1886 / 157 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Berlin geshehen, in wel<hem Falle die Prämienscheine bereits vom 1. Dezember d. I. ab bei der betreffenden Kasse eingereiht werden Ffönnen, da dieselben zunächst an die Regierungs-Hauptkasse in Kassel zur Festseßung übersandt werden müsen. i ê ugleih werden die Inhaber solcher Prämienscheine obigen An- lehns, wel<e zu einer der im weiter beigefügten Verzeichnisse II auf- geführten Serien gebören, zur baldigen nacträglihen Erhebung der darauf gefallenen Prämienbeträge, gegen Ablieferung der Prämien- \cheine Woacit aufgefordert. E S i Endlich wird auf das unter TII beigefügte Verzeichniß amortisirter Prämienscheine sowie auf das Verzeichniß 1V derjenigen O scheine, deren Verjährung eingetreten ist, na<hträgli< aufmerksam gemacht. Kafsel, am 1. Juli 1886. ü Der Regierungs-Präfident. Magdeburg.

Bekanntmachungen, die Unfallversiherung betreffend.

Bekanntmachung

betreffend die Anmeldung unfallversiherungs- pflihtiger Baubetriebe.

Laut Bekanntmachung vom 27. Mai 1886 im Reichs- Geseßblatt Nr. 17 Seite 190 hat der Bundesrath auf Grund des 8. 1 Abs. 8 des Unfallversicherungsgesezes vom 6. Juli 1884 Li E Seite 69) beschlossen, f Arbeiter und Betriebsbeamte, welche von einem Gewerbetreibenden, dessen Gewerbe- betrieb si< auf die Ausführung von S<hreiner- (Tishler-), Einseßer-, Sc<hlosser- oder Anshlägerarbeiten bei Bauten erstre>t, in diesem Betriebe beschäftigt werden, mit der Wirkung vom 1. Januar 1887 an für ver- siherungspfslihtig zu erklären. / Gemäß 8. 11 des Unfallversicherungsgeseßes is daher ¡eder Unternehmer eines der vorgenannten Betriebe verpflichtet, enselben unter Angabe des Gegenstandes und der Art des Betriebes, sowie der Zahl der dur<hschnittlih darin beschäftig- ten versiherungspflihtigen Personen binnen einer vom Neichs- Versicherungsamt zu bestimmenden Frist bei der unteren Ver- waltungsbehörde anzumelden. S Jn Ausführung dieser geseßlihen Bestimmungen hat das Reichs-Versicherungsamt eine Anmeldefrist E bis zum 1. September 1886 eins<hließli< : festgeseßt, und diese Trift dur Bekanntmachung vom 10. Juni 1886 im „Centralblatt für das Deutsche Reih“ und im amt- lichen Theile des „Reichs-Anzeigers“ veröffentlicht. Demgemäß werden die Unternehmer der vorstehend auf- geführten, in die M hs Organisation aufzu- nehmenden, im Polizeibezirk Berlin vorhandenen Betriebe hierdur< aufgefordert, binnen obiger Frist die Anmeldung bei der mit den Obliegenheiten der unteren Verwaltungsbehörde im Sinne des Geseßes betrauten Abtheilung 11 des Polizei- Präsidiums, und zwar: : dur< Vermittelung desjenigen Polizei- reviers, in wel<hem die Betriebsstätte, bezw. die Wohnung des Betriebsunternehmers fit befindet,

zu bewirken.

Im Uebrigen wird wegen der Anmeldung auf das nach- stehend abgedru>te, vom Reichs-Versicherungsamt empfohlene Anmeldeformular hingewiesen.

Die Anmeldepflicht erstre>t si< nicht auf die Unternehwer von Betrieben, wel<he auf Grund des $. 1 Absay 3 und 4 des Unfallversicherungsgeseßes als Betriebe mit Motoren oder mit mindestens zehn Arbeitern in das Kataster einer Berufs- genossenschaft bereits aufgenommen worden sind.

Schließli<h werden die betheiligten Betriebsunternehmer no<h besonders darauf aufmerksam gemacht, daß Derjenige, welcher die vorgeschriebene Anmeldung nicht bis zum 1. Sep- tember u bewirkt, hierzu bezw. zu der erforderlichen Auskunft nah $. 11 Absay 3 des Unfallver- siherungsgeseßes O Geldstrafen im Betrage bis zu einhundert Mark angehalten werden kann.

Berlin, den 3. Juli 1886.

Königliches Polizei-Präsidium. von Richthofen.

Formular für die Anmeldung. : e Mis Q Gemeinde- (Guts-) Bezirk . Anmeldung auf Grund des $. 11 des Unfallversicherungsgesetzes :

Zahl der durhschnittli< S (1 * besäftigin Betriebes. *) es

Stat i Regierungsbezirk .

Name des Unternehmers

Bemerkungen. (Firma). 9

28886. (Unterschrift des zur Anmeldung Verpflichteten.)

*) Nur folhe Betriebe, welhe fi< auf die Ausführung von Bauarbeiten erstre>en, sind anzumelden; do<h is nit erforderlich, daß die Arbeiter aus\ließli< bei Bauarbeiten beschäftigt werden.

+*) Die Anmeldung hat au dann zu erfolgen, wenn weniger als 10 véiGeaungtpilbtige Personen (Arbeiter und solche Betriebs- beamte, deren JIahresarbeitsverdienst an Gehalt oder Lohn Zweitaufend Mark nicht übersteigt) bes<häftigt werden.

Personglveränderungen.

Königlich Preußische Armee.

Ernennungen, Beförderungen und Verseßungen. Fm aktiven Heere. Ems, 29. Juni. Prinz zu Hohenlohe- ehringen, Sec. Lt. à la suite des Drag. Regts. Nr. 22, kom- mandirt zur Dienstleist. bei dem Auswärtigen Amt, vom Regt. aus- geschieden und, mit Belassung seiner bisherigen Uniform, zu den Offi- zieren à la ‘suite der Armee übergetreten. Hebbinghaus, See.

Lt. von der Res. des Hus. Regts. Nr. 12, im aktiven Heere, und zwar als Sec. Lt. mit Patent vom 29. Juni 1886, bei I Drag Regt. Nr. 7 angese, v. G o gr add, Do gs vom 4. Garde . Regt., in das Gren. Regt. Ir. 5 verjest. E Frhr. v. Richthofen, Rittm. und Escadr. Chef vom Hus. Regt. Nr. 7, der Charakter als Major verliehen. : 9. Juli. Kro>er, Pr. Lt. à la suite des Inf. Regts. Nr. 63, unter Entbindung von dem Kommando als Adjut. bei der L Inf. Brig., dem Regt. aggregirt. Hoyer, Pr. Lt. vom Inf. Regt. E, 11, unter Stellung à la suite des Regts., als Adjut. zur 7. Inf. T rig. fommandirt. v. Müller, Sec. Lt. von demselben Regt., zum Pr. t. befördert. : s i. v. Helldorff, Sec. Lt. vom Inf. Regt. Nr. 94, fommandirt zur Dienstleist. bei dem Ulan. Regt. Nr. 19, in dieses Regt., Frhr. v. Fürstenberg, Rittm. vom Hus. Regt. Nr. 8, fommandirt als Adjut. bei dem Generalkommando des VII. Armee-Corps, unter Belassung in seinem Kommando, in das KUr. Regt. Nr. 4 verseßt. eldt, Pr. L: vom p. Regt. Nr. 2, unter Beförderung zum Stim und Escadr. Chef, vorläufig ohne Patent, in das Huj. Regt. Nr. 6 verseßt. v. Jerin, Pr. Lt. vom Hus. Regt. Nr. 6, dem Regt., unter Beförderung zum Rittm., aggregirt. Graf v. Schmettow, Sec. L. vom Hus. Regt. Nr. 2, v. Garnier, Sec. Lt. vom Huf. Regt. Nr. 6, zu Pr. Lts., beide vorläufig ohne Patent, befördert. Durch Verfügung des Kriegs-Ministeriums. 23. Juni. Zobel, Zeug-Hauptm. vom Art. Depot in Neu-Breisach, zum Art. Depot in Koblenz, Peud>er, o Ee Lt. vom Art. Depot in Neisse, kom- mandirt in Kosel, zum Art. Depot in Neu-Breifach, Galley, Zeug- Pr. Lt. vom Art. Depot in Breslau, zum Art. Depot „in Neisse, unter Kommandirung nah Kosel zur Verwaltung des Filial-Art. Depots daselbst, Moser, Zeug-Lt. von der 2 M Depot: Insp., zum Art. Depot in Breslau, Debudey, Zeug-Lt. von der 2. Art. Depot-Insp., zum Art. Depot in Met, Heinemann, Zeug Haupt- mann von der 3. Artillerie-Depot-Insp , zum Artillerie-Depot in Straßburg i. E, Henning, Zeug-Hauptm. vom Art. Depot in Erfurt, zur 3. Art. Depot-Insp.,, Müller, Zeug-Pr. Lt, vom Art. Depot in Torgau, kommandirt in Wittenberg, zum Art. Depot in Erfurt, Schulz, Zeug-Pr. Lt. vom Art. Depot in Küstrin, zum Art. Depot in Torgau, unter Kommandirung nah Wittenberg zur Verwaltung des Filial-Art. Depots daselbst, Podehl, Zeug-Lt. von der Insp. der Gewehrfabriken, zum Art. Depot in Küstrin verseßt. : i Im Beurlaubtenstande. Ems, 29. Juni. v. Keudell, Sec. Lt. a. D,, bisher von der Res. des Gren. Regts. Nr. 119, in der Preuß. Armee, und zwar mit Patent vom 6. Oktober 1884 als Sec. Lt. der Res. des 1. Garde-Regts. zu Fuß, angestellt. Abschiedsbewilligungen. Jm aktiven Heere. Ems, 99. Juni. v. Bülow, Major a. D, zulegt im Inf. Regt. Nr. 114, der Charakter als Oberst-Lt. verlichen. : 3. Juli. Frhr. v. Reitßenstein, Major und Escadr. Chef vom Hus. Regt. Nr 6, mit Pension ausgeschieden. Frhr. v. Seyd- liß und Kurzbach, Sec. Ä. vom Drag. Regt. Nr. 16, mit Pension der Abschied bewilligt.

Nichtamtliches. Deutsches Neich.

Preußen. Berlin, 7. Juli. Se. Majestät derx Kaiser und König machten, wie „W. T. B.“ aus Ems meldet, gestern vor und nah dem Diner einen Spaziergang und wohnten Abends der Vorstellung im Theater bei.

Heute Fe machten Se. Majestät eine Kurpromenade und hörten päter die Vogträge des Ober-Hofmarschalls, Grafen von Perponcher, und des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths von Wilmowski.

Bei Jhren Kaiserlihen und Königlichen Hoheiten dem Kronprinzen und der Kronprinzessin fand gestern Nachmittag 4 Uhr im Neuen Palais ein größeres Gartenfest statt, zu welchem hauptsächli<h an die Damen und Herren der Potsdamer Gesellschaft Einladungen ergangen waren.

Die vereinigten Ausschüsse des Bundesraths für Handel und Verkehr und für FJustizwesen, sowie der Aus- \{<huß desselben für Justizwesen hielten heute Sißungen.

___— Nah dem Finalabs{luß der Reichs-Hauptkasse haben sich die Ergebnisse des Reichshaushalts für das Etatsjahr 1885/86, abgesehen von den auf besondere S angewiesenen Ausgaben, im Verglei zum Etat in runden Summen wie folgt gane

Bei der Verwaltung des Reichsheeres sind an fortdauernden aen 2490000 M, weniger, an einmaligen Ausgaben aber 23 , mehr erforderlih gewesen. Die das Reichsheer betreffenden Kapitel des allgemeinen Pensionsfonds haben mit einem Minderbedarf von 224000 6, abgeschlossen. An Einnahmen sind bei der Militärverwaltung 52000 M, weniger aufgekommen. Für das Reichsheer sind hiernach gegen den Etat im Ganzen 2639000 4 weniger gebrauht. Anlangend die fortdauernden Ausgaben, fo ist bei dem Fonds für die Naturalverpflegung eine beträchtliche Ersparniß erzielt ; an Mehrbedürfnissen sind erwähnenswerth diejenigen bei den Fonds für das Garnison-Verwaltungs- und Serviswesen, für das Remontewesen, für Reisekosten, Tagegelder, Vorspann- n Transportkosten, sowie für das Artillerie- und Waffen- wesen.

Bei den Marinefonds, einschließlih" des die Marine betreffenden r des allgemeinen Pensionsfonds, sind 3 270 000 /6 mehr erforderlich gewesen. Desgleichen 648 000 4 beim Auswärtigen Amt, 159 000 # zu einmaligen Ausgaben der Eisenbahnverwaltung und 269 000 #4 im Ressort des Reichs-Schaßgamts , einschließli<h der Reichs\huld und der Civilpensionen bei dem allgemeinen Pensionsfonds; bezüg- lih der Reichsshuld ist hervorzuheben , daß die Ver- zinsung der Anleihe 291000 # weniger, die Ver- zinsung der zur vorübergehenden Verstärkung des ordentlichen Betriebsfonds der Reichs - Hauptkasse aufge- nommenen Mittel aber 600000 A mehr in Anspruch ge- nommen hat. 110 000. / sind bei den Fonds des Reichsamts des Fnnern, 98000 H bei den Fonds der Reichs-Justizver- waltung und 117000 { an den einmaligen Ausgaben der Post- und Telegraphenverwaltung erspart worden. Die übrigen bei den Hauptabschnitten der Ausgabe stattgehabten Ab- weichungen gegen den Etat ergeben no< eine Gen von 22000 /( Jm Ganzen übersteigen die Mehrbedürfnisse bei den hier in Betraht gezogenen Ausgabefonds die daran gemachten Ersparnisse um 1 308 587,87 M.

_ Was die Einnahmen des Reichs angeht, so haben die V und die Taba>steuer, von deren Ertrage dem teihe nur der feste Betrag von 130 000 000 # verbleibt, einen Mehrertrag von zusammen 15814000 # er- geben, nämlich 1 856 000 M mehr an Zöllen, 508 000 M. weniger an Tabacsteuer und 466000 # mehr an

Aversen der Zollaussclüsse. Die den Bundesstaaten im vollen veri O B überweisenden Stempelabgaben für Werthpapiere 2c. haben einen Mehrertrag von 2640000 ebraht. Diese Abweichungen von der etatsmäßigen Voraus- Febttka haben für den Neichshaushalt dur entsprechende Er- höhung der unter den Ausgaben vorgesehenen Ueberweisungen an die Bundesstaaten ihre Ausgleichung gefunden.

An Rübenzu>ersteuer sind 20 190 000 M weniger aufgekommen, dagegen mehr 940 000 M an Salzsteuer, 1045 000 M an Branntweinsteuer und 1916000 # an Brausteuer. Die Aversen der Zollaus\<lüsse für diese vier Verbrauchssteuern haben 469000 weniger betragen. Der Spielkartenstempel hat 50000 A mehr eingebraht, die Wechselstempel- steuer und die statistische Gebühr 122000 bezw. 2000 # weniger. Die Post- und Tele- graphenverwaltung hat mit einem Minderübers{huß von 768 000 M abgeschlossen, die Reihs-Eisenbahnverwal- tung mit einem fsolhen von 148000 M, die Rei hs- dru>erei aber mit einem Mehrübershuß von 82 000 Die Einnahmen aus demBankwesen sind um 510 000 hinter dem Etat zurügeblieben. An Zinsen aus belegten Reichsgeldern sind 648000 4 mehr aufgekommen. An verschiedenen Verwaltungs-Ein- nahmen sind, mit Einrehnung der bereits erwähnten Minder- einnahme von 52000 ## bei der Militärverwaltung, 1416 000 M mehr eingekommen. Darunter sind enthalten 798 000 / Mehreinnahme aus dem Münzwesen und 303 000 4 Zinsen für die Verlängerung der Rübenzuter- steuer-Kreditfristen auf Grund des Geseßes vom 13. Mai 1885 (R.-G.-Bl. S. 91). j : ;

Im Ganzen sind die ordentlihen Einnahmen um 16 109 789,21 M hinter dem Etat zurü>geblieben und es hat si unter Berü>sichtigung der Mehrausgaben von 1 308 587,87 M, für den Haushalt des Etatsjahres 1885/6 ein Fehlbetrag von 17 418 377,08 M. ergeben.

Ebensowenig wie die Arbeiten zur ersten Einrichtung einer Fabrik sind nah einem Urtheil des Reichsgerichts, VI. Civilsenats, vom 17. Mai d. J., die Reparaturarbeiten an der Fabrik in der Regel zum Fabrikbetriebe im Sinne des 8. 2 des Hasftpflichtgeseßes zu rehnen; ein Unfall bei diesen Arbeiten ist demnah nicht als Unfall beim Fabrik: betriebe nah Maßgabe des erwähnten Geseßes zu entschädigen. Eine Ausnahme bilden Reparaturen, welche von dem Fabrik: personal regelmäßig selbst ausgeführt werden und in den Ve- trieb der Fabrik einschlagen.

Die Königliche Akademie der Wissenschaften hielt am 1. d. Mts. ihre öffentlihe Sizung zur Feier des Leibniz'shen Gedächtnißtages.

Der vorgeordnete Staats - Minister Dr. von Goßler wohnte der Sißzung bei.

Der an diesem Tage vorsißende Sekretar, Herr Auwers, eröffnete die Sizung mit einer Festrede. Zuerst erinnerte dieselbe an die mittelbaren und unmittelbaren Beziehungen zwischen Leibniz' Wirksamkeit und wissenschaftlichen Anschauun- gen und der Bearbeitung des Fachs des Vortragenden, der Astronomie, und ging dann dazu über, die Bedeutung des im laufenden- Monat bevorstehenden Festtages, des zweihundertsten Jahrestages der Herausgabe von Newton's Principia philo- s0phiae naturalis mathematica darzustellen.

Alsdann hielt das seit dem legten Leibniz-Tage in die Akademie eingetretene neue Mitglied, der Direktor des König- lihen meteorologischen Jnstituts, Professor von Bezold, seine An taa, welche von dem vorsißenden Sekretär beantwortet wurde.

Hierauf erfolgte die Berichterstattung über die Bewerbung um den Preis der Steiner'shen Stiftung und die Ausscrei- bung neuer Preise.

Preisertheilung aus der Steiner'shen Stiftung.

_Die Akademie hatte vor vier Jahren aus der Steiner'schen Stiftung einen Preis. für die Bearbeitung der folgenden Aufgabe ausgeseßt : j

„Die bis jeßt zur Begründung einer rein geometrishen Theorie der Kurven und Flächen höherer Ordnung gemachten Versuche sind hauptsächlich deswegen wenig befriedigend, weil man sich dabei ausdrü>lih oder stills<weigend auf Säße gestüßt hat, welche der analytischen Geometrie entlehnt sind und größtentheils allgemeine Gültigkeit nur bei Annahme imaginärer Elemente geometris<her Ge- bilde besißen. Diesem Uebelstande abzuhelfen, giebt es, wie es cheint, nur ein Mittel: es muß der Begriff der einem geome- trishen Gebilde angehörigen Elemente dergestalt er- weitert werden, daß an die Stelle der im Sinne der analytishen Geometrie einem Gebilde asfociirten imaginären Punkte, Geraden, Ebenen wirklich existi- rende Elemente treten, und daß dann die gedachten Sätze, insbesondere die auf die Anzahl der gemein: \chaftli<hen Elemente mehrererGebilde sich beziehenden, unbedingte Geltung. gewinnen und geometris< be wiesen werden können.

Für die Kurven und Flächen zweiter Ordnung hat dies von Staudt in seinen „Beiträgen zur Geometrie der Lage“ mit voll- ständigem Erfolge ausgeführt. Die Akademie wünscht, daß in ähn- licher Weise au<h das im Vorstehenden ausgesprochene allgemeine F O in Angriff genommen werde, und fordert die Geometer aus, Arbeiten, welche dieses Problem zum Gegenstande haben und zur Er- ledigung desselben Beiträge von wesentlicher Bedeutung bringen, zur Bewerbung um den im Jahre 1884 zu ertheilenden Steiner'schen Preis einzureichen. Selbstverständli<h muß in diesen Arbeiten die Untersuchung rein geometris< dur<hgeführt werden; es ist jedoch nit nur zulässig, sondern wird au ausdrü>li<h gewünscht, daß die erhal- tenen Resultate auf analytisch-geometrishem Wege erläutert und bestätigt werden.“

In der Leibniz-Sißung vom Jahre 1884 ist beridtet worden, daß diese Aufgabe einen Bearbeiter gesunden habe, dessen Schrift den gestellten Anforderungen zwar nicht genügend entspreche, die Akademie aber do< bestimme, die in Rede stehende Ausgabe nicht fallen zu lassen, sondern als Steiner’\{he Preisfrage für das Jahr 1886 zu erneuern, mit der Maßgabe jedoch, daß es den Bewerbern zur Pflicht gemacht werde, den rein geometrishen Untersuhungen analytis{<-ge0- metrishe Erläuterungen beizugeben. Ó

Hierauf ist nun eine ziemli<h umfangreihe Bewerbungss\crift re<tzeitig eingegangen, die den Goethe’s<hen Ausfpruh: „Das BDE sondere unterliegt ewig dem Allgemeinen, das Allgemeine hat ewtg , dem Besonderen si<h zu fügen“ als Motto trägt.

Der Verfasser dieser Schrift hat sich, einem in dem eben erwähnten Berichte gegebenen Winke folgend, darauf beschränkt, eine den An- forderungen der Akademie entsprehende, rein geometris<he Theorie der ebenen algebraischen Kurven zu begründen, und dieses ist ihm, wie vorweg ausgesprochen werden möge, in sehr befriedigender Weise gelungen. Die Grundlage seiner Arbeit bilden die in der Preisfrage erwähnten Untersuchungen von Staudt's, welche er im ersten Kapitel ihrem wesentlichen Inhalte nah, do< nicht ohne Eigenes hinzuzu- fügen, reproduzirt, dann aber in dem zweiten und dritten Kapitel

elbständig weiter führt. Es iste niht möglih, in der an diesem rte gebotenen Kürze den Inhalt dieser umfangreichen Kapitel auth

¿1 Umrissen anzugeben. Es möge nur bemerkt werden, daß der nut ine in Vibtiger Erkenntniß des zu erreihenden Zieles dabin ge- strebt hat, für das arithmetische Gebilde, das dur eine algebraifche Gleichung zwischen zwel veränderlichen (reellen oder kompleren) Größen definirt wird, ein geometrishes Aequivalent zu konstruiren. Dies gelingt ihm dur Einführung eigenthümlicher geometrisher Gebilde, die er, bekannte Begriffe erweiternd, Involutionen und Involutions-

nt. ;

wege Jede (reelle oder komplere) Zahlgröße kann nach der Staudt'fchen Theorie geometris< dur ein Element eines einförmigen Gebildes (einer Geraden oder eines ebenen Strahlbüschels) repräsentirt werden. Eine algebraische Gleichung nten Grades, deren Coefficienten ganze, niht homogene lineare Funktionen von - unbcschränkt veränderlichen Größen sind, liefert für jedes System bestimmter Werthe der leßteren ein System von n Werthen der Unbekannten, das also durch ein be- stimmtes System von n Elementen eines beliebig angenommenen ein- förmigen Gebildes repräsentirt werden kann : die Gesammtheit der so definirten Systeme von je n Elementen des betrachteten einför- migen Gebildes bildet dann eine Involution n ter Ordnung, wenn „=1 is, oder ein Involutionsneß nter Ordnung, wenn »>1. Daraus erhellt sofort, daß und wie zwet Involutionen oder zwei In- volutionsnetze derselben Stufe projektivish auf einander bezogen werden fönnen; ferner, daß zwei projektivish auf einander bezogene Involutionen eine bestimmte Anzahl gemeinschaftliher Elemente besißen, und zwei projektivish auf einander bezogene Involutionsnetze ein bestimmtes Involutionsneß niedrigerer Stufe mit einander gemein haben. Diese Definitionen und Sätze, welche sih in der, analytis<hen Geometrie so einfah und sofort in voller Allgemeinheit ergeben, werden von dem Verfasser rein geometris<h zuerst für n = 2, sodann für n = s u. f. w. entwielt, in der Art, daß, wenn z. B. die Involution nter Ordnung für einen bestimmten Werth von n definirt und untersucht werden soll, dies zuvor für jeden kleineren Werth von n ausgeführt sein muß. Darin besteht aber die der reinen Geometrie eigenthüm- lie synthetishe Methode. E '

Gestüßt auf die in den ersten drei Kapiteln gewonnenen Resul- tate entwirft sodann der Verfasser in dem vierten Kapitel die Grund- züge ciner allgemeinen Theorie der ebenen algebraischen Kurven unter voller Berücksichtigung der imaginären Elemente derselben. Auch hierbei ist das Verfahren ein synthetishes. Unter der Vorausfetzung, daß die Theorie derjenigen Kurven, deren Ordnung eine bestimmte Grenze x nicht überschreitet, entwi>elt sei für n=1 und n=2 hat dies von Staudt ausgeführt wird gezeigt, wie man aus Kurven einer bestimmten Ordnung Büschel und Nete bilden und eine projektivishe Beziehung zwischen zwei solchen Gebilden herstellen fann, wodur<h dann der Weg gebahnt ist, um zur Definition der Kurven, deren Ordnung die Zahl 2n nicht übersteigt, und zum Nach- weise der charakteristischen Eigenschaften derselben zu gelangen. Dabei wird den Säßen, welche si< auf die gemeinschaftlihen Elemente zweier Kurven beziehen, sowie der Aufgabe, eine Kurve n ter Ordnung zu konstruiren, wenn die zu ihrer Bestimmung erforderliche Anzahl von (reellen oder imaginären) Punkten gegeben ift, eine besonders sorgfältige Behandlung zu Theil. Z

Die Schlußkapitel der Schrift enthalten literarishe Nachweise und die von der Akademie verlangten algebraishen Erläuterungen der vorangegangenen geometrishen Untersuchungen.

Die Akademie hat in ihrem Preisaus\chreiben erklärt, daß sie zur Konkurrenz um den in diesem Jahre zu ertheilenden Steiner'shen Preis jede Arbeit zulassen werde, welhe zur Erledigung derjenigen Fragen, auf welhe die Akademie dur die gestellte Aufgabe die Auf- merksamkeit der Geometer hat hinlenken wollen, einen Beitrag von wesentliher Bedeutung liefere. Dieser Anforderung entspricht die beurtheilte Schrift, welhe unverkennbar das na< cinem wohldurh- daten Plane ausgeführte Werk eines auf dem Gebiete der reinen wie der analytishen Geometrie vollklommen heimischen Mathematikers ist, in ausgezeihneter Weise; die Akademie trägt daher kein Bedenken, derselben den ausgeseßten Preis zuzuerkennen.

Die Eröffnung des zu der Arbeit gehörigen versiegelten Zettels ergab als Verfasser Hrn. Dr. phil. Ernst Kötter aus Berlin.

Preisaufgabe der Steiner’ schen Stiftung für 1888.

In der Absicht, das Studium der Schriften Steiner's zu erleichtern und zum Fortschreiten auf den von ihm eröffneten Bahnen anzuregen, hat die Akademie die Herausgabe der gesammelten Werke desselben veranlaßt, welhe in den Jahren 1881 und 1882 in zwei Bänden erschienen sind. Es bleibt jeßt no<, wie aus der Schlußbemerkung zum zweiten Bande hervorgeht, die Aufgabe, die Resultate der ein- zelnen Schriften einer Sichtung und Prüfung zu unterwerfen.

Die Akademie wünscht, daß dieses zunächst für diejenigen Unter- suhungen Steiner's geschehe, welhe si< auf die allgemeine Theorie der algebraishen Kurven und Flächen beziehen.

Es wird verlangt, daß die hauptsächlichsten Resultate derselben auf analytishem Wege verifizirt und alsdann dur< synthetische Metboden im Sinne Steiner's hergeleitet werden:

__ Die aus\{ließende Frist für die Einlieferung der Bewerbungs8- schriften, welche in deutscher, lateinisher oder französisher Sprache verfaßt sein können, ist der 1. März 1888. Die Bewerbungsschrift ist mit einem Motto zu verschen und dieses auf dem Aeußern des versiegelten Zettels, welher den Namen des Verfassers enthält, zu wiederholen.

Die Ertheilung des Preises von 1800 4 erfolgt in der öffent- lichen Sitzung am Leibniz-Tage des Jahres 1888.

Akademische Preisaufgabe für 1891,

Die Frage nah der Vererbbarkeit erworbener Eigenschaften der Lebewesen, mögen diese Eigenschaften von äußeren oder inneren Ur- sachen herrühren, ist für die Abstammungslehre eine der wichtigsten. Obwohl hon von Hippokrates erwogen, ist sie noh fo unentschieden, daß Einige mit Darwin solche Vererbbazfeit in gewissen Fällen für unzweifelhaft erwiesen ansehen, Andere sie bis auf Weiteres überhaupt leugnen. In neuerer Zeit ist sie zum Gegenstand bestimmt darauf gerichteter Versuche gemaht worden, welche im Allgemeinen für die Vererbbarkeit sprechen, in ihrer Vereinzelung und zum Theil wenig nahhaltigen Durchführung jedo< noch keine volle Ueberzeugung zu erwe>en vermochten. Durchdrungen von der Bedeutung dieser Angelegenheit wünscht die Akademie, daß einem für die Wissenschaft so unerfreulihen Zu- stande womögli<h ein Ende gemaht werde. Sie verlangt daher eine folgerichtige, nah Verfahrungsarten und Versuchsgegenständen hin- länglih vermannigfachte, nah Lage der Dinge erschöpfende Ex- perimentaluntersu<hung über die Vererbbarkeit exworbener Eigen- haften bei Thieren und Pflanzen. Der Beschreibung der neuen Versuche und ihrer Ergebnisse ist eine möglichst vollständige und quellenmäßige, geschichtlih-kritishe Darlegung des Standes der Frage voraufzuschicken:

Die Bewerbungsschriften sind bis zum 31. Dezember 1890 ein- zuliefern. Dieselben können_in deutscher, lateinischer, französischer, englischer oder italienisher Sprache abgefaßt sein. Jede Schrift ist mit einem Motto zu versehen und diefes auf dem Aeußern des ver- siegelten Zettels, welcher den Namen des Verfassers enthält, zu wiederholen.

Die Verkündigung des Urtheils und eventuelle Ertheilung des Preises von 5000 4 erfolgt in der öffentlichen Sitzung am Leibniz- Tage des Jahres 1891.

Herr von Sybel hielt eine Gedähtnißrede auf Leopold von Ranke, und Herr Wattenba<h eine solche auf Georg Wai. Beide Reden werden in den Abhandlungen der Akademie ver- öffentlicht werden.

Der hiesige Königlih serbishe Gesandte, Milan Pétroniévith, hat Berlin verlassen, um si< zunächst nah Reichenhall und darauf nah Belgrad zu begeben.

ayern. München, 6. Juli. (W. T. B.) Das „Kriegs-Ministerial-Blatt“ veröffentlicht die

B eutiga Verleihung der Jnhaberstelle des 5. Chevaux-

legers-Regiments an den Erzherzog Albrecht von Oesterrei <. Die „Allgem. Ztg.“ theilt das an den Prinz- Regenten eingelaufene Telegramm des neuen Fnhabers aus Hof bei Kettenberg mit; dasselbe lautet: „Tief gerühri durch diesen Beweis brüderlicher Freundschaft, danke ih von Herzen und bin stolz, mi<h zu der braven bayerischen Armee zählen zu dürfen.“

#7. Zuli. (W. T. B.) Die Centennarfeier des Geburtstages König Ludwig's I. ist auf Wunsch des Regenten auf nächstes Jahr verschoben worden.

Vaden. Karlsruhe, 5. Juli. (Karlsr. Ztg.) Der Großherzog und die Großherzogin begaben jih vor- gestern nah Heidelberg und besichtigten unter Führung des Prorektors und des Ober-Bauraths Durm die neu hergestellten Räume der Universität, die Festhalle sowie die anderen Vor- bereitungen zu dem Universitätsjubiläum. Fn der Nacht zum 7. d. gedenken Jhre Königlichen Hoheiten nah Schloß Mainau überzusiedeln.

Schwarzburg - Sondershausen. Sondershausen, 4. Juli. (Hann. C.) Dem am 1. Juli eröffneten Lan d- tage sind, außer Vorlagen von lokaler Bedeutung, zwei Gesetzentwürfe von allgemeinem nteresse unterbreitet worden : der erste derselben betrifft die Heranziehung der Militär- personen zu den Gemeindeabgaben von dem außer- dienstlichen Einkommen. Die Vorlage stüßt sih auf das bezüg- liche Reichsgeseß und proponirt eine Gemeindeabgabe der Militär- personen von jährlih 3 M bei einem Einkommen bis zu 660 M, und weiter steigend in 30 Stufen bis zu jährlih 972 A. bei einem Einkommen bis zu 36 000 /( Das Gesetz soll, wie in Preußen, am 1. April 1887 in Wirksamkeit treten. Der zweite Gesetzentwurf bezieht si<h auf Bewilligung vonStaats- dotationen an die Bezirke und Gemeinden. Obwohl nah dem Finanzgesezß von 1883 solche Dotationen in Aussicht genommen sind, würden dieselben doch erst nah 1887, je nah den Uceberschüssen von der Herauszahlung aus der Reichskasse aus den Einnahmen von Zöllen, * Tabatsteuer und Stempel- abgaben, - flüssig werden fönnen. Die Finanzlage gestattet jedo< die Dotationen jeßt s{hon, und so wird für 1886 und 1887 ein Staatszushuß an Bezirke und Gemeinden von jähr- lih 75000 M. proponirt.

Elsaß-Lothringen. Straßburg, 5. Juli. (Lds.-Ztg. f. Els.-Lothr.) Der Kaiserlihe Statthalter hat dur<h Erlaß vom 29, Juni d. J. auf Grund der von der Options- fommission in ihrer siebenundzwanzigsten Sißzung ab- gegebenen Gutachten bestimmt, daß 142 Personen als elsaß- lothringishe Staatsangehörige nicht zu betrachten sind.

Es sind nunmehr, wie dem „Schw. Merk.“ geschrieben wird, die Bestimmungen bekannt geworden, welche für die im September d. J. im Reichslande stattfindenden großen Kaise r- manöver getroffen worden sind. An denselben werden theilnehmen: die 30. Division, bestehend aus der 59. und 60. Infanterie - Brigade der bayerishen Besaßungs - Brigade, dem Ulanen-Regiment Nr. 14, dem Feld-Artillerie-Regiment Nr. 31, dem Pionier-Bataillon Nr. 14 und einer Train-Ab- theilung; die 31. Division, bestehend aus der 61. und 62. Jn- fanterie-:Brigade, dem Jäger-Bataillon Nr. 11, dem Ulanen- Regirnent Nr. 15, dem Feld-Artillerie-Regiment Nr. 15, dem Pionier-Bataillon Nr. 15 und einer Abtheilung Train ; eine zusammengeseßte Kavallerie-Division, gebildet aus 3 Brigaden mit je 2 Regimentern und der reitenden Batterie des Feld- Artillerie-Regiments Nr. 8; eine zusammengeseßte 2. Kaval- lerie-Division, gebildet wie die erste, mit der reitenden Batterie des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 14 und einer Ab- theilung des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 15. Somit sind fommandirt: 1) Infanterie: die Regimenter 98, 130, 92 (Braunschweig), 131, 25, 47, 105 (Sachsen), 60, 126 (Württemberger), das Jäger - Bataillon Nr. 11 und das 4. und 8. Bayerishe FJnfanterie - Regiment, im Ganzen 34 Bataillone. 2) Kavallerie: die Dragoner- Regimenter 9, 13, 6, 15, 20, 21, die Ulanen 14, 15, 7, 19, 90, Kürassier-Regiment Nr. 8, Husaren Nr. 9 und das Bayerische Chevauxlegers-Regiment Nr. 5, im Ganzen 14 Regimenter. 3) Artillerie: die reitenden Abtheilungen der Regimenter 8 und 14 und die Regimenter 15 und 31. 4) Pioniere: die Bataillone 14 und 15 und endli<h 2 Train-Abtheilungen. Die Divisions-Manöver finden am 6., 7. und 8. September statt, und zwar bei der 30. Division in der Gegend bei Pfalzburg und Zabern, bei der 31. Division bei Molsheim. Die 1. Kavallerie-Division übt bei Meß vom 23. August bis 1. September, die 2. Kavallerie-Division bei Straß- burg vom 30. August bis 8. September. Die große Parade bei Straßburg findet am 11. September statt, am 12. ist Ruhe- tag, am 13. Corps-Manöver bei Brumath gegen einen markirten Feind und am 15., 17. und 18. September finden die Feld- manöver der Divisionen gegeneinander bei Hochfelden statt.

Oesterreich - Ungarn. Wien, 6. Juli. (W. T. B.) Der Kronprinz und die Kronprinzessin statteten heute Mittag dem französishen Botshaster Foucher de Careil einen Besuch ab.

Hermannstadt, 5. Juli. (Wien. Abdp.) No<h während der Dauer des griechisch- orientalish-romanishen Kirchen- kon gresses, jedenfalls aber nah Schluß desselben, wird die Bischofs-Synode zusammentreten, um im Sinne eines früheren Kongreßbeschlusses den Archhimandriten und erz- 5 Sal Vicar Nikolaus Popca zum Weihbischof zu con- ecriren.

Schweiz. Bern, 3. Juli. (Köln. Ztg.) Die eid- genössishen Näthe konnten erst heute Morgen von ihren Präsidenten entlassen werden. An dieser Verzögerung waren hauptsählih die zwischen ihnen obwaltenden Meinungsver- \schiedenheiten über das e A \{<huld. Außer dem Haftpfliht-, Patentshuß- und Land emcs mußten no<h folgende wichtigen Vorlagen auf die inter-Sess.on verschoben werden: Alkoholgeseß, Doppelbesteuerung, poli- tische Rechte der Schweizerbürger, civilrechtlihe Verhältnisse, Schuldbeitreibung und Konkurs, Militär-Straf- und Besol- dungsgesebß.

Großbritannien und Jrland. London, 7. Zuli. (W. T. B.) Es sind nunmehr 387 Parlamentswahlen bekannt; davon entfallen auf die Konservativen 204, auf die Sie Qa Liberalen 44, auf die Anhänger Gladslone's 98, auf die nes 41. Wiedergewählt sind Shaw- Lefevre, Morgan, Mundella, Richard und Chamberlain.

Nach einer Depesche aus Londonderry (Jrland) a gestern anläßli<h der Veröffentlihung des Wahlresultats

ernstere Ruhestörungen stattgefunden. Es kam zu einem Zusammenstoß zwischen der Polizei und den dissentirenden Liberalen, welche si<h vor dem Hotel, in welchem der Kandidat der leßteren wohnte, versammelt hatten. Mehrere Personen wurden verwundet.

Dublin, 6. Juli. (W. T. B.) Ja Folge der gestrigen Unruhen sind hier an 100 Verhaftungen vorgenommen worden. Sämmtliche Verhaftete waren in dem Orangistenklub versammelt gewesen. Der Lord-Mayor hat einen Aufruf an die Bürgerschaft erlassen, in welchem er dieselbe auf- fordert, Angesichts der s<hmachvollen Vorgänge in der ver- gangenen Nacht an der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ord- nung mitzuwirken und si< niht zu ungeseßlihen Schritten hinreißen . zu lassen; die Schuldigen würden den Gerichten

übergeben werden.

7. Juli. (W. T. B.) Jn letzter Nacht sind ernste Nuhestörungen nicht vorgekommen. Nur durchzogen zahlreiche Volkshaufen die Straßen unter Absingung des Liedes: „Gott s{hüße Frland“.

Frankreich. Ds, 4. Juli. (Fr. C.) Die aus Tongking zurückgekehrten 350 Artilleristen sind heute in Paris mit großem Pomp empfangen worden. Die Straßen vom Lyoner Bahnhofe bis nah Vincennes, wohin die Ar- tilleristen in Garnison kamen, waren dekorirt und mehrere Triumphbogen errichtet. Weißgekleidete Mädchen überreihten den Kriegern VBlumensträuße. General Saussier schritt die Front der Abtheilung ab, während die Menge rief: „Es lebe die Armee! Es lebe Frankreih!“ Nach einer Ansprache des Senators und Maires Goujon sagte General Saussier: „Vergeßt niht die Bande, die eu<h an die Bevölkerung knüpfen, welche eure Verdienste so warm anerkennt. “. Der Deputirte Etienne spra<h im Namen der Kammer: „Fhr habt gezeigt, daß Frank- reih wieder den ihm gebührenden Play eingenommen hat, und daß Frankreich, wenn auch ein Freund des Friedens, doch auf alle Eventualitäten der Zukunft vorbereitet ist.“ Die Straßen, welche der Zug passirte, waxen bis Vincennes vom Publikum dicht beseßt. Von den Fenstern wurden Blumen geworfen. Für die Zeit von 4 bis 8 Uhr weist das Pro- gramm Volksconcerte auf, und um 9 Uhr Abends findet ein großer Zapfenstreih statt, an welchem sfi<h die Regiments- musiker und die musikalischen Gesellschaften vereint betheiligen.

6. Juli. (W. T. B.) Die Deputirtenkammer beshloß heute mit 307 gegen 257 Stimmen die Dring- lichkeit für die Berathung des Antrages, betreffend die Erhebung einer Zuschlagstaxe für Cerealien. Die Berathung der einzelnen Artikel foll am Donnerstag be- ginnen. Dreyfus legte den Bericht der Kommission zur Vorberathung des Geseßentwurfs über die Anleihe für die Stadt Paris vor, Die Kammer beshloß, troy des Einspruchs der Rechten, in die Berathung einzutreten und nahm schließli< im Ganzen die Vorlage in der vom Senat beshlossenen Fassung an.

_ Spanien. Madrid, 28. Juni. (Allg. Ztg.) Der gestrige Kirhgang der Königin gestaltete sih zu einer Kundgebung der hauptstädtishen Bevölkerung. Troß der ungeheueren Hiße waren die Straßen, durh welche der Zug ging, die Calle Mayor, Puerta del Sol, San FJeronimo und die lange Allee, welche zur Basilica Atocha führt, mit einer festlih gekleideten Menschenmasse erfüllt, die auf den mit Teppichen und Blumen geshmüc>ten Balkonen die hohe Wöchnerin und den König erwartete. Etwas vor 5 Uhr verließ der Wagen, in welchem die Königin mit Alfonso XIIl. und seiner Amme saß, das Schloß. Das übliche Geleit von Hellebardisten ging demselben voraus, und einige Hofwagen beschlossen den Zug. Das Publikum begrüßte die Königin außerordentlich eret: wiederholt erschollen die Rufe „Es lebe die Regentin!“ „Es A Alfonso XIIL.!“ Aus vielen Fenstern wurden Blumen gestreut.

Ftalien. Rom, 6. Juli. (W. T. B.) Mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Gesundheitszustand sind die großen Manöver abgesagt worden.

Amerika. Washington, 6. Juli. (W. T. B.) Die Finanzkommission des Repräsentantenhauses hat einen Bericht ausarbeiten lassen, der fsih gegen den von Nandall vorgelegten Entwurf wegen Revision des Zolltarifs ausspricht.

Zeitungsftimmen.

Die „Deutsche volkswirthshaftlihe Corre- spondenz“ sagt unter der Ueberschrift „Freihändlerische Jnkonsequenz“:

Seitdem die deuts<he Wirthschaftspolitik in Bahnen eingelenkt ist, die si<h von den Wegen der Fretihändler immer mehr entfernten, je deutlicher si herausftellte, daß die freihändlerishen Wege in die Irre führten, seitdem wird von den Anhängern des Freihandels dem Verständniß der Regierung in wirthschafts- und handelspolitischer Be- ziehung au<h nicht das Geringste zugetraut. Alles glauben die Frei- händler besser machen zu können und Alles fehen sie als unbegreiflich an. Daß sie dabei mitunter selbs des Unbegreiflichen viel leisten, das sehen sie nicht ein, oder wollen es niht einsehen. Es zeigen jene Fälle jedoh die Inkonsequenz der freihändlerischen Ansichten in fo frappirender Weise, daß es si<h wohl verlohnt, sie ab und zu in das rechte Licht zu rücken.

Neuerdings giebt die Diskussion über die Revision des s{<wei- zerishen Handelsvertrages Veranlassung dazu. Die Organe der Manchesterpartei sind sonst bekanntlih immer dabei, der Regierung die Fähigkeit zur Wahrung der Interessen der Produktion und des Handels abzusprehen, der Regierung, in der doh zum großen Theil noch dieselben Männer sitzen, die in der Freik,andels-Aera als große und einsichtsvolle Wirthschafts- und Handelspolitiker gefeiert wurden. Die Handelsverträge, die damals abgeschlossen wurden, galten als Muster, während heute der Regierung die Fähigkeit zum Abschluß eines vortheilhaften -Handelsvertrages kurzer Hand abgesprochen wird. Nun ist aber die Frage, was die Freihändler als vortheilhaft ansehen; man sollte do< meinen, einen Vertrag, der der deutschen Industrie eine große Möglichkeit des Exports gewährt. Aber damit hat man fehlgeshossen. Der \{<weizerishe Vertrag ist ein folher Vertrag, und gerade den greifen die Freihändler an. In dem Tone des Mitleids mit der armen Schweiz ist ein Ar- tikel gehalten, der sih in einem großen Theil der manchesterlihen Presse findet. „Es ist bemerkenswerth“, heißt es darin, „daß sih im Deutschen Reih weder in der Regierung no<h in den Parlamenten, noch in den betheiligten gewerblichen Kreisen au<h nur eine Stimme für PAInG, des Vertrages erhoben hat, während umgekehrt in der Schweiz der Ruf nah Beseitigung des Vertrages seit längerer Zeit und besonders nachdrü>lih seit den leßten deutschen Zollerhöhungen ertönt. Die Gründe für dieses vershiedene Verhalten sind aus der Note des \{<weizeris<hen Bundesraths klar ersichtlih, und Niemand,