1858 / 195 p. 4 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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derselben sagt sogar ganz ofen, daß dieses Ereigniß wiederum be- weise, daß die erneuerte französish-englishe Allianz im Grunde ge- nommen keine Allianz mehr sei und nicht verhindere, daß jede der beiden Mächte ihre eigenen Plane Se. Heute fand die óffent- lihe Jahres-Sißung der franzöfishen Akademie unter dem Vorfiße des Direktors derselben , des Herrn Saint Marc Girardin, ftatt, Herr Villemain trug seinen Bericht vor, worauf die Preisertheilung vorgenommen wurde. Für leßtes Jahr hatte die Akademie einen Preis für das beste Gedicht über den orientalischen Krieg ausge- shrieben. Keines der gelieferten Gedichte wurde aber damals für würdig erkannt, und man gab der franzöfishen Dichterwelt den nämlihen Gegenftand no<hmals zur Behandlung. Jept hat fid eine prei8würdige Arbeit gefunden, nämlih die eines Herrn Julius Dallière, Mitglieds der Universität. Eine zweite Arbeit, die des Herrn Pecontal, Unter - Bibliothekars des geseß- ebenden Körpèrs, erhielt eine ehrenvolle Erwähnung. Es waren Îber 600 Gedichte eingereiht worden. Die „Daily News“ wurden deute wieder mit Beschlag belegt. Zur Erinnerung an die Reise des Kaisers werden auf der hiefigen Münze Medaillen eschlagen. Dieselben sollen in der ganzen Bretagne vertheilt wer- en. Heute Morgen wurde Herr Liadères, ehemaliger Ordon- nanz-Offizier Louis Philippe's und ehemaliger Deputirter, begra- ben. Vor eilf Jahren würde dessen Tod große Sensation erregt baben ; heute ift derselbe faft unbemerkt geblieben. Liadères gehörte zu der parlamentarischen Partei, die man „die der Adjutanten“ nannte. Er zeichnete fih in der Kammer durch seine excentrischen

Reden aus.

Italien. Nom, 11. August. Der „Wiener Zeitung“ wird von hier geschrieben, es sei hôcbft unwahrscheinlih, daß General Goyon auf seinen biefigen Poften zurü>kehren werde. Dasselbe Blatt meldet: Der anipreededtión badishe Gesandte Baron von Berklheim erfuhr vor einigen Tagen ein bedauernswerthes Miß- geshi>. Während einer Spazierfahrt des Barons und seiner Be- gleiter wurde die Wohnung erbrochen und aus den aufgerissenen Schränken und Behbältnissen eine bedeutende Baarschaft nebft eben eingekaunften Pretiosen entwendet, Die Wohnung liegt auf dem Pincio in einer ftillen Gegend, wo s<hon öfter Einbrüche statt- gefunden haben.'

Nußland und Polen. St. Petersburg, 13. August. Der Statthalter, Fürft Bariatinski, hat aus Anlaß der kürzlich gemeldeten Siege an die kaukafishe Armee folgenden Tagesbefehl erlássen: „Wiederum haben die Truppen des linken Flügels der kfaufkfafishen Linie eine rubmvolle That vollbracht, indem fie in er- bittertem Kampf in einer faft undur<dringlihen Oertlichkeit in den Diftrikt von Schubug vorgedrungen find. Die Naibs Schamyl's wurden zerftreut und die ihrer eigenen Entscheidung über- lassenen Sawadnet: betroffen dur< die Plözlichkeit einer so kühnen und s{<ôn bere<hneten Bewegung, nahmen unsere Truppen fried- lih auf, im Vertrauen auf den mächtigen Schuß Rußlands. Jch eile dem General - Lieutenant Jewdokimoff und allen Truppen, die an einer fo hervorragenden That theilgenommen , meine herz- lihe Dankbarkeit auszusprehen.“ Nach einer Uebersicht über die Thätigkeit der Censur find im verflossenen Jahre in Ruß- land 1425 Originalwerke und 201 Ueberseßzungen erschienen. Jm Es 1856 wurden unter der Censur des Ministeriums der Volksaufflärung 110 Zeitschriften und Zeitungen heraus-

gegen, zu denen im Jahre 1857 noch 14 traten (davon ein fran- ô

scher, eine in lettisher und zwei in efthnisher Sprache). Außer- des wurde die Allerhöchfte Erlaubniß zum Erscheinen für 16 neue Zeitschriften ertheilt. Die Zahl der ershienenen Bücher ift gegen das Vorjahr ftationair geblieben ; dagegen hat fi die Zahl der ein- geführten etwas vermehrt. Es wurden nämli im Zahre 1857 : 1,613,862 Vände eingeführt, oder 331,622 mehr als im Vorjahr. 1087 Werke sah das Censur-Comité, 1190 saben die Censoren in Reval und Dorpat dur<. Verboten wurden hauptsächlich politische Werke, Romane, Novellen, theologische und hiftorishe Bücher. Auf Bitte der Buchhändler oder anderer Personen wurden 3547 Werke, welche von der Censur entweder verboten oder mit Ausschließungen erlaubt waren, wieder über die Grenze zurü>gesandt, Zm B ION Polen kamen zur Begutachtung der Censurbebörde 564 Werke (20 mehr als im Male von denen 463 exportirt, 32 den Autoren „zur Verbesserung“ zurü>gegeben wurden und über 59 no< keine Entscheidung gefällt war. Cigeiöhrt wurden 121,124 Bánde fremder Schriften oder etwa 16, mehr als im Vorjahr.

Paris, Freitag, 20. Auguft, (Wolff's Tel, Bur.) Der Kaiser if geftern in Rennes eingetroffen,

Paris, Freitag, 20, Auguft, Abends. (Wolff's Tel. Bur,)

Der Kaiser hielt bei seiner Anwesenheit zu Rennes eine Rede , in welcher er unter Anderem sagte: Pflicht und Sympathie hätten ihn nach der Bretagne geführt. Aus Sympathie befinde er fich inmitten des bretagnishen Volkes, das vor Allem monar<his< und fatholish gefinnt und ein Land der Soldaten sei. Frankreih wolle

eine ftabile, aufgeklärte und gere<te Regierung, die, indem sie re<ts<afene Leute zu fih ruft, dur< Einigkeit im Jnnern stark genug sei, um au im Rathe Europas geachtet zu werden, Der Kaiser {loß die Rede mit einem Toast auf die Bretagne.

Landwirthschaft.

Ueber den Stand der Feldfrüchte und den cinestheils schon be- fannten, anderntbeils muthmaßlihen Ausfall der Ernte in Schlefien liegen der „Preußischen Correspondenz* folgende zuverlässige Nachrichten vor: Zu Anfang Juni waren die Aussichten, welhe der Stand der Ge- treidesaaten für die diesjährige Ernte darbot , nicht ganz befriedigend. Zwar hatte die andauernde Gunst „der Witterung im vor dbriann Herbste eine zwe>mäßige Feldbeftellung nund Einsaat zugelassen, ader die Winter- saaten wurden im Herbste von den Feldmäusen beschädigt, hatten fi im Winter nicht überall einer s{üßenden Schneede>e erfreut, und entbebrten im Frübjabr bei andauernd rauber, tro>dener und stürmischer Witterung die notbwendigste Voraussegung aller Vegetation: Wärme und Feuchtigkeit, faft gänzlih. Von diesem Mangel hatten auch die Sommersaaten und Haefruchtpflanzen, so wie die Kleefelder, s<wer zu leiden, und besonders die Wiesen in sol<hem Maße, daß ein andauernder Futtermangel zu besorgen war. Später bob fi< die Temperatur beträcbtlih. Defto dartnäd>iger dauerte der Mangel an Feuchtigkeit der Luft und des Bodens bis gegen Ende des Monats Juli fort. Bei solcher Dürre blieb die Blattvegetation äußerst mangelhaft, der Ansaß zur Körnerbildung erfolgte nur kümmerlich. Bezüglich der Zalmfrüchte stand daber weder in Stroh no< in Körnern eine befriedigende Ernte in Ausficht. Dies gilt insbesondere von der Sommerung , deren Vegetationsperiode fast vollständig von ungünstiger Witterung begleitet war, nur sebr früb und sehr spät gesäeter Hafer dürfte hiervon eine Uus- nabme machen. Die Oelfrucht war bereits im borgängigen Herbft und Winter stark beschädigt worden; aub fie ist daber als mißrathen anzu- seben. Nur die Beha>früchte, insbesondere die Kartoffeln, baben die Oûrre unbeschädigt überwunden. Zwar wurden auch sie in ibrer Entwi>elung, namentli in dem Ansage und dem Wachsthum der Knollen, aufgehalten ; allein die bor Ende Zuli eingetretenen Land- und Strichregen ließen der Er- wartung Raum, daß das in dieser Nichtung Versäumte sehr bald nahgeholt sein werde: die dar< in einigen Gegenden beobachtete Fle>en am Kraute veranlaßte Befürchtung der Wiederkehr der Fäulekrankbeit hat fih nit als begründet erwiesen. So durfte schon zu Anfang August auf eine gute Kartoffelernte gebofft werden. Die inzwischen eingetretene reg- nerisde Witterung hat auf die Kartoffeln keinen nachtbeiligen Einfluß geübt, und nur die Bildung neuer Wurzeln und Keime hervorgerufen. Wiesengras und Klee hat in der Wärme natürli< nur sebr spärlich wachsen können. Der später reihli< eingetretene Negen hat die Vegeta- tion wesentli gebessert. Jm Gebirge, besonders auf den Höbenböden desselben, wo eine kühlere Temperatur berrshte und stärkere Niederschläge stattfanden, ftand die Erzielung besserer Feldfrüchte als im platten Lande no< gegen Ende Zuli in Ausficht; do< hat au dort der Mangel an Negen insofern geschadet, als die Vegetation auf den meisten Fruchtfeldern nicht zu ibrér vollen Entfaltung gelangt ist. Die speziellen An aben und Wahrnehmungen über die einzelnen Fruchtgattungen na< dem Stande der Früchte vor Ende Zuli für fi ins Auge gefaßt, baben olgendes er- geben: An Winterraps dürften im Durchschnitte der verschiedenen Ge- genden böchftens 40 pCt. einer Mittelernte gewonnen worden sein. Bei dem Weizen, der in demselben Maße , als er die Nässe besser wie andere Halmfrüchte erträgt, für die Dürre empfindlich ist, ftand im Durchschnitt faum mehr als 60 bis 70 pCt. einer Mittelernte in Ausficht. Besser ftand es mit dem Roggen, von dem in Körnern 80 bis 90 pCt., im Strob no< mebr erwartet werden durfte. Leider entsprachen die Körner nicht über- all den Erwartungen, es fanden fich viele kleine und leihte darunter. Von den Sommerbalmfrüchten gaben Gerfte Aussicht auf 40 bis50 pCt., Hafer auf 50 bis60pCt., Hülsenfrüchte etwa auf 40 bis 45 pCt. einer Mittelernte, während der Stand der Kartoffeln eine volle Mittelernte versprach. Dasselbe gilt von den Rüben, welche nah dem zu Ende Juli eingetretenen Regen fi< erholt baben. Nur in einem Kreise wurde eine totale Miß- ernte befürhtet. Klee if theils niht aufgegangen, theils nicht fort- gewachsen Mit Ausnahme einiger Gegenden, e: bon der lokalen Witterung begünstigt, bis 90 pCt. gewonnen haben, ist derselbe in den be i weitem meisten Gegenden vollständig mißrathen. Wiesengras hat bei der anfänglichen alte und der darauf folgenden Dürre nur kuümmerlih wachsen können. Höhbenwiesen baben faft gar keinen Ertrag, Flosmiesen nur einen sehr spärlichen ergeben. Man kann den Heuertrag im Durch- shnitte nur auf 30 pCt. einer Mittelernte veranschlagen. essere Aus- sihten erdffnen fi< für das Grummet, die bäufigen Regenfälle von Ende Zuli ab lassen no< auf einen guten Graswuchs hoffen.

Aus Berichten über den Ausfall der diesjährigen Ernte im Negierungsbezirk Frankfurt, welche der „Preußischen g arrespane denz“ zugekommen find, ergiebt fi<, daß die Ernte dem Bedürfnisse

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der Bevölkerung so weit genügt, daß ein Nothstand nicht zu be- sorgen ist, wiewohl sie binter einem mittleren Durchschnitts-Ertrage urüd>- bleiben dürfte, Dagegen würde sich Futtermangel, in Folge der Dürre, an einzelnen Punkten füblbar machen, wenn niht die Nachmaht , welche u guten Erwartungen berechtigt, no< manchen Ausfall de>en sollte. ur Roggen kann nahezu eine Mittelernte angenommen werden. Die an- altende Dürre hatte an vielen Stellen vor Ausbildung der Körner die Reife herbeigeführt, so daß, wenn auch der Gewinn an Stroh das Vor- jahr erreiht, der Ausdrush do hinter diesem zurü>bleibt. Von der Weizenernte läßt fi<h ziemli<h dasselbe sagen. Von Gerste und Hafer wird, je na<hdem dicse früb oder spät gesäet sind, der Regen also no<h at Einfluß üben können, ein geringerer oder besscrer Ertrag, im Durch- Snitt aber ein erbebliher Ausfall gegen sonstige Jahre zu erwarten sein. Dagegen hat die im Arnswalder Kreije schon in ziemlicher Ausdehnung angebaute Lupine einen lobnenden Ertrag geliefert. Der erfte Gras- und Kleeschnitt ist hôchst dürftig ausgefallen. Zwar wird eine ergiebige Grum- meternte erwartet, do< würde dadur< der Ausfall an Winterkutter bei Weitem nicht gede>t werden, wenn nicht ein weiterer Ersaß in den Had>- früchten gegeben wäre, welhe dur<gchends si im beften Gedeihen befin- den. Unter denselben läßt besonders die Kartoffel, bei der sich bis jet keine Spur von Krankheit zeigt, einen ausgezeichneten Ertrag boffen. Auch die Runkelrübe, welche im Oderbruch in EA Ausdehnung gebaut wird, berspriht einen glänzenden Ertrag.

Nach den der ,„ Preußischen Correspondenz zugebenden Nachrichten über die diesjährige Ernte im potsdamer Regierungs- Bezirk ift das Ergebniß derfelben, sowohl in Bezug auf den Ertrag des jeßt zum allergrößtcen Theil vollständig eingesammelten Winter - Getreides, als ut hdinsihtli< der Ergiebigkeit der no<h im Werke begriffenen Ernte des Sommer - Getreides, nah der Boden- Beschaffenheit und den örtlichen Verhältnissen in den betreffenden Gegen- den chieden. Es läßt fi< im Allgemeinen nicht verkennen daß die lange anhaltende Dürre im Monat Juni nachtheilig gewickt hat. Dies bezieht fi< indeß weniger auf das Getreide, als auf den Heu- Ertrag von Wiesen und Kleefeldern, welcher als geringfügig be- trahtet werden muß. Dagegen au sich in Folge der in den leßten Wochen eingetretenen Regengüsse auf einen reichen Ertrag der Nachmaht schließen, und eben so if aller Orten auf eine er iebige Kartoffelernte zu bofen, so daß jener Mangel dadur< duigermalen ausgeglichen werden dürfte und gegründete Besorgnisse der Unzulänglichkeit wohl nirgends Plaß greifen fönnen. Obft wird durhgängig in Dee hinreichender Menge und guter Qualität gewonnen werden.

Gewerdbe- und Handelsnachrichten.

Berlin, 19: August. Jn der Zeit vom 1. bis 15. August 1858 wurdeu :

Steinkohlen, Tranéport- Braunkohlen Torf weise und Coaks.

1) bier ein- ] Tonnen. Klaftern.

geführt : E zu Wasser 93,265 11,1994 11,5734 pr. Eisenbabn 20,376 4; 45;

Brennholz

zusammen | 113,641 11,204 11,619

| zu Wasser 1,206 2) von bier | pr. Eisenbahn 951 ausgeführt :

zusammen 2,157 d N

Der Brantweinbrennereibetrieb im Potsdamer Regierungsbezirk ift gegen das vorige Jabr bedeutend zurücfgeblieben, weil die Preise des Spi- ritus zu den Kartoffelpreisen nit in einem angemessenen Verhältnisse steben. Jn einigen Biennereien ist deshalb der Betrieb gänzlich einge- stellt worden; aber auch die übrigen Brennereibesißer baben durhgängig nur den eigenen Ertrag aus der vorjährigen Kartoffelernte verwendet und keine Kartoffeln zur Spiritus-Fabrication angekauft, überbaupt den Betrieb selbst nur mit RNüd>siht auf das wirthschaftliche Bedürfniß an

<lempe zum Viebfutter geregelt. Die in den Monaten Juni und Juli verbrauchten Quantitäten haben deshalb nur 8545 Centner Getreide und 94,227 Scheffel Kartoffeln betragen. Eine Zusammenstellung des in dem Zahre bom 1. Auguft 1857 bis dabin 1858 berbrauchten Materials er- N a überbaupt nur 145,162 Centner Getreide und 2,394,850 Schef- el Kartoffeln, d. i. 22,401 Centne1 Getreide und 807,325 Scheffel Kar- toffeln weniger als in demselben Zeitraum vou 1856 bis 1857, zur Spi- ritusfabrication berwendet worden find. Der Bierbrauereibetrieb hat in seiner Ausdebnunug eine Veränderung gegen das Vorjahr nicht erlitten. Es find in der Zeit vom 1. August 1857 bis dabin 1858 89,777 Cent- ner Malz, Zud>er und Syrup berwendet worden. (Pr. C.)

B F Regierungsbezirk Potsdam bestehen zur Zeit 7 Fabriken zur ereitung bon Zu>er und Eyrup aus Kartoffeln und Kartoffelstärke. Nach den vorliegenden Notizen sind in diesen Fabriken im bergangenen Zahre 95181 Ctr. selbftgewonnene, 10,911 @Etr. angekaufte, zusammen 16,092 Ctr. Kartoffeln verarbeitet und daraus 2226 Ctr. Syrup gewon- Fe vorden. Außerdem haben die gedachten Fabriken 6940 Ctr. Kartoffel- stärke angekauft und daraus einen Gewinn von 68 Cirn. Zu>er und 4253 Ctrn. Syrup erzielt. (Pr. C.)

d N, Von Emden aus ist cine neue telegrapbische Linie über Aurich und Xorden na Norderney g-führt und am 1. Juli dem allgemeinen Verkehr übergeben worden, Ulle Orte haben mit dem 1. August Sta- tionen mit beschränktem Tagesdienst, welche zur Annabme und Befdrde-

Ry s Depeschen in englisher und niederländisher Sprache befugt find. e)

E E Aus Lüde> erbält die „Preußische Correspondenz“ über projektirte Eisen ahnen folgende nähere Nachrichten. Wie man bernimmt, wird die Lübed> Büchener Bahn dur< eine Dampffähre bei Lauenburg und den Bau einer Eisenbahn von da nach Lüneburg mit den Fännoveriilant Bah- nen in direkte Verbindung geseßt. Da au< dem baldigen Bau einer dí- reften Bahn über Oldesloe und Wandsbe> nah Hamburg feine Schwie rigkeiten mehr entgegenstehen , so wird au< von dieser Seite endlich er- reiht, was seit 20 Zabhren ° vergeblich angeftrebt wurde. Das Kapital zum Bau der direkten Bahn hofft man im Betrage von 3,6 Millionen O durch cine Anleihe um Zusammenhange mit lübe>-büchener Actien M, Art, daß die Nevenüen beider Bahnen in eine Rechnung

Die Königlich bayerischen Vereins ationen zu Erlan , beuern und Nördlingen haben mit dem 31. e D. A eta E stationen zu sein, fie bleiben jedo als Eisenbahn-Telegraphen-Stationen der Privatforrespondenz zugänglih. Es treten dadurh im Verkehre mit den bayerischen Bahn-Telegraphen- Stationen folgende Veränderungen ein : Augsburg vermittelt fortan au die Correspondenz mit Buchloe und Kaufbeuern ; Kempten die mit Uitrang und Bießenhofen;, Donauwörth die mit Harburg, Nördlingen, Oettingen, Wassertrüdingen und Gunzenhausen : Nürnberg die mit Eltersdorf und Erlangen; Bamberg die mit Baiersdorf und ¡Forchheim ; München die mit Groß-Hesselobe, Sauerlach, Holzfirchen, Westerham, Aybling, Rosenheim und Haspelmoor : Augsburg die mit Zet- tingen ; Aschaffenburg die mit Partenftein und Heigenbrüd>en. Dagegen ift die Bahn-WGetriebs-Telegraphen-Station Bergrheinfeld für Staats- und Privatdepeschen geschlossen worden. (Pr. C)

Auf dem rechten Rheinufer unterhalb Kaiserswerth der Stadt Uerdingen gegenüber, liegt eine kleine Niederung von etwa 4600 Morgen, welche aus den Feldmarken Bo>um Serm, Mündelheim Ebingen und Hud>ingen befteht. Ein 1290 Ruthen langer Deich von Bo>um bis zu dem Dammhause, gegenüber von Uerdingen, welcher 1784 aus Staats- mitteln angelegt worden if, {ügt die Niederung bereits gegen die Strömung von oben. Dem Nü>ftau liegt die Niederung aber ofen. Es ift deshalb neuerdings unter den interesfirten Grundbefigern ein Deich- verband zu Stande gekommen, welcher die Ausführung der für nothwendig befundenen Arbeiten in die Hand nebmen will. Diese Arbeiten werden theils die Erböbung der Deichkrone , die Sicherung des Deichfußes und die Anschbüttung eines Bankettes auf der oberen Deichstre>e von Bo>um bis RNRheinheim , theils den Neubau der Núü>deiche vom Oammhause bis an die wasserfreie Zöôbe von Ebingen, so wie den Neubau der kleinen Coupirdeiche in den Schlenken bei Hu>ingen zum Gegenstand haben. Der durch Ausfübrung dieser Werke entstehende Kostenbetrag if auf 24,000 Tblr. übershläglih berechnet, eine Summe, welche über eine frucht- bare Niederung von 4600 Morgen Fläche und 14,600 Thlrn. Reinertrag fich vertheilt, so daß die Beitrags8pflicht der Einzelnen auf bhôchft mäßige Summen reduzirt wird. Die Betheiligten baben die landesherrliche Be- stätigung des Deichstatutes nachgesucht. (Pr. C.)

_—__— Die neueste Erweiterung des öôsterreicbischen Telegraphen-Nezes ijt die Linie bon Metkowih zur naben türkischen Grenze. An die- jelbe s<ließt fi daselbft eine neue türkische Linie, welche na< der Stadt Mostar in der Herzegowina führt. Da diese Linie mit den übrigen tür- fischen Linien no< ni<t in Verbindung ftebt, so dient der neue Vereins- Grenzpunkt bei Metkowich vor der Hand nur für die Korrespondenz mit Moftar. Die Vereins - Station Metkowih hat fortan regelmäßigen Tagesdienst. (Pr. C.) i

__— Nach einem amtlichen Circulair der Kaiserlich franzöfischen Regierung wird jept die telegraphische Korrespondenz mit mebreren Stationen Nord- Amerika's au dur< die Dampferlinie zwischen Liverpool und Quebe> bdermittelt. Diese Korre)pondenz wird zwis<hen den genannten zwei Punk- ten per Dampfboot, von ibnen weiter aber nur auf telegraphischem Wege befördert, und ¡war ganz unter denselben Bestimmungen, wie fie für die telegraphische Korrespondenz über New-York und Halifax beftehen. (Pr. C.)

Turin , 14. August. Am 25. d. M. soll, wie der „Frankfurter Postzeitung gemeldet wird , die zur Verbindung der franzöfischen Eisen- bahnen mt der savoyischen Linie der Victor - Emanuels - Babn errichtete Brüd>e erôffnet und fonach der unmittelbare Anschluß an die franzöfischen Züge von St. Jean de Maurienne aus bergestellt werden.

Bm Kirchenftaate find zu Rimini, zwishen Forli und Pesaro, und zu Spoleto, zwischen Foligno und Rom, neue Telegraphenstationen mit regelmäßigem Tagesdienste dem allgemeinen Verkehr übergeben, auf der ZJnjel Sicilien die Telegrapbenlinien von Palermo bis Marsala, an der westlichsten Spiße der Znsel, weiter geführt, und an den neuen Stre>en Stationen zu Alkamo, Trapani und Marsala erôffnet worden. Bei der Station Catama if permanenter Rachtdiensft eingeführt. (Pr. C.)

Die kürzlih in der unweit des Peipussees gelegenen Stadt Pskow errichtete faiserlih ruffishe Telegraphen - Station mit regelinäßigem Tag- und Nachtdienst ift nur zur Annahme von Depeschen in russisher Sprache ermächtigt. Dieselbe liegt bon den Grenzpunkten in Polangen und Eydt- fubnen in der vierten, von dem bei Radziwilow in der sechsten, von denen bei Myslowig und Spakowa in der fiebenten Gebührenzone. Für die Korrespondenz zwischen den Stationen St. Petersburg, Wyborg, Helfing- fors und Ado ift von der Kaiserlich rusfishen Telegraphen - Verwaltung auch der Gebrauch der shwedishen Sprache gestattet. (Pr. C.)

Bei den Telegraphenfstationen der Mittelmeerlinie Bastia und Bonifacio auf der Jnsel Corsika, Cagliari und Sassari auf der Jnsel Sar- dinien, La Valetta auf der Jnsel Malta ift permanenter Nachtdienst ein- geführt dvrden. (Pr. C.)

Nach einer amtlichen Mittheilung hat si die Regierung des Großfürstenthums Finnland veranlaßt gesehen, für die Dauer eines Zahrs die zollfreie Einfuhr von Gerste, Hafer, Malz und Erbsen zu gestatten. Grund dieser Maßregel ift die große Dürre, welche besonders auf Gerste und Hafer einen sehr verderblichen Einfluß geübt bat, während Roggen berhältnißmäßig verschont worden if, (Pr. C.)