1885 / 88 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Umbau gewonnenen neuen Magazinröumen wurden nur \sol<he Werke zurü>behalten, welche ein besonderes historishes Interesse bieten, ohne O größeres Publikum Bedeutung oder Anziehungékraft zu

esiten.

Nacbdem die getroffene Auswahl unter dem 14. Mai d. Is. die Allerböbste Genehmigung gefunden hatte, wu!de auf Anordnung Sr. Excellenz des Herrn Ministers der geistlichen 2c. Angelegenheiten Dr. von Goßler das Verzeihniß der Gemälde den Vorständen der bezüglihen Provinzialsammlungen mit dem Ersuchen übersandt, ihre Wünsche zur Kenntniß der Geucralverwaltung der Königlichen Museen zu bringen. Der in mögli{stem Anschluß an diese Wünsche auf- gestellte Vertheilungsplan erhielt alsdann unter dem 26. Juli die Genebmigung des Herrn Ministers, wel<er in Betreff der an die Darleihung der Gemälde zu knüpfenden Bedingungen das unten zum Abdru> gelangende Regulativ erließ. Auf Grund desselben ist tann unter Leitung von Beamten der Königlichen Gallerie die Ueberführung der Gemälde na< den Orten ihrer Bestimmung erfolgt. Hierbei haben wir mit gehorsamstem Danke die Erleichterurgen zu erkennen, welbe Se. Excell-nz der Herr Minister der öffentlihen Arbeiten Maybach für die Dur<führung dieser Transporte gewährt hat. Die Vertheilung ist in folgender Weise geschehen.

Berlin, Sammlung der Königlichen Porzellan-Manufa?tur Berlin, Kunstgewerbe-Museum . E e N Bonn, Sammlung der Universität . T E Breslau, S{lesisches Museum der bildenden Künste Caffel, Königlibe Gemäldegallerie . . S Düsseldorf, Königliche Kunfstakademie . . Emden, Gesellschast für bildende Kunst . Erfurt S Göttingen, Sammlung der Universität Ober Ot E Dea, Berein für Natur und K. 735 E A A E L 5 H E, Aer Anita A E L S1 E E Od ADICODAOeEN, StalauisGer Kunltverem T 91 Außerdem wurden zur Abgabe an Kirehen zurückgestellt. . . . 18

L Summa . 489 …_ Ein genaues Verzeichniß aller dieser jeßt abgegebenen, fowie der früher an auswärtige Sammlungen überwiesenen Gemälde is im laufenden Jahre ausgearbeitet worden und wird demnächst zum Dru>k gelangen. Dasselbe umfaßt alle der Königlichen Gallerie gehörigen Gemälde, soweit dieselben nicht bereits in der zweiten Auflage des Galleriekatalogs (Berlin 1883) aufgeführt sind. Verlin, im November 1884. s : Regulativ für die Ausleihung und Aufstellung von Gemälden aus den Königlichen Museen zu Berlin außerhalb der Gebäude derselben. In Ausführung der Allerhöchsten Ordre vom 14. Mai 1884 wird nahstehendes Regulativ erlassen: 1

S 1.

‘Die Ueberweisung von Gemälden aus der Gemäldegallerie der Königlichen Museen in Berlin an andere Sammlungen erfolgt widerruflich.

Die Ueberweisung wie der Widerruf erfolgt dur die General- verwaltung der Königlihen Museen mit Genehmigung des Ministers der geistlichen 2c. Angelegenheiten.

2

Die Unterbringung der Kunstwerke darf nur in sol<hen Gebäuden erfolgen, welche in Bezug auf Konstruktion, Feuersicherheit und sonstige Beschaffenheit der Wände, wie der übrigen wesentlichen Bautheile zu Bedenken keinen Anlaß geben.

i : S Di

Beim Ein- und Auspa>en, sowie beim Aufstellen der Gemälde

in ihrem neuen Bestimmungsort ist thunlich ein mit diesen Arbeiten vertcauter Sachverständiger zuzuziehen.

: : S 4 Beim Aufhängen find die Bilder niht unmittelbar auf die Wand zu bringen, jondern dur fleine Zwischensaßstü>ke derart von derselben zu isoliren, daß die Luft zwischea Bild und Wand zirkuliren kann,

G S0.

Die Gemälde sind thunlichst an Zwishenwänden, niht an den Umfassungsmauern eines Gebäudes aufzuhängen und durch geeignete Vorrichtungen gegen die direkte Einwirl'ung des Sonnenlichts, sowie nach Befinden gegen direkte Ha wirksam zu {ütßen.

_Es ist dafür Sorge zu tragen, daß eine regelmäßige wöcentlice Reinigung der Gemälde dur leihtes Abstäuben i A A wedeln vorgenommen wird.

Anderweite Neinigungen, sowie irgend welche Auffrishung oder Erneuerung des Firnisses, Ausbesserung etwaiger Beschädigungen 2c. dürfen „nur nah eingeholter Genehmigung der Generalverwaltung der Königlihen Museen und nur nah deren An- weisung ausgefühct werden.

7

S. 7. Ueber jede, au< die geringste Beshädigung des Kunsiwerks ift ein Protokoll aufzunehmen und dasselbe unverzüglich dee Genecel, verwaltung der Königlichen E. zu übersenden.

Restaurationen,

Jährlich einmal ift von der V.rwaltung der betreffenden Samm- lung eine Mittheilung über den Zustand der überwiesenen Gemälde an die Generalverwaltung der Königlichen Museen zu richten.

Die Institute, welden Bilder überwiesen werden, haben a. die Kosten der Verpa>ung, des Hin- und Rü>ktransports, sowie der Versicherung während desselben, b. die Kosten der Versicherung gegen Feuersgefahr und e. die Kosten für die während der Besißtzeit erforderlich ge- wordenen Reparaturen zu tregen. fi y ür Staatsinstitute kommt die Versichcrung ad b in Wegfall. Ueber die Nothwendigkeit der Versicherung für L Transport g findet die Generalverwaltung der Königlichen Museen, welche au in allen Fällen den Werth beziehungsweise die Höhe der Versicherungs- summe für die überwiesenen Ee zu bestimmen hat. 1

_Den Beamten und Kommissaren der Generalverwaltung der Königlichen Museen ift jederzeit der Zugang zu deù betreffenden Kunst- werken behufs der Konirole über die pünktliche Erfüllung der obigen Vorschriften seitens des Empfängers zu gestatten.

Berlin, den 3. Juni 1884. Der Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten. _In Vertretung : Lucanus. (Siehe ferner Bericht über die Entleihungen aus der Königlichen Nationalgallerie.)

A. Gemäldegallerie.

In dem verflossenen Vierteljahre ist der Umbau der Gallerie im Wesentlichen vollendet worden, fo daß der Wiedereröffnung sämmtlicher neu hergerichteter und definitiv mit den Gemäiden behängter Räume no vor Jahres\<luß entgegen gesehen werden darf,

Gleichzeitig ist die Abgabe von Gemälden, welche nicht zur Auf- ems: in der Königlichen Gallerie gelangen werden, eingeleitet (fr. Nuartalsbericht per April-Juni 1884) und wird gleichfalls vor dem Jahres\{<luß durcbgeführt Veber dieselbe ist oben besonderer

in. Bericht erstattet. N Jul. Meyer.

B. Sammlungen der Skulpturen und Gipsabgüsse. I. Abtheilung der antiken Skulpturen.

Für die Sammlung der Originale gingen im August und Sep- tember zwei Sendungen pergamenischer Fundftü>e ein.

An Abgüssen wurde namentli< die von Martinelli angebotene Auswahl der delishen Skulpturen erworben, sodann das Grabrelief der Protonoë aus Athen (von Sybel Nr. 3338), ein neuer Abguß der Londoner sog. Klytia und, von der Formerei überwiesen, ein Ab- guß des Berlirer Originalkovfes Nr. 149 (Neue Nr. 610), endli auf Veranlaffung des Herrn Helbia das mit der Inschrift lláræay versehene Köpfen in Florenz (Dütshke IIT Nr. 393).

Neu aufgestellt wurden die Saburoff’sdben Skulpturen mit Aus- nahme der Bronzestatue, welhe noch einer Herrihtung bedarf

Umgeftellt wurde der röômis{he Saal, von dem Kompartiment VI an die Abtheilung der Renaissance-Skulpturen abgetreten wurde.

Von den neu angelangten pergamenis&en #Fragmenten wurden mehrere soglei an ihre Stellen angefügt; fo baben namentli<h zwei in der Rotunde aufgestellte Gigantenfiguren ihre Köpfe crhalten; an dem einen dersebben sind bei feiner Auffindung unzweideutig sichere Spuren einst gemalter Augen bemerkt worden. Wichtig ift auch, daß das größeste der neu angekommenen Bruchstücke als zu einer unter unserem bisherigen Besiße no< niht vorhandenen E>platte gehörig erkannt wurde; sie dürfte ihren Plaß re<is auf der Nordweste>e ge- habt haben und ftellte dem erhaltenen Stü>ke nah ein Secthier uad eine männliche Figur dar.

_ Von der Wolter’s{<en Néeubearbeitung des Friedris"\{<en Ver- zeihnisses der Gipsabgüsse liegen 25 Bogen fertig gedru>t vor.

Ein neues Inventar der Original-Skulpturen, mit Ausnahme der pergamenishen Erwerbungen, welche jeßt besonders im Einzelnen inventarisirt werden sollen, wurde fertig gestellt. Für die assyrischen und verwandten Skulpturen, sowie für die pergamenishen Fundfstü>e wurden einftwcilen provisorishe Jnventare neu angelegt.

e Ausgrabungen zu Pergamon haben in diesem Quartale, immer no< mit Avfräumung im Theater, ihren Fortgang genommen. Conze.

IL. Abtheilung der mittelalterlihen und Renaissance- ; : S Stulpturen.

Die einzige Bereicherung, welche die Abtheilung im verflossenen Sommerquartal erfahren hat, ist die von der Wittwe des Komponisten und Mulikshriflftellers Dr. Georg Kastner in Straßburg in Er- innerung an ibren verewigten Gemahl Sr. Majestät dargebrahte und von Allerhöchstdemselben den Königlichen Museen überwiesene Marmor- gruppe, Apollo und Daphne darstellend, welhe dem Pigalle zu- geschrieben wird. Die etwa halb lebensaroßen Figuren sind eine zier- lie französische Arbeit “aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahr- hunderts. Als Vorbild s{<webte dem Künstler die bekannte größere Gruppe des Bernini in Villa Borghese ¿u Rom vor.

Diese sowie die im Laufe des leßten Jahres gemachten Erwerbungen konnten dadur in der Abtheilung zur Aufstellung gelangen, daß in dem an die Abtheilung anstoßeuden römischen Kaisersaal no< cin Kompartiment für die Abtheilung frei gemacht wurde.

/ Bode.

C. Münzkabinet. “i deut Zeitraum vom 1. Juli bis 1, Oktober 1884 erwarb das Königlihe Münzkabinet 170 Münzen, darunter drei goldene und 47 silberne, und zwar 83 antike, 13 ortentalishe und 73 mittelalter- liche und neuere. Es gelang, Münzen von dret unserer Sammlung noch fehlenden griebiscen Städten zu erwerben: von Amblada (Kaiser Philippus8), Koropissus (Valerian) und Kame (Hadrian). Unter den übrigen antiken Münzen ist als das wichtigste Stü>k hervorzuheben das nur in drei Exemplaren erhaltene, in der numismatischen Literatur berühmt gewordene athenishe Tedrabrabmon mit der Aufschrift 0 ALMOZ (absictli< akchäsirend statt 44M0X) wahrscheinlih aus Sulla’s Zeit, ferner seltene Stü>ke von Rhosus, Gabala, Seleucia (Tranquillina), Andeda, Sillyum u. |. w. Mythologisch wichtig ift die Darstellung eines Gigantenkampfes auf einer Münze von Dio- caesarea, von Marc Aurel. Unter den mittelalter!lihcn und neueren Münzen find von Wichtigkeit ein Denar aus der Zeit des norwegischen Königs Harald Haardraade mit Nuneninschrift, ein äußerst seltener halber Thaler von Stolberg, eine Silbermünze von Met von 1492, ein gut gearbeiteter, in der Kurfürstliben Münze geshlagener JIeton mit Bildniß und Wappen Joachims IT. von Brandenburg und zwei Medaillon von Württemberg und von Papst Gregor XIIL. Ugster der kleinen Anzahl der orientalishen Münzen ragt als höchste Seltenheit hervor die bisher nur in cinem Exemplar in Paris bekannte älteste mohammedanis<he Münze von Indien mit dem Namen des Kalifen El Muqgtadir Billah (908—932), dem reitenden Fürsten und auf der Rüdseite dem ttegenden indis<hen Bu>elstier. Ein Seitenstü> dazu erwarben wir in einer bisher unbekannten Kupfermünze mit den Typen von Kabul und der arabischen Bezeichnung „ritig“; auc sie muß von einem mohammedanis<en Eroberer in Nordindien geschlagen sein. Geschenke erhielt das Münzkabinet von den Herren Brakenkausen Stählin und Svoronos, i: v. Sallet.

(Fortseßung folgt.)

Das abgelaufene Geschäftsjahr wird für die Kaiser-Wilhelms- Spende, wie man uns mittheilt, einen schr günstigen Jahresab\{luß nachweisen. Es waren beim Schluß des Geschäftsjahres 1879/89 337 Mitgl. mit 41 855 #6 Einlagen, 1880/81 . . 1646 156 210 1881/82 2790 159 875 1882/83. , 412 229 975 1883/84 . , 6198 404 210 o O : G 8280 e 831 685 N 9 daß alo das neue Geschäftsjahr mit über 100 °/5 Einlagen mebr als das Vorjahr abschließen wird. Es beträgt zur Beit E Garantiefonds der Anstalt 1930(00 4, der Sicherheitsfonds 156 090 A, und die Einlagen haben die Höhe von 1 823 810 # erreicht.

Verein für Geschichte

i i der Mark Brandenburg. Sitzung vom 8. April 1885, Assessor Holze machte auf das vak Heidemann jüngst veröffentlihßte Tagebu<ß des Kanzlers Lampert Distelmeier aufmerksam, welches den Studiengang, die Lebens\chi>ksale und die Familienverhältnisse des hochverdienten Staatsmannes klar stelllt, leider aber keine Aufzeihnungen enthält, aus dexen unser Wissen von der Brandenburgischen Politik des 16 Jahrhunderts {i ergänzen ließe. Professor Fischer spra< über Derfflingers politische Stellung zu den Wirren von 1683. Am Berliner Hofe vertraten die Kaiserliche Sache vor Allen Gesrg von Anhalt, der Vater des alten Dessauer, und sein Freund Derfflinger. Sie verloren nach dem Nymwegec Frieden sehr an Einfluß, da der Große Kurfürst mit Recht wegen der Politik Leopold I. zürnte, welhe ihn um die Frucht seiner pommerschen und preußischen Feldzüge gebracht hatte. Meinders, der für den Anschluß an Ludwig XIV. sprach, stand nebft den Ftranzosenfreunden Grumbkow und Fuchs in hohen Ehren. Graf Rabenan, der französische Gesandte, versuchte Derfflinger aus dem Oberbefehl zu bringen und aus Friedri Wilhelms Nähe zu entfernen. Der Kurfürst konnte ihn jedoch nicht entbehren z er soll ihm eine bedeutende Summe geboten, um ihn für feine franzosen- freundlihen Pläne zu gewinnen. Derfflinger dieselbe aber mit Ver- atung von si< gewiesen haben. Als 1683 die Türken vor Wien lagen, verhandelte Anhalt mit dem Kaiser über die brandenburgische gie: Dieselbe konnte nur (ae werden, wenn Leopold mit udwig XIV. Frieden {loß und die Reunionen desselben anerkannte, welche er do< nicht rü>gängig machen konnte. Trotz seiner vollkom- menen Dhnmaht war er dazu nicht zu bewegen, weil Spanien in seinem Interesse den Krieg wollte und er mit Rücsiht auf die

drohte in Berlin, wenn der Kurfürst Hülfe gegen die Türken \<id>e ehe die Differenzen des Reiches mit Frankreib geordnet seien, sg werde fein König Maßregeln treffen, daß der Krieg in kurzem folgen folle. Lüneburg rüstete gegen Dänemark, Jn Wien wünschte man sehr daß Derfflinger an der Spiße der Brandenburger zum Entsay erscheine. Der Marschall ließ dur< Anhalt sagen: er wolle gern sterben, wenn er seinen leßten Feldzug im Dienste seiner Heimath Oesterreih und des Kaisers machen könne. Bei den Berathungen in Potsdam gelang es dem Marscall gegen Meinders, und seinen An, hang dur{zuseßen, daß 10 900 Mann Hülfstruppen nah Ungarn ge- s{<hi>t werden follten. Dieselben wurden an der \{lesiscen Grenze konzentrirt und follten vorrü>en, sobald Anhalt den glülichen E“ folg seiner Sendung am Kaiserliben Hofe gemeldet habe. Da dieser Fürft aber, wie Derfflinger an Friedri< von Homburg s<reibt ein Projekt s{i>te, das dem Kurfürstliben „Interesse ganz zuwider war“ [o S i E s „E e Eroberung Ofens war

erfflinger persönlich n i anwesend, wie Krones Ge reich IIT, 665 fälli bericbtet. [Gihte Desttes

er Gymnafiiallehrer Bolte erinnerte an Martin Kret

von Seidel (1621—1693), dessen Verdienste um die Siarid Geschichte unbilligerweise in Vergessenheit gerathen sind. Neigun zur Poesie führte ihn auf der Universität Frankfurt zur Freund: haft mit Johann Frank und Heinrich Held; mit andern Dichtern: Da<, Moscherosh, Schuppius, Zesen, trat er, der Sohn des angesehenen Ministers, auf feinen Studienreisen leit in Verkehr 27 jährig in Berlin als Rath im Konsistorium angestellt, begann er umfafsende Sammlungen anzulegen; Urkunden zur heimathlihen Ge- \{i<te, Chroniken, Briefe der Reformatoren, Münzen, Wappen Porträts, biographishe Nachrichten von bedeutenden oder merfwür- digen Männern brawte er in großer Zahl zusammen, ohne jedo< mit der Verarbeitung zum Akschlusse zu kommen. Der Streit zwischen Lutheranern und Reformirten entfernte ihn auf mehrere Jahre, ebenso wie Paul Gerhard, aus seinem Amte und aus seiner Vaterstadt. Seine Manuskripte, von wel<en nur ein Theil no< eaen ist, wurden von Später ofi gewissenlos benußt und ver- öffertlicht.

Mit der Installation der Ausstellungsgegenstände au è o garischen Landes-Ausstellung wurde am 8. d. L b O so daß zu hoffen ist, daß der Eröffnungstermin ein in seinen Haupt- theilen fertiges und durchgereiftes Werk antreffen werde.

Die Zahl der für die Landes- Ausstellung acceptirten Anmeldungen betrug cam 1, April 8500, so daß dieselbe hinsibtlih der Ausfteller- zabl unter allen im verflossenen Dezennium stattgehabten Landes- Ausftellungen den zweiten Nang einnimmt, d. h. nur von der Turiner übertroffen wird. Von den gesammten Anmeldungen entfallen auf Kroatien 1445, auf Budapest 1296. Je nach den verschiedenen Gruppen theilen si die Anmeldungen wie folgt auf: Landwirthschaft und land- wirthscaftliher Unterricht 1094 (darunter 185 Ausländer) Hortikultur und Weinbau 83, animalishe Produkte 226, Forst- und Jagdwesen forstlicher Fachunterricht 249, Berg- und Hüttenwesen 237, <emis<he Industrie 147, Viktualien als Industrie-Artikel 246, Wein und Spiri- tuosen 990, Thon- und _Glasinduftrie 129, Eisen- und Metall- industrie 328, Holzindustrie 228, Lederindustrie 210, Papiterindustrie 78, T: xtilindustrie 397, Bekleidungsindustrie 785, Mböbelindustrie und dekorative Einrihtung 256, Gold- und Silberarbeiten, Manu- faktur- und Kurzwaaren 142, vervielfältigende Kunstgewerbezweige 178 Musik 51, wissenschaftlihe Hülfswerkzeuge und Apparate 61, Bau- industrie 203, Fahrzeuge 146, Maschinenindustrie 228, Kommuni- kation8wesfen 26, Scwiffahrt- und Seewesen 13, Landwehrausrüstungen 21, Hygiene 218, Hausindustrie 1019, Gewerbe-Unterriht 106, Er- ziehungs- und Schulwesen 318, inegesammt 8373 Anmeldungen. Hierzu kommen no 197 Anmeldungen, die für die III. internatio- nale Spezial-Ausftellung (Arbeits- und Kraftmaschinen, patentirte Erfindungen) eingelaufen sind.

Indessen diese Gesammtzahl von 8700 begreift no< die Aus- stellerczahl der temporären Ausftellungen nicht in si. Die Reihenfolge der D pa en ist diese:

. Garlenvau-Ausstellungen: Erste Frühjahrs-Ausftellung für Blumen, Früchte und Küchengewäcse (vom 10.—90. Meh). Ms Frühjahrs- Ausstellung für Blumen, Früchte und Küchengewächse (vom 10.—20. Juni). Sommer-Ausftellung für Blumen, Früchte und Küchengewächse (vom 15.—25, August). Herbst-Ausstellung für Blumen, Früchte und Küchengewächse (vom 1.—15, Oktober).

B Ausstellung mil<wirths\<aftli<er Produkte (vom 10, bis 20. E ;

. Ausstellung lebender Thiere: a. Geflügel-, Kanincen- und b. Hunde-Ausftellung (vom 9.—10. Mai). Maft-Hornvieh- und Schaf -Ausftellung (vom 17.—24. Mai). Zuchtscbaf-Ausstellung (vom 20.—30. Maiï). Bienen-Ausftellung (vom 20.—30. Auguft). Zucht- \<weine- Ausstellung (vom 1.—8. September), Masts{<weine-Aus- stellung (vom 1.—18, September). Zucht-Hornvieh-Ausftellung (vom L Arbeit net E M eung (vom 5.—10. Oktober).

. AUrvells-Uus]tellung der Gewerbegehülfen und in 1, Juli bis 10. August). , Ie Ta Gow

Im Deutschen Theater tritt Hr, Kadelburg na der Rü>k- kehr von seinem Urlaube am Sonnabend, den 18. d., wieder zum ersten Mal in dem Lustspiel „Der Weg zum Herzen“ auf.

Krolls Theater. Am nätsten Sonnabend giebt Fr. Amalie Joachim ihr leßtes Lieder-Concert. Das per, gramm ist wieder außerordentli< reichhaltig und anziehend. Ganz neu für Berlin ist der Lieder-Cyklus „Dolorosa“ von Adolf Jensen. Außerdem singt die Künstlerin neue reizende Lieder aus den „BVolks- bildern“ von Pressel und aus den „Völkerstimmen“ von Procházka, sowie Lieder von Brahms, Chopin, Löwe, Lindblad und Anderen. Gl. Sopdie Fernow betheiligt si< an dem Concertabend mit Pianovorträgen, während Hr. Hans Wessely u. A. Beethovens Ro- manze in F und einen Bolero von Sarasate spielen wird.

__ Der Pianist Hr. Ferrucio Benvenuto Busoni, der in Italien seine Studien gemacht und in Wien bereits mit Erfolg concertirt hat, gab gestern im Saal der Sing-Akademie cin Concert, in welchem er zum ersten Mal vor dem hiesigen Publikum als Vir- tuos und Komponist erschien. Unter den klassishen Werken gelang ihm der Vortrag der <romatischen Fantasie von Bah und der So- nate von Scarlatti besonders, während Beethovens sog. Sonata appas- sionata bei aller Präzision in der tehnishen Ausführung do nicht mit der Gedankentiefe erfaßt wurde, die dieses großartige Werk for- dert. In neueren Kompositionen von Chopin, Liszt, sowie in eigenen Arbeiten hatte der Concertgeber no<h mehr Gelegenheit, eine für sein jugendliches Alter sehr bedeutende, wenn auch dur eigenthümliche Härten des Anshlaas getrübte tehnishe Fertigkeit zu beweisen. Als Komponift erscheint sein lobenswerthes Talent dod not zu wenig entwi>elt, läßt jedo< bei fortgeseßten Studien Tüchtiges erwarten, wie inan aus seinen Variationen für Klavier und zweten Liedern für Sopran {ließen kanu. Frl. Emmy Görli aus Leipzig, eine mit re<t umfangreiher Stimme begabte Sopranistin, unterstüßte das Concert dur< den Vortrag einiger Gesänge von Schubert, Richard Wagner und Busoni. Untadelhafte Sicherheit und Reinheit der Intonation sowie deutlihe Aussprache waren zu loben, wogegen ein zu sharfer Tonansaß in den höheren Lagen die Auéführung beeinträctigte. Das nit sehr zahlrei< erschienene Publikum bezeugte den Kunstleistungen seine Anerkennung durch wieder- holte Beifallsäußerungen.

Redacteur: Riedel. Verlag der Expedition (S olz). Dru>: W. Els ner.

Berlin:

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spanische Erbfolge Karl I1. bei guter Laune erhalten mußte. Rabenac

Fünf Beilagen (eins{ließli< Börsen-Beilage).

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

Berlin, Mittwoch, den 15. Apri

L D

M S,

Personalveränderungen.

Königlich Preußische Armee.

Ernennungen, Beförkèerungen und Bersezungen Jm aktiven Heere. Berlin, 7. April. Krüger, Sec. Lt. vom Frain-Bat. Nr. 4, in das Inf. Regt. Nr. 67 verseßt. 9. April. Frhr. v. Grotthuß, Hauptm. à la suite des Inf. Regts. Nr. 70, unter Entbind. von der Stellung als Lehrer bei der Kriegsschule in Neisse, dem gedachten Regt. aggregirt. Herr, Hauptm. und Comp. Chef vom Gren. Regt. Nr. 9, unter Stellung à la suite dieses Regts., als Lehrer zur Kriegsschule in Neisse verseßt. Reimers, Pr. Lt. vom Kolberg. Gren. Regt. Nr. 9, zum Hauptm. und Comv. Chef, v. Rodbertus, Sec. Lt. von dems. Regt., zum Pr. Lt., befördert. Enderlin, Hauptm. aggreg. dem Gren. Regt. Nr. 110, auf ein Jahr zur Dienftleist. bei dem Nebenetat des Großen Generalstabes kommandirt. Scheidel, Sec. Lt. vom Train-Bat. Nr. 9, in das Inf. Regt. Nr. 128 vérseßt. :

Abschiedsbewilligungen. Imaktiven Heere. Berlin, 7. April. Jan>e, Hauptm. a. D., zuleßt Comp. Chef im Inf. Regt. Nr. 46, der Charakter als Major verlichen. 9, April, p. Roux, Sec. Lt. von der 2. Ingen. Inasp., als Halbinval. mit Pens. ausgeschieden und zu den beurlaubten Dffizn. der Landw.

Pion. übergetreten. Königlich Bayerische Armee. .

Im Sanitäts-Corps. 7. April. Dr. v. Schröder, Gen. Arzt 1. Kl., Corps-Arzt des I. Armee-Corps, unter Verleihung des Ranges als Gen. Major, der erbetene Abschied mit Pension be- willigt. Dr. Müller, Ober-Stabsarzt 1. Kl, und Regts. Arzt vom 4, Inf. Regt., als Garn. Arzt zur Kommandartur Würzburg, Dr. Mozilewsky, Ober-Stabsarzt 2. Kl. vom 8. Jef. Regt., als Regts. Arzt zum 4. Inf. Regt. unter Verleihung eines Patents seiner Charge, Dr. Hauer, Ober-Stabsarzt 2. Kl., Garn. Arzt der Kom- mandantur Augsburg, zum 10. Inf. Regt., Dr. Vo>e, Ober-Stabs- arzt 2. KI., Regts. Arzt vom 10. Inf. Regt., in gleicber Eigenschaft zum 2. Feld-Art. Regt. verseßt. Dr. Henke, Ober-Stabsarzt 1. Kl. und Regts. Arzt des 9. Jnf. Regts., mit Wahrnehmung d. divisions- ärztl. Funktion bei der 4. Division beauftragt. Dr, Friedri, Gen. Arzt 2. Kl., Corps-Arzt des I1. Armee-Corps, z. Gen. Arzt 1. Kl., Dr. Mohr, Ober-Stabsarzt 1. Kl. und Regts. Arzt vom 2. Feld- Art. Regt., als Corps-Arzt des I. Armee-Corps, zum Gen. Arzt 2, Kl, Dr. Herrmann, Assist. Arzt 1. Kl. vom 2. Fuß-Art. Regt., im 8: Inf. Regt, Dr. Köls<, Assist. Arzt 1. Kl. ‘vom 3. Jäger- Bat., im 10. Inf. Regt., zu Stabsärzten, Dr. Baudrerl, Assist. Arzt 2, Kl. im 10.-Inf. Regt.,, Dr. Schuster, Assist. Arzt 2. Kl. im 1. Feld-Art. Regt., zu Assist. Aerzten 1. Kl., v. Reit, Assist. Arzt 2. Kl. im Beurlaubtenstande, zum Assist. Arzt 1. Kl. des Be- urlaubtenftandes, Edelbro>, Dr. Willerding, Maul, Trier, Hebe. Dy De, Dr, Geraer, Parz orto. Dr Pola e, Unterärzte der Reserve, zu Assistenz - Aerzten 2. Kiasse des Beurlaubtenstandes befördert. Dr. Kühbacher, Ober-Stabsarzt 1. Klasse und Regiments - Arzt des 16, Jrfanterie-Regiments, Dr. Maiberger, Ober-Stabsar:t 1. Kl, und Regts. Arzt des 2, Sbweren MReiter-Regts.,, Dr. Ferber, Ober-Stabsarzt 2. Kl., als Regts. Arzt des 15, Inf. Regts. ein Patent ihrer Charge ver- lichen. Dr, Mayrhofer, Ober-Stabsarzt 2. Kl. und Regts. Arzt des 18. Inf. Regts, Dr. Ebenhs<, Ober-Stabsarzt 2. Kl. und Regts. Arzt des 2. Chev. Regts., der Charakter als Ober-Stabéêarzt 1. Kl, Dr, Vogl, Stabsarzt des Inf. Leib-Regts., Dr, Wigand, Stabsarzt des 14. Inf. Regts., den Charakter als Ober-Stabsarzt 2, Kl. verliehen. 8. April. Dr. Manger, Assist. Arzt 2. Kl, e L Ulan. Regts,, in den Beurlaubtenstand des Sanität8corps yer]eßzk.

XELL. (Königli}h Württembergisches) Armee-Corps.

Crnennungen, Beförderungen und Verseyzungen. Im aktiven Heere. 3, April. Simon, Königl. preuß. Sec. Lt. a. D., zuleßt im Inf. Regt. Nr. 83, bei dem Armec-Corps, und zwar als Sec. Lt. bei dem Inf. Regt. Nr. 125 mit einem Patent vom 13. November 1883, angestellt. 7. April. \. Marval, Sec. Lt. der Res. im Ulan. Regt. Nr. 19, im aktiven Heere, und zwar als Sec. Lt, bei dem Ulan. Regt. Nr. 19 mit einem Patent vom 1. April d. I., angestellt.

Im Beurlaubtenstande. 7. April. Wendler, Pr. Lt. von der Landw. Inf. des 2. Bats. Landw. Regts. Nr. 119, zum Hauptm. befördert. -

Abschiedskewilligungen. Imaktiven Heere. 7. April. Jung, Sec. Lt. im Drag. Regt. Nr. 26, ausgeschieden, unter gleih- zeitigem Ueberitt zu den Res. Offizn, des Regts. Martin, Sec. Lt. im Inf. Regt. Nr. 121, der Abschied mit Pens. und mit der bec vem unter Verleihung des Charakters als Pr. Lt., be- willigt.

Im Beurlaubtenstande 7 April: Neibel/ Pr. LE von der Landw. Kav. des 1. Bats, Landw. Regts. Nr. 122, M 6 h- ler, Pr, Lt. von der Landw. Inf. des 1. Bats. Landw. Regts. Nr. 124, Stütner, Pr. Lt. von der Landw. Inf. des 2. Bats. Landw. Regts. Nr. 122. Bin der, Pr. L. der Res. des Ulan. Regts. Nr. 20, Weit el, Pr. Lt. der Res. des Pion. Bats. Nr. 13, Breuninger, Sec. Lt. von der Landw. Inf. des 2. Bats, Landro. Regts. Nr. 124, Köhler, Secc. Lt. von der Landw. Inf. des 1, Bats. desselben Landw. Regts., Ne l e, Sec. Lt. von der Landw. Inf. des Res. Landw. Bats. Nr. 127, Alber, Sec. Lt. der Res. des Pion. Bats, Nr. 13, Mo sthaf, Sec. Lt. von der Landw. Inf. des 1, Bats. Landw. Regts. Nr. 124, Hartmann, Bach, Sec. Us, von der Landwehr-Infanterie des 2, Bataillons dessel- ben Landwehr - Regiments, der Abschied bewilligt. Lauer, Reichert, Sec. Lts. von der Landw. Inf. des 2, Bats. Landw. Regts. Nr. 121, Kleber, Glaß, Sec. Lts. von der Landw.

« Inf. des Res. Landw. Bats. Nr. 127, Lendle, Sec. Lt. von der band. Inf. des 1. Bats. Landw. Regts. Nr. 121, der Abschied ewilligt.

Im Sanitäts-Corps. 7. April. Frueth, Assist. Arzt 1, Kl. im Inf. Regt. Nr. 125, der Abschied mit Pens, Breit, Assist. Arzt 1. Kl. der Landw. im 2. Bat. Landw. Regts, Nr. 122, der Abschied bewilligt.

namen

Nichtamlliches.

Preußen. Berlin, 15. April. Jm weiteren Verlaufe der gestrigen (76.) Sißung des Reichstages wurde die zweite Berathung des Entwurfs eines ar ideef be- treffend die Abänderung des Zolltarifgesetzes vom 15. Juli 1879, fortgeseßt.

Die Berathung begann bei Nr. 7 des Tarifs. Nach der Novelle sollen gewisse Asbestwaaren, die bisher zollfrei waren, verzollt werden und zwar Pappe aus Asbest umgeformt mit 10 M, gesormt mit 24 6, Garne, Schnüre 2c. aus Asbest mit 24 , Gewebe mit 40 M, anderweitige Asbestfabrikate mit 60 /6 Jn dieser Position, die im Uebrigen au<h Erden,

Ferner beantragte der Abg. Biehl, Cement mit einem Zoll von 30 „S für 100 kg zu belegen. :

Endlich beantragte der Abg. Brömel, einen Zoll auf Pappe aus Asbest ungeformt 5 #, geformt 10 # zu legen; ferner beantragte derselbe auf Asbestgewebe, welche bisher mit 3 Á6 verzollt waren, einen Zoll von 24 Æ, für Garne und Schnüre 12 M s | Der Abg. Brömel befürwortete feinen Antrag; er bitte an diese Nummer nicht mit religiösen Ans<auungen heranzu- treten, obwohl die Petition eines Asbestfabrikanten seine Sache mit der Bemerkung empfehle, daß der Asbest, den derselbe verarbeite, bereits in der Bibel als vorzüglich gerühmt werde. Die Vorlage bringe hier eine Neuerung, deren - Berechtigung er durchaus ni<ht vollständig bestreite. Der gegenwärtige Zustand sei in der That niht wohl auf- re<t zu erhalten. Der Tarif von 1879 habe auf Asbest überhaupt keine Nücfsiht genommen, weil die Asbestwaaren damals nur eine sehr geringe Rolle gespielt hätten ; aber bald habe man sih genöthigt gesehen, sie irgendwie und zuweilen auf etwas gezwungene Weise in sehr verschiedenen Positionen des amtlihen Waarenverzeichnisses* Unter den Artikeln der Papier-, Steinwaaren- und Textilindustrie unterzubringen. Die neue Klassififation der Vorlage sci daher durchaus zu’ empfehlen, und er beantrage nur die Herabseßung der Zollsäße, weil dieser Artikel ganz wesentli<h gewerblichen Zwe>ken und der einheimis<hen Produktion als wichtiges Hülfs- und Schußmittel diene. Als unverbrennli<h würde dieser Artikel in immer größerem Umfange überall ba ange- wendet, wo ein starker Hißegrad entstehe und gegen Hiße sehr widerstandsfähige Dichtungen und Schußhüllen gebraucht wür- den. Diese Nücfsicht sollte der auf einige wenige Fabrikanten voranstehen, die in ihren Petitionen eine Preissteigerung für ihre Waare ganz offen verlangt hätten. Dieselben hätten ihr Rohmaterial zum großen Theil aus Kanada be- zogen, wo die Agsbestgrubenbesißer selbst Fabrikan- ten seien und diese Amerikaner hätten nun gegen die deutshen Asbestsabrikanten ein s{<limmes Manöver ins Werk geseßt: dieselben hätten den Preis für Rohasbest re<t hoh gehalten und den für Asbesiwaaren möglichst niedrig. Vielleicht würden sih die wenigen Grubenbesißer in Amerika zu einem Ring zusammenschließen. Aber die beiden Fabriken in Deutschland, um die es sih überhaupt hier handele, könnten unter dem Schuß des hohen Zolles einen ebenso fürchterlichen Ring bilden, und jedenfalls sei die deutsche Zollgeseßgebung im Stande, sie gegen den hohen Preis des aus Amerika stammenden Rohmaterials zu süßen, der übrigens in den leßten fünf Jahren erheblih zurü>gegangen sei, Nun sei die Verarbeitung des Asbests auf deutshen Boden ganz er- freulich, aber dieses Ziel dürfe doh nicht erreiht werden auf Kosten der ganzen, großen Gewerbethätigkeit, die Asbest ver- wende. Es handle sih dabei wesentlih um Dichtungen solcher Dampsleitungen, in welchen ein Stoff verwendet werden müsse, der der Hiße widerstehe. Dazu gehöre vor Allem der wichtigste Artikel, die Asbestpappe Und-das Asbestpapier, für welche die Vorlage den Zoll um das -Hehr\ache, sein Antrag nur um das Fünffache erhöhen wole. Die Vorlage rechne no<h mit den Preisen von 1882, als der Doppel-Centner Asbestpappe no<h 400—450 Á# gekostet habe. Seit- dem habe sih diese Judustrie und der Verbrauch so ent- widelt, daß derselbe heute 120 M koste. Der von ihm beantragte Zollsay von 5 (6 slatt 10 M- sei also prozentuell immer no< höher als der doppelte Zollsaß dem Preise von 1882 gegenüber. Es handele sich hier ferner um zahlreiche Artikel, die zu Schußvorrichtungen für Arbeiter ver- wendet würden. Dahin gehörten namentlich die Asbesthand- \huhe (von denen Redner ein Paar vorzeigte), die zum Schuße von Verbrennungen der Hände in den Gießercien und Hoch- öfen dienten; ferner die Masken und Anzüge von Asbest. Ferner würden aus Asbestgeweben die Ueberzüge für Boote hergestellt, besonders au< auf Kriegsschiffen. Die Be- nußung des Asbesi bedeute einen wesentlichen ökonomischen und hbygienishen Fortschritt, und diese Rücksiht müsse man bei dem Zollsaße in den Vordergrund stellen; man dürfe mit dem Zollsay niht über ein verständiges, besheidenes Maß hinausgehen und die weitere Anwendung des Asbests nicht zu Gunsten einiger weniger Fabrikanten hemmen. Es sei vielmehr re<t eigentlih im Fnteresse der deutshen Fndustrie und Arbeiter, die Verwendung von Asbestwaaren möglichst zu fördern. Diesen Zwe>k suche sein Antrag zu erreichen, indem derselbe zugleih au< den Wünschen der Asvestfabri- kanten weit entgegen komme. :

Der Bundeskommissar, Geheime Regierungs-Rath Mosler entgegnete, die von den Regierungen vorgeschlagenen Zoll- säße seien bei allen einzelnen Positionen im Allgemeinen gering und geeignet, einerseits einer Vertheuerung der Waaren vorzubeugen, andererseits auch die inländische Fabri- kation namentlih in Pappen zu stärken. Die heimische Fabri- kation von Asbestpappe sei in neuerer Zeit für die inländische Maschinenindustrie und für alle Jndustriezweige, die mit Dampfkraft betrieben würden, besonders bedeutsam geworden. Er gebe zu, daß zur Zeit andere Preisverhältnisse vorliegen, als 1882, Jn Age der großen Konkurrenz, namentlih von amerikanisher Seite, sei eine Preisdrü>Eung herbeigeführt worden. Aber andererseits sei diese Preisdrü>ung im Aus- lande au dadur veranlaßt worden, daß dem Asbest andere Materialien mehr und mehr zugefügt worden seien und daß eine zunehmende Fälshung mit minderen Ersaßstoffen gerade vom Auslande bewerkstelligt werde. Man könne es der in- ländischen Produktion nahrühmen, daß sie sich im Allgemeinen befleißige reinere Asbestprodukte in den Handel zu_ liefern. Jm Jnlande würden meist Asbestprodukte von guter Qualität hergestellt, in England und Amerika meist nur gering- werthigere. Solchergestalt könne der Preisdru> vom Aus- lande leiht erzielt werden, der thatsählih eingetreten sei und der die inländishe Produktion hindere, in dem Maße, wie sie in der leßten Zeit fortgeschritten sei, au< weiter fortzu- \hreiten. : ;

Der Abg. Brömel erwiderte, daß ein hoher Asbestzoll es den Fabrikanten ermöglihen werde, auf dem inländischen

Preise hoh zu halten. Es sei ferner mehrfa<h bezweifelt worden, ob die Asbestartifel au< in vollem Maße Schuß gegen Feuersgefahr und Einwirkung großer Hiße Denjenigen, welche in dieser Hinsiht Mißtrauen hegen sollten,

1B

ermit E E s

böten.

könne er nur empfehlen, einen Versuch zu machen.

Die Diskussion wurde geschlossen.

Es folgte die Berathung des Antrags Biehl.

Der Avg. Sedlmayer befürwortete den Antrag Biehl auf

Erhöhung des Cementzolls, namentli<h mit Rücfsiht darauf, daß Oesterreih und die Schweiz einen Schußzoll für Cement eingeführt hätten, und daß in Süddeutschland viel Cement aus Oesterreich importirt werde. Die deutschen Werke würden den deutshen Cementbedarf recht gut allein de>en fönnen, es werde sogar schon gegenwärtig viel Cement aus Deutschland exportirt.

Der Bundeskommissar, Geheime Regierungs-Rath Kraut

entgegnete, die oberbaycrishe Fndustrie leide allerdings shwer, aber das seien dort Verhältnisse, die üm übrigen Deutschland nicht herrschten.

Deutschland habe eine weit größere Ausfuhr oan Cement, als Einfuhr. Die Frage, ob der Cement mit einem Zoll zu belegen sei, sei ja Gegenstand der Verhandlung bei den Reichsbehörden gewesen. Der Bundesrath habe sich dagegen erklärt. Die Gründe dafür seien namentlich diejenigen gewesen, welche von dem Verein der deutshen Cementfabriken bei ihrer Befragung angegeben seien. Dieselben hätten auf die sehr große Ausfuhr bei geringer Einfuhr aufmerksam gemacht und hôâtten befürchtet, daß dur< einen hohen Zoll Deutshland von dem Markte der Nachbarstaaten verdrängt werden würde. Diese Gründe seien vom Bundesrath für zutreffend erachtet worden und ein Antrag auf Einführung eines Cementzolles nicht eingebracht.

Der Abg. Münch beftritt gleichfalls, daß eine Nothlage hier vorhanden sei. Nur einige wenige Cementfabriken würden ein Interesse an dem Schutzoll haben. Die Aktien der meisten Cementfabriken ständen augenbli>lih weit über Pari, und die große Mehrheit der Jnteressenten wünsche keinen Schuß- zol; außerdem würde der Zoll den Cement erheblich ' ver- theuern. Damit würden niht nur für das Reich und die Einzelstaaten, sondern au< für alle Gemeinden, wilhe Kana- lisationen und andere öffentlihe Bauten vornehmen müßten, endli au< für jeden einzelnen Privatbauherrn, welcher Cement bedürfe, erheblihe Mehrausgaben erwachsen. Er dbe- dauere besonders, daß die Nationalliberalen, die sonst gegen jede Zollerhöhung eingetreten seien, den Antrag Biehl unter- stüßen würden.

Der Abg. Biehl erklärte, der Abg. Münch scheine ledig- lih seine hamburgishen Jnteressen vertreten zu haben. Für Norddeutschland möchte ein Bedürfniß na< dem Cementzoll nicht bestehen, wohl aber für die süddeutshen Cementfabriken, deren Absay nah der Schweiz neuerdings ers wieder dur< den dort eingeführten Schußzoll erheblih geschädigt sei. Er beantrage, um eine Verständigung über den Zoll zu erleich- tern, daß derselbe nur solle für den Cement gelten, welcher land- und flußabwärts eingeführt werde.

Der Abg. Brömel bemerkte, der Abg. Münch habe hier als Abgeordneter für Nassau gesprochen und niht für eine Seestadt, wie der Vorredner angenommen habe. Wenn au < vielleicht der Name Nassau an Feuchtigkeit erinnere, so habe bisher no<h Niemand geglaubt, daß es an der See gelegen sei. Die große Mehrheit der deutschen Cementfabrikanten wünsche den Zoll nicht, und namentlih habe si< der „Verein der deutschen Cementfabrikanten“ auf diefen Stant punkt gestellt. Der Jmport des Cements na Deutschland sei ganz erheblich heruntergegangen. Der englishe Cement, der früher 5/5 des Gesammtimports ausgemacht habe, mache jeßt nur no< ?/; aus. Andererseits werde bereits deutscher Cement in England eingeführt, und der deutshe Export habe si< ganz erheblich gesteigert. Den Antrag Biehl könne er nichl empfehlen. Der Zoll würde da- dur<h den Charafter eines aus\{ließlihen Retorsion8zolles er- halten, und auch hiergegen habe sih der Verein der deutschen Cementfabrikanten ausdrüdli< erklärt.

Hierauf ergriff der Staatssekretär des Reichs-Schaßamts von Burchard das Wort:

Meine Herren! J< will auf die Spezialitäten und auf die Art und Weise, wie der Herr Vorredner den Antrag kritisirt hat, niht näher eingehen. Wenn er insbesondere bemerkt hat, daß die Cementj{abriken ihre Faßdauben aus dem Ausland bezichen und dur den Holzzoll ihnen das’ Material zuc Verpa>ung vertheuert würde, so will ih nur hervorheben, wie ja bekannt ist, daß zur Verpa>ung von Cement gerade das s{le<tefte Holz gebrau<ht wird, daß man im Julande in ausreichender Fülle besißt, daß also von einer Ver- theuerung dur den Holzzoll nicht die Rede sein kann. : :

Was mich veranlaßt hat, das Wort zu ergreifen, sind die Gründe, die im Laufe der Diskussion von beiden Seiten zum Theil für, zum Theil gegen den Zoll geltend gemacht worden sind. Es ist dabei wiederholt hervorgehoben worden, daß es si< um eine Art Retorsionszoll handle gegen den österreichis<en Zoll. Meine Herren, die verbündeten Regierungen haben sich bei Ausarbeitung der Vorlage davon leiten lassen, daß es fih nit darum handelt, eine vollständige Revifion unseres Zolltarifs einzuleiten; sie haben vielmehr nur geprüft, roo Nothstände oder dringende Ursachen vorliegen, die zu Abänderungen des bisherigen Zolltarifs Anlaß geben könnten. Von diesem Stand- punkte haben fie si leiten lassen; fie haben sid deshalb beschränkt auf ein verhältnißmäßig geringes Gebiet der Neuerungen, wichtige Industriezweige aber vollfländig unberührt gelassen, und ih möchte, daß au der Schein vermieden würde, als ob wir hier Retorsions- zôlle gegen Oesterreich oder einen anderen befreundeten Staat machten. Dieser Anschein wird hier allerdings Ge dadur begründet, daß es sib gerade um Abwehr einer Einfuhr aus Defterreich handelt, und i< glaube, daß es unsre Aufgabe ist, Schubßzöólle nur insofern einzuführen und sie nur so ho< zu normiren, als es das inlän- dische, eigene, dringende allgemeine Bedürfniß erbeisht, daß wir uns aber hüten müssen, darüber hinaus Zölle einzuführen, oder zu erhöhen, die nicht em dringenden allgemeinen Bedürfniß. entspreden und die doch wenistens der Mißdeutung ausgesetzt find, als ob sie Aggressivzölle gegen befreundete benachbarte Staaten wären,

Meine Herren, ih halte dieses Prinzip für unsere Interessen von großer Wichtigkeit und möchte Sie bitten, das au< zu erwägen. Wir werden au< den Anschein vermeiden müssen, als ob wir über das dringende cigene Bedürfniß hinaus Zölle einführen wollten, die ledige lih oder bauptsähli< einem befreundeten Nachbarstaate gegenüber als aggressive oder zur Abwehr bestimmte angesehen werden könuten.

Erze, edle Metalle zollfrei läßt, beantragte der Abg. Dr, Del- brü>, Schlammkreide mit 1 s zu verzollen,

Markte im Widerspruch mit den Preisen des Weltmarktes die !

Dann möchte ih mich aber auch event, dagegen aussprechen, daß: