1904 / 36 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Minister für Landwirischaft 2c. von Podbielski:

Meine Herren! Für dite landwirtschaftliche Verwaltung scheidet natürli eine Reihe von Fragen aus, die der Herr Vorredner be- rührte, Fragen, die auf hygienischem und militärischem Gebiet liegen. Fch kabe mi nur an die landwirtshaftlihen Fragen zu halten und fann von meiner Seite konstatieren, daß an vielen Stellen zweifellos dur die Beschaffung von Wasserleitungen die landwirtshaftlichen Verhältnisse in kleineren Gemeinden sich gebessert haben. Aber ih habe aus der Rede des Herrn Vorredners leider entnommen, daß er aus diesem bisherigen Vorgehen der Regierung beim Westfonds Kon- sequenzen zieht, daß wir noch weiter gehen müssen; diesen Aus- führungen vermag ih niht ganz zu folgen. Ich möchte meine Er* flärung zur Sache, um sie präzis abzugeben, mit Genehmigung des Herrn Präsidenten, vorlesen :

Die Mittel des sogenannten Westfonds werden bereits jetzt ver- wendet, um leistungsshwachen ländlidhen Gemeinden zur Förderung der landwirtschaftlichen Betriebe die Anlage von Wasserleitungen zu Wirtschaftzwecken zu ermöglichen. Hiernach wäre der Antrag, falls dabei an die Schaffung eines neuen besonderen Fonds gedacht sein solite, entbehrlih, und es bleibt nur die Frage übrig, ob ein Bedürfnis nah Verstärkung des Westfon® anerkannt werden muß. Die Staatêregierung ist in eine Prüfung dieser Frage bereits vor längerer Zeit eingetreten und hat sie für die Provinzen Westfalen und Hannover sowie für die Hohenzollernschen Lande in Uebereinstimmung mit den Organen dieser Kommunalverbände bejaht und beschlossen, im Etatsentwurf für das Jahr 1805 eine angemessene Verstärkung des Westfonds vorzusclagen.

Hierbei muß ih betonen, daß nah meiner Ansicht der vorliegende Antrag von vornherein auf Bedenken würde stoßen müssen, wenn daraus Konsequenzen gezogen werden sollten, welche die Förderung anderer Zwecke als die landwirt\(aftliher Betriebe ‘in leistung8- \{chwachen ländlichen Gemeinden erstrebten.

Abg. Wallenborn (Zentr.) unterstützt lebhaft den Antrag von Savigny und weist auf die große Belastung der fleinen Gemeinden mit Einkommensteuerzuschlägen hin.

Abg. Fürbringer (nl.): Nach der Erklärung des Ministers ist es do wohl nötig, daß der Antrag in einer Kommission beraten wird. Es muß vermieden werden, daß die übrigen Zwecke, für die der Westfonds bestimmt ist, dur Zuwendungen sür die Zwedke dieses Antrags erheblich verkürzt werden. Die Frage der Wasserversorgung ist allerdings von großer Bedeutung, namentli auch in den oftfriesischen Marschgegenden. Mit Recht hat der Vorredner bereits auf die Veberlastung der Gemeinden mit der Einkommensteuer hingewiesen. In erster - Linie wird die Wasser- versorgung immer Sache der Gemeinden bleiben. Den Provinzen können neue Aufgaben nicht zugemutet werden, wenn nit eine Er- höhung ver Provinzialdotationen erfolgt. Wenn wir aber in dieser Frage uns als Freunde der Landwirtschaft kennzeihnen, hoffen wix au), daß man die Wünsche der Städte ebenfalls berücksichtigt.

Abg. v on Pappenheim (kons.): Der Antrag ist în seiner jeßigen Fassung nicht ohne weiteres anzunehmen, aber wir wünschen doch, daß er in einer Kommission beraten wird, und shließen uns deshalb dem Antrage an, ihn einer Kommission von 14 Mitgliedern zu überweisen. : : - _

Abg. Viereck (fr. kons.): Wir meinen, daß es sich hier nicht allein um landwirtschaftlihe Fragen, sondern au um hygienische Er- fordernisse handelt ; wir stimmen deshalb für die Ueberweisung an eine besondere Kommisfion. Die Angelegenheit ist allerdings wesentli eine lokale, und ih bitte deshalb, in der Kommission zu prüfen, ob nit zum Zwecke größerer Zuwendungen an die Gemeinden dte Provinzialdotationen erhöht werden können. N

Abg. Engel smann (nl.): Wir stehen zwar der Wasserfrage sympathisch gegenüber, aber ich meine dech, daß der Westfonds seinen sonstigen Zwecken darum nicht entzogen werden darf.

Abg. Shwarte (Zentr.) erklärt ih gleihfalls für eine. gründ- lie Kommissionsberatung.

Darauf wird der Antrag einer Kommission von 14 Mit- gliedern überwiesen. Die beiden Titel werden bewilligt.

Bei dem Titel zur extraordinären Verstärkung des Fonds zur Förderung des Objt-, Wein- und Gartenbaues (um 70 000 A) bespricht

Abg. Dr. Marcour (Zentr.-) die \{chlechte wirtschaftliche Lage der Winzer, auf die bei dem Abschluß der Handelsverträge Nücksicht genommen werden müsfe.

Nach einigen weiteren Bemerkungen der Abgg. Wallen- born (Zentr.) und Stupp (Zentr.) wird der Titel bewilligt.

Zum Ausbau der hohwassergefährlichen Ge- birgsflüsse in den Provinzen Schlesien und Branden- burg sowie zu den damit im Zusammenhange stehenden Ver- besserungen an der mittleren Oder und der schiffbaren Stree der Glaßer Neiße, eventuell auch des Bobers und der Lausißer Neiße sind als vierte Rate 1 Million Mark ausgeworfen.

Abg. Dr. Porsch (Zentr.): Die Ausführung des Hochwassershuß- gesetzes von 1900 hat in der Grafschaft Glaß zu Anständen geführt, die ih im Namen verschiedener Kollegen zur Sprache zu bringen habe. Es ist ein Flußkatäster aufgestellt worden, nach dem Inter- essentenbeiträge entrihtet werden soliten. Vorläufig ist aber von der Einziehung der sogen. Wassersteuer Abstand genommen worden. Das ist ein ganz ungewöhnlicher Schritt gewesen; aber es blieb unter den obwaltenden Umständen nihts anderes übrig, und er hat wenigstens Beruhigung in die Grafschaft Glaß gebracht, sodaß man jeßt in aller Nube diz Sache überlegen kann. Es wird sich dabei zunächst um die Prüfung bandeln, ob die Beiträge anders verteilt werden können, und in zweiter Linie, ob eine Aenderung des Gesetzes notwendig fein wird. Es-wird shwer sein, im Rahmen dieses Geseßes ohne eine Aenderung zu einer erträglihen Verteilung der Lasten zu fommen. Das ganze Gesetz basiert auf der Voraussetzung, daß den Uferbesißern die Unterhaltung der Ufer obliegt; das ist an si ganz richtig, ist aber bei uns in Schlesien bisher nihi dec Fall gewesen. Diese Verpflichtung hat nur bestanden, soweit die Borflutverhältnisse es notwendig madclhten. Das lag au daran, daß die Ufer- besißer tatsächlich nicht leistungsfähig waren. Daher sind sie bisber nicht herangezogen worden. Das Hochwassershußgesey hat aber all- gemein den Zwang zur Heranziehung der Uferbesißer gebracht, und zwar dahin, daß die Arbeiten an der Üferbefestigung von einem Dritten auf Kosten der Besißer vorgenommen werden können, sodaß alfo die Besißer niht in der Lage sind, ibre Verpflichtung durch Natural- leistung zu erfüllen. Die Höhe der Beiträge hat nun die größte Miß- stimmung hervorgerufen. Es ist vielfa cine Ueberbürdung eingetreten ; bei der - Frage der Leistungsfähigkeit spielen außerordent- lih viele Momente mit. Aus allen diesen Rücksichten er- cheint es zweifelhaft, ob das Flußkataster im Geseß von 1900 unverändert beiben fkann. Die ganze Unterhaltung der Ufer is außerordentli kostspielig; es fragt fi, 00 nit die Verpflichtung tleineren Verbänden als Naturalleistung auf- gelegt werden fann, denn diese sind imstande, die Arbeiten viel billiger auszuführen, als es der Provinzialverwaltung möglich ift. Hierzu kommt, daß troy aller dieser Arbeiten die Leute gegen ein be- sonderes großes Hochwasser do nicht geshügt sind. Va vorläufig das Gesey niht geändert werden fann, werden alle Mittel versucht werden müssen, um im Rahmen des Geseßyes eine Besserung herbeizuführen. Dieses ganze Hochwassershutgesey war ein Versuch auf einem Gebiete, auf dem die Erfahrungen bisher noch ge- fehlt haben. Wir müssen Vorsorge treffen, daß der Schaden

nit noch größer wird, als er bisher war. Auf weitere Einzelheiten will ih bei der Geschäftslage des Hauses nicht eingehen. Man be- fürchtet, daß eine zu strenge Durchführung des Gesetzes eine Gefähr- dung des Bauernstandes mit si ‘bringen würde. Ich bitte den Minister und die Provinzialregierung, auf dieses sozial wichtige Moment das Augenmerk zu richten. Zu beachten ist auch, daß die Provinzialverwaltung die bisherigen Auenverpflichteten zu den Kosten mitheranzichen fann. Auch hierauf lenke ich die Aufmerksamkeit der Negierung und der Provinzialverwaltung. Eine bindende Marschroute für die Ausführung eines Geseßes können wir hier nicht geben, aber wir müssen dankbar anerkennen, daß alle Kreise der Verwaltung bisher bemüht waren, das Gesey wohlwollend auszuführen.

Abg. Baensh-Schmidtlein (freifons.): Bei der Beratung des Gesetzes betonte ih „damals, daß das Kataster Beunruhigung bringen würde. Und das hat sich bestätigt, gerade das unglückselige Kataster ist es, das den meisten Anstoß gegeben hat. Gewiß ist das Kataster so sorgfältig aufgestellt worden, wie es nicht besser gesehen fann. Als Flußhäuptling des Bobers habe ich auch an der Auf- tellung des Katasters für den Bober teilgenommen, und ih kann sagen, daß die Einshäßungen durchaus sorgfältig gemacht worden sind. Tatsächlich sind jedo einige Ungerechtigkeiten eingetreten. Das ganze Gesetz von 1900 fällt aber mit dem Kataster, und wir können es an ih nicht ändern. Die Beiträge mußten in diesem Jahre allerdings hoh sein, und die Leute fühlten die Höhe besonders, weil sie durch das Hochwasser des leßten Jahres in Mitleidenschaft gezogen waren. Fch hätte deshalb gewünscht, daß die Beiträge in den ersten Fahren nicht in dieser Höhe festgeseßt worden wären. Die Ungerechtigkeit der Verteilung auf Grund des Katasters könnte dadurch paralysiert werden, daß gewisse Maximalgrenzen festgeseßt würden bei der Heranziehung derjenigen, die bisher verpfliGtet waren, und anderseits derjenigen, die auf Grund des Geseßes herangezogen werden müssen. Wenn zu den bisherigen großen Squllasten, Armenlasten usw. noch diese Wassersteuer kommt, dann fönnen die Leute es nicht mehr aushalten. Nah meinem Vorschlag konnten wir das Geseß s{chmack- hafter machen. Jch gebe zu erwägen, ob eine Besprehung der Sache eingeleitet werden könnte. Wir wollen, daß das an sih wohltätige Geseß aufrecht erhalten roird, das uns bor dem Hochwasser {Üüßt. Der Anlieger zahlt - eben eine Prämie dafür, daß er vor den ent- selichen Folgen eines Hochwassers bewahrt bleibt. Die bisher Verpflichteten, die Auenberechtigten, können ihre Verpflichtungen ablösen; sie sollten in erster Linie herangezogen werden. Die Heranziehung der Privatbesiger der Flüsse muß allerdings oft erst dur Prozeß entschieden werden, ich habe einen folhen Prozeß im Kreise Hirshberg-Schönau führen müssen. Die in Aussicht ge- stellte Erhöhung der Provinztialdotation könnte in erster Linie für die Ausführung dieses Gesetzes verwendet werden. Der frühere Landesrat Ferhe hat vorgeschlagen , die Hälfte der Beiträge den Anliegern aufzuerlegen, die andere Hälfte der Provinz bezw. dem Kreise. Aber au die Hälfte kann {on hoh genug sein, um die Leute zu überbürden. Ich meine auch, daß es nüglih sei, die Unterhaltung nicht ganz allein der Provinz zu überlassen, sondern es wäre besser, wenn die Provinz die Ausführung der Arbeiten kleineren Nerbänden überläßt. Die Arbeiten würden dadur billiger werden, und die Leute könnten sie zu einer pelt machen, in der es ihnen am bequemsten ist. _ Dazu müßten Zwe verbände gebildet werden. Selbst- verständlich müßten alle Arbeiten unter der Oberleitung der Provinz gemacht werden. Es kommt hinzu, c die vom Staat und von der Provinz gegebenen Gelder für den Ausbau der Flüsse nicht ausgereicht haben, sodaß manche Flußstrecken ungebaut liegen bleiben, wodurch die Ünterhaltungskosten für die Anlieger dieser Strecken noch höher werden. Selbst der Minister von Miquel hat es bei der Beratung des Geseßes für nicht ausgeschlossen erklärt, daß die bewilligten Kostenbeträge zur Durchführung des Gesetzes nicht ausreichen werden. Wir müssen ein Hauptgewicht darauf legen, daß zunächst einmal alle für den Ausbau in Ausficht genommenen Strecken der Flüsse auch wirklih in Angriff genommen werden. An dem Bober und seinen Zusflüssen haben wir selbst bereits große Norarbeiten geleistet; aber am Bober, der gewissermaßen typisch für die Ausführung des Gesetzes ist, kann uns die Arbeit auf Grund dieses Gefeßes nur helfen, wenn es gelingt, die Schadenwelle oben zurückzuhalten. Von großer Wichtigkeit ist, daß man bei der Anlegung von Stauweihern und Wellsperren nit der Fndustrie und Landwirtschaft die Arbeiter entzieht; gerade hierbei empfiehlt es fich, ausländische Arbeiter heranzuziehen. Wir müssen in erster Linie für die Aufrecht- erhaltung des Gesetzes von 1900 eintreten. Ich bin davon überzeugt, daß die Provinzialverwaltung bei innigem Zusammenarbeiten mit der Interessentenvertretung in der Lage sein wird, eine Arbeit zu schaffen, welche den Gebirgs8bewohnern tausendfahen Segen bringen wird.

Abg. von Kölichen (kons.): Fh gebe zu, daß dur das Kataster Zustände geschaffen find, welche unbedingt beseitigt werden müssen. Ich habe auch aus meinem Wahlkreise am Bober und Queis Petitionen erhalten. Diese wünschen einmal eine Ein- \{chränkung der Arbeiten. Ob diese möglich sein wird, ist mir aller- dings zweifelhaft, aber jedenfalls muß die äußerste Sparsamkeit walten. Im ersten Entwurf für den Ausbau der \lesishen Flüsse waren 120 Millionen vorgesehen, bei dem Geseß von 1900 handelte es ih aber nur um 40 Millionen. Mit 120 Millionen hâtte si etwas ganz anderes machen lassen. Zur Unzufriedenheit hat auch Veranlassung gegeben, daß man zu viel Üegenschaften in das Kataster einbezogen bat, die vom Hochwasser fast gar nicht berührt werden. Die Anlieger haben {hon die hohen Kosten für den Deichverband zu zahlen. Große Hoffnung auf Nerbesserung der Sache durch die ge- machten Vorschläge haben wir nicht. Auch die Vorschläge des Vor- redners werden si {wer durchführen lassen. Ist es notwendig, daß das Kataster geändert wird, so werden wir dazu bereit sein. Auf jeden Fall verlangen wir, daß die schreienden Uebelstände beseitigt werden.

Abg. Seydel (nl.): Die Bedeutung des Gesetzes ist so groß, daß wir zu seiner Abänderung nur fommen können, wenn die Gründe geradezu zwingend find. Vorläufig liegt dazu noch keine Veranlassung vor. Das Kataster hat allerdings zu Klagen geführt, die wohl bei der Aufstellung neuer Kataster für die anderen Fluß- gebiete berüdcksihtigt werden sollten. Das Kataster für die Glatzer Neiße hat mit großer Schnelligkeit aufge|tellt werden müssen. Die Kosten der Unterhaltung würden wesentlich herabgeseßt werden können, wenn kleine Zweckverbände dazu herangezogen würden. Das Gesetz an si kann außerordentlih fegen8reihe Wirkungen haben, und ih hoffe, daß es der Regierung gelingen wird, es in einer Weise auszu- führen, daß es der Bevölkerung tat’ächlih Segen bringen wird.

Abg. Kopsch (fr. Volksp.): Die Erregung aus der Grafschaft Glayt hat sich alsbald auf Niedershlesien übertragen. Die Bewohner der Kreise Hirschberg, Löwenberg, Lauban find ebenfalls an der Aus- führung dieses Geseßes lebhaft interessiert, und es haben auch dort Versammlungen stattgefunden, die sich mit der Frage beschäftigt haben.

Die „Schlesische Zeitung“ hat am 29. Dezember 1903 gesagt, daß die zuständigen Stellen

ec -

viel zu wenig rechtzeitig für Aufklärung über das Flußkataster und die Unterhaltungsbeiträge gesorgt hätten. Solche Artikel, wie sie der Landesrat a. D. Ferche in der „Schlesischen Zeitung" geschrieben hat, hätten viel früher und viel weiter dur Ünterstüßung der Provinzialpresse verbreitet werden müssen. Herr Ferche muß aber selbst zugeben, daß seine Vorschläge nur vorüber- gehende Bedeutung haben, und daß au Bedenken gegen sie erhoben werden können. Der Vorschlag, Zwekycrbände zu bilden, ist gewiß durchführbar, wie aber die Naturalleistung mit dem ganzen Organismus des Gesetzes in Zusammenhang gebracht werden könnte, vermag ih nit einzusehen. Ich glaube, daß sich bei der Durchführung aller solcher Vorschläge Schwierigkeiten herausstellen werden. Es ist richtig, daß in den ersten Jahren gerade die Kosten besonders bo sein müssen, weil die Unterlassungs\ünden der früheren Zeit wieder gut gemacht werden müssen, aber gerade deshalb hätte man das Kataster in der ersten Zeit nicht mit so hohen Beiträgen aufjtellen sollen. Die MNeichsversicherungsgesetzgebung hätte auch nicht den Anklang gefunden, wenn die Interessenten sofort mit hohen Beiträgen herangezogen worden wären. Ich bin damit einverstanden, daß auch die Industrie zu Beiträgen herangezogen wird; wenn auch viele Fabriken nicht direkt von dem Hochwasser betroffen werden, so haben

sie doch indirekten Vorteil von der Flußregulierung. Jeden- falls muß das Flußkataster einer Revision unterzogen werden. Mit dem Geseß is ein Sprung ins Dunkle gemacht worden, und nun zeigt sich, daß dieser Sprung nicht sehr glücklich gewesen ist. In der damaligen Kommission, die das Gefeß beriet, sprachen die Negierungsvertreter immer nur von den geringen Beiträgen der Interessenten, und nun übersteigen die Beiträge im Durchschnitt das Drei- und Vierfahe der Einkommensteuer. Nicht zu- timmen kann ih den Ausführungen des Abg. Baensch über die Arbeiterfrage. Ih wünsche zwar nit, daß durch diese Arbeiten der Induslrie und der Landwirtschaft Arbeiter entzogen werden, aber sie dürfen auch nicht fünstlih hiervon zurückgehalten werden. Es ift von der sozialpolitishen Bedeutung der Sache gesprochen worden. Im „Glatzer Gebirgsboten“ vom 29. Dezember 1903 heißt es, daß das Bestreben der Großgrundbesißzer, die kleinen Leute aus- zukaufen, eine neue Art von Hörigkeit herbeigeführt habe. Das schreibt das Blatt der Zentrumspartei in der Grafschaft Glau. Es wird darin hervorgehoben, daß auf diese Weise ein neues Medlenburg. oder Frland in Oberschlesien geschaffen würde. Es ist eine große fozial- politishe Aufgabe, unseren mittleren und Üeinen Bauernstand zu erhalten. Darum muß auch der Staat erhöhte Ausgaben machen, um die {wer belasteten kleinen Bauern nicht in ihrer Existenz zu gefährden. Dieses Gesetz lehrt uns, wie wichtig es ist, bei der Beratung solcher Gesetze die Interessenten zu hôren. Das Gesetz bedarf ernstester Nachprüfung, und wenn es notwendig ist, müssen wir an die Aende- rung des Gesetzes selbst herantreten. Die Leute sagen vielfach: lieber ein neues Swat or: das heißt ein Ende mit Schrecken, als mit diesem SGeseß ein Schrecken ohne Ende.

Darauf vertagt das Haus um 41/2 Uhr die weitere Be- ratung des landwirtschaftlichen Etats bis Donnerstag, 11 Uhr (außerdem Etats der Gestütverwaltung und der Bergver- waltung).

Nr. 12 des „Zentralblatts der Bauverwaltung“, heraus- gegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 10. Februar, hat folgenden Inhalt: Baugeschichtliche Doktorfragen. Vorlesungen über Statik der Baukonstruktionen. Vermischtes : Wettbewerb um plastische Skizzen zu einem Monumentalbrunnen auf dem Melanchthon- ylaß in Nürnberg. Kunstausstellung in Rothenburg o. d. T. Zweiter internationaler Kongreß zur Förderung des Zeichenunterrihts. Wasserdichtmachen von Beton. Ausgrabungen in Norba. Bücherschau. Patente.

Verdingungen im Auslande. Serbien.

Direktion der Königlich serbischen Staatsbahnen zu Belgrad:

f 20. Februar 1904. Lieferung von verschiedenem Werkzeug aus Eisen und Stahl: (Meißel, Feilen, Sqraubenschlüssel, Schaufeln, Bohrer, Hauen, Krampen u. dgl.). Kaution 2400 Dinar.

22. Februar 1904. Lieferung von verschiedenem Eisenmaterial : (Rundeisen, Flacheisen, Nägel, Draht, Bleh, Röhren u. dgl.). Kaution 400 Dinar.

Verkehrsanstalten.

Die New Yorker Central Railway will Versuche mit einer neuen el ektrischen Lokomotive anstellen, die imstande sein foll, einen voll beseßten Personenzug mit einer Geschwindigkeit von 215 km in der Stunde zu befördern. Eine besondere NVersuchsstrecke (15 km) in der Nähe von Schenectady wird vorbereitet, und die Versuche sollen Mitte Februar beginnen.

S iffsverkehr RNotterdams in den Monaten Januar bis November 1903 im Vergleich mit anderen größeren Häfen.

In den 11 ersten Monaten des Jahres 1903 betrug im Vergleich zu der entsprehenden Zeit des Vorjahres die Zunahme (+) oder die Abnahme (—) der einklarierten Seeschiffe

im Raumgehalt

wirklich vY Lt Negistertons i: ag

netto maßig +- 659 689 + 8,62 9/0 1 306902 4 379% | in Rotterdam . —+ 946 918 + 15,62% —+ 706 11,16 9/0 in Bremen . + 148.024 a 9,09% T 10 0,41 9/0 in Amsterdam . 72763 400% T9 3,10 9/0.

Für den Hafen von Amsterdam liefern indeßen die in der Zeitung „Scheepvaart" amtlih veröffentlichten Zahleu ein ganz anderes Er- gebnis; sie geben den Rückgang der Schiffahrt während der ersten 11 Monate des Jahres 1903 auf 100 721 chm = 3 590 Negister- tons an und der Zahl nah auf 58 Schiffe.

Im Hafen von Rotterdam wurden einklariert Schiffe auf großer Fahrt, Küstenfahrer, Nheinseedampfer und Seeschiffe aus Kanälen von anderen Seehäfen kommend:

in der Anzahl wirklich verhältnis-

mäßig 191 b

in Antwerpen . + 609 —+ 21 9/0 O

in Hamburg

Registertons netto Anzahl im November 1903. . . 670891 678 1OE & « VUDOIO 607 61 275 71 10,05 11,69 7:007 139 7 030 6 060 221 6 324 Also mehr . 946 918 706 Zunahme in Prozenten . 15,62 11,16. Nach den Listen des Kaiserlichen Konsulats in Rotterdam hatten die unter deut scher Flagge*) in den ersten 11 Monaten des Jahres 1903 dortselbst einklarierten Schiffe einen Raumgehalt von 1 266 828 Registertons gegen 1209 056 Negistertons in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Zahl der ecinklarierten deutschen Seeschiffe betrug in den ersten 11 Monaten in Notterdam

1903 . 1945

Also mehr .

Zunahme in Prozenten . in den 11 ersten Monaten 1903 . 1902 .

v L »

Antwerpen Amsterdam ) 1020 249 1902 . 1831 1041 264 1903 gegen 1902 . „+114 21 183.

*) Zu den Küstenfahrern gehören die aus\chließlich deutschen Seeschleppzüge; die \{leppenden Dampfer erscheinen nur in der An- zahl, nicht in der Angabe des Raumgehalts, die geshleppten See- leichter in beiden Angaben.

(Nach einem Bericht des Kaiserlichen Konsulats in Notterdam.)

2 weite Beilage

zum Deutschen Reichsanzeiger und Königlich Preußischen Staatsanzeiger.

M 3G.

Berlin, Donnerstag, den Ul. Februar

1904.

Uebersicht über die Ergebnisse: des Steinkohlenbergbaues in Preußen für das Jahr 1903, verglihen mit dem Jahre 1902.

Im Jahre 1903

Statistik und Volkswirtschaft.

Im Jahre 1902

Viertel- jahr.

Oberbergamtsbezisk Betriebene

L Forderunc( Werke. | g

t

Absatz

Förderung Absatz b t

Belegschafts- |Betriebene

l. Werke. zahl.

Beleg\schafts-

Mithin im Jahre 1903 mehr (+), weniger (—).

Beleg- shafts- t j zahl.

Betriebene

Werke Förderung

b | 9%

Absatz

Li 69 7 626 934

I (1 6 692 695 C 7

34 540 950 977

6

6

Bresl 05 E Q 9 r i

6 640 664 6 068 813 7 311 106 | 7 394 865

6 836 513 6 898 799 7 551 526

110 679 72 108 166 7A 108 839 {gi 112 681 fi 7 768 216

6 095 508 OUTI (15 7070 055 7361 898

104 546 108 502

107 779 104 589

bak

2 900 3977 4 289 4 179

| 790 421 |+ 246 144 | 383 014 | 182 761 |

R E 102 902 241 05L 32 967

_

| | 545 156 -

O Ct S wWwONN C ck

Summe T 30 165 106 2 074 I. 1 709 III. ; 1 964 V. 9310

27 415 448

110 090 71 | 29 055 054

41 2 603 39 2454 36 2 167 37 2 699

26 699 176

1 783 1 839 39 2188 39 2199 42

N’ J 100 O

106 354

m0 D O o t C0 D I ck D o

2 2 +[++++

L C0 [o dO

1110 052 | 716 272

3 736

529 |— 745 |- 203 |— 9,37 |— 349 |— 183,13 |

Co D

O

ea

Vater’

S U C

I O b C r

l

i

Summe 8 057

F ¡R Saul... LIL. Vi

m O 0 I O

hf) e Co

7 969

ck D

39 9 883

3 648 160 081 3 662 163 965 3 686 175 290 3737 184 756

e Q D J o Go Co

p

»MMOoN

09 00 C V H C

_

j 1

1 826 18,48 |-

7 142 3 659 9 305 5417

4,46 2,23 5,31

2,93

bo 00 00 R S

Summe

1 19

L. 165 15 2

D [TL. 163 | 170938283 | L, 161 16 933 493

¿ 14 483 509 398 2: 14 758 620 16 336 813 16 059 553

N

1 D So

Co f 5 Hck

539 3 683 6| 684 092

253 356 168 | 13 455 699 252 086 164 | 14157 641 254 398 161 | 14949 955 264 115 164 | 15 475 299

__,

12 613 129 | 13 449 966 | 14 224 233 | 14723 410 |

245 969 239 769 240 423 249 649

bo N O

2% 523 3,73

Tos on

1 848 348 1 200 590 2 143 869 1 458 194

13,74 8,48 14,34 | 9,42

pk

E Fr

A O Hck O ck

T E l pre jun pam

Summe 163 64 639 594 |

L 28 3 [I. 288 Do E S IV. 98 |

216 702 | 113 619 | 423 846 | 3453 616

61 638 495 |

33(431L |

295 989 164 | 58 038 594

2 945 087 2 971 726 J T1141 3 236 768

55 010 738 |

57 223 28 57 794 28 98 998 28 59 418 27

2 844 848 | 2881 569 | 3121605 | 3183678 |

5D 189 55 021 55 646 56 686

243 993 F

++++ +[++++

O Ov 00 pe=k

G 1 D 1 O L “J

6 651 000

—— D

11,46

o

201615 | 141 893 | 249 735 216 848 |

9,22 4,77 C, 6,70

279 629 150 771 224 677

190 633

TO do do 00

++++ +[+++

O

be

Io’ 0 O

Summe 28 13 207 783 | Ii 269 | i In Zl Zusammen in Preußen [11 209 |

LV. 270 |

| | 26 316 980 | 95 293 838 | 28 638 768 | 28 530 569 |

12 877 410

24 406 489 | 24 017 685 | 27 169 792 | 27 008 857

58 258 28 | 12327692 | 12031700 | 55635

21 706 647 | 22 660 579 | 24 583 282

25 445 200 |

424 947 275

421 747 270 429 993 267 439 988 269

23 399 983

24 194 589 | 25 893 049 | 26 667 698 |

403 001 404 278 418 556

412 557.4

+FF+F+F +F[++++ F [FF+E+

N INOAS O

O F025 0 J O TO TO Fck

+1F+++ +4

+[++++

bo O Do DO DO

880 091 7,14 845 710

E. + J O Co

6 |+ 2916 997 | + l [4+ 1099253 | -t- 2 t 2785 719

+ [4 1 862 871 |-

—_

12,47 454 |

12 390 18 746 21 275

21 432

2 699 842 1 357 106 10,77 2 586 510 6,99 1 563 657

T E E E

++++

Summe 269 |

108 780 155 |

Ec LE / F: Dl o e s V.

241 994 195 580 229 442 271 349

o 0

102 602 823 | Uebersicht über die Ergebnisse des Braunkohlenbergbaues in Preußen für das Jahr 1903,

159 545 | 143 000 | 168 234 | 188815 |

428 058 270 | 100 115 315 | 94395708 | 409598

| 2022 31 1849 öl 1815 33 1931 32

231 197 217 157 228 987 291 622

166 101 | 152 306 | 159 065 | 176 982 |

1-970 1 936 L 91 2 080

FFEFEF

E 1 |+ 8664840 |4+ 8,65 |+ 8 207 115 18 460

verglihen mit dem Jahre 1902. j j

|

107974

] 4,67 |— 21577 4 9,94 | 455 0,20

6 556 9 306 9 169 11 833

Uo 12 O O R

Summe 938 365 L 261 |

[T, 262 |

T. 259

V, 258 |

659 594 |

5 069 312 | 5 614 070 | 6 207 631 | 6 859218

1 904 32 928 963 654 454 | 1 976 34 679 972 | 34 233 269 33 696 964 35 180 265

6 765 984 6 796 112 7 324 028 8 347812

M J 0 Wo

stNst\—I

ea

+1++1| |

9402 ck+ 101

617 203 |+ 9,12 269 689 |+ 3,97 546 988 | 7,47 223 261 | 2/07

9 140

19 727 |+ 7,84 |

436 933 214 399 | 489 296 | 206 886 |

Summe 260 | 30891 077 |

166 079 | 136 314 |

Le 20 LL, 20 | ELE, 20 |

Glausthal IV 95 |

179 981 |

143 023 | 122 956 |

|

24 250 231 | 34 447 268 | |

150 040 | 136 |

608 164 526

I N O

LO [O 0 O0

—a [vou N I

Cn

D Io d

29 233 936

D D -—

1 574 27 1 359 26 1 266 26 1 551 26 |

[es m s wo)

I O

F F

5,67 1 347 474

657 141 |

j BEA

28 798 90,98 9198 4+ 7,18 6220 |— 3,98 2/305. |— 1,80

26 661 11 572 2 465 3 288

de

1

++

t

Summe 95 | 632414 | L: 43 |

| 1526 681 |

[T. 41 1 l l

43 819 | 26 965 | 82 361

LIL. 42

9 4 [V. 42 | 8

567 113 |

1007 (1 832 380 | 978 549

1315819

OINNO

r

—I f 00 0 H D

| 438 26

5 S868 42 4915 42 4 778 41 | 5 702 42 |

T

ODOND

28 401 | 4,70 39 056 +4 121 629 | 866 | 91 148 | 7,91 292 984 |+ 21,59 158 776 |+ 9,21

78 225 79 024 197 790 143 543 |

Summe 42 6 079 826 L 360 E. 359 | ILE 359 | V. 358 |

9 317 941 8 641 514 9677 463 | 10 904 764 |

| | | | |

Zusammen iu Preußen

6 879651 | 6 712 406

7 491 022 41 555 364 8 528 378

4134519 | 5 316 42 | | | |

O [oor

—_— =—

8539514 | 8 293.126 | 8 883 256 | 44 364 365 | 10506 305 |

44 143 372 42 396 368

4

6 344 388 6416 717 6 797 272

8 162 828 |

47 050 42 943 42 784 45 163

624 537 | 11,45 498 582 535 263 | 295 689 | 693 7509 365 550

12 | 778 427 | 9 | 348 388 | 4,20 o as 794 207 | 8,94 7+ 8398459 |+ 3,79

9,12

Summe 359 | 38541 682 |

Land- und Forftwirtschaft.

XXXII. Plenarversammlung des Deutschen

wirtschaftsrats.

In der gestrigen, zweiten Sitzung bildete den ersten Gegenstan der Beratungen die S o mangelevar bung in e n NAO Bundesstaaten, über die Freiherr von Cetto-Reichert8haufen und Kammerherr von Nheden-Yheden Neferate erstatteten. An der sich daran knüpfenden Diskussion beteiligten sich noch Graf von Rangau- aon und Graf von Bernstorff-Wehningen. Einem gemeinsamen Beschluß Neferenten gemäß faßte der Landwirtschaftsrat folgenden

«Der Deutsche Landwirtschaftsrat erklärt:

__ 1]. Die Aufrechterhaltung und weitece Ausgestaltung des Nechts- instituts der Familienfideilommisse in Deutschland erscheint aus ge- wichtigen land- und volkswirtschaftlichhen, sozialen und politischen Motiven wünschenswert und geboten.

11. Bei einer dur die Landesgesetzgebung etwa vorzunehmenden Revision der in den teutschen Bundesstaaten bestehenden Fideilommiß- gesezgebung werden folgende Punkte der Beachtung empfohlen : y

a. Der Gegenstand eines Fideikommisses soll prinzipiell auf land- und forstwirtshaftlih benußten Grundbesitz - beshränkt werden. Geld, Mèobilien, industrielle Betriebe, städtisher Hausbesit follen nur als Zubehör oder Bestandteile eines Fideikommißguts dem Fidei- Tommiß einverleibt werden können.

b. Festseßung einer Minimalgrenze des Umfangs des fidei- kommissarishen Grundbesiges nah Maßgabe eines jährlihen Nein- ertrags, welcher den Zwecken und Aufgaben der Fidetkfommißeinrihtung als angemessen zu erachten ist, vorbehaltlich analoger, den wirtschaft- lichen Interessen des kleineren Grundbesitzers dienenden Organisationen. „c. Unbeschränkte Freiheit der Fideilommißerrihtung für jeden Jn- länder CO Enge Tae des Deuts@hen Reiches). nah Maßgabe der über die Art und Weise der Fideil'ommißerrihtung getroffenen geseßlichen Bestimmungen vorbehaltlih besonderer landesherrlicher

Land-

Senehmigung.

99 611 457 |

43 105 368 | 36222 201 | 27721 205 |

44 485

d. Sicherung des nachhaltigen Betriebs der Fideikommißgüter dur Nachweisung eines entsprechenden Betriebskapitals bei der Fidei- fommißerrihtung und fortwährende Ansammlung eines zur Erhaltung und Verbesserung des Fideilommißgutes bestimmten Ka jitalfonds.

e. Festhaltung des Prinzips der Unveräußerlihkeit des Fidei- kommißgrundbesfißes als Ganzes oder in dessen Teilen vorbehaltlich bestimmter Ausnahmefälle, unter denen besonders die Bedürfnisse der NRentengutsbildung und Arbeiteransiedelung sowie fonstiger öffentlicher oder gemeinnüßiger Zwecke zu berücksichtigen find.

L f. Beschränkung der Belastung des Fideikommißguts auf einen bestimmten Teil des Neinertrags bezw. des Ertragswerts.

_ g. Hypothek darf auf dem Fideikommißgut nur als unkündbare Tilgungshypothek bestellt werden unter Beschränkung der Befriedigung der Gläubiger auf die Zwangsverwaltung des Pfandobjekts. e h. Sicherung der Ansprüche der Familienmitglieder durch Er- rihtiung von Abfindungs- und Ausstattungsstiftungen.

i. Drganisfation einer ständigen Interessenvertretung der Fidets kommißanwärter, gleichviel ob in Form eines Familienrats oder eines eFideikommißkurators, jedoch unbeschadet der selbständigen wirtschaft- lichen Stellung und des Rechts des Fideikommißbesißers auf freien Genuß und Verwaltung des Fideikommißvermögens.

k, Beseßung der staatlichen Fideikommißbehörden mit Richter-

und Verwaltungsbeamten mit dem Rechte der Beiziehung landwirt- \chaftlicher Sachverständiger.“ a ,„Alôdann erörterten der Geheime Regierungsrat, Professor Dr. Werner - Berlin und der Landesökonomierat Ning - Zehlendorf in ein- gehenden NReferaten die Leistungsfähigkeit der deutschen Vie h- zucht. ZU diesem Thema lag ebenfalls ein gemeitisamer Antrag der Berichter|\tatter sowie eine Anzahl weiterer Anträge vor. Nach längerer Diskussion über diese wurde nahstehender Beschluß gefaßt : ;

„Der Deutsche Landwirtschaftsrat beschließt :

: Nach dem Resultat der Volks- und Viehzählungen der leßten dreißig Jahre steht zweifellos fest, daß die deutsche Landwirtschaft im tande ist, den Bedarf der Bevölkerung an Vieh und Fleish ohne

9 |+ 2 319 481 |+ 6,40 |+ 1890 252

_TI08 der enormen Schädigungen, welche die aus dem Auslande eingeführten Seuchen in dieser Zeit unserer Viehzucht verursaht haben troß der dolosen Konkurrenz, welche durch die bis zum Vorjahre völlig ununtersuchte ausländische Fleisheinfuhr dem inländischen, an den Schlachtviehhöfen doppelt untersuchten Fleish verursaht wurde, troß endlih der infolge gänzli ungenügenden Zollshußes ständig zu- nehmenden Einfuhr lebenden Schlachtviehs und der dadurch bewirkten Unrentabilität der einheimischen Viehzucht und besonders der Viehmast ist nit nur eine ständige Zunahme aller Viehgattungen mit Ausnahme der Schafe zahlenmäßig nahweisbar, sondern diese hat auch unter Berückfichtigung der züchterishen Verbesserungen und Mehrleistungen (Gewichtszunahme, Frühreife) in der Fleishproduktion mit der gewaltigen Zunahme der deutschen Bevölkerung Schritt gehalten. Die nach der leßten Viehzählung 1902 für Preußen nahweisbare Berminderung der Nindviehbestände resultiert lediglih aus dem zu- fälligen Umstande, daß die außerordentliße Viehzählung sofort nah der abnormen Troenheit der Jahre 1900 und 1901, durch welche die Landwirtschaft in Deutschland gezwungen wurde, ihre Rinderbestände vorübergehend zu reduzieren, veranstaltet worden ift.

e Der Deutsche Landwirtschaftsrat empfiehlt, auf dem eingeschlagenen Wege zur Vermehrung unserer Viehbestände, insbesondere au der Rinderbestände, forlzuschreiten, und gibt der Veberzeugung Ausdrudck, daß es die deutshe Landwirtschaft auch fernerhin niht an der besten Pflege und kräftigsten Entfaltung der deutshen Viehzucht fehlen lassen wird, um ihrer Aufgabe, die Fleishversorgung des Inlandes durch unsere eigene Fleishproduktion zu decken, voll gerecht zu werden. Die Erfüllung diefer Aufgabe ist aber auf die Dauer nur durchführbar, wenn die oben geschilderten chweren Schädigungen der deutschen Viehzucht dur entsprechenden Schutz unserer Viehproduktion dauernd beseitigt werden.

__ Damit die deutsche Landwirtschaft in die Lage verseßt werde, ihre viehzüchterischen Aufgaben zu erfüllen, ist es erforderlich, daß i

1) die Viehzölle in den bevorstehenden neuen Hande!sverträgen

ausländische Zufuhr zu decken.

zweckmäßig und ausreihend bemessen werden, nämli: a. als Gewichtszölle und gleichmäßig hoch für alle Viehgattungen,