1886 / 92 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

auf diesem Gebiete gar keine Klagen crhoben worden sind, so darf ih wohl der Hoffnung Ausdru geben, daß au in den bier in Frage kommenden Landestheilen, insbesondere in Oberschlesien die Behörden die rihtige Grenze finden werden. Was in meiner Macht liegt, die Bedenken des Herrn Vorredners zu zerstreuen, wird meinerseits sehr gern geschehen. :

Graf Frankenberg-Ludwigsdorf befürwortete die Vorlage, welche ja aus\chließlih die unentshuldigten Schulversäumnisse bestrafen wolle.

Dann wurde das Geseg in den einzelnen Paragraphen und im Ganzen angenommen.

Der dritte Gegenstand der Tagesordnung war der mündliche Bericht der XIII. Kommission über den Entwurf eines Geseßyes, betreffend die Errihtung und Unter- haltung von Fortbildungsshulen in den Pro- vinzen Westpreußen und Posen. :

Der Bericht war erstattet von dem Grafen zu Eulen- burg-Prasscn, welcher Namens der Kommission die unver- änderte Annahme des Entwurfs empfahl. ,

Fürst Ferdinand Radziwill erklärte: Die Polen erblickten in diesem Geseß ein gegen sie gerihtetes Kampfgeseß. Die Regierung suche gerade den nationalen Gegensaß zu verschärfen. Es müsse für den einen Theil der Bevölkerung verbitternd wirken, daß Bildung und Kulturhebung nur . bei einer Nationalität gepflegt werden solle. Man wolle das Polnische, eine Kultursprache, zu einer Bauernsprache, zu einer Art Kauderwelsh herabdrücken. Die Polen würden gegen das Geseß stimmen. É ;

Graf Zieten - Shwerin bedauerte, daß der Entwurf, welcher die Erlernung der deutshen Sprache zur ersten Be- dingung der Schulbildung mache, nicht auch auf andere annektirte Provinzen ausgedehnt worden sei, und drückte die Hoffnung aus, daß eine solche generelle Regelung für die ganze Monarbie nicht zu lange auf sich warten lasse.

Herr von Kleist-Reßow kritisirte die Bestimmung des Ge- seßes, wonach nit der ganze Sonntag von der Ertheilung des Fortbildungsshulwesens frei zu lassen sein soll, sondern nur die Zeit des Hauptgottesdienstes. Die Fortbildungs- schulen könnten noch so vollkommen sein, sie blieben eine menschliche Einrihtung. Die Sonntagsheiligung sei eine Gottes- ordnung; das religiôse Leben ves Volkes würde durch die Thätigkeit der Fortbildungsschulen nicht gepflegt, sondern ge- schädigt werden. E

Der Staatssekretär Dr. von Möller erwiderte darauf: Die Regierung sei bemüht, den Ansprüchen der Kirche immer mehr erecht zu werden. Sie erkenne das Recht des Sonntages bieaus an. Das Ziel, welches Herr von Kleist im Auge habe, sei ein hohes; aber so ideale Ziele ließen ih nicht auf einmal erreichen. Einen Wochentag für den Unterriht anzusezen, sei vielfah nicht thunlich: das würde unter den Deutschen Mißstimmung erregen und sie ebenfalls zu Gegnern des Gesezes machen wie die Polen. Jn keiner Fortbildungsshule werde während des Hauptgottes- dienstes Unterricht ertheilt. Erst wenn die Fortbildungs\chulen weitere Forschritte gemacht hätten, werde man vielleicht dazu übergehen können, den ganzen Sonntag frei zu lassen.

Herr Dr. Miquel äußerte: Als Praktiker in der Frage der Fortbildungsshulen könne er versichern, daß die jungen Leute, wenn sie sih zu dem Sonntagsunterricht reinigten und pußten und in der Fortbildungsshule zu dem Besuch des Gottesdienstes aufgefordert würden, viel regelmäßiger dem Gottesdienst beiwohnen, als wenn der Sonntag vollständig vom. Unterricht frei fei. : :

In der Spezialdiskussion beantragte Graf Zieten-Schwerin,

E überhaupt vom Fortbildungss{hulunterriht frei zu lassen. / Graf Pfeil führte aus: Es sei ein gefährliches Präcedens, wein man die Sonntagsruhe nicht in vollem Umfange inne- halte, und wenn man Eingriffe in die Sonntagsheiligung unternehme. Er beantrage deshalb, in §. 2 die Worte von „Jedoh darf“ bis „ertheilt werden“ zu streihen und statt dessen zu seßen: „Der Besuch des Unterrichts an den Sonn- tagen darf niht erzwungen und der Unterricht während der O des Hauptgottesdienstes überhaupi nicht ertheilt werden“.

Staatssekretär Dr, von Möller erklärte ih gegen beide Auträge; ebenso Herr Bötticher (Magdeburg).

Schließlih wurden die beiden Anträge abgelehnt und der Geseßentwurf in der Fassung der Kommission angenommen.

Schluß gegen 5 Uhr. Nächste Sizung unbestimmt.

Jm weiteren Verlauf der gestrigen (64.) Sißung des Hauses der Abgeordneten erklärte bei Fortsezung der Berathung der Geseßentwürfe, betreffend die Fe st- stellung eines Nachtrags zum Staatshaushalts- Etat für das Jahr vom 1. April 1886/87, und be- treffend die Deckung der Ausgaben dieses Nach- trags-Etats, der Abg. Dr. Meyer (Breslau), seine Freunde hätten von Anfang an keinen Zweifel gelassen, daß sie den Kampf- geseßen gegen die Polen nicht zustimmen könnten. Das könne \ie aber nicht abhalten, folhen Maßregeln zuzustimmen, die sie früher selbst als loyale Mittel zur Förderung des Deutschthums in jenen Landestheilen befürwortet hätten, wenn sie auch mit Kampfgeseßen verquickt seien. Alle feine Freunde hielten daran fest, daß das deutsche Element ausgebreitet und befestigt werden müsse. Zu diesem Zwecke wollten sie die erforderlichen Mittel bewilligen. Es sei keine Feindseligkeit, wenn man die Polen anhalte, ihre Kinder Deutsh lernen zu lassen. Das sei eine Wohlthat. Man sei deshalb zu einer unbefangenen, aber auch eingehenden Prüfung der Vorlage bereit und nehme auch an der Form des Nachtrags-Etats keinen Anstoß. Schwerer wiege das Bedenken des Abg. Windthorst, daß der Staat hier in die Rechte der Kommune eingreife. Allein man müsse erwägen, daß die Lasten der Kommune dort viel größer seien als anderwärts. Dem Abg. Dre. Wehr könne man freilih nicht folgen; das Geldfordern müsse der Regierung überlassen bleiben. Redner habe sich überhaupt aus den Reden des Abg. Dr, Wehr die Lehre abstrahirt : daß der wahre Lokalvatriotismus immer bereit sei, Geld zu nehmen. Redner und seine Freunde ständen den in dem Nachtrags-Etat enthaltenen Positionen sympathisch gegen- über, deren Einzelheiten die Kouamission zu prüfen haben werde. ° Der Abg. Dr. Windthorf! verwahrte sih gegen den Vor- wurf des Ministers, daß er die Polen nur als Unterthanen sub conditione ansehe. Er halte dieselben für unbeschränkte Unterthanen wie alle anderen auh. Aber er wolle die Rechte {hüten, welche die Polen erworben hätten. Jn nicht miß- zuverstehender Absicht habe ihm der Abg. Dr. Wehr imputirt, er hätte einen neuen Schulkampf insceniren wollen. Redner habe nur die verfassungsmäßige Stellung, wie fie jeßt die Schule

habe, halten wollen und verwahre fich gegen etwaige Ver- dächtigungen, welche gewisse Preßorgane fch zur Aufgabe machen fönnten. Der Minister habe gesagt, daß auch die pro- testantishe Kirche der Unterstüßung bedürfe; die katholische Kirche befinde sich aber auch in schwerer Lage. Redner könne der Vorlage nit zustimmen ; die Ziele sollten mit ungerechten N erreiht werden; der Zweck heilige aber nicht die ittel.

Der Aóúg. Dr. Sattler meinte: seine Freunde und er ftän- den der Vorlage durhaus wohlwollend gegenüber und sähen in derselben nur eine Förderung der dortigen Gegend, au der Fnteressen der Polen. Sie würden in Konsequenz ihrer früheren Beschlüsse au diese Mittel bewilligen, um das VBor- dringen des Polenthums zurüczustauen. Das Gebiet der Schule sei hierzu das geeignetste. Den deutshen Beamten werde daneben ebenfalls eine wihtige Aufgabe zufallen. Zu einer anderen Position des Nachtrags-Etats übergehend, möchte der Redner die Forderung von 700 000 / für die Hafenanlage in Geestemünde noch als dringend nothwendig empfehlen.

Hierauf wurde ein Schlußantrag angenommen.

n einer persönlihen Bemerkung wies der Abg. Dr. Wehr die Behauptung des Abg. Dr. Windthorst zurück, daß er dessen persönlicher Gegner wäre und ihn verdähtige. Er s]sei nur dessen sahliher Gegner; sahlihe Angriffe seien aber doch keine Verdächtigungen.

Dex Abg. Dr. Windthorst bemerkte, der Vorredner dehne seine sahlihen Angriffe dann zu weit aus. Verdächtigt habe ihn der Abg. Dr. Wehr aber doch, wenn derselbe ihm in Bezug auf die Schule Absichten unterlegte, die Redner nicht ausgesprochen habe. Er habe die Schule vertheidigt, wie sie in den Geseßen stehe; danach hätten die Kirche, die Gemeinde und die Eltern einen Einfluß auf die Schule, und den wolle er niht verkümmert sehen.

Die Vorlage wurde hierauf der Budgetkommission über- wiesen. |

Schluß 2 Uhr. 12 Uhr.

__— Hur Vervollständigung unseres Anfangsberichtes über die gestrige Sigung des Hauses der Abgeordneten lassen wir nachstehend die Rede des Ministers der geistlichen, Unterrihts- und Medizinal- Angelegenheiten, Dr. von Goßler, im Wortlaut folgen:

Meine Herren! Die allgemeinen politischen Motive find in der heutigen Diskussion bisher nur wenig gestreift worden, und ich glaube au, daß das Thema im Großen und Ganzen durch die srüheren Verhandlungen erschöpft ist. Nur der Hr. Abg. Dr. Windthorst hat erneut Veranlassung genommen, seine Auffassung über die staatsrecht- lihe Stellung der ehemals polnischen Landestheile zur preußischen Krone darzulegen, und hat erneut dem Gedanken Ausdru gegeben, daß die Polen gewissermaßen nur sub conditione Unterthanen des preußischen Staates seieu. Es ist diese Auffassung oftmals widerlegt worden, und ich habe deshalb hier im Wesentlichen nur zu konstatiren, daß die gegentheilige Auffassung der König- lichen Staatsregierung, die sowohl in diesem wie in früheren Jahren unter Anführung zahlreiher Dokumente begründet worden ist, ee dieselbe bleibt.

Ich habe im März 1883 in vollständiger UVebersichtlichkeit die- jenigen maßgebenden Enunziationen der Krone vorgetragen, aus denen ganz klar hervorgeht, unter welchem Gesichtspunkte im Jahre 1815 und in späteren Zeiten die (Finverleibung ehemals polnischer Landes8- theile bezw. die Wiedervereinigung polnischer Landestheile mit der preußishen Krone betrahtet worden it. Es wird aber, da ih es damals vergessen habe und überhaupt dieser Punkt noch nicht berührt worden ist, nicht ohne Interesse sein, wenn id nahhole, daß derselbe Monar, welcher im Jahre 1815 die Einverleibung der poluishen Landestheile mit Preußen verfügt hat, bereils“ ‘im S ahre 1832 ganz ähnlihen Auf- fassungen gegenüber, wie diejenigen, zu deren Vertreter der Hr. Abg. Dr. Windthorst sich heute macht, seine staatsrechtliche Stellung ge- nommen hat. In dem Landtagsabschied vom 14. Februar 1832 wurde von ihm ausdrücklih darauf hingewiesen, daß auch bei der Einverleibung gar feine anderen Gedanken obgewaltet haben, als daß die polnischen Landestheile „einen Bestandtheil Unseres Reiches“ bilden follten, und es wurden die Stände aus- drücklih gemahnt, „sich ferner jeder willkürlihen Deutung Unseres Königlichen Workes gemessen zu enthalten.“ Was im Jahre 1832 ausgesprochen ift, hat auch heute noch volle Berechtigung. In allen diefen Fragen ist allerdings die Thatsache zu verzeichnen, daß, möge von Seiten der Staatsregierung oder von dem Träger der Krone das staatsrechtliche Verhältniß den Polen gegenüber klargestellt sein, dieselben nah 10, 20 oder mehr Jahren genau dasselbe behaupten, was früher widerlegt ist. Darauf läßt \ih nur erwidern, daß cs bei dem, was die Könige Preußens ver- kündet, was die Vertretungen Preußens und des Deutschen Reiches beschlossen haben, fein Bewenden behält und sein Bewenden behalten wird, auch über alle Zweifel und Verdächtigungen hinaus.

Die allgemeinen Bemerkungen, welche die Freunde und die Gegner der Vorlage A haben, lassen sich nit leiht gruppiren. Die Freunde der Vorlage haben wiederholt den Vorwurf crhoben, daß cinmal gewisse Zwecke durh den Nachtrags-Etat niht erfüllt worden seien, und zweitens, daß diejenigen Zwecke, die in dem Nachtrags-Etat eine Erfüllung finden follen, niht in ausreihender Weise bedacht worden sind.

Was den ersteren Gesichtspunkt anbetrifft, so haben die Herren Abgg. Freiherr von Minnigerode und Dr. Gerlich darauf hingewiesen, daß die Berücksichtigung der kirchlihen Bedürfnisse hätte erwartet werden können, aber im Etat nicht eingetreten sei. Meine Herren, Sie können cs wohl der Staatsregierung glauben, wenn sie versichert, daß dieser Punkt sehr eingehend in den vorbereilenden Stadien erwogen worden ist. Es ist ja ganz zweifellos, daß, wie Hr. Dr. Gerlih mit Recht hervorhebt, namentli die Belastung der evangelishen Ge- meinden wie das ja auch in der Diaspora gar nit anders sein kann mit Kirchensteucrn eine ganz kolossale ift. Durch sehr genaue Ermittelungen, die ich im Frühjahr vorigen Iahres habe anstellen lassen, ist konstatirt worden, daß es in den Ostprovinzen eine ganze Reihe vou evangelishen Kirchen- gemeinden giebt, die über 100% der Staatsfsteuer allein für ihre firhlichen Zwecke aufbringen müssen. Dag ist im Verhältuiß zu anderen Landestheilen ganz unerhört. Es hat daher nahe gelegen, bei der Bedeutung, welche das deutsche Element in den Provinzen mit polnisch redender Bevölkerung für den Staat hat, zu fragen: ist es zulässig, in dem Rahmen einer Voríage, wie sie gegenwärtig hier Ihnen gebracht ist, kirhlihe Interessen zu Lerüdsfichtigen ?

Die Frage ist verneinl worden, und zwar aus Gründen, die der Hr. Abg. Kantak allerdings au der Vorlage in der jeßigen Fassung enktgegentrug. Man wollte die nationale Aufgabe, welche der Staat in Osten zu erfüllen hat, niht durch das Wachrufen kfirhliher Gegea- fäße verdunkeln. Obwohl man bie politishe Bedeutung des deutschen kirchlichen Lebens, sei es der Gyangelisch7n, sei es der deutshen Katholiken, vollkoinmen anerkanute und mau von Herzen wünschen müßte, daß sowohl die kirchlichen Verhältnisse der Evange- lischen aufgebessert werden möchten, als diejenigen der deutschen, in der polnischen Diaspora lebenden Katholiken, die ja nun feit Jahr- zehnten ihren Nothschrei erheben wegen einer ungenügenden Seelsorge, ich sage, obwohl das Alles flar den Augen der MNegie- rung vorlag, trug man doch Bedenken, Maßregeln vorzu- schlagen, die es [ätte ja kaum anders sein können von den Gegnern der Vorlage unter den Gesichtspunkt einer

Nächste Sißung Dienstag, den 4. Mai,

Protestantisirung oder eines Hineintragens religiöser firliher 5 ragen in die vorliegenden nationalen Aufgaben hätten gebracht werden frage Allein diese Rücksicht, die auf den ‘ge Abg. Kantak allerdings den umgekehrten Eindruck gemach+t hat, ist es gewesen, welche dabin ge führt hat, diese ganze Materie unerörtert zu lassen; wir haben ¿s deshalb hier einfa lediglich mit tem Schulintercsse zu thun.

Auf diesem Gebiet haben die Freunde der Vorlage darauf hin, gewiesen, die Mittel seien in der Vorlage zu gering bemessen; sz würden für große Zweckte zu geringe Summen verlangt. Indessen hierin hat sich die Regierung, wie ih \chon in der Kommission gesagt habe, nach der finanziellen Decke \strecken müssen.

Die Zweke, welche bei den Vorlagen in Frage kommen können gehen, wie ih bei der Berathung des Herranltellungdgesedes und anderweit, namentlich im Jahre 1883 hier {hon entwickelt hay naturgemäß nach zwei Richtungen : einmal der Schutz des Deutschthums, und zweitens die Aufgabe, die Kinder polnischer Zunge in das deuts: Sprachgebiet hineinzuführen. Will man bei der gegenwärtigen Ge. legenheit beide Zwecke verfolgen, und an entsprechenden Er- wägungen hat es innerhalb der Staatsregierung in wochenlanger Arbeit nicht gefehlt fo gelangt man zur vollen Votation der Schulen iy den Landestheilen, mit denen wir uns beschäftigen. Man kommt dann an der Hand der Statistik, die im Jahre 1882 aufgenommen ist, und es liegen au aus neuerer Zeit wieder Nachrißten vor in der That zu ganz kolossalen Summen. Ich will Sie hier nicht mit Details bebelligen aber auch) wenn nur cin normaler Frequenz-Zultand, wie er für rein deutsde Schulen allgemein vorgesehen ist, geschaffen werden foll, fo fehlt es an wenigstens 1500 Klassen und mehr als 1800 Lehrern. Schon daraus werden Sie erkennen, daß man, da die Leistungsfähig- keit der Gemeinden fast durchweg erschöpft ist, zu Bewilligungen aus Staatsfonds kommen würde, die weit über das hinausgingen, was die Staatskasse heute leisten kann. Die Staatsregierung hat sih felbstverständlih die Frage vorgelegt: was kann nah dey gegenwärtigen Finanzlage aufgewendet werden ? und, nachdem ungefähr die Beträge festgestellt waren, hat man die erforderliche Beschränkung in den Zielen eintreten lassen. Dabei trat naturgemäß in den Vorder- grund der Gesichtspunkt, das Deutshthum zu E Die hierfür erforderlihen Mittel sind in den gegenwärtigen Nachtragsetat, der nicht die Bedeutung eines Dotationsgesezes hat, in dem Unm: fange eingestellt, wie sie nach unferem Ermessen vielleicht im Laufe dieses Jahres verwendet werden können; ih bitte, das festzuhalten.

Nach welchen Rücksichten die einzelnen Positionen bemessen worden find, wird in der Kommission näher dargelegt werden. Ih beschränke mich deshalb darauf, hier in Kürze anzudeuten, was etwa auf dem Gebiet der Volks\chule mit den eingestellten Nummern von 2000000 im Extraordinarium und 400 000 t im Ordinarium geschaffen werden kann.

Ich gehe dabei davon aus, daß aus dem Extraordinarium an Schulbauten vielleiht 100 ganz neue Schulen, wobei der Schulbau zu 12000 M zu rechnen ist, und 200 Erweiterungsbauten zu je 4000 J. ausgeführt werden können, und daß dementsprechend etwa 300 neue Lehrerstellen zu gründen wären. Die Ziffern, von denen ich für die Bemessung der Baukosten ausgehe, beruhen nicht etwa in der Phantasie, es liegen vielmehr Nachweisungen der Vezirksregierungen über die Kosten vor, welche derartige Bauten im Durchschnitt verursachen, und wir haben vor Allem einen ganz bübschen Anhalt in der Verwendung der un- gefähr 550 000 M, die wir auf Grund des oberschlesis{chen Nothstandz- gefcßes für Schulen in den sogenannten sieben Nothftandskreisen in Dberschlesien verwandt haben. Das sind ungefähr dieselben Ziffern, Ich kann invessen hiex wohl einschalten, daß die Ziffern si vielleiht etwas verschieben fönnen und, wie ih hoffe, aud verschieben werden, namentlich unter dem Gesichtst unkte, daß man meines Erachtens versuchen muß, das wird ja natürli; cine sorgfältige lokale Prüfung erfordern, statt in jedem Falle neue Schulgedäude nach einem gewissen festen Schema aufzuführen, vor- handene Gehöfte und Häuser anzukaufen und zu aptiren, um auf diese Weise mit geringeren Mitteln eine den vorläufigen Verhältnissen ent- sprechende, geeignete Einrichtung zu treffen, aber auch auf der anderen Seite dafür zu forgen, daß in rasher Weise die Segnungen des Nachtrags-Ctats dort zur Geltung kommen.

Ich habe mich ganz unabhängig hiervon schon früher mit dem Gedanken eines sogenannten Normal-Schulhauses beschäftigt; aber nicht in dem Sinne, daß man für die ganze Monarchie nun ein Schema habe, sondern immer in der Tendenz, dur eine zweckmäßige Ausnutung eines erfabrungê8mäßig gegebenen Raumes die erforderlihen Schulbedürf- nisse, sowie au die Lehrerwohnungsbedürfnisse in möglich}t voll- kfommener Weise zu befriedigen. Die Frage ist übrigens nicht leicht zu [öfen, namentli weil fie von lokalen Gewohnheiten beeinflußt ist.

In den östlichen Landestheilen, das werden mir ja die Herren aus den gedachten Gegenden bestätigen, hat man z. B. im Allgemeinen auf den Lande das Bedürfniß, niht zu hoch zu bauen, sonderi die ganze Wohnung mehr in horizontaler Gliederung fich erstreken zu lassen, wodur er- heblihe Mehrerfordernisse, namentlih in Bezug auf die Dachlegung entstehen, während in den westlichen Landestheilen der zweistöckige Bau die Regel bildet. Namentlih überall da, wo die Konfiguration des Terrains und der theure Preis des Grundes und Bodens eine stärkere Ausnußung des Terrains verlangt, ift dies der Fall. Doch das nur gewissermaßen in Parenthese. Ich will damit nur andeuten, daß ih nicht von der Anschauung ausgehe, als wenn alles nach einem ge- wissen Schema gehen müßte, und als wenn ich sagen wollte: jede neue Schule kostet 12000 4; der Sah ist nur ein allgemeiner Anhalt. Mit der Schaffung neuer Schuletablissements korrespondirt die Gründung neuer Lehrerstellen. Wenn man dabei von der, in den Verhältnissen nur allzusehr begründeten Auffassung ausgeht, daß die Gemeinden zum großen Theil gar keine Mehrleistung werden übernehmen fönnen, und daß deshalb nicht nur die laufenden persôn- lichen, fondern auch die sahlihen Kosten und die Einrichtungskosten der Schulen aus Staatsfonds werden bezahlt werden müssen : fo ge- langt man {hon zu der Auffassung, daß #ch mit den geforderten 400 000 6 faum 300 Lehrerstellen werden gründen lassen, und da- neben bleibt das Bedürfniß beflehen, für eine ganze Anzahl von be- reits vorhandenen Stellen Gehaltszulagen zu gewähren, um hierdurch) eine anderweite Besetzung zu ermöglichen.

Meine Herren, au heute wieder ist das Bedürfniß bestritten worden, dein Deutschthum in den polnischen Landestheilen einen be sonderen Schuß zu gewähren. Es ist der Ausspruch des Hrn. Abg. Gerlich, daß sich das Deutshthum in der De- fensive befinde, bezweifelt worden. Ja, meine Herren, das ist eine Frage, bei welcher im Großen und Ganzen weniger auf die Statistik Werth gelegt werden muß, als auf das Urtheil der- jenigen Herren, die seit Jahrzehnten, sei es amtlich, fei es vermöge ihrer gewerblichen Thätigkeit, den betreffenden Landestheilen angehöreii. Von diesen Herren werden Sie wirkllihß einmüthig die Auffassung hören, daß das Deutschthum im Rückgange ist. Es mag ja für einen Deutschen traurig fein, dies auszusprechen, aber es ist so. Wenn der Hr. Abg. Dr. Winbthorst die Güte hätte, dem Urtheil feiner Kollegen mehr zu vertrauen, dann würden wix uns auc darin vereinigen, wenn ih sage, es ist ein ri{tiges fonservatives Bemühen der gegenwärtigen Staatsregierung, die staatserhaltenden Kräfte, die deutschen Elemcate in den polnischen Lant estheilen zu hüten. Denn diese deutschen Elemente sind niht künstlih hereingerufen, fondern sie haben zum Theil den Boden erft gewonnen. Es ist \{chmerzlich zu erfahren, a die Deutschen, welche 100 Jahre dort wohnen, also vorzugsweise aud) deutsche Katholiken, im Laufe der Jahrzehnte immer mehr polonisir! worden sind ; es ist s{merzlich, die gegenwärtigen Verhältnisse z. B. des Neßediftrikts im weiteren Umfange zu vergleihen mit den Ver- hältnissen im AuLgange des vorigen Jahrhunderts. _ Heute müssen wir erleben, daß in den dortigen Kreisen, wie in Kolmar U w, polnishe Inseln sich bilden, von denen aus si

breitet, und daß dort mit Hülfe leider au der Konfession der deutsche Katholik anfängt, in seiner nationalen Gesinnung zu |{chwauken.

Ich bin aber. au sonst im Stande, für den Rückgang des Deutschthums Zahlen anzugeben. Ich habe mi) ja felbstverständlib

bemüht, Klarheit darüber zu gewinnen, mit welchen Ziffern wir FEter- bei in der Schulverwaltung u. \. w. zu renen haben.

Als ih im vorigen Jahre klarstellen ließ, wie die sogenannten polnischen Ueberläufer auf die Shulverhältnisse einwirkten, ergab \i, daß noch im August vorigen Iahres in dea Kreisen Strasburg, Löbau und Thorn in den Schulen bis zu 199% Kinder polnischer Ueber- läufer sich vorfanden, also fast 1/5; z. V. in der Stadt Thorn 86 Ueberläuferkinder, in Lautenburg, einer kleinen Stadt, 114, das waren über 20 ‘%/% sämmtlicher Schul- kinder, in Gollub im Frübjahr 80, im Herbst noch 58, das waren auch über 20%. In einzelnen Ortschaften wie Gorczenitza und Ostrowitt fanden si 334 %/o bez. 40% polnische, ausländische Kinder, so daß die gauze Organisation des Unterrichts vollkommen verändert werden mußte und an die Gemeinden die Nothwendigkeit herantrat, zweite Klafsen einzurichten.

Aber wenn Sie auch von dieser Einwanderung absehen und die sehr interessante Statistik, die sih in den bekannten Konfessionétkarten der Schulen im Regierungsbezirk Marienwerder vorfindet, die ih 1882 babe aufstellen lassen und die ja auch dem boben Hause zugegangen find, mit den pestitellungen vergleihen, die ih im Februar d. J. veranlaßt habe, so werden Sie auch eine sehr weitgehende Veränderung zu Ungunsten des Deutschthums er- kennen. Jch nenne Orte, in denen sich die Konfession und die Nationalität deckt, in denen die Katholiken fast ausnabhmslos8 Polen sind. Die kleine Stadt Löbau, die aus verschiedenen Gründen beute Gefahr läuft, dem Polonismus gänzlich in die Hânde zu fallen, weist nach, daß innerhalb der 5 Jahre von Ende 1881 bis Anfang 1886 die Zahl der evangelischen, also deutschen Schulkinder von 90 auf 93, also nur um 5 gewachsen ist, die der katholischen, also volnishen Kinder ven 328 auf 428, also um 100. In der Stadt Neuenburg ist die Zahl der evangelischen Schulkinder die gleiche geblieben, die Zabl der polnis-katholishen Kinder ist von 258 auf 387, mithin um 129 ge- wachsen. In der Schule zu Lemberg sind jeßt 28 evan- gelishe Kinder etwa } weniger und 27 katholische polnishe Kinder, gleichfalls etwa L mehr vorhanden. In Leibit\{ch im Kreise Thorn werden 24 deutshe Kinder weniger und 7 polnishe mehr gezählt, und so geht das fort. Von einer kleinen Stadt, Strasburg man glaubt zu- weilen, daß wenigstens die Städte ih in ihrem Deutschthum er- halten haben, ih nenne deshalb diefes Beispiel habe ih eine Ueber- siht erhalten über die Nationalität der Katholiken. Wir baben in der Stadt selbst unter den Katholiken 2766 Personen, die in der

Familie polnisch sprechen, und nur 80, die fih zur deutschen

petn E TIUEAI m ——

J "m Inserate für den Deutschen Reihs- und Königl, Preuß. Staats-Anzeiger und das Central-Handels-

| Nationalität

_Deffentlicher Anzeig

Steckbriefe und UntersuGungs-Sathen. 9, Industrielle Etablissements, Fabriken und

rechnen. Allerdings verstehen von den

Di j Her! Polen ungefähr 1000 deuts{, aber bei einem Vergleich

mit der

Nationalitätenstatistik aus der Mitte dieses Jahrhunderts ergeben |

ih zu Ungunsten des Deutschthums Verschiebungen so erheblicher Art, daß man ftußig werden muß. Das ift ebenso \{chmerzlich, daß seit einer

Reibe von Jahren die Deutschen nicht mehr im Besiß eines deutschen |

Gotteshauses find und naturgemäß mit Hülfe der Ertheilung des pol- nischen Religionëunterrihts Seitens der Geistlichen und der polnischen Einrichtungen der Kirche ganz dem Deutshthum verloren gehen.

Meine Herren! J habe in diesem allgemeinen Ueberblick meine Zweke . im Großen und Ganzen erfüllt. Das Haus hat wohl niht das Bedürfniß, diz Sache so eingehend wie in einer zweiten Lesung zu behandeln. Ich möhte nur nod an eine Bemerkung anknüpfen über die weiteren Positionen des Etats, die Stipendien u. \. w., die zum Gegenstand eines versteckten Zweifels gemacht worden sind.

Meine Herren! Ein Bougquet besteht aus einzelnen Blumen, und auch gewis\e Ziele werden durch eine Mehrheit von Maßregeln erreicht. Aber alle diese Vorschläge auf dem Gebiet des höheren Töchterschulwesens, des höheren Unterrihtswesens u. f. w., haben naturgemäß nur einen Zweck: diejenigen deutschen Elemente, auf deren Schutz die Regierung in den polnischen Landestbeilen mit Recht Werth legt, zu erhalten und zu kräftigen. Dazu sollen die Erleichterungen dienen, welche in dem Etat auf dem Gebiete des höheren Unterrichts vorgesehen sind. Bei den ungünstigen Erwerbsverhältnissen und äußeren Lebensbeziehungen ist es in den polnischen Bezirken den mittleren Klassen der Bevölkerung, namentlich ¿den kleineren deutshen Besißern in der That kaum mög- lih, ihre Töchter oder ihre Söhne in einer, ihren deutschen Bedürfnissen entsprehenden Weise zu erziehen. Diese 50 000 und 100000 M, die dafür von Ihnen verlangt werden, sind ja, wenn man sie vertheilt, den Bedürfnissen gegenüber nicht groß wir haben es ja z. B. zu thun mit jährlich über 500 Abiturienten allein von höheren Lehranstalten und Sie werden bei näherer Erwägung finden, daß es sich bei diesen Plänen um Summen landelt, die in sehr dankens8werther Weise verwendet werden können, die aber wirklih durch ihre Höhe nicht ershrecken. Wenn Sie sich das einmal genau ansehen, was Sie für diese Summen leisten können, so werden Sie finden, daß eine Verschwendung auf diesem Gebiete der Regierung siherlih nicht zum Vorwurf zu machen ift.

Wir müssen festhalten, daß die polnishe Agitation in rihtiger Grkenntniß der Umwälzung der sozialen Verhältnisse ihre ganze Kraft seit zwei Jahrzehnten daran gesetzt hat, den polnischen Mittelstand zu

Ls x M i A “n wi ° , À stärken. Die Zeiten sind in der That längst vorbei, wo in der polni-

| | | | |

hen Bevölkerung eine obere Schicht und eine untere Schicht, zioischen denen eine große Differenz {ih befand, allein bestanden. Das ist, dank der sehr guten preustiGen Schuleinrichtung, überwunden. Dieser Dank wird natürlich in sehr \{lechter Weise uns abgestattet. Wir haben Vereine, die nichts anderes thun, als die Kinder au aus den sogenannten besten Familien einer erwerbenden Thätigkeit zuzuführen und auf diese Weise die Kluft zwischen den beiden sozialen Schichten auszugleichen. Das ift ihnen mit Hülfe des „Marcinkowski'scen Vereins“, des „Vereins für die lernende Jugend in Westpreußen“, des früheren „Volksbildungsvereins*, des „Vereins zur Förderung der moralischen Interessen“ u. #. w. au in hohem Maße gelungen. Es werden in einer planmäßigen Weise abgesehen von dem geistlihen Stande Kräfte mit OùÙlfe von Vereinsstipendien, denen natürlich auch viele Privatstipendien Seitens der vornehmen Adeligen hinzutreten, beran- gebildet, sei es als Architekten, als Pharmazeuten, als Aerzte und Rechtsanwälte ; kurzum, auf jedem Gebiet, das ausgefüllt werden kann von cinem Polen, wird keine Anstrengung gescheut, um diejenigen Pläße zu erwerben, welche für die Ausbeutung des politishen Ein- lusses von Erheblichkeit sind. Weun cs heutzutage dabin ge- kommen ift, daß fast in jedem Kreise polnisGe Rechts- anwälte, Aerzte, Pharmazeuten, Baumeister u. #. w. angesessen sind, die Stipendiaten des „Marcinkowski'schen Vereins“ sind, fo kann man sagen, daß die polnishe Agitation im bestcn Flu5 fich befindet. Nah den Grundsätzen dieser Vereine müssen diese Stipendiaten später Mitglieder der Vereine werden (Widerspruch im Centrum) ja wohl! fie müssen sonst die Stipendien zurücfzahlen, das kommt aber kaum vor; einen Geistlihen kenne 1ch, der hat si einmal frei gekauft, sonst kenne i feinen sie müssen den Vereinen ihre Thätigkeit widmen, und die Erfahrung liegt vor, daß diese Agenten für den „Marcinkowsfi'’shen Verein“, welber sich an die politische Kreiseintheilung des preußischen Staats anschließt, zuglei die ener- gishsten politischen Agitatoren sind. Also auf diesem (Gebiete hat si in der That das Deutschthum in der Defensive zu fühlen. Wir sind in jenen Bezirken heute auf dem Gebiete des Aerztewesens, des Ayo- thelerwesens, des Baumeisterwesens kaum noch in der Lage, unseren deutshen Mitbürgern diejenigen Stellen zu sichern, die sie bis dahin unangefochten Jahrzehnte lang gehabt haben i

Meine Herren, i kann damit \{ließen. Es ist in der That eine sehr ernste Frage; es handelt sich nicht, wie Hr. Kantak Sie glauben machen will, um Ueberwältigung des polnishen Elements, jondern vor allen Dingen darum, der deut: chen Bevölkerung den er- forderlihen Schuß zu gewähren.

á B E S €EV L +2 Inserate nehmen an: die Anncncen-Expeditionen des

eeJuvalideudank“‘‘, Rudolf Mofse, Haafenfteiu

wie Lavaströme nah allen Seiten hin das polnishe Element ver |

register nimmt an: die Königliche Expedition } 1.

des Dentschen Reihs-Anzeigers und Königlich Prenßishen Staats-Anzeigers : Berlin SW., Wilhelm-Straße Nr. 32.

2. Zwangsvollstreckungen, Aufgebote, Vor- ladungen u. dergl.

3, Verkäufe, Verpachtungen, Verdingungen 2c.

4. Verloosung, Kraftloserklärung, Zinszahlung

Steckbriefe und Untersuchungs - Sachen. [3269] Steckbrief.

Gegen den unten beschriebenen Schneidermeister Nepomuk Szymanski von hier, am 21. Januar 1859 zu Czarnikau geboren, welcher flüchtig ist, ist die Untersuhungshaft wegen wissentlihen Meineides, wiederholten strafbaren Cigennußzes und Vergehens gegen die öffentlihe Ordnung verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Gerichtsgefängniß zu Potsdam, Lindenstr. 54, abzuliefern.

Potsdam, den 13. April 1886.

Der Untersuchungsrcichter bei dem Königlichen Landgerichte.

Beschreibung: Alter 27 Jahre, Statur \ch{lank über mittelgroß, Haare dunkelblond, Bart ohne Bart, Gesicht \{chmal, Gesichtsfarbe blaß. Kleidung E Ueberzieher, dunkler Anzug, \{chwarzer runder

ut.

[3493] Steckvriefs-Erneuerung.

Der unter dem 9. Dezember 1884 gegen den Landwirth Friedrich Wilhelm Adolf Storbee, ge- boren am 11. September 1842 zu Arneburg, wegen Betruges und wiederholter Unterschlagung in den Akten J. IV.C. 631. 83 erlassene Steckbrief wird hierdur erneuert.

Berlin, den 13. April 1886.

Königliche Staatsanwaltschaft beim Landgericht L. [3494] Steckbriefs-Erledigung.

Der gegen den Kellner Nobert Heise, geboren am 13. Juli 1856 zu Kvritz, unter dem 13. März 1884, in den Akten T. IT. B. 689, 81 erlassene Stebrief wird zurückgenommen.

Verlin, den 13. April 1886.

Staatsanwaltschaft bei dem Königlichen Landgerichte I.

[3492] Steckbriefs-Erledigung.

Der hinter den Knecht Carl Friedrich Wilhelm Maaf aus Justin und Genossen Seitens des Königl. Kreisgerihts zu Greifenberg i. Pom. unter dem 15, Juli 1879 erlassene, in Nr. 177 dieses Anzeigers pro 1879 veröffentlichte Steckbrief ist erledigt.

Stargard i. Pom., den 12. April 1886.

Der Erste Staatsanwalt.

[3495] Offenc Strafveollstreckungsreguisition.

Der Handlungsgehilfe Samuel Leiser Hartmaun aus Kobylagora, Kreis Schildberg, daselbst am 19. Februar 1862 geboren, zuleßt in Waldenburg wohnhaft, ist durch vollstreckbares Urtheil der Straf- kammer bei dem Königlichen Amtsgericht zu Walden- burg i. Schl. vom 2. März 1886 wegen Verletzung der Wehrpflicht zu einer Geldstrafe* von zweihundert Mart, im Unvermögensfalle zu 40 Tagen Gefängniß verurtheilt. Die Polizeibehörden werden um Mit- theilung des Aufenthaltsortes des Verurtheilten, die Gerichte und Staats8anwaltscaften aber ersucht, im Betretungsfalle die Strafe zu vollstreckfen und bier- von zu den Akten M. 11. 49/25 Nawricht zu geben.

Waldenburg, den 29. März 1886.

Der Staatsanwalt.

Zwangsvollftreckungen, M gevote, Vorladungen n. dergl.

Oeffentlihe Ladung.

Anszug.

Das Kal. Amtsgericht Landau a. I. hat auf An- trag der Klagspartei in Sachen: Höcherl, Maria, minderjährige Dienstmagd von Münster, und der Kuratel über deren außerehelihes Kind „Maria Aloisià", Beide vertreten durch den Vormund, den Soeldner Josef Geia von Münster, Gts. Strau-

[3374]

A u. \.w. von öffentlichen Papieren.

dorf, nun unbekannten Aufenthalts, mit Beschluß vom 8. April 1886, die öffentliche Zustellung der Klage bewilligt. Der Klagsantrag lautet, den Beklagten zu ver- urtheilen : 1) die Vaterschaft zu dem obenbezeihneten Kinde anzuerkennen, 2) einen monatlihen Ernährungsbeitrag vou 38 M während der ersten 13 Lebensjahre des Kindes, cinen jährl. Kleidungsbeitrag von 10 4 wal» rend der gleichen Zeitdauer, die Hälfte des seinerzeitigen Schulgeldes, die Hâlfte der allenfallsigen Kur- und Leichen- kosten, falls das Kind innerhalb der Ali- mentationsperiode erkranken oder sterben sollte, eine Tauf- und Kindbettkostenentshädigung von 15 M zu zahlen und sämmtlihe Kosten des Rechtsstreits zu tragen, ferner das seinerzeitige Urtheil für vorläufig voll- streckbar zu erflären, und wolle der Beklagte zur seinerzeitigen Verhandlung öffentlich geladen werden, Vom Kgl. Amtsgerichte Landau a. F. wurde zur mündlihen Verhandlung der Sache Termin auf Freitag, den 21. Mai 1886, Vormittags 8 Uhr, anberaumt, was dem Beklagten hiemit wegen un- bekannten Aufenthalts öffentlich zugestellt wird. Landau a. J., den 9. April 1886. Gerichtsschreiberei des Kgl. Amtsgerichts. Der Kgl. Sekretär : S): Drechsler. [3393]

Oeffentliche Zustellung.

Die Catharina Kneip, ohne Stand, Ebefrau von Georg Wilhelm Schulde, Küfer, Beide zu Lisdorf wohnend, vertreten durch Rechtsanwalt Leibl zu St. Johann, klagt gegen den genannten Georg Schulde, Küfer, zu Lisdorf wohnend, wegen Gütertrennung, mit dem Antrage:

die zwishen den Parteien bestehende eheliche Gütergemeinschaft für aufgelöst zu erklären und dieselben zur Massebildung und Auseinander- seßung vor Notar zu verweisen, fowie diesen zu ernennen, und ladet den Beklagten zur mündlihen Verhand- lung des Rechtsstreits vor die zweite Civilkammer des Königlichen Landgerichts zu Saarbrücken auf den 30. Juni 1886, Vormittags 9 Uhr, mit der Aufforderung, cinen bei dem gedachten Gerichte zugelassenen Anwalt zu bestellen.

Zum Zwecke der öffentlihen Zustellung wird dieser Auszug der Klage bekannt gemacht.

Saarbrücken, den 12, April 1886.

Cüppers, Affsit.,

Gerichtsschreiber des Königlichen Landgerichts.

[3387] Oeffentliche Zustellung.

Der Lehrer Iohann Roemer zu Dürrenbahh flagt gegen den Nikolaus Strenß, ohne Stand und be- fannten Wohnort, wegen baaren Darlehns von 48,00 M, mit dem Antrage auf Verurtheilung des Beklagten zur Zahlung von 48,00 4. nebst 5 9/0 Zinsen vom 4. Juli 1885 ab und ladet den Be- agten zur mündlichen Verhandlung des Recchts- treits vor das Kaiserliche Amtsgeri®t zu Wörth

auf Donnerstag, den 20. Mai 1886, Vormittags 9 Uhr.

Zum Zwecke der öffentlichen Zustellung wird dieser

Auszug der Klage bekannt gemacht. (L, S.) Lorang, Gerichts\hreiber des Kaiserlihen Amtsgerichts.

[3390] Vekanntmachung. Zwischen den Eheleuten Heinrich Schroeder, Wirth, und Elise Heselmann zu Devant-les-Ponts wurde

bing, gegen Kugler, Erhard, led., großj., Oer gesellen von Uffenheim, zuleßt wohnhaft in Eichen-

dur Urtheil der I. Civilkammer des Kaiserl. Land-

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Beilage. M.

mit Wirkung von 27. Februar 1886 ausgesprochen. Notar Marßloff in Metz ist mit Auseinanderseßung der gegenseitigen Vermögensansprüche der Parteien beauftragt.

Publizirt gemäß des Ausf.-Gef. v. 8./7. 79.

Met, den 10. April 1886.

Der Landgerichts-Sekretär: Megtger.

[3389] Bekanntmachung.

Durch Urtheil der I. Civilkammer des Königlichen Landgerichts zu Elberfeld vom 16. März 1886 ist die zwishen den Eheleuten Handelsmann Mar Simson zu Elberfeld und der Rofalie, geb. Strauß, zu Düffeldorf bisher bestandene ehelihe Güter- gemeinschaft mit Wirkung vom 11. Januar 1886 für aufgelöst erklärt worden.

Der Landgerichts-Sekretär Schuster. Vekanutmachung. (Armenrechtsfache.)

Die Chefrau des Zimmermanns Wilhelm Neu- mann, Lina, geborene Ziege, zu Metz wohnhaft, klagt auf Auflösung der zwischen ihr und ihrem Ebemann bestehenden Gütergemeinschaft und Verweisung vor cinen Notar zur Auseinanderseßzung der gegenseitigen Vermögensansprüche. Zur Verhandlung des RNechts- streits ist die Sizung der 1. Civilkammer des K. Landgerichts zu Met vom 9. Juni 1886, Vorm. 9 Uhr, bestimmt.

Met, den 13. April 1886.

Der Landgerichts-Sekretär : Metzger.

[3391]

[3394]

_Die Ehefrau des Schreiners Heinrich Ioseph Heck, Elisabeth, geb. Wilden, ohne besonderes Ge- schäft, zu Horrem wohnhaft,

vertreten durch Recht8anwalt Resch zu Köln,

klagt gegen ihren vorgenannten Ehemann auf Gütertrennung.

Zur mündlicen Verhandlung ift Termin auf Dienstag, den 8. Juni 1888, Vormittags 9 Uhr, im Sitzungssaale der 11. Civilkammer des Königlichen Landgerichts zu Köln anberaumt.

Köln, den 9. April 1886.

Res, Rechtsanwalt. Vorstehender Auszug wird hiermit veröffentlicht. Kölu, den 13. April 1886. Pulvermacher, Aktuar, als Gerichtsschreiber des Königlichen Landgerichts.

[3395] Urtheils-Auszug.

In Sachen der zu Blatzheim bei Kerpen wohnenden Chefrau des Ackerers und’ Wirthen Jakob Swoenen, Elisabeth, geborene Hoh, ohne Geschäft, Klägerin, vertreten durch Rechtsanwalt Resch, gegen den zu Blaßheim bei Kerpen wohnenden Ackerer und Wirth Jakob Schoenen, Beklagten,

hat das Königliche Landgericht, 11. (ivilkammer, zu Köln durch Urtheil vom 18. März 1886 die zwischen den Parteien bestehende eheliche Gütergemeinschaft für aufgelöst erklärt, an deren Stelie vollständige Gütertrennung ausgesprochen und die Parteien behufs Auseinanderseßzung vor den Königlichen Notar Remy zu Köln verwiesen.

Köln, den 10. April 1886.

W. Resch, L Rechtsanwalt. Vorstehender Auszug wird hiermit veröffentlicht : Kölu, den 1ck Wsril 1886. « Pulvermacher, Aktuar, als Gerichts\hreiber des Königlichen Landgerichts.

gerichts zu Metz vom 6. April 1886 Gütertrennung | [3396] Urtheiis-Auszug.

s

_In Sachen der gewerblosen Clementine Fritz, Ehe- frau des Kaufmanns Ludwig Grosjean, zu Aachen wohnend, Klägerin, vertreten durch Rechtsanwalt Kaeuffer, gegen den Kaufmann Ludwig (Srosjean in Aachen, Beklagten, hat die I. Civilkammer des Königlichen Landgerichts zu Aachen dur rechts- kräftiges Urtheil vom 16. März 1886 fürFRecht erkannt:

„S8 wird die zwischen der Klägerin und ihrem beklagten Ehemanne bisher bestandene eheliche Güter- gemeinschaft für aufgelöst erklärt, Gütertrennung ver- ordnet, Parteien werden zur Auseinandersctzung ihrer Vermögzensrechte vor den Notar Groten in Aachen verwiesen und hat der Beklagte die Kosten des Rechts- streits zu tragen.

Aachen, den 9. April 1886.

Bernards, Assistent,

Gerichtsschreiber des Königlichen Landgerichts.

[3397]

Nr. 6512, Die mit diesseitiger Verfügung vom 16. Februar d. I. Nr. 2590 erkannte Beschlagnahme des Vermögens des Johann August Fettig von Steinmaucrn wird aufgehoben.

Rastatt, den 11. April 1886.

Großherzoglihes Amtsgericht. Farenschon.

Verkäufe, Verpachtungen, Verdingungen 2e.

Holz-Verkauf in der Oberförsterei Limmrit.

Am Donnerstag, den 29. April cr., von Vormittag 10 Uhr ab, sollen im Lange’ schen Gasthause zu Limmriß die im Jagen 77 des Schutz- bezirks Trebow lagernden

679 Stück Kiefern Bauholz mit Inhalt im Ganzen oder in großen Loosen öffeutlih meist- bietend verkauft werden.

Die Abfuhr zum flößbaren Wasser ist bequem und nah.

Limmritz, den 14, April 1886.

Der Oberförster. Danz.

[3277]

1044 fm

[3405]

Df 1, April

Bekanntmachung. ih voraussfihtlich in dem Zeitraume vom 1886 bi8 31. März 1887 ergebenden Materialienabgänge auf den Königlichen Steinkohlengruben bei Saar- brücken, als: 39 000 kg verbranntes Gußeisen,

114000 altes Gußeisen, 729000 Smiedeeisenabfälle, 17000 altes Kesselbleh, 96000, altes Eifenblech dünncrer Dimen- fionen, 157 000 alte Drahtseile, 1 300 gebrauchte UAloeseile, 2 000 ú Hanffeile, 6 700 Stahlabfälle, 69 000 Tempergußabfälle, 7700 altes Zink und Zinkblec, 14 400 Drehspäne von Schmiedeeisen, 8100 « Gußeisen, 230 Bummiabfälle, 600 Lederabfälle, 4800 Oeltrübe, follen, soweit sie nicht zu eigenen Zwecken verwendet werden, im Wege der öffentlichen Ausschreibung n den Meistbietenden verkauft werden.

Die Bedingungen können bei der Unterzeichneten eingesehen, oder auch auf porto- und bestellgeldfreie L von 0,20 # von derselben bezogen werden,