1860 / 250 p. 3 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

1972

die Wohlfahrt dés Landes betreffenden Gegenständen an Mich zu wen- den, Wünsche und Anträge unmittelbar oder mittelbar vorzubringen über die fundgemachten geschlichen Anordnungen und Einrichtungen, in Bezichung auf ihre besondere Einwirkung auf das bezügliche Land, Anträge zu stellen, über besondere Landesangelegenheiten zu berathen und Beschlüsse zu fassen, über die Aufbringung der für innere Landeserfordernisse nöthigen Mittel zu be- schließen, deren Verwendung zu kontroliren und mit dem Landesvermögen selbstständig zu gebahren. Nach Erlassung und Verkündigung der Landes- ordnungen und Etatute haben Sie Mir hinsichili<h des Zeitpunktes der einzuberufenden Landtage unverzüglih Zhr- Anträge zu stellen.

Jch beauftrage Sie ferner, in kürzester Frist die Anträge zur Durch- führung des Grundsaßes der Trennung der Justiz von der Administra- tion, die Entwürfe über die Gemeinde-Ordnungen und die Gutsgebiete und die Einrichtungen der Selbstverwaltung in Kreisen und Bezirken aus- arbeiten zu lassen und Meiner Entscheidung zu unterzieben.

Siè haben die Veröffentlichung und Kundmachung der, im Einklange mit obigen Grundsäßen, von Mir genehmigten Landesordnungen und Statute für Meine Herzogthümer Steiermark, Kärnthen, Salzburg und Meine gefürstete Grafschaft Tirol einzuleiten.

Lieber Freiherr von Vay. Jndem Jch im Sinne Meines heute erlassenen Diplomes zur Regelung derx inneren staatsrechtlichen Verhält- nisse der Monarchie die verfassungsmäßigen Justitutionen Meines König- reihs Ungarn wieder ins Leben rufe, haben Sie Mir über den Zeitpunft der Einberufung des Landtages, den Jch möglichst beschleunigt wissen will, Jhre Anträge zu stellen, da es Meine Abficht ist, die definitive Regelung der staatsrechtlichen Verhältnisse Meines Königreiches Ungarn je eher im Sinne der Geseße dur< Erlassung eines Diploms und dur<h Meine Krö- nung zu befiegeln.

Es hat für die Zukunft der althergebrachte Grundsaß des ungarischen Staatsrechts, daß die geseßgebende Gewalt, d. i. das Recht, Gesetze zu geben, abzuändern, auszulcgen oder aufzuheben, nur von dem geseßlichen Landesfürsten in Gemeinschaft mit dem Landtage ausgeübt und außerhalb desselben nicht zur Geltung gebracht werden soll, in Meinem Königreiche Ungarn rü>sichtli<h der Kompetenz des Ungarischen Landtags mit allei- niger Ausnahme jener Gegenstände wieder in Wirksamkeit zu treten, über deren Behandlung durch den Reichsrath Mein heute veröffentlichtes Di- plom die bezüglichen Bestimmungen enthält.

Jndem Jch für die Einberufung des nächsten ungarischen Land- tages die dur< den dritten Gesezartikel 1608 in Betreff der Form und Art seinex Zusammenseßung * festgestellten Bestimmungen mit Berüäsichtigung der, einzelnen Corporationen seither durch spätere Geseße verliehenen speziellen Beschi>kungsrechte zur Grund- lage genommen wissen will, und in Betreff der unverkennbar nothwendi- gen und durh wiederholte Landtagsbeschlüsse und Geseße vorbehaltenen definitiven Organisation des Landtagskörpers die Berathung an den ersten nngarischen Landtag verweise: ift es denno< Mein fester Wille, nach Aufhebung der Privilegial-Stellung des Adels, Einführung der Aemter- und Besißfähigkeit für alle Klassen ohne Unterschied der Geburt, nach Beseitigung der bäuerlichen Frohnen und Leistungen, ebenso wie im Sinne der Einführung der allgemeinen Wehr- und Steuerpflicht, unter den von Mir für den nächsten Landtag provisorisch festzustelenden Bestimmungen, in früherer Zeit nicht wahlberechtigte Klafsen Meiner Unterthanen des Königreiches Ungarn an den Landtagswahlen E nehmen zu lassen, indem Jch die diesen Klassen durch die Geseßartikel 8, 9, 10 und 13 des Landtages 1847 / 48 zuge- sprochenen Rechte neuerdings anerkenne und bestätige, in Betreff der übrigen an diesen“ Landtag gebrachten Geseße aber, die mit Meinem heute erlassenen Diplom und Meinen Entschließungen im Widerspruche stehen, die landtägliche Revifion und Aufhebung vorbehalte.

Um Meine Entschlüsse über die provisorische Wahlordnung gehörig vorzubereiten, hat je eher unter dem Vorsiße des Kardinal - Primas von Ungarn eine Berathung in Gran zusammenzutreten, welche mit Männern A tage ist, die dur< amtliche oder bürgerliche Stellung, Talent, ge- leistete öffentliche Dienste und öffentliches Vertrauen hervorragen, und hinsichtlich welcher mit Bezug auf die Zahl und die Personen der zu der- selben beizuziehenden Mitglieder Sie si<h mit dem Primas in das Einver- ‘nehmen zu sehen und Mir Jhre beiderseitigen Anträge zu unterbreiten haben. Diese Kommission hat Mir im Wege Meiner Ungarischen Hof- Kanzlei ihre Vorschläge zu unterbreiten, indem Jh Mir vorbehalte, der- selben die Fragen, welche hinsichtlich cines provisorischen Wahlgeseßes für den nächsten Landtag zu lösen sind, näher bezeichnen zu lassen. Jnsbeson- dere wird sie mit Rü>sicht auf die anerkannte Unzulänglichkeit der frü- heren landtäglichen Stellung der Königlichen Freistädte im Sinne wiederhol- ter Königlicher Propositionen und des Landtagsbeschlusses vom Zahre 1813/44 schon für den nächsten Landtag ihre Anträge zu stellen haben.

_ Lieber Freiberr von Vay. Jndem Jh im Sinne Meiner heute veröffentlichten Entschließungen die verfassungsmäßigen Jnstitutionen Mei- nes Königreiches Ungarn und die diesem Lande von Altersher auf Grund- lage mannigfacher Geseße, Diplome und Zusicherungen zukommende poli- tische und Justizverwaltung wiederherstelle und gleichzeitig im Sinne des Artikels 11, vom Jahre 1741, für die Behandlung und Vertretung der Ungarischen Angelegenheiten dur< Ungarn in Meinem Gesammt - Mini- sterium Sorge trage, haben Sie Mir in Betreff der Beseßung der Stellen des Obersten Landrichters und des Tavernicus unverzüglich Jhren Vor- {lag zu unterbreiten.

Jnsolange kein Statthalter für Ungarn ernannt wird, hat der Tavernicus das Präsidium der Statthalterei zu führen und die Leitung der ganzen politischen At ministration zu übernehmen. d

Für die innere Verwaltung des Landes wird die Königliche Statt- halterei, im Sinne der Artikel 97, 98, 101, 102 vom Jahre 1723 unter Beachtung der, für alle Klassen der Staatsbürger dur< den Artikel 5 vom Zahre 1843 /44 ausgesprochenen Aemterfähigkeit wieder hergestellt , über deren Organisation im Sinne des Artikels 17 vom Jahre 1790 Mir die Anträge mit möglichster Beschleunigung vorzulegen sind,

Lieber Freiherr von Vay. Da es Meine Absicht ist, die gesammte Gerichtsverwaltung Meines Königreiches Ungarn wieder (inérpais dieses

Königreiches zu verlegen, so wird Mein Judex Curiae Mir eigneté Persönlichkeiten als Mitglieder der Königlichen C urie borzus<

haben, die unter seinem Vorsiße und unter Zuziehung anderer kompetenter

Persönlichkeiten vor Allem die, Fragen der Organisirung der Ungarischen | ng Un fe j

ZJustizpflege zu berathen und Mir ibre Anträge in dieser Beziehu säumt, im Wege Meiner Ungarischen Hofkanzlei zu unterbreiten bah werden, wobei es selbstverständlich ist, daß im Junteresse der Sicherheit n Besißes und der Stätigkeit der Privatrechtsverhältnisse alle Bestimmung und Einrichtungen des bürgerlichen und Strafrechts insolange in vol, Wirksamkeit zu bestehen haben, als niht in Betreff derselben im Mea, der Gesehgebung die allfälligen Veränderungen vereinbart werden. N Lieber Freiherr von Vay“ Indem Jch im Nachhange Meiner unte heutigem Datum erflossenen Entschlicßungen die ungarische “Sprache 4 Geschäfts- und Amtssprache aller politischen und Gerichtsbehörden Meines Königreiches Ungarn im inneren Dienste sowohl, als im gegenseitigen Verkehre wiederherstelle, verordne Jch zugleich, daß den städtischen ivie den ländlichen Gemeinden die Wabl der Geschäftssprache ihrer Gemeinde. Kirchen- und Schul-Angelegerheiten freistehen, daß es ferner Jedermann

7 unbenommen bleiben soll, in den Komitats-, städtischen und Gemeinde-Versamm-

lungen sich jeder der im Lande üblichen Sprachen zu bedienen, und in jeder dex, selben Eingaben oder Bittschriften an die Behörden einzureichen, deren Erledigung in derselben Sprache zu geschehen haben wird; daß endlich die Justiz- und politishen Verwaltungs-Beamten jeder Art Verordnungen und Befehle, welche unmittelbar an die Gemeinden ergehen , in jener Sprache zu vexrfassen haben, welche die Geschäfts\sprache ihrer Gemeinde- Angelegenheiten ist.

Jn Bezug auf die Unterrichtssprache bei der Universität in Pesth finde Jch Mich bewogen, im Grundsaße auszusprechen, daß der Stand der Sachlage vor dem Jahre 1848 als Ausgangspunkt dienen solle. Da aber die allgemeinen Jnteressen des höheren wissenschaftlichen Unterrichts eine eingehende Prüfung und volle Würdigung erheischen, sind die Ansichten . des Kardinal - Primas von Ungarn und des betreffen- den Lehrkörpers einzuholen, und hat die Königlich ungarische Statthalterei, bezügli der endgiltigen Erledigung diescs GVe- génstandes, Mir einen motivirten Antrag zu stellen, bis dahin aber zu beranlassen, daß die Vorlesungen an der Pesther Universität mit thun- lichster Anwendung des durch Mich festgestellten Grundsaßes und aller Beschleunigung eröffnet werden mögen.

Jn Bezug auf die Lehrsprache an den Gymnasien hât Meine Un- garische Statthalterei die bezüglichen kirhlichen Würdenträger und politi- schen Behörden, ferner die Lehrkörper dieser Unterrichts - Anstalten \elb| über die Frage zu hören, ob und welhe Modificationen in der bei den-

mehrexe 9t- E lagen :

selben üblichen Unterrichtssprache si<h als nothwendig oder wünschens- werth darstellen, und hat sodann ungesäumt ihre Anträge, im Wege Meiner Ungarischen Hofkanzlei, Mir zu unterbreiten.

__ Schließlich erkläre Jh meinen festen Entschluß auf dicsem Gebiete, ivie auf allen, wo sih die Jnteressen der verschiedenen Sprachen und Nationalitäten berühren, ebenso jedem wie immer gearteten Zwange oder Drud>e, als au jedem unbefugten Hervorrufen, Fördern und Verbittern nationaler oder sprachlicher Gegensäße auf das Entschicdeuste entgegen- treten zu wollen. :

_ Aehnliche Erlasse betreffen no< Kroatien und Slavonien, so wie Siebenbürgen, die Serbische Wojwodschaft, die Unterrichts\prache

an der Krak uer Univeisität und in Galizien,

__ Großbritannien und Frland, London, 20. Oktober. Heute Nachmittag war Ministerrath in Lord Palmerston's Amts- wohnung.

Nach dem „Court Journal“ wird der Prinz von Wales ungefähr am 3. November wieder (zur Fortseßung seiner Studien) in Oxford eintreffen. N :

Frankreih. Paris, 20, Oktober. Gestern sind die Nati cationen der 1yrisben Jnterventions-Convention vom 3. Lu- gust hier ausgewechselt worden.

Der Staatsrath hat am Montage seine Berathungen wieder begonnen, Dem Journal des „Travaux Publics“ zufolge find die- selben jeßt zunächst dem ge‘eßlichen Zinsfuß gewidmet, über den der Legislative in der nächsten Session cine Vorlage gemacht werden soll, _ Italien. Turin, 19. Oltober. Der „Opinione“ zufolge find die piemontesishen Truppen in Popoli (Provinz Abruzzo}) angelangt. Lamoricière ist am láten in Rom angekommen. Aus Palermo wird vom 12ten gemeldet, daß die beiden Parteien der Annecxionisten und Conditionisten fortwährend große Thätigkeit entwi>eln, um ihren Bestrebungen Geltung zu verschaffen. Die Sizilianer wünschen die Einheit, fürchten aber von Piemont ver- s{hlungen zu werden und ihre Juteressen gefährdet zu sehen.

Priester predigen in Palermo auf offener Straße gegen die Annexion. Garibaldi sagte dem Kommandanten der Nationalgarde, er wolle seine eigene Machtvollkommenheit dem Könige Victor Emanuel, so bald dieser angelangt sein wird, zu Füßen legen und sih ins Privatleben zurü>ziehen.

_ Mailand, 19. Oktober. Wie der „Perseveranza“ gemeldet wird, offupiren die französis<hen Truppen Corneto, Viterbo und Civitavecchia, die päpstlichen Tivoli, Subiaco, Frofinone und Velle- tri, Die Nachricht, daß der Prodiktator Paliavicino zum zweiten Male seine Demission eingereiht habe, ist unwahr.

Livorno, 18, Oktober, Die Generale La Masa und Arrivabene sind an ihren in der leßten Schlacht erhaltenen Wunden gestorben, Victor Emanuel if in Pescara eingetroffen.

(N. M. Z.)

1973

¡bats {reibt man aus Neapel, 13. Oktober u. A,: Genen T is Plah - Kommandant von Neapel geworden, seine sundheit if sehr zerrüttet. Jn der Nacht vom 8ten zum Iten Thien der Polizei- Kommissar Silvati, Fürst Malizzano und fein Bruder Fürst" Cimitile, 4—5 Pfarrer und mehrere Danien V attet Außerdem wurde ein gewisser Grassetti und sein Be- leiter Tosti verhaftet, die, wie es heißt, von Rom gekommen g n, in der Absicht , Garibaldi zu ermorden. Crispi verlangte am Bièn d. 18,000 Ducati zur VervoUständigung der Ausgabe ok 90,000 Ducati des Diktatur-Sefretariats. Die Armee Gari- haldi's ‘hat vom 8. bis 27. September ¿00,000 Ducati gekostet, j n Marseille sind Nachrichten aus Gaeta vom 13. d. M. eingefroffen. Ein Sohn Garibaldi's war von den Neapolitanern efangen genommen wordcR. Das Schiff „Protis“ war am 12ten o M, mit 250 Soldaten in Gaeta angetommen und gy dort nah Agosta abgesegelt, um 900 Mann der Besatzung von BDaia, welbe. fapitulirt hatte, gleichfalls nah Gaeta zu bungen, An leßterem Orte machte sih der Mangel an Lebensmitteln fühlbar. E vaut Berichten aus Nom vom 16. d. M. hatten die bei den jüngsten Vorgängen in Viterbo kompromittirten Priester Valmon- tane und Palestrino, so wie 600 Einwohner, die Stadt Verne. Die Piemontesen lagerten bei dem zehn Wegstunden von Rom entfernten Rieti. General Lamoricière wird fich nur kurze Zeit in Rom aufhalten, und es steht fest, daß er nach Frankreich zurüd- : ird O dus Neapel vom 16ten d. M, gemeldet wird, hat der rodiftator Pallavicino ein Dekret verössentliht , krast dessen er die Entlassung a A R Nt Dem „Paese“ zufolge war Nazzini » Genua abgereist. ; l M Qn rit T téardmt vom 20. Oktober wäre Victor

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5manuel in Popoli (bei Sulmona) eingetroffen ; wie die „Patrie N E seinen Weg aus Foggia (n der Provinz Capi- tanata), wo er den Ausfall der Volksabstimmung abwarten will, Die turinex „Militair-Zeitung“ will wissen, er werde bei seinem Einzuge in Neapel Earibaldi freundschaftlich die Hand bieten und ihn mit dem Titel Marschall anreden; ebenso würden auch die Generale Fanti, della Marmora, S onnaz und Eialdini zu Mar- {ällen ernannt werden. Ganibaldi hat eine Denk\chrift veröffent- licht, in welcher er behauptet, daß die Allianz Frantreihs , Eng- lands, Italiens, Spaniens, Portugals und Nußlands allein den Krieg für die Zukunft unmöglich machen könne. Das amtliche Fournal von Neapel publizirt ein Dekret, welches die Konzession für das neapolitanische Eisenbahnnez nun doch den livorneser Ban- quiers Adami und Lemmi verleiht, nachdem diese Herren fich vers pflichtet haben, die A E das italienische Parlament esbließen würde, sich gefallen zu lassen. e E A Sia veröffentlicht den Bericht des Ober-Commandanten Generals Fanti über die Operationen in Um- brien und den Marken, datirt Ancona den 1. Oktober, Der Bes riht umfaßt se<s Spalten, _Der Verlust der Piemontesen bei der Einnahme Ancona's is auf 579 Mann geschäßt : 49 Offiziere, 990 Soldaten, ' E A A Wie in der Deputirtenkammer bei der öffentlihen Abstimmung über das Annexionsgeseß nur Einer (Ferraris) dagegen gestimmt, bei der geheimen Abstimmung aber sich se<s s{warze Kugeln gee funden hatten, gerade so ergab im Senat cm 16. Oktober die öffentliche Abstimmung nur einen Gegner (Brignole), die geheime aber zwölf. Am 17. Oktober hat die Deputirtenfammer geneh: migt, daß die piemontesischen Expropriationsgesehe auc) auf T oss fana anwendbar sein sollen, und daß eine Eisenbahn von der fran- zösischen Grenze (Mentone) längs der Küste nach Massa gebaut werde. Am 19. Oktober ist der Schluß der Kammer-Session ver- fündet worden. Eine Ehrfurchts- und Dank-Adresse beider Häuser an den König wird Sr, Majestät durh eine Deputation über- bracht werden,

Das Dekret Garibaldi's, dur< welches der Mutter und Schwester des König8mörders Milano cine Pension ausgeseßt worden ist, hat zu einer Communication Veranlassung gegeben, die allen beim Könige Franz 11, afkkreditirten fremden Gesandten ge- macht worden ift : j t j

Der C us glaubt, indem er dieses Dekret (Garibaldi s) zur Kenntniß Europa's bringt, sich jedes Kommentars zu dieser unverantwort- lichen Verfügung enthalten zu können. Jn keinem Lande war, die Me lution bis zu diesem Grade der Verderbtheit und Anarchie gediehen, f zu diesem Tage hat man noch nicht erlebt, daß man den BARGSISS er wie ein heilig Ding ehrt, den Meuchelmörder öffentlich belohnt un fo zum Morde der Souveraine auffordert. Die Diktatur, welche im Köónig- reich beider Sicilien herrsht, hat dieses betrübende Beispiel gege- ben, Diese Verherrlichung des Meuchelmordes_ hat in E von den piemontesishen Truppen beseßten Stadt fich ereignet , é Ua einen Anführer ( condottiere), der im Namen des König on Sardinicn handelt, welcher ja seit vier Monaten jede A bon Verantwortlichkeit zurü>weist, denn man lügt auf seine Fahne un an seinen Namen. Der Mensch, der seines Gleichen zu ermorden trachtet, der Soldat, der aus der Reihe tritt, um seinen Gereral zu erschießen, der Bür- ger, der mit dem Bayonnet sih auf seinen König stürzt, werden also von

der N. gierung Garibaldi's als Marthrer betrachtet, welche des Lobes, ter Belohnung und der Trauer würdig sind. Diese Apotheose im amtlichen Journal von Neapel, diese im Namen des Königs Victor Emanuel dem Königsmörder gegebene Belohnung sprechen lauter als jede Schilderung von der Anarchie und von dem beklagcnswerthen Zustande, in wel<em das Land seit der Jnvasion seufzt. Jch protestire nicht gegen den Scandal dic- ses Dekrets, welches jedes moralische Gefühl empört, Jeden Grundsaß von Ehre und Neligion umstößt. Jch beschränke mich darauf, es der Gerechtig- feit Europa's als einen der zahlloscn Belege für die politische Sittlichkeit gewisser Leute vorzulegen, welche, gestüht auf fremde Macht und zu unwür- digem Verrath provocirend, die Autorität an sich gerissen und den beträcht- lichsten Theil der Hälbinsel occupirt baben. J

Eine Verfügung des General-Commissars der Marken vom 9. Oktober, im amtlichen Blatte von Ancona publicirt, hat vom 16. d. an die Zoll-Linie sowohl gegen Sardinien, als au gegen Nea- pel für aufgehoben erklärt. Der sardinische Zolltarif tritt 31 Tage nach seiner Bekanntmachjung für die Marken in Kraft, Ein gleies Dekret ist von der Prodictatorial-Regierung in Neapel erlassen worden.

Túrkei, Fonstantinopel, 13. Oftober, Auf Befehl Fuad Pascha’'s sind mehrere Polizei - Beamte abgegangen, um den Poli- zeidienst in den Haupteorten Syriens zu organisiren, Couza will von der Pforte dié Verlegung der Central-Kommission von Fotschan nah Bukarest und die Erlaubniß zur Gründung eines rumániscen Ordens verlangen. Umfassende finanzielle Reformen stehen bevor,

Aleppo, 3. Oktober. Es herrscht vollkommene Ruhe; Fuad Pascha's Ankunft wird erwartet. : 7

Beirut, 7. Oktober. Die Drusen des Libanon, welche na dem Hauran. flüchten woliten, wurden dur die türkischen Truppen abgeschnitten und sind zwischen Deir-el-Kamar und Ds\chesfin cernirt, Kurschid Pascha's Verurtheilung ist wahrsceinlich,

Amerika. New-York, 10. Oltober. Laut Berichten aus Mexico vom 18. September hatte si die Lage der Dinge günstig für die Liberalen gestal-et, und m-n sah ihrer Ankunft in der Hauptstadt entgegen, wo übrigens Miramon noch immer mit 11,000 Mann stand. Der Prinz von Wales befand “sich gestern zu Philadelphia, Jn Pennsylvanien, Ohio und Jndiana haben die Republikaner den Sieg davongetragen.

Wien, Sonntag, 21. Oftober, Abends. (Wolff's Tel, Bur.) So eben 64 Uhr Abends fährt Se. Majestät der Kaiser zum Bahnhofe. Die Straßen, welche der Kaiser dur<fährt, sind festlich beleuchtet und von einer freudig bewegten Menge dur<hwogt, welche Se. Majestät mit begeistertem Hochruf empfängk.

Paris, Sonntag, 21. Oktober, Morgens. (Wolffs Tel, Bur.) Der heutige „Moniteur“ enthält ein Dekret, dur welches die „Gazette de Lyon“ unterdrü>t wird, Der Bericht sagi: Da die Presse unter dem Vorwande, die Sache der Kirche zu reprás sentiren, ihre Ausfülle, ihre beleidigenden Anfeindungen und ssttraf- baren Provocationen verdoppelt, fo müsse dem durch einen Aft der Strenge Einhalt gethan werden,

Paris, Sonntag, 21. Oltober, (Wolffs Tel. Bur.) Nach hier eingegangenen Nacbrichten aus Neapel vom 19ten d. M, hat bei Jsernia zwischen den Viemontesen und den neapolitanischen Truppen ein Gefecht stattgefunden, bei welchen seitens der Do, tesen 750 Gefangene gemacht wurden, unker denen sih 2 Generaie hefanden.

Paris, Montag, 22. Oktober, Morgens. (Wolffs Tel, Bur,) Der heutige „Constitutionnel“ sagt : Gegenwärtig, wo die Zusammenkunft in Warschau Anlaß zu so vielen Kommentaren giebt, wird man mit Jateresse vernehmen, daß der Kaiser ein eigenhändiges Schreiben des Kaisers von Rußland erhalten hat, Wir glauben zu wissen, daß das Schreiben den Charafter es Zusammenkunft in Warschau der Art difinirt, daß derselben jede feindselige Bedeutung gegen Frankreich benommen wird.

Turin, Sonnabend, 20. Oftober. (Wolff's Tel. Bux,) Nachdem der russishe Gesandte von hier abberufen worden, t der diesseitige Gesandte am russischen Hofe die telegraphische Wei- sung erhalten, Petersburg zu verlassen.

Turin, Sonntag, 21. Oktober. (Wolff's Tel. Bur.) Die Bataillone der Nationalgarde zu Pavia und Alessandria haben die Aufforderung von der Regierung erhalten, ihren Dienst no< auf

einige Zeit zu verlängern, : , | tach hier eingetroffenen Nachrichten aus Neapel vom heu-

tigen Tage hat daselbst die Abstimmung begonnen.