1883 / 166 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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‘Mahon 25./6. 2./7. Cartagena 5./7. Nach Malaga. (Poststation: bis 24./7. Cadix [Spanien], vom 25./7. ab Lissabon). S. M. S. „Olga“ 30./4, Pernambuco 18./6. nah Bahia. (Poststation : bis 22./7. Bahia [Brasilien], vom 23./7. bis 30./7. Pernambuco, vom 31./7. ab St. Thomas [Westindien].) S. M. Briga „Rover“ 24./6. Swinemünde 2./7. 2./7. Saßniß. (Poststation: Swinemünde.) S. M. S. „Stosch“ 6./5. Shanghai 26./5. na Nagasaki. (Post- station: Hongkong.) S. M. Knbt. „Wol“ 5./5. Maimbun (Sulu Fnsel) 6./5. 7./5. Bargao 7./5. 10./5. Sanda>an auf Borneo 12./5. 16./5. Manila 20./5, 23./5. Hong- kong. (Poststation: Hongkong.) Uebungsgeshwader 8./7. Wilhelmshaven 13./7. (Poststation bis 27./7. Kiel, vom 28./7., ab Neufahrwasfser.)

Bielefeld, 16. Juli. (Rhein. Westf. Z.) Die Ankunst Sr. Kaiserlihen und Königlichen Hoheit des Kron- prinzen erfolgte heute Morgens gegen 5°/, Uhr. Der Bahn- hof war sehr ges<ma>voll dekorirt. Auf dem Perron hatten si< zur Begrüßung die Spißen der Behörden eingefunden, U. A. der Regierungs-Präsident von Pilgrim aus Minden, Obker- Bürgermeister Bunnemann, Landrath von Ditfurth, Geh. Rath Dr. Hinzpeter, Pastor von Bodelshwingh, Oberst Koeppen und Major Behm. Jn der Begleitung des Kronprinzen war außer einem Leibjäger nur der persönliche Adjutant Rittmeister von Nyvenheim. Vor dem Bahnhofe hatte si troß der frühen Morgenstunde eine nah Tausenden zählende Menschenmenge eingefunden, die Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit mit größtem Enthusiasmus begrüßte.

Der Kronprinz begab Sich zunä<hst zur Wohnung des Geheime Rath Dr. Hinzpeter, wo das Frühstü> eingenommen wurde. Um 6/4 Uhr fuhr Se. Kaiserlihe Hoheit dann in offenem Wagen nach dem etwa 2 Meilen entfernten Wilhelms- dorf. Fn denselben Wagen stiegen au<h die Herren Regie- rungs-Präsident von Pilgrim, Pastor von Bodelshwingh und Geheime Rath Dr. Hinzpeter ein, während in einem anderen Wagen der Rittmeister von Nyvenheim und Landrath von Ditfurth folgten. Leider war das Wetter re<t ungünstig. Gegen 9 Uhr entwi>elte si< ein dihter „sauerländischer Nebel“, der sih bis gegen Mittag zu einem regelrehten Land- regen steigerte. Dabei hatte si< die Temperatur bis zu 7 Grad abgekühlt. Erst nah Mittag klärte sich das Wetter allmählih auf.

«In Brackwede hatten si< die dortigen Vereine nebst Schulen, auch aus der Umgegend zur Begrüßung aufgestellt. Der Vorstand der Arbeiterkolonie hatte sih bereits vorher in Wilhelmsdorf versammelt.

Gegen 101/, Uhr kam der Kronprinz bereits an der großen Spinnerei „Vorwärts“ zu Gadderbaum an, wo er von dem Direktor Bertelsmann empfangen und dann durch das freundlich dekorirte Etablissement geführt wurde. Der Kronprinz erkundigte Sich eingehend na<h den Arbeiterverhält- nissen und zeigte für Alles großes Interesse. Dann wurde dur Denselben eine neue Arbeiterkantine eingeweiht.

Hierauf fuhr der Kronprinz nah den. benachbarten, unter der Leitung des Pastor von Bodelschwingh stehenden Wohl- thätigkeit8anstalten Bethel und Sarepta. Beide Anstalten jollten niht im Sonntags8gewande erscheinen, sondern sich in der gewöhnlichen Arbeit zeigen,

Um 121/, Uhr erfolgte im Anstaltswalde, einem herrlichen Buchenholze, die Grundsteinlegung der neuen Zionskirche dur Se. Kaiserliche Hoheit. Leider war das Wetter gerade zu dieser Zeit höchst mißli<h, Das Mittagessen nahm der Kron- prinz bei Herrn von Bodelschwingh ein.

Von 1 Uhr an herrschte in der Stadi die größte Bewegung. Alles cilte nah den Straßen hin, duch die der Kronprinz Tommen sollte. Um 2?/; Uhr wurde die große Fahne auf der Sparrenburg aufgezogen, und Böllershüsse verkündeten, daß Se. Kaiserliche Hoheit dort erschienen sei. Beim Eintritt des Kronprinzen nahten fi<h ihm 3 Schülerinnen der Töchterschule, deren größte eine Begrüßung an den Kronprinzen richtete. Hieraus hielt der Ober-Bürgermeister Bunnemann, umgeben von Magistrat und Stadtverordneten, eine Begrüßungsansprache an ven Kronprinzen. Dann wurde der Kronprinz in einen zu diesem Zwe>e erbauten Pavillon geführt. Derselbe war prachtvoll dekorirt und zeige auf der NRü>kfeite das Wappen dec Stadt Bielefeld; au< war dort die Büste des großen Kurfürsten aufgestellt, der wieder- Ba längere Zeit auf der Sparrenburg residirt hat. Jn dem

avillon wurde dem Kronprinzen aus altdeutshem Kruge ein Trunk shäumenden Bieres kredenzt.

Um 31/4 Uhr wurde der Nü>kweg dur< das Thor ange- treten, über dem mit großen Lettern die Worte standen :

„Früher wohnt’ hier ein Hohenzollern Sohn, Jett wohnt hier die Lieb? zu Hohenzollerns Thron !“

Zum Glücke war die Sonne während des Aufenthaltes auf der Burg zum Vorschein gekommen, so daß man das zu den Füßen liegende Ravensberger Land übersehen, ja in der Ferne das Hermanné:Dentmal erbli>en konnte. Der Weg bergab wurde daher dur<h die Spiegelstraße zu Fuß zurü>- gelegt. Eine unabsehbare Menschenmenge hatte sih an beiden Seiten der Straßen versammelt, die den Kronprinzlichen Herrn mit nicht enden wollenden Hochrufen begrüßte. Am Siekerthore sticg der Kronprinz in den Wagen und fuhr über die Kreuzstraße, Coblenzer-, Obern- und Niedernstraße zum Kesselbrink. Die verschiedenen Vereine und Schulen hatten an den ihnen bezeihneten Pläßen Aufstellung genommen und zeigten große Freude, den allverehrten Prinzen begrüßen zu können.

__ Auf dem Kesselbrinke war das hiesige 2. Bataillon 55. Re- giments in Bataillonsfront aufgestellt. Unter den Klängen der Nationalhymne {ritt Se. Kaiserliche Hoheit die Front ab, einzelne Üffiziere dur freundlihe Anreden auszeihnend.

Hierauf fuhr der Kronprinz zum Bahnhofe, vor dem sich mehrere Vereine und auc die Prima des Gymnasiums bereits mit ihrer Fahne eingefunden hatten. Der Kronprinz redete dieselben in freundlihster Weise an.

Mittlerweile war der Zug angelangt, und Se. Kaiserliche Hoheit stieg in den Salonwagen. Die verschiedenen Musik- tapellen intonirten die Nationalhymne. Die Spitzen der Be- hörden verabschiedeten sich von dem Kronprinzen, der, schon als fi der Zug längst in Bewegung geseßt hatte, von immer sih wiederholenden Hochrufen der Menge begrüßt wurde.

Oesterreih-:Uugarn. Wien, 18. Juli. (W. T. B.) Der Kaiser ist, gestern Abend nah Beendigung seiner Reise dur Steiermark, Krain und Kärnten in Zschl eingetroffen.

Frohsdorf, 17. Juli. (W. T. B.) Die behandelnden Aerzte Dr. Drasche und Dr. Meyer hatten heute Vormit- tag mit dem aus Paris berufenen Dr. Vulpian eine längere Konsultation. Das ausgegebene Bulletin besagt, daß die Besserung im Befinden des Grafen Chambord fortdauere.

Pest, 18. Juli. (W. T. B.) Durch eine Verfügung des Handels-Ministers werden von heute ab alle aus Egypten und Fndien kommenden Schiffe, einerlei ob ein Schiffsarzt an Bord ist oder nicht, einer 10tägigen Quarantäne unter- worfen. Derselben unterliegen auch die bereits eingtroffenen Schiffe, welche ursprüngli< nur eine Quarantäne von 5 Tagen abhalten sollten.

Schweiz. Bern, 17. Juli. (W. T. B.) Jnfolge der Uebershwemmung der Rhone ist die Simplonbahn bei Granges und Siders unterbroyen. Zwischen Bern und Freiburg ist der Mühlethaltunnel in einer Länge von 21/5 Meter eingestürzt. Die dadurch herbeigeführte Ver- kehrsstörung wird voraussihtli<h erst in mehreren Tagen be- seitigt werden können.

So Vie L. 2 Q D B) Die Repräsentantenkammer begann die Berathung der neuen Steuergeseßzentwürfe. Jm Laufe der Debatte erklärte der Finanz-Minister, daß die neue Steuer auf Kaffee auf- gegeben werden solle. Gleichzeitig ließ der Minister durch- bli>en, daß hinsichtlih der Taba> steuer eine Verständigung angebahnt werden würde.

_ Großbritannien und Jrlaud. London, 16. Juli. (Weser-Ztg.) Wir haben über Durban nähere Nachrichten aus Tamatave. Dort war der Dampfer „Taymouth Castle“, von Madagaskar, via Mauritius kommend, einçe- laufen. Tamatave war zu einer französishen Stadt erklärt vom Admiral, ein Maire war ernannt und Belagerungs- zustand verkündet. Die Stadt war sür das englische Kriegs- chiff „Dryad“ abgesperrt, dessen Befehlshaber, Ka- pitän FJohnstone, als Konsul fungirte, Der Bazar und die protestantishe Kirche waren zerstört, und das Elend unter den britischen Unterthanen aus Mauritius war so groß, daß der Gouverneur jener Jusel den Dampfer „Stella“ abgeschi>t hatte, um die Flüchtigen an Bord zu nehmen. Konsul Pakenhams Begräbniß wurde vom französishen Admiral mit allen Ehren begleitet. Der Dampfer „Taymouth Castle“ kam am 26. Juni auf der Löhe von Tamatave an. Die Franzosen schi>lten sofort einen Offi- zier an Bord, welcher die Besißnahme von Tamatave Seitens der ¿Franzosen anzeigte, die Landung der Passagiere verdot, das Löschen der Ladung nur gegen Erlezung des Zolls ge- stattete. Der ganze Verkehr des Schiffs mit dem Lande mußte von den Franzosen besorgt werden. Sowohl die ein- gehende wie die ausgehende Post passirt: dur< ihre Hände.

Der große Strike unter den Eisenbahnarbeitern in Südstaffordshire scheint sih seinem Ende zu nöhern, da sih die Arbeitgeber bereit erklärt haben, vorläufig die alten Löhne weiter zu bezahlen, worauf si<h die Arbeiter einlassen dürften, da sie keine Mittel besißen, um den Strike längere Zeit fortseßen zu können,

17. Juli. (W. T. B.) Oberhaus. Dex Staats- sekretär des Auswärtigen, Lord Granville, erwiderte auf die oon dem Baronet Lamington betreffs des Suez- kanals an ihn gerihteten Anfragen, der Suezkanal sci troß der Opposition Englands gebout worden. Die Opposition Englands habe die Eigenliebe der Franzosen erwe>t, es fei cin großes Kapital aufgebra<t worden, erst nah 10 Jahren habe das Kanalunternehmen lohnend zu. werden begonnen. Bei einem Risiko, wie es bei dem Bau des Suezkanals oorhanden gewesen, seien die Unter- nehmer ¿u hôheren Zinsen berechtigt. Seitdem England in Egypten größeren Einfluß gewonnen, hätten der englischen Re- giervig vier Projekte zur Herstellung einex besseren Verbin- dung zwischen dem Mittelländishen Meere und dem Notli:n Meere vorgelegen. Die Regierung sei in Unterhandlunçen mit Lesseps getreten der sich" in einer sehr starken Vosition befinde, da er glaube, daß er ein exklusives Net auf die Kanalverbindung our< den Fsthmus habe, und daß er der Besißer des erfolgreihen Unternehmens sei. Das frühere englishe Kabinet müsse, als es die Suezkanalaktien angekauft habe, gleihfalls angenommen haben, daß Lesseps ein exklu- sives Recht besitze. Diese Ansicht sei auch von zwei Beamten des Auswärtigen Amtes, von den Kronjuristen 1nd von der höchsten juridischen Autorität bestätigt worden; sie habe sich außerdem dem gesunden Menschenverstande der Regierung empfohlen, denn wenn die Annahme nicht rihtig sei, würde Lesseps überhaupt kein Privilegium verliehen sein. Die Re- gierung habe bei den init Lesseps gesührten Verhandlungen gleich- wohl einen darauf bezüglihen Anspru<h durchaus nicht zugegeben. Nber selbst wenn Egypten von England erorbert worden wäre, würde die Regierung in Gemäßheit der Gebräuche der movernen Civilisation do<h der egyptishen Regierung weder cinen Zwang angethan, noch felbst etwas Ungerechtes oder Jllegales gegen die egyptische Gesellschast unternommen haben. Die Regierung fei der Ansicht, daß das mit Lesseps getroffene Abkommen daë Aeußerste sei, was sie habe erlangen können ; sie habe es daher für Recht gehalten, die Zustimmung des Parlaments dazu zu verlangen. Lord Salisbury wies die Ansicht zurü, daß die Aktion des srüheren Kabinets das jeßt mit Lesseps getroffene Abkommen rechtfertige. Der Ge- brau<h des Wortes „exklusiv“ beruhe auf der Konzession vom Jahre 1854, die keine Gültigkeit habe. Ob der Firman vom Fahre 1866 in der Weise ausgelegt werden könne, daß er ein exklusives Neht gewähre, sei frazlih. Auch vom poli- tischen and internationalen Gesichtspunkte aus sei es fraglich, ob der Khedive oder der Sultan berechtigt sei, ein Arrangement zu treffen, das dem Welthandel auf hundert Jahre den Weg versperre. Der Sultan kännte duxch ein derartiges Arrange- ment nit den Bosporus oder die Dardanellen versperren. Der Lord-Kanzler, Lord Selbocne, erwiderte, der Bosporus und die Dardanellen seien natürli he Wasserstraßen, der Suez- kanal sei erst in Folge der dazu ertheilten Konzession ent- standen. Das Haus verlie damit den Gegenstard.

Unterhaus. Northcote kündigte an, er werde am Donnerstag die Anfrage an die Regierung rihten, wann über dos Abkommen bezügli<h des Suezkanals berathen werden solle. Unter-Staatssekretär Fißzmaurice theilte mit, die Re- gierung habe no<h keine weiteren Nachrichten bezüglih M a- vagastars. Die leßte direkte Depesche datire vom 14, Juni. Bis hahin sei die Haltung des französishen Konsuls gegen den englis<en Konsul eine höfliche und versönliche gewesen.

168. (Juli. (W. T. B.) Paget ist nunmehr definitiv zum Botschafter in Wien ernannt worden, wird indessen jeinen Posten erst Ende des Jahres antreten,

Frankreih. Paris, 16. Juli. (Köln. Ztg.) Das „Journal officiel“ veröffentliht eine vergleihende Zusammen- stelung der französischen Ein- und Ausfuhr in den ersten se<s Monaten der Jahre 1882 und 1883. Günstig ift der Ausweis nit, da er nicht nur einen stetigen Rückgang der Ausfuhr und ein Wachsen der Einfuhr nachweist, sondern si< gerade bei dem Kapitel „fertige Fabrikate“ be- fonders bemerkbar macht, in denen früher eine Haupt- kraft des französishen Handels bestand. Während im ersten Halbjahre von 1882 die Einfuhr 2354 Millionen, die Ausfuhr 1721 Millionen betrug. die Einfuhr also die Ausfuhr um 632 Millionen übertraf, ergeben sih für 1883 (immer das erste Halbjahr gere<net) folgende Zahlen: Einfuhr 2418 Mil- lionen, Ausfuhr 1689 Millionen, also Mehr der Einfuhr 729 Villionen. Leßtere ist somit um 96 Millionen gestiegen. Was die „fertigen Fabrikate“ anbelangt, so wurden 49 Millionen weni- ger ausgeführt als in dem gleichen Zeitraum des vorigen Jahres (858 gegen 907 Millionen), wogegen ollerdings auch die betreffende Einfuhr von 5 Millionen gesunken ist. Leßterer Umstand ist aber keineswegs darauf zurü>zuführen, daß die französische Jndustrie den betreffenden Bedarf gede>t habe, sondern hat seinen Grund in der allgemeinen Abnahme des Verbrauchs. Die Geschäftsstille, die Vermögenseinbuße bei dem Krach, auch wohl die Vermin- derung des Renteneinkommens dur<h die Umwandlung haben sehr viele Leute gezwungen, ihre Ausgaben auf das Aeußerste einzuschränken, Namentlich betrifft diese Einschränkung alle Luxusgegenstände, auch die des bescheidenen Luxus, die man sih als ziemlih unentbehrlih zu betraten gewöhnt hat, T Anschaffung aber auf bessere Zeiten vershoben werden mußte.

17. Juli. (W. T. B.) Jn der Deputirten- fammer wurde vom Arbeits-Minister Raynal die heute Vormittag unterzeihnete Konvention mit der West- bahn eingebraht. Bei der fortgeseßten Berathung über die mit den Eisenbahngefellschaften abgeschlossenen Konventionen spra< si<h Allain Targé gegen die Konventionen mit den Eisenbahngesellschaften aus und empfahl den Anfauf der Bahnen durch den Staat. Die Berathung wurde {ließli auf nächsten Donnerstag vertagt,

_ Der Senat wird am Donnerstag mit der Berathung der Vorlage über die Gerichtsreform beginnen.

Waddington ist zum Botschafter ia London ernannt worden an Tissots Stelle, dessen Gesundheitszustand die Fortseßung seiner Amtsthätigkeit nicht gestattet.

Italien. Nom, 18. Juli. (W. T. B.) Das definitive Resultat der am Sonntag erfolgen Ergänzungswahlen istt folgendes: Die Dissidenten erhielten 3 Sitze, die Radikalen verloren je einen Siß in Bologna und Parma, gewannen dagegen einen in Pesaro, die übrigen Gewählten gehören alle zur E Partei. Zwei Stichwahlen sind nothwendig geworden.

_ U Konstantinopel, 17, Juli, (W. D: Y) Ver vor einiger Zeit von Briganten gefangen genommene Jtaliener Corpi ist gegen Lösegeld wieder freigelassen worden.

__ Afrika. Egypten. Alexandrurien, 17. Juli, (W. T. B.) (Telegramm des „Reutershen Bureaus. “) Die Cholera nimmt in Egypten immer größere Ausdehnung an. Di? Sanitätskommission hat in ihrer heutigen Sißung den Antrag auf Fsolirung der Stadt Alexandrien abgelehnt, weil sie ’ine folhe Maßregel für unwirksam hält und von der- felven einen ungünstigen moralischen Eindru> befürchtet.

Zeitungsstimmen. Das „Deutsche Tageblatt“ enthält folgenden

Artikel :_

i ZoUpolitik und Besserung der Geschäfte.

Wer si<h das Vergnügen machen will, von sezessionistisGer Seite Leoreden auf unsere gegenwärtigen wirthschaftlißen Verhältnisse, auf die Lage der Industrie und auf die Lage „des kleinen Mannes" zu vernehmen, dem empfehlen wir, von den soeben erschienenen Jahres- berihten der Handelskammern in den sächsischen Jndustricbezirken für das Jahr 1882 Kenntniß zu nehmen.

Berichterstatter der Handelskammer zu Chemnitz ist der Land- tag8abgeordnete Ruppert, Berichterstatter der mit ihrem Bezirke an diese angrenzenden und den ganzen industriereit;en südwestlichen Theil Sachsens umfassenden Handelskammer Plauen der Landtagsabgeordnete Kirbah. Beide gehören hergebrachtermaßen, d. h. dur ibre Ver- gangenheit an diese zekettet, der sezessionistishen Richtung an, und der Abc, Kirbach darf sogar für eine auf jener Scite hervorragende Kapazität gelten.

Nun lese man die Berichte dieser Herren und vergleiche damit die Auslassungen der sezessionistischen Presse, um deren Verbreitung unter der sächsis{<hen Bevölkerung sich Hr. Kirbach und seine „Freunde“ fortwährend eifrig bemühen.

Von einer „gänzli<h verfehlten Wirthschaftspolitik des Fürsten Bismar>*“ sprechen die „Unternehmer des allgemeinen Mißvergnügens“ in den Ni>kertschen und anderen Agitationsblättern. Von unseren beiden Sezessionisten jedo konstatirt, gedrängt von der Wucht der That- sachen, der cine, der Abg. Kirbach, bezüglih der wirthschaftlichen Lage: „Es zeigte sich cin stetig wachsender Bedarf, zu dessen Befrie- digung die vorhandenen gewerblihen Anlagen und Arbeitskräfte voll, zeitweise sogar übervoll in Anspruch und in einigen Hauptindustric- zweigen des Bezirks erheblihe Erweiterungen in Angriff und in Aussiht genommen wurden. Als ein besonders gün- ]tiges Anzeichen von dem zunehmenden Aufschwung der wirth- \chaftlihen Lage muß die Thatsache gelten, daß in der Mehrzahl der Industriezweige die Nachfrage si< verhältnißmäßig mehr den besseren und werthvolleren Erzeugnissen zuwandte.“ Der Chemniter sezessio-

| nistis<he Berichterstatter formulirt das Gefammturtheil dahin: „Die

in unserem leßten Berichte für mehrere Branchen ausgesprochenc Besserung hat im Jahre 1882 nicht nur fortgedauert, sondern es ist sogar in fast allen Geshäftszweigen mit wenigen Ausnahmen, wenn auch mitunter dur< Anstrengung und Schaffen von Neuheiten, cine lebhaftere Thätigkeit wahrzunehmen gewesen.“ :

Die sehr naßeliegende Frage, ob die vielbejammerte deutsche Zollgeseßgebung zur Hebung der wirthschaftlihen Lage beigetragen habe, beantwortet der Chemnißer Berichterstatter ohne Weiteres da- hin, daß er den deutshen Zolltarif an erster Stelle, das „allgemein größere Vertrauen im Publikum“ an zweiter Stelle als die haupt- sächlicben „Ursachen eines besseren Geschäftéganges“ bezeichnet.

Der Plauensche Bericht kann sih zu eivem fo viel Selbstüber- windung erfordernden Gesammturtheil niht aufshwingen, vielmehr zieht er cs vor, in dem Kapitel „Allgemeiner Charakter der wirth- schaftlichen Lage“ si< über die positiven Ursachen des konstatirten zunehmenden Aufshwunges gar nicht zu äußern und die Zollgesetz- gebung mit völligem Stillschweigen zu übergehen. Es bleibt fomit dem Leser überlassen, sih die Zeugnisse für dieselbe aus den Berichten über die cinzelnen Industriezweige selbst zusammenzutragen, und das ist in der That eine lohnende Mühe, Die vereinzelt angeführten Nachtheile deutscher Zölle erscheinen durchaus geringfügig und nahezu vershwindend gegenüber den mehr und mehr zur Geltung kommenden heilenden, auf- munternden, belebenden Wirkungen derselben, von deaen eine ganze Reihe

gerade der wihtigsten Industriezweige zu berichten haben. In dem Kapitel „Streichgarn“ z. B. heißt es in dem aus sezessionistiser Feder geflossenen Plauenscen Bericht: „Der wohlthätige Einfluß des Scutzolles wird von mehreren Seiten hervorgehoben und zum Be- weis desselben auf die Thatsache hingewiesen, daß die Flanell- und De>kenfabrikanten ein größeres Quantum Streichgarn aufge- nommen haben, ohne einen erhöhten Preis dafür zahlen zu müssen, der Zoll also von den belgis{en Importeuren getragen worden it,“ Die billigeren Buckskins „wurden, offenbar begünstigt dur< den Schutzzoll, als reelles Fabrikat auf dem deutschen Markte gern gekauft und behaupteten fich mit Ueberlegenheit der auéländischen Konkurrenz gegenüber.“ „Daß die deutsbe Zollgesch- gebung der Produktion der Stapelfachen in der Budskinbrancbe sehr zu gute kommt, ist unverkennbar. Das Ausland muß en deutscben Markt der heimis@en Industrie zur eigenen Bebauung überlassen. Dies zeigt sich recht deutlich darin, daß gerade im Jahre 1882 mehr denn je eine Ausdehnung dieses Fabrikationszweiges im Bezirke stattgefunden hat.“ Von Kammgarnwaaren heißt es: „Schon jeßt hat deutsches Gewebe das französisdbe von den Märkten der drei skandinavischen Königreiche fast ganz verdrängi und gleichzeitig in England und Amerika ganz bedeutende Absaßgebicte erobert, während der Zoll- abs{luß den deutschen Markt gegen die französische Konkurrenz sichert. In der Korsetfabrikation „zeigte das deutshe Ges>@äft unter der günstigen Einwirkung der neuen Zollgeseßgebung eine wesentliche Besserung, insbesondere au< in Nachfrage na< feinerer Waare.“ Weiter sagt der Bericht über Strumpfwaaren : „Die neue Zolgesetz- gebung zeigte si bezüglih der baumwollenen Garne nicht nachtheilig (das Gegentheil is in der sezessionistishen Presse hartnäig prophezeit worden !), hatte aber eine besonders günstige Wir- fung auf den Absa baumwollener Unterzeuge, da England hiervon wesentlich weniger importirt haben dürste.* Ueber Gar- dinen: „Die Nachfrage war unter dem Schuße des jeßt bestehenden Einfuhrzolles ununterbrochen derart, daß alles, was fertig wurde, sofort s<hlanken Absatz fand.“ Wir können hier unmöglich alle In- dustriezweige des Kammerbezirks im Einzelnen durhgehen und haben nur einige der wichtigsten aus der Textilbranche herau®sgegriffen, um zu zeigen, in wel<her Weise der Berichterstatter die (inwirkung der Zollgeseßgebung im Einzelnen festzustellen niht umhin kann. Schade, daß er cinem zusammenfassenden Urtheile, welches er im vorjährigen Berichte behutsamer Weise „no<h nicht“ geben zu wollen erklärte, au<h jet no< immer, und zwar diesmal mit kleinlatitem Slill- s<weigen, aus dem Wege geht!

Der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ wird aus Witten, 16. Juli, geschrieben: E

Unser soeben erschienener städtischer Verwaltungsbericht äußert sich über die Folgen der nationalen Wirthschaftepolitik mit nac- stchenden Worten: „ein auf unsere Wahrnehmungen halten wir uns zu der Annahme bere<tigt, daß Handel und Verkehr einen weiteren Aufschwung au< im zurü>liegenden Jahre genommen haben. Wir glauben diese Besserung der geschäfili&ea Verhältnisse daran zu er- kennen, daß auf einzelnen Gebieten der Fabrikation, wie der gewerblichen Thätigkeit nicht nur eine vermehrte Produktion nothwendig gewesen, son- deri auc, daß eine Steigerung des Konsums an Material und Fabrikaten eingetreten ist. Zugleich können wir uns nicht versagen, des ferneren ho<wihtigen Arguments Erwähnung zu thun, daß unter dem günstigen Einfluß der neuen ZoUpolitik die Einfuhr ausländischer Rohstoffe und Fabrikate wesentli< vermindert und dementsprechend der Export inländischer Produkte und Erzeugnisse nicht unbeträchtlich erhöht worden ist. Wenn wir daher diesem erfreulichen Resultat gegenüber unsere Anerkennung hinsichiliÞ< des eingeschlagenen Weges als des richtigen zur Wiederbelebung des deutschen Handels zum Ausdru> bringen, glauben wir, daß durch der Hinzutritt eincr gewissen Festigkeit geschäftliwen Kredits mehr und mer eine konftante Grundlage geschaffen werden wird, auf welcher die Fortentwickelung der heimischen indusiriellen und gewerblichen Thätigkeit als gesichert erscheint.“ Auf Grund amtlicher Erhebungen konstatirt der Bericht sodann, daß das Jahr 1882 auch für die Land- wirth\{aft ein gesegnetes gewesen, und \<ließt mit folgender Aus- führung: „Im Hinbli>k auf diese bedecutungs8vollen Momente kann sih do< nur die Anschauung Bahn brechen, daß zur Hebung der maieriellen Interessen des Landes im verflossenen Jahre wiederum eine Förderung stattgefunden hat und daß nah weiteren Fortschritten Handel und Industrie demnächst wieder zu voller Blüthe gelangen werden.

Wir lesen in der „Berliner Börsen-Zeitung“:

Der Jahresbericht des Vorsteheramts der Kaufmannschaft zu Kö- nigsberg i, Pr. erklärt, es stelle si< in jeder Beziehung heraus, daß „Handel und Schiffahrt im Allgemeinen wieder bei uns im Wachsen sind.“ Der Vortheil davon für die Einwohnerschaft im Allgemeinen und für die arbeitenden Klassen im Speziellen fo wird in dem Bericht konstatirt steht außer Zweifel, Bei der Königs- berger städtishen Sparkasse i die Zahl der Sparkassen- bücher wieder um mehr als 8000, nuämli<h von 34580 auf 43186 und der Gesammtbetrag der Spareinlagen um mehr alé 900000 M, von 11 394567 auf 12315 300 M gestiegen. Besonders interessant ist, daß si< das Vorsteheramt der Kaufmann- schaft dahin ausspricht, daß der gute Ausfall dec Ernte immer noch stärkere Wirkungen auf die materielle Lage der Bevölkerung ausübe, als alle Wandlungen der Politik, mit anderen Worten, daß der viel ges{mähte Zolltarif, von dessen Einführung freihändlerischerseits der Untergang des Königsberger Handels prophezeit wurde, in Wahr- beit den Handel nicht beeinträchtigt hat und daß im Jahre 1880, wo cin erheblider Rückgang im Getreidegeschäft zu bemerken war, allein die s{<le<te Ernte Schuld daran war.

Im Allgemeinen wird man aus diesen Mittheilungen die Ueber- zeugung gewinnen, daß Handel und Verkehr im Bezirke des Vor- fteheramts der Königsberger Kaufmannschaft während des Berichts- jahres sich in günstiger Lage befanden, und daß alle Klagen über die nachtheilige Wirknng der neuen Wirthschaftspolitik, die ja sonst dort na<drüd>li< betont wurden, jeßt verstummt sind, weil die thatsäch- lien Verhältnisse absolut keine Unterlage dafür bieten.

Marineverordnungsblatt, Nr. 14. Inhalt: Reichs- kriegshäfen. Schulverzeichnifse, Kleiderstempelung. Shhieß- übungen der Matrosenartillerie. Telegraphische Meldungen. -— Recnungslegung der Schiffslazarethdepots. Gnadengehalt. Munition bei Landungsmanövern. Amtskautionen. Personal- veränderungen. Benachrichtigungen.

Statistische Nachrichten.

eummande ebet ber vie Sab oer S1 direnden auf der Königlichen Albertus-Universität zu Königsberg i.-Pr. im Sommersemester 1883. Im Winter- jemester 1882/83 sind immatrikulirt gewesen 865, davon sind abge- gangen 149, es sind demnach geblieben 716; dazu find in diesem Se- mester gekommen 213, die Gesammtzahl der immatrikulirten Studi- rende beträgt daher 929, Die theologische Fakultät zählt Preußen 157, Nichtpreußen 1, zusammen 158. Die juristische Fakultät zählt Preußen 145, Nichipreußen 1, zusammen 146. Die medizinische Fa- kultäï zählt Preußen 217, Nichtpreußen 25, zusammen 242. Die philosophische Fakultät zählt a. Preußen mit dem Zeugniß der Reife 345, b. Preußen ohne Zeugniß der Reife gemäß $. 3 der Vorschrif- ten für Studirende der Landes-Universitäten 2c. vom 1, Oktober 1879 28, mithin Preußen 373, dazu c. Nichtpreußen 10; im Ganzen 383, zusammen 929, Außer diesen immatrikulirten Studirenden besuchen die hiesige Universität als nur zum Hören der Vorlesungen berecch- 1igt, mit spezieller Genehmigung des zeitigen Prorcktors 4, Es nehmen mithin an den Vorlesungen überhaupt Theil 933.

Kunft, Wissenschaft und Literatur.

Das Staatsrecht des Deutschen Reihes, von Dr. Philipp Zorn. Zweiter Band: Das Verwaltungs- und äußere Staatsre<t. Berlin und Leipzig 1883. Verlag von I. Guttentag. Dem Inkhaltsverzeichniß entnehmen wir Folgendes: Das acbte Bub, betitelt „Die einzelnen Zweige der Reicbsverwaltung*, entbält: $. 25 das Post- und Telegraphenwesen. $. 26 das Eisenbahnroesen. S. 27 das Magaß- und Gewichtêwesen. $. 28 das Münzwesen. $. 29 das Bankwesen. $. 30 das Gewerbewesen. Das neunte Buch, betitelt „Das Reich8-Finanzre<t“, enthält: $8. 31 das System des Reichs- Finanzre<tes. $. 32 die einzelnen Finanzquellen des Reiches. $. 33 Budget und Decharge. Das zehnte Bu, ketitelt „Die deutsche Gerichtêverfassung*, enthält: $. 34 die Iuflizgewalt. $. 35 die Ge- richtéorganisation. S. 36 die materiellen Grundlagen der Recht- \pre<ung. Das elfte Buch, betitelt „Dos äußere Staatsrecht des Deutscken Reiches“, enthält: $. 37 die Staatsverträge. $. 38 das Gesandtschaftsre<t. S. 39 das Konsularreczt. S. 40 das Secrecht in Friedenszeiten. Sachregister.

Unter dem Titel; „Die Zwangsvollstre>ungs8ord- nung in Immobilien, enthaltend 1) daë Gesetz, betreffend die Zwangsvollstre>ung in das unbewegliche Verr1ögen, 2) das Gesetz, betreffend die Gerichtskosten bei Zwangsversteicerungen und Zwangs- verwaltungen von Gegenständen des unbewegli@en Vermögens, 3) die Ministerial-Instruktion über die Geschäftéeführung der Verwalter in der Zwangêverwaltung“, erscheint im Verlage von Franz Vahlen, Berlin, ein von dem Landrichter Dr. Paul Jäckel bearbeiteter Kom- mentar zu der bezeichneter, mit dem 1. November d. I. in Kraft tretenden Gesetz-ebung, dessen erste Licferung (Bogen 1—5) jüngst erschienen ist. Der Verfasser, welcher bereits cine in der Nr. 142 diescs Blattcs vom 20. JIuni 1883 angezeigte Tertausgabe der qu. Gesetze herausgegeben hat, beabsichtigt, in dem Kommentar ein zuverlässiges Handbuch für die Auslegung und praktische Anwendung des neuen Gesetzes darzukieten, in welchem die Bestimmungen desselben einer wissenschaftliden Erörterung unterzogen worden sind. Das Werk wird den Text der qu. Geseße mittheilen ; die in Anmerkungen. gegebenen Erläuterungen werden insbesondere die deutschen Justiz- geseze sowie das aus früherer Praxis gebotene, zur Interpretation der neuen Bestimmungen geeignete Material berüksihtigen. Die vorliegente Lieferung umfaß: die Einleitung sowie die Paragraphen 1 bis 12, 13 des auf dem Titel sub Nr. 1 angeführten Gesetzes. Die S&lußlieferung des auf etwa 30 Drukbogen geshäßten Werkes soll in einigen Wochen zur Ausgabe gelangen, der Preis desselben wird etwa 8 bis 9 A. betragen,

Von dex „Jllustrirten Zeitung", Leipzig, Verlag von

I. J. Weber in Leipzig, erschien am 1. d. M. des 81, Bandes erstes Heft, mit welhem das Werk den Tag feines vierzigjährigen Bestehens feiert; begründet wurde dassclbe am 1. Juli 1843, seit welcher Zeit in ununterbrochener Reihenfolge 2088 Wochennummern in etwa 40 Millionen Cremplaren über alle Crdtheile verbreitet worden sind. Schon die äußere Auéstattung des Heftes, das künstlerish aus- geführte prächtige Titelblatt, das Format sowie das Herstelungs- Material machen sofort den Eindru> des Vornehm-Gediegenen, man sieht, es koramt der Verlagshandlung ni<t darauf an, viel, Viele Bd Wi L obe Vi M gut Ver verhältnißmäßig billigem Preise zu liefern. Die Höhe, zua welcher ic der deutsche Holzschnitt in neuester Zeit erhoben hat, wird v2n der „Ill. Ztg.“ voll und ganz eingenommen, die JUustrationen zcihnen sich dur< sorgfältige Auswahl, Ausführurg und Vollendung in gleidller Weise aus. Allein {on in dieser Hinsicht bietet das Blatt einen Beweis, wie hochentwickelt der si hier wie in allen Gebieten geltend machende Geshmack und wie gesteigert die Anforderungen des Publikums i jeder literaris<en und künstleris&en Erscheinung heut zu Tage sind. Die „JU. Ztg.“ bringt keine Romane, Novellen u. dergl., welche lediglih zur angenehmen Unterhaltung dienen, sie macht ih dur< die sorgfältigste Ausnußzung des Raumes, dur Aufsätze, Berichte, Schilderungen und Jüustrationen von allgemeinem Interesse zu cinem bildenden und erzichenden Organ. Das hat in der Absiht des Begrürders gelegen und daß er diese erciht hat, dafür giebt die große Verbreitung und die allgemeine Anerkennung des Werkes das bercdteste Zeugniß; ; seit sciner Gründung sind 80 Bände mit ctwa 40 000 Illustrationen erschienen. Ein flüchtiger Ueberbli> über den Inhalt des Iubiläumshefts gießt am besten einen Einblick in Wesen und Wollen des Blattes. Zunächst bringt das Heft ein Verzeichniß der Vorlesungen im nächsten Winter an der Universität München, sodann cine statistis<he Uebersibt über Bad Wiesbaden. Ein Holzschnitt, w2lher die von Prof. Tonndorf gearbeitete Goethebüste in Karlsbad dorstellt, eröffnet das eigentliche Hest; ihm folgt ein objektiv gehaltener politisWer Wochenbericht, aus welchem ein Nichtzeitungslefer sich über die neuesten Welthändel zu informiren vermag. Unter Mannigfaltigkeiten bringt es dann: Hof- nachrichten aller Länder, Ehrenbezeugungen, Festkalender, Vercins- wesen, Freimaurerei, Stcaographie, Unfälle, Verbrechen. Einem au®- führlichen Bericht über das achte mitteldeutshe Bundesschießen in Dresden mit zwei Zllustrationen folgt eine Biographie und ein Holz- {nitt P. K. Roseggers. Die Todtenschau berichtet über das Hin- scheiden berühmter Leute, es folgt ein Sekular- und Semisekular- kalender für Juli, ein Briefwechsel mit kurzer Biographie und Al- bildung des Fabeldihters Lichtwer. (in astrologisher Aufsaß belchrt über ven Mond und das Wetter. Seite 12 und 13 werden von einem Tkünstlerish< vollendeten Holzschnitt einge- nominen, darstellend die Brandschaßung der shwedis<en Hansestadt Wisby dur< Waldemar 1V.,, Gemälde von K. G. Hell- qvisi. Des Aachener Rathhauses is in Holzsbnitt und Beschrei- bung gedaczt. Die kulturgeschihtlichen Nachrichten bringen Notizen über Kirche und Schule, Universitätswesen, Handel, Bauk und In- dustrie, Verkehrswesen, Landwirthschaft, Syort, Bau- und Bildhauer- funst, Malerei und vervielfältigende Künste, Theater, Musik, Presse, Buchhandel. Seite 18 bringt Abbildungen der Statuen von A. und W. von Humbold vor der Universität in Berlin, Schilderung und Abbildung des Mosaikbrunnens vor der National-Galerie zu Berlin. Die Frauenzeitung enthält interessante Artikel für Damen. Schachzei- tung, Wetter-Bulletins, Himmelserscheinungen fehlen nicht. Seite 20 bringt die Abbildung und Beschreibung neuer Goldfische, endlih poly- technische Mittheilungen nebst JUustrationen; das Heft {ließt mit einem drei Blätter starken ÄAnnoncentheil. Diese Uebersicht genügt, von der Mannigfaltigkeit, der sinnigen Anordnung und Zusammen- stellung des Materials Kunde zu geben, und halten wir das LVlatt allen Freunden cines wirklih gediegenen Familienblatts auf das Wärmste empfohlen. Dasselbe erscheint alle Sonnabend in einer Stärke von mindestens 20 Folioseiten und kostet im vierteljährliczen Abonnement 6

Gewerbc und Handel.

Vom \<Glesis<en Eisenmarkt schreibt man der „Berl, Börs. Ztg.“ aus Breslau: In den leßten 14 Tagen hatte das Ge- {äft in Eisen cin lebhafteres Gepräge, der Bedarf zeigte si reger und bewirkte eine weitere Lichtung der ohnehin s{wa< assortirten Läger. Angesichts dessen hat die Herabseßung der Kartel preise für Walzeisen überras{t; sie muß wohl mehr aus Rücksicht auf die west- fälishe Konkurrenz oder aus andern Ursachen erfolgt fein, denn die Lage des heimischen Eisenmar?tes hätte wohl vor etwa 2 Monaten eine solche

erabseßung wünschenswerth erscheinen lassen, niht aber jeßt, wo die

äger zum Theil geräumt find und der reelle Bedarf sich bemerklich mat. Ende März v. J. erhöhten die Oberschlesischen Walzwerke ihre Preise auf 13,75 f und licßen Anfang Januar d. J. eine Crmäßigung auf 13,25 F. und am 11. d, M. eine weitere auf 12,50 A eintreten. Dem s\<{lesis<en Eisenmarkt kemmt die jeßige, nicht erwartete Er- mäßigung im Uebrigen gut zu statten, da sie den Impuls zu leb- haften De>kungen und Assortirung der Läger giebt. Die Ernte läßt sih im Allgemeinen gut an; voraussichtli<h wird der Bedarf an Eisenfabrikaten für landwirthschaftlihe Zwe>ke sib rege entwickeln E t Eisenmarkt das Gepräge der Festigkeit für längere dZeit verleihen.

Dortmund, 16. Juli. (Rhein.-Westf. Ztg.) Die Stimmung auf dem Eisenmarkt ist zwar no< nit als eine günstige zu be- zeichnen, aber fie ist jedenfalls besser und fester als in den beiden leßten Monaten. Nachdem die Vorräthe von Qualitätsroheisen ver- kauft worden, ift ein weiterer Preisrü>kgang uicht eingetreten und rechnet man um \so mehr auf eine baldige Befserung der Lage der Hochofenindustrie, als si< sowohl in Amerika als au< in England eine fest-re Tendenz angebahnt hat und die Notirungen dort bereits kleine Erhöhungen erfahren haben. In der Walzwerkbrance ift eine weitere Zunahme der Nachfrage zu verzeichnen, die sich allera Anschein na noch vergrößern wird, namentli sind au umfangreiche Bestellungen für den Export eingegangen. Ebenso gestaltet fi au in Feinbleben der Verkehr etwas reger, während in Grobblechen wohl eine befriedi- gende Beschäftigung fortbesteht, die Nachfrage aber etwas nachläßt. In Trägern und sonstigem Baueisen, wie au< in Winkel- und Band- eisen ist fortdauernd viel zu thun, au< laufen neue Ordres darin regelmäßig ein; dagegen bleibt Walzdraht nach wie vor vernachlässigt, wodur< rü>wirkend auch Puddeleisen ungünstig beeinflußt wird, in- dem sih die Nxchfrage danach bei den Drahtwalzwerken entspre<bend verringert hat. Die Stahlwerke haben no< genügende Aufträge, namenili<h auch in Eisenbahnmaterialien, in Händen, auch stehen weitere durch bereits ausgesriebene Submissionen bevor, und werden daher in der Lage sein, den bestehenden Betrieb in der bisherigen Höhe fortzuseßen. Auch für die Kleineisenzeug- fabrifen, Loïomotiv- und Waggonbau-Anstalten sind ziemli be- deutende Lieferungen Seitens inländischer Eisenbahnen in Submission ausgeschrieben. Die Maschinenfabriken, Gießercien und Kefssel- {mieden sind fortdauernd gut beschäftigt, au laufen neue Aufträge regelmäßig cin. Für die Konstruktionswerkstätten hat sih das Arbeitêquantum in der leßten Zeit wesentlich vergrößert, da denselben theils durÞ Submissionen, theils unter der Hand eine nicht geringe Zahl von neuen Bístellungen zugegangen sind. Im Kohlens- ge\<äft macht sib die im Hobsommer gewöhnli eintretende Ab- \<wächung in der Nachfrage und dem Absaß bemerkbar, doch ist leßterer immer no< wesentli< größer, als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Die Kohlenpreise werden im Allgemeinen gut be- hauptet, nur Cokekoklen sind wie au< Coke unentschieden in der Notirung :

Liverpool, 17, Juli. (W. T. B.) Die heute eröffnete Woll- auktion war mäßig bcesu<ht und wurden Preise der Maiauktion behauptet. Angeboten wurden 13 000 Ballen.

Paris, 17, Ut (V. T. B) in ber ati Ves fammlung der Aktionäre der Panamagesellshaft von Lesseps verlesene Bericht enthält die wiederholte Versicherung, daß der Kanal am Ende des Jahres 1888 vollendet sein werde. Die Arbeiten würden namentlich in der nä<hsten Zeit sehr lebhaft betrieben werden, der NVerwaltungêrath sei mit der Prüfung der finanziellen Maßregeln beschäftigt, die eine große Entfaltung und Ausdehnung ber Avbeltei géställelen, Vor Verlesung des Beriiils agte Lesseys, er sehe unter den Anwesenden viele Aktionäre der Suez- fanalgesells<aft, die Erregtheit, welche in den leßten Tagen unter ihnen geherrs{<t habe, sei ungerehtfertigt; die Direktion der Suez- fanalgesellschaft habe mit einer lovalen und liberalen Regierung ver- handelt. Daß man, sobald man bei einer gewissen Grenze angekom- men sei, * die erzielten Gewinne der Schiffahrt mit zu Gute kommen lassen würde, habe er no< vor dem Beginn des Baus des Suez- fanals {riftli ausgesproden. Es werde das bei dem Panama- wie bei dem Suezkanal geschehen. Die Meldung des „Standard“ von neuen Verhandlungen mit der Suezkanalgesells<haft wird von der „Agence Havas“ für unbegründet erklärt. /

Nèw-Vork, 16. Juli. (V. T. B) WelzenvLeri Gi fungen der leßten Woche von den atlantischen Häfen der Ver- einigten Staaten nah Großbritannien 58 000, do. na< Franke retch 20 000, do. na< anderen Häfen des Kontinents —, do. von Kalifornien und Oregon na< Großbritannien 18 C00 Qrtrs.

Verkehrs-UÜUnstalten.

Bremen, 17. Juli, ŒTDT. B) Der Dampfer des NoLds deutschen Lloyd „Salier* ist heute früh 5 Uhr in New-York eingetroffen.

New-York, 17 Wi L D) Le Daner „England“ und der Dampfer „The Queen“ von der National- Dan» fschiffs-Compagnie (C. Messingsche Linie) sind hier eingetroffen.

Berlin, 18, Juli 1883.

Vom „Verein für Kinderheilstätten an den deutshen See- füften“ ist zu Wyk auf Föhr eine Kinder-Heilanstalt gegrüns det worden. Dieselbe enthält 68 Betten. Die Leitung der Anstalt, sowie die ärztlihe Behandlurg ist dem Dr. Gerber in Wyk, Pflege und Beaufsichtigung der Kinder, sowie die Besorgung der Wirth- {aft Flensburger Diakonissen übertragen. Die Kinder können für die ganze Saison aufgerommen werden. Kein Kind wird aufgenom- men für eine fürzere Zeit als 4 Wochen. Es sind 3 Kurperioden eingerichtet: die 1. vom 3. Juli bis zum 1. August, die 2. vom L Aue is un 3E U E He Bo 3 U E Sun 28. September. Das Vervflegungsgeld für jedes Kind kecträgt pro Woche für Unbemittelte, für welche ein Armuthszeugniß erforderlich ist, 10 M, für besser situirte Kinder 15 s, und ist mindestens für 4 Wochen im Voraus zu entrichten. Die Kinder mit Armuthszeug- nissen haben die Bäder und di? Ueberfahrt zwischen Husum und Wyk frei ; dieselben reifen mit Mili-ärbillets. Anmeldungen sind zu rich- ten an Dx. Gerber in Wyk auf Föhr oder an Prof. Ewald in Ver- lin, Sigis8:nundstr. 5.

Ueber die Eröffnung der Zahnradbahn zu Königswinter wird der „N. A. Z.“ geschrieben: Am Freitag, 16. Juli, wurde die Zah n- radbahn zum ersten Male von einem Personenwagen befahren, der nicht nur mit grünen Zweigen und Blumen ges<{mü>t, sondern auc), Was diesem Ereigniß eine ganz besondere Weihe gab, nur init Damen beseßt war. Gestecn ging der erste Zweiwagenzug, aber ohne Damen, die „Himmelsleiter“ hinauf. Direktor Kuntze hatte dau einige höhere teGui]he Cisenbahn- und Baubeamte und den hiesigen Gemeinderath eingeladen. Zunächst wurden die Einrichtungen des Bahnhofs, die Ma- schinen und die re<t ges{ma>voll eingerichteten Wagen besichtigt und \o- dann um 43 Uhr der Zug bestiegen. Jm oberen Wagen nahmen die Cin- geladenen Plat, im zweiten das gesammte Betriebs- uni, Arbeits- personal. Eine große Zuschauermenge hatte den Bahnhof umstellt und au< alle irgend zugängliten Punkte längs der Bahn besetzt. Oben am Endpurkte waren auf der Chaussee au riele Menschen versammelt, um die Maschine heraufsteigen zu sehen und die Berg- fahrer mit Hurrah zu begrüßen. Das Wirthëhaus war festlich be- flaggt und unter den Bäumen eine Gasttafel hergerichtet, an welcher die Gesellschaft fih ¿u Speise und Trank niederließ, während auf der Platte, dem Altan und dem Plate am Denkmal lebendigster Fremden- verkehr herrshte. Morgen beginnen die regelmäßigen Fahrten. Der Fahrplan giebr sieben Fahrten zu Berg und fieben zu Thal, für Sonn- und Festtage no< einen Extrazug (um 3 Uhr Nachmittags) an. Sonstige Ertrazüge für mindestens 30 Personen müssen Tags vorher bestellt werden.

Im Krolklschen Theatergelangt in nächster Woche das liebens- würdige Werk Maillards! „Da® Glö>kchen des Eremiten* von Neuem wieder auf das Repertoire. Ferdinand Wachtel tritt am Freitag als „Troubadour“ auf. In der Rolle der Acuzena gastirt an diesem Abend die Altistin der Augsburger Oper, Frl. Minlos. Für Sonn- abend ist „Fidelto“ angeseßt mit Frl. Engel-Angely in der Titelrolle und dem Hof: Opernsänger aus Stuttgart, Hrn. Nawiaslky als „Pizarro“. Morgen (Donnerstag) wird Lortzings „Undine“, in dieser Saison zum ersten Male, gegeben.

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