1904 / 139 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Großhandelêspreise von Getreide an außerdeutscheu Börsenplätzen für die Woche vom 6. bis 11, Juni 1904 nebst entsprehenden Angaben für die Vorwoche.

Zusammengestellt im Kaiserlichen Statistishen Amt.

1000 kg in Mark. (Preise für greifbare Ware, soweit ni<t etwas anderes bemerkt.)

Roggen, Pester Boden Weizen, Thei fer, ungaris<er I. . erste, \lovakische : Budapest. Mittelware

erste, Futters ,

gen, 71 bis 72 kg das 11

jen, Ulka, 75 bis 76 kg das 11 112,01 112,39

Roggen, 71 bis 72 kg das h Weizen, 75

lieferbare Ware des laufenden Monats Antwerpen. ;

Donau, mittel

Californier .

Walla Walla . Kurrahee, roter Bombay, Club weiß .

Amsterdam. St. Petersburger <er Winter- London.

Produktenbörse (Mark Lane). | englis< weiß

144,35| 144,42

__ englis<es Getreide, Mittelpreis aus 196 Marktorten (Gazette averages) Liverpool.

Californier . . . .. harter Kansas Nr. 2

La Plata;

137,74| 138,67 Kurrachee . . ) ;

126,27| 128,37 Aauulta 128,37| 135,39

Südaustralier . f engl. weißer

Gerste, Mahl- .

Chicago.

Weizen, Lieferungsware 4 September

Dezember . . . Neu Vork. roter Winter- Nr. 2.

Lieferungsware September

Buenos Aires. Weizen, Durchschuittsware, ab Bord Rosario . .

Bemerkungen.

1 Imperial Quarter ist für die Weizennotiz an dex Londoner Pro- r 04 Pfund engl. gerechnet; für die aus den Umsäten an 196 Marktorten des Königreichs ermittelten Durchschnittspreise für einheimishes Getreide (Gazette averages) Quarter Weizen

duktenbörse

1 Imperial 312, Gerste = 400 Pfund engl. f 1 Pfund engl. = : 2100, Weizen = 2400 kg. Bei der Umre<hnung der Preise in Reichswährung sind die d …_ einzelnen Tagesangaben im „Reichsanzeiger“ wöchentlichen Durchschnittswecselkurje an der Berliner Börse zu Grunde gelegt, und zwar für Wien und Budapest die Kurse auf Wien, r London und Liverpool die Kurse auf London, f eu York die Kurse auf Neu York, für Odessa und Riga die Kurse St. Petersburg, für Paris, Antwerpen und Amsterdam die Kurse reise in Buenos Aires unter Berü>sichtigung der

ushe eizen = 60 Pfund engl. ; 453,6 g; 1 Last Noggen fa :

ermittelten ôr Chicago und

diese Plätze. Goldprämie. x

Deutscher Neichstag. 97, Sißung vom 14. Juni 1904.

Zur dritten Beratung steht zunächst der Geseßentwurf, be- treffend Aenderung des Münzgeseßes von 1878, E

Jn der Generaldiskussion erklärt der Staatssekretär des Reichsshaßamts Freiherr von Stengel:

Die vom Reichstage in zweiter Lesung be- {hlossene Aenderung des vorliegenden Geseßentwurfs, wonah als au< ODreimarkstücke sollen, enthält, wie i< mir bereits bei der zweiten Beratung sowie au<h {hon bei der Beratung in der Kommission auszuführen ge- stattete, einen Bru< mit dem Dezimalsystem (Sehr richtig! links), welches, abgesehen von einigen Uebergangsbestimmungen, der dauernden Ordnung unseres Münzwesens zu Grunde liegt. in unser Münzwesen würde na< der Auffassung des Bundesrats überhaupt nur in Frage kommen können, wenn hierfür ein dringendes Verkehrsbedürfnis vorliegen würde.

Meine Herren !

Reichsfilbermünzen geprägt werden

Ein so tiefer

Ein solches drin-

gewiesen. (Sehr gut! links.)

des Fünfzigpfénnigstü>s als gescheitert zu betrachten sei. merke, daß man pfennigstü>ken in nehmen müssen.

ziemlich erheblihem Umfang

no< in Regierungsvorlage hiermit dringend nahe legen.

wissen, zu Tage gefördert werden würde. Nationalliberalen.)

Beschlusses zweiter Lesung, betceffend die Dreimarkstü>e.

Der Taler sei weder notwendig no< zwe>lmäßig.

Für den Fall der Annahme des beantragt der

münzen von drei Mark in die Wege zu leiten.

nicht überrascht.

uns aber ni<t überzeugen. Das

Lokalanzeigers“. h Fürstenberg haben si< zwar gegen das Dreimarkstü> ausgesprochen,

von Handel und Gewerbe, des praktischen Lebens, haben sih dagegen mit der größten Entschiedenheit für das Dreimarkstü>k erklärt, fo Vie Vertreter eines hiesigen großen Warenhauses, eines großen Restaurants, der Allgemeine Deutsche Gastwirtstag in Nürnberg und die Handels- kammer in Cöln. “Wo bleibt denn das Fünfmarkstü>k? Das Publikum nimmt es nit gern, weil es zu groß ist, das bestätigen mir zahlreiche Zuschriften aus Arbeiterkreisen. Auf dem Lande scheint es als Notgeld auf- gespeichert zu werden, das wäre aber außerordentli bedenklich, denn es hat als Münze nur einen Wert von 1,90 /( Für ein neues Fünfzigpfennigstü> liegt allerdings ein Bedürfnis vor, aber ih bezweifle, ob dies Gese der richtige Weg ist, und es wäre deshalb kein großes Unglück, wenn dies Geseß niht zustande käme. Die Regierung 9 seinerzeit ver- sprochen, mit der Umprägung der Talerstü>ke nur so weit vorzugehen, als es das Bedürfnis erfordere. Der Reichsschaßzsekretär würde eine große Beruhigung schaffen, wenn ex uns zusagte, daß die Umprägung der Taler nicht mehr in der bisherigen Weise fortgeseßt werden soll. Ich habe neuli<h die Zusage des früheren Staatssekretärs Freiherrn von Thielmann angeführt, diese Zusage lautete aber noh viel be- stimmter. Die verbündeten Regierungen haben also ihre Zusage nicht gehalten. Wird der weiteren Ausprägung Einhalt geboten, so wird auch die Statistik der Reichsbank sih ändern. Ich bitte Sie, an dem Beschlusse zweiter Lesung festzuhalten.

Staatssekretär des Reichsshaßamts Freiherr von Stengel.

Meine Herren! Wenn der Herr Vorredner an mih die Forde- rung stellt, daß ih die Umprägung von Talern in Reichsfilbermünzen sistieren solle, so ist das eine Forderung, die i< angesihts dec be- stehenden Münzgeseßgebung nicht erfüllen kann. (Sehr richtig! links.) Der Artikel 4 des Münzgeseßes bestimmt ausdrü>kli<:

Der Gesamtbetrag der Reichssilbermünzen soll bis auf weiteres 15 6 für den Kopf der Bevölkerung nicht übersteigen,

und der folgende Absatz sagt dann:

Zur Neuprägung dieser Münzen sind Landes- silbermünzen insoweit einzuziehen, als solche für die Neuprägung und deren Kosten erforderlich sind.

Nun haben wir außer dem Taler überhaupt keine Landessilber- münzen mehr, die wir einziehen können. Es ist also das einzige Münzmetall, das wir zur Prägung von NReichssilbermünzen ah- gesehen von einfahen Umprägungen verwenden können, der Taler. Ich bin deshalb zu meinem Bedauern nit in der Lage, dem Herrn Vorredner in dieser Beziehung ein Versprehen machen zu können, und ih glaube, er wird au die Berechtigung meiner Entschuldigung durch- aus anerkennen müssen.

Nun ift ja rihtig, daß seinerzeit mein Herr Amtsvorgänger an- genommen hat, daß zur Umprägung der Taler in Reichssilber zunächst ein Betrag von 30 Millionen Mark per Jahr genügen würde ; es ist auch rihtig, daß in den leßten Jahren bis hinein ins Jahr 1904. ein erhebli<h größerer Betrag von Talern per Jahr zur Umprägung ge- langt ist; insbesondere gilt dies von den Jahren 1902 und 1903, zum Teil au< no< von 1904, Allein wenn es den Herrn Vorredner beruhigt, so kann i< ihm wohl die eine Zusage geben, daß allerdings voraussihtlih in den nä<hsten Jahren die Umprägungen von Talern in sol starkem Maße kaum mehr erforderlih sein werden. Maß- gebend für die Umprägung der Taler ist einzig und allein das Ver- kehrsbedürfnis, und wenn nun in den unmittelbar abgelaufenen Jahren dem Verkehrsbedürfnisse in reihli<hem Maße abgeholfen ist, so dürfen wir wohl annehmen, daß wir in den nächsten Jahren mit einem geringeren Bedarf auskommen.

_ Abg. von Strombe> (Zentr.): Die Unbeliebtheit des i stü>s beruht auf der wenig handlihen Form. Jch gebe D S ob sie kleiner zu machen sind. Das könnte gesehen dur Ver- mehrung des Feingehalts an Silber; sie würden sih aber, wenn sie

gendes Verkehrsbedürfnis ist aber nah unserer Auffassung nit nah- Es ist vielmehr bis auf weiteres anzunehmen, daß au< nah Einziehung der Taler dur< die Aus- prägung von d-, 2-, 1- und $-Markstü>ken den Verkehrsbedürf- nissen nah Silbermünzen in ausreihendem Maße würde Nech- nung getragen werden können. (Sehr richtig! links.) Unter diesen Verhältnissen sieht {G der Bundesrat ni<ht in der Lage, seine Zustimmung zu dem Geschßentwurf in der vom Reichs- tage in zweiter Lesung beschlossenen Fassung in Aussicht zu stellen. Wenn demnach der Reichstag in der jeßt beginnenden dritten Lesung hinsichtlih des Dreimarkstü>ks auf dem in der zweiten Lesung ge- faßten Beschlusse bestehen bleiben, diesen Beschluß in dritter Lesung aufre<t erhalten sollte, so würde die Vorlage für den Bundesrat dadur<h unannehmbar, und es würde mit der Vorlage zu unserem lebhaften Bedauern zuglei<h au<h die geplante und feit Jahren als ein dringendes Bedürfnis empfundene Aenderung und Verbesserung Ich be- demnächst die Ausprägung von neuen Fünfzig- in Angriff wird Es läßt si<h diese Maßnahme durhaus nicht länger mehr verschieben, und ih möchte daher. dem hohen Hause leßter Stunde die Wiederherstellung der ursprünglichen Dabei möchte ih zuglei bemerken, daß, wenn etwa dem Wunsche nah einer weiteren Klärung der Bedürfnisfrage von seiten der Mehrheit des Neichstags in der Form einer Resolution Ausdru> gegeben werden sollte, die verbündeten Regierungen si< einer folhen Resolution gegenüber nicht ablehnend verhalten würden, obs<hon kaum anzunehmen ist, daß durch eine Enduete wesentli<h neues gegenüber dem, was wir son jeßt (Sehr richtig! bei den

Aba. Blell (fr. Volksp.) beantragt die Streichung des l i j die D Er habe schon in der zweiten Lesung darauf aufmerksam gemacht, daß jeßt niemand auf den Gedanken der Ausprägung der Dreimarkstüde kommen würde, wenn: der Taler nicht bereits vorhanden gewesen wäre.

Antrages Blell

i Abg. Kir (Zentr.) eine Resolution, dur welche die ver- bündeten Regterungen ersu<ht werden, die Ausprägung von Silber-

Abg. Dr. Arendt (Rp.): Die Erklärung der Regierung hat uns nach den Kommissionsrerhandlungen und denen der zweiten Lesung Die angeführten Gründe gegen den Taler können 0D | rzeugen. Dezimalsystem is ein Zu- geständnis an die shriftlihe Rechnung, niht an den Münzverkehr. Die Aufnahme, die unser Beschluß zweiter Lesung im Volke gefunden hat, beweist, daß in der Tat ein Vekehrsbedürfnis nah dem ODreis markstü> besteht. Bestätigt wird das durch die Umfrage des „Berliner Der RNeichsbankdirektor Koh und der Bankdirektor

Professor Schmoller hat ni<ts dagegen einzuwenden, die Vertreter

stücke genommen.

genommen, ebenso das Gesey im ganzen. wird eine von dem Abg. Blell beantragte Resolution, zur besseren Unterscheidung von den Fünfpfennigstü>en die LS! neuen Fünfzigpfennigstü>ke mit einem Kranz zu umgeben. F Endlich wird die vorher erwähnte Nesolution Kirsch, be treffend die Ausprägung von Dreimarkstü>ken unter Aenderung bes bestehenden Münzgeseßes, angenommen. (Die Ab stimmung vollzieht sih unter so großer Unruhe des Hauses, daß die Berichterstattung für die Richtigkeit ihrer Mitteilung nicht die volle Gewähr übernehmen kann.)

die Aufna Togo.

__ Nach dem Entwurf sollte dur<h den Reichskanzler einc | Kolonialanleihe von 8 Millionen Mark zu Lasten des Schu | gebiets Togo zum Zwecke des Baues einer Eisenbahn von Lome nach Palime aufgenommen und mit 31/2 Prozent verzinst werden, Die H i die Aufnahme einer Höhe und für die Gewährung eines gebiet Togo bis zum Höchstbetrage von 7 800000 # au gesprochen. gebiets Togo binnen 30 Jahren zu tilgen und bis dahin mi! 31/3 Prozent zu verzinsen. Die erforderlichen Zins- und Amort! sationsbeträge sind alljährli<h in den Etat für Togo aufzt- nehmen und zur Verfallzeit an das Reich abzuführen. Dit F ea soll niht eine Spurweite von 75 cm, sondern von 1 1 F erhalten.

dadurch zu geben, daß ein geringer Goldzusaß gemacht wi ordentlih wichtig ist der Umstand, daß E Ee pfennigstü> und ein Fünfpfennigstü> auf der Rückseite kaum z scheiden find. Ich freue mi<h deshalb, daß der Abg. Ble Antrag aus der zweiten Lesung wiederholt hat, auf der neuen Aan ap ennignes weitere Untersheidungen anzubringen g. Kern (d. kons.): Bei dem jeßigen Modell tes F;

au< nicht vollständig genügen, daß die weiten Massen des Volkes Unterscheidungsmerkmale erkennen. olkes

den Beschlüssen der zweiten Lesung festzuhalten. namens meiner Freunde zu erklären. Die Worte des Herrn sekretärs haben uns nicht überzeugt. ß Dreimarkstü>k ist {hon gewissermaßen erwiesen durch vielf Stimmen aus dem Volke, denen si< au eine Handelskammer

und so der Anschein erwe>t wird, als wenn die Gesamtheit des N

samtheit des Verkekrs läßt fih zahlenmäßig das Bedürfnis pr!

müssen; und das, obwohl kein Antrag auf

hebung der Talersperre find in den ersten drei Monaten dieses Jak von den 44 Millionen Mark in Talern 8 Millionen odec über 19

604 Millionen an Reichssilbermünzen zurü>zeflossen sind.

als daß keine Abneigung gegen das Fünfmarkstü>k besteht. also keine Experimente machen, die Verwirrung in unfer Münzsys bringen e [and besißt freilich kein Dezimalsystem, und es geht auch; aber E [and ist au nicht genötigt gewesen, sein historis< gewordenes Mi system zu ändern. Das alte Talerstü>k und das neue Dreimark| würden zwei absolut vershiedene Münzen sein. vollwertige Kurantmünze; von den neuen Dreimarkstüden wäre niemand verpflichtet, mehr als se<s Stücke gleihzeitig in Zahlung zu nehn 1 Der Antrag auf Einführung von Dreimarkstü>ken muß also abgele werden. : 2 Abg. Naab (wirts<. Vgg.): Wir bleiben bei - den Beschlüssen zweiter Lesung stehen. Wir werden zwar für die Resolution Kird stimmen, aber in der Hoffnung, daß der Antrag Blell abgelehnt wird,

Negen in die Traufe kommen. Auch gleicht das neue Stü>k auf ein Haar dem österreihishen Zehnhellerstü>, nur daß dieses aus Nidl ilt. Für das Dreimarkstü> hat fich neuerdings auch ein so angeschene Blatt wie die „Hamburger Nachrichten" ausgesprochen.

__ Abg. Sin dermann- Sachsen (Soz.): Wir treten ebenfalls die Aufrehterhaltung der Beschlüsse zweiter Lesung ein. Auch die Reichstagsmitglieder würde das Dreimarkstü>k eine sehr geeignet Münze sein; sind erst Diäten von 30 A eingeführt, so würden si in zehn Dreimarkitücken aufs bequemste ausgezahlt werden können. Abg. Del (Zentr.): Die Rechnung des Abg. Kaempf über de geringen Umlauf des Talers beweist gar ni<ts, wenn man bedent!, daß man den Taler eingesperrt hat.

fange zur Verfügung hatte. Mir persönli liegt sehr wenig daran, ob das Geseß mit oder ohne den Taler fällt, denn das Geseß mit dem Fünfzigpfennigstü> genügt son, es für viese wertlos zu machen.

stü> weniger beliebt sei als das Fünfmarkstü>. Wichtiger als ein

System sei das praktishe Bedürfnis des Verkehrs.

Damit s<hließt die Generaldiskussion. In der Speéezialdiskussion wird der $ 1 nach den Be-

schlüssen zweiter Lesung, also einshließli<h der Dreimarkl- Blell, an-|

unter Ablehnung des Antrags

Der Nest des Geseßes wird ohne

Es Wb die zweite Beratung der Vorlage, betreffend me einer Anleihe für das Schußtgebie!

Kommission hat sih einstimmig I N in der gedachten

arlehns an das Schut-

Nach $ 2 ist dieses Darlehen seitens des Schu}-

Die Kommission hat einen $ 4 neu eingefügt: „Die im Verkehrsbezirk der zu erbauenden Eisenbahn tätige! Landgesellshaften und Plantagenbesißer sind, soweit sie besonder

Bau der Bahn und ihrer Anlage heranzuziehen.“

aus reinem Silber beständen, zu leiht abnüßen. Es bli ; n nur übrig, den kleineren Fünfmarkstü>en M ika, ke WS

> HUhtte SUnfzih E u unte, U sein pfennigstücks ist allerdings die Unterscheidung niht möglich, “e auf der anderen Seite no< Aenderungen gema<ht werden, dürfte Y

1e Das macht es uns lei M auf die Gefahr hin, daß das ganze 9 nicht zu stande üm Ih habe dat M Schag

Die Bedürfnisfrage für -/,|

A hat. H i Abg. Kaemp fr. Bolksp.): Daß die Frage fo hart umstrit î ; : i C [V 1) umitr|

wird, liegt daran, daß jeder feine eigenen Erfahrungen verallgemeine: kehrs sih mit den Wünschen des einzelnen de>e. Wessen Portemon n nicht groß genug ist, um ein oder zwei Fünfmarkstücke zu fassen, hz! diese für ungeeignet für den Verkehr, während ein anderer aus ie Industriebezirk entzükt davon ist; daher konnte au von zwei bay rischen Abgeordneten der eine das heiße Sehnen des bayerischen Volt, nah den Talern, der andere dessen heiße Abneigung dagegen bekunden Nicht aus der partiellen Beobachtung, sondern nur aus der 6-

Die Reichsbank mit ihren 400 Anstalten ist durhaus in der Lage, ; übersehen, wel<he Münzforten der Verkehr fordert, und welche er f überflüssig erachtet; sämtlihe Bankanstalten haben allmonatlith ei Zusammenstellung über das zu erwartende und hervorgetretene dürfnis an die Zentralstelle zu liefern, nah wel<er dann die Ne, f sendungen bemessen werden. Daraus hat sih ergeben, daß die Nachfrag 6 na<h Reicht silbermünzen von Jahr zu Jahr wächst. Daran sind d Fünfmarkitü>e in ganz besonders hohem Maße beteiligt, und danah sind die Urteile über die Unbeliebtheit des Fünfmarkstü>es zu wir digen. Am 1. Januar 1900 haite die Reichsbank 164 Millionen Mar Bestand an Talern; dieser Betrag war Ende 1902 auf 112 Millione Mark vermindert, d. h. es waren 30 Millionen Mark mehr da, ql nah der Ausprägung von Reichssilbermünzen hätten vorhanden seit f Hergabe von Talern al gelehnt worden war. Das Jahr 1903 hat I N asealern d gewiesen, weil in diesem Jahre die Talersperre erfolgte, wodur der Borrat an Talern in der Bank si< natürlih vermehrte. Nach Auf

zurü>kgeflossen gegenüber nur 2F 9%, die von dem Bestande von vet Diese Zahlen beweisen sowohl, daß keine besondere Vorliebe für das Dreimarkstü, Man \oll

Zunächst wird das Dezimalsystem betroffen. Eng

Der Taler ift beut

Die neue Form, die das Fünfzigpfennigstü>k erhalten foll, wird zwar die F Verwecselung mit dem Zehnpfennigstü> verhindern, aber die mit dem Fünfpfennigstü>® erst re<ht ermöglichen, sodaß wir vielleiht aus dem #

3 i i Das Fünfmarkstü> hat nu | außerhalb das Uebergewicht, weil man den Taler niht in dem Un- |

L Abg. Bartling (nl.) bestreitet aus seiner Kenntnis des prab- | tischen Lebens heraus gegenüber dem Abg. Kaempf, daß das Dreimark- |

Debatte an - i Abgelc hn! i

Interessen am Bahnbau haben, zu etner entsprehenden Leistung ¿u 5

Von den Abgg. Auer und Genossen (Soz.) ist hierzu

folgende Resolution beantragt:

„In Erwägung, daß im Togogebiet der Verkauf von Land, das fich F Besiß der Eingeborenenstämme befindet, dem Gewohnheits- re<t der Eingeborenen widerspricht, in Erwägung ferner, daß der für die Ländereien der Togolandgefellshaft den Häuptlingen gezahlte Kaufpreis niht entfernt als Aequivalent für. den Wert der Ländereien angesehen werden kann, in Grwägung s{ließlih, daß die Durchführung der Kaufverträge zahlreihen Eingeborenen die Gristenz untergraben und daher die Gefahr von Aufständen heraufbes{<wören muß, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, er wolle die Annullierung der dem Landerwerb der Togolandgesellshaft zu Grunde liegenden Kaufverträge und die Zurückführung des Landes in den Stammes- besi der Eingeborenen in die Wege leiten.“

Abg. Nichter (fc. Volksp.): Die Vorlage wird u. a. mit der Förderung der Baumwollkultur in Togo und der Preisermäßigung der Baumwolle, die dadurch erreiht werden könnte, begründet. Davon hängen die Preise aber niht ab, ob in diesem Bezirk cin vaar tausend Ballen mehr oder weniger produztert werden. Es ist nicht zu befürhten, daß die Baumwollenpreise in den Himmel wachsen. Die Spekulation 1]! zwar mächtig, weil geshi>t agitiert worden ist, aber die hohen Preife infolge einiger auf einander folgender Mißernten haben sofort eine Vermehrung der Anbaufläche hervorgerufen. In Indien sind eine Million Acres mehr angebaut worden. Regenwetter und Mißernte haben allerdings einen größeren Ertrag verhindert. Abgesehen von den alten Kulturländern, sind au in Asien und Afrika an den verschiedensten Stellen Versuche mit Baumwollkulturen gema<ht worden, und in Togo hat der kolonial- wirtschaftliche Ausschuß des Kolonialvereins seit 2, 3 Jahren Versuche eingeleitet. Wir haben gegen sole Versuche nihts einzuwenden aber die bisherigen Ergebnisse re<tfertigen weder quantitativ no< qualitatio den Bau einer Eisenbahn im Togogebiet für 8 Milltonen, zumal aus Neichsmiiteln. Die Fachshule für Spinnerei und Weberei hat einen wesentlihen Mangel der Faser der Togobaumwolle fest- gestellt. Diese eignet sich also nicht für alle Garne, und der Kolonial- verein sagt selbst, daß in nächster Zeit ein Gewinn zweifelhaft fei, nur wolle man troßdem weiterarbeiten. Man behauptet, die Transport- fosten der Baumwolle würden sich durch die Cisenbahn verringern, aber im günstigsten Fall sind nur 69/6 an den Produktionskosten zu ersparen. Die Rentabilität der Togobahn ist in keiner Weise nachgewiesen; erst auf den leßten 380 km der Stre>e ist fruhtbares Gebiet vorhanden, auf den ersten 90 km der 120 km langen Stre>ke herrs<t Wasser- mangel, und was daz bedeutet, haben wir an den südwestzfrikanischen Bahnen gesehen. Die Regierung hat keine Rentabilitätöberehnung angestellt. Auf meine Frage erklärte in der Kommission der Kolonialdirektor, das tue man bei afrikanishen Bahnen grundfäßlich nit mehr. Nun sagt man, auf die Rentabilität käme es nicht an, das Togogebiet werde die Aufwendungen verzinsen und amortisieren und selbst ein Defizit de>en. Das Togogebiet soll in glänzenden finanziellen Verhältnissen sein. Allerdings brauht es in diesem Jahre [keinen Reichszuschuß, aber nur weil gewisse baulihe Aufwendungen 1m vougen Jahre nicht ge- macht sind, und der dadurch ersparte Neichszushuß, anstatt ihn dem Reich zurückzugeben, in den diesjährigen Etat des Schutzgebiets als Einnahme eingestellt ist. Man erwartet eine Steigerung der Zoll- einnahmen im Togogebiet; Branntwein, Tabak, Pulver, Munition sind ja die bekannten europäischen Kulturmittel, die nach Afrika ge- braht werden. Es fragt si, ob Zolleinnahmen dafür Mehreinnahmen bringen werden, denn es kann au eine Abnahme der Einfuhr statt- finden. Fn Betracht kommt dabei, daß im Jahre 1894 das Togo- gebiet mit den benahbarten Kolonien einen Zollvertrag abgeschlossen hat, der jeßt gekündigt worden ist. Es ist zu befürchten, daß bei der geographischen Lage unferes Küstengebiets, das im Verhältnis zur englischen Kolonie sehr s<mal ist, alle Spekulation auf Grhöhung der Zolleinnahme hinfällig wird. Die Regierung \{lägt für die Auf- bringung der Anleihe die Form einer besonderen Kolontalanleihe vor. Bisher haben sich alle Vorgänger des Schaßsekretärs gegen besondere Kolonialanleihen gewehrt, weil damit der Fortschritt der Konsoli- dation und Einheitlichkeit der Staats- und Reichsanleihen in Frage gestellt würde. Erst der jeßige Schaßsekretär begeistert fih für Kolonialanleihen. Die Kommission will nun die Mittel in Form eines Darlehns gegeben wissen. Damit wiederholt sih der Vorgang von 1892, wo für Kamerun für gewisse Bauten und Verkehrswege 25 Millionen aus der Reichskasse überwiesen wurden, unter der Bedingung, den Betrag in Jahresraten zurü>kzuzahlen. Das ist einige Jahre geschehen, dann blieben die Raten aus. Nur als historische RNerainiszenz steht im Etat für Kamerun ein Titel ohne Ziffern, und dabei steht als Begründung: „Die Rückzahlung muß unterbleiben, bis eigene Ein- nahmen des Schutzgebiets bereit lehen“. Genau fo wird es mit dem Darlehen für das Togogebiet gehen. Warum wollen die beteiligten Herren die 8 Millionen nicht selbst aufbringen? Es kommen kapital- kräftige Industrien und reiche Leute wie die Baumwollenkönige in Betracht, die brauchen keine Neichsunterstüßung. In unserer Heimats- volitik müssen viele Anforderungen unbefriedigt bleiben. Wir können deshalb eine so zweifelhafte Sache nicht bewilligen und stimmen gegen die Vorlage.

Abg. Dr. Arendt (NRp.): Bei folhen Kolonialanforderungen singt Herr Richter seit vielen Jahren immer dieselbe Melodie. Il nächst ist er auf die Baumwollenfrage eingegangen. Wir haben das dringendste Interesse daran, in unseren Kolonien Baumwolle hervor- zubringen; jährlih führen wir für mehr als 300 Millionen Mark Baumwolle na Deutschland ein. Warum soll die Baumwolle aus einer deutschen Kolonie \{le<ter sein als andere? Weshalb foll es unmöglich sein, eine blühende Baumwollproduktion in Ostafrika und Togo zu [chaffen? Sonst legt man doch außerordenkt- lien Wert auf die Urteile der Handelskammern in der Partei des errn Richter; hier haben sie gesprochen, da kommt Herr Nichter und meint, es habe ein Agitationsauëshuß geshi>t operiert usw. Das wollen wir uns doch für fünftig merken. Selbsthilfe ist die Hauptsahe, meint Herr Richter. Aber in England, dem Dorado der Selbsthilfe, geht man in folhen Fragen ganz anders zu Werke; die Ugandabahn hat man nicht der Privatindustrie überlassen, sondern sie auf Staatskosten gebaut. Wir müssen erst Beispiele hafen und daran zeigen, daß wirklich der er- wartete Nutzen aus der Kolonie und für die Kolonie herausspringen wird; dann wird auch das Privatkapital und die Privatindustrie nh geneigter zeigen. Bei der Größe des Reichsetats spielt doch auch die Summe von 8 Millionen keine Rolle; aber die Lebensfähigkeit von Togo wird dadur erheblih erhöht. Togo hat bereits Ueber- <üsse bis zu einer halben Million jährli< abgeworfen ; also ist es do<h wohl am Plate, dieser Kolonie endlih mehr unter die Arme zu greifen. Die Einwände des Herrn Richter stehen auf der Höhe derjenigen, die man dereinst gegen die Eisenbahnen überhaupt erhob, In die eigene Tasche haben die deutshen Kolonialfreunde noch nichts geleitet, wohl aber 100 Millionen in die Kolonien geste>t; man kann ihnen also niht den Vorwurf machen, daß sie alles vom Reiche er- warten. Haben wir die Kolontieen, wollen wir sie behalten, dann müssen wir ihnen au dasjenige zuwenden, was notwendig ist, fie lebensfähig zu mahen. Man kann nicht sofort Früchte erwarten, erst muß der Same gelegt werden. Wir bedauern, hg die Form der Kolonialanleihe fallen gelassen ist, werden aber im Interesse des Zu- standekommens der Vorlage niht dem Kommis tonsbes{<luß wider- \prehen. Nehmen unsere Kolonien eine gedeihliche Entwi>elung, so werden wir später daran denken müssen, daß sie zu wirtschaftlih selbständigen Existenzen heranwachsen, und dann wird man auf die

Kolonialanleihen wieder zurü>kkommen müssen. Die Resolution Auer

geht von Voraussetzungen aus, die eine nahezu naive Auffassung ver- raten. (Vizepräsident Dr. Graf zu Stolberg - Wernigerode : Die Resolution kommt später zur Erörterung.) Dann werde ih später darauf zurü>kkommen. l Ï i _ Abg. Ledebour (Soz.): Nach unserer Meinung sollen die Kolonialinterefsenten, die den Hauptvorteil von den Bahnen haben, au an dem Risiko teilnehmen. Vor einiger Zeit hörten wir beweg- lie Klagen der Bundesratsvertreter darüber, daß eine Summe von

15 Millionen auf die Matrikularbeiträge ges<lagen werden sollte; zu

derselben Zeit muten De S S von illione 9g | fn Deutschland an allen E>en an Geld füc die notwendigsten Staats- ausgaben fehlt. So hat man in Württemberg, notwendige Bahnbauten untex Hinweis auf diese Erhöhung der Matrikularbeiträge abgelehnt. Und Herr Müller - Fulda hat auf ein projekt hingewiesen, das si hindert aber den Abg. } , zu wagen: auf die paar Millionen für Togo | großen Neichéetat nicht an. Notwendiag ist in Togo vor allem der Ausbau dec Wege; ein ordentliches Wegesystem ist dort viel wich- tiger als eine Eisenbahn. Bahnstationen muß doch nach eschehen. l : | l Ah die Zivilisationsbestrebungen gewisser Negerkönige, die glauben, al setzen, dabei aber vergessen, Hosen anzuziehen. d sind die Verträge, welche die Vorgänger der Deutschen Togogesellshaft mit einigen Häuptlingen wegen Landabtretung abgeschlossen haben. Es handelt sih da um sehr große Komplexe, deren einer, 45 000 ha groß, von der Bahn jeßt aufges{lossen werden soll. 45 000 ha find 2795 E auf den Hektar 6 -, bezahlt worden. Das Besitsystem in Togo A l t Sinn der einzelne hat etn B-.sißre<ht nur auf drei Jahre, nicht dauernd. hat i lautet, legalisiert und sih dafür 36 M. berechnet, die von den 440 M no< abgezogen sind. ] adet ton, bs außer diesen winzizgen Summen noh Geschenke gegeben worden sind. Dur fügig machen wollen. 1 nn | Das Kolonialamt hatte die Genehmigung dieser Verträge durchgeseßt, na<hdem der Gouverneur si dagegen erklärt hatte. J: L Kolonialdirektor, wie er sagte, einen solchen Vertrag nicht gutheißen, das ändert aber nihts daran, daß der Vertrag in Kraft ist. Wir können \<ließli< no<h Zustände (Vizepräsident Dr. Graf zu S erg- i vor, daß zuglei<h über die Refolution Auer mitverhandelt werde, womit das Haus einverstanden ist.) Der Kolonialdirektor hat in der Kommission bestritten, daß die Eingeborenen geschädigt werden. 1 l den Betrieb der Landwirtschaft, sondern au<h um die Ausnußung der Palmen. Der Kolonialdirektor sagte, daß den Eingeborenen der Begriff des Eigentums nicht bekannt sei, daher könne man von einer Schädigung nicht sprechen. Er wollte wohl sagen, der Begriff des Privateigentums an Gruad und Boden. Jedenfalls finden wir darin das Eingeständnis, daß die Neger zu einem Kontrakt bewogen sind, iber dessen Bedeutung sie ni<hts wissen. Ein vernichtenderes Urteil über dies ganze Geschäft und - das Verhalten der Kolonialverwaltung ist von niemand ausgesprochen worden, als in den Worten des Kolonial- direktors selbst. Dieser Rechtsgrundsag könnte in Deutschland zu wunderbaren Folgen führen. Für die Eingeborenen hat das Land einen viel höheren Wert als für den Europäer. i . eir ganze Gristenz ab. Soll er etwa verhungern? Die Neger sind also in Unkenntnis über die Natur dieser Landverkäufe ; sie sind in ungeheuer- liher Weise übervorteilt worden, und die Gefahr von Ausständen wird heraufbes<woren. \olution vorgeschlagen. ) Hand laf eine Expcopriation vorzunehmen oder mik der Togogesellshaft über die Herausgabe des Landes zu verhandeln. man könnte au die Neger dabei fragen. chen Ste / haben ein Interesse daran, daß hier Klarheit ges<haffft wird. Die reichen Sd Gemeinsinn haben, daß sie die Kosten der Bahn tragen, da die Bahn ja in absehbarer Zeit sih rentieren soll.

Baumwollindustrie die Baukosten aufzuerlegen.

Regierungen dem Skeuerzahler Togo auszugeben, während es

in elsäfsishes Eisenbahn- in ähnlicher Lage befindet. Das Arendt nicht, [eichtfertig die Behauptung fäme es ja in dem

Der Transport der Waren nah den wie vor auf den Köpfen der Neger Die sofortige Anlage einer Bahn kommt mir etwa so

ivilifiert zu sein, wenn sie einen Zylinderhut auf- Ï / Höchst befremdlih

Für diese gründet si<h auf den Besiy des Ein Assessor hat einen Kontrakt, der über 440 K Die Togogesellschaft hat in einer Rehtfertigungs-

< diese Geschenke hat man die Leute ge- Fn der Türkei nennt man das Bakschisch.

íIetzt würde der

erleben wie in Südwestafrika. Stolberg-Wernigerode [{<lägt

Das ist unrichtig, denn es handelt sih nicht allein um

Es hängt von ihm seine

Aus diesen Gründen haben wir unsere Ne- Wir wollen der Regierung freie Hand laffen,

Der erste Weg ist kürzer, Die deutschen Steuerzahler

Kaufleute in Bremen, die Baumwollspinner usw. follten jo

Neferent Graf von Oriola (nl.) weist auf den scriftli<hen Be-

rit hin, der die Verhandlungen über den Landverkauf enthalte; von einer Resolution sei dort ni<ht die Rede gewesen, namentli nicht davon, daß der Reichskanzler eine Annullierung der Verträge in die Wege leiten folle. ftor l die Verträge jeßt ni<ht mehr angreifen könne.

Der Kolontaldirektor habe hervorgehoben, daß man

Stellvertretender Bevollmächtigter zum Bundesrat, Direktor der

Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts Dr. Stueb el: Ih mache den Abg. Ledebour darauf aufmerksam, daß zu den úFnteressenten auch die Arbeiter der Textilindustrie gehören. eil im Interesse der Baumwollindustriellen, sondern au der von diesen

Die Bahn foll nicht einseitig

Es liegt also ein sozial- ungerehtfertigt, der Für die Verkehrs- mittel in den Kolonien zu sorgen, ist das Reich berufen. Es kommt auch ni<t nur die Baumwolle als einziges Produkt in Frage, sondern au< das Palmöl. Die Bahn wird nicht nur eine Erschließungsbahn sein, sondern auch die Natur ciner Ausbeutungsbahn haben, d. h. gegen- wärtig sind dort im Lande viele Produkte vorhanden, die în Ermange- lung einer Bahn einfach verfaulen. Die jeßige Ausfuhr stammt z. V. von 600 000 Oelpalmen, während im ganzen 9 Millionen Palmen vorhanden sind, die ein sehr bedeutendes Verkehrsobjekt für die Bahn bilden werden. Was die Finanzverhältnisse der Kolonie betrifft, so beruht die Vorlage darauf, daß das Schutgebiet Togo aus eigenen Mitteln die Eisenbahnanleihe verzinsen und tilgen wird, was die Abgg. Richter und Ledebour durhaus mit Stillshweigen übergangen haben. Togo hat in den 20 Jahren nur in 4 Jahren Neichszuschüsse erhalten für werbende Anlagen, für die Landungsbrüe und für die Küstenbahn von Lome nah Klein-Popo. Im nächsten Jahr wird unter keinen Umständen ein Reichszuschuß verlangt werden. Herr Richter befürchtet von der Kündigung des Zollabkommens zwishen Togo und der eñgli- hen Goldküstenkompagnie eine Schädigung unserer Zolleinnahmen. Es ist aber im Gegenteil anzunehmen, daß infolge dieser Kündigung ein großer Teil der Zolleinnahmen, die uns gebühren, aber bisher in die englishe Kasse geflossen sind, in die deutsche Kasse fließen wird. Es liegt au< nit der mindeste Grund vor zu der Annahme, daß diese Einnahmen dur< den S<hmuggel wesentli beshränkt werden würden, denn die Grenze is durchaus leiht zu shügen. _Was die Resolution betrifft, so wiederhole ih, daß den Einwohnern ein Begriff des Eigen- tums in unserem, im römishen Sinne nicht bekannt ist. Wo hâtte wohl irgend eine Macht kolonisieren können, oder irgend eine Kolonie in den wirtshaftlißen Bereich eines europäischen Volkes hinein- bezogen werden können, ohne die Nechtseinrichtungen, auf denen unser Wirtschaftssystem beruht, dort miteinzuführen. Ich wüßte feine englishe oder französis<he Kolonie zu nenney, wo nicht die Rechtsverhältnisse nah dem Heimatland geordnet wären. Wenn behauptet wird, der den Einwohnern gezahlte Kaufpreis für das Land sei kein Aequivalent, so frage ih, was denn überhaupt der Wert des Landes dort ist, wo das Land niemandem etwas nüt. Der eigentlihe Wert entsteht doc erst dur<h die Aufwendung von Kapital und Arbeit. Es wohnen dort so wenige Eingeborene, daß sie nur cinen kleinen Teil des Landes für ihre Existenz gebrauchen können, und der Rest hat für die Eingeborenen also keinen Wert. All das Land, was die Eingeborenen [für e nicht gebrauchen, ist deshalb zu Kronland gemaht. Es wird behauptet, daß die Kauf- verträge zahlreihen Cingeborenen die Existenz untergraben. Gegen die Verträge sind allerdings dem Gouverneur zunächst Bedenken ge- fommen, auf Anweisung von hier hat eine De Prüfung statt- efunden und ergeben, daß das Land în dem Umfange, wie es verkauft fi, nit notwendig für die Existenz der Cinwohner sei, und auf Grund dieses Resultats hat die Kolonialverwaltung die Verträge ge- nehmigt. Die Eingeborenen sind dadurch also nicht geiguvie worden.

habe in einem Erlaß das Gouvernement von Togo aufgefordert,

gebaut werden.

beschäftigten Arbeiter den. Deshalb wäre es

politis<es Interesse vor.

J e gebende statistishe Erhebungen zu veranstalten, namentli<h über die

Zahl der Eingeborenen in jeder Landschaft, über die Kopfzahl der amilien, über den durhshnittlihen Landbesiß der Familien, über den für cine Familie erforderlichen Besiß, über den Bodenwert in den einzelnen Landschaften und über die etwaige Wertsteigerung, wenn die Bahn gebaut wird. Um die Ergebnisse einwand ei zu gestalten, sollen ein Missionar und ein Angestellter der Togogesell\chaft

zugezogen und - das Ergebnis protokollaris< festgelegt werden. Ich glaube, daß wir in kürzester Frist in den Besiy dieser Unterlagen ge- langen werden. Sollte s< herausstellen, daß ein größerer oder fleinerer Teil des Landes der Togogesellschaft wirklih unentbehrlich ift für die Eingeborenen, dann wird die Kolonialverwaltung keinen Augen- bli> anstehen, von dem Mittel Gebrauh zu machen, das ihr zur Ber- fügung steht, um zu verhüten, daß den Eingeborenen ihre Subsistenz entzogen wird. In erster Linie werden wir dabei auf die Enteignungs- form angewiesen sein. Ein anderes Vorgehen scheint au< nach den Ausführungen des Abg. Ledebour gar niht in der Absicht der Antrag- steller zu liegen ; es würde auh zu keinem Ergebnis führen.

Abg. Freiherr von Richthofen-Damsdorf (d. kons.): Wenn es richtig ist, daß es in Deutschland viele Orte gibt, die eine Bahn notwendiger brauchen als Togo, so muß die Sozialdemokratie auh dafür die Mittel nahweisen und die Reichsfinanzen so gestalten, daß es möôglih is. In England gibt es Arbeitervereinigungen, die bes deutende Geldmittel aufbringen für die Förderung der Baumwollen- industrie, aber es ist zu viel verlangt, daß die Baumwollenindustriellen oder Arbeiter sih am Bahnbau beteiligen. Man wählt dafür den Weg der Kolonialanleihe oder Staatsanleihe. Da wir nun einmal die Kolonien erworben haben, so müssen wir sie au< weiter entwi>eln. Fm Auslande ist man ebenfalls der Ansicht, es genüge nicht, ungeheure Gebiete in Besitz zu nehmen, man müsse sie au< wertvoll machen, und das beste Mittel dafür wären die Eisenbahnen. Das gilt be- sonders von Togo, das, abgesehen von vorübergehenden Zeiten, eines Reichszushusses niht bedurft hat. Seine Exportfähigkeitsgrenze ist erreiht, wenn die Eisenbahn nicht gebaut wird. An der Rentabilität der Bahn kann kein Zweifel sein, denn es gibt au<h noch andere Gxport- artikel Es ist ja rihtig, daß die deuts<he Baumwolle no< nicht ret volfstümlich ist, aber der Konsum ist ständig gestiegen und wird weiter steigen, namentli der Export von Baumwollenwaren. An der Veredelungs- industrie haben au<h die Arbeiter das allergrößte Interesse. Vie Baumwollindustrie ist aufs äußerste gefährdet, wenn nicht das Anbaus- gebiet der Baumwolle erweitert wird. Das Monopol der Vereinigten Staaten ist hinsichtli<h der Baumwolle ebenso gefährlih wie hinsicht- lih des Petroleums. Hier steht also ein allgemein deutsches und ein weltwirts<haftlihes Interesse in Frage. Selbst wenn die Bahn unrentabel wäre, müßte man unserer heimischen Textilindustrie wegen das Geld hergeben. Die Frage, ob Kolonialanleihe oder nit, scheidet für mi< aus. Im vorliegenden Falle würde eine Neichs- anleihe zweiter Klasse geshaffen werden. Die finanziellen Besorgnisse des Abg. Richter teile ih niht. Ich kann mich nur für die Vorlage aus\prehen; die Resolution Auer ift unannehmbar. :

Abg. Schrader (fr. Vgg.): Nach den Erklärungen des Kolonial- direktors ist die Resolution Auer für mi<h überflüssig. Wenn man die Gründe der Gegner solher Eisenbahnen berü>sihtigen wollte, so würden wir überhaupt re<t wenig Eisenbahnen in der Welt haben, au< in Deutschland. In den Kolonien handelt es #i< darum, ein Land, das erst entwi>elt werden soll, aufzuschließen, und dazu gibt es keinen anderen Weg als Eisenbahnen. Wegebauten fönnen niemals Eisenbahnen erseßen. Für weite Stre>en kommt der Landtransport gar niht in Frage. Togo erzeugt wertvolle Produkte, die zum Export brauchbar find, vor allem Baum- wolle. Die Rentabilität der Togobahn hat bessere Aussichten als die irgend ciner anderen Kolonie, vielleiht au<h bessere als in manchem Staate Deutschlands. Togo wird si<h au< dem Reiche gegenüber selbst erhalten können, wenn der Export steigt. Wenn man sagt, die Baumwollinteressenten \ollten für die Bahn aufkommen, so befindet man \i< in einem Irrtum. Die Baumwollinteressenten verteilen ih doch auf ein sehr großes Gebiet. Man kann do< nicht mit dem Klingelbeutel herumgehen bei den Leuten, die sih dafür interessieren. So baut man überhaupt keine Eisenbahnen. Ih weise au< auf das Beispiel anderer Länder, wie Frankrei usw. hin. Die Herren sollten do< lieber den Antrag stellen, überhaupt keinen Pfennig mehr für Kolonien aus Reichsmitteln zu bewilligen. Das würde allerdings zwe>los sein, denn heutzutage

fann fein Staat auf scine Kolonien verzihten. Auch unsere Chren- pflicht ist es, dafür zu sorgen, daß eine einmal erworbene Kolonie auch gedeiht. L

Abg. Bartling (nl.): Ih kann Wort für Wort unterschreiben, was der Kollege Schrader gesagt hat. Wenn erst der Anfang mit der Bahn gemacht ist, wird \{<hon nah einigen Jahren mit dem Baumwollbau ein besseres Resultat erzielt werden und die Bahn sih au bald bezahlt mahen. Wir werden für die Vorlage stimmen.

Abg. Dr. Spahn (Zentr.): Die Kolonie war an ih bereit, die Kosten des Bahnbaues selbst zu übernehmen; nah der Anschauung unserer Berliner Bankhäuser wäre es au< möglich gewesen, die Kolonial- anleibe bei unserem Publikum unterzubringen. Wenn jeßt eine Reihhs- anleihe gemaht werden foll, so hätte der Reichstag doch wirklich keine Veranlassung mehr, der Kolonie irgendwie entgegenzutreten. Wenn wir eine gewisse Garantie übernehmen, so hat das seine gute Be- rechtigung, denn jeder Bahnbau vermindert die Kosten unserer eigenen Verwaltung für die Kolonie. Wenn die VFateressenten die Bahn bauen wollen, so frage ih: wo in Deutschland kommt es denn vor, daß den Interessenten diese Forderung zugemutet wird, wenn es fich um Hunderte von Kilometern handelt? Sie werden wohl zu den Kosten herangezogen, aber der Bau wird ihnen nicht auferlegt. Mit dem Wegebau geht es niht. Die Kaufverträge berühren ja zweifel» hafte Fragen; aber deshalb, weil diese Bahn später einmal der Togo- gesells<haft zu gute kommen kann, kann man sie niht ablehnen. Die Baumwolle ist nur einer der in Betracht kommenden Faktoren; nicht allein wegen der Baumwolle wird die Bahn gebaut. Jch bitte das hohe Haus, der Vorlage zuzustimmen. E

Abg. Werner (Reformp.) spricht fich für die Vorlage und gegen die sozialdemokratishe Resolution aus, die ganz unannehmbar sei. Togo sei die wertvollste Kolonie, fie aufzugeben, wäre ein Verrat an der fkolonialen Sahe. Die Baumwollerzeugung in Togo werde Deutschland zu einem guten Teile von der amerikanischen Baumwolle freimahen. Freudig erüe habe er, daß die Bahn mit der Meter- \pur gebaut werden solle. Im Interesse der Kolonie und des Deutschen Reichs müsse die Bewilligung erfolgen. : i :

Abg. Ledebour: Die Kommission hat niht die Aufgabe, die Plenarberatung zu erseßen, das möchte ih dem Referenten bezüglich seiner gänzli<h unangebrahten Bemerkungen über den Antrag Auer sagen. Die Ausführungen des Kolonialdirektors über die Eigentums- verhältnisse sind um fo eigentümlicher, als die anderen Kolonialmächte, Frankreih und England, in ganz anderer Weise die Interessen und Rechte der Eingeborenen zu wahren verstehen. Es ist eine Pflicht des Reichôtages, sich dieser Rehte und Interessen anzunehmen, und des- halb empfehlen wir Ihnen no<mals unsere Resolution.

Damit schließt die Diskussion.

Ueber $ 1 der Kommissionsbeschlüsse wird auf Antrag des Abg. Dr. Müller - Sagan h Volksp.) nament- lih abgestimmt. Die Annahme er olgt mit 148 gegen 68 Stimmen: 1 Mitglied enthält sih der Abstimmung.

Wie der Präsident mitteilt, hat ein Mitglied im Eifer des Gefechts drei Zettel abgegeben. Abg. Singer: Verschiedene ? Präsident: Nein, gleihe. Wir haben zwei davon für ungültig erklärt.

Auch die übrigen Paragraphen werden ange- nommen, desgleichen die von der Kommission vorge- \hlagene Resolution: \

„Den Reichskanzler zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß bei Abschluß von größeren Landkäufen in den Schußzgebieten die Lebens- bedingungen der eingeborenen D nicht geschädigt werden, und den Inhalt solcher Verträge dem Reichstage zur Kenntnis zu bringen.“

Die Resolution Auer wird gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. : ;

Ein von der linken Seite gestellter Vertagungsantrag wird um 6 Uhr 20 Minuten cboeleknit Das Haus tritt darauf in die zweite Beratung des Gesezentwurfs, betreffend die Ueber-