1885 / 63 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Der S@hlußbericht über die

des Reichstages befindet si in der en Beilage.

Jn der Peneigon (67.) Sißung des Reichstages,

inister von Boetticher und der Staats- sekretär des Reichs-Pofiamts, Dr. Stephan, sowie mehrere andere Bevollmächtigte zum Bundesrath nebst Kommissarien desselben beiwohnten, wurde die zweite Berathung des Entwurfs eines Geseyes, betr. Postdampfschiffs-Verbindungen mit

welcher der Staats-

überseeishen Ländern, portaeledt. Bei Schluß des Blattes sprah der Abg. Richter.

In der heutigen (41.) Sißung des Hauses der Abgeordneten, welher am Regierungstish der Minister für Landwirthschast, Dowänen und Forsten, Dr. Lucius, und der Minister der geistlihen 2c. Angelegenheiten, Dr. von Goßler, nebst Regierungskommissarien beiwohnten, theilte der Präfident dem Hause mit, daß an Vorlagen der Geseßentwurf, betr. Abänderung der Kirchenverfassung der evangelisch-lutheri-

schen Kirche der Provinz Hannover, eingegangen sei.

Das Haus trat hierauf in die Tagesordnung ein, deren egenstand die Fortseßung der dritten Berathung der Geseyßentwürse, betreffend die Feststellung des Staatshaushalts-Etats für das Jahr vom1. April 1885/86 und betreffend die Ergänzung der Ein-

alleiniger

nahmen in diesem Etat, war.

Bei dem Etat des Ministeriums für Landwirth- shaft, Domänen und Forsten stattete der Abg. Dr. Wagner (Osthavelland) dem Minister seinen Dank ab für die Fürsorge,

welche derselbe der Landwirthschaft habe zu Theil werden lassen, und wies in längerer Rede nah, daß, entgegen den Be- hauptungen der Linken, die Getreidezölle dem mittleren und kleinen Grundbesiß zu Gute kämen. Redner berief \ich zu diesem Zwecke auf eine Broshüre von Julius Kühn. Es sei niht wahr, daß ein Klasseninteresse bei der Einführung der Getreidezölle vorliege, das nationale Jnteresse fordere, die Landwirthschaft leistungsfähig zu erhalten. Er hoffe des- halb, daß sih die Regierung durch den wüsten Lärm nicht irre machen lassen werde in ihren Bestrebungen zu Gunsten der Landwirthschaft.

Der Abg. Rickert wies gegenüber dem Abg. Dr. Wagner auf die Preissteigerung hin, welche das Getreide dur

die Zölle erfahre. Der nationalliberale Nationalökonom Conrad habe jüngst hervorgehoben , daß die Zölle nur den wenigen Großgrundbesizern zu gute kämen. Wäre das Gegentheil der Fall, wie erklärten fih dann die Petitionen aus land: wirthschaftlichen Kreisen gegen die Getreidezölle? Das ver- hängnißvolle Resultat der Schußzollbewegung sei eine künst- lihe Stcigerung des Preises für Grund und Boden. Diesen Bestrebungen werde seine Partei im Jnteresse der Land- wirthschaft entgegentreten.

Der Abg. von Eynern machte darauf aufmerksam, daß die Frage, ob Schußzoll oder Freihandel, niht in das Ahb- geordnetenhaus gehöre. Er bitte daher, nahdem man einen E und Antikornzölner gehört, die Debatte zu

ießen. - Die Debatte wurde geschlossen, und die Einnahmen bewilligt.

Bei den Ausgaben dankte der Abg. Dr. Windthorst dem Minister für Landwirthschast 2c. sür die Aufwendungen, die für Ems-Kanalvauten gemacht seien, wünschte aber eine raschere Fertigstellung des Süd-Nord:Kanals.

Der Staats-Minister Dr. Lucius erklärte, daß der Süd- Nord: Kanal im langsamen Ausbau begriffen sei, der auch) nit sistirt werden solle. Die Regierung werde nah wie vor bemüht sein, für die Kanalbauten in der Emsgegend Sorge zu tragen. i

Der Abg. Schul§:-Lupiß wünschte eine Herabsezung der Tarife für Dungmittel und der Abg. Bödiker gleichfalls eine rashe Vollendung des Süd:Nord-Kanals.

Der Staats-Minister Dr. Lucius erwiderte, daß die lang- same Förderung dieses Kanalbaus im Jnteresse der arbeiten- den Bevölkerung liege.

Der Abg. Conrad beklagte fih über den in Oberschlesien überhand nehmenden Wildschaden, gegen den das bestehende Geseh keinen Schuß gewähre.

Der übrige Theil des Etats des Ministeriums wurde ohne Debatte festgestellt.

Um 123/, Uhr vertagte das Haus die weitere Berathung auf Montag 10 Uhr.

Der Kaiserlihe Konsul Dr. Rettich ist auf seinem Posten in Singapore eingetroffen und hat die Konsulats- geshäfte übernommen.

Rücksichtlih der Uebungen des Beurlaubten- standes für das Etatsjahr 1885/86 is u. A. Folgendes be- stimmt worden: Es werden zu diesen Uebungen aus der Landwehr und Reserve einberufen (einshließliGh der vom Kriegs-Ministerium festzusezenden Zahl von Unteroffizieren, Lazarethgehülfen 2c.): a. bei der Jnfanterie 93 200 Mann, b, bei den Jägern und Schüßen 2700 Mann, c. bei der Feld- Artillerie 6624 Mann, 4. bei der Fuß: Artillerie 5700 Mann, e. bei den Pionieren 2500 Mann, f. bei dem Eisenbahn- Regiment 450 Mann, g. bei dem Train 5346 Mann. Für das zu den Uebungen der Ersazreserve abzukommandirende Ausbildungspersonal, worüber an anderer Stelle ver- fügt werden wird, können zu den Linien - Truppen- theilen übungspflihtige Offiziere und Mannschaften des Beurlaubtenstandes bis zu der für diese Kategorien bestimmungsmäßigen Dauer eingezogen werden. Bei dem X1V, Armee-Corps finden keine besonderen Uebungen des Beurlaubtenstandes der Jnfanterie , eld- Artillerie und Pioniere statt. Die Dauer der Uebungen für die Land- wehr die Tage des Zusammentritts und Auseinandergehens am Uebungsorte mit einbegriffen beträgt 12 Tage. Wo es im Interesse der Ausbildung für wünschenswerth erachtet wird, kann für die Reservisten, je nah Bestimmung der General-Kommandos bezw. obersten Waffeninstanzen , diese Uebungszeit bis zu 20 Tagen verlängert werden. Die zu diesen Uebungen aus dem Beurlaubtenstande einzuziehenden Offiziere oder Unteroffiziere haben überall einen Tag früher am Uebungsorte einzutreffen, als die übrigen Mannschaften.

Der heutigen Nummer des „Reihs- und Staats- Anzeigers“ ift eine „Besondere Beilage“ (Nr. 2), enthaltend Entscheidungen des Reihsgerichts, beigefügt.

Oldenburg. Oldenburg, 11. März. (Hann. Cour.) um 1. Zuli d. J. ist der Regierungs-Präsident

estrige Sißung

Regierungs-Präsident ernannt worden.

für Kultus und Unterricht fortgeseßt.

wurde derselbe unverändert genehmigt. Pest, 12. März.

sam fort. endet.

freien Fuß geseßt worden. noch vier in Haft, woyön drei Schweizer und ein Ausländer.

Großbritannien ‘tund Jrland. London, 13. März, (W. T. B.) Jn der heutigen Sißung des Unterhauses erwiderte auf eine bezüglihe Anfrage der Unter-Staats - sekretär Lord Fißmaurice: es sei vereinbart worden, daß die Unterredungen zwishen Lord Granville und dem Grafen Herbert Bismarck einen vertraulichen Charakter haben jollen; die Resultate, welhe sich aus den- selben ergeben hätten, würden in üblicher Weise aufgezeihnet und dem Parlament vorgelegt werden. Bourke fragte ferner an: ob auf der west-afrikanishen Konferenz die Mähte übereingekommen seien, ihre guten Dienste bei den Territorialmähten der Küste auf- zuwenden, um günstige Bedingungen für den Transit ins Jnnere zu erlangen, und ob sich daraus hinsihtlich Zan- zibars ergebe, daß von fremden Mächten in das Jnnere eingeführte Waaren zollfrei zugelassen würden, während britishe Waaren noch dem vertragsmäßigen Zolle von 5 Prozent unterworfen seien. Lord Fißmaurice er- widerte: die Mächte seien allerdings übereingekommen, ihre guten Dienste aufzuwenden, :m günstige Bedingungen für Transitwaaren zu erlangen. Der britische Handel sei dur die Meisibegünstigungsklausel in dem Vertrage mit Zanzibar vom Jahre 1839 völlig geshüßt. Richard fragte: ob nicht die jeßige englisch-russische Differenz geeignet sei, in Gemäßheit des Pariser Vertrages die guten Dienste einer dritten Macht anzurufen. Der Premier Gladstone antwortete: es handle sich hinsihtlich der afghanischen Grenzfrage in jüngster Zeit um zwei Fragen, die von einander ganz verschieden seien; die eine bilde das vor einiger Zeit mit Rußland getroffene Abkommen, die afghanishe Grenze mittelst Untersuhung und Correspon- denz festzustellen; die andere sei der Vormarsch russischer resp. afghanischer Streitkräste auf Punkte innerhalb des bestreit- baren und bestrittenen Terrains. Hinsichtlich der zweiten Frage sei zwischen "Rußlænd und England vereinbart worden, daß kein Theil weiter vorrücken solle. Jn Betreff der ersten Frage, anlangend die Feststellung der Grenze mittelst Untersuhung und Correspondenz, habe er zu sagen, daß über diesen Gegenstand augenvlicklich durch diplomatischen Schriftwechsel verhandelt werde. És habe noch fein voller Ausgleih der beiderseitigen Ansichten, nämlich Ruß- lands einerseits und Englands und des Emirs von Afgha- nistan andererseits stattgefunden, um die Frage als eine solhe zu behandeln, die erschöpft sei. Es wäre daher verfrüht zu sagen, welher Modus der Lösung nach völliger Feststellung des Thatbestandes angemessen sei oder niht. Auf die Frage Northcote's: ob das mit Rußland getroffene Abkommen ein permanentes oder ein zeitweiliges sei, antwortete der Premier: das Abkommen habe nicht die Natur des formellen Fnstruments, sondern es sei ein Abkommen im Wege diplomatisher Correspondenz, ohne spezifische Zeitbegrenzung, d. h. es dauere so lange, wie ein Anlaß dazu vorhanden sei, Auf eine Frage Onslows: ob nah Ansicht der Regierung die Afghanen über ihr Gebiet hinaus vorgerückt seien, und ob der Emir das Ab- kommen angenommen habe, sowie auf eine Frage Forsters: ob es sich um ein neues Abkommen oder um das seit einiger Zeit in voller Kraft gewesene handle, erwiderte der Premier: das fraglihe Abkommen sei ganz verschieden von dem früheren englisch:russishen Ab- kommen, das eine weit größere geographische Strecke umfaßt habe ; es sei ein neues, aus der jüngsien Correspondenz ent- standenes Abkommen. Onslows Anfrage könne er nicht be- antworten, ohne über die Sache, die Gegenstand der Verhand- lungen sei, seine Ansicht auszusprechen. Es sei die Pflicht der Regierung, und sie werde dieselbe erfüllen, für die Afghanen alles Gebiet zu erhalten, auf welches dieselben ein RNecht hätten. Das Unterhaus votirte 20 000 Pfd. Sterl. zu Gunsten der Familie Gordons.

Wie das „Reutershe Bureau” meldet, häite das Kriegs- departement den Befehl ertheilt, daß die-Arsenale in Bombay und Bengalen Munition aller Art bereit halten. Ferner sollen Vorbereitungen für die Mobili- sirung zweier Armee-Corps getroffen werden, jedes in einer Stärke von 28 000 Mann FJnfanterie, 8000 Mann Kavallerie und 90 Kanonen. Von der Admiralität werde die Transportflotte in Bereitschaft gestellt.

Ein Telegramm desselben Bureaus aus Zanzibar, von heute, meldet, daß die Belgier ihre Stationen in O sstt- Afrika verlassen.

14. März. (W. T. B.) Die „Times“ erblickt in der gestrigen Reichstagsrede des Fürsten Bismarck ein Zeichen dafür, daß das jüngste Mißverständniß zwischen Deutschland und England sowohl in Berlin wie in London als beendigt betrachtet werde. Jm Verein mit den Erklä- rungen. des Premiers Gladstone werde sie alle Spuren des jEngfien beklagenswerthen Mißverständnisses sicherlich verwi})chen.

_ Der hiesige amerikanische Gesandte Lowell hat seine Entlassung genommen.

ucholߧ in Eutin auf sein Ansuchen unter Verleihung des Titels als Geheimer Rath in den Ruhestand verseßt und der

In einer gestern stattgehabten Versammlu ng der

Ober-:Gerichts-Direktor z. D. Lentz in Eutin zum Vorsizenden der Regierung des Fürstenthums Lübeck mit dem Titel

Oesterreich-Ungarn. Wien, 12. März. (Wien. Ztg.) In der heutigen Sißung des Abgeordnetenhauses wurde die Spezialdebatte über den Etat des Ministeriums Der Titel „Volksschulen“ veranlaßte eine längere Debatte, an welcher sich zahlreihe Redner betheiligten. Bei der Abstimmung

(Wien. Zta.) Die heutige Sißung der Dreier-Kommission des Oberhauses währte bis 3 Uhr; derselben wohnten außer dem Grafen Sennyey Seitens der Regierung die Minister von Tisza und Baron Orczy und später auch Graf Szapary und Graf Szechenyi bei. Die Kommission diskutirte eingehendst die Reform - vorlage; in Folge dessen schreitet die Berathung nur lang- Die Debatte über §. 3 wurde heute noch nit be-

Schweiz. Bern, 13, März. (Bund.) Von den in Bern in Untersuchungshast geseßten, anarchistisher Um- triebe verdähtigen Personen is eine weitere Anzahl auf Gegenwärtig befinden sch nur

die Turkmenen möglichst daß diese Konflikten mit den Afghanen aus dem Wege

eine Resolution angenommen, welche den Besuch des Prinzen von Wales in Frland für inopportun erilärt und der Bevölkerung Jrlands und ihren Vertretern emxfiehlt, ohne sih eines Aktes der Unhöflihkeit gegen den Prinzen und die Prinzessin s{huldig zu machen, dem Empfange derselben fernzubleiben.

Aus Teheran wird u. d. 13. März telegraphish be- rihtet: Lumsden und die Mitglieder der Grenz- fommission befinden sich augenblicklich auf persishem Gebiet in der Nähe von Herat, und man vermuthet, daß dieselben sich nah Herat begeben werden, falls die Russen weiter vorrücken sollten. Die „Teheraner Zeitung“ hatte einen sih über England verächtlih äußernden Artikel veröffentlicht, gegen welchen von Seiten des englis chen Gesandten bei der persishen Regierung Beschwerde er- hoben wurde. Die Zeitung hat sich in Folge dessen entshul- digen müssen.

Ein Telegramm des „Reuterschen Bureaus“ aus Hongkong, v. 13. d., meldet: Der englische Dampfer „Glenroy“ ist, weil er Blei als Kriegskontrebande an Bord führte, von französishen Kreuzern auf- gebracht und mit Beschlag belegt worden.

Kapstadt, 11. März. (Allg. C.) Sir Charles Warren isst mit einer kleinen Abtheilung der Berittenen Carringtons in der Nähe von Rooi Grond angekommen, ohne auf irgend welhen Widerstand gestoßen zu sein.

Frankreih. Paris, 13. März. (W. T. B.) Ein Telegramm des Generals Brière de l'Jsle aus Hanoi, von gestern, meldet: die Chinesen hätten, als sie ihre Verbindungen dur die Franzosen jenseits Langson be- droht sahen, Thatke geräumt und seien über die Grenze nah China zurückgegangen. E

Der Gouverneur von Cochinchina telegraphirt, daß in Cambodja vollkommene Ruhe herrsche ; die Banden des ena seien zerstreut und sein erster Anführer getödtet worden.

__—_—. 14. Ma (W. T: D) Der „Agence Havas“ wird aus Shanghai, vom 14. d., gemeldet: Das Fort Siaokung von Chin-hai ist gestern zerstört worden, Admiral Courbet bereitet einen Angriff auf Maopao Shan vor,

Spanien. Madrid, 13. März. (W. T. B.) Alle Zeitungen sprehen den deutshen Künstlern ihren Dank aus für die Veranstaltungen, welche dieselben zu Gun- sien der bei dem Erdbeben in Andalusien Verunglückten ge- troffen haben.

Italien. Rom, 14. März. (W. T. B.) Der „Agenzia Stefani“ wird aus Massowah gemeldet, daß der König von Abessinien die Verha}tung des verrätherischen Führers des Reisenden Bianchi angeordnet habe, und daß die italienishe Mission Ferrara's am 13. d. M. nah Abessinien abgegangen sei.

Türkei. Konstantinopel, 11. März. (Allg. Corr.) Veissel Pascha hat sich mit 8 Bataillonen Soldaten nah Prisrend begeben. Dieser Schritt hat die Aufregung, die kürzlih in Albanien herrschte, beruhigt.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 14. Män. (W. T. B.) Das „Journal de St. Pétersbourg“ kann die große Erregung nicht begreifen, welche \ih der Londoner Börse nach den jüngsten Erklärungen des Chefs des englischen Kabinets bemächtigt hat. Welcher Art auh immer die Schwierigkeiten sein mögen, denon die delikate Frage der Abgrenzung in so fernen Gegenden Angesichts einander widersprehender Jnanspruhnahmen begegne, so sei doh zu bemerken, daß die Verhandlungen zwischen beiden Ländern fortdauern, und zwar mit dem festen Be- streben und in der festen Ueberzeugung, daß es in ihrem Interesse liege, zu einer praktishen, soliden und daner- hasten Lösung zu gelangen, welche den Frieden in diesen Gegenden sowie die guten Beziehungen beider Länder befestige Bei dieser Lage der Dinge kann das „St. Peters- burger Journal“ sich diese Befürhtungen nur durch Börsen- spiel erklären. Das Blatt weist auch auf die Erregung der Berliner Börse hin, wo man sich «bsurde Geschichten, wie beispielsweise die Blokade der baltishen Häfen, er- zählt habe.

14. März, Vormittags. (W. T. B.) Auch die deutshe „St. Petersburger Zeitung“ tritt den Börsengerüchten über die Gefahr eines bewaffneten Kon- flikts zwishen England und Rußland entgegen und bemerkt weiter: Nah der Ansicht eines gut unterrichteten Mit- arbeiters sei die Gefahr {hon dadurch abgeschwäht, daß weder das Londoner noch das St. Petersburger Kabinet der afghanischen Grenzregulirungsfrage einen euro- päischen Charakter beigelegt haben, sondern daß beide die Ansicht vertreten, daß es si hierbei um eine rein lokale Frage handle. Uebrigens seien dem General Komarow die strengsten Weisungen zugegangen, sich jeder aggressiven Be- wegung zu enthalten und auf das Gewissenhasteste jeden

(

g ommenoh mit den Afghanen zu vermeiden.

eneral Komarow sei auch angewiesen, seinen Einfluß auf dahin geltend zu machen,

gehen. Schließlich bestreitet der Gewährsmann der. deutschen „St. Petersburger Zeitung“ die Richtigkeit der von der ,„Pall-Mall Gazette“ gebrachten Nachriht von der

jüngsten Vorwärtsbewegung der russiscen Vorposten - Ab- theilung.

14. Márz. (W. T. B) Der Kaiser und die

Kaiserin sind gestern nah Gatschina übergesiedelt. Der Kaiser hat dem Prinzen Alkert von Sachsen- Altenburg den Alexander-Newsky Orden verliehen.

Afrika, Egypten. Suakim, 12, März. (Allg. Corr.)

Vergangene Nacht machten die Rebellen einen Angriff gegen die aufgespeiherten Feldzeugvorräthe. vom Bergshire-Regiment wurden getödtet und drei ver- wundet, Der Feind verlor glei{hfalls einen Mann und hatte mehrere Verwundete. Zur selben Zeit wurde ein Patrouille des Shropshirer leihten Jnfanterie-Regiments überrumpelt ; ein Mann wurde getödtet, ein anderer verwundet und ein dritter wird vermißt. Das 9. bengalishe Kavallerie- Regiment ist hier gelandet.

Zwei Schildwachen

Korti, 12. März. (Allg. Corr.) General Bradcken-

bury hat unweit Debbeh einen Lagergrund für seine Kolonne ausgewählt. Vier Compagnien des Ropal Regiments, die gestern mit zwei Geschüßen * von Gafkdul

rish-

parnellitishen Mitglieder des Unterhauses wurde

hier ankamen, berichten, zwishen Magaga und Howeiyat eine

feindliche Abtheilung von 300 bis 400 Mann gesehen zu haben. Man glaubt, es sei eine marodirende Bande von Arabern gewesen. i ]

(W. T. B.) Aus Korti, vom 13. d. M., wird tele- graphirt : Ein hier eingegangenes Schreiben aus Berber, vom 2. d. M., meldet, daß dort viele Einwohner mit der Regierung des Khedive sympathisiren und dem eng- lishen General ihre Ehrerbietung zu erkennen geben. Man

he von der agerechten Behandlung der Eingeborenen von Seiten der Engländer erfahren und wünsche den Leßteren den Sieg über die Aufftändischen, deren Geseße und Vorschriften sehr traurige seien. Das Gerücht, daß der Mahdi eine große Armee haben solle, sei falsch; die in Berber stehende Armee des Mahdi sei 3400 Mann stark und besiße etwa 7000 Remington- Gewehre, von denen indessen viele unbrauchbar seien, außer- dem 4 Kanonen, wovon eine unbrauchbar, und 2 Dampfer. Das Schreiben {ließt mit der Aufforderung, den Mahdi nicht

zu fürchten.

HZeitungsftimmen.

Die „National- Zeitung“ bemerkt zu der gestrigen Reichstagsfißung : i R ququ Fortseßung der zweiten Berathung der Dampfervor- lage hat am Schluß der Rede des Reichskanzlers einen Moment von so außerordentlicher Wirkung gebracht, wie fie in unse- ren parlamentarischen Versammlungen selten dagewesen ist. Fürst Bismarck kam, nacdem er abermals die Anfänge deutscher Kolonial- politik gerechtfertigt hatte, auf das neulich von ihm gebrauchte Bild aus der deutshen Göttersage zurück, um mit echtem Pathos und in tiefer Erregung vor Gott und der „Geschichte“ Klage U EDEDeN Uer Den _ Tarteigeiit, der ben aus - Den Greignifsen von 1866 und 1870 entsprossenen deutswen „Völker- frühling“ z¿erftöre. Es war, als ob eine Eingebung über den Redner

i gens wäre; die stockende Sprechbweise war plößlich einem

inreißenden Schwung gewicben, in welchem die leßten Säße wie via über die Versammlung dahinbrausten. In den stürmischen Beifall aus dem Hause, dem das Ziscben des Centrums vergebens entgegengeset wurde, miscbte sh der Applaus der Tribünen, und der ungewöhnliche Eindruck dauerte troß einer Windthorstshen Ent- gegnung bis zum Schluß der Sißung fort. Ob er morgen, Sonr- abend, auf die Abstimmung einen Einfluß üben wird, das wissen ir nit. Í i E Nichts liegt uns ferner, als die Absicht, diesen Eindruck ab- schwächen zu wollen; im Gegentheil, wir wünsten, daß die gedructen Worte in ganz Deutsbland eine ebenso tiefe Wirkung üben könnten, wie beute die gesprocenen im Reichstagésaal. Denn das ist unleugbar: in der Mühsal, die es fast seit einem Jahre er- fordert hat, um diese Dampfervorlage oder auch nur ein Stück vavona unter Dach und Fah zu bringen, und in den indernissen, welche einem nationalen Unternehmen wie den P aiatvolüii{Gen Versuten entgegentreten, bekundet sich der Parteigeist in beklagenewerther Weise. Es is geradezu eines großen Volkes unwürdig, wie um eine Jahresausgabe von ein paar Millionen Mark gezerrt und gezetert wird gegenüber dem Versuche, im letzten Augenblicke etwas von der Versäumniß einzuholen, die Deutschland früher in fremden Welttheilen begehen mußte, weil es in seiner Zer- rissenheit aktiznsunfähig war. . .….

In der „Schlesischen Zeitung“ lesen wir:

Ein Un E Tara: Blatt konservativer Tendenz, die e Peter- burgskaja Wjedomosti“, erörtert die Maßnahmen, welche russischer- seits zu ergreifen sein würden, um die etwaigen {hädliben Wirkungen der Erböhung unserer Kornzôlle auf den Getreidehandel Rußlands thunlichst zu paralysiren. Es bemerkt dabei:

„Offenbar erübrigt für uns nur, auf Biüigermahen der Pro- duktion und des Transports bedacht zu sein. Ein gut organifirter Bodenkredit, Ordnung in den Beziehungen zwiscen Arbeiter und Arbeitgeber und die Verabfolgung von Darlehen an die Grundbesißer gegen Verpfändung von Korn das sind die Mittel, die der Regierung zur Billigergestaltung der Produktion zu Gebote stehen. Cine zweckentsprehende Ausstellung von Transport- tarifen, Instandhaltung der vorhandenen und der Vau neuer Kommunikationsstraßen, Beseitigung der der Schiffahrt auf den Flüfsen im Juanern des Reiches im Wege stehenden Hindernisse und ein Herabseßen der Unkosten für Verladung und Umladung des Ge- treides am Orte der Absendung und in den Häfen das sind die Mittel, um russischen Me und russischen Weizen billiger auf den deutsches Marki stellen zu können.“ i i :

‘Der A rtaraifoii Wjedomosti“ ist es hiernach nicht zweifel- haft, daß wenigstens ein Theil des höheren Zolls von den russishen Exporteuren getragen werden muß, und daß diese daher genöthigt sind, den Preis für das Getreide selbst und dessen Transport nieduiger als bisher zu tellen, wenn auch die Reduktion vielleicht nicht den vollen Betrag des Zolls zu erreichen braubt. Fiele der ganze Zoll Deutschland zur Last, so brauchte der russische Lieferant von seinen Preiéforderungen nichts abzulassen.

Statistische Nachrichten.

ittbheilungen der Großherzoglich hessischen Cen- tralelle für A Landesstatistik. Nr. 329, Inhalt: Studirende auf des Landes-Universität Gießen Winter-Semester 1884— 85, Grgebnisse des Betriebs der Main-Neckar-Cisenbahn 1883. Vergl. meteorol. Beobachtungen Januar 1885, Errichtete und gelöscbte Hypotheken in den Provinzen Starkenburg und Ober- hessen 1883—84, Jahresdur{ch\chnitte aus den monatlichen Preisen der gewöhnlichen Aae E Tägliche Wafser- tände Juli, August und September ¡ R | U Uberibt über die Zahl der Rechtsanwälte im Justiz-Ministerialblatt ergiebt folgende Daten: Im Ober- Lndesgerichtsbezirk Berlin waren bei den Ober-Landes8gerichten zue gelassen am 1. Januar 1883 26 Nechtsanwälte, am 1. Januar 1884 27, ein Jahr darauf 28. Im Ober-Landesgerichtsbezirk Breslau waren bei den Ober-Landesgerichten zugelassen am 1. Januar 1883 12 Rech18- anwälte, am 1. Januar 1884 14, am 1. Januar 1885 15, Im Ober- Landesgerictsbezirk Cassel waren am 1. Januar 1883 bei den Ober- Landesgerichtenk4 Nechtsanwälte zugelassen, ein Jahr darauf 5, ebenso- viel im näcslfolgenden Jahre. Im Ober-Landesgerichtsbezirk Celle waren am 1. Januar 1883 zugelassen 19 Rehtsanwälte, am 1. Januar 1884 20, im Sahre darauf 19. Im Bezirk Cöln betrug die Zahl der zugelassenen Rechtsanwälte am 1. Januar 1883 21, ein Jahr darauf 22, ein Jahr später 25. Im Bezirk Frankfurt a. M. an dem genannten Datum 25, im Jahre 1884 24, ein Iahr später wiederum 24. Im Bezirk Hamm betrug am 1. Januar 1883 die Zahl der zugelassenen Rechtsanwälte 10, darauf 11 und ein Jahr pâter 13, Im Ober: Landesgerichtsbezirk Kiel waren bei den Dber- Pai am 1. Januar 1883 6 Rechtsanwälte zugelassen, ebenso im Jahre darauf, am 1. Januar 1885 aber 7. Im Bezirk Königs- berg betrug die Zahl der bei den Ober-Landesgerichten zugelassenen Rechtsanwälte 6, in den beiden folgenden Jahrea 5. Im Bezirk Marienwerder betrug die Zahl der bci den Obe: -Landesgerichten zu- gelassenen Rechtsanwälte 4 in den drei genannten Jahren. Im Bezirk Naumburg betrug die Zahl der bei den Ober-Landesgerichten zugelassenen Rechtsanwälte am 1. Januar 1883 38, in den A darauf folgenden Jahren 36. Im Bezirk Posen betrug die Zah der bei den Ober-Landesgerichten zugelassenen Rechtsanwälte am

. Jaruar 1883 5, darauf 6 und später 4. Im Bezirk Stettin C Zahl der am E Sanuar 18823 an den Ober-Landes8gerichten zugelassenen Rechtsanwälte 6, in den beiden darauf folgenden 5. Im Ober-Landesgerichtebezirk Jena betrug die Zahl der am 1. Januar 1883 bei den Ober-Lantesgericten zugelassenen Rebtsanwälte 7, im folgenden Jahre 6, tarauf 5. Die Gesammtzahl ter bei den Ober- Landesgerichten zugelaffenen Rebisanwälte betrug am 1. Januar 1883 189, im folgenden Jahre 191 und ein Jahr später 198.

Bei den Lantgerichten wären zugelassen im Ober-Lande?gericts- bezirk Berlin am 1. Januar 1883 281 Rechtsanwälte, ein Jahr darauf 300 urd am 1. Januar des folgenden Jahres 337. Im Ober-Landesgeri&tsbezirk Breslau waren bei den Landgerichten am 1. Januar 1883 191 Rechtsanwälte, ein Jahr später 202, sodann 203. Im Ober- Landeëgerichtsbezirk Cassel waren am 1. Januar 1883 bei den Landgerichten zugelafsen 77, dann 67 und hierauf 73. e Im Ovber-Landesgerichtsbezirk Celle waren zugelassen bei den Landgerichten

143, sodann 141 und am 1. Saruar 1885 145. Im Ober-Landes- gerihtèbezirk Côln waren zugelassen an den Landzerichten am 1. Januar 1883 241 Rechtsanwälte. im Jahre darauf 239, ebenso ia dem folgenden Jahre. Im Ober-Landesgerichtsbezirk Frankfurt a. M. waren 104, dann 99 und dann 105 Rechtéanwälte bei den Land- gerihten zugelassen. Im Ober-Landeêëgericbtsbezirk Hamm waren an den Landgerichten am 1. Januar 1883 zugelafsen 159 Rechts- anwälte, ein Jahr später 153 und dann 151. Im Ober-Landes- gerihtsbezirk Kiel waren bei den Landgerichten zugelassen am 1. Januar 1883 78 Rechtsanwälte, ebensoviel im Jahre darauf und 77 im folgenden Jahre. Im Ober-Landesgerichtsbezirk Königsberg waren zugelassen 83, dann 88, dann 89 Recbtsanwälte. Bei den Landgerichten im Ober-Landesgerichtsbezirk Marienwerder waren am 1. Januar 1883 zugelassen 61 Rech18anwälte, dann 63 und cin Jahr später 70. Im Ober Landesgerih18bezirk Naumburg waren am 1. Januar 1883 an den Landgerichten 133, dann 132 und 1885 am 1. Januar 137. Im Ober-Landesgerichtébezirk Posen betrug die Zahl der bei den Landgerichten zugelassenen Rechtsanwœälte am ]. Januar 1883 88, dann 89 und wieder 88. Jm Ober-Landes- gerichtsbezirk Stettin betrug die Zabl der an den Landgeridten zugelassenen Rechtsanwälte 81, dann 78, dann 79, im Bezirk Jena 37, dann 39 ia den folgenden Jahren. Die Gesammtzabl der bei den Landgerichten zugelassenen Rechtsanwälte am 1. Januar 1883 betrug 1757, fodann 1777 urd am 1. Zanuar 1885 1832.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Der Wirkliche Gehtinte L S, Professor Dr. von

eri ch8 ift beute früh 7 Uhr verstorben. : 9E Am 11, d. M. ftarb im Alter von 71 Jahren der Geograph Gustav Adolf von Klöden. Der Verstorbene studirte in Berlin Mathemathik und Naturwifsenschaften, machte mit Link wiederholt Reisen durch Südfrankrcih, Italien und GrteWenland, ward 1840 Lehrer an der Berliner Gewerbeschule und 1855 Professor. Seit 1870 war er Mitalied der Ober-Militär-Graminationskommission. Von seinen zahlreichen literariswen Arbeiten haben viele hohe Auflagen erlebt, Seine „MRepetitionskarten* farden allgemeine Verbreitung.

Geschichte des preußischen Verwaltungsrecchts. Von Conrad Bornhak. In drei Bänden. 2. Bd. Bis zum Frieden von Tilsit. Berlin Verlag von Jul. Springer. 1889. (VI,, 366 S.) Das treffliche Werk von Bornhak, das zur Kenntniß der bisher arg vernachlässigten Geschichte des preußischen Veiwal- tung8rechts wesentli beiträgt, und dessen 1. Band (434 S, 1884) die Zeit bis zum Regiecrungsantritt Friedrih Wilhelms I. umfaßt, behandelt im vorliegenden 2. Bande das preußische ancien régime, das preußische Verwaltungsrecht des 18, Jahrhunderts, oder in 3 Abtheilungen das preußishe Verwaltungsreht während der Regie- rungszeit Friedrih Wilhelms T. (vom Jahre 1713—1740), während der Regierangszeit Friedrichs des Großen (vom Jahre 1740—1786) und endlich seit dem Tode Friedrihs des Großen bis zum Frieden von Tilsit (von 1786—1807), und zwar in der Weise, daß jede der 3 Abtheilungen in folgende Kapitel zerlegt ist: Die Königliche Ge- walt, die Gemeindcverwaitung, die Kreisverwaltung, die Provinzial- verwaltung, die Centralverwaltung , die Kriegshoheit, die Justizhoheit, die Polizeihobeit, die Finanzhoheit, die Kircbenhoheit. Bekanntlich ist ein großer Theil des preußischen Verwaltungéorganismus des 18. JFahrhunderté, auf dem das preuß. Verwaltungtrecht der Jeßtzeit rubt, noch heute unbekannter als die rômische und karolingische Ver- waltung. Zwar haben die neuere Geschibtéscöreibung, nit nur die allgemeinen Darstellungen der preuß. Ge|ichte, Werke wie die von Preuß, Ranke, Droysen, auch größere Monographien, wie Scmollers „Städteroesen unter Friedrih Wilhelm 1“, JIfaacsohns

Geschichte des preuß. Beamtenthums“ Bd, 3 und Ernst Meiers Reform der Verwaltung8organisation unter Stein u. Hardenberg

ie reihlich zur Kenntniß der inneren G-:\hicte Preußens im 18, Jahrhundert beigetragen; aber €s fehlte bis jeßt einerseits an einer, erst von Bornhak verfaßten, zusammensassenden Darstellung des ge- sammten preuß. Verwaltungsrcchts während des 18, Jahrh., anderer- seits waren zablreihe Gebiete von der bisherigen Literatur _so gut wie gar nicht berührt worden. Dies gilt von dem Kriegs-, Steuer- und Kirchenwesen, namentlich aber von der bisher fast vollständig unbekannten preuß. Kreisverfassung des 18. IJahrh. Alle diese bisher mebr oder weniger vernachlässigten Gebtete des preuß Verwaltungs- rechts find von Bornhak in seinem Werke, auf Grund der ver- schiedenen Urkunden- und Ediktensammlungen, insbesondere aber durch fleißige Benußung des preuß. Geh. Staats-Archivs eingehend behan- delt und dargestellt worden. So beruhen u. A. die vielen thatsäch- lichen Angaben über die preuß. Kreisverfassung bei Bornhak durchaus auf den Akten des Geh. Staats-Archivs. Der 3, Bd. der Geschichte des preuß. Verwaltungsrechts, der bis zur neuesten Verwaltungéreform reichen wird, soll zu Anfang des Jahres 1886 erscheinen.

Die Münzfunde in der Umgegend von Barenau und die Dertlichkeit der Varuskarastrophe, EGEnt1- gegnung auf die Schrift des Hrn. Profeisors T h. Mommsen: „Ueber die Dertlichkeit der Varusscchlat“, in den Sitzungsberichten der Königl. Preuß. Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Gesammtsißung vom 29. Ja- nuar 1885. Osnabrück, Verlag von I. G. Kisling. 1885. Der vorstehende Aufsaß des Archiv-Raths Dr. Veltmann in Osnabrückd, worin derselbe die Ansicht des Prof. Dc. Mommsen, welcher, gestützt auf das verhältnißmäßig häufige Vorkommen von Römermünzen aus den letzten Zeiten der Republik und des Augustus im nordöstlichen Theile des Fürstenthums Osnabrück und vor Allem auf eine im Besiße des Erblanddrosten von Bar befindliche Münzsammlung in der oben angeführten Abhandlung das Schlußdrama der varianischen Niederlage im Jahre 9 n. Chr. in den Engpaß zwischen dem

großen Moore“ und den Engtershen Bergen“ bei dem Gute Barenau verlegt und diese setne Hypothese „als that- sählich erwiesen“ annimmt, mit triftigen Gründen bekämpft und welcher jeßt als besondere Schrift vorliegt , ist {on früher in der Sonntagsbeilage der „Osnabr. Ztg.“ mitgetheilt worden (vgl. „Hannov. Cour. “, v. 22. Febr. d. J.). Im „Reichs- und Staats-Anz.* wurden bereits im verflossenen Monat auf Grund des Hannov. Cour.“ jene Ansichten Mommsens und Veltmanns kurz erwähnt. Uebrigens is die Mommsensche Hypothese über die ODert- lihfkeit der Varuss{lacht, der allem Anscheine_nach keine entscheidende Bedeutung beizulegen ist, bereits von M. v. Sondermühlen in seiner Scrist „Alison und die Gegend der Hermannsslaht“ aufgestellt worden, während Stüve zwar ebenfalls die Varusschlact als im Os- nabrückschen gesblagen annimmt, aber dieselbe nicht in den Nordosten des Fürstenthums, jondern in den Westen, in das Dünethal, Le linke Seite der Hase, verlegt. Schließlich sei noÞ bemerkt, daß ü 4 die Gegend, in welher Hermann die Legionen des Varus ISua an vernichtete, allein im 19. Jahrhundert einige 70 bis 80 Een veröffentlicht wurden, ohne daß hierdurd Klarheit über die Der | , Feit der Clades Variana erlangt worden ist. Die gleichzeit gea Historiker weisen auf das Land zwischen Weser, Ems und E Q nz Meiteres läßt stich aus den Geschichtsbüchern der Alten mit cher-

heit nit folgern.

In R. r. Decker's Verlag (G. Schenck) in Berlin erscheint vemnäbi cin „Militair - Adreßvuch für das Deutsche Reich“. Dasselbe wird in seinem erften Theile das alphabetische Namenéverzeichniß sämmtlicher Offiziere, Beamten 2c. der ganzen deutshen Armee, der Land- und Seewehr (Marine), der aktiven, fo- wie Reserve- und Landwehroffiziere, und zwar mit Charge, Regiment, Stand und Wohnungsangabe bringen. Dieser Theil enthält ca. 48 000 Namen. Der zweite Theil bringt die Heeresorganisation aller deutshen Staaten mit der Marine; der dritte Theil die Garni- soren; der vierte Theil das Verzeichniß der europäischen Staats- oberbäupter, die Uebersicht der Stärkeverbältrisse der europäischen Armeen und die Ein1heilung der deutshen Armee. Das umfang- reihe Werk in 49 Format is redigirt von dem preußishen Haupt- mann M. v. Leut\ch und witd ca. 85 Bogen ftark. Troß des reichen Materials soll der Preis do nur auf ca. 10 Æ geftellt und Nach- träge nach Bedürfniß den Besitzern geliefert werden. Das „Militair- Adreßbuh“ wird alljährlich im Frübjabr zur Ausgabe gelangen und zweifellos nicht nur ein Bedürfniß der Militairs, sondern insbesondere der zahlreiben Industriellen, der Bureaux u. \. w. auëmachen. Der Druck des Werkes hat {on im Januar begonnen und soll noch vor dem Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers beendet werden.

Ein zur Konfirmation , besonders geeignetes Geschenk if Spitta’'s Psaltier und Harfe (Verlag von M. Heinsius in Bremen.) Das berrliche Liederbuch, welches bereits in 51. Auflage erschienen ist, existirt in 7 versbiedenen Ausgaben zum Preise von 2, 3, 4, 5, 6 und 20 M4, so daß allen Anfprücven in Hinsicht auf Aus- stattung und Preis genügt sein dürfte. Die billigste Ausgabe zu 2 4 ist die erste Volkéauëgabe; die theuerste zu 20 M ist die 50. Auflage, die Jubelausgabe, welwe sih infolge ihrer vollendet fünfstlerishen Auéstaitung und reihen Shmucks von 24 Vollbildera, 42 Juitialen, Nandeinfafjungen, elegantem Einband allcs nach Originalen von Prof. Plockhorst und Wanderer in der kurzen Zeit ihres Bestehens seit Weihaachten 1884 {nell als ein Hausschaß chriftliher Familien eingeführt hat. E s uni Dem in lateinischer Sprache abgefaßten Verzeichniß der Vorlesungen (Index lectionum aestiv.), welwe im nächsten Sommersemester an der Universität Jena gebalten werden sollen, geht ein bis jetzt unbekanntes Glossarium Terentianum, d. i. ein alphabetisch geordnetes, in lateinisher Sprache verfaßtes Glossar ¿u den 3 Kommödien Andria, Adelphi und Eunuchus des bekannten römischen Komödiendichters Terentius, entnommen der vatikanischen Handschrift 1471 des 9. Jahrh., und rezensirt und herausgegeben von dem ordentl. Prof. Dr. Georg Göß, vorauf.

Von der Schlettershen Buchhandlung (Franck und Weigert) zu Breslau (Schweidnitzerstraße 16—18) ist kürzli der Katalog Nr. 188 ausgegeben worden. Derselbe enthält eine Bibliotheca historico-naturalis oder ein Verzeichniß von 6522 die Naturwissen- schaften (Allgemeines, Paläontologie, Geognosie, Geologie, Minera- logie, Meteorologie, Klimatologie, Botanik) betr. Schriften, welche ih früher im Besiße des im vergangenen Jahre in Breélau ver- storbenen Geh. Medizinal-Rath3, Prof. Dr. Göppert befanden und jeßt in der oben genannten Antiquariatshandlung käuflich vorräthig find. In dieser reichhaltigen Sammlung befinden \ich viele werth- volle naturwissenschaftlihe Werke. Im Herbste d. I. soll die 2. Ab- theilung der Göppert'schen naturwissenschaftlihen Bibliothek, Zoo- logie, erscheinen.

Land- und Forstwirthschaft.

Als ein erfreuliches Zeichen des unter deutshen Landwirthen herrshenden Verständnisses für die Forderungen der Zeit und ihres Strebens, duc die Eroberungen der Wissenschaft die praktische Thätigkeit zu befruchten, darf das Zustandekommen der Unter- rihtskurse für praktische Landwirthe an dex Land - wirthschaftlichen Hocbschule in Berlin gedeutet werden. Durch Einrichtung dieser Kurse wurde beabsichtigt, das theoretische Wissen praktisher Landwirthe aufzufrishen und ihnen die Gelegenheit zu bieten, ein selbständiges Urtheil darüber zu gewinnen, inwieweit und in welher Art die Erkenntnisse der modernen Wissenshast und die neuesten Erscheinungen des wirthschaftlihen Lebens neugestaltend den heutigen oder künftigen Landwirthschaftsbetrieb zu becinflussen vermögen. Die Kurse währten vom 23. Februar bis zum 4. März cr. und umfaßten folgende Vorträge: Geh. Regierungs-Rath, Prof. Dr. Settegaft: Standpunkt, Aufgaben und Ziele der deutshen Viehzucht überhaupt und ihrer einzelnen Zweige insbesondere. Prof. Dr. Orth: Fort- schritte in der Verwendung der käufliwen Düngemittel, Oekonomie- Rath Dr. Frhr. von Canftein: a. Anbau und Pflege alter und neuer Futterpflanzen; b Ausnußzung dec Gewässer durch Fisbzuht. Dr. Grahl: a. Moorkultur, insbesondere die Kultur der Grünland8moore ; b. Kartoffelkuitur. Dr. Lehmann: Fortschritte auf dem Gebiete der Fütterungslehre. Benno Martiny: Fortschritte und Zielpunkte des modernen Molkereiwesens, Geh. Rechnungs-Rath, Fngenieur Scotte: Feldeisenbahnen. Prof. Dr. Wittmack: Die wichtigsten Ka- vitel der landwirthschaftlicben Botanik einsließlih der Samenkunde. Prof.Dr.Börnstein : Das Wetter und seine Voraussagung.— Dr.E.Lange : die Grundsäße der rationellen Bodenkultur in ihrem Einflusse auf die staatlive Verkehrs- (Eisenbahn-) und Zollpolitik. Prof. Dr. Alex. Müller: Die dungwerthigen Abfälle der Städte und ihre Ge- winnung für die Landwirthschaft. Prof. Dr. Delbrü: Die Kons trole des Betriebes durch den Brennereibesißzer. Dr, M. Hayduck: Die wissenschastliben Grundlagen der Preßhefefabrikation. Dr. O. Saare: Kartoffelstärkefabrikation ; (die drei leßten mit Uebungen). Die Zahl der Theilnehmer an den Unterrichtskursen betrug 75, und zwar: 51 Landwirthe (Rittergutsbesiyer, Gutsbesitzer 2c.), 6 Landwirthschaftsbeamten, 1 Bn dro L Ma ede e 1 General- bevollmächtigter eines Großgrundbesigers, 1 Brennereibesißer, 1 akti- ver Offizier und Rittergutsbesißer, 1 Landrath, 1 Kulturtecniker, 1 Obver-Roßarzt, 1 Thierarzt, Fabrifbesißer, 1 praktischer Arzt, 1 Regierungs-Baumeister, 1Ingenteur, 1 Stud. jur, 1 Redacteur und Be- vollmächtiater des belgischen Ministeriums, 3 aus sonstigen Berufsarten. Auf die offenen und unbefangenen Urtheile der Theilnehmer läßt si die Hoffnung gründen, daß die letzteren mit großer Befriedigung auf die in den Unterrichtéfursen gewonnenen Anregungen zurückblicken werden. Ste schieden mit dem Ausdruck ihres lebhaften Dankes und der Versicherung, daß falls die Kurse au in Zukunft ihren Fort- gang nehmen sollten sie dann, vermehrt dur sich ihnen an- \hließende Freunde und Gesinnungëgenofsen, in bedeutend größerer Zahl die Hochschule wieder aufsuhen würden.

Gewerbe und Haudel.

Dom Biri des Vorstandes der Magdeburger Feuer- ver Cie E etta at an den Verwaltungsrath über das Rechnungéjahr 1884 eatnehmen wir Folgendes: Der Gewinn des Jahres 1884 beziffert sih auf 1494 063 #6 Es wird vorgeschlagen, außer den regelmäßigen Abschreibungen auf Grundstücke und Druck- sachen, sowie einer zehnprozentigen Abschreibung vom Saldo des Jn- ventarcontos, noch besonders 20000 Æ auf Drucksachen und 12 000 auf die elektrische Beleuchiungsanlage abzuschreiben. Es stellt sich dadurch der Jnventurwerth sämmtlicher genannter PostenEnde 1884 auf 252 156,46 gegen 304768 #4 Ende 1883. Auf Forderungen der Gesellschaft wird «ine Abschreibung von 20 602 K beantragt. Zum Gratifikations- fonds für die Beamten und Agenten der Gesellschaft, sowie zum Dis- positionsfonds sollen 35 000 # gelegt werden. Der Reingewinn des Sahres 1884 ftellt sich auf 1355555 «6 Dem Sparfonds würden hiernach statutgemäß 310 000 Æ zufließen und derselbe laut beson- derer Rechnung sih auf 569 888 H stellen; die Dividende würde 182 M pro Aktie = 30} 9% der baaren Einzahlung betragen. Der Reservefonds bleibt \tatutgemäß auf 1500000 4 stehen. Die Effekten der Gesellswaft hatten nah den Coursen vom 31. Dezember einen Werth von 4845 621 Æ, wurden aber nur mit 4687913 in Rechnung gestellt. Die Geschäftslage wird als eine günstige be-

zeichnet. Die Prämieneinnahme des Jahres ist ohne Berücksichti-