1906 / 4 p. 38 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

S S iet G Gott A S A dn É G R

während der Verrecknuvgspcriode unerlaubten Gebrauch von den Kampfmustern gemacht haben. Angebote der Händler in Kampfmustern Find nur in denjenigen Fällen zulässig, wo das Vorliegen von Offerten in Linkrusta Alennedender Fabriken unzweifelhaft festzustellen ist. Jede sonstige Anbieturg von Kampfmustern und der Veikauf derselben p anderen als den festgelegten Verkaufeprei]en und üblichen sonfiigen Bedingungen ist untersagt. 8) Der Kampf gilt als beendet, wenn entsprechender Beschluß des upilvereins deutsher Tapetcnhändler vorliegt und dur Nund- reiben bekannt gemacht wird.

9) Sollte der Kampf bis Ende 1905 nicht als beendet erklärt sein, so ift über die Fort'eßung dec felben neuer statutengemäßer Beschluß des Verbands der deutschen Linkrustafabriken herbeizuführen.

10) Yreisangabe erfolgt auf beiden Seiten der Ware in deutli Tesbarer, mindestens 2% ecm hoher, gravierter Schrift unter Angabe : Detailverkaufépreis 70 «4 (resp. 50 A) rechts und links versetzt“

und muß si auf mindestens je 25 ecm wiederholen.

Ware und Muster müssen Säume haben. Ferner muß auf beiden Enden jeder Rolle und in höchstens 25 cm Abstand auf jedem Muster die Angabe des Detailverkaufspreiscs in mindestens 2 ecm boben Typen resp. Zahlen auf der Rüseite unter Beifügung des Wortes „Detail- verfaufépr ets“ deutli lesbar aufgestempelt sein. “O

11) Ançebot und Verkauf von Waren, welche die beschlossene Kermzeichnung der Kampimuster tragen, nah Kampfeéende ist verboten.

12) Auft1äçce in Kampsmvstern dürfen seitens der Fabriken nur zur sofcrtigen Lieferung uz.d Abnahme argenommen werden, ohne Hinauéscicbeng der Valuta. Unter sofortiger Lieserurg ist die für die Anfertigung der Ware nötige Frist zu verstehen.

13) Offerten ‘dürfen seitens der Fabriken nur freibleibend ges{ehen.

14) In den Preislisten, Zirkularen oder Briefen betr. Offerten von Kampfmustern ist folgender Vermerk aufzunehmen:

„Eine Abgabe von Ware der Kawpfmuster für Lager- bestellungen findet nicht siatt. Lieferungen eifolgen nur unter der Voraut scung, daß den Bestellungen Berkäufe zu Grunde liegen, welche im Kampfe gegen Argebote außer- itchender Linkrustrafabriken und ¿war zu den fcstgelegten Bruttopreisen mit üblichen Konditioren cetätigt wurden.“

Es sell biermit nit den Fabriken die Verpfl chtung auferlegt werden, zu kontrollieren, ob diefe Bedingung für die Abgabe von Kampfware seitens der Händler auch erfüllt wird.

15) Die Kampfmuster müssen neu scin und dürfen noch nicht von deutschen Linkrustafabriken auf den Markt gebracht sein.

16) Die Kampfmuster sollen nit in die allgemeinen Preiélisten mitaufgenomimen werden, folange sie als Kan:pfmuster geführt werden.

17) Ueber Kampfsmuster müssen gesonderte Fakturen ausgestellt werden, welche den Vermerk „Kampfmuster“ tragen.

18) Eine Ausgabe der Kampfmuster für die SHhweizz ist einst- weilen nicht zulässig.

19) Die Herauébrinaung cines dritten Kampfmusiers zu noch zu bestimmer.dem billigeren Preise als 50 4 brutto ist bes{losscn. Der Terwin der Herauégakte ist von dem Vorsißenden des Hauvptvereins deutscher Tapetenhändler im Einverständnis mit dem Linkrustaverband zu bestimmen. Der Grundrabatt für diese dritte Kampfmuster würde 10 9% zu betragen haben. E

Der NRabattsatz von 15 °/6 für das Kampfmusier zu 50 -Z Detail- S wind mit Wirfung vom 20. April 1905 ab auf 25 °/o er

Dem Linkrusiaverband steht jederzeit frei, den Nakattsat auf das 50 A Kampfmuster wieder auf 15 °/6 zuröckzuführen.

Höchst a. M., 6. Mai 1905,

Verband deuts%er Linkrustafabriken. Der Vorsißende Carl Gerhard.

Anlage V.

Acufßerung zu den kontradiktorischen Verhandlungen in der Kartellenquete

am 30. November 1905.

Wes den weiteren Verlauf der Agitation des Tapetenfabrikanten- vereins anbetrifft, sind seit dem Jahre 1899, wo ich gesperrt wurde, noch weitere 9, Tapetenfabrikanten aus dem Verein ausgetreten, sodaß beri von 55 Fabriken 13 inländische Fabriken außerhalb des Ringes eristieren. |

Diese 13 Fabriken fertigen die billige, mittlere und zum Teil bessere Ware an_und ger ügen dem außerhalb des Ringes stehenden Händler für den Hauptkonsum vollständig. i

Wie allgemein bekannt, haben diese leßtern Fabrikanten fich mit ihrem Austritt gut gestanden, denn einer nah dem andern hat ih durch Vornahme von Vergrößerung seiner Fabiik verbessert, so fei unter anreren E. Liepmann in Berlin und S. B. Schäfer in Mar- burg erwähnt. :

Der Verein deutsher Tapetenfabrikanten hat geglaubt, durch eine eingehende Organisation und durch Einführung seiner genauen Statuten die vollständige Ybhängigkeit der Händlerschaft herbeizuführen und ist ibm dies aber bis heute nah 10jähriger Arbeit und unter dem Vorsitz speziell des Herrn Langhammer (welcher, nebenbei gesagt, selbst Lieferant in Tapeten ist) nicht gelungen. i

Weil die Fabrikanten außerhalb des Ringes mit ihren Tapeten im Preise um 10 bis 20 0/6 billiger sind, kaufen die Händler des Ver- bandes zum größeren Teil auch von diesen dem Ringe nicht angehörigen Fabzikanten und werden troßdem diese Uebertretungen der Statuten von Herrn Langhammer nit geabndet, weil sonst s{licßlich zwei Drittel der gesamten deutschen Händlerschaft gesperrt würde.

Umgekehrt suchen viele Fabrikanten des Minges in den lehten Jahren die Kundschaft der Händlerschaft außerhalb des Ringes. So sagte mir kürzlich ein Ringfabrikant: „Glauben Sie, wir sollen immer ruhig zusehen, wenn die Fabrikanten außerhalb der Vereinigung bei unsexen Kunden die Austcäge holen, nein, das tun wir niht mehr mit und kommen jeßt auch zu Ihnen.“ / ;

Alles ges@ieht natürli beiderscitig unter Diskretion und ist es wohl nicht zu kühn, zu behaupten, daß die Statuten zu sehr aus persör lien Gekässigkeiten und dur Denunziantenunwesen und ‘Anzeigen gehandhabt werden. :

Es zeigt sih immer wehr, wie durchaus ungesund es war, daß in der Tapetenbranhe sich die Fabrikation (resp. Produktion) in die Verhältnisse des Detailhandels (resp. Konsum) hineingemisht hat und den Händlern vo: schreiben wolite, wie Tapeten, welchze ein Kunst- oder Modeartikel sind, einheitlich nah Schablone im Handel verkauft werden müßten. ¿ 2 i

Jeder Fabrikant wird zugeben müssen, daß sehr oft ein Dessin, welches sid in der Zecuung sehr gut maht und felbst nah dem Mustcrdruck in Kolorierung brillant auéfällt, naher im Verkauf große Entiäuschungen bietct, indem die Tapete, sih auf der Wand tapeziert, du: chaus unschön macht. Nun hat dec Häntler nach der Musterkarte dem Fabrikanten Tapeten best:llt und sieht si nah Grhalt der Ware gezwungen, die Tapeten im Preise billiger ein zusepen, weil die Zeichnung 2c. nit den offnungen entspreten. Da - ommt die Vereinigung mit ih:er Preisshablone und verlangt vom Händler den vorgeschriebenen Preis einzuhalten, was {hon aus dem

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vorher angeführten Grunde eine Unmöglichkeit ist, wenn der Händler sih nicht selbst schädigen will. Dieses nur ein kleines Beispiel, wie wider sinnig die Preisbestimmung für den Handel wirken ge B Es ist durhaus notwendig, daß: die Händlerbeschlüsse a gescha werden, um dem Händler seine Selbständigkeit und sein Selbst- bewufßtsein zu erhalten und zu befestigen. Derjenige Tapetcnhändler, der seine Ware zu billig verkauft und nicht verdient, geht au ohne Hilfe der Fabrikanten zu Grunde. Darum weg mit der Be- vormundung seitens der Fabrikanten.

Gegen eine Vereinigung der Produktion unter gesunden Abfichten ist nichts einzuwenden und könnte höchstens zur wirklichen Hebung. der Tapetenindustrie führen. Es würden sich durch eine solhe Vereinigung viele Vo:teile erringen lassen, nämli vor allem bessere Qualitäten in bezug auf Farben und Papier, welche bis heute noch immer fehr, aber sehr vieles zu wünschen übrig lassen, troß der hodtrabenden Versprechungen seitens des Fabi1ikäntenvereins, ferner vereinfachte Kosten in der NReisesaison, Musterkarten 2c.

Sollte dann in den einzelnen Städten Deutschlands sich das Bedürfnis zeigen, den Konsum resp. die Interessen der Händler zu hüten, so könnten diese sih ja auch vereinigen, aber ohne Ab- hängig?eit zur Produktion oder Fabrikation.

Es wird uns exigegengehalten, die Händlerschaft habe selbst dazu

gedrängt, daß die Fabrikanten den Schuß und die Führung in die

Hand nähmea und möchte ih darauf auch im Namen vieler selbft-

ftändigen Kollegen bestimmt erwidern, das ist ein großer ÎIrrtum. Diejenigen Händler, welche zur Zeit für diese Vereinsbesirebungen

immer plädierten, waren zum Teil bcreits damals in \folher Ab-

hängigkeit resp. in Schulden bei den Fabrikanten geraten, daß sie tun mußten, was diese wollten. Ich könnte da auf Verlangen als Beispiel für Köln zwei größere Firmen benennen.

Die ganze Vereinigung ‘ter Tapeienfabrikanten und Händler ist eigentli nur eine Mache: von nur wenigen Personen, welche dur lärmende Artikel in der Tapetenzeitung sowie Vertretung von Sonder- interessen einen Teil der Händlerschaft verführt haben, ih in die Gewalt des Kapitals d. h. der Fabrikanten zu begeben. Dies erhellt ih sehr und ungemein leiht, wenn man fi der Mühe unterzieht, einmal von Anfang an den Artikeln in der Tapetenzeitung, deren Ur- hebern, sowie den Sprechern auf den Generalversammlungen, Ver- eins- und Hauptversammlungen zu folgen. Immer der- und dieselben,

Fh stelle nunmehr die direkte Anfrage, wie viele Händler be- zahlen fortlaufend, i betone fortlaufend, denn eigentlich den Beitrag zum Händlerverein? Es genügt mir nicht die Antwort: soviel Mit-

lieder haben wir, sondern ih bitte die Hohwohllöbliche Regierung,

fidh cine genaue Namenélisle vorlecen zu lassen von diesen zahlenden Händlern und i glaube, daß das Nesultat im Verhältnis zur ge- samien Händlerschast sehr {wah ausfällt. ;

Anfschließend hieran ebenfalls die Frage: Wieviel Händler haben die Statuten mit Namensunterschrist anerkannt? Und wie viele Häntler baben die Sola-Wehsel hinterlegt ? i S

Ich bin jetzt bereits seit 64 Jahren gesperrt und mein Geschäft existiert noch immer, nebenbei gesagt feit dem Jahre 1854 ununter- brochen in Cöln; ich bin ein unabhängiger selbständiger Kaufmänn geblieben und bestimme selbst, wo, was und wie ih einfaufe und wie ih ve:kaufen muß, um mi, meine Familie und mein Geschäft zu erhalten und zu verdienen. Was nügen den Ringhändlern alle Be- stimmungen, wenn dieselben doch nicht gehalten werden.

Im Kampf ums Dasein beißt es mit dem Fleiß und der per- sönlichen Fähigkeit eines Jeden rechnen und nicht mit Schug und Bevormundursg. 1 :

Blickt man auf die verflossenen Jahre zurück, so findet man nur ein fortwährendes Sperren und Entsperren, oft sehr willkürlih ge- handbabt, ein Steigen und Fallen der Preise Gnadenmuster und Kampfmujter Und nur höôrt man von persönlichen Reibereien in den Vorständen der Vereinigurgen, also nur Unruhe und Unsichcrheit im Tapetenring. Und das ijt der Erfolg na soviel Jahren und nicht die damals bei der Gründung versprohene Hebung der Branche în bezug auf Qualität der Tapeten und höheren Verdienst.

Die nieisten deutshen Tapetenhändler stehen dieser ganzen Be- wegung, wenn sie auch nominell in der Liste aufg führt werden, sehr gleichgültig und zum Teil mißtrauisch gegenüber und kümmern sich um die ganze Sache nit. Denn die Einsicht, daß nur eigenes Streben ohne vermeintlide Stüße der Fabrikanten im Geschäft zum Ziele führen kann, wird immer mehr auch in der deutshen Tapeten- händlershast zum Durchbruch kommen. : :

Es wäre Zeit, daß die hochwohllöbl. Regierung mit allen ihr nur zu Gebote stehenden Mitteln geseßlih gegen sclche Ringe oder Ver- einigungen von Fabrikanten, welche die Macht dieser Zusammen- \{li: ung benußen, um in die ges{äftlichen Detailbetriebe shädigend einzugreiten, vorginge. Ein \o:ches Eindringen in persönliche Rechte führt nur zum Nutzen weniger, zur Ausbeutung der Konfumenten, und zum Rückgang aller Selbständigkeit und hindern das Vorwärts- streben der inteligenten Kaufmannschaft. i

Wir brauchen im Handel derartige Bevormundung der Fabrikanten zum angeblihen Schuh gegen s{mußige Konkurrenz nit, dafür haben wir hon Gesetze genug, um wirkliche Auswüchse der Unreellität mit Leichtigkeit bekämpfen zu können.

Cöln, 25. Rovemkerc 1905. Frit Heiden, i. Firma Ernst Heiten Sohn.

Anlage V1.

Begründung der unter dem Schugye des Vereins deutscher Tapetenfabrikanten stehenden Preiskalkulation im Detailgeschäft.

Angesichts der von den Gegnern der Organisation vielfach er- folgten Angriffe auf den s{einbar recht hohen Aufschlag, den der Tapetenhändler auf die Fabrikpreise zu nehmen genötigt ift, möchte ih mit nahstehendem ausführen, daß bei dieser Preisbildung eine Anzahl sehr zu würdigender Faktoren mitspielen, die diese niht blcß rechifertigen, sondern bedingen, wenn das Geschäft einen nur eben an- gemessenen Nutzen abwerfen soll. l

Was zunächst das Außengeschäft mit den Malern und Topezierern der Previnz betrifft, so ist hier, troß d: nit unerheblich höheren Kalkulation der Verkaufspreise, der Reingewinn gerade schr gering, er beträgt etwa % 9/9 von der Umsaßsumme. es A

Maßgebend für ten- höheren Aufschlag is hier in erster Linie die dem Prozentsaß nah vielleicht hoh erscheinende Provision, die den nach Mustefarten vermittelnden Malern und Tapézierern der kleinen Orte in der Provinz zu gewähren sind und zwar 20 9/0 Provision und 5 9% Umsaßbonifikation, sofern der jährliche Umfaß 300 erreiht. Avßer- dem sind bei Barzahlung noch 3 9/9 Skonto zu vergüten und sämtliche Aufträge über 5 4 netto müssen franko geliefert werden

Die geringe Höhe, bei welcher on die Umsaßbonifikation eintritt, OhR gn R erten um welche mühsame Art des Vertriebes es sich hierkei handelt. A

Wie aus der folgenden Aufstellung ersichtlih ist, ist der Durch- \chnittspreis der Tapeten, die hier bestelt werden, etwa 40 -, der Reingewinn eines Malers, der den Auftrag vermittelt, ist also im Durchschaitt an den Bezug von Tapeien und Borden für ein normales Zimmer ca. 1,50 H, der des Händlers aber freilih troy des hohen Aufschlages uur etwa der dritte Teil hiervon.

Aber auch für den Maler ist der Verdienst kein großer, versäumt

er sich doch, namentli bei Ueberlandbestelungen, wo er stundenlang

die {were Musterkarte mitsbleppen muß, durch das Erlangen des Austrages viel Zeit, denn ehe fich so ein kleiner Gastwirt oder Häusler entscheidet, welhe Tapete er zum Preise "von 25 oder 30 wählt, vergeht \hnell eine Stunde und für diesen Zeitverlust und die gehabte Mühe entichädigt ihn nun in geringen Maßen ter Auftraggeber mit, indem er die Tapete hier etwa 10 9%/ teurer bezahlen muß, was wohl nur als billig zu bezeichnen ist, um so mehr als er sie franko ins Haus erhält. Den übrigen Teil der Provision und die sonstigen Spesen für portofreie Uebersendung usw. trägt der Händler.

Nah genauen Erhebungen in meinem Betriebe, der wohl mit einem Jahresumsaß im Agentengeshäft von 40 000 #, also nach Abzug der Provisionen und Benifikationen von etwa netto 30 000 Æ, wohl den Durchschuitt von dem darstellen dürfte, was ein mittleres Musterkartengeshäft nah dec Provinz erzielt, ergibt sih für das laufende Jahr die Bilanz etwa wie folgt: f

2610 Bestellungen von auswärtigen Malern und Tapezierern, in der Zeit vom 1. Januar bis 15. November 1905 eingegangen, ent- hielten Aufträge auf insgesamt 3247 Zimmer Tapeten, die sich den Preisen nach wie folgt verteilen :

pro Nolle 15 3. 13 Bestellungen 5 16 T L 17 17 18 98 20 91 2D TAT 2D 354 28 220 30 302 32 258 33 77 35 221 38 101 40 174 42 74 45 152 48 82 90 141 D 44 99 149 58 70 60 180 62 38 93 13 78 28 105 56 25 10 11 T

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sodaß also 1249 Bestellungen auf die Preislage von ¿8 bis 30 „Z kommen 1050 u v v v y » , 896 » " » v y 52 v 1,— M. w und nur 48 s C s 1,10 und mehr ,

Der Dur(hschnittswert sämtlicher Bestellungen liegt alfo bei dem Einzelpreise pro Rolle Tapete von nur 41!/; und der Gesamtverkaufs- wert aller Bestellungen bis 15. November, ist einshließlich Borden etwa 38 000 M brutto, oder 28 500 Æ netto.

Dabei sind die Unkosten auf diesen Umsaß folgende:

8508 zur Herstellung dieser für das Außengeschäft zu ‘den Musterkarten nôtigen Tapetenrolen . «„_« « - + Verschnittenes Material an Borden und Friese sür die Muüústeætarien ¿A o ee eia o ooo o Zur Herstellung der Musterkarten nötiges Material an Kartendéckeln, Um'chlagpapier, Stempelkosten und Versand V L Für Porto ist verausgabt worden, da alle Sendungen über 4M franfiert-gelen. «+4 «o S A ür Frachten, da alle diese Frachtsendungen frankiert gehen 470 ür verbrauhte Nehnungen, Briefbogen, Drucksachen, für Offertschreiben « «ee o ea e Für Reisespesen zu den alljährlich nötigen kl. Besuhstouren 200 Miete für das zum Versandges%äft nötige Lokal . . . . 1200 Gehalt eines jungen Manres, der lediglich für das Karten- geshäft angestellt it... ooo ooo e 1500 Gehalt eines Hausdieners und Laufburschen, deren Tätigkeit zu 3/, lediglih auf das Kartengeshäft entfällt, bewertit mit . 800 Verluste auf nicht eintreibbare Forderungen . E 500

1821 M

9500 M

Bewertet man nun den weiteren Verkauf für die noch fehlenden 11/2 Wintermonate, die niht mehr viel ergeben, nah den vergangezen Fahren, so ergibt sih für das Musterkartenges{äft ein Umsaß von 10000 M brutto oder rund 30 000 M netto. Dieser Summe steht nun der Selbstkostenpceis der Wa1e mit ca. 18 500 4 und die Un- fosten mit ca. 9500 A gegenüber, sodaß also ein Reingewinn von 9000 M. verbleibt, also etwa 59/6 von der Bruttofumme der verkauften Waren.

Angesichts der Summe von geistiger Arbeit, di- für die Aufrecht- erhaltung und Leitung des Außengeschäfts dem Geschäftsinhaber erwäcst, ist der Reingewinn hieran, namentlih, wenn man noch die Sorgen und all den Aerger, den gerade dieser Teil des Betriebes mit ih beinat, anrechnet, ein so geringer, daß _ man fast alle Jahre an die Erwägung herantritt, ob es nicht besser wäre, von dieser Art Provinzgeschä|t ganz zurückzutreten. /

Was nun das Stadtgeschäft anbetrifft, so ist es au hier in erster Linie der den Bauherren, Hausbesißern oder Tapezierern zu gebende Nabatt von 1096 und 39/6 Skonto jo Zahlung innerhalb 30 Tage, der den prozentuell aufzuszlagenden Nußen auf den Einkauf {on sehr viel niedriger stellt. H E d

Zweitens is schr wesentli die alljährlihe Entwertung der Rüd- stände des alten Lagers, denn die Tapeten, welche übrig geblieben sind, werden in der zweiten Saison meist s{on auf 3 bis # des alten Verkaufspreises zurückgesezt. Bei den feineren Tapeten ijt die Ént- wertung voch größer, weil dem Rechnung getragen werden mus daß der Fabrikant gewöhnlih {hon in nächster Saison, um seine Walzen auszunüßen, diese besseren Tapeten auf einfachem, sogenannten Naturel- papier auf den Markt bringt, und das gleiche Muster in oft gan gleiher Aus‘ührung, also nur auf etwas dünnerem Papier, dann eiwa zum halben Preise der vorjährigen Fondtapete angeboten wird.

Noch größer ist die Entwertung des Lagers durch die unvermeid- lichen Reste, besonders bei breiten Friesen, die in kleinen übr d bleibznden Quantitäten einfach unverwendbar sind. Ferner durch die Unmöglichkeit des Fabrikanten, eine Tapete genau passend im Tonc naczuliefern, so daß jede Nachbestellung die Verwendung des von der ersten Fs noch vorräâtigen Restes erschwert und oft un- möglih mat.

y ie häufig kommt es dann vor, daß in Fällen, wo man genötigt

ist, einige Rollen der ersterhaltenen Anfertigun mitzuliefern, trogdem

man diese deutli markiert hat und gebeten, fie auf die weniger

lihtete Fensterwand zu nehmen, diese Rollen von dem ausführenden

Arbeiter mitten auf die am besten beleuchtete Wand aufgezogen werden

und e Es derart \hattieren, daß niemand ein solches Zimmer nehmen wird.

Daraus resultiert dann nicht bloß häufig Aerger und der even- tuelle Verlust der Kundschaft, sondern sehr oft muß dann, da es meist unmöglich ist, die abweichenden Bahnen zu überkleben, die ganze Wand, ja aus Bam Zimmer neu geklebt werden, selbstredend auf Kosten

es Vand14ers.

Viel Schaden erwächst dem Händler auch durch \{chlechtes, nicht sahgemäßes Tapezieren. Unsere jeßt modernen Tapeten, die meistens nur Ton in Ton oder ganz einfarbig, und zwar in leuchhtendsten Anilinfarben hergestellt werden, bedingen eine sehr vorsihtige Be- handlung. Schon ein zu langes Liegenlassen der mit Kleister ein-

estrihenen Bahnen kann verderblich werden, da die Flüssigkeit, wenn fie zu lange auf der Tapetenbahn steht, das Papier aufweiht, den Farb- stoff ergreift und dur eine chemische Zerseßung dann häßliche Flecken entstehen. Dies is nur eine der am häufigsten vorkommenden Ursachen, daß dur nicht sachgemäße Behandlung der Tapeten durch den Arbeiter ein Zimmer verdorben wird und Ausstellungen des Käufers verursahen. Dann können Schäden z. B. dur den Gebrauch niht mehr ganz frishen Kleisters entstehen, odér durch Verwendung von Mehlkleister, wo Stärkekleister nötig war, dort ist wieder eine feine Tapete auf die rohe Wand geklebt, die Makulatur haben mußte, furz an allen Ecken und Enden drohen dem Tapetenhändler täglich Reklamationen, die meist große Anforderungen an feine Kulanz stellen. Da der betreffende Arbeiter naturgemäß die Schuld an dem vor- ekommenen Fleckigwerden der Tapete, gern von sich abwälzen möchte, G muß eben die Tapete bezw. also der Lieferant den Sündenbock abgeben.

Da nun hinzukommt, daß der Tapezierer, als der bei den nötigen Arbeiten gewöhnlich zuerst e viel Einfluß auf den Konsu- menten hat und dem Händler sowohl nügen wie schaden kann, so muß häufig der Verkäufer noch sehr R bei der Klarlegung des Vor- fommnisses sein und nur zu oft den Vorwurf, daß eben die Tapete von nicht guter Qualität gewesen sei, noch geduldig hinnehmen, denn gratis neuliefern muß er doch und da ist es hon besser, er verdirbt es nit erst mit dem Tapezierer.

Eine große Rolle spielen im Leben des Tapetenhändlers die Ver- luste, denn Tapeten find leider eben absolut niht Kassenartikel, be- sonders bei der Unsicherheit im Baugeschäft. Will eben der Händler niht ganz resignieren und von Bautenofferten ganz zurütreten, fo bleibt ihm eben nihts übrig, manchmal au einen zweifelhaften Ab- {luß zu machen. Kommt dann allerdings mal ein Baukrach, der nicht blos die zweifelhaften, sondern auch ganz sicher gehalienen Unter- nehmer mit umwirft, so drohen Verlutle, die {on man einen Tapetenhändler ruiniert haben.

Alle diese Argumente, die übrigens hiermit noch lange nit er- \{öpft sind, rehtfertigen, ja bedingen somit die sheinbar hohe Preis- bildung im Tapetenhandel. Es liegt ja auch durchaus nit eine neue erhöhte Kalkulation vor, die der Verein erst eingeführt hat, sondern so lange Tapeten verkauft werden, ist mit einem dem beutigen gleihen Aufschlage gearbeitet worden und dabei konnte der Händler in vergangenen Zeiten mit einem viel höheren Durhschnittswert der Tapeten renen. zee

Die dur Einführung der Maschinen exfolate enorme Herab- drückung der Werte und dur die nunmehr einseßende Ueber produktion, fam nun. ein Konkfurrerzkompf in die Branche, die sie fast an ten Ruin führte, denn die Furcht ganz aus dem Geschäft zu kommen, ver- anlaßte Fabriken wie Händler ¿u Preisen anzubieten, die ihren kein Auskommen ermöglihten. /

Hier scßte nun seiner Zeit die Organisation ein und rettete viele Existenzen, die am Ende ihrer Kräfte angelangt waren, indem sie alte gesunde Verhältnisse hafte und die früheren Verkaufépreise herstellte, und der Tapetenbhändler somit langsam wieder zu Ansehen und be- \cheidenem Wohlstande kam, dem Staate aker ungezählte Betriebe wieder steuerpflihtig gemacht wurden.

Es ist ja au ein großer Irrtum, wenn angencmmen wird, daß die außerhalb des Vereins stehenden wenigen Fabriken und Händler

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billiger fkalkulierten. Das mag wohl bei einiger besonders markt- pängigen billigen Artikeln sein, die den Käufer blenden follen, aber m großen und ganzen können auh pee Herren nicht anders rechnen, wie wir, denn auch sie leiden unter den gleihen Uebelständen der Branche, die hier dargelegt worden sind, und zeigen, daß der Tapetenhändler durhaus nit auf Rosen gebettet is und sein Jahres- verdient ein schr mühsam und sauer erworbener und in der Höhe nur eben angemessener ist, um ihn für seine Opfer an Zeit, Geld und niht ¿um mindesten an seine Nerven, zu entschädigen.

Breslau, den 25. November 1905.

L Ernst Nicolai, alleiniger Inhaber der Tapetenhandlüng Nicolai & Schweitzer, Breslau.

Aulage VIXx.

Beantwortung des Fragebogens in Sachen der Kartell- enquete über die Vereinigungen in der Tapetenindustrie.

1. Name der Konvention „Verband deutscher Linkrusta-Fabriken“. Sit: Jeweiliger Wohnsiß des Vorsißenden, z. Z. Höchst a, Main. Zahl der Mitglieder bezw. Betriebe: 6.

_ 2. Zahl der Arbeiter ca. 300. Die Frage nah Art der Arbeiter läßt sich niht mit annähernder Sicherheit beantroorten.

3. Auf Linkrusta.

_4. Wert der syndizierten Erzeugnisse während der letzten 3 Jahre: zwishen 3} und 4} Millionen Mark.

5. Die Konvention wurde im Jahre 1900 für unbestimmte Zeit errichtet zum Zweck der Regelung der Verkaufe preise. Austritt aus der Konvention steht den Mitgliedern mit halbjährlicher Kündigung frei.

6. Verhinderung der Schädigungen, welche ein regelloser Wett- bewerb im Zusammenhang mit der vorhandenen Ueberproduktion un- vermeidlih zeitigen würde. Hebung des Artikels in kunstgewerblicher Béziehung, indem es den Fabrikanten nur bei Erzielung angemessener Preise mögli ist, die zur Herstellung eines Fabrikates von kunst- gewerblihem Werte nötigen Aufwendungen zu machen.

7. Die Konvention wird auf Grund von Saßungen geleitet dur eines der Mitglieder, welches ans durch Abstimmung zum Vor- fißenden gewäblt wird... Die Satzungen gewährleisten allen Mit-

liedern obne Rücksiht auf den Umfang ihres Betriebes die gleichen

ete. Verstöße gegen die Saßzungen und Beschlüsse ter Konvention werden durch Geldstrafen geahndet. Anrufung der ordentlichen

Gerichte als böbere Instanz it zulässig.

8) Die Regelung des JInlandsabsaßes wurde bisher ohne Beschränkung der Mitglieder in der on oder im Absatz ledigliÞ durch Festlegung der für alle Mitglieder in gleicher Weise verbindlihen Mindestverkaufspreise erzielt. Bezüglich des Auslandes wurde gleiches mit den gleihen Mitteln nur für die Shweiz versut, jedo {stand in diesem Lande dem binsichtlih befriedigender Verkaufs- preise erzielten Erfolge der Nachteil gegenüber, daß die Steigerung des Absatzes hinter dem Verhältnis des gesteigerten Verbrauchs des Artikels zurückblieb und zwar darum, weil die festgelegten Verkaufs- preife durch den freien ausländishen Mitbewerb unterboten wurden.

Die Hebung des Umsatzes wurde angestrebt und erzielt einerseits durch Hebung des Artikels jelbst infolge gesteigerten kunstgewerblichen Wertes (siehe Anwort 6), andererseits durch Regelung der Verkaufs- preise im inländishen Wiederverkauf. Dur Vereinbarung mit dem Haupiverein deutscher Tapetenhändler und dem Verein deutscher Tapetenfabrikanten wurden für den Wiederverkauf der Linkrusta im Detailhandel bestimmte Preise festgelegt, welhe den Händlern einen angemessenen Nußen am Verkaufe der Ware gewährlei|ten und welche

auf diese Weise das Interesse der Händler an dem Artikel wach halten. Dabei sichert der dem Händler verbleibende angemessene O ta die sahgemäße Verarbeitung des s{chwierig zu behandelnden Artikels, ohne welche es nicht mögli gewesen wäre, dem zur Zeit der Gründung der Konvention noch wenig bekannten Fabrikäte Eingang beim C E ¿ls e Der Absay der deuts{hen Linkrustafabriken at sih in den 6 Jahren seit Bestehen der Konvention um das Drei- bis Vierfache gehoben. Die \{chäßung8weise anzunehmende Getamt- ziffer des Absatzes der syndizierten Linkcustafabriken ist unter 4 angegeben, der dem Export zufallende Anteil an dieser Ziffer dürfte 10 bis 20 9/6 betragen, ist aber in Zunahme begriffen. Die Zahl der Linkrusta erzeugenden deutshen Fabriken ist während des Bestehens der Konvention von 4 auf 9 gestiegen. Die deutsche Linkrustaindustrie ist an Zahl der Betriebe größer, wie die gleiwe Industcie im gesamten Auslande und dürfte im Umfange der Provuktion der gesamten aus- ländishen Produktion nur wenig nachstehen.

9) Die während des Bestehens der Konvention erzielten Durch- shnittépreise find allmählih niedriger geworden als wie folhe vor der Gründung der Konvention bestanden. Einerseits wurde mit Absicht eine Verbilligung des Artikels und damit Hebung des Konsums an- gestrebt, andererseits drückte die Konkurrenz der außenstehenden Fabriken die Preise herunter. Für das Ausland außer der Schweiz ist den Mitgliedern Preisstellung freigegeben.

10) Einen Einfluß auf die von ihr abhängigen Industrien hat die Konvention nicht auszuüben versuht. Die Verkaufsbedingungen für den Wiederverkauf wurden, wie oben {on erwähnt, im gegen- seitigen Einverständnis mit dem Hauptverein „deutscher Tapeten- bändler“ festgelegt, und dem Verein der Tapetenfabrikanten zur Durch- führung überwiesen. Zur Stellungnahme gegenüber den Einkaufs- vereinigungen bot sich bisher keine Gelegenheit, da diese die Erzeugnisse der syndizierten Fabriken niht führen.

11) Eine Einwirkung der gedachten Art ift seitens der Konvention niemals angestrebt worden.

__ 12) Eine Ausfchaltung minder leistungsfähiger Betriebe durch die Konvention hat nicht stattgefunden. Im Gegenteil begründet lediglich die Konvention die Eristenzfähigkeit der vorhandenen kleineren Betriebe.

Soweit diese Betriebe der Konvention angehören, sichert diese

thnen auskömmliche Verkaufspreise und den Absay ihrer Produkte bei

der Tapetenhändlershaft. Die Händlerschaft hat ein Interesse an der Aufrechterhaltung der auch ihre Verkaufspreise regelnden Konvention und unterstüßt darum auch kleinere und neu entstehende Betriebe mit ihren Aufträgen, um deren Eristenzfähigkeit innerhalb der Konvention zu sichern, ohne wie sont im kaufmännischen Leben bei vorhandener Ueberproduktion Preis- oder sonstige Vorteile gegenüber den bisherigen oder größeren Lieferanten zu beanspruchen. Soweit aber die Betriebe der gedachten Art außerhalb der Konvention stehen, fo verdanken sie dieser ihr Dasein und ihr Bestehen. Die Aussicht auf den Erwerb eines Absayes dur Unterbietung der für den Groß- und Kleinverkauf der offen festliegenden Preise veranlaßte ihre Gründung ; ihr Bestehen wird ermögliht, indem die Preisfestlegung der Kon- vention fie vor der Notwendigkeit bewahrt, bei der Preisunterbtietung bis auf ein direkt verlustbringendes Niveau herunterzugehen.

12a) Eine Konzentration der Betriebe in irgend welher Form hat nit stattgefunden.

__ 13) Die Konvention hat stch mit den Arbeiter- und Lohnverhält- nissen niemals befaßt, es ist aber anzunehmen, daß diefe Verhältnisse durh die Konvention günstig beeinflußt worden find, weil die ge- drückten Verkaufspreise, welche bei einem Nichtbestehen der Konvention eingetreten fein würden, auch einen Druck auf die Lohnverhältnisse ausüben müßten.

14) Der günstige Einfluß der Konvention auf den kunstgewerb- lihen Wert der syndizierten Erzeugnisse wurde unter 6 und 8 bereits erwähnt. Auch die Qualität der Erzeugnisse it durch die Konvention insofern günstig beeinflußt worden, als der Preiédruck, welhen ein regelloser Wettbewerb ausgeübt haben würde, zweifellos eine quali- tative Verschlechterung des Fabrikais mit ih geführt hätte.

__ Die Herstellungskoften der syndizierten Erzeugnisse sind dur die Konvention nicht beeinflußt worden.