1906 / 4 p. 27 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Regierung zur Verfügung zu stellen, falls es erwünscht ist und diskret behandelt werden kann, bin aber bereit, die Prozentsäße, mit welchen die einzelnen Geschäftszweige an den Gesamtspesen beteiligt sind, jeßt anzugeben. Wir haben, das kann ih ja sagen, einen Spesenetat von 44000 M; diese verteilen si<h auf das Tapetengeschäft im Laden mit rund 19%, wir können also im Ladengeschäft ganz gut billigere Preise nehmen als im Versandgeshäfs Was treten nun für Unkosten hinzu für das eigentliche Versandgeschäft? Da kommen zunähst in Betracht die außerordentlih hohen Spesen für

Musterkollektionen, diese Spesen belaufen sih im Geschäft auf.

volle 10 °/,, das heißt 81/,%/, mehr als im Ladengeschäft. Dazu rechne ih den Verschnitt an Mustern. Es treten ferner hinzu die außerordentlihen hohen Ausgaben für Paketporto, denn der Agent bekommt die Lieferung franko. Es kommen ferner hinzu die für die Bahn und das außerordentlih hohe Briefporto, welches im wesentlichen dadurch entsteht, daß wir sehr viele Mahnungen schreiben müsen. (Heiterkeit.) Diese Spesen auf den Umsay im auswärtigen Geschäft be- tragen mit den angeführten 81/, %/, für Musterspesen zu- sammen 14 °/,, sodaß wir also hier hon auf 33 °/ Spesen gekommen find. Zu diesem Prozentsay treten dann aber no< weiter hinzu die Abschreibungen, die wir notwendiger- weise auf das Jnventar machen müssen, die Außen- stände und die Verluste, die wir zu tragen haben. Wenn ih das repartiere auf den Gesamtumsaß, so wird das Agenten- geschäft wieder mit weiteren 3°/, belastet, sodaß wir auf einen Prozentsay von 36 kommen. Es ist dabei zu berüsichtigen, daß diese 36°/, niht zu re<hnen find vom Verkaufswert der Ware, sondern abzüglih der bereits dem Agenten gezahlten üblichen 20°%/,, denn der Umsaß, auf den wir gerèchnet haben, ist ein Nettoumsay. Um Jhnen die Sache zu erläutern, will ih Ihnen ein Rechenexempel vorführen. Jch will eine Tapete annehmen, die ih zu dem vollen Saße von 125%/5 mit 40 H Einkauf und 90 Z Verkauf kalkuliere. Von diesem Betrage gehen ab 20°/, für den Agenten, bleibt 72 S, weiter die Unkosten, die ih genau nachweisen kann, mit 25,3 Z, sodaß ih also von dem schönen Preis von 90 Z nur 46,07 Z übrig habe, sodaß ih also beim Einkauf von 40 Z nur noch 6,7 Z verdiene. Dabei sind noch nicht berechnet die Verluste, die wir am Schluß des Jahres am Lager haben. Es würde also, wenn man streng an der Kalkulation festhielte, mit ihr bei einem Agentengeschäft, wie wir es haben, nicht auszu- fommen sein, und ih will offen erklären, daß wir in unseren Kalkulationen über diese Säße hinausgehen, weil wir aus den JInventuren, die wir seit 20 Jahren gemaht haben, ersehen haben, daß wir damit niht auskommen. Bis zu einem Preise von 19 Z Einkauf beträgt der Aufschlag no< nit eimnal 100°/,, bis zu einem Einkauf von 14 Z, wo die Staffel II 25 Z Verkaufspreis vorsieht, beträgt der Aufschlag 70°/,. Also bei allen diesen Preisen legen wir nah den Ergebnissen der Buchführung und nach der Inventur tatsähli<h Geld zu. Es wäre au nicht möglich, bei diesen großen Unkosten einen Gewinn zu erzielen, wenn nicht no<h andere Momente im Tapetengeschäft vorhanden wären. Das ist der Bortenverkauf. Die Sache liegt tatsählih so, daß wir einem Agenten, der nur Tapeten von uns fauft und keine Borten, lieber keine Waren liefern; denn dann arbeiten wir tatsählih umsonst.

Die Vervollkommnung der Tapetendru>maschine und die außerordentlihe Entwi>klung der Technik in Verbindung mit der Erzeugnng von Effekten mit dem geringsten Mittel seitens der Zeichner hatte es mögli<h gemacht, geshmad>volle Tapeten für einen wesentlih billigeren Preis herzustellen, als

, das früher möglih war.

Unter dem Einfluß des übergroßen Angebots der Ueber- produktion hat der Fabrikant die ihm günstigen Bedingungen niht für si< ausgenußt, sondern die vervollklommnete shóne Tapete kam sehr preiswert auf den Markt und die Folge davon war das stete Sinken des Durchschnittspreises der Tapeten, besonders in den legten zwölf Jahren, und damit verbunden eine völlige Entwertung der alten Lagerbe-stände.

Während noch vor zehn Jahren die besseren Maschinen- tapeten 3—4,50 M. kosteten, sind heute Erzeugnisse für den gleihen Bedarf von 1—2 A im Handel, und da ein ganz ähnliches Sinken der Preise au<h in mittleren und billigeren Qualitäten zu beobachten ist, kann man sagen, daß der Preis der Tapeten um 50%/, gesunken ist. Davon nicht betroffen find die dur< Handarbeit erzeugten Tapeten, deren Konsum ebenso gering ist, daß er ganz ohne Einfluß bleiben muß.

Wenn es trozdem dem Händler möglih gewesen, seinen Umsaz auf gleicher Höhe zu halten oder gar no< zu erhöhen, so ist das ein Zeichen des gesteigerten Konsums. Der Händler muß aber das doppelte Quantum umseßen, und dazu braucht er das doppelte Personal, größere Lagerräume, die Unkosten für Frankaturen, für Drucksachen, für Packmaterial 2c. 2c. furzum, die Unkosten für den gleihen Umsay haben si ver- doppelt und der Preisaufschlag, der vor zehn Jahren vielleicht noh einen angemessenen Nugzen ließ, ist heute ganz un- genügend.

Dieser Wandel hat si<h na< und nach vollzogen, die Konsequenzen sind nicht jedem klar geworden, und nicht jeder konnte die Nußganwendung machen, nur die Jahresabschlüsse zeigen die Folgen der veränderten Lage deutlih und zeigen dem rechnenden Kaufmann, welche Aufschläge er nehmen muß, um auch dabei seine Rehnung zu finden. -

Als Beispiel führe ih die Verhältnisse meiner Firma an: Vor 30 Jahren genügte zur Bewältigung eines Um- saßzes von ‘170 000 M ein Personal von 5 Personen der Geschäftsführer, 1 Kommis, 1 Lehrling, 2 Markthelfer (H. Engelhard, Mannheim). Heute bedürfen wir zu einem Umsay von 200 000 # 16 Personen im eigenen Geschäft und zwar 1 Buchhalter, 1 Reisenden, 4 kaufmännische An- gestellte, 2 Lehrlinge, 6 Markthelfer und die beiden Chefs.

Tapetenfabrikant Schäfer- Marburg: Herr Marre hat

‘vorhin in seiner langen Rede fünfmal ausgedrü>t, daß die “Outfiderhändler unreellen Geschäftsprinzipien huldigen. Er hat

A fünfmal das Wort—zunreell“ gebraucht, und ih möchte ihn bitten, das zurü>zunehmen.

Vorsißender: Jch habe Herrn Marre so verstanden, daß er gegenübergestellt hat die jeßige Zeit Und die Zeit vor der Gründung des Verbandes, und daß er das, was er ge- sagt hat, wie er übrigens auch selber betont hat, auf die all- gemeinen Geschäftsgewohnheiten der ganzen Zeit bezogen hat, einschließlih des eigenen Geschäfts, und deshalb bin ih da- gegen nicht eingeschritten, und ih glaube, daß es auch in diesem Sinne gemeint war. (Sehr richtig!)

Tapetenfabrikant Schäfer-Marburg: Das ist richtig, aber er hat speziell auf die Reklamebücher und Zeitungs- beilagen hingewiesen. Es ist eine Notwendigkeit für den jungen Händler, der ein Geschäft fris<h begründen will, daß er sih bekannt und populär machen muß, und das kann er nur dadurch erreichen, daß er entweder Zeitungsbeilagen oder Annoncen ausgibt, seine Schaufenster dekoriert usw., um sich ein kauffräftiges Abnehmerpublikum zu schaffen. Wenn man sich die Ringpreise ansieht, die angeblih überall die gleichen find, dann hâtte ja der Käufer nihts weiter zu tun, als in das Geschäft zu gehen, das ihm die größte Auswahl bietet, denn die Preise sind ja überall die gleihen. Warum soll er also in ein kleines Geschäft gehen? Aber es ist do< auch der kleine Mann berechtigt, fih zu entwi>eln, au< wenn er in einer abgelegenen Straße oder im Parterre oder sozusagen im Keller wohnt, hat er dieselbe Lebensberehtigung und die- selbe Berechtigung wie der große Händler, seine Ware an den Mann zu bringen. Wenn er aber die gleichen Preise hält, wird niemand zu ihm gehen, sondern der Abnehmer wird si an ein Geschäft wenden, wo er, wie ih schon sagte, die größte Auswahl bei gleichen Preisen hat, und deshalb müssen die- jenigen Herren, die außerhalb des Ringes stehen, den Stand- punkt behaupten, daß eine gewisse Reklame notwendig ist, um das Geschäft förderli<h und belebt zu machen.

Tapetenhändler d’Arragon-Hamburg: Meine Herren, die Zeit ist soweit vorgerü>t, daß ih mich auf diese Frage, über die wir heute morgen schon einmal gesprochen haben, nicht weiter einlassen will. Jh möchte nur bemerken, daß die Preise jeßt in dem Statut festgeseßt sind und gehalten werden sollen. Sie werden teilweise gehalten, aber der größere Teil hält sie niht. Die Musterkarten werden heute von den Ring- händlern mit verde>ten Preisen herausgegeben, damit das nicht zu fontrollieren ist. Es hat also jeder seine besonderen Zeichen daran. Der eine verzeihnet seine Preise so, der andere so. Versuchen Sie do< einmal in ein Tapetengeschäft zu gehen

als Hauswirt und lassen Sie si<h die Musterkarten vorlegen,

dann werden Sie sofort in verschiedenen Geschäften die ver- de>ten Musterkarten finden. Sie finden aber auh Tapeten- musterkarten mit offenen Preisen. Bezüglich der Bauten leidet das Geschäft an manchen Pläßen sehr {wer. Viele Bau- meister wollen das Gebäude fix und fertig tapeziert haben, und da sind die Umgehungen außerordentlih groß. Jch will Jhnen einen Fall anführen, der neuli<h in Hamburg passiert ist. Es handelt si< da um einen Bau, um 1400 Rollen Tapete. Dazu gehören 100 Rollen 4-Band-Borten. Ungefähr die Hälfte der Tapeten ist zu:50 Z, die andere Hälfte zu 30 4 Verkaufspreis angeseßt worden, und der ganze Bau ist inklusive tapezieren für ungefähr 715 M übernommen worden. Sie wollen do<h niht sagen, daß das die vom Ringe fest- gelegten Preise find. 1400 mal 40 Z und 1400 mal 30 H gleich 980 Æ 100 Rollen Borte à 2 M. oder 1,50 M, wie der Ring vorschreibt, sind 150 #, gleih 1110 H, die der Bau hätte kosten müssen, und tatsähli<h wird er von einem Ringhändler geliefert für 715 #. Ebenso ist es mit Linkrusta. In Hamburg wird das laufende Meter inklusive Borten 125 cm hoch gleih 1!/, qm. für 2,25 4 fix und fertig an die Wand gelegt, verkauft, gemalt für 2,80 4. Das sind alles Ring- händler, ih fann die Beweise dafür bringen! Jch kenne die Sache ganz genau, weil ih mit den Bauherren meist bekannt bin und meist auf diese Geschäfte verzichtet habe, weil ih nicht mit Verlust arbeiten und solche unlauteren Manipulationen anders kann ih es ni<t nennen niht machen will. Der Mann muß ja bei Tapetenbauabschlüssen solcher Art unbedingt betrogen werden, denn i< kann nicht für 50 F eine solche Tapete liefern inklusive tapezieren, welhe mit 50 Z ohne tapezieren berehnet ist. Der Mann wird also unbedingt ih kann feinen anderen Ausdru> finden betrogen. Das sind die Preise, die in Hamburg von den Ringhändlern ge- nommen werden! Die kleineren Händler bekümmern sih über- haupt niht um die Ringpreise, Sie brauchen si< nur die Preise dieser Herren mal ansehen, und ih glaube niht, daß ein einziger Händler dort ist, der sich an die Brust faßt und sagt: ih habe die Preise korrekt gehalten. (Hört! hört!) Tapetenhändler Glaser-Stuttgart: Herr Dintelmann hat in ganz richtiger Weise charakterifiert, wie hoch die Spesen im Musterkartengeschäft sind, und wer ein solches Geschäft hat, erinnert si<h mit einer gewissen Wehmut der Zeiten vor 15 Jahren und weiter zurü>, wo no< 10 °/, Rabatt für Agenten maßgebend waren. Mit der fortshreitenden Produktion, die die Tapetenindustrie dur<hgemaht hat, war es mehr und mehr Sache der Händler, den Artikel Tapeten in weitere Kreise zu tragen; der Händler hat seine Agenten engagiert, welche die Artikel unterzubringen suchten, dadur< wurde die Konkurrenz auf dem Gebiet des Musterkartenwesens immer größer und größer. Die Konkurrenz suchte si<h dadurch in den Sattel zu heben, daß sie die Prozentsäße steigerte, und so kam es, daß wir _von den ursprünglichen 10 °%/ bis zu 309/, und mehr hinaufgekommen sind. Das war natürlich ein ganz ungesunder Zustand, und zur Zeit, wo die Lage so war, daß im allgemeinen bei so hohen Prozentsäßen nichts mehr verdient werden konnte, sind es die Männer gewesen, die die Organisation ins Leben gerufen haben, die im rechten Augenbli> eingetreten find und au<h das Musterkartengeschäft geregelt haben. Es wurden einheitlihe Normen festgeseßt für die Rabattsäße, nämli<h 20 %/%, und auch alle anderen Konditionen wurden festgelegt. Wir waren sehr glü>lih über die nun eingetretenen geordneten Zustände, und es lag nun

in der persönlichen Jutelligenz des einzelnen, dur< schöne Ausstattung seiner Musterkarten, dur< reihe Auswahl und kulante Bedienung si<h einen guten Kundenkreis zu schaffen. Da war es natürli für eine gewisse Sondergruppe bequem

und einfach, den für die sogenannten Ringhändler festgelegten -

Prozentsaß zu überbieten, si<h das Prädikat „Nicht im Ring“ beizulegen und mit diesem Aushängeschild das Geschäft an sih zu reißen. Es wird nun meine Aufgabe sein, Jhnen zu zeigen, daß diejenigen Händler, die dem „Ring“ nicht an- gehören also die Outsiders —, Preife genommen haben, welhe zu einem weit höheren Prozentsaß fkalkuliert waren als die „Ringtapeten“, um sowohl für den vermittelnden Agenten und auch für fie selbst höhere Vorteile erzielen zu können. Jch habe mir aus verschiedenen Städten Deutschlands Karten von Outsiders verschafft, habe deren Preise mit gleihwertigen Sachen aus den Musterkarten der organifierten Händler ver- glichen und habe Differenzen bis zu 20 F brutto pro Rolle vorgefunden. Jch habe hier eine gewöhnliche Tapete Schrenz, die kostet bei den außer dem Ringe stehenden Händlern 18 Z. Dieselbe Tapete kostet bei uns 15 Z. Jch ziehe bei dem Outsider-Händler 331/,9/, von seinem Bruttopreise ab, dies ergibt einen Nettoeinkauf für den Agenten von 12 Z, während bei uns, nahdem ih gemäß unseren Konditionen 20°/6 Rabatt, 5°/, extra und 39/, Skonto abgezogen habe, 11 F herauskommen. Es handelt si< hier also um eine Tapete, die im allgemeinen sehr gering veranschlagt ist. Dasselbe Muster in blau ist mit netto 15 Z ausgezeichnet, während der Händler im Verbande diese Tapete mit 13 Z verkauft, und hier sehen Sie eine Outsider-Tapete, die mit 37 F ausgezeichnet ist, während die gleihwertige Vereinsware nur mit 30 S verkauft wird. Es handelt si< da immer um Nettopreise. Die Bruttodifferenzen sind natürlih größer und diese bezahlt natürli<h das verbrauchende Publikum. Hier ist eine Tapete die sich netto auf 18 F stellt, der „Ringhändler“ verlangt dafür nur 161/, $. Hier sehen Sie eine Tapete, die mit 30 FZ gegen 25!/, FZ ausgezeichnet ist. Besonders interessant liegt der Fall bei diesem Muster; dasselbe ist das Fabrikat einer Vereinsfabrik, und es scheint, daß die betreffende Händlerfirma, die es seinerzeit kaufte, inzwischen gesperrt wurde, denn das. gleihe Muster ist in seiner Kollektion enthalten; der Preisunterschied aber ist enorm, denn das Publikum kauft dieselbe Tapete um 25 F, also um 309°/, teurer aus der Karte des Outsiders. Hier ist eine Tapete mit Gold: 43 gegen 31 Z. Hier eine solhe mit 80 gegen 621/, Z. Hier ist eine Tapete mit Gold: 67 gegen 63 $. Hier ist ein ziemli< ähnlihes Muster: 50 F gegen 41 S.

Vorsißender: Jh glaube es lohnt sih nicht, diesen Katalog weiter fortzuseßen. Die Beispiele genügen ja.

Tapetenhändler Glaser-Stuttgart: Weiter habe ich nichts zu sagen.

Tapetenhändler Nicolai-Breslau: Da die Preisbildung im Tapetenverkauf schon vielfa<h zu re<t unangenehmen Erörterungen in der Presse geführt hat, habe ih für die Herren, die hier anwesend und niht Fachleute sind, eine ziemli<h umfassende Denkschrift ausgearbeitet, die darlegt, welche Faktoren diese scheinbar hohen Detailpreise bedingen. Da die Zeit so weit vorgeschritten ist, und da ja andere Herren schon einiges darüber gesprohen haben, darf ih vielleicht darauf verzichten, diese Denkschrift vorzulesen, oder auch nur einen Auszug daraus vorzutragen. Jch spreche aber die Bitte aus, ob es der Königlichen Regierung nicht viel- leiht möglih ist, den Shriftsap mit dru>en zu lassen und ins Protokoll zu bringen, denn wir Händler legen Wert darauf, daß diejenigen, die sih für diese Sache interesfieren, nicht einseitig informiert werden, sondern aus der eingehenden Begründung der bestehenden Preisskala erkennen, wie nötig, sie ist, und der Tapetenhändler, der ohnehin nicht auf Rosen gebettet ist, absolut niht mehr verdient, als was er zu seinem und seiner Familie Unterhalt gebraucht.

Vorsizender: Als Anlage können wir es vielleicht machen. Jch habe die Denkschrift gelesen; es find darin sehr eingehende Daten aus Jhrem Geschäft enthalten. Stellen Sie diese der Oeffentlichkeit zur Verfügung? (Zustimmung.) (Vgl. Anlage VI.)

Tapetenhändler Fischer - Dresden: Jh möchte Herrn Schäfer gegenüber erwähnen, daß es doch sehr traurig um unsere Anfänger oder um die jüngexe Generation bestellt wäre, wenn fie si<h dieses Armutszeugnis ausstellten, daß sie nur dann ein Geschäft gründen können, wenn fie Reklamebücher ausshi>en können. Jch glaube, meine Herren, alle von Jhnen oder wenigstens ein großer Teil haben ihr Geschäft anders angefangen. Jch zähle auch zu diesen. Jch habe vor 16 Jahren mein Geschäft begonnen und habe nicht nötig gehabt, Reklame- bücher in die Welt zu senden. Das bringen wohl nur die- jenigen Herren fertig, welche niht den richtigen Einbli> in das Tapetengeshäft während ihrer Lehr- und Ausbildungszeit gewonnen haben; sonst würde ihnen wohl ihre persönliche Intelligenz dazu verholfen haben, auch bei starker Konkurrenz in das Geschäft hineinzukommen. Wir haben in Dresden das möchte i< im allgemeinen sagen bereits eine Ver- einigung der Tapetenhändler seit dem Jahre 1892. Wir haben unser Statut ausgearbeitet und haben unsere Preise festgelegt, zu denen wir unsere Ware bisher immer verkauft haben, Preise, die teilweise in der leßten Zeit über den Minimalpreis hinausgehen, hauptsächlich in den allerbilligsten Sachen. Wir sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß wir bei den Preisen, die der Verband ausgearbeitet hat, nichts verdienen können. Wir haben in Dresden bis jeyt eigentlich nur zwei in wesentlihen Betracht kommende außenstehende Firmen, eine in der Stadt und eine in einem Vorort, und ih kann sagen, daß die Herren höhere Preise haben als die Preise, die der Verband als Minimalpreise festgelegt hat, und wir fühlen uns dabei ganz wohl in Dresden. Wir sind alle darin einig und seßen unsere Preise jedes Jahr na< den Grundsäyen fest, die au< hier aufgestellt werden, jedesmal zur Generalversammlung. Jh wollte damit nur betonen, daf

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unsere Organisation nur zum besten unserer Händler besteht, und daß wir dadur<h das kaufende Publikum durchaus nicht überteuern, sondern daß das Publikum eine Ware erhält, die auch dem Preise entsprechend ist.

Tapetenhändler Jungmann-Frankfurt a. M.: Jm Namen der hier vertretenen Händler möchte ih der hohen Reichs- regierung unseren Dank sagen, daß sie sih erboten hat, die Denkschrift des Herrn Nicolai im Dru> zu veröffentlichen. Jch habe fie in den leßten Tagen durchzulesen Gelegenheit gehabt; es ist eine so vorzügliche, auf statistishe Beweise ge- Lat Arbeit, daß es unsere Sache nur fördern kann, wenn

e bald in weiteren Kreisen bekannt wird, und ih kann nur mein Bedauern darüber ausdrüd>en, daß wir der vorgerückten Zeit wegen hier niht darauf eingehen können.

Tapetenfabrikant Langhammer- Chemniy: Bei der fort- geschrittenen Zeit will ih mich auf einige allgemeine, kurz ge- haltene Bemerkungen beschränken. Zunächst will ich feststellen, daß die Herren Händler, soweit fie der Organisation treu sind, hier niht Behauptungen aufgestellt haben, sondern Beweis- material geliefert haben. Aus diesem Beweismaterial ist er- fihtlih, was ih vorhin shon ausführte, daß die außenstehenden Händler zum Teil höhere Preise haben als die in der Organi- sation vorgeschriebenen Preise. Das ist auch ganz erklärlich; denn die nihtvertragstreuen Händler haben für Reklame einen außerordentli<h großen Aufwand, jedenfalls einen größeren als die vertragstreuen Händler. Jch möchte nur etwas zurü>- weisen, das Herr d’Arragon behauptet hat, daß nämli in Hamburg die Mehrzahl der Händler die Verbandspreise nicht hielte. Das bestreite ih. Erstens weiß ich, daß eine Reihe von Spezialtapetenhändlern in Hamburg unter si<h streng darauf achten, daß die Durchführung der Beschlüsse sehr exaft geschieht. Die Verhältnisse liegen in Hamburg so, daß die Hamburger Tapetenhändler, wenn fie die Rabattbestimmungen für ihren Wiederverkauf nicht halten, nicht existieren können. Jch glaube, der Schmerz des Herrn d’Arragon kommt nur daher, daß er bei einzelnen Geschäften von organisationstreuen Händlern aus dem Geschäft gedrängt worden ist. Nun stehe ih persönlih auf dem Standpunkt, daß in Fällen, wo es sich um die Konkurrenz zwischen vertragstreuen und nichtvertrags- treuen Händlern handelt, der vertragstreue Händler ficherlih nicht gebunden werden darf. (Sehr richtig!)

Sodann hat Herr Schäfer darauf hingewiesen, daß die Anfänger Reklame machen müssen. Das verbietet das Kartell feinem einzigen Händler. Es entsteht nur die Frage, ob die Art der Reklame, wie sie von nichtorganisationstreuen Händlern geübt worden ist und -no< geübt wird, eine die Branche

| schädigende ist oder niht. Wer als Anfänger Reklame machen

will, braucht es ja nicht so zu machen, daß der billige Preis dabei das einzige Mittel ist, denn es liegt gerade im Interesse der Anfönger, daß fie Preise halten, die ihnen ihre Existenz ermöglichen. Jch will mih nicht darüber verbreiten, daß es eine Reihe von anderen Mitteln gibt, die den Anfänger in das Geschäft hineinbringen. Wenn die Reklame mit dem billigen Preis zum Prinzip erhoben wird, muß der Kampf auf der ganzen Linie entbrennen, und was dabei in bezug auf den Verdienst herauskommt, wissen Sie ja. Wir ver- bieten also die Reklame nicht, sondern nur diejenige, die wir für unzwe>mäßig halten. Jm übrigen will ih feststellen, daß diese Art der ih bin vorsichtig der nicht ganz einwand- freien Reklame, die ni<ht nur von den Anfängern geübt wird, sondern daß es auch recht alte gesperrte Geschäfte, also Kunden des Herrn Schäfer sind, die sih daran beteiligen.

Außerdem hat Herr d’Arragon behauptet, daß eine Reihe von vertragstreuen Händlern mit verde>ten Preisen ih glaube, er drüd>te sich so aus (Zustimmung) arbeiten. Das bestreite ih; das ist verboten. Es ist unseren Händlern sogar vorgeschrieben worden, daß sie solhe Mittel nicht an- wenden dürfen, z. B. das Führen von verschiedenen Preis- listen, die Anwendung von Zahlenverschleierungen usw. Sie müssen- den Preis, zu dem sie verkaufen, auf die Tapete aufdru>en.

Wenn Herr d’Arragon aber nun alle möglihen Be- hauptungen, die er nit beweisen kann, und Vorwürfe, die niht bewiesen worden sind, mitteilt, dann muß ih allerdings sagen: ih begreife Herrn d’Arragon und die anderen Karten- händler niht, warum sie solhe Händler niht zur Anzeige gebracht haben. Das war doch das einfahste Mittel, um sich gegen die allerdings unerwiesenen Verstöße zu {hüßen.

Tapetenhändler Schroeder-Elberfeld: Jh muß Herrn Schäfer erwidern, daß die allgemeine Existenzberehtigung der jungen Anfänger von keiner Seite bestritten wird. Aber wohin soll es führen, wenn Herr Schäfer für die An- fänger, damit sie ins Geschäft hineinkommen, 10 °/, billiger sein zu können fordert als die Mitkonkurrenten. Jch glaube, eine derartige Toleranz wird wohl in keiner Branche üblich sein, daß es Konkurrenten gestattet wird, 10 °/, billiger zu verkaufen. e

Vorsißender: Meine Herren, ih glaube, die Frage, ob in Hamburg seitens der vereinstreuen Händler gegen das Statut verstoßen wird oder nicht, wollen wir auf sih beruhen lassen; das interessiert die Allgemeinheit niht und kann auch hier niht ausgetragen werden. Wenn also no< jemand dazu nur das Wort verlangt hat, bitte i< ihn, darauf zu verzichten, oder fih wenigstens auf ganz kurze Bemerkungen zu beschränken. Tapetenhändler d’Arragon-Hamburg: Jh möchte auf die Worte des Herrn Langhammer ‘zurü>kommen. Er sagt: die Outfiders stellen nur Behauptungen auf, während die vertragstreuen Händler Beweise bringen. Wollen Sie mir denn einmal sagen, was Beweise sind? Was wir hier vor- bringen, find ebensogut Beweise wie das, was die anderen ara vorbringen. Das möchte ih also zuerst festgestellt aben.

Dann sagt Herk Langhammer, es sei konstatiert worden das wolle er ausdrü>li< fonstatieren —, daß die Outsiders höhere Preise nähmen als die vertragstreuen Händler. Jch möchte konstatieren und ih bin bereit, der

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hohen Regierung das Material vorzulegen —, daß meine Preise in Hamburg bis 30 °/, unter den festgelegten Preisen stehen. Jch verkaufe Tapeten für 30 Z, welche vertrags- treue Händler für 40 verkaufen, und ih verkaufe Tapeten für 35 S, welche die vertragstreuen Händler mit 50 und 55 Z verkaufen müssen. Ebenso ist es mit den Borten. Und was die anderen Beweise anlangt, die Herr Langhammer in bezug auf Hamburg vermißt, so bin ih bereit, Herrn Langhammer das Material, wenn er es wünscht, zuzusenden. Jh habe mir aus ersten Tapetengeschäften Musterkarten zu verschaffen gesucht, wo verde>te Preise vorhanden find, und bei Verkauf von 16 m Borte eine viertel Rolle, enventuell eine halbe und dreiviertel Rollen berechnet werden. (Hört! hört!) Die Beweise kann ih erbringen und werde sie. Herrn Langhammer oder der hohen Regierung, wenn es gewünscht wird, einsenden.

Tapetenfabrikant Schäfer- Marburg a. L.: Herr Lang- hammer hat im Brustton der Ueberzeugung gesagt, daß die Händler im Ring die Preise hielten. Jh möchte dazu be- merken: das fann man zwar den nicht vertragstreuen Händlern vorwerfen, aber man kann es nicht beweisen. Jch werde, wenn es gewünscht wird, die Namen nennen und die Beweise \hriftli<h vorlegen. Es würde heute abend zu weit führen, darauf näher einzugehen. Jch bin aber jederzeit bereit, auf Wunsch Herrn Langhammer das Material zuzuschi>en, daß manche nicht etwa jeßt, sondern seit einer langen Reihe von Jahren diese. Durchstehereien betreiben. J<h meine, wenn man andere richten will, muß man erst bei sih anfangen, und ein altes Sprichwort heißt: sieh zuerst den Balken in deinem Auge!

Vorsizender: Jch glaube, meine Herren, wir können die Debatte damit abbrehen und nun übergehen zur Frage 11:

Mit welchem Erfolge hat das Kartell eine Ein- wirkung auf die Preisgestaltung der zur Herstellung der syndizierten Erzeugnisse benötigten Rohstoffe und Halbfabrikate angestrebt ?

Papierfabrikant Raithelhuber - Kirhheim am Necar: Meine Herren, ih bin als Lieferant eines der wichtigsten und unentbehrlihsten Rohmaterialien, des Papiers, hier zur Ver- handlung geladen, und ih möchte der vorgeschrittenen Zeit wegen nur ganz kurz einige Bemerkungen machen.

Soviel ih weiß, wird Papier zur Tapetenfabrikation je nah der Qualität des Papiers und je nachdem die Dessins, die darauf gedru>t werden, feiner oder weniger fein find, bis zu etwa 50 °/, des Verkaufswerts der fertigen Tapeten ver- wendet, und somit haben wir als Lieferanten natürlih ein großes Jnteresse an dem Gedeihen dieser Jndustrie. Wir haben uns deshalb au< vom Beginn des Kartells an für dieses interessiert und haben seine Entwi>klung von Tag zu Tag verfolgt. Jh möchte nun soviel sagen, daß mir im Laufe der 10 Jahre, seit das Kartell existiert, niht zu Ohren gekommen ist, daß dasselbe irgendwelchen Einfluß auf die Preisgestaltung der Tapetenpapiere ausgeübt hätte. Die Tapetenpapierpreise haben sih seit dem Jahre 1896, wo sie, ih möchte sagen, unter dem Normalpunkt standen, bis auf den heutigen Tag im Durchschnitt kaum verändert, und es haben sih keine Schwankungen weder na< oben, no< nach unten gezeigt, mit Ausnahme der beiden Jahre 1900 und

1901, wo die gesamte Papierindustrie sih veranlaßt gesehen |

hat, aus manchen hier niht näher zu erörternden Gründen die Papierpreise um 15 bis 20 °/, vorübergehend zu er- höhen. Damit soll aber keineswegs gesagt sein, daß wir mit unseren Preisen besser daran wären als wie z. B.- die Dru>- papierfabrikation, die ja auch einen Teil der Tapetenpapiere liefert, da wir, wie diese wie au< aus den fkontradikto- rischen Verhandlungen des Dru>papiersyndikats im Jahre 1903 hervorgeht von denselben Zufällen und von den sich immermehr steigernden Rohmaterialpreisen, wie Holzshliff und Zellulose, abhängig sind. Jh möchte aber troßdem sagen, daß der Tapetenring eher eine gewisse Stabilität der Preise uns gebracht hat, obwohl die Papierpreise, wie ih vorhin sagte, sehr niedrig find, und daß wir deswegen von einem Aufhören des Kartells zum mindesten ein weiteres Sinken der Preise und eventuell au< einen Ruin kleiner Existenzen befürchten müßten. Da wir heute hon von den verschiedensten Seiten gehört haben, daß eine direkte Folge der Vereinigung eine Hebung der gesamten Tapetenindustrie ist, und daß nament- lih eine wesentli<h vermehrte Produktion und eine ganz be- deutend vermehrte Ausfuhr nah allen Himmelsrichtungen da- dur herbeigeführt worden ist, so liegt für mih kein Grund vor, das Bestehen des Kartells im Jnteresse unserer Jndustrie nicht zu wünschen.

Jh möchte aber nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit auf den $ 27 zurü>zukommen, nah welchem die Verbands- mitglieder verpflichtet sind, nur von solchen Fabrikanten, bezw. Lieferanten, Agenten und solchen Mittelspersonen zu kaufen, welche aus\cließli<h den Verbandsmitgliedern liefern. Jch gestehe offen, dieser Paragraph hat uns im Jahre 1900, wo er zum erstenmal auftrat und wo für seine strikte Durchführung eine , besondere Kommission eingeseßt wurde, vielen Schaden und viele Schmerzen verursacht insofern, als man uns zwang bezw. zwingen wollte, alte, treue, anhänglihe Kunden einfach aufzugeben, weil sie niht zum Verein gehörten oder im Laufe der Zeit ausgetreten find. Eine zeitlang haben wir die Be- dingung stillshweigend befolgt. Als man uns aber von seiten der Outsiders klare Beweise brachte, daß man Ware genug bekommen konnte, und uns auch auf unser vieles Drängen hin von seiten der Mitglieder kein Aequivalent geboten wurde für den, ih darf wohl sagen: sehr beträchtlichen Ausfall, den wir

dadurch erlitten hatten, so haben wir uns niemals, wenigstens

niht \scriftlih, verpflichtet, uns dieser Bedingung, die doch eigentlih der Gewerbefreiheit zuwiderläuft, zu unterziehen. Soviel i< nun heute aus den Mitteilungen, die auf dem Tisch des Hauses liegen, entnehme, hat der derzeitige Vor- sigende des Vereins unter Nr. 10 selbst zugegeben, daß der Beeinflussungsversu<h wirkli< mißlungen ist. Jch habe das bis jezt wohl gefühlt, aber do<h no< nicht definitiv aus- gesprochen gehört. Jch möchte deshalb im gegenseitigen Jnteresse

dringend bitten, diesen Paragraphen, der doh noch existiert, aus den Statuten auszumerzen.

Im übrigen kann ih nur wiederholen, daß wir von der Vereinigung bis jeßt nur Gutes empfunden haben, und daß ih ihr deshalb von meinem Standpunkt aus auch fernerhin ein langes Leben unter einer umsichtigen und verständnisvollen Leitung wünsche.

Bronzefarbenfabrikant Auerbah-Fürth: Meine Firma erzeugt für die Tapetenfabrikation Bronzefarben. Der Artikel selbst ist vielleiht für die Tapetenfabrikation niht von aus- shlaggebender Bedeutung; er spielt auch keine größere Rolle in der Kalkulation. Aber für unsere einheimishe Jndustrie in Fürth-Nürnberg ist dieser Artikel so bedeutend, daß er die allgemeine Beachtung verdient. Es sind Hunderte von Arbeitern in unserer Jndustrie damit beschäftigt, und viele Millionen an Umsaß werden erzielt. Jh kann konstatieren, daß der Verbrau<h der Tapetenindustrie ih habe da speziell die deutsche Tapetenindustrie im Auge in diesem Artikel in den leßten 10 Jahren ganz bedeutend gestiegen ist. Wohl muß ih au<h erwähnen, daß die Preise zurü>gegangen find; das hängt aber damit zusammen, daß durch die erhöhte Nach- frage die Technik in unserer. Branche vervollkommnet worden ist und es infolgedessen mögli<h war, der großen Nachfrage billiger zu begegnen. Jm allgemeinen muß ih sagen, daß ein Einfluß auf die Preisgestaltung in unserer Branche seitens der Tapetenindustrie nicht stattgefunden hat, wenigstens nicht in anderer Weise, als fie von jedem Käufer wahrgenommen wird. Und ih darf ferner konstatieren, daß der erhöhte Verbrauch von Bronzefarben für Tapetenzwe>e fich für unsere Branche als Segen erwiesen hat.

Tapetenfabrikant Engelke-Schwarmstedt: Es ist in der früheren Debatte darauf hingewiesen worden, daß $ 27 auf- gehoben werden möchte. Es ist allerdings. au<h schon betont worden, daß er nicht wesentlih shädigend wirken würde. Als leßter Vorsizender kann ih konstatieren, daß dieser Paragraph gar niht mehr gehandhabt worden ist. Jm Jahre 1890, zu der Zeit, als Herr Jven Vorsizender dieser Kommission war, ist versuht worden, ihn etwas straffer anzuziehen. Wir haben uns aber bald gesagt: wir wollen den Outsiders gegenüber doch auch milde sein. Also dié Nichthandhabung beruhte teilweise auf dem Unvermögen, daß wir ihn niht dur<seßen konnten, teilweise aber au<h auf der Absicht, au< dem Outsider Raum zu geben, um existieren zu können.

Tapetenfabrikant Liepmann- Berlin: Anknüpfend an das, was Herr Engelke gesagt hat, möchte ih bitten, daß das offiziell bekannt gegeben wird. Es ist mir in der legten Zeit zweimal passiert, daß mir auf Grund des $ 27 die Lieferung von Ware abgeschnitten wurde. Jch hatte früher an eine Gravieranstalt geschrieben und um eine Lieferung gebeten. Der Herr schrieb mir aber zurü>:; wir bedauern; nah $ 27 fönnen wir nur mit Mitgliedern des Fabrikantenvereins arbeiten, und als ih in der Tapetenzeitung eine Annonce wegen eines Drucers geben wollte, sagte die Zeitung mir dasselbe. Wenn nun Herr Engelke betont hat, daß er als leßter Vorsizender si< an die Durchführung des $ 27 nicht mehr gehalten habe, so meine ih doch, daß das eine sehr große Rigorosität gegen die Fabrikanten ist, die tatsählih noch auf dem Boden des $8 27 stehen. Und es wäre dringend zu wünschen, daß diesen Herren mitgeteilt wird, daß der $ 27 nicht mehr in Geltung ist.

Linkrustafabrikant Wankelmut h- Vallendar a. Rh. : Meine Herren, als i< im Jahre 1904 vor jeßt 18 Monaten meine Fabrik baute, hatte ih vorher mit einer Linoleumfabrik über einen großen Posten Zement abgeschlossen, den ih als Bestandteil von Linkrusta brauche. Als es herauskam, daß die Linoleum- fabrik, die in derselben Zeit Linkrusta herstellte, an mich Zement lieferte, stellte man den Direktor vor die Frage: er sollte die Lieferung aufgeben, oder er würde nicht in den Tapetenfabrikantenverband aufgenommen werden. Ferner kam mir vor 4 Wochen zu Ohren, daß die Deutschen Oelwerke Zement für Linkrusta herstellen. Jh schrieb dieser Fabrik einen Brief und bekam die Antwort, daß die Fabrikation im Frühjahr nähsten Jahres beginnen würde. Man müsse mir aber mitteilen, daß vom Verbande deutsher Linkrusta- fabrikanten oder vom Verein deutsher Tapetenfabrikanten die Bedingung gestellt werde, daß die Fabrik nur Aufträge von Kartellfabriken übernähme. Das spricht also direkt gegen die Aeußerungen des Herrn Engelke.

Tapetenfabrikant Langhammer - Chemniß: Die Aus- führung des $ 27 unserer Saßungen ist das konstatiere ih hiermit seit einer Reihe von Jahren aufgegeben worden. Meines Wissens war der leßte Vorsißende der Kommission, welcher die Ausführung dieses Paragraphen in der Hand gehabt hat, Herr Liepmann und nicht Herr Engelke, wenigstens war Herr Liepmann derjenige, der seine Sache in dieser Be- ziehung am besten machte. Jch kann mih noch lebhaft er- innern, daß eine Reihe von Fabrikanten, an die er si< im Auftrage der Kommission wandte, sehr lebhafte Klagebriefe an den Vorstand richteten und si<h über das rigorose Vorgehen des Herrn Liepmann beshwerten. Jch will ihm damit keinen Vorwurf machen. Er war eben ein übereifriger Vorsißzender der Kommisfion. Jch kann über den damaligen Stand der Sache weiter keine Auskunft geben, weil Herr Liepmann bei seinem Austritt die Verpflichtungsscheine ohne unsere Ge- nehmigung an die Herren zurü>kgab und das Material, welches er damals gesammelt hat, niht auslieferte. Sonst würde ih in der Lage sein, Jhnen darüber berichten zu können, welchen Umfang der Wirkungskreis der Kommisfion unter dem Herrn Liepmann angenommen hatte. Das steht aber fest, daß seit dieser Zeit der Paragraph niht mehr zur Durhführung kam. Es ist von Herrn Raitelhuber der Wunsch geäußert worden, daß der $ 27 aufgehoben werden müsse. Nun, das wird fich ja finden. Wir haben demnächst Generalversammlung, und da kann ja die Anregung des Herrn Raitelhuber verfolgt werden, hon um formell die Sache in bezug auf den $ 27 in Ordnung zu bringen, der ja tatsählih, wie Sie gehört haben, außer Kraft ist.