1885 / 92 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Die „Nordd. Allg. Ztg.“ veröffentlicht folgende Alle r- höchste Ordre:

Fch habe aus Jhrem Berichte vom 4. d. M. zu Meiner Freude ersehen, daß von einem aus Deutschen aller Stände bestehenden Comité dur Sammlungen im ganzen Deutschen Reiche die Summe von 1 200000 M aufgebra<t und aus Anlaß Ihres 70jähzigen Ge- burtstages am 1. April d. J. Ihnen an diesem Tage für öffentliche Zwc>e zur freien Verfügung gestellt worden ist. Jhrem Antrage entsprehend, will Jh Sie hierdur<h gern ermächtigen, jene obige Summe, fowie die no< zu erwartenden, gegenwärtig no< aus- stehenden weiteren Ergebnisse der Sammlung anzunehmen, und über- lafse Ihnen, Mir seiner Zeit von Ihrer Absicht über die Verwendung der Spenden Mittheilung zu machen.

Berlin, den 9. April 1885.

Wilhelm. von Boetticher. An den Reichskanzler Fürsten von Bismark.

Der Bundesrath hat in seiner Sißung vom 16. d. M. beschlossen: 1) die unter Nr. T. 1 des Beschlusses des Bundesraths vom 20. Februar d. J. getroffene Anord- nungs, daß der frühere geringere Zollsaß auf Grund eines vor dem 15. Januar d. J. abgeshlossenen Vertrages nur dann in Anspruch genommen werden kann, wenn dur< diesen Vertrag die unmittelbare Lieferung der Waare nah dem Zollinlande bedungen worden ist, dahin zu deklariren, daß, ab: gesehen von den fonstigen Bedingungen, die Bestimmungen des $8. 1 Absay 2 des Geseßes vom 20. Februar d, F. auch auf solhe Waaren Anwendung finden, welche über Häfen des Zoll- auslandes eingesührt werden, wenn der Nachweis erbracht wird, daß aus der Zeit vor dem 15. Januar d. J. Thatsachen vorliegen, aus welchen hervorgeht, daß die Waaren schon damals zur Einfuhr in das Zollinland bestimmt waren ; 2) die Prüfung der Thatsachen, aus welchen hervorgehen soll, daß die Waare schon vor dem 15. Januar d. J. zur Einfuhr in das Zollinland bestimmt war, im einzelnen Falle den obersten Landesfinanzbehörden zu ütertragen; 3) daß die in Rede stehenden Sendungen bei der Umladung in den aus- ländischen Häfen weder eine Lagerung noch eine unkontrolirte Umpa>ung erfahren dürfen.

Der Ausschuß des Bundesraths für Justizwesen trat heute zu einer Sißung zusammen.

Der Sdclußbericht über die vorgestrige Sißung des Reichstages befindet si<h in der Ersten Beilage.

Jn der heutigen (81.) Sißung des Reichstages, welcher der Staatssekretär des Reihs-Schaßamts, von Burchard, sowie mehrere andere Bevollmächtigte zum Bundesrath nebst Kommissarien desselben beiwohnten, wurde die zweite Be- rathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Abänderung des HYolltarisgeseßes vom 15. Juli 1879, fortgeseßt, und zwar mit Position 38 des Tarijs: Thonwaaren.

Die Abgg. Dr. Frege und Letocha beantragten, die Po- sition mit sämmtlichen Anträgen und Petitionen an die Kom- mission zu verweisen, welche mit der Berathung der Holzzölle beauftragt ist.

Die Abgg. Schrader und Richter widersprachen der Ver- weisung an die Kommission und au< dem Vorschlage des Präsidenten, vor Fortsezung der Debatte über diesen Antrag der Abgg. Letoha und Frege abstimmen zu lassen.

Als der Präsident den Beschluß des Hauses herbei- führen wollte, bezweifelte der Abg. Grillenberger die Beschluß- fähigkeit des Hauses. Da das Bureau diesen Zweifel theilte, wurde der Namensaufruf vollzogen, welcher die An- engee von 200 Mitgliedern, also die Beschlußfähigkeit ergab.

Die Position wurde darauf an die bezei<hnete Kommission verwiesen.

Bei Swhluß des Blatts wurde die Berathung der Nr. 39 des Tarifs (Vieh zölle) begonnen,

In der heutigen (55.) Sizung des Hauses der Abgeordneten, welcher der Vize-Präsident des Staats- Ministeriums, Minister des Fnnern, von Puttkamer, nebst Kommissarien beiwohnte, theilte der Präsident dem Hause mit, daß als Vorlage der Gesetzentwurf, betreffend eine Erweiterung der dem Finanz-Minister ertheilten Ermäch- tigung in Bezug auf die Anleihen verstaatlichter Eisenbahnen, eingegangen fei.

Das Haus trat hierauf in die Tagesordnunz ein, deren alleiniger Gegenstand die zweite Berathung des Entwurfs einer Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau, sowie des Entwurfs eines Gesetzes über die Einführung der Provinzialordnung vom 29. Juni 1875 in der Provinz Hessen-Nassau, war. Die Berathung wurde begonnen mit Anlage A: Verzeichnisse der Kreise in der Provinz Hessen-Nassau. Die Nummern 1—9 der Anlage wurden ohne Debatte nah dem Vorschlage der Kommission angenomnien,

Zu Nr. 10 der Anlage (Landkreis Hanau) lag folgender Antrag des Abg. Flinsh vor:

Zu $. 1 der Kreisordrung, Anlage A, Verzeichniß dr Kreise in der Provinz Hesscn-Nafssau:

1) bei I. Regierungsbezirk Kassel Nr. 10:

6 ages nah dem Worte „Preungesheim“ „Berkers- eim“ und demgemäß

2) bei II. Regierur gsbezink Wiesbaden, Nr. 16, Akbsay 4:

einzufügen nah dem Worte „Preungesheim“ „Berkersheim“.

Des Weiteren beantragte der Abg. Gößmann :

I. Jn der Anlage A zu $. 1:

a. Bei I. Nr. 10 (Landkreis Hanau): die Worte: „und Se>kbach“ und b. bci IL. Nr. 16 (Landkreis Frankfurt a. M.):

__ im 4. Absate das Wort „Se>kbach“ zu streichen,

IT. Jm $, 118 Absaß 1 den zweiten Sah so zu fassen :

__Zu dem gleichen Zeitpunkte wird der Gemeindebezirk Prcunges- heim unter Abtrenrung von dem Amtsgerichtsbezinke Bergen mit dem Bezirke des Amtsgerichtes zu Bo>kenheim vereinigt.

__Nah kurzer Debatte, an welcher si< die Abgg. Flinsch, Gößmann, Rübsam, Dr. Enneccerus, Dr. Grimm und Wester- burg und von Seiten der Regierung die Regierungskommissare, Geheimer Regierungs-Rath Halbey und Geheimer Justiz- Rath von Wilmowski betheiligten, wurde der Antrag Göß- mann abgelehnt, der Antrag Flinsh dagegen und der Kommissionsbeshluß mit der dur<h den Antrag Flinsch ge- gebenen Modifikation bei Schluß des Blaties angenommen.

Die Bestimmung des $. 23,2 des Reichs-Stempel- gesehes, nah wel<her nur eineOrdnungs strafe von 3 bis 30 M eintritt, wenn nachgewiesen wird, daß eine Steuerhinter- ziehung niht beabsichtigt worden sei, findet na< einem Urtheil des Reihsgerihts, Ill. Strafs., vom 22. Januar d. J., au<h dann Anwenduna, wenn der Jrrthum auf Un- kenntniß des Stempelgeseßes und seines Tarifs beruht, also beispielsweise au dann, wenn der Kontravenient sih im Frr- thum über die Stempelpfliht der von ihm nit gestempelten Werthpapiere befand.

Die Bestimmung des È: 128 der Strafprozeßordnung, nah welcher der wegen einer Strafthat polizeilih Festge- nommene unverzügli<h dem Amtsrichter vorzu- führen ift, hat nah einem Urtheil des Reihsgerichts, IV, Strafseuats, vom 12, Dezember v. J., nur den Sinn, daß die Vorführung ohne jeden unnügen, ungerechtfertigten Verzug geschehen soll. Der festnehmende Polizeibeamte ver- stößt demnah ni<ht ohne Weiteres gegen obige Bestimmung dur< Zurückhaltung des Festgenommenen bis nah der Auf- nahme eines Protokolls über den Hergang der Festnahme.

An Zöllen und gemeins<hafstli<hen Ver- brauchssteuern sowie anderen Einnahmen sind im Reich für die Zeit vom 1. April 1884 bis zum Swhlusse des Mo- nats März 1885 einschließli<h der fkreditirten Beträge (und verglichen mit der Einnahme in demselben Zeitraum des Vorjahres) zur Anschreibung gelangt : Zölle 230 785 251 M (—+ 22 921 952 46), Tabadsteuer 9 316 156 M (+ 1 560 634 46), Rübenzu>ersteuer 52 337119 #4 (+ 1889197 #4), Salz- steuer 39 035 884 # (+ 488340 M4), Branntweinsteuer 44351576 Æ (+ 1 282 023 M), Uebergangsabgaben von Branntwein 128442 # (—+ 13731 M), Braujteuer 19 212 891 M (+ 670 976 M6), Uebergangsabgaben von Bier 1797 770 M (+ 223 977 M); Summe 396 965 089 (+ 29 050830 M). Spielkartenstempel 1101 292 # (+41 423 M6), Wedhselstempelsteuer 6 780 868 M (— 15139 M), Stempelabgabe für Werthpapiere, Schlußnoten, Rechnungen und Lotterieloose 13359 277 4/6 (+ 211 620 M).

Die zur Reichskasse gelangte Fs - Einnahme, ab- züglich der Ausfuhr-Vergütungen und Verwaltungskosten, be- trägt bei den nachbezeihneten Einnahmen bis Ende März 1885: Zölle 208 260 940 6 (+ 17 397 309 A6), Tabad>- steuer 8445465 Æ (+ 707230 M), Rübenzu>ersteuer 32 670 770 M (— 5195 383 MÆ), Salzsteuer 38 513 960 6 (+ 592 255 M4), Branntweinsteuer und Uebergangsabgabe von Branntwein 38 312 928 /6 (+ 4 013805 46), Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 17 804 781 46 (4-757 119 4); Summe 344 008 844 M (+ 18 272 335 46). Spielkartenstempe!l 1 032 634 A (+ 24362 A).

Amtlichen Nachrichten zufolge hat der nieder- ländishe Finanz-Minister unter dem 27. März d. F. die Verfügung getroffen, daß nur diejenigen Qualitäten Karel- und Schier-Tuch als Segeltu< frei von Einfuhrzoll zugelassen werden scllen, welche zur Anfertigung gewöhnlicher Schiffssegel geeignet sind. Jn zweifelhasten Fällen kann die Entscheidung des FinFnz-Ministers angerufen werden. Ge- gebenen Falls soll di? Wagre, in Erwartung dieser Ent- scheidung, nê< HinteÄlegung des Einfuhrzolles für „Manu- fakturwaaren“ ihrem Bestimmungsort zugesührt werden können.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Fürstlich reußische Geheime Regierungs-Rath von Geldern-Crispen- dorf ist hier angekommen.

S. M. Kreuzer - Korvette „Olga“, Kommandant Korv. Kpt. Bentemann, isst am 19. April cr. in St. Vincent (Kap Verdes) eingetroffen und beabsichtigt, am 24. April cr. die Heimreise fortzusetzen.

Die von Kamerun herrührenden zahlreichen Fieber-Erkran- kungen scheinen gehoben. Der Kommandant meldet: an Bord Alles wohl,

Bayern. München, 18. LApril. (Allg. Z‘g.) Der Finanz-Minister Pr. von Riedel is heute früh von Bozen, wo sih derselbe zwei Wochen zur Rekonvaleëcenz auf- hielt, im besten Wohlsein zurückgekehrt und hat die Leitung des Finanz-Ministeriums wieder Übernommen.

Baden. Karlsruhe, 18. April. (Karlsr. Zig.) Jhre Majestät die Kaiserin von Desterreich traf heute Mitiag 123/, Uhr, begleitet von dex Erzherzogin Valerie, hier ein, Jhre Königlihen Hoheiten der Großherzog, die Groß- herzogin und der Erbgroßherzog empfingen die Kaiserin am Bahnhof. Jhre Majestät hatte jeden feierlichen Empfang abgelehnt; der Großherzog trug die Uniform seines österreihishen Regiments, erschien aver sowie auch der Erbgroßherzog ohne großes Ordensband. Fn den bereitstehen- den Wagen geleiteten die Großherzoglichen Herrschaften die Kaiserin und die Erzherzogin sodann in das Großherzogliche Schloß. Gegen 1 Uhr fanden si<h im Schlosse zum BesUG). dex Kaiserin ein: dexr Prinz Und die - Prins zessin Wilhelm mit der Prinzessin Mary und dem Poien Var, 0e de Pun Call mit emer ZBemayhlin, der Gräfin Rhena. Nachdem sih die zum Besuch erschienenen hohen Herrschaften bei Fhrer Majestät verab- schiedet hatten, geleiteten Jhre Königlichen Hoheiten die Kaiserin in die Appartements dexr Großherzogin, wo ein Dejeuner servirt wurde, während für das Gefolge eine Mar- schallstafel stattfand. Um 2 Uhr 25 Minuten kehrte die Kaiserin nah Heidelberg zurü>k, nachdem Allerhöchstdicselbe von dem Großherzog, der Großherzogin und dem Erbgroß- herzog, welhe Jhre Majestät nah dem Bahnhof geleiteten, herzlihen Abschied genommen hatte,

Oesterreich-Ungarn. Wien, 18. April. (W. T. B.) Der König von Schweden ist auf der Rückreise von Kon- stantinopel heute Nahmittag hier eingetroffen und von dem Kaiser. sowie von dem Personal der shwedishen Gesandt- schast und dem türkischen Botschaster am Bahnhose empfangen worden. Nachdem der Kaiser mit dem Könige die Front der aufgestellten Ehrencompagnie abgeschritten war, deren Musik- corps die {wedis<he Nationalhymne spielte, begleitete ec den König nach dessen Absteigequartier im Hotel der s{wedischen Gesandischast. Später machte der König dem Kaiser einen Gegenbesuch und empfing na< seiner Rüd>kehr die Besuche der Erzherzöge. Í s

(Wien. Abdp.) Das Herrenhaus hat in seiner gestrigen Sißung eine Reihe von Geseßvorlagen, darunter fünf, welhe den Bau von Lokalbahnen betrafen, ohne Debatte

in zweiter und dritter Lefung zu Beschlüssen erhoben. So- dann gelangten mehrere Petitionen zur Erledigung.

Pest, 17. April. Der Wehrauss<huß des Abgeord- netenhauses acceptirte den Geseßentwurf über die Or- ganisirung eines Landwehr-Aerzte-Corps unverändert.

Belgien. Brüssel, 18. April. (W. T. B) Der „Etoile belae“ meldet: das Kabinet habe beshlo}sen, am näcsten Dienstag den Kammern den Geseßentwurf vorzulegen, welher den König zur Annahme der Sou ve- ränetät über den Congostaat ermähtigt. Die Ma- jorität in beiden Kammern sei gewillt, dem Gesehentwurf zu- zustimmen.

Großbritannien und Jrlaud. London, 17. April (Allg. Corr.) Der Prinz und die Prinzessin von Wales verließen auf ihrer Reise in Jrland gestern Nach: mittag Convamore und begaben sih zu einem dreitägigen Besuch der Seen na< Killarney. An allen Eisenbahn- stationen längs der Noute hatten si<h große Menschenmengen zusammengefunden, welhe Jhren Königlichen Hoheiten ein herzlihes Willkommen bereiteten. Jn Killarney selbst war zum Empfange der hohen Gäste nur wenig gethan, und nah- dem der Prinzessin ein Bouquet überreicht worden, fuhren Jhre Königlichen Hoheiten nah Kenmare House, wo sie von dem Vice-König empfangen wurden.

18, April. (W. T. B.) Jn einem von heute datirten, an den Verein für ein internationales Friedens- und Schieds- gericht gerichteten Schreiben nimmt Gladstone Akt von der durch diesen Verein beschlossenen, eine \schiedsrichte: liche Entscheidung betreffenden Resolution, erklärt aber gleich- zeitig, er wisse keinen Grund, weshalb eine ehrenhafte Ent- scheidung niht au< auf dem gewöhnlichen diplomatischen Wege solle erreicht werden können.

__— 19. April, Morgens. (W. T. B.) Gestern Abend fand hier ein Bankett der zu Ehren Lord Beaconsfields organisirten Vereinigung von Wählern satt, an welchem zahlreihe konservative Mitglieder des Par- laments theilnahmen. Der Deputirte Ch ur<ill hielt eine Ansprache, in welher er nachzuweisen suchte, daß die unter den Eingeborenen in Jndien entstandene Be- wegung durh das „böswillige Vorgehen Rußlands“ hervor- gerufen worden sei. Der Redner meinte weiter: wenn die gegenwärtigen Verhandlungen mit Rußland nicht zu den Re- sultat führten, den feindseligen Plänen desselben ein für alle Mal ein Zicl zu seßen, so würde die englische Herrschaft einen tödtlihen Sdtlag erhalten und die Vernichtung der britischen Macht wäre nur eine Frage der Zeit.

420. April, früh. (W. T. B.) Das Kabinet tritt heute zu einer Sizung zusammen, um über den Bericht Lumsdens, betreffend das Gefecht von Pendjeh, zu berathen.

Frankreich. Paris, 17. April. (Fr. C.) Zum Finanz- Minister ist, wie die bereits im heutigen „Journal officiel“ veröffentlihien Dekrete melden, der bisherige Minister der öffentlihen Bauten, Sadi Carnot und an des Leßteren Stelle der Senator Demole ernannt. Herr Demole war Referent über das Gemeindegeseß und das Geseß, betreffend die Wiedereinführung des Listenskrutiniums.

18, April. (W. T. B.) Die „Agence Havas“ meldet: Der Minister-Präsident de Freycinet hat dèIm Ministerkath (it der afghanti)chen rage Depeschen mitgetheilt, aus denen hervorgeht, daß die friedli<hen Dispositionen das Uebergewicht zu haben \chcinen. Der Gesandte Patenôtre ist von dem Minister - Präsidenten angewiesen worden, si< nah Tientsin zu begeben und an den Verhandlungen mit China theilzunehmen. Der jüngste Angriff der Chinesen auf Kep ist ledigli<h den Schwierigkeiten zuzuschreiben, mit denen die Uebermittelung von Befehlen an die Befehlshaber der chinesishen Truppen verbunden is; die Ausführung der eFriedenspräliminarien wird dadur< in keiner Weise beein- flußt werden.

Ein Telegramm des Generals Brière de [l’Jsle, von gestern, sagt: im Laufe des vorhergehenden Tages hätten sih <hinesishe Unterhändler bei den Vor- posten von Kep eingestellt, um die Versiherung abzugeben, daß die Briefe des Generals Brière dem kommandirenden General nach Langson zugesandt worden seien; am Abende dieses Tages hätten französishe Emissäre ein Zurüclgehen der Chinesen nah Norden konstatirt. Vor Chu hat sih nichts Neues ereignet ; er (Brière) fahre fort, die Piraten- banden in der Gegend von Sontay und Bachat zu zer- ssttreuen.

Zum Unter-Staatssekretär im Kriegs-Ministe- rium ist der Deputirte Godefroy Cavaignac ernannt worden.

19. April. (W. T. B.) Alle Blätter berichten: die spanische Botschaft erkläre das von einec hiesigen Zeitung gebrahte Gerücht von Ruhestörungen in Spanien sür gänzlich unbegründet.

Die „Bgence Havas“ meldet: Das Ministerium des Auswärtigen ijt amtli<h benachrichtigt worden, daß die „P ekinger Zeitung“ vom 13. d. M. ein vom 6, d. M. datirtes Dekret publizirt hat, in wel<hem die Konvention von Tientsin genehmigt und den <cinesishen Truppen die Räumung von Tongking anbefohlen wird. Die Blokade von Formosa ist am 16. d. M. aufgehoben worden.

Serbien. N i, 18. April. (Wien. Ztg.) DieCyrill-: und Methud-Jubelfeier wurde heute im ganzen Königreich be- gangen. Der König wohnte dem Gottesdienst in der Nischer Kathedrale bei. :

19. April. (W: T. B) Be STUps{<ttna ist heute von dem König mit einer Thronrede eröffnet worden, wel<he zunächst der Reise des Königs zu den Manövern in Oesterreih und der denselben von dem Kaiser Franz Joseph gewährten Gasisreundschast gedenkt, was auch dem Ansehen Serbiens förderlih gewesen sei. Die Thronrede erwähnt ferner den Besuh des Königs von Rumänien in Belgrad als einen Beweis für die guten, zwishen den beiden Nachbarstaaten be- stehenden Beziehungen. Was die getrübten Beziehungen zu Bulgarien anlange, so liege es leider niht an dem Könige und an der serbischen Regierung, wenn eine Beseitigung der Ursachen zu dieser Trübung no< nicht stattgefunden habe- Nach Aufzählung der zur Berathung bestimmten, verschiedene Kreditforderungen und Reformen - betreffenden . Vorlagen {ließt die Thronrede mit dem Ausdru> der Hoffnung, daß die Skupschtina ihre Arbeiten in demselben Geist erledigen

werde, von welchem dieselbe in der vorigen Session geleitet worden sei. Die Thronrede wurde von der Skupschtina sehr beifällig aufgenommen.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 18. April. W,. T. B.) Dem Vernehmen nach ist das Gutachten des Reichsraths genehmigt worden, daß in den Elementar- <ulen des Czarthums Polen die russishe Sprache als Unterrichtssprache, ausgenommen für den Religions- untcrriht der ausländischen Konfessionen Angehörigen, also auch für den katholischen Religionsunterricht, eingeführt werde. Die Muttersprache bleibt Lehrgegenstand.

Die Methodiusfeier hat heute begonnen. An der Prozession von der Kasan-Kathedrale nach der Jsaaks: Kirche nahmen Theil : die Geistlichkeit, darunter der montenegrinische Bischof Ban, der bulgarische Bischof Kliment, die Munizipalität, die Gewerke, der slavishe Wohlthätigkeitsvercin, ruthenische Ver- treter, ruthenishe Bauerndeputirte und eine Deputation der hier lebenden Czcchen. Die Straßen, dur welche die Prozession sih bewegte, waren festli<h ges<hmüdt, der Andrang des Volkes sehr groß, Dem Festgottesdienst in der Jsaaks-Kirche wohnten der Kaiser, die Kaiserin, alle zur Zeit hier weilenden Mitglieder des Kaiserlihen Hauses, der Hofstaat, die Spigzen der Civil- und militärishen Behörden, sowie der serbishe und der griechische Gesandte bei. Auch in allen übrigen orthodoxen Kirchen fanden Festgottesdienste, in den Schulen feierlihe Akte statt. Das Militär ist vom Dienste dispensirt. | -

19 Ii (W T. B) Me de Noroii0e Telegraphen: Agentur“ meldet, s{hreitet die Ausrüstung der Kriegsschiffe in Kronstadt fort und ist heute der Befehl gegeben worden, daß alle dortigen Kriegsschiffe sih bereit halten follen, in See zu gehen.

Meittel-Amerika. (W. T. B) Nach in Mos am 19. d. M. eingegangenen Meldungen betrug der Verlu st des Heeres von Guatemala in der Schlacht von Chal- huapa 1800 Mann; die Truppen von San Salvador haiten circa 50 Todte und 150 Verwundete,

Mien. China. Tientsin, 19, April. (W. L.-D.) Die Unterhandlungen zwischen China und Japan wegen Corea's haben zu einem gestern unterzeihneten Pro - tokoll geführt, na<h welchem die <inesishen und die japa- nischen Truppen von Corea zurückgezogen werden, und Japan auf cine Entschädigung verzichtet. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung auf Corea soll eine Gensd’'armerie unter dem Befehl fremder Offiziere gebildet werden.

Afrika. Egypten, Kairo, 18 2 (B &. D) Ein Telegramm des „Reutershen Bureaus“ meldet: Die französishe Regierung verlangt, daß ihr innerhalb zweier Tage eine Antwort auf ihre Forderung in Betreff der Wiedereröffnung der Dru>kerei des „Bosphore Egyptien“ gegeben und vaß der Polizei-Offizier, welcher den diplomati- schen Agenten gewaltsam aus der Dru>erei entfernen ließ, abgeseßt werde. Diese Forderungen werden dahin motivirt, daß der sranzösishen Regierung die Jurisdiktion über die betheiligten französishen Journale zustehe. Die egyptische Re- gierung hat no< nicht geantwortet. : /

Suakim, 16, April. (N. C) Von Iudien_ sind 1200 Kulis hierher unterwegs, um bei dem Bau der Eisen- bahn behülfli<h zu sein. Die Eisenbahn hat sih bereits für die Beförderung der Vorräthe nah der Front als sehr nüßlich erwiesen. Die Truppen, welhe Otao beseßt haben, werden vorläufig dort bleiben. Sie errichteten eine Zeriba.

GeneralGraham telegraphiri ausSuakim,vom 16.d., an den Kriegs-Minister: „Otao wurde heute von einem Bataillon Fnfanterie, einer Shwadron Kavallerie, zwei Berg- fanonen und einer Compagnie Sappeure beseyt, Der Feind leistete keinen Widerstand. Es wurde ein Gefangener gemacht.“

Zeitung®sftimmen.

Ueber die wirthschaftlihe Lage entnehmen wir der „Norddeutshen Allgemeinen Zeitung“ folgende Artikel :

Aus Dortmund wi1d uns geschrieben : :

Wahrhaft wohlthuend hat Ihr letzter Leitartikel vom 183. d. auf uns gewirkt: do< einmal ein ruhiges, wägendes Wort dem allgemeinen Klagestöhnen gegenüber, das vernünftigen Ansprücben keine Rechnung trägt und eigentli gewohnheits- ja gewerbsmäßig ausgestoßen wird. Welcher Industrie der Erde geht es denn- so gut, daß kein Werk ftill licgen müßte, daf keine Verluste vorkommen, daß es nie an Arkeit fehlt, ja daß man ohne Fleiß, ohne Umsicht, ohne Einschränkung darauf losleben könnte, wie in den {önen Jahren 1872—74? Und das ist leider der Kern der Sache; wir können das nicht vergessen, daß es einst gar so bequem war, nichts zu thun und viel zu verdienen.

Wer Thätigkcit u:.d Umsicht verbindet, hat auch in diesen Jahren gut verdient, und wer dabei sparsam gelebt hat, hat au< in diesen Jahren Geld zurü>gelegt; wer sih hierzu niht hat ents{ließen können, der suche die Schuld bei si und ni<t in den Verbältnisjen, die vielleiht \{wierig waren, aber von sehr Vielen glü>lih besiegt worden sind. Die Beispiele dafür sind niht vereinzelt, man muß sie aber ni<t dort suchen, wo der ganze Gewinn von cinem zahllosen Heere von Beamten aufgezehrt wird, wo der Atiionär nur den Unterhalt abgesehen vom Verwaltungsrathe für die Herren General», Haupt-, Äbtheilungsdirektoren, Prokuristen, Bureau- chefs, Kassirer, Buchhalter 2c. 2c. 2c. zu liefecn, d. h. pränumerando in taar zu erlegen hat. Solche Verjsorgungs- und Aiters-Verpflegungs- anstalten für mit Mängeln behaftete liebe Verwandte sind nie sehr lukrativ gewesen. G : h, E

Sowohl unsere Kohlen- als Eisenindustrie hat genügende Bei- spiele tüchtiger Resultate au< aus den leßten zehn Jahren aufzu- weisen : der Courszettel bietet diese Jedem ohne Schwierigkeit für die Alktiengeseüschaften, während die Beispiele von Privatunter- nehmungen selbstredend nicht gezählt werden können. So kann heute Jedermann vertrauentvoll sein Geld der Industrie zuwenden: fie ver- dient das Zeugniß, daß si: si< mit Ehren durcgearbeitet hat, und wird das auch ferner thun. Ihre Arbeit hat reihen Segen ge- bracht, wie überall, wo der Mensh auf mühelose Frucht verzichtet und einsicht, daß er nicht sich allein, sondern auch seinem Vaterlande dient, wenn er die Arbeit auf sein Banner schreibt. Sicher wären die Resultate unglücklicher gewesen, wäre der deutshe Markt noch immer ein Tummelplaß des Auslandes. Aber, Gottlob, das ift er L mehr , der Deutsche kauft deutshe Waare und so joll es eiben !

Die bekanntlich gut freihändlerish gesinnte Handelskammer zu Barmen hat über ihre Thätigkeit und die Lage der Industrie und des Handels im Jahre 1884 an ihre Kommittenten cinen vorläufigen Bericht erstattet, in welchem es heißt : :

Im Gegensatz zu dem vorhergec angenen Jahresberichte, zu dem die damals herrshende Geschäftsftille und gedrü>te Stimmung den G rundton geliefert, können wir heute mit der erfreulichen Thatsache

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beginnen, daß das hinter urs liegende Geschäftsjahr in seincm Ge- sammtergebniß ein zufriedenftellenderes gewesen, ja in den wesent- lichsten Zweigen unferer Industrie den Besatzartikeln \ogar als ein gutes hervorgehoben zu werten verdient. . ..

Daß die befriedigende und ftellenweise sogar \{wungvolle Lage der Industrie und des Großhandels nicht eire allgemeine gewesen, ist eine Erscheinung, die in einem Bezirke, dessen Induftrie so vielseitig dem Wechsel der Mode unterworfen ist, nie ganz {winden, vielmehr steis mehr oder minder vorherrs{hen wird.

Daß die gescbilderten Verhältnisse aub von günstigem Einflusse auf das sonstige Gewerbe, Handwerk und Ladengeschäft gewesen, liegt auf der Hand.

Fügen wir dem Allen no< hinzu, daß nennerswerthe Arbeiter- entlassungen nicht stattgefunden, daß im Gelde uzd Kreditwesen das Jahr 1884 als ein normales bezeichnet wird und daß von den, nah amtlicher Uebcrsidt hierselb zur Ausbruch gekommenen 5 Kon- fursen nur einer die Industrie und den Handel betraf, daß ferner die Bauthätigkeit eine erhöhtere gewesen ist, so gelangen wir mit Recht zu dem Schlusse, dem wir im Eingange unseres Berictes Auétdru> gegeben haben, und den wir dahin resumiren, daß das geschäftliche Gesammtergebniß unseres Bezirkes ein zufriedenstelienderes gewesen und eine Wendung zum Besseren nicht zu verkennen ift.

Ueber die wirth\caftlihe Lage der Flacsspinnerei und Leinen- weberei im Jahre 1884 äußert sib der Geschäftsbericht ter Erd- mannsdorfer Aktiengesellschaft für Spinnerci und Weberei für das verflossene Jahr: „Die geschäftlibe Lage unseres Industriezweiges und im Besonderen unseres Etablissemen:s8 war im Jahre 1884 be- friedigend. Es mangelte uns zu keiner Zeit an Aufträgen, ja in man- cen Webereiartikeln sahen wir uns wegen Unzulänglichkeit unserer Webstühle in die unangenehme Lage verseßt, niht selten größere Ordres ablehnen zu müssen, Die Geschäfte vollzogen ih im Ganzen obne Schwierigkeit, und es gelang au, für die Fabrikate, sowohl der Spinnerei wie der Weberei, durbgängige Preis- erböhungen durczuseßen. . . . So sehr auch dur die Preiésteigerung des Flahses die Spinrerei und in weiterec Folge die Weberci zunächst betroffen wird, so halten wir dieselbe im Grunde genommen nicht für cinen zu großen Nachiheil, weil sie die für unsere Industrie hobwichtige Folge haben kann, für den in unserem Lande während der Nothlage der Srinncrei immer mehr in Abnahme gekommenen Flachsbau eine neue, kräftige Anregung zu geben,“

Der „Hannoversche Courier“ sagt:

Unter den Thoren von Berlin hat die deutsch-frcisinnige Partei zum dritten Male Fiaéko gemaht. Im Jahre 1881 unterlag der Forts@&ritiler, Herr Kausmann Wöllmer-Charlotienburg, nachdem er den Wahlkreis drei Jahre lang vertreten hatte, mit 12 032 gegen 14 287, im vorigen Herbste mit 9830 gegen 15 916 konservative Stimmen. Am Mittwoch stand Herr Dr. Barth als neuer fort- \chrittliher Kämpe gegen den konservativen Prinzen Handje: y zur Wahl, und man {äßt auf Grund der bis jeyt vorliegenden Ziffera, daß die Deutsch-Freisinnigen mit A< und Krach es bis auf 60090 Stimmen gebrabt haben, während der Konservative mindestens wieder 14 000 Stimmen erzielt hat. Der Bamberger-Richtersche Liberaliëmus hat im Wahlkceis Teltow-Becskow-Charlottenburg in der kurzen Zeit von drei Jahren über die Hälfte feiner Anhänger verloren. Nun find in demselben Wahlkreise die sozial-temokratiscen Stimmen ge- wachsen von 1265 im Jahre 1881 auf 4543 im Jahre 1884, und dürsten am Mittwoh au<h über diese leßtere Ziffer no<_hinaus- gegangen sein. Ob die 3390 neuen sozial-demokratishen Stimmen vor 1884 wohl auf den Namen des Fortschritiskandidaten abgegeben waren ?

Der „Hamburgische Correspondent“ beschäf- tigt sih mit der preußisch: deutschen Finanzpolitik und äußert dabei :

Wenn die Sorge für die Stärkung der Reichs- und Staats- finanzen foridauernd in der inneren Reichépolitik eine erhebliche Rolle spielt, so geht damit Hand in Hand eine planmäßige und energische Thätigkeit behufs Stärkung und Hebung der Nationalwirthschaft, des Bolkäwoblstandes. Man mag darüber zweifelhaft sein, ob alle Maß- regeln, welche dieses Ziel verfolgen, zwe>kentsprehend sind. In einem Lande, welches so große wir1hschaftlide Verscbiedenheiten aufweist, wie Deutschland, wirken die einzelnen Akte der Zoll- und Handelspolitik naturgemäß sehr verschieden; sie unterliegen demna<h in den ver- \ctedenen Landestheilen den verschiedenen Berufskreisen, verschiedener Beurtheilung. Allein, wie immer man über die Zweckmäßigkeit der von der Regierung unternommenen Schritte im Einzelnen denken mag, das Bestreben, das deutshe Erwerbsleben kräftig zu fördern, wird ihr ni<ht abzusprewen scin. Ganz mit Recht wird vielmebr auf die Erhöhung der Leistungsfähigkeit, auf die Entwidtlung der Steuerkraft größeres Gewicht gelegt, als auf die sofortige Be- \chaffung der erforderli<hen Mehreinnahmen in Staat und Reich. Die Finanzpolitik dcs Reiches verdient daher nichts weniger als die Be- zeidnung einer Ärt von Raubktau; . ….. Daß die Umkehr von dem frühern System überaus zwe>mäßig und der Grundgedanke der gegen- wärtigen Wirthschafts- und Finanzpolitik, eine reiche Staatsfinänz- wirthschaft aufzubauen auf einer reihen Entwickelung d¿s nationalen Wohlstandes, durchaus richtig ist, bedarf der näheren Begründung nicht.“

Centralblatt für das Deutsdbe Reich, Nr. 16, In- halt: Finanzwesen: Nac; weisung über Einnahmen des Reichs vom 1. April 1884 bis Ende März 1885. Zoll- und Steuerwesen : Titelverleihung an einen Reichtbevollmächtigten. Marine und Schiffahrt: Vereinbarung mit Frankreih wegen Auslieferung von Heuerguthaben und Effekten deutscher auf französishen Schiffen und französisher auf deutshen Schiffen angemusterter Seeleute. Militärwesen: Aenderung der Landwehr-Bezirks-Cintheilung. —— Bankwesen: Status der deutshen Notenbanken Ende März 1885, Polizeiwesen : Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiet.

Eisenbahn-Verordnungs-Blatt. Nr. 9. Inhalt: Allerhöchste Konzessions-Urkunde für die Braunschweigische Landes- Eisenbahn-Gesellschaft, betr. den Bau und Betrieb der auf das Preußishe Staategebiet fallenden Stre>en einer Eisenbahn von Braunschweig über Derneburg nah Seesen. Vom 6. April 1885. Erlasse des Ministers der öffentlichen Arbeiten: Vom 6. April 1834, betr. Abänderung des Betriebsreglements für die Eisenbahnen Deutsch- lands. Vom 11. April 1885, betr. Verrechnung der Kosten für Vertretung beurlaubter oder erkrankter Beamten durch Arbeiter. Nachrichten. ;

Central-Blatt der Abgaben-Geseßgebung und Ver- waltung in den Königlich preußishen Staaten. Nr. 8. Inhalt: Anzeige der in der Geseß - Sammlung und im Reichs8- Gesetzblatte erschienenen Geseße und Verordnungen. I. Allgemeine Verwaliungs8gegen stände: Veränderungen in dem Stande und in den Befugnissen der Zoll- und Steuerstellen. 111. Indircête Steuern : Ginfuhr meistbegünstigten Roggens über Belgien und die Nieder- lande. Desgleichen Über Triest. Stempelpflichtigkeit der Spiel- ausweiïe lei Ausspielung geringwerthiger Gegenstände. VI. Per- fonalnachrichten.

Neichstags- Angelegenheiten.

Im 10. Potsdamer Wahlbezirk, Teltow, Beeskow-Storkow und Charlottenburg, ist der bisherige Vertreter desselben, Regierungs- Präsident Prinz Handjery in Liegniß (konservatio), welcher das Mandat wegen sciner Beförderung niedergelegt hatte, mit 13 473 Stimmen zum Mitglied des Reichstages wiedergen ählt worden, Schriftsteller Dr. Barth in Berlin (deuts{freisinnig) er- hielt 5262 uxrd Medailleur Krohm zu Berlin (Sozialdemokrat) 4515 Stimmer.

Statiftische Nachrichten.

Nah den Ermittelungen tes Kaiseclihcn Statifstishen Amts, welches bekanntli< in scinen „Monatshbefsten zur Statistik des Deut- \>œen Reichs“ regelmäßige Mittheilungen Über den Stand der Großhandelspreise einec Anzahl von wichtigen Waaren an mafigebenden deutsben Plätzen bringt, ergicbt im V-rgleih der Durc{bscbnittspreise (für dieselben Pläße und Sorten) in den erften beiden Monaten diescs Jahres Folgendes: es fosteten im Janvar im Februar

1009 kg Weizen 4M 16473 168,08

z E 2 149,16 z Ge. G M 154,19 100 ke Pee. .. . s Mao 24,73 Ü No. . . & Uo 20,08

Ueber die Besteuerung des Tabaks, die Ein- und

Ausfuhr von Taba>k und Taba>fabrikaten, sowie den

Ertrag der Taba>kabgaben im deutschen Zollgebiet

während des Erntejahres (1. Juli bis 30. Junt)

1883/84 enthält das soeben ausgegebene Februarheft zur Statistik

des Deutschen Reichs, Jahrgang 1885, Nachweisungen, welche si< an

die bereits im Augustheft 1884 veröffentlichten Uebersichten über den

Taba>bau und die Ergebnisse der Tabadkernte im gleichen Erntejahr

anschließen. Dieselben geben als Anhang eine Reihe von Tabellen,

in denen bezügli< des Umfangs des Taba>kbaus, des Ernteertrags

na<h Menge und Werth, der Einfuhr und Ausfuhr von Taba>fabri-

katen, des Ertrags der Taba>tabgaben und des Taba>verbrauchs im deutsben Zollgebiet die statistiscen Ergebnisse der 10 Erntejahre 1874/75 bis 1883/84 zusammengestellt sind. Aus diesen Tabellen ist zu entnehmen, daß die im Jahre 1883 innerhalb des Zollgebiets mit Taba> bebaute Fläche von 22 068 ha nur unerbebli< zurü>iteht gegen die im Vorjahr angepflanzte Fläche (22243 ha), dagegen von be» träcbtlih geringerem Umfange war, als der Flächeninhalt der in den Fahren 1880 und 1881 mit Taba> berflanzten Grundftücte (24 259 bezw. 27 248 ha). Immerhin ist der Umfanz des Taba>kbaus im Fabre 1883 noch erheblich bedeutender ais in den Jahren 1877 bis 1879; aug übersteigt er den Durchschnitt der 10 Jahre 1874 bis 1883, der ih auf 21751 ha berechnet. Der Ectrag an tro>enen (dachreifen) Taba>blättern ist im Ganz:n zu 39 016 Tonnen ermittelt, so daß durchschnittlih auf 1 der angebauten Fläche 17,7 Doppel- zentner sol<er Blätter entfallen gegen 17,5, 22,5 und 21,5 in den Fahren 1882, 1881 und 1880 und gegen 17,8 Dopp&clzentnec im Durchschnitt der Jahre 1874 bis 1883, Als mittlerer Preis für 100 kg der im Jahre 1883 geernteten tro>enen Tabakblätter einschließli der Steucr, welche für die na dem Gewicht besteuerten tro>enen Blätter gegenwärtig 36 Æ pro 100 kg beträgt, sind 79,0 f ermittelt, und als Bruttoertrag der gesammten Tabadwernte abzüglih der Steuer 16,9 Millionen Mark. Der Gesammtwerth der Einfuhr von Taba> und Taba>fabrikaten (aus\<l. Tabaksaucen) ist füc das Erntejahr 1883/84 zu 55,1, und der der Ausfuhr dieser Artikel zu 5,5 Mil- lionen Mark berechnet, gegen 69,6 bezw. 14,0 Millionen Mark im Durc&bschnitt der 10 Jahre 1874/75 bis 1883/84. Was den Ectrag der Taba>kabgaben anbelangt, so stellte si< 1883/84 der Betrag der Tabad>steucr nah Abzug der Erlasse auf 8,4 Millionen Mark, der Betrag tes Eingangszolls für Tata>k und Tabadkfabiikate auf 98,9 Millionen Mark und der Nettoertrag der Tabackabgab2n na Abzug der Ausfuhrvergütungen auf 37 Millionen Mark: das mat 0,81 M auf den Kopf der jeweiligen Bevölkerung, gegen 0,51 H im Durchschnitt der 10 Jahre 1874/75 bis 1883/84. Der LTahbadl- verbrau<h im deutschen Zollgebiet ist auf zweierlei Art berechnet, einmal auf Grund der Angaben über die geernteten sowie ein- und ausgesührten Mengen und dann auf Grund der erhobenen Steuer- und Zollbeträge. Beide Berechnungen, von denen die eine für die 10 Jahre 1874/75 bis 1883/84, die andere dagegen nur für die Dauer des neuen Taba>steuergeseßes, d. h. für die 4 Jahre 1880/81 bis 1883/84, aufgestellt ist, weicen von einander ab. Jnsoweit diese Ab- weichung in wechselnden Niederlagebeständen beruht, mag für ein einzelnes Jahr die leßtere Methode das richtigere Resultat liefern, Nacþ der ersten Berehnungsart is auf den Kopf der Bevölkerung der Verbrau<h von fabrikationsreifem (fermentirtem) Rohtabak im Jahre 1883/84 zu 1,33 kg und im Durchschnitt der 10 Jahre 1874/75 bis 1883/84 zu 1,57 kg, nah der anderen für 1883/84 zu 1,10 kg, für den 4jährizen Durchschnitt 1880/81 bis 1883/84 zu 1,18 kg berechnet.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Fn Kreuznach ist am 18. April der bekannte Bildhauer Karl Cauer, in Wien an demselben Tage der Direktor des Museums für Kunst und Industrie, Hofrath Eitelber ger, gestorben.

Brüssel, 18, April. (W. T. B.) Das Journal „Mouvement géographique“ meldet: der Chef der deutshen Expedition am Congo, Lieutenant Schulte, sei dort seinen Leiden erlegen.

St. Petersburg, 19. April. (W. 2. B) Dex Disloriher Kostomaroff ist heute gestorben.

Gewerbe und Handel.

In der ordentlihen Generalversammlung der Zwickauer Bank wurden Jahresre<nung, Bilanz und Gewinn- und Verluft- bere<nung genehmigt und Decharge crtheilt. Die Dividende pro 1884 wurde auf 5 9/9 festgeseßt. | S

Leipzig, 17. April. (Dresdn. Journ.) Die Lederme sfe hat bet der geringen Zufuhr einen überaus raschen Abs{luß gefunden, so daß {on vorgestern alle Lager geräumt waren. Im Tuc- geschäft geht es flau sort, bis jeßt wenigstens, obwohl die Zufuhren im Großen und Ganzen geriage sind. Es hat dies seinen Grund in dem späten Termin, auf welchen die Messe fällt, so daß viele Ab- \{<lüsse mit Fabrikanten, namentli<h was Sommerstoffe anlangt, \chon lange vorher gemaht worden find. Die bisherigen Geschäfte wurden nur bei gedrückten Preisen erzielt. Auf Rauchwaaren machen die wenig befriedigenden Londoner Auktionen ibren nachthei- ligen Einfluß geltend. i /

Glasgow, 18. April. (W. T. B.) Die Vorräthe von Nodhbetsen in den Stores belaufen sich auf 594 009 Tons, gegea 593 300 Tons im vorigen Jahre. . Zahl der im Betrieb befindlichen Hochsfen 90, gegen 92 im vorigen Jahre. i

St. Petersburg, 19. April. (W, T. B.) Die Generalver- sammlung der St. Petersburger Internationalen Han- dels bank hat die Dividende für das abgciaufene Geschäftsjahr auf 122'5 9/9 festge]eßzt. i :

“St. C var 20. April. (W. T. B.) Ein Erlaß des Zolldepartements an die ZoUbehörden vom 14. d. M. \<reibt vor, daß Coupons und gezogene Stücke der 4% Obligationen der Mostofl- Ma data Le Sten. R als

ahlung für Zollgebü hren anzunehmen {ind. # P 19, April (W. T. B.) Der Werth der Waäarenetinfuhr in der vergangenen Woche betrug 73 Mill. Doll, davott entfallen 14/10 Mill. Doll. auf Manufakturwaaren.

Verkehrs-Anstalten.

Bremen, 18. April. (W. T. B.) Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Ems“ is heute früh 5 Uhx in New- York eingetroffen.

G 20. pril, (W. T. B.) Der Dampfer des Nord- deutschen Lloyd „Hohenzollern“ ist heute früh 4 Uhr in New-York angekommen.

CaI ae: 18; April. (W. V. V) Ver Postdampfer „Moravia®" der Hamburg-Amerikanischen Pad>etfahrt- Aktiengesellschaft ist, von New-York kommend, heute Nach- mittag auf der Elbe cingetroffen, der Dampfer „Teutonia® hat, von Westindien kommend, und der Postdampfer „Hammonia*“, von New-York kommend, heute Lizard passirt.

New-York, 18. April. (W. T. B.) Der Dampfer

„Nederland*" der Red Star Line ist hier eingetroffen.

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