1885 / 34 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Intelligenz der Unternehmer und die Geschicklihkeit der Ar- beiter gestärkt würde. Gegen die Uebernahme der technischen

chs{ulen sprähen praktische Gründe; hier gelte es, den Zu- ammenhang dieser Hohschulen mit den Universitäten aufrecht zu erhalten.

Der Abg. Frhr. von Minnigerode sprach sich für die Uebertragung aus, die wohl eine Abtrennung, aber feine Scheidung der technishen Schule von der Unterrihtsverwal- lung bedeute. Wenn von Seiten der Regierung eine andere Vertheilung der Arbeit innerhalb der einzelnen Ministerien als wünschenswerth bezeihnet werde, so werde seine Partei fih dem nicht widersetzen.

Der Abg. Büchtemann hielt die Abzweigung der tech- nishen Schulen für niht vortheilhaft. Man verspreche fi einen größeren Aufschwung der tehnischen Schulen, wenn die- selben durch das Handels: Ministerium in eine regere Verbin- dung mit den Jnteressentenkreisen im Handel und Gewerbe geseßt würden. Aber er könne für Berlin sagen, daß hier die gewerblihen Schulen erst aufgeblüht seien, als dieselben aus der unmittelbaren Berührung mit den Interessentenkreisen los- gelöst worden.

Der Geheime Ober-Regierungs-Rath Lüders Auffassung entgegen: dem Handels-Ministerium werde ein größeres Vertrauen von Seiten der Gewerbtreibenden ent- gegengebraht ; auch versprächen si dieselben von dem Handels- Ministerium ein s{nelleres Verständniß ihrer Forderungen.

Der Abg. Pr. Reichensperger (Cöln) sprach fich für die Maßnahme der Regierung aus; nur scheine ihm dieselbe niht weit genug zu gehen. Auch die tehnishen Hochschulen sollten dem Handels-Minister unterstellt werden.

Der Abg. Seyffarth (Liegniß) wünschte, daß wenigstens die Fortbildungs\hulen bei dem Kultus-Ministerium belassen würden , weil dieselben als die direkte Fortsezung der Volks- schule anzusehen seien.

Bei Schluß des Blattes sprach der Abg. Dr. Enneccerus.

DeértOligung. Jn- Nx. 9 des „Reichs-Anzeigers“ von 1885 ist ein Citat aus der unter dem Titel „Przeglad Powszechn y“ in Krakau in polnischer Sprache erscheinen- n Monatsschrift wiedergegeben, welches in der Ueberseßung autet :

trat dieser

Polen werde die ihm gebührende einnehmen.

In richtiger Ueberseßung hätte das Citat lauten müssen: Polen werde die ihm gebührende Stellung würdig einnehmen.

Stettin, 6. Februar. Jn der heutigen, Vormittags 10 Uhr, unter dem Vorsiß des Ober-Bürgermeisters Haken eröffneten ö, Sizung des11. Provinzial-Landtages von Pommern erledigte der Landtag zunächst einige Petitionen, betreffend die Zahlung von Brandentschädigungsgeldern. Hierauf trat die Versammlung in die Berathung des neuen Feuersocietäts - Reglements ein, durh wel- hes die Verschmelzung der drei in der Provinz be- stehenden öffentlihen Feuersocietäten in eine Gesell- jchaft, sowie eine einfachere Verwaltung und eine billigere Versicherung für die Socien bewirkt werden soll, Nach dem Vortrage des Referenten, Landraths a. D. von Loeper, über die Veranlassung und roeitere Entwickelung der Vorlage in den verschiedenen Vorstadien, aus welchen namentlich hervor- zuheben is, daß nah dem von dem Provinzialausshuß an- genommenen Entwurf die Mobiliarversicherung wegen der be- deutenden Zuschüsse, welche dieselbe bisher von der Provinz erforderte, aus der Provinzialversiherung auss{eiden sollte, daß indessen die Kommission mit Rücksicht auf das gerade für die fkleineren Wirthe unbe- streitbar vorliegende Bedürfniß für die Beibehaltung einer öffentlichen Mobiliarversicherung einzutreten sei, wurde die Generaldiskussion über die ganze Vorlage gleichzeitig mit der Spezialdiskussion über den S. 1 des Reglements eröffnet. Das Wort erhielt zuerst der Abg. Matthies, dessen Ausfüh- rungen sih hauptsählih gegen die Verschmelzung der ver- schiedenen öffentlichen Sccietäten bezw. gegen die Beseitigung der Neuvorpommerschen Societät richteten, indem er nachzu- weisen suchte, daß die leßtgenannte Societät durh ihr mehr denn 100jähriges Bestehen ihre Lebensfähigkeit bewährt habe, und daß für die neuvorpommerschen Besißer die beabsichtigte Verschmelzung nur eine Erhöhung der Beiträge zu Folge haben würde. Nachdem der Herr Ober-Präsident noh darauf hinge- wiesen, daß mit Rücksicht auf die schr erheblihe Anzahl König- liher Domänen in Neu-Vorpommern die von dem Minister für Landwirthschaft für den ganzen Umfang des Staates in Ausficht genommene besondere Versicherung der Königlichen Domänen von großem Einfluß auf - den Bestand der Neu- vorpommerschen Societät sein werde, der Landes-Direktor durch Beibringung eines reihen Zahlenmaterials die Ausfüh- rungen des Abg. Matthies widerlegt, der Abg. von Holz Tur Die Vereinigung aber gegen die Beibehaltung der Mobiliarversicherung gesprohen, der Abg. Dr, Schulß Greifswald insbesondere dafür eingetreten war, daß, wenn die Mobiliarversicherung beihehalten werde, es nothwendig sei, eine getrennte Verwaltung sowie einen be- sonderen Reservefonds für beide Abtheilungen der Versicherung einzurichten und deshalb eine bezügliche Abänderung in den S. 1 und 4 des Reglements herbeizuführen, und ar der Debatte sich noch die Abgeordneten von Kahlden, von Hagenow, von Reiswiß und Graf Schwerin betheiligt, wurde zur Ab- stimmung über §8. 1 geschritten und derselbe entsprehend dem Vorschlage der Kommission in folgender Fassung:

„Die Pommersche Feuer-Societät ist eine Provinzial- anstalt zur gegenseitigen Versicherung a. von Gebäuden, b. von beweglichen Gegenständen jeder Art“,

unter Ablehnung der entgegenstehenden Anträge Schulze und Matthies angenommen, mithin die Mobiliar-Ver- siherung in dem neuen Reglement beibehalten. Jn gleicher Weise wurdcn ohne längere Diskussion die S8. 2 bis 56 des Reglements angenommen und zu §. 57 des Regle- ments ein vom Abg. von Reiswig gestellter Antrag für den Umfang des Regierungsbezirks Stralsund die Bestimmun- gen, betreffend den Austritt aus der Sozietät nur unter Zu- stimmung der Realgläubiger behufs eines leihteren Ueber- ganges und mit Rücksicht auf die besondern Hypothekenverhält- nisse Neuvorpommerns einstweilen bis auf weitere Be- stimmung des Provinzial - Landtages außer Kraft zu seßen, ebenso wie die übrigen Paragraphen des Reglements- entwurfs mit großer Mehcheit angenommen,

Endlich wurde der Provinzial-Aus\{chuß ermächtigt, an Stelle des Provinzial-Landtages etwaigen niht wesentlichen Abänderungen, welche Seitens der Herren Minister für noth- wendig oder zweckmäßig erachtet werden sollten, zuzustimmen.

Stellung einig

Hiermit waren die sämmtl

{loß der Ober-Präsident Graf Behr:Negendank daher im Sr. Majestät des Kaisers und Königs den Landtag mit den folgenden Schlußworten :

Namen

Meine boczuverehrenden Die Arbeiten des Landtags sind

bewährten Hingebung zu erwarten war, unter Anspannung aller Kräfte

und in kürzester Frist.

Aber nit nur für Ihre Arbeitsfreudigkeit babe i Ihnen

Namens der Staatsregierung den sondern hauptsählich und vor Allem

welcher Ihre Verbandlungen beseelte und das hocherfreuliche Ergebniß herbeiführte, daß Ihre Bes{lüsse ausnahmslos den Wünschen der

Staatsregierung Rechnung trugen. Indem ich Provinz Pommern

VBechältni

Mit einem dreimaligen, gebrachten

sammlung. Kiel, 7. Februar.

die Prinzen Wilhelm un unter dem Donner der salutiren

lichen Werft, wo eine Ehrencompagnie des Seebataillons bei der Landungsstelle Aufstellung genommen hatte. Nachdem Se. König-

liche Hoheit der Prinz Wilhelm begab Sich Höchstderselbe, dem Prinzen Heinrich, Bug der Korvette und Korvette „G“, Stimme Nachfolgendes sagte: „Im Namen Sr. Majestäà begrüße ich Dich als neue stes und reibe Dich ein in die Kr stät. Möge es Dir vergönn

vollzog

des Reiches Banner mit Ruhm zu tragen, Zur Freunde Schutz, Zur Feinde Trugt, Zu Reiches

sers Ehr”.

des Kaisers, der Großher

Schwerin, „Alexandrine"!* e: t eere Pio ip A Kaum waren darauf die leßten Hölzer gefallen, als unter Hurrah die

einem vieltausendstimmigen „Alexandrine“ sanft hinabglitt.

Se. Königliche Hoheit stieg sodann wieder mit Seinem

und m

bald ertönte von Neuem das Salut weis, daß die Prinzen ans Land gestiegen waren.

Nachmittags fand im Schlosse ein großes Diner statt, bei welchem Se. Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm an die delt On nah der „N. Pr. Ztg.“ folgende Ansprache ielt:

„Meine Herren! Es große Freude gewesen, an dem

wir den heutigen Tag als und wünsGe ich zu Glück. Müoge es

in späteren Tagen,

auch

zu beweisen, wie derselbe sich {on

durch die Macht der Tradition erhalten

Meine Herren, i glaube, daß niemand unter uns ift, der sich nicht am heutigen Tage dankend an jenen Mann erinnera wird, derm die Marine ihre Grundlage und vor allem ihren Geist verdankt!

Ich meine jenen braven, ritterlichen, den Admiral Prinzen Adalbert! Wa der noch ganz jungen preußiscen Ma beweist beredter als Worte, wie er

Mit weitem Blick und Hohenzollernmuth pflanzke er die Tradition des Großen Kurfürsten und seiner Befehlshaber fort, und bellleuchtend, in

Flammenzügen uns anspornend, red

„&re8-Forcas, Jasmund, Helgoland“. Antwort gefunden, und weithin glänzen die Nauen „Meteor“ und

Havanna, „Undine“ und Kamerun! Tod vor Augen, sei es legenen Gegner: Sie Tradition aufrecht

kräftig in bnen

Aggerfstra

haben, erhalten regt. Möge

baren Stolzes, der unseren geliebten Ihm von Seiner Marine Leistungen gesteigertem Wirken hinreißen und

Gläfer zu erheben und mit mir aus vollstem Herzen zu rufen: Se. Majestät unser vielgeliebter Kaiser und Kriegsherr lebe, Hurrah !“

Prinz Wilhelm mit dem um

Am Abend begab Sich 6 Uhr 55

Minuten von hier ab zurü.

Elsaß-Lothringen. Straßburg, 7. Februar. (Ldes.- Die gestrige (9.) Plenarsißung des Landesaus-

Ztg) i \husses wurde ausgefüllt mit d der drei

sowie das Hypothekenwesen; betr

Velastung der Grundstücke und Bergwerke, sowie die Einfüh- betreffend die Ausstellung

rung von Grundbüchern, und rihtliher Erbbescheinigungen und gerichte.

Die Gesetzentwürfe wurden einer Spezialkommission von

12 Mitgliedern überwiesen.

hierin einen erneuten Beweis dafür erblicke, i ! fi eins weiß mit der Regierung Seiner Majestät, und indem ih Gott bitte, daß dieses für beide Theile segenbringende L ; für alle Zukunft fortbestehen möge, erkläre ih im Namen Seiner Majestät des Kaisers und Königs dcn 11. Provinzial-Landtag der Provinz Pommern für ges{lofsen.

Hoh auf Se. Majestät trennte sich die Ver-

(Kl. Ztg.) Heute Vormittag 10 Mi- nuten vor 12Uhr begaben Sih Jhre Königlichen Hoheiten

begleitet von Sr. Königlichen Hoheit zu dem baldachinartigen Zelte vor dem

indem er mit kräftiger, weithinschallender

Ich taufe Dich auf den Namen der Schwester

ist mir eine Hohe Ehre und zuglei eine e hcutigen Tage im Namen Sr, Ma- jestät des Kaisers und Königs und in Seinem Allerhöcsten Auftrage ein neues Schiff dur dessen Taufe in die Reihe der kampf- bereiten Sr. Majeftät Marine etnreihen zu dürfen. Mit

demselben diesem von kundiger Hand und sicherem Auge geführt, zur Ghre des Kaisers und des Reichs, den Angehörigen Schutz zu bringen. Möge es seiner künftigen Besatzung gelingen, jenen guten, strammen, preußischen unbedingten Gehorsams und der aufopfernden, hingebenden Tapferkeit

Sei es im tosenden Kampf im Kampf meine worden i auch „Mit Gott für König und Vaterland“ aneifernd vor Augen stehen; möge das

dem Landesaus\{uß vorgelegten Gesetzentwürfe: be- treffend Rechtsgeschäfte über Grundeigenthum und Nießbrauch,

ichen Vorlagen erledigt, und

Herren! beendet, und zwar, wie bei Ihrer

wärmsten Dank auszusprechen, für den entgegenkommenden Geist,

daß die

von dem Vorsißenden aus-

d Heinrich im Kaiserboot den „Hansa“ ‘nah der Kaiser-

die Front abgeschritten hatte, den Taufakt der neuen

i des Kaisers und Königs Mitglied unserer Marine euzerftorvetten Sr. Maje- t sein, in fernen Meeren

Wehr, Zu Kai-

zogin von Mecklenburg-

Aires A TEION R A S S 26 A e R E a 2

; / _ Kreuzerkorvette ajestätish in die Fluthen

der Prinz Wilhelm be- Gefolge das Kaiserboot, und der „Hansa“: ein Be-

echt können elnen Freudenta bezeichnen, der Marine von Herzen Kreuzer vergönnt sein,

Feinden Vernichtung, den Geift der Disziplin, des öfters

und noch in jüngster Zeit so schön bewährt hat!

allseitig verehrten Hohenzollern, s dieser Hohe Herr damals mit rine schon zu leisten vermochte, seine Aufgabe zu lösen verstand.

en zu uns von ihm die Namen Wobl, sie haben eine würdige nd, vBiomard, Ola uns der Elemente, den sicheren mit dem vielfach über- Herren, gezeigt, daß die und dieser Geist fic ferner stets die Devise Ihnen ‘leuctend, begeisternd, Bewußtsein des freudigen dank- Kaiser bei allem erfüllt, was berihtet wird, Sie zu stets Sie veranlassen, mit mir die

gehenden Zuge nah Berlin

em Schluß der ersten Lesung

effend den Erwerb und die

: S ge die Zuständigkeit der Amts-

Desterreich-Ungaru. Heute waren im Abgeordne \chüs se versammelt.

regulirungs-Ausshuß berieth

seßte die Debatte über das Auch das Subcomité des Sozial eine längere Berathung.

Pest, 7. Februar. (Wn. Sizßung des Oberhauses ordnetenhauses bezüglih des das

Wien, 7. Februar. (Wn. Abdp.)

Der Budget-Aus\{huß verhandelte über den Voranschlag des Handels-Ministeriums ;

, über die Vorlage, Regulirung der galizischcn Flüsse, Unfallversicherungsgesetz

wurde das Nuntium des Abge-

tenhause mehrere Aus -

der Fluß- betreffend die und der Ns ort. isten-Ausshusses hielt heute

Abdp.) Jn der heutigen

und des Gesetzentwurfs über die Modifizirun betreffs des Vormundschasts- und Kuratelverfahreas d E auss{chuß zugewiesen.

Großbritannien und Irland, London, (W. T. B) Der „Observer“ meldet, daß “eru, Wolseley auf seine spezielle Anfrage von derx Regieeril dahin instruirt worden sei, daß der Feldzug, selbst e den Fall, daß Gordon nit mehr am Leben sein sollte (it zur Unterdrückung der Infurrektion fortgeführt werden solle. Morgen findet eine Kabinet

berathung statt. i (W. T. B.) Eine gestern Nat

_— 9. Februar, früh. mittag eingegangene Depesche des Generals Wol sele n oh nitz

seßes reier:

sagt: über das Schifsal Gordons sei weiter ermittelt; ARERIRe E in Sicherheit. ine gestern von Korti abgegangene M e 1

Gubat, vom 2. d. M,, lautet: Dié Teupben des Maud sind augenblicklich damit beschäftigt, ‘die in der nächsten Um: gebung von Metammeh befindlihen Gebäude dur Her: stelung von Schießscharten zur Vertheidigung einzurichten: die vom Feinde ausgestellten Wachen sind sehr rührig und aufnierkfsam. Am 830. v. M, wurde ein englisher Transportzug, etwa 3 Meilen von Gakdoul entfernt durch einen gegen tausend Mann zählenden feindlichen Trupp angegriffen; die Engländer wiesen jedoch den Angriff mit P 2 v6 Mena “s g ius seinen Mars ortjeßte, derjelbe befindet fich jeßt in El it Sicherheit. E Na

__Dem Vernehmen nach sind gegen 8000 Mann zur Ver: stärkung der englischen Truppen in Egypten he: stimmt; dieselben sollen über Suakim nach Berber dirigirt werden ; als Befehlshaber derselben wird General Newdegate genannt.

Frankreich. Paris, 6, Februar. (Köln, Ztg.) (Tele: gramm.) Die „France“ meldet: Die vierte unabhängige Kavallerie-Division, deren jetziges Hauptquartier Mea ux ist, wird fortan in den Städten des äußersten Ostens: in Verbun, Sedan und Ste. BMénéhould, in Garnison stehen, V „Tube? geht mit dem Contre-Ad- miral Rieunier und einer Landungscompagnie qu 18. Februar nah den hinesishen Gewässern ab. Der Armee-Auss\chuß der Kammer verwarf heute den von dem Kriegs-Minister, General Lewal, beantragten vierjährigen Militärdienst (drei Jahre aktiven Dienstes, ein Jahr zur Versügung) und hielt den dreijährigen Dienst aujrecht, indem er das System der Zuverfügung der Leute annahm, welche nach einem funden werden. Dex Ausschuß beschloß ferner, eine mili: tärishe Abgabe für diejenigen einzuführen, welche von dem militärischen Dienst vollsiändig befreit werden, Der General Carteret-Trécourt, Gouverneur von Lyon und Oberbefehlshaber des 14. Corps, ist gestorben, Jn Folge der Weigerung des Parlaments, die Anforde- rungen der Abgeordneten der Pariser und Lyoner Ar- beiter anzunehmen, haben die Pariser Abgeordneten he- \{lossen, vor der Abreise der Lyoner eine Volksversamm- lung zu halten, zu welcher die unbeschäftigten Arbeiter zu: sammenberufen werden. Diese Versammlung soll die von der Deputirtenkammer abgelehnten Beschlüsse zur Annahne bringen und die Verurtheilung der Mitglieder der äußersten Linken der Kammer aussprehen. Vaillant, Chabert und JZeoffrin sind als Führer der Bewegung bezeichnet. Laut den „Figaro“ wird diese Volksversammlung am nächsten Montag, den 8. Februar, um 5 Uhr Abends, auf dem Opernplaß ab- gehalten werden. Es. bestätigt sih, daß 26 irische Dynanmitarden vorgestern in Paris eine Berathung gehalten haben. Die Dynamitarden sollen am 23. Februar in der Umgegend von Paris eine andere Versammlung halten, welher Deputationen von Amerika, Jrland und England anwohnen werden.

7. Februar, (W. T. B.) Der Ertrag der indirekten Steuern im Monat Januar d. J, ist hinter dem budgtt-: mäßigen Voranschlage (um 21/5 Mill,) zurückgeblieben.

Eine Depesche des Admirals Courbet aus Ke- lung, vom 3. d. M,, meldet, daß in der Nacht vom 31. Ja- nuar zum 1. Februar die neuen Positionen der Fran- zosen von 1 bis 2000 Chinesen angegriffen worden seien. Der Feind sei nachdrücklich zurücgeshlagen worden und hâtte einen Verlust von 200 Todten gehabt, unter wel- cen fi ein europäischer Osfizier und mehrere Mandarin:n befunden hätten. Die Verluste der Franzosen seien nur ein Todter und ein Verwundeter. Vom 25. Januar bis 1. Februar hätten die Chinesen insgesammt 700 Todte und Verwundete verloren. E 8. Februax. (W, T. B.) Von der Polizei sind gestern etwa 20 Anarchisten wegen Reden, in welchen sie zu Plünderungen ausreizten, verhaftet worden. Das von den Anarchisten für morgen nah dem Opernhaus-Plaß ein- berufene Meeting wird " voraussihtlich nicht stattfinden, da sih die Veranstalter desselben sänuntlich unter den Verhafteten befinden. L Ein Telegramm des Generals Brière de l'Jsle aus Dongsong, vom 6, d. M., berichtet: Dec Angriff auf das verschanzte Lager des Feindes wurde am Vorwittage durch starken Nebel verhindert; nach dem Nebe! trat Regen ein; gleihwohl gelang es uns, noch vor Einbruh der Nacht vier Vertheidigungslinien des Feindes, die sich auf 10 Schanzen stüßten, wegzunehmen. Die Zelte sowie die Levensmittel- und Munitionsvorräthe der Chinesen sind in unseren Händen. Unsere Soldaten schlugen sich troß den großen Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, vorzüglich; die Vertheidigung des Feindes war eine energische; unsere 90-:-Millimeter-Batterien leisteten uns große Dienste. L Ein weiteres Telegramm des Generals Briele meldet : die französishen Truppen hätten bei dem Angriff auf die das vershanzte Lager von Dongsong beherrschenden Redouten 80 Mann an Todten und Verwundeten verloren. Ueber die Verluste, welche die französischen Truppen bei der am 6, d. M. stattgehabten Einnahme des verschanzten Lagers von Dongsong gehabt haben, liegen noch keine Nachrichten vor.

Italien. Rom, 7. Februar. (W. T. B.) Die Deputirtenkammer seßte heute zunächst die Berathung der Eisenbahnkonventionen fort. Es wurde hierbei ein Amendement Baccarini’'s und Zanardelli's, gegen welches die Regierung sih ausgesprochen hatte, mit 188 gegen 127 Stimmen abgelehnt. Jn Beantwortung der Interpellation Crispi's über die von der Regierung

elbst votirten Budgetgeseßes

in Afrika verfolgten Absichten erklärte demnächst der

er hoffe, Wilson befinde sih auf dem

Zahr Dienstzeit für tüchtig be- |

ini des Auswärtigen, Mancini: über die Er- Mir im Sudan lägen ihm offizielle Nachrihten noch nit Was das englisch-italienisch Einvernehmen V belange so habe er seinen bereits früher abgegebenen Er- flärungen nichts hinzuzufügen ; die darauf bezüglichen Jnter- llationen und Anfragen könne er nicht annehmen. Crispi erwiderte, daß er auf seiner Jnterpellation nit beharre; auch der Deputirte Comin zog seine Anfragen zu- rück. Der Deputirte Musi erklärte, daß er der Regierung alle Verantwortung überlasse. Der Miniser Mancini versicherte, daß das Ministerium sich immer von den Jnteressen des Lan- des und von der Nücfsiht auf die Würde desselben werde s E citg® will wissen : das für den Sudan bestimmte Expeditionscorps werde ungefähr 15 000 Mann zählen, in etwa 20 fr abgehen und Massovah und Suakim erationsbasis nehmen. i E E E Stefani meldet: der Minister des Auswärtigen, Mancini, habe den italienischen Bot- shafter in Kon stantinopel, Grafen Corti, ersut, auf den erbetenen Urlaub zu verzichten, um jeden Zweifel über die zwischen rev und der Pforte bestehenden guten i ngen zu Heben, : i Beziehun Rbriias, (W. T. B.) Die „Opinione“ schreibt: England habe die Theilnahme JFtaliens an der egyp- tischen Expedition noh niht formell verlangt; es hätten blos darauf bezüglihe Unterredungen zwischen dem Minister Manciri und dem englischen Botschaster Lumley stattgefunden, die jedo bis jeßt zu einem endgiltigen Abkommen n2ch nicht i ätten. : N Aa emia Stefani“ meldet aus Suakim: „Der Gottardo“ ist von Massavah mit der Nachricht hier einge- troffen, daß Admiral Caimi einen Theil der unter seinem Befehl stehenden Truppen landen ließ, dabei keinerlei Wider- ftandfand und von den Eingeborenen freundlih aufgenommen wurde. Eine weitere Meldung besagt: Masjavah ist am ö, d. M. von den italienischen Truppen beseßt worden. Von E s en Behörde wurde gen die Beseßung Protest eingelegt. E E N A (W. T. B.) Gestern Abend hat ein Minister- rath stattgefunden. Dem Marine-Minister ist folgende Depesche des Admirals Caimi aus Suakim, voi 8. d. M., zugegangen: Jch habe mit dem „A merigo Ves- U, „GOolltardo Und „Garibaldi“ am 9. d. M19. vor Massovah Anker geworfen, Truppen und Matrosen ausgescift und auf der egyptischen Küste die italienische Flagge aufgepflanzt.

Bulgarien. Rusjt\chuk, 7. Februar. (Pr.) Jn Köstendil hat ein von 3000 macedonischen Bulgaren beschicktes Meeting stattgefunden, in welchem Vorstellungen an die General: Konsuln in Sofia und Telegramme an Laveleye und den Duc d’Argyll beschlossen wurden.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 8. Februar. (W. T. B.) Zum Zweck der theilweisen Abänderung der bisherigen Kaiserlihen Hausordnung bestimmt ein Ukas des Kaisers an den Senat: 1) daß als Groß- fürsten, Großfürstinnen und Kaiserlihe Hoheiten die Söhne, Brüder, Töchter, Schwesiern sowie die Enkel der Kaiser, welche in direkter Linie vom Mannesstamm herkommen, zu betrahten, vom Mannesstamme herkommende Urenkel der Kaiser aber als Hoheiten, Fürsten und Fürstinnen Kaiserlichen Geblüts anzusehen jeien; 2) daß unter unmittelbarer Ober- aufsiht des Kaisers eine Revision des Statuts der Kaiser- lihen Familie vom 5. April 1797 vorzunehmen sei, wozu die Einseßung einer Spezialkommission angeordnet wird.

Der katholische Bischof von Wilna, Grine- weßky, ist in Dienst-Angelegenheiten hier angekommen.

9. Februar. (W. T. B.) Der Reichsrath. hat den Entwurf für den Ausbau des Hafens von Libau ge- nehmigt.

Amerika. (AUg. Corr.) Governor Cleveland ist in New: York und wird hier mit den leitenden Vertretern der demokratischen Partei Besprechungen über die Bildung seines Ka binets und die politische Frage halten. Odonovan Rossa hat sih aus dem Hospital, wo man ihn als hergestellt nicht länger behalten wollte, in eine Heilanstalt begeben, wo er si ferner als Martyx beglückwünschen lassen wird.

Afrika. Egypten. (Allg. Corr.) Von der Kolonne des Generals Earle meldet cin Telegramm des „Daily Telegraph“ aus Merawi: Die „Schwarze Wache“ und das Staffordshire-Negiment haben den Bahami- Katarakt passirt. Die Zerstörungsabtheilung der Jngenieure Und zwei Compagnien der Schwarzen Wache zeritörten Sulei- man Wad Gaga's Häuser uud anderes Eigenthum der Rebellen, Die Rebellen sollen den Schakuk-Paß ge- räumt haben. Es wurde dort viel Getreide und Munition vorgefunden.

Aae

Zeitungsstimmen.

Die „Staatsbürger-Zeitung“ sagt in einem „Die Hemmschuhpartei“ überschriebenen Artikel : i : Die Organe der Mans\cesterpartei schreiben so oft von einer reaktionâren Strömung im Deutschen Reiche, daß man si des Ge- dankens, ob nicht etwas Wahres an der Sache fein möchte, nicht mehr erwehren kann. Als ein Wahrzeichen dieser Reaktion wird der geringe Respekt vor. den Beschlüssen des Reichstages und die Agita- tion gegen diese Beschlüsse angesehen, sowie die Parteinahme für die Politik des Reichskanzlers überhaupt. Wer auf Seiten Bismarcks fleht, ist reaktionär, gleihgültiz, ob das, was derselbe thut, den Inter- essen des Volkes entspricht oder nicht, gleichgültig selbst, ob Bismarcks Vorgehen als ein Fortscritt bezeihnet werden muß, : Der Fürst Bismarck hat es tes mit einer Hemmschuhpartei zu thun gehabt, früher war es die Junkerpartei alten Schlages, heute it es die Partei, die einst das Banner des Fortschritts trug und die Entwielung des deutschen Handels und Gewerbefleißes zu thren vor- nehmsten Aufgaben zählte. Das Blatt hat sih vollständig gewendet, an die Stelle der reaktionären Junkerpartei Yb Die Pillet Der sogenannten Deutsch-Freisinnigen getreten, um im Verein mit den

ltramontanen das deutsche Reichsschiff in seinem kühnen Laufe o viel wie mözlih aufzuhalten oder, wenn dies eben ginge, dasselbe zu öwingen, seinen Kurs rückwärts zu nehmen. | :

,_ Das ist reaktionäâr und gegen diese Reaktion zu kämpfen, das wird sih ein denkfähiges Volk, wie das deutsche, nicht nehmen lassen. Das ist keine reaktionäre Strömung im Volke, sondern eine volks- thümliche forts{rittlihe Strömung gegen die Reaktion. Z

Den besten Beweis für die Richtigkeit der socben aufgestellten Behauptung liefert das Verhalten der Deutschfreisinnigen und der

I ti d ini per T E S (7+ 22

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Ultramontanen bei Berathung dec Dampfersubvention, das heißt dic Verschleppungéêtheorie, welhe man dieser hohwichtigen Frage gegen- über in Anwendung brachte. i Et

Im Lande war, wie wohl keiner der Abgeordneten, seibst nicht vom Freisiun, leugnen wird, eine sehr günstige Stimmung für den ESeschentwurf vorhanden, und doch wurde die Berathung desselben in so auffallender Weise verzögert. Woche auf Wocte verstrich seit der Ueberweisung der Vorlage an die Kommission, eine Subkommission wurde eingeseßi, endlose Debatten geführt, daneben die _Turioseften Anträge geftellt... Von wel{@er Seite derartige Manipulationen beliebt wurden, brauchen wir wohl nicht erst zu sagen, jedermann weiß ja, daß gerade die Dampfersubventions-Borlage der Prügel- kfnabe der Freisinnigen und Klecikalen ist und daß diese {on die Kommissicnsberathungen benußten, um an dem verhaßten Entwurfe ihr Müthchen zu kühlen ur. d, wie die Freisinnigen, Rache an demselben dafür zu nehmen, daß er es war, der ihnen statt der crbofften Ver- arößerung der Partei eine Verminderung und Spott und Hohn in Fülle brachte. Endlih wurde dann das Seseß in der Kommission in erster Lesung erledigt, aber mit welchen Aenderungen und Ver- flaufulirungen !

Und e Anschein nach werden die Verhandlungen des Plenums, von denen selbst die Gölter noch nicht wissen, wann sie beginnen und wie sie enden werden, troß der „gründlichen“ Vorarbeit der Kom- mission um nihts \{neller vonstatiengehen, sondern man kann si im Gegentheil aberma!s auf Verhandlungen gefaßt Mae, De. das Zustandekommen verzögern. Während dessen wünscht das ganze Volk sehnli{ch}s die Annahme des Entwurfcs, und mancher ehrliche Patriot ballt {on die Faust ob des Spicles, das von der Opposition dis Reichstages mit der Vorlage getrieben wird. / ;

. . . Daß sih übrigens, nahdem die Kommission nur eine ein- zige der vorgeschlagenen Linien genehmigen wolite, auch das Plenum des Reickstages gegen das ganze Gesetz kehren würde, wenn nur cine inzige oder zwei Linien bewilligt werden wollten, steht con heute fest, und man wird eben jene Fraktionen des Reichstages, welche das ganze große Werk unferes Reichskanzlers zu verkümmern wußten, der ge- bôörigen „Würdigung“ des Volkes anheimstellen, Welchen Vorwurf diefe Fraktioren für alle Zeiten auf sih laden müßteo, dürfte ihnen vielciht dech noch vor der Endabstimmung klar werden. Dem deut- \{chen Volke aber wird es schr bald klar werden, wo cs die reaktionäre Strömung zu suchen hat.

Ler „Petter Lloyd“ {ließt einen längeren Artikel über die Haltung der Opposition im Reichstage, wie folgt :

Deutschland hat die Höhe seiner politischen Macbtstellung nicht erklommen, ohne Berge von Uebelwollen, Neid und Mißgunst um sch aufgethürmt zu haben. Jedes Attentat auf das Ansehen des Xürsten Bismarck wird als ein willkommenes Ereigniß betrachtet. Denn in seiner gewaltigen Persönlichkeit verkörpert sich dem Auslande das Ansehen des Deutschen Reiches. Es ziemt uns nit, in den inneren Kontrovoersen eines uns so nahestebenden Volkes Partei zu ergreifen. Aber die Freunde Deutschlands würden cs nur bedauern können, wenn die interne Entwickelung desselben weitcre Einbußen seiner moralischen Machtstellung ra außen bezeihnen würde. Den Intentionen der Parteien könnte das ganz fernliegen und das Resultat denno cin- treten. Auch in dieser Beziehung wird man si vielleicht vergeblich an das nationale Gefühl der Ultramontanen wenden. Aber selbft den extremen Freiheitsparteien sollte nit jede Empfindung dafür verloren gegangen sein. Denn man braucht nit den Vorwurf des Mamelukenthums auf si laden, wenn man den Satz ausspricht, daß, wer voll und ganz zum Reicve hält, bis zu einem gewissen Grade wenigstens au zu seinem größten Repräsentanten, dem Kanzler, wird halten müssen.“

Die \chreibt : j Die Kornzollfrage im alten Rom. Man hat in neuerer Zeit den Gescichtsscreiber Theod. Mommsen dafür viel belobt, daß er die Kornzollverhältnisse im alten Nom richtig beschrieben, und heraus- gefunden habe, daß das römische Reich hauptsächlich daran zu Grunde gegangen set, daß es scine Landwirthschaft gegen die erdrückende Kon- kurrenz nidt gehörig ges{üßt habe. Jedoch noch viel klarer als dur Theod. Mommsen, wurde dieser letztere Umstand durch den Univer- sitäts- Professor Dr. Sepp in München (ehemaliges Mitglied des Reichstageë) in einem bereits am 27. Oktober 1880 in der dortigen Gartenbaugesellschaft gehalienen Vortrage beleuchtet. Wie uns aus München geschrieben wird, beleuhtete Sepp die Kornzollfrage im alten Rom mie folgt: j 5 . Staat und Volk der Römer, sagte Sepp, ift an der freten Kornciafuhr zu Grunde gegangen. Schon Cajus Gracchus verfiel auf den unglücklichen Gedanken, die Getreidepreise zu regul iren, um dem begehrlichen Pöbel billigeres Brod zu \{affen, also durch Künstelei die natürliche Regulirung der Werthe der Nahrungsmittel zu stören. Natürlich spielte er sich damit als Freund des Volkes auf und gewann die Herzen Vieler, wie heutzutage der Volksvertreter und der Journalisi, welcher gegen die indirekten Steuern spricht und schreibt, weil sie dem gemeinen Manne die Lebensmittel vertheuern. Mundas vuls decipi! Lange \ch{on galt Sizilien für die Kornkammer Roms, das als Wesltstadt fich von der „Einwohnerzahl einer Million unter Kuguftus zuleßt bis zu zwei Millionen empo:s{wang, wie heute Paris, Nun aber war Egypten erobert, wo der Nil die Felderdüngurg übernimmt und bei der jährlichen Uebers{wemmung das Wasser in unzählige Kanäle abfließt, au dur Triebräder gehoben und abgeleitet wird. Den Pflug trägt dec Mann auf der Schulter und ritt einfa den Boden ; darauf reift die Ecnte {on im März und April Das gesegrcte Nilland lieferte nun Getreide in Hülle und Fülle, um halb Italien zu versorgen. War das ein Jubel, wenn die Kornfchiffe in Puteoli oder Ostia an der Tiber- mündung landeten ! : i ; : Aber noch besser, oder vielmehr weit {limmer! Panem et Cir- censes, Brod und öffentlihe Spiele zur Unterhaltung begehrte der Janhagel der Weltstadt; die Kaiser gaben nah und s{ließlich fand an 70000 Müffiggänger und Pflaftertreter Kornvertheilung umsonst statt. Das war ein Jubel! Wie \trômte es da aus allen Umlanden nah Rom, um an der Kaiserlichen Wohlthat theilzunehmen! Es ging zu, wie in den „Verlobten“ von Manzoni, wo die Polizei in Mailand die Taxe für Mehl und Brod festseßte und die Bäer zu baden zwang, Wie bald waren die öffentlichen Vorräthe erschöpft, das Landvolk kam zur Stadt und versorgte fich, bald aber stieg die Noth höher als zuvor. In Rom fehlte es an Kornzufuhr keines- wegs, wohl aber vielleiht an Geld, es zu bezahlen? Der Krach brach herein, aber in anderer, ungcahnter Weise. i : Der italische Bauer konnte bei diefen herabgeseßten Kornpreisen nicht mehr existiren, das immerhin fruchtbare Land die Konkurrenz mit Egypten nicht aushalten, nit zu reden von der öffentlichen Kornvertheilung, vodurch man nur Bettelvolk heranzog. Der Ackers- mann gab nothgedrungen feine Arbeit auf und sank in Dürftigkeit herab; es gab noch keine Börsen, um Anlehen zu machen und den Kapitalwerth des Gutes aufzuzehren, d. h. den völligen Bankrott nur künftlich hinauszuschieben. Der Plebejer hatte Grund und Boden eingethan und konnte doch nit weiter mehr fortmachen, als daß auf demselben die Familie sich kümmerliÞ® nährte und niczts zum Verkauf erübrigte. Die agrarishe Gesetzgebung half ihm so wenig, als dem heutigen Bauer die Ablösung, er wünscbte die Steuer mit Naturallieferungen zu bezahlen; sein Produkt in Geld umzuseßen trug den Lohn des Fleißes nicht ein. Der kleine Grund- eigenthümer war betrogen, er wußte niht wie, aber der Groß- begüterte nicht minder. Die alten Patrizier besaßen ihre Lati- fundien und waren als Großpächter von Staatsgütern nicht wenig vom Volke angefohten; in Folge der Bürgerkriege und der Proskriptionen starben die edlen Geschlehter aus, in ihre Stelle rückten VBörsenmänner, Kaiserlidbe Freigelassene, Glüsritter, kurz Parvenus ein, die nit auf Ahnen stolz waren, sondern ihre Herkunft lieber verbargen. Kolossale Vermögen bis zu hundert Mil- lionen Sesterzien 20 Pfg) wurden von Einzelnen angehäuft, und solhe waren es, welche die Einwohnerschaft volkswirthschaftlih aus-

„Berliner Zeitungskorrespondenz“

S) L

beuteten. Jett konnte man die Grundftücke, den Fundus, welcher früher den Bi t Fonds des Volkes auêmachte, billig erwerben, der Landmann trachtete fortzukommen und wanderte nah den Kolo- nien aus. Von solchen Auswanderern unter Trajan stammt das beutige Volk der Rumänen her. Die Landwirthschaft in Jtalien ver- fiel, Hofqüter waren zu Tausenden feil, man konnte das halbe Land kaufen, Aber selbft der Anbau durch Sklaven, ohne welche die Staaten des Alterthums nicht denkbar waren, lohrte sih nicht mehr. Italien sank jeßt vom Agrikulturstaat zur Schäferei herab, die größten Güter trieben nur mehr Schafweide, wo ein paar Hirten für die größten Heerden hinreichten Dahin hatte man es mit der freien Korneinfuhr gebracht, Der Nährstand sank selber zum Bettlerthum herab. - S j

Aber das S{hlimmsfste kam ers nach. Die römischen Legionen ergänzten fich aus dem Bauecnstande, der Wehrftand bestand seinem Kerne na aus kräftiger Bauernjugend, aus starkknochigen Landleuten. Diese fielen jeßt aus, der Grundstock der Heere, wie sie die Welt erobert hatten, war auêgerottet, oder von selber ausgegangen, mit fremdem Volke mußte man jeßt die Koborten ergänzen. Diese tienten für Sold und wußten nichts von Patriotismus. .

Kunft, Wissenschaft und Literatur.

Das Doppelheft 13 und 14 I. Bandes von dem „Anzeiger des Germanishen National-Museums* (sür Januar und Februar 1885) meltet, daß Hr. Dircktor Bode in Berlin, nachdem ihm die Genehmigung von Sciten des Ministers der geistlichen 2c. Ungelegenbeiten ertbeilt worden, nurmehr als Mitglied in den Ver- waltungsaus\chuß eingetreten ist, Außer zahlreichen, neu angemeldeten Jahresbeiträgen von Privaten und Gesellschaften aus allen Gegenden Deutschlands und Deutsh-Oesterreihs wird ferner mitgetheilt, daß Hr. Fabrikbesißer Mesthaler in Nürnberg eine im Sommer gemachte Stiftung von 1000 f auf 2000 4 erhöht hat, um die Ausführung der Autshwmückung des Südsaales beschleunigen zu können, der dur einea Cyklus von Glaëgemälden geziert wird, welcher die wih- tigsten Begebenheiten der neuesten deutichen Geschickte bis zur Cnts büflung des Niederwalddenkmals umfassen soll. Hr. Großhändler Bolleth ebendaselbst hat zu gleichem Zweck 500 F zur Verfügung gestellt; weiter haben einige Herren, die Gebrüder Sachs in Nürn- berg und Hr. Fabrikbesizer Merkel in Eßlingen, ihren Anschluß an diese Stiftung mit schon früher bewilligten, glet{en Beträgen Zuges sagt, leßtgerannter sih auch eventuell zu ciner Erhöhung bereit er- lärt, Bon den Erwerbungen, die das Muscum gemacht hat, sind zu nennen: eine Sammlung von Werkfeugen aus Jadeit und Nephrit, die in der leßten Zeit zu fo mannicfachen Ersrte- rungen Veranlassung gaben, dann eine wichtige : Samms- lung von ÎTostbaren Scmuckgegenständen_ aus edlem Metalle aus fränkischen Gräktern in Mertloch bei Pol (Maifeld, Rheinprovinz), darunter sehr seltene und merkwürdige Stüe; cin goldenes Grab- Îreuz und eine interessante Schildbuckel mit vergoldeten Kupfervecr- zierungen aus einem longobardishen Grabe ;* ferner ein silberner und vergoldeter getriebener Krug des 17. Jahrhunderts, Stiche von Aldegrever, Flint, Froufinger, Sibmacher, Jännichen u. m. G Die „Mittheilungen aus dem Germarischen National-Museum bringer an der Spitze einen Beitrag von dem als gründlicher Kenner und Schrift- steller über Heraldik und Spbragistik gescäßten, kürzlih verstorbenen Fürsten Karl zu Hohenlohe. Der Beitrag selbe betrifft ein bullenartiges Siegel der freien Reichéstadt Mühlhausen, welches in der Siegelsammlung aufbewahrt wird. Dassclbe ist von vergoldetem Silber und aehört zu den größten Seltenheiten und unter die kostbarsten sphragistisben Cimelien der Sammlungen des Museums. Eine Abbildung des Siegels (Avers und Revers) ist beigefügt. Es folgt dann ein ebenfalls illustrirter Beitrag vom Direktor Cssenwein: „Holzschnittkopien vom Schlusse des 15, Jahrhunderts na einigen der Initialen des Meisters E. S. von 1466“ ; dann eine eingehende interessante Arbeit von J. Stockbauer in Nürnberg über , die Bücher der Schreibmeister des 16.—18. Jahr- hunderts im Germanischen Museum“. Der [eßteren sind eine Anzahl besonders \{öner Jnitialen von Vespasiano Amphiareo da Ferrara, Neudöcffer, Christof Stimmer tem Jüngeren und Georg Mute, Stuelschreiber zu AsW&eréleben, beigedruckt, und ferner zwei Tafeln beigegeben, von denen die eine eine Seite aus Johann Neudösö: ffers „Schreibkunst“ im Facsimile reproduzirt, die andere die „Bastard- schrift“ des Vespasiano Amphiareo genau nach dem Original wieder- giebt. Am Schluß beschreibt Direktor Essenwein mit Hülfe einer sorgfäliigen Abbildung ein emaillirtes kupfernes Been, aus dem 13.—14. Jahrhundert mit von Ornamenten zierlib um- rankten figürliwen Darstellungen, Das VBecken is von der Berliner Pfsflegshast dem Museum gesenkt worden Der „Anzetger des Germanischen Nationalmuseums | beginnt mit. dem vorliegenden Heft seinen neuen Jahrgang. Jährlich ersceinen 12 Monatsnummern ; auënahmêweise werden Doppelnummern für je zwei Monate ausgegeben (im Ganzen 24 bis 30 Bogen mit Illustra- tionen und 12 bis 15 BVilderbeilagen). Ferner werden als Beilagen gegeben die „Mittheilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum / kleinere Aufsäße enthaltend, und größere Aufsäße als felbständige Broschüren oder Bücher. 36 Nummern bilden einen Band; ebenso 36 Bogen der Mittheilungen ; alle übrigen texilichen Beilagen, je nach Umfang der betreffenden Arbeit, kleinere und größere Bände. Der Pränumeration€preis beträgt 6 46 jährlich. Bestellungen nehmen die Postanstalten oder Buchhandlungen entgegen, Die Buchhandlung von F. A. Brockhaus in Leipzig hat den Kommissionsverlag über- nommey.

Land- und Forstwirthschaft.

Der Kongreß deutscher Landwirthe, weldher am 18. Februar d. I. seine 16. Plen arver sammlung im Norddeutschen Hofe“ zu Berlin abhält, hat an Stelle des bisherigen Thema 8s, weles wegen Erkrankung des Referenten abgeseßt worden ift, „die Stellung der deutschen Landwirthschaft zur Kolonialfrage zur Verhandlung gestellt und hierfür, wie auch für die anderen Themata, hervorragende Fachmänner als Referenten gewonnen.

Gewerbe und Handel.

er Aufsichtsrath der Breslauer Straßenbahn-G e- fellf Saft ae der Generalversammlung die Vertheilung einer Dividende von 6X 9% für das Geschäftsjahr 1884 vorzuslagen. Die für das Jahr 1883 vertheilte Dividende betrug gleifalls %/o.

—— Der Aufsidtsrath der Lübecker Bank hat beschlossen, die Vertheilung einer Dividende von 5F o (1883: 5} %%) pro 1884 vor- zuschlagen. S ; E

Nürnberg, 7. E (Hopfenmarktbericht von Leopold Held.) - Vom Markt if nichts Neues zu berichten. Auch in der zweiten Hälfte dieser Woche wurden wiederum durs{nittlich über 200 Ballen pro Tag verkauft, meistens bessere Waare von shöner Farbe. Preise sind die leßtgenannten. Die Zufuhren decken fich annähernd mit der Umfaßziffer. Die St!mmung ift gedrückt.

London, 7. Februar. (W. T. B.) Bei der gestrigen Woll- auktion waren Prcise unverändert.

Glasgow, 7 Februar. (W. T. B.) Die Vorräthe ven Robeisen in den Stores belaufen sich auf 581 300 Tons, gegen 585 900 Tons im vorigen Nee. L der im Betrieb befindlichen

ochöfen 93, gegen 97 im vorigen Jahre. / 9 E Bet bues, 8, Februar. (W. T. B.) Die Zeitung „Listo k“ erfährt, daß sämmtliche Mitglieder des Verwaltungs- raths der Großen Russishen Eisenbahngesellschaft, auêgenommen Polowtzoff, demissionirt hätten. Unter den neu- designirten og NAGENU IRRRIGEK werde der Direktor der

i8fontobank, Sack, genannt. sda New-York, 8, Februar. (W. T. B.) Der Werth der Waareneinfuhr in der leßten Woche betrug 57 Millionen Dol- lars, davon entfallen etwa 2 Millionen auf Manufakturwaaren.