1904 / 83 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Baden.

Seine Königlihe Hoheit der Prinz Albrecht von Preußen, Regent des Herzogtums Braunschweig, is gestern zu längerem Kuraufenthalt in Baden-Baden eingetroffen.

Deutsche Kolonien.

__ Der Chef des Verwaltungsbezirks Ebolowa im Schußgebiet Kamerun, Hauptmann Zimmermann berichtet über eine Reise nah dem Nordwesten dieses Bezirks im „Deutschen Kolonialblatt“ folgendes:

Das Nordwestdreieck des Stationsbezirks, durch die Wege nah Nkomakak und Lolodorf im Süden und Nordosten und den Kribi- Lolodorfbezirk im Nordwesten begrenzt, trägt das allgemeine Gepräge des Südkameruner Busches, eines mit zahllosen, annähernd glei hohen Kuppen au®sgestatteten Berglandes von {wer erkennbarem System und spärlichen Uebersichtspunkten; aus der Vogelperspektive gesehen, mag és viel Aehnlichkeit mit der Oberfläche eines Baumkuchens haben. Bergauf, bergab führen die Wege, und ihre wenigen und kurzen HorizontalstreŒen meist durch Wasser oder Sumpf. Der Blick ist fast e auf die nächsten Entfernungen vom Busch begrenzt. Da, wo die Sattelverbindungen mehrerer Höhen günstigerweise einmal über dein Sumpfniveau liegen, zeigen sich ausgedehntere und zusammen- hängende Ansievelungen dér Eingeborenen, im übrigen heben fie ih mit ihren Farmen inselartig vom Busch ab.

Dem Mangel eines Bergsystems entsprechen die unzäßligen und sumpfbildenden Windungen der kleinen und mittleren Gewässer und jene \{heinbar willfürlihen Aenderungen ihrer Hauptrichtungen, wie sie charakteristisch der Dja zeigt und welche bei der Wiedergabe des Kartenbildes auf Grund der ersten Wegeaufnahmen vielfah zu Irrtümern führen mußten.

Für den Wegebau ergibt sih aus vorstehendem die S@{hwierigkleit der Anlage und Unterhaltung; er muß meiit auf Brücken oder Dämmen die Niederungen durhqueren oder zur Vermeidung von Steigung und Fall in die Hänge eingeshnitten werden, hier vorzugsweise der Ab- washung durch die zerstörenden Tropenniedershläge ausgeseßt. Der Einfluß der Geländeform zeigt sih in der Einzelgruppierung der Be- völkerung; sie ift außerordentli verworren und stellt das Farbenbild unserer thüringishen Staaten weit in den Hintergrund; der Bezirk3- verwaltung aber bereitet sie große Schwierigkeiten. Der zwei Meilen von der Küste über 14 Märshe nach Often si er- stredende Bulustamm zählt an 50 Unterstämme, deren Dorfschaften wieder Über diesen ganzen, zwei bis drei Tagemärshe breiten Landesstreifen verstreut sind, als habe man sie zuvor wie Lose gemischt. Nur da, wo das Gelände zusammenhängendere Formen zeigt, find auch größere Teile desselben Unterstammes zu- fsammengeblieben; so vor allem die Bijang und Jemma-Femmak an den eingangs erwähnten Wegen nah Lolodorf und Nkomakak sowie die Jewo und Esao an den nach ihnen benannten Wegen; im übrigen sind die einzelnen Gruppen auf Tagemärsche vonetnander getrennt. Die dem Buluaufstand von 1899 folgenden Kämpfe haben das Durcheinander bei der Beweglichkeit der Bevölkerung vermehrt, und da der Nordwestbezirk in erster Linie von diesen Kämpfen und ihren Folgen berührt worden is, bildete cinen Hauptzweck seiner Bereisung die Ermittelung derjenigen Häuptlinge, welche unter den hier ansässigen Grupven deëselben Unterstammes ge- nügend chervorragten, um als Oberhäuptlinge cingeseßt zu werden. Außer den weiteren Aufgaben der Abhaltung von Gerichtstagen und Unterweisung der Eingeborenen über Landeskultur und Wegebau sollte dann noch ihr Vertrauen zum Dienst in der Truppe geweckt, die Be- völkerungsdichtigkeit nah Möglichkeit festgestellt und die Wege nah dem Kompaß aufgenommen werden. Höhenmessungen konnte ih nicht vornehmen, da die Schleuderthermometer zerbrochen waren.

Das bereiste Gebiet ist vollständig friedlich und gehört zu dem bevölkertsten des Bulubezirks, soweit ich ihn kenne. Auf den von mir begangenen 1200 qkm habe ih im ganzen 4114 Hütten gezählt, wozu noch etwa 1000 seitlich meines Weges liegende treten 5114 Hütten. Dies ergibt, wenn man ein Siebentel Palaverhäuser ab- und drei Erwachsene und zwei Kinder auf zwei Hütten rechnet, eine Gesamtzahl von rund 11000 Einwohnern auf 1200 qkm, das ist etwas über neun Einwohner auf den Quadratkilometer. Das weiblihe Element überwiegt etwa um ein Siebentel.

Die stärksten unter den hier ansässigen Stämmen sind die Esakoi, Jewo, Bijang und Jenjok; es folgen diejenigen der Jebai, Jengap, Gffalan, Cffaitjok, Jekombe, Ndong und Jemissen. Außerdent finden sih noch Teile der Essaipong, Esatolo, Jesele, Jessok, Jembong und Esfantonda.

Der anfängliYen Gepflogenheit der Häuptlinge, \sich bei meinem Herankommen verleugnen zu lassen der Bulu hat immer etwas Schlehtes auf dem Gewissen, oft einen \{lechckcht gereinigten Weg begegnete i mit der Maßregel, daß die Ortschaften, deren Häuptlinge irop meiner 14 Tage vorausgegangenen Ansage fehlten, unentgeltlich Verpflegung nah einem nächsten Nastpunkt bringen mußten. Nachdem Soldaten und Träger zweimal umsonst gegessen hatten, waren alle Häuptlinge zur Stelle, oft kamen sie mir stundenweit entgegen und gaben mir ebensoweit mit Kind und Kegel das Geleit. Am meisten fesselte fie die große Ziege, für die sie meinen Schimmelhengst ansahen.

Zur Verpflegung meiner Leute wurde an den Nastpunkten ein fleiner Markt in der Weise gehalten, daß ih kurz vor seiner Eröff- nung die Tagesvecpflegung zwei Blatt Tabak an Soldaten und Träger ausgab; von den angebrachten Lebensmitteln mußten sie dann unter Aufsicht kaufen und bezahlen, was sie brauchten.

Sehr gering ift der Bestand an Kleinvieh in diesem Bezirkêteil. Nur drei Ortschaften waren rein gefegt, ein Zeichen, daß man Schafe und Ziegen versteckt und die Losung entfernt hatte. Auch habe ih an der Hand der täglichen Routenkonstruktion meinen Weg so kreuz und quer gelegt, daß ich wiederholt Ortschaften vollständig überraschte. Doch machte ich auch da bezüglich des Kleinviehs dieselbe Erfahrung.

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Nur Hühner find überall in großer Zahl vorhanden.

Vie Bodenbepflanzung erstreckt fich in der Hauptsache auf Planten (Bananen), Mais, Kassada, Makabo, Jams, Erdnüsse und Zuckerrohr ; auch fand ich fast in jedem Dorfe einige Exemplare der Oelpalme (dickschalige Frucht, nicht Lisombe), die den Bewohnern einen Teil des für die Zubereitung von Speisen und das Einreiben des Körpers nötigen Oels liefern. In größerer Zahl fand ih diesen Baum nur in den unmittelbar an den Ngumbabezirk grenzenden Ortschaften, aber auch da nur innerbalb der Dörfer selbst angepflanzt.

Eindringlich habe ih die Eingeborenen auf die Vorteile der Oelpalmenkultur hingewiesen und den Häuptlingen die Anlage be- sonderer Farmen zur Pflicht gemaht. -Baumwolle fand ich nirgends, dagegen in drei Gsakoidôrfern einige Tabakpflanzen. Vor allem, um in folhen Fragen der Bodenkultur wie auf den zukünftigen der Ver- waltung und Besteuerung erfolgreich und gerecht auf die Einge- borenen einwirken zu können, wird bei der zunehmenden Ostausdehnung des Bezirks die Zusammenfassung. der zerstreuten Bevölkerungêgruppen desselben Unterstammes unter ein gemeinsames, geistig höher stehendes Oberhaupt immer dringender. Auh is es wünschenswert, daß in absehbarer Zeit die Stationsgerichtsbarkeit durch Einseßung eines Gingeborenengerichts entfaftet wird.

Der Bajangweg führt auf seiner Endstrecke Mebaude—Ngumba- grenze über einige Höhen, deren Anstieg auh den {waßzhaften Ein- e verstummen und ihn hin und wieder einen pfeifenden Laut einer Lungenarbeit ausstoßen läßt; mit ihrer Umgehung an der Hand der Wegeaufnahme habe ih den Unteroffizier Kröger beanftragt. Gleichzeitig erhielten einige Bajangdörfer, die vor der \{chwierigen Instandhaltung dieser Wegestrecke {on vor längerer Zeit tiefer in den Busch zurückgewichen warten, Weisung, binnen ses Monaten fich am Wege selbst wieder anzusiedeln. :

Aehnliche Verhältnisse wie bei den Bajang glaubte ih bei den Jenjok anzutreffen, habe aber in dem Häuptling von Mameuji die geeignete und allseitig geahtete Persönlichkeit gefunden. Auch hatte er sich, wie Asewolo, bislang auf der Station nicht blicken lassen und war über meinen unerwarteten Besuch aus noch weniger erwarteter

Richtung ebenso überrascht wie ih über Lage, Größe und Schönheit seines versteckten Besißes.

Von Jem (Esakoi) erreichte ich nah dreistündigem Wasser- und Sumpfmarsh das etwa 6 km südli gelegene Dorf, dessen hohes Palaverhaus einen selten {önen Rundblick auf die ‘Mameuji kessel: förmig einshließenden Höhen gewährt. Hier fand ih in beschau- liher Weltabgeschiedenheit Edimenko, den großen Jenjokhäuptling, wie Oundi ihn bezeichnet, mit seinen Leuten plaudernd im Palaver- haus sißen. Angenehm überrascht war ih von der selbstbewußten Nuhe, mit dec er, \chnell gefaßt, mich begrüßte, und von seinen offenen Antworten auf meine Fragen. Die gegen Südosten, der Richtung der Station, wie eine Barrikade - vorgelagerte hohe Berg- gruppe, welhe den Weg von Sonkot zu einer weiten Umgehung nah Westen zwingt, hatte er \{einbar als Aingerzeig genommen und auch seinerseits die Station immer in respektabler Entfernung umgangen, wenn er einmal seine südöstlich derselben sißenden Brüder besuhte. Diese aber achten und hüten das Geheimnis sol flösterliher Zurückgezogenheit ihrer Landsleute, urain Fällen der Not deren Gastfreundschaft beanspruchen zu können. Nun einmal der Bann gebrochen war, erwiderte er meinen Besuch bereits am nächsten Tag, brachte reihlih Lebensmittel und ist au noch vor Weihnachten hier auf der Station erschienen.

Von den anderen hier ansässigen Unterstämmen nehmen noch hervorragendere Stellungen ein: bei den Jebai der Häuptling Manesang von Tjange, bei den Jengap Cbalendong von Mabai und den Jesombe Esamba von Anzola. Die Hauptgruppen dieser und dec weiter genannten aber sind —- die Jebai ausgenommen außerhalb des bereisten Gebiets ansässig. Sie kennen zu lernen, um daraufhin über die Einseßung von Oberhäuptlingen und die eventuelle Nück- führung einzelner versprengter Teile Vorschläge machen zu können, habe ih für die nähstmonatige Bereisung ins Auge gefaßt.

Oesterreich-Ungarn.

Dem „Fremdenblatt“ zufolge wird der italienishe Bot- schafter, Herzog von Avarna heute in Abbazia eintreffen, um an einer Begeanung des Grafen Goluchowski mit dem italienishen Minister des Aeußern Tittoni teilzunehmen.

Frankreich, Eine Meldung des „Figaro“, daß der Minister des

Aeußern Delcassé gelegentlih der Neise des Präsidenten Loubet nah Rom eine Audienz beim Pap st erlangen wolle und eine Begegnung mit dem Kardinal|taatssekretär Merry del Val haben werde, wird sowohl vom Ministerpräsidenten Combes wie im Ministerium des Aeußern als unrichtig bezeichnet. Eine Note der „Agence Havas“ ertlärt, daß weder von der einen noh von der anderen Seite jemals der Wunsch ausgesprochen worden sei, Besuche zu machen oder zu empfangen. Der Zweck der Neise des Präsidenten der Ne- publik sei der, den Vesuch des Königs von Jtalien zu erwidern. Es bedürfe deshalb keinerlei Erklärung, warum man ès im Vatikan wie in Paris für das Beste halte, cinander zu ignorieren.

Der Ministerpräsident Combes hat, ‘wie „W. T. B.“ meldet, im Einvernehmen mit dem Marineminister Pelletan die außerparlamentarishe Marineunte rsuhungskom- mission zusammengestelt. Jhr gehören 32 Deputierte, 18 Senatoren und 13 höhere Offiziere und Zivilbeamte an. Unter den Deputierten befinden sich Doumer, Lockroy, Lanessan und Chaumet, welch leßterer Pelletan schr scharf angegriffen hat, ferner die Obmännex der fünf ministeriellen Kammer- gruppen, darunter Faurès, unter den Senatoren Clémenceau.

Der Admiral Bienaimé und der Kontreadmiral Ravel haben sih, wie aus Toulon berichtet wird, gestern abend auf Befehl des Marineministers nah Paris begeben.

Die französishe Negierung hat nunmehr nf Offiziere namhaft gemacht, die dem mit der Kontrolle der Hendarmerie im Sandschak Seres betrauten Oberstleutnant Veraud beigegeben werden sollen. Diese Offiziere, die sämt- lih einer der Balkansprachen mächtig sind, haben Befehl er- halten, unverzüglih nach Saloniki abzureisen.

Neber das französisch-=-englishe Abkommen werden folgende Einzelheiten gemeldet : Von den Schrifistücken wird nur der Neufundland und Westafrika betreffende Vertrag die Unterschriften von Lord Lansdowne und dem französischen Botschafter Cambon tragen. Außer den Grenzberich- tigungen an der westafrikanischen Küste findet seitens Englands die Abtretung der an der Küste von FFranzösi\ch Guinea gelegenen Losinseln und des Gebietes von Sinder an Frankreih statt. Jn der Vereinbarung betreffs Marokkos erklärt England, daß es sih seines Ein- flusses in Marokko begebe. Dafür verpflichtet sich Frank: reich, weder Tanger noch die Gibraltar gegenüberliegenden Küsten- striche zu befestigen. Ferner gestattet Frankreich der ägyptischen Re- gierung, den 250 Millionen betragenden Ueberschuß der Schuld zu verwenden. Von politischen Zugeständnissen bezüglich Aegyptens sci während der ganzen Verzandlungen überhaupt nicht die Rede gewesen. Bezüglih Siams werden die Ver- pslichtungen Frankreihs und Englands nur etwas genauer bestimmt. Die Note, betreffend die Neuen Hebriden, be zweckt lediglih eine Revision der dortigen französishen und englishen Gerichtsbarkeit.

Nußland.

Wie B.“ aus St. Petersburg vom heutigen Tage berichtet wird, meldet der „Negierungsbote“, daß der Schuÿ der Jnteressen der russishen Ünter- tanen und der Gebäude der Gesandtschaft und der Konsulate in Korea, infolge der Abreise der russischen Agenten, den diplomatischen und Konsularvertretern Fran krei chs übertragen worden sei.

___ Die Mobilisierung der Untermilitärs der Ne- serve der Flotte ist am 6. d. M. in Ssebastopol bekannt gegeben worden.

dem „W. T.

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Spanien.

Der König besichtigte gestern vormittag, wie „W.T. B.“ berichtet, mehrere Weinlager und eine Weberei in Barcelona. Allerhöchstderselbe unterhielt sih-mit den Arbeitern und äußerte, sein größtes Vergnügen sei, die Arbeiter zu shüßen. Sodann besuhte Seine Majestät die im Bau befindlihe Kirche der Heiligen Familie. Ueberall wurde der König mit Jubel be- grüßt, namentlih in den Arbeitervierteln, wo geflaggt war.

Zu dem gestern gemeldeten Vorfall in Barcelona wird der „Agence Havas“ mitgeteilt, daß die Petarde um 9 Uhr Abends in der Nambla de Centro geplaßt sei. Sie sei vor das Portal des Hauses Nr. 19 gelegt worden und habe nur im Jnnern dieses Hauses Schaden angerichtet. Der Vorfall

es sih nicht

habe feine Bedeutung; um ein Attentat habe gehandelt. Richtig sei indessen, daß zwei Personen leicht verlegt worden seien und eine Person verhaftet worden sei. Der „Correspondencia de España“ zufolge war die Petarde mit einer Dynamit enthaltenden Röhre versehen.

Rumänien.

Der „WMonitorul Official“ veröffentliht das Fi geseß für das Rehnungszahr 1904/1905. Dinge laufen sich die Einnahmen auf 234 947 213 Fr., die Ausgabey auf 226 215 283 E Für außerordentlihe Kredite fin es d Dor P 00O N N beträgt Fe Gesamtsumme der

usgaben 227 55 r., und es ergibt sih ein Uebe von 7 390213 Fr. E a Mebershuß

In der gestrigen Sißung der Kammer und des wurde der Geseßentwurf über die Verwendung des Nebersdu des Gtatsjahres 1902/03 von 354 Millionen Francs angenommen Von dieser Summe find bereits früher 1 698 000 Francs für di Schuldentilgung bewilligt worden. Der Rest von 33,8 Milli Y wird auf die verschiedenen Ministerien verteilt. Auf das Kriegs ministerium entfallen 17 845 500 Francs, davon 10 Millionen fir Bewaffnung und Munition und 3 Millionen für Ptèilitärbauten. M

Serbien. Die ordeniliche Session der Skupschtina ist König mit einer Thronrede ges{hlossen worden, in der insbesondere die Herstellung des Gleichgewihts im Staatshaushalt hervorgehoben 1

gestern vom

die Wichtigkeit der Annahme des autouomen Zolltarifs betont und dj Eröffnung der nächsten Session nah sechs Monaten in Aussicht 2 stellt wird. Die Thronrede exklärt ferner, daß der König und die Negierung in voller Aufrichtigkeit auf die Erhaltung des Friedens hinarbeiteten, M

Schweden und Norwegen.

Der schwedische Neichstag hat gestern, wie „W T, B erfährt, mit 215 gegen 148 Stimmen den Vorschlag der Erhebung eines Wertzolls von 15 9/6 auf elektrishe Maschinen angenommen.

Dänemark.

Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz des Deutschen Reihs und von Preußen traf gestern vormitiag, wie „W. T. B.“ berichtet, in Kopenhagen ein Höchstderselbe wurde von Seiner Majestät dem König und Zhren Königlichen Hoheiten dem Kronprinzen, den Pri nzen Waldemar, Christian, Carl, Harald, dem Prinzen Carl von Schweden und Norwegen und Seiner Hoheit dem Herzog Johann zu Schleswig-Holstein-S onder- burg-Glücksburg empfangen. Es waren ferner anwesend jämtlichhe Minister sowie die Spißen der Militär- und Bivil- behörden. Der deutshe Gesandte war Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit bis Roeskilde entgegengefahren, Nach herzlicher Begrüßung und einer kurzen Cour im Waute- saal erfolgte die Abfahrt nah Schloß Amalienborg. Glei) nach der Ankunft daselbst stattete Seine Kaiserliche und König: liche Hoheit Seiner Majestät dem König von England einen Besuch ab, der unmittelbar darauf erwidert wurde. Abends fand im Palais Christians ŸVII. große Tafel statt bei der Seine Majestät der König Christian einen Trinkspruch auf Seine Majestät den Deutschen Kaiser ausbrachte.

Heute vormittag besichtigte Seine Kaiserliche und König- liche Hoheit der Kronprinz in Begleitung Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Christian von Dänemark verschiedene Sehenswürdigkeiten und begab sich um 11 Uhr zur Gratu- lation bei Seiner Majestät dem König.

Asien. neldet das „Reutershe Bureau“ die Nussen hätten längs der Küste von Takuschan und in der Mündung des Jalu Minen gelegt. Die japanische Armee in Korea habe jeßt verschiedene Punkte des Südufers des Zalu erreicht.

Telegramme von koreanischer Seite melden, daß die N ussen sechs der größten Grenzstädte am Tumenflusse beseßt hielten. Der koreanische Präfekt von Kongtschung berichtet, daz zahlreihe Gruppen von Russen und Chinesen in Jönampho sih nah Andschu zurückgezogen hätten, sodaß nh in Jönampho nur noch hundert Soldaten und einige Kauf: leute befänden.

Aus Schanghai t 10

Statiftik und Volkswirtschaft.

Die Arbeitseinstellungen in Preußen nah Beginn unt Dauer 1900—02.

Im Anschlusse an die in Nr. 40 des „Reihs- und Staats- anzeigers" vom 16. Februar d. J. gegebene Darstellung der Streik- bewegung in Preußen nah Gewerbegruppen mögen heute einige Mit- teilungen über den Beginn und -die Dauer der Arbeitseinstellungen folgen.

Gs begannen in Preußen nah der „Stat. Korr.“ Arb:iter machs A ausltande *)

1902

Df über- d. i. v. O. haupt v. H. 28,3 102 16,0 39,5 204 41,1

1900 , übere- über- B haupt haupt L. MICITCLIOU e... 240 262 ICT e L e BES 01D 247 3, Ï 209 E o A 4. L C LeO ¿ | T ol 147. Hiernach fingen in der Berichtszeit die Streiks am häufigsten im zweiten, am seltensten im leßten Vierteljahre an. Abweichend von den Jahren 1900 und 1901 nimmt 1902 hinsihtliÞ des Beginnes nicht das erste, sondern das dritte Vierteljahr die zweite Stelle ein.

Was die verschiedenen Betriebsarten anlangt, so begannen im Zeitraume 1900—02 Streiks ®)

in den Gewerbegruppen :

1901

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Bekleidun G Baugewerbe

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519 19 843 7 234 14 510

30 113 35 422

I 26 j 56 24 D % 02 A 26 M 0: 16 T6 10101 12 16 288. Wie überhaupt, sind hiernach auch in den meisten namentlich auf- geführten Gewerbegruppen die Ausstände vorwiegend im zweiten, in den übrigen Gruppen, nämlich in der Industrie der Holz- und Schniß- stoffe, in der Lederindustrie, im Bergbau, Hütten- und Salinenwesen wie auch in der Textil- und in der Maschinen- usro. Industrie, durhwes im eïsten Vierteljahre am häufigsten ausgebrochen. :

Die Dauer der (beendeten) Streiks betrug, wenn man für die -— 1900 97, 1901 64 und 1902 50 Fälle, in denen der Auéstand weniger als einen Tag währte, je # Tag berechnet, im Jahre 1900 insgesamt 15 905, i. J. 1901 13 760 und i. J. 1902 9999 Tage, im Durchschnitt auf eine Arbeitéstreitigkeit also 17 bezw. 22 und 16 Tage-

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S Bergbau usw.

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*) Hier sind sie nah dem Jahre ihres Beginnes gezählt.

Sm einzelnen dauerten vom Hundert der Arbeitseinstellungen

mit Hundertteilen aller Tage 1900 1901 1902 betroffenen Betriebe | streikenden Arbeiter 1900 1901 1902 | 19C0 1901 1902 unter 1 - A224 2620 B Ds 39, X 194 100 30,6 a 109 16, 92 140. 92 15,0 101-20. 1 1264 | 222 104 147 7,8 A 304 2 104 43 240 14,2 +00. 790 | 226 402 196 | 207 118-168 1-100 6 | 16,6 10,8 6,8 182 6,5 über 100 . . 24 2/0 M000 T0 1 8:0. Mehr als ein Drittel bis fast zwei Fünftel aller Streiks mit rund drei Zehnteln aller ausständigen Arbeiter hatten hiernach in den Berichtsjahren nur eine Dauer von 1 bis 5 Tagen. Aus der ver- hältnismäßig geringen Zahl. der dabei beteiligten Betriebe erhellt, daß es ih vorzugsweise um Einzelstreiks handelte. Bei den Arbeitseinstellungen von längerer als 50 tägiger, im Jahre 1900 ogar {on bei denjenigen von mehr als 20 tägiger Dauer überwogen die Gruppenstreiks. Insbesondere auf die 31—5%50 Tage währenden Ausstände entfiel in der Berichtszeit noch nit ein Zehntel aller Fälle, dagegen - ein bis zwei Fünftel aller betroffenen Betriebe. Außerdem fiadet man noch eine verhältnismäßig sehr starke Be- triebsb-teiligung im leßten Berichtéjahre bei den Streiks mit einer Dauer von 21—30 sowie von über 100 Tagen. Abgesehen von den Arbeitseinstellungen, welche 1-—5 Tage bestanden, war die Zahl der streikenden Arbeiter noch recht bedeutend bei den 31—%0 tägigen Streiks im Jahre 1900, bei den 51—100 tägigen im Jahre 1901 und im Vergleich zur geringen Zahl der Fälle bei den über 1C0 tägigen in den beiden leßten Berichtsjahren. Auch bei der preußishen Streiks statistik zeigt sich, daß die einzelnen Ausstände um fo länger zu dauern pflegen, je mehr Betriebe und Arbeiter daran beteiligt sind. Von den Arbeitseinstellungen des Zeitraums 1900—02 hatten eine Dauer von . . . Tagen in den e O E Gewerbegruppen : ter bis bis bis bis bis bis 109 1 040 20, 00.0 100 Bergbau, Hütten u. Salinen 2 59 8 4 13 Sidulirie 0. Steine U, Erden 11.49 15 10 9 94 Metallverarbeitung. . .. 4. 2 20 A 9 14 Maschinen- usw. Industrie . 9 28 15 ( 8 5 adi e Ce 54 a8 7 Papierindustrie N 7 4 2 - D 29 9 Holz- u. Schnitzstoffindustrie 15 82 V Or Nahrungs u. Genußmittelind. 18 39 ! ; Bekleidungs- usw. Gewerbe . A4 B U A a c 02 02 Le polygraphishe Gewerbe . . 6 BANDeLSgE De e O8 Nerkehrsgewerbe .... 31 i i Bde E. 416 E 22 zusammen L: 010.912.260.107 191 107 04; In sämtlichen Gewerbegruppen war also die Streikdauer von 1—5 Tagen am stärksten vertreten. Nur bei den polygraphischen Gewerben war sie ebenso häufig wie diejenige von 31—%0 Tagen ; aber auch in den meisten übrigen Gewerbegruppen waren über einen Monal währende Ausstände durchaus keine Seltenheit.

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Todesfälle an Sonnenstich in Preußen.

Tie Anzahl der Todesfälle an Sonnenstich zeigt in den einzelnen Jahren begreifliherweise recht beträhtlihe S{chwankungen; nichts- destoweniger ist im leßten Jahrzehnt au unter Berücksichtigung des Anwachsens der Bevölkerung gegen früher eine erheblihe Zunahme zu beobachten. Während 1881—90 die jährlihe Zahl der an Sonnen- stih Gestorbenen zwishen 21 und 97 s{wankte und im Durchschniit 67,2 betrug, bewegte sie sih von 1891 bis 1902, nah der „Stat. Korr.*, z¡wishen 30 und 286 mit einem Durhschniit von 125,7. Das jugend- lihe Alter und das weiblihe Geschleht sind in geringerem Grade beteiligt. Während des Jahrfünftes 1898 bis 1902 waren von 742 Ver- storbenen 645 = 86,9 v. H. über 15 Jahre alt; dem männlichen Geschlecht gehörten davon 583 = 78,6 v. H. an.

Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika mit Ausnahme Alaskas und der Inseln betrug nach dem Ergebnis der amtlichen Volkszählung im Jahre 1903 am Erhebungstage, wie „W. T. B." berichtet, rund 79 900 000 Seelen; dies bedeutet eine Zu- nahme um 3 906 000 seit dem Fahre 1900. New York belief sich auf 3716 000, die

auf 600 000.

Zur Arbeiterbewegung.

In Frankfurt a. M. hatten die Malergeh ilfen, Weiß- binder und Lackierer jüngst in zwei Versammlungen neue Lohn- sorderungen und Arbeitsbedingungen gestellt, die von einer Kom- mission den Meistern unterbreitet wurden. Am beschloß, der „Frkf. Ztg." zufolge, eine s\tarkbesulßte Ver- sammlung der Weeister, die Forderungen der Gehilfen abzu- lehnen und die Gründe in einer gemeinschaftlihen Sitzung der Tarif- kommission darzutun. s

in der letzten Zeit sehr wesentli gestiegen seien.

Die ausständigen Malergehilfen in Magdeburg (val.

Nr. 82 d. Bl.) beschlossen, wie die „Magdeb. Ztg.“ mitteilt, in einer |

am Mittwoochabend abgehaltenen Versammlung, den von den Meistern ¡ugestandenen Lohntarif ebenfalls anzunehmen. Der seit etwas über 14 Tagen währende Ausstand ist damit bcendigt.

Aus Lille wird dem ,W. T. B.“ telegraphiert, daß der Ausstand der Baumwolls\ pinner (vgl. Nr. 77 d. Bl.) beendet ist. Die Arbeiter erhalten eine dreiprozentige Lohnerhöhung. Die Wiederaufnahme der Arbeit erfolgt am Montag. In Amiens kam es, als Aus- ständige gestern dort in einige Fabriken eindringen wollten, zu gewalt- latigen Zusammenstößen. Ein Polizeilommissar wurde zu Boden ge- worfen und mißhandelt, die anrückende Kavallerie mit Steinen 4 worsen. Ein Kavallerist erhielt einen Messerstih, ein Ausständiger wurde durh den Tritt eines Pferdes verletzt.

In Livorno ist, wie der „Voss. Ztg.* telegraphiert wird, am Us ein Ausstand der Hafenarbeiter ausgebrochen (vgl. Nr. 81

Kunst und Wissenschaft,

Die philoso phisch-historishe Klasse der Königlichen Akademie der Wissenschasten hielt am 24. März unter dem Vorsitz ihres Sekretars Herrn Diels eine Sißung ab. Herr Kekule bon Stradonih las über den Apoll des Kanachos. Ein bei den bon den Königlihen Museen unternommenen Ausgrabungen in Milet 1903 gefundenes spätrömisches Relief zeigt die Figur eines Apoll, die auf rohe Weise den Apoll des Kanachos wiedergibt. Dies gab dem Vortragenden den Anlaß, die Kunststufe und die Eigenart des Kanachos iu erörtern. Der Vorsißende legte vor: Corpus Inscriptionum Latinarum. Vols. VIIs. suUppPI. Pars III. ‘’Inscriptionum Mau- retaniae Latinarum, miliariorum et inetrumenti domegstici in Pprovinciis Africanis repertorum supplementum ed, I. Schmidt (F), R. Cagnat, H. Dessau. Berolini, G. Reimer.

In der an demselben Tage unter dem Vorfiß ihres Sekretars Herrn Auwers abgehaltenen Sitzung der physikalisch-mathe- matishen Klasse legte Herr Fischer eine gemeinschaftlich mit Herrn Franz Wrede ausgeführte Untersuchung über

| lich

| dur in

Die Einwohnerzahl von | von Chicago auf

l 874 000, die von Philadelphia auf 1 368 000, die von St. Louis | Vrachent S) L 5 2 : i; e | Windstille unterworfen ift, besißt man auf der See, am Bord eines

Mittwoch

1 rzutun. In der Versammlung wurde mitgeteilt, eine | Umfraze bei sämtlichen beteiligten Firmen habe ergeben, daß die Löhne |

| den Tropengegenden

die Verbrennungswärme einiger organischer Verbindungen _hor. Um eine größere Genauigkeit in der Eichuna der calorimetrishen Bombe Berthelots zu erzielen, haben die Verfasser durch Vermittelung des Herrn Kohlrausch die Herren Professor Jaeger und Dr. von Stein- wehr veranlaßt, in der E nishen Reichsanstalt ein neues elektrishes Verfahren für diesen Zweck auszuarbeiten. Mit einem derartig geeihten Instrument sind die Verbrennungswärmen von 39 organischen Verbindungen bestimmt worden. An der Hand der Ergebnisse wird u. a. der thermishe Effekt der Polypeptid- bildung und der fkonjugierten Doppelbindung besprohen. B van’t Hoff malte eine weitere Mitteilung über die Bildungsverhältnisse der ozeanishen Salzablagerungen: "AXNX V, Die Zusammensezung der konstanten Lösungen bei 83%. Gemeinschaftlih mit den Herren Sachs und Biah wurden die zwanzig Lösungen konstanter Zusammensetzung, die bei 83° den Kristallisationsgang beherrschen, quantitativ untersuht. Herr Koenigsberger übersandte: Hydro- dynamishe Untersuhungen, aus dem Nachlaß von Herrn von Helm- hol zusammengestellt durch Professor W. Wien in Würzburg. Professor Wien hat unter den Helmholßschen Papieren eine fast druck-

| fertige Abhandlung „über Wasserwogen“ gefunden, ferner zwei unab-

geschlossene, aber ohne Schwierigkeit zum Abschluß zu bringende Auf- äße über die Bewegung kompressibler Flüssigkeiten, bei denen Symmetrie um eine Axe berrscht, und eine nur angefangene Unter- suhung über das Verhalten spiralig ih aufrollender Wirbel.

A. F. In der ersten Sizung der drei Tage beanspruchenden 10. allgemeinen Versammlung der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft, die gestern im großen Hörsaal des Instituts fär Meereskunde eröffnet wurde, begrüßte der Vorsitzende, Ge- heimer Obérregierungsrat, Professor Dr. von Bezold, die zahl- reih Erschienenen mit einer Ansprache. Jn der Versammlung waren die gelehrten Kreise Berlins, die Offiziere der Armee und Marine und die Beamten stark vertreten. Von auswärtigen Besuchern seien ohne Anspru auf Vollständigkeit der Liste genannt: Geheimer Rat Or. Neumayer, an den der Vorsitzende besondere Worte freundlicher Begrüßung richtete, dann die 4 im Laufe der Verhandlungen als Ehren- mitglieder proklamierten Professoren Billwiller (Schweiz), Pernter (Wien), Konkuli (Budapest) und Adam “Paulsen (Kopenhagen) und ferner die Herren Harries (London), Schmidt (Stuttgart), Schultheiß (Karlsruhe), Greim (Darmstadt), Köpper und Großmann (Hamburg), Mack (Hohenhausen), Holderfleiß (Halle), Walter König (Greifswald), Möller (Braunschweig), Polis (Aachen). Geheimrat von Bezold be- zeichnete es in seiner Ansprache als eine in seiner Eigenschaft als Erster Vorfißender der Gesellshaft gern geübte Pflicht und als eine gewordene Gewohnheit, als Einleitung zu den Verhand- lungen über den jeweiligen Stand der meteorologishen Fors{chung zu berihten, den seit der leßten Versammlung dur(laufenen Weg im Geiste zurückzuverfolgen und die voraussichtlich in nächster Zukunft einzushlagenden Wege zu kennzeihnen. Seitdem die Deutsche Vieteorologishe Gesellschaft zuleßt vor drei Jahren in Stuttgart ge-

| tagt, ist vor allem die Aufgabe der Erforshung der höheren Luft-

\hihten in den Vordergrund getreten. Grneute Anregung haben dazu die Verhandlungen der Internationalen Kommission für Luftschiffahrt

| vor zwei Jahren, die Untersuhungen Cailletets und Anderoz? und die | Drachenerxperimente gegeben, wie folche von Teisserenc de Bort mit

ganzes Jahr hin- aerónautische Abteilung des beinahe ohne Unterbrehung sind und zu der Fest-

Konsequenz und bestem Erfolge ein Jütland und dur die meteorologischen Instituts

täglich angestellt worden

großer

Berliner S: ZSUDLE

{ stellung geführt haben, daß die ganze Luftmasse in der kurzen Zeit | eines Tages ihre Temperatur ändern kann. od) | gelungen, den von Noth und Berson empfohlenen Plan umfassender

Leider ist es noch nit

Üntersuhungen der höheren Luftschihten über dem Ozean durch

| planmäßig ins Werk geseßte Drachenaufstiege zur Ausführung zu

bringen, von so ungeheurer Wi(htigkeit folhe Untersuhungen au a : l ,

sein würden. Denn wir wissen, daß die Vorgänge in der Atmosphäre

über dem festen Lande wesentlich bedingt und beeinflußt find dur

die vershiedene Erwärmung der Grdoberflähe; wir wissen ferner, daß die

Erwärmungsverhältnisse des Meeres von denen des festen Landes sehr

| abweichend find, somit auch der Einfluß des Ozeans auf die Atmosphäre ein

ganz verschiedener sein muß; aber twoir befinden uns leider noch nit in der Möglichkeit, diese Verschiedenheit durch das Drachenexp-:riment festzustellen, troß ihrer Wichtigkeit für die Erkenntnis der Gesamtheit der metesrologishen Vorgänge, da ja der Ozean zwei Drittel der ganzen Erdoberfläche bedeckt. Geheimrat von Bezold bedauerte es, daß sich noch kin Mäcen gefunden - hat, um die nicht allzu hohen Kosten der Ausrüstung und Unterhaltung eines Dampfers von etwa 1000 Tonnen Gehalt mit einer Geshwindigkeit von 12 km in der Stunde während Der beabsichtigte Erfolg erscheint nach den auf einer Fahrt nach Spißbergen von Berson und Elias gemachten Erfahrungen als ganz zweifellos; denn abweihend von den Störungen, denen das Drachenerxperimeni auf dem Lande durch den Eintritt vollständiger

Dampfers, ja unausgeseßt die Möglichkeit, den für den Drachenaufstieg gerade geeigneten Wind durch die Schiffsbewegung zu \ch{affen. Recht wichtige Ergebnisse, die unsere Kenntnisse der Vorgänge in der fceien Atmosphäre sehr gefördert haben, sind auch durch die auf dem Potsdamer Observatorium durch die Professoren Sprung und Sütring ausgeführten Wolkenbeob-chiungen gewonnen worden.

Auf dem Felde der theoretishen Forshung stehen die Beziehungen |

zwischen den Vorgängen auf der Sonne und den Zuständen unserer Atmosphäre im Vordergrunde des Interesses. Daß die Flecken- bedeckung der Sonne ein Maß für die Tätigkeit in der Sonnen- atmosphâre ift, darf für mehr als wahrscheinlih gelten, ebenso daß hierdurch bis zu einem gewissen Grade die Temperatur an der Sonnenoberfläße und die Intensität ihrer Wärmeausstrahlung Aenderungen erfährt. Deshalb ift ein Zusammenhang zwischen der Fleckenbedeckung der Sonne und den meteorologischen Vor- gängen im Luftmeer sicher und ein Parallelismus zwischen Sonnenflecken ünd Temperatur auf der Erde, besonders in niht überraschend. Für die gemäßigten Klimate aber {eint nah Untersuchungen, welhe die Zeit von 1818 bis 1900 umfassen, ein solher Einfluß unwesentlih zu sein. Neuer- dings wollen nun französishe Beobachter gefunden haben, daß die bisherige Annahme, die fonnenfleckenreihen Jahre seien in den Tropen durch besondere Wärme, in der gemäßigten Zone aber durch Kühle auszgezeihnet, niht zutreffe, es sei vielmehr umgekehrt. Geh. Nat von Bezold hält dicse Ermittelung für rihtig und erklärt die Ab- fühlung in den Tropen troß stärker zuströmender Wärme durch die gesteigerte Wasserverdunstung, Vermehrung des tropischen Wolkengürtels und hierdurch «wieder herbeigeführte Abkühlung, wogegen der in den gemäßigten Zonen absteigende Luftstrom bei seiner größeren Wärme der Klarheit des Himmel3, da- durch vermehrter Sonnenstrahlung und einer Erhöhung der Tem- peratur ‘zugute kommt. Für die kalten Zonen wird das Problem des Einflusses der Sonnenflecke auf die meteorologischen Vorgänge deshalb zu einem sehr verwickelten, weil hier die Temperatur der Meeres- strömungen sehr bestimmend für die meteorologishen Vorgänge ist und die Geschwindigkeit des Transportes der Wärme bei diesen Strömungen naturgemäß eine viel langsamere ift als bei dem Luft transport. Nach allem handelt es sich bei der Beobachtung dieser Zusammenhänge um wichtige, weitaussehende Fragen, die forgfältigsten Studiums bedinfen, falls jemals dem Problem der Wettervorausbestimmung auf längere Zeit näher getreten werden soll. Wichtige Aufgaben stellen ferner die Beziehungen, die sih aus der erkannten Abhängigkeit dèr Nordlichter von den Sonnenflecken zroischen Sonnenphvsit und Physik unserer Atmosphäre ergeben. Diese Frazen haben durch die magnetischen Gewitter am 31. Oktober und 1. November v. J. neue Anregungen empfangen. In engem Zu- sammenhange damit stehen die Untersuhungen über die Elektrizität der Atmosphäre, und es ist zu begrüßen, daß sich eine internationale Vereinbarung vorbereitet zur planmäßigen Anstellung solcher Untersuhungen über die ganze Erde während zweier Jahre.

einiger Monate des Jahres auf sich zu nehmen. |

Dabei wird vorauésihtlich auch der Frage näher getreten werden, ob die Erdoberfläche von elektris{en Strömen durchsett ist oder nicht. Ein einfahes Mittel für diese Untersuung hat hon Gauß in Ge- stalt magnetisher Messungen im geschlossenen Kreise angegeben. Ge- heimer Nat von Bezold {loß seine mii großem Beifall aufgenommenen Betrachtungen mit dem Hinweis darauf, daß. es auch in der Meteorologie keinen Stillstand gebe, daß die Horizonte und mit ihnen das Arbeitsfeld sich unausgeseßt erweitern und die Beziehungen zum praktishen Leben zahlreiher würden, wofür nähst Wetterprognosen, Sturmwarnungen 2c. die Betätigung der Meteorologie für die gesamte Wasserwirtschast, für die Verhütung oder Verminderung der Veber- \{wemmungsgefahren als Beispiel anzusehen sei.

Es sprach hierauf Professor Dr. Schubert - Eberswalde über den Einfluß des Waldes s Beobachtungen der forstlihen Diese - Beobachtungen find in im Norden von Landsberg a. d. W. nach einem fest um- schriebenen Programm während vier Jahre angestellt worden. Es waren fünf Stationen angelegt: eine im Laubwald, eine in einer Lichtung, eine nahe dem Saum des Laubwaldes, eine nahe dem Saum eines Mischwaldes auf freiem Felde, endlich eine in weiter Entfernung vom Walde auf freiem Felde, und es wurden hier an Instrumenten (Aspirationsthermometer und Psychometer), die zwei Meter über dem Boden aufgestellt. waren, täglich viermalige Beobachtungen der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit uufgezeihnet. Die in tabellarischer ¿Form vorgelegten Ergebnisse ecbringen den Beweis, daß ein Einfluß des Waldes auf das Klima von irgend welhem Belang nicht nachzuweisen sei. Der Vortragende verheb[t ih nicht, daß dieses Grgebnis gegenüber der weit verbreiteten Meinung von einem be- stimmenden Einfluß des Waldes auf das Klima überraschen werde. Hiervon unabhängig sei ja aber die zweifellos wihtige Nolle des Ge- birg8waldes zur Berhütung der Bodenabshwemmung und der Hoch- wassergefahren sowie zur Milderung der verderblichen Wirkungen des Windes. In der Diskussion über ven Vortrag machte Geheimer Rat Hellmann darauf aufmerksam, daß die Untersuhung auf den Zustand der Luft über dem Walde hätte ausgedehnt werden follen zur Prüfung der Frage, inwieweit der Wald Einfluß auf die Negenbildung habe. Abgesehen hiervon aber, erscheinen ihm die allgemeinen Ergebnisse sehr annehmbar, da sie sih mit ähnlichen Er- mittelungen decken, die vor 20 Jahren bereits im Spreewald, in der nächsten Nähe von Sümpfen und i= der Nähe der Meeresküste ange- stellt worden sind und übereinsti:nmend einen sehr geringen Einfluß dieser lokalen Bedingungen auf die klimatishen Verhältnisse erwi-sen haben. Professor Mak - Hohenhausen teilte noch Beobachtungen aus Württemberg mit, die auf einen Einfluß des Waldes auf die Ent= \stehung der Hagelwetter hinzudeuten seinen, gab aber zu, daß die éFrage offen bleibe, ob hier elektrishe Verhältnisse mitgewirkt hätten.

Zum Schluß \prach Dr. Meinardus-Berlin über Wasfsser- temperaturschwankungen an der westeuropyäischen Küste. Den Vortragenden beschäftigt seit Jahren die Frage nach der Ein- wirkung der Temperatur des die Küste Norwegens treffenden Golf- tromes auf die Winter Nordeuropas, Deutschland eingeshlofsen. Neuere, mit großer Umsicht ausgeführte Untersuhungén haben dem Bortragenden die Ueberzeugung verschafft, daß es in weiterer Folge wohl mögli sein wird, aus Beobachtungen der Golfstromtemperatur bei Neufundland auf die bevorstehenden Eisverhältnisse im Atlantischen Ozean und hieraus auf den für Nordeuropa zu erwartenden Winter und Frühling zu \chließen.

auf das Klima nach neuen Versuchsanstalt in Preußen. ausgedehnten Waldgebiet

Bei Eduard Schulte beginnt am nächsten Sonntag eine neue Ausftellung, in der vertreten sein werden : Ludwig Dettmann, Königs berg, Professor Friedrih Fehr, Karlsruhe, Alfred Hazledine, Brüssel, Agathe Herrmann, Berlin, Carl Langhorst, München, Carl O’Lynh von Town, München, Rudolf Ribarz, Wien, Karl Ziegler, Berlin und der „Frankffurt-Cronberger Künstlerbund“ (mit Wilhelm Altheim, Rudolf Gudden, Jacob Happ, Robert Hoffmann, Paul Klims\, Heinrich Werner und Ottilie W. Röderstein).

Am 17. d, M. vird wle W. T. B

große Ausstellung alter Kunstwerke dur den minister Orlando eröffnet werden.

meldet, in Siena ene Unterridht8«

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs- maßregeln.

Erlaß des Neichskanzlers, betreffend die in Hamburg errihtete Auskunftsstelle für die Beseßung ärztlicher Stellen im AusTkande.

Der deutsche Aerztevereinsbund hat Ende vorigen Jahres in Ham- burg eine Auskunftsstelle für die Besetzung ärztliher Stellen im A us- lande und auf deutshen Schiffen errichtet. Ihre Aufgabe soll es vornehmlich sein, den Aerzten, die sich im Auslande nieder- lassen wollen, eine hierzu passende Gelegenheit nachzuweisen, dabei aber gleichzeitig möglihst zu verhüten, daß ungeeignete ärztlihe Kräfte ins Ausland gehen, die dann vielleicht nit nur felbst der Not anheimfallen, fondern außerdem auch noch dem Ansehen der deutschen medizinischen Wissenschaft im Ausland empfindlihen Schaden zufügen. Durch die Gründung der Auskunftsfstelle wird voraussichtlich in Zukunft die Möglichkeit gegeben fein, leichter als bisher zuverlässige, tüchtige deutshe Aerzte für das Ausland zu gewinnen

In etnem an sämtliche Kaiserlihen (General-, Vize-) Konsulate gerihteten Grlaß des Reichskanzlers werden dicse nun ersuht, falls nh eine Gelegenheit zur Niederlassung eines deutshen Arztes in deren Amtsbezirk bieten sollte, hierüber zu berihten und sih dabei zugleich über die in Betracht kommenden Verhältnisse an der Hand eines Fragebogens eingehend zu äußern.

Dieser Fragebogen enthält u. a. folgende Fragen: Wie groß ift die Einwohnerzahl des Orts, wo die Niederlassung eines Arztes ge- wünscht wird ? Wieviel Deutshe und Angehörige anderer Nationen, die für die Praxis etnes deutshen Arztes in Frage kommen können, find daselbst wohnhaft ? Welche besondere spezialärztlihe Tätigkeit is wünschenswert oder erfordecli@? Welche Sprachkenntnisse sind erforderlih? Welches ist die Landessprahe? Ist ein Examen abzu- legen? Gegebenenfalls in welher Sprahe? Welche Hospitäler find vorhanden? Wieviel Betten haben diese? Wer steht den Hospitälern vor? Würde ein deutscher Arzt in einem derselben Ope- rationen vornehmen fönnen? Wieviel Aerzte sind am Orte oder in der nächsten Umgebung vorhanden? Wieviel deutshe Aerzte? Wie ist das Klima? Welche epidemischen Krankheiten sind vorherrschend (gelbes Fieber, Malaria usw.)? Welches ist die beste Neisegelegenheit nah dem Niederlassungs8ort ? Wie hoh belaufen sih etwa die NReise- kosten? Wieviel Kapital ift für die erste Niederlassung bezw. für den Unterhalt während der ersten zwei Jahre erforderliß? Wer wünsht die Niederlassung eines deutschen Arztes? Namen und Adressen dieser Personen und Gefellshaften? Werden irgend welche Erleichterungen für die erste Niederlassung geboten? Wird eine be« stimmte Einnahme garantiert ?

und Klauenseuche ift dem

Der Ausbruch der Maul- l vom Schlachtviehhofe zu

Kaiserlihen Gesundheitsamt gemeldet Dresden am 7. April 1904,

Bochum, 7. April. (W. T. B.) Wie der „Märkische Sprecher“ von amtliher Seite erfährt, ist eine Krankenschwester an Pocken er- krankt; ferner find zwei verdächtige Fälle festgestellt. Die mit den früher Erkrankten in Berührung gewesenen und abgesonderten Personen werden vorausfihtlich morgen freigelassen werden.

Lima, 7. April. (W. T. B.) Hier sind zwei neue Fälle von Erkrankung an Beulenpest vorgekommen.