1904 / 170 p. 17 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Bergrat Gothein-Breslau, M. d. R.: Meine Herren! Jch glaube ja vollständig, daß das Kartell auf die Lohnhöhe “der in den fartellierten Drahtwalzwerksbetrieben beschäftigten Arbeiter keinen Einfluß gehabt hat, wenigstens keinen nach-

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samten Jnteressen des Drahtgewerbes ins Leben zu rufen. b es uns gelingen wird, das weiß ih nicht; jedenfalls sind wir eifrig bemüht, ni<t nur in unserm Interesse, sondern im allgemeinen Jnteresse und nicht zum wenigsten in demjenigen

Flußeisendraht“ zu syndizieren. Der Einfluß der reinen Draht- ziehereien kann hierbei kaum in Frage kommen. Die Mög- lichkeit, Klagen und Wünsche bei einem Organ i< möchte sagen offiziell im Walzdrahtverband vorzubringen, existiert

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verkaufspreises für gezogenen Draht gegenüber Walzdraht.

Monats per Kasse bezahlt mit 11/,0/, Skonto oder gegey Die Spannung war in der ersten Zeit sehr gering, sie betrug

Dreimonatakzept. Meine Herren, diese Bedingungen wurde bald geändert; es hieß einfach: per Kasse am 15,

bewerb der einzelnen deutshen Werke untereinander sehr her- untergedrü>t waren, zunächst wieder etwas in die Höhe zu

bringen. Es ist das auch einigermaßen gelungen. Die | nur 5 H für die Tonne über dem Walzdrahtpreis, die sich ; | : f : i LY i : / | Spannung zwischen dem Jnlands- und Auslandspreise ist | unsere Verbandswerke, welche gezogenen Draht verkaufen, | folgenden Monats. Wenn Sie nun berücksichtigen, daß wir M 0 leider bei der geringen Fühlung zwischen Verband und | unserer Abnehmer dieses Ziel zu erreichen. : teiligen, eher einen vorteilhaften, wie Herr Springmann aus- jedenfalls auf ein geringeres Maß gebraht worden, als es | einzuhalten verpflichteten und wozu wir auch unsere Abnehmer | unserer Kundschaft diese Bedingungen nicht aufzwinge, Y Lerbrauchern nicht. Da hieß es stets: Ja, wartet nur ab, Bergrat Gothein-Breslau, M. d. R.: Herr Spring- | geführt hat. Das schließt aber nun in keiner Weise aus,

wir müssen no< lernen im Verbandswesen, das ist alles ein | mann hat soeben besonders betont, daß es nit die „reinen“ | daß in den benachteiligten anderen Fabrikationszweigen, die

konnten, so geht daraus soviel hervor, daß nun für viel Drahtziehereien ein außerordentli<h drückender Zustand war denn er verlangt ein höheres Betriebskapital; ih weiß sehr viele Fälle, wo gerade diese Zahlungsbestimmungen außer: ordentlih drückend gewirkt haben. Nun will ih aus dey Erfahrungen, die ih in meiner eigenen Fabrik gemacht hahe die Sachlage weiter darstellen; ih rede ganz vertraulich, Als das Walzdrahtsyndikat im Jahre 1897 sich gebildet hatte, habe ih damals Schiffsladungen deutschen Drahtes getauft zu 111 #4 franko Schiff Wesel; das war deutscher Draht, der von einem ausländischen Händler für das Aus land gekauft war, er ging den Rhein herunter und blieb bej Wesel hängen. (Heiterkeit.) Die Fraht vom Einschiffungs- punkte, nah Antwerpen oder Notterdam, ist dieselbe wie na Wesel. Jh will Jhnen durch diese Mitteilung nur zeigen wel< unhaltbarer Zustand die Errichtung des Walzdraht- syndikats den rheinischen Ziehereien brachte. Die Mitglieder des Walzdrahtsyndikats verkaufen Walzdraht der ausländischen Konkurrenz ungeheuer viel billiger, als das Walzdrahtsyndikat uns hier im Jnlande den Walzdrahtpreis festsegte.

Die deutschen Drahtziehereien wurden also dur die Gründung des Walzdrahtsyndikates vollständig lahm gelegt,

verpflichteten. Jm Interesse der reinen Ziehereien hat dann das Deutsche Walzdrahtsyndikat sih bemüht, diese Schußzwehr zu verdoppeln, also auf 10 M. die Tonne. Mehr zu erreichen war nicht möglich, obwohl seitens der reinen Ziehereien dieser Saß als zu niedrig bezeihnet wurde. Wir haben uns mit dem Erreichbaren begnügt, weil wir uns gesagt haben, ein gewisser Shug ist immer besser als gar keiner. Jn dem neuen Walzwerkverband sind die Walzwerke mit Ziehereibetrieb durchaus nicht günstig gestellt; um dies näher darzulegen, muß ih auf eine Organisationsfrage bei uns eingehen: So- bald der Absay an Walzdraht, also der eigentliche Verkauf, nicht die Höhe des Arbeitsanspruchs sämtlicher Verbandswerke erreicht, haben sämtlihe Verbandswerke ihre Produktion ein- zuschränken und dadur werden ganz besonders die Zieherei- betriebe betroffen, die mit Walzwerken verbunden sind. Sie haben sehr ernste Klagen über diese Bestimmung geführt, welche den Erfolg hat, daß den reinen Ziehereibetrieben mehr Arbeit zufällt. Das hat ih in vielen Fällen darin gezeigt, daß im Laufe des Vierteljahrs dur<h Mehrbestellungen der reinen Ziehereien die Arbeit fo zunahm, daß die an- fänglih verfügte Produktionseinschränkung wieder aufgehoben werden konnte.

nun ihren Walzdraht infolge des Kartells um so teurer kaufen mußten, die Arbeitsverhältnisse sich verschlechtert haben, daß also der Erwerb der Arbeiter in der Drahtzieherei und in der Stiftefabrikation zurückgegangen sein könnte infolge teuerer Materialpreise, der billigeren Materiallieferung an das Aus- land und der infolge der dadur ershwerten Konkurrenz dem Auslande gegenüber; es wäre wünschenswert, daß die Herren aus diesen Industrien sich vielleicht auch darüber äußerten. Fabrifbesizer Krieg -Wesel: Jch kann darin dem Herrn Vorredner nicht zustimmen. Nach meinen Erfahrungen haben sich die Löhne in den Betrieben der reinen Drahtzieherei genau in derselben Weise gehoben wie in den kartellierten Be- trieben. Jch kann annehmen, nah meinen eigenen Erfahrungen, daß wir von dem Jahre 1897 oder 1896 bis heute durch- shnittlih eine Steigerung der Löhne haben von 10 bis 159/ Das ist ein Moment, das auch für die reinen deutschen Drahtziehereien sehr ungünstig ist. Nehme ih meine nächsten Nachbarn bei Helmond in Holland die Verhältnisse sind mir genau bekannt die dortigen Drahtziehereien arbeiten seit vielen Jahren, längst ehe wir Kartelle in der Draht- industrie hatten, viel günstiger als wir, sie haben sehr viel niedrigere Löhne, keine sozialen Lasten und haben deutschen

vorher der Fall way mit Ausnahme selbstverständlich der Zeit der Hochkonjunktur, in der die Auslandspreise tatsächlih die Jnlandspreise für einige Zeit überstiegen.

Die erste Jnlandspreisbestimmung des Verbandes Deutscher Drahtwalzwerke gründete sich auf den Saß, den der Verband übernommen hatte von seinem Vorgänger, von dem Deutschen Walzdrahtsyndikat; es war das der Preis von 125 M6, Der dann infolge erhöhter Halbzeugpreise im Februar 1902 auf 130 M erhöht, im September 1902, als das Geschäft im Laufe des Sommers wieder zurü>gegangen war, aber auf 120 M. herabgeseßt wurde. Dieser Preis blieb vom Sep- tember 1902 das ganze Jahr 1903 hindurch in Kraft, wurde ab 1. Januar 1904 auf 112,50 #{ ermäßigt, um aber Anfang Mai d. J. wieder auf die ursprüngliche Höhe von 120 M. gebracht zu werden.

Kommerzienrat Kantorowicz-Posen: Meine Herren! Jh möchte hier eine Frage zur Sprache bringen, die wahr- scheinlih nachher bei den Verhandlungen über das Drahtstift- syndikat ebenfalls zum Vorschein kommen wird und die ich schon in den Dezemberverhandlungen bei dem Halbzeug er: wähnt habe; ih glaube, sie gehört jeßt hierher. Mir liegt daran, und gewiß wird au< der Allgemeinheit daran

Drahtwalzwerke gewesen seien, welhe das Zustandekommen eines Syndikats oder Verbandes der Fabrikanten gezogener Drähte verhindert haben. Jch möchte mir nun erlauben, die Frage zu stellen, ob es vielleiht die „gemishten“ Werke waren, die das „Zustandekommen dieses Syndikats der ge- zogenen Drähte gehindert haben. Wir haben ja ähnliche Er- scheinungen bei früheren Kartellen gehabt, wo es z. B. die gemischten Werke, welche eigenes Halbzeug hatten, verhinderten, daß der Stabeisenverband zustande kam, und wir könnten ja annehmen, daß dasselbe Interesse der gemischten Werke des Halbzeugverbandes, im Stabeisenverband ein Ventil zu haben, auch hier maßgebend gewesen sein könnte, daß also auch hier die gemischten Werke tatsähli< daran {huld gewesen wären, daß der Verband der gezogenen Drähte nicht zustande ge- kommen ist. Jedenfalls halte ich es für wünschenswert, darüber eine Aufklärung zu erlangen.

Fabrikbesißer Springmann-Hagen i. W.: Meine Herren! Ich habe ja eben bemerkt und zwar als Leiter eines reinen Drahtwalzwerks —, daß wir das fortgeseßt befürwortet haben, und ih möchte wohl sagen, bei allen Interessenten is derselbe Wunsch auh maßgebend. Aber, meine Herren, wie das ge- wöhnlich so ist, ein Syndikat muß si< aufbauen auf Pro-

Uebergang. Meine Herren, wenn Sie sehen, daß dieser PVebergang {on sieben Jahre dauert, dann kommt mir dieser Uebergang so vor, als ob der Hahn zum Regenwurm sagt, wie er ihn vershlu>te: Es ist nur ein Uebergang. (Heiterkeit)

Fabrikbesißer Springmann - Hagen i. Westf. : Meine Herren! Um auf die einzelnen Bemerkungen des Herrn Vor- redners einzugehen, so hat er zunächst gesprochen von den Verkaufsbedingungen und die Klage vorgebraht, daß das Syndikat mit der Zeit seine Bedingungen sehr verschärft hat. Jh kann diese Klage durchaus verstehen, und Sie gestatten mir, daß. ih in diesem Augenbli> nicht als Vertreter des Syndikats, sondern als Produzent sprehe. Jch teile die Härte der neuen Bedingungen mit dem geehrten Herrn Vor- redner, denn mir geht es genau so. Wie der Herr Vorredner am 15. des folgenden Monats seine Bezüge netto Kasse be- zahlen muß, so sind wir Walzdrahtproduzenten ih sage bedauerlicherweise gezwungen, schon am 15. des der Lieferung folgenden Monats unsere Bezüge an Kohlen, an Noheisen, an Halbzeug und überhaupt an allen Rohstoffen netto Kasse be- zahlen zu müssen. Und, meine Herren, wenn ih als Pro- duzent gezwungen bin, meine Bezüge netto Kasse frühzeitig zu bezahlen, dann muß ih auf der anderen Seite auch dafür

liegen, do<h einmal zu fragen: wie stellt sih der Walzdraht- Fabrikbefißzer Springmann - Hagen i. W.: Meine sowohl gegen die Konkurrenz der gemischten Drahtwerke, a[g M 4 Aa 0 E L El [U D 0 muß P 0 Cl l l Iden Deul verband zu den gemischten Werken und zu den reinen Draht- Herren! Auf die Frage des Herrn Kommerzienrats Kantorowicz | gegen diejenigen der ausländischen Ziehereien. jorgen, daß meine Außenstände rühzeitig Hereinkommen. S duktionseinshägung, und das ist ein sehr, sehr schwieriger Walzdraht stets billiger gekauft als wir. Die statistischen giehereien. Sie wissen alle, daß es Werke gibt, das brauche eingehend, mache ich darauf aufmerksam, daß im Syndikat, Als sih dann später der Drahktstiftverband bildete, suchte F war es die logische Folge, daß wir die weniger scharfen | Punkt. Es gibt eine Reihe von gemischten Werken, die sich Disern für Helmond sind gewiß nicht zu hoh, sondern eher

; Verkaufsbedingungen abgeändert haben, weil uns die neuen Be- ausgedehnt haben und die auf Grund dieser Ausdehnung so | zu niedrig. Nach meinen eigenen Erfahrungen beträgt der

das Walzdrahtsyndikat diesen möglichst zu s{hügen, indem es alie Stiftfabriken, die dem Verbande nicht beitraten, vom Drahtbezug aus\<{loß.

Jh persönlih war damals am Stiftdrahtgeschäft nit beteiligt, aber i< weiß, daß in Altena viele Biehereien waren, die dadurch ihre früheren Stiftdrahtkunden vollständig verloren.

Entweder konnten diese Ziehereien bei dem hohen Walz- drahlpreise niht mehr mit den gemishten Werken konfurieren, oder aber ihre früheren Stiftdrahtkunden traten dem Verbande nicht bei, und dann konnten sie denselben auh nicht mehr

liefern.

| Die Lage der Drahtzieherei war damals eine verzweifelt, F nachgewiesen habe, Walzdraht seitens der deutschen Draht- Sie hatte zur Folge, daß man zu einer Verständigung zu | walzwerke in größeren Mengen ausgeführt worden. Wenn kommen suchte. Jch glaube in Cöln wurde eine Stiftdrahts- nun der Herr Vorredner Gelegenheit gehabt hat, einen solchen skala ausgearbeitet und versucht, den früheren Absaß zwischen Draht, der also dem Kaufer wohlverstanden [ur die Ausfuhr den gemischten Werken und den reinen Drahtziehereien wieder verkauft worden ist, wieder zur inländischen Verarbeitung zu auszugleichen. faufen, meine Herren, so ist das im „Fnlkeresse der Jndustrie Der Erfolg ist wohl glei<h Null gewesen. sehr zu beklagen, und der betreffende Lieferant des geehrten Später spißten sich diese Verhältnisse sogar no<h weiter Yerrn Vorredners hat sich gerade nicht ehrenvoll in dieser Jh belege das wieder durch einen Fall meiner Sache gezeigt. Nun, meine Herren, diese Möglichkeit hört ja

wie Sie ja hon gehört haben, vertreten sind die reinen Walzdrahtwerke, die ausschließli<h Walzdraht verkaufen für die reinen Drahtziehereien, und die gemischten Werke, die mit

Tagelohn in Helmond 60 bis 70 Centimes durs<nittli<. Seit vielen Jahren kämpfen wir Drahtzieher für Erhaltung unserer Exportfähigkeit. Das ist der wichtigste Punkt in der ganzen Kartellfrage; wir haben immer sehen müssen, daß unsere ausländische Konkurrenz, wie in Helmond ih könnte viele andere im Auslande anführen tatsächlich seit vielen, vielen Jahren ihr Rohmaterial ganz außerordentlih günstiger kaufen als wir. Ja, meine Herren, wir stehen hier vor großen Schäden, wir tragen die sozialen Lasten, und es ist durchaus berechtigt, daß Deutschland dur< Zollshuß diese sozialen Lasten au< aufbringen kann. Deshalb halte ih es für so außerordentlich verwerflih und <hwerwiegend für unser ganzes Volkstum, wenn gerade gegen unsere Zollgeseßgebung Sturm gelaufen wird. Die großen Lasten, die wir tragen für unsere soziale Geseßgebung und für Erhaltung unserer Volksfraft, müssen wir ganz allein tragen, das Ausland nimmt sie uns ni<ht ab. Aber, meine Herren, wir verlangen gerade von dem Standpunkt der reinen Drahtziehereien aus: wir müssen exportieren können. Es wird jeßt immer betont, daß man die deutschen weiterverarbeitenden Jndustrien . hüten und

ih Jhnen ja nicht zu sagen, die nur Walzdraht fabrizieren; es gibt aber au<h welche, die Walzdraht fabrizieren und daraus gezogene Drähte machen, und endlich gibt es eine ganze Anzahl von Drahtziehereien, die den Walzdraht kaufen. | der Walzdrahtfabrikation Fertigfabrikation verbinden. Nun Jn welcher Weise wird der Preis festgeseßt a. für die ge- | liegt es ja nahe ih denke, das war wohl der Kernpunkt mischten Werke, daß sie gewissermaßen ihren Kalkulationen der Bemerkung des Herrn Kommerzienrats Kantorowicz den von den Walzdrahtwerken festgeseßten Preis zu Grunde | zu glauben, daß, wenn die Preisfestlegung stattfindet, die legen, b. für die Drahtziehereien? Jch glaube, daß das eine | gemishten Werke sih veranlaßt sehen möchten, für recht sehr wichtige Frage ist; denn alle Bestrebungen, die geschehen | hohe Preise zu stimmen, um ihren Konkurrenten, den reinen sind, um die Preise für gezogene Drähte zu bessern, sind bis- | Drahtziehereien, den Brotkorb etwas höher zu hängen. Meine her ziemli erfolglos geblieben, und i< glaube, sie scheitern | Herren, diese Auffassung würde absolut fals<h sein, und ih daran, daß dieses Verhältnis, wie ih es hier erwähnt habe, | halte es für meine ernste und zugleih angenehme Vflicht als nicht in einer richtigen oder, will i< lieber sagen, nicht in der | Vorsißender des alten Walzdrahtsyndikats ausdrü>lih hier Art behandelt worden ist, daß eben da in jeder Weise die | zu bemerken, daß es wiederholt vorgekommen ist, wenn es Möglichkeit ist, zu existieren. | fih darum handelte, die neuen Preise festzuseßen, daß die Fabrikbesiger Springmann-Hagen i. W.: Meine Herren! | gemischten Werke und ganz besonders die allergrößten Jh möchte im Anschluß an die Bemerkungen des Herrn | zu Protokoll erklärt haben: Wir sind aber gegen die jetzt Direktor Moser mir gestatten, nohmals zurüctzukommen auf | beschlossene Preiserhöhung. (Sehr richtig!) Meine Herren! Es geht also daraus hervor, daß die

die damals in der Presse laut gewordenen Klagen, dahin- gehend, daß, während ein Mangel im Jnlande herrschte, das | gemishten Werke bei Preisfestseßungen keineswegs bestrebt

hohe Anspruchsziffern verlangen, daß es infolge dessen das ist der maßgebende Punkt noh nicht möglih gewesen ist, den Verband der gezogenen Drähte ins Leben zu rufen.

Kommerzienrat Wiethaus-Hamm: Jch möchte zu den Ausführungen des Herrn Springmann und des Herrn aus Wesel nur eine kurze Bemerkung machen. Die Syndikate, sowohl das Deutsche Walzdrahtsyndikat wie der Verband Deutscher Drahtwalzwerke, erachten es als einen ganz besonderen Vorzug, die bis dahin in Deutschland leider \o außerordentlich willkürlihen Zahlungsbedingungen endli<h einmal geregelt zu haben.

Vorsizender: Das Wort ist weiter nicht verlangt worden zu Frage 10, ih nehme an, daß wir zu Frage 11

dingungen vorher von unseren Rohstofflieferanten vorgeschrieben worden sind.

Dann hat der geehrte Herr Vorredner gesprochen von den günstigen Verhältnissen, die \#. Zt. für ihn bestanden haben, als er unter dem alten Syndikat in der Lage gewesen ist, für den Erport von ausländischen Händlern gekauften Walzdraht zu einem billigeren als dem Syndikatspreise zu faufen. Ja, meine Herren, ih haite schon vorhin die Ehre, auszuführen, daß es nicht der geringste Mangel des Walz- drahtsyndikates gewesen ist, daß die Ausfuhr damals nicht syndiziert war, und so ist ja, wie ih auch aus der Statistik

übergehen fönnen: Mit welchem Erfolge hat das Kartell eine Ein- wirkung auf die Preisgestaltung der zur Herstellung der syndizierten Erzeugnisse benötigten Rohstoffe und Halbfabrikate angestrebt ? Diese Frage ist ja in früheren Kartellverhandlungen schon vom umgekehrten Standpunkt aus behandelt worden, und ich

Ausland von Deutschland aus mit Walzdraht versorgt wurde. | gewesen sind, den reinen Drahtziehereien das Leben zu er- | zu. eigenen E E, dis Vial f F 2900/1 j ; Pun d n E ? 9 c F , , ° - - 4 6 , 7 , c G L E - e E. z M L Z e G , ü o R 1Yr A1 2110p No . , - L R E 9 S Nun gebe ih ja gerne zu, daß es nit einer der geringsten | s<hweren. Jm Gegenteil, es ist wiederholt der Fall gewesen, | Praris. Es wurde vom Walzdrahtsyndikat nicht nur die F auf, Us 10A R E e E a der | weiß nicht, ob sie damals erschöpfend behandelt worden ist, | heben 1 E rah endlih für em L : Herr Vorredner wird also solchen Draht nicht wieder bekommen wir exportieren müssen, dieselben Bedingungen wie dem Aus-

Mängel des alten Walzdrahtsyndikates gewesen ist, daß die | daß ste gesagt hoben, die Vorschläge bezüglich einer Neu- Lieferung von Stiftdraht an Outsiders und an Händler ver- oder ob no<h weitere Bemerkungen dazu unsererseits zu machen es i : S 2 lande. ‘Mehr wollen wir gar ni<ht! Das i} der wunde

Ausfuhr nicht syndiziert war. An den Bestrebungen, die Aus- | festsezung des Preises erscheinen uns nicht richtig hinsichtlich boten, welche den Outsiders Stiftdraht geliefert hatten, sondern gen, der R A, E gejagt, E worden ist | sind. Herr Krieg hatte fich zu Frage 10 und 11 gemeldet; Nunkt E ia bilien Sans L R fuhr au< zu syndizieren, hat es keineswegs gefehlt; im Gegen- | der Höhe, wir sind gegen einen so hohen Preis, und wir | solchen Händlern wurde überhaupt der Bezug von Draht aller und oann auf dem vlligen Tajjerwege in seinen Besiz kommt. ih weiß nicht, ob Sie zu Frage 11 noch besonders sprechen | Punkt in unserer ganzen industriellen Entwickelung, daß das D Das wird nicht mehr vorkommen. wollen ? Ausland durch das billige deutshe Material stets günstiger

teil, in den 4!/, Jahren des Bestehens des alten Walzdraht- | syndikates ist vielfah der Versuch dazu gemacht worden. Das |

ist aber niht mögli<h gewesen, weil es einige Firmen gab, die damals noch ein Ventil haben wollten, die sagten: wir müssen im Falle der Arbeitsnot unsere Auslande abstoßen dürfen. Das ift ja abgestellt, seitdem wir den Verband Deutscher Drahtwalzwerke haben, der, wie Sie gehört haben, die Ausfuhr auch syndiziert, sodaß diese also nicht mehr in einer ungesunden Weise steigen kann. es aber ganz interessant, an der Hand der Statistik einmal zu sehen, wie denn eigentli<h damals die Lage gewesen ist, als

man sih veranlaßt sah, in der Presse einen so schweren Vor- | wurf gegen das Walzdrahtsyndikat zu erheben. Da gestatten |

Sie mir, darauf aufmerksam zu machen, daß im Jahre 1898 die Ausfuhr betragen hat ich nenne nur die runden Biffern 93 900 t, daß hingegen im Jahre 1899 die Ausfuhr zurück- gegangen ist, obgleich sie eben nicht syndiziert war und obgleich das Ausland den Walzdrahtproduzenten damals viel höhere Preise bot, als sie im Jnlande dur<h das Syndikat von ihren Kunden forderten und bekamen. Also in dem Jahre 1899 ist die Walzdrahtausfuhr zurückgegangen auf 46 508 t, während umgekehrt der Absay im Julande gestiegen ist von 194 654 t im Jahre 1898 auf 231 723 t im Jahre 1899. Im Jahre 1900, wo der geschäftliche Niedergang eintrat, stieg die Aus- fuhr wieder etwas, nämlih auf 52 857 t und der Inlands- absaß sank auf 214 000 t.

Meine . Herren, diese Statistik beweist unzweideutig, daß die Mitglieder des Walzdrahtsyndikats im Jahre 1899 in der Zeit der Not, hervorgerufen dur den Mangel an Nohstoffen und besonders durh den Mangel an Knüppeln, bestrebt ge- wesen sind, ihre inländischen Abnehmer in jeder Weise mit Material zu versorgen, was daraus hervorgeht, daß gegenüber dem Jahre 1898 der Absag an die inländischen Abnehmer gestiegen ist um 37 000 t, während der Absaß nah dem Aus- lande um 7000 t zurügegangen ist. glaube, damit sind die diesbezüglichen Klagen vollständig widerlegt.

Direktor Meyer-Berlin: Jh möchte auf die Anfrage des Herrn Kommerzienrats Kantorowicz antworten: es besteht

ja oder es ersheint nach außen ein gewisser Interessen- gegensaß zwischen den reinen Ziehereien und den Ziehereien,

die mit Walzwerken verbunden sind. Der Walzwerkverband und auch das frühere Walzdrahtsyndikat haben es si< an- gelegen sein lassen, diesen Jnteressengegensaÿ nach Möglichkeit zu mildern, in erster Reihe dadur<h und das möchte ih bitten, au bei den vorhin verlesenen Preisen zu berücksichtigen daß der Preis für Walzdraht den reinen Ziehereien in demselben Absaßgebiet frachtfrei Verbrauchsstelle gegeben wurde, so daß also der Walzdraht zur reinen Zieherei mit Fracht niht belastet war. Dann war es nötig, da ein Verband für gezogenen Draht nicht bestand, irgend eine Schußwehr zu

ÜVeberproduktion nah dem |

Nun ist |

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Meine Herren, ich

schaffen, Diese wurde gesucht in der Festlegung eines Mindest-

erllâren das zu Protokoll. Das ist dann in den Protokollen über die Hauptversammlungen auch aufgenommen worden. Vorsitzender: Wird zu Frage 8 und 9 no< das Wort begehrt? Jh mache darauf aufmerksam, meine Herren, daß bei den früheren Verhandlungen diese beiden Fragen den Kernpunkt der ganzen Verhandlung gebildet haben, und da aus der Versammlung heraus das Wort nicht weiter begehrt

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| wird, so muß ih annehmen, daß in bezug auf den Verband,

der uns hier beschäftigt, Beschwerden gegen die Preispolitik nicht vorzubringen sind; denn ih nehme an, daß alle Herren, die hier versammelt sind und etwas auf dem Herzen haben, das hier au< kundgeben würden.

Fabrikbesißer Krieg-Wesel: Darf ih bemerken: ih wollte bei Frage 10 spre<hen über die reinen Drahtziehereien: aber die Frage ist jegt {hon angeschnitten sie ist zum Teil vorweggenommen worden.

Vorsizender: Jch stelle anheim, man kann ja ver- schiedener Ansicht sein, ob das zu Frage 9 oder 10 gehört. Jh konstatiere, daß zu Frage 9 das Wort nicht weiter begehrt wird. Wir kommen zu Frage 10:

Hat das Kartell einen Einfluß auf die von ihm ab- hängigen Jndustrien und Händlerkreise ausgeübt, insbesondere durh die Festseßung von Verkaufs- bedingungen. Welche Stellung nimmt das Kartell gegenüber den Einkaufsvereinigungen ein?

Hierzu gebe ih Herrn Fabrikbesißer Krieg das Wort.

Fabrikbesißer Krieg-Wesel: Meine Herren! Gestatten Sie mir, daß ih Jhnen die Entwicklung der reinen Draht ziehereien im Verhältnis zu dem früheren Deutschen Walz- drahtsyndikat <hronologish darstelle. Jh glaube, wir kommen u anderen Resultaten wie die Herren Vorredner.

Als sih im Jahre 1897 das Deutsche Walzdrahtsyndikat bildete, umfaßte dasselbe 17 Werke. Von diesen 17 Werken sind 9 sogenannte gemischte Werke, d. h. Werke, die selbst Draht walzen und den ausgewalzten Draht im eigenen Betriebe weiterverarbeiten. Die 8 anderen Werke sind die sogenannten reinen Walzwerke, welche lediglih Walzdraht herstellen und eben diesen Walzdraht an andere Fabriken ver- kaufen; die Kunden dieser Werke sind naturgemäß die reinen Drahiziehereien. Nun bildete sih das Walzdrahtsyndikat damals nur für das Jnland. Also lediglich die inländischen Draht- ziehereien, die Walzdraht kaufen mußten, waren diejenigen, die hier in eine Zwangslage gebracht wurden; das Ausland war vollständig frei, und die gemischten Drahtwalzwerke hatten keinerlei Beschränkung, weder quantitativ, noch in den Preisen. Der erste Effekt dieser Sachlage war natürlih der, daß im Julande für die inländischen Drahtziehereien der Preis auf 120 und später auf 123 M. stieg. Es kommt dann noch hinzu, daß sehr bald das Walzdrahtsyndikat zu einer Aenderung der Verkaufsbedingungen überging; das ist in der Statistik nicht zum Ausdru> gekommen. Früher war der Gebrauch der: es wurde entweder am 15. des folgenden

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Art und Drahtwaren abgeschnitten. Jh habe hier ein Rundschreiben des Walzdrahtsyndikats vom 10. Juli 1899 vorliegen, worin es wörtlich heißt:

Unter den vorliegenden Umständen dürfen der auc S in Draht und Drahtwaren bis auf weiteres weder Angebote noch Lieferungen gemacht werden.

Diese Firma war eine unserer besten Kunden.

Stiftdraht lieferte ih dieser Firma überhaupt nicht. Sie bezog vielmehr den Stiftdraht meines Wissens sogar von gemischten Drahtwerken.

Nun, meine Herren, denken Sie sih in meine Lage; es wird mir einfa<h einer meiner besten Kunden abgeschnitten, nur weil derselbe von irgend einer anderen Seite Stiftdraht gekauft und verkauft hatte.

Jrgend ein Aequivalent für den plöglichen Verlust dieses Kunden wird mir natürlich nicht geboten.

Jn der gleichen Lage sind damals viele Drahtziehereien gewesen. Jch gehe auf diese Einzelheiten ein, um Ihnen zu zeigen, wie die Maßnahmen des Walzdrahtsyndikats zur Erdrückung der Drahtziehereien führen mußten. ganze Sachlage spißzte si<h gegen das damalige Walzdrahtsyndikat so zu, daß es für die reinen Drahtziehereien einfach hieß: „Sein oder nicht sein.“ Die Bildung eines Walzdrahtsyndikats ohne Verband für gezogenen Draht ist an sih ein Unding. Man hat doch sonst das Bestreben, seine Kunden kräftig zu erhalten und hoch zu bringen, hier tut man in Wirklichkeit das Gegenteil. Die reinen Drahtwerke s{hwächen ihre Kunden; das \ind die Drahtziehereien, zum Vorteil der gemischten Werke und der ausländischen Draht- industrie.

Vei dieser Entwickelung der Sachlage ist es mir un- begreiflih, daß die reinen Drahtwalzwerke tatsächlich zum zweiten Male ein Walzwerksyndikat bildeten, ‘ohne gleichzeitig dur<h einen Verband gezogener Drähte ihren Kunden den Absab von gezogenen Drähten sicherzustellen. Das sind Ver- hältnisse, die tatsächli< unhaltbar sind. Für die reinen Draht- ziehereien ist die Lage einfa die: lieber gar keine Verbände in der Drahtindustrie, als wie ein Walzdrahtverband ohne das fehlende Glied des Verbandes der gezogenen Drähte. Nun ift freilih sehr viel über einen Verband gezogener Drähte gesprochen und verhandelt den meisten Herren wird das ja bekannt sein —, aber alle Bemühungen, einen Verband für gezogene Drähte zu bilden, sind bisher zum Scheitern ge- kommen, nah meiner Meinung deshalb, weil man versucht hat, die ganze Drahtindustrie in einen Verband zu bringen. Das geht unmöglich; wir haben in der Drahtzieherei so große Verschiedenheiten, daß das von vornherein ein aussichtsloses Beginnen ist. Andererseits ist es aber au gar nicht nôtig: wir haben innerhalb der Drahtzieherei hon Gruppen, die si verständigt haben und die ganz gut funktionieren. Vor allen Dingen is das quantitativ ausshlaggebende „gewöhnlicher

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Ferner hat der Herr Vorredner davon gefprochen, daß die Interessen der reinen Drahtziehereien nicht genügend gewahrt werden. Jh bin Leiter eines reinen Walzdraht- werks, und ih sehe mih veranlaßt, dem geehrten Herrn Vorredner zu bemerken, daß meine Interessen mit den seinigen solidaris<h find. Mein Interesse muß doch darin bestehen, daß meine Abnehmer lebensfähig erhalten werden. Bleiben die reinen Drahtziehereien nicht lebensfähig, dann werden die reinen Walzwerke keinen Absatz an Walzdraht haben, ihre Valzenstraßen werden stillstehen, und so ist es ja durchaus naheliegend, daß wir bei den Syndikatsbestrebungen zugleich fortgeseßt bestrebt gewesen sind, die Interessen unserer Ab- nehmer, soweit das irgend möglih war, wahrzunehmen. Das ist durhaus nit leiht gewesen, denn es bestehen verschiedene nteressen: wir haben nicht nur reine Walzwerke, wir haben auh gemischte Walzwerke, und es ist nicht leicht, die beider- seitigen Jnteressen unter einen Hut zu bringen. Jch gebe aber gleihwohl zu, daß es sehr viel besser gewesen sein würde, venn wir einen Verband für gezogene Drähte gehabt hätten einen Verband, den wir reinen Walzwerke unentwegt seben Jahre hindurch angestrebt haben und zu unserm sehr großen Bedauern heute noch nicht besitzen.

_ Wenn der geehrte Herr Vorredner sagt, ih verstehe nicht, daß die reinen Walzwerke ein Walzdrahtsyndikat gemacht haben, bevor ein Verband für gezogene Drähte ins Leben Juen war, so erlaube ih mir, ihn darauf aufmerksam zu nahen, daß unsere Nohstofflieferanten, die Halbzeugproduzenten, als sie den Halbzeugverband bildeten, uns nicht gesagt haben: Shafft Euch erst einen Walzdrahtverband, dann wollen wir ‘nen Halbzeugverband gründen. Nein, das haben sie ohne Velleres getan, und wir sind folgerihtig gezwungen gewesen, un unsererseits einen Verband für unsere Fabrikation zu

ilden. Die Nohstoffabrikanten haben mit der Syndikats- bildung angefangen, und auf demselben Wege muß die Fertig-

abrikation weitergehen. Wir haben nacheinander das Kohlen-, 0s Koks- das Roheisensyndikat und den Walzdrahtverband befommen : der nächste Schritt müßte folgerihtig auf die Vildung des Verbandes der gezogenen Drähte gerichtet sein, und ih betone nohmals ausdrüdlich, daß ih es ganz außer- pventlich bedaure, daß wir den noch nit haben. Jedenfalls N es aber niht an den reinen Walzwerken, daß er noch idt ins Leben gerufen ist, und ih hoffe sehr, daß es noch dts fommen wird. Wir haben ja schon den Drahtstift- _ vand, über den wir uns nachher noh unterhalten werden ; ist ein Kind unserer Vereinigung, des Walzdrahtverbandes, ih hoffe, daß ein weiteres Kind au der Verband der Nogenen Drähte sein wird. a, ein der Herr Vorredner endlich gesagt hat: die Juteressen h auseinander, so kann ich ihm darin nicht ret geben. sind jeßt ernstlich bestrebt, einen Verband für die ge-

Fabrikbesißer Krieg-Wesel: Nein, ih habe die Sache vorweggenommen. Jch bin darin nicht kompetent, weil es Sache des Kartells ist, ih habe zum Rohstoff gesprochen.

Vorsißender: Dann wird zu Frage 11 das Wort nicht gewünscht. Wir kommen zu Frage 12:

Hat das Kartell einen Einfluß ausgeübt

a. auf die Konzentration der Betriebe durch Aus- shaltung minder leistungsfähiger Betriebe ?

b. auf die Konzentration der Betriebe durch Zusammenfassen der verschiedenen Stadien des Produktionsprozesses dienenden Betriebe in einer Hand?

J< bitte die Herren, zu dieser Frage das Wort zu nehmen, falls Veranlassung dazu vorle

Direktor Meyer- Berlin: Als das Deutsche Walzdraht- syndikat aufgelöst wurde und der Verband Deutscher Draht- walzwerke ins Leben trat, hatte der Verband damit zu rechnen, daß ein größeres Drahtwalzwerk entstanden war, welches dem Verbande sih anschloß, daß aber außerhalb des Verbandes au<h Walzdraht hergestellt wurde, und es bestand eine gewisse Ueberproduktion. Da hat sich denn die Steinhauser Draht- industrie, die mit veralteten Einrichtungen etwas teuer arbeitete, entschlossen, ihren Betrieb einzustellen und in Liquidation zu treten.

Zu Frage b darf ih wohl auch glei eine Bemerkung machen?! (Vorsißender: bitte!) Die Zusammenlegung von Betrieben in einer Hand hat nicht stattgefunden.

Vorsitzender: Es wird zu dieser Frage das Wort nicht weiter begehrt, wir kommen zu Frage 13:

Hat das Kartell auf die Arbeiter- und Lohnverhältnisse der syndizierten Betriebe Einfluß gehabt?

Generalditektor Zilliken- Neunkirchen: Das Kartell als solches hat si<h mit Arbeiter- und Lohnfragen der syndizierten Betriebe nicht befaßt, sondern hat das lediglich als eine interne Frage jedes einzelnen Fabrikanten angesehen. Wenn also hieraus eine Erörterung folgen sollte, so würde ih bitten, diese Frage an die einzelnen Produzenten richten zu wollen,

Fabrikbesizer Springmann-Hagen i. W.: Meine Herren! Wenn das Kartell auch keinen direkten Einfluß auf die Löhne ausgeübt hat, so einen indirekten do< ganz unzweifelhaft und zwar einen ‘günstigen Einfluß. Denn der erste Zweck des Kartells ist doh gewesen, stabile Verhältnisse zu schaffen, die wir denn auch gehabt haben, und diese stabilen Verhältnisse sind naturgemäß auch den Arbeitern zugute gekommen, indem wir stabile Löhne zahlen konnten. Jn freier Konkurrenz würden wahrscheinlich die Verkaufspreise niedriger gewesen sein, und es ist logish, daß dann auch ein Preisdru> auf die Löhne ausgeübt wird, der aber nicht eingetreten ist, weil das Kartell bestanden hat.

eine Frage hat der Herr Vorredner noch nicht dadur<h, daß das Walzdrahtsyndikat im Jnlande die Preise

dagestanden hat als wir in bezug auf das, was wir er- portieren müssen, um unsern Betrieb aufreht zu erhalten.

Jch glaube, die

Bergrat Gothein-Breslau, M. d. R:.: beantwortet, ob

hoh und im Auslande niedrig gehalten hat, eine Minder-

beshäftigung der Arbeiter auf den weiterverarbeitenden Werken

eingetreten ist. Auch das würde ja unter Umständen eine Schlechterstellung der Arbeiter bedeuten.

Fabrikbesißer Krieg-Wesel: Jch bin nicht in der Lage, die Frage strikte zu beantworten, ih glaube aber, daß das nicht der Fall ist. Die meisten Ziehereien gehen unter dem Dru der Not zu anderen Sachen über. Es verschiebt sich die Jndustrie, und wo vielleicht Verminderungen in der Arbeiterzahl eingetreten sind, da ist der Lohn an sih doch gestiegen. Jn meinem eigenen Betriebe verdienen die Leute heute, troßdem ih für 1000 kg Fertigfabrikat weniger Lohn zahle als vor 10 Jahren, an wirklichem Lohn erheblich mehr.

Fabrikbesißer Springmann-Hagen i. W.: Ja, meine Herren, wenn ih auf die Frage noch einmal eingehe, so kann ih nicht sagen, wie die Löhne gewesen sind: aber ih nehme doh mit Recht an, daß die Höhe der Löhne abhängt von der Höhe der Produktion, beziehungsweise bei dem Walzdraht- syndikat von der Höhe des Absatzes an Walzdraht. Wenn ih nun diese Zahlen berückfihtige, die i<h eben zusammen- gestellt habe: Absaß im Junland im Jahre 1898 194 654 t, 1899, in dem guten Jahre, 231 723 t, 1900 214032 L sodann 1901 in dem s{le<ten Jahre 172 823 t, im Jahre 1902, demjenigen Jahre, wo der Eisenkonsum im deutschen Vaterlande der allerschlehteste war, hon wieder gestiegen auf 208 963 t, dann muß i< daraus schließen, daß ja freilih< nah dem Aufschlag der guten Jahre zunächst ein Rückschlag gekommen ist, der aber nunmehr reihli< wieder eingeholt wurde, sodaß also im Jahre 1902 der Absay wesentlich höher gewesen ist als im Jahre 1898, wo der Aufschwung begann, und dementsprehend müssen au<h mehr Gesamtlöhne gezahlt worden sein.

Direktor Meyer- Berlin: Veranlaßt durh die Frage des Herrn Bergrats Gothein wollte ih Jhnen mitteilen, daß die Ausfuhr unserer Abnehmer seit Gründung des Verbandes gestiegen ist. Sie betrug im Jahre 1902 fnapp 5000 t, ist im ganzen Jahre 1903 über 6000 t gewesen und im leßten Vierteljahr 1903 auf 6230 t gestiegen d. i. also die Ausfuhr der reinen Ziehereien und der Drahtwaren- fabrikanten —, sodaß auf die Ausfuhr der Fertigwaren der Verband nicht ungünstig eingewirkt haben kann.

Herr Krieg hat sih beshwert über Verhältnisse, wie sie in Holland bestanden haben. Aber das sind keine Verhält- nisse, die dur< den Verband geschaffen worden sind: sie haben alle Zeit bestanden. Holland is immer in der sehr glüd-

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