1906 / 183 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Außerdem finden landwirtschaftliche, forstwirts@aftlihe, kultur- tehnische 2c. Exkursionen in die nähere Umgebung sowie in die be- na&barten Provinzen und in das Ausland (Belgien, Holland, England) statt.

Die Aufnahmen neu eintretender Studierender be- ginnen am Montag, den 15. Oktober, und finden bis eins{ließlich Montag, den 5. November 1906, statt. Später eintreffende Studierende baben die Genehmigung zur nahträglihen Immatrikulation bei der Universität, unter Angabe der Gründe ihrer verspäteten Meldung, \criftlih bei dem Kurator der Universität nachzusuchen.

Die landwirtshaftlihen und kulturtechnishen Vors lesungen beginnen am Montag, den 22. Oktober, die geodätishen am Montag, den 29. Oktober 1906.

An der Akademie werden sowohl Landwirte wie Kultur- tedniker und Geodäten (Landmesser) ausgebildet. Die Land- wirte können nah zweijährigem Studium eine Abgangsprüfung (Diplomprüfung) ablegen, welche sie zu Whrer- bezw. Direktorstellen an landwirtshaftlihen Wintershulen und Aerbauschulen sowie zur Erlangung von Beamtenstellen bei den Landwirtschaftskammern, landwirischaftliGen Vereinen 2c. befähigt; die mit Maturitäts- zeugnis versehenen Landwirte werden nah dreijährigem Studium zur Staatsprüfung für Lehrer der Landwirtschaft an Landwirtschafts\chulen zugelassen. Außerdem kann die „wifsen- \chaftliche Prüfung für Tierzuchtinspektoren“ abgelegt werden. Alle in Preußen öffentli angestellten Landmes]er müfsen die Landmesservrüfung nab den ergangenen Bestimmungen abgelegt baben. An der Akademie besteht eine Königliche Prüfungskommission für Landmesser. Mit der Prüfung für Landmefsser ift diejenige für Kulturtechniker verbunden; leßtere kann aber au getrennt von der ersteren stattfinden.

Die an der Akademie aufgenommenen Studierenden werden bei der Universität Bonn immatrikuliert und genießen alle Nechte von Universitätsstudenten.

Neu eintretende Studierende haben bei der Meldung zur Auf- nabme außer den Nachweisen über Schul- und Berufsvorbildung ein Sittenzeugnis von der Polizeibehörde ihres lezten Aufenthalts-

beizubringen, Minderjährige außerdem eine Einwilligungs-

g des Vaters oder des Vormundes. Kommen die Stu- dierenden unmittelbar von einer anderen Hochschule, so ist das Ab- gangêzeugnis von dieser vorzulegen und ein besonderes Si 1 nit erforderlich.

Ein Internat ist mit der Akademie niht verbunden. demiker wohnen in Privathäusern. Wohnungen mit und föstigung, den vershiedensten Wünschen und Anforderungen entspreche find in ausreichender Zahl vorhanden. .

Die Miete für ein Zimmer beträgt monatlich etwa 20 , mit Beköstigung 60 # und darüber. Mittagstisch im Restaurant kostet 60 & und mehr. Die Kosten für den ge]amten Unterhalt eines Studierenden stellen fch bei mittleren Ansprüchen etwa auf 100 bis 120 M monatli, also im Jahr (für 8 Studienmonate) auf rund 800 bis 1000 M (obne Studienhonorar).

Das Studienhonorar beträgt 120 F für jedes Halbjahr und muß im Anfange des Semesters entridtet werden. Bei nachgewiesener Bedürftigkeit und Würdigkeit kann das Honorar innerhalb der zulässigen Zahl von Freistellen ganz oder teilweise zurüdckerstattet werden. Auch werden an einzelne, durch Fleiß und Wohlverhalten fih auszeihnende bedürftige Studierende seitens des Ministeriums (in der Negel mit Honorarfretheit verbundene) Stipendien gewährt.

Auf Anfragen wegen Eintritts in die Akademie ist der Unter- zeihnete gern bereit, jedwede gewünschte näbere Auskunft zu erteilen. Prospekte und Stundenvpläne versendet das Sekretariat der Afademie auf Ansuchen kostenfrei.

Bonn, im Juli 1906.

Der Direktor der Königlichen Landwirtschaftlihen Akademie.

Kreusler, Geheimer Regierungsrat.

Personalveränderungen.

Königlich Preußische Armee.

Offiziere, Fähnriche usw. Ernennungen, Beförde- rungen und Verseg1 ngen. Im aktiven Heere. Kattegat, 30. Juli. Grünig, Oberst z. D, zuleßt Kommandeur des 3. Nieder- \{chle\. Inf. Regts. Nr. 50, zum Kommandeur des Landw. Bezirks II Hamburg ernannt. :

Aus der bisherigen Ostasiat. Besaßungsbrig. au8geschieden und in der Armee angestellt: vom 2. Ostasiat. Inf. Regt. : Schäffer, Hauptm. und Komv. Führer, als aggregiert beim 4. Magdeburg. Inf. Negt. Nr. 67, Retlaff, Oberlt, im 1. Elsäfs. Pion. Bat. Nr. 15, v Malachowski, Oberlt., im Großherzogl. Mecklenburg. Füf. Regt. Nr. 90. i i:

Mark, Major und Bats. Kommandeur im 2. Osftasiat. Inf. Regt. der bisherigen Ostasiat. Besaßungsbrig., aus dieser Brig. behufs Rütritts in Königl. bayer. Militärdienste ausgeschieden. v. RNund- stedt, Li. im 1. Naffau. Feldart. Regt. Nr. 27 Orarien, in das 9, Wesipreuß. Feldart. Regt. Nr. 36, v. Schulz, Hauptm. und Komp. Chef im Telegraphenbat. Nr. 1, in das Luftschifferbat,, Knavpe, Hauptm. und Komp. Chef im Eisenbahnregt. Nr. 3, in das Telegraphenbat. Nr. 1, verseßt. Schulze, Hauptm. im Eisenbabnbat. der Schußtruppe für Südwestafrika, scheidet mit dem 31. d. M. aus dieser Schußtruppe aus und wird mit dem 1. k. M. als Komv. Cbef im Eisenbahnregt. Nr. 3 angestellt.

Swinemünde, an Bord des Dampfers „Hamburg“, 31. Juli. v. Bennigsen, Oberlt. im 2. Bad. Gren. Regt. Kaiser Wilbelm I. Nr. 110, von dem Kommando zur Dienstleistung beim 1. Seedat. enthoben. :

Abschiedsbewilligungen. ImaktivenHeere. Kattegat, 30. Xuli. v. Kehler, Hauptm. und Komp. Chef im Luftschiffer- bat., in Genehmigung seines Eesuches mit der geseßlichen Pension zur Disp. gestellt und gleichzeitig bei den Res. Offizieren des Bats. wiederangestellt. v. Liebermann, Lt. im 9. Rhein. Inf. Regt. Nr. 160, JIonkheer v. Schmidt auf Altensiadt, Lt. im 9. Westfäl. Feldart. Regt. Nr. 22, mit der gesctlihen Pension der Abschied bewillut.

Fm Beurlaubtenstande. Kattegat, 30. Juli. Gr. v. Bernstorff, Rittm. der Res. des Regts. der Gardes du Corps (IIT Berlin), mit der Erlaubnis zum Tragen der Regts. Uniform, Müller, Oberlt. der Res. des 8. Lothring. Inf. Regts. Nr. 159 (11 Berlin), mit der Erlaubnis zum Tragen der Armeeuniform, ‘Heine, U. der Landw. Kav. 1. Aufgebots (Wiesbaden), mit der gesetzlihen Pension und der Aussicht us Anstellung im Zivildienst, der Abschied bewilligt.

Königlich Sächsische Armee.

Offiziere, Fähnriche usw. Ernennungen, Beförde- rungen, Verseßungen usw. 27. Juli. v. Ehrenthal, Oberst und Kommandeur des 1. (Leib-) Gren. Regts. Nr. 103, vom 30. Juli d. F. ab zur Vertretung des beurlaubten Kommandeurs der 3, uf Brig. Nr. 47 nach Leipzig kommandiert. Seeger, Oberlt. ¿. D. und Bezirksoffizier beim Landw. Bezirk Plauen, unter Verleibung des Charafters als Hauptm., Fortgewäbhrung der geseßlichen Pension und mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 9. Inf. Regts. -Nr. 133 der Abschied bewilligt. j

28. Juli. v. Kirch bach, Hauptm., bis 31. Juli d. J. Komp. Chef im 2. Feld-Regt. der Kaiserlih-n Schußtruppe für Südroest- afrifka, mit dem 1. August d. I. in der Armee, und zwar als Hauptm. und Komp. Chef im 7. Inf. Regt. König Georg Nr. 106, wieder- angestellt.

Im Sanitätskorps. Dr. Welz, Oberarzt, bis 31. Juli d. J. in der Kaiserlichen Schußtruppe für Südwestafrika, mit dem 1. August d. I. in der Armee, und zwar im 12. Inf. Regt. Ne. 177, mit einem Patent vom 27. Oktober 1905 F wiederangestellt.

¿22, Â:

*

Beamte der Militärverwaltung. i Durch Ver fk des Kriegsministeriums. 30. Jul i. Kleine, Garn. alt. Oberinsp. in Riesa, anläßlich seiner Ver- seßung in den Ruhéständ der Charakter als Garn. Verwalt. Direktor verliehen. E Kaiserliche Marine. S Gever, Königl. württemberg. Lt. im A. Württemberg.) Nr. 119, kommandiert zur Dienstleistung beim L Seebat., nah erfolgtem Ausscheiden aus dem X1I1. (Königl. Württemberg.) Armeekorps mit dem 15. August 1906 als Lt. mit Pal M 19. Oktober 1900 A im I. Seebat. angestellt.

Kattegat, 30. Ju Gren. Regt. Königin Dlgc

he Schutßztruppen. S Nür Südwestafrika. Dur Verf üu B Reichskanzlers (Ober- kommando der Shuytrudp ). 30. Juni. Hedcke, Lazarett- verwalt. Insp., mit dem 30. Juni d. I. behufs Wiederanstellung im Bereiche der Heeresverwaltung (als Lazarettin}p. beim Garn. Lazarett in Düsseldorf) aus der S{hußtruppe ausgeschieden.

: “Mhgereist: Seine Exzellenz der Staats- und Justizminister Dr. Besel er, mit Urlaub nah Süddeutschland.

*iner_ Ge!

Veÿlamtliches.

Deutsches Reich.

Preusew Berlin, 4. August.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist der heimfkehrende Transport der von S?M.SS. „Bussard“ und „See- adler“ abgelösten Besaßungen mit dem Reichspostdampfer „Markgraf“ am 2. August in Port Said eingetroffen und hat gestern die Reise na a fortgeseßt. Ï

S. M. S. „Plänet“ is auf der Ausreise nah der australischen Station gestern in Batavia eingetroffen und geht am 7. August von dort nach Makassar (Celebes) nSe

S. M.S. „Seeadler“ ist am 2. August in Kilwa ein- getroffen. | i;

S. M. Flußkbt. „Tsingtau“ ist am 2. August von Kroeishien nah Wuchow abgegangen.

Jn der Ersten Beilage zur heutigen Nummer des „Reichs- und Staatsanzeigers“ wird eine Zusammenstellung der Berichte von deutshen Fruhtmärkten für den Monat Juli 1906 veröffentlicht.

Swinemünde, 4. August. Jhre Kaiserlichen und Königlichen Majestäten sind, „W. T. B.“ zufolge, heute, Mittags 12 Uhr, von Fer nah der Wildparkstation bei Potsdam abgereist. “7

Bayern.

In der Kammer der Abgeordneten gab gestern bei der Beratung des Eisenbahnetats der Verkehrsminijter von Frauendorfer mehrere Erklärungen ab. Der Minister führte u. a., „W. T. B.“ zufolge, aus:

Ein Projekt für ten Uebergang der bayzrishen Bahnen zum elektrishen Betrieb sei fertig; über die Ausnugzung aller Wasserkräfte Bayerns müsse ein einheitlihes großzügiges Projekt dur einen Fach- marin allereríten Ranges aufgestellt werden ; die Eisenbahnverwaltung fönne bierin nit allein vorgehen. Der Mirister wies die Behauptung, dàß zwishen Bayern und Württemberg in Eisenbahnfragen unfreund- lie Beziehungen herrshten, zurü. Eisenbahngemeinschaften abzuschließen sei Bayern bereit, wenn sie Vorteil brächten, aber nicht auf Kosten der Selbständigkeit Bayerns. Die von einem foztaldemo- fratishen Redner gemahte Bemerkung, Preußen sei ein sozialpolitishes Kamerun, bedauere er, der Minister, aufs tiefste; Bayern habe in Berlin das größte Entgegenkommen gefunden, besonders bei der Frage der Mainkanalisation. Zu einer Eisenbahngemeinshaft mit Bayern habe Preußen kaum ein Bedürfnis ; Bayern würde aus einer solchen Gemeinschaft niht gleihe Vorteile erzielen wie Hessen; auch köônne die baverishe Regierung sh nicht zu einer solhen Entäußerung ihrer Selbständigkeit entschließen.

Großbritannien und JFrland,

Wie „W. T. B.“ aus London meldet, if dort gestern bekannt gegeben, daß der König Eduard am 14. d. M. nah dem Fesilande abzureisen und in Cronberg mit dem Kaiser Wilhelm zusammenzutreffen gedenkt.

Das Oberhaus nahm gestern die zweite Lesung der Unter- richtsbill einstimmig an. Die Redner der Opposition kündigten, eW. T. B.° zufolge, an, daß sie in der Herbstsession viele ein- \hneidende Abänderungs8anträge stellen würden.

In der gestrigen Sißung des Unterhauses gab in Erwiderung auf eine Anfrage der Staattsekretär Sir Edward Grey die Erklärung ab, daß die neuen dem Generalinspektor der chinesischen Zölle erteilten Instruktionen niht im Widerspru mit den Versicherungen der chinesishen Regierung zu stehen schienen, nach denen die gegenwärtige Verwaltung E wie früher fortgefübrt werden soll. Man habe ferner keinen Grund, die Meldung über den beabsihtigten Rüktritt von Sir Robert Hart für zutreffend ¡u balten. Cine längere Debaite trat ein bei der Beratung der Bestimmungen des Gesetzes, betreffend die Handels- streitigkeiten. Einem Zusagantrag, den Sir Charles Dilke stellte, und der die Unterstüßung der A1beiterpartei und vieler Liberalen fand, wurde von der Regierung widersprochen; bei der Abftimmung wurde diesec Antrag mit nur 127 gegen 122 Stimmen abgelehnt. Im weiteren Verlauf der Beratung brachte der General- staat8anwalt Lowson-Walton den Antrag ein, daß an Stelle der urfprünglihen Beftimmung, nach der das Ver- mögen einer gewerblihen Vereinigung zur Befriedigung von

adenersaßansprühen für ungeseßliche Handlungen während eines Ausstandes niht herangezogen werden darf, wenn diese Handlungen ohne Ermächtigung der Vereinsleitung begangen sind, ein neuer Para- graph in das Gese aufgenommen werde, nah dem gewzrblihe Ver- einigungen, sei es von Arbeitnehmern oder Arbeitgebern, zum Scadenersaß für ungeseßlihe Handlungen während eines Ausstandes überhaupt nit berangezogen werden dürfen. Nach erregter Debatte, die mit dem Verlassen des Sizungssaales seitens der gesamten Dppo- sition endete, wurde diefer Abänderungsantrag angenommen.

Rußland.

Der Admiralstab gibt über die gestern gemeldete Meuterei an Bord des Kreuzers „Pamjat Asowa“ folgende Einzelheiten bekannt: Jn der Nacht vom 1. auf den 2. August traf der Kapitänleutnant Dra einen ihm unbekannten Matrosen auf Deck verstedt, der sih bei näherer Untersuhung als ein verkleideter. Agitator entpuppte. Gleih darauf fielen zwei Schüsse, durh die ein Schiffs- fähnrich verwundet wurde. Der inzwischen dur einen Offizier geweckte Kommandant und die anderen Offiziere fanden, als fie auf Deck eilten, nur unbrauchbar gemachte Gewehre ; gleihzeitig erlos die elektrische Beleuchtung. Beim Andeck- fommen wurden die Offiziere mit Schüssen empfangen, wobei der Kommandant Losinski einen Schuß in die Brust erhielt und mehrere Leutnants verwundet wurden. Angesichts der offenen Meuterei versuhten die Offiziere in einer Barkasse, die sie zu Wasser ließen, zu eniflichen. Durch Geschüßfeuer von Bord wurde das Boot aber unbrauchbar gemacht und ¿wei - weitere Offiziere wurden verwundet. Die übrigen Offiziere gewannen schwimmend das Ufer, wo sie sich im Malde vor den sie verfolgenden Meuterern versteckten. Der „Pamjat Asowa“ eröffnete sodann ein starkes Feuer auf die ihn begleitenden kleinen Kriegsschiffe die sih der Meuterei niht angeschlossen hatten. Nach einer Meldung der „St. Petersburger Telegraphen-Agentur“ iff das Torpedoboot Nr. 106, das si geweigert hatte, dem Panzerkreuzer „Pamjai Asowa“ zu folgen, nach Reval durhgebrochen. Die Mannschaften der übrigen Kriegsschiffe im Revaler Zafen sind an Land gegangen und haben im Walde Schuß gesuht. Den Kreuzer „Abrek“ hat die Mannschaft am Ufer auflaufen lassen. Auf dem „Pospesch ni“ hat die Besaßung die Feuer gelösht und das Schiff voll Wasser [aufen lassen. :

Angesichts der Lage in St. Petersburg hat der Präfekt beschlossen, die Herausgabe der Zeitung „Rieth“, des. Organs der konstitutionellen Demokraten, zu unterjagen.

Der Ausstand in St. Petersburg nimmt, wie die „St. Petersburger Telegr.-Agentur® meldet, immer größeren Umfang an. i if

Die meisten Fabriken des Wyborger Bezirks haben jeit gestern nahmittag den Betrieb eingestellt. Die Angestellten der Straßenbahn und der Flußdampfer haben sich den Ausständigen angeschlossen. Die Bahnhöfe find militärish stark beseßt, auch die militärishe Bewachung der Straßen und öffentlichen Gebäude, darunter der Post-, der Telegraphen- und Telephonämter, ist erheblich verstärkt worden ; die Newa wird Nachts von einem auf der baltischen Werft liegenden Kreuzer aus durch Scheinwerfer beleuchtet. Die in St. Petersburg ankernden Kciegssh1ffe und Jachten erhielten Befehl, sih in voller Kampfbereitshaft zu halten.

Jn Gusowka ist es infolge des Ausstandes der Hüttenarbeiter zu Zusammenstößen gekommen. In dex Nacht zu Freitag waren die Führer der Ausstandsbewegung verhaftet worden. Als die Arbeiter hiervon Kenntnis erhielten, rotteten sie sich zusammen und machten den Versuch, ihre Kameraden zu befreien. Hierbei kam es zu einem Zusammen- stoß mit dem Militär, bei dem mehrere Personen verleßt und die Nädelsführer festgenommen wurden.

Aus Helsingfors lauten die lezten Nachrichten be-

ruhigender. Wie die „St. Petersburger Telegr .-Agentur“ mitteilt, sind die telegraphishen und die Eisenbahnverbindungen wiederhergestellt. Alle Zweige der Verwaltung geben si die größte Mühe, wieder geordnete Verhältnisse herzustellen, jodaß die Stadt bedeutend ruhiger geworden ist. Einige Hundert junge Leute haben der Polizei ihre Dienste zur Herstellung der Ordnung angeboten. Unter Führung der Polizei bemüht fi diese Bürgerwehr, die die „Weiße Garde“ genannt wird, den Ausstand zu verhindern. Ungeachtet der Forderung der Noten Garde, den Straßenbahnverkehr einzustellen, dauert dieser unter Bewachung der Weißen Garde fort. Leßtere wurde gestern von der Roten Garde aus dem Hinterhalt beschossen und erwiderte das Feuer. Beim Eingreifen von Militär wich die Rote Garde zurück. Ein zweiter Zusammenstoß erfolgte in der Nähe des Bahnhofs. Die von der Roten Garde genährte Erregung unter den Arbeitern hält an. Sweaborg ist in den Händen des Kom- mandanten. Auf den Forts herrsht wieder Ordnung. Nach den leßten Feststellungen wurden während der Unruhen in Sweaborg und auf den umliegenden Jnseln ein Oberst sowie 10 Soldaten und drei Zivilpersonen getötet und 35 Personen \{chwer und 40 leiht pern, __ Von den weiteren Y eldungen aus Rußland seien die folgenden hervorgehoben: Jn Sronstadt L E 2 ae Kontreadmiral Beklemytshef den Wunden, ie er im Kampfe gegen die Meuterer erhielt, erlegen. Jn Samara fiel der Gouverneur einem Bombenanschlag zum Opfer. Der Täter wurde verhaftet.

Trter.

Nach einer Meldung des „Wiener K. K. Telegr.-Korr.- Bureaus“ ist das Abkommen zwischen der Pforte und der Dette publique über die Kontrolle und den Empfang der Einnahmen aus der dreiprozentigen Zollerhöhung ab- geschlossen.

Serbien.

Die Skupschtina nahm in ihrer gestrigen Sißung das -

cel betreffend die Ermächtigung der Regierung zum Ab- luß von Handelsvertragsprovisorien, mit 82 gegen 40 Stimmen sowie . die Vorlage, betreffend die Bewilligung von 500000 Fr. für die Ausfindigmachung neuer Handelswege, an.

Bulgarien.

Die gegen die Griechen gerichtete Bewegung in der Provinz is wieder im Wachsen begriffen. Am Donnerstag wurde, dem „Wiener K. K. Telegr.-Korresp.-Bureau“ zufolge, auh in Dobritsch die griehishe Kirhe von Bulgaren beseßt, ebenso mehrere griechische Klöster in anderen Orten. Jn Phi- lippopel und Stanimaka werden für die nächste Zeit neue Kundgebungen vorbereitet. Wie die Blätter melden, bewaffnet fich die dortige griechishe Bevölkerung, um, falls neue Aus- shreitungen vorkommen sollten, sich selbst zu verteidigen. Der beurlaubt gelesen griehishe Agent Zalakostas, der von der griei chen Regierung zurückberufen worden ist, ist in Sofia eingetroffen, um wegen der antigriehishen Aus-

schreitungen bei d-r bulzarishen Regierung Vorstellungen zu.

erheben.

Nr. 31 der „Veröffentlihungen des Kaiserlichen Gesundheits8amts“ vom 1. August 1906 hat folgenden Inhalt : Personalnahriht. Gesundheitsstand und Gang der Volkskrank- heiten. Zeitweilige Maßregeln ge en Pest. E gegen Pocken. Mitteilungen aus British-Osftindien, 1903/04. Gesetzgebung usw. (Deutsches Reich.) Gerichtlihe Unterfuhungen menshliher Leichen. (Preußen.) Krankenfürsorge. Uebertragbare Krankheiten. (Oesterreich.) Rotes Kreuz. (Bukowina.) Heilserumbehandlung. (Schweiz. Kant. Zürich.) Genickstarre. (Kant. Bern.) Desgl. (Frankreich) Jugendliche Fabrikarbeiter 2c. (Belgien.) Pharmakopöe. Apotheken. Arzneimittel. Gefährliche Betriebe. (Luxems burg.) Oeffentliche Gesundheit. British-Südafrika. Transvaal- folonie.) Aerzte- 2c. Ordnung. (Philippinen.) Opium. (Ver- einigte Staaten von Amerika.) Nahrungsmittel. Tierseuchen in Aegypten, 1. Vierteljahr. Küstenfieber in British-Südafrika.

eitweilige Maßregeln gegen Tierseuchen. (Oesterreih.) Ver- Le blungen von gelegebenben Körperschaften, Vereinen, Kongressen usw. (Frankreih.) Tuberkulose. Vermischtes. (Deutshes Reich.) Erkrankungen 2c. in Krankenhäusern einiger Großstädte, 1904. Kinderbeilstätten an den deutschen Seeküsten, 19056. (Bayern. München.) Medizinalstatistishe Mitteilungen, 1904 und 1905. (Großbritannien und Frland.) Untersuhungen von Nahrungsmitteln in Irland, 1904. pot Gesundheitsftand, 1904. (Vereinigte Staaten von Amerika. ersey.) Geburten 2c., 1904. (Rhode Island.) Desgl. (Chile) Schußpockenimpfung, 1904. Geschenkliste. Wohentabelle über die Sterbefälle in deutschen Orten mit 40 000 und mehr Einwohnern. Desgl. in größeren S‘ädten des Auslandes. Erkrankungen in Krankenhäusern deutsher Großstädte. De in deutschen Stadt- und Landbezirken. Witterung. Grundwasserstand und Bodenwärme in Berlin und Münhen, Junt.

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Statiftik und Volkswirtschaft.

Der 47. Genossenshaftstag des Allgemeinen Verbandes der deutshen Erwerbs- und Wirtshaftsgenossenschaften

wird in den Tagen vom 20. bis 24. August in Cassel tagen. Die Tagesordnung steht mit einer Fülle wi tiger und interessanter Fragen aus den verschiedenen Gebieten des Genossenshaftswesens hinter den Tagesordnungen früherer Genossenschaftstage nicht zurüd.

Bon den alle Arten von Eenossenschaften gemeinsam betreffenden Angelegenheiten wird ein Vortrag über die Entwicklung und Aufgaben der Verbandsrevision besonderem Interesse begegnen. Der Allgemeine Genossenschaftstag, der im vorigen Jahr Leitsäge zur Neuregelung des We selprotestverfabhrens aufstellte, wird in diesem Jahre Stellung ¿zu dem Gefsegentwurf, betreffend den Wechselprotest, nehmen. Ein Antrag wird den Ge- nossenshaften empfehlen, die Bilanzvorschriften des § 261 Nr. 1—3 des B. G.-B. s\tatutarisch vorzusehen. Ein Vortrag wird die Erfahrungen behandeln, die bieher mit dem deutschen S euctioniSasttgesech gemacht worden sind, ein weiterer die D LUNTESg E mit den Handwerkergenossenshaften in der

raris.

Bei den Spezialverbandlungen der Kreditgenossenschaften wird die Aufstellung von Grundsätzen für die Behandlung der Giro- verbindlich keiten beantragt werden; ein weiterer Antrag wird sich mit der Frage beshäftigen, welhe Arten von Kreditgewährungen von der Vorschrift des § 49 Nr. 2 des Genossenschaftsgesezes betroffen werden. Ein Vortrag wird wichtige Rehtsfragen aus dem Sparkassenverkehr behandeln. Mit Rücksicht auf die große wirt- shaftlide Entwicklung der Kreditgenossenshaften und die erhöhten Ansprüche, die man an ihre Leistungsfähigkeit mehr und mehr zu stellen pflegt, wird ein Antrag besonderes Interesse erregen, der den Senofens@olten die Anstellung kaufmännisch geschulter Kräfte im Vorsland und Aufsichtsrat sowie die Abhaltung regelmäßiger Geschäftsstunden und Erledigung aller Geschäfte in Gegenwart zweier Vorstandsmitglieder dringend anrät und weitere LeEe im Interesse gesunder Entwicklung des Geschäftsbetriebs aufstellt.

Den Konsumvereinen werden Grundsäße für die Divi- dendenverteilung empfohlen werden. Außerdem wird man Stellung zu den vom Verbande der Lagerhalter aufgestellten Min de st - forderungen der Lagerhalter nehmen. Zwei Vorträge werden h mit der Notwendigkeit der A ERSR E UQUESEN und den für die Konsumvereine in Betracht kommenden gewerblichen Be- stimmungen befassen. i

Den Baugenossenshaften wird die gleihmäßige Dennnn eines einbeitliden Bilanzshemas empfohlen werten. d wird die Frage behandelt werden, wie diejenigen Baugenossenschaften, welde Häuser zum Eigentumserwerb für die Genossen bauen, die \vekulative Ausnußung des Eigentumserwerbs durch die Genossen am besten verhindern können. s:

In der Rev isorenkonferenz wird ebenfalls eine Reihe wih- tiger Fragen erörtert werden, z¿. B. die Buchführung auf losen Konten, die Deckung von Verlusten bei Vorhandensein einer Spezialreserve. Ein Vortrag wird die Trennung der Dividenden in den Konsumvereinen für Warenhandel und Produktion behandeln. Die Konferenz wird ferner die Frage be- \chäâftigen, ob Bilanzen der Genoffenschaften stets so zu veröffent- lihen find, wie fie sih vor der Verteilung des Reingewinns oder Beseitigung des Verlustes durch entsprehende Abschreibungen ergeben.

Aus dem wie alljährlih gelegentlih des Allgemeinen Genofsen- shaftstages erscheinenden „Jahrbuch des Allgemeinen Verbandes der deutshen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften“ lassen wir bereits beute einige statistishe Zahlen hier folgen, die den Nahweis einer nit unerheblihen Steigerung des Geshäftsbetriebes der dem Allge- meinen Verbante angehörenden Genossenschaften erbringen.

Von den zur Zeit dem Allgemeinen Verbande angeschlossenen 963 Kreditgenossenschaften haben 92l zur Statistik berichtet, die 539 993 Mitglieder aufweisen. Die Gesamtsumme der gewährten Kredite und Prolongationen betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 2 934 318 336 A Das Gesamtbetriebskapital belief sh am Jahres {luß auf 1091221 117 4; hiervon entfielen auf das eigene Ver- mögen 232 233 143 (Geschäftäguthaben und Reservefonds), auf fremde Gelder 858987974 # Die Gesamtaktiven betrugen 1109 089 454 M, der Gesamtunsaß 9 882 020 493

Von den dem Allgemeinen Verbande angeschlossenen 276 Konsum- vereinen baben 260, die einen Bestand von 238 097 Mitgliedern aufweisen, zur Statistik berihtet. Diese haben in 477 eigenen Lagern einen Verkaufserl88 von 58 134 755 A erzielt. Das Gefamtbetriebs- kapital betrug 10 851 368 Æ und bestand aus 7 188 590 A eigezem Vermögen und 3 662 776 # aufgenommenen fremden Geldern. Der Reingewinn belief sih auf 6231 170 s

Me haben sich 141 Baugenossenshaften mit 35 144 Mitgliedern an der Statistik beteiligt. Seit der Pans dieser Genofsenshaften wurden 3645 Häuser erbaut. Davon entfallen auf das Jahr 1905 322 Häuser. Dem eigenen Vermögen der Genofsen- hafen (Geschäfteguthaben und Reservefonds) in Höhe von 10 §53 988 M standen 67 662 228 Æ fremde Gelder gegenüber, sodaß sh das Gesamtbetriebskapital auf 78 516 216 M belief.

Renteranträge und ihre Erledigung bei der Landes- versiherungsanstalt Berlin im ersten Halbjahr 1906.

Nach den „Amtlihen Mitteilungen der Landesversicherungsanstalt Berlin“ wurden im ersten Halbjahr 1906 bei dieser 3228 In- validenren tenanträge gestellt, neben denen noch 662 aus dem Vorjahr übernommene zu erledigen waren. Bewilligt wurden in diesen 6 Monaten 2498 Inbalidenrenten, während 575 An- träge abgelehnt, 59 anderweit erledigt wurden und 758 Ende Juni noch nit erledigt waren. Altersrentenanträge wurden im ersten Halbjahr 176 neu gestellt, und 25 waren aus dem Vorjahr

übernommen worden. Die Verwaltung bewilligte 139 Altersrenten; 24 AOO 4 E abgelehnt, 4 anderweit erledigt und 34 in das zweite Halbjahr übernommen.

Die Zahl der in den ersten 6 Monaten des laufenden Jahres neu eingegangenen Invalidenrentenanträge ist fast dieselbe geblieben wie in den Vorjahren, dagegen haben die Bewilligungen um 8,1 %% gegen das Vorjahr abgenommen, und die Ablehnungen find um 90 %%/ gestiegen. Bemerkenswert ist, daß noch bestehende Erwerbsfähigkeit in der Mehrzahl der Fälle, bei beiden Geschlehtern, diz Ablehnung der Rentenanträge veranlaßte. Im einzelnen waren die Gründe der Ab- lehnung von Invalidenrentenanträgen im ersten Halbjahr 1906 folgende :

Männer Frauen M Erlöschen der Anwartshaft . . . » 81 64 145 Noch bestehende Erwerbsfäbigkeit . . 181 146 327 Nichterfüllung der Wartezeit. . . - 27 37 64 Herbeiführung der Invalidität dur

ial... C 1 18 Sonstige Ursachen . .. L 9 16 21

Zusammen . . 311 264 57D.

Bei den Altersrentenanträgen find gegen die Vorjahre keine wesent- lichen Veränderungen eingetreten.

Am 1. Juli d. J. liefen noch 23 936 Inbaliden-, 1415 Kranken- und 2453 Alkersrenten, zusammen 27 804 Renten, während 14 740 be- willigte Invaliden-, 2737 Kranken- und 3698 Altersrenten, zusammen 91 175 Renten bis Ende Juni d. I. in Wegfall gekommen find.

Zur Arbetterbewegung.

Vom Verband der Schneider war zu Donnerstagabend eine öffentliche Versammlung der Berliner Herrenkonfektions- \chneider einberufen worden, um, wie die „Voss. Ztg." be- rihtet, zum Lohnkampf der Elberfelder Ausftändigen in ihrem Fache Stellung zu nehmen, sowie über zu ergreifende Maßregeln zur Abwehr von Ausstandsarbeiten der hiesigen Konfektionäre zu beraten. Wie der Hauptredner ausführte, hätten die Elberfelder Schneider u. a. eine Lohnerhöhung von 10 v. H. gefordert, die ibnen auch obne weiteres bewilligt worden sei. Als sie raa eine \criftlihe Festlegung der einzelnen Forderungen verlangt hätten, sei das entschieden abgelehnt worden. Einige 100 Paletots (Stapel- ware) hätten hier in Berlin untergebraht werden follen; dies sei jedoch ohne besondere ‘Schwierigkeiten verhindert worden; selbst die Zwischenmeister hätten diefe zurückgewiesen, als sie gesehen hatten, daß es Ausstandsarbeit sei. Hier in Berlin seien es drei Firmen, die hauptsächlich immer während der auswärtigen Kämpfe Ausftandsarbeiten Vermittelten. (Die Firmen wurden namhaft gemacht.) Hierzu wurde eine Erklärung eingebracht und von den Versammelten einstimmig angenommen, in der sie den ausständigen Eiberfelder Konfektionsshneidern die größte Sympathie aus] prechen und sie sich mit deren Bestrebungen, „der Erringung höherer Löhne“, solidarish erklären. Weiter wurde von der Leitung bekannt gemaht, daß eine Lohnbewegung vorbereitet werden solle." (Vgl Nr. 179 d. Bl.).

ur Ausfsperrung der Dachdecker- und Bauklempner- gesellen in Cöln erfährt die r Big daß 480 Arbeiter von der Auésperrung betroffen seien. ie Dachdeckerarbeiten werden viel- fach von den Gesellen im Akkord ausgeführt. Vor dem dortigen Gewerbegeriht klagte eine Anzahl Gesellen auf Wiedereinstellung behufs Fertigstellung der übertragenen Affordarbeit bezw. Zahlung einer Entshädigung von 60 Die Verurteilungen erfolgten den Klageanträgen gemäß.

Der Ausstand der Hafenarbeiter bei der Holzhandlung Junker ia Düsseldorf sowie bei der Firma Düsseldorfer Holzkontor ist, wie die „Köln. Ztg." meldet, durch den Abshluß eines neuen Lohntarifs beendet worden. (Vgl. Nr. 180 d. Bl.)

126 Firmen des westfälishen Tabakindustriebezirks, der den Regierungsbezirk Minden und die angrenzenden Bezirke um- faßt, gründeten, wie der „Hann. Cour.“ erfährt, aus Anlaß des an- dauernden Sireiks einen westfälisen Zigarrenfabrikantenverband.

Ein allgemeiner Ausstand der Werftarbeiter wird, wie dem „Berl. Tagebl.* telegraphirt wird, in Kiel befürchtet. Auf den MWerften von Stocks, Kolbe und der Neven Werft streiken die Zimmerleute E Lohndifferenzen. Sämtliche Werften haben die Forderungen der Arbeiter bisher abgelehnt. u

Der allgemeine Auéstand in der Erfurter Holzindustrie und dem Tischlergewerbe ist, wie „W. T. B.* meldet, gestern durch beiderseitige Cg eines Lohntarifs mit dreijäbriger Dauer beigelegt worden. (Vgl. Nr. 166 d. Bl.)

In Le ipzig wurde, wie der „Frkf. Ztg.“ gemeldet wird, gestern in einer von etwa 2000 Personen besuchten Versammlung der Mit- glieder des Deutschen Senefelder-Bundes über den gegen- wärtigen Stand der Au eter E der Lithographen und Steindrucker berichtet. ie Situation wurde als besonders günstig für die Gehilfen bezeihnet. In einer einstimmig angenommenen Resolution lehnten es die Ver- sammelten ab, nach dem Angebote des Schutverbande28s deutscher Steindruckereibesizer in die Arbeitsftätte zurückzukehren. Die Aus- gesperrten seien nicht früher gewillt, die Arbeit wieder aufzunehmen, bis die in allen Streik- und Aussperrungsorten gestellten Forderungen bewilligt seien.

Da nunmehr auch die Shmiede der Eisenacher Fahrzeug! fabrik in den Ausstand getreten sind, ruht, wie dasselbe Blatt a e Hi mie Betrieb. Es feiern rund 1400 Arbeiter. (Val.

e171 d. BL

Kunft und Wissenschaft.

Fn der Jahresversammlung der Schweizer Naturforshenden Ge- sellschaft hat in dieser Woche der Konservator Bäthler in Sit. Gallen zum ersten Male vor der Oeffentlichkeit Aufschluß gegeben über die Höhlenfunde, die unter seiner Leitung in der Nähe des durh Scheffels „Efkkehard“ berühmt gewordenen Wildkirhle im Appenzeller Land gemacht worden sind. Das Wild- firhle, die Klause Ekkehards, liegt 1500 m über Meer {hon früher sind in der großen Wildkirhle - Höhle, die die Verbindung mit der noch höher gelegenen Ebenalp dar- stellt, Ueberreste von Tieren aufgesuen worden, eine planmäßige wissenschaftlihe Forshung blieb aber Bäthler vorbehalten. Es sind, nach der „Frankf. Ztg.*, rund 600 Stücke ans Tageslicht gebracht : einesteils zahlreiche let geratene Steinwerkzeuge von Höhlenmenfchen, andererseits Knochen von Höhlenbären, Höhblenl3wen, Höblenpanthern und Alpenwölfen. Am zahlreichsten sind die Ueberreste von Höhlenbären. Die Steinwerkzeuge sind sehr einfah, durhweg nur auf einer Seite bearbeitet; fie bestehen vornehmlich aus Quarz, der in der nächsten Umgebung vorkommt, doch fehlen au Feuersteinstücke nicht. Die Werkzeuge sind sehr flein; das größte erreiht eine Länge von 8,3 cm bei 6,5 cm Breite und 1,3 cm Dicke. Bäthler nimmt als fest- stehend an, daß in der Wildkirhle-Höhle Mensch und Höhlen- bär zusammen gelebt haben; die Funde sind rah _der Ansicht des Forschers auf die Zwischeneiszeit zurückzuführen. So dürfte das Wildkirhle als die älteste und für die vorgeshihtlihe Zeit höchst- gelegene Siedlunasstätte der Schweiz betrahtet werden; die nächst

em Wildkirhle höchste bekannte vorgeshihtlihe Siedlungéëstätte liegt

tausend Meter tiefer, und die Wildkirhle-Höhle ift überhaupt die einzige Stelle dieser Art auf Schweizer Boden. Die Fundgegenstände waren in der Versammlung ausgestellt, und die E en Naturforscher haben in ansehnliher Zahl die Höhle selbst besucht.

Literatur.

__ Italienische FOFLMURÇEN Herausgegeben vom Kunst- Borden Institut in Florenz. Erster Band. Bruno Cassirer, erlin 1906. Während die Archäologie niht nur in Athen, sondern auch in Rom son seit Jahrzehnten ihre reich vom Staat und

durch Stiftungen unterstüßten Institute hat, ist die neuere Kunst- geshihte troß des gesteigerten Interesses, die man ihr entgegenbringt, unbeachtet gelassen. Schließlich suhten die Gelehrten unter Leitung von W. Bode (Berlin) und A. Schmarow in Leipzig diesem Mangel Abhilfe zu hafen. Aus Privatmitteln wurde das Geld zusammens- eas zur Gründung eines funsthistorischen Instituts, das, dem istorishen Gebiete entsprehend, niht in Rom, fondern in [orenz seinen 2 hat. Der Zweck dieses Instituts muß natürlich ein doppelter sein. Zunächst soll es den Studierenden in Florenz Ge- HIEDES geben, an der Hand einer sorgfältig geordneten und guten Bibliothek das wissenschaftlihe Material an Ort und Stelle zu studieren. Diesen Zweck erfüllt das unter Leitung von Professor Dr. H. Brockhaus stehende Institut vollkommen. Etwas abseits in der Viole Principefsa Margherita gelegen, bedarf es freilih jeßt hon einer Erweiterung, zu der boffentlih bald ein staatlicher Zushuß die Mittel gewähren wird. Der andere Zweck des Instituts muß natürlih sein, dort an der Quelle die Ürkundenforshung zur Schaffung neuer wissenschaftlicher Grundlagen energisch in die Hand zu nehmen. Und für dieses Be- streben legt dieser erste von dem Institut publizierte Band ein beredtes Zeugnis ab. Man könnte fogar sagen, er ist fast zu gelehrt geworden. Nachdem zunächst Prof. Dr. H. Brockhaus auf dîe rein wissenschaftlichen Absichten der Publikation hingewiesen, beginnt Dr. Alfred Doren mit der Publikation des Aktenbuchs für Glübertis Matthäusftatue an Or San Michele zu Florenz. Die Einleitung, welhe das Resumé der Durchsicht bringt, erweist freilih, daß das positive Resultat ein ziemlih geringes ist. Man ift nit sonderlih neugierig, die Verhandlungen und Abmachungen, welche die Jahre 1419—22 durchlaufen, genau durchzulesen. Nur J und Namen sind da zu finden. Man fragt sich na der Zweckdienlihkeit solcher Dokumentenabschriften, die doch nur eine ganz kleine Zahl von Gelehrten interessiert. Exzerpte würden doch genügen. Der ¡weite Aufsaß behandelt die Mailänder Künstlerfamilie der Solarí, „J. Solari architetti e scultori lombardi del XV. secolo“ von Francesco Malaguzzi Valeri. Hier wird eine Kunft be- handelt, die eine eigenartige Ueberleitung und Verbindung gotisher Elemente zur Renaissance gewährt. Mailand hat, dem Norden am nächsten, länger als irgend eine italienishe Stadt an den traditionellen gotishen Formen festgehalten. Die Künstlerfamilie der Solari ist für die Kunstentfaltung in Mailand außerordentlih frucht- bar gewesen. Drei Architekten, die zum Teil als Bildhauer tätig waren, Giovanni, Guiniforte und Pietro Antonio, und ferner ein Bildhauer Francesco entstammen dem einen Zweig, der dur Heirat außerdem mit dem bedeutendsten Mailänder Bildhauer Amadeo ver- bunden war. Einer anderen Linie entstammen der Bildhauer Chrifsto- foro und der Maler Andea. Der Verfasser geht auf jeden der Künstler ein, mit deren Namen die wichtigsten Mailänder Bauten, u. a. das Ospedale Maggiore, S. Maria telle Grazie, der Dom und endlih die Certosa von Pavia verknüpft find. Der gotisierende Backsteinbau oder ter vrunkhafte, bald in gotishen Formen, bald in Renaitifsance- variationen übersprudelnde Marmordom sind die Leistungen dieser Architekten. Die Bildhauer Christoforo und Francesco haben ih ihren eigenen, dekorativen plastischen Stil ausgebildet.

Die zweite Hälfte des Buches nehmen Veröffentlihungen des um die venezianis&e Urkundenforshung außerordentlich verdienten, im vorigen Jahre verstorbenen Dr. Gustav Ludwig ein. Dr. Fritz Rintelen, sein fleißiger Mitarbeiter, hat die Publi?ationen übernommen. Beabsichtigt ist, eine auf arhivalische Studien gestüßzte Nachforshung des „Venezianishen Hausrats zur Zeit der Renaissance“ zu geben. Interessant ist die Einleitung, die Quellenkunde dazu betreffend. äInventare und Bilder müfsen ergänzen, was verloren gegangen. Dann folgt eine Abhandlung über Restello, Spiegel und Toilettenutensilien, Bellinis kleine Allegorien haben einst zu einem folchen Spiegelaufbau, dem Restello des Cabana gehört. Ludwig gibt uns in seiner außer- ordentlihen Gründlichkeit eine wee Erklärung der Allegorien. Den Abschluß des Buches bildet ein Nachruf W. Bodes an G. Ludwig, dessen Verdienste für die deutsche Forshung auf italienischem Boden in rechtes Licht gerückt werden.

Der Band, 400 Seiten stark und mit 3 Lichtdrucktafeln und 125 interessanten, zum Teil ganz neuen Abbildungen versehen, kostet 16 4 Für Mitglieder des Vereins zur Erhaltung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz, wozu ein Beitrag von 10 jährlich zu zahlen ist, wird ein Vorzugspreis gewährt.

Land- und Forstwirtschaft. Viehausftellung in Madrid.

Im Frühjahr 1907 wird von dem spanishen Generalbunde der Viehzüchter eine große Viehausstellung in Madrid geplant, welche weit über den Rahmen gewöhnliher Wettbewerbe diejer Art binaus- azhen dürfte. Es dürfte dies eine Gelegenheit sein, um die spanischen

andwirte, eventuell nur durch geeignete Reklameveranstaltungen, auf deutshe Erzeugnisse hinzuweisen. (Nach cinem Bericht des Kaiser- lichen Konsulats in Madrid.)

Washington, 3. August. (W. T. B.) Laut dem Bericht der Abteilung für landwirtshastlihe Produkte betrug der Durthschnitt8- stand der Baumwolle Ende Juli 82,9 ?/0.

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs- maßregeln.

Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten.

(Aus den „Veröffentlihungen des Kaiserlihen Gesundheitsamts*“, Nr. 31 vom 1. August 1906.)

Pestt.

Türkei. In Djedda wurden in der Zeit vom 9. bis 15. Juli je 9 Erkrankungen und Todesfälle, in Mekka am 10. und 11. Juli 1 Erkrankung und 1 Todesfall an der Pest festgestellt.

Negypten. Vom 14. bis 20. Juli sind in Port Said 1, in Alexandrien 2 neue Pesterkrankungen und je 1 Todesfall ge- meldet worden. Z S i

Persien. Bis zum 8. April sollen in Seistan seit Beginn der Epidemie 563 Erkrankungen und 483 Todesfälle an der Pest vor- ekommen sein. Für Nasratabad und Hossein -Abad wird die

ahl der Pesttodesfälle für die Zeit vom 183. bis 23. April auf 28 und 34 beziffert; Ende April kamea dort täglih 7 bis 8 Todesfälle vor. 25 Ortschaften sind damals als verseucht angesehen wordzn. Die Seuche breitet sh langsam, aber stetig, zur E U UET Richtung auf Chorassan aus. Die Dur§führung der Quarantäne- maßregeln \ößt bei der Bevölkerung auf die größten Schwierigkeiten.

Britisch-Ostindien. Während der beiden am 30. Juni und 7. Suli abgelaufenen Wochen sind in der Präsidentschaft Bombay 196 und 149 Erkrankungen (151 und 106 Todesfälle) an der Pest gemeldet worden, davon 46 (42) und 44 (35) in der Stadt Bombay, 29 (29) und 19 (13) üm Stadt- und Hafengebiet" von Karachi, 6 (l) und §8 (6) in demjenigen von Jamnagar, 47 (2l) und 18 (7) im Hafen von Porbandar, 7 (5) und 1 (1) im Hafen von Bandra, 5 (6) und 2 (2) im Kolababezirk.

In Moulmein sind vom 16. bis 23. Juni 37 Personen an der t gestorben.

apan. Jn Kobe sind vom 15. Mai bis 14. Juni 15 neue Erkrankungen und 9 Todesfälle an der Pest angezeigt worden. erner sind in Osaka, in der etwa 10 _km davon ent- ernten Ortschaft Amagasaki sowie in Otake je 1 Er- krankung und 1 Todesfall, in dem etwa 20 km südlich von Ofsaka gelegenen Mas. für Rohbaumwolle Kischi- wada 6 Erkrankungen und 5 Todesfälle sowie auf der Insel Awaji 6 Erkrankungen und 4 Todesfälle an der Pest gemeldet worden. Ein in Hamanaka, Regierungsbezirk Wakagama, eobachteter pest- verdähtiger und tödlih verlaufener Fall betraf einen Mann, welcher vor wenigen Tagen aus Osaka zurückgekehrt war. Die Polizeibehörde in Kobe zahlt seit dem 10. Juni für jede eingelieferte Ratte 7 Sen.