1886 / 97 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Prioritäts-Obligation Nr. 162 hierdur< wiederholt und mit dem Bemerken aufgerufen, daß ihre Verzinsung mit dem 1. Juli 1885 aufgehört hat.

Die Staats\schulden-Tilgungskasse kann H in einen Schrift- wechsel mit den As der Sbeicatianen über die Zahlungs- leistung nicht einlassen.

Formulare zu den Quittungen werden von den sämmt- lichen obengedahten Kassen unentgeltli<h verabfolgt.

Berlin, den 20. April 1886.

Hauptverwaltung der Staatsschulden. Sydow.

VMeranntmaGutés, betreffend die Ausreichung neuer Zinsscheine (Reihe IV) zu den Schuldverschreibungen des vormals Kurhessi- schen Staatsanlehns vom 1. Juni 1863.

Die Zins\cheine Reihe IV Nr. 1 bis 8 zu den Schuldverschrei- bungen des obigen Anlehns für die Zeit vom 1. Mai 1886 bis Ende April 1890 nebst Anweisungen (Talons) zur Abhebung der Zins\<heine Reihe Y werden vom 20. Mai d. J. ab von der Königlichen Regierungs-Hauptkasse hierselbst im hiesigen Regierungsgebäude, hohes Erdgeschoß, Zimmer Nr. 18, Vormittags von 9 bis 124 Uhr, mit Ausnahrne der Sonn- und Festtage, ausgereicht. E:

Die neuen Zinsscheine und Anweisungen können bei der genannten Hauullasie felbst in Empfang (R oder dur< die auswärtigen

teuerkassen des diesseitigen Bezirks, die Königlichen Regierungs- Hauptkafsen zu Wiesbaden, Minden und Arnsberg, sowie dur< Ver- mittelung der Königlichen Staats\hulden-Tilgungskafse in Berlin und des Bankhauses M. A. von Rothschild & Söhne zu Frankfurt a. M. bezogen’ werden.

Die alten Talons (d. h. die Anweisungen zur Abhebung der Zinsscheine Serie IV) sind bei den obenbezeihneten Kassen oder dem genannten Bankhause mit einem in duplo aufzustellenden Verzeichnisse derselben, wozu die Formulare bei den sämmtlihen vorgedachten Stellen unentgeltli<h zu haben sind, dur<h den Inhaber oder einen Beauftragten in Perfon abzugeben.

Die Einreicher erhalten das eine Exemplar des Verzeichnisses, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, \ofort zurü> und haben dasselbe bei Aushändigung der neven Zinsscheine 2c. quittirt wieder abzuliefern.

Diejenigen, wel<he die neuen Zinsscheine bei der hiesigen Re-

ierungs-Hauptkafse unmittelbar empfangen wollen, brauchen, wenn Bien eine numerirte Marke als Empfangsbescheinigung genügt, das obige Verzeichniß nur einfa< einzureichen, und haben bei dem- nähstigem Empfang der neuen Zinsscheine 2c. die Marke zurü>zugeben.

In Shriftwe<sel kann si<h behufs Ausreihung der neuen Zinsscheine mit den Inhabern der alten Talons im Allgemeinen nicht eingelassen werden.

Des Einreichens der Schuldverschreibungen selbst bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine 2c. nur dann, wenn die alten Talons abhanden gekommen find. In diesem Falle sind die betreffenden Schuldverschreibungen an die Regierungs-Hauptkasse hier mittelst be- sonderer \chriftliher Eingabe einzureichen.

Shließlih machen wir darauf aufmerksam, daß die Anweisung zur Abhebung der Zinsscheine Reihe V die demnächftige Ausreichung von 20 Stück Zinsscheinen für einen Zeitraum von zehn Jahren vom 1. Mai 1890 bis 30. April 1900 verspricht.

Kassel, den 16. April 1886.

Königliches Regierungs-Präsidium. Magdeburg.

Nichtamtliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 22. April. pur Beide Kaiser- lihe Majestäten und die hier anwesenden Mitglieder der Königlichen Familie fand heute im Königlihen Palais die heilige Abendmahlsfeier statt.

Jn der am 21. d. M. unter dem Vorsitß des Staats- Ministers, Staatssekretärs des Fnnern, von Boetticher, ab- gehaltenen Plenarsißung ertheilte der Bundesrath den Geseßentwürsen, betreffend die Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forstwirthschaftlihen Betrieben beschäftigten Personen und, betreffend die Unzulässigkeit der Pfändung von Eisenbähn - Fahrbetriebsmitteln, in den vom Reichstage bes{lossenen Fassurigen die Zustimmung. Den zuständigen Aus- shüsjsen wurden überwiesen : der vom Reichstage angenommene, von den Abgeordneten Ausfeld und Genofsen eingebrachte Entwurf eines Geseßes, betreffend die Abänderung des Zolltarifgeseßes, die Uebereinkunft mit Großbritannien zum gegenseitigen Schuß der Rechte an Werken der Literatur und Kunst und die Vorlage wegen zollfreier Ablassung metallener, zum Schiffbau bestimmter Materialien. Von der Ertheilung der Decharge dur< den Reichstag für die Rehnung der Kasse der Ober- Rechnungskammer für das Etatsjahr 1883/84, insoweit dieselbe sih auf die Reichèverwaltung bezieht, nahm die Versammlung Kenntniß und beschloß, auf Eingaben, betreffend die Tara- vergütung bei der Verzollung von Honig in Fässern und wegen Erhebung einer örtlichen Verbrauhsabgabe von Braumalz, ab- lehnendèn Bescheid zu ertheilen, einer Eingabe, betreffend die Anstellungsverhältnisse der Militär - Anwärter bei der Eisenbahn - Verwaltung in Elsaß - Lothringen, wegen Nithtershöpfung des FJnstanzenzuges keine Folge zu geben. Endlich wurde auf Anträge beztiglih Feststellung des Ruhe- gehalts mehrerer Reichsbeamten, über Ergänzung der Nr. 15 der Ausführungsvorschriften zum Reichs-Stempelgeseß, über die dem Kaiser wegen Beseßung einer Senats-Prästidenten- und se<s Rathsstellen beim Reichsgericht zu machenden Vor- schläge, sowie über die geshäftlihe Behandlung von Eingaben Beschluß gefaßt.

Die Erregung ungebührlichen, ruhestörenden Lärmens in einem Miethshause, dur< welchen nicht nur die in persön- licher Beziehung zu der Ruhestörung oder zu dem Ruhestörer stehenden Personen, sondern au<h die übrigen Hausbewohner gestört werden, ist na<h einem Urtheil des Reichs-

erichts, I. Strafsenats, vom 22. Februar d. J., als Ruhe- tórung aus 8. 360 Z. 11 des Stralgefebhuds zu bestrafen. „Allerdings ist der Revision (des Angeklagten) zuzugeben, daß nah der richtigen Auslegung der angeführten Gesetzesstelle S 360 Z. 11) nur Derjenige si< einer Verleßung dieser

trafnorm schuldig macht, welcher das J15likum als solhes , im Gegensag zu einzelnen Personen oder individuell begrenzten Personenkreisen gefährdet oder ungebührlih belästigt. Allein der Begriff des Publikums als eines nicht individuell begrenzten Personénkreises ist nicht nothwendig dadur< ausgeschlossen, daß diese Personen ih in einem besonderen, abgegrenzten

Raume oder Gebäude befinden. Die mögliher Weise sehr zahlreichen Bewohner eines Miethshauses, die zu einem nit im Hause wohnenden Dritten außer jeder Beziehung stehen und diesem vielleiht weder ihrer Zahl, noch ihrer Jndividualität nach bekannt sind, können dem Dritten gegenüber unter Um- ständen auch als ein Theil des Publikums angesehen werden. Wenn, wie hier, eine Ruhestörung nicht auf den häuslichen Kreis, welhem der Thäter angehört, oder auf die Personen, welchen das vom Jnstanzgerichte festgestellte „Toben“ zunäcst galt, beschränkt blieb, daru „überall im Hause“ gehört wurd?2, also au< in andere Temes drang, deren cFnhaber außer aller persönlichen Beziehung zu dem Vorgange und seinen Veranlassern stehen, wenn also die Ungebühr der Thäter nicht auf den Konflikt mit bestimmten Hausbewohnern vejhränkt blieb, sondern in die Allgemeinheit heraustrat : so konnte eine solche FORARCREE ohne Rechtsirrthum als ein Angriff auf die Ruhe und den Frieden einer unbestimmten Anzahl von Personen angesehen werden.“

Der Kaiserliche Gesandte am Königlich dänischen Hofe, Legations-Rath Stumm, hat einen ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub angetreten. Während der Abwesenheit desselben von Kopenhagen Es der Legations: Sekretär Freiherr von Gärtner-Griebenow als interimistisher Geschäftsträger.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Fürstlich s{<warzburg-sondershaus E Staats-Minister Reinhardt ist von hier wieder abgereist.

S. M. Kreuzer „Nautilus“, Kommandant Korvetten- Kapitän Rötger, ist am 22. April cr. von Hongkong nach Nagasaki in See gegangen.

S. M. Kanonenboot „Wolf“, Kommandant Kapitän- Lieutenant Jaeschke, ist am 21. April d. J. in Plymouth eingetroffen und beabsichtigt am 25. dess. Mts. die Weiter- reife fortzuseßen.

Württemberg. Stuttgart, 20. April. (St.-A. f. W.) Der Prinz und die Prinzessin Wilhelm von Württemberg, welhe am 16. d. M. zum Befuch Jhrer Königlichen Majestäten nah Nizza abreisten, sind, ein- gegangenen Nachrichten zufolge, am leßten Sonntag Mittag wohl- behalten daselbst eingetroffen. Fhre Königlichen Hoheiten wurden am Bahnhof von den Flügel-Adjutanten Oberst Freiherrn von Molsberg und Major Freiherrn von Reißenstein im Auftrage des Königs empfangen und in dieVillaBoutau geleitet, wo die herzlichste Begrüßung mit Jhren Königlichen Majestäten stattfand. Die Prinzlichen Herrschaften find als Gäste des Königs in dem zur Villa Boutau gehörigen Chalet einquartiert, in dem vor Kurzem auch Prinz Hermann zu Sachsen-Weimar und Staats- Minister von Mittnacht wohnten.

April.

Mecklenburg - Shwerin. Schwerin, Al: (Medl. Anz.) Jn der Schloßkirhe fand gestern die Feier der Einsegnung der Herzogin Elisabeth und des Herzogs Friedrih Wilhelm statt.

Oldenburg. Oldenburg, !2, April. Jn Uebereinstim-

mung mit der Landessynode is ein Ges et, betreffend De Emeritirung evangelifher Pfarrer, erlassen. worden,

_na< welchem ein Pfarrer, wenn für denselben wegen körper-

lichen oder geistigen Unvermögens das Bedürfniß einer Hülfs- leistung dauernd besteht und ni<ht dur< Beigebung eines Hülfspredigers ohne Unzuträglichkeiten Abhülfe geschafft wer- den kann, in den Ruhestand zu verseßen ist. Das Ruhegehalt eines emeritirten Pfarrers beträgt 4/; des Diensteinkommens der zuleßt von ihm bekleideten Stelle, unter Abzug des etwa abzugebenden Betrages und unter Hinzurechnung einer etwaigen Alterszulage fowie eines Beitrages von 250 44 für die Dienst- wohnung, jedo<h soll das Nuhegehalt 4000 # nicht über- schreiten. Die Ruhegehalte werden aus der allgemeinen Pfarrer- Pensionskasse bezahlt. Gleichzeitig ist auch das Gefeßz, betreffend die Disziplinarbestrafung der Kirchen- beamten, publizirt worden.

Oesterreih-Ungaru. Wien, 21. April. Die „Wiener Zeitung“ veröffentlicht das Finanzgeseß für das Fahr 1886 vom 20. April 1886. Die hier weilenden rumänis<hen Delegirten zu den Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Handelsvertrages, Minister des Aeußern, Pherekyde und Gregoire Ghika, haben vorgestern im Verlaufe des Tages Ren mit dem Minister des Aeußern, Grafen Kälnoky, und Sektionshef von Szögyény ge- habt und wurden heute von dem Kaiser in Privat- audienz empfangen. Heute um 1 Uhr Mittags be- aues im Ministerium des Aeußern die formellen V er- andlungen unter dem Vorsiß des Ersten Sektionschefs im Ministerium des Aeußern, von Szögyény. An denselben nahmen außer den oben genannten rumänischen Delegirten ungarischerseits Staatssekretär von Matlekovics und Sektions- Rath Mihälovics, österreichisherseits Sektions-Rath Baron Kalchberg und Ministerial-Sekretär Stybral und Seitens des gemeinsamen Ministeriums des Aeußern Sektions-Rath Baron Glanz und Hossekretär Baron Biegeleben, Leßterer als Schrift- führer, Theil. Die Konferenz wurde hier geschlossen, und es werden die Unterhandlungen in Bukarest fortgeseßt werden.

(W. T. B.) Der General-Major Blazekovic ist heute zum Statthalter für Dalmatien ernannt worden.

Großbritannien und Frland. London, 20. April. (Allg. Corr.) Jm konservativen Lager herrscht große Verstimmung darüber, daß die Führer der Partei beschlossen haben, sih einer thätigen Betheiligung an dem Osterfeldzuge gegen die irishen Reformvorschl äge der Regierung zu enthalten. Sir Michael Hi>ks-Beach wird am 29. d. in Bristol sprechen, und Tags darauf wird Baron Henry de Worms eine An- sprache an ein großes konservatives Meeting in Dewsbury halten, allein die eigentlihe Agitation wird den Whigführern und den früheren Ministern Chamberlain und Trevelyan überlassen werden. Wie die „Preß Association“ erfährt, wurde Brands Antrag gegen die zweite Lesung der irishen Homerule- Vorlage auf Veranlassung des Marquis von Hartington so zeitig auf die Tagesordnung des 10. Mai gestellt, um derselben den ersten Plat zu sichern. Sollte keine ähnlihe Resolution angemeldet werden, so wird die Verwerfung der Vorlage wahrscheinlich von Lord Hartington selber bcantragt werèen. Jn konservativen Kreisen nimmt man an, daß 14 scot- tishe liberale Abgeordnete gegen die zweite Lesung der Homerule-Vorlage stimmen werden. Die Haltung von $8 oder 10 schottischen Liberalen wird als zaudernd bezeichnet. Die Debatte zur zweiten Lesung der rgan Ver- waltungsvorlage wird voraussihtlih drei Wochen dauern.

Die Abstimmung dluse am 25. Mai erfolgen. Es heißt, daß, wenn die zweite Lesung nur mit einer kleinen Mehrheit ge- nehmigt wird, Mr. Gladstone die Vorlage zurückziehen und im nächsten Jahre einen neuen Plan vorlegen werde. Hause der Gemeinen herrs{ht die Annahme vor, daß der Premier nah Ostern vorbereitet sein werde, die Vorlage weiter umzuändern, um die radikalen Gegner derselben zu versöhnen. Jn diesem Falle würde das Reichs-Parlament wahrscheinli die Befugniß behalten, alle Akte des irishen Parlaments zu revidiren, während das Landankaufsgeseß beträchtlih ein- geshränkt werden wird. Man glaubt, daß ohne derartige durchgreifende Aenderungen keine Aussicht auf Genehmigung der Vorlagen Seitens des Unterhauses vorhanden fei.

21. April. (W. T. B.) Der ehemalige Vizekönig von Jrland, Spencer, hielt bei einem Meeting in New-Castlé eine Rede, in welcher er nahdrüc>li<h für die Politik des Premiers Gladstone bezüglih Frlands eintrat und erklärte: das einzige Mittel, den Frieden wiederherzustellen, sei eine Ver- söhnungspolitik zu acceptiren und Zwangsmaßregeln ganz fallen zu ian, Er sei überzeugt, daß die Deputirten Jrlands in keiner Weise für die {himpflihen Verbrechen in Jrland verantwortlih gemaht werden könnten, und glaube: die if ien des irischen Parlaments würden ihre Pflichten treu erfüllen.

Chamberlain erklärte si< in Birmingham ent- schieden gegen die Landankaufs-Bill, hob aber gleih- zeitig hervor, daß seine Opposition gegen die irische Ver- waltungs-Bill nur eine bedingte sei. Wenn die Regierung sih dazu verstehe, die Amendements anzunehmen, denen zufolge irische Vertreter dem englischen Parlament angehören müssen, und für die Provinz Ulster eine besondere Versammlung zu- zulassen sei, so werde er erfreut sein, die Bill unterstüßen zu können; andernfalls werde er sie offen bekämpfen.

Bradford, 21. April. (W. T. B.) Bei der Neu- wahl eines Deputirten an Stelle des verstorbenen Forster wurde Lefèvre (liberal) mit 4407 St. gewählt ; der fonservative Gegenkandidat Hoare erhielt 3627 St.

Frankreich. Paris, 21. April. (W. T. B.) Die Deputirtenkammer genehmigte heute den Anleihe- Geseßentwurf mit den vom Senat beschlossenen Ahb- änderungen. Bei der Spezialberathung der Vorlage, betreffend die Ausstellung im Fahre 1889 wurden die Anträge, wonach die Aussteller für ihren AussteUungsraum zahlen und fremdes Baumaterial sowie fremde Arbeiter von den Ausstellungsbauten ausgeschlossen werden sollten, abgelehnt und die Vorlage in der Schlußabstimmung unverändert mit 50 gegen 151 Stimmen angenommen.

Der Senat hat sich bis zum 25. Mai vertagt.

‘Dem „Temps“ zufolge soll der französis<-<inesishe Vertrag am 25. d. M. unterzeihnet werden.

Heute

Jtalien. Rom, 21. April. (W. T. B.) wurde ein Ministerrath abgehalten. Die Zeitungen melden

übereinstimmend: das D ekret, betreffend die Auflösung

der Kammer, werde am Montag erscheinen.

Griechenland. Athen, 21. April. (W. T. B.) Das amtlihe Blatt veröffentliht die in der letten Session der Deputirtenkammer votirten Gesetze, betreffend die Vermehrung der Cadres, die Aufnahme einer Anleihe und die Einführung des Zwangscourfes.

Türkei. Konstantinopel, 21. April. (W. T. B.) Der russische Botschaster von Nelidoff hierselbst und der russische Gesandte in Athen sind heute nah Livadia abgereist. Server Pascha wird sich am Freitag ebendorthin begeben. Schakir Pascha ist nah Sofia abgereist und überbringt dem Fürsten Alexander den Ferman über Ernennung deffelben zum General-Gouverneur von Ost-Rumelien.

Rumänien. Bukarest, 22. April. (W. T. B.) Der hiesige russishe Gesandte Urusoff ist gestern nah Li- vadia abgereist. Der Kriegs-Minister Angelescu geht am Sonnabend dahin ab.

Afrika. Egypten. (Allg. Coxr.) Aus Kairo wird dem NReuterschen Bureau unterm 20. d. gemeldet: Die britische Negierung hat den Vorfchlag der egyptischen Negierung angenommen, daß nämli ein Delegirter nah Wady Halkfa gesandt werde, der als Vertreter des Khedive mit den Rebellen unterhandeln soll. Der Delegirte ist indeß no< ni<ht ernannt worden. Dagegen wird von anderer Seite aus Alexandria unterm 20. d. berichtet: Die Eingeborenen zwischen Wady Halfa und Afffsiut behaupten, daß die Rebellen si< zum Vormarsch beim Steigen des Nils, im Angust, vorbereiten. Sie erwarten, der Feind werde geradeswegs auf der Wasser- straße nah Wady Halfa kommen. Die theilweise Zurü>- ziehung der Truppen hat die früher bemerkten friedlichen Neigungen ins Sto>en gebracht.

Zeitungsstimmen.

Die „Berliner Zeitungs-Correspondenz“ bemerkt über die Ge in Deutschland und Oesterreich:

Von Seiten derjenigen, die niht müde werden, die Politik des Fürsten Biêmar>k, namentlich au<h auf wirthschaftlichem Gebiet zu verdammen, wird zwar geflissentlih jedes Vorkommniß registrirt, das die deutsche Industrie in ungünstigem Lichte, in bedrängter Lage erscheinen läßt, aber die Thatsachen, aus denen hervorgeht, daß die Industrie des Auslandes mit derselben, wenn nicht einer no< \{wereren Noth- lage zu kämpfen hat, werden ebenso geflissentlih todtgeshwiegen. Es ist das ein altes bekanntes Manöver, wel<hes aber gewiß nicht zu Gunsten derjenigen spricht, die sih niht scheuen, es anzuwenden. Es wird nun auch den Freunden der heutigen Wirthschaftspolitik nicht in den Sinn kommen, zu behaupten, daß die deutsche Industrie si einer glänzenden Prosperität erfreue ; folhe Behauptung wäre grundfals, da leider auch ute Industrie unter höchst mißlihen Verhältnissen zu leiden hat, do<h find wir der Ansicht, daß es unseren Produzenten immer no<h besser geht als denen der anderen Länder. Als Beweise dafür können zahlreihe Fälle und Klagen vorgeführt werden, die im Auslande erhoben worden sind, und die von einer Art sind, wie sie in Deutschland doch bisher glücklicherweise noch nicht laut wurden. So wird neuerdings, um eines der vielen Bei- spiele zu citiren, aus Oesterrei berichtet, di die hervorragendsten Firmen auf dem Gebiete der Waggon- und P aschinenbau-Industrie zur Kenntniß des Handels-Ministeriums gebracht haben, daß sie wegen Mangels an Bestellungen genöthigt jeien, einen großen Theil ihrer Arbeiter zu entlassen. Um nun dieser drohenden Kalamität re<tzeitig vorzubeugen, wurde die Vermittelung des Ministeriums angerufen, insbesondere in der Nichtung, daß jene Fahrbetriebsmittel, welche im Laufe der nächsten Jahre benöthigt werden, chon jeßt zur Bestellung gelangen, so daß den Fabriken die Möglichkeit geboten werde, die Beschäftigung ciner

bestimmten Zahl von geshulten Arbeitern mit Sicherheit für längere Zeit in Aussicht zu nehmen. Der Handels-Minister hat in Folge dessen eine Enquete einberufen, an wel<her sowohl Delegirte der Eisenbahnen, als auch der betheiligten Fabriketablissements theilnehmen jollen, und die Mittel und Wege finden soll, um der Kalamität vorzubeugen.

Wir sehen alfo hier eine ganze große Industrie in einer solchen Nothlage, daß sie den direkten Schutz der Regierung anrufen muß, und wir sehen, daß der Regierung nihts anderes übrig bleibt, als die Mittel zu suchen, die geeignet sind, der Nothlage jener Industrie- branche, die damit in ihrem ganzen Umfange als erwiesen zu be- trachten ift, zu begegnen.

Derartiges is in Deutschland do< no< nicht vorgekommen. Die Industrie und selbs diejenigen Branchen, die am meisten zu klagen haben, haben si< bisher no< nicht in der Lage befunden, in der sih beispielsweise die öôsterreihis<he Maschinenindustrie befindet. Der Schritt, den dieselbe mit ihrer Mittheilung an die Regierung unternommen hat, harafkterisirt si< als ein Schritt der Ver- zweiflung, da daraus hervorgeht, daß die Fabrikanten alle und jede Ausficht auf Besserung, ja nur auf Fortbestehen des gegenwärtigen Umfanges ihres Geschäftes verloren haben. So weit sind wir in Deutschland denn do<h niht, so \{le<t geht es unserer Industrie niht. Deshalb ist es ganz gut, sol<he Beispiele in Deutschland bekannt zu machen, da daraus evident hervorgeht, daß die deutsche Wirthschaftspolitik zum Niedergang der Industrie do<h gewiß

, nicht beigetragen hat.

De „Berliner Politischen schreiben :

Die Gegner der Schutzzollpolitik su<en immer neue Objekte hervor, um mittelst derselben beweisen zu können, daß die wirthschaft- lihe Nichtung, wel<he in Deutschland herrscht, eine verderbliche fei. Diesmal foll es die chemische Industrie fein, deren Untergang die Freihändler vorausfagen. Jn dem Handelsberihte eines großen und angesehenen Handel8hauses der <hemis<hen Branche wird wenigstens behauptet, daß diese Industrie einem langsamen Dahinsiehen geweilt sei und daß das Schutzzollsystem die Schuld daran trage.

Wie gewöhnlich beruht dieses Urtheil wieder auf einer einseitigen Schlußfolgerung. Nach den Feststellungen des „Vereins zur Wah- rung der Interessen der chemischen Industrie Deutschlands“ ist näm- lih die dur<s<nittlide Dividende der <hemis<hen Aktienfabriken, die 1882 12,82 9/0, 1883 no<h 10,02 % betragen hatte, im Jahre 1884 auf 7,96 9/0 zurückgegangen. Dieses Zurückgehen der Rentabilität ist aber da- durch hervorgerufen worden, daß die Zahl der Fabriken gewachsen ift, daß die darin angelegten Kapitalien vergrößert worden sind und daß die so gesteigerte Konkurrenz die Preise gedrückt hat. Wenn, wie 1584 kon- \tatirt wurde, die Anzahl der beschäftigten Arbeiter im vorausgegan- genen Jahre um 9,2 9%/0 zugenommen hat, so kann man nicht von einem Dahinsiechen der betreffenden Industrie \pre<hen. Wenn es ge- lungen ist, die fremden Importe heimisher Produkte auf dem heimi- \<en Markte mehr und mehr zurü>zudrängen, wenn man auch im Aus- lande der Konkurrenz erfolgreich die Spitze bieten konnte, fo sind das Er- folge, die auf das Gegentheil der freihändleris<hen Behauptungen schließen lassen. Hochinteressant ist aus dem 1885er Berichte des genannten Vereins über die Geschäftsthätigkeit aber folgende Bemerkung: „Der außer-

ordentlichen Steigerung der Produktion stand außer der Zunahme des Grports au<h eine beträchtlihe Zunahme des inländishen Konsums gegenüber, und da die Fabrikate der chemischen Industrie fast aus- [hließlih als Hülfsprodukte anderer Industriezweige ihre Verwerthung finden, so darf man hieraus auf eine allgemeine Steigerung der ge- werblichen Thätigkeit im Inlande überhaupt \{ließen.“

Die chemische Industrie hat überhaupt fast gar keine Zölle. Im Wesentlichen hat 1879 nur die Soda- Industrie einen größeren Schuß erhalten. Nun giebt es aber kaum ein Beispiel, das fo \<hlagend für die Zollpolitik von 1879 spricht, wie die Erhöhung des Sodazolls. Mit Hülfe dieses Zolls is es nämli<h gelungen, die englische Soda fast ganz vom deutschen Markt zu verdrängen. Die dadurch gesteigerte

roduktion gestattete den erstarkten inländischen Fabrikanten niedrigere Verkaufspreise und die Konsumenten beziehen ihre Soda heute nit theurer, fondern billiger als vor der Zollerhöhung.

An dem Rückgang der Rentabilität in der rheinis<hen Industrie partizipiren übrigens vorzugsweise die Anilin- und Alizarinfarben- Fabriken fowie die Superphosphat-Fabriken. Auf beide Zweige hat der Zolltarif von 1879 gar keinen Einfluß gehabt.

Die „Me&Elenburgishen Anzeigen“ äußern in der Politischen Wochenübersicht über die Lage der Land- wirthschaft :

Im preußischen Abgeordnetenhause hat cine Interpellation der deutshkonfervativen Fraktion Anlaß zu langen Erörterungen über die Nothlage der Landwirthschaft und die Mittel, dieselbe zu beben, ge- geben. Die Nothlage beschränkt sih nicht auf die Landwirthschaft, sie ist eine allgemeine. Industrie und Gewerbe leiden au<h. Wir sind aber in einem Stadium der wirths<aftlihen Depression, die ih in anderen Ländern noh fühlbarer macht wie in Deutschland, die aber für uns einfa unerträglih sein würde, wenn wir nicht re<tzeitig zu einem Wirthschafts\ystem übergegangen wären, welches den inländischen Konsum in erster Linie auf die inländis<e Produktion verweist, (Es lind verschiedene Mittel in Vorschlag gebraht worden, der Landwirth- schaft zu helfen. Zunächst Uebergang zur Doppelwährung. Das Experiment ist \{<wierig, es ist gefährlich und es garantirt doch no< keinen siheren Erfolg i

Man sagt allerdings, die Preissteigerung sei die nothwendige Folge, wenn mehr Geld ausgeprägt werde. Aber fehlt es denn an ih an Geld? Man frage einmal bei den Banken nah. Es feblt niht an Geld, es roulirt nur nicht; es sto>t in den Adern, anstatt zu zirkuliren, und fo ist der ganze Wirthschaftskörper wie gelähmt. Höhere Zölle auf Getreide und Vieh! Aber die Zölle sind erst im vorigen Jahre erhöht worden; wird es nicht angezeigt sein, ab- zuwarten, welhe Erfahrungen damit gema<ht twerden? Iekt kann man von folchen do< kaum sprehen. Es ist ganz richtig, was vom RNegierungstische aus gesagt wurde: vor der Einführung der höheren Zölle wurden die ger von spekulativen Leuten angefüllt, die mit der Zollersparniß ein gutes Geschäft zu machen glaubten. Dazu kam eine gute Ernte. Daß auf diese Weise die Möglichkeit des Absaßes für den Produzenten in bedauerlihem Maße cein- geshränkt wurde, ist klar. Aber das ist doch kein Zustand, der Dauer hat. Uebergang von der Kapitalsvershuldung der Land- güter zur unkündbaren MRentenshuld. Sehr erwägenswerth; der praktische Versuch wird damit au< in Posen gemacht. Wir sind über- zeugt, daß er sih bewähren und dann au weiter ausgedehnt wird. Aber wenn die gegenwärtige Krisis in der Schwierigkeit des Absatzes lie t, so hilft dagegen das Sys\cm der unkündbaren Nentenschuld do icher ni<ht. Wir halten die Krisis, namentli<h die, in der sich die andwirths<aft augenbli>li< befindet, für eine vorübergehende ; Alles, was zur Besänftigung derselben gethan werden fann, ift zu thun; aber man sollte keine Vorwürfe erheben, wenn ni<ht Hals über Kopf zu den weitzehendsten Maßnahmen, die nur als dauernde angesftrebt werden können, übergegangen wird.

Nachrichten“

Centralblatt für die gesammte Unterrihts-Ver- waltung in Preußen. März-April-Heft, Juhalt: Allerhöchster Erlaß vom 27. Juli 1885, betreffend die Ressortverhältnisse der Pro- vinzialbehörden in Ausübung der Schulaufsicht über die Taubfstummen- und Blindenanstalten. Verzeichniß der den Militäranwärtern im preußishen Staatsdienste vorbehaltenen Stellen. Abstandnabme von der Superrevision der Projekte zu Orgelbauten für den &all, daß die Staatskasse einen Beitrag nicht zu leisten hat; Bericht über die Beitragsp\li<t des Fiskus. Beschränkung der Superrevision der Projekte zu Orgelbauten auf Kostenans{hläge von mehr als 500 M; Zuziehung eines musikalishen Sachverständigen bei Revision des Pro- jJektes und Abnahme des Werkes. Anderweite Regelung des Ver- dingungswesens. Einführung eines möglich gleichartigen und ¿wecmäßigen Verfahrens bei der Vorbereitung, Ausführung und Ab- relnung der aus Staatsmitteln ganz oder theilweise zu errihtenden

Hochbauten. Der $. 47 des Digziplinargesetzes für nicht richterliche Beamte vom 21. Juli 1852 findet auf folhe Beamte keine Anwen- dung, welhe nur einen vom Könige verliehenen Titel führen. Uebernahme von Porto auf die Staatskasse. Der Beitritt zu der Allgemeinen Wittwen-Verpflegungsanstalt ist den zur Entrichtung von Wittwen- und Waisengeldbeiträgen verpflichteten Beamten nicht gestattet. Grundsäße für Feststellung des Werthbetrages bei Schenkungen an juristis<he Personen. Nachgrabungen nah Alterthümern. Zahlung von Miethe für innerhalb eines Etatêjahres neu eingerichtete Dienftwohnungen der Staatsbeamten. Bestimmungen über das na< $. 52 des Unfallverficherungsgesctes vom 6. Juli 1884 zu führende Unfallverzeihniß. Zulassung der Prioritäts-Obligationen der Magde- burg- Halberstädter, der Köln-Mindener, der Berlin-Anhalter, der Ber- gis{-Märkischen, der Rheinischen, der RNechte-Oder-Ufer und der Oels- Grnefener Eisenbahnen zur Beitellung von Amtskautionen.— Beschäftigung von Civil-Penfionären und Wartegeldempfängern als Lohnschreiber. Statut der Königlichen Kunst-Akademie zu Kassel. Statut für die Königliche Bibliothek zu Berlin. Verleihung der Mendelsfohn- Bartholdy-Stipendien für Musiker im Jahre 1885. Stipendien- Verleihung bei der Adolf-Ginsberg-Stiftung für Maler und Bild- bauer. Bestätigung der Prorektor-Wahl bei der Universität zu Königsberg. Erhebung von Auditoriengeldern. Zulassung von Studirenden der Medizir zur vorläufigen Annahme von Borlesungen ohne Vorlage der Anmeldungsbücher. Verwendung der bei den ärztlihen Vorprüfungen verfallenden Gebühren. Nachtrags-Ver- zeichniß höherer Unterrichtsanstalten. Benutzung der Aulen höherer Lehranstalten zu anderen als Anstaltszwe>en. Einrichtung der Wechselcöten bei den höheren Unterrichtsanstalten. Erlöschen der Berechtigung zur Ausftellung von wissenschaftlihen Befähigungs- zeugnissen für den Militärdienst beim Wechsel in der Leitung der Privatan- stalten. Nachrichten über die in den Jahren 1884 und 1885 abgehaltenen vierwöchentlihen Turnkurse für im Amte stehende Volksschullehrer. Befähigungszeugnifse aus der Turnlehrerinnen-Prüfung im Herbste 1885, Aufnahme neuer Zöglinge in die Anstalten zu Droyßig. Nachrichten über die Luisen-Stiftung zu Berlin. Auslegung der Prüfungsordnung für Lehrerinnen der weiblichen Handarbeiten. Nach- rihten über den an dem pomologi\cen Institute zu Proskau im Sommer 1885 abgehaltenen Obstbaukursus für Elementar- und Seminarlehrer. Unterrichtskurse für Volks[{ullehrer im Regierungsbezirke Köslin im Obstbau und in der Bienenzuht. Gutachten über die von Sering herausgegebene Gesangshule für Präparanden-Anstalten und die mit dieser Gesangshule in Verbindung stehenden Volkslieder und Chorgesänge. Abhaltung eines Fortbildungs-Kursus für Hant- arbeitslehrerinnen bei dem Seminar zu Augustenburg. Gehalts- regulirung der Lehrer- bezw. Lehrerinnenstellen an mehrklassigen Schulen auf der Grundlage der Festsetzung eines Durchschnittssaßtzes der Besoldung für eine Lehrer- bezw. Lehrerinstelle. Eventualität der Einführung supplementärer Dienstalterszulagen. Einheitlichkeit des Stellencinkommens bei dauernder Verbindung von Schul- und Kirchen- amt. Lehrplan für die Taubstummen-Anstalten der Nheinprovinz. Pflicht der Schulaufsichtsbehörde, gemäß $. 47 Abs. 1 des Zuständig- feitsgesezes vom 1. August 1883 auch dann zu beschließen, wenn über die Nothwendigkeit eines Schulbaues und die Vertheilung der Kosten erst nah Fertigstellung des Baues Streit entsteht. Heranziehung städtischer Lehrer zur Ertheilung des konfessionellen Religionsunterrihts in benachbarten Landschulen. Nicht amtlicher Theil. Ausbildung yon BVolks\chullehrern für den Unterriht an ländlihen Fortbildungs- \chulen. Verleihung von Orden und Ehrenzeichen. Personal- chronikf. Berichtigung.

Statistische Nachrichteu.

Die Bevölkerung Londons im Jahre 1885. Dem „Annual Summary of births, deaths, and causes of death in London, and other great towns, 1885“ entnehmen wir die folgenden neuesten Angaben über die Riesenstadt London und ihre Bewohner.

Der städtishe und Armen-Verwaltungsbezirk London, der ih im Wesentlichen au<h mit dem Zählbezirke de>t, umfaßt einen Flächen - raum von 315,85 qkm; er würde einem Quadrate glei<hkommen, dessen Seite 17,75 km oder mehr als 27 deutshe Meilen lang wäre. Die Straßen der Stadt haben eine Länge von 2574,90 km. Nach der Zählung von 1881 s\tanden auf dieser Fläche 486 186 bewohnte Gebäude, so daß dur<hschnittli<h auf ein Haus 7,8 Bewohner entfielen. Da die mittlere Bevölkerung der Stadt fih im Jahre 1885 auf 4083928 Einwohner belief (darunter 1 923 447 oder 47,1 2% männlihen Geschlechts), so wohnten auf dem Hektar 134 Perfonen gegen 209 in Berlin nah der Zählung vom 1. Dezember 1885.

In Bezug auf die Bewegung der Bevölkerung werden folgende Mittheilungen gema<ht. Es wurden im Berichtsjahre 132 506 lebende Kinder geboren, darunter 67 848 Knaben; die Zahl der Gheschließungen belief si< auf 34573, die der Sterbefälle auf 80000. Die natürliche Bevölkerungszunahme betrug 52 506 Köpfe; dur Uebershuß der Zuziehenden über die Abziehenden kamen no<h weitere 12580 Personen hinzu, so daß die Bevölkerung Londons um 65086 Perfonen zugenommen hat.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Der Inhalt des Berichts der Realschule zu Kassel über das Schuljahr 1885/86 ift folgender: 1) Die pädagogische Literatur für unseren Regierungsbezirk, von Oberlehrer Dr. Carl Acher- mann. 2) Schulnachrichten von dem Direktor. Die Frequenz betrug am 1, Februar 1886 568 (gegen das Borjahr +4 15), von denen 495 evangelisch, 26 katholis< und 47 jüdis<h, 463 Einheimische, 102 Augs- wärtige und 3 Ausländer waren. Bei der leßten Abiturientenprüfung erhielten das Zeugniß der Reife 12, von denen als gewählten Beruf 3 den Staatêdienst, 5 den Eisenbahndienst, 3 das Bankfach und 1 die Maschinentechnik angaben.

Der Bericht über das Schuljahr 1885/86 der Gewerb e- \<ule (Höhere Bürgerschule und gewerblihe Fahshule für Ma- \chinentehnifk) zu Hagen i. W. hat folgenden Inhalt : 1) Allgemeines über die Gewerbeschule und die Industrie der Umgebung. 2) Schul- nacri<hten vom Direktor Dr. Holzmüller. Die Gewerbeschule ist in (€ Jahren von 80 auf 401 Schüler gestiegen, von denen 243 aus der Stadt Hagen, 94 aus dem übrigen Kreise Hagen, 35 aus dem übrigen Westfalen, 18 aus dem Rheinland, die übrigen aus den Provinzen Sachsen, Hannover, Brandenburg und S({lesien und aus den Staaten Olden- burg, Walde>, Bremen, Holland, Rußland und Frankreich sind, so daß die Zahl der Auswärtigen 158 beträgt. Die höbere Bürger- schule (3556 Schüler) entließ bei der leßten Prüfung 21 Abiturienten, die maschinentechnishe Fahshule (45 Schüler) 12. Die Fachschule nimmt im Allgemeinen nur junge Leute auf, die das cinjährige Dienst- re<t erworben haben. Dieser Bedingung hatten im laufenden Jahre 39 genügt. Die Zahl der Lehrkräfte betrug im leßten Jahre 21.

Die in Leipzig und Berlin den 24. d. M. erscheinende Nr. 2234 der „Illustrirten Zeitung“ enthält folgende Abbildungen : Ostern. Originalzeichnung von H. Plinke. Kreuztragender Christus. Nach dem neuaufgefundenen Gemälde von Leonardo da Vinci. Die Grablegung Christi. Nach dem im Palast Pitti zu Florenz befind- lihen Gemälde von Fra Bartolommeo. Frübling8märhen. Gemälde von H. Knöchl. i stängl in München. R. Siemerings Entwurf zu dem Washington- Denkmal für Philadelphia (Reiterstatue und So>el). Dr. Ioh. Baptist Orbin, Erzbischof von Freiburg, { am 8. April. Die Arbeiterunruhen in Mailand am Abend des 2, April. Originalzeihnung von unserm Spezialzeilhner U. Ferrari, Der Arbeiteraufruhr in Belgien. 2 Abbildungen. Na> Skizzen unferes Spezialzeichners L. von Clliot. 1) Plünderung cines Schirm- geschäfts in Lüttich. 2) Plünderung der Abtei Soleilmont bei Charleroi. Die Weichselüberslwemmung bei Danzig. 2 Ab- bildungen. Nach der Natur gezeihnet von H. Penner. 1) Die Eis- stopfung_ bei Neufähr am Ausfluß des künstlilen Armes der Weichsel in die See. 2) Die Uebershwemmung und der Dammbruch bei dem Dorfe Bohnsa>k. Ein gefrorener Springbrunnen. Moden: Runder Spitenhut. Runder Strohbut.

Nach einer Photographie von Franz Hanf- |

Veterinärwesen.

Nachrichten über Verbreitung von Thierkrankheiten im Auslande. Naufiland. In den Deutschland zunächst gelegenen und in den sonst haupt- fählih in Betracht kommenden Gouvernements und Gebieten. Vom 1. Februac bis 1. März 1886. Rinderpest. Zahl Gouvernements : der neu erkrankten der überhaupt gefallenen Rinder Astrachan s 1030 518 E, 10 (Charkow . 5 3096 Ienisseisk S 4448 Jelaterinoslaw. . 36 532 E »z 52 Moskau . S 3‘ D) E 1591 E 5 74 E 28 326 Taurien . 36 25 Tobolsk . 1941 E 2073 E 72 Woronesh 5100 3875 Gebiete. Donische Kosaken. 16167 8907 A 405 294 Sibirische Pest. Zahl der überhaupt gefallenen Ninder. A 15 1 Minsk A I t E 2A A 1 Oesterreid<. Laut am 21. März 1886 vor- liegender Meldungen. Lungenseudche. Land: Zahl der infizirten Orte : fd S Nieder-Oesterreich 3 und VII. und VIII. Bezirk von Wien.

Gouvernetinents. der neu erkrankten

1 1

Oesterreichis{-Schlesien Tirol

Mähren Steiermark O

Maul- und Klauenseuche. Böhmen ; i Nieder-Oesterreich

Maulsfeu dhe.

D 5 u. IV. Bezirk von Wien. O Schafräude. Sil, Kärnten . S Laut am 31. März 1386 vor- liegender Meldungen. Lungenseuce. e E Nieder-Oesterreich 9 und VII. und VIII. Bezirk von Wien. Oesterreichis<h-Schlesien Tirol . S Mceulseu che. Mähren . E Steiermark. E __ Maul- und Klauenseuhe. Böhmen O Nieder-Oesterreich Tirol

Tirol Kärnten . E Laut am 7. April 1886 vor- liegender Meldungen. Lungenfseu ce,

Mähren S

E

Nieder-Oesterreich 8 und VIL Be- zirk von Wien.

Schafräude.

Vesterreihis< Schlesien S a 54 Maul- und Klauenseuche. Böhmen E i 8 Nieder-Oesterreih 7 und IV. Be- ir von Wien. Tirol . A E Maulseu che. Steiermark . L, Schafräude. Tirol . Kärnten . N Aan Vom 2. bis 9, März 1886. Milzbrand der Rinder in 12 Komitaten, 20 Gemeinden, A e740 ü 26 ü Maul- und Klauenseuche S 6 ¿ Vom 9. bis 16, März 1886. Milzbrand der Rinder in 13 Komitaten, 2 E A : Maul- und Klauenscuche D i Vom 16. bis 23. März 1886. Milzbrand der Rinder in 9 Komitaten, E Vau ub aae, S Ñ Vom 23. bis 30. März 1886. Milzbrand der Rinder in 13 Komitaten, 21 Gemeinden, E Ä 11 L Maul u aae... „8 j 6 L Schweiz. Vom 1. bis 15. März 1886. Maul- und Klauenseuce. Inkfizirt in: Zürich 7 Ställe mit 24 Rindern, D s 9 c A G Ligern ü D Ï S s 4 ä 21 5

Bemeinden

Kantone : s Gemeinden

u. 1 Schwein, 4 Ziegen u. N 1 Schwein, Freiburg . 0 4 Appenzell a. Rh. 3 17 f St. Gallen . i ß Graubünden . ß Thurgau : Waadt . 1 A S ú 4 I

Insgesammt 41 Ställe mit 17

u. 3 Ziegen, u. 1 Schwein,

É )

" _ _„_ u. 3S<hweinen. Stü> Vieh.