1905 / 148 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Abgereist:

der Unterstaatssekretär im Justizministeriuum Dr. Künßtel, mit Urlaub;

der Ministerialdirektor im Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten, Wirkliche Geheime Oberregierungsrat D. Shwarßkopff, in dienstlihen Ange- legenheiten nah der Rheinprovinz.

Nichlamilic@es. Deutsches Nei ch.

Preußen. Berlin, 26. Juni.

Seine Majestät der Kaiser und König hörten am Sonmnabendnachmittag in Kiel den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amts, Gesandten von Tschirshky und Boegendorff.

Der Aus\<huß des Bundesrats für Handel und Ver- kehr und die vereinigten Ausschüsse für Handel und Verkehr und für Justizwesen hielten heuie Sißungen.

Das Königliche Staatsministerium trat unter dem Vorsiz seines Prästdenten Fürsten von Bülow heute z einer Sizung zujammen. i

Am 22. dieses Monats trat die Eisenacher Kirchen- konferenz zu einer außerordentlihen Tagung zusammen. Als Mitglieder waren erschienen:

für Preußen (alte Provinzen): der Präsident des Evangelischen Oberkirchenrats, Wirkliche Geheime Rat Voigts, der Vizepräsident, Wirklihe Oberkonsistorialrat D. Freiherr von der Goltz, der Wirkliche Oberkonsistorialrat Möller und der Oberhofprediger D. Dryander, sämtli<h in Berlin, erner ! für Preußen (neue Provinzen): der Präsident des Königlichen Landeskonsistoriuums, Wirkliche Oberkonsistorialrat D. Dr. Chalybäus, der Oberkonsistorialrat, Abt D. Hart- wig in Hannover, der Generalsuperintendent D. Kaftan in Kiel und der Generalsuperintendent D. Lohr in Cassel;

für Bayern (diesseits des Rheins): der Präsident des Königlich bayerishen protestantishen Oberkonsistoriums von Schneider und der Oberkonsistorialrat D. von Kelber, beide in München;

für Bayern (jenseits des Rheins): der Ober- konsistorialrat D. Ney in Speyer;

für das Konigreih Sachsen: der Präsdent des evangelisch-lutherischen Landeskonsistoriums in Dresden D. von Zahn und der Vizepräsident, Oberhofprediger D. A>ermann, ebendaselbst:

für Württemb erg: der Generalsuperintendent, Prälat D. von Sandberger in Stuttgart;

für Baden: der Präsident des Evangelishen Ober- kfirhenrats, Wirkliche Geheime Rat D. Helbing in Karlsruhe;

für Hessen: der Oberkonsistorialpräsident D. Buchner und der Oberkonsistorialrat D. Dr. Flöring, beide in Darn:stadt; :

für Me>klenburg-Schwerin: der Prästdent des Ober- firhenrats Giese und der Geheime Oberkirhenrat D. Bard, beide in Shwerin:

für Me>lenburg- Streliß: der Oberkonsistorialrat Praef>ke in Neustreliß ;

für Sachsen-Weimar: der Großherzoglich sächsische Staatsminister, Wirklihe Geheime Rat Dr. Rothe in Weimar ;

für Oldenburg: der Vorstand des Großherzoglichen Evangelisch-lutherishen Oberkirchenrats, Geheime Ministerialrat von Finckh und der Geheime Oberkirchenrat D. Hansen, beide in Oldenburg; /

für Braunschweig: der Konsistorialprästdent Spies und der Konsistorialrat, Generalsuperintendent, Abt Molden- hauer, beide in Wolfenbüttel;

für Sachsen-Altenburg: der Generalsuperintendent D. Lohoff in Altenburg;

für Sachsen-Coburg-Gotha: der Generalsuperinten- dent D. Bahn sen in Coburg;

für Anhalt: der Oberkonsistorialrat Werner in Dessau ;

für Schwarzburg-Sondershausen: der Ober- fonsistorialrat, Oberhofprediger Zahn in Sondershausen ;

für Schwarzburg-Rudolstadt: der Generalsuper- intendent und Hofprediger Dr. Braune in Rudolstadt;

für Waldeck: der Pfarrer und Konsistorialrat Weiß in Vasbe>; i

für Neuß j. L.: der Vorstand der Ministerialabteilung für Kirchen und Schulsachen, Geheime Staatsrat Gräsel in Gera;

für Schaumburg-Lippe: der Landessuperintendent, Konsistorialrat Dr. Kuhlgatg in Bückeburg;

für Lippe: der Generalsuperintendent Wessel in Detmold;

für Bremen: der Vorsißende der Senatskommission für die firhlihen Angelegenheiten Dr. Ehm> in Bremen ;

für Lübe: der Senior D. Ranke in Lübeck;

für Hamburg: der Senior Rev. Min. Haupipastor D. Behrmann in Hamburg;

für Elsaß-Lothringen: der Präsident des Direktoriums der Kirche Augsburgscher Konfession Curtius in Straß- burg i. E.; :

‘für die reformierte Kirche dortselbsi: der Pfarrer und Konsistorialpräsident Schwendener in Vischweiler.

Die Konferenz nahm zunächst den Geschäftsbericht des Deutsch-Evangelischen Kirchenausschusses entgegen. In den “Verhandlungen wurde unter einmütigem Ausdru> des vollen Vertrauens zum Deutsh-Evangelishen Kirchen- aus\huß zugleich ‘die lebhafte Befriedigung und die dankbare Zustimmung in bezug auf die von ihm entfaltete Tätigkeit und namentli<h au<h gegenüber dem Toleranzanirag ausge- sprochen. Bei der Darlêgung der Verhältnisse der deutsch- evangelis<hen Diaspora im Ausland fand insbesondere die Opferwilligkeit in allen evangelischen sowohl lutherishen, wie reformierten und unierten Kirchenkreisen volle Anerkennung.

Die weiter sih anshließende Besprechung über die aus-

Verhandlungen am 22. d. M. nicht zu Ende gebraht waren, bei FAteRes der Beratung am 23: d. M. auf Grund ein- gehender Diskussion zu den Beschlüssen:

Die Kirchenkonferenz empfiehlt den Kirchen- regierungen :

Die Gemeinsitte des Gesamtkelhs beim heiligen Abend- mahl in ihrem Gebiete aufre<htzuerhalten und jeder willkür- lihen Einführung des Einzelkel<hs mit Entschiedenheit entgegen- zutreten, falls aber das Verlangen nah Gestattung desselben auf firhenordnungsmäßigem Wege bei ihm vorgebracht werde, etwaige Ausnahmen nur dann zuzulassen, wenn der gestellte Antrag den Sinn und die Würde des Sakraments unzweifel- haft wahrt und zum Ausdru> bringt.

Der Präsident des Bundesamts für das Heimatwesen, Wirkliche Geheime Oberregierungsrat Dr. Kelch hat Berlin mit Urlaub verlassen. :

Der Präsident des Königlih preußishen Statistischen Landesamts, Wirkliche Geheime Oberregierungsrat Dr. Blen > hat eine Dienstreise angetreten.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist der ausreisende Ablösungstransport für S. M. SS. „Bremen“ und „Panther“ mit dem Dampfer „Syria“ der Hamburg- Amerika-Linie am 22. Juni in St. Thomas (Westindien) ein- getroffen, wo der Besaßzungswechsel statifindet. Die abgelösten Besaßzungen treten mit demselben Dampfer am 28. Juni die Heimreise von St. Thomas an. S. M. S. „Falke“ ist am 23. Juni in San Francisco eingetroffen.

S. M. S. „Bussard“ ist am 24. Juni in Daressalam eingetroffen.

Wiesbaden, 25. Juni. Seine Majestät der König von Dänemark ist gestern, wie „W. T. B.“ meldet, mit Seiner Hoheit dem Prinzen Hans zu Schleswig-Holstein- Sonderburg-Glücksburg von hier nah Gmunden abgereist.

Sachsen-Altenburg. Seine Hoheit der Herzog hat sih am 24. d. M. zum Sommeraufenthalt nah Schloß Hummelshain begeben.

Elsaß-Lothringen. Seine Majestät der König von Sachsen ist, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern morgen -von Meg nah Münster am Stein abgereist.

Deutsche Kolonien.

Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Der Reiter Dito Heinrich, geboren am 192. 3. 1882 zu Trotha, früher im Jnfanterieregiment Nr. 18, ist am 22. Juni 1905 im Lazarett Keetmanshop an Typhus gestorben. Der Reiter August Powelskus, geboren am 16. 1. 1883 zu Gaillboden, früher im Jnfanterieregiment Nr. 162, ist am 21. Juni 1905 an Bauchfellentzündung gestorben Ort no<h nicht gemeldet. Der Gefreite Ludwig Roßplesch, geboren am 5. 5. 83 zu Niedergandern, früher im Jnfanterieregiment Nr. 82, ist am 23. Juni auf Krankensammelstelle Narudas an Typhus ge- storben. Der Reiter Rudolf Dreher, geboren am 12. 9. 83 zu Rollnau, früher im Pionierbataillon Nr. 18, wurde am 922. Juni auf dem Marsche Kub-Sendlingsgrab durch Selbstentladung des Karabiners verwundet; Schuß im Ober- \chenkel.

Oesterreich-Ungarn.

Der Budgetaus\<huß des österreihis<hen Abgeord- netenbauses verhandelte am Sonnabend, wie ,W. T. B.“ erfährt, das Budgetprovisorium. Der Abg. Krqmarc begrüßte die konkreten Zusagen der Regierung und erklärte, die Tshehen müßten auf deren baldiger Erfüllung bestehen; sie würfen die staatsrehtlihe Frage niht auf, um die, namentli< dur< die ungarische Krisis, hervorgerufene Lage niht no< mehr zu komplizieren. Von der Negte- rung und dem guten Willen der Parteien werde es abhängen, die formell anerfannten Re<te der Jungishehen in die Tat umzuseßen, und ob die notwendige Konsolidierung der inneren Verhältnisse der diecseitigen Reichsbälfte möglih sei. Die Tschehen würden der Erledigung des Budgets keine Schwierigkeiten bereiten, aber dagegen stimmen. Der Abg. Delvert erklärte, die Deutschen erachteten es als ihre ernste Pflicht, nicht dur die Aufrollung der nationalen Frage die Arbeitsfähigkeit des Hauscs zu gefährden. Die Deutschen hâtten die Erklärung ter Regierung mit Befriedig-ng aufgenommen, daß die Sprachen- und Universtiätsfrage nur auf geseßlihem Wege zu lösen sei. Sie beharrten darauf, doß dics nur im Einverständnisse mit den Deutschen geschehen dürfe. Der Redner sprah si entschieden gegen die Wahl Brünns als Ort für die neu zu gründende ts<he<is<e Uni- versität aus. Der Ministerpräsident Freiherr von Gaut \< erklärte, die Regierung übernehme selbstverständlih allein die volle Verant» wortung für ihre jüngsten Erklärungen. Sie habe wiederholt die Parteien zur freundschaftlihen Aussprache über gewisse Angelegen- heiten aufgefordert. Er glaube, taß dieses System sich bisher nit als vollkommen unwikfsam erwiesen babe, und er hoffe, daß noch manche ofene s{<wierige Frage gerade dur<h den Verkehr der Parteien untereinander und dur offece Aussprache werde beseitigt w:rden können. Der Unterrichtsminister von Hartel wies auf die in den leßten Jahrzehnten troß der ungünstigen materiellen und finanziellen Verhältnisse erfolgte Ausgestaltung der Hochshulen hin und er- flärte, die Regierung werde im Laufe des Sommers ein Programm für die rasheste Befriedigung der dringendsten Bedürfnisse aus- arbeiten. Er erkenne an, daß die Forderung der Errichtung rationaler Hochschulen in den Verhältnissen begründet fei, und boffe, speziell in betref einer sloveaishen Universität in absehbarer Zeit mit konkreten Vorschlägen hervortreten zu können. Im Laufe der weiteren Debatte stellte der Handeltminister die Vorlegung eines neuen Lloydvertrages, womöglih für den Herbst, in Aussicht. Das Budgetprovisorium wurde [{<ließli< angenommen.

Der ungarische Ministerpräsident Freiherr von Féjér- vary hat die Absicht, die Führer der koalierten Mehr- heit demnächst aufzufordern, sie möchten ein Programm für dic Kabinettsbildung unterbreiten, das für die Krone

annehmbar sei.

Großbritannien und JFrland.

Der König hat, wie „W. T. B.“ berichtet, gestern fünf hervorragende Persönlichkeiten zu Mitgliedern der Kom- mission für die Untersu<hung der in Südafrika nah dem Kriege beim Verkauf militärisher Vor- räte vorgekommenen Betrügereien ernannt. Vorsißender

nahmsweise Zulassung des Einzelkelhs führte, nachdem die

¡| der Kommission ist der Richter Farwe ll.

Frankreich.

Bei der gestern in Versailles veranstalteten Jahres- feier der Geburt des Generals Hoche hielt der Kriegs- minister Berteaux eine Rede, in der er, dem „W. T. Y,“ zufolge, sagte:

F will ni<ts sagen, was eine Anspielung auf die gegenwärtige Stunte sein könnte; und doch, ist es ni<t eiwas Verbrecherisches, Furt zu säen und Mißtrauen einzuflößen? Jch kann im Gegenteil sagen, dank der seit 35 Jahren gema<ten Anstrengungen ift unser Kriegêmaterial ersten Ranges, unser Proviant ist voll zur Stelle, und unsere Offiziere können den Vergleih mit denen der ganzen Welt aug balten. Frankreih handelt zum Zwe> des Fortschritts und läßt si< leiten von dem Gefühl der allgemeinen Freiheit und Brüderlicßkeit.

Der Minister des Jnnern Etienne hielt gestern in Troyes eine Rede, in der er sagte:

Frankrei sei der Gegenstand der Begehrlichkeit und der Eifer- sucht, weil es über scine Grenzen hinaus tätig sei und seine Ideen au außerhalb seiner Grerzen verbreite. Es sei der Zielpunkt der- jenigen, denen es in der Verfolgung ihrer Bestrebungen hinderlich zu sein vermöge. Bewahren wir unserem Vaterlande in großes An- sehen, indem wir manchen Beweis seiner Klugheit geben. Sitern wir seine Bestimmurg, indem wir uns vereinigen zur Verwirklichung seines Iteals der Gerechtigkeit und zur Entwiklung seines materiellen Woklstandes unter dem Schutze der Armee, die wir lieben und achten.

Jn Lhon besprah am Sonnabend in einer sozialistischen Versammlung der Deputierte Faurès die marokkanis<e Frage und erklärte:

Die Frage sei ernt geworden, weil man si< auf ein Gebiet be- geben habe, das mit Fallstri>en besät sei. Die Sozialisten hätten niemals ein Mißverständnis zwishen Deutshland und Frankrei gewünscht. Das english-französishe Abkommen sei keineëwegs gegen Deutschland gerichtet; und wenn England dies glauben lasse, müsse Frankreich darüber wachen, daß der Sinn des Abkommens nicht ent- stellt werde. Er habe die Ueberzeugung, die gegenwärtigen Schwierig- feiten würden gelöst werden, oßne daß der Stolz der Nation verleßt werde.

Nußland.

Die St. Petersburger „Telegraphen-Agentur“ meldet, daß am 21. Juni die Kaiserliche Belistiguna des von dem Ministerkomitee erstatteten Gutachtens, betreffend die Nevision der Judengesete, erfolgt sei. Das Minister- fomitee habe der Meinung Ausdru> gegeben, vom Stand- punkte der Regierung aus bestehe die richtige Lösung der Juden- frage in der rechtlihen Gleichstellung der Juden mit der übrigen Bevölkerung Rußlands, jedoch erforderten die sozialen und die Rafsseneigentümlichkeiten der Juden eine andere Lösung, weil die rehtlihe Gleichstellung der Juden die Interessen der übrigen Bevölkerung verlegen würde und unliebsame Ausbrüche des Volksunwillens hervorrufen könne. Das Komitee habe deshalb beschlossen, die Neu- bearbeitung der Judengeseße der einzuberufenden Deputiertenversammlung zu überlassen, für die Vor- arbeiten aber eine besondere außerbehördlihe Konferenz einzuseßen, deren Mitglieder zum Teil vom Kaiser ernannt werden, zum anderen Teil aus Vertretern von Behörden be- stehen sollten.

Gegenüber der Annahme, daß das an die Zeitungen ergangene Verbot der Oberpreßbehörde, die Rede dés Katsers an die „Semstwo- Und Stadte- vertreter zu interpretieren, ein Anzeihen von dem Ueberhandnehmen einer reaktionären Strömung in den leitenden Frte und die friedlihe Lösung der inner- politishen Schwierigkeiten somit ershwert sei, ist die St. Petersburger „Telegraphen-Agentur“ ermächtigt worden, mit- uteilen, daß diese Auffassung ganz verfehlt sei. Die Ver- gung der Oberpreßbchörde jei einzig und allein dur<h falsche Kommentare der Rede des Kaisers, besonders den der Zeitung „Ruß“, hervorgerufen worden, die die Rede nicht wörtlich, sondern in einem eigenen tendenziósen Auszug wieder- gegeben und eine tendenzióse Beschreibung der Audienz gegeben habe. Der Kaiser halte an der Notwendigkeit der Einführung einer konsultativen Vertretung, die den von den Semstwovertretern ausgesprohenen Bedürfnissen des Landes entspreche, fest. Verschiedene Zeitungen hätten aber an die Nede weitgehende Schlußfolgerungen über eine völlige Umgestaltung der Staatsverfassung geknüpft. Deshalb sei die Oberpreßbehörde beauftragt worden, um falshen Deutungen in der Presse vorzubeugen, Gh die wahre Sachlage aufmerksam zu machen und vor Uebertreibungen zu warnen.

In Warschau ist vorgestern, wie „W. T. B.“ berichtet, der allgemeine Ausstand eingetreten. Ofkrzeja, der am 26. März d. J. im Hofe der Pragaschen Polizeiverwaltung cine Bombe zur Explosion gebracht hatte, ijt zum Tode ver- urteilt worden. Jn der Grzybowskastraße wurde am Sonn- abend einem Zuge von Nuhestürern, der eine rote Fahne mit sich führte, dur< berittene Gendarmerie der Weg verlegt. Einer der Ruhestörer s{<leuderte eine Bombe gegen die Gendarmen. Drei Gendarmen sowie mehrere Pferde wurden verwundet.

Jn Lodz famen während der ganzen Nacht zum Sonn- abend blutige Aufruhrsszenen vor. Fast ununterbrochen hörte man Gewehrsalven, und es ereigneten sich \hre>liche Vorgänge. Die Zahl der Opfer wird bis auf 2000 Tote und Verwundete angegeben; au<h viele Militärpersonen sind ge- fallen. ae Bomben sind geworfen worden, aller Betrieb sto>t. Während des Sonnabend hielt die Gärung in der Stadt an. Es kam an verschiedenen Stellen zu blutigen Zusammenstößen. Durch eine gegen eine Truppenabteilung geshleuderte Bombe wurden vier Kosaken getötet und sechzehn verwundet. Von der Einwohnerschaft kamen acht Personen ums Leben, während zwölf verleßt wurden. Wie dem „Kuryer Warschawski“ aus Lodz über die dortigen Straßenkämpfe ge- meldet wird, begann der Kampf, nachdem in allen Fabriken der Ausstand ausgebrochen war, an zwanzig Stellen der Stadt, an denen Barrikaden errichtet waren, die eine Höhe von zweistöckigen Häusern erreichten. Es kämpften etwa 60000 bewaffnete Arbeiter gegen vier Regimenter Junfanterie, cin Kosaken- und ein Dragonerregiment, die der General Exten befehligte. Die Barrikaden wurden von den Truppen mit Hilfe von Sappeuren gestürmt. Eine Jnfanterie- und eine Kavalleriedivision sind zur Verstärkung der Garnison in Lodz eingerückt. :

Bes ist in Lodz der Belagerungszustand proklamiert worden.

Ftalien.

Die Deputitiertenkammer seßte am Sonnabend, wie .W T. B.* berichtet, die Beratung der Heeresausgaben für 1904/05 fort. Der Kriegsminister Pedotti führte aus, er habe {hon im vorigen Jahre den Nahwets geführt, daß es unmögli fei, nennenswerte Ersparnisse in der Kriegëverwaltung zu machen, und wies sodann auf die Notwendigkeit hin, neue Opfer zu bringen, um die Sicherheit der Landesverteidigung zu ge- währleisten. Diese Notwendigkeit folge ebenfosehr aus den

Rüstungen der anderen Mächte wie aus der allgemeinen Lage in (Europa und aus den Erfahrungen, die der Krieg im fernen Osten gezeitigt habe. Er erklärte sodann, indem er auf die von dem Deputtierten Sonnino angeregte Einseßung einer parlamentarischen Kommission zur Prüfung der Heeresorganisation hinwies, die Kriegs- verwaltung babe eine derartige Prüfung niht zu s{euen; die Regierung werde indessen nicht ihre Zustimmung dazu geben, weil dadurh zum {weren Schaden der öffentlihen Verwaltung eine Nerwirrung binsihtli<h der Befugnisse und der Verantwortlihkeiten würde hervorgerufen werden. Der Minister \{loß, indem er an die Kammer die Bitte richtete, den Geseßentwurf, betreffend die Heeres- ausgaben, anzunehmen, der dazu bestimmt sei, dem Heere die not- wendige Schlagfertigkeit zu geben, damit es sei, was es sein müsse, Schuß und Schirm des Vaterlandes. Im weiteren Verlaufe der Debatte erklärte der Ministerpräsident Fortis, die Regierung könne dem Vorschlag auf Einseßung einer parlamentarishen Kommission zur Prüfung der Frage der Rüstungen ni<t zustimmen, da die zur Beratung stehende Vorlage dem Lande keine neuen Lasten auferlege. Es folle nur ein Teil der Uebershüsse des gegen- wärtigen Budgets für die Heeresausgaben verwendet werden. Die Regierung sei der Ueberzeugung, daß vor allem für die Landesverteidi- ung gesorgt werden müsse. Sie könne auf Gcund der in Jtalien be- stehenden konstitutionellen Regierungsform der Einseßung der Kom- mission nit zustimmen, die den Kriegsminister unter Vormundschaft tele und seine Zuständigkeit und Verantwortlichkeit beschränke. Von den im Laufe der Beratung eingebrahten Tages- ordnungen lehne _ die Regierung daher die der Deputierten Sonnino und Sacchi ab, während sie die von Guarracino uind Cottafavi eingebrahte Tagesordnung annehme, die der Regierung das Vertrauen des Hauses ausfpre<e. Das Haus nahm {ließli die Tagesordnung Guarracino-Cottafavi in namentlicher Abstimmung mit 196 gegen 68 Stimmen an, ge- nehmigte dur Aufstehen und Sigenbleiben die einzelnen Artikel der Vorlage, betreffend die Heere8ausgaben, und dana< in geheimer Ab- stimmung mit 174 gegen 57 Stimmen die Vorlage im ganzen. Darauf wurde die Sitzung geshlossen.

Spanien.

Der deutshe Botschafter von Radowiß hat, wie „V. T. B.“ erfährt, gestern dem Ministerpräsidenten Montero Rios einen Besuch abgestattet.

Türkei.

Namens der übrigen Botschaften hat der österreichi} <- ungarische Botschafter R O wie dem „W. L 0 berichtet wird, der Pforte eine Note überreiht, in der auf die Annahme der bezügli<h der mazedonishen Finanzreform gemachten Vorschläge gedrängt wird.

Griechenland.

Da die Mitglieder des bisherigen Kabinetts, ausgenommen Mavro-Michalos, ihre Portefeuilles unter Rall nicht be- halten wollten, hat, wie „W. T. B.“ mitteilt, dieser sein Kabinett, wie folgt, gebildet: Nalli Präsidium, Finanzen und interimistish Auswärtiges, Mavro Michalos Krieg und interimistisch Jnneres, Budoris Marine, Christopulos Justiz, Kalliphornos Unterricht und Kultus. Die neuen Ninister haben gestern den Eid geleistet, Die Kammer dürfte auf etwa 10 Tage vertagt werden.

Amerika.

__ Der Unterstaatssekretär des Auswärtigen Loomis ist am Sonnabend, wie das „Reutershe Bureau“ meldet, an Bord der „Philadelphia“ na<h Europa abgereist, um an den in Paris stattfindenden Feierlihkeiten für den Admiral Paul Fones teilzunehmen und um ferner, wie amtlich pm alAe wird, die Geschäftsführung der amerikanischen diplomatischen Vertretungen in Europa auf ihre Zwe>mäßig- feit hin zu prüfen. Es verlaute indessen, der Präsident Roosevelt habe Loomis beauftragt, eine geheime Mission für das Staatsdepartement durchzuführen.

i Die Chinesen haben sih, demselben Bureau zufolge, in Washington über die ihnen bei der Einwanderung zuteil werdende Behandlung beklagt und gedroht, die amerikanishen Waren zu boykottieren, wenn niht Abhilfe geschaffen werde. Der Präsident Roosevelt habe daher die Vehörden unter Androhung sofortiger Entlassung angewiesen, hinesische Kaufleute und Neisende ebenso höflich zu behandeln, wie Angehörige anderer Nationen. Man sei der Ansicht, daß das Vorgehen der Regierung die Schwierigkeiten im Handels- verkehr zwishen Amerika und China beseitigen werde.

Asien.

_ Der General Linewitsh hat, wie „W. T. B.“ aus St. Petersburg erfährt, dem Kaiser unter dem 23. d. M.

gemeldet : A Bei den Armcen sind keine Veränderungen eingetreten. Nach dem Sormarsh der Japaner gegen unsere re<te Flanke, worüber bereits berichtet worden ift, rüdte der Gegner auch gegen die Front öftlih don der Eisenbahn vor. Seit dem Morgen des 19. Juni bemerkten dle Kosaken, daß der Gegner mit überlegenen Streitkräften vorrüe ; sle zogen nd daher langsam zurü>. Als unsere Reiterei Verstärkung er- zaiten batte, ging fie zum Vormarsch über. Die Japaner zogen si schnell urid; Ne gingen, bon unserer Reiterei verfolgt, nah Süden, und am Morgen des 20. Juni beseßte unsere Reiterei einen Teil der früher gn _thr gehaltenen Punkte. In der Richtung der Mandarinen- „raze erfolgte ein sehr energisher Vorstoß der Japaner mit einigen Oataillonen Infanterie. Am 19. Juni 9 Uhr Morgers rü>ten die vapaner nah Gujuischi vor und eröffneten ein Geshüßfeuer gegen nere Wachtposten, die, von mehreren feindlihen Bataillonen be- sich am Mittag auf Stellungen nördli< von Gujuischi jogen. Die Vortruppen einer Abteilung gingen no< weiter e auf die Höhen nördlih von der Ortschaft Schihusa, E. bor überlegenen feindlichen Streitkräften auf der Mandarinen- ge zurü>weihende Vortruppen machten zuerst Halt nördlih von a poguschi; dann gingen sie zurü> bis Liaoemjao. Der Gegner is etwa fünf Kilometer südlih dieser Ortschaft. Am Abend er- P - der Kampf sein Ende. Später stellte si heraus, daß längs E - tandarinenstca e zwei japanis<he Infanterie- und zwei Kavallerie- “menter mit Maschinengewehren , Gebirgs- und Feldartillerie hirüdten; westli<h rüd>ten drei Bataillone und eine Schwadron drei Geschüßen vor. Es wurde beschlossen, daß russischerseits m 20. Juni zum Vormars<h übergegangen werden folle, um D; Gegner zurü>zudrängen und den russishen Vortruppen die goueit zu geben, ihre frühere Stellung wieder einzu- thmen. Zu diesem Zwe>ke begannen die für den Vormarsch immten Truppen am 20. Juni na<h Ljaoemjao zu mar- eren, Avantgarden wurden vorgeshoben. Die Japaner gingen je den Vortruppen zurü>, und am Abend des 20. Juni besehten _russishen Avantgarden die Ortschaft Menhuagri und den westlih davon. Am Morgen des 21. Juni ging der russische mars<h weiter. Die Japaner gingen, von den Russen verfolgt, zaahlich auf die Stellungen bei Tsaopingar zurü> und “cha ein lebhaftes Feuer. Nah und nah kamen vier japanische ¿g erien in Tätigkeit; die Japaner zeigten si<h bereit, den hart- pi Olten Widerstand zu leisten. Als nun dort russishe Truppen er- "enen, zogen die Japaner eiligft Verstärkungen heran. Da der e> unseres Vormarsches vollkommen errei<t war, wurden unsere

Händen blieben. Auf dem koreanischen Kriegss<haupla ershienen am 20. Juni Abends gegenüber von den russhen Xruppen néërdli<h von Schajuschen ein japanishes Bataillon und 200 von Kan tsen her anrü>ende Reiter.

Aus Tokio wird amtlih gemeldet:

Der Feind, der eine Anhöhe nordwestli<h von Nanshanchentzu beseßt hatte, wurde am Nachmittag des 22. Juni angegriffen und vertrieben. Ein Teil des Feindes, der die Anhöhen im Westen beseßt hielt, leistete aber hartnä>igen Widerstand. Die Stellung wurde s{<ließli< dur< einen Sturmangriff genommen. Eine andere feindlihe Abteilung, die die An- höhen im Norden besegt hatte, wurde von der Front an- gegriffen. Gleichzeitig machten die japanishen Truppen eine Umgehungsbewegung von Nordosten aus, schnitten den Russen den Rückzug ab und brachten ihnen große Verluste bei. Der Feind hißte in seiner Verwirrung die Flagge mit -dem roten Kreuz, do< hörten die Japaner nicht auf zu feuern. Die Russen flohen in Verwircung na< Norden. Ihre Stärke betrug etwa 3000 Mann an Infanterie und Kavallerie mit mehreren Geshüßen. Der Feind ließ 50 Leichen zurü, seine Gesamtverluste betrugen reihli< 200 Mann. Japanischer- seits waren die Verluste unbedeutend.

Nach einer Meldung der St. Petersburger „Telegraphen- Agentur“ hat die russishe Regierung auf die Nachricht hin, daß das russische Hospitalschiff „Orel“ von den Japanern genommen sei, unverzüglich dur< Vermittelung des Vertreters Frankreichs in Tokio Einspru < dagegen erheben lassen.

Der holländische Dampfer „Perlak“ brachte gestern, wie das „Reutersche Bureau“ berichtet, die Mannschaft des eng- lischen Dampfers „Jkhona“, der am 5. Juni durh den russischen Kreuzer „Terek“ 150 Meilen nördlih von Hongkong zum Sinken gebrah<ht worden war, in Singapore an Land.

Afrika.

_ Das „Reutershe Bureau“ meldet aus Fez vom 20. d. M. daß die Vffiziere der deutshen Militärmission am Sonnabendmorgen die Rückreise angetreten hätten.

Die Mannschaft des von den Russen versenkten englischen Dampfers „St. Kilda“ ist an Bord eines russischen Hilfskreuzers in Djibuti eingetroffen.

Kunst und Wiffenschaft,

…_ Wegen Einrichtung einer neuen Ausstellung bleibt der Aus- stellungssaal des Königlihen Kupferstihkabinetts vom 26. Juni ab auf kurze Zeit ge\<lossen.

V. A. Im Künstlerhause findet gegenwärtig die Ausstellun einer Vereinigung holländischer Sn tler falt, die ibe Arbeiten im Austaush mit denen Berliner Künstler nah Berlin ge- sandt haben. Die Bilder zeigen einen sehr guten und tüchtigen Dur(- s<nitt, aber nur aus wenigen spricht eine tiefere Eigenart, ganz ver» einzelt nur tritt uns eine {<ärfer umrissenez, künstlerishe Persönlichkeit gegenüber. Man gewinnt von der Sammlung in keiner Hinsicht den Eindru>, daß sie die holländische Kunst in harakteristisher Weise ver- tritt, die ganze Zusammenstellung erscheint mehr als zufällig.

Von den einzelnen Künstlern sind in erster Linie H. M. Krabbs, Ce Bremau und Therese Schwartz zu nennen. Krabbé malt eigentümliß wei< und dichtig, seine Farben sind zart und reich, und besonders gelingt es ihm, Luft und Tiefe in seine Arbeiten zu bringen. Am feinsten ist sein kleines Oelgemälde „Spielerei“, aber au< die Aquarelle „Der Ziehhund" und „Mutter und Kind“ zeigen die gleihen Vorzüge. Co Bremau neigt in seiner Technik etwas zum Neoimpressionismus. Was ihn auszeichnet, ist sein überaus starkes Empfinden für die we<selnde Stimmung einer Landschaft. Wie wundervoll weiß er den herbstlihen Nebel in Holland zu s{ildern, die bläulihen Schleier, die zwischen den Bäumen hängen, die alle Umrisse nur matt, s{hattenhaft dur<bli>en lassen ! Die kleine Arbeit zeugt von einer wirklih meisterhaften Beobachtung. Ebenso ist in dem größeren Bilde „Bauernhof* die Mittagsglut an einem wolkenlofen Sommertag mit ungewöhnlicher Kraft zum Aus- dru> _ gebracht. Das helle Flimmern der Häuserwände, der Straße, des Kirhturm3, der herüberbli>t, der kurze Scatten , das lihte, sonnendurhtränkte Himmelsblau sind vorzügli<h. Neben diesen beiden Arbeiten hat Bremau noch ein Bild „Mutterglü>* ausgestellt, in dem besonders das durh das Fenster hereinströmende Licht mit großer Feinheit behandelt ist. Therese Shwarß is von den Künstlern, die hier ausstellen, am meisten bekannt in Deutschland. Sie ist mit drei Bildern vertreten, zwei Bildnissen und einem Blumenstü>k. Von den Bildnissen ist das Mädchenporträt troß guter farbiger Behandlung in Anordnung und Stellung fo steif, daß der Gesamteindru> do<h etwas zwiespältig bleibt. Weitaus besser ist das Herrenbildnis, der lebendige, ausdru>s- volle Kopf, die freie Haltung und die kraftvolle Malerei.

Von den anderen Künstlern ist no< Coba Rethema mit einem flott gemalten Interieur zu erwähnen, Ludolvh Berkemeier mit der reinli< und treuberzig gegebenen Straße aus Nordwyk und Lizzy Ansengh mit dem individuellen und charakteristishen Bildnis En B, s

ln diese Ausstellung von Oelgemälden {ließt si< in dem Neben- saal eine Ausstellung holländischer T und NRadie- rungen an. Bemerkenswert ist der große Umfang der Aquarelle und das Bemühen, eine möglichst zlbildäbnlihe Wirkung zu erzielen. Willy “Sluiter stellt Dünenbilder aus in einer tro>eren kräftigen Technik, Heydenbro> schildert mit großer Farbentiesfe und mit viel Farbenreihtum die Arbeiten auf einem Stahlwerk, die Beförderung der glühenden Metall- blöôde, deren roter Widershein die ganze Ümgebung erhellt. Krabbs wurde bereits erwähnt. Dingemann und Graadt van Roggen sind mit Radierungen vertreten. Dingemann zeigt sich als einen kräftigen Schilderer der Arbeit, des Volkslebens, während Graadt van Noggen mit feiner, subtilerer Tehnik alte Häuser- winkel und malerisde Baumgruppen wiedergtebt und si< vor allem dur einen tiefen, weihen Strich auszeihnet.

Land- und Forftwirtschaft.

Saatenstand in Numelien, Mazedonien und Anatolien.

Der Kaiserlihe Generalkonsul in Konstantinopel berichtet unterm 13. d. M.: In Rumelien waren im Gebiete der Orientali- hen CEifenbahnen die Witterüngsverhältnisse bis in die zweite Hälfte April der Entwi>lung der Wintersaaten und der Be- werkstelligung des „Frühjahrsanbaues im allgemeinen re<t günstig, dann blieb aber in den meisten Gegenden bis Mitte Mai der not- wendige Regen aus, was teilweise zu Befürchtungen Anlaß gab und den Sommeranbau, namentli die Pflanzung von Mais und Melonen, verzögerte. In der leßten Dekade des Monats Mai trat jedo ein anhaltender Ums{<wung der Witterung eia. Es fielen fast überall ausgiebige MNegen, die für die Felder von der wohltätigsten Wirkung waren, sodaß Winter- und Frühjahrsanbau eine reichliche Ernte, mindestens gleih jener des Vorjahres, versprehen, um so mehr, als si< die Anbauflähe gegen die leßte Kampagne um etwa 1509/0 vergrößert hat. Die in vielen Distrikten niedergegangenen Hagel- {läge blieben glüdliherweise auf kleine Umkreise beschränkt und haben daher den guten Gesamtstand der Kulturen nur ganz un- bedeutend beeinflußt.

Im Wilajet Adrianopel war der Regen nur in der Umgebung von Tscherkeßkeuy zu wenig ausgiebig, während er in den Rayons von Tschorlu und Muradli etwas zu \pät eingetreten ist. Dagegen haben

g Pen bei anbrehender Dunkelheit zurü>kgeführt, wobei die von uns zum Vormarsch der Japaner eingenommenen Punkte in unseren

die Felder in den meisten übrigen Gegenden genügende, teilweise reih- liche Niederschläge erhalten, G y s LN

Die Landwirte, die wegen der vorherrs{<enden Tro>en- heit den Sommeranbau, besonders die Pflanzung von Mais und Melonen, hinausshieben mußten, haben si< na< Eintritt des Regens mit doppeltem Eifer an die Arbeit gemacht. Da die günstigen Witterungsverhältnifse andauern, so wird der Sommer- anbau eine größere Ausdehnung annehmen als im Vorjahre und infolgedesfsen, wenn keine störenden Zwischenfälle mehr eintreten, au die Ernte in allen Fruchtgattungen, vorausfihtli< au< in Mais und Melonen, sehr ergiebig ausfallen. Die Weingärten zeigen im all- gemeinen einen guten Stand, nur hat der Hagel in der Umgegend von Kirkkilisse einen Teil der dortigen Kulturen zerstört.

Der Umfang der im Wilajet Adrianopel vom September 1904 bis Ende April 1905 bebauten Bodenfläche wird auf 2 352 000 Dönüms ges<häßt, die si<h auf die einzelnen wichtigsten Fruchtgatlungen, wie folgt, verteilen :

E 953 000 Dönüms L 596 000 L O ae 228 000 7 D s N E 202 000 Z Lein- und andere ODelsaaten . . . . 139 000 z D a ae oe 111 000 z anarieniamet a E 2 62 000 Z E 61 000 s

2 352 000 Döônüms.

In Ostrumelien blieben die Wintersaaten von Spätfrösten fast ganz vershont und hatten unter folhen nur die Gersten- und Weizenfelder in den Gebieten von Tschirpan, Kezanlik und Kawakli teilweise zu leiden. Der Regen war in den leßten Tagen des Mai im ganzen Lande allgemein und ausgiebig. Hagelshäden werden nur aus dem Royon von Radné-Mahallé und aus dem Sazli-Tal gemeldet, do sind diese niht bedeutend. Wenn das Wetter so günstig bleibt wie jeßt, so dürfte die dietjährige Ernte in Oftrumelien reih= lich und au gut auéfallen. Hartweizen steht etwas \{ütter, dagegen dürfte die Fehsung beim Weichweizen gegen das Vorjahr cine um 10 bis 15 %/6 größere Menge liefern. Der Maisanbau konnte unter günstigen Witterungsverbältnissen beendigt werden. Die Pflanzungen entwi>eln fich infolge des Regens re<t gut. Wenn keine Zwischenfälle eintreten, so hofft man für die Ausfuhr eine Menge von etwa 30 000 t Mais ¡zu erzielen. Bestimmte Angaben lafsen {ih jedo< bei dieser Frucht- gattung augenbli>li<h no< ni<t mahen. Au<h Bohnen und Anis entwi>eln si<h normalerweise und versprechen einen guten Ertrag.

E In den Bezirken von Tatar-Bazard\chik, Karlowo, Sliven und Tschirpan haben die Weingärten dur< die niedrige Temperatur anfangs April Schaden gelitten. Ungeachtet des seit einiger Zeit erfolgten Auftretens der Peronospora und Philloxera in den Distrikten von Stara Zagora und Sliven wird das Erträgnis der Weingärten hinter jenem des Vorjahres do< nicht zurü>stehen. Die Obstbäume haben ungestört abgeblüht und lassen einen reichlichen Ertrag erwarten. Auch die Wiesen zeigen infolge des in der leßten Zeit häufigen Negens ein \{<önes Aussehen.

Im Gebiete des Saloniker Nees bezw. in den Wilajets von Salonik und Kossowo, namentli< längs der oberen Linien Vesfüb-Mitrowißza und Uesküb-Sibeftshe, war der Regen in der leßten Dekade des Monats Mai sehr ausgiebig und gleihmäßig und von warmer Temperatur begleitet, was der gesamten Landwirtschaft fehr zu statten kam. Schäden dur< stärkeren Hagel sind nur an den Obst- und Weinkulturen in der Umgegend von Köprülü zu bes klagen, dagegen hat der Hagel in den Bezirken von Karasuli, Uesküb, Orhanié, Werisowiß, Tabanoftshe, Preshowa, Bukaroftshe und Prischtina, in denen unmittelbur warmer Regen folgte, keine nach- teiligen Spuren hinterlassen.

Im Gebiete der unteren Linie Salonik-Uesk üb ift der Negen Ende Mai allerdings für die Wintersaaten, die hon dur Frühjahrs- frôste zu leiden hatten, zu spät gekommen, um noch eine fkräftigere Wirkung auf die Felder ausüben zu können, sodaß bei Weizen, Gerste und Hafer gegen 1904 ein Ausfall von 20 9/9, bei Mohnsamen von etwa 60 9/6 befürchtet wird. Die meisten Mohnfelder wurden jedo umgea>ert und mit Mais bepflanzt. In betref dieser leßteren Frucht hegen die Land- wirte die besten Hoffnungen, ebenso bezüglich Obst Weintrauben seit mehreren Jahren ein sehr wihtiger Ausfuhrartikel besonders im Umkreise von Gumendshe, Strumnißa, Demirkapu, Kriwolak, Benigziani Gratsko und Köprüluü. An Weintrauben wird in diesem Jahr ein viel größerer Ertrag erwartet als im Vorjahre, wo 4560 Tonnen über Sibeftshe na< Oesterrei. Ungarn, Deutschland und Serbien zur Ausfuhr gelangt sind.

__ Viel günstiger für die Entwi>lung der Feldfrühte waren die Witterungsverbältnisse im Gebiete der oberen Linien Uesküb- Mitrowitza und Uesküb-Zibeftshe, wo Weizen, Gerste, Hafer und au< Hanf sehr s{<ön stehen und gegen die vorjährige, auch gute Ernte, einen um 3009/9 höheren Ertrag erhoffen lassen. Soweit über den Mais gegenwärtig {hon eine Abs{äßung angängig ist, sind die Landwirte ebenfalls im allgemeinen ganz zufrieden und nügen dieselben, ermutigt dur< die im Vorjahre erzielten guten Preise, allen no< brau<hbaren Boden für die Pflanzung dieser Fru<ht na< Möglichkeit aus. E

Alles in allem, darf hierna< au< für Mazedonien, wenn auf

den hon länger anhaltenden Regen jeßt {önes und tro>enes Wetter folgt, eine no< reihli<ere Ernte und eine umfangreichere Getreide- * und Obstauéfubr als im Jahre 1904 erwartet werden. __ Was Anatolien anlangt, so haben die Getreidewintersaaien im Wilajet Konia den Winter gut überstanden. Eine hin- reihende Schneede>e {ütte sie gegen Frostshäden. Die spätere Schneeshmelze durhfeuchtete den Boden und begünstigte \o- wohl die Entwi>klung der Wintersaaten als auch die Frühjahrausfaat. Lebtere ist seit dem Monat März in der Ebene sehc gefördert worden, nur in den Bergen ist sie wegen des dort länger andauernden Winters im Nückstande geblieben. Nah Schäßungen der Landleute foll der im Herbst erlittene Zeitverlust fast ganz eingebraht worden sein und die gesäte Anbaufläche im ganzen Wilajet um höchstens 100/9 hinter der vor- jährigen zurüd>stehen. Infolge der verspäteten Bestellung der Felder ist mehr Gerste als früher angebaut worden. Die Frübjahrs\aaten konnten sih wegen der bis in die legte Zeit anhaltenden Kälte no< niht re<t entwideln. Erst die seit Mitte Mai eingetretene Wärme und etnige Regenfälle haben ihr Wachstum gefördert. Im allgemeinen ist der Saatenstand niht ungünstig. Da aber 30—40 9% der gesamten Aussaaten erst in den leßten Monaten vorgenommen werden konnten, besteht die Gefahr, daß die Entwi>kelung der später auffeimenden Pflanzen dur die gewöhnli<h im Juni si einstellende Dürre beeinträchtigt wird. Wenn aber noch einige ausreihende Regen- niedershläge fallen und häufige Nordwinde einfeßen, dur welche die Pflanzen gegen die Trockenheit des Sommers gekräftigt werden, kann noch auf eîne gute und reihe Ernte gehofft werden.

Im Sandschak von Afiun-Karahissar liegen die Saaten- verhältnisse ähnli<h. Auch dort hatte sih die Winteraussaat infolge der großen vorjährigen Erntearbeiten und des frühen Wintereintritts verzögert. Die Saatarbeiten im Frühjahr sollen aber das Versäumte nachgeholt haben.

Im Kasa von Eski-Schehir, wo 60 9/6 der Anbauflächen mit Gerste bestellt find, soll der gegenwärtige Saatenstand \{<ôn und die Ernteaussichten gut sein.

Im Wilajet von Angora hatten die Wintersaatarbeiten haupt- \ähli< unter der damals dort herrschenden Rinderpest, infolge deren es an den erforderlihen Arbeitstieren fehlte, gelitten. Viele Regen- niedershläge hinderten dann eine Zeit lang die Frühjahraussaat. Man nimmt immerhin an, daß die Anbauflähe nur um 15 9/6 geringer ift als im Vorjahre.

Die Nachrichten aus dem Wilajet Siwas über den Stand der Hauptgetreidearten Weizen und Gerste, die infolge Tro>enheit anfänglih zu Befürchtungen Anlaß gaben, lauten heute umgekehrt sehr günstig, Ausgiebiger Regen in allen Getreideanbaugebieten haben den Stand der Saaten gehoben, sodaß eine gute Ernte in Aussicht steht, wenn die Witterungsverbältnifse günstig bleiben.

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