1885 / 46 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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t i A g E L E E R D di I Ei S T A u E - E F L D Res

P E A p

Königlichen Hoheit der Prinzessin Christian zu Schles- wig-Holstein, Jhre Königlichen Hoheiten die Prinzesfinnen Wilhelm und Friedri<h Carl, Prinz Friedrih Carl, die Prinzessin Victoria, Jhre Durchiauchten Prinz und Prinzessin R von Hohenzollern mit den gesammten Hofftaaten. hre Majestät die Kaiserin und Königin hatte shon vorher den Allerhöchstihr reservirten Plaß am Sarge einge- nommen. Die Feier begann mit dem von dem Domchor ausge- führten Gesange: „Selig sind die Todten; Ja, der Geist spricht.“ Nach der darauf abgehaltenen Liturgie folgte der Gesang: „Die Herberg ist zu böse, der Trübsal ist zu viel,“ welchen der Verewigte selbst als Trauerlied für sich bestimmt hatte. Der Superintendent Dryander hielt die Trauerrede , in welcher er die Tugenden und Verdienste des Dahingeschiede- nen in warmen Worten pries. Die Motette von Jacobus Gallus: „Siehe wie dahinstirbt der Gerechte!“ bildete den Schluß der erhebenden Trauerfeier. Am Abend um 10 Uhr wurde die fterblihe Hülle des Grafen von Schleiniß nah der Leichenhalle des Dreifaltig- keitskirhhofs in der Barutherstraße übergeführt, von wo aus gestern Mittag 121/27 Uhr, nach einer liturgischen, von dem Superintendenten Dryander gehaltenen Andacht, auf dem ge- nannten Kirchhof die Beerdigung erfolgte. Se. Kaiserliche

Erste Beilage

Dezember 1883 vermehrt um 2563 172.4 Aueéstehende Rapitalien besaß die Sparkasse am Sblusse des Jahres 1884 30915100 A, Zinsen ftanden aus 35896 Æ und der baare Bestand betrug 1059285 M, überhaupt 32010282 #Æ# Davon gehen ab: no< nit abgeführte Uebershüfse mit 6032 S, s{uldiae Dienst- Foution 3000 Æ und ro< einzulösende Sparmarken mit 2790 Æ, in Eumma 11822 4; mithin bleibt ein Vermögen ultimo 1884 von 31998459 A Von dieser Summe gehören den Interessenten 29814 568 Æ, fo daß cin Uecbershuß verbleibt von 2183890 M, welcher sid na< Abzug des Reservefonds von 1854 855 #4 für das Zahr 1884 stellt auf 329 035 4 Von diesem Ueberschufse, der mit 25 630,50 é aus dem Coursgewinn an den Effekten hervorgegangen ift, werden 509/69 zur Verstärkung des Reservefonds entnommen mit 164517 Æ, wodur leßterer auf 2019372 M erhöht wird, und 164 517 M bleiben zur Verwendung für öffentliche städtische Zwecke dispo- nibel. Sparkafsenbücer waren ultimo 1883 ausftebend 65 663 Stück, im Jahre 1884 sind neu ausgefertigt 11665 Stü>k, zusammen 77 328 Stü>k; zurü>genommen sind im Jahre 1884 7599 Stüd>, mithin bleibén ultimo 1884 auéstehend 69 729 Stü> (+ 4066 Stück). Auf 69 729 Sparkassenbücher sind im Ganzen belegt 29 814 568 A, alfo auf jedes Buch durbfchnittlih 427,58 X (+- 12,56 M). i Nürnberg, 21. Februar. (Hopfenmarktberiht von Leopold Held.) Zwar werden für die vorgerü>kte Saison ret namhafte Umsätze erzielt, welche seit Mittwo< wiederum ca. 700 Ballen betrugen, aber nichtódestoweniger ist die Tendenz als sehr flau zu bezeibnen, da die Preise stetig zurü>gehen. Nur wer ganz billig ha A aen Is Mean Oen wirkliche )rimahovfen, die {wer aufgetrieben werden können und immer no<h oheit der Kronprinz beehrte au< dieje Feier mit i bis 90 M, hier und da auch einige Mark mehr erzielen. Mittelhopfen Swat E y Y O Ene sind vagegen in \>{öner Qualität {on zu 70 A erhältlich, leichtere S E D

müfsen unter 62 4 abgegegben werden. Geringe Waaren wird zu In der unteren Querhalle der National-Galerte is als

allen Preisen ausgeboten. Es kommen jetzt überhaupt tägli Ver- 4 käufe tief unter tem Tageëpreise vor, da viele Eigener von Mittel- | neuesteEr werbung jeßt das von dem verstorbenen Gustav Richter unvollendet hinterlafsene Porträt des Generals der Infanterie

forter unter allen Umständen los\{lagen wollen. Der Werth der | Grafen von Blumenthal ausgestellt. Jn den gefenkten, über-

auch die Zahl der Worte, denen es als Vorsilbe eine v deutung Zeu Oben" und „Ober“ mit Compositen Le Do ibnen an und ein. Die Redensart „Oberwafser haben“

Auffällig viele Schwierigkeit mat die Etymologie des Wor o Jakob Grimm meinte anfänglih, daß dasselbe zu der Wer bst. gebôre uxd „das oben befindlihe“ bedeute, hat diese Ansicht * selbst wieder aufgegeben und es mit dem griecis{-lateiniscen Stam op in Verbindung zu bringen gesucht, welher Gedanke von Oberdina ausführlih behandelt worden ift, ohne daß jedo auch dadun die Grundbedeutung des Wortes ermittelt wäre. Andes Forsher haben eine Entlehnung aus dem Slavischen A nommen, aber au<h diese läßt _#si< ni<t erweisen. Je diesem Wort wie dem später folgenden „Ochse“ sind eine große Menge Composita gebildet. „O>er“ (das Berggelb) ift grieis{-lateinisde Herkunft und lautet ursprüngli< ochra. Auf „Ode“ und „öde“ vit verwandten Bildungen folgt „Odem* („Othem*). Letteres Wort if nur eine Nebenform zu „Athem“ und dur< mundartlihe Trübyy des A in O sowie Erweichung des t in d entstanden. Das Wor ist aus der Luthersben Bibelüberseßung als feierlibe Form beson- ders in die Dichtersprache Übergegangen, wie beigegebene Citate aus Werken unserer Klassiker darthun. Innerhalb des weit angelegten Artikels über die Konjunktion „oder“ {ließt die Lieferung. Ueber den Fortgang des großen Werks wird gemeldet, daß si des IV. Ban» as auieE E purter DEE S (G.), des VI, Bay, e . Lieferung ,) und des . Bandes 7, Lieferun

der Presse befinden. ierung (D) wn

(A. Woldt’s Wiss. Corr.) Die etbnographishe Samm, lung, wel<he unser berühmter Landsmann Dr. Karl voy den Steinen von seiner brasilianischen Fors<ungsreise durd das bisher no< gänzli< unbekannte Stromgebiet des Xingu, eines der bedeutendsten Nebenflü}se des Amazonen- stromes , mitgebra<t hat, ift gestern im Königlichen Museum

rge Bircoths u Le degeromnen, is zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staals-Anzeiger. M 46.

Berlin, Montag, den 23. Februar 6D

die Resolution Ausfeld aussprechen, jedenfalls aber bitte er, den zweiten Theil derselben abzulehnen, wona die neue Steuer von 80 4 bis zur Einführung einer inneren Besteuerung des Schaumweins vertagt werden soll, über welche die ver- bündeten Regierungen sih no< in keiner Weise schlüssig ge- macht hätten und deren Jnkraftsezung no< garni<t überfehbar sei. Eine prinzipielle Schädigung liege, wie er nachgewiesen zu haben glaube, nit vor, auch sei der höhere Zollsaß von 80 M niht im Geringsten übertrieben. ODesterreih erhebe vom Doppelcentner Shaumwein einen Zoll von 50 Gulden Rohzu>ker von mindesten3 =— 100 #, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 88 9/9 Polarifation zahle das Dußend Flaschen 7 Dollars, es komme dort also (Nr. $99 des statistischen auf die Flasche ein Zoll von 2,50 4, in Rußland sogar auf W ichni T L L aarenverzeichnifses) die Flasche 1 Goldrubel = 3,20 4 Jn Deutschland würde bei einer Erhöhung des Eingangszolls von 48 auf 80 s im Ganzen ein Zoll von 1,10 / auf die Flasche entfallen, ein niedriger Saß, verglichen mit den Zollsäßen in anderen Ländern. Unzweifelhaft würden die Verehrer dieses Luxus- gegenstandes erften Ranges den höheren Zoll leiht und ohne Gefahr tragen. Er bitte daher bei dem Zollsaÿ von 80 M, den die Regierung vors<lage, stehen zu bleiben. Der Abg. von Helldorff bat, den Antrag Ausfeld abzu- lehnen, nicht weil er dessen Tendenz feindlih gegenüberstehe,

Deutsches Neich.

Nachweisung j per in der Zeit vom 1. Januar bis 15. Februar 1885 innerhalb des deutschen ZoUgebiets mit dem Anspru< auf Zoll- und Steuervergütung abgefertigten Zuckermengen. 1)

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Menge des abgefertigten Zud>lers.

Aller übrige harte Zucker, sowie alle weißen tro>enen Zudter in Krystall-, Krümel- und Meblform von mindestens

98 9/9 Polarisation (Nr. 698 des ftatistischea Waarenvberzeichnisses)

Kandiszu>ker und Zu>er in weißen vollen harten Broden, (Nr. 697 des statistischen

Stàaateun, tatif Waarenverzeichnifses)

bezw. Verwaltungs- E Ee

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vom vom 1. Jan. bis| 1. bis 31. Jan. | 15. Febr.

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New- York, 22. Februar. (W. T. B\,) kg

Waarenetnfuhr in der leßten Woche betrug 7 899 000 Dollars ; davon entfallen etwa 3 205 000 Dollars auf Manufakturwaaren. Am 24. d. M. findet wegen der Feier von Washingtons Geburtstag kcine Börse statt.

Submissionen im Auslande.

Spanien.

5, März 1 Uhr. Direccion general de Obras públicas in Madrid. /

Scienen, Bremsen, Schrauben, Ha>kennägel und Ausweichungen für den zu den Ha?*enbauarbetten in Caftellon benöthigten Schienen- weg. Vceranscblag: 116 414 Pes. Kaution: 1500 Pes. Bedingungen, Anjichläge, Pläne beim Gobierno civil zu Castellon.

Verkehrs8-Anftalten.

Das Fernspre<{wesen der Reichs-Telegraphenver-

waltung. (Archiv für Post und Telegraphie.) Im Reichs- Telegraphengebiet baben fich im Wesentlichen drei verschiedene Formen der Benußung des Fernsprc(ers herausgebildet: 1) zu Telegraphen- anlagen für den allgemeinen Verkehr, 2) zu Stadt- Fernsprechcinrich- tungen, 3) zu besonderen Telearaphenanlagen behufs unmittelbarer telegraphischer Verbindung von Geschäften oder Wohnungen unter sich oder mit cincr Reicbé - Telegraphenanftalt, Die ersten Fern- spre<rersudbe in Deutscbland fanden mit Bellschen Apparaten am 25, Oftober 1877 in den Geschäftéräumen des da- maligen General - Telegraptenamtes zu Berlin ftatt. Die günsiigen Ergebnifse veranlaßten am 12. November 1877 die Gröffnung der ersten Telezraphcnanstalt zu Apr betties in Friedrihsberg bei Berlin jür den allgemeinen Verkehr, Ende De- zember desselben Jahres waren bereits 16 Fernsprechanstalten im Betricbe und am 31, Oktober 1884 wurden von den dem allge- meinen Verkehr geöffneten 7460 Telegraphenanstalten 2512 (=33,6 9%) mit Ferrspre>er betrieben. Die Stadt - Fernspreceinrihtungen wurden zuerst in Berlin und kurz darauf in Mülhausen (Elsaß) und in Hamburg im Jahre 1881 ins PL-%en gerufen. Jn schneller Auf- einanderfolge entstanden derartige Anlagen in fast allen Handels- ynd Industriecentren Deutschlands, so daß am 31, Oktober 1884 in 49 Orten 7813. Fernspre<stellen mit 13 650 km Leitungslänge vorhanden warên. Davon entfi.len auf Berlin 2207 Stellen mit 4176 km Leitung. Die Benußung der Stadt-Fernsprecheinrihtungen ist eine ret erfreuliche. Ia den angestellten Ermittelungen kommen auf einen Tag und eine Stelle für Berlin 13,0; für Hamburg 8,2, für Bremen 6,57, für Stettin 6,5, für Düsseldorf 5,0, für Magde- burg 4,27 und für Barmen und Elberfeld je 4,0 Verbindungen. Die Zahl der Verbindungsanlagen zwischen verschiedenen Stadt-Fernsprech- nepen belief sid am oktengenannt:n Zeitpunkt auf 62 mit 1051 km Leitung, darunter Berlin— Magdeburg mit 335 km. Besondere, an Private vermiethete Tel. graphenanlagen gab es 710 mit 2049 km Leitungen.

Bremen, 21. Februar. (W. T. B.) Die Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Main“ und „Eider“ sind in New- York, ersterer gestern Nachmittag, letzterer heute früh eingetroffen.

Hamburg, 22. Februar. (W. T. B) Der Postdampfer „Geilert“ der Hamburg-Amerikanishen Pa>etfahrt- Uktiengesellschaft ist, von Hamburg kommend, heute Morgen in New-York eingetroffen.

Hamburg, 23. Februar. (W. T. B.) Der Postdampfer „NUgia dev Hamburg- Amerikanishen Patd>etfahrt- UktiengesellscGaft if, von New-York kommend, geftern Nach- mittag 4 Uhr auf der Elbe eingetroffen.

Reval, 23, Februar. (W. T. B.) Die Rhede ist mit Eis bede>t; die im Hafen befindlihen Dampfer sind jedo dur das s S in das Fahrwasser gebra<t worden. Baltischport ist offen.

Saunität8wesen und Quarantänewesen.

Portugal.

Dur<h Verfügung des Königlich portugiesishen Ministeriums des Innern vom 11. Februar 1885 sind der Hafen von Gaëta, sowie die übrigen bisher no< als der Cholera verdächtig angesehenen Häfen des Königreiches Italien für rein erklärt worden.

Berlin, 23. Februar 1885.

Jn den Räumen des Ministeriums des Königlichén Hauses fand am Sonnabend, Abends 8 Uhr, eine Leichenfeier für den verewigten Staats-Minister, Grafen A lexander von Scleiniß, unter Betheiligung des Königlichen Hofes und der hôchsten Kreise der Residenz statt. Jn dem großen Saale des ersten Sto>werks war zwischen vier mächtigen silbernen Kandelabern der ganz mit shwarzem Sammet ausgeschlagene Sarg aufgebahrt und mit den kostbarsten Blumenspenden über- s{hüttet. Vier Tabourets trugen die Kissen mit den vornehmsten Orden, welche dem verstorbenen Minister als Anerkennung seiner Verdienste zu Theil geworden waren, darunter den Stern und die Kette des Schwarzen Adler-Ordens. Jn der zahlreichen Ltrauerversammlung befanden sich die Botschafter, die Staats- Minister, das corps diplomatique, die hier anwesenden: Ritter des Schwarzen Adler-Ordens, die gesammte Generalität der E u. A.

_Se. Majestät der Kaiser und König betraten re Kaiserliche und Königliche Hoheit die Kronprinzessin n dene führend, um 8 Uhr den Trauersaal. Es folgten Se. Kaiser-

: wandten und Ableitungen davon. Mit den Artikeln über , Nymphe" und

Nicht weniger als 17 Spalten

einander gefreuzten Händen Müßte und Handschuhe haltend, und mit ihnen zugleich den über die linke Schulter geshlagenen Mantel zusammen- fassend, hebt sih die Gestalt, {<li<t und ruhig daftehend, vor cinem braungetönten Fond ab. Nahezu fertig durGgeführt ift der aus dem Bilde herausschauende Kopf mit kurz gehaltenem, fast weißem Bart und Haar, während die Hände und die Details der Uniform mit den Ordenszeihen des s{<warzen Adlers, des pour le mérite und des Eisernen Kreuzes nur erst die Untermalung aufweisen. Neben dem Richterscben Bilde präsentirt sih in demselben Raum das an dieser Stelle bereits erwähnte, gleihfalls für die Porträtsammlung berühmter Zeitgenossen gemalte Biermannsc<he Bildniß des Seheimen Hofraths Prof. Dr. Weber, das aus der Auèstellung des Künsstlervereins jeßt in die National. Galerie übergeführt worden ist.

Der eben versandte Katalog einer in Lepke's Kunfst- auktions8hause am 24. Februar beainnenden viertägigen Versteigerung verzeihnet in 594 Nummern eine Reihe klei- nerer Kollektionen von Kunstgegenftänden verschieden- fter Art, die theils aus Nachlässen, wie aus dem des Direktors im Reichs-Pestamt Mießner, des Kunsthändlers Geller u. \. w. stammen, theils von no<h lebenden Besißern zum Verkauf gestellt werden, Von größeren Gruppen ift eine Reihe von Miniaturen, cine Anzahl moderner italienisher Marmorbüsten, eine reichhaltige und durch gute Stücke ausgezeichnete K: ugsammlurg, cine Reihe von Denkmünzen und Medaillen, cine stattlihe Kollektion von Porzellanen und eine kleinere von Delffter Vasen und Schüfseln 2c hervorzuheben. Unter den Oeigemälden, die am dritten Auktionstage zum Verkauf gelangen, finden sich Landschaften von Koekkoek, Ch. Hoguet, Ed. Hildebrandt, Graf Kal>reuth, Eugen Dü>ker, J. von Klever, O. Strüßel u. A. sowie eine wenig bekannte Aquarelle von Gustav Richter, ein Cavalier in Unterhaltung mit zwci jungen Damen.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wil- belm Grimm. Fortgeseßt von Dr. Moriz Heyne, Dr. Rudolf Hildebrand, Dr. Matthias Lexer und Dr. Karl Weigand. V1I. Bandes 6. Lieferung. „Nothwendigkeitsgewebe“ bis „oder“. Bearbeitet von Dr, M. Lexer. Leipzig, Verlag von S. Hirzel. Jn der vorliegen- den Lieferung wird der Wörtershaß mit dem Buchstaben N zu Ende geführt und beginnt der Buchstabe O. Das wunderliche Wort, welhes die Lieferung einleitet, hat einen Dichter zum Vater, dem dasselbe wohl nur von wenigen, schr Belesenen ohne Zaudern zugescbrieben werden dürfte, nämlih Friedrih Rütert („Weisheit des Brahmanen“, 17 76). Bei „Novelle“ heißt es: aus dem italienishen novella 2c. 1) Neuigkeit, etwas Neues, z. B, bei Scuppius und Weise X., 2) eine romanhafte (etwas neues und un- erhörtes erthaltende) poetische Erzählung kürzerer Art. Zunäcst er- sceint das Wort no< in der vollen fremden Form, z. B. in der ältesten deutschen Uebertragung des „Decamerone“. Die eigentliche, nun unübersehbare Novellen-Literatur beginnt (besonders pa< Cer- vantes* Vorbilde) mit Goethe (den „Wahlverwandtschaften“ und „Wanderjahren“ sind Novellen einverleibt), und Tie>, dessen epobemachende Novellen 1821 und in den folgenden Jahren erschienen find, worauf Goethe 1826 seine „Novelle® s<hrieb und bei der Gelegenheit au<h den Begriff dies-r Dichtungsart bestimmte, in- dem er sagt: „Wir wollen es die eNovelle* nennen; denn was ift Novelle anders, als eine si ereignete uncrhörte Begebenheit. Dies ist der eigentlicde Begriff, und so vieles, was in Deutschland unter dem Titel Novelle geht, ist gar keine Novelle, sondern blos Er-äh- lung oder was Sie for ft nollen* (E>ermann, „Gespräche“ 1, 319). Name und Definit'on des Worts finden sih aber a schon bei Wieland: „Arabi|\che und persianisbe Erzählungen uffd Novellen“. Vei „Don Sylvio* findet si< die Anmerkung: „Novellen werden vorzügli eine Art von Erzählungen genannt, welche sich von den großen Romanen durch die Simplizität des Plans und den kleinen Umfang der Fabel unterscheiden, oder sich zu denselben verhalten wie die kleinen Schauspiele zu ter großen Tragödie und Komödie!“ Wenn von dem „November“ feiner Zeit Hans Sa@8 noch singt: „das ailft Monat, bringt anderst nit denn Reif, Ciß und den kalten Schnee“ und er ihn ausdrü>lih den „Wintermonat“ nennt, fo könnte dies den Meteorologen bei einem Vergleich mit den milden Wintern der leßtvergangenen Jahre über diesen klimatischen Wechsel mancherlei zu denken und zu ergründen geben. „Nüchtern“ glaubt man am bequemsten als aus dem latei- nischen nocturnus entlehnt erflären zu dürfen, und zwar, wie es bei Fris< heißt, „von der Mönchen Andacht, die zu Nacht und im Winter, da es no< Nacht ist, in die Kirche gchen, da sie zuvor nichts gegessen no< getrunken"; dies ist aber etymologis{ unmögli; umständliher, jedo< viel wahrscheinliher ift die Ableitung vom alt hocdeutshen uochta, Morgendämmerung. - Es folgen „Nudel“, „Null“ (vom ital. nulla), „Nummer“, „nun“. Aus leßterem Artikel können moderne Sprachverbesserer, welde unsere Umgangssprache durch ein geziertes Gouvernantendeuts< immer mehr ihrer Echtheit und Urspünglichkeit berauben lernen, daß z. B. das von ihnen als gemin angesehene „nu“ in dieser Form den Adel gothisher und altho<deutsher Abstammung aufzuweisen hat. Lexer giebt übrigens in dem umfänglihen Artikel eine große Menge Bet- spiele aus dem Neuhochdeutschen als Beiträge zu einer umfassenderen Untersuchung, die über das vielgebrauchte und vieldeutige Wort noch anzustellen sei. „Nur“ ist entstanden aus dem althochdeuts{en ni wari, wenn es niht wäre; au< der Artikel über dieses Wort ist besonders umfänglih und rei<h an Citaten. Es folgen dann „Nuß“ nebst Zusammensezungen, „nützen“ und die zablreihen Ver-

Verwandten endet der Buchstabe N. nah dem einleitenden Artikel üver diesen Bucstaben mit der gleih- lautenden Interjektion. „Oase“ ist dem griechischen Zaocc oder aëanc entlehnt, ursprüngli< aber egyptis< (foptish auahe, arabis< wadi),

Der Abschnitt O beginnt

ausgepa>t worden; sie kann jedobd ebenso wenig wie alle neueren Erwerbungen des Museums dem großen Publikum zur An- sicht ausgestellt werden, bevor niht der Neubau des Museums für Bölkerkunde in der Königgräterstraße vollendet und seiner Bestim, mung übergeben worden ist. Die Sammlung des Hrn. von den Steinen befand sich in drei großen Kisten, und jeder Gegenstand war in wohlerhaltenem Zustande. Man hegreift kaum, wie es möglich ge wesen ift, daß der kühne Reisende und seine beiden unerschro>enen Gefährten diese große Menge von Sachen auf den \o sehr zerbre(- lichen Kanoes dur die zahlreihen und gefährlichen Stromschnellen des Xirgu gebract haben. Die ganze Sammlung ist auf ethnologish jungfräulidem Boden, beim Passiren des Gebietes fast gänzlich un- bekannter Judianerstämme erworben worden und enthält eine Fülle des allerwihtigsten und ethnologis< werthvollsten Materials. Um dem erläuternden Bericht, welben Dr. K. v. d. Steinen am Son abend in der Situng der Berliner Anthropologiscben Geseklschaft er: statten wird, nicht vorzugreifen, verzidten wir auf eine eingehende Beschreibung der Gegenstände. Unter dem Vielen und Ueberra\<en- den, welches die Sammlung enthält, heben wir hervor, baß bei diesen brasilianischen Indianern sid die sogenannte Pansflôte die aub sonst in verschiedenen Erdtheilen als ethnograpbischer Gegen stand gefunden wurde, vorfindet; ferner besißen diese Wilden jene eigenthümlichen Wurfbretter für Pfeile von jener Konstruktion, welche Kapitän Jacobsen bei den Eskimos in Alaska gefunden hat. Sehr eigenthümlich und von wahrer Riefengröße find die hölzernen \<eiben- förmigen, ornamentirten Lippenpflöe der Suya-Indianer. Alg Waffen bedienen sih diefe Stämme, von den Bacairis in den Quellenflüssen des Xingu bis hinauf zur Mündung, des Pfeiles und Bogens, der Lanze und der \{weren, in keulenförmige Holzgriffe ger fte>ten Steinbeile. Diese Indianer verstehen es, nur mit Hülfe ihrer Steinbeile zierlihe Holzsefsel, einigermaßen naturgetreue Voaelgestal- ten, Scüffeln, \<öône, breite und ornamentirte Ruder und Paddeln, sehr originelle «Reibeisen“, deren reibender Theil aus harten Palmen- dornen, die in ein Brett eingelassen sind, besteht, anzufertigen.

__ Danzig, 23. Februar. (W. T. B.) Heute Naht bra hier in einem von 13 Familien bewohnten Hause Feuer aus, welches jofort das ganze Treppenhaus ergriff und den Bewohnern die Flut abschnitt. Die Feuerwehr rettete mit \{werer Gefahr 6 Per1onen, viele andere waren vorher aus den Fenstern gesprungen. Zwei er- wachsene Personen und ein Kind find verbrannt, ein Artilleriesergeant und eine 70jährige Wittwe durh Sprung aus Fenstern lebensgefähr- li verwundet, zwei junge Damen ebenfalls {wer verleßt.

__ Mes, 22. Februar. (W. T. B.) In Folge von Rcegen- gülsen an den leßten Tagen ist der Stand der Mo sel ein außer- ordentiich hoher; bet Metz, Diedenhofen und Königsmacbern ift dic- selbe stellenweise ausgetreten.

St. Petersburg, 22. Februar. (W. T. B.) Gestern Abend gegen 6 Uhr stürzte im Centrum der Stadt ein von Arbeitern be- wohntes, mehrstö>kigesHinterhaus zusammen und begrub dic Bewohner unter den Trümmern. Die Feuerwehr-Sappeure eilten sofort zur Rettung der Verunglückten h-rbei. Die Anzahl der leßteren ist nob nicht festgestellt. Um 8 Uhr erschien der Kaiser auf der Unglücksfiätte.

Am Mittwo, den 25. d. M., Abends 7} Uhr, veranstaltet Hr. Ludwig Hirscberg in der Sing-Akademie ein Concert, in welbem Hr. Wilhelm Sachse (Violine) und der Kammermusiker Friedri< Koch (Cello) mitwirken werden.

: Die Violinvirtuosin Frl. Marianne Eißler gab geftern im Krollschen Saale, unter Mitwirkung ihrer Schwester, der Pianistin Frl. Ewmy Eißler und der Concertsängerin Frl. Emmy Bernstein cin Concert. Die Geigerin, im Konservatorium zu Wien ausgebildet und bereits dur< ihre Mitwirkung in den Concerten der Frau Joachim vortheilhaft bekannt, ließ in dem G-moll-Concert von M. Bruch eine sehr weit entwi>elte Technik erkennen ; auc ein umfangreihes neues Werk, eine Gaprice von dem in Paris als Lehrer der Theorie fungirenden Komponisten Guiraud bot ihr Gelegenheit, ihr virtuoses Spiel zu zeigen; nur bewältigte sie dic hierin enthaltenden Schwierigkeiten niht mit der nöthigen Voll- endung, besonders was die Reinheit des Spiels anbetrifft. Unter den drei kleineren Stücken von Vieurtemps, Popper und Sarrasate gefiel das zweite am meisten. Die Pianistin eröffnete das Goncert mit der ungarischen Rhapsodie von Liszt, Nr. 12, einer der inter- essantesten aus diesem Cyclus. Jhr Spiel, von einigen Härten des Anschlages abgesehen, befriedigte, es war sier und lebendig in der Auf- fassung, Beide guten Eigenschaften bewährten sich auch in zwei Stücken von Chopin und in der Tarantella von Rubinstein, die der jungen Dame einen „wohlverdienten Beifall eintrugen. Frl. Bernstein, mit einer jugendlih frischen, wohlklingenden Mezzo-Sopranstimme begabt, sang mehrere Lieder von Brahms, Franz und Schumann. War auch die Wärme des Ausdro>s anerkennenswerth, so muß die Sängerin do no< meÿr auf Reinbeit der Intonation, besonders in den höheren LTonlagen, achten. Der Saal war nur mäßig gefüllt, was wohl der hohe Eintrittspreis verschuldet haben mag. Die Betheiligung eines Orchesters, die z. B. bei dem \{önen Violinconcert sehr zu wünschen gewescn wäre, fehlte letder gänzlich.

Redacteur: Riedel.

Verlag der Expedition (S < olz). Dru>k: W, Elsuer. Fünf Beilagen

Berkin:

erfordert das Wörtchen „ob“ in seinen

liche und Königliche Hoheit dexr Kronprinz mit Jhrer

verschiedenen Anwendungen als Adverbium und Proposition; groß ift

(eins<{ließli Börsen-Beilage). (2594)

| 31, Jan. |

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, Brandenburg

, Pommern.

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, Sachsen eins{hließli< der Shwarzb.Unterherrschaften Schleswig-Holstein . ¿ Hannover . ¿ Westfalen. . Hessen-Nafsau Rheinprovinz .

3 281 933 825 105 18 175

9 866

1 628 007

2192 412 647 679 3 801

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1160 620

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5 784 147 2150 975 7 918 421

35 476 863 28 883 516

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5 114 678| 669 469 1634 800| 516 175 4 995 394| 2923 027) 94 593 367110 883 496 18 707 385 10 176 131

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497 444] 322 753. 1276 766

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Sa. Preußen

Bayern . Eahsen . Vürttemberg

Le O i as Thüringen, eins{ließl. d. Großh. sähsishen Aemter Allstedt und N He ocnioahas Oldenburg . I D Braunschweig S Clsaß-Lothringen .

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Wremburg .

Ueberhaupt Im deutschen Mae Indemselb, Zeitraum d. Vorjahres .

8 498 002

5 990 274 7468 878

4 902 358

2 507 728; 2 566 5201

und dadurch dem inländischen Berlin, den 21. Februar 1885.

Nichtamlliches.

Preußen. Berlin, 23, Februar. Jn der vor- gestrigen (65.) Sihung des Reichstages, welcher die Staats-Minister von Boetticher und Bronjart von Schellen- dorf sowie mehrere“ andere Bevollmächtigte zum Bundesrath und Kommissarien desselben beiwohnten, wurde die zweite Berathung des Entwurss eines Geseyes , betreffend die Abänderung des Zolltarifgeseßes vom 15. Zuli 1879, d 14 Nr. 14b (Schaumweine), fortgeseßt. ;

Der Tarif von 1879 Nr. W e (Wein in Fässern 24 A, in Fiaschen 48 A sür den Doppelcentner) hatte jür Schaum- weine keinen besonderen Eingangszoll. Die Regierung shlägt für die Position „Schaumweine“ einen Zoll von 80 6 vor. Die freie Vereinigung ist mit diéser Zollerhöhung einverstanden ; dagegen keantragten die Abgg. Ausfeld, Richter und Genossen :

1) Den Reichskanzler zu ersuhen, dem Reichstage eine Vor- lage zu macen, wodurch eine Bisteuerung der inländischen Shaum- weine eingeführt und der Ertrag dieser Steuer zur Ermäßigung des Kaffeezolles verwandt wird; 2) die Zollerhöhung für Schaum- weine nur zu bewilligen nach Einschaltung folgender Bemerkung : „Bis zur Einführung einer Steuer auf inländische Schaumweine beträgt der Zoll auf Schaumweine 43 4“

Der Abg. Richter (Hagen) befürwortete den Antrag Aus- feld. An si< sei eine hohe Besteuerung des Champagners wünschenswerth, besonders nahdem man dur die Kornzölle die Konsumtionsfähigkeit einer glü>lih situirten Minderheit no<h gesteigert habe. Aber die Erhöhung auf 80 #6 würde wegen der dadur eintretenden starken Verminderung des Champagnerimports die Reichs-Einnahmen nicht vermehren, sondern erheblih vermindern ; hon in Folge der Zollerhöhung von 1879 habe die Champagnereinfuhr um die Hälfte ab- genommen. Andererseits würde der hohe Zoll eine außer- ordentlihe Begünstigung für die inländische Schaumweinfabri- lation sein, wel< leßtere , da sie hon zur Zeit ein blühender

ndustriezweig sei, ni<ht no< eines weiteren Schußes bedürfe. zur Zeit würden in Deutschland 31/2 Millionen Flaschen in- ländishen Shaumweins jährlih getrunken und nur 1 600 000 Flaschen französischen Champagners. Durch die Zollerhöhung würde dies Verhältniß no< mehr zu Gunsten der inländischen Produktion vershoben werden; und daher sei nur, wenn die Reichskasse au<h aus dieser Produktion e habe , die ollerhöhung bere<htigt. Eine Steuer au inländischen haummwein von 1 é pro Flasche wäre nicht zu hoch; die d Millionen Mark voraussichtlihen. Ertrag dieser Steuer lôónne man gleichzeitig zur Ermäßigung des Kaffeezolls ver- wenden und so den ärmeren Volksklassen den billigen Genuß tines stärkenden und erqui>enden Getränkes ermöglichen. Dies sei der Zwe> des Antrags, den er anzunchmen bitte.

Der Bundeskommissar, Geheime Ober-Regierungs-Rath SHhraut entgegnete, die Bedenken, daß eine Erhöhung des

Schaumweinzolls einen Rückgang der Zollerträgnisse zur Folge

4419 571 2139 C

: ; icient u>ermengen, welche k ETSE R S S Aloe L Ad, ich also auf die wirkli zur Ausfuhr über die Zollgrenze gelangten

Kaiserliches Statistisches Amt. Beer.

TTRUÉS E | i T7 548 064) G 967 635) 68 665 217/92 169 518/101 434 73% 858 0544 4 597 8241 " 46 184 56/30 61 599) ‘76 816 175

zum Export oder zu einer öffentlißen Niederlage A

haben werde, seien bereits 1879 geltend gemacht worden, hät- ten si aber nicht verwirklicht. Es sei riátig, daß die Ein- fuhr von Wein in Flaschen jeit 1879 zurü>tgegangen sei, aber niht von Schaumwein, sondern von Rothwein, der in Folge der Zollerhöhung von Rothwein in Flaschen in Fässern ein- geführt werde. Dagegen sei die Einfuhr von Shaumweinen seit 1879 niht nur nicht zurü>gegangen, sondern erheblich ge- stiegen: von 26 000 Doppelcentnern 1m Fahre 1880 auf 29 000, resp. 30 400, 30 800, 38 000 in den Jahren 1881— 1884. Hier handele es sih lediglih um die Einfuhr von Schaumwein, ni<ht von Weinen in Flaschen überhaupt. Ebenso wenig sei ein Rü>kgang der Zolleinnahme bei der nochmaligen Erhöhung des Schaumweinzolles zu befürch- ten. Bei der Einfuhr von Schaumwein habe sich eine merkwürdige Verschiebung der Qualität herausgestellt : die Einfuhr in feineren Marken sei gestiegen, die in mittleren und geringerwerthigen Marken gefallen, Den Plaß der lehz- teren, den bisher die mittleren Marken Frankreichs beherrscht hätten, nehme jeßt die heimische Schaumweinindustrie ein. Das hätten die. berden bedeutendsten hier in Betracht kommen- den Handelskammern von Wiesbaden und Mannheim be- wiesen. Die von Mannheim sage in ihrem legten Bericht : „Wenn die längst geplante nohmalige Zollerhöhung auf aus- ländische moussirende.Weine si verwirklichen sollte, s0 würden voraussihtli< die kleineren sremden Marken immer mehr ver- siwinden, und werde an ihre Stelle das inländische Produkt treten, insbesondere, wenn so gute Waare fortgeliefert werden könne, als es jeßt der Fall sei. Der Ertrag der Shaumwein- einfuhr sei also gestiegen, während gleichzeitig die geringeren und mittleren Marken, mit denen Deutschland sonst das Aus- land übershwemmt habe, von der einheimischen, in den [eßten Jahren mächtig entwi>elten Jndustrie geliefert würden. Eine innere Besteuerung des Shaumweins (Antrag Ausfeld) stoße bekanntlih auf die größten zolltehnishen Bedenken, Leider werde nicht aller Shaumwein in der Weise: gemacht, wie der eigentlihe Champagner, sondern zahlreiche einfahe Marken würden dadurch hergestellt, daß mit Zu>er oder Spiritus ver- scßter Wein mit Kohlensäure imprägnirt werde. Es wäre aljo nothwendig, eine Unmasse von Etablissements unter Steuer- kontrole zu stellen und dazu ein Apparat erforderlich, der in keinem Verhältniß zu dem finanziellen Ergebniß stehen, und der betreffenden <ndustrie erheblihe Schwerfälligkeiten auf- bürden- würde. Jnzwishen wäre das nicht entscheidend, das Durthschlagende gegen die innere Besteuerung sei das, daß die deutshe Schaumweinindustrie von größtem Werth für den deutshen Weinbau sei, der jede Rücksicht und Förderung verdiene. Deutshlands Schaumweinindustrie sei noc keines- wegs dermaßen erstarkt, daß man sie mit einer inneren Steuer treffen könne, ohne ihre Schädigung befürchten zu

sondern weil der Antrag erstens mit der Zolltarifnovelle nicht im Zusammenhange stehe und zweitens auch nit ohne Ver- fassungsänderung dur{hführbar sei, da die Besteuerung rinlän- dischen Weines nicht zur Kompetenz des Reiches gehöre. Endlich sei es bedenklich, bei der jeßigen Finanzlage am Kaffee- zoll zu rütteln. ; : ;

Der Abg. Richter (Hagen) hielt seine früheren Behaup- tungen gegenüber dem Regierungsvertreter aufreht, dessen Statistik gar nichts beweise, da keine Angaben über den Jm- port der Zeit vor 1879 gegeben worden seien, und das all- mähliche Steigen des Jmports nah 1879 die einfahe Folge der allmählihen Aufzehrung der großen in Voraussicht dex Zollerhöhung im Jahre 1879 importirten Massen Cham- pagners gewesen sei. Die tehnishen Schwierigkeiten einer Besteuerung des inländishen Schaumweines würden sich überwinden lassen. Bei der Taba>steuer sei man nit vor den tehnishen Schwierigkeiten einer Kontrole des Taba>baues, welche zum Zählen der einzelnen Pflanzen und Blätter geführt habe, zurü>kgeshre>t. Man müsse aus dem Champagner die Millionen holen, um den Kaffee billiger zu machen, das sei eine richtige Politik. Die ganze Zolltarif- novelle aber suhe nur wieder die Belastung auf die ärmeren Volksklassen abzuwälzen. : i

Der Bundeskommissar Geheime Ober-Regierungs-Rath Schraut wiederholte, daß ein beträchtliches Steigen der Cham- pagnereinfuhr gerade nah dem Jahre 1879 erwiesen sei und daß durch die hier vorgeshlagene Zollerhöhung die Reichs- einnahmen sih ni<t vermindern, sondern steigen würden.

„_ Der Ab von Kardorff bemerkte, eine Ecmäßigung des Käffeezolls Würde keine Erleichterung der ärmeren l klassen herbeiführen ; die Kaffeepreise seien auch seit 1879 niht gestiegen, sondern gefallen. Eine Besteuerung der inländischen Schaummweinindustrie sei aber an si<h au< ihm sympathisch; er wünsche, daß der Abg. Bamberger, der diesen Verhältnissen näher stehe, sih hierüber einmal äußere. | : Der Abg, Dr. Bamberger erklärte, nah dieser Provokation wolle er mit seiner Meinung nicht zurückhalten. Seiner An3 siht nah sei es durhaus wahrscheinlich, daß eine so starke Vertheuerung der Einfuhr französishen Champagners die fis- kalishen Einnahmen vermindern werde. Er ftimme aber au darin mit dem Abg. Richter überein, daß ein so hoher Shuß- zoll für die inländishe Schaumweinindustrie nicht einmal in deren Interesse liege. Gerade die auswärtige Konkurrenz habe zur Hebung dieser Jndustrie wesentli< beigetragen. Wäre der Konkurrenzkampf mit dem französishen Champagner nicht gewesen, so würde sich die deutsche Schaummweinfabrikation nicht so verfeinert haben, daß sie, wie es jeßt der Fall sei, den sranzösishen Champagner sogar auf dem ausländischen Markt immer mehr {lagen könne. Man würde dieser Industrie einen sehr zweifelhaften Dienst leisien, wenn man ihr dur Schutz gegen die Konkurrenz den Antrieb nehme, nah weiterer Vervollklommung zu streben. L :

Der Abg. Dr. Marquardsen bemerkte, er hätte nicht ge- glaubt, daß diese Position zu Weiterungen Veranlassung geben würde. Man solle si freuen, aus einer solhen Quelle eine vermehrte Einnahme für den Staat zu erzielen. Wenn man auf inländishen Champagner eine Steuer legen und diese zur Ermäßigung des Kaffzezolles verwenden wolle, so würde der Preis sür das Pfund Kaffee nah seiner Rechnung nur um 1 „S vermindert werden. Abgesehen von allen anderen Bedenken aber gegen den Antrag Richter sei zu bedenken, daß es zur Einführung einer Steuer auf inländishe Fabrikate einer Verfassungsänderung bedürfen würde. Er glaube aber au gar nit, daß die Einzelstaaten ihr Recht auf indirekte Steuern so leiht abgeben würden. Der Abg. Richter schlage also etwas vor, von dessen praktischer Undurhführvarkeit au der Abg. Richter selbst Überzeugt sein müsse. Er bitte des- halb, den Antrag Richter abzulehnen. ; S

Der Abg. Menzer erklärte, es sei ihm eine Annehmlich- feit, einmal für einen Zoll sprehen zu können, bei dem man seiner Partei nicht die böse Absicht unterlegen könne, das Wohl des kleinen Mannes damit zu verlegen. Dieser Zoll sei eine eigentlihe Luxussteuer. Wie die Ecfahrung seit 1879 zeige, werde der Zoll auf Shaumwein vom Ausland getragen;

das werde au<h mit

Traubensaft na< Frankreih in die

kommen. werde auch die Mehreinnahme haben. Baden habe, j ) nicht, daß unter einer solchen die

müssen und indirekt auch die des deutshen Weinbaues, der das nationale Wohl so wesentlich fördere. Er könne si daher nicht für

kation zu Grunde gehen würde.

dem erhöhten Zoll der Fall sein. Die deutshe Schaumweinfabrikation verstehe es ebenso gut wie die französische, die sauren und geringeren Weine zu Schaumwein zu verarbeiten, und es sei nicht nöthig, daß deutscher saurer

Champagne exportirt werde, um dann, zu Schaumwein verarbeitet, unter Verleug- nung des Vaterlandes, wieder nah Deutschland zurü>zu- e L der deutshen Schaumweinfabrikation

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laschen- und Korkfabrikation eine erkle>liche Eine Weinsteuer, wie man fie in wäre ihm persönli ganz ret; er glaube auh deutsche Schaumweinfabri-