1906 / 20 p. 8 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

d leistungsfähig, die Pensionskassen müssen dagegen auf möglichst Fe Basis errichtet werden, weil sie auf lange Zeit hinaus e Unterstüßungen zu fichern haben. Das scheint mir das Ziel des Gesetzes zu sia, große Pensionskafsenverbände zu ermöglihen unter Auffsaugun der kleinen. Der Entwurf {chlägt Rückversiherungsverbände vor na dem Mufter der Reichöversicherung, aber es kann darunter nicht dasselbe gemeint sein, was man in der Lebensversicherung unter Rückversicherung versteht, es kann darunter vielmehr nur Zusammenlegung verstanten fein. Es soll die Leistungsfähigkeit der Knappschaftskassen in jedem Falle festgestellt werden. Man kann dcch nicht daran denken, die Knappschaftskassen zu Lebensversicherungsanstalten zu machen. Rein verficherungstehnisch sind ziemlih alle Knappschaftskassen bankerott, aber es wird doh möglih fein, sie allmählich unter entsprehender Be- messung der Beiträge als leistungsfähige Institute zu erhalten, zwar nicht mit Hilfe des Prämiensystems der Lebensversiherungsanftalten, aber vielleiht durch ein modifiziertes Umlegungsverfahren. Der Reservefonds hat eigentlich hier keinen Zweck, denn er geht über das hinaus, was im höchsten Falle geleistet werden muß. Für die Bemessung der Leistungs8- fähigkeit find aber die Oberbergämter absolut niht geeignet; das können nur besonders vorgebildete Behörden oder Beamte tun. Des- wegen sollte die dauernde Ueberwachung der Knappschaftskafsen dem Ministerium selbst übertragen werden, Die Festseßung der Höhe der Per sion kann der einzelnen Kasse überlassen bleiben, aber die Verteilung auf die tetrefenten Werke ‘folite dur eine Zentralabrechnungéstelle vorgenommen werden. Die Oberbergämter sollen die Tätigkeit der Knappschaftsvereine ständig überwahen und die Befolgung der Gesetze oder der Sazßungen unter Androhung von Strafen erzwingen können, es it aber gar nicht gesagt, wie hoh die Ordnungéstrafen gegen die Vorstandêmitglieder sein dürfen, oder ob nit vielleicht die Prügelstrafe sogar zulässig ist. Die geheime Wabl wollen wir dort, wo sie bereits besteht, keineêwegs8 aus der Welt schaffen, aber wir halten es anderseits für überflüssig, an dieser Stelle diescs Allheilmittel für alle Sc&äden der Welt einzuführen. Dazu haben wir absolut feinen Grund. Wir meinen, daß diejenigen Kassen, die für ihre Verkbältnisse die öffentliche Wahl für zweckmößig halten, sie beibebalten können, und daß diejenigen, welche die geheime Wakl haben wollen, das mit h selbst auêmachen fônnen. Beneficia non obtruduntur ift ein erprobter Grundfaß. Wer die geheime Wahl nit will, dem foll man fie auch nit aufdrängen. Die obers{l: sis&en Knappschafts- vereine sehnen si durchaus nicht nah der geheimen Wahl. (Wider- spruch des Abg. Korfanty.) Nein, dern in Oberschlesien würde die geheime Wahl nur der polnischen Bewegung nützen, und diesen Zu- itand wollen wir durch unsere Mitwirkung nicht herbeiführen. Jh bitte, das Gesetz einer Kommission von 21 Mitgliedern zu überweisen.

Abg. Golds\chmidt (fr. Volksp.) : Wir bedauern, daß diese Vorlage so spät tfommt. Meine Partei hat {on seit langer Zeit auf die Nolwendigkeit dieser Neform hingewiesen. Ic erkenne dankbar an, daß der neue Handelsminister \sih {on so eingehend mit dieser wichtigen Materie vertraut gemacht hat. Es haben sich {hon die Konservativen, Freikfonservativen und Nationalliberalen gegen die ge- heime und direkte Wahl ausgesprochen und vorgeschlagen, die Ne- gelung des Wahlmodus den Statuten zu überlassen. Wir würschen aber, daß son das Gesetz die geheime, direkte Wahl einfühut. Die Arbeiter müssen in der Lage sein, durch ihre Wahl die- jenigen Männer, die sie für die ridtigen balten, an die richtige Stelle zu segen; dann werden sie sicher sein, daß ihre Wünsche auch genügend berüdsihtigt werden. Bis jet haben von 72 Knappschaftsvereinen nur 12 die Wahl durch Stimmzettel ein- geführt, drei weitere lassen dur Stimmzeitel wählen, wenn gegen die Wahl dur Akklamation Widerspruh erhoben wird. Alle übrigen 57 Knappschaftsvereine haben es bei der öffentlihen Stimmabgabe belassen. Soll hierin eine Aenderung geschaffen werden, und nah meiner Auffafsung ist es unbedingt nötig, so muß man die geheime Wakhl obligatorisch einführen. Der Abg. Hilbck hat gesagt, Beschlüsse können gar niht zustande kommen; der Abg. Hilbck mögze hier an der Hand bestimmter Tatsachen hierfür doch einmal den Beweis er-

gen. Dieser Fall ist nur einmal vorgekommen, und da sollten die Knappschaftsältesten den Etat in Baush und Bogen annehmen.

würde auch bei uns fkein Beschluß zustande kommen. Zu begrüßen ist es, daß zu den Verwaltungsorganen auch die Generalversammlung _hinzutritt. Nun follte man aber auh dazu übergehen, die Befugnisse der Generalversammlung mehr, als in der Vorlage vorgesehen is, zu erweitern, insbesondere müßte sie über den Etat mitbestimmen. Die Gründe, die die Negierung dagegen angibt, kann ich nit gelien lassen. Die Aenderung, daß die Bergwerksbesitzer die gleihen Bei- träge wie die Arbeiter zahlen sollen, ist hier nit bemängelt worden. Der Abg. Hilbck hat aber darauf hingewiesen, daß hierdurch den Bergwerksbesißzern sehr große Lasten auferlegt würten. Für feinen Bezirk allein beziffert er die Summe auf 2 Millionen. Meiner An- sicht nah werden den gesamten Bergwerksbesitzern Kosten von etwa 5 Millionen entstehen. Der gegenwärtige Gesetzentwurf überläßt ucch viel zu viel Dinge den Statuten; insbescndere bleiben die großen Verschietenheiten der Beiträge und Leistungen der Kassen bestehen, unter denen besonders jene Arbeiter ¿u leiden baben, die ihren Arbeitsort wechseln. Es wird Auf- gabe der Kommisfion sein, hier einen Weg zu finden, der einen befsern Ausgleich herbeiführt, als die Vorlage. § 172 a bält die Be- stimmung aufrecht, dcß die Unterstüßung nit gezahlt wird, wenn die Arteitéunfähigkeit oder der Tod durch eigenes grobes Verschulden verursacht worden ist. Gegenüber dem alten Gesecy hat das neue hier cine sehr bedenkli@e Vershlimmerung vorgerommen. Im alten Gesetz traf diese Bestimmung nur den Schuldigen selbst, jeßt aber werden auch seine Witwe und seine Kinder unverforat zurück- gelaffen. Dies ift eine ungeheure Verschlimmerung, die ganz unberechtigt is. Vor allem aber darf über die Schuidfrage uit in leßter Instanz das Schiedsgericht entscheiden. Ich möchte bon vornherein den Gcurdfsatz aufgestellt sehen, daß zum Vor- fißenden eines solchen Geri&ts weder ein Arbeitgeber noch ein Atbeitnehmer berufen werde. Die Vorsigenden müssen voll- kommen unvoreingenommen sein, um objeftiy urteilen zu fönnen. Meine Freunde wünschen von ganzem Herzen, daß es der Kom- misfion gelingen möge denn auch wir find für cine Kommission von 21 Mitgliedern —, das Gefeß möglichst vollkommen zu gestalten, und daf sih au von ihr das Wort bewahrhbeite: Was lange währt wird gut. (

Darauf wird die Debatte geschlossen.

Abg. Korfanty (Po!e) verwahrt sich dem Abg. Dr. Wagner gegenüber, daß er die wir!shaftiliche Einrichtung der Knappschaftskassen zu politischen Vorteilen für die großpolnische Bewegung benugen wolle. Œs liege seinen Freunden vollkommen fern, - eine politische Hetze zu Pes Ee U di veranstalten.

g. Fran en (nl.) bestreitet die Nichtigkeit der Behauptun des Abg. Brust, daß _die technischen Grubenbeamten des Allgemeines Bochumer Knappschaftsvereins mehr bezôögen, als ihnen nach dem Verhältnis ihrer Beiträge und der Arbeiter beiträge zustehe. Wegen Schlusses der Debatte könne er dies nicht mehr richtig stellen. Der Abg. Hilbck habe die Ausführungen über eine Pensions- und Relikten- fasse, wie sie für die technischen Grubenbeamten anzustreben sei, thm überlassen, und er werde darüber in der zweiten Lesung sprechen.

…_ Abg. Stackmann (konf) erklärt, daß seine Freunde mit der Einsetzung einer Kommission von 21 Mitgliedern einverstanden seien.

F 00 Brust (Zentr.) zieht seinen Vorshlag zu Gunsten dieses

Abg. Dr. Wagner (fr. kons.) bemerkt, daß nur der Zwische des Abg. Korfarty seine Antwort veranlaßt habe; er erkenne Ra R jener E kine politisGe Atsicht bei dieser Sache verfolge.

ie Vorlage wird darauf an cine Kommission von 21 a ¿R überwiesen. q :

Schluß 3 Uhr. Nächste Sizung Dienstag 11 Uhr.

(Kleinere Etats, Etat der landwirtschaftlichen Sina

Statistik unnd Volkswirtschaft.

Die Geschäfts- und Rehnungsergebnisse der Berufs- genossenschaften usw. für das Jahr 1904.

Die vom Reichsversicherungsamt nah § 111 des Gewerbeunfall- versicherung8gesezes vom 30. Juni 1300 und den entsprehenden Be- stimmungen der anderen Unfallversiherungsgeseße aufgestellte, dem Reichstage vorgelegte Nachweisung der gesamten Rechnunggsergeb- nisse der Berufsgenossenschaften usw. für 1904 bezieht sich auf die zwanzigste Rehnungéperiode seit dem Bestehen der reihsgeseßlichen Unfallversiherung. Die Nachweisung erstreckt sich auf 114 Berufs- genofsenshaften (66 gewerblihe und 48 Ia Nes auf 903 Ausführungsbehörden (199 staatliße und 304 Provinzial- und Kommunalausführungsbehörden) und auf 14 Versicherungsanstalten, von welchen 12 den Baugewerköberufsgenossenshaften, 1 der Tiefbau- Verujoaenolea Ras und 1 der Seeberufsgenossenshaft angegliedert sind.

on diesen Versicherungsträgern bestehen

a. auf Grund des Gewerbeunfallversiherungsgesetzes :

64 Berufsgenofsenshaften mit 602 039 Betrieben, 7 E 145 durchschnittlich Versicherten oder 6 674 390 Voll- arbeitern,

62 staatlihe Ausführungsbehörden mit 468 735 durchsnittli Versicherten oder 473 543 Vollarbeitern ; Y N

5 f guf Grund des Unfallversicherungsgeseßes für Land- und Forst- irtschaft :

48 Berufsgenossenshaften mit 4658892 Betrieben und 11 189 071 durch\Mnittliß Versicherten,

92 staatlihe Ausführungéb-hörden mit 234 391 dur{schnittlih Versicherten oder 69 978 Vollarbeitern ;

c. auf Grund des Bau. Unfallversicherung8gesetzes :

1 Berufsgenossenshaft mit - 15 759 Betrieben und 231 550 durhschnittlich Versicherten oder 131 886 Vollarbeitern,

73 staatlihe Ausführungtbebörden mit 46 587 dur(schnittlih Versicherten oder 30 589 Vollarbeitern,

304 kommunale Ausführungsbehörden mit 87 450 durchschnittlih Versicherten oder 53 313 Vollarbeitern,

13 Versiherungéanstalten mit 77 718 Vollarbeitern ;

d. auf Grund des Seeunfallversiherungsgesetes :

1 Berufsgenossenschaft mit 1651 Betrieben und 68 425 dur{h- shnittlichÞ Versicherten oder 62 220 Vollarbettern,

12 staatlihe Ausführungsbehörden mit 671 durchschnittlih Ver- sicherten oder 597 Vollarbeitern,

1 Versiherungsanstalt.

Im Diéenste der 114 Berufsgenossenshaften und ihrer Sektionen (933) waren nah dem Stande am Schlusse des Jahres 1904 1143 Mitglieder der Genossenschaftsvorstände, 5895 Mitglieder der Sektionsvorstände, 27 133 Vertrauensmänner, 3571 Verwaltungs- beamte und 263 tehnische Aufsihhtsbeamte tätig.

Die Zahl der durhschrittlih versicherten Personen stellt sh bei den Berufsgenofsenschaften en auf 19 038 191. Hierzu treten für die 503 Ausführungsbehörden 837 834 Versicherte, sodaß im Jahre 1904 bei den Berufegenofsenshaften und Ausführungsbehörden zusammen 19 876 025 Personen gegen die Folgen von Betriebsunfällen versichert gewesen sind. In der leßterwähnten Zahl dürften an 13 Millionen Personen doppelt erscheinen, die gleichzeitig in gewerb- gen und in landwirtshaftlihen Betrieben beshäftigt und versichert aren. rft

_An Entschädigungsbeträgen sind von den Berufsgenossen- schaften gezahlt worden 114 664 445,84 A (gegen 106 013 330,36 M im Vorjahre), von den Ausführungsbehörden 10 212 935,05 M4 (gegen 9 574716,68 ÆM im Vorjahre), von den Vérsicherungsanstalten der Baugewerksberufsgenossenshaften, der Tiefbau- und der Seeberufs- genofsenshaft 1764 359,57 M (gegen 1658 453,00 A im Vorjahre), zusammen 126 641 740,46 M (gegen 117 246 500,04 A im Vorjahre). Davon wurden 30 740,00 #4 den Verleßten und ihren Angehörigen für die Zeit nach dem Ablaufe der geseßlihen Wartezeit von den Beruf8genossenshaften usw. freiwillig gewährt.

Von der Bestimmung, nah welcher Verleßte mit einer Erwerbs- unfähigkeit von 1509/6 und weniger auf ihren Antrag dur Kapital- zahlungen abgefunden werden können, haben die Genossenschaften usw. in 2945 Fällen Gebrau gemacht. Der hierfür aufgewendete Betrag stellt sich auf 1041 243,96 / 767 Verlezte (gegen 555 im Vor- jahre) haben im Rechnunge jahre wegen Hilflosigkeit eine höhere Rente Lu 663 %/0 ihres Jahresarbeitêverdienstes (die gesezlihe Volrente)

ogen.

Die Gesamtsumme der Entschädigungsbeträge (Nenten usw.)

belief sich

im Jahre 1904 auf 126 641 740,46 4,

s 1903 , 117246 500,04 ,

1902 „, 107 443 326,27 1901 , 98555 868,57 1900 , 86649946,18 1899 „, 78680 632 52 1898 „, 71108 729,04 1897 , 63973 547,77 183% , 57154397,53 1895 , 50125 78222

1894 44 281 735,71 1893 38 163 770,35 1892 32 340 177,99 1891 26 426 377,00 1890 20 315 319,55 1889 14 464 303,15 1888 9 681 447,07 1887 5 932 930,08 Ï 1886 ,„ 191536624 „.

4 Nechnet man ¿u dem Betrage von 126 641 740,46 4 die als Kosten der Fürsorge innerhalb der geseßlihen Wartezeit gezahlten 667 225,37 A hinzu, so entfallen auf jeden Tag im Jahre 1904 rund 248 800 „6, welche den Verleßtten oder ihren Hinterbliebenen zugute Ip E R

ie Anzabl der neuen Unfälle, für welGe im Jahre 1904 zum ersten Male Entschädigungen gezahlt E Brit L auf 137 673. Vierbvon hatten 8752 den Tod und 1604 eine mutmaßlich dauernde völlige Erwerbsunfähigkeit der Verletten zur Folge. An 19 100 Hinterbliebene Getöteter wurde im Rechnungètjahre zum ersten Male eine Rente gezahlt. Darunter befinden sich 6151 Witwen E i E Leid lde, 336 Verwandte der auf-

eigenden Linte. e Anzabl sämtlicher zur Anm Unfälle etrigt 68066 z meldung gelangten

. Bur die Beurteilung der Unfallhäufigkeit sind die Zahlen der entschädigten Unfälle allein brauchbar. Die Zahl dieser O ist im Jahre 1904 höher als in den Vorjahren. Im wesentlichen sind es wieder die Entschädigungen für leihtere Unfälle (mit dauernder teil- Liter und vorübergehender Erwezrbsunfähigkeit), welche zugenommen

aben.

Die Summe der der Beitragsberechnun u Grunde gelegten Löhne, die sih, was besonders keroneackohen wird, mit den wirklich verdienten Löhnen nit deckt, stellt sh bei den gewerb- lihen Berufêëgeno enschaften auf 6538 304011 A bzi einer Zahl e Í 849 120 durhshnittlich versiherten Personen oder 6 868 498 Voll- arbeitern.

Für die landwirtschaftlihen Berufszenossenschaften sind, wie au früher, wegen des abweichenden S noci Worber E welche für die Beitragsberechaung zu Grunde gelegt werden, in die Nachweisung niht aufgenommen worden. Die Zahl der in den Be- trieben der land- und forstroirtshaftlichen Berufsgenossenshaften dur{h- \{nittlih versicherten Personen ist, wie sie für das Jahr 1896 unter Benußung der Ergebnisse der Berufs- und Gewerbezählung vom Faure s E den Dot r s stehenden eigene

caterials ermittelt wurde, in die Rechnungsergebnifse wieder eingestellt, sie beträgt 11 189 071. M EIRNE: Ne 0E

Einen Verglei der Unfallgefahren in den einzelnen Gewerbegruppen ermöglicht eine in der Nachweisung des Neichs- versicherungsamts den Tabellen vorangestellte Vebersiht über „verleßte

D: D. Q: D: Mar V Q

rfonen und Unfallfolgen“, welche die Unfälle umfaßt, Ke nungsjahre zum erften Male eine Entschädigung e rede ix

1000 1000 durhshnittlich| Vollaibeiter versicherte (300 000 - Personen | Arbeitatage) Unfälle

4

Hiernach kommen auf

bei der Gewerbe-, Bau- und See- Unfallversicherung jedoch ohne die Versicherungsanstalten der Bau- gewerks-Berufsgenossenschaften, der Tiefbau- und der See - Berufs- genofsenshaft 8,19 9,32 in der Gruppe : I. Bergbau 15,46 15,46 I1. Steinbrüche : 5,77 14,83 ITI. Glas, Tôpferet, Ziegelei . . 9,14 6,56 IV. Eisen und Stahl 10,93 11,25 V. Metall, Feinmechanik, Musik- instrumente 5,88 6,36 ._VI. Chemie 8,36 8,65 VII. Gas- und Wasserwerke. . . 6,78 6,78 VIITI. Textilindustrie 2,97 3,00 IX. Papier, BuchdruX 4,33 4,57 X. Leder, Bekleidung 3,64 3,93 A1, Holz i 11,50 12,68 X11. Nahrungsmittel, Fleischerei, Tabak 5,09 5,07

XTIL1. Müllerei, Zucker, Molkerei, Brennerei, Stärkeindustrie, Brauerei und Mälzerei . 11,33 12,39 XTV. Bauwesen (Privatbetriebe) . 8,27 11,70 XV. Private Bahnbetricbe . 7,08 6,69 XVI. Lagerei, Fuhrwesen . . 14,09 14,31 XVILI. Binnenschiffahrt 12,56 15,02 XVIII. Seeshiffahrt (Privatbetriebe) 6,11 6,72 XIX. Marine und Heeresverwaltung 5,02 5,35 XX. Oeffentlithe Baubetriebe (Staatliche, Provinzial- und Kommunal - Baus verwaltungen) 4,50 7,19

XX1. Staatseisenbahnen, Post und 7,50 7,35

BEITUTUDEN e XXIL. Staatsbetriebe für Schiffahrt, Baggerei, Flößerei usw. . 12,60 12,56.

_Als Gesamtausgabe werden von den gewerblihen Berufsgenofscn- schaften 116 579 253,08 4* (gegen 107 961 825,11 A im Vorjahre) und bon den landwirtschaftlichen Berufsgenossenshaften 34 736 861,27 M (gegen 32 295 075,52 Æ im Vorjahre), zusammen 151 316 114,35 #4 nachgewiesen. j

__ Hiervon entfallen, wie schon bemerkt, 114 664 445,84 M auf Ent- shädigungsbeträge. Als Kosten der Fürsorge innerhalb der geseßlichen Wartezeit, für die Unfalluntersuchungen und Feststellung der Ent- shädigungen für den Rechtsgang (Schied8gerihte usw ) und für die Unfallverhütung wurden zusammen 7 424 168,25 4 gezahlt. Jun die vie mo digt find für das Jahr 1904 16 943 504,83 4 eingelegt worden. __ Als Verwaltungskosten eins{ließlich der sonstigen Ausgaben werden insgesamt 12 283 995,38 46 nachgewiesen.

gewerblihen GBerufsägenossenshaften 8188 387,84 A (gegen 7 874 296,48 6 im Vorjahre), bei den landwirtshaftlihen Berufs genofsenschaften 2987 150,65 M (gegen 2 870 691,37 A im Vorjahre). Davon entfallen auf | je 1000 M | 1

z v 1 Versicherten "* Löhne Betrieb | U d

|

|

j

K E

bei den gewerblihen Berufégenofsenshaften

1904 1,04 1,26 [S Ius | 20,85 1903 105 1,30 | 1293 | 22,11,

bei den landwirtschaftlihen Berufsgenossenshaften 1904 | 027 Ÿ | f genes [Gast 20,42

1903 | 0,26 0,62 21,57.

Die Höhe der laufenden Verwaltungskosten ist bei den einzelnen Berufsgenossenshaften sehr verschieden; sie hängt ab von der Zahl der versicherungspflihtigen Personen, der Zahl, Art und Lage der Betriebe, der größeren oder geringeren Unfallgefahr usw. Zu Vergleichen über die Angemefsenheit der Aufroendungen der Berufsgenossenshaften unter einander fônnen die Rehnungsergebnisse der einzelnen Berufsgenofsen- schaften niht obne weiteres dienen.

_ Die Gesamtausgaben der 503 Ausführungsbehörden haben si auf 10 489 414,17 4, die der 14 Versiherungsanstalten der Bau- gewerk8berufsgenofsenschaften, der Tiefbauberufszenossenschaft und der Seeberufsgenossenshaft auf 2 327 357,54 belaufen.

Die Bestände der bis zum Schlusse des Rehnungsjahres an- gesammelten Reservefonds der Berufsgenossenschaften efcagen zu- fammen 197 071 473,01 . zu denen noch 4 530 856,86 6. rüdckständige Einlagen kommen. Die Versiherungsanstalten haben als Reserve- fonds 1 220 986,67 „#4 zurüdgelegt. :

._ An sonstigem Vermögen ein\{ließlih der noch ausstehenden Bei- träge usw. werden für die Berufsgenossenschaften 31 679 083,01 4, für die Versih:rungsanstalten 9 428 490,98 X nachgewiesen.

Zur Arbeiterbewegung.

In Hamburg haben, wie die „Rh.-Westf. Ztg.* erfährt, dic Werftarbeiter gestern säm!lich die Arbeit wieder aufgenommen. Die Wiedereinstellung der ausgesperrten Arbeiter vollzog si in aller Nube. Das Leben und Treiben in der Stadt und im Hafen sowie die Tätigkeit der Werften bieten wieder das altgewohnte Bild,

Ein Teil der Arbeiter der Eisenfabrik Nandorhegy im Komitat Krasso- Szoereny ist, wie dem ,W. T. B.“ aus Buda- pest telegraphiert wird, aus\tändig. Die Streikenden griffen die zur Aufrechterhaltung der Ordnung anwesenden zehn Gendarmen an; diese gaben eine Salve ab, durch die neun Arbeiter ge- tôtet_ und viele verwundet wurden. Die Gendarmerie war zum Schutze von Arbeitêwilligen ausgerückt, die von den Streikenden bedroht wurden. Der Führer der Ausständigen wurde verhaftet. Dic Arbeiter versuchten ihn zu befreien, und es kam so zu dem erwähnten Zusammenstoß.

_ Aus Paris wird dem „W. T. B.* gemeldet, daß die Zu- chneider der großen Konfektionshäuser in Liile, oubaix und Armentières heute einen Ausstand beginnen wollen-

Verkehrsanstalten.

._ Nächste Postverbindung nach Swakopmund und Lüderißbucht für Briefsendungen mit englishem Dampfer über Kapstadt, ab Southampton am 27. Januar, in Kapstadt am . 13. Februar, von da weiter mit nächster Gelegenheit. Letzte Beförde- rungen am 26 Januar ab Cöln 6,1 Nahmittags, ab Oberhausen 7 ¿4 Nachmittags, ab Berlin Shlesisher Bahnhof 11,24 Vormittags- Die nächste Post aus Swakopmund, Abgang am 4. Januar, ift zu erwarten am 28. Januar.

Die laufenden Verwaltungskosten betragen bei den |

M 20.

Verkehrsanstalten. Von jeßt ab können alljährlih in der Zeit vom 15. Oktober

His 1. März Postpakete ohne Wertangabe nah Bolivien,

Chile und Peru zur Beförderung über Argentinien und die Anden aufgeliefert werden. Die Pakete erreichen auf diesem Wege ibren Bestimmungsort durschnittlich 3 Wochen früher als auf dem bisher allein benußbaren Wege dur die Magellan- straße. In der übrigen Zeit des Jahres kann wegen Un- gangbarkeit des Andenweges die Annahme von Paketen zur Beförderung auf diesem Wege nicht stattfinden. Die Taxen für die Beförderung der Pakete über die Anden find bei Sendungen nah Bolivien und Chile dieselben. für Pakete bis 1 kg Gewicht sogar noch niedriger als auf dem bisher billigsten Wege. Für Pakete nah

eru tritt auf dem Andenwege eine geringe Erhöhung der Taxen ein. Rübere Auskunft erteilen die Postanstalten.

Handel und Gewerbe.

{Aus den im Reichsamt des Innern zusammengestellten

„Nachrichten für Handel und Industrie *.,)

Verkausstermine für den Antwerpener Elfenbeinmarkt im Jahre 1906.

Nach einem Berit der Antwerpener Firma H. G. Willaert find die vierteljährlihen Verkaufstermin2 des Jahres 1908 für den Antwerpener Elsenbeinmarkt auf den 6. Februar, 1. Mai, 31. Juli und 30. Oktober festgeseßt worden. (Bericht des Kaiserlichen General- Fonsulats in Antwerpen vom 30. Dezember v. J.)

Ausschreibungen. -

Spanien. Für Hafenbauten in San Esteban de Pravia (Provinz Oviedo), wie Bau einer Mole an der Mündung des Flusses Nalón, Verbesserung des Flußbettes und des Binnenhafens, find durch Königlihes Dekret 8 404 571,69 Pesetas Hewilligt worden. (Gaceta de Madrid.)

Niederlande. Der Bau eines Gaswerks in Lisse {Provinz Südholland) ist von der dortigen Gemeindeverwaltung beschlossen worden. Nähere Auskunft erteilt Het Gemeentebestuur von Lisse. (Commercial Intelligence.)

Hafen- und Eisenbahnbauten in Montenegro. Der britishe Ministerresident in Cetinje berichtet, daß ein italienishes Syndikat, welches hauptsächlich von Signor Volpié, dem Direktor der Tabakregie in Montenegro, gefördert wird, von der montenegrinischen Regierung die Konzession erhalten hat, einen Wellenbreher und einen Kai in Antivari sowie eine Eisenbahn von dort nah Vir-Bazaar, am Scutarisee, zu bauen. Die Konzessionsbedingungen seien noch nicht bekannt gemacht. Das Syndikat solle über ein Kapital von 4 Millionen Fr. verfügen. Die Kosten für die Hafenbauten seien auf 1 Million Fr. veranschlagt.

Zur Ausnußung von Wasserkraft in Meriko ist dort unter der Firma La Compañia Explotadora de las Hidro- Electricas del Rio Angulo eine neue Gleftrizität8gesellschaft ge-

gründet worden. Sie hat ihren Sit in Trapuato und wird von E.“

Brunel geleitet. Die Gesellschaft hat die Konzession erhalten, die Wasserfälle des Flusses Angulo, in Michoacan, zur Erzeugung elektrisher Kraft zu benutzen, und beabsichtigt, cine Anzahl von Städten im Staate Guanajuato mit Elektrizität zu versorgen. (Commercial Intelligence.)

Beleuchtungs8anlage in Rosario (Argentinien). Nah einer vom „Board of Trade Journal“ wiedergegebenen Mitteilung der „Roview of the River Plate“ nimmt die Stadtverwaltung von Rosario Angebote für die zur Beleuchtung der Stadt erforderlichen Anlagen bis zum 16. April 1906 entgegen.

Lieferung eines Müllyerbrennungs8apparats nacch Pretoria (Transvaal) und Aufstellung detselben. Angebote werden bis zum 15. März 1906 von der Stadtverwaltung in Pretoria entgegengenommen. Der Apparat muß täglich 60 t verarbeiten können. Näheres durch Mosenthal, Sons & Co., 72, Basinghall Street, London, E. C. (The Board of Trade Journal.)

Der Arbeitsmarkt in Deutschland im Jahre 1905.

_Das Wirtschaftéjahr 1905 hat \sih in Deutschland nah dem vom Kaiserlichen Statistishen Amt herausgegebenen „Retchsarbeitsblatt“ sehr günstig gestaltet, es übertraf seinen Vorgänger in jeder Hinsicht. Der Anteil Deutschlands am Welthandel entwickelte \sich weiter, Ausfuhr und Einfuhr stellten fich höher als im Jahre 1994. Die Roheisenproduktion stieg auf etwa 10,90 Millionen Tons gegen 1006 im Vorjahr, desgleichen steigerte sich die Steinkohlen- produktion troy des Ausfalls im Beginn des Jahres durch den Streik im Nuhrkohlenbezirk. Die Einnahmen aus den Eisen- bahnen haben \ih im Jahre 1905 gehoben; Ende Dezemker 1905 ergab sih nah der Statistik des Reichseisenbahnamts für die Bahnen mit dem Rechnungsjahr April—März bei einer Gesamteinnahme von 1373 Millionen Mark ein Mehr in Höhe von 80,08 Millionen Mark gegen das Vorjahr, und für die Bahnen mit dem uge ab Januar bei einer Gesamteinnahme von 236 Millionen Mark ein Mehr von 9,23 Millionen Mak. Desgleichen gingen die Einnahmen aus der Wechselsiempelsteuer in die Höhe. : :

Trotz dieser anscheinend alänzenden Entwicklung fehlten indessen au diesem Bild nicht die Schatten. Die gute Konjunitur in der Industrie war begleitet von einer Neihe großer und heftiger Arbeitskämpfe, in welchen die Organisationen der Arbeiter eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erzielen suchten. Das Jahr bgann mit dem Ausstand im NRuhrrevier, es folgten der rhéinisch - westfälishe Bierboykott, der Streik in der bayerishen Metallindustrie und in der Berliner Elektrizitäts- industrie, die Lohnbewegungen in der thüringishen Textilindustrie. Die Organisation der Arbeitgeber, die im verflossenen Jahre eine weitere Stärkung erfuhr, beantwortete die Arbeitseinstellungen mit der Einstellung der Betriebe in großem Umfang, und so hat tas Jahr 1905 die zahlreihsten und die größten Aussperrungen gesehen, die isher in Deutschland vorgekommen sind.

Die Bestrebungen der Arbeiter nah Erhöhung der Löhne wurden, abgesehen von der günstigen Konjunktur, in erster Linie begründet durh die stark steigenden Lebensmittelpreise. Insbesondere mate \ih die Verteuerung des Preises der wichtigsten Fleischsorten ‘empfindlih fühlbar. l 7

Wie bereits erwähnt, {lossen sih die Arbeitgeber gegenüber den Organisationen der Arbeiter noch enger zusammen. Man s{ätt,

in den zusammengeshlossenen Betrieben urd Verbänden zur Zeit 14 bis 2 Millionen Arbeiter besbäftigt werden. Außerdem versuchten die Arbeitgeberorganisationen Einrichtungen zu hafen, welbe die einzelnen Mitylieder der Organisation gegen die Wükungen der Streikls und des Boykotts serstellen und dur die wirtshaftlihe Stärkung, welche die Organi- ation dem einzelnen Betriebe gewährt, den {chwächeren Mitgliedern Das solidarishe Vorgehen erleihtern sollten. Es ist die Ausbildung

Dritte Beilage L zum Deutschen Reichsanzeiger und Königlih Preußishen Staatsanzeiger.

Berlin, Dienstag, den 23. Januar

1906.

des Boykottshuz-s und der Streikver Ne USg die im verflossenen Jahr rocitere Anregung und Entwi zus erfahren haben. _ Die günstige Konjunktur in der deutschen Industrie war im ver- flossenen Jahre übrigens zum Teil auch - auf verstärfte Tätigkeit für den Export vor Eintritt der neuen Zollverhältnisse am 1. März %d. J. zurückzuführen, und cs wird daher die Befürhtung geltend gemacht, daß die Lage des Arbeitsmarkts, die sich im Jahre 1905 sehr günstig gestaltete, nach Eintritt der neuen Zollverhältnisse einen Rück- \hlag erfahren wird. ;

Die günstige Entwicklung des Arbeitsmarkts kam an den ver- schiedenen statiflischen Maßstäben zum Ausdruck, welche das Kaiserliche Statistishe Amt zur periodishen Beobachtung des Arbeitsmarkts an- wendet. Die Kurve der Mitgliederzahlen der Krankenkassen zeigt, abgesehen von einem unbedeutenden Rüdckgang im Monat Juni, sowohl für Männer wie für Frauen seit dem 1. Februar des Jahres eine fortgeseßte Steigerung. Auß der Rückgang, der sonst im Monat November mit dem Aufhören der Bautätigkeit im Freien regelmäßig einzusegen pflegt, machte si diesmal nur sehr abgeschwächt geltend, weil die sehr Quilde Witterung gestattete, ohne jede Unterbrechung die sehr lebhafte Bautätigkeit bis zum Jahres- \chluß fortzuführen. y A

Die Aufnahmen über die Arbeitslosigkeit in deutschen La LeN ergaben dementsprehend ein fehr günstiges Bild.

ie Arbeitélosizkeit berehnete sich am Schlusse der cinzelnen Quartale von 1905 in Prozenten der Mitglieder und im Verglei mit dem Vor- jahr, wie folgt: Es waren arbeitslos am 31. März 1905 1,6 (am 31. März 1904 2) 9/6, am 30. Juni 1,5 (1904 2,1) %, am 30. Sep- tember 1,4 (1904 über 1,8) °%/, am 31. Dezember 1905 1,8 (zu der- selben Zit 1904 2,4) 9/9 der Mitglieder. Am 30. September erreichte die Arbeitslosenziffer in den beiden leßten Jahren, auf welche die Beobachtung ih nur ersireckt, den niedrigsten beobachteten Stand.

Die Vermittelungsergebnisse der Arbeitsnahweise stellten ih im Berichtéjahr günstig; O le iveile ing dabei die Zahl der Arbeitsgesuche, welhe an die Arbeitsnahweise herantraten, in der zweiten Hälfte des Jahres zum Teil stark zurück.

Durch den russiG-jepanunns Krieg wurde die Entwicklung de3 Arbeitsmarkts im Berichtsjahr im allgemeinen wenig berührt; erst mit den nach Abschluß des Krieges einseßenden inneren Wirren trat eine wesentlihe Vershlechterung der Ausfuhrmöglichkeit nah Rußland cin, die auch nicht ohne Rückwirkung auf den deutshen Arbeitsmarkt in den an dem Export nah Rußland beteiligten Industrien blieb.

Was die einzelnen Gewerbe anbetrifft, so hatte die Land- wirtschaft im verflossenen Jahr im allgemeinen ein günstiges Jahr zu verzeihnen. Im Kohlenbergbau erhielt die erste Hälfte des Jahres ihr Gepräge durch den großen Autstand im Ruhrbezirk, dem si vor- übergehend 200 000 Arbeiter anges{lofsen hatten. Troy des Förde- rung8ausfalls von 4 Millionen Tons durch den Streik im Nuhrbezirk ist im Vergleich mit dem Vorjahr, wie {on bemerkt, die Förderung im Jahre 1905 noch gestiegen, und zwar nicht nur an Steinkohlen, fontern ebenfo an Braunkohlen, Briketts und an Koks. In der zweiten Hälfte des Jahres wurde die Förderung dur starken Wagen- mangel behindert. j :

Die Steigerung der Koksproduktion weist besonders hin auf den günstigen Gang der. Noheisenfabrikation und überhaupt der Eisen- und Metallindustrie, sowie der Maschinenindustrie, in denen die Gunst der Marktlage sich aanz besonders geltend machte. Auf die Eisenindusirie wirkten in förderndem Sinne die An- forderungen an Waffen und Kriegéëmaterial, an Schiffsbaumaterial und an Eisenbahnmaterial, welche teils aus Anlaß des russisch- japanischen Krieges, teils durch Ausbau des Eisenbahnnetzes im Ausland und in den deutshen Kolonien an die Eisen- industrie herantraten. Zum Teil wird die günstige Lage der In- dustrie aub in Verbindung mit der Tätigkeit des im Jahre 1904 ge- gründeten Stahlwerksverbandes gebraht, der durch Hebung des Exports, durch Regelung der Produktion und der Preise die Speku- lation einshränkte und dadurch in der Nichtung einer Konsolidation der Verhältnisse wirkte. Die Arbeitslosenziffer in den Arbeiter- verbänden der Metallindustrie war tementsprehend noch geringer als im Vorjahr, sie Fing am 30. September 1905 berunter auf 1,0 9/6 bei dem Deutschen Metallarbeiterverband, auf 0,6% bei dem Gewerk- verein deutsher Maschinenbauer und Metallarbeiter.

Was für die Metall- und Maschinenindustrie angeführt wurde, gilt in gleicher Weise für die Elektrizitätsindustrie. Abgesehen von der Aussperrung in der Berliner Elektrizi1ätsindustrie, die trotz ihres großen Umfangs doch nur von lokaler Bedeutung blieb, hatte sich die Industrie während des ganzen Jahres einer sehr günstigen Konjunktur zu erfreuen. Die normale Arbeitszeit reichte vielfach nicht aus, um den Anforderungen, welche an die Jadustrie gestellt wurden, gerecht zu werden.

Die Textilindustrie wurde auch im Jahre 1905 durch fort- gescßte Schwankungen ihrer Rohstoffe beunruhigt, ohne daß jedoch diese eine Nückwirkung auf die Beschäftigung der Arbeiter gehabt hätten. In Sachsen unb Thüringen gaben der zweiten Hälfte des Jahres Lohnbewegungen der Arbeiterschaft das Gepräge, zu welchen die stark gestiegenen Preise der Lebensmittel der verhältnismäßig gering gelobnten Atbeitershaft dieser Bezirke Veranlassung gaben.

Die chemische Industrie entwickelte sich unter günstigen Bedingungen im verflossenen Jahre weiter, ohne durch Ecshütterungen irgend welcher Art in ihrer Entwicklung gestört zu sein.

Besonders günstig lagen, wie hon gestreift, die Verbältnisse auf dem Arbeitsmarft für das Baugewerbe, und diese Tatsache machte sih auch in den mit dem Baugewerbe in näherer oder engerer Fühlung stehenden Gewerben im Siùne ve!stärkter Beschäftigung geltend.

Alles in allem, war das Wirtfchaftsjahr 1905 ein Jahr auter Beschäftigung und steigender Preise. Inwieweit die Lohn- steigerungen, welche die Arbeiter mit Rücksicht auf die günstige Kon- junktur und die steigenden Kosten der Lebenshaltung von der Industrie erlangen konnten, einen Ausgleih für die gestiegenen Preise der Lebensmittel bilden, inwieweit also eine Hebung des Reallohnes im Jahre 1905 eingetreten ist, läßt fich indes niht ohne weiteres übersehen. So günstig das Jahr im allgemeinen aeshlossen hat, so lassen sh glelch günstige Erwartungen für das Wirtschaftsjahr 1908 nit ohne weiteres aussprehen, da die Neu- regelung der Zollverbältnisse am 1. März 1906 nicht gestattet, sich zur Zeit berefts ein Bild von der Gestaltung der Verhältnisse des Arbeitsmarkts nah ÎInkrasttreten der neuen Handelsverträge zu machen.

Der Arbeitsmarkt im Monat Dezember 1905.

Der Monat Dezember hatte, wie das „Reichsarbeitsblatt“ be- rihtet, entsprehend der vorgerückten Jahreszeit, auch im ve1flossenen Zahre einen starken Rückgang der Arbeitsgelegenheit aufzuweisen, wenigstens in seiner zweiten Hälfte. Der Rückgang hängt alljährlich damit zusammen, daß einmal im Baugewerbe die Bauten im Dezember meistens beendigt und neue nicht in Angriff genommen werden, zum anderen Teil damit, daß nach Abwicklung des Weihnachtsge[häfts ein starker Rückgang in der Beschäftigung in einer Nethe von Intustrien einzutreten pflegt. Auf diesen Rückgang der Beschäftigungsgelegenheit blieb cs ohne erbeblichen Einfluß, daß die milde Witterung die Arbeiten im Freien bis zum YJahres-

{luß gestattete. Auf der anderen Seite wurde eine Reihe von Industrien durch Vorausfuhr vor Eintritt der neuen Handelsverträge

lebhaft in Anspruch genommen. Im Kohlenbergbau gestaltete sih der Abruf im Dezernber sehr günstig und wurde nur beeinträchtigt durch den noch immer niht gehobenen Wagenmangel. Ebenso hielt sh in der Cisen- und Maschineninduftrie die Konjunktur auf der sehr be- friedigenden Höbe der leßten Monate; desgleichen befriedigten die Arbeitsverhältrisse in der elektrischen, in der chemischen und in der Textilindustrie. Einen Rückgang der Besbäftigung brachte die zweite Hälfte des Monats, abgesehen von dem Baugewerbe, im Buchdruck- gewerbe (Parlamentsferien), in der Konfektion, Wäschefabrikation, Hutinduftrie, Spielwarenindustrie und im Handelsgewerbe infolge der Abwiklung des Weihnachtsgeschäfts. : ; :

Die Aufnahme über die Arbeitslosigkeit in deutshen Fachverbänden ergab am 31. Dezember 1905 eine Arbeitslosenziffer von 1,8 %/ der De, Es ift dies der günstigste Dezemberstand in den leßten

ahren.

Der Bestand an versicerungspflihtigen Mitgliedern der an das Ae Statistishe Amt monatli bericktenden Krankenkassen ging die Bestandziffer des 1. Februar = 100 gesezt vom 1. De- zember auf den 1. Januar 1906 bei den männlihen Mitgliedern von 113 auf 108 zurück (im Vorjahre von 112 auf 108), bei den weib- lihen Mitgliedern von 108 auf 106 (im Vorjahre von 108 auf 105).

In den Vermittelungsergebnissen der Arbeitsnahweise trat im Dezember der üblihe Rückgang ein, der sich besonders in Norddeutsch- land und in Bayern geltend matte.

_ Die Verkehrseinnahmen aus dem Güterverkehr der deulshen Eisenbahnen waren im Dezember 1905 um 8198086 4 höher als im Dezember 1904. E3 bedeutet dies gegen das Vorjahr eine Mehr- einnahme um 131 Æ oder 5,75 9/9 auf den Kilometer.

Tägliche Wagengestellung für Koblen und Koks an der Nuhr und in Oberschlesien. An der Ruhr sind am 22. d. M. gestellt 21 657, nicht rcecht- zeitig gestellt 120 Kokswagen. S

Die Bureaus und Kassen der Reichsbank werden, nah einer ten Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin seitens des Reichs- bankdirektoriums zugegangenen Mitteilung, am 27. Januar 1906, dem Geburtstage Setner Majestät des Kaisers und Königs, Nachmittags geschloffen sein.

Die. Lieferung von Packleinwand, Pußlappen, Pußt- leder und Piassavabesen wird, wie der Hindelskammer bekannt gegeben ist, von der Königlichen Eisenbahndirektion Berlin am 8. Februar d. I. vergeben. Angebotsbogen und Liefe- rungsbedingunaen können von der genannten Verwaltung gegen Eins sendung von 50 S bar bezogen oder im Verkehrébureau der Handel3- kammer, Dorotheenstraße 7/8, eingeschen werden.

Wie die „Kölnische Zeitung“ und die „Kölnische Volkszeitung“ aus Düsseldorf melden, hat die leßte außerordentliche Haupt- versammlung der Düsseldorfer Bank das Angebot der Nheinisch-Westfälishen Diskontogesellshaft auf Ueker- nahme der Düsseldorfer Bank mit der in leßter Zeit getroffenen Abänderung angenommen, nach der die Rheinish-Westfälishe Diskonto- gefellschaft außer dem bereits bekannten Angebot 30 # bar auf jede alte Tausendmarkaktie und für jede mit 25 9% eingezahlte junge Aktie 50 #4 bar vergütet.

Die Bayerishen Staatsbahnen bereinnahmten im Dezember 1905 bei einer Betriebslänge von 6387 km (6305 km i. V.) 13 980 000 A (+ 1 266 876 A6), bis ultimo Dezember 177 620 000 (4+ 8712 029 A).

Die Preisnotierungen vom Berliner Produktenmarkt sowie die vom Königlichen Polizeipräsidium ermittelten Marktpreise in Berlin befinden sich in der Börsenbeilage.

Kursberichte von den auS8wärtigen Fond8märkten.

Hamburg, 22. Januar. (W. T. B.) (S&luß.) Gold in Barren: das Kilogramm 2790 B., 2784 G., Silber in Barren: das Kilogramm 90,00 B., 89,50 G.

Wien, 23. Januar, Vorm. 10 Uhr 50 Min. (W. T. B.) Einh. 4% BRente M..N. p. Arr. 100,00, Oesterr. 40/9 Rente in Kr.-W. per ult. 100,20, Ungar. 4% Goldrente 114,45, Ungar. 49/9 Rente in Kr.-W. 96,20, LTürkishe Lose per M. d. M. 150,50, Buschtierader Eisenb.-Aktien Lit. B —,—, Nordwestbahnaktien Lit. B per ult. —,—, Oesterr. Staatsbahn per ult. 666,00, Südbahn- gesellschaft 120,25, Wiener Bankverein 564,00, Kreditanstalt, Oesterr. per ult. 674,25, Kreditbank, Ung. allg. 794,00, Länderbank 442,50, Brüxer Kohlenbergwerk —,—, WMontangefellschaft, Oefterr. Alp. 527,75, Deutsche Reichsbanknoten per ult. 117,50.

London, 22. Januar. (W. T. B.) (Schluß.) 2X °/6 Englische D Stat Platzdiskont 37/3, Silber 30/3, Bankeingang 5000

d. Sterl.

Paris, 22, Januar. (W. T. B.) (SWluß.) 3 0°/6 Franz. Rente 98,87, Svezkanalaktien 4295.

Madrid, 22. Januar. (W. T. B.) Wesel auf Paris 22,95.

Lissabon, 22. Januar. (W. T. B.) Goldagio 45.

New York, 22. Januar. (Schluß.) (W. T. B.) Die Tendenz der heutigen Börse war nicht etinheitlih. Während sich anfangs unter dem Drucke von Realisierungen eine s{chwähere Haltung bemerkbar machte, trat später auf erneute Kurétreibereien der in Readingaktien engagierten Speklulantengruppe eine Er- holung ein. Am Nachmittag verursahten weitere Positions- lôsungen von neuem einen Stimmung8wechsel. Das Ge- {äft des Privatpublikums war heute kleiner als an den Vortagen, da infolge von Stürmen die telegraphishe Ver- bindung mit dem Westen des Landes unterbrohen war. Die Makler der Hillgruppe kauften Harrimanwerte. Aus den Betrihten der Betriebsdirektoren der w:\tliGen Eisenbahnen geht hervor, daß der Wagenmangel nachgelassen hat. Für Rehnung Londons wurden in Ergebnis 20000 Stück_ Aktien verkauft. Schluß unregelmäßig. Aktienumsatz 1 690 000 Stück. Geld auf 24 Stunden Durchschn.- Zinsrate 4, do. Zinsrate für leßtes Darlehn des Tages 4, Sie auf 2 a Tage) S s anein 4,87,85, Silber,

owmercial Bars 654. Tendenz für Geld: etig.

Rio de Janeiro, 22. Januar. (W. T. B.) Wechsel auf

London 171.

Kursberichte von den auswärtigen Warenmärkten.

Essener Börse vom 22. Januar, (Amtlicher Kursbericht.) Koblen Koks N Briketts. (Preisnotierungen der Syndikate im Oberbergamtsbezirk Dortmund für die Tonne ab Werk.) 1. Gas- und Flammkohle: a. Gasförderkohle 11,50—13,50 #, b. Ga3- Cn le 9,75—10,75 M, c. Flammförderkohle 9,25 bis 9,75 M, d. Stüdfohle 12,25—13,50 M, e. Halbgesiebte 11,50 bis 12,50 4, f. Nußkohle gew. Korn T und II 12,50—13,25 M, do. do. IIT 11,50—12,25 #, do. do. IV 10,25—11,00 4, g. Nuß«

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