1856 / 165 p. 3 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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ür geschlossen erklärte. Die Senatoren trennten sich sofort unter wiederholten Kaiser-Vivats. :

Spanien. Man schreibt der „Agentur Havas‘/ aus Madrid vom 8. Juli: „An einigen Punkten der Provinz Toledo sind, namentlih gestern bei Guardia, die Ernten auf dem Halme ange- zündet worden. Die rasch herbeigerufenen Milizen bewäl- tigten {nell das Feuer. Als sie nah Guardia zurüdkehrten, fanden sie, daß sich dort Haufen vor dem Rathhause ge- bildet hatten, die, namentlich aus Weibern bestehend, den Bürgermeister bedrohten und riefen: „Nieder mit den Octroi- Steuern!“ Der Tumult wurde gestillt, es herrsht aber noch Aufregung.‘ Aus Palencia wird der „Asociacion‘’ unterm 4, d. M. berichtet: „„Heute Morgens wurden fünf am 23. Juni verhaftete Aufrührer erschossen. Die Bevölkerung wünscht übrigens die Einstellung der Hinrichtungen. Man unterzeichnet eine Adresse an die Königin, um für die übrigen, welche der Kriegsrath noch zum Tode verurtheilen könnte, Gnade zu erbitten. Nichtsdesto- weniger wird morgen in der Vorstadt eine Frau hingerichtet, welche der Kriegsrath zur Erdrosselung verurtheilt hat.

Italíea.- Turin, 10, Juli, Die „Piemontesishe Zeitung“ veröffentliht so eben den Bericht, welcher im Ministerrathe am 8, Juli dem Könige vorgelegt wurde. Derselbe lautet:

Sire! Ew. Majestät weiß, daß unsere Ostgränze im Grunde ohne Ver- theidigung ist. Diese Sachlage, welche uns stets bedenklich erschien und welche verursacht hat, daß die öffentlihe Meinung der Regierung es streng zum Vorwurfe machte, daß dort nihts geschehen, während an anderen weit festeren und minder gefährdeten Punkten bedeutende Summen ver- wandt werden; diese Sachlage hat fih sehr verschlimmert, seit Oester- rei, dem wiener Vertrage zuwider, Piacenza zu einem großen Kriegs- plaße macht, der eine fortwährende Drohung gegen unseren Staat ist, eine Drohung, der wir entgegentreten müssen, indem wir eine neue

estung dagegen errichten. Schon find einige Arbeiten um Casale zu dem Zwecke ausgeführt, um uns auf der Morgenseite zu decken; doch dies ge- nügt keineswegs, und Jeder weiß, daß es- der Regierung nie in den Sinn fam, daß Casale Alessandria erseßen könnte, selbst dann nicht, wenn diese Stadt mit Alessandria zu einem Vertheidigungs - Systeme ver- bunden würde. Um dieses System zu vervollständigen, ist ein Plan zur Befestigung “der leßtern Stadt entworfen worden. Dieser Plan wurde erst nach dem Schlusse des Parlamentes fertig. Den Be- ginn der besonderen Arbeiten bis zum künftigen Jahre oder zu der Epoche zu verschieben, wo die Autorisirung durch ein Geseß erlangt werden könnte, hieße cine shwere Unvorsichtigkeit begehen. Aus diesen Gründen hat der Unterzeichnete, indem er Ew. Majestät die Gutheißung des Befestigungs- Ptanes überläßt, die Ehre, im Einvernehmen mit dem Kriegs - Minister Ew. Majestät die Unterzeichnung eines Decret-Entwurfes für Bewilligung eines Kredites von einer Million vorzulegen , um die Arbeiten bestreiten zu können, welche vor Gutheißung durh ein Geseß ausgeführt werden,

In Folge dieses Berichtes hat der König ein Dekret erlassen, in welchem die verlangte Million bewilligt wird.

Türkei. Man schreibt der „Pr. C.“ aus Galaß unter dem 4, Juli: „Unser neuer Gouverneur, Herr A. Cusa, scheint die auf ihn geseßten Hoffnungen in Betreff der Straßenpolizei s{chleunigst zu rechtfertigen. Eine neue Ordnung ist zur Reinhaltung der Straßen ins Leben getreten und wird streng gehandhalt, Den Fiackern is ein bestimmter Fahrtarif geseßt und sind ihre Standorte vorgeschrieben wor= den, um dem Publikum zeitraubendes Suchen zu ersparen. Alle hier ankernden Schiffe sollen, wie es heißt, thren in Steinen oder Sand

bestehenden Ballast der Munizipalität behufs der Straßenpflasterung-

überlassen. Die Dienstboten beiderlei Geschlechts müssen bei der Polizei an- und abgemeldet werden und erhalten Konduitenbücher. Die vielen, auf allen Orten und Enden aufgestellten hölzernen Barakken der Juden, die ‘in leßter Zeit die Straßen fast unwegsam machten , sind abgerissen worden und dürfen nicht mehr errichtet werden. Von Bolgrad kamen gestern die 3 Commissaire Derwisch und Muchlis Pascha und Konsul Colla hier an, ihr Aufenthalt hier soll nur von sehr kurzer Dauer sein.“

Aus Jas \y wird der „Pr. C.“ unter dem 5. d. M. Folgendes gemeldet: „Der Ober-Commandeur der österreichischen Occupations- Truppen in der Moldau, Feldmarschall-Lieutenant Graf Paar, ist abberufen worden und hat der Fürstlichen Regierung hiervon, \o wie von der Auflösung des Kaiserlichen Truppen-Kommando's hierselbst offizielle Anzeige gemacht. Jn seinem, an den Minister des Jnnern gerichteten Schreiben, dankt Herr Graf Paar der Regierung für die Bereitwilligkeit, mit welher se seinen Wünschen in Hin- scht auf Logierung, Verpflegung 2c. nachgekommen ist, und spricht \chließlich die Hoffnung aus, daß dieselbe Bereit- willigkeit auch während des nur noch kurzen Aufenthaltes der Kaiserlihen Truppen in der Moldau stattfinden werde. Der General - Major Baron von Gablenz is als ältester General nunmehr Kommandirender des Occupations - Corps. Wie ih vernehme, soll die Räumung der Moldau am 2Wsten d, M. bèginnen und in Monatsfrist beendigt sein. Die mir vorliegen- den Nachrichten über die diesjährige Ernte lauten sehr günstig, zumal in Bezug auf Getreide. Die Wein- und Obst-Ernten wer- den deshalb minder gut sein, weil die Weinstöcke und Obstbäume

durch die strenge Kälte des vergangenen Winters und Frühjahrs stark gelitten haben.“ gang Frühjahr

_ Nußsßland und Polen. St. Petersburg, 10. Juli, v Ls Ukas an den dirigirenden Senat vom 3, Juli esagt :

w 9 Dürre Unsern in Warschau am 15. (27.)

daß Wir, in Berückfichtigung der Lage derjenigen unter ihnen, we

Verirrungen bereuen, und mit Anheimgebung ihres Looses an den Willen der Regierung in ihre Heimath zurückzukehren wünschen, Unseren Gesandtschaften an fremden Höfen gestattet haben, die bezüglichen Bitt- schriften entgegenzunehmen, damit sie durch den Statthalter des König- reichs Uns vorgelegt würden. Jeßt E Wir für gut erachtet, diese Gnade auch auf die Bewohner des westlichen Landstrihs des Reichs aus- zudehnen, welche gleihfalls vom Beispiel fortgerissen oder aus mangel- haftem Verständniß der Abfichten der Regierung, welche stets bereit ist, aufrihtiger Neue Gehör zu geben, bis jeßt im Auslande verweilen, jedo die Erlaubniß nahsuchen, nah Rußland zurückzukfehren und. sich von ihren früheren Verirrungen lossagen. Demzufolge befehlen Wir :

1) Unsern Gesandtschaften an fremden Höfen, Bittschriften von Une

sern Unterthanen der westlichen Gouvernements des Neichs, welehe si während oder in

reuen und ins Vaterland zurückzukehren wünschen, anzunehmen, um sie durh die Minister der auswärtigen und der innern Angelegenheiten Unserem Ermessen zu unterbreiten, wobei pünktlich zu beobachten, daß diese Unsere Gnade nicht auf solche Flüchtlinge ausgedehnt werden soll, welche durch ihr Verhalten fortdauernde Feindschaft gegen Unsere Re- gierung bewiesen haben und noch beweisen. /

2) Alle, welchen die erbetene Eclaubniß ertheilt wird, sollen bei ibrer Rückehr in das Gebiet Unseres Neiches für die Vergangenheit ohne alle Untersuchung und gerichtlihe Verfolgung wegen ihrer früheren po- litischen Vergehen bleiben, da fie ín dieser Beziehung als schon vollständig amnestirt anzusehen sind.

3) Allen sollen vom Tage ihrer Ankunft im Kaiser- oder Königreiche,

und nachdem fie von Neuem den Eid der Treue geleistet, die persönlichen *

Standesrechte ihrer Herkunft gemäß restituirt werden.

4) Denjenigen , welche fich drei Jahre lang nach ihrer Rückehr tadellos aufführen , soll der Eintritt in den Dienst ihren Fähigkeiten gemäß gestattet sein, damit fie Gelegenheit haben, sich nüßlih zu machen, iy zugleih die Aufrichtigkeit ihrer Neue und ihrer Hingebung dar- zuthun.“

Wien, Dienstag, 15. Juli, (Wolff's Tel, Bur.) Ueber Bukarest hier eingetroffene Nachrichten aus Konstantinopel vom 9ten d. melden, daß der Marschall P elissier aus der Krim an- gelangt, daß die deutsche Fremdenlegion nach England eingeschi}t worden sci und daß die Franzosen das Lager bei Maslack zu räu- men beginnen. An der Börse zu Konstantinopel waren die Course weichend.

London, Montag, 14. Juli, Nachts. (Wolff's Tel, Bur.) Jn so eben stattgehabter Sißung des Unterhauses beantragte Lord Russell Vorlage der Correspondenz in Betreff Jtaliens, Russell wünscht, daß man die liberale Partei in Italien keiner Täuschung ausseßez er will keine aktive Intervention Englands; aber auch Hinderung anderer Juterventionen, vornehmlih solcher, welche die Unterdrückung Italiens bezwecken. Palmerston versicherte in seiner Erwiderung, England werde Italien und Sardinien niht verlassen, doch verbiete die Discretion ein näheres Eingehen in die Verhandlungen. Bowyer versichert, Oesterreich sei friedlich gesinnt und werde auch bald seine Truppen aus dem Kirchenstaate herausziehen. Disrael!

erachtet Englands Intervention fruchtlos. Es würden sich dann in

ZFtalien geheime Gesellschaften zeigen, würden Frankrei bedrohen, was der Kaiser Napoleon fürhten müsse, Oesterreich werde mehr von Sardinien bedroht, als dieses von jenem. Lord Russell hält sich von der Erwiderung Palmerston? s befriedigt und zieht deshalb seine Motion zurü.

Im Oberhause regte Lord Lyndhur st die italienische Frage in ähnlicher Weise, wie Lord Russell im Unterhause an. Lord Clarendon erwiderte in demselben Sinne, wie es Palmerston im Unterhause gethan. Jn beiden Häusern wurde die Diskussion über

diese Angelegenheit geschlossen.

Statistishe Mittheilungen.

Ueber den Zustand der Sparkasse der Stadt Breslau im Jahre 1855 gehen der „Pr. C.“ nah amtlichen Berichten folgende Mit- theilungen zu : Die Begründung der Sparkasse erfolgte am 1. Juli 1821 und das legte revidirte Statut {reibt fich vom 6. Oktober 1852 her.

Mai d. J. erlassenen | | Ufas wurde Unseren Unterthanen des Königreihs Polen fund geihan, e de. fih

geseßwidrig aus ihrem Vaterlande entfernten, jeßt aber ihre damaligen i:

Folge des Aufruhrs von 1830 und 1831 geseßwidrig 7 aus dem Vaterlande entfernten, nun aber ihre früheren Verirrungen be: |

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Oas Minimum der Einlage beträgt 15 Sgr. und das Maximum 300 Rthlr. Die Kasse gewährt den Sparern einen Zinsgenuß von 35 pCt. und erhielt für die ausgeliehenen Kapitalien im vorigen Jahre dur- {nitilich 4 Rihlr. 16 Sgr. 3 Pf. Prozent Zinsen. Am Schlusse des Jahres 1854 war ein Bestand von 1,681,046 Rthlr. 12 Sgr. 2 Pf. dorhanden. Während des Jahres 1855 ist ein Zuwachs entstanden a) durch neue Einlagen 487,460 Rthlr. 26 Sgr. 10 Pf., b) durch Zu- shreibung von Zinsen 22,964 Rthlr. 13 Sgr. 2 Pf. Jm Jahre 1355 betrugen die Ausgaben der Sparkasse für zurück…genommene Einlagen 492,362 Rthlr. 1 Sgr. 6 Pf. und es verblieb am Schlusse des Jahres an Einlage ein Betrag von 1,699,109 Nthlr. 20 Sgr. 8 Pf. Ein Separat? Fonds ist nicht vorhanden; dagegen ergiebt der Reserve- Fonds einen Bestand von 86,870 Rthlr. 23 Sgr. 3 Pf. Die Zahl der im Umlauf befindlichen Sparkassen - Quittungsbücher betrug a) bis zur Einlage von 90 Rthlrn, inkl. = 5414; b) über 20 Rihlr. bis 50 Nthlr. inkl. 5086; c) über 50 Rthlr. bis 100 Rthlr. inkl. = 4780; d) über 100 Rthlr. bis 200 Rthlr. inkl. = 3520; e) über 200 Rthlr. = 2324; in Summa = 21,124. i

Jun dem neuesten Heft der „Monatsschrift für Preußisches Städte- wesen von B. Gräser“ (Juli 1856) findet fich eine ganz interessante statistishe Vergleichung, welche an die Verhältnisse der städtischen Bevölkerung im Königreich Hannover anknüpft. Die vom statistishen Amt in Hannover neuerdings veröffentlichten Ergebnisse der vorleßten Volkszählung (vom 3. Dezember 1852) sind zu Grunde gelegt. Die daraus si ergebenden Zahlen aber werden mit Zäblungen der Städte- hevölkerung in den einzelnen Provinzen Preußens, Kurhessens, Niederlands und Belgiens zusammengestellt. Das Königreich Hannover haite, laut dieser Zusammenstellung, am 3. Dezember 1852 in 45 Städten 251,993 Einwohner 5der durchschnittlih in jeder Stadt 5522 Einwohner ; in den 980 Städten Preußens lebten im Jahre 1849 durchschnittlich 4664 Menschen , eine Durlhschnittszabl, die 1852 in 988 Städten die Fürstenthümer Hechin- gen und Sigmaringen waren inzwischen hinzugetreten auf 4695 Menschen gestiegen war. Dagegen fanden si in den 8 Städten Belgiens im Jahre 1846 durshnittlich 12,704, in den 87 Städten Hollands im Zahre 849 durshnittlich 12,593, andererseits aber in den 62 Städten Kur- hessens im Jahre 1849 durchshnittlich nur 3255 Menschen Hannover iff vergleihsweise an Städten sowohl, als an städtischer Bevölkerung ein sehr armes Land. Unter je tausend Hannoveranern befinden sich nur 138 Städter, während auf dieselbe Zahl in Kurhessen 265, in Preußen 283, in Belgien 252 und in Holland gar 358 Stadtbewohner kommen. In den einzelnen Provinzen dieser Länder finden sih freilih starke Ab- weihungen von dem Gesammtverhältniß. So zählte man unter je 1000 Vewohnern in den niederländischen Provinzen Nordholland 634, Süd- holland 523, Utrecht 477, Seeland 299, Geldern 267, Friesland 248, Limburg 240, Nordbrabant 202, Oberyssel 197, Gröningen 178 und in der Provinz Drenthe gar nur 161 Stadtbewohner in den preußischen Provinzen Brandenburg 455, Sachsen 363, Pommern 282, Rheinprovinz 279, Posen 266, Westfalen 228, Preußen 210 und in der Provinz Schlesien auf das Tausend 211 Stadtbewohner in den belgischen Pro- binzen Antwerpen 360, Brabant 287, Westflandern eben so viel, Lüttich 265, Ostflandern 263, Hennegau 200, Limburg 168, Namur 146 und in der Provinz Luxemburg auf das Tausend 121 Stadtbewohner, in den kurbessishen Provinzen Niederhessen 304, Hanau 276, Oberhessen 2D: Fulda 157 endlich in den hannovershen Provinzen Harz 412, Hildes- heim 186, Ostfriesland 181, Hannover 156, Lüneburg u Osnabrüdck 79 und in der Landdrostei Stade gar nur 73 Stadtbewohner auf jedes Tausend. Ganz unten an auf der Staffel städtisher Bevölkerungsmenge, fügt August Lammers, der Verfasser dieser Notiz, hinzu, stehen hiernach, die drei hannoverschen Provinzen Stade, Osnabrück und Lüneburg; dret andere, nämlich Hannover, Ostfriesland und Hildesheim, behaupten sih etwa auf der Höhe derer, die in den übrigen oben angezogenen Ländern am tiefsten stehen, der belgischen Provinzen Luxemburg, Namur, Limburg, der bolländischen Probinzen Drenthe, Gröningen, Oberhssel und der fur- hessischen Provinz Fulda; keine der übrigen oben aufgeführten Provin- zen, namentlich feine der preußischen Provinzen, wird bon einer der hannoversben den Harz allein ausgenommen erreicht. Aber auch die betreffende Bevölkerung des überhaupt nicht sehr umfänglichen, ganz eigenthümlichen, und nur von 35,720 Seelen bewohnten Harz - Distrikts fommt der entsprehenden Bevölkerung der Provinz Brandenburg und der drei obersten Provinzen Hollands noch immer nicht glei. (Pr. C.)

Ueber die Handelsbewegung des Hafens von Tampico im Jahre 1855 liegt der „Pr. C.“ eine Notiz vor, nach welcher die Zahl der ein- und ausgelaufenen Schiffe zusammen 226 von 1m Ganzen 0,384 Tonnen Gehalt betrug, während der Gesammtwerth der Ladungen, sowohl des Imports als des Exports, sich auf 6,903,170 Dollars belief. Jm Verhältniß zum Vorjahre stellt der Werth der Ladungen eine Zu- nahme beraus von 1,310,396 Dollars, wovon 652,336 D. auf die Ein- fuhren, 657,660 D. auf die Ausfuhren fallen.

Landwirthschaft.

Nach den Berichten über den derzeitigen Stand der Ernten im Königreich Belgien, welche bei der dortigen Regierung ein- gegangen find, gestalten fich die diesjährigen Aussichten überaus er- freulich. Roggen, der unter besonders günstigen Bedingungen abgeblüht hat, ebenso Weizen, Spelz und Dinkel stehen überall vortrefflich. Gerste, Hafer, Bohnen und Erbsen berechtigen gleichfalls aller Orten zur Er- wartung eines guten Ertrages. Nicht ganz so günsti steht es mit Buchweizen, welcher hin und wieder erst von den Früßhjahrsregen, nachher von Frost gelitten hat, im Uebrigen jedoch noch zu weit zurück

ist, um schon jeßt über den künftigen Ausfall ein bestimmtes Urtheil zuzulassen. Dagegen scheinen - die Kartoffeln selbst das vorjährige Ergebniß noch übertreffen zu wollen: fie stehen durchweg vor- trefflih im Kraut, zeigen keine Spur der Krankheit, und die früh reifen- den Sorten sind mehlig und auch sonst von guter Beschaffenheit. Raps und Flachs haben in manchen Distrikten von Frost und Feuchtigkeit etwas gelitten, fih jedo seit Eintritt des besseren Wetters wieder erbolt, und stellen eine befriedigende Ernte in Aussiht. Dasselbe gilt von allen Sorten Futterkräutern. Nur die Obstbäume befinden sich in einem ab- normen Zustande, indem für Steinobst die Ernte voraussihtlich fich fast auf Nul reduziren, für Kernobst mittelmäßig sein wird. Jm Ganzen liegt also, was Belgien betrifft, hinreihender Grund vor, nah den mit- telmäßigen oder s{lechten Erträgen der drei leßten Jahre nunmehr einer reichlichen Ernte, und in deren Folge einem angemessenen Herabgehen der Preise entgegenzusehen. (Pr. C.)

Gewerbe- und Handels-Nachrichten.

Nachrichten aus Wars au zufolge, waren von dem Proviant, welches, im Belauf von 22,810 Tschetwert Mehl und 1560 Tschetwert Grüße, mittelst Verfügung des Fürsten Statthalters vom 21. März aus den Armee-Magazinen angewiesen war, um an unbemittelte Einwohner des Königreihs Polen entweder gegen fofortige Baarzahlung oder auf Stundung abgelassen zu werden, bis Ende Juni bereits über 20,000 Tschetwert Mebl und 1560 Tschetwert Grüße verkauft oder vorschußweise überlassen. Der Fürst Statthalter hat darauf eine neue Anweisung auf die Verabfolgung von noch 9500 Tshetwert Mehl und 1055 Tschetwert Grügze aus denselben Magazinen zu gleichem Zweck ertheilt. Die hierzu beorderten Magazine befinden sich zu Kaluszyn, Minsk, Siedlec, Zamosc, Neu-Georgiewsfk, Lomza, Suwalki und Mariampol. (Pr. C.) :

Marktpreise

Berlin, den 14. Jali.

Zu Lande: Hater 1 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf. Zu Wasser: Weizen 4 Rthlr. 23 Sgr. 9 Pf, auch 3 Rihlr. 10 Sgr. Roggen 3 Rthlir. 21 Sgr. 3 Pf., auch 3 Rthlr. 40 Sgr. Grosse Gerste 2 Rihlr. 20 Sgr., auch 2 Rthlr. 15 Sgr. Haser 1 Kthlr. 20 Sgr., auch 4 BRthlr. 16 Sgr. 3 Pf. Erbsen 3 Kthlr. 12 Sgr. 6 Pf., auch

3 Rthlr. 3 Sgr. 9 Pf. Sonnabend, den 12. Juli.

Das Schock Stroh 411 Riblr., auch 10 Rthlr.

1 Rthlr. , geringere Sorte auch 25 Sgr Kartoffeln, der Scheffel 4 Rthlr. 20 Sgr., auch 25 Sgr., metzen-

Der Centner Heu

| weis 3 Sgr. 6 Pf. auch 2 Sgr. 6 Pf.

Leipzig, 14. Juli. Leipzig - Dresdener 2897 Br. Löbau - Zit- tauer 67% G. Magdeburg - Leipziger 388 G. Berlin - Anhaltische —. Berlin - Stettiner 152 Br. Cöln - Mindener —. Thüringische 4124 Br. Friedrich- Wilhe!ms-Nordbaha —. Altona-Kieler —. Anhait-Dessauer Landesbank-Actien Litt. A. n. B. 4455 Br.; Litt. G. 1287 Br. Braun- schweigische Bank-Actien alte 4144 Br., do. von 1856 1427 Br. W eima- rizche Bank-Actien Litt. A. u. B. 4134 Br. Wiener Banknoten 101 G. Oesterreichieche Sproz. Metalliques 85 G. 1854er Loose —. 1854er

National- Anleihe 86% Br. Preuss. Prämien-Anleihe —.

amburg, 14. Juli, Nachmittags 2 Uhr 40 Minuten Schlass-Course: Preussische Atproz. Staats - Anleihe 100. Preus-

sische 3&proz. Prämien - Anleibe 4115. Oezaterreichische Aproz Loose

04+. Sproz Spanier 264. Aproz. Spanier 235. Stieglitz de 1855 id N G A barper 1042, ’Céln-Minden 455 G. Mecklenburger 58. Magdeburg - YVittenberge 48 Br. Ber!:n-Hamburger ste Prio- rität 4002. Cö!n-Minden 3te Priorität 83 G. Feste Stimmung. Stieglitz 955 G. Disconto 6% pt

Getreidemarki. Weizen und Boggen sest gehalten, aber ohne Kauflust. Oel loco 324 Br., pro Oktober 32, 315. Kasfee, fester Markt

4E, 42.

16 Wien, 15. Juli, Nachmittags 12 Uhr 45 Minuten. (VWolif’s Tel, Bur.) Börse ziemlich fest, aber still. i e Vükbriänleiko 89, S5proz., Metalliques 84. 4Zproz- Metalliques T4. Bankactien 1110. Nordbahn 285%. 4854er Loose 1065. National-An- lehen 85%. Bank - Interims - Scheine 360. London 410, 025. Hamburg

75%. Paris 1495. Gold 7. Silber 3.

nkfsart a. M., 14 Juli, Nachmittags 2 Ubr 52 Min.

D S E zu Seipeaden Preisen. : Kurhessìsche und Badische _ Spanische Obli ationen niedriger. ;

S Tue E Kevile preussische Anleihe 4123. Prenussische

Kassenscheine 1045. Friedrick-

Cöln-Mindener Eisenbahn-ÁActien —. VV ilhelms - Nordbahn —. Frankfurt-

Ludwigshafen - Bexbach 450.