäishen Museen bisher nicht aufzuweisen haben, mit siherem Blicke würdigte. i

Als Seine Majestät der Sultan von diesem Jnteresse Seiner Majestät des Kaisers Kenntnis erhielt, machte er dem befreundeten Herrscher die Fassadenskulpturen von M'schatta zum Geschenk, und dieses ward von Seiner Mazjestät dem Kaiser Friedrih - Museum großmütig überwiesen. Für die Abtragung und den Transport der Skulpturen wurde Dr. Schumacher in Haifa, einer der besten Kenner von Palästina und den angrenzenden Distrikten, gewonnen. Gleich- geitig ging Regierungsbaumeister B. Schulz von Baalbeck zur E des Baues nah M’schatta, deren wertvolle Resultate in der Folge bekannt gemaht werden sollen. Die Abnahme, die außerordentlich mühsame Verpackung und der shwierige Transport bis zum Hafen ist unter Benußung der neuerbauten, von Seiner Mazestät dem Sultan mit bejonderem Jnteresse ge- förderten Hedshazbahn durch Dr. Shumacher in glücklichster Weise ausgeführt worden; in Beirut wurden die Kisten auf ein Schiff der Deutschen Levantelinie verladen und auch von Hamburg zu Wasser nach hier gebracht.

Veber Entstehung und Bedeutung dieser Skulpturen geben wir nachstehend das Gutachten dcs bekannten Orieniforschers, unseres Landsmanns Dr. Friedrich Sarre, der zur Zeit gerade mit ciner großen Publikation über die sassanidishen Denkmäler beschäftigt ist.

„Die gewaltige, aus Kalkftein und Ziegeln errihtete Anlage von M’schatta, welche jeßt ein weites Trümmerfeld bildet so schreibt Dr. Sarre —, is niemals vollendet gewesen. Erst die systematischen, von Herrn Regierungsbaumeister B. Schulz ausgeführten Unrïersuhungen und Aufnahmen der Nuinen haben den Grundrii des Ganzen aufgedeckt und es ermöglicht, Zweck und Bestimmung der Anlage genau zu erkennen. :

Die aus Quadern errichtete Umfassungsmauer, die noch in ihrer ganzen Ausdehnung verfolgt werden kann, umschließt ein Quadrat von 147 m Seitenlänge. Festungsartig spungen ringsum 25 halbrunde Türme vor. Die Mitte nimmt ein mit vier Wasserbassins versehener Jnnenhof ein, der von einem allseitig gleich tiefen Gebäudezuge umgeben war oder umgeben werden ‘sollte. Die beiden seutlihen Gebäudeflügel find nicht einmal fundiert worden, und ihr Grundriß ist bis zu einem ge- wissen Grade nur aus den Verzahnungen an der Umfassungs- mauer zu erkennen. Ausgeführt und noch heute teilweise er- halten is das Hauptgebäude, der dem Eingang gegenüber- liegende Nordflügel. Hier führt vom Hof aus eine dreischiffige, einst von Säulenreihen getragene, offene Halle in einen dahinterliegenden quadratishen Raum, der mit ieinen drei hald- runden Apsiden ehemals von einer Kuppel bedcck war. Ab- gesehen von der ÜUmfassungsmauer, sind auch alle Säulen- und Pilafterkapitelle und Basen aus Kalkstein gefertigt, während für die Wände und Gewölbe Ziegel verwendet worden sind.

Der Hauptshmuck von M'schatta besteht in den relief- artigen Verzierungen, die in einer Höhe von 6m den mittleren Teil der Südfassade, das Eingangsportal und die beiden flankicrenden fünfseitigen Halbtürme umfaßend, bedecken, 1 von denen der größere Teil, in einer Länge von 33 jeßt in Berlin befindet. Dieser prachtvolle Fassadenshmuck i einzig in seiner Art und kann mit cinem gewaltigen, als Wandshmuck aufgehängten Teppich verglichen werden. Ein \{hmuckloser Sockel und stark vorspringende, reih gemujterte

V Profile bilden die Basis, über der die Fläche im Ziclzack gce- gliedert ist, sodaß cine fortlaufende Reihe von ctwa 3 m hohen \pißwinkeligen Dreiecken entsteht, deren Mitte große ichspaß-

förmige Rosetten schmüden. Gleiche Rosetten tragen auch die dazwischenlicgenden Zwickel, und oben wird das Ganze wiederum durch ein gleihes kräftiges Profilband wie unten abgeschlossen.

Dies das allaemcine Grundschema. Jm Detail sind die einzelnen Dreiecksflächen mit einem ähnlichen, aber doh stets wechselnden Muster bedeckt. Meist sind aus einer Vase in der Mitte emporwachsende, naturalistisch behandelte Weinlaub- ranken dargestellt, die die Fläche über}pinnen. Dazwischen find Tierbilder angebracht; zu den Seiten der Vase meist allerhand Fabeltiere, geflügelte Löwen oder Greifen, während in den BYweigen felbst die verschiedeñnartigsten Vögel ihr Wesen treiben.

Wenn auch dies ornamentale Blattwerk und die Bildung des Akanthus an den Kapitellen an byzantinische, speziell \yrishe Vorbilder erinnert, so weist doh der Stil des Ganzen mehr nach dem Osten und gemabnt an die Denkmäler derSassaniden, an ihre figürlihen Seidenstoffe und MetaUarbeiten, und an ihre Reliefskulpturen. Vor allem liegt in gegenständlicher und ftili- stischer Hinsicht ein Verglei mit den Reliefs der Felsgrotte von

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