1883 / 106 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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c) 30) Walter, Studirender zu Malchin in Mecklen-

a) 31) Wehrenpfennig, Lehrer an der Garnisonschule zu Braunschweig,

32) Wende, Studirender, aus ŸYels, z. Z. zu Breslau,

L 33) Wilking, Kandidat des höheren Schulamtes, aus Steinfeld im Großherzogthum Oldenburg, z. Z. zu Berlin,

34) Will, Studirender, aus Jagniewitz, Kreis Gnesen,

a) und d) 35) Witte, Kaufmann zu Berlin,

36) Wollert, Studirender, aus Frankfurt a. D., z. Z. zu Berlin. E

Die Befähigung zur Ertheilung von Turnunterricht, jedoch nitt die Qualifikation als Turnlehrer an öffentlichen Unterrichtsanstalten, ist zuerkannt worden dem

37) Theodor Talman, Kaufmann zu Berlin.

Ferner ist S

38) dem Turnlehrer Emil Kregenow zu Berlin die Befähigung zur selbständigen Leitung von Schwimmunterricht zuerkannt worden.

Berlin, den 4. Mai 1883, -

Der Minister der geistlichen, Unterrihts- und Medizinal-

Angelegenheiten. Jm Austrage: de la Croix.

burg

11. Plenarsitzung des Herrenhauses, Mittwoch, den 9, Mai 1883, Nachmittags 1 Uhr. Tagesocdnung:

Einmalige Schlußberathung über den Geseßentwurf, be- treffend die Verlängerung der im 8. 16 Absatz 3 des Gesetzes über die Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst vom 11. März 1879 festgeseßten Frist. Mündliche Berichte der Petitionëe-Kommission über die Petitionen Nr. 20, 35, 47 so- wie Nr. 32, 34 und 38. Mündliche Berichte der Kom- mission sür den Staatshaushalts:Etat und für Finanz- Angelegenheiten über die Petitionen Nr. 24, 27 und Nr. 6. Mündlicher Bericht der Kommission für Agrarverhältnisse über die Petition Nr. 45, Mündlicher Bericht der Koni- mission für Eisenbahn-Angelegenheiten über die Bauausfüh- rungen und Beschaffunaen der Eisenbahnverwaltung vom 1. Oktober 1881 bis dahin 1882, Mündlicher Bericht der- selben Kommission über den Nachtragëbericht zu den Ergeb- nissen des Betriebes der Staatseisenbahnen im Betriebsjahre 1881/82. Mündlicher Bericht derselben Kommission über die Petitionen Nr. 41 des Wesenick und Genossen in Berlin und Nr. 39 des Lehrers Mühlmann in Briesen i. M.

Bekanntmachungen,

betreffend Verbote und Beshränkungen der Ein- fuhr über die Neichsguenze.

Berorvdnung, betreffend das Verbot der Einfuhr von Schafen.

Nachdem zur Tilgung der im Reichslande herrschenden Schafräude die strenge Durhführung der durch das Reichs- Seuchengeseß vom 23. Juni 1880 und das Geseh für Elsaß- Lothringen vom 27. März 1881 vorgeschriebenen veterir är- polizeilichen Maßregeln angeordnet worden ist, wird zur Ver- hütung neuen Einschleppens der Schafräude in die diesseitigen Schafbestände Folgendes M

Die Einsuhr von Schafen aus Frankreih, Luxemburg und der Schweiz wird vorläufig bis zum 1. September d. Fs. mit der Maßgabe verboten, daß zum Schlachten bestimmte Schafe nah vorgängiger Feststellung ihrer Gesundheit dur einen diesseitigen beamteten Thierarzt eingelassen werden dürfen. 3

S2 Das Einsfuhrverbot tritt mit dem 1. Mai d. Js. in Kraft. Straßburg, den 19. April 1883. Ministerium für Elsaß-Lothringen. Abtheilung für Gewerbe, Landwirthschast und öffentliche Arbeiten. Der Unter-Staatssekretär Ledderhose.

Bekanntmachung.

Am 11. k. Mts. vird in der hiesigen Staats-Navigationsshule mit der nächsten Seesteuermanns- und Schifferprüfung für große Fahrt begonnen werden. -

Die Anmeldungen sind an den Unterzeichneten zu richten.

Altona, den 7. Mai 1883, | : Der Vorsitzende der Prüfungs-Kommission.

ngel, : : Navigationéshul-Direktor für die Provinz Schleswig-Holstein.

Nießtamllichßes. Deutsches Nei ch.

Preußen. Berlin, 8, Mai. Se. Majestät der Kaiser und König begaben Sich heute Morgen 9/4 Uhr nach dem Tempelhofer Felde und besichtigten daselbst das zweite Garde-Regiment z. F. sow1e das Garde-Füsilier-Regi- ment. Nach der Besichtigung kehrten Se. Majestät in das Palais zurück und nahmen um 11/7 Uhr den Vortrag des General-Lieutenants von Albedyll entgegen.

Jhre Majestät die Kaiserin und Königin empfing gestern in Baden-Baden den Abschiedsbesuch Fhrer Majestät der Kaiserin von Oesterreich und der Erzherzogin Valerie, den Dieselbe später erwiderte.

Der Ausshuß des Bundesraths für Handel und Verkehr trat heute zu einer Sißung zusammen.

Der Schlußbericht über die gestrige Sißung des Reichstags befindet sih in der Ersten Beilage.

Jn der heutigen (82.) Sißung des Reichstages, welcher der Staats-Minister Scholz jowie mehcere andere Be- vollmächtigte zum Bundesrath und Kommissarien desselben beiwohriten, genehmigte das Haus zunächst ohne Debatte in dritlex Berathung den Konsularvertrag zwischen Deutsch-

land und Serbien.

Es folgte die dritte Berathung des Freundschafts-, Hanbdels- und Schhiffahrt3vertrages zwishen Deutsch- land und Mexiko. Das Haus nahm den Vertrag unverän- dert am Disftussion an, ebenso folgenden Antrag des Abg,

r. Kapp:

Der Reichstag wolle beschließen: „den Reichskanzler zu ersuchen, darauf Bedabt nehmen zu wollen, daß bei künftig abzuschließenden Freundschafts-, Handels- und Sciffahrtsverträgen mit den Regierungen anderer Länder, namentlich derjenigen der Vereinigten Staaten von Amerika, den Angehörigen des Deutschen Reichs das unbedingte Ret zum Erwerb und zur Veräußerung von Grundeigenthum unter Lebenden und von Todeswegen eingeräumt werde.“

Hierauf trat das Haus in die zweite Berathung des Gesezentwurfs, betreffend die Abänderung des Zoll- tarifs (Holzzölle), auf Grund des mündlichen Berichts der X1Il, Kommission, ein. Die Kommission beantragte :

__ Der Reichstag wolle beschließen, nachfolgendem Geseßentwurf die verfassungsmäßige Zustimmung zu ertheilen: S L

An die Stelle der Nr. 13 c. des Zolltarifs zu dem Geseh, betreffend den Zolltarif des deutschen Zollgebietes u. \. w., vom 15. Juli 1879 (Reichs-Geseßblatt Seite 207) treten folgende Be- stimmungen :

c. Bau- und Nutholz:

1, roh oder blos mit der Art vorgearbeitet, lediglih an den Enden mit der Säge abgeschnitten ; eichene Faßdauben, ungeschälte Korbweiden und Reifenstäbe.

100 kg 0,30 M, oder 1 fm S 1,80 H,

2) in der Richtung ‘der Längsachse gesägt ‘oder ‘auf anderem Wege vorgearbeitet oder zerkleinert; Faßdauben, welche nicht unter Nr. 1 fallen, und ähnliche Säge- und Schnittwaaren

100 kg 0,70 M, oder 1 W0.. 4209 M

Anmerkung zu c. 1 und 2.

, Bau- und Nußtholz, roh oder blos mit der Axt vorgearbeitet, lediglih an den Enden mit der Säge abgeschnitten, für Bewohner des Grenzbezirks mit Zugthieren gefahren, sofern es direkt aus dem Walde kommt und nicht auf einen Verschiffungsplaß oder Bahnhof gefahren wird, ferner Faßdauben, ungeschälte Koröweiden und Reifenstäbe, sowie alle übrigen sub 2 genannten Säge- und Schnittwaacen in Mengen von nit mehr als 50 kz, nicht mit der Eisenbahn oder auf dem Wasserwege eingehend, für Bewohner des Grenzbezirks, vorbehaltlich der im Falle eines Mißbrauchs ört- lih anzuordnenden Aufhebung oder Beschränkung dieser Begünsti- M frei

D 2 _An die Stelle der Nr. 1 des $. 5 des Gesetzes, betreffend Abänderung des Zolltarifs Gesetz vom 15. Juli 1879 treten folgende Bestimmungen :

Erzeugnisse des Ackerbaues und der Viehzucht von denjenigen außerhalb der Zollgrenze gelegenen Grundstücken, welche von inner- halb der Zollgrenze befindlichen Wohn- und Wirthschaftsgebäuden aus bewirthscaftet werden ; ferner Erzeugnisse der Waldwirthschaft, wenn die außerhalb der Zollgrenze gelegenen Grundstücke minde- stens seit dem 15. Juli 1879 eine Zubehör des iuländischen Grundstücks bilden.

O 3

Dieses Gesetz tritt bezüglich der Position in 8. 1 ec. 1 am 1, Oktober 1883, im Uebrigen am 1. Iuni 1883 in Kraft.

Der Referent, Abg. Frhr. von Göler, befürwortete diesen Antrag; die Mehrheit der Kommission sei zu der Ueberzeugung gekommen, daß. der Nothlage der deutshen Waldwirthschast nur durch eine Aenderung des Zolltarifs abgeholfen werden

fönne. Der Abg. Dirichlet erklärte, es solle hier eine korporative

Gestaltung der Forstbesißger geschaffen werden und den- selben niht nur eine angemessene, sondern sogar cine steigende Rente gesichert werden. Die Mehrheit der

Kommission, von welcher der Rejerent gesprochen, habe nur aus einer Stimme bestanden. Die Stellung des deutschen Waldes sei theils cin Produkt des Zufalls, theils der ge\chicht- lichen Entwickelungen. Jn Folge der Kriege u. f. wm. Habe vielfah der Wald den Acerboden zurücClgedrängt, wie auh Fürst Bismarck für Ostpreußen bei Vertheidi- gung der GBetreidezöle anerkannt habe. Man müsse die fried-

lihe Rüderoberung des Ackerbodens durh die Lankt- wirthschaft ruhig gewähren lassen. Stieigende Holzpre:se hätten wnmer eine Verminderung, und nicht eme Vermehrung des Waldes bewirkt. Einer gesteigerten

Nachfrage stehe naturgemäß auch ein gesteigertes Angebot gegenüber. Das sei noch 1879 den Regierungen klar gewesen. Jr: den offiziellen Zollmotiven stehe, es erscheine mit Rücksicht au? die Erhaltung der rationellen Forstwirthschaft in Deutschlan5 unangemessen, de Zollsäße so hoh zu nehmen, daß die fremte

Einfuhr ausges{lossea und dadurch ar. die Leistungs- fähigkeit der deutshen Forsten zu große Ansprüche ge- stellt würden. Diese Ansicht sei ouch durch eine Aeußerung des Ober-Forstmeisters Dr. DonckÆelmann in der Kommission bestätigt worden. Auch durch noch so hohe Holzzöôle würde man nie bewirken, daß guter AClerhoden angeforstet höhere Erträge liefere, als land-

wirthschaftlich verwerthet. Die jezigen Ansichten des Ober- Forstmeisters Dr. Dancelmann ständen ir. s{hroffem Widerspruch mit seinen Aeußerungen im Landes-Dekonomie-Kollegium 1880, Daß die Lage der deutschen Forstwirthschaft noch nicht so unglücklih sein könne, zeigte Redner an den Verhältnissen der sogenannten „Johannisburger Haide“ in Ostpreußen,

Forste in

dem wohl am ungünstigsten gelegenen Deutshland. Auch in den Bezirken Cassel und Wiesbaden

seien die Verhältnisse normale; die Durchschnittspreise des Nugzholzes verhielten sich zu denen des Brennholzes au dort wie 3 zu 1, Als die Erhöhung der Holzzölle inaugurirt sei, habe er vergeblich versuhi, von der Regierung etwas statistishes Material zu erlangen. Durch diese Bollerhöhung werde das Ausland geradezu zum Raubbau und zur Devastation angereizt. Er bitte, die Vorlage abzu- lebnen, welche die Landwirthschaft shädigen müsse zu Gunjten der Forsten, die doch zum größten Theil in den Händen von Großgrundbesigern seien.

Bei Schluß des Blattes echielt der Abg. von Tepper- Laski das Wort.

Nah Mittheilungen aus Jtalien ist folgende Sub- mission ausgeschrieben worden :

von der Königlich italienishen Artillerie-Di- rektion der Pulverfabrik in Fossano für den 15, Mai d. Js. bis 3 Uhr Nachmittags die Lieferung von 400000 kg raffinirten ¡Salpeter im Taxwerthe von 280 000 Lire.

Ueber die speziellen Bedingungen ist das Nähere an Ort | und Stelle einzusehen.

Zufolge amtlicher Na@hricht soll die Madrider Aus- stellung von Erzeugnissen des Bergbaues 2c. (conf. R.- A. Nr. 79 von 1883) ers nah der für den 22. d. M. daselbst in Aussicht stehenden Ankunft des portugie- sischen Königspaares eröffnet werden.

_ Diebstahl zur Nachtzeit in einem bewohnten Ge- bäude, in welches sih der Thäter in diebisher Absicht einge- {lichen hatte, ist, nah 8. 243 Nr. 7 des Strafgeseßbuchs, als schwerer Diebstahl mit Zuchthaus zu bestrafen. Ln Bezug auf diese Bestimmung hat das Reichsgericht, I. Strafsenat, dur Urtheil vom 5. März d. J. ausgesprochen, daß die Nachtzeit mit dem Eintritt der Dunkelheit beginnt und nicht auf die Zeit der nähtlihen Ruhe beschränkt ist.

Als jagdbar sind nah einem Urtheil des Reics- gerichts, IIl. Strafsenats, vom 22. Februar d. J., in Preußen alle diejenigen Thiere anzusehen, für welche das Geseß vom 26. Februar 1870 über die Schonzeiten des Wildes Geltung hat. Ein Dachs, für welchen das gedachte Geseg eine Schonzeit festgeseßt hat, gehört demnach, obwohl er früher in einzelnen Provinzen nicht zu den jagdbaren Thieren, son- dern zu den Raubthieren gezählt worden, zu den jagdbaren Thieren und ist kein Gegenstand des freien Thierfanges ; die Erlegung eines Dachses auf fremdem Jagdterrain ist so- mit als Fagdvergehen aus $8. 292—295 des Str. G. B, zu

ahnden. Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Fürstlich \chwarzburg-rudolstädtishe Staats-Minister Dr. von Bertrab

ist von hier wieder abgereist.

__— Der Gesandte der Republik Chile am hiesigen Aller- höchsten Hofe, Guillermo Matta, hat Berlin auf einige Wochen verlassen. Während seiner Abwesenheit fungirt der Le- gations-Sekretär Valentin Letelier als interimistischer Geschäftsträger.

Baden. Baden-Baden, 8. Mai. (W. T. B.) Die Kaiserin von Oesterreich und die Erzherzogin Valerie haben heute Vormittag 9 Uhr mittelst Extrazugs Baden- Baden verlassen und sih zunülst nah Stuttgart begeben, von wo die Weiterreise nah München erfolgt.

Sessen. Darmstadt, 8. Mai. (W. T. B.) Die Anr Kammer is für den 22, d. M. zur Sizung ein- erufen.

Desterreich:Ungarn. Pest, 5. Mai. Der „Pester Lloyd“ {reibt : Prinz Wilhelm von Preußen, dessen besonders leutseliges Benehmen von Allen, die mit demselben während seines Aufenthaltes in Wien in näheren Verkehr zu kommen Ge- legenheit hatten, sehr hervorgehoben wird, hat die ihm zur Dienstleistung zugetheilten Hausoffiziere und Hoschargen mit werthvollen Geschenken bedaht und überdies auch 1000 Fl. für andere untergeordnete Hofbedienstete zur Vertheilung zurüdgelassen, Prinz Wilhelm, den besonders sreundschaft- liche, ja herzlihe Bande. mit dem Kronprinzen Rudolf verknüpfen, und welchem es, wie er sih vor seinem Abschiede in der Hofburg laut äußerte, in Wien besonders gut gefallen, hat demselben zugesagt, im Herbst d. J. wieder hierher zu fommen, um gleichzeitig auch an den Hochwildjagden theil- nehmen zu können.

Cattaro, 8. Mai, (W. T. B.) Der Fürst von Bulgarien ist gestern Abend hier eingetroffen und von den Spißen der Civil- und Militärbehörden empfangen worden. Heute Morgen ist der Fürst nah Cettinje weitergereist.

Jn

Fraukreih. Paris, 7. Mai. (W. T. B.) der Budgetkommission der Deputirtenkammer fand heute die Wahl des Vorsißenden statt. Fm ersten Wahl- gange erhielt Sadi Carnot 10, Allain-Targè 8, Rouvier 8, Wilson 4 Stimmen. Jm zweiten Wahlgange wurde Sadi Carnot nt 17 Stimmen gewählt und erhielten Rouvier 8, Allain-Targé 6 Stimmen.

Jn der heutigen Sigung der Deputirtenkammer richtete Desroys eine Anfrage an die Regierung über die Art und Weise dex Beschaffung der Ausrüstungsgegenstände für die Armee und bekämpste das System, die Lieferungen aus freier Hand zu vergeben; man solle zu dem Submissions- verfahren zurückehren, welches für den Staatsshaß wie für die Armee vortheilhafter sei. Der Kriegs-Minister Thibaudin erklärte: die Armeeverwaltung habe beschlossen, zu dem Submissionsverfahren zurüczukehren. Schließlich wurde die voin Kriegs-Minister acceptirte einfahe Tagesord- nung angenommen.

Der Bankier Philippart ist heute den belgishen Be- hörden auf deren Verlangen ausgeliefert worden.

Italien. Rom, 7. Mai. (W. T. B.) Der Herzog und die Herzogin von Genua sind heute nah Turin abgereisi. Der König und mehrere Minister waren bei der Abfahrt auf dem Bahnhofe anwesend. Prinz Arnulph von Bayern ist heute nah München abgereist; der König, der Kronprinz sowie die Prinzen Amadeus und Thomas begleiteten denselben zum Bahnhof.

Türkei. Konstantinopel, 6, Mai. (W. T. B.) Das Jrade des Sultans, durch welches die Konvention, betreffend die Tabackregie, sanktionirt wird, ist heute veröffentliht worden.

7, Mai. Das „Reutershe Bureau“ meldet: Die Mächte haben ihre Zustimmung zur Ernennung Wassa Effendi's zum Gouverneur des Libanon im Laufe des heutigen Tages der Pforte angezeigt, das Protokoll über die Ernennung Wassa Effendi's wird in der morgenden Sigzung der Konferenz unterzeichnet werden.

Bei

Rumänien. Bukarest, 7. Mai. (W. T. B.) den heute beendeten Kammerwahlen des Bürgerstandes hat die Regierungspartei ebenso wie bei den Wahlen des kleineren Grundbesißes gesiegt. Obgleich die Wahlen des Bauernstandes noch bevorstehen, is der Regierung doch bereits Dreiviertel- Majorität der Kammer gesichert.

8, Mai. (W. T. B.) Bei den Kammerwahlen des dritten Wahlkollegiums erlangte die Opposition von 55 Sigten nur einen.

Nußsland und Polen. St. Petersburg, 8. Mai. (W. T. B.) Die Nachrichten der „Nowoje Wremja“, wona der gegenwärtige russishe Gesandte in Madrid, Fürst Gort- \chafko ff, diejen Posten verlassen, während der Gesandte in Bcüssel, Graf Bludoff, nah Madrid verseßt und an dessen Stelle Baron Frederics zum Gesandten in Brüssel bestimmt sein sollte, sind sicherem Vernehmen nach unrichtig.

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8. Mai. (W. T. B.) Der Minister des Kaiserlichen Hauses, Graf Woronzow-Daschkow, und der Präsident der Krönungskoinmission, Richter , sind gestern nah Mos kau

abgereist. i s Die deutshe „Petersburger Zeitung“ meldet, Graf Pahlen, Mitglied des Reichsraths, werde zum Präsidenten

der Judenkommission ernannt werden.

Zeitungsfstimmen.

Die Wiener „Presse“ vom 5. d. M. widmet den jüngsten Reichstagsverhandlungen einen Leitartikel, in welchem sih folgende Säße finden: : i

U, Andererseits ist ebenso sicher, daß die radikale Dppo- sition systematisd darauf ausgeht, die Befugnisse des Reichstags in Militärangelegenheiten zu erweitern und, wenn mögli, an diefem Punkte zuerst die Herrschaft des parlamentarischen Systems in Deutsch- land zur Geltung zu bringen. Sie hat zu diesem Zwecke seit Jahren Vor- stôße auf dem Terrain des Extraordinariums zum Kriegs-Ctat unter- nommen, nachdem das Hauptbudget das erstemal im Jahre 1874, das zweitemal im Jahre 1881, allerdings damals schon gegen den Widerspruch der Fortschrittspartei, auf sieben Jahre festgestellt wurde und noc kis zum Jahre 1888 in Kraft bleibt. Hieran ist also nicht zu rütteln, aber die Posten der jährlihen Mehrbewilligungen geben dafür Anlaß zu Ausfällen genug . . . . Die ganze Tendenz der Fortschrittspartei lief auf die Alternative hinaus, eine parla- mentari‘de Armee oder kein Geld für das Heer. .….…. Die neue Resolution scheint recht eigentli den Zweck gehabt zu haben, das Terrain zu sondiren und den Kriegs-Minister auf seine Energie zu prüfen; die Militär-Konkurrenz mit Lohnpferden kann toch bei einer Mancbesterpartei nicht Anstoß erregen, die ja die rücksichtéloseste allgemeine Konkurrenz in Schutz nimmt und welche das Unterliegen des Schwachen in dem Kampfe gegen den wirthschaftlib Starken als die naturgemäße Uebertragung des Darwinschen Prinzips auf die Gesellschaft betrachtet. . S S

Die Dinge stehen heute, nah ciner zwanzic;jährigen Ministerschaft Bismarcks und nach den großen Thaten der Armee jreilih etwas anders als zu Beginn seiner Laufbahn, denn dazwischen liegt die Gründung des Deutschen Reiches, der beispiellose Erfolg der Heeresorganisation, welche der König damals im Widerspruche mit der Opposition durseßte. Alle Blätter der Geschichte seit 1864 beweisen, daß der Monarch damals faktish im Rechte war, die Nation hat es längst einmüthig aner®annt und bei den Wählern findet die Opposition nit mehr jene beharrliche Unterstützung, welbe ihr das yreußisbe Volk dem Herrn von Bismark und seinen ja damals unbekannten Plänen gegenüber zu Theil werden ließ und die den Wählern einfach auf innere Reaktion und nicht auf eine große äußere Aktion hinaus- zulaufen schienen. Andererseits hat die heutige Fortschritts- sraktion von jener großen Majoritäï des preußischen Lendtages, wel@e dem Minister den erbitterten änd wenigstens parla- mentarisch erfolgreichen Krieg machte, nur noch den Namen; die da- malige Fortschrittépartei umfaßte alle liberalen Elemente des preußi- schen Landtages, von Virchow bis Grabow und von Vincke, von den Steuerverweigerern von 1849 bis zu den Altliberalen. .... Was sich heute Fortschritt nennt, ist eine B T von einem Fünftel des Reichstags, mit welcher die gemäßigt liberalen Gruppen gerade in dieser verhängnißvollen Frage nicht gemeinsame Sache maden werden. Die reihsverfassungs8mäßigen Gewalten des Kaiscrs nah kaum zwölfjährigem Bestande des Reiches zu lockern, scheint ein so boffnungsloses ur.d zugleich unpatriotisbes Unternehmen, vaß alle Welt der Fortschrittspactei hierfür vie Verantwortlichkeit überlassen wird, die fie allerdings mit jenec Leichtigkeit zu tragen bereiï ist, welche bei dem deutschen Dur@schnittspolitiker weder durch die Erinnerung an die tausendjährige Landesgeschichte der Nation, no% durch die Theilnahme an ihrem Ruhme bezwungen werden fönnte. Die demokratishe Opposition hat heute die Rolle des weiland autofratishen Reichsfürstenthums aufgenommen. :

Der „Schwäbische Merkur“ theilt aus dem Jahresberichte der Handels: und Gewerbekammer für Schwa- hen und Neuburg u. A. folgende Gutachten mit:

Mair haben bisher unterlassen, unseren Berichten ein allgemeines Urtheil über die Folgen der mit dem Zolltarifgeseße vom 15. Juli 1.879 inaugurirten Aenderung der Handels)olitik des Deutscher Rei- che3 einzuverleiben. Zu einem absch{ließenden positiven Urtheil ift auch heute noch das Material nicht gereift; vagegen reichen die bisherigen Erfahrungen in negativer Richtung vollstäntig aus zur Widerlegung von Befürchtungen, mit welchen die beginnende Reform von thren Gegnern diskreditirt wurde. In der Sißung des Reichstags vom 16. Februar 1883 ist regierunngsseitig daran erinnert, daß im Jahre

1879 in den stärksten Ausdrücken der nothwendige Ruin des deut- cen Erpcrts als Folge der Reform prophezeit wurde. Der noto- rishea Thatsache des gegentheiligen Erfolges suchen nun die Gegner in längst bekannter Kampfweise mit der Behauptung auszuweicben, es sei nicht erwiesen, daß der erhöhte Export als eine Folge der Reform betrachtet werden könne. Wir werden auf diese Frage zu- rückommen; hier handelt es sich zunächst darum, daß eine mit größter Zuversicht ausgesprochene Befürchtung sich nicht realisirte. Mit nicht geringerer Prätension auf Unfehlbarkeit wurde ferner f. Z. behauvtet, die Reform müßse nothwendig einen Rückgang unserer Verkehrsanstalten zur Folge haben. Es wurde betoir, daß unsere Eisenbahnen eine großartige Industrie repräsentiren, welche man aus einseitiger Berücksichtigung einzelner Jndustriezweige zu ruiniren im Begriff stehe. Auch in dieser Richtung ist das Gegentheil eingetreten, die Frequenz der deutschen Verkehrsanstalten bewegt si in den jüngsten Fahren zweifellos in aufsteigender Richtung. Vollständig unbegründet ift endli der Vorwurf, der neue Tarif sei für alle anderen Staatcn das Signal gewesen, mit Schußtzzöllen vorzugehen. . _,,, Der Bericht bestätigt dann im Großen und Ganzen auch für 1882 das Urtheil, mit welhem das General-Sekretariat des deutschen Handelstages cine dankenswerthe, unter „das deutsche Wirthschaftsjahr 1881“ betitelte Zusammen- stellung von Berichten der einzelnen Handelskammern einleitete: „Im vergangeiten Jahr (1880) konnte ter Ueberzeugung Ausdru gegeben werden, daß auf allen Gebieten der Erwerbsthätigkeit ein Uebergang zum Besseren nicht zu verkennen sei. Diese Beurtheilung der da- maligen wirthschaftlihen Lage berechtigte dann zu der Hoffnung, daß die Fahre lang andauernde Krisis ihren Höhepunkt überschritten habe, und daß wir uns auf dem Wege einer zwar langsam, aber sicher fortschreitenden Genesung befinden. Diese Ecwartung hat sid im Berichtsjahre durchaus bestätigt. Die Verhältnisse haben si be- festigt, die Umsäße haben sich vermehrt, das Vertrauen is endlich zurückgekehrt. : i i

_— Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ theilt aus dem von der Handelskammer zu Frankfurt a. M. veröffentlichten Jahresberihte für 1882 den Abschnitt über „Hausirhandel“ mit. Dieser Abschnitt lautet :

Aus mehreren Industrie- und Handelszweigen sind auch in diesem Jahre gegen das Hausir- und Auktionswesen Klagen erhoben.

Aus der Terxtilbranhe \{hreibt man uns: Ueber den Hausir- handel wird vielfah von Seiten unserer Kunden, welche Detail- geschäj:e haben, sehr geklagt, und sie betrahten es als eine unge- rechte Beeinträchtigung, daß derselbe in seitheriger Weise noch ge- stattet wird.

Aus dec Fabrikation von Chales und Tüchern wird berichtet : Auf möglichste Beseitigung des Hausirhandels wäre vor Allem die Aufmerksamkeit der Gesetzgebung zu richten. Gerade dur die Eigen- art unseres Artikels sind wir in der Lage, die s{chlechten Folgen be- urtheilen zu können, die das Hausirwesen dem soliden Geschäfte bringt, ohne daß, mit ganz vereinzelten Ausnahmen, der Hausirer sich ctwas zu erringen vermag.

dem Titel ho

Von der Bettwaarenfabrikation: Für meinen Artikel bildet das Auktionsunwesen eine wahre Kalamität! Dasselbe benactheiligt jedes reelle Gescäft, täuscht und s{ädigt dur seine Eigenthümlichkeiten in den meisten Fällen die unerfahrenen Steigerer selbst. Giebt es für respektable Gesbäfte denn keinen Schuß und bietet die Gewerbe- sesepgeung feine Mittel, diesem Unfug endlich einmal wirksam zu teuern

Aus der Damenkonfektion: Das Detailreisen hat in den leßten Jahren eine so bedeutende Ausdehnung genommen, daß es an der Zeit erscheint, dieser fast zur Kalamität gewordenen Frage gegenüber Stellung zu nehmen. Nicht allein, daß diese Unsitte sich immer mebr einbürgert, ist auch nichts fo sehr geeignet, das reelle Platz- geschäft so shwer zu sbädigen und den geringen Nußen, der nah Abzug der hohen Miethen und Spesen verbleibt, zu absforbiren, als dieses Hausiren mit Mustern von Havs zu Haus. Ohne einer reaftionâren Tagesströmung beizupflihten, darf man doch zugeben, daß auf gesetzgeberishem Wege sich diese Auswüchse beseitigen lassen.

Aus dem Holzhandel: Nah dem Gewerbegesez find die Floß- verkäufer, da dieselben ohne vorherige Bestellung nicht selbstgewon- nenes Holz auf der Mainkur, hier odec anderswo feilbieten oder verkaufen, der Hausirsteuer unterworfen. Jedoch besteht für den hie- sigen Platz keine diesbezüglihe Kontrole, und möchten wir verehrl. Handelskammer ersuchen, bei Beginn der Frühjahrsfaison dahin wirken zu wollen, daß alle ohne Hausirschein betroffene Flößer, sobald sie das hiesige Gebiet berühren, in Strafe genommen werden.

Aus der Parfümerie- und Toilette-Seifenfabrikation: Jch für meinen Theil verkaufe nichts an Hausirer cus Rücksicht für meine Kundschaft ; zweifellos leidet das legitime Geschäft unter dem Hausir- handel, und es wäre zu wünschen, daß dem leßteren mehr Schranken angelegt und derselbe mehr besteuert würde. : |

Von der Schuhfabrikation: Der Hausf:rhandel follte auf das geringste Maß beschränkt und nur von solchen Leuten ausgeübt werden dürfen, welche kränklih resp. zu anderen Arbeiten unfähig sind. Dieser Zweig des Geschäftslebens paßt durchaus nicht mehr in unsere Zeit so leihten Verkehrs, wo sh in jedem Dorf ein offener Laden be- findet, in welhem nothwendige Wünsche befriedigt werden können.

Aus der landwirthschaftliden Maschinenfabrikation : Der Haulir- handel zwingt durch {leite Waare und niedrige Preise auch die übrigen Geschäftsleute, ibre gediegene Waare zu billigeren Preisen loszushlagen, wenn sie ein Geschäft machen wollen, abgesehen davon, daß unter dem Deckmante! des Hausirhandels, manch anderes un- sauberes Geschäft betrieben wird.

Von der Holz- und Drahtwaarenindustrie: Der Hausirhandel muß noch bedeutend mehr beschränkt, die Wanderlager bedeutend höher besteuert werden.

Justiz-Ministerial-Blatt. Nr. 18. Inhalt: Alge- meine Verfügung vom 25. April 1883, betreffend die Erstattung der Gebühren und Auslagen, welche bei den Konsulaten des Deutschen Reichs durch die Erledigung von Ersuchen preußisher Justizbehörden erwachsen. Regulativ vom 1. Mai 1883, betreffend die juristischen Prüfungen und die Vorbereitung zum höheren Justizdtenfst.

Landtags- Angelegenheiten.

In Beetendorf in der Altmark verschied am d. d. der Wirkliche Geheime Rath von der Shulenburg-Salzwedel, Erbküchen- meister der Kurmark Brandenburg, Landesdirektor der Altmark und Mitglied des Herrenhauses. In das Herrenhaus war der Verstorbene im Jahre 1856 auf Präsentation des Verbandes der innerhalb der preußischen Monarchie rit einem Rittergute angesessenen Mitglieder der Familie von der Schulenburg auf Lebenszeit berufen roorden.

Statistische Nachrichten.

Gemäß den Veröffentlihungen des Kaiserliwen Gesund- heitsamts sind in der 17. Jchreswoche von je 1000 Bewohnern auf den Jahresdurh|\cnitt berehne: als gestorben gemeldet: in Berlin 25,9, in Breslau 28,7, in Königsberg 37,0, in Céln 23,8, in Frankfurt a. M. 20,7, in Hannover 18,2, in Cassel 20,0, in Magdeburg 22,1, in Stettin 25,4, in Altona 19,6, in Straßburg 28,2, in Mey 16,9, in München 33,4, în Nürnberg 27,7, in Augsburg 35,2, in Dres- den 26,1, in Leipzig 24,6, in Stuttgart 29,2, in Braunschweig 31,3, in Karlsruhe 14,0, in Hamburg 32,4, in Wien 37,9, in Budapest 35,8, in Prag 406, in Triest —, in Krakau —, in Basel 19,1, in Brüssel 32,2, in Paris 30,9, in Amsterdam 34,6, in London 21,6, in Glasgow 34,7, in Liverpool 27,8, in Duélin 31,2, in Edinburg 19,6, in Kopenhagen 28,0, in Stockholm 24,5, in Chri- tiania 18,8, in St. Petersburg 40,1, in Warschau 27,6, in

dessa 31,6, in Rom 34,2, in Turin 31,7, in Bukarest 34,8, in Madrid 35,7, in Alexandrien (Egypten) 38,5. Aus der Zeit vom 1. bis 7, April cr.: in New-York 32,2, in Philadelphia 28,4, in Chicago 25,5, in Cincinnati 21,9, in St. Louis —, in San Franzisko 20,8, in Kalkutca —, in Bombay 30,8, tn Madras 32,5.

Während der Berichtswoche herrshten an den deutschen Beoba(- tungêéorten mäßige östliche Winde vor, die um die Mitte der Woche an Stärke zunehmend nach West und Südwest, an den Oftstationen nah Südost, in Berlin, Bremen und Karlsruhe vorübergehend bis nach Nordwest, in den letzten Tagen der Woche aber wieder nah Ost (in Mittel(-, Nord- und Westdeut]chland nach Südost, in Karlsruhe und Kon! nah Nordost) zurückgingen. Die Temperatur der Luft entsprad in Mitteldeutshland der normalen, in Bremen und Süd- deutsclc.nd lag der Wocbendurchschnitt der Luftwärme unter, an den Oststationen und in Cöln über derselben. Nachtfröste waren in München häufig, an den anderen Stationen selten. Niederschläge, theilweise Schnee und Hagel, waren häufig, aber meist wenig ergiebig. Der beim Wochenbeginn mäßig hobe Luftdruck nahm in den ersten Tagen ab, sticg um die Mitte der Woche wieder, sank aber in den leßten Tagen der Woche an allen Stationen und zeigte am S{hluß der Woche noch keine Neigung zum Steigen.

In der Berichtswoche hat die Sterblichkeit in den meisten Großstädten Europas, besonders in den mittel- und nordeuropäi| hen, zum Theil recht erheblich abgenommen. Die allgemeine Sterblich- keitsverhältnißzahl für die deutshen Städte sank, auf 1000 Be- wohner und aufs Jahr berechnet, auf 26,9 von 28,4 der Vorwoche und zeigt eine wesentlih geringere Betheiligung des Säuglingsalters an der Sterblichkeit. Von 10 000 Lebenden starben aufs Jahr be- rechnet 81 Säuglinge gegen 86 der Vorwoche, in Berlin 70, in München 126.

Unter den Todesursachen waren von den Infektionskrankhbeiten Sterbefälle an Scharlach und Keuchhusten etwas gesteigert, an Masern, Diphtherie und Pocken etwas vermindert. Erheblich seltener führten aber allgemein entzündliche Erkrankungen der Athmungsorgane zum Tode. Masern herrschten in Brandenburg, Pforzheim, Berlin, Würzburg, Greiz, obwohl in den leßteren Orten ein Nachlaß der Todesfälle ersichtlich is. Erkrankungen davon kamen aus den Regierungsbezirken Hildesheim, Stettin, Erfurt sehr zahlreih zur Meldung. Auch in Rom, Genf, Prag, Paris, Glasgow, Liverpool und namentlich in Madrid riefen Masern viele Todesfälle hervor. Das Scarlachfieber bedingte in Hamburg, Berlin, Nürnberg, St. Petersburg mehr, in Dresden, Hannover weniger Todes- fälle, Erkrankungen waren in den Regierungsbezirken Marien- werder, Wiesbaden, Schleswig nicht selten. Diphtherie und Croup forderten in Königsberg, Schwerin i. M, Breslau, Posen, München, Nürnberg, Berlin, Dresden, Hamburg, Paris, Turin, St. Petersburg u. a. D. viele Opfer. Erkrankungen

wurden aus den Regierungs-Bezirken Stettin, Hildesheim, Marien- !

werder und Schleswig in größerer Zahl gemeldet. Typhöse Fieber wurden in Königsberg, Paris, St. Petersburg, Alexandrien, häufige Todesveranlassung. An Flecktyphus wurde aus deutschen Städten nur 1 Todesfall, aus Weißenfels, und vereinzelte Erkrankungen aus den

Regierungsbezirken Marienwerder, Stettin, Stralsund und Aachen, ferner aus Thorn2 Todesfälle an Rückfallsfieber gemeldet. Jn beschränkter Zahl zeigten sich Flecktyphen in London, Warschau, Malaga, Saragossa, in größerer Zahl in Budapest, Valencia, Madrid, St. Petersburg und Moskau. Dem Kindbettfieber erlagen 15 Frauen. Darm- katarrhe der Kinder führten in München, Gera und Hamburg häu- figer zum Tode. Sterbefälle an Keucbbusten haben in Berlin und Nürnberg abgenommen, in Beuthen, Würzburg, Darmstadt, Wien war die Zahl derselben eine größere. Todesfälle an Pocken kamen aus deutshen Städten 2 (beide aus Königsberg), Erkrankungen aus den Regierungsbezirken Trier, Aachen, Stettin, Marienwerder und Wiesbaden zur Anzeige. In beschränkter Zahl zeigten sich Pocken in London, Brüffel, Wien, Birmingham, Warschau, Liffabon, Buda- pest, Prag, Valencia; in größerer Zahl in Malaga, Alexandrien, Amsterdam, St. Petersburg, Maèrid, Baltimore, Paris, Rotterdam, New-Orleans, Bombay. In Rio de Janeiro erlagen in der Zeit gon 16.—31. März 15 Personen den Pocken und 137 dem gelben

ieber. Die s{on erwähnte „Zeitschrift des Königlih Bayerischen Statistischen Bureaus“ bringt in ihrem jüngsten Hefte u. A. auch Beiträge zur Statistik der Gemeindebesteuerung in Bayern aus der Feder des verdienten Vorstandes dieses Bureaus, des Regierungs-Raths Dr. von Müller. Wir entnehmen dieser \{chätenêwerthen Untersuchung folgende Resultate: Die Gesammt- summe der erhobenen Gemeindeumlagen betrug in absoluten Ziffern: 1876 14 166 317,78 M, 1878 17 009 649,14 Æ, 1880 17 039 999,26 A Während die absoluten Zahlen auf eine fortschreitende Steigerung der Belastung gedeutet werden könnten, zeigen die Prozentziffern, daß der Höhepunkt im Jahre 1878 erreiht war und das Jahr 1880 wieder dem Stande des Jahres 1876 näher liegt. In Prozenten der direkten Staatssteuern ausgedrückt is dec Gesammtbetrag der Umlagen 1876 71, 1878 79, 1880 73. An dem hiernach si bekundenden neuerlichen Wiederrückgange ist die Pfalz in höherem Maße betheiligt als das diesrheinishe Bayern. Dort ist die Prozentskala 142—157— 103, und tritt der Rückgang auch in den. absoluten Zahlen zu Tage, indem der Gesammtbetrag der Umlagen, welcher 1876 2 868 401,11 4 und 1878 3311 431,46 A war. 1880 auf 2850631 M sich stellte. Im rechtsrheinischen Bayern dagegen lautet die Prozentskala auf 63-—70—69, so daß hier die Abminderung gegenüber dem höchsten Stande im Jahre 1878 nur ein Prozent beziffert. Nicht unerwähnt, da für die Beurtheilung der Zahlen von Belang, wird hier gelassen, daß in obiger Zusammenstellung für die Pfalz die Umlagen nach Art. 40 der dort geltenden Gemeinde-Ordnung mit ein- gerechnet und bei den Prozentsäßen sämmtliche Gemeinden der Pfalz in Berücksichtigung gezogen sind. Von den 38 unmittelbaren Städten des Landes hat eine Weißenburg a. S. überhaupt feine Gemeindeumlagen ; die übrigen bewegen sich hinsichtlich dieser

Umlagen im Jahre 1880 zwischen 17 und 148,27%/9 der direkten Staatssteuern. Was die den Königlichen Bezirksämtern unter-

so ergiebt fich, daß sowohl nach ab-

stellten Gemeinden betrifft, Höhe der Ge-

\osuten Zahlen als nach Prozentziffern die meindeumlagen in allen Regierungsbezirken von 1876 auf 1878 ein Steigen und von da auf 1880 ein Fallen zeigt. Dabei find so- wohl in den absoluten Zahlen als nah Prozenten der Staatsfsteuer die Gemeindeumlagenbeträge des Jahres 1880 unter jene des Jahres 1876 zurückgegangen in 5 Megierungsbezirken, nämlich in Nieder- bavern, in der Pfalz, in der Oberpfalz, in Oberfranken und in Mittelfranken. Im Vergleiche zum Jahre 1878 drückt \ich das Fallen im Jahre 1880 in Prozenten aus wie folgt: Pfalz 53,90, Mittelfranken 12,75, Oberfranken 11,12, Oberpfalz 6,25, Nieder- bayern 4,96, Unterfranken 4,63, Oberbayern 2,09, Schwaben 1,17. Im Vergleiche zum Jahre 1876 zeigen die Gemeindeumlagen des äIahres 1880 bei der Pfalz 38,94, Oberfranken 8,99 Mittelfranken 6,75, Niederbayern 2,10, Oberpfalz —— 4,48, Oberbayern + 2,47, Unterfranken + 5,23, S{chwaben + 6,97 9/6. Für die Bezirksämter ergiebt sich, daß von 1880 zurück auf 1876 im Königreiche 77 Bezirksämter eine Minderung und 71 eine Meh- rung aufweisen. Ueber die in den einzelnen Gemeinden auf den Kopf de:: Bevölkerung treffenden Umlagensäte wird angeführt, daß nah den Zusammenst-:lungen für die Jahre 1876 und 1878 im Königreiche auf den Kopf der Bevölkerung und zwar im ersteren Jahre 2,82 M, im leßteren Jahre 3,39 A Gemeindeumlage trafen. Hierbei ist jeweilig die am 1. Dezember 1875 ermittelte Bevölkerung zu Grunde gelegt. Wird statt dessen für die Jahre 1876 und 1878 diejenige Bevölkerungsziffer in Ansaß gebraht, welhe auf diese Jahre trifft, wenn die Gesammtmehrung der Bevölkerung

in den fünf Jahren 1876 mit 1880 auf die einzelnen Jahr- gänge gleihmäßig ausgeschlagen wird, so ergiebt sich auf den Kopf der Bevölkerung im Jahre 1876 ein Umlagensaßtz

von 2777 4 und im Jahre 1878 ein solcher von 3,28 A Im Jahre 1880 trifft nach der am 1. Dezember 1880 erhobenen Gesammt- bevölkerung8ziffer der Umlagenbetrag von 3,22 A auf den Kopf der Bevölkerung. Es stellt sich also auch bei dieser Berechnung cin wenn au kleiner Rückgang (11 bezw. 6 +4) in der Umlagenhöhe heraus. In den Regierungsbezirken waren die Säße des Jahres 1880 folgende: Oberbayern 4,30, Niederbayern 2,26, Pfalz 4,21, Oberpfal: 2,34, Oberfranken 2,11, Mittelfranken 3,61, Unterfranken 2,70, Schwaben 3,26 # Die im Einzelnen auf den Kopf der Bevölkerung treffenden Umlagenketräge s{wanken zwischen den End- kategoricen 1—10 4 und 36,37 Æ Zur Betrachtung gelangen unter Abzug der 743 umlagenfreien Gemeinden 7289, Davon weisen auf den Kopf der Bevölkerung aus: 1—100 4 0903 (22 von 1—50 S und 676 von 51--100 ), 101—200 2048, von 201—300 4 1710, von 301 bié 400 S 1031, von 401-—500 J 649, von 501—1000 „S 857, von 1001 ch4 bis 2000 J 8, über 2000 S 6 (und zwar je 1: 2153, 2223, 2251, 2321, 3902, 3637 - es find dies 1 Gemeinde in der Pfalz, 3 Gemeinden in Mittelfranken und 2 Gemeinden in Unter- franken). Der Umlagensc, welcher sich für die Gesammtheit der unmittelbaren Städte ‘ro 1880 bei ciner Bevölkerung von zusammen 844 867 Seelen und hei einer Summe der er- hobenen Umlagen mit zusammen 5 556 113,53 A auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, ist 658 #(Æ Im Jahre 1876 war der gleihe Saß 4,07 A und im Jahre 1878 6,00 46 Auf den Kopf der Bevölkerung kommen sonach in den unmittelbaren Städten 1880 um 58 j mehr als im Jaßre 1878, und um 2,51 M. mehr als im Jahre 1876. Wesentlich anders sehen sich die Dinge bei den Bezirksämtern an. In den diesen unterstellten Gemeinden traf auf den Kopf der Bevölkerung im Jahre 1876 2,60 4, im Jahre 1878 2,93 # und im Jahre 1880 258 Hier liegt also eine Minderung gegenüber dem Jahre 1878 mit 35 4, und fogar gegen- über dem Jahre 1876 mit 2 vor. Hinsichtlih der den König- lichen Bezirksämtern untergeordneten Gemeinden führt die Zusammen- fassung nach MEEEU Nen zu Me Resultaten :

1880

Oberbayern 2,49 M. 2,80 A. 2,59 M Niederbayern 8 240 , Ie Pfalz M 5,16 , 4,21 ; berpfalz 204 210 191 7;

Oberfranken O 2,00 y C 5 Mitrelfranken 288 » O 5 264 , Unterfranken 2,08 24 200 Schwaben 219 2,66 , 2,08

Gewerbe und Händel.

Danzig, 8. Mai. (W. T. B.) Die Einnahmen der Marien- burg-Mlawkaer Eisenbahn betcugen im April 162 629 M gegen 177 15s M im April 1382, mithin weniger 14 527

Amsterdam, 7. Mai. (W. T. B.) Die Niederlän- dische Bank bat den Diskont von 43 auf 4%/ herabgesetzt.

Verkehrs-Anstalten.

Bei dem Königlichen Eisenbahn-Betri:bs-Amt zu Berlin (Di rektionsbezirk Bromberg) Oftbahnhof, sind gegenwärtig eine Anzahl Stellen im Weichenstellerdienst, beziehungs-