1906 / 4 p. 36 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Gemeinsamkeit ein wirkliches Interesse haben und die ernstlich arbeiten. Die Haupttätigkeit besteht niht in dem Besuche einer Generalver- sammlung, sondern in’ einem, dem Sinne des Verbandes entsprehenden, unausgeseßzten Wirken zu Hause und in näherer Umgebung und ferner in kräftiger Unterstüßung der Geschäftsleitung durch pünktliche Er- ledigung der laufenden Geschäfte. Persönliche Interessen dürfen sich dabei niemals geltend machen. Ebensowenig ist eine Unterscheidung ¡wischen kleinen und großen Firmen zulässig. Der Verband kennt nur Gleichberehtigte und alles, was Soaderansprühe erhebt, kann bei einer Vertretung gemeinsamer Interessen keinen D si finden. Haben doch sogar diejenigen Händler, welche nicht unsere Mitglieder sind, ganz gleihen Anteil wie wir selbst an dem, wenn /auh nicht lebhaften, so doch nunmehr besser geordneten, ungestörten Geschäfte. Ist ferner nit au in ihrem Interesse die gefürchtete Verschlehterung des Geschäftes in mancher Hinsicht vermieden worden, obgleich be» fanntlih die Vorbedingungen zu einem beträhtlihen Rückgang in reihlihem Maße vorhanden ? Hoffentlich erkennen endli die be- treffenden Herren das, was sie den Vereinigungen verdanken und treten dem Verbande bei. Dann werden sie aber auch einsehen, daß sie selbst zum größeren Teile die Eee davon gewesen sind, wenn die Durch- führung einzelner Beschlüsse oder Verbote in gewissen Fällen mit Sqwierigkeiten verbunden war, denn mit dem Augenblicke ihres Bei- tritts werden diese Schwierigkeiten gehoben sein.“

„Niemand wird bestreiten wollen, daß alles wesentliche in der anzen Bewegung nur infolge einer gegenseitigen Verständigung er- reiht worden ist und daß sowohl die Erhaltung des Erreichten als s Es Erweiterung einzig und allein auf beiderseitiger Stärke eruhen kann.“

„Jede Gefährdung irgend einer Vereinigung wird unverzüglich alle Erfolge in Frage stellen. Auch wird feine einzelne Vereinigung etwas von dauerndem Wert ohne Mithilfe der anderen Seite erzielen

können.“

„Namentlich vergesse man nicht, daß die Erekutive gegen widerstrebende Elemente hüben oder drüben in den allermeisten Fällen der Gegenseite anvertraut werden muß.

Demnach würde es unklug sein, die Kräftigung desjenigen zurüdckzuhalten, der im nähsten Augenblick als Stütze

dienen foll.“

„Würde \sih aber eines Tages, dur eine unglücklihe

Verkettung von Umständen, die eine oder die andere Ver-

einigung lösen, io werden fofort Zustände eintreten, die unsere gesamte Branche mit einem Schlage zu Grunde

richten müssen, denn die Schleudermusterbücher, Annoncen

mit Preisen und Rabatten, Zeitungsbeilagen, Versteigerungen, Ramschverkäufe, Hausierhandel und alle übrigen, mit vieler Mühe beinahe gänzlich beseitigten Uebel würden aufs neue an allen Orten mit tausendfaher Gewalt unaufbaltsam hereinbrehen. Von einem folhen Schlage würde sih der

Artikel nie wieder erholen können.“

Infolge des lebhafter gewordenen persönlihen Verkehrs unter den e bereit, sich Gefälligkeiten zu er- weisen. Mit größtem Erstaunen mußte man bei solhen Veranlassungen

dieselbe Tapete am gleichen Orte zu ganz verschiedenen Preisen durch den Fabrikanten verkauft worden war. Kollegen, bat um Auskunft um auch die Verkaufs-

Händlerkollegen war man auch gern bemerken, daß manchmal ein und

Man wandte ih deshalb an auswärtige und ließ Musterkarten nah Frankfurt kommen,

preise der S(leuderfirmen vergleichen zu fönnen. Ganz_ besonderes Interesse verwandte man auf die Kollektionen der Grossisten, welche gleichzeiti mit gewissen Fabrikanten Verbindungen mit Sattlern,

Malern,

ondern auch durch Preise erreichten, deshalb beshwerdeführend an

nah Berlin einzu dazu einzuladen. aus einer Tabell weisen, in denen sich der Fabrikant ode Artikeln im Preise hatte drücken lassen,

sehen und sodann mit den denen gewisse Groffistenfirmen

Qualität des Papiers berufen

Mitglieder des Fabrikantenvereins vollem Maße, an welchen Abgrun

Bericht findet sih in der Tapetenzeitung vom 15. Juli 1892.

Es würde nach den bereits etwas fehr ausgedehnten Erörterungen wenn alle die zahlreihen Veranlassungen geschildert die zu gegenseitigen Auseinandersezungen geführt baben. Anträge, die durch die Händlerschaft eingebraht worden waren, bedurften mehrjähriger Verhandlungen, bis man die Be- Möglichkeit der Durchführung eines Unter anderem wurde angeregt

zu weit führen, werden sollten,

rechtigung der Forderung und die entsprehenden Beschlusses erkannte. und beschlossen:

„daß eine Tapete nicht gleichzeitig in zwei Qualitäten ge-

führt werden dürfe“ ;

„daß überall ein und derselbe Preis berechnet werden

müsse* ;

„daß eine Tapete nur in der Qualität geliefert werden dürfe, die in der NReisekollektion der Saison enthalten

us

gewesen

edaß Angebot und Lieferung von Neuheiten niht vor einem

gewissen Termin stattfinden dürfe“ usw.

Zur Preisbildung übergehend is zu bemerken, daß bis zu jener D keinerlei Bestimmungen über die Preise getroffen waren. Man olgte vielmehr in der Fabrikation der eigenen s{harf bemessenen Kalkulation oder aber, wie bereits früher angedeutet, einfa der S: Der RERE te Wettlauf nah unten gab Anreiz, gerade

un erbilligsten Sorten technisch in unberechtigter Weise auszubilden, um diese Artikel als Lockvögel dem Händler gegenüber gebrauhen und ihm zu gleihem Zwelke als Ware aus- liefern zu können. Bedauerlicherweise {uf man fih selbst da- dur eine verderbenbringende, gegen die feineren Artikel gerichtete

die Wirkung der a

Konkurrenz.

Die Händlerschaft ihrerseits bildete die Preise teilweise nah den Traditonen aus besseren Zeiten, soweit diese Gepflogenheit überhaupt aufrecht erhalten werden konnte, teilweise folgte sie leidenshaftlih dem Strome, um kein Geschäft aus der Hand gehen zu lassen, viel- mehr um den Nachbar grundsaßlos bei jeder Gelegenheit zu unterbieten.

Um endlich dieser fortschreitenden Vershlehterung des Geschäfts eine Grenze zu ziehen, beschloß der Fabrikantenverein: daß die billigste Naturelltapete niht unter 11 Fabrikpreis verkauft werden

ieran knüpfte man bei nächster Zusammenkunft die Bestimmung inimalfabrikpreises von 30 - für jede Tapete auf grundiertem

Am. 4. Februar 1896 wurde Herr Max Langhammer in Chemnitz zum ersten Vorsißenden des Vereins Deutscher Tapetenfabrikanten ernannt, nachdem er die Stelle des zweiten r peiden und früher

esem Zeitpunkte ab

datiert ein Wendepunkt in der Geschichte der beiden Vereinigungen,

dürfe. des Papier

das Amt des Schriftführers bekleidet hatte. Von d denn nunmehr wurde auch auf Seite des Fabrikantenvereins der

danke der Felenfelligen direkten Unterstüßung beider gleihberechtigter

Faktoren Grundsaß aufgestellt und verfolgt.

nstreichern und Tapezierern auf dem Lande zum Schaden des seitherigen Lieferanten, des Spezialtapetenhändlers, anzuknüpfen suchten und diese Zwecke niht nur dur unsinnig hohe Rabatte, die wesentli unter dem Original- abrikpreise des eigentlihen Produzenten waren. Man wandte \ich den Fabrikantenverein und dieser sah si veranlaßt, s{chleunigst eine außerordentlihe Generalversammlung berufen und den Vorsitzenden des Händlerverbandes Der Vertrauensmann der Händler konnte zunächst e mit Namensnennung eine Menge von Fällen nach- r der Vertreter bei einzelnen sodaß an gewissen Orten zu drei verschiedenen Preisen verkauft worden war. Sodann wurde eine roße Menge von Proben vorgelegt, die in fetten Buchstaben mit dem amen des Fabrikanten, der Fabriknummer, des Fabrikpreises ver- Schleuderpreisen ausgezeihnet waren, zu den Artikel verkauft oder dur Muster- farten laut gedrucktem Tarif angeboten hatten. Diese Preise betrugen bei einzelnen Artikeln bis zu 25 9/% unter Fabrikpreis und betrafen Muster, die vermöge ihrer reiheren Ausstattung und \{chwereren E waren, einer Kollektion zur

Ot zu gereichen und deshalb einen besseren Preis zu erbringen. er reelle Handel hatte somit eine enorme Schädigung erlitten. Die erfannten aber zum ersten Male in d die Gewissenlosigkeit und der Egoismus des Einzelnen die Branche geführt hatten. Ausführlicher

Am meinschhaf bedingte Notwendigkeit der seitiger Verständigun ihre Bereitwilligkeit, sich infolge der Erfahrungen der \hließen, daß die Leistungsfähigkeit Preise und des geringen Gewinnes a der kritisch zu werden begann. chlecht“ war damals in jedermanns eht au auf viele Erzeugni Das traurige Ergebnis jener wendungen für die Kollektionen zu Tapetenindustrie im ganzen den t Geschäft weder mit den großen französischen u den englishen Kollektionen mit durchs{chlagendem konnte. Die Produktion stand somit vor der Ge satzgebieten eingeshränkt zu werden. im vaterländishen Interesse genannt werden, Zukunft rehnende und nicht selbstsühtig nur a denkende organisierte Händlershaft freiwillig zahlen zu wollen, um der Gerade für die Detailgeshäft wie stehenden Elemente nun um Verdähhtigungen vorgehen konnten. Reklame ausgebeutete Bezei in der Meinung, daß man unanfechtbares billigung sämtlicher | von Reklameware natürli

den Gegnern nicht wegen e

Firmen, längerte

angesehener die geringe verschiedenen

proklamierte.

unsere

än

10. Januar 1897 unterbreitete Herr Langhammer der ge» en Versammlung in Berlin ein Programm, das die un- Preise auf Grund gegen- Die Hândlerschast erklärte sofort sere Preise zahlen zu wollen, denn man konnte leßten Jahre der Tatsache nicht ver- der Fabtikation wegen der niedrigen n einem Punkte angekommen war, ügelte Wort: „Billig und nd und konnte mit. vollem r Branche angewandt werden. hre erlaubte niht mehr große Auf- die deutsche Wettbewerb um das ausländische nd noch weniger mit Erfolge unternehmen fahr, in ihren Ab- es wohl eine T wenn sich die mit der n den eigenen Vorteil exbot, bôohere Preise aft zuzuführen. sehr \{chwer, die außen- n durch

Besserung der

gest

Deshalb darf

abrikation mehr Kapital ändlershaft war es alsdann er bessere Preise zu erringen, weil so sicherer gegen die Organisatio ener Zeit tauchte die als eier Tapetenhändler“ auf dur diese Bezeichnung \sich selbst ein Für eine allgemeine Ver- e würden diese E ein,

Zu

chnuug: „ring

ertififat ausgestellt habe. Fabrik- und Händlerpreis ch nit ebenfalls zu haben gewesen denn das würde ihr Monopol beseitigt haben, defsen Ausbeutung infolge der Zurückhaltung der Organisatio iner geshäftlih höher stehenden Mo Intelligenz ermögliht worden i außenstehenden Händler findet außerd Kapitalismus eine niht außer acht zu

ndler verkaufen nämlich nur echnung ins Haus oder versen Sie \ind deshalb vielfach in der Lage, der die Organisation stüßende welche Kartengeschäfte betreiben, Kredite geben müssen und nur mit großen ihrem Gelde kommen können.

Unter dem Einflusse einer 1 durch kleine Zeitungsnotizen gegen die O machen und dadur bedauerlicherweise nu Blätter gegen uns einzunehmen, Erhöhung der Preise wieder aufzugeben und gelang S{hwankungen im allgemeinen nunmehr auf eine

die nahstehend erörtert werden soll. Preise.

gegen bar,

machen,

fr

sodaß

ral oder

noch nah

A | mes E R

persönlicker Das Monopol der Seite des lafsende Ergänzung. Solche liefern gegen quittierte den nah auswärts gegen Nachnahme. gegen Kasse einzukaufen, während dler und namentlich diejenigen stets lange und oftmals ver- Spesenopfern zu

solhen Konkurrenz, die es verstand, anisation Stimmung zu die Redaktionen hoch- sah man si genötigt, te nah

Stufe,

Die- organisierte Händlerschaft arbeitet mit zwei Staffeln,

die Nettofabrikprei]e. ware begnügen {ih nah Abzug der Ge sogar verlustbringend sind. Tapete nämlich, mit 12 4 verkauft, mit 20 9/0. ; : zierer usw. 10 0/6 ab, sodaß ein vermeintlicher Nu Die Geschäftsspesen betr 0, wenn man das etn cen Frtifel 2,2 - zu der Tabelle gehen wie fo 10 S Einkauf wird verkauft mit i 11 12 13 14 15 16 17 18 und so fort Bessere Tapeten, die ni weise bestellt werden, eben laut dem am ettonußzen von 3109/0, an d in Abzug zu bringen sind. Dageg \{lusses der vereini bräuchlih gewährten Anstreicher usw. verboten. : . Bei Borten is der rollenweis 5 für bis einschließli und zwar N 1 M netto;

verkauft werden. | i Bessere Borten, die im Anschnitt band-

werden, find höher zu fkalkulieren.

Eine

Stufe mit

Staffel 1 für Ladengeshäft und H Staffel 11 für das Musterkartengeshäft, durch Vermittlung von Agenten bestimmt. Ladengeschäft. Staffel T rechnet nominell mit einem Aufshlag von 1000/9 auf Die untersten Stufen der eigentlihen Konsum-

edoch mit bedeutend geringeren Aufschlägen, die sen keinen Nußen mehr lassen, sondern

die im Einkauf 10 - kostet, wird minimal also mit einem Aufschlag von nur 2 s, d. h. batt gehen bei Lieferung an Unternehmer, Tape- en von 0,8 „4 bleibt. agen dagegen durhschnittlih 25 9/0, sodaß zelne Geschäft berehnen wollte, bei einem

eseßt werden müssen. Die untersten Stufen

2 S, Aufschlag 2 4 oder 20 9/6 Ds 4 36 18 18 20 25 28 30 00 100 9%

unterliegen einem Auf

gten Organisation die

e Verkauf von Naturellware von ch 18 Band da, wo er noh besteht, gestattet ten im Einkauf bis 40 4, zum Verkauf von alle anderen Naturellborten müssen zu 1,50 4 minimal

Es muß hervorgehoben werden,

Extraanferligung der Tontapeten passend verlangt.

Musterkartenges{äft.

Musterkartenge\{chäft durch Agenten beginnt aber ebenfalls mit

S oder 509/69 63

Die Preistafel 11 für das rechnet nominell 125% Aufschlag, niedrigeren Sätzen wie folgt: j

10 4 Einkauf wird verkauft mit t S,

20

11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27

28 und so fort

nf

E T. A Q Q. Q A. 0D q... .U d-e Q e D. L m 0. Q... 9:.D e T C... O

bis 1259/0 erre

Die Kartengeschäftskundschaft se zusammen, die als Tapezierer, dem Lande die ihnen dur die vorlegen, kleine franko a größerem

Auf diesem Gebiete e nicht verbillig onsumenten in die

22

29

30

33

35 40 40 42 45 50 50 99 9D 5D 60 60

cht sind. Sattle

ondern im

6 9 6

10

12

15

ù 15 erreicht ift.

cht auf Lager gehalten, sondern zimmer-

{lag von 809/o und er-

7. Juli 1899 veröffentlihten Nachweis einen

em aber noch die Generalgeschäfts\pesen

en sind nunmehr infolge eines Be-

j früher erwähnten miß-

Verarbeitungsprovisionen an Tapezierer, Maler,

Aufschlag è

9 11 15 17 18 22 21 22 24 28 27 31 30

29 33 y 32,

Il auf

50 39 43 66 75 75 80

oder meterweise abgegeben

! daß für Borten heute häufig tig wird, weil man fie ganz genau in der Farbe

70

79 100 106 106 122 110 110 115 127 117 129 120

121 " 122 114

t sih zumeist aus Abnehmern r, Maler und Anstreicher auf Stadtfirma gelieferten Musterkarten Privaten aufnehmen und die Ware iehen mit einem Rabatt von 209/60 und bei weiteren 50/0. i ben die Organisationsgegner die meisten Kosten der

he getrieben, dagegen den Rabatt bis zu 30/0,

in der Eke. Da es

Durchschnittswert des Verkau ist somit ebensowenig berechtigt, im allgemeinen von einem Aufschla von 1259/6 zu sprechen, als wenn der Händler behaupten wollte, dah er mit 509% Aufschlag arbeite, weil die billigste Tapete mit einem \folhen Prozentsaß kalfkuliert ift.

sodann 359/6 und kürzlich sogar noch höher hinaufgeshraubt, nur um das Interesse der Vermittler rege zu halten und den Absaß der organisierten Händler an sih zu reißen. Die niedriger ausgezeihneten Kollektionen des organisierten Händlers verstaubten inzwischen unbenugt bei den Karten der Außenstehenden nur um Fabrikate von Firmen handelt, die dem Verein L angehören, so ist ein direkter Vergleih ein und desselben Arti

Mit Bedauern muß zugegeben werden, daß auch bei solchen anlassungen einzelne Händler aus Gründen der Abwehr ihre Verpflichtung vergaßen und sich Ware von außenstehenden Fabriken zu verschaffen suhten. Aus ähnlicher Ursache wurden auch in den Städten manche Händler ihrem Versprechen untreu; die ganz ent- schiedene Mißbilligung dieser unwürdigen Haltung darf an dieser Stelle keineswegs umgangen werden.

els ausges Vlosien, ere

Nach Versicherung von Händlern, welche das Musterkartenge\{häft

als Spezialität betreiben, betragen die Generalunkosten bei einem es Betrieb 5099 vom Umsay. Frankolieferung der Ware ist edingung.

Die Musterspesen eng sich auf mindestens 109%/6. Den s bildet eine Tapete von 37 «Z. Es

u den Lasten, die auf dem Kartengeshäfte ruhen, kommen nah

den Reise- und Musterspesen vor allem die Schäden, die aus allzu- langem Kreditgeben entstehen : Zinsenverlust, Notwendigkeit, fremdes Kapital in Anspruch zu. nehmen, prolongierte Wechsel mit den Retour-

-

\pesen und Konkurse. Ferner eine Unmasse von kleinen und kleinlien Vorkommnissen, wie Irrtümer im Ausmaß und dementsprechende Aaliekerung oder Retoursendung mit Extrakosten, die den Wett der Ware überste f

dur das Ungeschick des Arbeiters verdorbene Ware, für die kostenfr Ersay geliefert werden muß, wenn man den Abnehmer nickcht

verlieren will.

igen, und ferner angeblih fehlerhafte, aber O e

Außerdem muß das Kartengeshäft, wie bereits hervorgehoben,

auch mit der Konkurrenz derjenigen Fabrikanten rechnen, die ihre Ueberproduktion los werden wollen, deshalb kleine Lager bei der Land- fundshaft einrihten und sogar große Musterkarten mit den für solche Zwecke üblichen Fabrikpreisen ausgezeichnet hinstellen.

Das Kartengeshäft felbst ist dagegen durch nachstehende Be-

stimmung verpflichtet :

Für das Kartengeshäft dürfen Musterkarten nur mit auf- gedruckten Bruttopreisen ohne jede Zahlenklausel zur Ausgabe gelangen. Musterkarten ohne ausgezeichnete Preise find verboten. Jede Form der Auszeichnung der Agentenkarten, des Verkaufs, Angebotes oder der Berehnung der Ware ist verboten, die den Genuß eines höheren als des zulässigen Rabattes ermöglicht oder darstellt. :

Schließlih sei noch ergänzend zu beiden Preisstaffeln bemerkt,

daß auch gewisse Spezialartikel, die als Konsumware stärkeren Verbrauch finden, wie z. B. Satin- und Deckentapeten, Marmor- und Holz- tapeten, sowie vierteilige glatte Ingrainstreifen, einem wesentli niedrigeren Aufschlag unterworfen find.

Organisation. Sämtliche Preisbestimmungen sind nah und nach in verschiedenen

öffentlih mit Angabe der Tagesordnung angekündigt gewesenen Generalversammlungen des Vereins Deutscher Tapetenfabrikanten und des Hauptvereins. Deutscher Tapetenhändler beraten und beschlossen worden. Zu diesen Versammlungen haben sowohl die organisierten als auch die nichtorganisierten Händler briefliße Einladungen mit Angabe der Tagesordnung erhalten und der Besuch stand _ allen frei. Ebenso war Beteiligung an der Diskussion sowie gleihes Stimmredt für alle Händler gestattet, sodaß jedermann aus der Händlerschaft, der Interesse an der Sache nahm, Gelegenheit hatte, seinen Standpunkt geltend zu machen. Nachdem sich die anwesenden Händler wegen der fie und die Eigentümlichkeit ihres Geschäftsbetriebes berührenden Bestimmungen geeinigt hatten, wurde durh die Händlerschaft der Antrag bei dem 2 j /

Bestimmungen unter seinen Schuß zu stellen und die Durchführung zu überwachen. Aber auch jede Aenderung in dea Fabrikpreisen wurde vorher gemeinsam besprochen, die Notwendigkeit vor der Häntdlerschaft begründet und sogar der Beschluß unter Umständen niht ausgeführt, wenn sih bei der gemeinsamen Besprehung Schwierigkeiten für die Dur(führung gezeigt hatten. Zu gewissen Zeiten waren sogar Gegner der Organisation (die in der vorliegenden pg zumeist als „Außenstehende“ bezeihnet worden find) zu den é zugelassen, weil man sih niemals der Möglichkeit einer Verständigung E

Gelegen i i Her noch nit \pruchreifer Prozeß in die Debatte gezogen. Der Herr ließ sich von dem Unangemefsenen seines Auftretens niht überzeugen und wollte den Gegenstand niht verlassen, sodaß ausgesprochene Gegner der Organisation seit jener Zeit keinen Zutritt mehr haben. Dagegen ist jeder Händler willkommen, der sh für Einhaltung der Verkaufsbestimmungen erklärt, gleichviel ob er dem Hauptverein als Mitglied angehört oder nicht. Die Tätigkeit des auptvereins besteht demna in nihts weiterem, als daß er die Geschäfte im Interesse

erein Deutscher Tapetenfabrikanten eingebracht, die

erhandlungen

n wollte. Bedauerlicherweise wurde aber bei einer gewissen eit durch einen solhen Herrn ein gegen ihn \{webender,

der gesamten Händlerschaft besorgt und daß seine Mitglieder einen kleinen Sahresbeitrag zu den Kosten der Vertretung geben. Die Mitglieder haben somit gegenüber den anderen Händlern auch nicht die geringsten Vorteile. Im Gegenteil führen es die großen Opfer an Zeit und Arbeit, welhe durch die für die Organisation tätigen Mitglieder des Hauptvereins gebraht werden müssen, mit sid, daß das eigene Geschäft zurückgeseßt und damit der Konkurrenz das Feld überlassen wird. ; 0

Faßt man nunmehr die Merkmale zusammen, die sich für die Beurteilung der Organisation ergeben, so wird man vor allem hervor heben müssen, daß die Organisation keineswegs etne Einschränkung der Produktion zum Zwecke der Ausbeutung einer Notlage der Konsumenten verfolgt. Vielmehr leidet die Tapetenbranche unter einer starken Ueberproduktion, die nur dann eingeshränkt werden könnte, wenn die Organisation tatsächlich dasjenige wäre, was man unter eirem Kartell zu verstehen pflegt. Aber niemals ist ein? Konzentration der Betriebe durch Aus\chaltung s{chwächerer Unter nehmungen versucht worden. Im Gegenteil hat der Verein Deuts Tapetenfabrikanten den vereinzelt gegebenen Anregungen gegen stets die Verrflihtung zum Ausdruck gebracht, daß gerade solche Mikt- glieder ihre Kräftigung in der Organisation finden müßten. Uebrigens war dies ein einfahes Gebot der Klugheit, damit niht etwa sol, besonderen Schwierigkeiten ausgeseßte Unternehmungen mit allen maschinellen Einrichtungen durch andere billig übernommen und weiter forifahrend, toll bewirtshaftet hätten werden können.

Die Aufgabe der Organisation konnte somit keine andere sein als den Absay der Ucberproduktion derart zu regeln, daß sämtlithe Beteiligte möglichst wenig Einbuße an dem auskömmlichen Verdienst erlitten. Gewisse Fabrikanten und Händler dagegen dehnten ibre A sprüche um vieles weiter aus und wollten die Vorteile der Organl sation genießen, aber auch die „Freiheit“ natürli uuter det Vorausfeßung, daß die anderen gebunden bleiben sollten. Diest S stehen heute mit anderen, die sih den Bestimmungen der

rganisation nicht unterwerfen wollen, außerhalb der Organisation

und bekämpfen sie sheinbar. Im Grunde aber genießen sie in diele

Sonderstellung ein Monopol, denn sie können ganz beliebige Pr i nah der Natur des jeweiligen Käufers fordern. An Abnehmern feh es auch den Fabrikanten' nicht. Allerdings vermögen die Angehörigen der Organisation wegen der sorgfältigeren, kunstgewerblichen Dur bildung und der Reichhaltigkeit der großen Kollektionen der Vereint mitglieder ganz andere Ansprüche zu befriedigen. Dur jene kleinen, ih zumeist aus Reklameartikeln zusammensetenden Kollektionen vermaÿ wohl der einzelne einfahe und rationell zu fabrizierende Au räge L

bekommen, die er qu billigen Preisen immer noch mit Gewinn ind

führen kann. Wollte si aber die Allgemeinheit mit solchen Gru"

äen begnügen, die die Branche im ganzen fortgeseßt heruntergebr haben, E A e Me Anton Ga, L v n

rtikels und an seinem i i Stände ri f mehr bestehen E \ Vertriebe beteiligten

gle le Tapete, wie aus den vorstehenden Erörterun hervorgeht, tatsählich zum Konsumartikel geworden is und obgleich zumeist nur der niedrige Preis ihren ganzen Wert zum Ausdruck bringt, hat sie doch ihren Nährboden im Kunstgewerbe und die ihr gus Sc{mudcke dienenden Gedanken wirken um fo nachhaltiger be- ruchtend, je mebr e dem Gebiete wirklich künstlerisher Schönheit verwantt sind. Deshalb genügt es nicht, daß sich die Häntlerschaft infolge der durch die Organisation geshaffenen Beziehungen kauf- männisch weiter und tatsächlich vornehmer gebildet hat, sodaß Deutsch- land eine stattlihe Anzahl angesehener Spezialgeschäfie besißt, wie sie in keinem anderen Lande gefunden werden kann. Die Organisation hat wohl günstig eczicherisch gewirkt, aber mit der zunehmenden Tüchtigkeit wurde au die Konkurrenzbefähigung ausgebildet und ver- schärft. Wenn es deshalb auch auf irgend eine Art noch zu erreichen wäre, daß die Organisation sih auf das jüngere und foçar auf das kommende Geshlecht der Berufsgenossen einen heilsamen Einfluß ver- schaffte, sodaß der Händler niht mehr in erster Linie die Billigkeit E He een n höheren Gen Wert dur eine te Autorität der eigenen vorgebildeten und reifen Persönlichkeit zur Geitung zu b Lie i: 7 E wenn si die Organ ation gleichzeitig von dem unheilvollen

Druck der Schmaroter in der Branche befreien könnte

wenn dagegen der Händler stets suczen wollte, fich da3 Ver- trauen und die Achtung der wahren Kenner Mes E welt der Architekten, Unternehmer und Dekorateure zu ver- A dienen M MIaLen, dann dürfte sih die Organisation mit noch größerem Rechte rühm nicht nur kein Kartell oder Ring im ars anrüchigen Sen zu sein, sondern cine ihre Existenz verteidigentze Vereinigung, der es unter |chwierigen Verbältnissen gelungen, eine hochentwickelt gewesene Industrie im vaterländischen Interesse vor dem Untergange zu be- wahren und sie zum Segen der Angehörigen der Branche neuec Blüte entgegengeführt zu haben. Frankfurt a. M., den 30. September 1905. Eduard Jungmann,

Vorsiand uad Vorsißender des Ausschusses des Hauptverei Deutscher Tapetenhändler, e. V. Hauptvereins

und

Aeußerung aus Fabrikantenkreisen zu der Denkschrift des Herrn Jungmann.

Die Denkschrift trifft im großen und ganzen das3 Richtige.

Daß der Verfasser die festgeseßten Preisverschiedenheiten im Lade und Musterkartengeschäft für berechtigt und wünschenswert écaditei, zeugt von einer fleinen egoistishen Anwoandlung. Sowohl unter Fadrifantea wie Händlern ist vielfah die Ansicht vertreten, daß es den Anscein einer Unreellität erweckt, wenn dieselbe Tapete vom Konsumenten im Laden ca. 25 9% billiger gekauft werden kann, als sie der Anstreicher aus demselben Geschäft besorgen kann. Für diese Preisdiffererz im Laden und Musterkartengeshäft {wärmen nur diejenigen Firmen, welche kein Musterkartengeschäft, wenigstens nur ein schr unbedeutendes, dagegen eine gute Ladenkundschaft baben. Berechtigt is der Preisunterscied von ca. 2509/9 in keiner Weise, denn die feinen Ladengeshäfte müssen reihlich die Spesen aufwenden für Ladenmiete in besserer Lage, als die Musterkartengeschäfte für

: H Musterbücher, da diese ihre Lokalitäten meistens nicht in erft-

kflafsiger- Lage zu unterhalten brauen. Der Beschluß selber hai au den Generalversammlungen oft zu Differenzen eb h E auf nur mit geringer Majorität durchgegangen.

Wenn die Inhaber der Musterkartengeshäfte, bezw. Engros- geshä}te teilweise infolge Aufgaben größerer Partien billiger eingekauft haben, so ist das technisch und faufmännisch - mehr oder minder gerechtfertigt. Wo die Grenze des Erlgubten überschritten wurde und die V.rkäufe sogar Verluste für den-Fabrikanten brachten, lag es an der Unfähigkeit des Fabrikanten bezw. an der Ucberprodufktion im allgemeinen, welhe auch heute noch fortbesteht troß der Vereinigung, sodaß, wie uns befannt, verschiedene Fabriken sih nur {wer au recht erhalten können. Wenn die Vereinigung der Tapetenindustrie hierin gesündere Zustände schaffen will, jo muß sie unbedingt ein Mittel anwenden, welches die zur Zeit bestehende Ueberproduktion hemmt. ‘Dieses Mittel braucht keine Aenderung des Verkaufspreises der fertigen Ware herbeizuführen, sondern hat den Gewinn durch Bef ränfung in der Produftion und durch Ersparnisse bei der Musteranschaffung zu erstreben. Selbst der Händler leidet heute unter dem großen Angebot von neuen Mustern. Sollte kein Mittel zur Beschränkung der Produktion gefunden werden, so. ist eine Kalamität der Fabrikanten und Händler auf die Dauer unvermeitlih. Man wird der Vereinigung das Verdienst nicht abspre@en können, daß sie diese herannahende Kalamität durch ihre Beschiüsse etwas verzögeit hat. Die: Ausftellungen an der Vereinigung, wie sie in erster Linie von - den - außenstehenden „Fabriken, aber auch von Fabriken der Vereinigung, gemacht werden, gipfeln mehr -oder weniger in dem Umstande, daß Konkurrenten an der Spiye dieser Vereinigung stehen, denen man das nôtige Maß von Unparteilichkeit nit zutraut, obwohl sie als Menschen ihr Bestes leisten, und denen man die Vorteile nicht zukommca lassen will, welche ja unbedingt den Leitecn einer solchen Vereinigung durch Einblick in Verbältinifse, die ihnen sonst vershlossen

ben, zufallen. Könnte die Vereinigung sih soweit von der Be- vormundung einzelner Persoxen emanzipieren, daß einem Nicht- konfurrenien die L itung der Vereinigung übertragen würde, so müßte nah meincr Ausicht eine solhe Vereinigung auch für die Allgemeinheit segenêrih wœüfen, denn es würden dadur geordnete, dauernde Zustände geschaffen, die im Interesse des Staatswohles sind, ohne daß irgend jemand dadur geschädigt würde, ausgenommen, dieje Ver- einigung würde den Preis threr Provukte ins Ungemefsene steigern. Dies ist indes vei einer industriellen Anlage kaum zu befürhten, weil bei einem Eintritt von groß:m Verdienst sofort konkurrierende Fabrifen entstezen wüiden, und somit sih die Preise sozusagen von e M R A ete daß ja jeßt schon eländishen Fabriken dafür sorgen, daß die Preise i lngemessene Lrgen rid : O Le B uch nah der künstlerishen Seite hat die Vereinizung vorteilhaft gewirkt, weil sie es dem Fabrikanten ermöglichte, im Nahmen e LEnE Preises das Fabrikat so viel wie mögli zu vervolifkommnen. ese den Fortschritt fördernde Wirkung ist nur mögli, wenn der abrifant von vornherein weiß, daß er für sein Produkt einen gewissen reis erhält, der nit dur unerwartete, verlustbringende Angebote dur die Konkurrenz gestört wird, ähnli wie langfristige Handels- verträge fördernd auf den Export wirken, weil Produktion und Handel am besten unter möglichst stabilen Verhältnissen sich einrihten können. be Was Sayungen und Beschlüsse der Vereinigung im allgew einen grteiffst, so müßte noch mehr darauf hingearbeitet werden, daß alle eschiüsse klar und ohne Verklausulierungen sind, damit si jedes Mitglied danach richten kana, und damit es nicht in die Gepslogenheit einzelner Personen oder gar Konkurrenten gestellt rwoird, Vergehen zu fonstruieren, sei es durch andere Auffassung odex turch Uebelwollen.

Sachdarstellung eines dem Verein nicht angehörenden Fabrikanten.

__ Der Zweck des Fabrikantenvereins war ursprünglih daräuf ge- riGtet, auf Wunsch einer größeren Zahl von Händlern ie ins Uebermaß gewahsene Reklame beim Detailverkauf der Tapeten zu untersagen. Späterhin ftelite sich die Notwendigkeit heraus, die bis dahin einfachen ing des Fabrikantenvereins zu erweitern Deshalb wurden im Jahre 1895/96 in die Statuten des Fabrikanten- vereins einheitliche aus p nige pad aufgenommen, \oœwie zum ersten Male die untersten Grenzen mehrerer Sorten Tapeten fest-

gelegt. Es wurde je ein Minimalpreis für die Naturelltapeten, für

B

Tapeten auf grundieriem Papier und für sogen. Patentfondtapeten festgeseßt. Inzwischen war durh die masfsenhafte Berieisung- der Musterbücher, durch Zeitungsbeilagen, Annoncen 2c. mit Preisen seitens der Händler der Konsum in ungeahnter Weise angeregt worden. Diese jeßt mit Reht so verpönten Musterbüchelchen, die zu Hunderttausenden verbreitet wurden, die Muster, welhe man den großen politischen Zeitungen beilegte, find die Pioniere gewesen, die den Artikel „Tapete“ bis in die kleinsten Städte bekanni gemacht baben. An dem, wenn auch kleinen Muster konnte der Käufer er- kennen, daß das Tapezieren billiger ist, wie das. früher geübte Schablonieren. Hand in Hand ging damit eine erheblihe Ver- billigung der Fabrikate, die die Einführung der Tapete als Konsum- artikel außerordentlich begünstigte. Wie aber immer im Leben ein Uebermaß die entgegengeseßte Wirkung hervorruft, so auch hier. Die Schleuderei der Fabrikanten und Händler wurde bedrohlich für die Fortentwicklung der ganzen Branche, und deshalb nahm der Fabrikantenverein eine Anzahl Beschlüsse an, welche die beinahe gänzliche Unterdrückung ieder mit Preisen belegten Neklame zur Folge hatte. Hierbei blieb dec Fabrikantenverein nicht steben. Die Preis- skala wurde weiter entwidckelt und zugleich die Händlerverkaufspreise ebenfalls, sowohl für den Detail- als Cngroshandel festgeseßt. Fast sämtliche Tapetenfabrikanten find zugleich ihre eigenen Reisende. Die Chefs sind monatelang auf der Tour, treten infolgedessen mit der Kundschaft in einen sehr innigen Verkehr und können deshalb dem Drängen der Kunden nach billigeren Preisen und besseres Konditionen nicht genügend Widerstand entigegenseßen. Dadurch waren Unter- bietungen nit nur der Preise, sondern auch der Konditionen an der Tagesordnung. Hatte ein größerer Konsument von einem Fabrikanten einen Vorteil erlangt, so * spielte er diesen gegen den zweiten Fabrikanten aus und bedingte dieses eine steigende VerschleHterung sowohl der Preise, wie auch der Konditionen.

Im Jahre 1899 fand in Berlin eine imposante Versammlung von Fabrikanten und Händlern ftatt, in der die Festseßung von Préisen und Konditionen sowohl für Fabrikanten, als auch für Händler in gemeinsamen Sitzungen festgestellt wurden. Zu gleicher Zeit waren sämtlide deutshe Tapetenfabrikanten, mit Ausnahme von zwei ganz kleinen Fabrikanten, dem Verein beigetreten und 95 9/9 der gesamten Händlerschaft hatten sich mit den neugeschaffenen, sehr zweckentsprechenden Zuständen einverstanden erklärt. Es war eine ganz verschwindend kleine Anzahl Händler, welche versuhten, gegen den Strom zu schwimmen, dabei niht vorwärts kamen. Wäre dieser Zustand geblieben, hätte si die Vereinéleitung des Vereins deutscher Zapetenfabrikanten lediglih darauf beschränfkt, diesen Zustand zu er- halten, so würde man von irgend welchen vorhandenen Mißständen nichts hôren. Als jedoch im Jahre 1900 die allgemeinen Steigerungen der Rohmaterialien eintraten, welde au den Tapetenfabrikanten eine tleine Steigerung der Papierpreise brachte, hielt der Vorstand des Fabrikantenvereins die Zeit für gekommen, plößlich eine be- deutende Erhöhung der Preise eintreten zu lassen, die jcdoch nur von kurzem Bestand war. Diese géwaltsame unberehtigte Steigerung wurde die Ursache zum Austritt mehrerer Fabrikanten während der nähsten Jahre, so daß heute “dem Fabrikantenverein bereits 13 Fabriken ge en eren die niht im Verein sind. Eine große Zahl Händler hatte sih troß der veränderten Zustände, und troß- dem fie mit der Führung der Vereinsge\häfte seitens des Fabrikantenvereins niht zufrieden waren, doch den Weisungen des Vereins gefügt und kaufen nur von denjenigen Fabriken, die im Verein sind. Dadurch is der Kreis der Konsumenten für die Nichtringfabrikanten ein kleinerer und diese sind deshalb genötigt, um Ringkunden zu erwerben, billiger wie die Ringfabrikanten zu verkaufen. Zur Zeit bildet die Preisskala und auch die Konditionen der Ringfabrikanten die Unterlage -für die Preise und Konditionen der Nichtringfabrikanten.

Würde sih heute der Fabrikantenverein auflösen, so würde der einzelne Fabrifant den Händlervereinigungen gegenüber ohnmähtig sein, die sih auf freierer Gründläge, meist freiwilliz gebildet haben, und welche heute durch Zusammenshluß bereits wiederholt dem

abrikantenperein bessere Konditionen für \ich aufofktroyiert haben. Der einzelne Fabrikant würde sich dem Großkonsumenten gegenüber in einer direkten Notlage befinden. Es herrscht faft in allen Fabriken eine erhéblihe Uebéërproduktion, deren sichtbhares Zeichen die Riesen- lager sind, welche bereits dazu geführt haben, ein Syndikat für die Lagerware in die Statuten des Vercins aufzunehmen. Es wird eben viel mehr fabriziert, wie auf ordnungêmäßigem Wege verkauft werden farn und die bei dem jährlihen Wechsel der afterkarten übrig- bleibenden nach Millionen zählenden Lagerbestände der Fabrikanten werden zu Schleudérpreisen dann entweder zu fleinem Teile ins Auéland abgeshoben oder im. Inland untergebraht. Würde der Verein aufgelöst werden, so würden die Fabrikanten dur Erhöhung der Produktion versuchen, ihre Spesen und fomit die Preise der Tapeten ¿u verbilligen. Diese Erhöhung der Produktion ist ohne weiteres und ohne befondere Maschine möglich. Es ist das Eigen- tümlihe der Topetenfabrikation, daß durch di- Erhöhung der einzelnen Anfertigungen nur ein Bruchteil der Fabrikationszeit in Yn!pruch genommen wird: z. B. wenn heute von einer mehrfarbigen Tapete 100 Rollen gedruckt werden, fo dauert es häufig mehrere Stunden, bis die Facben mit der Vorlage übereinstimmen. Der eigentlice Druckprozeß für diese 100 Rollen dauert jedoch nur 10—12 Miruten. Läßt der Drucker die Maschine weitere 12 Minuten laufen, fo hat er wieder 100 Rollen angefertigt, u. . f. Wird das Muster nun aus der Maschine genommen und ein neues hineingebracht, so müssen sämtliche Teile der Maschine gewaschen werden und der Druckprozeß beginnt erst dann wieder von neuem, wenn Muster und Farben mit de: Vorlage übereinstimmen. Dadurch find wieder Stunden versäumt. Giebt man einem Drutcker bei einer zehnstündigen Arbeitszeit etwa vier sechsfarbige Muster und läßt ihn von jedem dieser Muster 100 Nollen drucken, so wird er vollständig beschäftigt sein und seine Produktion beträgt danu 400 Rollen. ‘Gebe ih aber dem Drucker nur ein einziges Muster, so ist er im Stande, von diesem einen Muster 4——5000 Rollen in derselben: Zeit fertig zu arbeiten. In dieser Eigentümlichkeit liect die Gefahr, daß beim Sinken der Preise durch Massenproduktion versucht wird die Spesen zu verringern und die jet vorhandené Ueberproduktion wächst dann ins riesenhafte.- Ater nicht nur der Fabrikant würde darunter zu leiden haben, sondern in noch hôherem Maße der Händler. Dieser ift gezwungen bei den jeßigen hohen Arsvrüchen ber Konsumenten ein sebr großes Lager zu halten und dieses Lager würde durch den bei der Auflösung des NRinges eintretenden unvermeidlihen Preissturzes außerordentlich eatwertet werden. Nun kommt noch hinzu, daß der Händler an billigen Preisen durchaus kein Interefje hat, denn je billiger er den Artikel einkauft, um so billiger wird er ihn verkaufen und mit dem Sinken der Fabrikationspreife tritt naturgemäß auch ein Sinken der Händlerpreise ein. Das Publikum wird schr viel weniger Geld für seinen Bedarf anzulegen hadea; der Umfaÿ der Händler wird erheblich zurückgehen und das Publikum wird mehr und mehr an den Kauf der billigen Ware gewöhnt werden. Wir fehen also, daß für die Tapetenbranhe ein verständig geleitetes Kartell, sowohl der Fabrifanten wie auch der Händler, eine Notwendigkeit ist. Cs ist notwendig, um sowohl den Auswüchien in der Fabrikation, wie auß den Aus-

wüchsin des Handels entgegen zu treten. Wenn sich jeßt ein fo großer Teil der Fabrikaten, es sind deren 13, ivie t Ringes b. finden und Hunderte von Händlerin mit den jeßigen Vereins- vorschriften unzufrieden sind, so ist dieses lediglich in Mißständen in der Vereinskleitung zu suchen. Diese hat, verführt dur die Indifferenz seiner Mitglieder, in den leßten Jahren nit rur einen steten Wechsel in den Beschlüsseu des Vereins cervorgerufen, fondern durch allzu- perförlihes Regiment auf «allen Seiten Unwillen erregt. Werden diese Mißstände gehoben und die Sazungen des Vereins in einer Weise geändert, welche den vorhergehenden Ausführungen entsp: echen, so ist cin Kart. ll der Tapetenfabrikanten und Händler nicht nur wünschenswert sondern auch notwendig.

Berlin (Siemensftr. 15), 26. 10. 1905. / Tapetenfabrik Emil Liepmann.

Sem ———

Anlage Ix.

Saßzungen des Hauptvereins deutsher Tapetenhändler, (eingetragener Verein.)

1. Name, Zweck und Siß des Vereins. 8 1.

Der Zweck des „Hauptvereins deutsher Tapzetenhändler“, ein- getragener Verein, ist die Förderung und Hebung der deutschen Tapeten- industrie und des Tapetenhandels. Der Verein soll in das Vereins- register eingetragen werden.

Der Sitz des Vereins befindet sich in Frankfurt am Main. 11, Mitgliedschaft.

S D Mitglied des Vzreins kann jeder deutshe Tapetenhändler werden Als Mitglieder sind auh zulässig Handelsge!ellschaften, Gesellschaften mit beshränkter Haftung, Kommanditgesellshaften, Aktiengesellschaften und ähnlihe Korporationen... Dieselben haben jedoch stets nur eine eer das A h eber das Aufnahmegesuch entscheidet der Geschäftsaus\chuß. Gegen einen ablehnenden Besch-id desselben ist die ea 8 dke ite l E E DE S aRS der leßteren ist end- [tig. Mitgliedshaît beginnt mit Zahlung des erst - beitrags und Unterschrift der Satzungen. G n I i 8&4 Der Jahresbzitrag beträgt für jedes Mitglied 5 s Er ist vorauszahlungêweise im September jeden Jahres zu entrichten. Im Laufe des Jahres beitretende Mitglieder zahlen den vollen Jahresbeitrag. __ Reichen die Jahresbeiträge und die sonst der Vzreinskafse zu- fließenden Gelder zur Bestreitung der dem Verein entstehenden Ver- E O und s Nil Gf niht aus, so ist der Mehrbedarf ur Umlage zu erheben, der aber drei S Sbei nit überschreiten ee Fünftel des Jahresbeitrags Das Vereinsjahr geht vom 1. März des ei is 5 Februar des nähsten Jahres. E E E R S D: Jedes Mitglied ift an die Satzungen und Beschlüsse des Verei E Bungen und Beschlüsse des Vereins

Die Mitgliedschaft endigt : 1) dur freiwilligen Austritt ; 2) durch Ausschließung ; 3) purd Tod: 4) durch Aufgabe des Geschäfts. T Der freiwillige Austritt steht jedem Mitgliede frei, kann jedo nur am Schlusse eines Vereinsjahres erfolgen und muß u ia drei Monate vorhec dem Vorsitzenden des Geschäftsaus\husses dur eingeschriebenen Brief mitgeteilt werden. Durch Verfügung des Geschäftsaus\husses kann aus dem Vereine aua den werden : ) wer die ihm obliegenden Geldbeiträge tro imali S Aillorberung vieh Su G d Foeimaliger 2) wer wiederholt den Vereinssaßungen und Verei i zuwiderhandelt: Men Fen obesMlüfsen 3) wer gegen den Verein und defsen Zweck agitiert. Gegen die Verfügung des Geschäfteausshusses i|t nur Berufun a ülti eneralversammlung zulässig; die Entscheidung derselben ist g.

S 9.

_Scheidet ein Mitglied durh den Tod aus, so überträgt di Mitgliedschaft ohne weiteres auf denjenigen oder biejértigen bere welche das Geschäft des Verstorbenen fortführen, falls fie ihren Willen, g taties Les Ns erh Guuea 2 Monaten nach dem Ableben ihres Rechtsvorgängers dem Vorfißenden des Geschäft - über \chriftlich erklären. , 1NaltgaussQufes gegen

S 10. Gibt ein Mitglied sein Geschäft auf, so erlif i

weiteres seine Mitgliedschaft. [8 D E N

_ Verkauft er dasselbe an einen anderen, fo finden auf diesen die Bestimmungen entsprehende Anwendung, welche nah $ 9 hinfichtlich der Erben ‘eines verstorbenen Mitglieds Plat greifen.

S 11, S Der freiwilligen Aufgabe des Geschäfts steht die Konkurseröf zum Vermögen des betreffenden Mitgliedes glei. E A __ Wird der Konkurs infolge Zustimmung aller Gläubiger oder in- folge Zwangsvergleichs aufgehoben, so erlangt das betreffende Mitglied die Mitgliedschaft ohne weiteres wieder durch einfache \riftlihe An- zeige bei dem Vorsitzenden des Geschä!tsausschuïses. j $ 12. : Ein ausgeschiedenes oder ausgeshloïsenes Mitglied hat keinen An brud auf Rückzahlung geleisteter Beiträge und verliert jeden Anspruch auf das Vereinsvermögen. Beiträge oder sonstige Leistungen, welche während der Dauer seiner Mitgliedschaft fällig wurden, hat er troß get Qepadi ung derselben zu jalten, in ausgeschiedenes oder ausgeslossenes Mitglied kann nur

Beschluß der Vereinsversammlung wieder R GCRE En werden. E

[T1. Geshäftsaus\{uß und Vorstand. S 13. Der Geschäftsaus\huß besteht aus: dem Vorsitzenden, dem Stellvertreter deëselben, dem Schriftführer, dem Stellvertreter det selben, dem Kassierer, ¿wei Beisißzern.

y S 14. Der Eeschäftsaué\huß faßt seine Beshlüfse nah einfacher Majoritä lowe t n A Be ao Ns beste Im O rei Mitglieder aniresend sind, haben nur einstimmig gefaßt n Gültigkeit. stimmig gefaßte Beschlüsse S 15.

Sitzungen des Geschäftsaussczusses finden nah Bedarf statt und Zeit derselben bestimmt der Vorsißende. Ér hat ias Mitteilung, der Tageßordnung dur cingeschriebenen Brief dazu einzuladen. Er ist zur Anb:raumung einer Sizung verpflichtet, wenn drei Aus\schußmitglieder es verlangen. egenstände, welche niht auf der Tagesordnung stehen, können R) A ara L e SR A8 hat aber nur dann gkeit, wenn \fih die Mehrheit des Geschäftsausshusses innec N Ta E E erklärt. N E N ie Mitglieder des Ausschusses sind berechtigt und verpflichtet die dur Ausshußsitzungen odec fonstige Tätizkeit für den Vei in entstehenden Auslagen zu liquidieren. N G S s 0.16, Der Geschäftsaus\{huß ist berechtigt, einen Geschäftsführer zu er- nennen, der die vorkommenden \{ch:;istlichen Arbeiten zu erledigen hat. Die demselben dafür zu gewährende Vergütung wird durch den Ge- schäftsaus festueseßt. Auch ist der Ausshuß berechtigt, diesen Geschäfts{ührer mit Reisen für Vereinszwecke ‘zu beauftragen und demselben die dadur erwachsenen RNeiseunkosten zu vergüten.

S 6.

8 17. Gegen Beschlüsse und Verfügungen des Geschäftsausf\ 6 findet Berufung an die Vereinsversammlung statt. 0 URRE D / S 18. Der Vo1sizende des Geschäftsausshusses und in defsen Behinde- rung sein Stellvertreter ift Vorftand oi Vereins A Sin s Gesetzes und ist berufen und legitimiert, den Verein gerihtlich und

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