1904 / 147 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Zahlen ausgeführt nicht im Einklang ständen mit der erheblihen Leistung der Interessenten. Ja, meine Herren, leistet denn der Staat außer diesem üblihen Zushuß zu den Grunderwerbskoften nihts? Jch glaube, er leistet erheblich viel mehr; denn er [Leistet in manchen Fällen alle Jahre einen Zuschuß zu den Betriebs- und Unterhaltungskosten der Bahn, jedenfalls in vielen Fällen zu der Verzinsung der Bahn. Er baut die ganze Bahn und mil Recht, weil fie eine Meliorationsbahn sein soll, weil fie dem Interesse des Landes dienen \oll, weil die Interessenten, die im Lande wohnen, ihre Rohprodukte billiger beziehen und ihre eigenen Produkte billiger abfezen können. Der Staat tut es gern und muß sich troßdem den Vorwurf gefallen lassen, daß er auf Kosten der Interessenten das Staatseisenbahnneg ausbaut. Ich glaube, es ist nicht nüßlich für diejenigen Provinzen und Kreise, denen die Bahnen fehlen, dies in zu \chroffer Weise hervorzukehren; denn es ist im Jahre 1880, . als das Prinzip der Nebenbahnen eingeführt wurde, als rihtiger und “gesunder Grundsaß anerkannt worden, daß die Interessenten in billiger Weise zum Bahnbau beitragen, namentli auch, wie der Herr Berichterstatter sehr rihtig hervorgehoben hat, weil dadurch sich die Baunotwendigkeit der Bahn erst recht kennzeihnet. Es ist dics auch ein gewisser Aus- gleih gegenüber anderen Landesteilen. Mit dem Momente, wo dies Prinzip fallen gelassen würde, und die Interessenten nihts beizutragen hätten, würde die Jagd nah Eisenbahnen noch viel größer fein als augenblicklich, und dann würde die Staatsregierung kaum in der Lage sein, sch dieser Jagd zu erwehren, und wir würden sehr bald die eine oder andere Bahn bauen, deren Bau wir nachher bedauern müßten, geradeso, wie es mit Recht hervorgehoben worden ist, daß manche Kleinbahnen besser niht gebaut würden. Es ift ganz natürli, daß das Drängen nach Kleinbahnen und deren Ausbau nachgelassen hat; denn es hat sih eben herauëgestellt, daß sie troß der Beisteuerung zum Kapital do nicht rentabel sind. Ja, weshalb niht? Aus dem Grunde, weil in vielen Gegenden nicht ausreihende Produkte und Menschen zu fahren sind. Es fehlt an Fracht für die Bahnen, und eine Bahn ohne ausreichende Fracht is auch im allgemeinen niht bauwürdig. Da wird es unter Umständen viel nüßlicher fein, daß das Chausseeneß ausgebaut wird, als daß man eine nicht lebensfähige Kleinbahn baut oder eine Nebenbahn, die nur dadur lebensfäbig bleibt, daß sie der Staat auf feine Schultern nimmt und di: Allgemeinheit darunter leidet. Daß die wirtschaftliche Hebung des Landes auch wirkli stattfindet, hat Herr Graf von Mirbach felbst anerkannt, indem er fagte, der Preis des Geländes steigt dur die Bahnen . . . (Zuruf!) ja, ih habe es so verstanden, daß da, wo Eisenbahnen vorhanden wären, die Grundbesißer darauf renen, ihre Vorhandensein einer Bahn erzielt würde. in der Gegend einen günstigen Einfluß ausübt.

Ich glaube also, daß man das Bestehen der eine Belastung der Gegend betraten kann, fondern als einen Vorteil.

Dann sind noch einzelne Wünsche geäußert worden vom Herrn Grafen von Mirbach wegen der Befriedigung des Verkehrsbedürfnisses in glatterer und besserer Weise.

Ich gebe dem Herrn Grafen gern zu, daß auf einem Neben- bahnney es keine große Freude ist zu reisen namentlich wenn es sich darum handelt, an einer Anschlußstation auf eine andere Neben- bahn überzugehen, es müßte denn jemand fein, der den Wunsch hat, für sein Fahrgeld recht lange auf der Eisenbahn zu fahren; für den würde es allerdings ein Genuß sein. (Heiterkeit.)

Aber die Sache ist do nicht fo leiht das möchte ich nament-

will jeder Interessent, der an der Strecke wohnt, etwas von der Bahn haben. Wenn die Eisenbahnverwaltung nun auf Wunsch einiger Interessenten eiue Station im Fahrplan übershlagen will, dann sagen andere Interessenten, die an der Station wohnen: wir haben unsern Grund und Boden nicht dazu freigegeben, damit man uns mit den Zügen an der Nase vorbeifährt, sondern deshalb damit ge- halten wird.

Mein verehrter Herr Amtsvorgänger hat einmal gesagt: ein Schnellzug ift für jedermann ein Zug, der auf feiner Station hält und an den anderen vorbeifährt. So bestehen bei allen Interessenten verschiedene, vielfach entgegengeeßte Wünsche. Alle diese Wünsche zu erfüllen, ist für einen Verkehrsminister die \{wierigste Aufgabe, deren Lösung niht mögli ist. Dankbar bin ih jedem, der folhe Wünsche zur Kenntnis der Behörde bringt. (Bravo!) daß ih dazu da bin, dem Verkehr zu dienen, und daß die Eisenbahn niht Selbstzweck ist, sondern für das Publikum da ist. (Lebhaftes Bravo!)

Aber es ist nicht immer mögli, alle Wünsche zu befriedigen; Sie müssen deshalb Nachsicht üben. Auch möchte ih Herrn Grafen von Mirbach bitten, die Züge, die ihm nicht richtig stehen, den be- treffenden Eisenbahndirektionen mitzuteilen. Dabei möchte ih aber darauf aufmerksam machen, daß die Aufstellung der Züge do im wesentlichen durch den Betrieb und die Betriebssicherheit bedingt wird. Wie Herr Graf von Mirbach zutreffend bemerkte, liegen die Ver- hältnisse speziel in Königsberg ungünstig, bis der Bahnhof um- gebaut sein wird.

Ich bitte deshalb die Herren dringend, ihre Wünsche an den zu. ständigen Stellen vorzubringen, und ich bin überzeugt, daß diese sich den Wünschen nah Möglichkeit nicht vers{ließen werden. Sie Haben auch son die Erfahrung gemacht, daß ih gern die mir mitgeteilten Wünsche prüfe und sofort zur Bearbeitung gebe.

Dann find noch einige Nebenbahn gewünscht worden. Herren, diese Anregungen möchte ich damit erledigen, daß ich eine erneute Prüfung versprehe. Die Projekte sind mir nicht neu; aber das Verkehrsbedürfnis für die Bahnen, um sie als Neben- bahnen auszubauen, ist doch noch niht in dem Maße festgestellt worden, daß die Staatsregierung dazu hätte übergehen können, die Nebenbahnen zu beantragen. Als Kleinbahnen habe ih mehrfach die erwähnten Bahnen freigegeben ; aber die Interessenten haben die Bau- würdigkeit der Kleinbahn bei ihren eigenen Untersuhungen nicht fest: stellen können, troßdem ihnen aus dem Kleinbahnfonds eine erhebliche Unterstüßung zur Verfügung stehen würde.

Berichterstatter Herr von Sar weist darauf hin, daß es von großer Bedeutung sei, daß an das Sekundärbahnnetz die Kleinbahnen

überall glatte und prompte Anschlüsse erhalten. Der Mangel an solchen bedrohe gerade die Kleinbahnen mit Nachteilen, da die ÎInter-

Meine

| der

| Entwickelung viel bcsser und günstiger fich gestalten. Posen hat ja allen Anlaß, dem Minister für die lebhafte und

Ich bin der Ansicht, |

essenten es dann vorzögen, die Güter auf Wagen bis zur nächsten Nebenbahnstation zu befördern.

Minister der öffentlichen Arbeiten von Budde:

Meine Herren! Die Eisenbahndirektionen sind angeroiesen, in jeder Weise die Anschlüsse der Kleinbahnen an die Nebenbahnen zu fördern, sowohl in technisher Hinsicht, als auch was die Fahrpläne anlangt. Ich habe auch in tarifarisher Hinsicht im leßten Jahre den Kleinbahnen Erleichterungen gewährt. Es liegt der Verwaltung voll- ständig fern, die Kleinbahnen etwa vom Standpunkte der Konkurrenz aus zu behandeln. Das wäre einer großen Verwaltung niht würdig. Die Kleinbahnen sind im Rahmen des Kleinbahngeseßes Linien des allgemeinen Verkehrsnetes zur Bedienung des lokalen Verkehrs.

Graf von Mirbach: Es is mir gar nihcht eingefallen, dem Minister irgend einen Vorwurf machen zu wollen ; ich wollte ihm nur eine objektive Schilderung der bei uns vorhandenen Verhältnisse unter- breiten. Jch gebe ihm vollkommen zu, daß ein Grundbesiß, der über bessere Bahnverbindungen verfügt, wenn er verkäuflich ist, auch eine Wertsteigerung erfährt; ob aber au eine Ertragssteigerung, ist mir nah meinen Erfahrungen zweifelhaft. Für die wohlwollende und freundliche Haltung des Ministers bezüglih der Verbesserung des Per- \sonenverkehrs kann ih ihm nur ganz besonders dankbar sein.

Minister der öffentlihen Arbeiten von Budde:

Ich habe nit geglaubt, daß man mir einen Vorwurf hätte machen wollen.

Im übrigen bin ih tatsächlich für jede Anregung, die ih in bezug auf die Verbesserung des Verkehrs bekomme, dankbar.

Zum Worte habe ih mich insbesondere nohmals gemeldet, um noch auf eins hinzuweisen, das ich vorhin vergessen hatte. Die Ver- hältnisse auf den Nebenbahnen werden sich vielleiht dadurch besser ge“ stalten, daß ein von mir beim Reichseisenbahnamt gestellter Antrag angenommen wird, daß gestattet werde, auch auf den Nebenbahnen mit einer Hchstgeshwindigkeit von 20 km in der Stunde zu fahren. (Bravo!) Dieser Antrag ist von den Vertretern sämtlicher Bundesregierungen genehmigt; er kommt demnächst an den Bundesrat, und sollte dieser dem Vorschlage zustimmen, so würde es voraussihtlih möglich sein, vielleiht {hon im nächsten Jahre in eine Umarbeitung des gesamten Fahrplanes einzutreten, bei dem wir dann für die Nebenbahnen eine Höchstgeshwindigkeit von 50 km zu Grunde legen können. Dadurch würde jedenfalls der durchaus berechtigten Beschwerde über die Langsamkeit der Nebenbahnen in vielen Fällen abgeholfen werden können.

__ Herr Dr. von Dziembowski: Die Erklärungen des Ministers find 1a sehr entgegenkommend und verpflihten zweifellos zu großem Dank, sie werden den besten Eindruck hervorrufen. Daß Kreisabgaben

! V ; / t \ A S o Z 11 d q 2 L »Ç. : A; VE ? \ «t g Güter besser verkaufen zu können, weil ein höherer Preis durch das | Steuern sind, wird man aber nicht bestreiten, und wenn die Kapitals

Hieraus mache ih den j Schluß, daß die Eisenbahn jedenfalls in der Bewertung des Geländes |! j so kann

Eisenbahn nicht als |

aufwendungen der Kreisverbände für Hergabe von Grund und Boden zu Nebenbahnen Summen erreiht haben, deren Verzinsung und Tilgung 10 9% Zuschlag zu den Kommunalsteuern erfordert, \ man wohl von einer reinen Steuer \prechen, zumal das Staatssteuersoll bei uns in den leßten Jahren nur sehr wenig gewachsen ist. Weiter muß betont werden, daß bei Größe unserer Landkceise die einzelnen Nebenbahnen in der Negel nur bestimmten Ortschaften und Interessenten Vorteile bringen und ein großer Teil der Steuerzahler des Kreisverbandes nicht interessiert 1, troßdem aber die Steuer mittragen muß. Darin liegt das Bedenken gegen die fortgeseßte Wiederholung der Forderung unentgeltlißer Hergabe des Grund und Bodens. Wenn man sagt, die Kreise hätten es ja in der Hand, mit den hauptsählih interessierten Personen zu verhandeln und sich die Hergabe zu sichern; so kann do ein Zwang in dieser Nichtung nicht geübt werden. Die Heranziehung einzelner Personen zu Präzipualletistungen ist auch untunlih; es findet tatsächlich also ein im Interesse der Sache durhaus unerwünshtes Handeln und Hin- und Herziehen ftatt. Daß die Kleinbahnen nicht

; L i: ; S | rentieren, möchte ih zum Teil doch auf das Verhältnis zur Staats lih auch Herrn von Dziembowski antworten, der von der Staats- +

regierung verlangt, daß die Verkehräverhältnisse in besserer Weise | berücksihtigt werden möchten. Wenn eine Nebenbahn gebaut wird, |

bahnverwaltung zurückführen. Die Frage der Ueberleitung, der Ab- fertigung und ähnliches sind ja wiederholt erörtert worden : könnte in dieser Beziehung die Eisenbahnverwaltung fich entschließen, den Klein- bahnen etwas mehr die Ellbogen frei zu machen, dann würde die Die Provinz

energische Förderung des Eisenbahnwesens Dank zu wissen, aber die

übermäßige Steigerung der Abgabenlast hat eine derartige Abwande- |

rung zur Folge, daß auch diefer Gesichtspunkt unter die allgemeinen staatspolitischen fällt und Berücksihtigung erfahren muß.

Ohne weitere Debatte wird darauf die Vorlage in ihren einzelnen Teilen und s{hließlich im ganzen angenommen.

Es folgt dann die allgemeine Beratung und Beschluß- fassung über die geschäftliche Behandlung des Geseß- entwurfs, betreffend die Verbesserung der Vorflut in dex Unteren Der, Davel Und Spree, und des Gesehentwurfs, betreffend Maßnahmen zur Ver- hütung von Hohwassergefahren in der Provinz Brandenburg und 1m Havelgebiet der Provinz Sachsen.

Herr Schlutow: Ich würde mich darauf beschränken, zu bean- trageñ, den ersten Gesezentwurf einer Kommission von 15 Mitgliedern zu überweisen, wenn ich nit als Pommer auf die {weren Be- denken, die im anderen Hause gegen den Modus der Verteilung der Lasten geltend gemacht find, hinweisen wollte, da eine Verständigung darüber zwischen den Provinzen Pommern und Brandenburg noh nit stattgefunden hat. Ich erkenne diese Bedenken voll und ganz an, aber anderseits würde ich bei einem Gesezentwurf, der fo ungeteilten Beifall in allen beteiligten Kreisen, Landwirtschaft, Industrie und Handel, gesunden hat, glauben, daß ih Mittel und Wege finden lassen werden, um zu einer Ver- ständigung zu kommen. Dies ist um so mehr zu erhoffen, als das Entgegenkommen des Staates hter sehr groß ist, da er, abweichend von der üblichen Verteilung ver Lasten auf Staat, Provinz und Inter- effsenten zu je einem Drittel, das Verhältnis von ‘/; zu '/; zugestanden hat, und das muß {wer in die Wagschale fallen. Jh freue mich außerordentli, daß durch diese Vorlage die großen, {weren Schädi- gungen, die über Jahrzehnte hinaus zu den größten Plagen in den betreffenden Gegenden geführt haben, endlih gehoben werden sollen. In dieser Vorlage wird endlich einmal ganze Arbeit gemacht und eine Negulierung des Odverstromes von der öôsterreihishen Grenze bis zur Münduyrg vorgenommen. Jch wünsche und erhoffe, daß die Kom- mission recht {nell eine günstige Erledigung der Vorlage finden möge.

Graf von der Schulen burg- Lieberose beantragt, den zweiten Gescgentwurf derselben Kommission zu überweisen.

Das Haus beschließt die Ueberweisung beider Vorlagen an eine Kommission; auf Vorschlag des Herrn Becker- Cöln werden die Kommissionsmitglieder sofort durch Akklamation gewählt.

Es folgt zum Schluß noch der mündliche Bericht der Agtrarkonälsfion über die Denkschriften über das H och- wasser im Oder- und Weichselgebiet vom Juli 1903 und über die staatlihe Hilfsaktion aus Anlaß von Unwettershäden im Jahre 1903. 5

Berichtestatter ist Graf von Setidliz-Sandreczki: Die Kommission beantragt, die Denkschriften durch Kenntnisnahme für ter- ledigt zu erklären.

Herr von Jerin: Jh vertrete den Kreis Neisse, der au shwersten durh_ die Kataftrophe von 1903 geschädigt worden ist Gs wird der Staatsregierung von Wert sein, zu erfahren, iu, wieweit die Hilfsaktion wirksam gewesen. Die Gegenüberstellun der Schäden und der Leistungen aus der Hilfsaktion gibt ej vollkommenes Bild dessen, was die Regierung mit ihren Mitteln erreicht hat. Der Schaden des Kreises Neisse beläuft si auf 3 Millionen Mark. Wenn man davon die Schäden abzieht, welche die leistungsfähigen Besißer erlitten haben, und nur die Schädigungen der Leistungsschwachen und Unbemittelten in Betracht zieht, \9 beläuft sih die Schadensumme, die zu der Hilfsaklion Anlaß ge- geben hat, auf 2020000 A Es sind dem Kreise Neisse zu- gekommen: geschenkweise vom Staat 327 000 #4, aus Sammlungen der Provinzen und Privaten 138 000 (6, zusammen 465 000 6 oder 23 9/0 des. Schadens der Leistungsshwahen und Unbemittelten Außerdem hat der Staat dem Kreise Neisse ein Darlehn von 800 000 A bewilligt, was 40 9/6 des Schadens ausmacht. Die \tagt. lihen und privaten Leistungen erreihen somit fast zwei Drittel dez Schadens der Schwachen und Unbemittelten. Jhre Majestät die Kaiserin hat bei Ihrer Anwesenheit im Uebershwemmungsgebiet im Kreise 10 000 X gespendet, aber nicht allein dies hat die Betroffenen mit Freude und Dankbarkeit erfüllt, sondern auch das milde, freund, liche Interesse, daß Allerhöchstdieselbe auch dem geringsten Mann ent, gegenbrahte. Die Erinnerung an die Anwesenheit Jhrer Majestät wird in der Beyölkerung unvergeßlih bleiben. Ich“ muß hier auch der außerordentlichen Hilfe gedenken, welhe die Garnison von Neisse, speziel das Pionierbataillon, namentliß bei Lebenz, rettungen, der Bevölkerung geleistet bat, und die eine An, erkennung an höchster Stelle dur Verteilung vieler Erinnerungs, medaillen gefunden hat. Wenn die staatliße und private Hilfe. leistung auch als eine ausreichende bezeihnet werden muß, fo wird man doh sagen müssen, daß die Rückzahlung des Darlehns von 890 000 4 davon abhängen wird, inwieweit der bevorstehende Hochwasserschuß Wiederholungen von Hochwasserschäbden hintenan halten wird. J zweifle niht, daß dieser Schuß ein wirksamer sein wird, und daß der größte Teil der Staatédarlehen zu der vorgeschriebenen Frist wird zurückgezahlt werden können. Sollte dics aber niht der Fall sein, so nöchte ih die Regierung bitten, ein weiteres Einsehen zu haben und cine Fristverlängerung zu bewilligen. Dem Finanzminister mödßte ih namentlih die Stadt Ziegenhals zur Berücksihtigung empfehlen, In der Presse und im anderen Hause hai man es so hingestellt, als ob die preußische Hilfsaktion der öôfsterreihishen nahgestanden habe, Ich glaube, kein Staat wird fo sorgsam regiert wie der preußishe, nirgends wird für die Bürger von der höchsten Spitze bis zum untersten Beamten so gesorgt wie bei uns. Ich habe mich aber persönlich mit den Behörden in Oesterreich in Verbindung gesetzt, und ih kann kon- statieren, daß die preußische Hilfsaktion bei weitem die planmäßigste und beste war und finanziell ebenso weit reihte wie die österreichische, Als Landrat des Kreises Neisse spreche ih aus praktisher Erfahrung,

Die Denkschriften werden für erledigt erklärt.

Schluß 4 Uhr. Nächste Sißung : Freilag, 2 Uhr. (Wild: schongesegz, kleinere Vorlagen, Petitionen.)

Parlamentarische Nachrichten.

Der Finanzminister, der Minister für Landwirtschaft 2. und der Minister der öffentlichen Ai beiten haben dem Herren- hause eine Nachweisung über die bis Ende Dezember 1903 zur Errichtung landwirtschaftliher Getreidelager- häuser bewilligten und verwendeten Beträge, sowie über den Fortgang und den Stand dieser Bauten unterbreitet.

Im Jahre 1903 ist der Bau der Getreidelagerhäuser in Nasten- burg (Ostpreußen), Münster (Westfalen), Fulda (Hefssen-Nafssau) beendet worden. Es sind nunmehr 36 Getreidelagerhäuser mit Mitteln des Kornhausfonds errihtet rwoorden, und zwar:

in Tilfit, Rastenburg (Oftpreußen), Pelplin (Westpreußen),

Anklam, Barth, Belgard, Callies, Colberg, Gramenz, Neustettin, Plathe, Pyrit, Stargard, Stolp. (Pommern),

, Janowitz, Louisenheim (Posen),

Neufalz a. O. (Schlesien), Berlin (Versuchékornlagerhaus), Halle a. S,., Nordhausen, Worbis (Sachsen), Badbergen, Einbeck (Hannover), Eißen, Münster, Soest (Westfalen), Bettenhausfen (Cassel), Fulda, Hanau, eiche, Zierenberg (Hefsen-Naffau),

Simmern (Rheinprovinz),

Ostrach (Hohenzollernshe Lande).

Für den Bau der Getreidelagerhäuser sind nah d Nachweisung 4 563 552,72 M bereit gestellt und 4 347 5 verwendet worden.

Die Mittel zu dem Bau des Getreidelagerhauses in Fulda sind unter den üblihen Bedingungen bewilligt worden.

Die Haferverkaufsgenossenschaft e. G. m. b. H. hat das zum Baue des dortigen Getreidelagerhauses Darlehn zurückgezahlt.

Das Getreidelagerhaus in Janowit hat, wie bereits im vorigen Verwendungsberiht erwähnt, die dortige Genossenschaft angekauft.

Das Getreidelagerhaus in Stolp ist am 20. Februar d. J. ab- gebrannt. Die Brandentshädigungsfumme mit 83 05,60 A fällt dem Fisfus zu, die Reste der Anlage und das Grundstück hat die dortige Genossenshaft für 52000 4 erworben. Der Abs{luß des Kau! vertrags steht bevor. Der Vertrag über die erstmalige Vermietung des Getreidelagerhauses in Zierenberg is am 31. März d. J. ab- gelaufen, während derjenige für das Getreidelagerhaus in Nordhausen am 14. Mai d. J. endet und die Verträge für die Getreidelagert- häuser in Anklam, Callies, Neusalz a. O., Einbeck, Hanau, Eißen an 30. Juni d. I. ihr Ende erreiden. Die Verhandlungen über dle fernere Nußzbarmahung dieser Getreidelagerhäuser sind ebenso ein geleitet worden, wie diejenigen für die Getreidelagerhäuser in Halle, Pelpltn, Barth, Belgard, Colberg, Gramenz, Neustettin, Pyritz, Swivel- bein, Stargard, Bettenhausen (Cassel), Hofgeismar, Hoheneiche, Soell, deren inzwishen verlängerte Mietêzeit in diesem Jahre abläusl Dabei ist darauf binzuweisen, daß die Pommersche landroirtschaftlide Hauptgenossenschaft e. G. m. b. H. in Stettin, die für die rechtzeilig? Erfüllung aller Vertragspflichten für die Getreidelagerhäuser in der Provinz Pommern haftet, in Barth als Mieterin eingetreten ist, well mit der dortigen Genossenschaft eine Verständigung über das ferner?

Falken burg, Schivelbein,

v Vosgetsmar, Vohen-

er vorliegenden 6,36 S bisher

in Badbergen hergegebene

" Mietsverhältnis nicht erzielt werden konnte.

Die beteiligten Genossenschaften wünschen die Getreidelagerhäu!e! anzukaufen. Diese Wünsche werden sih indes niht überall erfüllen lassen, da für einen Teil der Lagerhäuser der Grund und Bode, auf dem sie erbaut sind, aus betriebstehnishen Gründen von de! Eisenbahnverwaltung nicht auf die Dauer entbehrt werden kann.

Zur Fortseßung der Versuche mit der Lagerung des Getreide im hiesigen Versuchskornlagerhause sind unter Kapitel 12 Titel 9 Abschnitt B des Etats der landwirtschaftlichen Verwaltung für 1904 10 000 Æ bereit gestellt worden. Der Betriebsunternehmer ist hier! unter den bi¿herigen Bedingungen und in gleiher Weise bereit. i

Nah Ausscheidung des hiesigen Versuchskornlagerhauses, do anderen Zwecken dient, und der Per Ca pater in Rastenburs Münster und Fulda, für welhe das Ergebnis eines Betriebsjahr® noch nicht vorliegt, ist über den Betrieb und die Verwaltung der bleibenden 32 Getreidelagerbhäuser folgendes zu bemerken: 5 s

Die Betriebe vereinigten 8915 Mitglieder gegen 7952 1m g jahr. Die Mitglieder vermehrten si also um 963. Unter ihnen, L fanden sih 219 juristische und 8696 physische Personen. Auf eint?

zf 14 154

Ketrieb entfielen durchschnittlich 278 Mitglieder (im Von den physischen Personen hatten im Besitz : e ( 8 im Vorjahr) unter 2 ra 9 é von 2 bis O. DE 1446 as S ; A E 0 6 1476 (1185 ,„ O 100 E N Besi 7 L Gi viinat e ha und darüber, 2% Per}onen besaßen ketne Grundstücke, und von 3440 Personen die Besitverhältnisse nit angegeben worden. P li

Die Mitglieder hatten 92 236 (48 638 im Vorjahr) Geschäfts- anteile gezcihnet. Ihr Geschäftsguthaben betrug am Schlusse des Geschäftsjahres insgesamt 558 906 (A Auf jeden Betrieb entfielen durhsnittlih rund 1632 Geschäftsanteile mit rund 17 460 Æ

Die Haftsumme belief sich auf insgesamt 10091250 ( (9130 750 Ja im Vorjahr) oder auf durschnittlich rund 315 350 (294 540 Æ im Vorjahr) für jeden Betrieb.

Die Geschäfte der 32 Getreidelagerhäuser wurden in 24 Fällen dur den Betriebsunternehmer felbst, in 7 en durch die landwirt- schaftliche Zentraldarlehnskasse, in einem Falle von einer anderen Ge- nossenschaft geführt. 1

Bet 23 Betrieben sind die Mitglieder zur Einlieferung bezw. Andienung des von ihnen erzeugten Getreides verpflichtet, während hei den anderen 9 Betrieben ein solcher Zwang fehlt.

Nach dèn neueren Feststellungen beträgt der Fassungsraum der Getreidelagerhäuser insgesamt 47658 t oder durchscnittliß rund 1490 t für jeden Vetrieb. Es entfielen davon | i

24 766 t auf tie Siloräume, 21 692 t auf die Bodenspeider, 1 200 & auf die Rieselspeicher.

Das neu hinzutretende Getreidelagerhaus in Simmern hat nur Bodenspeicher. i ,

Dice Betriebskraft der Getreidelagerhäuser ist unverändert çe- blieben. Gs find 5 Dampfmaschinen, 16 Gasmotoren, 5 Elektro- motoren, 9 Benzin- und Petroleummotoren, 6 Spiritusmotoren auf- gestellt, die 907 Pferdekräfte erzeugten. :

Im Geschäftsjahr wurden in den Getreidelagerhäusern eingelagert :

gn m Lieferanten Görfulbe 2 800

(1 900) 3000 (2100) 1400 (1150) 2300 (1800) 1100+ - (880)

Vorjahr 257), oder gepachtet :

im Vorjahre

C 14 0ND ' ( 439292 ,), Gerte C2100 Hafer ( 248 979 ), fonstige ( 39858

landw. Erzeugnisse zuf. 10 600 (7 330) 1115499 dz (1214611 also für jeden Betrieb durhschnittlih von rund 8331 Lieferanten 34999 C. 89181 : Die Zahl der Lieferanten ist hiernach gegen das Borjabr ge- wachsen, die eingelieferten Mengen find aber zurückgegangen. Die Getreidclagerhäuser wurden durchschnittlih 24 mal belegt. i : Von der eingelagerten Menge wurde von den Betriel8unter

dz Weizen Noggen

n rund 356 765

0 yY u

nehmern angekauft oder zur genossenschaftlihen Verwertung ange-

nommen an: Weizen . Noggen Gerste Hafer A sonstigen landwirtschaft- lien Erzeugnissen 20420 (08049 J) gn Lagergebühren wurd, l agegen cingelagert an 4 D E, 590 dz (68701 dz im Vo! Mg r e O L E Gerste 64 , (19549 Hafer A « C4200. sonstigen landwirtschaft- lihen Erzeugnissen . 2000. O ) und hiervon 12939 dz Weizen, 6445 dz Roggen, 1392 az Gerste, 7645 dz Hafer, 170 dz fonstige landwirtshaftlihe Erzeugnisse dur die Cinlagerer ohne Vermittelung der Betriebs8unternehmer, der Rest aber dur die Betriebsunternehmer für die Einlagerer verkauft. Der Schwund betrug bet: i. B. L âz dz Weizen 1861 (1979) = rund 0,529/6 (0,639/6) der eingelagerten Mengen Roggen 3256 (2073) = ,„ 0,730/0 (0,479/0) E L Gerste 982 ( 415)= ,„ 0,500/6 (0,249/0) Hafer 1511 ( 613) = 0,88% (0,240/0) , Am Jahres\chluß lagerten in den Getreidelagerhäusern: für Rehnung der für Rechnung Betriebsunternehmer Einlagerer dz dz 15 744 16 052 98 703 11 678 0 239 140 18 806 5 707

277 875 dz (245 674 dz im Borjahre) 394 051 (O 98 322 (102008 148 785 (214 729

v J

u w

x )

jahre’ .”

) ) ) )

/ 1

Weizen

Roggen

Gerste .

E

Jon\lige landwirtschaftlihe Er- zeugnisse é i Ohre Einlagerung in den

21 Betrieben an:

4 364 Getreidelagerhäusfern

344

wurden von

Weizen . Roggen . Geiste Me, lonstigen land-

wirtschaftl.

Erzeugnissen umge}eßzt.

Zwei Betriebe befaßten sh nur mit der mietsweisen Einlagerung der Crzeugnisse, die anderen Betriebe lagerten solche teils gegen Miete, teils auf eigene Rechnung.

„„„Die angekauften oder zur genossenschaftlihen «Verwertung an- fenommenen Erzeugnisse wurden von 17 Betrieben sofort bar bezahlt, | en a1 Betriebe die Preise inere M logleid en 8 jer § iebe die Preise für kleinere Mengen v, Fm allgemeinen werden au diesmal die günstigen Erfolge bei dänaz arbeitung der Erzeugnisse, bei der Herstellung einer markt- 9 ngigen Ware und bei der Verwertung derselben arerkannt, vereinzelt

an hingewiesen, daß nicht immer aus dem feucht angelieferten D e eine gleihmäßige, allen Anforderungen entsprechende markt- Pedige, Ware hergestellt werden konnte, und daß die Kosten für die A ung des feuhten Getreides mitunter niht dur seine Wert- / erung gedeckt wurden. Anderseits wird aber auch hervorgehoben, N a in den Getreidelagerhäusern bearbeitete Getreide von Mühlen,

nders in Kahnladungen bevorzugt und zu höheren Preisen an- gekauft wurde. s landwirtschaftlichen Bedarfsartifeln sind beschafft worden: Qu ermittel , 350 239 dz (362 996 dz im Vorjahre)

«ngemittel / 584624 , (594255 , , 90,

treumittel 4841 , (2726 , , 2)

But 419001 (‘46429 , - Srennmaterial 363 444 ,, (553356 , und für 9956 Æ im Vorjahre) onslige land- wirtschaftliche

edarfsartitel landwirtschaft. liche Maschi-

nen u. Geräte

chnung

Borj. 50)

j Jo 958 ( 5 780)fkommissionsweise= 83 386 ( ; . 87 636 (12 930) E = 169 453 (14009) L = 24 919 (1300) )

/

Iz im Z i dz CLO dz dz um Borj.

N

. 11 844 (27 582) 8340 ( 4 136) = 37214 ( 100)

für eigene

250 ( 8 084) ¿ 14080 (=— ) 18

6506 und für 9290 Æ (57 275 dz

Di 434 Stü und für 2022 M. (88 Stück , B (2,3 0/ le Miete für die Getreidelagerhäuser brahte rund 2,41 % ,/0 (m Vorjahre) des aufgewendeten Baukapitals. Außerdem

wurde dem Erne f - 0 Anlagekapitals Raa nos, der 155450 M enthielt, 1% des

dz), |

4

dz), |

Von den in Betracht kommenden 32 Betrieben arbeiteten 16 mit Gewinn, 13 mit Verlust, 3 ohne Gewinn und Verlust. Die Er- pebnisse des Kornhausbetriebes allein konnten niht immer zuverlässig estgestellt werden. /

, Die Reserve- und sonstigen Betriebsfonds enthielten 339 786 M. (240561 Æ. im Vora, sodaß sih diese Mittel um 99225 M. gegen das Vorjahr vermehrt haben. _ Die Betrieböunternehmer sind im allgemeinen der Ansicht, daß sich di: gemeinsame und genossenshaftlihe Verwertung der landwirt- [chaftlichen Erzeugnisse bewährt hat und im wesentlihen die Vorteile brachte, welhe davon erwartet wurden. Es wird namentlich von fast allen Seiten darauf hingewiesen, daß sich in den mit Kornhäusern beseßten Gegenden für den kleinen Landwirt, der sein Getreide in geringen Einzelposten zu Markte bringt, die Verwertung wesentli gebessert habe, und daß der. frühere Preisunterschied zwischen den leinen, jeßt mit Kornhäusern ‘versehenen Marktorten und Cisenbahn- stationen und den größeren Marktpläßen ih zu Gunsten der Land- wirte wesentlih verringert habe. Auch den außerhalb des Unter- nehmens stehenden Landwirten sollen diese Verhältnisse zugute ge- fommen fein. Finanziell haben allerdings manhe Betriebe nit erfolgreih gewirlschaftet. Für diese Ersheinung werden von den Genossenschaften die verschiedensten Ursachen angeführt und ins- besondere : | 1) die Beschränkung des Geschäftsverkehrs auf den Kreis der Genossen, welche, den Absichten des Genossenschaftsgesetzes zuwiderlaufend, die freie Entwikelung der Unternehmen beeinträchtige und den Wettbewerb mit dem Handel er- __\{hwere; | ) die geringe Zahl der Mitglieder des Unternehmens, das niedrige Betriebskapital und der fehlende Lieferzwang. Fehler bei der Gründung der Betriebe, die eine ersprieß- liche Tätigkeit zurückhielten ; die unrichtige Abmessung der Naumrerhältnisse für die Ge- tireidelagerhäuser, die, mitunter über den Bedarf hinaus- gehend, die vollständige Ausnußung der Lagerhäuser yver- inderte und die Betriebe mit unwirtschaftlihen Ausgaben belaftete ; die Fehler bei der Wahl der einzelnen Maschinen, sei es in der Größe, set es in der Betrieb8weise, die die Rentabilität der Betriebe dauernd beeinflußten, nah den jeßt vor- R Erfahrungen aber hätten vermieden werden önnen ; ) die nasse Ernte des Berichtsjahres, die zur Bearbeitung des Getreides und zur Herstellung eincr marktgängigen Ware größere Anforderungen an die mashirellen Etn- richtungen ftellte und erhöhte Betriebskosten erforderte; die ungeübte Geschäftsléiturg, die in tehnisher und fkauf- männischer Beziehung niht immer genügte; die hohen Bau- und Betriebskosten einzelner Getreidelager- häuser mit maschineller Einrichtung, während einfache Lager- râume zur genossenschaftlichßen Lagerung und Verwertung

_ der Erzeugnisse genügt hätten.

__ Vie Gründe find im wesentlichen dieselbzn, wle geltend gemacht wurden.

Es mag zur Zeit dahingestellt bleiben, inwieweit: diefe zum Teil von den Ankbängern, zum Teil von den Gegnern der Kornhaus- bewegung geltend gemachten Gründe zutreffend und erschöpfend sind. Ist es ohnehin für den Staat nicht leichr, aus den in Betracht kommenden verwiÆelten wirtshaftlihen Verhältnissen heraus zu einem zutreffenden Urteile über die Ursachen, einerseits der Erfolge, ander- seits der Mißerfolge cines Teils der Kornhausgenossenschaften zu ge- langen, lo 1st dazu der gegenwärtige Zeitpunkt, wo überall die Ver- yandlungen über die Weiterverwertung der Kornhäuser {chweben, um [0 weniger geeignet. Denn es ist erklärlichß und entspriht dem Inter- esse der Genossenschaften, wenn sie in diesem Augenblicke dem Staate gegenüber die ungünstigen gegnerischen Urteile stärker zu betonen ge- neigt sind, als es bisher der Fall war. Anderseits mast sich neuer- dings an mehreren Stellen eine beahtenswerte Nachfrage wegen An- mtietung der staatlich errihteten Kornhäuser auch aus Kreisen geltend, die diesem staatlichen Versuche sonst ablehnend gegenüberstehen. Unter diesen Umständen wird das Urteil üb:x den Grfolg des ganzen Versuhs noch ausgeseßt bleiben müssen. Fmmerhin verdient es hervorgehoben zu werden, daß anscheinend im allgemeinen diejenigen Kornhäuser, bei denen das Nisiko des Staats ein verhältnismäßig geringes war, sei es, daß er nur ein Darlehn gegeben oder, unter Einbringung der Maschinen dur die Genossenschaft, dieser lediglich das Gebäude vermietet hat, fei es, daß die Genossenschaft frühzeitig den Ankauf beschlossen hat wirtschaftlich bessere Erfolge aufweisen, als diejenigen, die nur auf 5 Jahre gegen festen oder gar mit dem Rein- gewinn steigenden Mietszins vermietet waren und demna die Ge- nossenschaft nur mit einem zeitlih begrenzten Betriebsrisiko belasteten. Lebtere, an sih dem Versuchscharakter . des staatlichen Vorgehens am meisten entsprehende Betricbsform scheint also und darauf deutet au der Wunsch fast aller Genossenschaften nah käuflihem Erwerb der Kornhäuser hin dem geschäftlihen Bedürfnisse der vollen Selbstverantwortlihkeit des Betriebsunternehmers niht genügend zu entsprehen. Anderseits ist festzuhalten, daß trotz dieses und sonstiger aus dem Versuhs@arakter des Unternehmens hervorgehender Fehler do die meisten Kornhausgenofsenshaften offenbar niht nur mit dem gewünschten Erfolge der Verbesserung des landwirtschaftlihen Getreide- abfaßes, fondera auch finanziell befriedigend gearbeitet baben.

bereits früher

_Nr. 25 der „Veröffentlihungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts" vom 22. Juni hat folgenden Inhalt : Personal - nachrihten. Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten. Zeitweilige Maßregeln gegen Pest. Geseßgebung usw. (Preußen.) Choleraserum. Serayrüfung. Aerztlihe Prüfungen. Ver- tretung von Aerzten durch Studenten 2c. NRetitigung und Desinfektion von Personenwagen. Verzeichnis der Krankheiten und Todesu1 sachen. Vertilgung von Ratten in Seehäfen. Fleischbeschau. (Berlin.) Pilze. (Bayern.) Tetanusserum und Notlaufserum. (Hessen.) Biehseuchenstatistik. (Großbritannien.) Durchfuhr von Vieh. Gang „der Tierseuhhen im Deutschen Reihe am 15. Juni. Heitweilige Maßregeln gegen Tierseuhen. (Deutshes Reih, Anhalt, Rußland, Aegypten.) Verhandlungen von gesetzgebenden Körperschaften, Vereinen, Kongressen usw. (Baden.) Entwurf eines Gesebßes, betr. die Aerzteordnung. (Frankreih.) 7. internationaler Kongreß für Ohrenheilkunde. Vermischtes. (Deutsches Reich.) Sterblichkeit in Orten 2c, 1903 (nah Monaten). Desgl. in größeren Verwaltungsgebieten des In- und Auslandes, 1902. Wodchentabelle über die Sterbefälle in deutschen Orten mit 40000 und mehr Ein- wohnern. Desgleichen in größeren Städten des Auslandes. Erkrankungen in Krankenhäusern deutsher Großstädte. Desgleichen in deutschen Stadt- und Landbezirken. Witterung.

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs- maßregeln.

Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten.

(Aus den „Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts“, Nr. 25 vom 22. Juni 1904.)

/ Pest.

Aegypten. Vom 28. Mai bis 4. Juni find insgesamt 14 neue Erkrankungen (und 8 Todesfälle) an der Pest gemeldet, davon 4 (1) in Alexandrien, 4 (1) im Distrikt Bibeh, 2 (4) im Distrikt Dechneh, 2 (1) im Difstr. Samallut, 1 (1) in Zagazig der Provinz Scharkieh und 1 (—) in Port Said; ferner desgleichen vom 4. bis 11. Juni insgesamt 44 (15), davon

21 (1) im Distr. Nag-Hamadi der rovinz Keneh, 14 (7) in Zagazig, 3 (2) im Distr. Samallut, 2 (—) im Distr. Bibeh, 3 (4) in Alexandrien und 1 (1) in Port Said. Aden. Seit dem 13. Juni gilt Aden wieder für pestverseuht, nachdem dort ein frisher Pestfall festgestellt worden ift. hina. In dem Gebiete von Kwang-Ts\hou-Wan sind vom 24. Mai bis 5. Juni 374 Todesfälle an der Pest bei Ein-

geborenen gemeldet.

Hongkong. Seit Anfang April d. J. hat die Zahl der Er- krankungen an Pest in Hongkong beträhtlih zugenommen. Während der 6 Wochen von Ende März bis 7. Mai wurden nacheinander 3—3—3——20—29, zusammen 68 Pestfälle gemeldet, nahdem im Januar kein Pestfall, im Februar 3 und im März deren 2 fest- gestellt waren. _

,_ Britisch-Südafrika. Aus Johannesburg wurden in der Zeit vom 15. bis 20. Mai 2 neue Erkcankungen und 1 Todesfall an der Pest gemeldet. Im ganzen sind seit dem Ausbruch der Seu im Bezirk Johannesburg 125 Personen erkrankt (86 gestorben), im Bezirk Germiston 7 (2), im Bezirk Krugersdorp 1.

Mauritius. In der Zeit vom 8. April bis 5. Mai sind auf e U 3 Erkrankungen und 3 Todesfälle an der Pest gemeldet

vorden.

Brasilien. In Rio de Janeiro sind vom 25. April bi 22. Mai 2 Pesterkrankungen angezeigt N E i Queensland. Während der ersten Maiwoche wurden in Brisbane 2 neue Pestfälle gemeldet, von denen 1 tödli verlief ; im April sind dort nach den amtlihen Wochenausweisen insgesamt 6 Erkrankungen und 2 Todesfällefestgestellt: von 1798 bafteriologisch untersuhten Ratten wurden 34 pestverseucht befunden, davon 11 in der leßten Aprilwooche.

Cholera.

Türkei. Nah dem Wochenausweise Nr. 19 über den Stand der Cholera sind 51 weitere Erkrankungen (und 41 Todesfälle) an der Cholera festgestellt, darunter 16 (12) in Bassra vom 22. bis 27. Mai, 20 (16) in Divanieh vom 18. bis 24. Mai, 5 (7) in Hanegin vom 19. bis 29. Mat.

Nach dem Auêweise Nr. 20 vom 6. Juni sind weitere 361 Er- krankungen (und 210 Todesfälle) vorgekommen, davon 31 (18) in Bassa, 25 (15) im Lazarett zu Salahieh, 12 (5) in Hanegin, ferner 157 (97) in Scha mieh und Umgebung, 49 (28) in Suk -el- Schiuk und Umgebung. Die Gesamtzahl der seit Ausbruch der Seuche festgestellten Erkrankungen (Todesfälle) betrug darnah 1008 (733).

Persien. Aus Kermanshah wurden am 25. Mai 28 Er- trankfungen und 28 Todesfälle an der Cholera mit dem Hinzufügen gemeldet, daß die Seuche auch in mehreren Bezirken der Umgegend sich verbreitet habe, daß es aber unmöglich sei, aus diesen Bezirken Angaben über die Zahl der Erkrankten und Gestorbenen zu machen. Von den Bewohnern der Stadt Kermanschah follen mehr als zwei Drittel aus Furht vor der Seuche in umliegende Ortschaften aus- gewandert sein.

Zufolge einer weiteren Mitteilung vom 4. Juni ist die Cholera allmählih von Kermanschah gegen Teheran vorgerückt. Aus Ha- madan wurden zur Zeit täglih etwa 20 Cholerafälle gemeldet, von denen ungefähr die Hälfte tödlih verlief; an der türkishen Grenze soll die Seuche außerordentlih heftig auftreten, die meisten Er- krankungen führten angeblich binnen wenigen Stunden zum Tode.

Gelbfieber. Gs gelangten zur Anzeige inRio de Janeiro vom 11. bis 17. April 6 Erkrankungen (und-2 Todesfälle), in Coatzacoalcos vom 11. bis 17. Mai 3 (1), in Merida vom 1. bis 14. Mai 3 (0), in Progrefo vom 29. April bis 5. Mai 1 (0), in Tehuantepec vom 12. bis 14. Mai 3 (0), in Vera Cruz vom 11. bis 21. Mai 3 (0); ferner wurden in Guayaquil vom 17. April bis 4. Mai 5 Todesfälle

gemeldet. In Rio de Janeiro sind vom 25. April bis 22. Mai 8 Per- Pocken.

sonen dem Gelbfieber erlegen.

Deutsches Reich. Jn der Woche vom 12. bis 18. Juni tamen im Kreise Diedenhofen-West (Bez. Lothringen) in den Ortschaften Algringen 4 Potenfälle, Hayingen, Kneuttingen und Nilvingen je 1 Fall zur Anzeige; fämtlihe Erkrankte wurden in das Alagringer Krankenhaus gebracht.

_ Hongkong. In der Zeit vom 27. März bis 7. Mai kamen 28 Poenfälle in Hongkong zur Anzeige, gegenüber 15 während der ersten 3 Monate des laufenden Jahres.

: Fledckfieber. „Spanien. In Madrid sind im Mai nah den amtlichen Ausweisen neben 21 Sâllen von typhösem Fieber noch 87 Fälle von „anderen ansteckenden Krankheiten“ festgestellt worden. i

Verschiedene Krankheiten.

Pocken. Glasgow 3, Moskau 9, St. Petersburg 2, Warschau 21, Konstantinopel (vom 23. Mai bis 5. Juni) 8 Todesfälle; Antwerpen (Krankenhäuser), Edinburg je 2, London (Krankenhäuser) 21, Paris 10, St. Petersburg 15, Warschau (Krankenhäuser) 33 Erkrankungen ; Varizellen: Reg.-Bez. Arnsberg 76, New York 68, Wien 81 Er- krankungen; Fleckfieber: St. Petersburg 11, Warschau (Kranken- häuser) 8 Erkrankungen; Nückfallfieber: St. Petersburg 3 Todes- fälle, 32 Erkrankungen ; Genidckstarre: New York 809 Todesfälle Brechdu rh fall: Nürnberg 19 Erkrankungen; NRotlauf: Buda- pest 23, Wien 30 Erkrankungen; epidemische Ohrspeichel- druj]enentzündung: Wien 56 Erkrankungen; Influenza: Berlin 3, Budapest, Kopenhagen je 2, London 4, Moskau 2, New York 8, St. Petersburg 6 Todesfälle ; Kopenhagen 20, Stockholm 25 Erkrankungen; Keuchhusten: London 28 Todesfälle : Reg.-Bez. Schleswig 91, Hamburg 28, Kopenhagen 64, Wien 26 Erkrankungen; Lungenentzündung: MReg.-Bez. Schleswig 29, Nürnberg 14, Kopenhagen 23 Erkrankungen; kontagiöse Au enentzündung: Reg. - Bez. Arnsberg 17 Erkrankungen; Krebs: Berlin 38, Altona 4, Danzig 2 Todesfälle; Ankylostomiasis: RNeg.-Bez. Arnsberg 61 Erkrankungen. Mehr als ein Zehntel aller Ge- storbenen starb an Masern (Durchschnitt aller® deutschen Berichts- orte 1886/95: 1,159/0): in Barmen, Duisburg Erkrankungen wurden angezeigt in Berlin 19, Breslau 92, in den Reg.- Bezirken Arnsberg 172, Düsseldorf 91, Lüneburg 223, Posen 127, Schleswig 282, Stettin 118, in Nürnberg 72, Hamburg 103, Buda- pest 148, Christiania 20, Kopenhagen 74, New York 1107, Paris 305, St. Petersburg 181, Wien 804; ferner wurden Erkrankungen emeldet an Scharlach: in Berlin 36, in den Reg.-Bezirken Arns- erg 87, Düsseldorf 104, in Hamburg 23, Budapest 83, Kopenhagen 24, London (Krankenhäuser) 193, New York 312, Paris 66, St. etersburg 51, Wien 40; desgl. an Diphtherie und Kruvp: in Berlin 33, im Neg.-Bez. Düsseldorf 145, in Hamburg 33, Budapest 32, London (Krankenhäuser) 88, New York 376, Paris 84, St. Petersburg 59, Wien 111: desgl. an Unterleibstyphus: in New Ydork 22, Paris 32, St. Petersburg 34.

Schweden.

Nach einer Bekanntmachung des {wedischen Kommerzkollegiums vom 15. d. M. ist das Großherzogtum Oldenburg als von Not oder Springwurm (mallous humidus vel farcieniuosus) befallen erklärt worden.

Verdingungen im Auslande.

Schweiz.

Bis 25. Juli 1904. Kantonales Finanzdepartement in Solo - thurn: 18 Waggons: Flammkohlen und 13 Waggons Ruhrkoks, Körnung 80/100 mm und 60/80 mm, für die staatlichen Anstalten des Kantons Solothurn für das 11. Semester 1904. Angebote find mit Angabe der Preisansäße pro Waggon zu 10 000 kg franko Station Alt-Solothurn oder Olten einzureichen.