1855 / 241 p. 3 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

1796

Baiern. München, 11. Oktober. Die verwittwete Gräfin Henriette von Giech, Tochter des verstorbenen preußischen Staats= Ministers Freiherrn von und zu Stein, ist heute im 60sten Jahre ihres' Alters gestorben. (N. C)

Großbritannien und Jrland. London, 12. Oktober. Die Admiralität is no< immer damit beschäftigt, die Zahl der Riesen-Séhrauben-Linienschiffe zu vermehren, obgleih deren be- {hränkte Brauchbarkeit wenigstens in dem gegenwärtigen Kriege eflatant genug daxgethan ist. Auf den Werften in Portsmouth wird noch +8 an der Vollendung des Schrauben-Dreide>ers „Royal Sovereign““ gearbeitet, und do<h werden zugleih alle Vor= kfehrungen getroffen, um den Kiel zu einem neuen Riesen-Dreide>er zu legen, der den Namen „Victoria“ erhalten soll. Außerdem ist in Devonport gestern der Kiel zu dem Dreide>er „Donegal‘“ gelegt worden, der so {nell wie mögli< vollendet werden soll. -

In Portsmouth werden heute 1100 Offiziere und Soldaten der britisch - deuts<hen Legion von Shorncliffe erwartet, um an Bord der „Jmperatriz“/ nah dem Orient befördert zu werden,

Spanien. Jn der Cortes-Sißung vom 8. Oktober waren nur 66 Deputirte anwesend, Der Bauten-Minister verlas einen Geseßentwurf bezüglih der Fabrik-Jndustrie, der an die Büreaus verwiesen wurde und eine Art von organischem Geseh bildet, worin man Regeln aufstellt für die gegenseitigen Beziehungen zwischen Fabrikanten und Arbeiternz die Freiheit der Industrie und der Kontrakte wird darin anerkannt. Die Diskussion über die Artikel der Verfassung ward sodann eröffnet; über Art. 10 konnte aber ni<t mehr abgestimmt werden, weil zu wenig Deputirte anwesend waren.

Eine Depesche aus Madrid vom 10. Oktober lautet: „Die Aufständischen von Catalonien sind bei Morguefa geschlagen und zerstreut worden. Die Führer Poful und Ferrer sind getödtet, Rengos und Lerides gefangen genommen worden z; se<hsundzwanzig Aufrührer wurden ers{hossen. Der Kommandant Forges hat die Bande des Tristany zerstreut. Man kennt die Richtung nicht, welche leyterer eingeschlagen hat.“

Unter dem 12, Oktober wird gemeldet: Jn ihrer heutigen Sizung haben die Cortes den Geseß - Entwurf angenommen, welcher den Armeebestand für 1856 auf 70,000 Mann festseßt. Auch haben sie die Ernennung des Generals San Miguel zum Befehlshaber der Garde = Hellebardiere genehmigt.

Ftalien. Aus Turin wird über das Befinden Sr. Majestät des Königs gemeldet, Daß dasselbe zwar erfreuli<he Fortschritte mache, nichtsdestoweniger aber die Rekonvaleszenz cine lange und mühsame sein dürfte, daher man an dem Autritt der Reise Sr. Majestät zu zweifeln beginnt, :

Turin, 11. Oktober. Die Parlamentssibungen sollen am 11, November d. J. eröffnet werden.

Die Einschiffung der nah der Krim bestimmten Truppen in Genua i} am Sten d. M. sistirt worden. So meldet die „Gazz. di Milano“‘.,

Türkei. Die „Pr. C,“ erhält Nachrihten aus Konstan =.

tinopel vom 1sten d. M., aus denen hervorgeht, daß erst in Folge neuerer Berathungen zwischen der Pforte und ihren Verbündeten eine veränderte Verwendung des english-türkishen Kontingents beschlossen worden ist. Eine Abtheilung desselben hatte si<h bereits nah Schumla in Bewegung geseht, als sie zurü>berufen wurde, um na< Kerts<h und Jenikale geschi>t zu werden. Es werden 7000 Mann direkt dahin abgeschi>t werden, während 2090 . Mann, wel<he si< \{<on in Varna befinden, von dort aus sich na< derselben Richtung in Bewegung seßen sollen. Andere Mannschaften werden si< mit den Baschi - Bozuks des Gene-= rals Beatson vereinigen, um gleichfalls na<h der Krim zu gehen. In dem Lager zu Bujukdere bleiben 4000 Mann zurü>. Jn Bezug auf die Abseßung des griechishen Patriarchen erfährt man, daß eine mit. mehr als 2000 griechischen Unterschriften bede>te Petition gegen dieselbe an den Sultan gerihtêt wurde, Derselbe verwies jedo< die ganze Angelegenheit an den hohen Rath, welcher, dem Antrage der griechishen Synode gemäß, die Abseßung des Patriarchen beschloß. s

Auf dem englischen Kriegsministerium is folgende Depesche des Generals Simpson eingetroffen :

„Sebastopol, den 29. September.

Mylord! Seit meiner leßten Depesche waren täglich 9500 Mann beim Vau des Weges von Balallava nah dem Lager beschäftigt, und da, wenn és ein paar Stunden geregnet hat, die ganze Stre>e in eine einzige große Masse tiefen Schlammes verwandelt ist, so wird die zu verrichtende Arbeit aus diesem Grunde sowohl, wie wegen der großen Entfernung, aus welcher die Steine herbeigeschafft werden müssen, ein Werk großer Mühe und Schwierigkeit. Starke Arbeiter-Compagnieen sind täglich in der Stadt damit beschäftigt, Bauholz und anderes Material aus den Trüm- mern zu entfernen, vermittels dessen ih einem großen Theile der Truppen

vor Eintritt des s{le<ten Wetters Obdach zu schaffen hoffe. Der Feind hat aus den Batterieen der Nordseite auf die Arbeiter in der Stadt ge-

_Feuert; doch haben dieselben, obgleich sie einigermaßen dadurch belästig - Fast von Anbeginn die Vertheidiger der Festung in eine

“welcher si<

wurden , ihre Arbeit deshalb nicht eingestellt, und es gereicht mir zur Freude, melden zu können, daß ein Todter und ein Verwundeter die ein- zigen Verluste find, die uns das feindliche Feuer verursacht hat. Leider habe ih Ew. Herrlichkeit mitzutheilen, daß in Folge des Auffliegens eines russis<hen Magazins am 27. d. Mts. ein Offizier und 19 Mann vers- wundet wurden. Jch habe eine Untersuchung anstellen lassen, aus ergab, daß eine verborgene mehrere in verschiedenen Theilen der Stadt und der Batterieen aufgegraben worden sind, die Explosion veranlaßt hatte. Die Erfindung dieser Maschine ist eigenthümlich russisch. Jch habe einen Brief vom Oberst-Lieutenant Ready vom 71sten Regiment, Befehlshaber der Truppen Jhrer Majestät zu Jeni-Kale, erhalten, in welhem über ein kleines Scharmüßel berichtet wird, das am 21sten zwischen einem Detachement des 10ten Husaren - Negiments und afrikanischen Jägern einerseits und Kosaken andererseits stattgefunden hat. “Der die französischen Truppen zu Kertsch befehligende Oberst d'Osmont hatte in Erfahrung gebracht, daß die Kosaken alle Arabas aus der Umgegend wegschleppen woll- ten, und da er dies verhindern wollte, so bat er die englische Kavallerie, mit den afrikanishen Jägern zu fkooperiren. Zu diesem Behuf entsandte Oberst - Lieutenant Neady zwei von den Nittmeistern Fiß-Clarence und Clarke befehligte Schwadronen des 10ten Husaren- Negiments. Man vermuthete, die Kosaken hätten alle ihre Arabas nah den beiden Dörfern Koß-Serai-Min und Seit-Ali gebrahl, die ungefähr 15 Meilen von Kertsh und 64 Meile von einander entfernt sind. Die Schwadron des Nittmeisters Fiß-Clarence erhielt den Befehl, sih nach ersterem, die des Nittmeisters Clarke, si<h nach letzterem Dorfe zu wenden. An jedem dieser Orte sollten sie mit einer Schwadron Afeifaniichie Jäger zusammentreffen, die ihnen vorausgeeilt waren. Als Nittmeister Fiß- Clarence zu Koß -Serai Min ankam, fand er daselbst die beiden Schwa- dronen der französischen Dragoner und ließ sofort dem Rittmeister Clarke sagen, er möge denselben Abend zu ihnen stoßen. Leider ward der betreffende Brief erst am folgenden Morgen abgegeben. Als Nittmeister Clarke, dessen Schaar nur aus 34 Mann bestand, der darin enthaltenen Aufforderung Folge leisten wollte, stieß er auf un- gefähr 50 Kosaken, die er sofort angriff und verfolgte. Da sie aber bald dur< mehr als 300 Mann verstärkt wurden, so sah er si< genöthigt, fih mit Verlust seines Sergeant - Majors, seines Kurschmieds und von 13 Mann, die gefangen genommen wurden. nah dem Dorfe zurü>zuziehen. Die Schwadron des Rittmeisters Fiß - Claxence und die Jäger, welche zusammen unter dem Befehle des die französischen Truppen fommandirenden Offiziers standen, plänkelten unterdessen in einiger Ents fernung gegen eine bedeutende feindlihe Schaar, deren sie ansihtig ge- worden waren, und schlugen die Richtung na< dem Dorfe Serai Min ein, wo sie mit dem Rittmeister Clarke zusammen- trafen und dann zusammen nah Kerts<h zu ritten. Sie was ren kaum eine halbe Meile von dem Dorfe entfernt, als sie von einem starken Kosakeuhaufen angegriffen wurden, den sie jedoch durch wie- derholte Chargen zurü>shlugen. Der Verlust unserer Husaren bestand aus .2 Gemeinen, die vermuthli<h getödtet sind, 1 Verwundeten und 1 Sergant-Major, 1 Kurschmied, 13 Mann und 15 Pferden, die vermißt werden. Wie seitdem in Erfahrung gebracht worden ist, wurden die Kosaken von acht Husaren-Schwadronen und acht Kanonen unterstüßt, die sie in einer Viertelstunde erreichen konnten. Oberst Neady schreibt mir, daß nichts die Kaltblütigkeit und den Muth der Truppen Angesicht eines so überlegenen Feindes, gegen den sie sih nur dur<h die Sicherheit ihrer Bewegungen zu veriheidigen vermochten, übertreffen konnte. Jch habe die Ehre, beiliegend das Verzeichniß unserer Verluste zu übersenden. Die Gesundheit des Heeres ist, wie ih mit Freuden melden kann, vortrefflich. James Simpson.

Die neuesten Depeschen des Fürsten Gortschakoff melden, daß die Alliirten am Sten mit bedeutenden Streitkräften eine Bewegung gegen Perekop unternommen und hierauf na< Eupatoria zurücge= kehrt sind, ohne daß ein Zusammenstoß stattgefunden hatte. Am reten Flügel der Alliirten sind am 9ten 416 Bataillons von Ko= flulué (auf Handtke’s Karte Kolulus) gegen Jenisale oder Enisale (nit Jenikale, auf Handtke?s Karte Janyssala) vorgerückt und haben vort Stellung genommen. Diese Nachrichten bestätigen die früher gemachten Mittheilungen, daß tie Franzosen dur< Vorschiebung der Truppen aus dem Baidar=Thale gegen den linken Flügel der Russen Terrain zu gewinnen und diese für ihre Stellung besorgt zu machen suchen. (Jenisale, südöstli<h von Karlu, ist nur eine kleine Stunde von Belbek und von der Mündung mehrerer Gebirgsbäche in denselben entfernt und liegt im Thalgebiet jenes Flusses.) Sie deuten ferner auf die Absichten des Marschalls Pelissier unverholen hin, die da sind: den Hauptangriff auf den linken Flügel der Russen auszu- führen, die Gebirgépässe, welche vom Baidar - Thale auf Baktschi- serai gehen, zu erzwingen und den Fürsten Gortschakoff zur Räu= nung seiner Position bei Jukerman zu nöthigen, während von Eupatoria aus die Verbindung beunruhigt, die Zufuhren der Russen abgeschnitten und diese zu Detachirungen veranlaßt werden sollen. Wenn die Russen das Plateau von Jnkermän räumen, o ist es nicht unwahrscheinli<h , daß die Räumung der Krim folgen würde.

(Milit. Z.)

Nufßland und Polen. St. Petersburg, 9. Oktober.

Die hiesigen Blätter enthalten na{stehenden Tagesbefehl an die russishe Flotte:

Zarsfoje-Sselo, den 30. August (11. September).

Die ausdauernde, in den Jahrbüchern des Krieges wohl kein Bei-

spiel findende Vertheidigung von Sebastopol hat die Aufmerksamkeit nicht

Nußlands, sondern ga ropas auf si< gezogen. Dieselbe hat E A | S E e As Neihe mit den-

Flattermine , deren

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eni den gestellt, wel<he am meisten zur Verherrlichung unseres eta 25 Le iragk haben. Jm Verlaufe von eilf Monaten ba die Garnison von Sebastopol den starken Feinden jeden Schritt des heimi- <en Bodens, der die Stadt umgiebt, streitig gemacht, und jede ihrer Unternehmungen war dur< Thaten der glänzendsten Tapferkeit bezeichnet. Das zu bier verschiedenen Malen erneuerte fur<tbare Bom- bardement, dessen Feuer mit Recht ein höllishes genannt wurde, hat die Mauern unserer Befestigungen wankend gemacht, allein es konnte den unablässigen Eifer ihrer Vertheidiger nicht erschüttern, noch verringern. Mit unbezwingliher Mannhaftigkeit, mit einer <ristliher Krieger wür- digen Selbstverleugnung schlugen sie den Feind, oder gingen unter, ohne je an Ergebung zu denken. Doch auch für Helden giebt es Unmögliches. Am 27sten des laufenden Monats gelang es dem Feind, nachdem se<s verzweifelte Sturmanläufe abgeschlagen waren, sih der wichtigen Korniloff-Baslion zu bemächtigen, und der Ober-Befehlshaber der Krim- Armee, der das kostbare Blut seiner Waffengefährten s{honen wollte, ent- {loß si, auf die Nordseite der Stadt hinüberzugehen, dem belagernden Feinde nur die blutigen Trümmer überlassend.

In der Seele trauernd über den Verlust so vieler wa>eren Krieger, welche ihr Leben dem Vaterlande zum Opfer gebracht haben, und mit CEhrfur<ht Mich beugend den Nathschlüß{en des Höchsten, Welchem es nit gefiel, ihre Thaten mit vollem Erfolge zu krönen, erkenne ich es für Meine heilige Pflicht, auch in diesem Falle in Meinem und ganz Rußlands Namen, der tapferen Garnison von Sebastopol die lebhafteste Erkenntlichkeit auszusprechen für ihre unermüdlihen Anstrengun- gen, für das von ihnen vergossene Vlut bei der fast ein gan- zes Jahr andauernden Vertheidigung bon Festungswerken, welche sie in wenigen Tagen aufgeführt batten. Jet werden diese erprobten Helden, ein Vegenstand allgemeiner Achtung für ihre Gefährten, ohne Zweifel neue Proben eines gleichen kriegerischen Hocbsinns ablegen. Mit ihnen und ihnen ähnlich werden alle unsere Truppen mit demselben unbegränz- ten Glauben an die Vorsehung, mit derselben heißen Liebe zu Mix und unserem heimischen Lande, überall und immer den Feinden, die unsere Heiligthbümer, die Ehre und Unversehrtheit des Vaterlandes, antasten, fest entgegentreten, und der Name Sebastopol, das durch so viele Drang- sale sich einen unsterblichen Nuhm erworben, so wie die Namen einer Ver- theidiger werden ewig im Gedächtniß und in den Herzen aller Russen leben, vereint mit den Namen der Helden, die sich in den Schlachten von Tschesme und Sinope verherrlicht haben. Alexander.

Unter Nachrichten aus der Krim wird gemeldet: Am 17, (29,) September rückte der Feind mit Tagesanbruch mit einer be- trächtlihen Menge Infanterie, Kavallerie und Artillerie aus Eupa= toria und ging in zwei Kolonnen auf Tegesch vor, Unsere Beobach- tungs-Abtheilungen waren folgendermaßen disponirt; der General- Lieutenant Korff, mit dem Ulanen-Regiment Jhrer Kais. Hoheit der Großfürstin Katharina Michailowna und der leichten reitenden Batterie Nr. 19 in Tjup-Mamai und in Orta-Mamai und der General- Major Terpelewski, mit dem Ulanen - Regiment Erzherzog Leopold in Tegesh. Laut der, für den Fall eines vom Feinde in iberlegener Zahl unternommenen Angriffs, gegebenen Instruction, sollten diese Abtheilungen sih zurückziehen: die erste auf Karagurkt, die zweite auf Bos - Oglu. Der General -= Major Terpelewsfki führte die Ordre aus, allein General = Lieutenant Korff, der, ehe er bis Karagurt kam, den Feind, der dem General-Major Terpelewski folgte, aus dem Gesichte verlor, machte zwischen Kurulu-Keneges und Kangyl Hält, befahl den Leuten abzusißen und vie Geschütze von den Probkasten zu nehmen, stellte auch die Vorposten nicht in gebührender Ordnung und gehöriger Entfernung aus. Die Folge davon war, daß ein großer Theil der feindlichen Kavallerie, 2—3 Tausend Mann stark, eine rasche Schwenkung nach re<ts machend, plöplich auf dem rechten Flügel und im Rü>ken des Detachements ‘des General-Lieutenants Korf erschien, wel<her nun ni<ht mehr Zeit hatte, si< aufzustellen und kampffertig zu machen. Das Ulanen-Regiment mußte sich thei=- len und fechtend bis Karagurt zurückweichen. Sechs Geschütze der reitenden Batterie eröffneten beim Erscheinen des Feindes das euer, versäumten aber dadurch die Zeit, wurden umringt und ge= nommen. Zwei Geschüße, welche nicht feuerten, konnten auf die Probkfasten geseßt werden und davonjagen. Unser Verlust beträgt: e Ulanen, 1 Oberoffizier und 6 Geschüße, nebst einem Theile der

edienung,

Der General - Adjutant Fürst Gortschakef berichtet vom 24, September (6, Oktober) 10 Uhr Abends:

„Die feindlichen Schiffe bewegen si< in bedeutender Anzahl nah verschiedenen Richtungen hin. Die Zahl der Kanonierboote ist verstärkt, Das Lager zwischen der Tschernaja und Balaklava hat sih verringert, do ist eine Vermehrung der Truppen in Cupa= ioria niht zu bemerken.“

Der General-Adjutant Fürst Gortschakoff berihtet unter dem 29, September (7, Oktober) um 7 Uhr Abends Folgendes : „Vegen 11 Uhr lichteten die Anker vor der Kamyschbucht : J Linienshife, 28 Dampfschiffe, 9 Kanonierboote uud Flöße, 9 s<hwimmende Batterieen ohne Masten und 3 große Transport- shiffe, Wie viele Truppen auf diesen Fahrzeugen waren, ist nicht bekannt; es war aber gestern sihtbar, daß sie beladen wurden. Sie hielten den Kurs nah NW.

__ Die nachfolgende telegraphische Depesche wird der „Wien. Ztg.“ mitgetheilt: „Fürst Gortshakoff meldet vom 29, September (11ten Dltober), 11 Uhr Abends: Der Feind hat bedeutende Streitkräfte n das Thal des oberen Belbek hinabsteigen lassen, Er hat dort

ein Lager errichtet und bereitet si<, wie es scheint, zu weiteren Operationen vor. Gleichzeitig ist er von der Tschernaja gegen das Dorf Upu vorgerüdt, Unsere Vorhut steht bei sener des oberen Ayrgul (Notre avantgarde est près de celle du haut Ayrgul). Im nördlichen Theil von Sebastopol und auf den andern Punkten der Halbinsel ist nichts Besonderes vorgefallen,“

Wie aus Warschau vom 11, Oftober geschrieben wird, hatte der Fürst Statthalter im weiteren Verfolg des Erlasses in Betreff der Hergabe von Mehl aus den Militairmagazinen zum Baden von Brod für die ärmere Bevölkerung den Verkaufspreis dieses Brodtes 1 Kopeke oder 2 polnische Groschen (4 Pfennige) niedriger für das Pfund zu stellen, als die gewöhnliche Bäckerbrod= Taxe denselben festsegt. Mit dem Verkauf des wohlseilen Brodtes soll am 13. Oktober angefangen werden. Es sind sechs verschiedene Punkte für den Verkauf desselben bestimmt: in der Altstadt, in Wolnica, in Muranow, vor dem Eisen= thor, in Solec und in Praga. Am 10. Oktober wurden in der polnischen Bank in Gegenwart der kompetenten Behörden für 4,295,342 Silberrubel 707 Kopeken abgenußte und aus dem Um= lauf zurücgezogene Vankbillets, so wie andere, oon der Bank aus= bezahlte Scheine verbrannt.

London, Sonntag, 14. Oktober, Vormittag. (Tel. Dep. d. C, B) Eine so eben aus Konstantinopel eingetroffene Depesche Lord Stratford's meldet, daß die Russen am 29, September Kars attakirten, Dieselben wurden mit einem Verluste von 2500 Todten und 5000 Verwundeten zurücges{hlagen, Die Türken ver= loren 700 Mann an Todten und Verwundeten.

London, Montag, 15; Oktober, (Tel. Dep. d. C. B.) Colin Campbell ist mit Jnfanterie und Artillerie na< Eupatoria abgegangen,

Nach offizieller Mittheilung habea die Russen vor Kars 4000 Todte und 100 Gefangene verloren.

Paris, Montag, 15. Oktober, (Tel. Dep. d. C. B.) Der heutige „Moniteur“ enthält einen Bericht über die Affaire bet Kars. Nach demselben wurden 4000 Russen beerdigt, und wäre das Schlachtfeld no<h mit Todten angefüllt,

Die indirekten Steuern der ersten 9 Monate dieses Jahres überschreiten dieselben 9 Monate des verflossenen Jahres um 81 Millionen Franken.

P aris, Sonntag, 14. Oktober. (Tel. Dep. d. C. B.) Das Verbot der Ausfuhr von Lebensmitteln aus Algerien ins Ausland ist bis zu Ende des Jahres 1856 verlängert worden.

In der Passage angenehme Stimmung, Die 3proz. wurde anfangs zu 64, 80 gema<t. Als die Nachricht von einer Nieder= lage der Russen vor Kars bekannt wurde, hob sih die 3proz. auf 65, 05. Sämmtliche Effekten {lossen schr fest.

Statistis<e.Mittheilungen,

Die Betheiligung an den leßten Urwahlen im Regierungs- Bezirk Köln stellt si<h na< amtlichen Berichten in der Art heraus, . daß in der ersten Abtheilung von 3783 berechtigten Urwählern 1085, in der zweiten von 11,651 Berechtigten 1677, in der dritten von 78,807 4421, also von überhaupt 94,241 Wählern nux 71853 an den Wahlen Theil genommen haben. (Pr. C.)

Gewerbe- und Handels-Nachrichten.

Von Czerwinsk über Marienwerder nah Marienburg mit Nebenleitungen von Czerwinsk nah Dirschau und von Marienburg nach Elbing ist eine Telegraphenlinie hergestellt worden, welche den Zwe> hat, nicht allein die Stadt Marienivoerden, als Siß der König- lichen Negierung, mit in das Telegraphenneß des Landes zu ziehen, sons- dern auch eine zweite, nicht wie die Linie über Dirschau durch Ueber- s{<wemmungen gefährdete Telegraphen-Verbindung mit Ostpreußen zu ge- winnen. Die Telegraphenstation in Marienwerder wird vom 15. Oktober d. J. ab für den telegraphishen Verkehr eröffnet werden. (Pr. C.)