1856 / 294 p. 3 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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inzwischen zurü>gekehrt waren, mit 34 gegen 33 Stimmen, also mit der Majorität von einer Stimme genehmigt. Die Haupt- Beschwerde gegen dieses Ret lag in der hohen Ziffer der für das Kriegswesen geforderten Summe, wel<he man in den leßten zwei Jahren aus Rücssiht auf die europäischen Zustände bewilligt hatte, aber bei dem nunmehr wieder hergestellten allgemeinen Frie- den nicht bestätigen wollte. Der Minister des Innern, Herr Simons, wekcher {hon während der Berathung seines Budgets über Unwohlsein geklagt hatte, ist seit Sonntag bedeutend erkrankt. Köln. Z.) i

i Géoßbritannien und Irland. London, 10. Dezember. Der Herzog von Cambridge entfaltet als Oberbefehlshaber des Heeres eine große reformatorische Thätigkeit, Ein von ihm er- lassenes, auf die Heranbildung eines tüchtigen Generalstabes abzie= lendes Edift verordnet, daß die kommandirenden Offiziere den Ge=- neralen bei der halbjährigen Inspection diejenigen Offiziere nennen mögen, welche si< dur< Tüchtigkeit vor allen ihren Kameraden hervorgethan haben, daß solhe Offiziere mit Genehmigung des Oberbefehlshabers auf der Liste des Stabes vorgemerkt und, wenn die Reihe an sie kommt, in den höheren militairischen Wissenschaf- ten dur eigens dazu bestimmte höhere Offiziere kostenfrei unter- xihtet werden sollen. Der Lehr-Kursus ist auf 50 Offiziere be- \{ränkt. Eine zweite Verfügung bestimmt, daß die Pioniere künftig aus geschi>ten Handwerkern gewählt werden sollen, daß sie statt der Muskete ihr Handwerkszeug mit si< zu führen haben, und daß jeder Compagnie Jnfanterie ein Korporal und ein Gemeiner vom Pionier-Corps beigegeben werden sollen.

Der Kriegs-Minister war gestern in Woolwich, wo Shhieß- übungen vorgenommen wurden, um die Vortheile von ges{<molzenem Eisen, als Füllung von Hohlkugeln, im Vergleih mit den bisher gebräuchlichen rothglühenden Wurfgeshossen zu erproben. Die Experimente bestanden darin, daß eine Zahl von Hohlkugeln mit geshmolzenem, eingegossenem Eisen gefüllt, auf einige alte Holz- bara>en geworfen wurden, Diese wurden rascher in Brand geste>t, als dies beim Gebrauche von glühenden Kugeln der Fall zu sein pflegt; überdies soll die Methode den Vorzug haben, daß der Füllungsprozeß weniger Zeit erfordert, als das Glühendmathen von Vollkugeln.

Frankreich. Paris, 10, Dezember. Der „Moniteur“ füllt heute se<s Spalten mit dem Abdru>e der zwischen Frankreich und Großbritannien abgeschlossenen postalischen Uebereinkunft, deren Ratificationen am 18. November hier ausgewe<selt wurden. Der Staatsminister hat auf Befehl des Kaisers seinen Kollegen angezeigt, daß dieses Jahr keine Ordens - Verleihungen aus Anlaß des Neujahrstages erfolgen würden. Als Grund dieser Verfügung

giebt man an, daß die Zahl der Ordens = Ritter bereits die dafür

vorgeschriebenen Grenzen weit überschreite, Die Familie Orleans läßt gegenwärtig ein Gut im Departement der Nordküsten ver= kaufen, welhes den Rest ihrer früheren Besißungen im Herzogthum Penthievre bildet. Der dritte Band der Denkwürdigkeiten des Herzogs von Ragusa ist erschienen. Das Interesse seiner Mitthei= lungen wä<s, je mehr sie sih dem Zeitpunkte nähern, wo er selbst eine politis<he Rolle spielte, Aus Oran wird gemeldet, daß ein Theil der zu Feldarbeiten verschriebenen Chinesen dort angelangt und sofort passend untergebraht worden war. Weitere Transporte sollten in den nächsten Wochen eintreffen.

41. Dezember. Heute Nachmittag 2 Uhr ist Se. Königl Hoheit der Prinz Friedri<h Wilhelm von Preußen auf dem Bahnhof der Nordbahn eingetroffen. Der. Prinz wurde auf dem Bahnhofe von dem Prinzen Na poleon und der preußishen Ge- sandtschaft empfangen und begab sich, geleitet von diesen und einem Detachement Guiden, nah den Tuilerjeen, Der Kaiser cmpfing den Prinzen an der großen Treppe. |

Italien. Wie aus Genua, den 7, Dezember gemeldet wird, nimmt die so zunehmende Auswanderung na < Ame- rika die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspru<h. Es vergeht fast feine Woche, in welcher ni<t aus den Häfen von Genua und Savona 100 bis 150 Emigranten nach der neuen Welt absegeln. In der Provinz Chiavari allein wurden im Laufe der leßten fünf Jahre ni<ht weniger als 40,000 Pässe nah Amerika ausgegeben,

Türkei, Man schreibt der „Pr. C.“ aus Konstantinopel vom 28. Novbr, : „Jm Jahre 1850 entschloß sich die türkische Regierung, zum Behufe einer geordneten Vertheilung und Verwaltung der Steuern, vor Allem eine Katastrirung des Grundbesißes und eine gleihmäßige Heranziehung desselben zu den Staatslasten zu bewirken. Diese Arbe't wurde auf mehreren Punkten in den verschiedenen Provinzen des ottomanischen Reiches begonnen, Da es si bei den Na<hforschungen im smyrnaer Bezirke herausstellte, vaß der größere Theil des Grundbesißes, wenn au nominell türkischen Unterthanen zugehörig, thatsächlich in den Händen von Europäern war, so nahm diePfort1e die Mitwirkung

Der fremden Konsuln zur Erleichterung der heteffenden Arbeiten“

in Anspru<h, Eine gemishte Kommission hat nun an Ort und Stelle eine vollständige Karte aufgenommen und eine Steuerliste angefertigt, Gleichzeitig hat dieselbe ein Reglement für-die

Vertheilung und Erhebung der Steuern im Smyr:

Bezirk ausgearbeitet, wel<her vom Divan genehmigt “eid Il veröffentliht worden ist, Die für das Ausland wichtigste Bestim mung desselben besagt, daß au diejenigen“ Europäer, welche aux den Namen - türkischer Unterthanen Grundbesiß- erworben haben fortan zur Besteuerung herangezogen werden sollen.“, G Konstantinopel, 3. Dezember. Die Expedition nach dem persishen Golf ist bereits im Gange. Dem Vernehmen nach ver- langt England eine geregelte Feststellung der we<selseitigen Han- delsbeziehungenz Frankreich soll dieses Verlangen unterstüßen : Feruk Khan hatte gestern eine lange Konferenz mit Reschid Pascha

Nachrichten aus Konstantinopel vom Sten d., welche in Wien den 11. d, eingetroffen sind, wiederholen die Meldung von der Uebergabe Herats an den Perser-General Murad S {afi Es wird ferner berichtet, daß englische Truppen bereits an den Küsten des persischen Golfs operiren, daß indessen von Seiten Frank- rei<hs zwis<hen England und Persien vermittelt werde, und daß der für den französischen -Hof bestimmte, in Konstantinopel gn wesende persishe Gesandte Fer uk Khan desfalls mit Lord Straqgt- ford konferire.

Dánemark, Kopenhagen, 9, Dezember. Der Geh, Konferenzrath von Scheele, welcher wieder aus Holstein hier ein- traf, begab si< kurz nah seinem Eintreffen zu Sr, Majestät dem Könige nach Frederiksborg, wo Allerhöchstdieselben no<h weilen. (H, C,)

Amerika. Aus Rio de Janeiro wird der „Pr. C.“ gez meldet, daß der neue brasilianis<he Zolltarif, dessen Ver- öffentlihung von Tag zu Tage erwartet wurde, mit dem 1. Juli 1857 in Kraft treten soll.

Einer Privat-Mittheilung aus derselben Stadt zufolge war der bisherige außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte brasi- lianis<he Minister in Montevideo, José Maria do Amaral, mit Bei- behaltung seines diplomatischen Charakters bei der Regierung der Argentinishen Conföderation accreditirt worden und am 1, No- vember na< Paraná abgegangen. Dagegen war der bisherige Geschäftsträger in Buenos Ayres und Paraná Joaquin Thomas de Amaral, ein Bruder des vorgenannten, nah Montevideo verseßt worden und befand si< bereits am Orte seiner neuen Bestimmung. Aus Berlin war der Attaché der hiesi- gen Kaiserlichen Gesandtschaft, Herr Delfin Pereira, am 3ten v. M, mit dem Dampfer „Tamar“' in Rio angekommen. Eben #0 war aus Paris bereits einige Tage früher mit dem französischen Dampfer „Cadix“/ der General-Direktor der Abtheilung des Reichs- Ministeriums für Staats-Ländereien, Souza y Mello, von seiner Urlaubsreise zurückgekehrt, und war zu hoffen, daß es dessen Be- mühungen gelingen werde, im Laufe der nächsten legislativen Sitzung die endliche Vorlegung des Geseßes zur Anerkennung der protestantishen und gemischten Ehen zu bewerkstelligen, welche in der leßten Sißung wiederum unterblieben war.

Telegraphische Depeschen.

Tilsit, 12, Dezember. Die Trajekt - Verhältnisse sind seit gestern unverändert, Das in hochstehenden Schollen zusammen- getriebene, viele Blänken bildende Eis gestattet nur den beshwer- lichen und langwierigen Uebersaß per Eisboot. Pä>ereien sind seit 72 Stunden nicht befördert. Wasserstand 19 Fuß 6 Zoll, Ganz gelinde Witterung.

Kunst -.und Wissenschaft.

Die „Geschichte der Welt“, von Dr, C. Werni> e (Ober- lehrer an der Königlichen Elisabetbshule hierselbst) liegt mit der eben erschienenen zweiten Abtheilung des dritten Theiles nunmehr vollständig vor uns. Es ist dies ein Werk, das unter mehr als einem Gesichts punkt lebhafte Empfehlung verdient. Es giebt wenig Geschichtsbücher, welche sih, wie dieses, zum Unterricht beider Geschlehter und zum Selbststudium auch eines vorgerü>teren Alters eignen; aber auch del Kenner wird nicht ohne Vergnügen die Folge ihm bekannter Ereignisse und Erscheinungen in diesen gedrängten und inhaltreichen Skizzen an sich bol überziehen lassen. Ein wesentliher Vorzug des Werkes ruht in der un!- versellen Tendenz des Verfassers, der es verstanden hat, nicht bloß die poli- tische Entwi>kelung der Zeiten und Völker zu charakterisiren, sondern in seinen Bericht von den Thatsachen zugleich eine ausgiebige Schilderung der Kultur und der Sitten, der Literatur, der Wissenschaft und der Kunst aller Völker und Zeiten zu verflehten. Ein fernerer Vorzug is der e<t

christliche Geist, der das Werk durchathmet, und der streng sittliche Stand“,

punkt, an dem der Verfasser bei allex Anerkennung des Großen und Schönen festhält. Was endlich einzelnen Lesern vielleiht am wenigsten behagen dürfte, nämlich die Ausfühclichkeit, mit welcher der Verfassel selbst die neuesten Ereignisse und Erscheinungen , welche beinabe no< wi Gegenwart erscheinen , vorzuführen bedacht war, das wird in elten Kreisen dem Werke wahrscheinlih zur besonderen Empfehlung dienen, da es ja doch immer eine nicht geringe Zahl von Menschen giebt, die as durch die Pforte des Selbsterlebten den Eingang in die weiten Hallen der Vorgeschichte zu finden vermögen, Der Verleger (Hof - Buchbänd!el Alexander Dun>er in Berlin) hat seinerseits es nicht an einer Mitgif! fehlen lassen, welche geeignet ift, den stattlichen vier Bänden des Werke eiue nngewöhnlich große Verbreitung zu sichern. (Pr. C.)

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Gewerbe- und Handels-Nachrichten.

Bremen, 10. Dezember. Nach einer unterm heutigen Tage publi- irten obrigfeitlihen Bekanntmachung tritt der zwischen der freien Hanse- adt Bremen und den Staaten des Zollvereins vom 26. Januar d. J.

abgeschlossene Vertrag wegen Beförderung der gegenseitigen Verkehrs- perhältnisse mit dem 1. Januar 1857 in Wirksamkeit. Die Eröffnung der im Art. 7 des Vertrages erwähnten Zollvereins - Niederlage zu Bremen bleibt für jegt ausgeseßt und wird über den Zeitpunkt ihrer Er- óffnung cine weitere Bekanntmachung erfolgen.

Zugleich wird , unter Bezugnahme auf den Art. 1 des zwischen der freien Hansestadt Bremen, Preußen, Hannover und Kurhessen abgeschlosse- nen Vertrages, die Suspension der Weserzölle betreffend, zur öffentlichen Kunde gebracht, daß der zulegt gedachte Vertrag gleichfalls mit dem 14. Januar künftigen Jahres in Wirksamkeit tritt.

Drei andere obrigkeitliche Bekanntmachungen betreffen 1) die Pu- blication und Anwendung des Zollgeseßes, der Zollordnung, des Zoll- tarifs und des Zollstrafgeseßes des Zollvereins; 2) die Verhinderung und Unterdrü>ung des Schleichhandels nach den Staaten des Zollvereins ; 3) die Feststellung der Zollgrenzen der dem Zollverein angeschlossenen Gebietstheile und die Zoll- und Steuerberwaltung in denselben.

Ein aus Antwerpen der „Pr. C.“ vorliegender Privatbericht betrifft einen von dem Minister des Jnnern der belgischen Kammer in der Sißung vom 26. November vorgelegten Geseß-Eniwurf, welcher den Handel mit Lebensmitteln bis zum 31. Dezember 1857 zu regeln bestimmt ist. Bis zum Ablauf dieses Jahres besteht einstweilen noch in Belgien in Gemäßheit des. Gestßes vom 30. Dezember v. J. derjenige Zustand, dessen wesentlihe Grundlagen bereits dur< ein Geseß vom 29. November 1854 gegeben waren. Es sind hiernah zur Zeit nicht nur alle Arten Getreide, Fleis und Vieh, so wie die meisten Fisch- sorten von den sonst erhobenen Eingangszöôllen befreit , sondern es ist au<h, was Weizen, Roggen, Mehl betrifft, jede Ausfuhr ver- boten. Der erste Theil dieser Maßregeln raubte wie der Minister in den Motiven des neuen Gesetz - Entwurfs hHervorhebt —- dem Staat cinen Theil seines jährlihen Einkommens im Betrage von mehr als drei Millionen Fres. Die Ausfuhbrverbote aber haben den gehofften Erfolg nicht gehabt: sie haben die Handelsopera- tionen ershwert und den Preis der betreffenden Artikel vertheuert. Der Minister \{<lägt deshalb vor, die Ausfuhrverbote, mit Ausnahme des für Kartoffeln bestehenden, nunmehr fallen zu lassen, an Eingangs- zöllen für Reis und Fish die im Gesezß vom 19. Juni d. J. definitiv festgestellten zu erheben, Getreide, Mehl und Vieh dagegen provisorisch mit cinem droit de balance zu belegen, welches 50 Centimes per 100 Kilo- gramm für Getreide, 1 Fr. per 100 Kilogramm für Grüße, Mehl, Brod und Fleisch, 2 Centimes per Kilogramm für Rindvieh, 50 Centimes per Stü für Kälber, Schafe und Schweine betragen sollen. Diese für die Dauer eines Jahres vorgeschlagenen Zollsäße halten sih innerhalb der Grenzen der-in England und in den Niederlanden bestehenden.

Eine der „Pr. C.“ von zuverlässiger Seite zugegangene Darstel- lung der Handelsverhältnisse von Gent schildert die Ergebnisse des verflossenen Jahres als nicht sehx günstig im Verhältniß zum Vor- jahre, Den Hafen besuchten 153 Schiffe, nämlich: 47 belgische, 39 eng- lische, 22 hannöôversche, 12 holländische, 9 dänische, 9 bamburgische, 8 französishe, 7 s{wedis<e, 3 me>lenburgishe, 2 preußische, im Ganzen also 25 weniger gegen das Vorjahr. Diese Abnahme erklärte si< aus dem Ausbleiben der sonst für den Plaß so wichtigen russishen Zufuhr. Dagegen bemerkte man eine jährlihe Abnahme im Kolonialwaaren- Handel, wiewohl die großen seit Jahren auf den Unterhalt und die Verbesserung des Kanals von Terneuze, die Erbauung eines Entrepots und andere Anlagen im Gegentheil zu der Erwartung berechtigten, daß Gent als Stapelplaß für den überseeischen Handel an Wichtig- keit gewinnen müßte. Die direkte Zufuhr beshränkte sih 1855 auf 44143 Ballen robe Baumwolle, 1433 Ballen Kaffee, 40 Vallen Pfeffer, 18,935 Ballen Reis. Nur die Einfuhr an Nohzu>ker hatte zugenommen und betrug 10,901 Kisten, gegen 3667 des Vorjahres. Auf den Fabriken lasteten \{<wer die durch \<le<te Ernte und Theuerung komplizirten Handelskonjunkturen, minder {wer indeß als die Baumwollenspin- nereien wurden die Flachsspinnereien betroffen. Die Gesellschaft La Lys, die fortwährend 1800 Arbeiter beschäftigte, zablte ihren Actionairen die gewöhnlichen 5 pCt.,, und nach Abzug der jährlich für den Tilgungs- und Reservefonds ausgeworfenen Summen verblieb derselben ein Ueber- s{huß von ca. 120,000 Frs. Die Garn-Maschinenwebereien, deren Gent gegenwärtig drei besißt, wovon cine mit 200 Webestühlen, befanden sich, so wie die übrigen in den beiden Flandern, das ganze Jahr hindurch thätig be- schäftigt. Die Fabrikate bestehen hauptsächlich in groben, ordinairen Sorten, wittelfeinen für die Färbereien und in Segeltuch, wovon namentlich nach Hamburg, Bremen, Holland, Norwegen und sögar nach China bedeutend ausgee führt wurde. Die Flachsernte war günstig ausgefallen, wiewohl nur 2986 Tonnen russische Saat eingeführt wurden. Ein besonderes Juteresse bieten

die Musterwerkstätten (ateliers modèles d’apprentissage) in Oftflandern, |

deren Anzahl sich jährlich vergrößert. Unter ihnen bestehen die für Seiden- zeuge und Spigzen-Arbeiten ohne Subsidien. Sämmtliche Werkstätten der Provinz kosteten Ende 1855 nur 34,243 Francs jährlich.

Die Bevölkerung Ostflanderns beirug 1855: 791,881 Einwohner (431 weniger gegen das Vorjahr). - Die Anzahl der Armen belief sich auf 190,155 (5590 mehr als im Vorjahr), für deren Unterhalt 1,459,996 Francs verwendet werden. Es komwt also auf 4 Einwehner 1% Dürftige. Die Stadt Gent konkurrirt bei diesen Zahlen mit ciner Bevölkerung von 115,958 Einwohnern (662 mehr als im Vorjahr), darunter 20,266 Dürf- Uge, deren Unterhalt der Stadt 319,596 Francs kostete.

Pa

«_ {F Einer aus Lima in Peru der „Pr. C.“ zugegangenen Mitthei- lung zufolge, ist die neuerdings in landwirthschaftlihen Berichten öfter

als sehr lohnend erwälnte peruanische ungeschälte Gerste dort |

| 3proz. Spanier 36%.

| Badische

ar nicht bekannt. Man vermuthet , daß diese Gerste ein anderes Ur- prungsland als Peru hat, und ihren Namen einem zufälligen Umstand verdankt. Fälle dieser Art kommen namentli< bei Handelsartikeln nicht selten vor. So ftammt der Balsam peruviano ni<t aus Peru, sondern aus Central-Amerika ; Limaholz wird nicht bei Lima gefunden , sondern an der Westküste Mexiko’'s; Panama - Hüte werden niht in Panama, sondern in uayaquil gearbeitet; Chili - Salpeter, wie derselbe häufig in Europa benannt wird, fommt ni<ht aus Chili, soudern aus Peru. Alle diese falschen Benennungen stammen aus alten Zeiten und finden ihre Erklärung meist in dem Umstande, daß die betreffenden Waaren von den bezeihneten Punkten aus zuerst na< Europa gesandt wurden. Wie gleichzeitig aus Lima berichtet wird , find in zFolge des Friedenss{lusses die Sal peterpreise bedeutend gewichen. Guano wird no< immer stark nah allen Weltgegenden verschifft. Die Nachfrage nimmt eher zu als ab. Das bisherige System der Consigna- tion dieses Artikels für Rechnung der peruanishen Regierung wird jeßt hart angegriffen und dem Anschein na< dürfte man die Einrichtung treffen , daß fortan der Guano schiffsladungsweise zu einem bestimmten Preis abgegeben wird.

Marktpreise.

Berlin, den 11. Dezember.

Zu Lande: Weizen 2 Rihlr. 17 Sgr. 6 Pf. Roggen 1 Rthir. 28 Sgr. 2 Pf, auch 1 Kthlr. 23 Sgr. 9 Pf. Grosse Gerste 41 Rihlr. 15 Sgr. Kleine Gerste 1 Rthlr. 43 Sgr. 9 Pt. Hafer 4 Rthlr., auch 27 Sgr. 5 s Erbsen 41 Rthle. 21 Sgr. 3 Pf., auch 1 Rihlr. 20 Sgr. Linsen

thlr,

du VVasser: VVeizen 3 Rthlr. 15 Sgr., auch 2 Rikle. 2 Sgr. 6 Pf. Roggen 1 Kthlr. 28 Sgr. 9 Pf., auch 1 BRthlr. 25 Sgr. Grosse Gerste 1 Rthlr. 17 Sgr. 6 Pf., auch 41 Rthlr. 10 Sgr. Kleine Gerste 1 Rthlr. 13 Sgr. 9 Pf., auch 1 Rthlr. 7 Sgr. 6 Pf. Bafer 1 Rthir, 8 Pf. auch 25 Sgr. Erbsen 2 Rihlr. 2 Sgr. 6 Pf., auch 1 Bthlr. 20 Sgr.

Mittwoch, den 10. Dezember. . Das Schock Strob 7 Rthir., auch 6 Kthlr. 15 Ser. Heu 1 Rtblr., geringere Sorte auch 22 Sgr.

Kartoffeln, der Scheffel 27 Sgr. 6 Pf, auch 20 Sgr., metzenweis

1 Sgr. 9 Pf., auch 41 Sgr. 3 Pf.

Der Centner

Die Markt - Preise des Kartoffel - Spiritus, per 10,899 pro Gent nach Tralles, frei hier ins Haus geliefert, waren auf hiesigem Platze am D Dezbr d aae din oos 25 Rtblr.

6. 243 Rthlr.

247 u. 24 Rthlr.

9 » waer. 24% Rthlr.

40» 245 u. 245 Rthlr.

14.» 25 u. 25% Rihlr. Berlin, den 11. Dezember 41856.

Die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin.

ohne Fass.

Leipzig, 11. Dezember. Leipzig - Dresdener 206 G. Löbau- Zittauer Litt. A. 602 Br.; Litt. B. —. Magdeburg - Leipziger 290 Br.; do. Il. Em. 2495 Br. Berlin - Anbaltische —. Berlin - Stettiner —* Cöln-Mindener —. Thüringische 1365 G. Friedrich - Wilhelms - Nord- bahn —. Altona - Kieler —. Anhalt-Dessauer Landesbank - Actien Litt, A. u. B. 1405 G.; do. Litt. C. 124 G. Braunschweigische Bank- Actien, alte 141 Br.; do. vom Juli 1856 —; do. vom No- vember 1856 —. WVVeimarische Bank - Actien Litt. A. u. B. 12315 G. Wiener Banknoten 965 G. Oesterreichische 5proz. Metalliques 89 Br. 1854er Loose —. 4854er National- Anleihe 813 Br. Preussische Prä-

mien-Anleihe —.

Juan Ee 4 11. Dezember, Nachmittags 2 Dhr 32 in. 3proz. Spanier 34%. 1proz. Spanier 225. Etwas mattere Stimmung.

Getreidemarkt. Weizen loco fest, jedoch etwas ruhiger; pr. Frühjahr unbeachtet, Boggen loco unverändert; pr. Frühjabr ge- schästslos. Vel flau, pro Dezember 31, pro Mai 295. Kaffee un- verändert. Disconto 95, 4% pCt.

Frankfart a. N. 11. Dezember, Nachmitt. 2 Ubr 32 Minut. Oesterretichische Bank-Actien höher,

Schluss - Course: Neueste preussìsche Anleihe 1165. Kassenschcine 404%. Cöln-Mindener Eisenbahn-A ctien —. Friedrich- VVilielms - Nordbahn 644. Ludwigshafen - Bexbach 1463. Frankfurt- Hanau —. Berliner Wechsel 1054 Br. Hamburger Wechsel 885 Br. Londoner Wechsel 41175 Br. Pariser Wechsel 9345 Br. Amsterdamer Wechsel —. Wiener VVechsel 112%. Frankfurter Bank-Antheie —. 4 proz. Spanier 235. Kurhessische Loose 384. Loose 487, Sproz. Metalliques 77. 4ipro. Metalliques 68, 1854er Loose 1035. S:

Preussische

Oesterreichisches National - Anlehen T8%.

Wien, 12. Dezember, Mittags 12 Uhr 45 Minuten. (Wolffs Tel. Bur.) Anfangs matter, bei Abgang der Depesche Kredit - Actien begehrt. Geld flüssig.

Silberanleihe 90. Bank - Actien 1035. Loose 109%. National - Anlehen 84. Paris 1224. Gold 94. Silber 6%.

“Oesterreichische Bank - Antheile 1162.

S5proz. Metalliq. 827. MAiproz. Metalliques 72. Bank- Int. - Scheine 284. Nordbahn 2445. 185&fer London 40, 417, Hamburg 78%.