1885 / 82 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Bekanntmachung.

Gs wird hierdur< zur öffentlihen Kenntniß gebra<t, daß der Dem Betriebsführer Joseph Köhler in Hausberge als Ver- treter der Eisenfteinzehe „Victoria* diesseits ertheilte Erlaubnißschein zum Besiße und Vertriebe von Sprengpulver und Dynamit unterm 26. d. M. von mir zurü>gezogen ift.

Minden, den 28. März 1885.

Der Landrath. von Oheimb.

Persoualveräuderungen.

Königlich Preußische Armee. Ernennungen, Beförderungen und Verfeßungen. Im aktiven Heere. Berlin, 31. März. v. Sto\<{, Hauptm. àÀ la suite des Inf. Regts. Nr. 64 und Comp. Führer bei der Unteroff. Schule iy Ettlingen, in gleicher Eigenschaft zur Unteroff. Schule in Jüli<, Nowa>, Hauptm. à la suite des Inf. Regts. Nr. 28 und Comp. Führer bei der Unteroff. Schule in Jülich, in leiher Eigenschaft zur Unteroff. Schule in Ettlingen, verseßt. raf von der Re>ke-Volmerstein, Sec. Lt. vom Garde-FÜs. Regt., auf ein Jahr zur Dienfileift. bei dem Ulan. Regt. Nr. 10 kommandirt. Schmidt, Oberst-Lieut. und Chef der 4. Comp. bei dem Invalidenhause in Berlin, zum Chef der Gren. Comp. bei dems. JInvalidenhause ernannt. Matting, Major und Chef der 2. Provinzial - Invaliden - Comp., in die vacante Comp. Ghefftele bei dem FInvalidenhause in Berlin verseßt. 1. April. v. Jena, Gen. Major von der Armee, zum Gen. Lt. befördert. v. Kal>reuth, Oberst à la suite des Kaiser Franz Garde-Gren. Regts. und Kommandant von Küstrin, ein Patent feiner Charge verliehen. Böhmer, Rittm. à la suite des Kür. Regts. Nr. 5, unter Belassung in diesem Verhältniß, zum Vorstande der in annover zu errichtenden Mil.-Lehrshmiede ernannt. v. Radonigy- elgrad, Hauptm. und Plaßmajor in Küstrin, ein Patent seiner Charge verliehen. v. Moltke, Rittm. und Escadr. Commandeur vom Regt. der Gardes du Corps, unter Ueberweisung zum Großen Generalstabe, als Hauptm. in den Generalstab der Armee verseßt. v. Guenther, Hauptm. vom Generalstabe des I1. Armee-Corps, zum Generalstabe der Kav. Divis. des T. Armee-Corps übergetreten. Hoffmeister, Hauptm. à la suite d. Garde- Füs. Regts., unt. Entbind. v. d. Kommando als Ordonnanzoffiz. bei des Großherzogs von Baden Königlicher Hoheit und unter Ueberweisung zum Generalstabe des II. Armee-Corps, Etdorf, Hauptm. von der 1. Ingen. Insp. und Fommandirt zur Dienstleistung bei dem Großen Generalstabe, unter Belassung bei dem Großen Generalstabe, in den Generalstab der Armee verseßt. 4. April. Meyer, Hauptm. und Comp. Chef v. Gren. Regt. Nr. 5, dem Regt., unter Beförder. zum überzähl. Major, aggregirt. v. Gots<, Premier-Lieutenant vom Grenadier- egiment Nr. 5, zum Hauptmann und Compagnie- Chef, v. Zastrow I, Sec. Lt. von demselben Regiment, zum Premier- Lt., befördert. -v. Bezdan-Hosius, Hauptm. und Comp. Chef vom Gren. Regt. Nr. 4, unter Beförderung zum überzähl. Major, als aggreg. zum Inf. Regt. Nr. 128 verseßt. Weinmann, Pr. Lt. vom Gren. Regt. Nr. 4, zum Hauptm. und Comp. Chef, Kaegler, Sec. Lt. von dems. Regt., zum Pr. Lt., vorläufig ohne Patent befördert. Frhr. v. Richthofen, Hauptm. und Comp. Chef vom Inf. Regt. Nr. 128, unter Beförderung zum überzähl. Major, als aggreg. zum 3, Garde-Gren. Regt., v. Woedtke, Hauptm. à la suite des Inf. Regts. Nr. 42, unter Entbind, von dem Kommando als Adjut. bei der 56. Inf. Brig., als Comp. Chef in das Inf. Regt. Nr. 128 verseßt. v. Bronikowski, Pr. Li. vom Inf. Regt. Nr. 94, unter Sntbindung von dem Kommando zur Dienstleistung bei dem Großen Generalstabe und unter Stellung à la suite des Füs. Regts. Nr. 40, als Adjut. zur 56. Inf. Brig. kommandirt. v. Rohr, Pr. Lt. vom Inf. Regt. Nr. 91, in das Inf. Regt. Nr. 94 verseßzt. von der Ded>en, Sec. Lt. vom Inf. Regt. Nr. 91, zum Pr. Lt. befördert. Frhr. v. Reisha<, Pr. Lt. vom Regt. der Gardes du Corps, bis um 1. Oktober cr. zur Dienstleistung bei dem Königl. Hofmar|schall- mt kommandirt. Abschiedsbewilligungen. Im aktiven Heere. Berlin, 4, April. v. Arnim IL., Sec. L. vom Infant. Regt. Nr. 64, mit Pension der Abschied bewilligt. : Kaiserliche Marine. Ernennungen, Beförderungen, Verseßungen 2. Berlin, 1. April. v. Roques, Oberst-Lt. und Commandeur des See-Bats., der Rang eines Regts. Commandeurs verliehen.

Nichtamtliches.

Deutsches Neid.

Preußen. Berlin, 8. April. Jhre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin von Baden und die Großherzogliche Familie haben Sich vorgestern Abend, vor Jhrer Abreise, bei den Kaiserlihen Majestäten verabschiedet.

Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz nahm gestern Mittag 12 Uhr militärische Meldungen entgegen und besichtigte Abends 7 Uhr die Lese- säle der Königlichen Bibliothek, welche versuhsweise mit eleftrishem Licht beleuchtet waren.

Wird beim Fabrikbetriebe bei einer an sih ge- fährlihen Arbeit vom Werkführer die Anordnung der der Gefahr begegnenden Schußmaßregeln unterlassen, weil von dem betr. Arbeiter bei einiger Geschi>lichkeit die Gefahr ver- mieden werden kann und in der Regel au< von den dabei beschäftigten Arbeitern vermieden wird, so liegt na<h einem Urtheil des Reichsgerichts, Ill. Civilsenats, vom 13. Fe- bruar d. J., darin ein Verschulden des Werkführers, für welches der Fabrikinhaber bei einem dadurch eingetretenen Unfall des Arbeiters haftet.

Der General-Lieutenant Wiebe, Jnspecteur der 1. Fuß-Artillerie-Jnspektion, hat si< zur Musterung des Schleswigschen Fuß-Artillerie-Bataillons Nr. 9 na< Bremer- haven begeken.

S. M. S. „Elisabeth“, 19 Geshüße, Kommandant Kapitän z. S. Schering, ist am 24. Februar cr. in Hongkong eingetroffen.

_S. M. S. „Nymphe“, 9 Geschüße, Kommandant Ka- pitän z. S. von Reiche, ist am 4. April cr. in Havana ein- en und beabsichtigt, am 9. April cr. wieder in See zu gehen.

Als Aerzte haben fi< niedergelassen die Herren : Dr. Yan Hoffmann II. in Leer, Harms in Marienhafe, Dr. A. Breilmann in Emsdetten, Wrede in Geestendorf, Dr. Kluge in Rotenburg (Stade), Dr. Fri>hoeffer in Langen- s<walba<, Dr. Spelthahn in Brühl und Hauser in Elberfeld.

Bielefeld, 8. April. (W. T. B.) Der Belagerun gs- zustand ist heute. wieder aufgehoben worden.

Sachsen. Dresden, 7. April. Das „Dresdener Journal“ meldet: Jhre Majestäten der König und die

Königin beabsichtigen, einen mehrwöchigen Aufenthalt in Bellaggio am Comer See zu nehmen. Die Abreise dorthin erfolgt am Donnerstag, den 9. d. M., über Hof, Lindau u. \. w.; in der Allerhöchsten Begleitung werden fich befinden: die Hofdame Gräfin von Strahwiß, Jhre Excellenzen der General-Adjutant General-Lieutenant von Carlowiß und der Ober-Hofmeister, Wirklicher Geheimer Rath von Lüttichau, der See Rath von Waßdorf und der Ober-Stabsarzt Dr. Jacobi.

Sachsen - Weimar - Eisenaþh. Weimar, 7. April. (Thür. C.) Am Großherzoglichen Hofe wird morgen der Geburtstag der Großherzogin geseiert. Von größeren Feierlichkeiten, Empfängen u. f. w. ist abgesehen worden.

Aus ganz Thüringen sind in den leßten Tagen Berichte eingegangen, welhe erkennen lassen, daß der Bismar>- Tag überall mit größter Theilnahme aus der Milte des Volkes heraus begangen worden ist, in sinniger Weise an vielen. Orten dur< das Pflanzen von Bismar>-Eichen.

Oesterreih-Ungarn. Wien, 7. April. (Presse.) Der Einundzwanziger-Ausshuß des ungarischen Ab- geordnetenhauses wird am Donnerstag die Berathung des Entwurfs über dieOberhausreform, wie derselbe aus eh Berathungen der Magnatentafel hervorging, in Angriff nehmen.

Prag, 7. April. (W. T. B.) Der Kronprinz und die Kronprinzessin sind heute Nahmittag, nah einer Be- sihtigung des Rudolphinums, mit dem Prinzen Philipp von Koburg und dessen Gemahlin unter enthufiastishen Kund- gebungen der Bevölkerung nah Brüssel abgereist.

Pest, 6. April. Die „Bud. Corr.“ bringt folgende Mittheilungen: Minister-Präsident Tisza und Finanz- Minister Szapa ry begaben si<h Montag Abends zu zwei- tägigem Aufenthalt nah Wien, um mit den Mitgliedern der gemeinsamen und der österreihishen Regierung über mehrere obschwebende Angelegenheiten zu konferiren.

Großbritannien und Jrland. London, 7. April, (W.T.B.) Der Prinz und die Prinzessin von Wales sind heute Abend mit dem Prinzen Albert Victor über Holy-Head nah Dublin abgereist. ,

Die Reise Lord Roseberry's na<h Berlin, welche übrigens privaten Charakters ist, hat einen Aufschub erfahren.

(Allg. Corr.) Aus Rawul Pindi wird unterm 4. d. berichtet, daß nunmehr au<h die Truppentheile, welche das zweite mobile Armee-Corps bilden sollen, bestehend aus a<t Kavallerie: Regimentern, a<ht Batterien reitender Artillerie, vier Batterien Fuß-Artillerie, se<hs Compagnien Sappeurs und 20 Jnfanterie-Regimentern, Befehl erhalten haben, si< für den aftiven Dienst in Bereitschaft zu halten. Das Reserve-Corps wird aus vier Reiter-Regimentern, dreizehn Jnfanterie-Regimentern, fünf Batterien Artillerie und drei Compagnien Sappèurs bestehen. Der große Durbar zu Ehren des Emirs von Afghanistan wird am 8. d. ab- gehalten. Die Konferenzen zwishen dem Emir und dem Vágzekönig Lene ens zusriedenstellenden Verlauf, =#— (A. C.) ‘ber den Aufstand in ManitFba be- ri E amerikanische Correspondent der „Times“ unterm 3. D, U:

Ein Telegramm aus Ottawa besagt, daß die canadische Regie- rung die unverzügliche Licferung von 10000 Martini-Henry-Gewehren und 3 Millionen Patronen telegraphis< in England bestellt hat. Der Premier - Minifter, Sir John Macdonald, konstatirte gestern Abend im Parlament, daß vom Oberft Jrvine, der in Prinz Albert isolirt ist, keine Mittheilung eingegangen eiz daß die Hochfluthen den Fluß Saskatchewan unpassir- bar gemacht haben; daß der Gouverneur Dowdney in Regina, im Westen von Qu'Appelle, telegraphirt habe, unter den Indianern längs der canadischen Pacific-Eisenbahn herrshe Ruhe, und der Stamm der Piapots sei noch immer loyal; endli<h daß Mr. Joseph Royal, der unter den Mischlingen Einfluß hat, fi< na< dem Nordwesten nicht als der Vertreter der Regierung begeben habe, sondern aus eigenem Antriebe, um dort eine Versöhnung zu Stande zu bringen.

Einem Telegramm aus Winnipeg zufolge hatten die dortigen Militärbehörden aus Washington die Benachrichtigung erhalten, daß die Truppen General Terry's in Montava in der Weise vertheilt worden, daß 500 Mann in Fort Ajsiniboine, 500 in Fort Snelling und 200 in Pembina ftationirt wurden, um die Indianer und Fenier daran zu verhindern, mit Vorräthen über die Grenze zu gehen.

Die Nachrichten von der Front sind unwicbtig. Riels Kunds- schafter sind in Humboldt, 150 Meilen von Qu'’Appelle, gesehen worden. Oberst Hershmers Detachement versu<t Battleford zu erreihen, wird aber dur< eine UebersGwemmung in Medicine Hat aufgehalten. Wegen der in den Baracken zu Battle- ford befindlihen Ansiedler, Frauen und Kinder, wird große Befürchtung ausgedrü>kt. Vor einer Woche kann Hülfe sie nicht erreihen. Ein Telegramm aus Quebe> konstatirt, daß Oberst Turnbull, der das Kavallerie-Schulcorps befehligt, angewiesen wor- den ist, Pferde anzukaufen und 1000 Mann Kavallerie, bewaffnet mit Martini-Henry-Büchsen, autzurüsten. Die Mannschaften sollen aus den canadischen Freiwilligen ausgewählt werden.

Ottawa, 4. April. (A. C.) Der Telegraphendraht zwischen Humboldt und Battleford is zershnitten worden. Längs der Grenze find alle nothwendigen Vorkehrungen getroffen worden, um irgend welhen Fenierbarden, welche Le canadis<hen Boden zu betreten, einen warmen Empfang zu bereiten. Der Fluß Saskatchewan wird für die Truppenbeförderung benußt. Eine Quantität Waffen und Schießbedarf ist nah Winnipeg gebraht worden, und die allge- meine Lage ift jeßt günstiger. Die Schwarzfuß-Indianer haben si bereit erklärt, die Grenze zu überwachen, um den Uebertritt von Fenierbanden zu verhüten.

Frankreich. Paris, 6, April. (Fr. Corr.) Die „République française“ schreibt: „Wir sagten gestern früh, daß das einzige Mittel, die shwierige Krisis zu lösen, welche wir augenbli>li<h dur<hmachen, darin bestände, dem Kammer-Präsidenten, dem Vertreter der parlamentarischen Majorität die Bildung des neuen Kabinets zu übertragen. Wir fügten hinzu, daß, wenn durch den Präsidenten der Res

f publik im Namen der großen Jnteressen des Landes, die be-

drängt sind, ein Appell an den Patriotismus des Herrn Henri Brisson gerihtet würde, wir überzeugt wären, daß dieser Appell ni<t ungehört verhallen würde. Des- halb überrashte uns die Nachriht keineswegs: Herr Brisson habe auf das Drängen des Präsidenten Grevy gestern das Mandat übernommen, welches die gesammte demo- kratishe Meinung e unter den obwaltenden Umständen überwies. Er malte si sogleih an die Arbeit und er scheint bereits einige seiner Mitarbeiter bezeihnet wir gebrauchen dieses Wort absihtli<h zu haben. Das Kabinet ist no<< niht gebildet und die Listen, welhe angeblih gut unter- richtete Blätter veröffentlichen, find no< sehr ver|chieden. Allein heute bieten die Listen nur ein untergeordnetes Jnter-

effse; fie können die Neugier reizen, wenn man Zweifel über das Gelingen der fi< vorbereitenden Kombination hegt, wenn man im Unklaren darüber ift, ob die Schritte der vom Staats-Oberhaupt mit der Bildung eines Kabinets betrauten politishen Persönlichkeit zu einem Resultat führen werden oder niht. Doch wir haben erklärt, daß für Hrn. Henri Brisson die Aufgabe eine leichte sein würde und der Erfolg ein siherer wäre. Der Empfang, welchen alle republikanischen Blätter seinem Namen als dem des zukünftigen Minister- Präsidenten bereiteten, erwies, daß wir uns nicht geirrt. Er kann im Parlament auf alle republikanishen Kräfte zählen. Keiner der Senatoren oder Deputirten, an die er sih wenden zu sollen glauben dürfte, wird zögern, ihn in seinem Unter- nehmen zu unterstüßen. Keiner von Denen, welche er un- vermeidli<h wird beseitigen müssen, wird ihm seine Hülfe versagen. Die Kammer weiß, wel< bedauerns- werthen Eindru> ihre leßte Shwäche auf das Land gemacht hat; sie weiß, daß es ihr verboten ist, au<h nur einen einzigen neuen Fehler zu begehen ; sie wird ihren poli- tischen Geist wiederfinden und jede Katastrophe vermeiden. Damit der Friede, den wir gewissermaßen in unseren Händen haben, rasch geschlossen werde, damit eine Einigung in der leider so gefklüfteten republikanishen Partei zu Stande komme, ift es unumgänglih nöthig, daß das neue Kabinet leben und energish handeln kann. Blind oder strafbar wären diejenigen, welche sih weigern sollten, es zu unterstüßen, Der ehrens werthe Kammer-Präsident hat seine Pflicht erfüllt, indem er unter den jeßigen Verhältnissen die Leitung der Geschäfte übernahm; die republikanis<he Majorität wird die ihrige er- füllen, indem sie aus Liebe zum Vaterlande dem Kabinet Brisson hülfreich beisteht.“

7. April. (W. T. B) Jn der heutigen Sißung der Deputirtenkammer verlas der Conseils-Prä- fident Brisson folgende ministerielle Erklärung:

Unter den Umständen, unter welhen der Präsident der Republik uns zur Leitung der Geschäfte berufen hat, bitten wir kein ausgedehntes Pro„ramm von uns zu erwarten. Wir haben versucht, im nationalen Jnteresse und unter Beiseitelassung jeder nebensählihen Erwägung ein Ka- binet der Versöhnung und der Eintracht zu bilden; wir haben versu<t, Männer zusammenzubringen, wel<he von möglihst gutem Willen beseelt sind, um eine um so arößere Unterstüßung verschiedener Kräste für den Dienst eFrankreihs und der Republik zu gewinnen. Was die chinesische Frage angeht, so werden wir von China Achtung unserer Rechte, sowohl derjenigen, welche si< aus den Verträgen er- geben, als auch derjenigen, welche China selbst in der Kon- vention vom 11. Mai 1884 anerkannt hat, verlangen. Wir werden uns glüd>lih s{äßen, wenn Verhandlungen genügen, um diesen Zwe> zu erreichen, aber wir sind auch ents{<lò}sen, die Erreichung desselben mit den Waffen zu verfolgen, und sind ebenso entschlossen, den Charakter der Expedition niht ohne Genehmigung des Parlaments zu ändern. Jn den Gefühlen für das, was wir unseren heroishen Land- und Seetruppen und ihren Führern s{uldig sind, wird man uns leiht einig finden. Unsere zweite Aufgabe wird sein, dur< eine auf- merksame und umsichtige Politik unsere allgemeine Lage in- mitten der Fragen zu sichern, wel<he Europa beschästigen. Sie werden uns nicht gleihgültig laffen; aber welche Jnteressen dabei au< ins Spiel kommen, so werden wir uns in unserer Haltung stets von der Erwägung leiten lassen, ob ein direktes und überwiegendes Jnterefse Frankreihs dabei in Frage kommt. Jm Jnnern wird die Herstellung der Einigkeit und Eintraht und, wenn dieser Ausdru> gestattet ist, die freie und nalürlihe Konzentrirung der republikani- schen Kräfte der uns bcherrshende Gedanke sein. Jn diesem Geiste werden wir an die Prüfurg der dringenden Geseße und an die Berathung des Budgets herantreten, das Sie in der gegenwärtigen Legislaturperiode zu votiren haben werden. Bald wird das Land zum Worte gelangen ; wir werden unsere Ehre darein seßen, dafür zu sorgen, daß die Wahlen frei, loyal und aufri{htig seien. Je mehr diese Kundgebung des allgemeinen Stimmrechts eine spontane und unabhängige sein wird, um so mehr wird die Republik geFärkt werden und um so fester wird die Vereinigung aller Republikaner zusammengekittet werden. Wie wir in Bezug auf die auswärtigen Angelegenheiten nur nah der Fahne Frankreichs sehen, \o woüen wir im Fnnern nur der nationalen Souveränetät die- nen. Wir bitten, alle Freunde der Demokratie und der erhabenen Regierungsform, der wir unser Leben gewidmet haben, uns bei dieser Aufgabe beizustehen. Hr. Brisson {loß mit der Bitte, die Kammer möge die noch restirenden 150 Millionen für Tongking votiren. (Beifall.)

Der Präsident der Kammer schlug hierauf vor, die Sizung aufzuheben, damit die Kommission den Bericht fertig stelle. Perrin (von der äußersten Liuken) sprach gegen diesen Antrag und verlangte die Vertagung der Sißung. Leßtere wurde jedo<h abgelehnt und die Sißung auf eine Stunde sus- pendirt.

Nach Wkederaufnahme der Sitzung beantragte die Kom - mission, den Kredit von 150 Mill. Francs für Tongking als Zeichen des Vertrauens für das neue Kabinet zu votiren. Gegenüber einem von Perrin eingebrachten An - trage: Tongking zu räumen, erklärte der Conseils-:Präsident Brisson: die Regierung hätte nie geglaubt, einen derartigen Vorschlag, welcher auf das Evidenteste die Gefühle der Kammer und des Landes verleße, aus der Mitte des Hauses vernehmen zu müssen. Die Regierung wünsche den Frieden, sie werde aber niemals etwas thun, was si< mit der Würde und Ehre Frankreihs niht vertrage. (Beifall) Der Kredit von 150 Millionen wurde sodann mit 373 gegen 92 Stimmen genehmigt.

Eine dem Kriegs-Ministerium zugegangene Depesche des Generals Brière de l’Jsle meldet, daß die fran- zösischen Truppen die zwischen Chu und Dongson gelegenen e de von Deovan und Deognan wieder genommen

aben.

Der „Temps“ meldet: Jn den Couloirs der Kammer war heute die Nachricht verbreitet, daß na< einer im Aus- wärtigen Amt eingegangenen Depesche das Tsungli-Yamen die Friedenspräliminarien ratifizirt habe, welhe am 3. d. M. von dem Direktor der politishen Angelegenheiten im Auswärtigen Amt, Billot, für Frankrei<h, und von Campbell für China unterzeihnet worden seien. Jn Peking sei ein Edikt publizirt, dur<h wel<hes den hinesishen Truppen anempfohlen wird, Tongking zu räumen. Die „Agence Havas“ berichtet: Eine Depesche des Ge- sandten Patenôtre bestätigt, daß China die am 3. d. in Paris dur< Billot und Campbell unterzeichneten Friedens- präliminarien ratifizirt habe.

Serbien. Belgrad, 5, April. (Presse.) Nach Negotin, zunächst der Westgrenze Bulgariens, wurde ein Meeting der macedonishen Serben einberufen. Nach neuesten Berichten aus Prisren wären bei den leßten Kämpfen 1300 Albanesen und 350 türfishe Sol- daten gefallen.

Bulgarien. Sofia, 4. April. (Presse.) Die Ge- meindewahlen find in Bulgarien größtentheils zu Gunsten der Regierung ausgesallen. Die hiesigen Bürger erklärten in einer Versammlung, keinen der Geistlichen als Pfarrer anzü- nehmen, die an dem leßten Strike theilgenommen haben.

Amerika. Washington, 4. April. (Alg. Corr.) Der hiesige Gesandte von Costa Rica hat die Re- gierung der Vereinigten Staaten amtli<h davon in Kenntniß geseßt, daß die Streitkräfte von San Sal- vador am 2. d. M. bei Chalchuapa einen großen Sieg über die Truppen des Präsidenten Barrios errangen. Der Präsident von San Salvador meldet telegra- phish, daß Barrios, der Präsident von Guatemala, in der Schlacht von Chalchuapa gefallen is. “Der hiesige Ge- sandte ‘von Guatemala schenkt jedo< der Meldung von dem Tode des Präsidenten Barrios und der Niederlage seiner Truppen keinen Glauben. Der hiesige Gesandte von Columbia meldet: er habe Nachrihten empfangen des Jn- halts, daß die Revolution in Columbia thatsählih un ter- drü>t worden is, und daß die Ruhestörungen in Panama und Aspinwall ohne politishe Bedeutung und lediglich Ausschreitungen raublustigen Pöbels rwoaren. Zehntausend Personen in Aspinwall sind ohne Obdach, und der durch die Niederbrennung der Stadt verursahte Verlust wird auf 4 000 000 Doll. veranschlagt.

Jn dem Befinden des Generals Grant ist keine Verände- rung eingetreten und sein Tod wird als nahe bevorstehend erahtet. Der Staatssekretär des Auswärtigen in dem Ka- binet des Präsidenten Arthur, Frelinghuysen, ist ernstlich erkrankt, und sein Zustand gilt als hoffnungslos.

New-York, 4. April. (A. C.) Admiral Fouett, der Befehlshaber des Geschwaders der Vereinigten Staaten in Aspinwall, ist instruirt worden, daß seine Aufgabe strikt darauf beschränkt sei, darnah zu sehen, daß der freie Transit über die Landenge von Panama wieder hergestellt und auf- re<t erhalten, und Leben und Eigenthum amerikanischer Unterthanen geshüßt werde. Er solle si< nit in die sozialen oder politischen Unruhen Columbias mischen.

Meittel-Amerika. Mexiko, 2. April. (A. C.) Der Kongreß wurde heute eröffnet, Fn seiner an die Legis- latur gerihteten Botschaft erklärt Präsident Diaz, daß, abgesehen von einigen Schwierigkeiten mit Guatemala, die eine ernste Wendung nehmen dürften, die Beziehungen Mexikos mit den fremden Mächten freundschaftliher Natur seien. Auf Grund der unruhigen Zustände in Central-Amerika sei die Armee an geeigneten Orten an der Grenze concentrirt worden und in Bereitschaft, jedem Beschluß des Kongresses gemäß vor- zugehen. Der Präsident fügt hinzu, daß seiner Ueber- zeugung nah der nationale Kredit keinen Aufshwung nehmen könne, jolange die Nationalschuld niht anerkannt worden sei. Die Regierung hat ihren Geseßvorshlag für die Konvertirung der mexikanishen Staatsschuld zurückgezogen und versprochen, ihren Verbindlichkeiten den englishen Bondsbesißern gegenüber gere<ht zu werden.

7. April. (W. D. B) Der Präsident Porfirio Diaz hat den Justiz-Minister Baranda beaustragt, in den unter den mittelamerikanishen Republiken be- stehenden Differenzen die Vermittelung zu übernehmen.

Afrika. Egypten. (Allg. Corr.) Nach Zerstörung der Rebellendörfer bei Tamai traten die britischen Truppen den Rü>kmarsch na<h Suakim an, woselbst sie am Sonnabend ankamen. Ueber die weiteren Bewegungen der Kolonne des Generals Graham wird dem „Reu- tershen Bureau“ aus Suakim vom 5. d. gemeldet: Drei Bataillone Jnfanterie und die Sikhs werden morgen bei Tageëanbru<h mit 2000 Kameelen nah der Ze- riba auf der Straße nah Tamai marschiren und die Vor- räthe wegführen, worauf die Zeriba verlassen werden wird. Am Montag werden alle Lager längs der Linie der projek- tirten Eisenbahn konzentrirt werden. Ein Bataillon Gardetruppen und das australishe Kontingent wer- den sih am nämlichen Tage in Bewegung seßen, um auf halbem Wege nach Handub eine Zeriba und ein Blo>khaus zum Schuß der Linie zu errihten. Der Bau der Eisenbahn schreitet rüstig vorwärts, und die Bahn bis Handub wird in etwa einer Woche fertiggestellt sein. Es wird beabsichtigt, einen gepanzerten Eisenbahnzug zur Beshütßung der Eisenbahn zu benußen. Ein von den britishen Militärbehörden nah Erkowit gesandter Spion is zurü>gekehrt und berichtet, daß Osman Digma'’s Anhänger massenhaft desertiren und daß Osman selber mit 900 Anhängern in Shakateb, einem zwischen nee und Erkowit gelegenen Orte, eine starke Stellung inne hat.

Dongola, 4. April. (A. C.) Jn Merawi sind Re- bellensoldaten von Khartum angekommen, welche melden, daß ein großer Theil der Armee von Kordofan den Mahdi verlassen und begonnen habe, die Rü>kehr nah der Heimath anzutreten. Die Mannschaften erklärten, daß sie eine genügende Zeit dem Kriegsdienste obgelegen hätten, und daß der Zwe> des Feldzuges erreiht worden sei. Der Mahdi sei den Abtrünnigen mit Truppen gefolgt und es habe si< ein heißer Kampf entsponnen. Der Mahdi sei indeß ingen worden, nach starken Verlusten den Rü>kzug anzu-

eten.

Zeitungsftimmenu.

Die Wiener „Presse“ schreibt in ihrer „Börsenwoche“ vom 4. April c.:

Die Berliner Börse hat ihre Feuerprobe glänzend be- standen ; es zeigt sib, daß au<h an ihr die Strammheit und die praktish-nühterne Organisation, welche das deutsche Staatswesen auszeibnen und groß gema<ht haben, nicht gänzli fehlen. Zwar ift die Slacht niht ohne s{merzlihe Opfer geschlagen worden, allein der Siegespreis wurde errungen und mit neugefesteter Leue darf man an den Ufern der Spree der nä<h- en Zukunft entgegensehen. Berlin hat die heftig bestrittene Berechtigung nachgewiesen, ein Centrum des internationalen Werth- verkehrs zu werden und zu bleiben, und fortan müssen es London wie Paris als ebenbürtig, in manchen Punkten sogar als ent- shieden überlegen anerkennen. Und no< eine wi<tige ein- leu<htende Schlußfolgerung von höchster international - wirth-

-

\{aftliber Bedeutung ergiebt \si< aus der uners<ütter- lien Haltung der Berliner Börse, des deutschen Geldmarktes überhaupt. Hoch zum Himmel auf stieg in diesen Tagen Lob und Preis des unerreihten Staatsmannes - Bismar>, aber stets miste sich in die Posaunenstöße ein leiser Ton des Bedauerns, fast des Mitleides über die Unzulänglichkeit seines Könnens als wirth- \haftliher Reformator; liebenswürdig, wie die von ihrer Unfehl- barkeit dur<drungene national - ökonomishe Publizistik einer gewissen Schule {hon einmal is, nahm sie ni<t den min- desten Anstand, dem Reichskanzler zu seinem siebzigjährigen Geburtsfeste den wohlwollenden Rath zu verehren, er möge ablafsen vom sozialpolitishen und wirths{haftlihen ODilettan- tiêmus und \si< weise beshränken auf das, was er wirkli verstehe. Aber während die politishe Kunst des Fürsten Bismar> Deutsch- land zum ersten und mächtigsten Staate der Welt gemacht, hat es jein arg verlästerter wirthschaftligzer Dilettantismus dennoch zuwege gebraht, daß die Nation von Tag zu Tag an industrieller, fommerzieler und agrikoler Kraft gewinnt, daß der deutshe Geldmarkt sein Geseß den fremden Börsen auferlegt und derselbe markig genug geworden, nicht nur die größten Aufgaben zu lösen, sondern au< {weren Stürmen zu widerstehen. Nicht immer ist die Hauptbörse eines Staates der \sihtbare Ausdru> seiner wirths{aftlihen Potenz, aber zumeist ist dies der Fall, und für Berlin trifft es uabedingt zu. „Nur noch zehn Jahre so!“ Dieser bedeutsame, alle Hoffnungen, Strebungen und Ergebnisse einer {önen Zukunft in sih fassende Ausruf er gilt in erster Reihe der ökono- mischen Entfaltung des Deutschen Reiches und damit auch der Entwi>lung der deutshen Börsen, die den sichtbaren Ausdru der- selben bilden. Wer wollte unbedingt jedes sozial - poli- tische, handelspolitishe oder wirthschaftlihe Axriom des Fürsten Bismar> unterschreiben, wer aber außer den verknöherten Stekenpferdreitern der manhesterlihen Schule unbedingt verwerfen, was er auf diesem für das Wohl der Völker wichtigsten Gebiete initiirt, erreicht und erstrebt hat? Nur noch zehn Jahre so und die ôkonomische Verfassung Europas wird mit und dur Deutschland ebenso radikal und gewiß nicht zum S{hlechteren geändert sein, wie es seine politishe Verfassung bereits ist. . Der Reichskanzler von Bismar>.*

Der Handelskammer in Kiel ist, wie die „Nord- deutshe Allgemeine Zeitung“ mittheilt, auf deren Eingabe, betreffend die Behandlung des Artikels Reis als Kriegscontrebande an der cinesishen Küste, folgende Antwort des Reichskanzlers zugegangen :

„Auf die Vorstellung vom 1. d, M. erwidere ih der Handels- kammer, daß die nachtheilige Rückwirkung, welche die Behandlung von Reis als Kriegékontrebande für unsere Handels- und Schiffahrts- interessen haben kann, uns nicht die Berechtigung verleiht, einer an sich erlaubten Maßregel fremder Kriegführung entgegenzutreten. Jeder Krieg ist eine Kalamität, welche niht nur für die Kriegführenden, son- dern au< für die Neutralen Uebel im Gefolge hat. Diese Uebel können dur< das Eingreifen einer neutralen Macht in die Krieg- führung Dritter sehr leiht eine Steigerung zum Naththeile der Unterthanen der eingreifenden Macht erfahren, und es kann auf diesem Wege dem deutschen Handel größerer Schaden zugefügt werden, als der einer vorübergehenden Behindervng des Reishandels in den cinesishen Gewässern. Die in Rede stehende Maßregel bezwe>t die Abkürzung des Krieges durÞ Erschwerung der feindlichen Verpflegung und ist ein berechtigtes Mittel der Kriegführung, wenn sie gleich- mäßig gegen alle neutralen Schiffe zur Durchführung kommt.

Justiz-Ministerial-Blatt. Nr. 14, Inhalt: Allge- meine Verfügung- vom 25+ März 1885, betreffend das Staats\chuld- bu. —. Allgemeine Verfügung vom 25. März 1885, betreffend die Befugniß der Magistrate und Amtsgerihte im Großheczogthum Med>kllenburg-Streliß zu Beurkundungen in Grundbuch beziehungs- weise Hypotheken-Angeiegenheiten. Allgemeine Verfügung vom 27. März 1885, betreffend Beschwerden des Fiskus über die Fest- seßung der Gebühren und Zeugen und Sachverständigen.

Statistische Nachrichten.

Gemäß den Veröffentlihungen des Kaiserlichen Gesund- heitsamts sind in der 12. Jahreswoche von je 1000 Bewohnern, auf den Jahresdursc{nitt berechnet, als g estorben gemeldet: in Berlin 23,1, in Breslau 31,7, in Königsberg 27,7, in Köln 25,1, in Frankfurt a. M. 22,9, in Hannover 18,8, in Kassel 14,8, in Magdeburg 25,8, in Stettin 35,2, in Altona 26,4, in Straßburg 35,0, in Met 16,7, in München 33,9, in Nürnberg 28,2, in Augsburg 22,6, in Dres- den 25,0, in Leipzig 21,8, in Stuttgart 19,2, in Braunschweig 26,2, in Hamburg 29,0, in Lübe> —, in Karlsruhe 24,1, in Wien 32,8, in Budapest —, in Prag 30,9, in Triest —, in Krakau 36,7, in Basel 21,9, in Brüssel 29,6, in Amsterdam 28,4, in Paris 25,3, in London 22,2, in Glasgow 30,0, in Liverpool 25,0, in Dublin 40,4, in Edinbucg 18,5, in Kopenhagen 21,4, in Stockholm 27,9, in Chri- tiania 24,0, in St. Petersburg 33,9, in Warschau 32,9, in

defsa 37,7, in Rom 27,7, in Turin 34,7, în Bukarest 25,2, in Madrid —, in Alexandria 38,0, Ferner in der Zeit vom 1. bis 7. März: in New-York 31,6, in Philadelphia 24,1, in Chicago —, in St. Louis —, in Cincinnati —, ix San Franzisko 22,2, in Kalkutta 32,8, in Bombay 32,6, in Madras 38,1.

Während beim Beginn und in den ersten Tagen der Berichts- woche an den meisten deutswen Beobachtungsorten nördli<he und nordwestliche, an den südddeutshen Staaten au<h nordöstliche, in Berlin südwestliche Luftströmungen vorherrshten, überwogen vom 24. an nordösilihe und öftlibe, an den mitteldeutshen Stationen mit nordwestlichen we<selnde Winde, die aber zu Ende der Woche an den meisten Stationen wieder na< Nordwest, in Berlin na Südwest drehten. Die Temperatur der Luft lag an den meisten Stationen (am erheblichsten an den süddeutschen) unter, nur in Konitz und Breslau über der normalen. Leichte Nachtfröste wurden in der ersten Wochenhälfte aus allen Stationen gemeldet, Nieder- \{läge, meist Schnee und Hagel, erfolgten besonders in der ersten Wodenhälfte häufig, do< meist in niht ergiebigem Maße. Der beim Wochenbeginn mäßig hohe Dru> der Luft nahm în den ersten Tagen der Woche zu, hielt sih mit geringen Schwankungen bis zum 28. auf seiner Höhe, nahm dann ab, stieg jedo< zu Ende der Woche wieder und zwar an allen Stationen.

Die Sterblichkeitsverhältnisse der meisten Großstädte Europas zeigten in der Berihtswoche keine wesentlihe Veränderung. Die allgemeine Sterblichkeitsverhältnißzahl für die deutshen Städte hat etwas abgenommen; sie sank, auf 1000 Bewohner und aufs Jahr bere<net, von 26,9 der Vorwoche auf 26,4, Der Antheil des Säug- lingsalters an der Sterblichkeit war im Allgemeinen ein kleinerer als in der Vorwoche. Von je 10000 Lebenden ftarben 78 Kinder unter 1 Fahr, gegen 85 der vorhergegangenen Woche; in Berlin 65, in München 94. i i

Unter den Todesursachen haben von den Jnfektionskrankheiten e, Scharlach, Diphtherie, Ruhr und Kindbettfieber etwas mehr, Po>en, Keuchhusten und typhöse Fieber etroas weniger Todesfälle hervorgerufen. Darmkatarrhe der Kinder führten gleifalls seltener, Brechdurhfälle etwas häufiger zum Tode. Akute entzündliche Prozesse der Athmungsorgane zeigten wenig Veränderungen in ihrem Vor- kommen, während Lungenphthisen erhebli< mehr Todesfälle als in der Vorwoche veranlaßten. Masern herrschten in Liegniß, Pots- dam, Hamburg, Hanau, Wien, Paris, Amfterdam, London, Glasgow, Liverpool, Sto>kholm, Warscbauz; in Berlin, München, St. Peters- burg ift die Zahl der Todesfälle an Masern wenig von der ter Vor- woche verschieden. Scharlab wurde in Bromberg, Halberstadt häu- figer Todesveranlafsung. Die Sterblichkeit an Diphtherie war

in Danzig, Greifêwald, Bromberg, Dresden, Berlin, Meerane, Altona, Straßburg, Amsterdom, Paris, Christiania, Warschau eine etwas größere, in Stolp, Königsberg, München, Leipzig, Hamburg, Wien, London, Sto>holm, St. Petersburz eine kleinere als in der Vor- woe. Typhöfse Fieber zeigten si< im Allgemeinen in beschränkter Zahl, nur aus Leipzig, Münster, Efsen wurden mehrfahe Todes- fälle an Typhus gemeldet, Sterbefälle an Fle>typhus kamen aus St. Petersburg 2, aus London 1 zur Mittheilung. Der Keucbhuften forderte in Berlin und Amsterdam weniger, in Köln, Karlsruhe, Kreuznaw, London, Glasgow, Liverpool, Bir- miagham mebr Opfer. Sterbefälle an Ruhr kamen nur wenige (3), an Kindbetifieber 24 aus deutschen Städten zur Anzeige. An Po>ken kam aus deutschen Städten nur 1 Todesfall (aus Königsberg) zur Meldung. Auch aus Zürib, Bern, Prag, Brüfssel, Manchester, Bukarest wurden einzelne, aus St. Petersburg, Venedig, Alexandria, Basel, Turin, Paris, Rom, Odessa mehrfache Sterbefälle mitgetheilt ; in größerer Auëdehnung herrs{hen Pocken in Warschau, London, Wien, In Kalkutta und. Bombay hat die Zahl der Cholera-Tode€fälle um Anfang resp. Mitte Februar zugenommen, in Madras warea fie um Mitte Februac selten.

Kunft, Wissenschaft und Literatur.

München, 7. April. Heute ftarb nah langem Leiden der Physiolog und Zoolog, Geh. Rath Prof. Dr. Carl Theodor BEEN E Eee er des Lreubisen Ordens pour le mérite und des bayerischen Marimilian-Ordens für Kunst und Wißen- schaft, im R Jahren. f y Os

„Geschichte des rômis<hen Kaiserreihs von d Sélact bei Actium und der Eroberung Egyptens bis zu dem Ein- bru der Barbaren“, von Victor Duruyvy. Ueberseßt von Pro- fessor Dr. Gustav Herbßberg. Mit ca. 2000 Jluftrationen in Holzschnitt und einer Anzahl Tafela in Farbendru>. 9.—11. Heft zu je 80 $. Verlag von Schmidt & Günther in Leipzig. In diesen neuen Lieferungen des Werks werden zunächst die Kämpfe der Germanen mit den Römern unter Drusus, Tiberius und Varus sowie die Kämpfe der Röwer mit den Markomannen, den Panroniern und den Dalmatinern beschrieben. Dann folgt eine Scilderung der leßten Lebensjahre des Augustus bis zum Tode dieses Kaisers. Das berühmte Testament des Augustus wird wörtlih mit- getheilt. Daran reibt sich ferner ein Ueberbli> über die Literatur, die Wissenschaften und die Künste in diesem goldenen Zeitalter. Der Verfasser weiß dur< seine klare und lebhafte Darstellung, wel<e durch zahlreibe vortrefflihe Jllustrationen unterstüßt wird, in hohem Grade zu rien Sit

0 inrihsen, der si< dur seine ylattdeutscen Grzählungen bekannt gema<t, dann aber der beat E Dichtung zugewendet, hat eine Sammlung kleinerer Erzählungen : „Kün stler-Liebe und -Leben veröffentliht (Berlin und Leipzig, Wilhelm Friedri, Königl. Hofbuchhandlung, 1885), die f< dur Originalität auszeihnen. Hinrichsen vereinigt ein tiefes, ernstes Gemüth mit gefundem Humor und reicher Phantasie und trägt so genial, lebeudig und anregend vor, daß man au die an sich einfaste Grzählung mit Interesse, ja mit Spannung liest. Der Preis beträgt geh. 3 Æ, elegant gebunden 4 M

Veterinärwesen.

Das von der Königlih großbritannishen Regierung vor Kurzem erlassene Verbot der Einfuhr von Schafen, Schweinen und Ziegen aus Hamburg, Bremen und Geestemünde na< England, Wales ‘und Schottland ift vom 4. d. M, ab wieder aufzehoben.

Gewerbe und Handel.

Von der „Gewerbehalle“, Organ für den Fortschritt in allen Zweigen der Kunstindustrie, redigirt von Ludwig Cisenlohr und Carl Weigle, Architekten in Stuttgart, Verlag von J. Engelhorn ebendaselbst, liegen uns wieder zwei Hefte, das 3. und 4, des laufen- den Jahrgangs, vor. Das Märzheft bringt ein in Holz nachgeschnit- tenes \{ónes Probeblatt aus dem îm Verlage von LeÞners K. K. Hof- und Univerfitäts-Buchhandlung erschienenen photographischen Prachtwerk: „Wohnungs-Einrihtungen aus der clektrisWen Aus- stellung zu Wien im Jahre 1883“, Dasselbe giebt von dem überaus rei<h und mit vornehmftem Geshma>k ausgestatteten Schlafzimmer eine Vorstellung, wel<hes“der Wiener Decorateur Carl Bamberger aus- gestellt und mit elektrisher Beleubtung versehen hatte. Hübsche Möbelarbeiten im Renaissancestyl: einen Tish mit Spiegelschränkchen und einen Polsterftuhl, bietet Otto Frißshe in München. Auf cinem anderen Blatt sehen wir ein Sthreibzeug in Ebenholz mit Figuren aus oxydirter Bronze und Ornamenten aus vérgoldetem Altfilber, entworfen von dem Architekten Franz Brochier in München und dem Bildhauer J. Wehner, ausgeführt von Harra und Sohn, Silberarbeitern und Ciseleuren in Münwen. Das Atelier des Bauraths Professor Lipsius in Dresden lieferte einen von Georg Gasse, unter Leitung des Prof. Herr- mann, entworfenen, ges{ma>vollen Plafond. Die Pariser Kunst- industrie ist vertreten dur< eine Mustertafel ürpig verzierter Laternen, Lüstres und Kaminvorseßer aus Scmiedeeisen, von JIsorez. Ein Blait zeigt eine Anzahl \{öner alter ZJnitialen von Geofroy Tory, aus der französishen Schule des 16. Jahrhunderts. Die Farbendru>tafel des Hefts reproduzirt in richtiger Wiedergabe des Tones der Majolikafarben eine weitere Anzahl jener \{önen glasirten Thonplättchen, wie fie in Genua als Wandverkleidung vielfa Ver- wendung fanden und in neuester Zeit von dem Kustos am bayerishen Gewerbemuseum in Nürnberg, Ernst Häberle, nah den Originalen getreu aufgenommen worden sind. Im Aprilheft findet der Kunstgewerbtreibende zunächst ein {<önes Musterstü> neudeutsher Möbeltischlerei: einen rei< ornirten Schrank für Silber und Weißzeug aus gebeiztem Eichenholz mit farbigen Intarsia-Füllungen, welchen die Firma Ziegler und Weber in Karls- ruhe nah dem Entwurf des Profefsor C. Schi> daselbst ausgeführt haben. Einfache, aber sehr gefällige Schlafzimmermöbel im Renaissancesiyl bieten die Architekten Dietrich und Voigt in Müncben. Ein \{höônes Werk kirhlihen Kunstgewerbes hat der Schul-Direktor A. Ortwein in Graz erfunden, nämlich den Eniwurf zu dem pract- vollen Hauptaltar für S. Peter daselbst, welcher zur Ausführung in Holz mit polychromer Bemalung bestimmt ift. Ferner wird ein mit feinem Geshma> fkonzipirter, zierliter \{<miedeeiserner Rahmen mitgetheilt, welden die Redakteure der „Gewerbehalle“, die Architekten Eisenlohr und Weigle entworfen haben, und der von dem Kunstshlosser B. Jarolim in Austerliß ausgeführt worden ist. Die Arbeit ift bei der vom mährishen Gewerbe-Musecum ausgeschriebenen Konkurrenz mit dem 2. Preise gekrönt worden. Die französishe Kunstindustcie der Gegenwart repräsentirt in diesem Heft eine Tafel mit Lesezeichen: zierlih ornirten Metallarbeiten, theils aus Stahl mit goldenen Einlagen, theils Silber auf Kupfergrund , theils Gold mit Email. Auch das ältere deutshe Kunstgewerbe ist nicht vergessen: wir sehen die Aufnahmen von drei der \{önsten glafirten Steinzeugkrüge aus der an folchen besonders reihen Samm- lung des Berliner KunftgewerLe-Museums. Die leßte Tafel zeigt die forgfältig in Farben ausgeführte Reproduktion zweier \{önen Stoffmuster (Gold auf rother Seide) aus dem bayerischen National- Museum in München, na< Aufnahmen von Georg Lehner. Der Text der „Gewerbehalle" wird forttauernd vermehrt. So finden wir auf den ersten Folioblättern beider Hefte zahlreiche kleinere te<nologise Aufsäße (z. B. über den Porzellanguß) und Notizen sowie literarishe BespreWungen. Ferner bietet der Umschlag im Junnern vermischte Notizen : über elektrishe Beleuhtung in den Fabriken, über Holzbearbeitungémaschinen, über die Bedeutung Südamerikas für die deutsbe Industrie, über die Jute, ihre Produktion und Industrie, zur Kolonienfrage u. v. a.

In der Konkurssache der Firma Litografiska Try>eri- bolaget und des Lithographen Gmil Nummelin in Helsingfors ist, na< amtlicher Bekanntmachung, der Prüfungstermin auf den 7. Mai d. JI., Vormittags, vor dem Rathbausgeriht in Helsingfors festgeseßt worden.