1886 / 168 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

T)

-

seine Auffahrt halten. Um 5 Uhr findet große Hoftafel ate und Na<hts 12 Uhr reist Se. Königliche Hoheit na<h Scheve- ningen ab. Jhre Königliche Hoheit die Frau Prinzessin weilt noh in Kamenz.

Lippe. Detmold, 15. Juli. Die Synode hat, nah dem „Allg. Anz.“, in ihren Sitzungen vom 9. d. M. bis gestern u. A. folgende wichtigen Beschlüsse gefaßt: _ :

1) In der vierjährigen Etatsperiode vom 1. Juli 1886 bis 1. Juli 1890 soll jährlih ein halbes Simplum der Klaf\en- und Einkommensteuer von allen evangelischen Bewohnern des Landes zur Synodalkasse gehoben werden. 2) Alle evangelischen Prediger follen das in der Synodalordnung vom Sahre 1876 nach einer %jährigen Dienstzeit zugesicherte Minimalgehalt von 3000 M hon nah 2Wjähriger Dienstzeit erhalten. (Die Pfarr- wohnung bleibt außer Berehnung. ) 3) Der Gemeinde St. Johann-Lemgo ist ein Zuschuß von 600 M zur Besoldung eines Hülfsgeistlichen bis zur Gründung einer zweiten Pfarrstelle daselbst jährlih bewilligt worden. 4) Dem Kirchenvorstand der [lutherischen Gemeinde ist das Gesuch um einea Zuschuß von 600 zu dem Ge- halt eines anzustellenden Hülfsgeistlichen abgeschlagen. 5) Der zum 1. Ofttober. d. I. in den Ruhestand tretende General-Superintendent Koppen hat seine Pension im Betrage von 4000 s. bewilligt erhalten, ohne daß dadur die Besoldung des künftigen General-Superinten- denten gekürzt wird.

Oesterreich - Ungarn. Wien, 19. Juli. (W. T. B.) Die „Wiener Abendpo st“ reibt: Ein erlauchter und ehr- würdiger Gast, Se. Majestät der Deutsche Kaiser, der Send und Bundesgenosse unseres erhabenen Monarchen, betritt heute nah Jahresfrist wieder den österreichischen Boden, um, wie seit Jahren, an den Heilquellen Gasteins neue Kräftigung zu suchen. Daß er sie au diesmal wieder finden möge, ist der aufrichtige Wunsch der Millionen, welche seine Ankunst stets als einen erneuten Beweis der Freundschaft zwischen zwei mächtigen Nachbarreichen und als Unterpfand für den europäischen Frieden freudig begrüßen.

Großbritannien und JFrland. London, 19. Juli. (W. T. B.) Der ehemalige Deputirte der Parnelliten in der Grafschaft Südtyrone, O’'Brien, ist von dem Kandidaten der dissentirenden Liberalen mit einer Majorität von 99 Stimmen geschlagen worden.

ranfrei<h. Paris, 17. Juli. (Fr. C.) Der Pr ä- s ide Grévy unterzeichnete heute die Dekrete, durd welche der Graf de Montebello, Gesandter in Brüssel, zum Botschafter in Konstantinopel, an Stelle des in Disponibilität versezten Marquis de Noailles, Hr. Decrats, Botschafter in Rom, zum Bo tsh after in Wien, an Stelle des demissionirenden Grafen Foucher de Careil, und Hr. De Mouy, Gesandter in Athen, zum Botschafter in Rom, an Stelle Decrais' ernannt werden. O

General Boulanger hat auf Antrag des Justiz-Ministers und des Ministerraths angeordnet, daß Prinz Roland Bonaparte, Unter-Lieutenant i. N. beim 36. Fnfanterie- Regiment, aus den Cadres der Armee gestrichen werde.

Gestern Abend ging von dem General-Kommando an der Place Vendôme ein militärisher Fa>elzug mit der Musik des 74. und 113. Infanterie-Regiments aus, welcher

* die Rue de Castiglione, die Rue Rivoli, Rue Royale, die

Boulevards de la Madeleine und des Capucines bis zum Opernplay einschlug und vor dem „Cercle Militaire“ Halt machte, dessen offizielle Einw eihung eine Menge Offiziere und dihte Schaaren Neugieriger vor dem ehemaligen Splendide-Hotel versammelt hatte. Das Volk sang die „Marfeillaise“ bei den Klängen der Militärmusik, und als um ‘halb 10 Uhr der Kriegs-Minister, General Boulanger, angefahren kam, wurde ihm eine Huldigung dargebracht, wie sie seit Fahren feinem General oder Staats- mann in Frankreich zu Theil geworden ist. Noch ertönte auf der Place und der Avenue de l'Dpéra D Ne Boulanger! Vive la République!“ als der Minister s{hon, von den Kommissären des Klubs und dem General Colonieu geleitet, die Treppen hinanstieg, um oben einen ähnlichen, wenn au<h etwas minder geräuschvollen lang zu finden. Als ex nah einer Stunde nah seiner Wohnung im Hotel du Louvre zurü>kehrte, steigerte si no<h der Enthusiasmus der Menge. Sie ließ ihn nicht die Füße auf den Boden seßen, um zu seinem Coupé an der Edle der Rue Louis-le-Grand ju gelangen, sondern trug ihn, wie einen Triumphator, und folgte dann dem Fuhrwerke dicht gedrängt unter unaufhörlichen Hochrufen, den Kutscher zwingend, im langsamsten Schritt den Weg zurücßzulegen. Vor dem Cercle Militaire herrschte bis tief in die Naht hinein das regste Leben, und wurden namentli<h die Offiziere des Tongking-Heeres, E einige junge Juvaliden, mit unermüdlichem Zurusfen egrüßt.

19. Juli. (W. T. B.) Der Conseils-Präsident und Minister des Auswärtigen, de Freycinet, empfing heute i den Bote ter von Courcel, welher sih gegen Ende dieses Monats nah Berlin begiebt. Jn Folge von Ueberhäufung mit Arbeiten hat Hr. de Freycinet seinen Plan, nah Nantes zu gehen, aufgegeben.

Der Munizipalrath von Paris hat den Bericht De- passe's angenommen, welcher beantragt, auf der Stelle der ehemaligen Tuilerien ein Denkmal zur Erinnerung an die französische Revolution zu errichten, dessen Ent- hüslung im Me 1889 stattfinden soll.

Marseille, 20. Juli. (W. T. B.) Wie am Sonn- abend und Sonntag, so fanden au gestern Abend vor dem Nedaktionslokal des orleanistishen Journals „Soleil du Midi“ S statt, deren Bewältigung der Polizei erst, nahdem sie ansehnlich verstärkt worden war, gegen Mitternacht gelang.

Ftalien. Rom, 19. Juli. (W. T. B.) Bei den Er gänzungswahlen zur D eputirtenkammer wurde in Ravenna und Forli Cipriani wiedergewählt. Außerdem wurde in Ravenna der Kandidat der Radikalen, Caldesi, ge- wählt. Jn Ferrara wurde Jmbriani von dem ministeriellen Kandidaten Cavalieri geshlagen. Jn Reggio wurde der Kandidat der Opposition, Vollaro, gewählt. Die Regierung hat einen Siß gewonnen.

Der Sekretär des Fürsten von Montenegro, Vocovi c, ist hierher zurü>gekehrt.

Serbien. E 19. Juli. (W. T. B.) Der König eröffnete heute die fups<htina mit einer Thronrede, in welcher es heißt: Zur Sicherung der Lebensinteressen des

Vaterlandes hätte der König, getreu der Politik des auses Obrenowitsh und im Einklange mit der Stimme des olfes,

den von Bulgarien geschaffenen Zustand offener Feindselig-

\

«

keiten an „nom eir danke der Nation feierli für ihre Einmüthigkeit und derrmee fürdie im Dienstefürdas Vaterland gebrachten Opfer. Wenngleich die Bemühungen erfolglos gewesen seien und Serbien, den Wünschen der Mächte nachgebend, mit Bulgarien Frieden geschlossen habe, #0 beweise _doh die Einmüthigkeit der Nation deutlich die Wachsamkeit Serbiens zur Vertheidigung der Staatsidee sowie den Willen Serbiens unter jederzeitiger Achtung der Verträge, gegen eine einseitige Störung des Gleichgewichls in dem Balkangebiet zu protestiren. Die Thronrede konstatirt ferner, daß die Beziehungen zu Bul- garien nah dem Kriege die gleichen wie vor dem Kriege, zu den übrigen europäishen Mächten aber die freundschaftlichsten seien, und daß der König dieselben au<h in der Zukunft sorg- samst pflegen werde. An Vorlagen werden namentlich solche

auf finanziellem Gebiet, wobei die Sparsamkeit besonders berücsihtigt werden soll, angekündigt. Ferner empfiehlt

die Thronrede unter Appell an den Patriotismus der Kammer die Ertheilung einer Jndemnität für die während des Krieges erlassenen Verfügungen. Nach Verlesung der Thronrede, die mehrfa<h dur<h Beifall unterbrohen wurde, verließ der König unter lebhaften „Zivio“-Rufen die Skupschtina.

Amerika. New-York, 19. Juli. (W. T. B.) Nach Privatmeldungen aus Matamoros in Mexico hat ein Zusammenstoß zwischen einer kleinen Schaar Aufständi- her und einer Truppen- Abtheilung stattgefunden, wobei die ersteren starke Verluste erlitten. Mehrere auf ame- rikanishes Gebiet geflüchtete Aufständische seien gefangen Und erschossen worden.

Zeitungsftimmen.

Das „Leipziger Tageblatt“ äußert zur inneren Lage: Zwei Jahrzehnte sind vergangen seit der Gründung des Nord- deuts<hen Bundes, anderthalb Fahrzehnte hat das Deutsche Reich zu- rü>gelegt, und na< den üblichen alljährlihen Rechenschaftsberichten und Uebersichten über die Leistungen des abgeschlossenen „Parlaments- jahres“ ist es vielleicht auch angezeigt, einen Rückbli> zu werfen auf den größeren Zeitraum und uns zu vergegenwärtigen, was wir in den lettvergangenen fünfzehn Jahren gewonnen haben. Bei einem solchen Rückblick sollte man in den weitesten Kreisen das frohe Behagen erwarten, wie es einem Volke geziemt, das na<h Jahrhunderte langem Sehnen und Streben endlih das Ziel seiner heißesten Wünsche erreiht und den Bau seines in \{werer Kriegsnoth gegründeten nationalen Staatswefens in rüstiger Friedensarbeit unaus- geseßt und ras<h voranschreiten und ih befestigen sieht. Bei einem Bli>k na< Außen muß au< dem Mißmuthigsten das Herz höher \<lagen bei einem Vergleich zwischen den heutigen Ehren des deutschen Namens und der früher uns gewährten mitleidigen Duldung; aber au< im Innern haben wir unvergleichliche Fortschritte gemaht. Das Deutsche Reich ist so fest und stark in die Wirklichkeit getreten, daß Niemand daran zweifelt, daß es den höchsten Aufgaben gewachsen ist. Gegenüber der Thatsache, daß das Reich. ih. vollkommen be- fähigt erwiesen hat, alle idealen und materiellen Aufgaben, welche die Zeit ihm entgegenbrachte, zu lösen, verliert die Frage sehr an Bedeutung, ob die Lösung immer und in allen Fällen gerade die rihtigste und beste war. Vie Antwort darauf wird naturgemäß je nach dem politischen oder Parteistandpunkt vershieden ausfallen; die Hauptsache bleibt, daß unfer nationaler Staat in voller Kraft, d. h. als Staatsganzes, lebt und wirkt und daß die Verschmelzung unserer Einzelstaaten zu einem festgegliederten Bundesstaate bei aller Schonung der bere<tigten Sondereigenthümlichkeiten so rashe und solide Fortschritte gemacht hat, wie es ein besonnener Politiker felbst nach den gewaltigen Ereignissen des Jahres 1870 \{<werli< in der furzen Zeit erwartet hat.

Gleichwohl ist es aber au eine Thatsache, daß in weiten Kreisen Deutschlands statt freudiger Dankbarkeit für das Errungene, statt froher Zuversicht in die Zukunft leider ein gewisses Mißbehagen ver- breitet it. Und bei genauerer Untersuchung wird man auch zugeben müssen, daß es niht an Gründen fehlt, welhe eine gedrü>kte Stim- mung breiter Massen erklärlih machen. Im wirthschaftlichen Leben ist zwar in den leßten Fahren Vieles besser geworden, aber die Folgen der großen Kalamität des vorigen Jahrzehnts sind no< immer nicht Ea Wir haben zwar das Sozialistengeseß, und es ist unleugbar und offenkundig, daß dieses Geseß sich als eine Noth- wendigkeit erwiesen, daß es durchaus segensreih gewirkt hat und wirkt, daß dieses Gesez uns vor der Pest des Anarchismus, welche fast alle anderen Kulturstaaten ergriffen, bewahrt; aber die Sozial- demokratie seßt do<h auch ihre Maulwurfsarbeit no< immer fort, sie ist keineswegs vernichtet oder au< nur überwunden, na<h wie vor stahelt sie die Unzufriedenheit und Begehrlichkeit der Einen an und vergiftet den öffentlichen Geist dur< Erregung der Sorge der Anderen. Und \<merzliher Weise giebt es neben dieser republikanishen Um- sturzpartei no< die „bür erlich-demokratische" und die „freisinnige“, welche, weit entfernt, der Negierung und den gemäßigten Parteien in dem {weren Kampf um die Existenz von Staat und Gesellschaft die erforderliche Unterstüßung zu leihen, niht selten mit den Sozial- A in der Erregung maßloser Unzufriedenheit zu wetteifern

einen.

Troß alledem und alledem ist in der Masse des deutshen Volkes vie politishe Stimmung nicht verbittert ; die Deutschen fühlen mit Befriedigung den unermeßlihen Fortschritt, den wir in nationaler Beziehung gemacht haben, und unser Volk theilt feine8wegs die Sorge der „Freisinnigen“, der Partei der Unzufriedenen um jeden Preis, daß die innere Politik des Reiches in Bahnen eintreten werde, welche mit dem nationalen Geistesleben oder den Bedürfnissen der Gegen- wart in Widerspruch stehen. Die Unsicherheit, die Sorge, das Mißbehagen über unsere politishen Zustände sind weniger im Polke als unter Denjenigen verbreitet, welhe unmittelbar und thätig au den politishen Kämpfen sich betheiligen... .…. Und das Schlimmste bleibt, daß die Gemäßigt-Liberalen und Gemäßigt-Kon- \servativen si bis jeßt no< immer vergeblich bemüht haben, das, was uns vor Allem noth thut, zu Stande zu bringen eine bleibende große Mittelpartei, eine zuverlässige, dem Radikalismus und Ultra- montanismus kompakt gegenüberstehende fonservativ-liberale Mehrheit.

Jede unserer parlamentarischen Parteien mag ja von ihrem Standpunkt aus Gründe genug haben zu Beschwerden und Sorgen jeder Art. Die Stichhaltigkeit der Einzelgründe wollen wir heute niht prüfen, da wir anerkennen, daß der tiefere Grund des Miß- behagens in der ganz natürlichen und unvermeidlichen Unfertigkeit unserer politischen Zustände liegt, welche das frohe Gefühl der Sicherheit nit aufkommen und bei jeder Wendung der Verhältnisse alles mühsam

Errungene wieder in Frage gestellt erscheinen läßt. Dieses Gefühl des Unbehagens wird wesentlich verschärft dur<h zwei \pezifische Züge unseres Volkscharakters. Unser Ideali8mus bedroht uns immer mit der Gefahr, das wirkli<h Erreichte zu unters<häßen, weil es niht in der ganzen Schönheit des Gedankens sich darstellt, und unser Hang zur Kritik verleitet uns nicht selten, nur die Unvollkommenheiten an Personen und Sachen hervorzuheben, während wir das Entsprechende an ibnen als etwas Selbstverständliches hinnchmen. Andere Völker sind an selbstzufriedenem Optimismus zu Grunde gegangen, wir leiden vielleiht eher an einem Uebermaß der Kritik.

Es ist erklärli<, daß alle die Gründe, wel<he unsere politischen Zustände überhaupt leiht in zu trübem Lihht uns erscheinen lassen, in besonders hohem Grade bei der Vertretung der Nation, bei dem

Reichstage zusammentreffen. Aber wenn wir uns die gewaltige Arbeits-

last vor Augen führen, welche no<h_ zu erledigen ist, so thut es doch

au< wohl, die bereits gewonnenen Früchte von Zeit zu Zeit ins Auge

zu fassen, um si< daran zu erfreuen und zu ermuthig.,

erkennen, auf welhen Wegen die reiste Ernte zu erwarten i “e bei diesem Rückbli> können wir keinen Grund finden zu fleintäthigen Verzagen, wir können vielmehr mit froher Zuversicht in die Zukunft hauen. Wir werden dies in etntgen weiteren Artikeln darzulegen

bemüht sein.

Der „Berliner Börsen-Courier“ berichtet:

Die Auswanderung aus dem Regierungsbezirk Marienwerder, di immer besonders stark war und si< aus der deutshen Bevölkerun viel mehr rekrutirt als aus der polnischen, hat, nach offiziöfer Mel[- dung, wie ja überhaupt die Auswanderung aus dem Reiche in der leßten Zeit gegen früher na<gelassen. Im Februar März und April d. J. sind 677 Personen gegen 1065 in denselben Monaten des Vorjahres ausgewandert, davon waren ni<ht weniger als 486 Deutshe und nur 191 Polen. Es ist kaum zu bezweifeln daß auf den viel stärkeren Fortzug deuts<her Bauern, Handwerker und Arbeiter aus den nationalgemischten Landestheilen des Ostens, nament- li< des Regierungsbezirks Marienwerder, das gesteigerte Eindringen russisch-polnisher Elemente von wesentlihem Einflusse gewesen ist,

Amtsblatt des Reihs-Postamts. Nr. 41. Jnhalt: Verfügungen: vom 5. Juli 1886: Stellung des bei Abkürzung des Wortes „Mark“ anzuwendenden Zeichens „H“.

Eisenbahn- Verordnungs-Blatt. Nr. 20. Junhalt: Erlasse des Ministers der öffentlihen Arbeiten: vom 29. Juni 1886 betreffend die Revision von Bahnanlagen und Betriebsmitteln; E vom 3. Juli 1886, betreffend Amtsbezeihnung der außeretatsmäßigen Beamten im inneren Dienst. Nachrichten.

Landtags - Angelegenheiten.

Der Vertreter der Stadt Posen im Hause der Abgeordneten, Vorsteher der Stadtverordneten von Berlin, Eisenbahn-Direktor a. D, Büchtemann, ist am 18. d. M. in Friedri&roda verstorben,

Statistische Nachrichten.

Gemäß den Veröffentlihungen des Kaiserlichen Gesund- heits8amts sind in der Zeit vom 4. Juli bis 10. Juli cr. von je 1000 Bewohnern, auf den Jahresdurhschnitt bere<nect, als gestorben gemeldet: in Berlin 32,9, in Breslau 31,1, in Königsberg 27,2, in Köln 95,5, in Frankfurt a. M. 21,5, in Wiesbaden 10,3, in Hannover 24,56, in Kassel 30,0, in Magdeburg 33,8, in Stettin 33,4, in Altona 30,3, in Straßburg 17,2, in Mey 26,0, in München 29,2, in Nürnberg 27,2, in Augsburg 31,0, in Dresden 21,6, in Lipzig 24,2, in Stuttgart 18,2, in Karlsruhe 24,7, in Braunschweig 23,2, in Hamburg 24,0, in Wien 9,6, in Pest 34,9, in Prag 34,8, in Triest —, in Krakau 21,7, in Basel 11,8, in Amsterdam 22,2, in Brüssel 22,6, in Paris 22,4, in London 19,4, in Glasgow 18,9, in Liverpool 18,2, in Dublin 23,1, in Edinburg 20,5, in Kopenhagen 26,2, in Stockholm 22,9, in Christiania 14,7, in St. Petersburg 831,0, in Warschau 28,1, in Odessa 43,7, in Rom —, in Turin 17,9, in Venedig 21,8, in Madrid —, in Alexandria 50,5. Ferner in dec Zeit vom 183, bis 19, Juni cr.: in New-York 23,0, in Philadelphia 17,3, in Baltimore 911, in San Francisco —, in Kalkutta 25,9, in Bombay 23,7, in Madras 29,0. |

Die Sterblichkeit hat in der Berichtswoche in den meisten Groß» städten Europas, namentlich in den deutshen, zugenommen, während sie in Wien, Basel, Paris, Christiania, Glasgow, Liverpool ctwas kleiner wurde oder die glei<h hohe wie in der Vorwoche blieb. Von den deutshen Städten melden mehrere süddeutshe YOrte (Wiesbaden, Stuttgart, Straßburg), ferner Dresden, Barmen, Düsseldorf niedrige Sterblichkeitsziffern. Die Steigerung war in den meisten Städten bedingt durh die größere Zahl von Sterbefällen an Darmkatarrben und Brechdurchfällen der Kinder, die fast alljährli<h um Mitte des Juli die größte Höhe erreicht. Doch reichte sie in diesem Jahre, in Folge der ungewöhnlich kühlen Witterung, bei Weitem niht an die Höhe der vorhergegangenen Jahre, so daß selbst in Berlin, wo um diese Jahres- zeit die Zahl der Todesfälle an diesen Krankheitsformen meist eine abnorm hohe ist, nur 285 Todesfälle gegen 404 in der entsprechenden Woche des Vorjahres gemeldet wurden. Die Theilnahme des Saug- ling8alters an der Sterblichkeit war natürlich eine gesteigerte, do gleichfalls feine so bedeutende wie in den Vorjahren. Von 10 000 Lebenden starben, aufs Jahr berechnet, in Berlin 173, in München 99 Säuglinge, in der entsprehenden Woche des Vorjahres waren die diesbezüglichen Zahlen 265 resp. 128. Eine feine Zunahme erfuhren Sterbefälle an acuten Entzündungen der Athmungsorgane, dagegen forderte der Keuchhusten etwas weniger Opfer Von den Snfektionskrankheiten haben ferner Masern, Scharlach, Diphtherie und Kindbettfieber weniger, typhöôse Fieber und Pocken mehr Sterbe fälle veranlaßt. In Berlin, Dresden, Hamburg, Nürnberg, Gen, Stettin, Prag, Budapest wurden Masernfälle seltener, während 11e in Elberfeld, London, Paris, Wien, St. Petersburg etwas zl nahmen. Au<h Erkrankungen an Masern wurden aus Berlin, Pe sowie aus den Regierungsbezirken Stettin, Düsseldorf, Marienwerder weniger, aus Hamburg, Nürnberg, Edinburg in größerer Zahl ge meldet. Scharlach zeigte sih in Hamburg, London, Paris, Pest häufiger, in St. Petersburg seltener. Die Sterblichkeit an Diphtherie und Croup war in Berlin, Danzig, Dresden, Hamburg, Kassel, Nürnberg, London, Paris, Wien, Prag, Warschau eine ver minderte, in Breslau, München, Kopenhagen, Amsterdam, Sk. Peters burg eine gesteigerte, in Christiania die gleihe wie n del Vorwoche. Das Vorkommen typhöser Fieber war un Allgemeinen ein etwas zahlreiheres; die Zahl der Sterbe- fälle stieg in Berlin, Essen, Paris, London, S. Peter? burg, do< nahm in den meisten dieser Städte die Zahl der gemel“ deten Neuerkrankungen ab. An Fle>typhus kamen aus München, Pest, Odessa je 1, aus St. Petersburg 2 Todesfälle, aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf 1, aus St. Petersburg 14 Erkrankungen zur Meldung. An Rükfallsfieber wurden nur aus Sk. Petersburg 1 Todesfall und 6 Erkrankungen berichtet. Epidemische Genickstartt veranlaßte in Kopenhagen 2 Todesfälle und in Berlin, Nürnber Regierungsbezirk Marienwerder je 1, in Kopenhagen 9 Erfkrankfungel Nosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut führten in S Petersburg, Kindbettfieber in Paris mehrfache Erkrankungen W Todesfälle herbei. Aus Berlin wird 1 Todesfall an Milzbrand 0 meldet. Der Keuchhusten verlief in Berlin, Paris, London milder, y Glasgow rief er mehr Sterbefälle hervor. Poken traten meist in s<ränfter Zahl zu Tage. Magdeburg und Zürich melden je 1, Wien und ie je 2, Paris, St. Petersburg, Warschau mehrfahe, Pest 13 Todes! Erkrankungen an Pocken kamen aus den Regierungs-Bezirken Düsse dorf und Schleswig je 1, aus Breslau und London je 3, aus In und St. Petersburg je 11, aus Pest 39 zur Anzeige. 2 Cholera zeigte in der Stadt Venedig eine weitere Abnahme d Epidemie; in der Berichtswoche erlagen derselben nur no<h 7 per fonen; do< wurden vom 11. und 12. Juli no< weitere 12 Ern kungen mit 6 Sterbefällen gemeldet. In Brindisi und San Vil verläuft die Epidemie jeßt milder, in Latiano, Francavilla, Erh Codigoro tritt sie jer no< mit großer O auf. Vom n bis 16. Juli sind in diesen 6 Ortschaften zusammen 651 Erfkranfung® mit 248 Todesfällen gemeldet worden, von denen auf Latiano 1318 frankfungen und 57 Todesfälle, auf Francavilla 334 Erkrankung! n 129 Sterbefällen kommen. Sn Fiume und Triest zeigte ih Gr Cholera gleichfalls. Vom 15; bis 16. Juli kamen in Fiume Zj franfungen und 6 Sterbefälle, in Triest vom 10. bis 16,08 95 Erkrankungen mit 9 Todessällen zur Meldung. A

Den „Württembergishen Jahrbüchern für Statistik 17 Landeskunde“ entnehmen wir nahstehende Angaben über das w urtten bergishe Volks\hulwesen. Danach bestanden am I Jan 1886 im ganzen Lande 4332 Lehrstellen, wovon 3183 ständige 1!

1149 unständige waren : 3019 gehörten in den Geschäftsbereich der ngelishen und 1313 in denjenigen der katholis<hen Ober-Scul- uo V4 ‘Die Zahl der Volks- oder Werktagéschüler betrug 317 142, K waren 151 460 oder 47,8 9% Knaben und 165 682 oder 52,2 %/o Midchen. n 3002 evangelischen Sculklassen wurden 105 677 Kna- : 117 966 Mädchen, zusammen 223 643 Schulkinder, und in sischen Schulklassen 43 824 Knaben und 46 211 Mädchen, 90 035 Kinder unterrichtet, während si< 335 Knaben und 506 Mädchen (841 Schulkinder) in 27 israelitis<en Schulen, 810 Knaben und 99 Mädchen (zusammen 905 Schüler) in 7 Seminar- Uebungs\hulen, 763 Knaben und 524 Mädhen (zufammen 1287 Kin- der) in 22 Rettungsanstalten und 51 Knaben und 380 Mädchen (zu- ammen 431 Schulkinder) in 15 Privatschulen befanden

- Nas bes rom 31. Rheinischen Provinzial-Landtag festgestellten Etats der provinzialständishen Verwaltung der Rhein- yrovinz für die Etatsjahre vom 1, April 1886 bis 31. März 1887 und vom 1. April 1887 bis 31. März 1888 beträgt der Jahres-Hauptetat für die Etatsperiode 1886—88 1n Einnahme: 1. Renten: 1) Dotationsrente auf Grund der Gesetze

ben und 1311 fatho zusammen

vom 30. April 1873 und 8. Juli 1875 1756 736 A6 (1 756 T36A6).*) 9) Erhöhung derselben für das Hebammenwesen (F. 12 des Gesetzes com 8. Juli 1875) 930 A (930 J). 3) Desgleichen für die Heb- ammen-Lehranstalt zu Köln (8. 13 des Geseßes vom 8. Juli 1875) 4972,50 t. (4972,50 M). 4) Desgleichen für die landwirth\caft- lihen Schulen ($. 14 ibid.) 12 600 e. (12 600 6). 59) Desgleichen fr die Straßenverwaltung (F. 20 ibid.) 2056 233 M (2 056 233 M). 6) Kreisrente ($. 1 des Geseßes vom 30. April 1873 und $. 26 des Geseßzes vom 8. Juli 1875) 333411 M (333411 c), Summe Titel T. 4164 882,60 M (4164882,50 M). IL SBinsen, Pächte und Miethen: 1) Einnahmen des Provinzialfonds: a. Zinsen 74000 M (64960 M). b. Pächhte und Miethen 6000 M (6600 O... 2) ginjen des Kreisfonds (146 594,61 A6). 3) Zinsen von vorübergehend rentbar angelegten Beständen der GCentralfonds 20610,66 M (27 989,41 M). Summe Titel II. 100 610,66 (245 144,02 6). III. Umlage: Zur Ergänzung der Dotationsrente, sowie zur Verzinsung und Tilgung der Jrrenanstalts- Bauschuld 2 960 000 M. (3180 000 A). Summe Titel II. per se. 1ÿ. Verschiedene Einnahmen: 1) Ueberschuß aus den Pachterträgen der Anstalt Siegburg (12 750 6). 9) Außergewöhnliwe Ein- nahmen resp. ¿zur Abrundung 506,84 H. (3223,48 #6). Summe Titel 1V. 506,84 (15 973,48 6). Gesammteinnahme 7 226 000 (7606 000 A). Der Jahres-Hauptetat für die Etatsperiode 1886—88 in Ausgabe: I. Auf der Dotationsrente ruhende Ausgabe-Verpflich- tungen: 1) Rente an den Pfarrer der Gertrudiskirche in Essen 25 (25 6). 2) Rente an die katholischen Armen zu Werdcn in Geld und Naturalien 2377,35 A (2609 J). 3) Rente an die Rettungsanstalt Düsselthal 900 F (900 M). 4) Rente an die Armen zu Kettwig 100 e (100 A6). Summe Titel X. 3402,39 M (3625 A6). IL. Zu- {üsse an die einzelnen Institute und Verwaltungen: 1) An die Centralverwaltungsbehörde 277 969 M (268370 M) 2) A die Rittwen- und Waisenkasse 8500 s. E ee waltung des Landarmenwesens 575800 (515800 M). 4) Für die Unterbringung verwahrloster Kinder 116 000 M (136 000 6). 5) Für die Provinzial - Arbeitsanstalt zu Braun- weiler 215 900 6 (282000 M). 5) Für das Hebammenwesen 97 902,50 6 (26 902,50 6). 6) Für das Taurbstummenwesen 170 725 M (162 825 6). T) Für die Provinzial-Blinden-Anftalt zu Düren 67 400 4. (68 140 A6). 8) Für das Irrenwesen 318200 M (433 000 6). 9) Zur Unterstüßung milder Stiftungen, Rettungs-, Tdioten- und anderer MWohlthätigkeits-Anstalten 10 000 é (10050 é), 10) Zu den Kosten der Unterbringung und des Unterhalts von Epi- leptifern 50 600 A (25 709 A6). 11) Für die landwirthschaftlichen Lhranstalten und zu sonstigen landwirthschaftlichen Zwecken 90000 M. (73000 M). 12) A. Zur Förderung von Kunst und Wissenschaft 19000 6 (15 000 6). B, Für die Verwaltung der Provinzial- Museen zu Bonn und Trier 14 000 4 (—). 13) Für die Provinzial- Straßen-Verwaltung 4 623 000 6 (4 623 000 M). Summe Titel II. 6584 992,50 At. (6 639 737,50 A6). III. Einmalige außerordentliche Ausgaben: 1) Für den Bau der Provinzial-Museen zu Bonn und Trier 134 000 4 (—). 2) Zu Meliorationen und Aufbesserung der wirthschaftlihen Verhältnisse in den Gebirgsgegenden, wie in den Vorjahren 100 000 Æ6. (—). - 3) Zur außerordentlichen Tilgung der Irrenanstalts - Bauschuld 69 656,66 M. (—). 4) Zur Verstärkung des Ständefonds 29 754,34 M. (—). 5) Zur rentbaren Anlegung der Kreisrente und der Zinsen (480 005,61 46). Summe Titel TIT. 333 411 6 (480 005,61 6). IV. Verschiedene dauernde Ausgaben und Lasten: 1) Zur Verzinsung und Tilgung der Irren- anstalts-Bauschuld 300 000 M. (480 000 f). 2) Für die in Bonn belegenen Immobilien des Provinzialfonds 1800 (1800 A6). 3) Pensionen und Unterstüßungen für ehemalige Bedienstete der An- stalt Siegburg 1687 A (—). 4) Außergewöhnliche Ausgabe resp. ¡ur Abrundung 707,15 46 (831,89 6). Summe Titel IV. 304 194,15 #6 (482 631,89 6). Gesammtausgabe 7 226 000 M. (7 606 000 A6). Die Einnahmen betrugen 7 226 000 1, die Ausgaben 7 226 000 M. Demnach balancirt der Hauptetat.

Kunst, Wissenschaft und Literatur. - Der Präsident der Kaiserlichen ' Leopoldinischen Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher, Geheime Regierungs-Rath Professor Dr. Hermann Knoblau<h zu Halle a. d. S., hat am 10, Juli dem Sanitäts-Rath Dr. med. Constantin Lender (Berlin und Kissingen) die Mittheilung gemacht, daß er von dem Sektionsvor- stande für Chemie sowie vom Adjunkten-Kollegium zum Mitgliede der K. 2, C. D. Akademie gewählt worden ift. Jahresberichte über die Fortschritte und Ver- änderungen im Militärwesen. 12, Jahrgang. Unter den Publikationen der periodis<hen Militärliteratur haben si<h seit länger als einem Jahrzehnt die Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen, herausgegeben von dem K. Oberst 3. D Drn. von Löbell (Verlag der K. Hofbuchhandlung von Mittler und Sohn, hiersebst) einen weit über die Grenzen der Heimath hinausreichen- den Leserkreis gewonnen und sind, wie die zahlreichen Uebertragungen in fremde Sprachen zeigen, zu einem der Wesltliteratur angehörenden Werk geworden. Korrektheit und Reichhaltigkeit des Inhalts, form- Crgudle und übersichtliche Art der Darstellung, Rücksicht auf Aktualität, bjektivität in der Behandlung des Stoffes, dies sind die dem Buch seit seinem Erscheinen treugebliebenen Eigenschaften, welche das An- sehen der Jahresberichte begründet haben und ihm stets neue Gönner und Freunde zuführen. Auch in den Bücherbespre<hungen und Biblio- graphien der außerdeuts<hen Militär - Sournale wird dem Ffdiegenen literarischen Unternehmen der Jahresberichte die verdiente usmerksamkeit zugewendet und dasselbe stets von neuem als eine der gp oritätsvollften Quellen zur richtigen Beurtheilung der militärischen (ahtverhältnisse der Staaten sowohl als zur Kenntniß der Vervoll- ommnungen und Verbesserungen der Streitmittel, des modernen Krieges und der kriegsgeshi<tlihen Vorgänge des leßten Jahres gewürdigt. fe innere und äußere Anordnung des Buches ist auch diesmal die- H e wie bei den früheren Jahrgängen, und ist wiederum von dem erausgeber darauf Bedacht genommen worden, den Interessen des Tages in besonderer Weise Rechnung zu tragen. In dem der Dar- stellung des Heerwesens gewidmeten Theil bringt der eben erschienene Fand einen längeren Bericht über die Armee des Königreichs Italien. Fer enthält derselbe Cxposés über die Streitkräfte Belgiens, h Vereinigten Staaten, der Schweizerischen Eidgenossenschaft jowie Be Reiche Marokko, Anam und Siam. Dem zweiken Theil sind Ferie über die Handfeuerwaffen und die Militär-Luftschiffahrt, es jüngsten Zweig des modernen Krieges, einverleibt. Dank der ebenso sahli<h gehaltenen Betrachtung der Faktoren des heutigen A ertampses wie dem näheren Eingehen auf das Problem der Ne- N irgewehrfrage, regen diese Betrachtungen den Leser unwillkürlich zu veiterem Eindringen in den Stoff an und veranschaulichen die sich n den verschiedenen Ansichten ausprägenden Gegensätze. An die Berichte

G *) Die eingeklammerten Zahlen geben den Betrag des früheren Stats an,

über die cinzelnen Zweige des Waffenwesens und der Taktik reihen sich concis gefaßte Darstellungen des serbis>-bulgarischen Krieges im Ok- tober und November 1885, der französishen Erpedition nah Mada-

gascar, des Krieges gegen Tonking und China und des Feldzuges der Engländer im Sudan. Awhtundsiebenzig Nekrologe verdienstvoller

Heerführer, die im Jahre 1885 aus dem Leben geîicieden, schließen den Band ab, der troß der großen Zahl der Mitarbeiter, die an ihm mitgewirkt, überall das Gepräge harmonis<her Gleichheit trägt.

Auszug aus den Nivellements der Trigonometri- \<en Abtheilung der Landesaufnahme. 5 Hefte. Bearbeitet von dem Bureau des Centraldirektoriums der Vermefsungen. (E. S. Mittler & Sohn, Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruerei Berlin, Kochstraße 68—70.) Das Königliche Centraldirettorium der Vermessungen hat die von der Trigonometrischen Abtheilung der Königlichen Landesaufnahme herausgegebenen Nivellements zum hand- lien Gebrau für die Provinzialbehörden, Bautechniker und In- genieure jeßt im Auszuge und nah Provinzen zusammengestellt heraus- gegeben. In fünf cinzelnen und zu befonders billigem Preise (von 1,50 A bis 1,80 M) fäuflihen Heften findet man nunmehr sämmt- lihe ciner geographishen Gruppe zugehörigen Höhenbestimmungen vereinigt: T. Rheinland, Pfalz, Reichslande. II. Schleswig-Holstein, Hannover, Westfalen. I11. Provinz Sachsen, Hessen-Nassau und die Thüringischen Lande. IV. Pommern, Brandenburg, Mecklenburg. V. Posen, Schlesien.

_— Von dem großen, im Verlage des Bibliographischen Instituts zu Leipzig erscheinenden Werke: „AllgemeineNaturkun de“ (Fort- setzung von Brehm's Thierleben), desfen 1. Band , Völkerkunde“, von Prof. Dr. Fr. Natel, und dessen 2. Band „Der Mensch“, von Prof. Dr. Joh. Ranke, bildet, ist der 3. Band herausgegeben worden, betitelt: „Erdgeschiht e“, von Prof. Dr. Melchior Neumayr_in Wien. 1. Theil : Allgemeine Geologie (XI]. und 653 Großoftav-Seiten mit 334 Abbildungen im Text, 15 Aguarelltafeln und 2 Karten. Preis, in Halbfranz geb. 16 44). Der Verfasser eröffnet dem Laien hier das weite und interessante Gebiet der Geologie; er mat ihn mit der Geschichte und den Grundbegriffen dieser Wissenschaft bekannt, dann mit der vhysifalishen Geologie (die Erde im MWeltenraum : Fixsterne, Planeten, Spektralanalyîe, Sonne, Mond, Erde, Meteoriten, vbvysikalische Beschaffenheit der Erde), mit der dynamischen Geologie (Vulfane, Erdbeben, Gebirgsbildung, Wirkung von Wasser und Luft) und mit der Gesteinsbildung (Schicht-, Massengesteine, krystallinische Schiefer). Bei strengster Wissenschaftlichkeit ist das Buch populär gehalten, sodaß jeder Gebildete es mit Interesse und mit großem NußÊin lkesén - wt G ae Wol Tae a anbeues Thema, welhes so fesseln könnte, wie die Untersuchung über die Ershaffung und Beschaffenheit der Weltkörper, nihts so Inter- essantes wie der Bli>k auf die fernste Vergangenheit der Erde und die Belehrung über die gewaltigen Kräfte, die die Bildung und Um- bildung der Weltkörper hervorgebraht haben und no< heute dabei thätig find, zumal wenn dies so klar, geist- und verstänonißvoll dargestellt ist wie in diesem Buche. Das Anregende desselben wird dur cine Fülle vortreffli<her dem Text eingefügter Illustrationen, Aquarelltafeln und Karten auf das Wirksamste unterstüßt. Dié typographishe Ausstattung ist dieselbe vorzüglihe wie bei den erst- ers<ienenen beiden Bänden dieses gediegenen und aus vollster Ueber- zeugung warm zu empfehlenden Werkes.

Non dem im Verlage von F. Tempsky in Prag und G. Freytag in Leivzig erscheinenden Sammelwerke „Das Wissen der Gegenwart“ liegen wieder drei neue Vände (50 bis 52) (geb. à 1 A6) vor:

50) Dr. August Fournier: „Napoleon I.“ Eine Biographie. Erster Band: Von Napoleon's Geburt bis zur Begründung seiner Alleinberrschaft über Frankreich. (241 Seiten. 89. Mit dem Bildniß Napoleon's, nah David.) Die Forschungen über die Ge- {ite Napoleon's 1. sind bis heute nicht abgeschlossen. Der Pro- fessor Dr. Fournier in Prag hat si< hier der \<{wierigen Aufgabe unterzogen, das Werden, Wagen und Wirken des großen Mannes in fnapper Erzählung den weitesten Kreisen der Gebildeten darzustellen.

Die Arbeit basirt durhweg auf genauestem Quellenstudium, und der,

Verfasser hält sich frei von politischer Befangenheit. Die Geschichte der Bonaparte's auf Korsika, Napoleon’s Geburt und Lehrjahre, und die ganze inhaltéschwere große Zeit von 1769—1302 wird vom Autor in vornehm-s{<li{<ter Form ers<öpfend und dabei doch überall furz und bündig geschildert. Am Schlusse des vorliegenden ersten Theiles ist in dankenswerther Weise eine Fülle literaris<er Nachweise mit- getheilt, wel<he den Leser auf Werke verweisen, die ihm dabei am zuverlässigsten dienen können. Das Werk, welches manches Neue bietet, ist auf zwei Bände bere<net

D) Dr, Ab olf Els as Der Sl Eine pyopuläre Dar- stellung der physikalishen Akustik mit besonderer Berücksichtigung der Musik. (216 Seiten 89, Mit 80 in den Text gedrudtten Abbildungen und dem Porträt Chladni's.) Der VBerfasscr, Privatdozent an der Marburger Universität, behandelt die gesammte Schalltheorie in vier Kapiteln, indem er zuerst die allgemeinen Geseße der Schallbewegung bespricht, dann zu den Schwingungsformen tôönender Körper übergeht, hierauf eine Analyse der Klänge bietet und mit der Lehre von deren Zusammenwirken abschließt. Das Ton-Intervall, Konsonanz und Dissonanz, das natürliche und künstliche Tonsystem, die musikalische Temperatur, die Grenzen der Hörbarkeit, die Resonanz, die Telephonie, das Mikrophon und der Phonograph, die Blasinstrumente, die Klang- farbe, die Hülfsmittel der Klang-Analyse, die Charafkteristik musikali- {er Klänge, die Schwebungen der Obertöne, die konsonanten Drei- flänge, die Differenz- und Kombinationstöne das und no< eine Fülle hochinteressanter und durchaus wissenswerther Themen ist in be- sonderen Kapiteln klar und faßlich behandelt. Die Resultate der exaften Forschung werden dem Leser in übersichtliher Darstellung ge- boten; nirgends verfällt der Verfasser in den Fehler dokftrinärer Aus- cinanderseßzung. Der Musiktheoretiker, der Comvositeur, der Praktiker und Schüler, mag er welches Instrument immer beherrschen oder be- herrs<hen lernen, wird das Büchlein mit großem Nußen verwenden fönnen. Zahlreiche vortrefflihe Abbildungen erläutern die Worte des Textes; interessante Beigaben sind die Biographien von Chladni und Helmholt. Ein sorgfältig ausgearbeitetes, ausführlihes Register er- leichtert die Benußung des trefflichen Werkes.

52) Dr. Otto Krümmel: „Der Ozean." Eine Einführung in die allgemeine Meereskunde. (242 Seiten 8°. Mit 77 in den Text gedruckten Abbildungen.) Wer sich für das Meer und seine Phänomene interessirt, wird in diesem Merk des Kieler Universitäts- Professors Dr. Otto Krümmel Antwort auf jede feiner Fragen finden ; knapp und klar, ftreng wissenschaftlih und doch durchaus volksthümlich geschrieben, bietet dieses Büchlein dem Leser dur<hweg Befriedigung seines Wissenseifers und bleibt eine reiche Quelle lebendiger Anregung. Cine Menge von Abbildungen (Meereskarten, Instrumente, Schiffs- ansichten 2c. 2c.) erläutert den Text in vorzüglicher Weise; zum Schlusse ist ein ausführlihes Namens- und Sachverzeichniß beigegeben, welches die Benußung des Buches erleichtert und bequem macht.

Alle drei Werke sind werthvolle Bereicherungen der Bibliothek des „Wissens der Gegenwart“, die zu einem so überaus billigen Preise gediegene Bücher liefert.

Von „Engelhorn's Allgemeiner RNomanbibliothek“ (Stuttgart, J. Engelhorn) sind die Bände 20—23 50 4) er- O Band 20 bringt 3 Erzählungen von Hans Hopfen, die <on dur< den Namen ihres Autors empfohlen sind: „Mein erstes Abenteuer“, „MNezept für junge Frauen“ und „Wie der Wald \{wand“. Der 21. und 22. Band enthalten einen aus dem Englischen übersezten Roman von Mrs. Alexander: „Ihr ärgster Feind“, so fesselnd und spannend geschrieben, wie man von einem englischen Roman nur crwarten kann. Im 23. Bande erfreut Claire von Glümer ihre zahlreihen Freunde durch zwei neue anziehende Erzäh- lungen: „Zerline“ und „Ein Fürstensohn“.

Gewerbe und Handel.

Von „Saling's Börsen-Pap iere ist der zweite (finanzielle) Theil in zehnter Auflage als „Saling's Börsen-Jahrbuch für 1886/87"

(F. Weidling) in Berlin erschienen. Das umfangrei<he Hand- und Nachschlagebuh, wel<hes feit langer Zeit von W. L. Hertslet mustergültig bearbcitet wird, hat si< dur<_ die Sorgfalt und Ge- wissenhaftigkeit bei der Sammlung und Sictung des umfang- reihen und immer wacfenden Materials bewährt und be- darf einer besonderen Empfehlung ni<t. Wir beschränken uns darauf, zu bemerken, daß die Anordnung des Stoffes im Wesent- lihen unverändert erscheint, wie au< die Methode der Darstellung die alte geblieben is. Von ähnlichen Handbüchern unterscheidet sich „Saling's Börsen-Jahrbuh“ dadur, daß es nit nur die in Berlin marktgängigen Papiere in jeder Beziehung unterrihtend behandelt, sondern au die an den übrigen größeren deuts<hen Börsen im Handel vorkommenden Werthpapiere von allgemeinerem Interesse angemessen bespricht; es gilt das namentli<h von den Pläßen: Dresden, Leipzig, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart. Von der Bes arbeitung ausgeschlossen hat der Verfasser diesmal die amerika- nishen Eisenbahnpapiere, wel<he in einem besonderen Werke in dem gleichen Verlage erscheinen werden. Im Nebrigen behandelt das Nachschlagebuch : 1) Münzen, Papiergeld und Wechsel, 2) Staats- papiere, Provinzial- und Stadt-Obligationen, 3) Pfandbriefe und standesherrliche Anleihen, 4) Banken, 5) Industriegesellschaften, 6) deutsche Eisenbahnen, 7) fremde Eisenbahnen, 8) Versicherunas8- alli Wie für die früheren Jahrgänge wird au in diesem Jahre ein Ergänzungsheft erscheinen, welches alle seit Erscheinen des Bandes eingetretenen Veränderungen na<trägt und den Käufern des Werkes kostenfrei geliefert wird.

Dem Geschäftsbericht der Frankfurter Güter-Cisen- bahn-Gesellschaft für das Betriebsjahr vom 1. April 183% bis 31, März 1886 entnehmen wir, daß die Resultate im Vergleich zu denen des Vorjahres weit ungünftigere sind. Nach dem Gewinn- und Verlust-Conto betrugen die Cinnahmen: Vortrag aus dem Jahre 1884/85 2285 „#, aus dem Bahn- und Bollwerksbetricb in Frank- furt a. D. 78013 #, aus dem Schiffahrtsbetrieb: a. Stettin— Frankfurt 84 975 M. b. Frankfurt—Stettin 18 444 M, e. Stettin— Vreslau 169 868 M, d. Breslau—Stettin 76 132 4, e. Hamburg “Org erin Bresiau 128 912 Æ, f. Breslau—Berlin —Magdeburg— Hamburg 115 114 M3 an Kohlenfrachten 73499 M; aus dem_Passagierverkehr: a. Breslau—Massel- wiß 32719 Æ, b. Stettin—Schwedt 22682 ä, ec. Ertra- verkehr auf verschiedenen Stationen 2031 F; an Zinsen-Conto 16 729 M; an diverfen Rü>einnahmen aus dem Geschäftsverkehr 8000 6, zusammen 829505 \ Die Ausgaben betragen für 1) den Bahn- und Bollwerksbetrieb Franksurt a. O. bis Grube , Vaterland“ (Gemeinde Kliestow) 46 531 4, 2) Schiffahrtsbetrieb 534 790 A, 9) Handlungsunkosten-Conto 47 846 1, sowie Steuern, Abgaben und Beiträge zu Krankenkassen 6759 4, 4) Nücklagen für den Erneue- rungsfonds: a des Bahn- und Bollwerksbetriebs 9500 A, b. des Schiffahrtsbetriebes 57 398 1, für den Betriebsreservefonds 6000 M, zusammen 708 825 &Æ, so daß ein Reingewinn von 120 680 H ver- bleibt. Dieser Ueberschuß wird in folgender Weise verwendet: 55 °/o Dividende an die Aktionäre 110 000 s, Rücklage zum Kapitalverluft- Reservefonds 6034 46, Tant ème an den Aufsichtsrath, Vorstand und Beamte 2929 # Es bleiben somit 1717 4. übrig, welche auf neue Rechnuna vorgetragen werden.

_ Der Einlösungscours für hier zahlbare Oesterreichische Silbercoupons und verlooste Stücke ist auf 161,25 A für 100 Fl. festgeseßt worden, hat somit gegen die leßte Notiz eine Er- höhung um 25 4 erfahren. i

_— In Straßburg besteht seit dem Jahre 1870 Unter der Leitung des Hrn. A. Hegwein, ein „Handels-Auskunfts- bureau“, weles den Handelsleuten und Industriellen Auskunft über die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden ertheilt. Dieses Bureau erfreut si< der Empfehlung der Straßburger Handelskammer.

Augsburg, 19. Juli. (W. T. B) In der heutigen gemein- schaftlichen Sitzung des Comités der Bremer Baum woll- b örse und der Delegirten der deutshen Spinner wurde die neue Vereinigung konstituirt und die Bestimmungen für die neue Bremer Baumwollbörse definitiv festgestellt, wodurch diese thatsächlich zu einer allgemeinen deutshen Baumwollbörse wird.

London, 19. Iuli. . (W. T. B.) Die am Sonnabend abge- haltene Wollauktion {loß lebhaft zu festen Preisen.

Bradford, 19. Juli. (W. T. B.) Wolle anziehend, Garne ruhig, fest, Stoffe fester.

Wn dia, 10 Sul S T. B.) Vom Sc<haztzsekretär ist nunmebr die angekündigte Amortisirung Z3prozentiger Obligationen bis zum Betrage von 4 Millionen bekannt acmacht worden, die Verzinsung dieser Obligationen hört am 1. Septem- S auf:

Submissionen im Auslande.

T Gatten

DI8L Su Rai: Finanz-Ministerium. Lieferung von Papier, Leinwand und Karton für die egyptishe Staatsdru>kerei. Nähere Bes- dingungen beim Sekretariat des Finanz-Ministeriums in Kairo.

9) 31. Juli, 10 Uhr. Kairo. Administration der Daira-Sanieh.

A. Ueferung bis in den Speicher zu Alexandria von

9 515 Ofkas Bleiweiß mit Oel angerieben, 360 Ofas Blei-Mennige (minium de plomb), 931 Okas pulverisirte Mennige, 12 380 Ofkas weißen Unschlitt, 624 Okfas gelben Unschlitt, 21 700 Ofas Olivenöl, 13 500 Ofkas Kanpoonöl, 846 Ofas geckochtes Leinöl, 9 566 Okas Hanfhadern, 1 532 Ofkas Hanfbindfaden, 529 000 Ofas Zuckersäe, 1 Oka ift glei< 1,236 kg. B. Lieferung bis auf den Eisenbahnwagen in Alexandria von 39 000 Tonnen New Castle-Kohle (Davisons West Hartley), 8 800 Tonnen Koblen-Briquettes (Graipolo Merthir loco- motive), 609 Tonnen Kohlen-Koks (Brancopeth Bear park), 510 Tonnen Canel Cool (Wigan) Kohlen, 55 Tonnen Cartiff-Kohlen (Mixon Merthyr).

Die Submissionsbedingungen und Proben in Kairo und Alexandria zur Einsicht. Die Anerbietungen sind für jede Waare besonders zu machen und einzeln in vershlossenen Umschlägen an die Administration der Daira-Sanich zu Kairo cinzureihen. Die Umschläge müssen die Aufschrift tragen: Offre pour fourniture de ...... felt 3) 16. August, 9 Uhr. Kairo. Ministerium der öffentlichen Ar-

eiten.

Lieferungen und Arbeiten für Bau zweier Schleusen mit me-

tallenen Thoren bei Kodabah. Länge der Schleusen 50 m. Pläne 2c.

im tehnishen. Bureau für Bewässerungsarbeiten in Kairo zur Einsicht. 1I. Rumänien.

90, Juli (a: St.).. Husy, 26. Dorobanzen-Regiment. Lieferung von 1500 Kautschukkragen. Kaution 10%/. Näheres an Ort und Stelle.

Verkehrs - Anstalten.

Trtefi, 19, Juli. (W. T D) Wer Lloyddampfer „Venus“ is mit der ostindishen Post heute Nachmittag aus Alexandria hier cingetroffen.

Sanitätswesen und Quarantänewesen.

Malta. Durch Verordnung der Lokalregierung vom 7. Juli 1886 ist unter Aufhebung der Bekanntmachung vom 29. Juni d. J. „(Reichs- Anzeiger“ Nr. 164 vom 15, Juli 1886) den von Triest nah Malta nenne Schiffen der Einlauf in den dortigen Hafen verboten worden.

wie seither im Verlage der Haude- und Spener’shen Buchhandlung

U Aa E

e pag A dla

us,

K A I E Cr E

0 Pg e a A

E E E N

A S E

"1 Sri) A

A A D G R

l R E 2

Ce ete,