1906 / 23 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Tage jeder dividualität

bürgerliGen Freiheit, des immer und immer wieder hingewiesen. Selbst- verständliß glaube i< hiermit meine Pfliht zum Schuye unserer geistigen und materiellen Güter no< niht er- füllt zu haben. J< erkenne es als unbesireitbare Pflicht jeder Re- gierung an, den von dem Herrn Grafen zu Eulenburg-Prassen ge- \childerten Gefahren entgegenzutreten, sie im Rahmen der Geseße mit Energie zu bekämpfen, Agitationen, welche die staatlihe Ordnung ge- fährden, soweit die Geseße dies irgend zulassen, zu unterdrü>en. Diese unsere Pfliht werden wir nit versäumen, das haben wir noch in diesen Tagen gezeigt. Vor der Tyrannei der Straße beugen wir uns nicht, dur< Demonstrationen und Drobungen lassen wir uns nihts abtrozen. Pöbelexzesse und Revolution werden wir in Preußen, in Deutschland niht dulden. Die Regierung hält und damit beantwonte ih die in der Interpellation gestellte Anfrage eine Vermehrung ihrer Befugnisse bis jeßt ni<t für nôtig; von ihren geseßliten Befugnissen aber wird sie entschlossen Gebra:< machen. (Bravo!) Meine Herren, staatsfeindliden Be- strebungen gegenüber kat aber ni<t nur die Regierung Pflichten. Der Herr Vorredner hat an das Wort erinnert: caveant consules! Auch in den Zeitungen ertönt der Ruf: Reichékanzler , Regierung, ergreift die Offensive, ergreift außerordentlihe Maßregeln, zeigt der Revolution den \tarken Arm des Staats.

Meine Herren, die Entscheidung darüber, wann der Augenbli> gekommen ift, an die gesezgebenden Körperschaften zu appellieren, um verstärkte Machtmittel gegenüber revolutionären Umtrieben ¿u fordern, muß der wverantwortliGhen Regierung über- [assen bleiben. (Sehr ichtig! und Bravo!) Anzeichen, Aeußerungen von Ne1wvosität, wie sie in der Presse hier und da hervortreten, schaden der guten Sache, rüßen dem Gegner, in dem der Glaube erwe>t werden könnte, als wenn es ihm ein Leichtes wäre, unter dem gegenwärtigen Nechtszustand seine Ziele zu erreichen. Mehr, viel mehr nügen Presse und Parteien der gemeinsamen Sache, wenn sie angesichts des gemeinsamen Gegners den inneren Streit untereinander zum: Schweigen bringen und den Zusammen- {luß aller bürgerligen Elemente zum Kampf gegen die revolutionäre Sozialdemokratie anbahnen. (Sehr ri>tig!)) Die Zeit ift zu ernst, als daß wir uns den Luxus gestatten könnten, uns untereinander zu bekriegen. Dem Ausdru> dieser Ueberzeugung bin ih aber bisher leider no< viel zu selten begegnet. (Sehr wahr!) Im Gegenteil, während und na< den leßten Reichstags- wahlen haben die bürgerliGen Parteien nur zu oft ih in den Haaren gelegen, sie haben \ogar Wakhlbündnifse abges{lossen mit der Sozialdemokratie (lebhafte Zustiwmung) zu meinem tiefen Bedauern Bündnisse abgeschlossen mit der Sozial- demokratie, die ihrerseits alle bürgerlihen Elemente als eine einzige feindlihe Masse betrahtet und behandelt. (Sehr wahr!) Für die Königliche Staatsregierung wie für die bürgerlichen Parteien muß die Parole lauten: Gegen die revolutionäre Sozialdemokratie! Der UVebermut dieser Partei wäre niht so ho< gestiegen, wenn man es von unserer Seite in UntersGäßung der unserer äußeren Macßtstellung und unserer inneren Wohlfahrt, unserer Freiheit und Kultur drohenden Gefahr ni<ht immer und immer wieder an der notwendigen Kohäsion häite fehlen lassen. Die Königliche Staatsregierung wird gegenüber der Sozialdemokratie auf dem Posten sein. Sie wird ihre Schuldigkeit tun niht nur dur ents{lofsene Anwendung der Gesetze, sondern au, indem sie tut, was sie kann, um unter den bürgerlihen Parteien und zwischen den bürgerlihen Parteien und der Staatsregierung Uneinigkeit und Zwiespalt und Mißverständnisse zu verhindern oder zu beseitigen, um ein Zufammengehen der bürgerlichen Parteien unter einander sowie der bürgerlihen Parteien mit der Staatsregierung zu exmöglichen. An die bürgerlichen Parteien aber rihte i< au< von tieser Stelle die Mahnung: Seien wir einig gegenüber dem gemeinsamen Feinde ! (Lebhaftes Bravo von allen Seiten.)

räsident Fürst zu Inn- und Kn ausen: D ir Antrèg auf Ereig E Interpellation “cent ift kann i diesen Gegenstand verlassen.

Darauf werden no< der Nahweis über die Aus- und Einrangierung in den Landgestüten für 1905 und die Betriebs- resultate der Staatsgestüte von 1901/02 bis 1903/04 sowie die Nachrichten von dem Betriebe der unter der preußischen Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung stehenden Staatswerke für 1904 ohne Debatte nah den Anträgen der Kommissions- berihterstaiter dur<h Kenntnisnahme für erledigt erklärt.

Schiuß nah 2 Uhr. Nächste Sizung Tbelimnnet: voraus- fihtlih erst im Laufe des März.

Rehts der Jun-

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs- maßregeln.

__ Französis<he Besitzungen.

Dur _ eine im Amtéblatt für Kochinchina vom 21. Dezember 1905 veröffentlitte Verortnung des Generalgouverneurs von Indo- ira vcm 16. desselben Monats is der Hafen von Kobe für peftverseu<t erklärt worden. Die von dort in Indochina ein- treffenden Schiffe werden als pefiverdähtig angesehen. Auf die Pafsa- giere finden tie Vorschriften über die Erteilung eines Gesundkeits- pafscs Anwendung. Sind sie diese Vorschriften zu erfüllen nicht ge- willt oder in der Lage, so unterliegen sie einer Quarantäne von 12. Tagen vom Datum der Abfahrt tes Schiffes von Koke ab.

Die Einfuhr von Papierabfällen, Lumpen, Bettzeug, alten Kleitern, Gebrauchteffekten, grünen Häuten, Fellen, frischen tieris<en Abfällen und ähnlichen Gegenstänten ist verboten. Die Desinfektion anderer Gegenstände kann von der Sanitätshebörde den bestehenden Vorschriften gemäß an eordnet werden. Die Postdampfer werden zum freien Verkehr zugelafsen, sofern fie in Kobe nur europäishe oder diesen gleigesteilte, mit Gesundbeitepäfsen versehene Passagiere; Lebensmittel, Kohlen und die Post an Bord ger-ommen haben.

Verdingungen im Auslande,

E Rumänien.

Generaltireïtion der Staatémonopole (Directia Generalä a Begieï Monopolurilor Statuluï, Serviciul exploatäreï), Bufaresi Calea Victorieï 127: :

16. Februar 1906, 11 Uhr: Lieferung von 530 0900 Stü> Täschchen zum Veipa>ten von Zigaretten (Marte „Reporter“), 50020 Stü> Täsh&hen zua Verpa>en von Zigaretten (Marke „Miristru“). Nähere Bedingungen erliegen beim „Ieichsanzeiger“.

19. März 1906, 109 Uhr. Lieferung von folgenden Tabaksorten und Viengen: 1) Havanna 4009 kg, 2) Havanna, extra superior 500 kg, 3) Guta Java 3:00 kg, 4) Brasilis 2500 kg, 5) Java oder Eémeralda 2000 kg, 6) Sced-Leaf 1400 kg, 7) Sumatra 6400 kg, 8) Virginia oder Kentuky 2500 kg, 9) Holländer 20 000 kg, 10) Unga- riser 25000 kg. Näkßere Einzelheiten sind bei der genannten Seneraldirektion ¡y erfcogen, ;

Theater und Musik.

Konzerte.

Das am Sonntag îm Saale der Singakademie von Frau Grumbacer- de Jong, Frau Saenger - Sethe und Herrn Mayer - Mahr veranstaltete Konzert nabm einen glänzenden Verlauf. Alle drei Künstler find nah Wert und Eigenart hinreichend bekannt, und so wußten “sie dem zahlreih ershienenen Hörerkreise dur ihre geistvoll und künftleris< abgerundeten Vorträge einige sehr angenehme Stunden zu bereiten. Der erste Teil des ges<hma>voll ¡usammen- gestellten Programms galt der Erinnerung an Mozart, an die 160. Wieder- kehr seines Geburtttags. Frau Saenger - Sethes Spiel war im besten Sinne abgeklärt, und man konnte si{<, ohne auf die tedznisdhe Seite zu achten, ganz dem Genusse ihrer Kunst hingeben. Frau Grumbacher-de Jong erfreute darn die Hörer dur< den Vortrag von Liedern von Beethoven (Adelaide), Brahms und vier prächtigen Volks- liedern, die sie, von Herrn Bake in altbekannt feinfübliger Weise begleitet, entzüdend sang. Herr Mayer-Mahr spielte die von ihm für Klavier re<t geschi>t übertragene Nomanze aus dem D-Moll- Konzert von Mozart mit vielem Geshma>, während er seine volle tehnishe Sewandtheit besonders in der Cis-Moll-Polonaise von Chopin zu entfalten Gelegenheit fand.

Herr Charles Williams gab am Montag im großen Saale der Philharmonie mit dem Philharmonischen Orchester ein Konzert, in dem er si als Dirigent vorstellte. Er führte den Takt- sto> mit Ruhe und Sicherheit, was einen entschieden günstigen Ein- dru> machte, und er beßerrshte die Partituren. Das Konzert, das mit Mozarts Ouvertüre zum „Schauspieldirektor" eröffnet wurde, brate eine neue Komposition von Edw. Elgar: Introdukiion und Allegro in G-Moll für Streichorhester mit Sologquartett, ein Werk, das Beachtung verdient, und dem wan gern einmal wieder be- gegnen wird Danach spielte Herr Arthur Williams das inter- essante Cellokonzert (H-Moll) von Dvorák; er f\pielte es mit s{<önem Ton und sicderer Technik, ohne etwas Ungewöhnliches oder Hervorragendes damit zu bleten Der zweite Teil des Konzerts en!hielt die E-Moll-Symphonie von Brahms. Grete Steffens, eine junge Sängerin mit einem wohllautenden, aber nit gerade kräftigen Mezzosopran, zeigte an demselben Abend in der Singakademie, daß sie mit GEeshma>k vorzutragen weiß. Das Meiste war gut empfunden und äußerte si< au< in dankbarer Form. Temperament entfaltete sie nur in dem mittleren der drei Duette, der Ballade „Edward“ von Brahms, die sie mit Ludwig Wüllner sang; hier wurde sie dur< den leidenschaftlichen Vortrag ihres Partners mit fortgerissen. In den vier ernsten Gesängen von Brahms trat eine s{<öne ernste Empfindung zutage, der \sih die Stimme besonders weih anshmiegte. Der stärksie Beifall trat natürli< nach den Duetten ein und galt in erster Linie dem mitwirkenden Gesangsmeister. Das Konzert gab auch einem jugendlichen Pianisten, Edwin Fischer, Gelegenheit, seine außer- gewöhnlide Begabung ins Treffen zu führen. Außer einer Sonate bon Felix Dräseke, die aus Anlaß des 70. Geburtstags des allseitig bodges>äßten Tondichters gespielt wurde, stand E. d’Alberts Suite in fünf Säßen auf tem Programm. Eine außergewöhnliche Leichtig- keit der Technik ging zusammen mit ehtem, edel gebildeten Gefühl. Der musikalishe Gedanke trat überall so klar umrissen, leicht und eindru>s- voll hervor, daß die Klaviervorträge eine uneingeschränkte Freude bereiteten. þ Der gleichzeitig im Beethoven-Saal veranstaltete Duett- und Liederabend -von Aaltje Burg und Hendrik Kubbenga nahm einen freundlihen Verlauf. Die Sopraniftin sang mit beller frish- klingender Stimme, die zwar nicht gerade auffallend {öa ist, aber immer angenehm berührt. Da mit diesem Vorzug eine gute Shulung und ein freundlich belebter Vortrag verbunden war, gefiel die Künstlerin re<t gut. Jn den Duetten klangen die Stimmen gut zusammen, wenn au< der Sopran ih vorteilhafter bemerkbar matte als der Baß des Herrn Kubbenga, der sih no<h etwas tro>en und \prôde gab.

Ein Klavierabend von Klara Kuske fand am Dienstag im Saal Bechstein statt. Die Dame spielte re<ht gewandt und ließ auch eine verständige Auffassung dur{klingen. Ueber das gebräuchlihe Durchschniitêmaß gingen aber die etwas nüchternen Leistungen nicht binaus. Um dieselbe Zeit stellte sich im Saal des „Römischen A Fräulein Elisabeth Halter einem re<t zahlreichen ‘Auditorium vor. Ihre, namentli<h in der Höhe gut ausgeglichene, wohllautende Altstimme erwies sih als gut geshult; der Vortrag zeigte musikalishes Verständnis und entspra<h meist der Eigenart der von ihr wiedergegebenen Kompositionen, nur hätte er bisweilen etw2s8 mehr Empfindung aufweisen können. Einigermaßen störend wirkte nur das unruhige Mienenspiel der Sängerin. Im allgemeinen war der Gesamteindru> jedo< günstig, und die Konzertgeberin konnte für den ihr gespendeten Beifall dur<h mehrere Zugaben dankeri. Die mit- wirkende Violinistin Fräulein Gertrud Steiner trug gleichfalls das Ihrige zum Gelingen des Abends bei. Ein gleiches Interesse boten der zweite und dritte Klavierabend von Edouard Risler, die am Sonnabend und Dienstag im Beethoven-Saal stattfanden, und in denen der Künstler seine Aufgabe, Beethovens Entwi>lung auf dem Gebiete ter Klaviersonate vorzuführen, fortsezte und bes{<loß. Wenn der zweite Abend in der geistig und te<nis< fei bedeutenden Wiedergabe der „Appassionata* seinen Höhepunkt erreihte, bei deren Ausführung nur die allzu herbe Auffassung des weihevoll- innigen Andante befremdete, vermittelte am Dienstag der Vortrag der beiden leßten Sonaten Op. 110 und 111 den künstleris< größten Eins dru>. Herr Risler verstand es, dieser Musik, deren rein geistiges Gepräge s\si< nur dur< die Vermittelung eines e<ten Künstlers offenbart, der sein virtuoses Können für den Augenbli> selbft ganz vergessen kann, zu tiefgehender Wirkung zu verhelfen.

Der zweite Kammermusikabend der Herren Professoren Georg

<umann, Karl- Halir und des Königlichen Kammevirtuosen Hugo Dechert in der Singakademie brachte am Mittwoch an erster Stelle ein Trio für Klavier, Violine und Violoncell von Heinri<h XXTV., Fürsten Reuß. Die neue Tondichtung erzielte dur< Form und Inhalt eine starke Wirkung. Die Themen zeihneten ih dur s{höône melodishe Entwi>klung und warme Innerlickeit des Gefühls aus. Im zweiten ‘und leßten Saß trat die lebhafte Erfindungsgabe und die Feinheit des musikaliscen Gedankens stärker hervor als in den beiden anderen, die jedoh au< dur< temperamentvolle Einfälle Wert erhielten. Ueberall fielen aber der vornehme musikalishe Ges<ma> und die gewandte tehnis<he Verwertung des Stoffes vorteihaft auf. Die Hörer konnten deshalb an dem Werk eine ebenso große Freude- baben, wie an seiner tadellosen Wiedergabe. Die drei vortragenden Künstler ließen der neuen Komposition no< zwei Werke bon Beetkoven und Schubert folgen, deren Ausführung die uneingeshränkte, lebhafte. Anerkennung der Anwesenden fand. Gleichzeitig fand im Beethoven-Saal vor auéverkauftem pu der erste der drei angekündigten Klavierabende Ferruc cio Busonis statt, der sih zu einem Triumph für den Künstler, der zu den bedeutendsten seines Faches zählt, gestaltete. Das Programm ent- hielt nur Werke von Chopin und Liazt, und zwar zumeist seltener gespielte Stü>ke, die in der meisterlihen Art, in der fie vorgetragen wurden, das Publikum zu begeistertem Beifall verarlaßten. Von den nächsten Abenden darf man si< daber bei ebenso guter Disposition des Konzertgebers großen Genuß versprehen. Im Oberlihtsaal der Philharmonie traten, gleihfalls am Mittwo<, zwei Künsller auf. Minnie Kühne-Hellmessen spielte zwar geläufig und mit fkräftigem Anschlag Klavier; aber die Sauberkeit der Technik ließ zu wünschen übrig, und um das liebevolle Eingehen auf den musikalis<hen Gedankengang war es {wah bestellt. Auch der sonst vorteilhaft bekannte Geiger Gragor von Akimoff brachte es diesmal üter eine oberflählide Empfindung nit hinaus. Die bekannte Sängerin Elisabeth Ohlhoff gab um dieselbe Zeit einen Liederabend im Saal Bechstein. Die Künstlerin trug, wie immer, mit gutem Ges<hma> und warmem Gefühl vor. Auch stimmlih woar sie „aut disponiert; nur zuweilen zeigte das kräftige Organ einige Schärfe.

Wetterbericht vom 26. Januar 1906, Vormittags 8 Uhr,

t and a A [Schwere in 45°Breite

Witterungs- verlauf

der leßten 24 Stunden

Wind- T rihtung, #2

Wind- D stärke

Borkum . . | 755,9 |/SW 3\bede>t 1,8 Keitum 753,8 |[WSW 3 woolkenl. 1,5 Hamburg . . | 756,4 |/WSW4 Nebel 0,8 Swinemünde | 754,6 Nebel | —2,1

Rügentvalder-

münde 754,8 Schnee | —5,4 Neufahrwassezr| 755,6 wolkig | —5,8 Memel . . | 756,6 bede>t | —6,1 Aachen . - | 760,2 bededt 1,7 Hannover . . | 758,1 bededt 1,2 Berlin . . . | 756,6 bede>t | —2,0 Dresden 758,6 Schnee Breslau . . | 758,5 wolkig Bromberg 757,1 bede>t Mes. . | 762,4 bededt Frankfurt, M. | 761,5 beded>t Karlsruhe, B. | 762,8 3lbededt München . 762,7 Schnee

beded>t

Name der Beobachtungs- station

Bârom 09M

m

anhalt. Niederschl, vorwiegend heiter ziemlich heiter Nachts Nieder|h[,

vorwiegend heiter ziemlich heiter meist bewélkt Nachm. Nieder\{[,

m|/wolelol|l

Nachts Nieders{<[, Nets Nieders&[, vorwiegend heiter ziemlich heiter Nachm. Nieder|<{[. Nachm. Niederl, Nachm. Nieders. Nachts Nieder\{[. (Wilhelmshayv.) anhalt. Nieders{l. (Kiel)

anhalt. Niederl.

(Wustrow i. M.) meist bewölkt

(Königsbg., Pr.)

A

‘Stornoway | 749,9 Malin Head R, + Valentia . 765,0 Säilly . 763,6 Aberdeen 751,1 Shields . 753,8 Holyhead . 760,0 Isle d'Aix . | 763,2 |SSO 2sbede>t St. Mathieu | 764,6 |(NW 3\bede>t

Grisnez 760,7 |[W 3\wolkig

Paris . . . | 762,9 |/SW 2|bede>t

Vlissingen 759,9 |SW 2LsNebel

Helder . 756,9 |[WSW 2 bede>t

Bodoe . 735,6 |SW 4[wollkig

Christiansund | 737,0 |SW 6\bede>t

Skudesnes 744,6 S 6 Regen

Skagen . 748,3 [W 3\wolkig

Vestervig . . | 751,0 |SSW 4\wolkig

Kopenhagen | 752,1 |WSW2\[Nebel

Karlstad ._. | 745,8 |SSW 2 [halb bed. Stockholm 748,6 |SSW 4 bede>t

Wisby . 751,4 |[SW 4/Snee Hernösand | 743.1 |SW 2lbede>t

Haparanda . | 743,1 |SSW 4|Schnee Riga . . . | 758,8 |SSW 4[wolkenl. |—11,0 Wilna . 761,7 |S 4\bede>t |—13,4 Pinsk 764,0 |SO 3'\bede>t |—10,7 Petersburg . | 760,9 |S 1\wolkenl. |—11,3 Wien . . 762,8 |Windst. |Schnee | —8,2 Prag 760,5 |S 1Nebel | —4,4 Rom . . | 765,1 N 2\beded>t 1,4 Florenz 764,4 |/(SW lUbede>t | —0,2 Cagliari . 765,5 [NNW 4\wolkig 5,8 Cherbourg 763,0 |W 4\beded>t 9,4 Clermont 764,7 D_ 3\bede>t 1,9 Biarritz 767,6 [WSW 4 Regen 8,9 Nizza : 760,3 |Windst. |bede>t 2,2 Krakau. . {760,3 |O lheiter | —4,9 Lemberg . . | 763,2 |S wolkig | —6,6 Hermanstadt | 766,4 |O bededt | —4,7 Triest 765,1 [Windst. |bede>t | —1,4 Brindisi 764,3 [W 3\wolkenl.| 5,3 Livorno 763,0 |NO 4s|Regen 1,2 Belgrad E A Helsingfors. . | 754,8 |[SSW 7|bede>t Kuopio . . .|

Zürich ._. | 765,3 (SW l1|bede>t | 2,0 Genf 763,8 [NNO 2/Schnee | —3,0 Lugano 764,8 ¡N 1\wolfenl. | —6,0 Säântis 595,7 [WSW 8|Schnee |—12,4 Wi>k. .. 747,1 |WNW 6'halb bed 7,2 Warschau 759,2 |S 2|bede>t | —5,7 Portland Bill! 761,4'W dswolkig 8,3!

Ein Maximum über 775 mm befindet über Südrußland ein Minimum unter 736 mm nordwestlih der U ee In Du hs [land ist das Wetter, bei meist {wachen südwestlichen und westlichen Winden, trübe und wärmer; fast allenthalben ist Schnee gefallen. Trübes Tauwetter mit Niederschlägen ist wahrscheinli.

Deutsche Seewarte.

Regen beded>t

Regen halb bed. balb bed bededt

(Cassel)

Nachts Nieder\{l. (Magdeburg) Nachts Niederschl. (GrünbergSchL) ziemli heiter (Mülhaus,., Lao Nachts Niederschl. (Friedrichshaf.) Nachts Niederschl.

(Bamberg) Nachts Niederschl.

E

[H | [o|w|t I [o| I [too omo] o] olmlolol ola] olle malz] Sto [v [o

Mitteilungen des Königlihen Aöronautischen Observatoriums Lindenberg bei Beeskow, veröffentliht vom Berliner Wetterbureau. Drachenaufstieg vom 25. Januar 1906, 84 bis 113 Uhr Vo1mittags :

a Secehöhe 122 m | 500 m | 1000 m | 2000 m| 3000 m | 3770 m

Temperatur (C°) |— 10,2 | 9,1 |— 12,3 | —7,6 | 9,9 |— 14

Rel. F<tgk. Gi 88 77 80 37 2 2 F

Wind-NRichtung . | 880 S 8 S S S

¿ may p 4 8- 7 13 15 15 mmel fast wolkenlos, dunstig. Zwischen Erde und 220 m

Höhe Temperaturzunahme bis 8,3, win 1260 und 1480 m yon

13,4 bis 10,1, zwishen 1520 und 2260 m von 10,3 “bis-

7,4 9,

-_-

| [üe Land- und Forstwirtscaft und in ‘einem im

Nachm. Niederschl,

M 23.

Statistik und Volkswirtschaft.

Der Verbrau< von Wein, Bier und Branntwein in Deutschland und anderen Kulturl ändern und der Aufwand für alkoholishe Getränke, insbesondere in den arbeitenden Klassen.

In der als zweites Beiheft zum Ag 1904 der „Amtlichen Nachrichten des Reichsversiherungsamts* erschienenen D ezemberhe es „Reihsarbeitsblatts*“ veröffentlihten Beitrag des NReichs9- versiherungsamts über „Unfallverhütung und Retenud ist auf den ursächhlichen Zusammenhang isen Alkoholmißbrau<h und Unfallhäufigkeit und auf die ungünstige Beeinslussung der Unfallfolgen dur< ersteren hingewiesen worden. In ähnlicher Weise hat {ih aus den Statistiken und Erfahrungen der Kranken- fassen ergeben, daß "Alkoholiker für Erkrankungen ein weit höheres Maß von Anfälligkeit und Rü>kfälligkeit zeigen, als andere Kassenmitglieder. Auch auf dem Gebiet der Invaliden- persicherung hat die LLE Bekämpfung der Tuberkulose er- kennen lassen, daß der Alkoholmißbrau<h als wesentli<h mitrwirkende Ursache dieser Volkskrankheit anzusehen ist. Hieraus ergibt. ih, daß die Arbeiterwelt das allergrößte Interesse daran haben muß, über die Alkoholfrage, insoweit sie ihre Lebensinteressen berührt, eine objektive Aufklärung zu erhalten, dies um so mehr, als die

- arbeitenden Klassen die überwiegende Mehrheit der Nation gegen-

wärtig etwa ?/; der Gesamtbevölkerung Deutschlands ausmachen und die Begrenztheit des Lohneinkommens es mit si< bringt, daß, je mehr für alkoholishe Getränke verausgabt wird, um so weniger für die notwendigen Len übrig bleibt. Es soll daher in dem vom Kaiserlichen Statistishen Amt (Abteilung für Arbeiterstatistik) herausgegebenen „Reichsarbeitsblatt* in einer Neihe von Beiträgen dargelegt werden, wel<e ungünstigen Rülk- wirkungen solche B lis im Arbeiter- und Familienhaushalt in wirtshaftliher, ge]undheitlicher, sozialer und nationaler Beziehung ausüben. „Zunäst wird im Januarheft, e das vorhandene statistishe Material dazu ausreiht, Aufs<luß darüber gegeben, wie sh der Verbrauch der drei volkstümlichen alkoholishen Getränke Branntwein, Bier und Wein seit 1885 in Deutschland und anderen Kulturländern gestaltet hat, welher Aufwand auf den Kopf der Bevölkerung in Deutshland für die einzelnen alfkoÿolishen Getränke ues wird, mit welhem Anteil an der jährlihen Gesamtausgabe für diese Getränke die arbeitenden Klassen beteiligt sind, und welhen Prozentsaß vom Lohn- einkommen die Alkoholausgaben dur<s<nittli< erreichen.

Eine amtliche deutshe Statistik über den Alkobolkonsum in verschiedenen Ländern besteht niht; dagegen hat das englische Handelsministerium seit dem Jahre 1897 insgesamt fünf Ausgaben internationaler Uebersihten über die Produktion und den Verbrauch von alkoholishen Getränken veröffentliht, von denen die leßte im Jahre 1904 erschienen ist. Sie enthalten für die Zeit von 1885 bis 1903 einshließlih Angaben über „Produktion und Konsumtion alkoholisher Getränke (Wein, Bier und Brannt- wein) in den verschiedenen europäishen Ländern, den Vereinigten Staaten von Amerika und den bedeutendsten britis<hen Kolonien sowie über die in den leßten Jahren daraus erzielten Staats- einnahmen“. Auf Grund dieser Unterlagen werden im „Reichsarbeits- blatt" in zwei Tabellen für die Zeit von 1885 bis 1903 inter- nationale Uebersichten über den Verbrauch der -dret hauptsächlichsten alkoholishen Getränke gegeben. In der einen Tabelle ist die in jedem dieser Jahre auf - den Kopf der Bevölkerung entfallende Menge von Wein, Bier und Branntwein, in der anderen die Menge des in diesem Kopfanteil enthaltenen Alkohols berechnet. Diese Berehnung ist, na< gleichartigen Vorgängen, in. der Weise erfolgt, daß bei Wein für Deutsch- land und die Schweiz ein durhschnittliher Alkoholgehalt von 10 9/0, für Frankrei, Belgien, Niederlande sowie Italien ein solcher von 1299/0, fúr Großbritannien und die Vereinigten Staaten ein solcher von 1599/6 zu Grunde gelegt ist, während für Bier der übliche Saß yon 4 9% (bezw. für Gro britanalén 6 9/0 und die Vereinigten Staaten 5 9/0) E Bränntwein der einheitlihe Saß von 50 9/6 über- nommen ist.

Geht man die in alphabetis<her Ordnung aufgeführten Länder an der Hand der gegebenen Zahlenreihen einzeln dur, fo zeigt sich für Belgien in. der Zeit - von 1885 bis 1903 pro Kopf der Bevölkerung ein im ganzen steigender Weinkonsum (von 3,4 1 i. J. 1885 auf 4,9 1 i. J. 1903) sowie ein erbeblih zunehmender Bierkonsum (von 162 1 i. J. 1885 auf 217 1 i. J. 1903), während der Branntweinverbrauh bis zum Jahre 1902 ziemlih unverändert geblieben ist und erst im Jahre 1903 einen größeren Nü>kgang (von 8,5 1 auf 5,4 1) zeigt. Dieser so plöglih einseßende starke Rütgang wird in der genannten englischen amtlichen Statistik auf die in jenem Jahre erfolgte Erhöhung der Brannt- weinsteuer von 100 a 150 Fr. für den Hektoliter zurü>geführt. Die Menge des in Belgien auf den Kopf der Bevölkerung entfallenden reinen Alkohols ist dementsprehend vom Jahre 1885 an bis 1901 erhebli< gestiegen (von 11,5 1 auf 14,4 1), dann infolge ter vorgenannten Erhöhung der Branntweinsteuer und der dadurch herbet- geführten Abnahme des Branntweinkonsums wieder gesunken (bis auf 0 ¿(N F. 1903), ist aber immer no< größer als in Deutschland l In Dänemark ist der Weinkonsum vers<hwindend gering und deshalb in beiden Tabellen des „Reichsarbeitsblatts* unberü>sichtigt geblieben. Für den Bierkonsum dieses Landes liegen Angaben für die eit von 18932 bis 1903 vor, die ein ständiges Anwachsen der

erbrauhsziffern bis zum Jahre 1899 zeigen (von 81,3 auf 100,0 1) und seitdem einen geringen Rückgang erkennen lassen (bis auf 94,5 1). Im Branntweinverbrauh ist eine Abnahme eingetreten, die jedo nicht so groß war (von 15,4 auf 14,0 1), daß sie die Zunahme des Bier- fonsutas ausgleihea und den auf den Kopf der Bevölkerung ent- fallenden Betrag des reinen Alkohols von 1892 bis 1903 (11,0 gegen 10,8 1) wesentli< verringern konnte. *

Zur Beurteilung des Alkoholkonsums in Deutschland können die aus der englishen Statistik in die beiden Tabellen übernommenen

iffern des Wei n verbrauhs nur in beschränktem Maße dienen, da

e zum Teile von dem Ertrage der jeweiligen Weinobsternte abhängig

nd. Ein Vergleih der Durchschnittszahlen für die drei leßten îin der vorliegenden Statistik berli>sichtigten Jahrfünfte ergibt, daß der durhchnittlihe Weinkonsum in Deutschland in der Zeit von 1889 bis 1893 pro Kopf der Bevölkerung jährlih 5,64 1 betrug, im folgenden Jahrfünft (1894 bis 1898) auf 6,26 1 stieg und in den

auf 5,82 1 stellte. n dharakteristisheres Gepräge jedo< trägt die Gécauna des B (orberbracbs. Dieser is von 88 1 im Jahre 1885 fast ununterbrohen und ziemlih ras gestiegen, bis er 1900 mit 125,1 1 den hôhsten Stand erreihte und dann in den folgenden Jahren wiederum merkli< zurü>ging (auf 116,0 1 i. J. . 1902 bezw. 116,6 1 i, J. 1903). Dieser plößlihe Rü>kgang wird im wesentlihen als eine Rückwirkung der nah 1900 stark ab- flauenden Wirtschaftslage A sein; es erscheint als angel hn, wie mehrfah versucht, auf die Antialkoholbewegung allein zurüd- Denn die an den bekannten Antrag Douglas vom 1. Mai niht den Genuß, sondern Getränke be-

1902 mnkntctts B di anknüpfende Bewegung e nur den üb ertriebenen Genuß alkoholischer

leßten fünf Jahren 44500 bis 1903) wiederum abnahm und #i<_

_ Zweite Beilage zum Deutschen Reichsanzeiger und Königlich Preußischen Staatsanzeiger.

Berlin, Freitag, den 26. Januar

kämpft, hat erst na< jenem plöblihen Rü>gang des Bier- oie naieet au< erst in den folgenden Sahren an Aus- breitung gewonnen. Die Enthalisamkeits(Abstinenz)bewegung aber hatte, abgesehen von einzelnen norddeutshen Gebieten, einen fo weitgehenden Einfluß in . Deutschland no< niht gewonnen, um eine ausreichende Erklärung für jene Erscheinung zu bieten; andern- falls hätte si< aud im Branntwein- und Weinverbrauh ein ent- sprechender At zeigen müssen. Die im „Neichsarbeitsblatt“ angegebenen Verbrauceziffern beziehen si< auf das gesamte deutsche Zollgebiet (einshließli< von Luxemburg). Für einzelne Teile des Deutschen Reichs ergeben {i< erhebli<h höhere Zahlen. Es kamen nämli< im Jahre 1903 auf den Kopf der Bevölkerung in Bayern 231,9 1, in Württemberg 168,9 1, in Baden 157,2 1, in Elsaß-Lothringen 88,1 1, im Braufsteuergebiet ) 97,7 1, Der Branntweinverbrau<ß pro Ke der Bevölkerung ist im Deutshen Reihe während der Beobachtungsperiode im ganzen unverändert geblieben (etwa ‘8 Y); es ist also nicht 4 daß die Steigerung des Bierverbrauhs, wie vielfah behauptet wird, auf Kosten des Schnapsperbrauchs olgt, und es hat der steigende Bierkonsum dahin geführt, daß der Alkoholkonsum in Bier den in Branntwein seit 1896 dauernd überholt hat.

In Frankreich zeigt der Konsum von Wein und Branntwein bis zum Jahre 1900 eine steigende Tendenz, seitdem jedo<h einen erheblihen Rückgang, während der Bierverbrau<h im ganzen unverändert, aber no< verhältnismäßig gering ist. Infolge des vor- herrshenden Weinkonsums ist der den Kopf der Bevölkerung ent- fallende Gesamtalkoholverbrau}h sehr viel höher (in Sahren sogar doppelt so hoh) als in Deutschland.

ürGroßbritannien und Irland zeigt die Statistik eine ver- hâltnismäßig starke Zunahme des Bierkonsums bei einem im ganzen un- verändert gebliebenen Verbrau von Wein und Branntwein. Sie liefert also ein ähnliches Bild wie in den Ziffern für Belgien und Deutschland, wenngleih in dem Vereinigten Königreich die Steigerung des Bier- konsums niht in einem so starken Maße eingetreten is, wie in Deutschland und besonders in Belgien. Jn dem Gefamtalkoholkonsum pro Kopf der Bevölkerung rangiert es zwischen beiden Ländern, jedoch mit ziemliher Annäherung an ane

úIn Italien ist der Weinkonsum von M ga Bedeu- tung. Die Statistik weist auf einen in der legten Zeit vermehrten Weinverbrauh hin. Die Zahlen über den Branntweinverbrauch geben fein klares Bild von den tatsä<hlihen Verhältnissen, weil sie auch die zum Weinverschnitt verwendeten Alkobolmengen enthalten. Der Bierkonsum ist vershwindend gering. In den. Gesamtalkoholziffern nähert si Stalien am meisten dem andern Weinlande Frankreich.

Die Niederlande, die in der vorliegenden Statistik nur mit Angaben über die Entwi>klung des Verbrauchs von Wein und Branntwein vertreten sind, haben seit dem Jahre 1885 eine fortshreitende Abnahme des Verbrauchs zu verzeichnen, die besonders beim Branntwein her- vortritt. Dementsprehend sind au die Alkoholziffern sehr gering.

Norwegen, dessen sehr geringer Weinkonsum in den Tabellen des „Reichsarbeitsblatts" nicht verüdfhtiat ist, weist sowohl für Bier wie für Branntwein in der Beobachtungsperiode verhältnismäßig niedrige Ziffern auf, die eine ausgësprohene Tendenz nit erkennen lassen.

In Oesterreih-Ungarn steht der Weinkonsum im Vorder- grunde. Er hat nah einer vorübergehenden Abnahme in den neunziger Jahren in der lehn n eine Steigerung erfahren, ohne _jedo<h den Stand der acht ger ahre völlig zu erreihen. Der Bier- konsum ist seit 1889 allm 8 tiegen, aber seit dem Jchre 1896 unverändert auf 45 Liter für den” Kopf der Bevölkerung es Die Zahlen für den Branntweinverbrauh ps hier niht ver- gleihbar, weil in ihnen der zum Weinverschnitt verwendete Alkohol von dem Sn wen niht getrennt ist. Die Gesamtalkohol- ziffern kommen Deutschland am nächsten. : Z

Für Rußland enthalten die. Quellen keine Angaben über den Weiukonsum. Hinsichtli<h des Verbrauhs von Bier wird eine langsame Steigerung angegeben, während im Branntwein- kfonsum nah der Statistik etne Abnahme eingetreten ist, die wohl auf die Einführung des staatlihen Branntweinmonopols zurü>- zuführen ist. Für den Gesamtalkoholverbrau<h pro Kopf der Be- völkerung ¡eigt Rußland ähnlich niedrige Ziffern wie Norwegen.

Auch für Schweden liegen über den geringen Weinverbrauh keine Angaben vor. Die für den Bierkonsum angeführten Zahlen weisen auf eine erheblihe Zunahme hin. Die in diesen Ziffern zum Ausdru> kommende Steigerung _ entspricht jédo< anscheinend nicht völlig der Wirklichkeit, da die Statistik unter „Bier“ auch verhält- nismäßig alkoholarme Malzgetränke (von weniger als 2 9/6 Alkohol- E gu Bors, Der Branntweinkonsum ist im großen und ganzen

eich geblieben. ; Die Schweiz hat, soweit dafür Angaben vorliegen, im Wein- konsum vielfa<h Schwankungen und im Bierkonsum bis zum Jahre 1899 eine erheblihe Steigerung aufzuweisen, die aber in den leßten Sahren einem merklihen Rückgang gewichen ist. Der Branntwein- verbrauch ift, soweit darüber Angaben vorliegen, unverändert geblieben.

Die Vereinigten Staaten von Amerika endlih zeigen

einen ziemli< gleihbleibenden Verbrau von Wein und Branntwein und einen im ganzen steigenden Konsum von Bier. In den Gesamt- alkoholziffern pro Kopf der Bg eru bleiben sie hinter elb 15 land erhebli< zurü>, was auf den sehr viel ingeren (etwa halb so großen) Branntweinverbrauh zurü>zuführen ist. Die Ergebnisse der Statistik können dahin zusammengefaßt werden, daß der Weinkonsum in fast allen Ländern im ganzen unverändert geblieben ist und in der Hauptsahe nur in Belgien eine deutli<h hervortretende Steigerung aufweist. Dagegen ist in den meisten der angeführten Länder der Bierkonsum in der gei von 1885 bis 1903 erhebli<h gestiegen, vor allem in Belgien, Deutschland, Schweden, der Schweiz und den Ver- einigten Staaten. Nah den Zahlen der Statistik ist nur in den MWeinländern Frankreih und Italien und in Rußland ein größeres Anwachsen des Bierverbrauchs nicht eingetreten. Der Branntwein- konsum ist in den beiden leßten Jahrzehnten in allen berü>sichtigten Ländern im ganzen unverändert geblieben und hat neuerdings wohl nur in Belgien eine wesentlihe Abnahme aufzuweisen. L

Es wäre nun von allgemeinem Interesse s en, zu wissen, wie hoh sih der Aufwand für den Verbrauch al oholischer Getränke in den einzelnen Ländern stellt und in welhem Verhältnis dieser Aufwand zu den Ausgaben für Schulwesen, Armenpflege, Militär und sonstigen Staatsausgaben steht. In Ermangelung der erforderli Unterlagen kann jedo<h hierüber feine Uebersiht gegeben werden. Von einer vergleihenden Gegen- überstellung der verschiedenen Länder ist im übrigen au< deshalb abgesehen, weil die Frage, ob und inwieweit der Alkohol verbra u < einen Alkohol mißbrau< darstellt, si<h bei der Verschiedenheit der klimatischen, wirtschaftlichen, sozialen und nationalen Verhältnisse nur aus den Verhältnissen und Fesistellungen des eigenen. Landes beant- worten läßt. So würde' z. B. der rein äußerliche Ee e Deutschland, bei einer Klassifizierung der verschiedenen Länder na der Höhe ihrer Gesamtalkoholziffern, erst an der siebenten Stelle zu fee käme (vorausgehen würden Frankrei, Italien, die Schweiz,

elgien, Dänemark und Großbritannien), für die Beantwortung jener

1) Das Brausteuergebiet umfaßt die innerhalb der Zollgrenze liegenden Gebiete des Deutshen Reichs mit Ausnahme von Bayern,

einzelnen

Württemberg, Baden und Elsaß-Lothringen.

1906.

Frage ganz belanglos sein. Die weiteren Mitteilungen im „NReichs- arbeitsblatt“ beshränken si daher auf Deutschland. / Um zunächst eine möglichst sichere Grundlage für die Grmittelung des pro Kopf der Bevölkerung in Deutschland für die einzelnen alkoholishen Getränke gemahten Aufwandes zu gewinnen, find für die Berehnung dieses Betrages niht die Angaben eines einzelnen Jahres, sondern die aus dem Durchschnitt des leßten Jahrfünfts si< ergebenden Zahlen herangezogen. In den fünf Jahren 1899 bis 1903 betrug im Dur@(schnitt pro Kopf der Bevölkerung der jährlihe Verbrauh von Wein 5,82 1, Bier 123,4 1 und Branntwein 8,52 1. Unter der herkömmlihen Zugrundelegung eines Preises von 1 4 für 1 1 Wein, von 0,30 4 für 11 Bier und 0,50 é für 1 1 Trinkbranntwein stellt si< der jährlih pro Kopf der Bevölkerung gemachte Aufwand, wie folgt : Ausgabe für Wen. . 5,82 A 7 E O O02 5 Branntwein. . . . . 42 , zusammen . . 47,10 M Bei einer Gesamtbevölkerung von 60 Millionen ergibt dieser Betrag eine jährlihe Ausgabe für alkoholishe Getränke von 2826 Millionen Mark. i

Bei dem Kopfanteil von 47,10 (4 find aber Säuglinge, Kinder, Mädchen, Frauen, Kranke, Siehe, Greise usw. mitgerehnet. Zieht man in Nechnung, daß jener Gesamtaufwand von 2826 Millionen Mark in der Hauptsahe von den männlihen Einwohnern im Alter von mehr als 15 Jahren aufgebracht und verbrau<ht wird, so ergibt sich für jeden erwahsenen Mann eine jährlihe Ausgabe für alkoholishe Getränke von rund 157,06

Will man nun wissen, mit wel<hem Anteil an diesen 2826 Millionen Mark die arbeitenden Klassen beteiligt sind, so läßt sich eine exakte Berechnung dafür, in Ermangelung der erforderlichen Unterlagen, allerdings niht geben; denn man müßte wissen, wie fich der gesamte Konsum von alkoholishen Getränken nah Mengen und Preislagen auf die verschiedenen Bevölkerungsgruppen verteilt. Legt man, um eine annähernde Vorstellung zu gewinnen, das oben erwähnte Verhältnis der arbeitenden Klassen zur übrigen Be- völkerung (3 : 2) zu Grunde, so würden von den 2826 Millionen Mark auf die arbeitenden Klafsen 1695 Millionen Mark entfallen. Diese Ziffer würde sih aber verringern, falls in Wirklichkeit auf die übrigen F der Bevölkerung, welche die besizenden Klassen einschließen, auf den Kopf größere Mengen oder höhere Preislagen oder beides zu- gleich entfallen sollten.

Aehnlichen Schwierigkeiten begegnet die Frage, welhen Prozent - saß vom Lohneinkommen die Alkoholausgaben durhschnittlih erreihen, zumal Deutschland einer allgemeinen Lohnstatistik no< immer entbehrt. Will man au< hier si<_ mit Annäherungswerten, wie sie die .reihsgeseßlihe UÜnfallversicherung bietet, begnügen und dana<h das Arbeitseinkommen der rund 20 Millionen zwangsversicherten Personen?) auf rund 16 Milliarden Mark veranschlagen, so würde ein durhschnittliher Sag von 10 9/6 ergeben ein Say, der au< nah sonstigen Wahrnehmungen im großen und ganzen wohl zutreffen mag, aber äufig auch ganz erhebli überschritten wird; zuverlässige Ergebnisse können nur Sondererhebungen bieten, wie B verschiedene städtestatistishe Aemter über Arbeiterhaushalte veranstaltet haben, oder fortlaufende Beobach- tungen, wie sie die Gewerbeaufsihtsbeamten zu machen in der Lage

nd, fahwissenschaftlihe Untersuchungen, statistishe Erhebungen der rbeiterorganisationen usw.

Ueber die Frage, ob eine Ee faft dret Milliarden Mark für alkoholishe Getränke bei unseren wirtshaftlihen Verhältnissen als eine übermäßige anzusehen ift, p die Ansichten geteilt. Die einen erbli>ken in dem steigenden

erbrau< von Getränken, insbesondere Bier, wie in dem anderer Genuß- und Nahrung3mittel einen ganz natürlihen Ausdru> des zunehmenden ohlstandes und in der zunehmenden Kaufkraft der breiten Massen eine zunehmende Erweiterung des Konsumentenkreises, die zuglei eine Verringerung des auf den einzelnen Konsumenten entfallenden Trinkquantums bedeute, da die Gesamtmenge si< auf eine stets steigende Kopfzahl verteile ; se bestreiten daher die Gefahr einer „Alkoholisierung“ des deutschen Volkes, zumal es andere Länder gebe, in denen noch viel mehr getrunken werde. Die anderen wollen dies niht gelten lassen, weil ziffern- mäßige Nachweise für eine Verminderung des auf den Kopf der Kon- sumenten alkoholisher Getränke entfallenden Durchschnittsquantums >nicht zu erbringen seien, im Gegenteil die Folgeersheinungen, die übe r- mäßiger Alkoholgenuß auf den verschiedensten Gebieten unseres Volkslebens zur Erscheinung bringt, keine Abshwähung erkennen ließen und höherer Verdienst häufig nur zu no< höheren Ausgaben für alfkoholishe Getränke verwendet werde. Das einschlägige Tatsachenmaterial foll, wie eingangs bemerkt, in den nächsten Heften des ,„Reichsarbeitsblatts*“ zur Darstellung gelangen. Nah einer dem im Januarheft veröffentlichten Beitrag über den Verbrauch alkoholisher Getränke und den jährlichen Aufwand für diese beigegebenen graphishen Darstellung macht eine jährlihe Ausgabe von fast drei Milliarden «Mark für alkoholishe Getränke ebensoviel aus, wie die gesamte Reichs- \<uld, dreimal soviel wie der Aufwand für die Unterhaltung von Heer und Flotte, se<smal soviel wie die Jahres- ausgabe der gesamten Arbeiterversiherung und siebenmal soviel wie die Aufwendungen für die öffentlihen Volksschulen (vergl. „Die Entwickelung der deutschen Seeinteressen im leßten Jahr- zehnt“, Nr. 67 der Dru>kjachen des Reichstags, 11 Session 1905/1906, S. 262; Statistishes Jahrbuh für das Deutsche Reich, 1905, S. 218, 262—272).

Die Lehrlingsfürsorge in Frankfurt a. M.

Einer der ältesten Vereine zur Grorae für die shulentlafsene Jugend ift der Verein „Jugendfürsorge“ in Frankfurt a. M. In seiner Tätigkeit beshränkt er si<_ darauf, erstens gute ‘und gy riv Lehrstellen für Knaben und Mädchen ausfindig zu machen und ferner für anregende, gemütlihe Echolung für jugendliche Arbeiter beiderlei Geshlehts, natürli<h mit Einshluß der Lehrlinge, zu sorgen.

Eine Hauptaufgabe und zuglei eine Hauptschwierigkeit der Lehr- stellenvermittelung liegt darin, die jungen Leute zu veranlassen, nur einen ihren körperlihen und geistigen Anlagen entsprehenden Beruf zu wählen. Der weitverbreiteten, meist dur< rein äußerliche Ursachen hervorgerufenen Neigung zu „Modeberufen“, wie Elektrotechnik, Fein- mechanik u. a., tritt der Verein nah Kräften entgegen. Die Ent- täushung folgt gerade bei diesen nur für besonders veranlagte Jünglinge passenden Berufen sonst auf dem Fuße nah, hat der einen Berufswechsel zur Folge und führt dann zu niht wieder einhol- barem Zeit- und Geldverlust. Eine andere Kategorie Sorgenkinder des Vereins sind die Jungen, die aus dem Lehrverhältnis nah kurzer Zeit austreten, um des Verdienstes halber eine bezahlte Ausläufer- oder eine ähnliche Stelle zu suhen. Wo nicht Leichtsinn, fondern

?) Bei dieser Abrundung ist die Doppelzählung von etwa

in Industrie und Landwirtschaft beschäftigten) Per-

(2 Miionen E illionen no< niht unfallversicherten (in ftigten)

für das Deuts

sonen auf die etwa 2 M

Handwerk, Handel und Kleingewerbe bers ersonen ver-

Reich,

re<net worden. Vergl. Statisti]hes Jahrb 1905, S. 265.

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