1884 / 97 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Jahreë\&lusse nur mit einem sehr niedrigen Preise bewerthet wurden und obwohl ferner die Steinkohlenförderung um über 300 000 Ctr. gegen das Vorjahr zurückgeblieben war, ist das Betriebs- ergebniß ein durchaus befriedigendes. Die Robzinkproduktion st ganz unbedeutend höher als im Vorjahre, dagegen wurten an Zinkbleben 73 031 Ctr. mehr als im Iahre 1882 oder noc 39 368 Ctr. mehr als in dem günstigsten Jahre fabrizirt. Auch die Schwefel säurefabrikation ergab befriedigende Resultate. Der Betricbs- gewinn erreichte 2408 114 e, obwohl bedeutende Meliorationsbauten bei den Hütten wie Bergwerken {on direkt zu Besten des Betriebes verrechnet worden sind. Nah Abzug von 86 372 ÁÆ Generalunkosten und 5% Zinsen der Hypothekaranlcibe mit 105 000 Á bleibt Reingewinn 2216742 #; davon find noch 500000 M bei den Erzgruben abgeschrieben worden. Nah Abzug von 10% für den Reservefonds und der Tantièmen reiht der Gewinn aus, um 69/9 Dividende auf das ganze Aktienkapital zu vertheilen und 6126 & auf neue Recbnung vorzutragen. Der Re- servefonds hat nunmehr eine Höhe von 1 255 235 H erreicht. Die seit 1862 erfolgten Abschreibungen betragen zusammen 16 598 091 M Die im Jahre 1879 aufgenommene Anleihe von 3 Millionen Mark ist bis 1800200 Æ amortisirt. x

Die nähste Börsen- Versammlung zu Essen findet am 28. April 1884 im Kasino (bei C. Rothe) statt. :

Leipzig, 23. April. Von der Ostermesse \chreibt die „Lpz.

rend links die Dächer eines Gebäudekomplerxes mit ihren Mansarden- fenst-rn über die Bäume des ums{ließenden Parks aufragen und dur die grünen Wipfel hier und da die Scheiben im Widerschein der Sonne hindur{bliten. Vor diesem Fond entrollt der Maler das

Wahrheit der Schilderung Übertrifft, so sehr bleibt sein Vild in Bezug auf einheitliche Wirkung hinter jenem zurück. Er {ildert, was sih jeden Tag so, wie er es vorführt, zutragen kann, in einem Ausschnitt des ringsumher in gewohntem Gleihmaß dabin- bewegte, vom hellen Tag beleudtete Getriebe der Straße. Im | wogenden Lebens. Die Episode aber ist nit gleihgültig genug, um Vordergrunde des Bildes ftauen si, dur das entstandene Gedränge aud für den Beschauer des Bildes in dem auf- und abfluthenden augenblicklich zum Halten gezwungen, die von rechts und links | Getriebe der Straße völlig aufzugeben, und die Umgebung des vor berankommenden Wagen; zwischen und binter ihnen tauchen die Ge- | unseren Augen si abspielenden Vorganges ift andererseits wieder zu be- stalten berittener Kavaliere und Damen auf, und durch das f=deutend, um nicht ihr selbständiges Ret zu fordern. Ein Drama und ein Gewühl sucht ein vollbesezter Omnibus mit seinem Schimmelgespann | Stillleben streben in Girons Bilde gleihsam miteinander zu verwacsen; hindur{zusteuern. Dies der Rahmen für die Scene, die den Mittel- | zwischen den disparaten Stoffen aber ist eine innere Vereinigung nit punkt der Darstellung bildet, dem Gemälde feinen Titel giebt und | mögli, und fo fallen beide Elemente für den Beschauer ftets wieder in die im Uebrigen durchaus zuständliche Schilderung einen flücbtigen | auseinander. Wie das Bild als hervorragende malerische Leistung Moment erregter Aktion einfügt. Durch die Equipagen hat sich eben | die lebendigste Anerkennung fordert, so ist es doch zugleih auc ein no eine auf dem Heimweg begriffene Arbeiterfamilie bindur{gedrängt, | neuer Beweis dafür, daß nicht in allen Fällen die wirkliche mit der der Mann mit der Spißhacke über der Schulter" das kleinste der künstlerishen Wahrheit sich det. drei Kinder auf dem Arme tragend, die junge Frau ein bereits gröô- —— ßeres Mädchen und einen blonden Knaben mit \sich führend. Ein Neapel, 23. April. (W. T. B.) Mit RNüdcsibt auf die an- Blick zur Seite hat sie in der ges{minkten, elegant gekleideten Schönen, | läßlib der Eröffnung der nationalen Ausftellung in Turin vom 26, die im Fond des vordersten Wagens leb,nt, während auf dem Rücksiß | bis 30. d. M. stattfindenden Geiterlichkeiten bai das Festcomité über einem mächtigen Veilchenstrauß das Schoßhündchen hervorsaut, | in Pompeji die für den 1., 3. und 4, Mai in Aussict genommene Feier nunmehr definitiv aus den 8., 10. urd 12. Maî festgesetzt,

die verlorene Schwester erkennen lassen, und mit einem bösen Zuruf i Gleichzeitig bat das Festprogramm eine Vervollständigung erfahren,

ftreckt ‘fie, sib im Gehen umwendend, gegen die Verworfene, die ( ihrerseits völlig unbetheiligt zu sein affektirt, die Hand mit einer | indem demselben noch weitere Scenen aus dem antiken römischen Leben eingefügt worden sind.

Geberde aus, welche die höcbste Verachtung ausdrückt. Kutscher und

Erste Beilage i zum Deulschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staals- Anzeiger.

Berlin, Donnerstag, den 24. April

Er @ L M G

1884,

habe die Frau wieder Monate lang nichts gehört, und er selbst sei dann allerckings, um mit dem Abg. von Köller zu reden, der Macher gewesen, welcher der Wittwe die lcßte erfolgreiche

2 D

der Regel nur 6 #4 monatlich Pension bei Unfällen gewähre. Deshalb habe auch der Fußbote in Swinemünde nur 6 bekommen fönnen, während eine Militärperson im Ordonnanz- i j er der i i dienst bei derselben Verunglückung 21 4 monatlih bekommen Eingabe an das Kriegs-Ministerium aufgeseßt habe. Fn einem hätte. Die Novelle zum Pensionsgeseß habe mit alle dem | einzelnen Falle seien allerdings derartige Hinterbliebene nah nihts zu \chaffen. Die Civilbeamten erhielten nicht die langwierigen Verhandlungen endlich zu ihrem Recht gekommen, böhere Pension, weil die Postsekretäre als Vorspann benußt | aber auf eine folhe parlamentarische Erörterung des einzelnen werden sollten, um den Offizieren die Freiheit von Kom- Falles fönne man doch nit in der Zukunft Jemand hin- munalsteuern zu erhalten. Das sei das ganze Kunststück der weilen, Der Abg. von Köller sage, der Postillon Negierung. Die höhere Pension wäre schon im vorigen Fahre | stehe in einem fkontrafktlihen Verhältniß zum Post- bewilligt worden, wenn nicht die Regierung deshalb die Vor- halter. Wenn eine private Gesellschaft eine solhe Ein- lage zurückgezogen hätte, Redner exemplificirte u. A. auf den wendung mache, um si natürlichen Verpflichtungen bekannten Unfall in der Hasenhaide, indem er ausführte, daß | zu entziehen, was würde dann der Reichskanzler von

Nichtamfliches.

Preußen. Berlin, 24. April. Jm weiteren Ver- laufe der gestrigen (16.) Sißung des Reichstages wurde die Berathung des Antrags der Abgg. Büchtemann und Eberty, betreffend die Erwirkung einer Pension für alle im Reichsdienst beschädigten Civilpersonen resp. deren Hinterbliebenen, ohne Rücksicht auf das Dienstalter, fortgeseßt.

Der Abg. Richter (Hagen) bemerkte, obwohl der Abg. von Köller erklärt habe, den Antrag nicht verstanden zu haben, bevor derselbe näher motivirt gewesen sei, sei der Antrag doch in der Oeffentlichkeit überall wohl verstanden worden; dies beweise der Umstand, daß in den vier Wochen, wo dieser An-

Ztg.“: Garleder. Nachdem si bereits in den Vorwochen ein befriedigendcs Geschäft entwickelt und auch die Vorläuferin der Leipy- ziger Messe die Frankfurt a. M. Ledermesse einen glatten Verlauf genommen, trat man mit guten Hoffnungen in das Leipziger Meßgeshäjt ein. Die Zufuhren in Unterleder waren nur mäßige und hatten Trier, Siegen nebsst Umgebungen, sowie andere Sohlleder - Produktionsbezirke nicht zu große Mengen auf den Markt gebraht. In wirklid guten Prima - Sortimenten war fast nichts auf den Meß- stapeln zu finden, deshalb variirten auch die Preise je nach Trock- nung und Sortiment zwischen 160—170 M per Centner für bessere und 140—160 Æ per Centner für geringere Gattungen. Wirk- lih feine Waaren wurden entsprechbend höher bezahlt, wie ja Meß- sortimente \{cts etwas minderwerthiger sind und daher auch geringere Course hierfür gelten. Eshweger Sohlleder verflaute sih vom Beginn der Messe an, und es blieb im Ganzen die Nachfrage nach leihterem Sohlleder hinter den gehegten Erwartungen zurück. Vaceleder in feinen Qualitäten behielt seine alten Preise, während untergeordnete Gerbungen etwas schwieriger zu begeben waren. Fahlleder, Kalbleder, Kipse, Blankleder u. \. w. blieben unverändert in den div. Preisen und auf dem Schafledermarkte waren es nur alaungare Australfelle, welche im Preis einen Druck von ca. 10 pr. Hundert Felle zu erleiden hatten. Sämischleder hatte wenig Geschäft. Am Dienstag Abend waren fast sämmtliche Zufuhren ver- kauft. Die Anfuhr an rohen Häuten ist diesmal nit der Ecwäh- nung werth,

Wien, 23, Apuil (ŒW, T, B.) Die Kreditanfstalt- Gruppe hat von dem Finanz-Minister ca, 31 Millionen &l. März- rente zum Course von 944 übernommen. s

An- davon verkauft 425 B, und

Antwerpen, 23, April. (W. T. B.) Wollauktion. geboten 811 B. Buenos-Ayres-Wollen, Lon ets B. Montevideo-Wollen 384 B, verkauft. Preise unver- ändert.

Verkehrs-Anstalten.

Die tägliche Verbindung zwischen Berlin und Stock- holm auf dem Wege über Stralsund-Malmö wird rom Tage der Einführung des Sommerfahrplans 20. Mai ab eine wesent- lihe Verbesserung und Beschleunigung dadurch erfahren, daß von der Königlich preußischen Eisenbahnverwaltung ein befonderer Courierzug zwischen Berlin und Stralsund eingerichtet wird. Der Fahrplan für die durchgehende Verbindung wird sih dann, wie folgt, gestalten :

A. Richtung Berlin-Stockholm: aus Berlin (Stettiner Bahnhof) . j 78 Abends,

n Gran e . 1215 Nachts,

aus Stralsund mittelst Postdampfers mit Tagetanbruch,

n Ba . gegen 11 ° Vorm,

E O am,

C 8 9 Vorm,,

Beförderungsdauer 37 Stunden. B. Richtung Stockholm-Berlin:

S 6109 Abends,

in Malmö L, 9 0 früh,

aus Malms mittelst Postdampfers 915 früh,

n So. : 530 Nachm.,

aus Stralsund (Hafen) . . 940 Nachm.,

E . 1029 Abends,

___ Beförderungsdauer 284 Stunden.

Von besonderem Vortheil für die Reisenden ist der Umstand, daß die betreffenden &ourierzüge der Linte Berlin-Stralsund in Stralsund auf dem Hafengeleise bis zur Haltestelle der Dampfschiffe dur{geführt bz. von leßterer aus abgelassen werden. Zwischen Berlin und Stockholm sowie den bedeutendsten Eisenbahnstationen Schwe- dens wird direkte Einschreibung der Reisenden und des Ge- pàcks stattfinden. Doch ist cs aud zulässig, die Billets erst auf dem Schiffe zu lösen. Einen weiteren Vortheil gewährt die Verbindung au für Reifen nach und von Kopen- hagen. Bei Abfahrt von Berlin um 7_8 Abends gelangt man nach Ankunft in Malmö um 11 0 Vormittags mit dem nächsten der zwischen Malmö und Kopenhagen verkehrenden Lokaldampfer in ten ersten Nachmittagsftunden na Kopenhagen. In der entgegengeseßten Richtung fährt man mit dem ersten, um 76 früh von Kopenhagen abgehenden Lokaldampfer rah Malms, um daselbst auf den Post- dampfer nab Stralsund überzugehen und trifft noch an demselben Tage um 102° Abends in Berlin ein.

Bremen, 23. April. (W. T. B.) Der Dampfer des Nord- deutshen Lloyd „Rhein“ ist heute früh 3 Uhr in Neww-

York eingetroffen.

Dremen, 24 l Œ T B.) Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Nürnberg“ ist gestern in Baltimore und der Dampfer „Salier“ derselben Gesellschaft ist gestern Nachmittag 5 Uhr in Southampton angekommen.

Hamburg, 24, April. (W. T. B.) Der Postdampfer „Hammonia“ der Hamburg-Amerikanischen Paetfahrt- Aktiengesell\chaft ist heute Nacht 12 Uhr, von New-York kom- mend, auf der Clbe eingetroffen.

New-York, 23. Ul, W. T B): Der Dampfer „Canada“ von der National-Dampischiffs-Compagnie (C. Messingsche Linie) ist bier angekommen.

G ä

Verlin, 24. April 1884.

Dem Christusbilde von Munkacsy hat der Berliner Künstler- verein als Mittelpunkt der seitdem wieder eröffneten Ausstellung das im vorjährigen Pariser Salon zum ersten Mal erschienene, viel- besprochene Kolossalbild , Zwei Schwestern“ von Ch. Giron folgen lassen. Nah Form und Inhalt ist es ein echtes Erzeugniß modernsfter französischer Kunst, und eine Betrachtung, die nicht zu einem mehr oder inder schiefen Urtheil gelangen will, wird das Werk nicht von dem Boden loslösen dürfen, aus dem es erwacsen ist und dessen cigenthümliche Physiognomie es in lebendiger Charakte- ristik wiederspiegelt. Jn lebenégroßem Maßstab gehalten, versetzt die Komposition den Beschauer in das Centrum der französischen Haupt- stadt, auf den Platz vor der Madeleine, auf welhem die Boulevards mit der vom Concordienplaß ausgehenden Straße zusammenstoßen und in den Nachmittagsstunden das bunte Gewoge der ele- ganten Welt, der Equipagen und Reiter fi entfaltet. Als Ab- {luß der Scenerie erbebt \ich zur Rechten, zwei Drittel der breiten

aus dem

dringlich

gebende dieser

dulde,

dem woh

dringen.

haltung ,

mälde, we

mehr

chargirende

Figuren de Pferde und fo

\chauenden Pläne des

zu verfolge Anlaß zu

marineblau und der unter

Irrthum

Bildfläche einnehmend, die korinthisce Säulenhalle der Kirche, wähs

Vergleich

Beobachtung erweist,

ih in Arspru zugestanden wi

Genrescene,

Ua De N

lerishe oder ent n Austretens.

fammt lebendig tauchenden Gestalten,

gesenkten

listen V in ebenfalls der Morgendät

Lakai auf dem Bo des mit zw fährts sind allerdings auf den ih gang aufmerksam geworden ;

au ein weiter rückwärts stehende blik nach derselben Seite hin. Im abspielende Episode nur für den au schauer; im Bilde selber wird sie vom Lärm der Straße übertönt, und wie bereits einer dicht neben d “in s{warzer Toilette, berangetreten ist und

o sehr widerlegt fi Vorwurf einer wohlfeilen te sten geht Giron auf eine senfationelle Mittelpunkt der Com nicht cinmal den Ver

erscheinen und ihn peinlich b kum nit befremden, für welches Er nimmt mit dem Motiv, das

Leben

[feilen,

Immerhin

einer wirklich künstlerischen zunächst ohne jeden Rübalt eine vollendet der mächtigen Bildfläche zuzugestehen sein. der Massen nicht blos in den Linien, sondern auch in der Komposition Kraft und Feinheit der Stimmung Gesammt-

Behand- aber auch

durch Ton und Farbe, die im Detail sowohl die vornehme, nirgends

„wenn der Vergleich gestatte weltmännishen Sicherheit des Bildes zeigt dabei Nid Rezept; sie beruht auf einer durchaus unbe losen Auffassung und wahren Erscheinung, Wiedergabe der Me durcdringenden Licht und mehr

sicbtbare Figur nur mit Mühe bald wieder die cine oder die andere verschw

strebt.

ner Mißdeut

er Robe freilich

erklärlich,

des ersten Wagens kennen oder doch einen Augenblick über die wirklich an der Scene Betheiligte zu s{chwanken. Klärt dieser anscheinende Zwiesp freilich leiht genug wieder auf, so bleibt da auf den nur kurz hingedeutet sein möge, weit über die Grenze der Ein

orzuge

geradezu

rdz er entspriht vielmeh dem modernen Maler gegenüber \ceinungsformen der zum Seite hin objeftiven Unbefangenheit als eine de listen Leistungen gelten. Angriff gegen das Format des Bildes, und wie die hier gescilderte, einen lebe scheint auch bereits die entscheidende Antwort gegeben Indeß ganz abgesehen davon, daß dieser E vorliegende Werk an ih als vielmehr werdende, aus mehrfahen Gründen leit erklärlihe Praxis der modernen Kunst oder besser der mode aus der Periode des stammenden VMriom füglich mit gutem begründete Behaupt ringere äußerliche rechtfertige, sondern

sich ausbreit Bestrebens der modernen französishen Male auch in die Charakteristik der Menschen, einen absihtlihen Zug hinein.

Leben als echte Typen der mode

Lidern

wie es sich ihm

ndenztösen Absicht.

ci stattlichen Falben bespannten Ge- nen leit genug verständlichen Vor- der Mann der jungen Frau folgt, obne den Schritt zu hemmen, mit dem Auge der Richtung ihrer Hand, und r âlterer Herr blickt für einen Augen- Uebrigen jedoch existirt die schnell si ßerhalb des Gemäldes stehenden Be-

er Arbeitergruppe stehenden Dame die an den Karren einer Blumenhändlerin die Hand nah einem Bou Scene völlig entgeht, so wird im nächsten Mo selben in dem weiter wogenden der einfah natürlihen Wahrheit entspreche zeugend, sich hierin die Auffaffung des ch damit der gegen das Bild erk:obene Nicht im Entfernte- _Aufbauschung des in den position gestellten Vorgangs aus; ja er mat su, der derbgesunden Ge Volk dur den Ausdruck irgendeiner die Sympathie des Beschauers zu gewinnen. er sicht, ift allcin das des Malers, Wiedergabe des Lebens, Erscheinung darbietet.

Leben vers{wunden sein. S

nd und von unbef

t und es völlig übersicht, welchen er Lebens, dic hier berührt wird, im Roman und d längst auch in der bildenden Kunst si zu er-

Was diesem oder jenem Beschauer

Bilde zu

gestalt darf Girons

wie in der ruhig

mühelose

Auftretens,

Beobachtung der Natur

rnen Künstler trifft, Kultus der Historienmalerei Recht die nicht ung entgegenstellen, daß nicht die böbere Bedeutung des Motivs den lebenêgro

Eleganz der 1 prunkend hervordrängt ,

nirgends ein Ringen mit der Aufgabe spüren läßt, geben dem Ge- t ist, das Gepräge einer vollendet Die ganze Haltung des 1ts von einer Malerei nach dem überlieferten fangenen, voraus\eßzungs- in ihrer unverfälscht

erühren mag, kann das Publi- der französisWe Künstler schafft. er behandelt, kein anderes Recht für ch, als es dem niederländischen Genremaler bercitwillig r nur der oft genug mit Recht erhobenen Forderung, etgenen Zeit, das ihn

unmittelb en, Und gerad

großes Gemälde in

r Tönsftlerisch

inwand nicht sowohl das allgemeiner

eine immer

meisterhafte Behe

Die glückliche Abwägung

geschlossenen

und wie das Bild nach dieser Seite hin

nschen und Dinge im

mitsprechen ,

Eine andere Unklarhe

Komposition kokette als

in die mehr

a in Der vielmehr in

herausfordéärt, an

i rständliche Dis Bildes erreicht, in denen man bald für den Plaß findet, auf

Mäd

hervorschauenden i hellgekleideten ihr die

weit Giron die gehaltene Hermans, die zu

hell und flar d

des Tages, ein ausgezeihnetes Beispiel des enden und siegreih vordringenden rei darstellt, so trägt es die es schildert, nirgends Sie geben sich im Bilde wie im rnen Gefellshaft ohne jede \{chmeich- stellende Zuthat, ohne jede Spur eines \causpielcrisch{ l 1 Gegenüber der Bedeutung, die das Bild dur diese Objektivität der Schilderung gewinnt, treten die geschickt verdeckten, nichtsdestoweniger aber dem aufmerksamen Beschauer nicht entgehenden Mängel ziemli zurück. N f s Vordergrundes, die meisterlich den eleganten in dem

o greifbarer Realität die gezeichneten Menschen und Karossen uns Ensemble die 1 ja selbst die aus ( Häusfergruppen

eine vollständig klare und ve

) gegenüb weiter dem Grün

19. wen Ut position der mittleren diese oder jene welchem sie steht,

indende Partie ve

| it oder wenigstens den ung bringt die unmittelbar hinter der Kalesche der mißrathenen Schwester der Arbeiterfrau sichtbare, mit den behand- \c{huhten Händen ihr Tilbury lenkende

hinein. verlegene Bli Auges

Angerufene

für ein anderer b

da seine weitere Ecörterung C 6 zelbesprechung des Bildes hinausführen würde. Er wurzelt in der ganzen Anlage, ja geradezu in dem wesent- des Bildes. So

lebensgroßem Maßstabe nmerung®“ von Ch.

Scene,

tendenzfreier

quet ausftreckt, die ment jede Spur der-

Künstlers

stalt der jungen Frau edleren Gefühl8regung Das Auge, mit dem sein Ziel kein anderes als die als malerisch interessante Noch weniger berechtigt aber als der Vor- wurf einer unkünftlerishen Tendenz ist der Einwand, der sich gegen die Wabl des Stoffes an ic ricte Raum die Seite des Pariser L Drama behauptet un obern begonnen hat.

verdienst- Am einmüthigften endlich richtet si der mit der Frage, ob eine n8großen Maßstab

darf man s{chlechter ßen Maßstab Mtfertige, n vielmehr vor Allem die hier fraglos bewiesene Fähigkeit, ihn mit der entsprehenden Fülle des Lebens zu durcch-

leitet der leßte Einwand jedo auf das Gebiet Kritik und von ihr wird der Malerei

zurü

cengestalt in fnapper Ihr Ch

macht den Insassin

bekannte,

o richtig, angenster

als auf-

die Er- ar um- e nach

seiner

zu sein.

oder ge-

rrschung

„n Der ie Luft

erstehen auf- hervor-

doch

rgeblich

arafter d des zu er-

alt si estehen,

N einem

¿F führung repräsent im Auge Romeo'’s

ungestüm ershütter

vertraut, mit ande kinder in

rath et welche Unendlich

Falle dur anknüpft liebt, in seine Lieb

muß der denn nur

führt, en ihm an d und voll vulgären uns an kam die

zur Gelt

Paris an

ein Kind,

verkehrt,

Grunde g

Weib; sie

einigung n Weibe

tragischen Tragödie

und die gewölbe en

greift und Allem bot

als Julia, zu einer ih

leßtes Abo

der Döne, Kiel (neu). zu haben.

alle Hindernisse die bestehenden Verhältnisse

keit, diefe finnliche Gluth, diefes Taumeln f andern, von Liebesraserei in Hoffnungslosigkeit, von überschäumender Manneskraft in

er wie cin Knabe handelt. Knabe, der zum ersten Mal mit aller in ihm wohnenden Gluth

digung seiner Wünsche verlangt und

des Liebespaares herbeiführen.

in deren Schlafgemah mit all ihren

Romeo’s Verbannung erfährt.

geliebt hat und daher ohne Reue mit dem Geliebten erkennt jeßt die lie Verhängniß, seiner ganzen Schwere | Aufenthalts in der Todtengrust im Voraus überlegt und alle Willens- kraft zusammenrafft, um selbst auf diese seltsame Weise die Ver-

den Schmerz

Rollen war eine durchaus befriedigende, an reichlich gespendeten Beifallsbezeugungen nit fehlen.

Die Königliche Akademie der Künste bringt morgen, Freitag, den 25., Abends 74 Uhr, im Saale der Sing-Akademie als 6. und

Königlichen Schauspielhause fand gestern die Auf- von Shakespeare’'s „Romeo und Julia! statt. Romeo irt die in wilder Gluth si verzehrende Jugendliebe, welche über hinwegstürmend nur den einen Gegenstand ihrer Liebe hat, und im Kampf gegen die hergebrachte Ordnung, gegen zu Grunde geht. Der Untergang wird allerdings dur eine seltsame Verknüpfung äußerlicher

Zufälle herbeigeführt, aber das treibende Motiv ist doch eben seine

e Leidenschaftlichkeit, welche ihn eine Vereinigung mit der

soeben von ihm getrennten Geliebten auf die abenteuerlichste Art be- werkstelligen läßt.

Er geht also an feiner Liebe zu Grunde, und diese

nde Tragik erwirbt ihm unser innices Mitgefühl. Wir be-

klagen feine zügellose Natur, welche nicht nur seinen Untergang, \on- dern auch den der kaum lech8zehnjährigen Julia, die ihm blindlings

herbeiführt. Aber cin so leidenschaftliher Charafter will rem Maßstabe gemessen werden, als nüchterne Menschen- gewöhnlihen Lebenslagenz diese Größe der Leidenschaftlich- von einem Affekt in den gâänzlihe Gebrochenheit, dies Alles ver- ne Matt der Leidenschaft, eine tragishe Größe, uns Bewunderung und Furt zugleich einflößt. \{chwierig ist daher die Darstellung diefer Rolle, welche,

wenn auc in bescheidnerem Maße als der Hamlet und Othello, ein genaues Studium, cine feine Beobachtung und selbstrerständlih eine künstlerisbe Befähigung ersten Ranges als ein Mann dargestellt werden, welcher, in einem ganz besonderen

erfordert. Romeo darf nit

ch weibliche Schönheit cnt:üdckt, eine gelegentliche Liebschaft und bierüber die männliche Besonnenheit verliert, \o daß Romeo ift ein Jüngling, fast noch ein

dem Vollgenuß ersten Liebesglücs die Welt, die er

kaum kennt, ganz und gar vergißt, sich Mann glaubt im Kampf um

e, und doch wie ein Kind handelt, das eine \chnelle Befrie- niht die Folgen erwägt. So Romeo aufgefaßt werden, welchen uns der Dichter vorführt, so lassen sih die Konflikte erflären, welche den Untergang Der Romeo, welchen Hr. Lutwig vor- tspriht nicht den angedeuteten Anforderungen. Es fehlte er von innen herausbrechenden, ungestümen Leidenschaftlichkeit,

an der Macht, dies jugendliche Ungestüm mit überzeugender Wahr- heit wiederzugeben, die Seelenkämpfe in ihrer fur{tbaren Kraft klar

zum Ausdru zu bringen, Höhe und Tiefe der Empfindung

{arf abzugrenzen. Hrn. Ludwigs Romeo war zu alt und, um ciñen

Ausdruck zu gebrauchen, nit verliebt genug, um einigen Stellen recht glaubhaft zu erscheinen. So herrlide LTrennungss\cene zwishen Romeo und Julia zarten Feinheiten nit voll nit leidenschaftlich bewegt genug, die

Un Me Or

Wonne des Beisammenseins, der Schmerz über die Trennung, die Verzweiflung, langte nit zum vollendeten Ausdruck. dem Ausbruch der Verzteiflung,

welche die Liebenden im Herzen tragen, das Alles ge- __ In der Grabscene fehlte es dem Zorn in der Begegnung mit

Wahrheit und Größe, der Tod Romeo's verlor an er-

{cbütternder Gewalt, das Grauenhafte fehlte dieser näcbtliden Scene. Die Julia wurde von Frl. Barkany dargestellt.

Julia ist fast nob

das bis dahin, unberührt von dem Hauch der Liebe, jeßt

plößlich mit aller Kraft ihres Herzens sich dem Manne hingiebt, dem sie eine anbetende Liebe entgegenbringt und vertrauensselig folgt. Außer mit ihrem rohen Vetter Tybalt hat sie mit keinem jungen Mann

fie lernt den Romeo kennen und fortan gehört sie ihm ganz

zu eigen, ein unerfahrenes, \{üchternes Kind, das si über die Folgen- \chwere seiner Handlung, i | ift, und, wie Romeo dur Leidenschaftlichkeit, an Unerfahrenheit zu

der Verheirathung mit Romeo, kaum flar

eht. So erscheint Julia bis zu dem Augenblick, wo sie von Iebt erwacht in ihr das thatkräftige welche sie nie eintausct; sie Surhtbarkeit ihrer Lage, und das \chauer- welchem sie anheim gefallen ist, wird ihr in U als fe Die Schrecknisse ihres

troßt dem zwingenden Gebot ihrer Eltern,

tit dem Geliebten durchzuseßen. Es geht eine Veränderung

in ihrem ganzen Wesen vor, das hülflose Kind wird zum handelnden Von da ab ist sie leidenschaftlih, gewaltig und wird zur

Heldin, die gegen ein fur{tbares Geschick ankämpft. Frl.

Barkany entledigte si ihrer Aufgabe mit anerkennenswerthem Geschick, doch reiten offenbar ihre Kräfte an die gewaltigsten Partien der

nicht heran. In der Trennungsscene brachte sie der Verzweiflung niht zum vollen Ausdru, Gurt vor dem Aufenthalt n dom Todken-

tbehrte, wenngleih fie lebhaft genug gespielt wurde, do

der Überzeugenden Gewalt, welche auch den Zubörer unwillkürlich er-

ihn shaudern macht. Mit einer gewissen Haft beschleunigte

Frl. Barkany ihre ers{hütternde leßte Handlung, so daß dieselbe nicht mit all ihren grausigen S{önheiten

zur Wirkung kam. Alles in jedod Frl. Barkany eine ret anerkennenêwerthe Leistung welche sie bei cinigem Feilen und eingehenderem Studium rer Glanzrollen rechnen dürfte. Die Besetzung der übrigen und ließ das Publikum es

nnements-Concert unter Leitung des Direktors Professor

Joachim folgende Tonstüe zur Aufführung: 1) Symvhonie : Weihe

von Spohr, 2) Der Stern von Bethlehem, Oratorium von Villets zu 5, 4 und 2 /( sind in der Sing-Akademie

B{erlin:

innerer

Nedacteur: Riedel. Verlag der Expedition (Sch{ olz). Druck: W. Elsner. Vier Beilagen (cins{ließlich Börsen-Beilage).

trag der Oeffentlichkeit vorliege, auf keiner Seite Mißver- ständniß Plaß gegriffen habe; man habe auf allen Seiten den Antrag so sahlich verstanden, wie derselbe gemeint sei. Er müsse sich nach der sachlihen Begründung des Antrag- steller über die parteipolitishe Behandlung wundern, welche dem Antrage von der rehten Seite zu Theil geworden sei. Die Nechte sei gar niht mehr im Stande, die Dinge anders zu beurtheilen, als vom Standpunkt ihrer, oder der Politik des Reichskanzlers aus. Es scheine bei der Rechten sich überall nur um Wahlpolitik zu handeln. Die Rechte nehme mehr Rück- sicht auf si selbst als auf den „armen Mann“. Er bedaure, gerade bei dieser Vorlage durch den Abg. von Köller zu folcher Polemik gezwungen zu sein. Daß die Fortschrittspartei auf dem Gebiet der Sozialpolitik auch selbständige Geseßentwürfe einbringen könne, beweise der von der ganzen liberalen Seite 1882 eingebrahte Antrag Buhl und Genossen, betreffend die Unfallversiherung. Wäre nicht die Majorität diesem Antrag entgegengetreten, dann wäre zum großen Theil das Volk {on im Besi Alles dessen, was die neue _Unfallversicherungs- vorlage bezwecke. Gerade auf diesem Gebiete der Verbesserung und Einigung der : id habe die Linke ja 1878 zuerst die Znitiative ergriffen, und damit diese Materie in Fluß ge- bracht. Die Unfallentshädigung wolle die Linke ja auch. Nur in Bezug auf die Organisation des Versiherungswesens unterscheide sie sich von der Rechten. Auf der rechten Seite schienen mit jenen Organisationsplänen allerlei politishe MNebengedanken verknüpft zu sein; eine Unter- lage für ein Znteressenparlament, Zwangsorganisationen weit über das Gebiet der Unfallversicherung hinaus. BeV Abg. von Köller wundere si, daß die Linke gerade in diesem Sommer mit dem Antrag komme. Hätte der Abg. von Köller sih mehr mit der Sache beschäftigt, so “hätte derselbe wissen müssen, daß dieser Antrag nur eine Wiederholung desselben Antrages sei, den der Abg. Rikert und er gestellt hätten, als bei der Budgetberathung die Unzulänglichkeit der Fürsorge für verunglückte Beamte bei dem Fall des Postfußboten Mark: graf in Swinemünde praktish hervorgetreten sei. Die Mehr- heit habe damals den Antrag an die Unfallkommission ver- wiesen. Da 0as Ende der Session bevorgestanden habe, sei dadurch die Sache begraben worden. Da in diesem Fahre leine Etatëberathungen stattfänden, müsse man jeßt jolche Anträge selbständig einbringen. Uebrigens behalte er sich vor, da inzwischen ein auch die Civilbeamten betreffendes Pensionsgejeß vorgelegt sei, bei der Verathung desselben auch unmittelbar geseßgeberish vorzugehen. Statt der Linken Vor- würfe zu machen, sollte man derselben umgekehrt dankbar sein sür die Nülsicht, daß sie zunächst die gGnitiative der Regierung anrufe, wo es sich um die Rechtsverhältnisse ihrer eigenen Beamten handcle. Wenn dem Abg. von Köller der Antrag nicht weit genug gehe, warum stelle derselbe denn nicht selbst weitergehende Anträge? Wer, wie der Abg. von Köller das Bessere des Guten Feind sein lasse, errege nur den Verdacht, daß folhe Bemängelung die eigentlichen Gründe nicht wiedergebe. Der Antrag wende sich an das Reich als Arbeitgeber, und wenn es mit der Kaiserlichen Botschaft ernst gemeint sei, so habe das Reich die Verpflichtung als Arbeitgeber, die Ent- schädigungspfliht zu übernehmen. Die Linke habe hier eine spezielle Seite herausgegriffen, hier sei das in dem Unfall- versicherungs8geseße vorgezeichnete Ziel sofort zu erreichen ; hier komme die Organisation des Versicherungswesens nicht in Frage; nur die Anerkennung, daß dieselbe Unfallentshädigung, die man den gesammten Arbeitern zuwenden wolle, au den Reichsbeamten gegenüber am Plate sei, und dann die Er- wägung des Grundsaßes, daß das Reich für die Kosten auf- zukommen habe. Der Antrag beschäftige sich allerdings nicht mit einer Klasse, sondern mit drei Kategorien. Was die Eisenbahnbeamten anlange, so bemängele der Abg. v. Köller, daß der Antrag hier blos für das Reich forgen wolle. Der Antrag thue das, weil das Reich Arbeitgeber sei, und anderer- seits stehe ja die Regelung der Beamtenverbältnisse in Preußen und im Reiche auf einer Linie. Man werde also den Eisenbahnbeamten nicht cinreden, daß die Linke für die RNeichs- eisenbahnbeamten ein Privileg schaffen wolle. Die Eisenbahn- Und Postbeamten seien dur das Unfallversiherungsgeseßz in keiner Weise gedeckt. Wenn der Vorredner auf das Pensions- gesch hingewiesen habe, so sei es gerade der Mangel dieses Gescbes, daß es nur auf das Dienstalter Rücksicht nehme, nicht aber auch auf die im Dienste eingetretene Erwerbsunfähigkeit. Darin bestehe eben eine Ungleichheit zwischen den Militär- und Civilbeamten, deren Beseitigung der vorliegende Antrag anstrebe. Eine Militärperson der Unterklasse, welhe im Dienst erwerbsunfähig werde, erhalte, wenn sie auch nur wenige Monate sih im Dienst befinde, eine Pension gleich demjenigen, der {hon 30 Dienstjahre zähle, der Beamte er- haite aber in demselben Falle höchstens die Pension desjenigen, der 10 Dienstjahre zähle. Selbst die theilweise Erwerbsunfähigkeit gewähre beim Militär den Pensions- anspruch von 18 Dienstjahren. Es sei von Postillonen gesprochen worden. Ein Postillon und Trainfahrer ständen auf derselben Linie. (Rufe rechts: Oho !) Warum denn niht ? Wenn die- selben unter den Wagen kämen, zermalmt würden, und ein Vein amputirt werden müsse, so erhalte der Trainfahrer 30 6 Pension von Rechts wegen, der Postillon im Gnaden- wege höchstens 9 6 monatlih. Wenn der Abg. von Köller lieber die Dienstinstruktion der Postverwaltung gelesen hätte,

es erst nah langen Bemühungen gelungen sei, der Wittwe des von einem Militärposten erschossenen Arbeiters eine aus- reichende laufende Unterstüßung zuzusichern. Armen Leuten halte man ihr natürliches Recht vor, aus taktischen parlamen- tarishen Gründen. Anstatt den Arbeitgebern im Unfaklver- siherungsgeseß Neichsgarantie und Reichszuschüsse zu gewähren, hätte das Reih vor Allem die Verpflichtung, aus seinen Mitteln für seine eigenen Leute besser zu sorgen. Das mache er dem Fürsten Bismarck, der Regierung zum Vorwurf: sie mache große reformatoriste Pläne, sie wolle angeblih Hundert- tausenden und Millionen helfen und helfe ihren eigenen Be- amten nit, denen zu helfen am ersten ihre Schuldigkeit wäre. Gerade die Regierung hätte die Pflicht, durch Ausführung dieses Antrags allen Arbeitgebern im Lande mit gutem Beispiel in Bezug auf Fürforge für ihre Untergebenen vor- anzugehen. / L

Der Abg. von Bernuth erklärte, seine politishen Freunds und er ständen dem Antrage nicht so feindlich gegenüber, wie der Abg. von Köller. Ex halte den Antrag vielmehr für fehr beahtenswerth. Der Abg. von Köller habe gemeint, wenn das Pensionsgeseß im vorigen Jahre niht zu Stande gekom- men sei, so sei die Linke Schuld daran. Er habe auch an den damaligen Verhandlungen theilgenommen, und er gestehe, der Vorwurf treffe nicht die linke Seite des Hauses, derselbe gehe vielmehr nach einer ganz anderen Richtung. Er könne es aber nicht leugnen, daß ihm die Tendenz des Antrages ursprüng- lih unklar gewesen sei. Erst die heutigen fahlihen Dar- legungen des Antragstellers hätten ihn belehrt, daß es sich wesentlich um die Reichsbeamten handele, und daß der Grundsaß, daß der Arbeitgeber für seine Arbeiter sorgen solle, auch auf das Reich als Arbeitgeber „angewendet werden solle. Er erkenne an, daß der Antrag einen bedeutenden sozial- politishen Charakter habe; aber der Umfang des Antrages und feine Folgen besonders nach der finanziellen Seite, be- dürften noch der näheren Erwägung, und seine politischen Freunde trügen Bedenken, denselben ohne Weiteres anzunehmen. Dec Zusammenhang mit dem Unfallversicherungsgeseß sei für ihn unleugbar. Er stelle deshalb Namens seiner politischen Freunde den Antrag, den Antrag Büchtemann an die Kom- mission für das Unfallversicherungsgeseß zu verweisen.

Der Abg. von Köller wandte sich zunächst gegen die Aus- führungen des Vorredners. Er habe sich gegen den Antrag erklärt, niht weil er sih feindlih gegen denselben verhalte, sondern weil der Antrag ihm nicht klar genug gewesen sei. Der Vorwurf der Unklarheit sei dem Antrage ja von dem Vorredner selbs gemacht worden. Er kfonstatire übrigens mit Befriedigung, daß der Vorredner sih in der Sache selbst gerade fo ausgesprochen habe, wie er. Der Abg. Richter habe ihm eine Moralpredigt gehalten , von Der ev ganz niedergeschmettert sei. Der Abg. Richter gebe ihm den guten Rath, er solle doh mehr studiren. Er könne versichern, daß er die Angelegenheiten, die hier zur Sprache kämen, ebenso studirt habe, wie der Abg. Richter. Der Abg. Richter habe übrigens heute wieder bewiesen, daß derselbe über Sachen spreche, die er niht verstehe. Die von dem Abg. Richter gezogene / s{höne Parallele beispielsweise zwischen dem Trainfahrer und dem Postillon passe do durch- aus nicht. Leßterer sei ein privat Angestellter des Posthalters, ersterer diene dem Kaiser und dem Staate. Der Abg. Richter mache ihm den Vorwurf, er spreche allgemeine Redensarten dem Neichskanzler nah. Er verwahre sih dagegen. Uebrigens würde er doch dem Reichskanzler lieber nacsprechen, als dem Abg. Richter. Der Abg. Richter meine, „wenn es mit der Kaiserlichen Botschaft ernsthaft gemeint werde“; der Bundes- rath habe doch mit seinen Vorlagen bewiesen, daß derselbe es ernst meine. Der Linken sei die Sache vielleiht niht ernst. Der Abg. Richter sei ferner auf den Fall des in der Hasen- haide erschossenen Arbeiters zu sprechen gekommen. Der Abg. Richter meine, daß erst die längeren Verhandlungen hier im Hause nöthig gewesen seien, um der Frau zu helfen ; jolche Angelegenheiten ließen sih auch nicht in wenigen Tagen erledigen. Er frage den Abg. Richter, ob er vielleicht der Veranlasser sei, daß die betreffende Frau unterstüßt worden sei? (Abg. Richter: Ja!) Er glaube, so weit reiche der Ein- fluß des Abg. Richter noch lange nicht, Er glaube vielmehr, daß man es den in der Militärverwaltung gehandhabten Grundsäßen zu danken habe, und daß diese Verwaltung eben so gehandelt hätte, auch wenn die Sache nicht zweimal hier verhandelt wäre. Der Abg. Richter sage, wenn das Haus den Antrag annehme, dann sei die Sache erledigt. Wenn das Haus das aber thue, dann habe es einfah in die Luft ge- stimmt. Der Antrag wolle den Reichskanzler, oder den Bundesrath, oder er wisse niht, welche Behörde sonst, er- suchen, eine Vorlage zu machen. Sei damit aber schon ge- sagt, daß die Regierung sie machen werde? /‘ ; doch selbst eine Geseßesvorlage, und wenn sie gut sei, wolle die Nechte auch dafür stimmen, und die Zustimmung der Re- gierung zu erwirken suchen. Mit dem jeßigen Antrage locke die Linke keine Kate hinter dem Ofen hervor. : /

Der Abg. Richter (Hagen) betonte, daß die Wittwe des in der Hasenhaide erschossenen Arbeiters nur eine einmalige Unterstüßung bekommen habe, nachdem fie viele. Monate gedarbt gehabt habe. Als er die Sate hier öffentlich zur Sprache gebracht habe, sei ihm von Seiten des damaligen Kriegs- Ministers eine nochmalige Erwägung zugesagt, unter der Hand

Mache die Linke

der Ausbeutung durch die Aktiengesellschaften sagen? Der Abg. von Köller sage, die Beamten rechneten lieber auf das diskretionäre Ermessen ihres Chefs, als sie auf einen Rechts- anspruch Werth legten. Da bitte er doch den Abg. von Köller, die Beamten selbst zu fragen. Wenn der Gnadenweg dasselbe wäre, fo hätte ja die ganze sozialpolitische Reformgeseßgebung keinen Werth, denn das diskretionäre Ermessen der Arbeit- geber: komme ja den Arbeitern {on jeßt zu Statten, Statt dessen solle ja den Arbeitern ein Rechtsanspruch gewährt werden. Der Abg. von Köller scheine si aber noch nicht von dem Grundgedanken der Kaiserlichen Botschaft völlig durhdrungen zu haben. Derselbe fordere die Linke auf, lieber dafür zu sorgen, daß die diätarisch beschäftigten Be- amten etatêmäßig würden. Bekanntlich seien aber gerade von der Linken, nämlich von den Abgg. Büchtemann, Schrader, Baumbaqh u. st\. w., in den leßten Jahren hier, und im Abgeordnetenhause Anträge gestellt worden, um große Klassen von diätarischen Eisenbahn- und Postbeamten etatsmäßig zu machen. Grade auf konservativer Seite hätten diese Anträge Widerstand gefunden, und seien au nur in Bezug auf die Eisenbahnbeamten theilweise durh- gedrungen. Also die Rechte verweise immer von dem einen auf das andere, sei aber weder für die eine noch für die an- dere Lösung ernstlih zu haben. Der Abg. von Bernuth habe den Antrag freundliher aufgenommen. Wenn dessen Freunde eine Kommissionsberathung wünschten , so könnte seine Partei sich dem niht widersetzen, wünsche aber, daß alsdann der Antrag an eine besondere Kommission gegeben werde, um ihn in derselben nachher zusammen mit den Pensionsgesezen zu berathen. Hierauf ergriff der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Staats-Minister Bronsart vonSchellendor ff das Wort: Meine Herren ! J bin rur durch{ die Anführung des Falles von dem in der Hasenhaide erschossenen Arbeiter genöthigt worden, im Interesse meines Amtévorgängers cin paar Worte zu sagen. Ich bin um so mehr dazu vervflichtet, als die anerkennenden Worte, die der Herr Abgeordnete für meine Amtsführung ausgesprechen bat, ein Verdienst für mich involviren würden, was ih in der That nicht besitze. : dee Fall lag so: Nachdem der Mann durch den Posten in der Hasenhaide erschossen worden war, ift sofort das Offiziercorps des betrcffenden Regiments zusammengetreten und hat der Wittwe eine für die Verhältnisse dieser Frau sehr erhebliche Summe gegeben, so daß im Moment ein Elend, abgesehen von dem Verlust des Man- nes und von dem Kuwmer, den die Frau darüber empfinden mußte, nicht in dem Maße stattgefunden hat, um ein sofortiges Eingreifen der Militärbehörden zu veranlassen. Demnächst ist der Frau dann, wie ih glaube, auch ausreichend, und soweit mich mein Gedächtniß nicht täuscht, auch in derselben Höhe, wie jeßt die dauernde Unterstüßung bemessen ift, auch damals eine einmalige jährliche Unterftüßung ge- geben worden. Die dauernde Unterstüßung hat damals nit ausge, \prochen werden tönnen, weil die Retsfrage noch nit entschieden war, in wieweit der Posten, welcher den Arbeiter erschossen hat, \traf- fällig war, und wie weit ihm, beziehungsweise dem Vermögen, was er zu erwarten hatte, die Reareßpfliht oblag gegenüber dieser Frau. Aus diesem Grunde allein ist eine einmalige Unterstüßung bewilligt worden, und es hat fein Zweifel darüber obgewaltet, vom ersten Tage an, daß, wenn derartige Vorausf\etungen, von welchen wir zunächst Gebrauh zu machen hatten, nicht existirten, der Frau eine dauernde Unterstüßung in derselben Höhe bewilligt werden follte. Nun hat die Untersuhung über diefen Unglücksfall längere Zeit in Anspru genommen. Ich bin persönli sehr genau informirt, weil i der Gerichtsherr dieses Mannes war und der Mann meiner Division angehörte und ih weiß, daß es uns außer- ordentlich viel Mühe gekostet hat, uns davon zu über- zeugen, daß dieser Mann wirklich unschuldig war, weil zunäcbst die Vorausseßung gemacht wurde, der Mann hâtte in der Trunkenheit den Arbeiter ershossen. Es sird aber die Beweise na Heranziehung der höchsten wissenschaftlichen Deputationen, welche wir im preußischen Staate haben, durch Erforderung der Gutachten ganz bestimmt geführt worden, daß bei dem Manne eine mo- mentane psychische Erkrankung vorlag, in Folge dessen er freigesprochen werden mußte auf Grund der Gutachten. Nachdem die gerichtliche Untersuchung, die aus diefen Gründen lange Zeit in Anspruch genommen hatte, ihre volle Erledigung gefunden, war für das Kriegs-Ministerium die Grundlage gegeben, der Frau eine dauernde Unterstüßung zuzusprechen, und i muß hier die Ueber- zeugung ausfprechen, daß, wenn der Wesel in den Personen an der leitenden Stelle des Kriegs-Ministeriums nicht stattgefunden hätte, aub mein verehrter Herr Amtsvorgänger ganz mit derselben Bereit- willigkeit für diese Wittwe die Unterstüßung bewilligt haben würde.

Der Abg. von Benda beantragte , den Antrag einer be- sonderen Kommission von 14 Mitgliedern zu überweisen. i

Der Abg. von Bernuth beantragte, den Antrag einer Kommission von 21 Mitgliedern zu überweisen.

Der Abg. von Köller erklärte, in der Vorausseßung, daß diese Kommission etwas aus dem Antrage machen werde, sei er bereit, für dieselbe zu stimmen. A

Der Abg. Richter (Hagen) bemerkte, dann habe die Dis- lussion doh au dem Abg. von Köller gegenüber ihren Zweck nicht verfehit. Es habe ihm fern gelegen, einen Schatten des Tadels auf den Amtsvorgänger des Kriegs-Ministers zu wer- fen. Die wohlwollende Erwägung, welhe ihm Herr von Kameke früher zugesagt gehabt habe, habe ihn veranlaßt, ge- rade die entsprehende Eingabe an denselben zu verfassen. Das, was von dem Offiziercorps für die Frau aus Mitleid zu- sammengebraht sei, habe nur zu“ den ersten Beerdigungs- kosten hingereiht, dann seien über vier Monate verflossen, bis die Frau auch nur eine einmalige Unterstüßung aus- gezahlt erhalten habe. Aber für den Antrag bleibe der Fall auch nah den leßten Ausführungen des Kriegs-Ministers

auch zu verstehen gegeben, daß nur. eine gewisse {hablonen-

anstatt dem Reichskanzler polemishe Redewendungen nachzu- sprechen, so würde derselbe gefunden haben, daß die Post in

mäßige Behandlung bisher die Schuld getragen habe. Dann

besonders lehrreih. Der Kriegs-Minister habe die Schuld