1886 / 183 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Nach dem Diner fand Cercle statt. : Um 51/5 Uhr verließ die Kaiserin von Oesterreih, von dem Kaiser bis zur Terrasse geleitet, das Badeschloß. Gestern nahmen Se. Majestät die Vorträge des Chefs des Militärkabinets, General-Lieutenants von Albedyll, und des Wirklichen Geheimen Legations-Raths von Bülow entgegen. Heute Vormittag hörten Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths von Wilmowski.

_— Der diesseitige Gesandte am Königlich bayerischen Hofe hat einen ihm Allerhöhst bewilligten längeren Urlaub angetreten. Jn Abwesenheit des Grafen von Werthern fungirt der Legations-Sefkretär Graf zu Eulenburg als interimistisher Geschäftsträger.

Die Wahl des Geheimen Ober-Finanz-Raths Dr. Rü- dorff zum Präsidenten der Preußischen Central-Bodenkredit- Gesells@aft in Berlin ist von Sr. Majestät dem König bestätigt worden.

Der Direktor der Kriegs-Akademie, General-Lieutenant von Flatow, ist von Urlaub hierher zurügekehrt.

Schlangenbad,5. August. (W. T. B.) Se. Kaiserliche undKönigliheHoheit der Kronprinz nahm das Diner bei JFhrer Majestät der Kaiserin und Königin ein, machte Nachmittags einen Spaziergang in den Anlagen, stattete dem Prinzen Nicolaus von Nassau einen längeren Besuch ab und trat um 43/4 Uhr über Frankfurt a. M. die Rü>reise nah Potsdam an. FJhre Majestät die Kaiserin gab Sr. Kaiserlichen Hoheit bis nah Eltville das Geleit und kehrte sodann hierher zurü.

Baden. Karlsruhe, 5. August. (W. T. B) Die Mitglieder der Lehrkörperschaften der Universität Heidelberg und die zu deren Jubelfeier entsendeten Délégikten Und Ehreagäfle wurden bei Wkréer Ankunst auf dem hiesigen Bahnhofe von dem Ober- Bürgermeister Lauter begrüßt und begaben \i< dar- auf zu Fuß dur<h die ein dichtes E bildende Menge na<h dem Großherzoglihen Schlosse. Beim Passiren des Rathhauses ertönte von dem Balkon desselben aus der Einzugsmarsh aus Wagner's „Tannhäuser“. Bei dem Eintritt in den Empfangssaal des Schlosses wurde jeder einzelne der Geladenen zuerst Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog und dann Jhrer Königlichen Hoheit der Großherzogin vorgestellt, welhe Beide an jeden der Vorgestellten huldreihe Worte richteten. Die vor- gestellten Personen begaben \si<h hierauf in den Schloß- garten, wo, während die Militärmusik concertirte, Thee gereicht wurde. Nach Beendigung der Vorstellung und nach- dem sämmtlihe Gäste ihre Namen in ein Gedenkbuch eingetragen hatten, wurde in den oberen Räumen des Schlosses das Souper eingenommen, bei welhem \i< der Großherzog und die Großherzogin ununterbrochen unter ihren Gästen bewegten. Untec den Leßteren be- fanden si< auh die preußishen Staats - Minister von Goßler und Dr. Lucius sowie der preußische Gesandte von Eisendeher und der badishe Gesandte Marschall von Bieberstein aus Berlin. Nach beendetem Souper fanden im Schloßgarten bei glänzender Beleuchtung dur<h Magnesium- licht und bengalische Flammen Gesangsvorträge der Karlsruher Gesangpvereine statt. Um 101/, Uhr führte ein Extrazug den Großherzog gemeinsam mit seinen Gästen nah Heidelberg zurü.

Heidelberg, 5. August. (W. T. B.) Der Großherzog hat den päpstlihen Abgesandten, e Steven- son, mit der Ueberbringung eines eigenhändigen Schrei- bens an den Papst und der Ueberreichung der goldenen Jubiläums - Medaille beauftragt.

Bei den heutigen Ehrenpromotionen sind noch zu Ehrendoktoren ernannt worden: S Direktor der Bergakademie in Berlin, Capasso, Superintendent der italienishen Staatsarchive, und Staats-Minister Turban.

Professor von Helmholg sagte, wie nachhträglih ge- meldet wird, in der bei dem Festmahl am 4. d. zu Ehren Heidelbergs gehaltenen Nede:

_Er habe den Auftrag erhalten, auf die Stadt Heidelberg einen Trinkspruch ausubringen; es sei ihm cine Freude dem na<hzukommen. (r habe Heidelberg zuerst als Tourist kennen gelernt und habe den arat seiner Schönheit glei tief gefühlt. Doch gebe es e<te Schön-

eit und fals<e Schönheit. Der Eindru>k der leßteren \{wäce sih ab, wenn man sie zum zweiten Male, sie langweile, wenn man fie zum dritten Male sche. Er habe ausgedehnte Gelegenheit gehabt, Heidelbergs Schönheit als e<t zu erproben, da ihm ein günstiges Geschick gestattet habe, zwölf Jahre hier zu leben. Die Individualität des Menschen sci ein Produkt seiner Geschichte, und so sei die Liebe zu Heidelbergs Landschaft ein Stück seiner Seele geworden.

Aber er wolle si nit in einer poetishen Beschreibung von Heidelbergs Schönheit ergehen: das hätten Tausende \<on vor ihm gethan, darunter die ersten Dichter deutscher Zunge von Goethe bis auf den uns erst jüngst entrifsenen, dessen Lieblingsthema diese Stadt fra Ihnen könne er nit naheifern. Ihm scheine, Jeder \spre<he am

esten von dem, was er selbst am besten kenne, und Heidelbergs Ehren- kranz werde am schönsten, wenn mannigfaltige Blumen hineingeflohten würden, au< einmal eine etwas absonderli<he. Darum wolle er die Schönheit der Stadt als Naturforscher betrachten. _ Sei es ein Zufall, daß von diesen grünen Hügeln aus der- geistige Bli>k des Menschen zum ersten Male in die uner- meßlihen Welträume gedrungen fei mit der Einsicht, wie die chemische Natur der Weltkörper zu entziffern sei, ein Unterfangen, wel<es unmittelbar vorher no< als die abenteuerlihste Un- möglihkeit hätte ersheinen müssen? Er glaube das Gegen- theil. Etwas vom Schauen des Dichters müsse auch der Forscher in si tragen. _

Freili<h ist leßterem mühsame und geduldige Arbeit nöthig, um das Material zu sihten und bereit zu machen. Aber Arbeit allein kann die Licht gebenden Ideen nicht herbeizwingen. Diese springen wie die Minerva aus dem Kopfe des Jupiter, unvermuthet, un- geahnt ; wir wissen niht, von wannen sie kommen. Nur das ist sicher : dem der das Leben nur zwis<en Büchern und Papier kennen gelernt hat und dem, der dur einförmige Arbeit ermüdet und verdrossen ist, dem kommen sie ni<ht. Die Empfindung von Lebensfülle und Kraft muß da sein, wie sie vor Allem das Wandern in der reinen Luft der Höhen giebt. Und wenn der stille Frieden des Waldes den Wanderer von der Unruhe der Welt scheidet, wenn er zu seinen Füßen die reiche üppige Ebene mit ihren Feldern und Dörfern in einem Bli>e umfaßt, und die sinkende Sonne goldene Fäden über die fernen Berge spinnt, dann regen si< wohl au \ympathis< im dunklen Ä eperaunde seiner Seele die Keime neuer Ideen, die gecignet sind, Licht und Ordnung in der inneren Welt der Vorstellungen aufleu<hten zu machen, wo vorher Chaos und Dunkel war,

lier Begeisterung, die wir alle lieben und zu der wir gekommen find, weil wir sie lieben, „Alt-Heidelberg, die feinc, die Stadt an Ehren reih“, sie wa<se, sie blübe, sie lebe!“

6. August. (W. T. B.) Der von dem Maler Karl Hoff, Professor an der Kunstschule zu Karlsruhe, entworfene und unter seiner persönlichen Leitung zur Ausführung gebrachte historische Festzug, welcher die fit der Gründung der Uni- versität verflossenen 5 Jahrhunderte zur Darstellung bringen sollte, ist programmgemäß verlaufen. An demselben nahmen über 900 Personen mit 300 Pferden und 14 Prachtwagen Theil.

Durch seine bis in die geringsten Einzelheiten durh- geführte historishe Treue in den Trachten, Geräthschaften uñd allen übrigen Beziehungen, sowie au< durch die Farbenpraht und den Reichthum der verwendeten Stoffe machte der Zug auf sämmtliche Zuschauer einen unver- geßlihen Eindru>. Die volle Entwi>elung des Zuges dauerte 3/4, Stunden. Se. Königliche Hoheit der Großherzog hatte nebst Familie und Gefolge, mit dem Prorektor und den Dekanen der vier Fakultäten auf einem nahe am Aus- gangspunkt des Zuges errichteten Pavillon Play ge- nommen, sodaß der Zug den Pavillon zwei Mal passirte. Die Delegirten und die Ehrengäste der Universität sahen von einer neben dem Pavillon aufgeshlagenen Tribüne zu. Se. Königliche Hoheit der Großherzog von Hessen hatte incognito an einem vgs des „Darmstädter Hofes“ Plaß genommen. Die Straßen der Stadt, durh welche sih der Zug bewegte, waren von einer Kopf an Kopf gedrängten aaa angefüllt. Die Ordnung wurde nirgends gestört.

Oesterreih-Ungarn. Wien, 4. August. Die heutigen Morgenblätter veröffentlihen eine Mittheilung über eine Reihe von Veränderungen, welche angeblih bezüglich der österreihis<h-ungarishen Vertretungen im Orient bevorstehen sollen. Wie die „Pol. Corr.“ von kompetenter Seite erfährt, beruhen diese Mittheilungen, mit Ausnahme jener, daß der Minister-Resident in Alexandria, Ritter Hoffer von Hoffenfels, E von seinem Posten zurü>treten werde, auf willkürlihen und ganz unrichtigen Kombinationen.

Großbritannien und Jrland. London, 4. August. (A. C) Gestern wurden folgende ministerielle Er- nennungen vollzogen: Admiral Sir A. Hoskins und Lord Charles Beresford zu Lords der Admiralität; Ashmead- Bartlett zum Civtl-Lord der Admiralität; A. B. Forwood zum Sekretär der Admiralität; Advokat E. Clarke zum General- fiskal; Stuart-Wortley zum Unter-Staatssekretär des Jnnern ; Lord Harris zum [Unter-Staatssekretär im Kriegs-Ministerium und W. H. Long zum Sekretär des Kommunal-Verwaltungs- amts. Mit Ausnahme des General-Zahlmeisteramts sind nun- mehr sämmtliche E ngdanier, deren Fnhaber mit der Regierung wechseln, wieder beseßt. Das Oberhaus sowie das neugewählte Haus der Gemeinen treten am Donnerstag für eine kurze Session zusammen, die ausschließlich der Erledigung der Vor- anshläge für den tgatsdienst gewidmet sein wird. Das erste Geschäft bildet die Sprehewvahl; am Freitag wird der neue Sprecher, nachdem seine Wahl von der Königin bestätigt worden, in fein Amt eingeführt, worauf die Vereidigung der Ab- geordneten beginnt und etwaigeErgänzungswahlen ausgeschrieben werden. Das Unterhaus vertagt sih alsdann bis zum Montag, worauf die Vereidigung der Mitglieder fortgeseßt wird und weitere Neuwahlen ausgeschrieben werden. Am 10. d. ver- tagt sich das Haus bis zum 19. d., an welchem Tage, nachdem - die Abgeordneten, welhe Ministerposten angenommen haben, wiedergewählt worden sind, die Session mit einer Thronrede eröffnet wird. Leßtere wird indeß nur eine förmliche Bot- schast sein, welhe ankündigen wird, daß der Zwe> der Session die Abwi>elung der Finanzgeschäfte des Jahres ist. Gestern wurde in Palmer's Schiffswerst in Jarrow das neue britishe Kriegsshisf „Orlando“ vom Stapel gelassen. Bei dem dem Stapellauf voran- egangenen Gabelfrühstü>k, an dem etwa 400 Per- onen theilnahmen, bemerkte der Vorsißende, Par- laments-Mitglied Sir Charles Mark Palmer, daß der „Qrlando“ eine neue Gattung von Schiff L das das Problem lösen würde, welche Art von Kriegsschiffen in ZU- kunft gebaut werden solle. Der „Orlando“ vereinige in ih große Stärke, große Ausrüstung und große Fahrgeschwindig- keit und sei im Stande, lange Zeit auf offener See zu bleiben. Der „Orlando“ sei ein Experiment. Das neue Kriegsschiff ist das erste dieser Gattung von sieben, die für die britis<he Marine gebaut werden sollen. Das- selbe ist S lang, 56 Fuß breit und 37 Fuß tief, bei einem Tiefsgange von 21 Fuß und einem Gehalt von 5000 t. Die veranschlagte Fahrgeshwindigkeit beträgt etwa 19 Knoten per Stunde. Der Panzer trägt einen Stahlüberzug und besteht aus einem Gürtel von 200 Fuß Länge, der \ih von 1 Fuß 6 Zoll oberhalb der Wasserlinie bis 4 Fuß unter- halb derselben ausdehnt. Der Gürtel hat eine Stärke von 10 Zoll und ruht auf einer Unterlage von Teak-Holz, welche mit einzölligen Stahlplatten befestigt ist. 5. August. (W. T. B.) BeideHäuser des Parlaments traten heute Nachmittag 2 Uhr zu ihrer ersten Sizung zusammen. Im Oberhause wurden die neu eingetretenen Pairs ver- eidigt. Das Unterhaus nahm die Wahl des Sprechers vor. Auf den Antrag Bir>be>'s, welchen Gladstone unter- tüßte, wurde Peel, und zwar einstimmig gewählt. Der- elbe nahm die Wahl an und betonte dabei die Wichtigkeit er Aufrechterhaltung der Würde und Autorität des Prä- sidiums des Hauses; die beste Bürgschaft für die Redefreiheit und für die, persönliche Freiheit der Parlaments-Deputirten E der “dis gegen die Regeln und die Geschäftsordnung es Hauses. n der heute bei Lord Hartington stattgehabten Ver- sammlung der p A E Liberalen spra<h Lord Pa naion seine Besriedigung über die bei den Par- lamentswahlen gehabten Erfolge aus, empfahl indeß, in dem neuen Parlament von jeder feindseligen Haltung gegentrer den Anhängern Gladstone's abzu- sehen. Die Rekonsolidirung der liberalen Partei sei nur eine Frage der Zeit; die Me Liberalen müßten deshalb lhre Sitze an der Seite der übrigen Liberalen einnehmen und dadurch darlegen, daß die liberale Partei, mit ies eines einzigen Punktes, nahezu in allen übrigen Beziehungen eini sei. Chamberlain erklärte si<h mit den Ansichten Lor

_ Heidelberg, die Zuflucht müder und beladener Seelen, die Er- qui>ungsstätte der Leidenden, die Stadt strenger Arbeit und jugend-

Hartington's durhweg einverstanden, denen hierauf au< von

Plymouth, 5. August. (W. T. B. O Portugal ist heute hier angekommen 2M dee nig U von dem Herzog von Connaught empfangen wo abu

Dublin, 5. August. (W. T. B.) Der u König von Frland, Marquis von Londondere Vize: der Staatssekretär für Jrland, Hi>s-Yeg p: Ut gestern hier eingetroffen und # nommen.

Frankrei<h. Paris, 5. August. (Fr, C.) „Agence Havas“ veröffentlicht nachstehenden Yxts: Kriegs-Ministers Generals Boulanger: M

Paris, 3. August 1886. An Herrn Limbourg. Ms; In den Blättern sind vier mit meinem Namen unterzeihn Es f! den Herzog von Aumale gerichtete Briefe erschienen Da p offenkundig fals war, konnte ih die Echtheit des Textes d per est bis zur Wiedergabe der Originale nit erkennen. Jch habe gesdh A Heute erkläre i), daß die drei leßten Briefe, diejenigen á Aa Veröffentlihung der Herr Herzog von Aumale ' Si ten traute, e<t sind. J will Ihnen die Gnade erweisen fein Ürtb Î fällen über die Handlungsweise Ihres Gebieters noh über die L, die Sie verrichtet haben. Auch gebe ih mich nicht zu Erläut us über den Inhalt dieser Briefe her. Sie könnten dieselben dog verstehen. Sie waren Präfekt der Republik, um sie zu od nf ih bin Minister der Republik, um ihr zu dienen. Jch die V Ihnen und den Ihrigen zum Troß. Ich habe Ihren Haß when Y wünsche nichts dringliher, als mi<h seiner au< ferner wirk zeigen. Als der Herr Herzog von Aumale ohne Rücksicht auf di 48 tärishen Vorschriften unter dem Vorwande der Jagden und E hw Zweck, der heute deutlich erscheint, Offiziere um si zu versauna suchte, von denen viele ihm unbekannt waren, erhielt ih den Aut ihm die Vorstellungen des damaligen Kriegs-Ministers zu übermittl ih habe gehor<t. Als die Prinzenvers<wörung mi zwan; wit meinem ehemaligen Vorgeseßten und der Republik zu wälles ls ih der Nepublik treu. Als das Gesetz beschlossen war, ließ i 4 durhführen. Und wenn jemals die Aufwiegler, Ihre Freunde, ta Einfall haben follten, vom Wort zur That überzugehen, so witd y, Verfaßer der Briefe an den Herzog von Aumale in {liter a nahdrü>liher Weise seine Pflicht gegen die Freunde des Herzogs Aumale erfüllen. Gez. : General Boulanger.“ A

Obiges Schreiben wurde gestern Abend wie der „An Havas“ so auh Hrn. Limbourg zwischen 10 und 11 Uh zugestellt, worauf dieser nachstehende Note aufseßte und hy R .

Blättern zufandte:

„Der Empfänger dieses Briefes wird seinem Verfasser, dy General, der in wenigen Tagen zweimal öffentlich leugnete, was m6 seinem eigenen Wissen die Wahrheit war*, nit die Gnade erw ihn für einen Fehdehandshuh zu halten, der heute aufgehoben wed kann. Er begnügt si< damit, ihn dem Urtheile der Lute von En und gradem Sinne zu unterbreiten. H. Limbourg.“

(Köln. Ztg.) Die Veröffentlichung der Brit des Generals Boulanger beschäftigt lebhaft die hies Negierungskreise, besonders wegen der Stellung des Gener zur Armee. Der Kriegs-Minister hat seinen Amitsgenosn mitgetheilt: er sei bereit, zurü>zutreten ; vor der Rückkehr di Hrn. de Freycinet wird indessen nichts entschieden werden.

__ Türkei. Konstantinopel, 2. August. (R. B.) A diplomatishe Agent Bulgariens hierselbst hat t Pforte die Ernennung des Hrn. Demitroff zum Pi fekten von Philippopolis und des Hrn. Kiriaki Zankoff, di früheren diplomatischen Agenten in Bukarest, zum bulgarishu Mitglied der Kommission zur Revision des rumelishu organischen Statuts mitgetheilt.

Serbien. Nis, 5: August | Skupschtina hat die Gesetzentwürfe, betreffend ki Deckung der provisorishen Staatsschuld m 20 Millionen, die Einführung eines Regals auf Pet: leum und Zündhölzchen, sowie die Aufhebung des di herigen Ausfuhrzolls auf Wein und Branntwein angenommen.

Amerika. Washington, 5. August. (W. T. Y Der Kongreß hat sih vertagt, ohne irgend weld! Maßregel in Bezug auf die von der mexikanishi! Negierung abgelehnte Freilassung des verhafteten Redaktat Cutting zu beschließen.

aben heute ihre Posten ibe

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(W. T. B) Y

Zeitungsftimmen.

Ueber die Erwerbslage in Deutschland äußert sih t „Schwäbische Merkur“ folgendermaßen : 4 Die Berichte der Handelskammern lauten in diesem Jahre wit schr unerfreulih, und man kann es den Gegnern unserer B! \haftspolitik nicht L , wenn sie aus dieser That\l! nah Möglichkeit Kapital \<lagen. Thatsächlih befinden 9 uns aber einer Krisis gegenüber, woran alle Kulturvölker glei mäßig leiden und welche si< von der Streitfrage, ob reibe oder Schußzoll , ziemli< unabhängig hält. Die enorm P und umfangreiche Ausbildung des Maschinenwesens, die erfolg und auëgebreitete Verwendung -mechanischer Kräfte hat die Ce erzeugung in derartiger Weise gesteigert, daß der Verbrauch mil J niht Schritt zu halten vermochte. Ist die leßtere nun au durd j Zuwachs der Bevölkerung und die Vermehrung der Bedürsnisst, d fle crhôhte Kultur und zunehmender Luxus bedingen, gesteigert wo so ist das ri<htige Verhältniß zwischen Erzeugung und Verbrau) N niht wieder erreicht, und es fragt si<, ob es auf der gegenwär Kulturstufe ohne mächtige elementare Ereignisse je wieder A werden kann. Wenn sich jeßt wirkli< einmal ein neuer Zwei Î Industrie als rentabel erweist, so wirft si< der Unternchmt sofort mit solher Gewalt darauf, daß auch hierin allzu bald V erzeugung eintritt. Die Uebererzeugung aber bildet das Grun unseres ganzen geschäftlichen Nothstandes ; auf allen Erwerbsgebieten E steigt das Angebot die Nachfrage und naturgemäß bewegen sich inf olgel i die Preise in stetig absteigender Linie. Dazu kommt, daß ein erhe Theil vorzügli unserer deutschen Industrie sein Augenmerk m? "A die Menge als auf die Beschaffenheit des Erzeugnisses richte, u daß unsere geschäftli<he Konkurrenz ihre einzige Rettung T Drücken der Preise su<ht. Eine niht geringe SHuld trifft e allerdings au< den Verbraucher, welcher zumeist die schr irrige lle 1 zeugung hegt, daß er am besten kauft, wenn er sehr billig kausl, u darum viel weniger auf die Solidität der Waare, als auf den ne Preis derselben ficht. Dieser Rückgang der Preise, welcher auf den Einzelzweigen bevorstehenden Absaßkrisen hinweist, zieht n i allen Gebieten die gleichen üblen Folgen nah si; unsere Lan aft arbeitet ohne Gewinn, die mit ihr in Verbindung s, Zukerindustrie hat die \<were Krisis no< immer nicht Ie wunden, und die in ähnlichem Dai befindliche Spt industrie vermag \si< nur dur starke Einschränkung des Vt d zu erhalten; in der Bergwerksindustrie werden Tausende 1 Arbeitern entlassen, und der gleichen Erscheinung beg wir bei der Eisen- und Stahlfabrikation. In sehr hle Lage befindet si< au<, und wir sehen hier glei<falls in ersie die Folge der Ert andi unsere deutshe Segels\ ifff-Rhe fi welche \<on seit Jahren eine Verzinsung der in ihr angelegten #4 Kapitalien niht mehr bringt und dabei no<h von starken Verlu 4 droht wird. Allerdings beschränkt sich diefer mißliche Zustand der i \{iffahrt nit auf Deutschland allein, denn überall hat der Erwerbü!

der Versammlung zugestimmt wurde.

mit der mähtigen Konkurrenz der Dampfer zu kämpfen, bei uns gestalt?"

J {wert worden.

aber dieser denz“ entwirft.

ber ungemein gehob

E in qufsteigenber Linie si< bewegt. Die d

e übrigen anzusehen.

werbe“ lesen wir:

Q es Maschinenbaues in Deutschland berihten rheinische Bie S E n Spinnmaschinenbau-Anstalten haben Auf- Dampf- und Werkzeugmaschinenbau- gut beschäftigt ; aber der Lokomotivbau liegt sehr aben son in den leßten Jahren die Preise für Lokomotiven Ñerdienst übrig gelassen, so werden jeßk, nur um den alten

Blätter: ¡ge in genuger Anstalten sind ziemli darnieder. H

enügender F auch

faun no< D

19817 beschäftigen, Bestellungen zu Preisen aufgenommen, Arbeiterftamm zu Fnd Material, Löhne und sonstige Spesen zu deden. Aufträge, die im Submissionswege vergeben werden, bringen hei den heutigen Preifen nit den geringsten Verdienst mebr. ‘iriber unsere großen Etablissements einen nit unerheblihen Absaß 7 ih und Rußland hatten, so ist auch diefer jeßt sehr er- Während in Deutschland auf Lokomotiven ein Zoll on 8 é für 100 kg liegt, erhebt Oesterreich für 100 kg 8 Fl. und Yy Der Absatz in Werkzeugmaschineu für Metall- und Holzbearbeitung hat si<h gehoben; vor Allem aber findet

die kaum

na< Oesterre!

Rußland sogar etwa 28 M.

die sich bemerkbar machende Aufbesserung der Lage unserer Spinnerei und Meberei in der vermehrten Bestellung von Spinnereimaschinen, Selfak- toren, Krempeln, Webstühlen, Transmissionen U. \. w. Auédru. Die auf die Hebung der Ausfuhr nach dem Ausland gerihteten Bemühungen haben

¡< vielfa als lohnend erwiesen, nah europäischen 1 reisen Ländern hat die Ausfuhr erheblich

»vorzugt die deutshen Maschinen gegenüber franzöfischen, belgischen e TIO englischen, wel<he wohl billiger, aber dafür au<h um Jjoviel \<lechter sind. Es gereicht der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Fabri- kation zum großen Lob, daß die Fälle immer häufiger eintreten, wo

sowohl französische als englis<e Ausfuhrfirmen,

Bedarf im eigenen Lande de>ten, deutsche Maschinen wegen ihrer und solideren Ausführung bestellen; auch glaubt man in den interessirten Kreisen von der Cröffnung der sub- ventionirten Dampferlinien eine weitere Hebung der Ausfuhr erwarten

besseren Beschaffenheit

zu dürfen.

e befinden, wird, wenn au<h no< unter {weren manhe Zweige Felusten, überwunden werden, und ift sie eine Welt- Kämpfen ist jedenfalls kein Grund, die deutshen Verhältnisse {<limmer

Jn der Zeitschrift „Das- Deutsche Wollen-Ge-

um so fühlbarer, als ein ganz besonderes Gebiet,

re Bstsceküste, hauptsähli< davon betroffen wird. Soweit

l Lebtliche Darstellung, wie sie die „Nationalliberale Correspon- cine übersiGU1® Zie flingt ziemli ern. Hält man aber gegen die ¿lichen Uebelstände das Bild des noch gegen wenige Jahrzehnte gugenbli>liQer enen gesammten Volkswohlstands, der gesteigerten frühe! f und Arbeitsfähigkeit, des Emporkommens der deutschen eitslu! egen und theilweise über die alten, mächtigen Industrie- Judustric gg fein Zweifel, daß unser Erwerbsleben im Großen und

Krisis, in welcher

Wenn

und namentli<h nah

zugenommen. Man

welche bisher ihren

Centralblatt der Abgaben-Gefsetßgebung und Ver- waltung in den Königlich preußishen Staaten. Nr. 16. Inhalt: Anzeige der in der Geseßz-Sammlung und im Reichs- Geseßblatt erschienenen Geseße und Verordnungen. I. Allgemeine Verwaltungsgegenstände: Veränderungen in dem Stande und in den Befugnissen der Zoll- und Steuerstellen. Statistischer Nachweis des mit dem Anspru auf Steuervergütung abgefertigten Zuckers und der nahträgli<h vorgenommenen Verzollungen von Nückständen aus Geldablicferungen der Haupt- ämter am Siß der Negierungs-Hauptkasse und einer Neichsbank- stelle, 111. Indirekte Steuern: Privattransitlager ohne amtlichen Steuerfrcie Verwendung des Färbebiers von Gehrke in Dobrilugk zu anderweiter Bierbereitung.

zollfrei abgelaf\scnem Petroleum.

Mitvers{luß für Sesamöl in Fässern.

Anschreibung von Taba>ksteuerbeträgen in den

Besteuerung des inländischen Tabaks. Ausführungsbestimmungen

zum Gese wegen Besteuerung des Zu>ers.

nahri<ten. Beilage: Ausführungsbestimmungen zum Gesetz wegen

Besteuerung des Zucers.

Eisenbahn- Verordnungs- Blatt. Nr. 23. Inhalt:

Erlasse des Ministers der öffentlichen Arbeiten :

betr. Abänderung des für die unentgeltlihe Beförderung von Umzugs8- gut dur< die Instruktion zu $. 8 des Reglements über die unentgelt- lide Benußung der Staatsbahnen zur Beförderung von Perfonen und Gütern vorgeschriebenen Verfahrens ; vom 27. Juli 1886, betr. VerreGnung von Wohnungsgeldzuschüssen für etatsmäßig angestellte, als Hülfsarbeiter zu ciner anderen Behörde einberufene Beamten ; vom 28. Iuli 1886, betr. anderweite Bezeichnung der tehnischen Prüsungsbehörden ; vom 28, Juli 1886, betr. Statistik der Güter- bewegung ; vom 29. Juli 1886, betr. Inserate beim Reichs- und

Staats-Anzeiger. Nachrichten.

UVebersichten über die VI. Personal-

vom 26. Juli 1886,

Statistische Nachrichten.

Neben dem Nachweise über die E A Ausfuhr der eu en für den Monat Juni 1886 enthält das socben herausgegebene Juniheft zur Statistik des Deutschen Reichs auch den entsprechenden L E der Ergebnisse desselben mit denjenigen für den gleihen Zeitraum des 18 fallt zu Î die Getreideeinfuhr im ersten Halb-

wihtigeren Waarenartikel im

Nachweis für das erste Halbjahr 1836.

Vorjahres fällt zunächst auf, da ; jahr 1886 eine erheblih geringere war, als in

jährigen Periode, da an Weizen nur 1155 992 D.-Ctr., 2083 Bo B C Hafer 378 304 D.-Ctr. und Gerste ? 442 97 D.-Gtr. eingeführt worden sind gegen beziehungsweise 4441 247, 4 257 969, 1464 714 und 2 418 910 D -Ctr. im ersten Halbjahr 1889. Dieser Unter- {hied wird hauptsächlich darauf zurückzuführen fein, daß im leßtgedachten Zeitraum, innerhalb dessen die Zollsäte auf die betreffenden Getreidearten wesentlih erhöht worden sind, große Mengen weil Uber, Bedarf zu den alten Zollsäten in das Zollgebiet eingeführt worben sind. Auch die Einfuhr von Raps und Rübsaat (164 895 D.-Ctr. gegen 403 005 D.-Ctr.) und von Malz (334388 D.-Cir. gegen 4H 371 D.-Ctr.) ist, ohne Zweifel in der Hauptsahe aus dem gleichen Grunde, gegen die des ersten Semesters 18585 beträchtlih zurüd- Dasselbe zeigte si< bei Bau- und Nuzholz, indem von demselben in rohem (bezw. bloß in der Querrichtung mit Axt oder

geblieben.

"”

earbeitetem Zustande (in der u, dergl.) 1350063 D.-Ctr. bezw. 6824224 D.-Ctr. im bei Branntwein aller gegen 64552 D.-Ctr. im

ersten

Vorjahr) und

172 715 D.-Ctr. gegen 171 374 D.-Ctr. i. V.

Verglei zum Vorjahr etwas abgenommen bei den wichtigen Ausfuhr- arti u e (2 293 420 D.-Ctr. gegen 3 115 853 D.-Ctr.) und

Bier (612 894 D.-Ctr. gegen 773 604 D.-Ctr.),

bei Spiritus (366 104 gegen 352542 D.-Ctr.

Fässern (132470 gegen 52 114 D.-Ctr.). eine Steigerung der Ausfuhr bei einer der Textilindustrie, so bei dihten gefärbten

99 21: 54 310 D.-Ctr. i. V.), baumwollenen Strumpfwaaren 8 Sobn 37 064 D.-Ctr. i. V.), baumwollenen Spißen und

42 078 } Stickereien (3961 gegen 2309 D.-Ctr. i. V.),

Säge bearbeitetem) Zustande nur 4343 128 D.-Ctr. und in roh Richtung der E eingegangen sind gegen 7 547 641 N rt esammteinsuhr 1 M eta bei s r i P, Flaschen (8027 D.-Ctr. gegen bezw. 19 870 D.-Ctr.). Was die nic durch f Zollerhöhung betroffenen ausländischen Hauptkonsuinartikel anbelangt, so wurden eingeführt an rohem Kaffee 587 109 O.-Ctr. (593 412 D.-Ctr. im Vorjahr), Reis 367 507 D.-Ctr. (419 597 D.-Ctr. im Vorjahr), gesalzene Heringe 311 465 Faß (291 765 Faß i, V.), Wein und Most-in Fässern 288 277 D.-Ctr. (308 107D.-(Str. i, V.) und frisGe Südfrüchte 116 407 D.-Ctr. ) i, V). Die Einfuhr von unbearbeiteten Tabakblättern betrug

Reihe von

Zollgebiet

der betreffenden vor- Roggen

eit über den zeitigen

Längsarxe gesägt 1885; ferner 28487 D.-Ctr.

(110130 D.-Ctr. Die Ausfuhr hat im

dagegen zugenommen und Wein in Weiter zeigt ih Waaren 2c. Baumwollwaaren

und Tüchern (20 606 gegen 15 652 D.-Ctr.), unbedru>ten wollenen Tuchwaaren (89908 gegen 81 250 D.-Ctr.), unbedru>ten wollenen Strumpfwaaren (9914 gegen 8205 D.-Ctr.) und wollenen Plüschen (5263 gegen 3213 D.-Ctr.). Auch die Zolltarifnummer „Eisen und Eisenwaaren“ weisi bei den meisten Positionen cine Zunahme der Ausfuhr auf, so bei Noheisen 1 197 259 gegen 951 226 D.-Ctr. i. V.), Eisenbahnschienen (758 027 gegen 645 553 D.-Ctr.), {miedbarem Eisen in Stäben 750 303 gegen 704 079 D.-Ctr.), Eisen- und Stahl- draht (1213391 gegen 819644 D.-Ctr.), groben Eisenwaaren (298 642 gegen 291 432 D.-Ctr.) und Drahtstisten (183 282 gegen 179 339 D.-Ctr.). e

Na@ Mittheilung des Statistishen Amts dec Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standes8ämtern in der Woche vom 25. Juli bis incl, 31. Juli cr. zur Anmeldung gekommen: 167 Che- \{ließungen, 911 Lebendgeborene, 26 Todtgeborene, 744 Sterbefälle.

Die Nr. 19 1V. Bandes der „Statistishen Mitthei- lungen über das Großherzogthum Baden“ enthält cine Statistik der liegenschaftlihen Zwangsveräußerungen und Pfand- einträge sowie der Pfandstrihe im Jahre 1884. Die Nr. 3 V. Bandes derselben „Mittheilungen“ hat folgenden In- halt: Die jugendlihea Fabrikarbeiter im Jahre 188. Die Erwerbung und der Verlust der Staatsangehörigkeit im Jahre 1885. Die Viebseuchen im Jahre 1885. Die Ehelösungen im Groß- herzogthum im Jahre 1885. Der Post- und Telegraphenverkehr in den Jahren 1872 und 1883 bis 1885.

London, 3. August. (A. C.) Den Statistiken des „Bureau Veritas“ zufolge, gingen im Monat Juni 54 Segelschiffe und 8 Dampfer zu Grunde. Unter ersteren befanden sih 17 britische, 10 deutsche, 1 österreihis<hes und 2 russishe, unter leßteren 6 britishe und 1 russischer.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Von der Publikation: „Die wvervielfältigende Kunst der Gegenwart, redigirt von Carl von Lützow, heraus- gegeben von der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, Wien, 1886,“ liegt uns das zweite Heft vor. Auch dicses entspricht, wie das erste, vollkommen den hohen Erwartungen, welhe man auf das be- deutende Unternehmen seten konnte. Wir werden in demselben mit der weiteren Geschichte der Lithographie bekannt gemacht und zunächst auf den Wiener Lithographen Scheffer von Leonhardéhof (1795—1822) hingewiesen, dessen beste Leistung sein großes, 1821 in Tondru>k ausgeführtes Blatt nah seiner „Sterbenden heiligen Cäcilie, von zwet Engeln betrauert“ u. a. m. is, Weitere bemerkenswerthe Namen in der Geshichte der Lithographie sind Peter Fendi, Joseph Danhauser und Moriz von Schwind. Der bedeutendste Wiener Lithograph war Joseph Krichuber (1801—1876), welcher hauptsächlih die Porträtlithographie pflegte und eine Reihe bedeu- tender Werke hinterließ Von nicht geringerem Ruhm war C. August von Pettenkofen, der geistoolle österreihishe Volks- und Soldaten- maler, der unerrei<hte Schilderer der Pußta und des Zigeunerlebens. Unter den norddeutshen Künstlern steht insbesondere Adolf Menzel mit der Lithographie seßr vertraut; als Sohn eines Lithographen lag ibm die Beschäftigung mit dieser Kunst sehr nabe, und er hat sie, wie be- fannt, mit dem größten Erfolge gepflegt. Das Verdienst, den litho- zraphishen Farbendruck in Berlin eingebürgert zu haben, gebürt C.

ildebrandt, neben wel<em H. A. Storch zu nennen ist. Eine fernere Reihe tüchtiger deutscher Lithographen hat die jeßt mehr und mehr vor den neueren mecanishen Vervielfältigungsmethoden zurü>ktretende Litho- graphie seiner Zeit zu hohem Ansehen gebracht. | Die französischen Künstles haben nah Kräften beigetragen, die Erfindung Senefelder 8 zu immer höherer Vervollkommnung zu bringen ; eine Reihe be- fannter Namen, wie Carle, Horace Vernet, Narcisse Lecomte, ferner Bellangé, Charlet und Raffet, Géricault, Isabey u. A. gehören yierher. Frankreih nahm allmählih den ersten Plaß in der lithographishen Kunst ein; England tritt weit dahinter zurü, noch mehr Amerika und andere Länder. An künstlerischen Beilagen enthält das Heft: cin Selbstporträt von Fr. Amerling; eine Gruppe aus dem Bilde „Salvator Nosa“ von P. Bouvierz den „Zinsgroschen“ nah Tizianz die „Varke“ von Jules Dupré; The babes in the wo00od, bon Herkomer ; eine Originalradirung (Wasserpartie), von I. C. Nicoll. Zum Beweis für die Verwendbarkeit der Lithographie zur genauen Wiedergabe ist in dem Heft eine zinkographische Reproouktion des Rugendas’shen Blattes: „Brasiliaaischer Wald“ eingefügt und beweist vollständig die Vielseitigkeit und Genauigkeit der_ Lithographie. Ferner licgt eine Probe von Jllustrations- und _Kunsftdru> aus der Julius Sittenfeld’\<hen Buchdruckerei, Berlin, bei. :

Die von der Wittwe des berühmten \<wedishen Geigers Ole Bull in englisher Sprache herausgegebene, memoirenreiche Biographie desselben, deren Veröffentlihung in London erfolgt ift, ersheint demnächst im Verlage von N. Luß in Stuttgart in einer deutschen Bearbeitung mit dem Porträt Ole Bull's in Stahlstich.

Getverbe und Handel.

Die Versicherungsgesells<haft „Le Conservateur', welche speziell die Versiberung für Aussteuer und Versorgung (Renten- versicherung nah dem Tontinensystem) pflegt, hat im Jahre 1885 wieder günstige Erfolge aufzuweisen. Neu abgeschlossen wurden 14 515 532 Fr., Prämien wurden vereinnahmt 4 243 939 Fr., zur Aus- zahlung gelangten in Staatsrenten 58 867 Fr., in baaren Resten 392 209 Fr., zusammen gleih einem Kapital von 1649 269 Fr. Da die Genossenschaften aus\{ließli< auf Gegenseitigkeit beruhen, und die Gesellshaft Versicherungen nur na< dem Tontinensystem s{ließt, so ist sie keinerlei Verlusten ausgeseßt ; außerdem steht ihr ein Aktienkavital von 1000000 Fr. (in 1000 Aktien à 1000 Fr., worauf 500 Fr. eingezahlt sind) zur Seite und zwar nur als Bürgschafts- fapital für die ihr anvertraute Verwaltung. Die Verwaltungêgebühren betragen statutenmäßig nur 5/0 der Prämienfumme. Aus diesen ergab sich im Jahre 188 ein Reingewinn von 125 623 &r., wovon an die Aktieninhaber cine Dividende von 16 % zur Vertheilung ge- A J : R Liquidator der Provinzial-Makler-Bank bringt die Schlußquote im Betrag von 219/20 9/0 in der Zeit vom 10. August bis 30. September cr. zur Vertheilung. :

(A. C.) In den Vereinigten Staaten wurden im ersten Semester 1886 2954 209 t Roheisen fabrizirt, gegen 9150816 t in 1885; ferner 1073663 t Bessemer Stahl-Ingots, gegen 938418 t, und 707447 t Stahlschienen gegen 622 161t in 188, Der Norrath an Roheisen betrug am 1. Juli 470421 t oder 222500 t weniger als am 1. Juli 1889. Dem Bericht des amerikanischen Ver- bandes von Eisen- und Stahl-Industriellen zufolge wird Amerika im laufenden Jahre mehr Roheisen fabriziren, als in irgend einem vorher-

4 Fahre produzirt wurde. . O avs a 5. August. (W. T. B.) Wollauktion. An-

geboten 1331 Ballen E E wovon 1239 Ballen verkauft. äft b timmung sehr fest.

E I Ÿ August. . T. B.) Wolle fest, volle

Preise, Tendenz zu Gunsten der Abgeber, feinste Exportgarne

ziemli thätig, einfädige und zweifädige Garne steigend, in Botany-

Garnen gutes Geschäft für den heimischen Konsum, Sto ffe fest.

Verkehrs - Anstalten.

, b, August. (W, T. B.) Der Postdampfer r i Hamburg- Amerikanishen Paketfahrt- Aktiengesell\s<haft n R New-York kommend, heute Abend lbe eingetroffen. ° Ne g August (W. T. B.) Der Lloyddampfer „Polluce“ is gestern Nachmittag aus Konstantinopel hier ein-

getroffen.

Berlin, 6. August 1886.

Preußische Klassenlottertie. (Ohne Gewähr.)

Bei der heute fortgeseßten Ziehung der 4. Klase 174. Königlih preußischer Klassenlotterie fielen: 1 Gewinn von 75000 # auf Nr. 28 634. 3 Gewinne von 15000 Æ auf Nr. 53 659. 89 TT6. 89 803. 9 Gewinne von 6000 A auf Nr. 20 629. 53 210. 51 Gewinne von 3000 #4 auf Nr. 1500. 2561. 8668. 10 591. 10605. 18647. 22096. 22807. 24 364. 24647. 99 609. 32218. 32622. 33839. 36069. 40031. 40042. 41 579. 43157. 45830. 48393. 50243. 51 147. 54 266. 55 535, 56 125. 58 754. 58979. 66 506. 66 646. 69 163. 69 284. 69569. 70285. T0552. 73 795. 74323. 19 583. 76 567. T7108. T7366. 79681. BO 202. 80 332. 81 516. 84 1983. 84831, 85487. 87371. 90625. 9162 47 Gewinne von 1500 4 auf Nr. 235. 739. 1478. 5531. 5808. 8894. 11 810. 15 360. 15 506. 16 293. 16 413. 17 887. 94 046. 27 475. 28016. 28351. 32606. 37 067. 37160. 37 758. 46 709. 48510. 50355. 52 008. . 52 242. 58 483. 62 360. 62386. 65186. 65741. 68096. 70 736. T1 196; T1 326, 12907. T6601, TLOB2, T 589, 78 761. 80 242. 80 873. 81 526. 84887. 87234. 89 856. 94 517. 94 5T9, 78 Gewinne von 550 M auf Nr. 806. 1410. 1466. 5250. 57926. 5733. 7275. 8841. 10480. 11 703. 12 TT8. 14 948. 15010. 15622, 16249. 16450. 19295. 19 410. 20 445. 90 T4. 24573. 31252. 31585. 33442. 34919. 35 399. 35 742, 37041. 38770. 39347. 39455. 42 232. 42 549. 44 19%. 44458. 45055. 49463. 49975. 50 893. 91 488. 53 444. 53551. 55409. 55466. 57 793. 59 280. 59 638. 59 770. 59974. 63897. 64026. 64286. 66511. 68 959. 69 940, T1515. 72849. 74267. T5682, TTOLT. T8 162. 78 955. 78 660. T8946. 79251. T9972. 80016. 81 487. 89 498. 82814. 85574. 86625. 86 960. 87186. 89 852. 93 896. 93 899, 94 725.

Bezüglich der in Nr. 172 des „R.- u. St.-A.*“ mitgetheilten, dem „Centralblatt der Bauverwaltung“ entnommenen Kritik des Entwurfs zu einer „Friedenskirce“ in der Jubiläums- Ausstellung, von dem Baurath Hrn. Orth hierselbst, ersuht uns derselbe um folgende Berichtigung: „Die Angabe, daß fih nit nur für ganze Mauerzüge, fondern selbst für fünf Thürme in dem leeren Innern weder Mauern no< Pfeiler als Stüße dar- bieten, ist thatsähli<h ebenso fals< wie die Annahme, daß die Konstruktion dafür wesentlih Eisen sei. Nach dem aus- gestellten Grundriß wird von den fünf Thürmen, für welche _fih in dem leeren Raum des Innern“ angeblich feine Stüßen darbieten“, der Kreuzungsthurm oben eingebunden, untken gestütt dur< 4 Pfeiler von durchschnittlih 4,0 m X 1,60 m und 4 Stüten von 1,40 m Durchmesser. Die Verstrebung erfolgt durch die 4 E>thürmchen, welche angebli alecihfalls ohne Stüße sind, in der Richtung des Gewölbeshubs auf feste Mauerkörper. Die Mauerzüge hinter eben diesen niedrigen Anbauten, welche angebli gleichfalls un- ae b, f E 2 verbundenen Säulen von 2,20 m Tiefe bei bezüglih 0,70 m und 1,40 m Durchmesser. Ferner bittet uns Hr. Baurath Orth um Abdru> der na<stehen- den Erläuterung, welhe dem Situationsplan des Entwurfs beigefügt war: „Das Programm etner _Konkurrenz im Archi- tektenverein 1855/56 enthält nebenstehende Situation, welche einer Handskizze Friedrih Wilhelms IV. für die Gestaltung dieses Stadt- theils entsprach. Bei dessen großartiger Entwickelung ist es noh erwünf<t, auf die Idee dieses genialen Königs zurüctzugehen, da dieselbe den einzig angemessenen und höchst großartigen Abs<luß der Awse von Königêplatz und Alsenstraße bilden würde, Der hier im Modell dar- gestellte Kirchenentwurf ist eine Modifikation des beim Schinkel est 1856 mif dem I. Preise gekrönten. in der Perspektive beigefügten Entwurfs und ein Versuch, den Gedanken Friedrich Wilhelms IV. mit Bezug auf die in der Ausführung eingetretenen Modifikationen derart zu lösen, daß die Absichten desselben ohne De a L e Hafen- verkehrs si erfüllen lassen. Die im Entwurf bescitigten Rampen der Ladeplätze sind entbehrlich, weil daneben die Straße lciht denselben Zwe> erfüllt. Die jeßige Wasserstraße für die An- und Abfahrt der Schiffe bleibt, wenn au<h überde>t, im Wesentlichen unberührt, die Hasfenfront für Löschung der Schiffe wird nicht vermindert. Ein \{önerer Plaß als der von Friedrich Wilhelm IV. ent- worfene ift für eine große Kirche in Berlin faum denkbar. Die im Modell dargestellte hat den Namen „Friedenskirche erhalten, weil nach den Kriegen von 1866 und 1870 die aus Mangel an einem geeigneten Plat nicht verwirklichte Absicht bestand, in der Nähe des Humboldtshafens eine Friedenskirhe zu errihten, der Plaß ill und friedlih liegt, und auch jeßt Frieden auf allen Gebieten ersehnt wird. Nomen sit omen“,

amburg, 6. August. (W. T. B.) Vorgestern Abend 10 Uhr C in der Mihterden Wirthschaft in der Thalstraße, Vorstadt St. Pauli, 8 Sozialdemokraten bei der Abhaltung einer geheimen Sitzung überrascht. Sämmtliche Personen i sowie au< der Wirth wurden verhaftet und eine große „Menge von Sammellisten, Abre<hnungen und Briefschafien mit Be- \<lag belegt. Von den Verhafteten sind je 2 aus Hamburg, Harburg, Altona und Ottensen. Nach den gestern von 9 Uhr Vor- mittags bis 3 Uhr Nachmittags mit den Verhafteten angestellten Nerhöôren wurden formelle Haftbefehle gegen dieselben erlaffen und fie hierauf mit Genehmigung der Hamburger Behörde in das Altonaer Justizgefängniß abgeführt.

ien, 5. August. (W. B) Voi gestern Mittag bis heute Mittag find an der Cholera in Triest 7 Personen erkrankt und 2 gestorben.

F ntral-Theater erfreut sih die neue vieraktige Gesangs- P d 4 tas von W. Mannstädt ver beifälli: sten Aufnahme und bat aufs Neue den Erfolg, welcher der Direktion Ernst seit Jahren treu geblicben, an das Etablissement gefesselt. Allabendlich füllt ein zahlreiches Publikum das weite Haus und erfreut fih a1 der neuen Posse, welhe an Erfindung und Ausführung den früheren gleihkommt und fie hier und da wohl übertrifft. Es find harmlose Dinge, die uns da in den vier Akten vorgeführt werden, bekannte Figuren, die in veränderter Form uns immer wieder gefallen, Situationen, die uns aus älteren Stüen no< in Erinnerung find; aber alles das ist mit so liebenswürdigem Humor zusammen- gestellt und zure<tgema<t, daß man immer wieder sein Vergnügen daran findet und über die kleinen Schwächen der Handlung gern hinwegsieht. Vesonders gefällig find in dieser neuen Posse die von G. Görß verfaßten Couplets, welche durh ihren spaßhaften Text und den drolligen Vortrag der Darstellenden ihre Wirkun nie verfehlen. Daß unter den Mitwirkenden Hrn. Direktor Ernst wieder der Hauptantheil zugefallen, brauht wohl kaum erwähnt zu werden, ebensowenig, daß der beliebte Künstler in feiner jovialen Art, sich zu geben, seiner Rolle, wie immer, zu dur<s<lagendem Erfolge verhilft. Frl. Grünfeld spielt die Else allerliebst und verdient den Beifall, welcher ihr zu Theil wird; ebenso erfreut sich die Trude des Frl. Feldau der beifälligsten Aufnahme. Hr. Weiß spielt wie immer frish und flott; Hr. Tielscher findet für die von ihm dargestellten Rollen stets neue wirksame Masken und erregt dur sein bloßes Auftreten \<hon die allgemeine Heiterkeit. Tüchtig im Spiel sind aud) die Herren Kettner, Leonhard und Löber sowie Frau Lid, welche im Vercin mit den übrigen Darstellern nah Kräften zu dem allabend-

lichen Erfolge beitragen.

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