1904 / 170 p. 19 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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sehen haben, und so gibt es noch eine ganze Menge Jn- dustrien. Jch erinnere nur an die große Fabrikation, die sih England in Marmelade und Cakes geschaffen hat, weil es den billigen Zucker hatte, während wir bis zur Brüsseler Zucker- konvention nichts darin fabrizierten. Meine Herren, ih komme gleih zu meinem Gegenstand zurü.

Nun noch eins! Man hat vorhin von den Outsiders gesprochen. Wie wollen Sie das machen? Ja, ja, Herr Generaldirektor Wolff, gucken Sie mih nur an. (Heiterkeit) Wie wollen Sie das mit einem Outsider machen, der nah Posen durhch einen Händler franko an meine Kundschaft Stifte verkauft 50 Z billiger per 100 kg, als ich vom Verband kaufe? Nun schreibe ich dem Verbande und sage: so und so steht es. Anstatt daß man nun den betreffenden Grossisten sagt: Bitte, gib uns die Beläge, wir wollen den Outsider niht hineinkommen lassen, bekomme ich die kühle Antwort: das Fabrikat taugt nihts oder etwas Aehnliches. Das sind aber Sachen, die, wie ih schon sagte, im persönlichen Verkehr, im persönlichen Gedankenaustaush beseitigt werden fönnen.

Dann habe ih mir bereits im Dezember vorigen Jahres erlaubt, darauf hinzuweisen die Herren sind ja alle an der Spiye von Jndustrien und werden vielleiht das mit einem gewissen überlegenen Lächeln anhören —, daß wir einen ganz gehörigen Anlauf nehmen, um zu den Trusts zu gelangen. Jch habe davor stets gewarnt. Wir wollen nicht die Wege der amerikanischen Trusts gehen; denn sie vernihten nicht bloß jede Selbständigkeit, sondern auch jeden Fortschritt in der Technik. Das ist meine Ueberzeugung. Und ein zweites, was j mir sehr am Herzen liegt, ist, daß durch dieses Treiben nach | den Trusts die Verbindung mit den Banken eine solche wird, daß sie zum Unheil der Jndustrie, die unser eigentliches Lebens- moment ist, auss{hlagen kann und muß.

Das waren die Sachen, die ih zu erwähnen hatte.

Kommerzienrat Hegenscheidt - Friedenshütte: Meine Herren! Durch die Ausführungen des Herrn Kommerzienrats Kantorowicz werden wir auf einen allgemeinen Gesichtspunkt gedrängt, wodurh eine Verständigung in der uns vor- geschriebenen Richtung ausgeschlossen wird. Die allgemeinen Punkte, die hier berührt worden find, beziehen sih auf prinzipiell wirtschaftliche Fragen.

Vorsißender: Jh habe Herrn Kommerzienrat Kanto- rowicz niht unterbrechen wollen, obgleih ih bemerkt habe, daß er sehr erhebliche Abschweifungen nah rechts und nach links gemacht hat. Jch will es einem der folgenden Herren Redner durchaus nicht verwehren, wenn erx das Bedürfnis hat, auf diese allgemeinen Fragen einzugehen; denn Rede erfordert unter Umständen Gegenrede. Jh möchte aber die Herren bitten, sih an die vorliegenden Fragen zu halten, deren Erörterung unsere Hauptaufgabe ist.

Kommerzienrat Hegenscheidt- Friedenshütte: Wenn wir jenen Ausführungen folgen wollen, so würden wir uns mehr darüber zu unterhalten haben, ob wir nicht den vollständigen Freihandel eröffnet sehen wollen oder ob die Fortsezung der Schutzollpolitik vorzuziehen sei. (Sehr richtig!) Die Mehr- zahl der Fragen, welche berührt worden sind, stellen nicht die Aufgaben dar, welche uns zusammenführten. Jh möchte für meine Person daher verzichten, auf diese allgemeinen Aus- lassungen einzugehen.

Meine Herren! Was mir in den Ausführungen des Herrn Kommerzienrats Kantorowicz interessant erschien, war die Wiedergabe der Verkaufspreise, welhe Herr Kantorowicz mitgeteilt hat und welche seil dem Bestande des Drahtstift- verbandes die Preispolitik für den Play Posen darstellen. Interessant ist dabei die sehr hohe Steigerung der Preise Ende 1899 und Anfang 1900, gleichzeitig auch der große Preisabschlag im September 1900. Herr Kantorowicz hat die Darstellung selbstverständlih nur in dem Rahmen geben fönnen, die ihm als Händler zugänglich ist. Er betont dabei, es wäre wohl richtig gewesen, bevor man eine derartige Politik eingeschlagen, die Händler zu Nate zu ziehen.

Sie müssen sih das Drahtstiftsyndikat-als ein einheitliches Geschäft vorstellen: es ist nihts anderes gewesen und auch heute nur ein Verkaufsgeshäft. Die Jndustrie, welche die Leiter dafür gewählt, hat zu ihnen das Vertrauen, daß sie | soviel von ihrem Geschäfte verstehen, um, bevor sie Preise festseßen, mit ihren Händlern und der gesamten Marktlage in engste Fühlung zu treten. Diese Fühlung ist vorhanden und durch den täglichen Verkehr mit ihnen und dem gesamten Auslandsmarkte gewährleistet, ohne daß es notwendig wäre, die betreffenden Händler regelmäßig einzuladen, um sie darüber zu hören, was sie zu beabsichtigten Preisdispositionen meinen. Von interessierter Seite ist es allerdings schon häufiger als wünschenswert hingestellt worden, dem Einkäufer die Preis- bestimmungen in die Hand zu legen. (Heiterkeit.)

Meine Herren! Es is des Ferneren gerade in der Beurteilung dieser Sache übersehen worden was erklärlich, nachdem Herrn Kommerzienrat Kantorowicz das Material nicht zur Verfügung stehen konnte —, die Gesamtsituation in dem Verbande zu berücksichtigen, als man mit den Preissteigerungen und mit dem Preisrückgang vorgegangen ist. Es ist, glaube ich, kaum ein Verband vorhanden, der hinsichtlih dieser Vor- gänge auf seine Leitung so stolz sein kann wie der Draht- stiftverband! (Oho!)

Jch möchte dabei auf die Situation hinweisen, welche dies am frassesten beweist. Als die Preise am 1. September 1900 mit einem Ruck um 50 s, die Tonne ermäßigt wurden, war die Gesamtabnahmeverpflichtung sämtlicher Abnehmer des Deutschen Reiches das sind sämtliche vorliegenden Spezi- fikationen und sämtlihe noch zur Abnahme vorhandenen Abschlußverbindlichkeiten auf ein Minimum von noch nicht ganz 1800 reduziert! (Hört! hört!)

Wenn Sie berücksichtigen, daß diese Gesamtmenge den vereinigten Werken noch niht einmal ein achttägiges Arheits- quantum sicherte (hört! höôrt!), so glaube ih, daß ein Vor- wurf seitens des Handels über die Preispolitik unbedingt un- berehtigt ist. (Sehr richtig!) Jch glaube, daß nicht ein

einziger Artikel in der gesamten Eisenindustrie zu finden ist, welcher den Handel in dieser Weise vor Spekulationsverlusten bewahrt hat! (Sehr rihtig!) Ein solcher Erfolg war über- haupt nur dadurch möglih und denkbar, weil die Händler nicht vorzeitig über die Maßnahmen des Verbandes informiert worden sind. Der Handel hat selbstverständlich nur seine eigenen Jnteressen zu vertreten, und wenn heute dem Händler mitgeteilt werden würde, daß von dem und dem Tage an die Preise um 50 Z oder um 1 H. erhöht oder ermäßigt würden, so mag das für ihn ja angenehm sein, weil er hierauf gestügt für Rechnung des Verbandes billig \spekulieren könnte. Eine fsolhe Forderung wäre aber nah meiner Ansicht doch eine recht weitgehende. Es kann sih bei der heutigen Verhandlung in der Hauptsahe wohl nur darum handeln: Glauben die Herren des Zwischenhandels der Leitung des Verbandes einen Vorwurf nach der Richtung hin machen zu können, daß ihre Interessen niht gewahrt worden sind oder daß der Verband seine Macht mißbraucht hatte? Jch meine nicht, daß ein solcher Vorwurf berechtigt erhoben werden kann!

Meine Herren! Es is weiter darauf hingewiesen worden, daß die Exportpreise in einer anderen Relation zu den Jnlandspreisen gehalten werden müßten. Die Export- preise zu bestimmen ist der Verband nicht in der Lage; sie werden durch die Konkurrenz im Auslande, die zu bekämpfen die Aufgabe des Verbandes ist, beeinflußt. Es kann deshalb lediglih die Folgerung zulässig sein, die Herr Kommerzienrat Kantorowicz wünscht, nämlih die Preise noch niedriger zu stellen. Es werden hierüber wahrscheinlich immer geteilte Auffassungen herrschen, da der Konsument naturgemäß den Wunsch hat, seine Waren so billig wie möglich zu erhalten, während der Fabrikant eine angemessene Entlohnung für seine Arbeit sucht. Wenn Sie hierauf die Abschlüsse und Bilanzen, soweit sie von Aktiengesellschaften publiziert werden, durch- sehen, so glaube ih niht, daß behauptet werden kann, die Abschlüsse der Drahtwerke weichen von denen anderer Industrien zu sehr ab, der Nugzen sei ein ungebührlicher.

Will man dem Gedankengange des Herrn Kommerzien- rats Kantorowicz,” einer niedrigeren Preisbildung zum Zwecke der Errichtung billiger Bauten für Wohnungszwecke, folgen, so müßte dies dahin führen, daß die Waren möglichst zu

Selbstkostenpreisen ohne Nußen den Konsumenten geliefert würden. Würde dieser Grundsay heute von unjerem

mächtigsten Käufer, unserem Eisenbahnfiskus, atzeptiert werden, wollte er seine Macht dazu benüßen, nur derartige Preise für die Fabrikate anzulegen, die dem Fabrikanten keinen Nußen lassen, so würde unsere Jndustrie ruiniert werden. Woher sollte sie dann die großen sozialen Lasten decken und woher die Steuern aufbringen, welche die Gesamtheit nicht entbehren kann! Was nügzte die billige Baumöglichkeit, was die billigen Wohnungen, wenn dem Arbeiter nicht Verdienst und Brot gegeben werden kann! (Sehr richtig!)

Tie Preisdifferenz zwischen dem Jnlands- und Auslands- preise ist bei dem Artikel Drahtstifte wohl verhältnismäßig erheblich. Diese Erlösziffern sind aber nicht so ohne weiteres miteinander zu vergleihen. Die Herren der Branche, die hier vertreten, wissen genau, daß der Durchschnittspreis in

der Hauptsache vom Sortiment und den hierfür maßgebenden |

Ueberpreisen abhängt und daß wir als höheres Kulturvolk viel verfeinertere Sortimente im Inlande führen, als sie das Ausland benötigt. Jn dieser Weise lassen sich daher die Preise nicht so unbedingt miteinander vergleichen. Jm übrigen ist der Zweck des Verbandes und wir machen kein Hehl daraus immer derjenige gewesen, im Jnlande bessere Preise zu erzielen; wir sind hier übrigens nur dem Auslande gefolgt, welches uns zum Zusammenschluß gezwungen hat. Jch brauche mich nur darauf zu berufen, daß an dem Tage, wo der Verband gegründet worden ist, Deutschland seinen Absay nach Japan und China in Drahtstiften verloren hatte, wir hatten in diesem Artikel fast keinen Export mehr nah jenen Ländern, nah anderen Gebieten war er auf das höchste gefährdet! Wir sind unter dem Drucke der allershwierigsten Verhältnisse zusammen- geshmiedet worden, um uns unsere Märkte zu erhalten und wieder zu erlangen. Die Amerikaner hatten infolge ihrer hohen Zollpolitik im Jnlande enorme Verkaufspreise und brahten ihre Mehrproduktion infolgedessen mit scheinbar großen Verlusten im Auslande unter. Wollten wir den Weg der solidaren Verteidigung nicht gehen, so wäre das gleich- bedeutend gewesen mit der Aufgabe des Absaßes nah dem Auslande.

Meine Herren! Es ist noch eine besondere Verpflichtung für den Verband betont worden, die allerdings bis zu einem gewissen Grade den Händlern wiederum die Preisbildung zu- führen würde. Herr Kommerzienrat Kantorowicz wünscht, daß, wenn ein Outsider billiger als der Verband offeriere, dieser, wenn die Offerte vorgelegt werde, folgen müsse. Hiernach würde jener Outsider mit dem Händler preisbestimmend werden und nicht mehr der Verband. Schließt sih denn eine ganze Jndustrie zusammen, um sich von einer Minorität die Preise diktieren zu lassen? Das ist ein Ding der Unmöglichkeit! Jch möchte Herrn Kommerzienrat Kantorowicz fragen, ob er niht sogar in verbandslosen Zeiten manchmal auch höhere Preisofferten bevorzugt und beispielsweise Gleiwißer Waren teurer bezahlt hat, obgleich er von anderer Seite billigere Kaufgelegenheit hatte! Es ist ein Unterschied, beste Waren von einem lieferungsfähigen Verbande offeriert zu erhalten oder eine Ware, die wohl zum Preisdrücken bequem ist, die aber nicht die Qualität und Lieferfähigkeit gewährleistet! Dieses Recht der Preisbildung für den Händler kann nicht ernsthaft gemeint sein!

Zum Schluß möchte ih noch ganz kurz die persönliche Ansicht des Herrn Kommerzienrats Kantorowicz hinsichtlih der Trusts berühren, obgleich das eigentlih nicht hierher gehört. Die Auffassung, die Trusts vermögen nicht in so wirlschast- licher Weise ihre betrieblichen Dispositionen zu treffen, als es die kleinen Werke für sih vermögen, ist unbedingt falsch. Wenn etwas für die Trusts spricht, so ist es gerade die technische Stärkung, welche seitens des Herrn Kantorowicz negiert wird.

Sie haben selbstverständlih andere Gefahren, ih möchte aber hierauf nicht weiter eingehen.

Generaldirektor Wolff-Gleiwitz: Meine Herren! Obwohl ih glaube, daß durch die Ausführungen meines geehrten Herrn Vorredners die Bedenken und die Beschwerden des Herrn Kommerzienrats Kantorowicz zum großen Teil widerlegt er- scheinen, möchte ih mir doh noch gestatten, auf einzelne feiner Ausführungen etwas näher zurückzukommen.

Er hat eingangs seiner Rede Jhnen * ein Bild gegeben, wie sih die Preise der Drahtstifte in den einzelnen Monaten des Jahres 1899, welches ein bewegtes gewesen ist, für die Provinz Posen gestaltet haben. Jh mache darauf aufmerksam, daß dank der liebenswürdigen Arbeit des Herrn Regierungs- rats von Groß Jhnen allen Uebersichten zur Verfügung stehen, in deren Anlagen Preistabellen und monatliche Durchschnitts- preise gegeben sind, wie sich der Artikel Drahtstifte im Ver- kauf während der einzelnen Jahre gestaltet hat, und am Ende, wie in den Vereinigten Staaten von Amerika die gleichzeitigen Preise gewesen sind. Wenn Sie sich diese Preise vergegen- wärtigen, werden Sie finden, daß allerdings der Drahtstift- verband im Jahre 1899 in der Zeit der Hochkonjunktur von 17 M. im Januar auf 26 (4. Grundpreis im Dezember den Preis gesteigert hat. Wenn diese Zahlen abweichen von denen, welche Herr Kommerzienrat Kantorowicz als seiner Firma ab- verlangt vorgelesen hat, so liegt der Unterschied darin, daß hier die Mindestpreise zu Grunde gelegt sind, die wir im wesentlichen Teile unseres Vaterlandes stellen, während die verlesenen Preise frachtfrei Waggon Posen zu verstehen find. Nun bitte ih Sie, sich diese Steigerung, die allmählich fort- schreitend eingeseßt hat und später etwas mehr ausholte, zu vergegenwärtigen und zu vergleichen mit der in Amerika zu gleicher Zeit stattgehabten Steigerung, welche für die Draht- stifte folgende Ziffern ergibt, und zwar für Mengen von 100 englishen Pfund gleih circa 45 kg, in Dollars. Da war im Januar der Preisstand 1,55, im Februar 1,74, im März 2,9 usw. und im Dezember 3,55. Also 1,59 und 3,55! Es ist das eine Differenz von 1,96 pro 45 kg oder, wenn man den Wert in Mark auf 100 ke überseßt, reichlich eine Preissteigerung von 17,50 M, gegenüber einer Preis- steigerung bei uns von 9 H: pro 100 kg. (Hört, hört!) Meine Herren, wenn wir vernünftige Kaufleute sein und als folche uns betätigen wollen, so müssen wir den auf dem Welt- markte genau ebenso wie in Deutschland sih entwickelnden Hochkonjunkturen Rechnung tragen, und wir waren in der angenehmen Lage, das zu tun, weil wir ohne Rücksicht auf die Konjunkturschwankungen von Anfang an uns den Grund- say zur Aufgabe gemacht haben, Spekulationen in Draßtstiften, wie das im freien Verkehr in großem Maße der Fall war, auszuschalten, weil damit Unzufriedenheit und Verluste von beiden Seiten unnötigerweise verbunden sind. Also wir waren dank dieses Grundsaßes nur von Vierteljahr zu Vierteljahr zu verkaufen in der Lage, von dieser Konjunktur zu pro- fitieren. Daß wir es nicht übermäßig getan haben, beweisen die Ziffern, auf die ih mir erlaubt habe hinzuweisen.

Dann hat Herr Kommerzienrat Kantorowicz gerade aus jenem Jahre heraus den Unterschied zwischen Jnlands- und Auslandspreis kritisiert mit der Bemerkung, daß, während im Inlande der Preis im Durchschnitt 25 #6. gewesen ist, im Auslande ein Preis von 14 M. bestanden hat, und infolge dessen der Unterschied zwischen Jnlands- und Auslandspreis 11 M. betragen habe. Jh weiß nicht mit Genauigkeit die Quelle, auf die sich Herr Kantorowicz bei dieser Angabe ge stüßt hat; ih glaube aber nicht fehlzugehen, daß diese Quelle die „Kölnische Volkszeitung“ sein dürfte, weil diese Zeitung meines Wissens zuerst einen ähnlichen oder den gleichen Artikel gebracht hat. Meine Herren, ih weiß auch nicht, ob Sie die „Kölnische Volkszeitung“ für maßgebender erachten werden, Jhnen über die tatsächlichen Verhältnisse Auskunft zu geben, oder den Verband, der Jhnen diese Zahlen shwarz auf weiß beweisen kann. Wir haben uns grundsäßlich allen Anfechtungen und Verdächtigungen in Artikeln der verschiedenen Blätter und da hat sich leider die „Kölnische Volkszeitung“ an die Spiße der Gegner gestellt ablehnend verhalten. Wir haben kein Wort der Abwehr und Berichtigung in die Zeitungen lanziert, lediglich aus dem praktischen Grunde, weil wir uns sagten: wenn wir uns einmal äußern, dann können wir zu jeder Zeit zu einer Erwiderung provoziert werden durh be- liebige unrichtige Angaben, die in die Welt hinausposaun! werden. Und dieser Gefahr wollen wir uns nicht ausseßen. Aber hier ist der Ort, diese Sachen richtigzustellen. Also die Quellen, aus denen Herr Kantorowicz diese angeblichen Tat- sachen geschöpft hat, sind jedenfalls nicht fehlerfrei, und wir sind in der Lage, Jhnen mit richtigen Zahlen zu dienen, die ganz erheblih abweihen. Aus dem berühmten Jahre 1900 der Hochkonjunktur hat Jhnen Herr Kantorowicz Gewinne und Verluste des Verbandes ebenfalls wahrscheinlih aus Zeitungsnachrichten zitiert. i:

Dann hat Herr Kommerzienrat Kantorowicz sich darüber beklagt, daß der Verband unverstäñdig genug sei, nicht ein- zugehen auf Beweisstücke, die man bringt, wie man anderweil Drahtstifte kaufen kann. Wenn also ein Outsider der Firma einen billigen Preis macht, und dieser dem Verbande nad gewiesen wird, gehe man unvernünstigerweise nicht darauf ein. Wenn diese Maßnahme so gehandhabt würde, wie es Herrn Kantorowicz vorshwebt, würden wir uns vollständig von dem Verkaufspreise des Outsider abhängig machen. Dazu haben wir noch lange keine Veranlassung. Dann würden wir die Preisbildung aus der Hand geben und sie lediglich dem Ver- ständnis oder Nichtverständnis oder der Notlage des betreffenden fleinen Mannes überlassen, welcher außerhalb des Verbandes steht. Wir würden damit aber « einen kolossalen Fehler be- gehen; denn, wie wir Jhnen heute vormittag gesagt haben, beträgt die außerhalb des Verbandes stattfindende Produktion nur 9 bis 10 °/, der Gesamtinlandsproduktion. Wir würden für den Fall, daß die Außerverbandsware tatsächlich nit zu Notpreisen verkauft wird, sondern vielleiht noch mit einem ge ringen Nußen, uns mit unserer auf 90 %/, si belaufenden

Produktion den Preisen jener Werkstätten anpassen müssen, die in einer Zwangslage sind; denn die Outsider können nicht gleihwertig verkaufen, sie müssen billiger sein als der Ver- hand, und da überlegt sih der Verband wohlweislih: wo es notwendig ist, eine Rücksicht auf diese Preise zu nehmen! Meine Herren, ob der Großhandel in Hamburg oder in Berlin oder irgendwo sonst existiert, auf die Preise, die von seiten der Outsider präsentiert sind, ist niemals Rücksicht ge- nommen. Es ist auch von keinem anderen Grossisten im ganzen deutschen Vaterlande ein derartiges Ansinnen an den Verband gestellt worden, daß die Preise der Outsiders vom Verbande zum Muster zu nehmen seien.

Das wollte ih nur noch auf die Einwände des Herrn Kommerzienrats Adolf Kantorowicz hinzufügen.

Referent Regierungsrat von Groß: Jch möchte nur eine furze Aufklärung geben zu den Preisen der Tabellen bezüglich der Drahtstifte. Diese stellen die Handverkaufspreise dar, die au jeßt noch von den Werken getätigt werden können, und zwar im freien Verkaufe, wie mir von Herrn Generaldirektor Kamp mitgeteilt worden ist.

Generaldirektor Wolff-Gleiwiß: Jh möchte nur noch bemerken, daß jedenfalls die Preise, die von Amerika ver- ffentliht sind, Durchschnittsinlandsverkaufspreise sein werden, die wir als Verband nicht kennen, während, wenn die deutschen veröffentlichten Jnlandspreise sogenannte Werkshandverkaufs- preise sein sollten, diese also die höchsten sind, die bestanden haben. Das würde noch weiter zu Gunsten des Verbandes rechen.

f Direktor Fett-Berlin: Bei dieser Gelegenheit dürfte es sich empfehlen, auf den vorleßten Absaß der Darstellung des Herrn Regierungsrats von Groß hinzuweisen; darin befindet sich meiner Ansicht nah ein Jrrtum. Jch glaube, die Firma zu fennen, aus Norddeutschland, die hier erwähnt ift, und kenne auch den Fall. Die hier anwesenden Vertreter des Eisen- handels wissen ja, was Fassonstifte sind, und daß diese wesentlih höher zu bezahlen sind, als sogenannte gewöhnliche Stifte. Die hier in Frage kommende Fabrik, eine Portland- zementfabrik war es wohl, hat beim Bezug in Deutschland ganz besondere Ansprüche an die in Betracht kommenden Stifte gestellt in bezug auf Stückzahl, Kopfform usw., sodaß das Werk, welches von der Portlandzementfabrik als aus- führendes Werk vorgeschrieben war, für die sogenannten Fasson- stifte Ueberpreise verlangte, die wesentlih höher im Preise sind, als solhe gewöhnlicher Stifte. Jn Rotterdam wurde diese Forderung nicht gestellt; es wurden daher gewöhnliche leberpreise gerechnet. Daraus ergibt sih in der Hauptsache der erhebliche Unterschied. Der Fall ist mir speziell bekannt.

Kommerzienrat Wiethaus-Hamm: Jch möchte Herrn Kantorowicz auf den Vorwurf, daß der Drahtstiftverband so und soviel Geld verloren hat, eine Antwort in kurzen Zahlen geben. Jm Jahre 1902 betrug der Export an Drahtstiften 54 600 t; an dem ist Geld verloren worden. Auf der anderen Seite betragen die Löhne, die wir unseren Arbeitern für dieses Exportquantum bezahlt haben, 5 632 234 M’. Jch betone dabei, daß das Ausland diese Löhne hat bezahlen müssen. Also ih meine, man sollte dem Verband zu Dank verpflichtet sein, daß er so weitsihtig gewesen ist, um die Arbeiter zu beschäftigen. Unsere deutsche Bevölkerung nimmt jährlih um /, Millionen zu, und die wollen beschäftigt sein.

Kommerzienrat Kantorowicz-Posen: Jh bin einmal so ein Karnickel. Jch glaube, es ist ganz gut, wenn die Meinungen sich \o äußern. Troßdem der Herr General- direktor Wolff mich so angegriffen hat, glaube ih doch, daß eine Verständigung gegenüber dem Verbande möglich ist. Jch habe auh geglaubt, entgegen der Auffassung des Herrn Vor- sißenden, daß ih mich mit meinen Ausführungen an die Frage: mit welchen Mitteln oder mit welhem Erfolg ist die Hebung und Regelung des Absaßes nach dem Jnland und nah dem Ausland versucht worden? gehalten habe.

Vorsißender: Selbstverständlih bezog sih meine Be- merkung nicht auf das, was Sie in bezug auf den .Draht- stistverband ausgeführt haben, sondern nur auf die kleinen Abschweifungen, die Sie in bezug auf den Zueker, die Weiß- blehe und die Trusts gemacht haben.

Kommerzienrat Kantorowicz-Posen: Die diesbezüglichen Ausführungen sind nur eine Exemplifizierung gewesen. Herrn Kommerzienrat Wiethaus möchte ih erwidern, daß, wenn es uns gelingt, Verfeinerungsindustrien durch billigeres Roh- material zu schaffen, dann auch dieselbe Anzahl von Arbeitern beschäftigt werden kann.

_Reichsgerichtsrat Dr. Spahn- Leipzig, M. d. R.: Jch gehöre zu denen, die die Sachdarstellung erst heute bekommen haben. Ich habe darin nach den Statuten der Verbände und den Formularen ihrer Verträge vergeblih gesucht. Wir haben diese Urkunden auch bei den Kohlensyndikaten bekommen, und ih möchte die Bitte an die Herren richten, sie uns gleichfalls ¡zugänglih zu machen und mit dem stenographischen Bericht uns milzuteilen. Zur Beurteilung der Sache gehören diese Schriftstücke. Haben Sie die Güte, sie uns herauszugeben!

_ Referent Regierungsrat von Groß: Jh möchte mich der nile des Herrn Reichsgerichtsrats Dr. Spahn auch anschließen. “r sind die Sachen persönlih übergeben worden mit der Vitte um vertrauliche Behandlung. Jch bin nur in der Lage Ywesen, das zu veröffentlichen, was sich in der sachlihen Dar- ellung befindet. Jch glaube, daß der Verband im allgemeinen agi Schaden davon tragen wird, wenn die Oeffentlichkeit ver seine Statuten orientiert wird, die niht mehr und nicht “a enthalten, als in den Statuten der meisten übrigen R ia, steht. ; Jch möchte dem Verbande anheimstellen, ob es iti: jt ermöglichen ließe, diese Statuten nebst den Verkaufs- nes Bungen einzureichen. Die Verkaufsbedingungen sind mir 5 L E vom Verbande, sondern auh von Abnehmern zu-

Legen, sodaß ih keine Veranlassung haben würde, mit der

roffentlichung zurüzuhalten.

Lie Lt „Kantorowicz - Posen: Nachdem Herr at S von Groß von Handverkaufspreisen gesprochen

- bitte ih um eine Aufklärung. Was heißt: Drahtstifte

“als der Vorsizende des

9 ab Werk 1903 16, ab Werk 1902 15. Was bedeutet diese Bezeichnung und wo gilt sie? Das sind Preise, die mir unverständlich sind.

Direktor Harlinghausen-Hamm: Die Preise stammen vom Herrn Generaldirektor Kamp aus einer Preisstatistik, die wir monatlih ergänzen. Die Preise sind ab Werk Westfalen zu verstehen.

Generaldirektor Wolff-Gleiwiß: Auf die Anregung des Herrn Reichsgerichtsrats Dr. Spahn zurückkommend, wollte ih nur bemerken, daß wir dem Herrn Regierungsvertreter alles Material zur Verfügung gestellt haben. Jch bin auch gern bereit, den Vertretern der Wissenschaft dasselbe Material zur Verfügung zu stellen; ich halte es bloß nicht für angezeigt, daß wir es allen Kreisen zugänglich machen, zumal es für viele wertlos ist. Die Herren hier kennen es ja; die meisten haben Verkaufsbedingungen von uns dußendmal vor Augen gehabt. Das sind gar keine Geheimnisse.

Reichsgerichtsrat Dr. Spahn-Leipzig, M. d. R.: Jch habe nur die Befürchtung, daß das nit genügen wird. Der Reichstag wird si zweifellos mit diesen Fragen beschäftigen, und da müssen Sie doch die Reichstagsmitglieder sämtlich gleich behandeln. Jh will nicht sagen, daß ih jeßt eine Auskunft wünsche; aber überlegen Sie sih die Sache. Es dauert noch ein paar Wochen, bis die stenographischen Berichte gedruckt werden: vielleicht können Sie sie dann der Oeffent- lichkeit übergeben.

(Mittagspause.)

Generaldirektor Wolff-Gleiwiß: Meine Herren! Wir haben unsere Beratungen Vormittags geschlossen mit einer Anregung, die von Herrn Reichsgerichtsrat Dr. Spahn aus- ging, gerichtet an beide Verbände, zu erwägen, ob es nicht möglih sei, die Geheimnistuerei, die in der Verheimlichung unserer Saßungen erblickt werden kann, fallen zu lassen. Von dem Grundsaße ausgehend, daß wir nichts zu verheimlichen haben, haben wir es uns überlegt, und im Einverständnis mit Herrn Generaldirektor Zilliken, dem derzeitigen Vor- sißenden des Verbandes Deutscher Drahtwalzwerke, möchte ich ß Verbandes Deutscher Drahtstift- fabrikanten die Erklärung abgeben, daß wir unsere Bedenken gegen die Veröffentlichung der Saßungen, wie der Verkaufs- bedingungen haben fallen lassen, sodaß dem Wunsche des Herrn Reichsgerihtsrats Dr. Spahn Rechnung getragen ist. (Anlage 2/8) (Bravo!)

Vorsißender: Jh nehme an, daß wir die Statuten und die Verkaufsbedingungen der beiden Verbände nunmehr veröffentlichen können.

Referent Regierungsrat von Groß: Jh habe noch um das Wort zur Frage 8 gebeten. Es ist mir in legter Stunde ‘die Eingabe eines Mitgliedes des Drahtstistverbandes zugegangen, die sih auf die Verhältnisse der Mitglieder untereinander bezieht. Jch glaube, die Frage 8 ist die einzige Stelle, bei der diese Eingabe erledigt werden kann, und ih fühle mich doch verpflichtet, sie wenigstens zur Kenntnis der Versammlung zu bringen, und würde es dankbar anerkennen, wenn von seiten des Syndikats darauf eine Ant- wort erfolgen könnte.

Diese Firma macht nämlich auf das für die kleinen Firmen ungünstige Stimmenverhältnis innerhalb des Syndikats aufmerksam. Von den 81 Werken, die dem Syndikat an- gehören, wäre die Mehrzahl kleine Firmen; es befänden sich unter den 81 Werken ungefähr 6 große Firmen, die aber nah der Art der Verteilung des Stimmenverhältnisses im Verbande absolut ausshlaggebend wären. Diese Firmen exportierten in der Hauptsache, und die Folge wäre die, daß die Kosten, die durch den Erport entständen, von diesen großen Firmen auf die kleinen Firmen abgewälzt würden. Die großen Firmen übten auch insofern einen unheilvollen Einfluß auf den Verband aus, als sie die Preise zur Unterdrückung der Konkurrenz in Deutschland herunterseßten, eine Maßnahme, die in der Hauptsahe auch wieder auf die kleinen Fabriken zurükfiele. y

Jh bin nicht in der Lage, diese Angaben nach irgend einer Richtung hin zu kontrollieren, möchte aber anheimstellen, ob die Besißzer der kleineren Betriebe, die dem Syndikat angehören, auf diese Darstellung irgend eine Antwort geben können.

Fabrikbesißer Dr. Backhausen- Nettehammer: Meine Herren! Diese Beschwerde, die hier vorgelegt ist, beschäftigt uns im Verbande natürlih schon seit geraumer Zeit. Es ist eine Tatsache, daß in unserem Verbande die großen Werke dominieren; es sind aber niht 6, die dominieren, s\ondern, man kann positiv sagen, nur 3. Wenn Sie unseren Verband betrachten, so ist er eben lange niht so homogen wie z. B. das Kohlensyndikat. Wir haben ein Werk mit 24 000 t jährlicher Produktion, wir haben Werke mit eigenen Kohlen- und Erzgruben, wir haben Werke mit eigener Walzdraht- fabrikation und wir haben auch Werke, die gezogenen Draht kaufen, und deren Produktion sih nur auf wenige hundert Tonnen beschränkt. Es wäre töriht, verheimlichen zu wollen, daß die Jnteressen bei s\o verschiedenen Werken oft ver- schieden sind und sich auch zuwiderlaufen.

Es ist noh ein anderer wesentliher Punkt da, wodurch sih eine gewisse Gruppenscheidung ergibt, die praktish wichtiger geworden ist als diejenige Scheidung nah Gruppen, die sich in unserem Statut verzeichnet findet: der Unterschied der exportierenden Werke und derjenigen Werke, die den Jnlands- markt bedienen; die größeren sind es, die auf den Export arbeiten. Speziell im alten Verbande ist es weiter eine große Sache gewesen, daß ein Teil der Werke, in Schlesien und Westfalen, ziemlich in der Mitte der Produktionss\tätte der Rohmaterialien liegt, während wir in Süddeutschland einzelne Werke haben, die für ihren Draht eine Fracht von 21/, M, pro 100 kg vorzulegen hatten. Das sind so erhebliche Unter- schiede in den Produktionsbedingungen, daß da Friktionen und Reibungen nicht zu vermeiden waren.

kommen ist, glaube ih Jhnen dargelegt zu haben. aber meine Ueberzeugung, daß, solange der Verband, wie er jeßt ist, Export und Jmport, die großen Walzwerke und die ganz kleinen Krauter, zu denen ih gehöre, umfaßt, es nur logish ist, daß die großen Werke die Politik machen und den Verband leiten, und nicht die kleinen Werke. keinen Ausweg.

Wenn die 6 großen Werke, wenn die Walzwerke es

werden 9 sein ihre Stimmen zusammenwerfen, so haben sie noh nicht die absolute Majorität in der Generalversammlung. Also wären die kleinen Werke sehr wohl in der Lage, in der Generalversammlung ihren Willen zu erzwingen; aber tat- sählih ist das ausgeschlossen. wesen und wird es nie sein; denn die großen Werke sind ver- treten, die kleinen niht; die großen Werke sind überwiegend einig in der Politik, die betrieben werden soll, und die kleinen Werke, soweit sie eine Politik treiben, sind uneinig; die kleinen süddeutschen, rheinishen und sächsischen Werke ziehen nicht an demselben Strange.

Es ist das nie der Fall ge-

Nun ergeben sich daraus zweifelsohne für die kleinen

Werke manche Härten, vor allen Dingen, weil naturgemäß bei der Leitung des Verbandes die großen Werke dominieren; sie sind nicht orientiert, und es ist leiht zu verstehen, wenn ein kleines Werk, z. B. im Schwarzwald oder sonstwo, das von dem Weltmarkt und den Exportbedingungen nichts weiß, sich durch die Maßnahmen, die der Verband getroffen hat, verleßt und geschädigt fühlt, ja, sogar sih bewußt geschädigt glaubt und denkt, die großen Werke arbeiten auf sein Ver- derben hin. möglich Sie werden mir glauben können, ich vertrete ein kleines Werk —, daß die kleinen Werke dem Verbande die Politik machen wollen. Verbandes ganz egal, ob 2 oder 3 kleine Werke im Verbande sind oder nicht; aber ob die oberschlesishe Eisenindustrie, der „Phönix“, die Drahtindustrie in Hamm im Verbande sind, das entscheidet absolut über den Fortbestand des Verbandes. Man kann also keine Politik treiben, die dem, was die großen Herren für ihre Lebensinteressen halten, widerspricht. Wenn der Schreiber dieser eben verlesenen Beschwerde Ge- legenheit gehabt hätte, sich genauer zu orientieren, würde er diese Beschwerde nicht vorgebracht haben.

Es ist aber auch faktisch im Verbande nicht

Es ist tatsächlich für die Existenz des

Den Grund, wie dieser Herr zu der Beschwerde ge- Es ift

Ich sehe da

Handelskammersekretär Gerstein - Hagen i. W.: Meine Herren! Diese Frage is angeschnitten, ohne daß uns irgend- welche bestimmte Grundlagen gegeben sind oder eine Firma genannt ist. Jch habe zwar keine besonderen Jnteressen in dieser Verhandlung zu vertreten, habe aber doch Gelegenheit gehabt, mit dem Besißer eines kleinen Werkes mich zu unter- halten, und ih kann berichten, daß die kleinen Werksbesißer, die wirklih sahlich denken und den ganzen Verlauf der Ent- wicklung ihrer Jndustrie verfolgt haben, der Ansicht sind, daß das Syndikat gerade die kleinen Betriebe lebensfähig erhalten hat. (Sehr richtig!) Vorher war der Wettbewerb nicht nur im Auslande, sondern auch im Julande ein außerordentlich scharfer, und die großen Werke, die mit ganz anderen Produktionsbedingungen arbeiten, haben auch im Jnlande die Preise gemaht. Wenn sie auch niht in die kleinen Kanäle hineingehen, dann haben sie doch an die Großhändler ihre Waren abgegeben, und fie haben durch deren Vermittlung den ganz kleinen Werken Konkurrenz gemaht. Wir haben auch in vielen anderen Syndikaten in der Fertigwarenindustrie gesehen, daß die kleinen Werke wieder aufgeatmet haben in dem Augenblick, wo die Preise festgelegt worden sind, wo die großen Werke gesagt haben: wir wollen auch im Jnlande die Preise wieder rentabel machen. Vom rein theoretischen Stand- punkte kann ih mih dem Herrn Vorredner nur anschließen, daß die kleinen Werke kein Recht haben, sich zu beklagen, sondern daß die Interessen der kleinen vollständig überein- stimmen mit denen der großen Werke. Jch bin fest überzeugt: in dem Augenblick, wo ein solhes Syndikat, das mit vieler Mühe zusammengeshweißt ist, wieder zerfällt, werden die kleinen Werke diejenigen sein, die zuerst zum Erliegen kommen. Jch meine, die kleinen Werke sollten dankbar sein, daß man ihnen den Lebensfaden auf diese Weise nicht abschneidet.

Generaldirektor Wolff-Gleiwiß: Meine Herren! Sie haben die Ausführungen der beiden Herren Vorredner gehört. Jh möchte mir nur noch gestatten, einiges hinzuzufügen, um vielleicht sih bei Jhnen wegen dieser Ausführungen fest- seßende Mißverständnisse oder falshe Schlußfolgerungen aus dem Wege zu räumen.

Herr Dr. Backhausen hat mit Recht gesagt, daß die Leitung des Verbandes gewissermaßen in den Händen weniger großer Werke liegt, und es könnte scheinen, obgleih er aus- drücklich diese Auffassung nicht wiedergegeben hat, als ob von diesem Einflusse zu Ungunsten der Minorität, dex kleinen Werke, in der Vergangenheit etwaiger Mißbrauch getrieben worden ist oder in der Zukunft getrieben werden könnte. Diese Auffassung hätte sich als Schlußfolgerung ergeben können, und da erscheint es mir nicht überflüssig, darauf auf- merksam zu machen, daß gegen das Uebergewicht der großen Werke in unserer Organisation ein gewisses Gegengewicht geschaffen ist.

Meine Herren! Die Beteiligung geht aus von der Produktion, und das Stimmrecht, welches bei der General- versammlung zum Ausdru kommt, berechnet sich allerdings nah der Produktionsmenge. Aber die Generalversammlung das werden Sie aus den Sazungen ersehen hat nur eine ganz beschränkte Vollmacht; die Verbandsverwaltung ist niht in den Händen der Generalversammlung, die ganze Disposition bezüglih der zu treffenden Maßnahmen liegt in den Händen des geschäftsführenden Ausschusses, und dieser Ausschuß is} \#o zusammengeseßt, daß er den verschiedenen JInteressengegensäßen voll und ganz Rechnung trägt; da hat in dem Ausschuß jede Gruppe, ob sie Schlefien, Westfalen, Sachsen oder Süddeutschland betrifft, ihre bestimmte Ver- tretung. Es is} bei der Wahl der Ausschußmitglieder aus- drücklich Rücksicht genommen darauf, daß nicht nur die großen,

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