1886 / 195 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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2. Landwehr-Jnspektion treten für die vorbezeihneten Landwehr- Bezirks-Kommandos an die Stelle und in das Ressortverhält- niß der 1. und 2. beziehungsweise 7. und 8. Jnfanterie- Brigade; die Beziehungen dieser Brigaden zu den übrigen Landwehr-Bezirks-Kommandos ihres jeßigen Bereichs bleiben unverändert. 3) Die L e MIPERAE sind nah Maß- gabe ihres Dienstalters zur Stellvertretung des Divisions- Commandeurs heranzuziehen ; ihre eigene Vertretung regelt sih nah den entsprehenden, für die Jnfanterie - Brigade- Commandeure maßgebenden Bestimmungen. 4) Vorbehaltlich Allerhöchster besonderer Bestimmung sind die Landwehr- «Inspecteure alljährli<h zu den Herbstübungen ihrer Division heranzuziehen. Diese Beslimmungen treten, soweit sie von der P e Régelung abweichen, erst mit dem 1. Oktober 1886 in Kraft.

Der Kriegs - Minister hat die bezüglihe Allerhöchste Ordre unter dem 6. d. M. zur Kenntniß der Armee gebraht und dabei im Einverständniß mit dem Minister des Jnnern bestimmt, daß vom 1. Oktober d. J. ab diejenigen Ober-Ersaßkommissionen, bei welchen die Commandeure der 1., 2.,, 7. und 8. Jnfanterie-Brigade als Militär-Vorsißende fungiren, die Bezeihnung: „Ober-Ersatz- kommission 1 im Bezirk der 1., 2., 7. und 8. Jnfanterie-Brigade“, und diejenigen Ober-Ersaßkommissionen, welchen die Jnspecteure der 1. und 2. Landwehr-Fnspektion als Militär-Vorsißende angehören, die Bezeihnung: „Ober-Ersaßkommission 2 im “r A De L, 2, 6 Und 8. Znsantetié=Bligade“ zu führen aben.

Zufolge Allerhöchster Bestimmung wird zum 31. März 1887 das. Füsilier-Bataillon 2. Posenshen Jn- fanterie-Regiments Nr. 19 von Hirschberg nah Görlit, das 1. Schlesische Jäger-Bataillon Nr. 5 von Görliß nah Hirschberg und zum 30. September 1886 die 3. Esca- dron 1. Shlesishen Dragoner-Regiments Nr. 4 von Polkwiß nah Lüben verlegt werden.

Jm Hinbli> auf die bedeutenden Kosten und die viel- fachen Schwierigkeiten, welhe der Strafanstaltsverwaltung dur<h die Heilungsversuhe und dur<h die Detention von geisteskranken Gefangenen während der Dauer des oft sehr langwierigen Entmündigungsverfahrens erwachsen, ist es, einem Reskript des Ministers des Jnnern, vom*3. August d. F. zufolge, wünschenswerth, die Entlassung von solchen Ge- fangenen aus der Haft niht von dem Abschluß des durch S8. 593 ffff. der Civilprozeßordnung vorgeschriebenen Verfahrens abhängig zu machen, sondern dieselbe in die Wege zu leiten, sobald die Vorausseßungen für die Entmündigung nach irren- ärztlihen Gutachten vorliegen. Demzufolge bestimmt der Minister des Fnnern, im Einverständniß mit dem Justiz- Minister, hinsihtli<h derjenigen Gefangenen aus Anstalten seines Ressorts, welche wegen Geisteskrankheit in öffentlichen Jrrenanstalten untergebraht sind, daß, wenn nach der gut- achtlihen Aeußerung der Direktion der betreffenden Jrren- anstalt Aussicht auf Heilung oder auch nur ovbeb ltche Besserung nicht vorhanden ist, die Gefängnißvorstände fernerhin nicht mehr auf Einleitung des Entmündigungsverfahrens anzu- tragen, sondern das irrenärztlihe Gutachten der vorgeseßten Behörde einzureichen haben, welher dann obliegt, mit mög- lihster Beschleunigung, na< vorherigem Benehmen mit dem betreffenden Ober-Staatsanwalt und unter Beifügung der gutachtlichen Aeußerung desselben, die Entlassung des irren Gefangenen bei dem Minister des Jnnern zu beantragen. Bei der Einlieferung von geisteskranken Gefangenen in FJrren- anstalten sind die Direktionen derselben in Zukunft jedesmal zu ersuchen, der einliefernden Behörde unter näherer Dar- legung des Krankheitsfalles, Mittheilung zu machen, sobald sich bei dem angestellten Heilversuch ergiebt, daß der Kranke an Geistesstörung ohne Aussicht auf Heilung oder au nur erheblihe Besserung leidet.

O G Le Q vot Ct Ea, General-Fnspecteur des Militär-Erziehungs- und Bildungs- wesens, hat sih auf einige Tage nah Wahlstatt behufs Be- sichtigung des dortigen Kadettenhauses begeben.

Potsdam, 19. August. (W. T. B.) Dem heute Nach- mittag stattgehabten und vom prächtigsten Wetter begünstigten Adlerschießen des Offizier-Corps des ersten Garde-Regiments imKatharinenholze wohnten Jhre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, Jhre Kaiser- lichen und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin sowie Jhre Königlichen Hoheiten die Prinzessinnen Victoria, Sophie und Maraarethe bei. Se. Majestät der Kaiser erschienen um 4 Uhr, Jhre Majestät die Kaiserin eine Viertelstunde später. Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz reichte Jhrer Majestät der Kaiserin den Arm und geleitete Allerhöchstdieselbe nah einem in der Nähe des Schieß- standes befindlichen Sessel. Se. Majestät der Kaiser bethei- ligten Sih mit 3 Schüssen persönlih am Schießen, Jhre Kaiserlihen Hoheiten der Kronprinz und die Kron- prinzessin sowie Jhre Königliche Hoheit die Prinzeisin Victoria gaben ebenfalls Schüsse na<h dem Adler ab. Der von JZhrer Majestät der Kaiserin für den Schüßenkönig ge- stifstete Ehrenpreis wurde dem Lieutenant von Maltzahn zu Dheil.. Jhre Majestät die Kaiserin trat kurz vor 6 Uhr, Se. Majestät der Kaiser erst gegen 71/2 Uhr die Rückfahrt nach Babelsberg an.

Bayern. München, 19. August. (W. T. B.) Prinz Leopold ist heute Abend nah Dresden abgereist, um den Manövern des 12. (Königlich sächsishen) Armee-Corps bei- zuwohnen. .

2A e) Dor S Vi glied der Reichskommission zur Ausarbeitung des Entwurfs eines bürgerlihen Geseßbuhs, ist zum Ober-Landesgerichts- Präsidenten in Nürnberg ernannt worden.

__ Bayreuth, 20, uon. (W: L, B) Se, König- lihe Hoheit der Prinz Wilhelm von Preußen hat Jeu in Begleitung des Majors von Krosigk und des

egations-Sekretärs Grafen zu Eulenburg die Sehenswürdig- keiten der Stadt in Augenschein genommen. Jm Laufe des Vormittags wird derselbe einer Uebung der 5. Jnfanterie- Brigade auf- dem Exerzierplaß beiwohnen und die Eremitage befuhen. Am Nachmittage gedenkt Se. Königliche Hoheit der Vorstellung des „Parsival“ beizuwohnen.

Sachsen. Dresden, 20. August. (W. T. B.) Der Prinz Leopold von Bayern ist heute mit dem Adju- tanten Premier - Lieutenant von Perfall und den Obersten Berg und Malaife zur Theilnahme an den Manövern hier eingetroffen und im Königlichen Schlosse abgestiegen.

Elsaß-Lothringen. Met, 19. August. (W. T. B.) Der Großherzog von Baden ist heute Abend hier ein- getroffen, um als General-Fnspecteur des XV. Armee-Corps während der nächsten Tage Truppenbesichtigungen vor- zunehmen. Der Großherzog hat im „Europäischen Hof“ Wohnung genommen.

Oesfterrei<-Ungarn. Wien, 18. August. (Wn. Ztg.) Anläßlich des Kaiserlichen Geburtsfestes fand heute Nach- mittag um 5 Uhr bei dem Kardinal Ganglbauer einGala- diner: statt, dem die hier weilenden Minister, FZM. Bauer, General der Kavallerie Freiherr von Koller, Bürgermeister Uhl und andere hohe Persönlichkeiten beiwohnten. Bei dem heutigen Praterfest ershien um 51/2 Uhr das Kronprinz- iche Paar in offenem Wagen in der Hauptallee, begab sih sodann in den Volksprater, wo dasselbe von der Menge lebhaft akflamirt wurde, und verweilte daselbst eine halbe Stunde.

Bad Gastein, 20. August. - (W. T. B.) Der Kaiser von Oesterreich beehrte gestern den Fürsten Bismar> mit einem Besuch und verweilte etwa eine Stunde in dessen Familie.

Großbritannien und Frland. London, 18. August. (A.C.) Zum hundertjährigen Gedenktage des Todes Friedrichs des Großen äußert si<h der „Daily Telegraph“, wie folgt: „Wenn Kaiser Wilhelm von dem hohen Posten, welchen er fo würdig während eines Vierteljahrhunderts aus- gefüllt hat, hinwegberufen wird, so wird er das Deutsche Reich gegen jeden Rar seiner mächtigen Feinde im Often und Westen gefeit hinterlassen, als stärksten und homogensten Staat Europas, welcher seine Grenznachhbarn einerseits niht bedroht, - andererseits aber au< ni<t fürchtet. Dur<h die kolossalen Thaten seiner Laufbahn hat O E L O U ras sondern überflügelt. Als er gestern an dem Grabe des großen Königs stand, konnte er das Bewußtsein haben, daß, wenn jenes Jdeal eines- Patrioten, dessen Leben, wie sein eigenes, ausshließli<h dem Dienste des Vaterlandes und der Vertretung der «Fnteressen desselben geweiht war, aus seinem Grabe heraussteigen und das edle Werk seines erlauhten Sprossen anschauen könnte, er herzbefriedigt lächeln und sagen würde: „Wohlgethan, trauter Neffe, Du hast Deine Pflicht erfüllt !“

19. August. (W. T. B.) Die heute verlesene Thro n- rede enthält keinerlei Bemerkung über die auswär- tige Politik. Dieselbe hebt im Wesentlichen hervor, daß das Resultat der jüngsten Wahlen die von dem leßten Parlament in Betreff Jrlands getroffene Entscheidung bestätigt habe; die Regierung werde das Budget sowie die bereits von dem vorigen Kabinet eingebrahten Kreditvorlagen dem Parlament unterbreiten. Da das Parlament zu einer Zeit zusammen- trete, die sonst gewöhnlih für die Ferien reservirt sei, so werde die Regierung sih nur auf solche Vorlagen beschränken, welche für die Fortführung des öffentlihen Dienstes während des Restes des Finanzjahrs unentbehrlich seien.

Im Oberhause erklärte bei Berathung der auf die Thronrede zu erlassenden Adresse der Premier Mar- quis von Salisbury: Was die auswärtigen und die kolo- nialen Angelegenheiten anbetreffe, die in der Thronrede keine Erwähnung gefunden hätten, so dürfe man nicht übersehen, daß seit der vor se<s Monaten gehaltenen Thronrede keine hinreichend lange Zeit verflossen sei, um jeßt aufs Neue dies- bezügliche Erklärungen abgeben zu können. Die Lage in Birma verursahe, obschon sie wenig befriedigend e, o eitel Besorgnisse Sobald die heiße Jahreszeit vorüber sei, würden die umfassendsten Maßregeln getroffen werden; die Regierung erwarte dann die shleunigste Wiederherstellung der Ordnung. Jn Betreff der Frage der afghanischen Grenzabstekung habe eine etwas mißverständliche Auffassung der Sachlage bestanden : es sei jeden- falls nicht korrekt, zu sagen, daß England die Kommission zurück gezogen hade. Die zwischen der englischen und der russischen Regierung dabei aufgetauchten Fragen seien, wenn {hon von einer nicht ganz unerheblichen Wichtigkeit, doch keinesfalls sehr groß und schwierig in Bezug auf das in Betracht kommende Gebiet. Die englische Regierung sei über den Gegenstand vollständig informirt, und die Erörterung darüber könne ebenso gut zwischen London und St. Petersburg wie in der abgelegenen Gegend geführt werden, wo die Grenzabste>ung stattfinde. Es sei stets eine Unzuträglichkeit, wenn man englische Offiziere und Mannschasten während strenger Winter fern von aller Unterstüßung lasse, und es sei, selbst bei den besten Jntentionen der Russen und Afghanen, ganz un- möglih, zu sagen, welhe Zufälle in einem gewisser- maßen nur sehr partiell regierten Lande eintreten könnten. Wegen einer nur 20 Meilen langen Grenzstre>e, die allein noch bestritten sei, erscheine es daher niht wünschenswerth, die Kommission no< einen zweiten Winter in jener Gegend zu lassen. Es sei voller Grund zu der Hoffnung vorhanden, daß die Regierungen über den streitigen Punkt zu einem Einver- nehmen gelangen würden. Was die auswärtigen Angelegenheiten im Uebrigen betreffe, so habe Lord Granville aus dem Schweigen der Thronrede darüber geschlossen, " daß es nichts gebe, was Erwähnung verdiene oder Sorge mache. Das könne als zu optimistish erscheinen, aber es gebe nihts, was Besorgnisse verursache. Seit einiger Zeit und no< gegenwärtig befinde sich eine große Anzahl von Ländergebieten in einem Zustande, den man als einen stabilen nicht bezeihnen könne. Die Aufrect- erhaltung des Friedens hänge von vielen Zufälligkeiten ab. Die Opposition habe während der leßten 6 Monate gesehen, wie viel Schwierigkeiten der Konflikt junger Nationalitäten mit den alten Besißern im Südosten Europas herbeigeführt habe. Er wolle nicht sagen, daß, mehr als im leßten Frühjahr, jede Ursache zur Sorge vollständig beseitigt sei ; aber er glaube, daß keine Ursache zu einer politishen Verwictelung für Eng- land vorhanden sei, das während einer beträchtlich langen Zeit seine Absicht, den angeerbten Traditionen zu folgen, sehr klar e erkennen gegeben habe. Die Jntegrität des türkischen

eihs, wie sie dur die Verträge festgestellt werde, sei nah LaOE Auffassung von großer Wichtigkeit für den euro- päischen Frieden und für die Jnteressen Englands. Er habe, jo sehr er au<h wünsche, daß Seitens Englands alles nur Mögliche geschehe, um die Wohlfahrt und den Fortschritt unter der Bevölkerung dieser Gebiete zu sichern, die Jntegrität des türkishen Reichs doch stets als eine der Bedingungen angesehen, auf denen das gegenwärtige System Europas beruhe. Wir haben, \{loß Lord Salisbury, alle Hoffnung, daß wir in dieser Beziehung, wie in der

Vergangenheit, so auch in der Zukunft, die Unterstüßung unserer Alliirten haben werden, troß der Schwierigkeiten, welche von Zeit zu Zeit eintreten können. Jh hege die feste Hoffnung und den Glauben, daß wir, indem wir der Politik treu blei- ben, die seit einer langen Reihe von Jahren die Politik Englands gewesen ist, in wirksamer und dauernder Weise zur Ecbaltung des europäischen Friedens beitragen werden. Nach der Rede Lord Salisbury's wurde die Adresse an- genommen. Das Haus vertagte si<h darauf bis zum 30. August.

Jm Unterhause wurde der regelmäßig wiederkehrende Antrag, den Pairs jede Einmischung in die Wahlen zu untersagen, von Bradlaugh bekämpft, vom Hause jedoh mit 294 gegen 126 Stimmen angenommen. Bei der Berathung erklärte der Schazkanzler, Lord Churc{ill: die Frage könne in der nächsten Session einem Comité zur Unter- suhung überwiesen werden. Gladstone sprah sein Ein- verständniß damit aus. Lord Churchill kündigte ferner an, daß er nah dem Schluß der Adreßdebatte die Priorität für die Erledigung des Budgets beantragen werde: es sei die Absicht der Regierung, nah Erledigung des Budgets das Parlament zu schließen. Der Sekretär für Jrland Hi>s-Beac, zeigte an: er beabsichtige, den Umfang der ‘Fragen zu erweitern, welche der vom vorigen Kabinet zur Unter Gua der Unruhen in Belfast eingeseßten Kommission überwiesen worden seien. Von King Hannan wurde darauf der Erlaß der Adresse zur Beantwortun der Thronrede beantragt. Jm Laufe der Adreßdebatte sprah si<h der Schaßkanzler Lord Churchill in ähnlicher Weise aus wie Lord Salisbury im Oberhause. Lord Churchill erklärte, daß die Regierung beschlossen habe, den General Buller nah dem Südwesten Frlands zu shi>en, um dort Anordnungen zur Unterdrü>ung der Ge- waltthätigkeiten zu treffen. Die Debatte wurde s\<hließlih vertagt. Í

Gelegentlih der heute stattgehäbten Eröffnung des Fonservativen Klubs in Neath hielt der Siaats Eren Des Ae Va tigen, LorD JOOCSTEIa I ile Nede, in welcher er auf die Größe des englischen Reichs hinwies, welhe der Regierung die Ueberwachung o Vie Ee aeg und late O O: E Can ie E O et kommerziellen und politischen Jnuteressen des ganzen Reichs gerichtet sein. England wolle deshalb auch keine Politik der Sensation, sondern eine feste, sichere Politik, die die Wohl- thaten, welche lediglih dur<h den Frieden und die Ruhe ver- bürgt werden könnten, sichere. Die im Jnnern Englands zu lösenden Fragen müßten den Vorrang vor den auswärtigen haben, jedo könnten auch die einheimischen Fnteressen nicht gebührend gefördert werden, wenn nicht die auswärtigen Angelegenheiten ebenso wie die einheimishen na<h vernünftigen Grundsäßen gehandhabt würden. Die Regierung müsse gleichzeitig die nteressen Englands fördern und auf die Jnteressen und An- sprüche der anderen Länder Rücksicht nehmen.

Jtälien. Nom, 19. August (W. L. B) Die Kot Vet u ata Der eaen een der Katholiken in Montenegro ist gestern von dem Kardinal - Staatssekretär FJacobini und dem Privat- sekretär des Fürsten von Montenegro unterzeichnet worden.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 20. Auzust. S B) Die Ten Man er t Deo Gade von St. Petersburg, denen deutsche, österreichishhe, eng- lische, französische, shwedische, dänische und japanische Offiziere beiwohnen, haben gestern begonnen und werden am Montag beendigt sein. Anläßlich derselben haben der Kaiser und die Kaiserin einen zeitweiligen Aufenthalt in Krasnoje-Selo genommen.

Schweden und Norwegen. Stockholm, 20. August. (B P O e O O E e S mittag hier angekommen und von dem König, dem Kron- prinzen, den Prinzen Oskar und Eugen sowie von den Spitzen der Behörden am Bahnhofe, wo eine Ehrencompagnie aufgestellt war, empfangen worden. Nach kurzem Aufenthalt fuhren die Hohen Herrschaften, von zwei Escadrons Husaren eskortirt, nach dem Königlichen Schlosse. Die Straßen und viele Ge- bäude waren festlich ges{mü>t.

Dänemark. Kopenhagen, 19. August. (W. T. B.) Der König von Portugal hat heute Abend 5!/, Uhr seine Reije nah Malmö resp. Sto>holm fortgeseßt. Der König, der Kronprinz, der König von Griechenland, die Minister und die Mitglieder des diplomatischen Corps gaben demselben bis zum Zollhause das Geleit, wo cine aus Jnfanterie und Husaren bestehende Ehrenwache aufgestellt war.

_Amerika. Chicago, 19. August. (W. T. B.) Die irische Konvention nahm heute Nesolutionen an, in welchen dem Prinzip der irischen Lokalregierung zugestimmt und Gladstone für seine darauf gerichteten Bemühungen sowie der Demokratie von England, Schottland und Wales für ihre Unterstüßung der Gladstone'shen Vor- lagen gedankt wird. Der irishe Deputirte Redmond hielt eine Rede, in welcher er den Gefühlen des Dankes für Gladstone, der Jrland Gerechtigkeit habe zu Theil werden lassen wollen, Ausdru> gab und sagte: diese versöhnliche Politik sei nunmehr wieder verlassen. Das irishe Volk habe gezeigt, daß es ein treuer Freund sein könne; es werde jeßt zeigen, daß es auch ein furhtbarer Feind sein könne. Die Politik Frlands werde künftig cine Politik des Kampfes sein, weil die Regierung Salisbury's die Politik der Zwangs- maßregeln wiederherstellen müsse.

Zeitungsstimmen.

Das „Deutsche Tageblatt“ sagt in einem Leitartikel, der die Ueberschrist „Der industrielle Nothstand“ trägt:

Die einander im höhsten Grade widersprehenden Nachrichten und Thatsachen über die gegenwärtige Lage der deutschen Industrie müssen in weiteren, über den wirklihen Stand der Verhältni||e weniger unterrihteten Kreisen in hohem Grade verwirren. Wir lesen insonderheit in der Manchesterpresse fortwährend von Arbeitseinshränkungen und überhaupt von trüben Verhält- zissen, von Preisveränderungen, von Nachtheilen gegen die ausländishe Industrie, endli<h von zahlreihen Arbeiter- entlassungen. Ebenso wird die Lage des deutschen Handels als eine höchst ungünstige und allgemein rü>gängige geschildert; und alles dies wird in bekannter Eilfertigkeit Seitens jener Presse dem Schußzoll auf das Konto gebracht.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß derartige Darstellungen auf das breitere Publikum ihren Eindru> nicht verfehlen. .

Mut

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A niemals fo gut beshäftigt war, als gegenwärtig, und statt : {rbeiterentlassungen neue Einstellungen von Arbeitern stattgefunden

Muhen. Au , turzli< ten Der | X f x. über die industriellen Verhältnisse in Deutschland sind

M nntlih dur<weg in keiner Beziehung geeignet, die Angriffe;

A nahren Blüthe befinde. Aber auch in diesem Falle, wo die manchester-

Amn, ohne soglei<h den erfreulichen Cindru> und die günstige Meinung,

F ., S F triellen nichts bekannt fei.

Bie und damit au< eine sa<gemäße Behandlung derselben zu Mrd nd M CLI E N / ß A elche als offizielle zu gelten haben, sich befleißigen, zwischen Thatsachen und

È v 2 EA Z i E A iferenz herzustellen und dadurch willkommenen und autoritativ auf-

An Fursten Bismar> als Handels-Minister gerihtete angebliche

Ï eilt wurden, keinerlei Beachtung erfuhren. So wurde z. B. von der D ndelskammer zu Mannheim festgestellt, daß der dortige Hafenver- Mr i< im Jahre 1885 außerordentlih günstig gestaltet habe Eben- M beurtheilte die Handelskammer zu Barmen die Geschäftsergebnisse

M (ler Erfolge der Schutzollpolitik zu dienen.

A ah die Schlußsumme feststellt, dieselbe rückgängig findet, sih aber

M deres Grgebniß herausstellen würde. Es zeigte nämlich die Bremische M iandelsstatistik im Jahre

Nun stehen aber den Darstellungen, welbe von liberaler Seite «c den wirthschaftlihen Stand als abschre>endes Beispiel für die uts<he Wirthschaftspolitik verbreitet werden, eine ganze Reihe von jußerungen und Thatsachen anderer Richtung gegenüber wobei der Unterschied waltet, daß dieselben niht mit der gleihen Be-

enheit wie das, was sie in ungünstigem Sinne melden, im günsti- „1 von der Manchesterpresse verbreitet werden. Nicht minder sind ‘erlei Thatsachen, welche von jener behauptet wurden, widerrufen z. B. ‘# vor Kurzem, wonach der, Phönix“ 300 Arbeiter entlassen haben sollte,

¡hrend nah der Erklärung des Direktors im Gegentheil das Werk die kürzlih veröffentlihten Berichte englis<her Kon-

n die deutshe Schußzollpolitik zu stüßen. Dieselben machen nchr den Eindru>k, daß si<h die deutshe Industrie in fort- ter Hebung und insbesondere der englischen gegenüber in einer

de Presse sih allenfalls herbeigelassen hat, mit fauersüßer Miene qn den englishen Berichten Notiz zu nehmen, hat sie es nicht ge-

he dadurh für das deutshe Wirthschaftssystem bei den Lesern orgebraht werden könnte, abzus<wächen durh den Zusaß, daß jedenfalls nur von den Bestrebungen unserer Industriellen die e sein könne, da von einem guten Geschäftsgange unseren Jn-

&leihviel nun, ob derartige Abshwächungen, die ihrer ganzen ysiht na< ni<t fowohl die industrielle Lage wirkli<h kennzeichnen, 1 die Wirthschaftspolitik des Deutschen Reichs bei der Bevölkerung éfreditiren sollen, diese Absicht im cewünschten Umfange wirkli< er- iden jedenfalls dienen dieselben nicht, die Erkenntniß der wahren

dern. Und sie werden um fo bedenklicher, als auch Darstellungen, Meinungen über wirths{aftlihe Verhältnisse eine mögli<hst große

faßten Stoff zu liefern, um gegen den „Schußzoll“ loszuschlagen. 70 ist z. B. in der jüngsten Zeit in der Freihandelspresse eine gegen

lußerung der Handelskammer zu Münster von erstaunlihster Keckheit 4 Umlauf geseßt und mit Behagen als autoritatives Zeugniß gegen 4e Schutzollpolitik ausgespielt worden, während entgegengesetzte That- hen, wel<he ebenfalls von Handelskammern doch ebenfo autoritativ

Jo

un 1885 keineswegs aïs ungünstig oder als geeignet, zum Beweise Dagegen werden die atistishen Feststelungen der Bremer Handelsbehörden als üble rgebnisse der deutshen Wirthschaftspolitik angesehen, indem man

rohl hütet, ins Einzelne einzugehen, wo sih dann wahrscheinli<h cin

1699 in Einfuhr 86 233 145 k im Werth von 554433 202 E ¿ 20720 5 5 « 100866850 O L L ; A G E

Dagegen betrug im Jahre:

1883 die Ausfuhr 26 278 619 Ctr. im Werth von 521 929 606 M O N; « 501 514 048 E A L E

Hier zeigt sih freili<h ein Rücsgang besonders bei der Einfuhr; nd dieser Rückgang wird, wie gesagt, von den Freihändlern als ein iflimmes Ergebniß der deutshen SchußtzzoUpolitik bezeihnet, obgleich Fremen gar nicht zum deutschen Zollverein gehört. Allein dem gegen- iber muß doch sofort die Differenz zwishen Ein- und Aus- ihr auffallen. Ein gewisses \tetiges Zurückgehen zeigt sih doch, was de Menge betrifft, nur bei der Einfuhr, die in jedem Jahre einen Fidgang zeigt. Dagegen zeigt sih in der Ausfuhr eine Bewegung, die gar Éein Urtheil zuläßt, da im Jahre 1884 ein \tarkes Ansteigen gegen 1883, dann aber wieder cin Rückfall stattfindet. Derartige Kwegungen werden aber bekanntlih fehr häufig veranlaßt entweder dur<h die Produktionsverhältnisse oder dur spekulative Vorgänge, und in kiden Fällen folgt gewöhnlich auf eine außerordentliche Ausdehnung der fuhr oder der Abfuhr ein entsprehender Rückshlag. Denn durch die sârkeren Zufuhren, welche in den Produktionéländern dur<h gute Fnten veranlaßt werden, folgt in den Handelsplätßen Ueberfüllung der ger und damit Dru> auf die Preise, wodur<h die Differenz wishen Aus- und Einfuhrwerth so herabgedrückt werden kann, daß ine Ausfuhr nach dem betreffenden Plate so lange, bis sich die Lager wieder geleert und die Preise wieder gesteigert haben, niht möglich it. In folher Weise kann die Einfuhr eines Handelsplatzes einen iheblichen Rückgang selbst für einen längeren Zeitraum ausweifen, chne daß irgend ein Grund vorhanden ift, denselben auf wirths<hafts- wolitishe Maßnahmen zurü>zuführen.

Wenn wir aber den Bremischen Ein- und Ausfuhrhandel, dessen bige Darstellung überhaupt als fehlerhaft bezeihnet werden muß, da se den binnenländischen Handel wegen der Bremischen Freihandels- stellung ebenfalls als ausländischen betrachtet, genauer ansehen, fo udert sih jedo< das Bild einigermaßen. Es betrug nämlich die \infuhr nah Bremen seewärts im Jahre

1883: 21 316 464 Ctr. im Werth von 390 853 761 46 S O O v 949723022 y 1885; 19 929 802 ,„ 2 i e Boge.

Dagegen kamen landwärts im Jahre:

1883 14916 681 Ctr. im Werth von 163 579 441 A. 1884 B 26820 f : ¿ 1G 8IB0DD 1880 159260008 Ü Ï P

ind davon im Besonderen aus dem deutschen Zollgebiet im Jahre : 1883 15 565 359 Ctr. im Werth von 142 254 847 M. S4 IOOLB 928 E F ¿O Oie 1880 TOB2S 0D L ü O 2s

Schon aus diesen drei Posten erkennt man sofort, daß die Be- kuptung, die deuts<e Industrie und der deutsche Handel leiden unter ten Schutzzoll erheblich, vollständig aus der Luft gegriffen ist. Denn Ferade die Einfuhr über Bremen nah Deutschland, also die fremde Vroduktion für Deutshland, hat während der drei Jahre einen erheb- hen Rückgang erfahren, wogegen die Zufuhren an den Bremischen Narkt hinsichtlih der Menge wie hinsihtli< des Werthes im Jahre % höher sind als im Jahre 1883; und nur gegen das Jahr 1584, das cine stärkere Erhöhung des Werthes zeigt, die Übrigens wesent- h spekulativer Art war, zeigt sih cin Rückgang, der aber in keiner velse dazu angethan ift, eine allgemeine Schlußfolgerung zu gestatten.

D Qn den „Berlin PolitisGen NaGLr ten" lesen wir:

Mit lebhaftem Interesse hat die englishe Handels- und Geschäfts- welt von einem Blaubuch Kenntniß genommen, welches Konsulats- ite über die Finanzlage in Deutschland, Italien und Sparen nthält, Diese Lerichte stammen no< aus der Amtsperiode“ Lord Wsebery's, und man re<hnet es diesem Staatsmanvye zum Verdienst in, daß er, dem Beispiele seines konservativen Amtsvorgängers gemäß, t außerordentlihe Wichtigkeit einer \{nellen, genauen und um- îenden Konsularberichterstattung über die Entwickelung von Handel ind Industrie bei den mit England konkurrirenden Nationen aner- innt hat. Der von Mr. Scott erstattete Bericht über das Budget des Deutschen Reichs für das laufende Jahr zeigt, um mit der »&Llorningpost“ zu reden, daß die Reichsfinanzen geschi>t und sparsam verwaltet werden und daß die Hülfsquellen des deutshen Volks w< völlig hinreihen, um den Änforderungen gerecht zu werden, velhe feine gewaltige militäris<he Rüstung ihm auferlege. Heer ind Flotte wiesen eine Steigerung der Ausgaben auf, daneben

wel<he Deutshland in verschiedenen Weltgegenden erworben habe, ausgeworfen. Ausdrü>li< betont der Beriht Mr. Scott's, daß die meisten Kosten für deutshe Kolonialunternehmungen von privaten Kaufmannsfirmen und Handelsgesellshaften getragen würden, genau wie der Grund zu der überseeischen englishen Machtstellung durch die Energie und die Aufwendungen englisher Handels8unternehmer gelegt worden sei. Troy aller Ausgabenvermehrung würden die Steuer- und Zolleinnahmen des Reichs das Budget zu balanciren im Stande sein.

Aus dem Berichte des Madrider Konsuls erscheint für uns von besonderem Interesse die an den englischen Handelsstand gerichtete Warnung vor der thätigen Geschäftskonkurrenz der deutschen Firmen. Der teutonishen Energie und Schneidigkeit wird mit Sorge gedacht. Spanien besitze ausgedehnte natürlihe Hülfsquellen, ein betriebsames Volk und wachsende Aufnahmefähigkeit für ausländishe Erzeugnisse. Wenn der deutsche Handel fortfahre, sfi<h wie in den leßten Jahren zu entwi>eln, so werde es ni<ht lange dauern, und Deuts<land habe England eingeholt.

Armee- Verordnungs - Blatt. Nr. 20. Inhalt: Anderweitige Organisation der 1. und 2. Landwehr - Inspektion. Disziplinarstrafgewalt und Befugniß zur Urlaubsertheilung des zweiten Stabsoffiziers bezw. des ältesten Hauptmanns der Pionier-Bataillone. Dislokation des Stabéquartiers des 1. Bataillons 1. Nassauischen Landwehr-Regiments Nr. 87 von Nassau nah Oberlahnstein. Dis- lotationen im Bereiche des YV. Armec-Corps. Kopfbede>kung der Landwehr-Kavallerie-Offiziere. Nachtrag zu dem Verzeichniß der böberen Lehranstalten, welche zur Ausftellung von Zeugnissen über die wissenshaftlihe Befähigung für den einjährig - freiwilligen Militär- dienst berechtigt sind. Amtlihe Nachrichten über das Preußische Staats\{huldbu<h. Reduktion des Lehr-Infanterie-Bataillons auf die formirten zwei Versu<hs-Compagnien. Ausgabe eines neuen Pferde-Aushebungs-Regletnents.

Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 33 A. Inhalt: Der Panama- Kanal. Vortrag des Wasser-Bauinspektors Pesche>, gehalten in der Wanderversammlung des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine in Franksurt a. M. im August 1886.

Statistische Nachrichten.

Nach Mittheilung des Statistishen Amts der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standes8ämtern in der Woche vom 8. August bis incl. 14. August cr. zur Anmeldung gekommen: 210 Gheschließzungen, 862 Lebendgeborene, 37 Todtgeborene, 772 Sterbefälle.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Dex Historishe Verein für das Großherzogthum Hessen versandte kürzlih die Nr. 2 für 1886 seiner „Quartal- blätter“ (Redacteur: Ernst Wörner; Selbstverlag des Vereins ; in Kommission der Hofbuchhandlung von A. Klingelhöfer in. Darm- stadt). Zunächst wird darin über Vereinsangelegenheiten berichtet und zwar über die am 24. Februar d. J. im Hause der Vereinigten Gesellschaft abgehaltene Hauptversammlung. In derselben wurden u. a. Mittheilungen gemaht über die Frage der Errichtung eines Gebäudes für die Sammlungen des Großherzoglichen Museums und über die beabsichtigte (inzwischen leider troß der Gegenbemlühungen des Vereins zur Ausführung gebrachte) Beseitigung des Ninnenthors zu Bens- heim, welches als einer der merkwürdigsten Reste mittelalterlicher Be- festigungskunst begründeten Anspruch auf Erhaltung gehabt hätte. Die Personalstatistik des Vereins ergiebt eine kleine Zunahme: er zählte am 15. Januar v. J. 421 ordentliche Mitglieder, gewann seitdein 40, verlox 383, und zählt heute 428, Der Stand von 1882, der 431 betrug, ist damit no< immer ni<ht wieder erreicht. Die Kassenre<nung weist 3978 H. Einnahme und 3892 6 Ausgabe auf. Die Summe von 800 Æ, welche die Großherzogliche Staats- regierung dem Verein aus Anlaß der vorjährigen Jubelfeier Überwies, ist ihrer Bestimmung gemäß, zur Aufde>kung des römischen Limes innerhalb der Landesgrenzen zu dienen, verwandt worden. Im Früh- jahr gelang es dem Aus\schußmitgliede F. Kofler, in dem Castrum bei Inheiden den nächsten bedeutenden Wachtposten südli<h von Langsdorf aufzude>ken, und -im Herbst fand er den von dort in der Richtung nach Echzell hinter dem Limes herziehenden römischen Weg mit den daran liegenden Kastellen. Noch sind, wie der Bericht sagt, die 800 M. niht ers<öpft, aber es werde eines erhebli<hen Zuschusses von Seiten d:.s Vereins bedürfen, wenn in diesem Jahre der Rest der Aufgabe auf dem Boden der Wetterau gelöst werden soll. Die Untersuchung der ausgedehnten römishen Wohnstätte bei Gerns- heim geht neben jenen Arbeiten fort, ohne die Finanzen öxs Vereins besonders zu belasten, da die betreffenden Grundbesitzer, einmal auf die Bedeutung der Sache aufmerksam geworden, aufs Dankens- wertheste si<h angelegen sein lassen, Nachrichten zu geben sowie das Gefundene aufzubewahren und dem Verein zu überweisen. Ein im Oktober v. J. ausgeführtes kleines Unternehmen des Vereins, das gleichfalls von Hrn. Kofler geleitet wurde, ging ursprünglih aus einer Anregung des hoben Protektors, des Groß- herzogs selbst hervor, und wurde durch die persönliche Betheiligung Sr. Königlichen Hoheit geehrt. Es war die im 4. Hefte der Quartal- blätter beschriebene Oeffnung eines Grabhügels im Mörfelder Walde, dessen Fundstücke in den Besiß des Großherzogs gelangten. Der Vereins - Sekretär Staatsarchiv - Direktor Dr. Schenk zu Schweinsberg referirte über die literarishe Thätigkeit des Bereins. G S E E E En Seb Ernst Wörner redigirten, im Laufe des Jahres 1885 erschienenen vier Quartalblätter hin und fügte hinzu, daß die finanziellen Verhältnisse bisher das Erscheinen eines Bandes des Archivs ni<t ermöglicht hätten Doch werde mit dem Dru>k des ersten Bandes der Neuen Folge demnächst begonnen werden, wozu Material bereits in Arbeiten vom Pfarrer Nebel, Rentner Kofler und ihm selbst theils vorliege, theils in mehr oder weniger vorgeschrittener Vorbereitung sei. Die beab- fchtigte separate Vereinspublikation, ein von dem Professor Crecelius in Elberfeld bearbeitetes Wetterauer Idiotikon, schreitet] rüstig voran. Dann hielt Stadt-Archivar Dr. Grotefend aus Frankfurt a. M. einen Vorlrag über die „Handwerkernamen, als Beitrag zur Ent- stehung8geschichte der Familiennamen“. Hr. Friedrich Kofler gab \<ließ- lich bevorwortende Mittheilungen über die von ihm herauszugebende archäologishe Karte von Hessen. Der zweite Abschnitt des Hefts bietet historishe und ar<häologis<he Mittheilungen, und zwar zunächst einen interessanten Beitrag von M. Rieger, über die Lokalisirung der Siegfriedssage bei Kaldern; dann Mittheilungen über den im Iahre 1883 umgestürzten „Langen Stein“ bei Ober-Saulheim (vielleicht das Wahrzeichen eines alten vorchristli<hen Grabmales, oder die Grenz- marke der Alemannen oder Burgunden gegen die Franken, vielleicht auch die Bezeichnung einer alten Kultus- oder Malstätte), für dessen Wiederaufrihtung die Großherzoglihe Regierung und der Oppen- heimer Kreistag die nöthigen Mittel bewilligt haben. In dem auf wachsüberzogenen Buchenholztafeln ge\{<riebenen Bede-Register der Ges» meinde Großumstadt aus dem 15. Jahrhundert besißt die Darm- städter Hofbibliothek eine historishe Merkwürdigkeit, welche beweist, daß man no<h bis tief ins späte Mittelalter si<h zu Rechnungs- zwecken dieser uralten Schreibweise bediente. F. W. E. Roth hat den Inhalt der Tafeln kopirt und soweit no<h lesbar mitgetheilt. Dann folgen kleine Beiträge von Karl Mornérweg, zur Geschichte der Medizin am Mittelrhein, aus denen wir ersehen, daß man die Kunst des Staarstechens hon zu Anfang des 16. Jahrhunderts erfolg- reich geübt hat. Die Beiträge zur Krieg8geschichte der Kurpfalz im 17. und 18. Jahrhundert von Dr. Gideon Frhrn. Dael von Köth- Wanscheid, kommen in dem vorliegenden Heft zum Abschluß, während Friedrih Kofler unter demn Titel „Vorrömisches, Römisches und Nad)- römishes im Großherzogthum Hessen“ seine Mittheilungon über Gräber, Grabfunde, Steinwälle, Burgstätten, Inschriften 2c. fortsetzt.

in Darmstadt, nämli<h 4 alte Kampfschilde mit dem Wappen der Stadt Wimpfen, welche wirkli<h zum Kampfe gedient haben, noch die Spuren davon zeigen und etwa dem 15. Jahrhundert zuzuweisen sein mögen; über Ausgrabungen in Wallerstadt, über prähistorishe Er- werbungen des Museums in Mainz und eine dort zu Tage gekommene römische Inschrift; über den baulichen Zustand des Wormser Doms und die Pläne zur Restauration dieses altehrwürdigen Baues; über Bereicherungen der fränkis<hen Abtheilung des dortigen Museums dur in der Gegend von Koblenz gemachte Funde; über Ausgrabungen und Funde bei Worms, Westhofen, Hergershausen uud Bermersheim. Von der Publikation: „Desterreih-Ungarn in Wort und Bild“ ift die 17. Lieferung erschienen. In derselben bes{ließt LMdwig Speidel seinen Aufsaß über das Wiener Schauspiel und be- rihtet Albert Ilg über Malerei und Plastik in Wien vom Mittel- alter bis zur Neuzeit. An größeren Illustrationen enthält das Heft: Amalie Haizinger, na<h Josef Kriehuber ; das neue Burgtheater am Franzensring in Wien, von Rudolf Bernt; Ferdinand Raimund als Aschenmann (Wurzel) im „Bauer als Millionär“, Therese Krones als Jugend im „Bauer als Millionär“, Fanny Elßler, eine Cahucha tanzend; Wenzel Scholz als Eulenspiegel in „Till Eulenspiegel“ ; Johann Nestroy als Sansquartier in den „Zwölf Mädchen in Uni- form“, sämmtli<h von Josef Kinzel ; Tympanon-Relief vom Riesen- thor der Stephanskirhe in Wien, von I. G. Fahrnbauer «c.

In Nr. 18 wird Oesterreih-Ungarns Pflanzenwelt von Anton von Kerner besprohen. An Illustrationen bringt das Heft eine Akanthusgruppe bei Ragusa, von Olga Wisinger-Florian; Blasen- und Beerentang im Meere an der Dalmatinishen Küste, pontischer Wald im südlihen Ungarn, von Baron Ransonnet; Federgrasflur auf der Kecskemeter Landhöhe, von Geza Mescöly; Fichtenwald in den Sudeten, von Julius Marak; Ried in der Gegend von Salzburg, von August Schaeffer.

Die in Leipzig und Berlin am 21. August erscheinende Nummer 2251 der „Jllustrirten Zeitung“ enthält folgende Abbildungen: Die 500jährige Jubelfeier der Universität Heidelberg. 4 Abbildungen: Begrüßung der Gäste in der Festhalle dur<h Ober- Bürgermeister Dr. Wil>kens am 2. August. Originalzeihnung von unseren Spezialzeihner Emil Limmer. Das Schloßfest am 3. August. Originalzeihnung von Roberi Geißler. Scenen und Typen aus den Festtagen. 5 Abbildungen. Originalzeihnungen von unserem Spezialzeichner E. Limmer. Der franz. Akademiker Monf. Zeller. Alte Herren. Aeltester „Alter Herr“. Gruppe aus dem Festzuge: Fröhlich? Pfalz, Gott erhalt’'s! Während des Festzugs: Billige Plätze. Der Festactus in der Universitätsaula (die Rede des Großherzogs von Baden) am 3. August. Original- zeihnung von unserem Spezialzeihner E. Limmer. (Zwei- seitig) Die CEhrengeschenke des Großherzogs von Baden an die Universität Heidelberg. 3 Abbildungen: Würdeabzeichen mit Jubiläumsmedaille. Neucs Universitätssiegel. Griff des Siegels Die Tuberkelbacillen. 5 Abbildungen. Der Triaglav mit dem Wocheiner See in Krain. Originalzeichnung von I. I. Kirhner. Schlitten und kleiner Galawagen König Ludwigs IT. von Bayern. 2 Abbildungen. Nach photographischen Aufnahmen von I. Albert in München. Wilhelm Scherer, + am 6. August. Heinri<h Viehoff, f am 5. August. Bilder aus St, Petersburg. Auf einer Datsche (Sommerwohnung). Origiral- zeihnung von G. Broling. L. Hempel, der muthmaßliche „Erfinder“ des Skatspiels. Münze auf das Heidelberger Faß vom Jahre 1727. Vorder- und Rückseite. Moden: Helles Wollmuffelinkleid. Kleid aus gestreifiem Perkal.

Gewerbe und Handel.

In der gestrigen ordentlihen Generalversammlung der Victoriahütte theilte der Vorsitzende mit, daß eine Anzahl no< niht konvertirter Aktien, die laut Beschluß der vorjährigen General- versammlung mit Ablauf der Konvertirungsfrist am 1. Mai cr. ihr Stimmrecht verloren haben, zur heutigen Generalversammlung ange- meldet seien. Auf Antrag eines Aktionärs wurde beschlossen die an- gemeldeten nih<ht konvertirten Aktien mit Stimmrecht in der Weise zuzulassen, daß 4 alte Aktien eine Stimme geben, und zugleih in Erledigung des 5. Punktes der Tagesordnung festgeseßt, daß die Konvertirungsfrist bis 31. Dezember cr. verlängert wird. Festgestellt wurde hierbei, daß } des gesammten Aktienkapitals die Zuzahlung von 5 9% geleistet hat. Hierauf wurde der Geschäfts- beriht nebst Bilanz und Gewinn- nnd Verlustkonto genehmigt und dem Aufsichtsrath und dem Vorstand einstimmig Decharge ertheilt. Die beantragte Beschaffung weiterer Mittel behufs Ausdehnung des Betriebes wurde mit dem Vorschlage des Aufsichtsraths genehmigt, 5%/oige Prioritäten in Höhe von 150000 Æ, mit 105 rücfzahlbar und mit jährlich 1 9/% amortisabel, auszugeben.

Die Dividende der Paulinenaue-Neu- Ruppiner Eisenbahn für das am 31. März cr. beendete Geschäftejahr ist für die Stamm-Aktien sowie für die Stamm- Prioritäten auf 47% gegen 4,7 9/0 im Vorjahr festgeseßt worden.

Amsterdam, 125 A D B) E L hetitel Zucferauktion wurden 721 Boucants Surinamzu>er zu 12 à 15 verkauft.

BLadford, 19, Auglst,. ŒW. T. B) Wolle icn gute Begehr für den Konsum, Botanywolle steigend, Garne für den Export gefragter, einfädige und zweifädige Garne steigend, in Stoffen mehr Geschäft. i

Washington, 19 Ati W. T B) D Saat hat 15 Millionen Dollars dreiprozentige Schatßbons von 1882 einberufen. Die Verzinsung derselben hört mit dem 1. Okto- Dee O

Verkehrs - Anstalten.

Der vor einigen Tagen aus Auerbach im sähsishen Vogtlande unter Mitnahme von etwa 9900 4 Kassengeldern entwichene Poft- assistent B. ist bereits Anfangs dieser Woche in Marseille ver- haftet worden. Im Besiß des Verbrechhers befand fih der größte Theil des unters{hlagenen Guts.

Hämbutg, 20 Aguis (W. T. B) Dix Pape „Gothia“ der Hamburg- Amerikanischen Padletfahrt- Aktiengesells<aft ist, von Hamburg kommend, gestern Nach- mittag 5 Uhr in New - York eingetcoffen. l

Triest. 19, August. (V. T. B) Dex Lloyd @mPker „Daphne ist heute Nahmittag aus Konstantinopel hier eingetroffen.

Berlin, 20. August 1886.

Wien, 19. August. (W. T. B.) Von gestern Mittag bis heute Mittag sind in Triest 10 Personen an der Cholera erkrankt und 3 gestorben, in Istrien 11 Personen erkrankt; in Fiume kam kein Cholera-Erkrankungs- und kein Cholera-Todesfall vor.

Kroll'’s Theater. Die Oper „Norma“ von Bellini erscheint am Sonntag zum ersten Male in der laufenden Saison. Die Norma- Sängerinnen, vor allem die guten, sind bekanntlich sehr felten. Frl. Sophie Brajnin, die diesmalige Vertreterin der Titelrolle, hat im Vaterlande des Komponisten selbst, dem vor wenigen Tagen ein herrlihes Denkmal in Neapel errichtet worn k \ih die allgemeinste Anerkennung zu verschaffen gewußt. Hr. Richter singt den Sever, Frl. Rödiger die Adalgisa. Das Repertoire der nächsten Woche bringt mit den Gästen Fr. von Maleczky und Frl. Brajnin die „Lucia“ und den „Fidelio.“

Im Walhalla- Theater singt in der am nächsten Sonntag stattfindenden Wiedereröffnungs-Vorstellung die Titelrolle der beliebten Operette „Mamsell Angot“ Frl. Erdösy; Hr. Philipp nimmt als Ange Pitou seine Thätigkeit an dieser Bühne wieder auf.

Am Schluß des Hefts finden sih no< kürzere Mittheilungen über

f eine unbedeutende Summe für die kleinen Kolonialstationen,

eine interessante, seltene Erwerbung des Großherzoglihen Museums