1906 / 4 p. 35 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Chemnitz, den 15. April 1900.

Verkaufsbedingungen des Vereins Deutscher Tapetenfabrikanten.

Minimalpreise für Tapeten, Borten und Friese. (Dieselben treten am 15. April 1900 für alte und neue Ware in Kraft.) Veberreiht von Fabrikbesißer Liepmann-Berlin.

I. Preise.

Neue Artikel, für welhe zur Zeit ihres Erscheinens noh keine Minimalpreise festgestellt sind, müssen dem Vorstande zur Einrangierung unter die Minimalpreise eingereiht werden. .Der Vorstand ift berechtigt, die Preise im Einklange mit dem ähnlichsten _teureren Genre festzu» stellen, und hat sich jedes Mitglied dieser Feststellung bis zur nächsten Generalversammlung zu fügen.

1) Maschinentapeten, bis mit 28 4 dürfen bei der Stammorder n unter 50 Nollen, selbst niht bei einem Preisaufschlag, abgegeben werden.

Naturellmaschinenborten, zum Minimalpreis zu 60 „4 ausgezeichnet, dürfen nicht unter 10 Rollen, von mindestens 65 4 an zu jeder Rollen- zahl abgegeben werden. (Diese Bestimmung gilt au< für Nach- bestellungen.)

2) Minimalpreise für Naturelltapeten :

a. cinfarbig grau Schrenz mit rein weißem Du a b. einfarbig andere Farben. .

c. 1. 2-Drud> leiht ohne Deter oder Voll- licht, bei denen ein Teil des Papiers vollständig unbedru>t bleibt . . . 16

2. 2-Dru> leiht ohne Deer oder Voll- liht mit Effekten auf dem Grund . 17 . zweifarbige, s{wer, mit Deter oder r . dreifarbige, leiht, ohne De>er oder Be . dreifarbige, Vollicht .

S per Nolle A E

18

720 \{<wer, mit De>er oder Z . bierfarbige, leiht und {wer . .. . 25 y . fünffarbige, leiht und s{<wer. . . . 28 L L T C 80 z . sieben- und ahtfarbige . ..... 35 c . neunfarbig und jede höhere Farbenzahl nt U E M 1. die Minimalpreise für 1- bis 4-Dru> Naturelltapeten ver- stehen sich für ein Papiergewicht von höchstens 65 g per qm. Wird für 1- bis 4-Dru> Naturelltavetenpapier verwendet, welhes s{werer als 65 g ist, so müssen zum Minimalpreis mindestens 2 4$ per Nolle hinzugeshlagen werden. . Minimalpreise verstehen fi< bei Naturelltapeten ohne für sih fabrizierten Unter- oder Ueberdru> und ohne Naßüber- dru> für Vollde>er, der bei der Fabrikation mitläuft.

. Unter leihten Mustern werden diejenigen verstanden, bei denen der größere Teil der Papierflähe unbedru>t, unter \hweren diejenigen, bei denen der größere Teil der Papier- fläche bedru>t ist.

. Bei einfarbig grau Schrenz mit rein weißem Dru> ist der reinweiße Kreideaufdru> entscheidend, während bezüglich der Pap lerfarde ein gewisser Spielraum gelassen wird. Fein- arbige Papiere sind ausges{lossen von dieser Preis\telung zu 13 4, sondern kosten mindestens 15 4.

3) Minimalpreise für Plafond-, Fond- und Glimmerfondtapeten*

a. für Satin- und Mattplafond einfarbig 35 4 per Rolle

Þ. 5 einfarbig Fondtapeten und Glimmer- Z ONDIODEIEE 4 As Ds G s

c. für zweifarbig Fonds und Glimmerfond- At E a E R S 00

d. für drei- und vierfarbig Fond- und Glimmerfondtapeten . E

e. für fünf- und se<sfarbig Fond- und Glimmerfondtapeten . L

f. für sieben- und achtfarbig Fond- und Glimmer O E

¿. neunfarbig und jede höhere Farbenzahl Ut: U s r O E

Anmerkung: Geglättete Papiere außer weiß und hellgelbli< für Dee und Hausflure unterliegen ebenfalls dem Minimalpreise für

atinplafond.

4) Minimalpreise für Bronze- und Glimmerdru> füc Tapeten und Borten.

Zu den festgelegten Minimalpreisen erfolgt für Bronzedru> ein Zuschlag: :

a. bei Naturelltapeten und Patentfond für eine Bronze oder Glimmer mit der Maschine gedru>t . A Trt TeDe SILONIE E le » 4

. bei Fond-, Glimmerfond und Ingrain- tapeten für eine Bronze oder Glimmer mit der Maschine gedru>t . L T Ce, SOTONZE NCDT E e e

. für jede Bronze oder Glimmer, welche nah Fertigstellung der Tapete nah- träglih aufgedru>t wird und zwar :

a. für Naturell- und Patentfond von 15 „, y ß. für Fond, Ingrain und Borten von 20,

5) Minimalpreise für Tapeten auf zweiseitigem Papier (Patent- fond) und Satinwandtapeten, sowie mit der Walze vorgedru>te Fond- tapeten Res lih Marmors:

1, O 40 per Rolle MOEHHEDIS i l eie A A drei- und vierfarbig . . . . . . . 50 fünf- und se<sfarbg. .....,. 55 fieben- und ahtfarbig . . . . . . 60 neun- und mehrfarbig mindestens . . 65 ,

Satinmarmors ohne Rücksicht auf die Farbenzahl 40 4.

Alle glänzend gemachten Naturellpapiere müssen zu den Minimal- preisen für Satin verkauft werden, nur die weißen Papiere, welche glänzend gemacht sind, unterliegen dieser Preisbestimmung nicht.

Als Patentfond gelten au die Tapeten, bei denen das Papier vollständig zugedru>t ist und im Muster nicht mitwirkt. Es ist dabei gleihgültig, welhe Farbe das Papier hat. Auf beiden Seiten muß eine Kante unbedru>t sichtbar sein, sonst gilt die Ware als Fondtapete.

Fond, welcher mit einer Walze gedru>t ist und bei dem auf jeder Seite eine Kante des Papiers fihtbar bleibt, gilt als Patentfond.

6) Minimalpreise für Jngrain pro 4 qm roh oder grundiert : U * * (0D per Rolle, b: berudt ana ee O7 p G E D y d R ér 5 e 100 vg e vier- und ven. L L Ingrain-Unis kosten bei 20 Rollen minimal 70 s,

e 10 bei weniger als 10

45

55 60

g H $ per Nolle

j

A

Alle dem Ingrain ähnlichen Artikel, als Exzelsior, Velourschrenz, Patentvelour usw. sind niht unter den Minimalpreisen für Ingrain zu verkaufen.

Alle Ingraintapeten dürfen bei zimmerweiser Abgabe nur mit einem Aufschlage von 25 9% berehnet werden.

Anmerkung: Faserschrenze unterliegen ebenfalls den Minimal-

preisen für Ingrains. 7) Minimalpreise für Unifond:

a. Satin-Uni weiß kostet jedes Quantum

Min ao es R

b. bei Abnahme von 20 Rollen derselben Farbe 50 , „, ,y

C. s, " i 10 v o v 69 "

d d d weniger als 10 Rollen . 70 „, , ¿ UVeberrollen dürfen nit gegeben werden.

8) Minimalpreise sür Borten mit und ohne Ueberdru>: a. 1. Naturellmaschinenborten, 1- bis 4-Dru> . 60 4, 2. L 9- und Mehrdru> 75 , b. Maschinenborten auf Fond und Patent- und Gn a E L A

c. bei Handborten dürfen in eiñer Ausführung 11/16 Rollen gegeben werden. Ed>en bei Handborten kosten nit unter 90 9/0 Aufschlag auf den Bortenpreis.

Anmerkung: Bei Borten gelten für Bronze- und Glimmerdru> die Zuschläge unter Nr. 4 a, b und c.

9) a. Unter- oder Ueberdru>, der für sich fabriziert wird, bedingt bei den Minimalpreisen von Naturelltapeten einen Zuschlag von mindestens 3 $ per Rolle, es darf aber mit dem Ueber- oder Unterdru> ni<t mehr als die Hälfte des Papieres bedru>t werden, sonst gilt die betreffende Tapete als Fondtapete.

b. Ueberdru>, welcher mit den anderen Farben zuglei gedru>t wird, bedingt bei vollen De>ern (also au< Vollicht) 2 4 Zuschlag zum: Minimalpreis.

Wenn der nasse Ueberdru> in eine der Dru>walzen des Musters mit gesto<en ist, muß auch bei dieser Herstellungsart ein Aufschlag von 2 .S$ per Nolle erfolgen.

10) Minimalpreise für Küchen-, Flur-, Wirtsstuben- und Zimmer- tapeten imprägniert oder mit Oeldru>:

a. ganz imprägnierte Tapeten

1 2 3 4 5 6 7 Sund mehrfarbig 245 2 89S 3239 3694 4059 449 48S 92 H per Nolle,

b. nit imprägnierte Tapeten, welhe nur imprägnierten Dessin-

dru> haben

1 2 3 4 5 6 7 Sund mehrfarbig 204 235 2695 295 24 359 384 41 9 per Rolle. Ueber- oder Unterdru> 3 „3 per Rolle mehr. Borten, imprägniert, kosten mindestens A 1,50 per Rolle.

11) Minimalpreise für Holztapeten. Dieselben verstehen \i< für 4 qm per Nolle.

a. Uni-Holztapeten,Hochdru>, naturell, unlasiert 23 per Rolle, De 2 ë Oelfarbenho<hdru>,unlasiert 25, , , C2 Ÿ Diesdrul, unl D. A ú Hoch- und Tiefdru>, naturell, ac a e. Uni-Holztayeten, Hoc- und Tiefdru>, weiß Papier: U. e S f. Brettchen, Parkettholz, Holztäfelung D C g. Maschinendru>, Holzborten und Leisten aller Grua E E ai h. Holzlambrien, Maschinendru> und zwar: 1-Dru> 2 Dru> 3 Dru> 4 Dru> naturell 60 65 S 70 4 75 auf weiß Papier 80 , 89 90. S i. Lakholzborten 200 4 per Rolle. k. Bei Verkäufen von mindestens 300 Rollen einer Aus- führung an Mitglieder des „Vereins Deutscher Tapeten-

fabrikanten“ dürfen außer den bestimmten - Konditionen 15 9% Ertrarabatt gewährt werden.

1} Der Minimalaufshlag für La>küberzug auf alle Tapeten beträgt 40 „J.

Bei nicht imprägnierten Tapeten, la>ierten Dessintapeten, die nur imprägnierten Dessindru> haben, muß der Minimalpreis für Leim- farbennaturellla>tapeten zu Grunde gelegt werden.

Ganz imprägnierte Tapeten werden dagegen genan wie La>fond- tapeten behandelt.

Sämtlihe Minimalpreise für Tapeten und Borten verstehen sh für Rollen von 4 qm Fläche.

In Zweifelsfällen irgend wel<er Art in bezug auf vorstehende Bestimmungen entscheidet der Vorstand.

Die neuen Minimalpreise treten für Bere<hnung der Lagerware vom Tage des Beschlusses an sofort in Kraft.

Die vorstehenden Minimalpreise treten am 15. April 1900 für alle Leferungen in Kraft.

Vom 15. April bis 1. Juli wird für alte Ware auf die erhöhten Minimalpreise den Händlern ein Rabatt von 80/9 gewährt.

Dieser Nabatt kommt vom 1. Juli für alte Ware in Wegfall.

Bei La>- und La>kfayencetapeten wird dieser Rabatt von 8 9/6 nur insoweit abgeseßt, als dadur< der Preis der Ware nicht unter die alten Minimalpreise finkt.

Dieser Rabattsay wird au< niht gewährt für Tapeten, welche höher als zu den festgelegten Minimalpreisen verkauft werden.

Die Beschlüsse IT 16 a und b, den Rabatt für Bezüge von größeren Rollenzahlen betreffend, werden auf die Zeit vom 15. April bis 1. Juli aufgehoben.

Verein Deutscher Tapetenfabrikanten. Mar Langhammer, Vorsitzender.

40 S per Rolle,

35, "

150, "

é

Beantwortung der im Fragebogen enthaltenen Fragen durch den Vorsitzenden des Vereins Deutscher Tapeten- fabrikanten.

Þ Die Organisation führt die Bezeihnung: Verein Deutscher *

Tapetenfabrikanten, Siß Chemni.

Die Zahl der Betriebe uud Mitglieder beträgt für Deutschland 42 dazu kommen no< 4 Betriebe in Oesterreich-Ungarn, welche sih unserem Verein als Mitglieder anges<hlofssen haben.

Hierzu will ih ausdrü>lih bemerken, daß der Verein Deutscher Tapéetenfabrikanten die Dur<führung der Beschlüsse für den Wieder- verkauf im Tapetenhandel übernommen hat.

Gine andere Form der Durchführung ist deshalb ausges{lofsen, weil sih der deutsche Tapetenhandel aus ca. 2000 Existenzen zusammen- seßt und sih nit so organisieren kann, daß er die Durchführung der Beschlüsse mit Erfolg selbst in die Hand nehmen konnte. Eine Organisation der Hex mit einer zuverlässigen Rechtsgrundlage befteht nur an einzelnen größeren Orten Deutschlands.

Diese Händlerbeshlüsse werden alljährlih auf einer Versammlung der Händler und Fabrikanten festgelegt. Zu dieser Versammlung

werden sämtlihe deutshe Tapetenhändler und -Fabrikanten eingeladen -

und es hat selbstverständlih jeder Anwesende das gleihe Stimmrecht. Die Beschlüsse dieser Versammlung werden dann dem Verein Deutscher Tapetenfabrikanten zur Durchführung übertragen.

2) Eine auch nur annähernd zutreffende Antwort auf diese Frage kann nit gegeben werden. +

3) Die Bestimmungen des Vertrages erstre>en {si< auf alle Er- zeugnisse der Tapetenindustrie, also Maschinen- und Handdru>tapeten, Borten und Friese.

4) Au nas fann eine Antwort nicht gegeben werden, weil pel Ader über diese Internas ihrer Betriebe keine Aus- unft geben.

5) Die Organisation in der jeßigen Form wurde im Jahre 1896 gegründet.

Der Vertrag wird von Jahr zu Jahr erneuert und jedes Mit- glied hat das Recht, dur< halbjährige Kündigung seinen Austritt aus dem Verein zu bewirken.

Der Verein bestand bereits vor dem Jahre 1896, es fehlten aber damals in der Hauptsache die Bestimmungen über Minimalpreise und Konditionen.

6) Die Organisation hat den Zwe>, unsere Branche wirtschaftlih und kunftgewerblih zu heben.

In wirtshaftliher Beziehung soll die Prang dadur erfolgen, daß wir Minimalpreise für unsere Fabrikate festsezen.

Bei dieser Festseßung ist darauf Rü>sicht zu nehmen, daß eine größere Zahl von Betrieben außerhalb des Vereins stehen. Diese Betriebe können ihre Preise natürli<h willkürlih festsetzen. Dadurch ist es selbstverständlih au< verhindert worden, daß wir Preise für unsere Artikel erlangen, wel<e einen außergewöhnlih boben Verdienst ewährleisten. Nur derjenige Tapetenfabrikant wird höheren Verdienst baben können, der dur< seine Leistung in der Lage ist, den Durch- \hnittspreis für seine Erzeugnisse verhältnismäßig hoh zu halten.

Zur Hebung in kunstgewerbliher Beziehung hat die Organisation unbedingt beigetragen. Das beweist die Zunahme der Ausfuhr in Tapeten und ¿zwar na< Ländern, die felbst seit langer Zeit Tapeten fabriziert haben. Die Ausfuhr na< England, Frankrei, Belgien, Holland, Italien usw. ift ganz erheblih gestiegen.

Es wird au< im Ausland anerkannt, daß die Leistungen der deutschen Tapetenindustrie in bezug auf Muster, tehnis<he Ausstattung und Farbenwirkung auf einer hohen Stufe stehen.

7) Der Verein Deutscher Tapetenfabrikanten gründet seine Tätig- keit auf Satzungen.

Die Geschäftsführung liegt in der Hand eines Vorstandes, dem bestimmte Vollmachten übertragen worden find. Jn dieser Beziehung geben die Satzungen die nötigen Erläuterungen. ® Die Verstôöße gegen unsere Bestimmungen können und werden dur< Geldstrafen gesühnt. Hierüber hat der Vorstand unter Mit- wirkung des Angeschuldigten und seiner Verteidigung zu reden, die leßte Instanz für die Entscheidung {find die staatlihea Gerichte.

8) Ueber die abgeseßzte Menge ist eine genaue Auskunft nicht mögli<h. Soviel ift bestimmt, daß sih der Absatz gegen früher wesent- lih gesteigert hat, namentli<h in bezug auf den Wert der Ware.

Der Verkauf der Ware ist jedem Mitglied selbst überlaffen und wird dur< den Verein nit geregelt.

Es ift also der individuellen Auffassung auf diesem Gebiete ves freie Hand gelassen, foweit niht die Preise als Minimalgrenze un die Konditionen festgelegt sind.

Nur der Verkauf der Lagerwaren, das find die Waren, die aus der laufenden Saison übriggeblieben find, wird durh eine besondere Kommission überwaht. Das Mitglied hat den Lagerbeftand an- und abzumelden.

Lagerwaren werden billiger verkauft. Damit nun niht auch reguläré Ware zu den Ren Preisen verkauft werden kann, wurde die Kontrolle durh eine besondere Kommission eingeführt.

9) Hierzu ist zu bemerken, daß die Minimalpreise durch die Konkurrenz der außenftehenden Fabrikanten auf ein fehr niedriges Niveau hberuntergedrü>t worden sind. Es ist notorish, daß durch die Fabrikation billiger Ware der Verdienst ein außerordentlich geringer ift.

Die - Vorteile unserer Organisation bestehen darin, daß wir die Preise niht auf ein verluftbringendes Niveau heruntersinken lassen. Bei der Ueberproduktion in unserem Artikel wäre das sicher eingetreten.

In diesem Bestreben werden wir au< dur< die Händlershaft unterstüßt. Diese hat au< ein Interesse daran, daß die Preise eine gewisse Höhe für den Handel sowohl wie für die Industrie behalten.

Im Auslande entscheiden namentili<h in billiger Ware dee tei stellung der Mitkonkurrenten und die Fracht- und Zollverbältnifse. a eeteinna für den Verkauf na< dem Auslande findet überhaupt nicht statt.

10) Unser Verein hat allerdings versucht, die Papier- und Farben- fabrikanten, Formstehereien usw. dahin zu beeinflussen, daß fie nur an Mitglieder unseres Vereins liefern. Der Versuch ist aber miß- lungen.

An Warenhäuser, Handwerkervereinigungen usw. dürfen unsere Mitglieder keine Ware mehr verkaufen.

11) Eine Einwirkung auf die Preise von Rohstoffen und Halb- fabrikaten für unsere Branche haben wir niemals versucht.

12) Auch hierzu ist ein Versu von unserer Seite niemals unter- nommen worden. , “e

13) Es ist notoris<, daß die Löhne der Arbeiter, namentli die der gelernten, sehr günstig find; Maschinendru>er verdienen 25 bis 35 # pro Woche.

Genaue statistishe Angaben hierüber können niht gegeben werden, weil mir dazu die Unterlagen fehlen.

14) Auch hier hat ein Einfluß seitens unseres Vereins nicht statt- gefunden.

Im allgemeinen is no< zu bemerken, pa es sih unsere Organi- sation im wesentlichen zur Aufgabe gestellt hat, die Interessen der Fabrikanten und Händler zusammenzufafsen.

Zu diesem Zwe>ke haben regelmäßig Verhandlungen über die Preis- und Verkaufsbedingungen stattgefunden und es ift in allen diesen Fragen eine Einigung bis jeut erzielt worden. :

Diese Organisation hat dazu beigetragen, gerade mittlere und kleinere Existenzen zu erhalten. Der kleine Fabrikant hat diefelben A E wie der große, troßdem er wesentlih weniger Gesäfts3- pesen Hat.

Der kleine Händler bezieht seine Ware zu denselben Preisen wie der große, dem großen Händler ist nur eine mäßige Umsaßbonifikation gewährt worden. Der kleine Händler verkauft zu denselben Preisen und Bedingungen wie der große.

Durch diese Ausgestaltung der Organisation haben wir -einen Händlerstand, der eine zulässige Grenze hat, uns erhalten.

In Frankrei, England und Nordamerika liegt das Geschäft heute nur in den Händen einer kleineren Zahl von Grossisten ; es hat also au<h im Handel eine Konzentration der Betriebe stattgefunden.

Das hat bis jegt die Organisation in Deutschland ficher ver- hindert. Sie hat also nah zwei Richtungen hin gerade für mittlere und kleine Eristenzen günstig E einmal dur< das Verbot, an Warenhäuser usw. Ware zu verkaufen und dann durch die Garantie, S Ein- und Vexrkaufspreise für kleine und große Fabrikanten und

ndler dieselben sind. 3

als vertrauensunwürdig herabzusetzen. giateit

Naturelltapeten.

Grundierte (Fond-) Tapeten.

1894 1897 | 1898 | 1899

1900

j

1901 | 1902 | 1903 | 1904 | 1905 1894

1897 1898 | 1899 | 1900

1901

1897

1898 | 1899 | 1900 } 1901 | 1902 | 1903 | 1904 | 1905

1902 | 1903 | 1904 | 1905 | 1906 1897

1898

1899. | 1900 | 1901 | 1902 | 1903 | 1904 | 1905 1906

11 11 13/14 | 13/14 16/17 | 16/17 18/20 | 18/20 22/24

11/12 14/15

Der Minimal- 17/18

preis für Naturelltapeten betrug in diesen

8 und mehrfarbig . 32/36 | 32/36

13/15 16/18 20/22 20/22 29 22/24 28

pro Rolle. 30 30 35

39/40

10/16 14/18

f 11/16 | 10/15 10/15 | 10/16 18/22

14/20 | 13/18 | 13718 | 13/18 20/22 | 17/20 | 17/20 | 18/22 25 22/24 28 25/27

30 27/30 39 ¿2

Der Minimal- preis für grundierte |

(Fond-) Tapeten

betrug in diesen

Jahren 30 pro Nolle

35/40 32

| | 1 |

39 39 45 45 40 40 40/45 | 40/45 40 40 90 90 44 | 45 50 50 45 45 99 99 590 | 50 Do: 0 45 45 99 99 0 F00 29 | 95 50 50 60 60 O E, 99 99

und höher | desgleichen 60 60 desgleichen 60 | 60 65 | 65 | und höher 55/60 | 65/70 65/70 | desgleichen

50 50 60 60 99 99 65 65

| 55/60

1 farbig 2 und mehrfarbig

100

Ingrains. [201.70 | 80 | 0. | 80/100 | O 90/120 | 90/120 | | | | | j

65/80 90/100 und höher

5 und mehr Band . 1—3 Band Friese .

44S. |

|

Denkschrift, betreffend die Organisation der Tapetenbranche,

verfaßt von Herrn Eduard Jungmann.

Die dur< den Deutschen Reibstag veranlaßte und durh das Reichsamt des Innern nunmehr auf die Tapetenbranhe ausgedehnte Kartellenquête gibt willkommene Selegenheil, niht nur über die Organisation in ihrer gegenwärtigen Gestaltung vom Standvunkte des Tapetenhändlers aus zu berihten, sondern au< auf frühere Zeiten zurüczugreifen, um die Mißstände zu s{ildern, die den Anstoß zur Organisation gegeben haben, die aber jeßt mit mehr oder weniger Erfolg beseitigt wörden sind.

Der nah dem Jahre 1870 eingetretene allgemeine Aufs<wung des Geshäfts und der mähtig einseßende Unternehmungsgeist fand die Tapetenbranche im Zustande einer tief einshneidenden Umwälzung ihrer Fabrikationsbedingungen. Nachdem die Industrie vormals einzig auf Handarbeit zur Herste ung ‘ihrer Erzeugnisse angewiesen gewesen war und si bis dabin nur eine kleine Anzahl von Maschinen zum Tapetendru> als Neuheit in Betrieb befand, sah man si plögli bor die Aufgabe gestellt, cinen urgeahnt großen Bedarf ras< deen zu müssen. Die Fabrikanten konnten gewisse Aufträge erst nah Wochen und Monaten ausführen und viele Händler reisten persönli in die Fabriken, um zufällige Vorräte aufzukaufen. Es lag deéhalb nahe, taß sih nit nur die älteren Fabriken dur Neubauten und Aufstellung von Maschinen vergrößerten, sondern daß auc eine ganze Anzahl von neuen Unternehmungen auftauhten, die mit den besten maschinellen ErrnngeyPaflen (sogar für die Nebenleistungen) aus- gestattet wurden. Nunmehr entspann \i< ein heftiger Wettkampf zwischen Handdru>ware und Maschinenerzeugnis und das .leßtere hat im Laufe der Jahre infolge höchster tehnis<er Ausbildung der Pro- dukte und vermöge der Verbilligung das Absatzgebiet zum weitaus arößten Teil für si<h in Besiß genommen. aum bedarf es der Erwähnung, daß dieser Umstand den raschen Niederaang des Dur(h- \hnittsve:faufswertes des Artikels nah si< zog. Die Verbilligung vollzog \fih um so schneller, als die Preisbildung der Fabrikate nicht auf längeren Erfahrungen berubte, sondern vielfah nur \{<äßungsweise unternommen wurde, weil es den jungen Unternehmungen vor allem darum zu tun gewesen, si< dur< günstige Angebote jofort bei der Kundschaft einzuführen. Dem Handdruartikel wurde im Laufe der Jahre immer mehr Boden entzogen und erst in der Neuzeit werden Versuche gemaht, die Handanfertigung wieder häufiger anzuwenden. Unterstüßt wird dieses Bestreben dur<h den Umstand, daß gegenwärtig vermehrte Anforderungen an den Handel wegen Extraausführung kleinen Bedarfes für einzelne Räume gestellt werden, welche auf dem Wege des Maschinendru>s unmöglich zu leisten sind. Es liegt somit die Ueberwindung der Verkaufss{hwierigkciten für solhe Artikel einzig dem feineren Detailgeschäfte ob und sie beanspru<t als Vorbedingung und Grundlage die kostspielige Beshaffuug eines reihen Muster- materials8,*defsen Amortisation bei Berechnung der Spesen berü>sichtigt werden muß.

Kurze Zeit nah der vorstehend erwähnten Entwi>lung der Maschinentapetenfabrikation trat eine, sih auf alle Gebiete erstre>ende Preissteigerung ein, so daß auch die Tapetenfabrikation genötigt war, den betretenen Weg der Verbilligung wieder rü>wärts zu gehen, indem man zunä<hst den damals ro< üblihen Nabatt von 10 9%% aufbhob. Während der Jahre, die auf 1873 folgten, trat mit dem Rückgang des Geschäftes eine nah und nah doppelt empfindlih ge- wordene Ueberproduktion ein und nötigte die Fabrikanten, weitere Absaßzgebiete aufzusuchen. Als solhe betrachtete man vielfa die seitherigen Abnehmer des Händlers: die als Agenten mit Hilfe von Musterkarten tätig gewesenen Sattler, Maler, Anstreiher und Tape- zierer an kleinen Pläßen und auf dem Lande. Zur De>ung dieses Bedarfs hatte \sih der Grossist und Händler dur Lageraufträge vor- gesehen, mußte aber zu seinem Schaden bemerken, daß die nunmehr dur< direkten Einkauf selbständig gewordenen Agenten seine Dienste niht mehr in Anspru< nahmen und ihn auf seinen Vorräten sigen ließen. Es entstand deshalb in gewissen Kreisen eine große Miß- timmung gegen einzelne Fabriken, während andere Firmen die Vorräte und selbst die no< anzufertigende Produktion an gewisse Grossisten unter dem Druke der Konkurrenz als Namschware ver]<leuderten, wie später nachgewiesen werden wird. Auch große Detailgeshäfte beuteten die Notlage einzelner Fabrikanten auf gleihe Weise aus, legten Tapetenproben, welche auf der Nü>seite mit Retlamen bedru>t waren, den öôffentlihen Tagesblättern bei oder fertigten leine Musterbücher, die dur<h Scleuderpreise bestehen sollten, die aber weder über den ualitativen Wert der Ware und no< weniger über die Wirkung der

eihnung ein ridtiges Urteil zuließen. Die Ware wurde ‘gegen

ahnahme versandt, wobei der Verkäufer sih aber zumeist frei ließ, ie Borten nah seinem Ermessen beizugeben. Bestellte man eine Tapete ohne Borte, so wurde die Lieferung verweigert, wie Verfasser bei Gelegenheit eines Pee wegen unlauteren Wettbewerbs vor Gericht feststellen konnte. Suchte man auf sol<he Weise seitens der Händlerschaft auf die Konsumenten einzuwirkeu, so beteiligten sich andererseits sogar Fabrikanten am Wettbewerb bei Lieferungen für Bauten, denn sie besu<ten Architekten, Bauunternehmer usw. und boten ihre Ware ab Fabrik an. Solche Fälle waren indessen nur vereinzelt und sie haben si ras von selbst geräht; immerhin dienten die Vorkommnisse dazu, die konsumierenden Kreise gegen die Händler- haft einzunehmen und die Preise zu drü>en, denn mancher Händler glaubte die Konkurrenz dadur bekämpfen zu können, daß er nun elbst einzelne Kategorien zu billigsten Reklamepreisen anzeigte und ohe Rabatte anbot. Jn solchen Fällen diente Ramshware als Mittel zur Gegenwehr. i :

Unter den vielen Mißständen, die in der Zeit vor Beginn der Organisation und noch in den ersten Jahren ihres Bestehens mitgewirkt haben, müssen au die proyen öffentlichen Versteigerungen genannt werden, wodur< an verbrauchsfähigen tuen ungemessene Mengen ‘von Ware zu jedem Preise auf den Mar „gebra<ht worden sind. Nei Hausierhandel mit Tapeten wurde in einzelnen Gegenden eben.

Alles das hatte dazu gedient, die Stellung des Tapetenhändlers zu untergraben und sogar fie Person in den Augen der Kundschaft Außerdem war er zum großen

vollkommene Abhän von s<maroßzenden Mittels-

Naturellmas<hinenborten. 40 | 40 | 40 | 60 i | E 7D (00: G0

| 60|0|40 5 H O

| 50/60 | 55/65 | 55/65 |} [100/125] 80/100 | 80/100 ||

personen geraten, die nur für denjenigen tätig waren, der ihnen die

hôödhste Provision gewährte, die ihm aber jedes bereits mit Mühe

selbständig abgeshlofsene Geschäft zu verderben suhten, wenn er nitt wenigstens nahträgli<h no< eine sogenannte Verarbeitungsprovision gewähren wollte. -_

_ Daß unter solhen Umständen die Händlershaft nur in seltenen

guten die nôtige Festigkeit besaß, daß sie vielmehr alle, zu ihrer

usbeutung häufig Vorge [Pg Angaben bezüglih der Angebote der Konkurrenz unbedingt für wahr hielt und deshalb ras< eine überflüssige Nachgiebigkeit zeigte, kennzeihnet den geshäftli- moralischen Tiefstand des Tapetenhandels zu damaliger Zeit. Die

Kollegenschaft {hien gänzlih das Standesbewußtsein verloren zu haben

und man glaubte darum, dem Tapetenhändler alles bieten und alles

zutrauen zu können. Der fa- und kaufmännish gebildete Händler

m sich nur mit tiefster Beshämung jener \<ma<hvollen Zeiten

erinnern.

Mit dem 1. Januar 1888 erbiélt die Branhe in der dur< Zie, Koh _ in Darmstadt gegründeten „Tapeten-Zeitung“ ein vor- trefflihes Organ, das nicht nur in ges<hi>ter Weise die Shäden der Branche bespra<h und auf die Notwendigkeit einer Organisation der Fabrifanten und der Händler hinwies, sondern das au<h den Fach- angehörigen der Branche selbst die Spalten öffnete. Auf diese Weise erhielt man erst na< und na< Kenntnis davon, wie weit das Uebel bereits vorgeschritten war.

__ Am 24. April 1889 vollzog fich a Frankfurt a. M. die Gründung eines Vereins Deutscher Tapetenfabrikanten, dessen erste General- versammlung am 23. Juni in Cöln unter Beteiligung von 42 Mit- gliedern stattfand. Die Mitgliederzahl hob si< ras< auf 52 Fabriken, fo daß von ganz unbedeutenden Betrieben abgesehen alle Unter- nehmungen dem Verein angehörten. Eine spätere Versammlung in Le beschäftigte si< auf Anregung von einer Anzahl von

ändlern mit den als Zeitungsbeilagen mit Reklamepreisen ver- breiteten Tapetenproben. Man wandte ih an eine g-wisse, in der

Zwischenzeit an diesem System zu Grunde gegangene Firma, um fie

zum Einstellen des Verfahrens zu veranlassen. Da die Mahnung aber erfolglos blieb, so rihtete eine Gruppe von 24 hervorragenden Berliner

Firmen am 20. April 1890 das erneute Gesu an den Fabrikanten- verein, daß ein ganz entshiedenes Verbot erlassen werde, und man versäumte nit, dabei zu bemerken,

„daß man si< na< Lage der Dinge wohl veranlaßt sehen würde, bei denjenigen Herren Fabrikanten, welche sich einer anzustrebenden Vereinigung in dem berührten Punkte nicht anzushließen vermöchten, ‘eine Veränderung der bisher bestandenen Fer einding herbeizuführen“.

Der Verein Deutschêr Tapetenfabrikanten bes<loß nun einstimmig: „Den \{<ädli<en Reklamen dur< bedru>te Tapetenproben als Zeitungsbeilagen, sowie der Verbreitung von kleinen Musterbüchern mit Preisen dadur entgegenzutreten, daß die Mitglieder des Vereins \folhen Händlern keine Ware mehr liefern dürfen.“ 1

Die Verletzung dieses Beschlusses wurde unter hohe Konventional-

strafe gestellt.

Im folgenden Jahre wurde wegen dieses Verbotes eine Umfrage unter den Tapetenhänèlern gehalten; von 517 Firmen erklärten #< 511 für Aufre<hterhaltung des Verbotes und nur s sprachen ih dagegen aus. Nach diesem erften Erfolge ergab es si von selbst, daß nunmehr au die Händler zu einer Vereinigung kommen mußten. Ein durch die Tapetenzeitung gegebener M führte zur Gründung des ersten Lokalvereins, der in Frankfurt a. M. am 11. Januar 1891 unter dem Vorsiß des Verfassers dieser Schrift zusammentrat. Weitere Gründungen folgten ras< in Berlin, Cöln, Stettin, Braunshweig und Darmstadt, zumeist auf Grund des Programms und der Satzungen von Frankfurt, die in der Tapetenzeitung dur< die Redaktion veröffentliht worden waren. Nur mit Widerstreben folgten manche Kollegen dem an sie ergangenen Rufe, weil sie befür<teten, daß von den Nachbarstädten Verdächtigungen gegen die organisierten Händler verbreitet werden würden, um sie ede reT Tendenzen anzushwärzen und ihnen um fo leihter das Geschäft aus der Hand nehmen zu können. Dieses System wird nunmehr tatsähli< dur die Gegner der Organisation verfolgt. i

Nicht ohne Begründung sah der Verein Deutsher Tapeten- fabrikanten voraus, daß si< nunmehr nah kleinen Anfängen auch die ganze Händlershaft zusammensließen und mit gemeinsamen Forderungen an ihn im gesamt oder an das einzelne Mitglied heran- treten würde. Deshalb faßte man am 9. Dezember 1890 in Cöln nachstehenden Beschluß, dessen Uebertretung unter hohe Konventional- strafe gestellt wurde : i

„Geschlossenem Vorgehen einer Anzahl von Händlern gegen- über darf sih das einzelne Mitglied irgendwelhe Bedingungen oder Beschränkungen nit auferlegen lafsen. Es sind dahbin- zielende Anträge seitens der Händler an den Vereinsvorstand zu richten, der über deren Annahme seitens der Mitglieder zu euscheiden hat.“ :

Dem in diesem Beschluß zum bere<tigten Ausdru gekommenen Solidaritätsgedanken entsprehend, mahte sih tatsähli<h in der Hüändlerschaft der Drang nah Vereinigung immer mehr geltend und der Vorstand des Tapetenfabrikantenvereins selbst bot hierzu die Hand. Verfasser dieses Berichtes hatte bereits am 15. März 1891 dur die Tapetenzeitung einen Aufsaß veröffentlit, der unter der Aufschrift: „Der kunstgewerblihe Wert der Tapete und die kleinen Reklamebücher“ die Händlershaft wegen der bereits erwähnten Abstimmung beeinflussen sollte. Vermutlich aus diesem Grunde wandte 18 der Vorstand des Fabrikantenvereins bei Gelegenheit einer Sitzung n Frankfurt a. M. an den Verfasser, um thn zu veranlassen, die Bildung eines Allgemeinen Deutschen Händlerverbandes in die Hand zu nehmen. Für den 26. April hatte der Cölner Lokalverein eine Versammlung der Tapetenhändler von Rheinland und Westfalen anberaumt, um einen Verband zu gründen, und man hatte Verfasser mit einer Einladung beehrt, der er gerne Folge leistete, um bei dieser Gelegenheit Anhänger für einen Deutschen Verband werben zu können. Die Versammlung erklärte si bereit, einer folhen Vereinigung, deren Gründung für den Sommer in Frankfurt a. M. in Ausficht gestellt worden war, beizutreten. Verfasser seßte fi< nunmehr mit den Vorsitzenden der verschiedenen Ortsvereine in Verbindung und arbeitete

$

Fondmas<hinenborten.

701 M. 100 | 100 | 100 100. F 100 ‘| 100 | 100 | 100 100 | 100 | 100 ! 100 | 250 | 250 200 | 200 | 200

lr eine nah Braunshweig auf den 28. und 29. Juni einberufene ersammlung der Tapetenhändler Norddeutshlands eine Denkschrift aus, die in allgemeinen Zügen eine große Organisation zeichnete. Die Versammlung beschränkte sh indessen vorerst auf Gründung eines Norddeutschen Verbandes, sagte aber den Anschluß an das Ganze zu. Verfasser war somit genötigt, die Angelegenheit allein weiter zu verfolgen; er arbeitete einen Saßungsentwurf aus, der an die Orts- vereine und fonftige Interessenten mit der Einladung zum Besuche einer auf den 23. August 1891 na< Frankfurt a. M. einberufenen allgemeinen Deutschen Händlerversammlung versandt wurde. Der Besuch aus allen Teilen des Reiches war äußerst zahlrei. Offizieller Bericht über die Verhandlungen findet \si< in der Tapetenzeitung vom 15. September 1891. Zum Vorsitzenden und Geschäftsleiter des neu- Patändeten „Verbandes der Tapetenhändler-Vereine“ wurde der erfasser vorliegenden Berichtes ernannt; er waltet dieses Amtes ununterbrohen bis heute, au< nahdem die Vereinigung unter dem Namen: „Hauptverein Deutscher Tapetenhändler, e. V.“, entsprechend den Bestimmungen des Bürgerlichen Geseßzbuches, mit einer gegen- wärtigen Zahl von 378 beitragenden Firmen eingetragen worden ist. ie nun folgenden Jahre wurden dem inneren Ausbau der Qo gewidmet und die verschiedenen tiefen Mißstände teilweise bei Gelegenheit der Versammlungen, teilweise durh Flugblätter oder die Tapetenzeitung besprohen. Namentlih ershiznen als Zeichen reger Mitarbeit der einzelnen Händler viele „Eingesandt“ ohne Namensunterschrift, wodur< die Kollegen \<äßenswerte Mitteilungen und Anregungen brachten, hauptsähli< aber über ‘unlauteren, in bäßlihster Form auftretenden Wettbewerb berihteten. Besonders häufige Ursache der Klage war die Vorspiegelung fals<her Tatsachen; die Händler pflegten sih nämli fast allgemein dem Konsumenten als Fabrikanten vorzustellen und zu versithern, daß fie zu Fabrikpreisen verkauften. Einige Ramschwarenlo>vögel mußten die Vorspiegelung wahrsceinli<h oder glaubhaft machen.

Die Organisation hatte bereits vor Inkrafttretung des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs erreiht, daß die üblich gewesene Bezeihnung : „Tapetenfabrik“ bei Händlerfirmen vers<hwunden ist. Die leßten Mißbräuche dieser Art sind aber erst infolge eines in Frankfurt a. M. auf Grund genannten Geseßes angestrengten Prozesses ras beseitigt worden. _

Sutte die Händlerschaft zunächst Abhilfe gegen sahlihe Mißstände, so darf gleichzeitig mit Befriedigung datauf zurükgebli>t werden, daß infolge des nunmehr regelmäßig ffatifindenden persönlihen Verkehrs au< eine Annäherung von Kollegen zu Kollegen stattfand, so daß manche dur< Mißverständnisse hervorgerufene Feindschaft beseitigt wurde, indem man den Gegner ni<t mehr als Feind betrachtete, sondern ihn als gleihbere<tigten Mitbewerber achten lernte. Die Verbandsleitung hat niemals versäumt, diesen obersten Grundsatz der Organisation bei ihren zahlreichen Ne hervorzuheben. So heißt es in einem Flugblatte vom 1. Dezember 1893, nachdem der Beschluß des Fabrikantenvereins: „Geschlossenem Vorgehen einer Anzahl usw.“ erwähnt worden war:

„Man kann diesen Beschluß, der die Zusammenkittung der Mitglieder zu einem widerstandsfähigen Ganzen sowohl im Gesamtinterefse der Fabrikanten als au<h zum Schuße jedes Einzelnen derselben bezwe>t, billigerweise so lange nicht tadeln, als er nit nebenbei eine gleihwertige Kräftigun der Händlervereinigung verhindert. Würde si dieser Fa hier oder bei anderer Veranlassung ergeben, so müßte natürlih der Verband der Händlervereine mit allen Mitteln auf eine Beseitigung solher B-shlüsse hinarbeiten oder seinerseits Beschlüsse fassen, die das gestörte Gleichzewicht wieder berzustellen imstande wären.“

Als Ecgänzungen zu mehrerwähntem Beschlusse müssen na<hstehende Verfügungen betrachtet werden:

„Anträge von Händlervereinen sind zwischen den beiderseitigen Vorständen zu beraten und alsdann der Versammlung der Fabrikanten vorzulegen“,

und ferner: s

„Der Vorftand wird verpflichtet, Anträge, welche gegen Beschlüsse des Vereins Deutscher Tapetenfabrikanten verstoßen oder eine Umgehung derselben bezwe>en, nicht mehr auf die Tagesordnung der Generalversammlung

zu seßen.“

„Obgleich bereits diese Beschlüsse zur aus\{ließli<hen Stärkung des Fabrikantenvereins dienen, insbesondere damit jede Lo>erung des Zusammenhangs unter den Mitgliedern verhindert werde, so hat do<h die Generalversammlung zu Dresden kein Bedenken getragen, diese Kräftiaung des Fabrikantenvereins no< weiter zu steigern, indem die Mitglieder des Händlerverbandes si< ve1pflihteten, nur von solhen deutshen Fabrikanten zu kaufen, die dem Verein an- gehören. Durch diesen Beshluß wurde bewirkt, daß der Fabrikanten- verein als Gegenleistung ni<ht nur das Verbot der Sleuder- musterbücher erneuerte, sondern daß er au< Annoncen mit Preisen untersagte und ipeer in Braunshweig sogar ein Verbot der Annoncen mit Rabatten erlassen konnte. Indem der Händlerverband freiwillig das Opfer einer Beschränkung seiner Bezugêquellen über- nahm, ermöglichte er zunächst die Durführung der Sperren, die als Strafe für Uebertretung jener Verbote nah beiden Seiten hin Händler und Fabrikanten verhängt worden sind. Ohne eine Händlerorganisation würde eine sol<he Maßregel ein Ding der Un- möglichkeit sein.“

„Außerdem aber sind die Mitglieder des Fabrikantenvercins purs diesen Beschluß des Händlervereins fester zusammengekittet, als dur alles andere. Es ist bekannt, daß einige Herren, na<hdem fe die roßen Nachteile eines Austritts oder eines Aus\hlusses empfunden atten, si< zum Wiedereintritt gemeldet und nur unter Garantien aufs neue zugelassen worden sind.“

„Unter der selbstverständlihen Vorausseßung vollständiger Gleich- berehtigung tritt nun an den Händlerverband die Aufgabe heran, niht nur seinen Bestand in gleiher Weise und mit gleihen Mitteln zu sichern, sondern ihn au<h zu mehren. Es wird Sache der nälhsten Generalversammlung sein, alle die Umstände, welche einer Weiter- ent ng bisher im Wege gestanden haben, rüd>sichtslos zu beseitigen.“

„Zunächst sorge man in den Vereinen oder Verbänden, daß die Leitung überall stets solhen Männern anvertraut werde, die für die