1906 / 31 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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verkaufte Menge wird auf volle egender Stri (—) in den Spalten für Preise

15,20 16,00

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13,50 14,40 14,50 14,00

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Doppelzentner und der Verkaufswert auf volle bat die Bedeutung, daß der betreffende Preis niht vorgekommen ift, ein Pankt (.) in den legten

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ark abzerundet mitgeteilt. Der Durhschn

17,50 15,98 16,00 16,65 17,30

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16,50 16,60 17,50 17,40 18,20 17,40 17,00 18,00 18,00 16,00 17,00

15,00 14,40 14,15 14,40 16,60 17,09 16,00 15,40

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Ä 5 wird aus den unabgerundeten [en net. s Spalten, daß entsprehender Ber iht fehlt.

Deutscher Reichstag.

34. Sizung vom 3. Februar 1906, Nahmittags 1 Uhr 20 Minuten.

(Bericht von Wolffs Telegraphishem Bureau.)

Tagesordnung: Zweite Beratung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Feststellung des Reichshaushalts- etats für das Rechnungsjahr 1906. Spezialetat: Reichsamt des Jnnern. A :

‘Mie bereits in der vorge}trigen Nummer d. Bl. berichtet worden ist, wird die Beratung des Spezialetats des Reihs- amts des Innern wiederaufgenommen mit Kap. 7 Titel 1 der fortdauernden Ausgaben : Besoldungen Staatssekretär 2c.

Abg. Patzig (nl.) fortfahrend : Die zwingende Not drängt zur Ver- einfahung und V-ereinheitlihung der gesamten Versicherungsgeseßgebung. Die bohen Nerwaltungékosten sind in allen Zweigen, au bei der Kranken- versicherung, außerordentli gewahsen. Sogar bei den Ortékranken- fasszn ist eine Steigerung von nahezu 29 9/ eingetreten ; vzrmutlich, weil die Verwaltung am Anfang zu billig organifiert war. Die Er- fahrung bei den Handwerkerkammecn bestätigt diese Vermutung. Die Sozialdemokraten, welche die Verwaltung der Krankenkassen im wesent- lien in der Hand haben, berufen {ih dafür auf die höheren Leistungen. Die Sozialdemokratie bekommt es ja auch fertig, das Unfallversicherungs-

eseß, das jeßt 22 Jahre lang besteht, und defsen segensreiche Wirkung die ganze Welt anstaunt, heute berunterzureißen und zu verdächtigen, wie noh der heutige „Vorwärts" beweist. Die Unter- nehmer tragen die gesamten Kosten für die Einrihtung und die Unfall- renten, nihtsdeftoweniger wird diescs Gesey beute noch als eine unrechtmäßige Zuwendung von Millionen und Millionen an die-Unter- nebmer, als ein Raub an der Arbeitershaft hingeftellt, das ist außer- ordentli bedauerlih! Uebrigens bat der „Vorwärts“ zwei Seelen in seiner Brust, denn bei einer Besprechung der französischen Verbältnifse wird diese Frage aus ganz anderen Gesichtspunkten behandelt ; und andererseits sang auch der Abg. Fisher vorgestern ein Loblied auf die franzöfishen Verbältniffe. Auch in England, fo heißt es beute im „Vorwärts“, sei man jeßt dabinter gekommen, wie sebr sozialpolitisch rü&ftändig man dort gegenüber Deutschland noch sei. In dieser einseitigen Kamvfesmethode liegt das größte Hindernis der Weiterentwicklung der Sozialreform. Das widerspriht der Geretigfcit, und es muß viel bumaner Sinn in Deutschland vorbanden sein, wenn man in der Sozialreform weiter geht. Der Aba. - Fischer sieht den Eckstein aller Sozialpolitik im Marimalarbeitstag, im Tarifvertrag und in der Organisation der Arbeiter. Man soll das eine tun und das andere nicht lassen, aber man soll nicht \{ablonisieren. Der Tarifoertrag ist niht mögli, wo die Leistungen der Maschinen sich mit der Arbeitékraft des Arbeiters verbinden. Man muß der Entwicklung der Dinge Rechnung tragen und der freien Entschließung des Arbeiters und der Betriebsmögzlichkeit Raum lajfen. Der Abg. Fischer hat unvorsihtigerweise den Streik der Berliner Elektrizitätswerke in die Debatte gezogen und es fo dargestellt, daß um lumpiger 35 -Z willen ¡ablreihe Arbeiter ausgesperrt worden seien. Es bandelt sich da in der Tat um eine Krafiprobe (Widerspruch bei den S3z.). Wenden Sie (zu den Soz ) doch Ihre Macht nicht zur Erringung der politishen Vacht, sondern ¿zur Vertretung der Arbeiterinterefsen an! Das 20. Jahr- bundert bat dech so mandes soziale Gute gebracht. Ich erinnere nur an die große Revision des Invalidengeseßzes, die Errichtung der Kaufmannsgerihte. Wir baben bei Beginn dieses Jahrhunderts eine wirtschaftliche Depression gehabt, an unseren Schöpfungen der Sozialreform ist diese Depression ohne eine Spur vorübergegangen. Nicht nur die großen, auch die kleinen Betriebe baben die spezialen Lasten obne Murren getragen. Das beweist, wie uners{chütterlich fest die sozialen Einrichtungen bei uns find. Non der Rechten und dem Zentrum hat man die joziale Fürsorge für das Handwerk lebhaft be- fürwortet. Ih möchte den Staatssekretär fragen, ob in Bâlde das Ergebnis der Enquete über die Handwerkerorganisationen zu erwarten ist, und wie es mit der Enguete über den kleinen Befähigungsnahweis steht. Ein Fortschritt ift es wenigstens, daß die Organifationen der Handwerker von dem alten Verlangen der Einführung des allgemeinen Befähigungsnahweises abgekommen sind. Die Handwerker haben in dieser Beziebung eine Reife der Einsit gezeigt, die ih nur begrüßen kann. Hoffentlich ist damit diefe Forderung ein für allemal abgetan. Ein weiteres Ergebnis von der Enquete erwarte ih auch bezüglich der Regelung des Begriffes Fabrik und Handwerk. Hinsichtlich der Gefängnisarbeit follte nun endlihsewirklich etwas Durchgreifendes ge- sehen. Die einzelnen Regierungen könnten si untereinander ver- ständigen und eine organishe Reform schaffen. Arbeit für die Ge- fangenen ift doch genug vorhanden, obne daß man den Gewerbetreibenden Konkurrenz zu machen braucht. Ein weiterer dringliher Wunsch betrifft die bessere Regelung des Ausverkauf3wesens. Der Staatsfekretär teilt uns wobl mit, ob die Erh:bungen darüber abges{lossen find, und ob wir daraufhin eine geseßliche Regelung bald zu erwarten haben, damit die s{ädlihen Folgen der böchsten Judikatur beseitigt werden. Entlih möchte ih fragen, wie es mit der Weitereätwicklung des Fortbildungsschulwesens steht. Seit 2 Jahren ist in dieser Beziehung nichts gesdehen. Der Abg. Fischer hat dem früheren Minister Möller darüber einen ungerechtfertigten Vorwurf gemaht. Wir find in Preußen auf diesem Gebiete den süddeutsch:n Staaten erheblih nahe- gerÿidt, aber in der obligatorischen Fortbildungs\{chule sind wir im Reiche niht einen SŸritt weitergefommen. Die freiwillige Weiter- versicherung der Handwerker verdient alle Fördzrung, sie müßte unab- hängig aemacht werden von der Grenze des Einkommens von 3000 M und der Zahl der Beschäftigten. Der Abg. Fischer hat uns ein {warzes Bild unterer sczialen Zustände vorgeführt und gemeint, daß die Aermsten der Armen Millionen hergeben müssen. Vergleichen Sie doch einmal die Steuerlisten von 1899 bis 1905. In diesen Jahren ist die Kopfzahl der Bevölk-rung um 10,6 pCt. gewachsen, die Zahl der Gewerbe- tätigen um 11,52, die Zabl derer, die nur 900 F Einkommen haben, um 0,0 pCt, dagegen die Zabl derer, die ein Einkommen von 900 bis 3090 e haben, um 43,9 pCt. Das i} eine erfreuliche günstige Entwicklung, die den Abg. Fischer a straft. Das Ein- ommen in den mittleren Schichten innerhalb jeder Steuerstufe ist etwas kräftiger geworden, in den unteren geht es über eine gewisse Grenze nit sehr hinaus. In der Ueberwindung der früberen wirt- shaftlihen Depression liegt eine Bürgschaft für die Zukunft, daß wir in der Sozialreform gemessenen Schrittes weitergehen können au im Interesse der mittleren Schihten, jemehr der rüdckständige fozial- politishe Geist in den fremden Staaten zurückweiht. Jun übrigen bade ih nur den Wunsch, daß dem Staatssekcetär sein Gehalt mögzlihst einmütig gewährt wird.

Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär des Jnnern, Staatsminister Dr. Graf von Posadowsky- Wehner:

Meine Herren! Der Herr Vorredner hat gegenüber den Auéführungen des Herrn Redners von der Sozialdemokratie bervorg:hoben, daß in der sozialdemokratishen Preffe die Arbeit der Regierungen und der bürgerlichen Parteien, das Los der arbeitenden Klassen zu verbessern, verbältnismäßig so wenig Anerkennung finde. Ich möchte zu dieser Aeußerung des Herrn Vorredners einen kleinen Beitrag als Beleg liefern. Vor wenigen Tagen habe ih eine englishe Arbeiterdeputation aus Gainéborough in England empfangen, die, wie ih glaube, länger als vier Wochen Deutschland bereist hat, um die deutschen Arbeiterverhältnifsse, namen!lich die Verhältnisse der Fabrikarbeiter, und die freiwilligen und staatlichen Einrichtungen, die zum Besten der Arbeiter in Deutsch- land getroffen find, eingehend kennen zu lernen. Diese Abgesandten es waren wirkliche Arbeiter, denn ih habe mich ausführlich nach dem Stande jedes einzelnen erkundigt sagten mir, sie wären geradezu übercas{t gewesen über das, was Deutschland zum Besten der Ar- beiter geleistet habe (Hört, hôrt! rechts), und fügten hinzu, sie

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müßten zugestehen; sie wären über die Verhältnisse in Deutschland irre geführt gewesen. Meine Herren, diese Deputation ift unaufge- fortert zu mir gekommen, um mir ihren Dank dafür ausezusprehen, daß ih ihre Studienreise, soweit es in meinen Kräften stand, dadurch unterstüßt haite, daß ih mich durch die Landesregie- rungen an die Handelékammern, die kaufmännishen Korporationen, an verschiedene Vereine mit der Bitte gewendet hatie, ibnen die Be- sihtigung aller für diese fremden Arbeiter interessanten Einrichtungen zu erleihtern. Jh glaube also, dieses Urteil war ein unbedingt frei- williges, offenes und unparteiisches.

Der Herr Abg. Patzig hat auch auf die Verbältnifse von Franfkfreih Bezug genommen, wo man, wie er sehr rihtig ausführte, obgleih in Frankrei die sozialdemokratisde Partei und ihre Führer einen großen Einfluß besäßen, doch nicht entfernt mit diesem Nahdruck zum Besten der Arbeiterbevölkerung vor- gehe wie in Deutshland, und wo man die Theorien, wie fie in der Presse häufig aufgestellt werden in bezug auf den Umbau der bürgere lien Gesellshaft, tatsählich doŸ nit auéführe. Ja, mein ver- ehrter Herr Abgeordneter, dafür ist ein anderer ziemli schwerwiegender Grund vorhanden, den ih so kurz wie möglich darlegen will. Frankrei hat ungefähr den gleichen Flächeninhalt wie Deutschland, bekanntli aber eine sehr viel {wähere Bevölkerung. Trotzdem bestehen in Frankreich fast { Million Bauernwirt- schaften im Flächeninhalt von E bis 10 - Hektar mebr als in Deutschland (Hört, hört! links) und noch die Hälfte der gesamten franzöfishen Bevölkerung beschäftigt sh mit Landwirtshaft. In diesem kräftigen Unterbau der franzöfishen Ge- sellschaft ruht der feste Anker des französishen Staates. Wenn Sie die französische Geschichte seit “der großen Revolution von 1789 verfolgen, werden Sie seben, daß troß der 11 Revolutionen, die Frankreich seitdem durchgemacht hat, der Zustand der französischen Gesellschaft im allgemeinen der gleiche geblieben ist. Deshalb liegt gegenüber der {nell zunehmenden städtisGen und industriellen Ent- wicklung, wie ich das in meiner Rede über die Reform des Unter- flüßungëwohnsißgesezes ausgeführt habe, die größte Sicherheit für eine ständige, ruhige Fortentwidcklung des Staatswesehns in einer kräftigen, woblfundierten landwirt schaftlichen Bevölkerung. (Sehr richtig! rechts.) Das follte keine Partei in diesem hohen Hause wenigstens keine bürgerlihe Partei bei all den Maßregeln, die zu Gunsten der Landwirtschaft getroffen werden, außer Augen [afsen.

Der Herr Abg. Patzig bat einige Wünsche geäußert in bezug auf die Ergänzung der Jahresberichte über die Invalitenversiherung. Ih glaube, die Forderungen, die er aufgestellt hat, werden ein sehr großes Maß von Arbeit erfordern; ich will aber, ohne auf die tehnishen Einzelheiten und Voraussetzungen für diefe Statistik hier näher einzugehen, ver- suchen, inwieweit ih seinen Wünschen entgegenkommen kann. Ins- besondere will ich au versuchen, in den Jahresberihten der Invaliden- versicherung ein umfassenderes Bild davon zu geben, inwieweit von der freiwilligen Versiherung Gebrau gemaht worden ift.

Der Herr Aba. Trimborn war so gütig, anerkennende Worte aus- zusprechen für die Tätigkeit des Reichsamts des Innern und hierbei eine etwaige Vermehrung des Beamtenpersonals anheimzugeben, wenn sie notwendig sei. Ich erkenne das dankbar an; ih stehe aber auf dem Standpunkt, so wenig wie möglih das Personal an Beamten zu vermehren. Ich glaube au nit, daß -die Schwierigkeiten, mit denen das Reichsamt des Innern auf seinem viel veriweigten Gebiete zu fämpfen hat, in dem Mangel an Beamtenpersonal liegen ; sondern es sind sahlihe Schwierigkeiten und manche andere zu überwindende Hindernisse.

Ih bin gefragt worden, wie es mit dem Gesetz über die Berufsvereine steht. Wie Sie wissen, hat der Herr Reichs- fanzler, als er seinerzeit die Abordnung der chriftlihen Gewerkschaften empfing, ihnen eine wohlwollende Prüfung jener Forderung aus- drücklich zugesichert, und ih habe namens ter verbündeten Regierunçzen am 830. Januar 1904 eine Erklärung abgegeben dabingehend, daß ein derartiges Gesct, betreffend die Rechts- fähigkeit der Berufsvereine, vorgelegt werden wird. Das ist au heute noch der Standpunkt der verbündeten Regierungen und des Herrn Reichékanzlers. Wenn das Geseß bisher niht vorgelegt ist, so waren hierfür lediglich geschäftlihe Erwägungen maßgebend. Sobald mit NRücksiht auf die Geschäfte des hohen Hauses Aussicht vorhanden ist, daß dieses Geseß im Plenum und der Kommission beraten und zur Verabschiedung gebraht werden kann, wird dasselbe, und zwar noch in dieser Session vorgelegt werden.

Was die Krankenversiherung der Heimarbeiter betrifft, so wissen Sie ja, daß die Ausstellung, die jeßt in Berlin eröffnet ist, ein wahrhaft ergreifendes Bild gibt von dem Elend, in dem ziemlih weite Bevölkerungéklassen {ih befinden. Jh glaube, kein fühlender Mensch kann die Angaben, die dort auf den Waren Auskunft geben über den mit der Arbeit erzielten Erwerb, ohne das tiefste Mitgefühl betraten. In der leßten Krankenversiherungsnovelle war bereits der Bundesrat bevollmächtigt, die Krankenversiherung der Heim- arbeiter einzuführen, und ih hatte demgemäß eine Vorlage für den Bundesrat ausgearbeitet, aber die Verabschiedung derselben scheiterte an einer Entscheidung des früheren Herrn Handelsministers von Möller, der verlangte, daß die Versicherungsbeiträge da erhoben werden müßten, daß der Siy der Versicherung da sein müßte, wo die Haupfkbetriebe sich befänden. Das machte aber die Ausführung des Gesetzes, insbesondere die ganze Kontrolle der Krankenversicherung der Heimarkbeiter, in all den Fällen unmögli, wo ein Hauptbetrieb noch eine Anzahl weitenifernter Nebenbetriebe im Lande unterhält. Es ift jegt in meinem Amte ein neues Geseß ausgearbeitet, betreffend die Krankenversicherung der - Heimarbeiter, allerdings diesmal wesent- lich eingehenter, wie auf Grund der leßten Novelle zur Krankenversiherung möglich gewesen wäre, und ih hoffe, daß es mir gelingen wird, im Laufe des Sommers die Zustimmung der verbündeten Regierungen zu diesem Entwourf zu erlangen.

Was den Schuh der Heimarbeiter betrifft, so ist das cine außer- ordentli s{chwierige Frage. Ein Gesetz, betreffend den Schuß der Heim- arbeiter im Tabaksgewerbe, liegt dem preußischen Staatsministerium vor, ist abec bisher von demselben noh nicht endgültig beschlossen worden. Fch kann aber nicht verschweigen, daß die Bestrebungen auf cinen starken Heimarbeitershup aud) auf vielfahen und sehr entshiedenen Widerstand \loßen, indem man einwendet, daß in dieser Heimarbeiter- gesetzgebung ein gewisser Eingriff in das Familienleben läge.

Jch stehe auf dem Standpunkt nicht ; ih mache vielmehr die Er-

fahrung, daß, je strenger die Fabriken _heaufsihtigt werden im hygienishen Interesse, im Interesse von Gesundheit, Leben und Sitt-

lihfeit der Arbeiter, desto mehr in gewissen Industrien die Neigung zunimmt, die Warenerzeugung in die Heimarbeit zu verlegen. (Sehr rihtig !) Wenn die Heimarbeit nichts if wie fozusagen eine Filial- arbeitéstelle für die Fabriken, hat sie eigentli mit den alten Be- griffen von Familienarbeit und Familienleben nichts mehr zu tun ; das ist nicht mehr die Heimarbeit der alten Tandesüblihen Hautintustrien, deren Erzeugnisse demnächst von den Heimarbeitern selbft verkauft wurden, sondern, wie die Heimarbeit ih jetzt gestaltet, ist sie meist nihts wie eine vereinzelte Arbeitsstelle eines größeren Fabrikbetriebes. Diese Art Heimarbeit muß deshalb meines Erachtens ganz anders beurteilt werden wie die alte Heimarbeit, wie sie früher mit landesüblichen Produkten geleistet wurde innerhalb des Familienkreises. In der Heimarbeit werden unzweifelhaft auch Waren hergestellt, deren Erzeugung für die Ge- sundbeit außerordentlich gefährlih und nateilig ist. (Sehr richtig!) Ich glaube, man wird sich auf die Länge an feiner Stelle der Er- fenntnis vershließen können, daß, wenn die Heimarkbeit diesen fabrik- mäßigen Charakter trägt, unzweifelhaft die Gesetzgebung einschreiten muß, und zwar um so mehr, als unter den gegenwärtigen Verbältnifsen das Gesetz, betreffend den Kindershuß, zum Teil auf dem Papiere stehen bleibt. (Sehr rihtig! links.)

Ih habe mich gefreut, daß der Herr Abg. Gamp auch fürzlich hier im Hause sich für die Einführung der Krankenversiherung der landwirischaftlihen Arbeiter und des Gesindes ausgesprohen hat. Es ist bereits eine bezüglihe Vorlage in meinem Amte fertiggestellt

worden; sie unterliegt jeßt sehr eingehenden rechnerishen Prüfungen

in bezug auf ihre Kosten. Erst wenn diese Prüfungen abgeschloffen sind, wird es mir mögli sein, zunächst mit den beteiligten preußi- hen Ressorts wegen des Entwurfs in nähere Verbindung zu treten.

Meine Herren, ich bin auch wiederholt befragt worden, wie es mit der Zusammenlegung der drei großen Versicherungsgesetze stehe, und ih habe fast lähelnd in der Presse sehr oft die Bemerkung gefunden, ih hätte zwar das Gefeß angekündigt, es wäre aber immer noch nicht da. Wer einen Begriff davon hat, was das für eine Riesenarbeit if (Vielfaches Sehr rihtig!), diese drei Gesetze zusammenzulegen, der würde jedenfalls j et noch nit un- geduldig werden. (Zustimmung.) Das ist ein Werk, das auch äußerlih dem Umfange des ganzen Bürgerlichen Geseßbuchs mindestens gleihkommen dürfte, und wenn ih einmal gesagt habe, daß zur Be- wältigung dieses Niesenwerks ein Diktator notwendig sein würde, so war das natürlih nichts wie eine oratorishe Hyperbel; ih denke nicht daran, etwa für die Durhh- führung dieses Werks die Befugnisse eines Diktators für mich in Anspruch nehmen zu wollen; ih habe nur andeuten wollen : wenn es zustande kommt, wird von allen Seiten ein hohes Maß von Selbstbeshränkung geübt werden müssen, um den Entwurf geseßlih zu verabschieden.

Was aber die Verringerung der Kosten betrifft, so wird ih eine solhe hoffentlich in der Richtung geltend machen, daß namentli au durch die Zusammenlegung der vielen kleinen Krankenkassen und durch eine s{härfere Aufsicht über Beiträge und Ausgaben in der Invalidenversicherung die sachlichen Kosten sch vermindern lassen; ob das auch auf die Verwaltungskosten zutreffen wird, das ist mir sehr zweifel- haft. Ih möchte JIhnen als Beleg hierfür einige Zahlen geben. Es haben für 1901 in der Krankenversiherung die Verwaltungskosten pro Kopf betragen: 1,05 M, in der Unfall- versicherung : 0,85 #4 und in der SFnvyalidenversichherung : 0,81 H, also für alle drei Versicherungen pro Kopf 2,71 M Wir verwalten also auf sozialpolitischem Gebiete noch immer unendlich viel billiger - als die fommunalen und privaten Versicherungsanstalten. Ih führe Ihnen einzelne Bei- spiele hierfür an. Die ostpreußishe Feuersozietät hatte für das Jahr 1902 pro Police BVerwaltungsausgaben von 2,69 Die preußischen Knappschaftsvereine hatten in den Jahren 1902 bis 1904 pro Kopf der Mitglieder eine Verwaltungsausgabe von 2,50 4, und außerdem sind von der Knappschaftsberufegenossenschaft für die Unfallversiherung pro Kopf noh 1,42 M für Verwaltung verausgabt worden; also zusammen pro Kopf 3,92 4 Der preußishe Beamtenverein endlich, der stets als die billigste Versicherungsanstalt bezeichnet worden ist, hatte pro Police im Jahre 1904 eine Verwaltungsausgabe von 3,15 M

Diese wenigen Zahlen genügen vielleicht, um Ihnen zu zeigen, daß die öffentlih-rehtlihen Versicherungseinrihtungen der sfozialen Gesetzgebung noch verhältnismäßig billig arbeiten. Aber jedenfalls muß troßdem bei einer Reform der Gesetzgebung auch dahin gestrebt werden, die Kosten der Verwaltung noch weiter herabzumindern.

Bezüglich der Witwen- und Waisenversicherung hatte ih mir {on im vorigen Jahre erlaubt, mitzuteilen, daß ih hierüber eine eingehende Denkschrift an sämtliche verbündeten Regierungen gesandt hatte mit einem allgemeinen Plane, wie ih mir dachte, diesen Versicherungszweig ins Leben zu rufen. Die Antworten hierauf sind zum größten Teil eingegangen, und es findet jeßt im Anschluß hieran eine versiherungs- technishe Prüfung des Entwurfs statt. Aber, meine Herren, um Fhnen do einen Begriff zu geben, was cine Witwen- und Waisen- versicherung so ungefähr kosten fönnte, wenn sie niht auf einer sehr \{chmalen Grundlage errichtet wird, mag Ihnen folgendes dienen.

Wenn der Witwe als Jahresrente im Durchschnitt die Hälfte der Invalidenrente gewährt wird, auf welche der verstorbene Ehemann bei seinem Tode Anspruch erworben hatte, und für jede Waise bis zum vollendeten 14. Jahre ein Drittel hiervon als Waisen- rente vorgesehen würde, so kostet die Witwen- und Waisenversicherung {on annähernd ebeasoviel wie die Invalidenversiherung. (Hört, hört!) Also hon aus diesen wenigen Zahlen, die ih noch umfassend ergänzen könnte, mögen Sie ersehen, daß, wenn die Witwen- und Waisenversicherung niht auf einer sehr vorsichtigen Grundlage auf- gebaut wird, ihre finanzielle Ausführbarkeit unter Umständen fehr fraglich werden könnte.

Der Herr Abg. Trimborn hat Auskunft gewünscht, wie es mit dem zehnstündigen Arbeitstag für Frauen stände. Grundsäßlih ist meines Erachtens diese Frage bereits entschieden, um so mehr ent- s{htieden, als beispielsweise der preußische Herr Eisenbahnminister \ih veranlaßt gesehen hat, die Arbeitszeit in den Eisenbahnwerkstätten auf 9 Stunden herabzuseyen. Jch glaube deshalb, daß man bei dem beutigen angreifenden Gang der Maschinen einer Frau im Interesse des lebenden und des künftigen Geschlechts eine größere Arbeitszeit als 10 Stunden nicht zumuten kann. Es kann \ich deshalb nur um

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