1886 / 216 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Ihrer Verkündigung in Kraft. Zuwiderhandlungen gegen die- selbe unterliegen den Bestimmungen des $8. 328 des Reichs- Strafgejegbuches und des Reichsgeseßes vom 21. Mai 1878

hs:Geseßblatt Seite 95) beziehungsweise den Bestimmungen nachstehenden Polizeiverordnung. Gumbinnen, den 11. September 1886. Der Regierungs-Präsident. Steinmann.

Polizei- Verordnung.

Auf Grund des $. 137 des Geseyes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883, in Verbindung mit den S8. 6, 12 und 15 des Geseyes über die Polizei-Verwaltung vom 11. März 1850, wird hiermit für den Umfang des Re- gierungsbezirks Gumbinnen Folgendes verordnet :

Einziger Paragraph. S

Zuwiderhandlungen gegen die vorstehende landespolizei- lihe Anordnung werden, weit sie niht den Strafbestim- mungen des Reihs-Strafgeseßbbuches und des Reichsgeseßes vom 21. Mai 1878 (Reichs-Geseßblatt S. 95) unterliegen, mit Geldstrafe von 10 bis 60 1, im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft beahndet. e :

Vorstehende Verordnung tritt mit dem Zeitpunkte ihrer Verkündung in Kraft.

Gumbinnen, den 11. September 1886.

Der Regierungs-Präsident. Steinmann.

. Fprechend kleiner als jenes am Helme dem Feldzeichen (

Nichtamlkliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 14. September. Wegen einer Beleidigung eines preußishen Gendarmen auch in Bezug auf eine dem Civildienst des Beleidigten angehörige Handlung hat, nah einem Urtheil des Reichsgerichts, TIT. Strafsenats, vom 5. Juli d. J., der militärishe Vorgeseßte des Beleidigten das Recht, den Strafantrag zu stellen.

Nach einer Cirkularversügung des Ministers des Jnnern vom 22. Juni d. J. hat der Erlaß vom 26. Novem- ber pr., betreffend die Errichtung von Filialen öffent- liher Sparkassen, nur die Neuerrihtung von era unter welchen au<h die sogenannten Annahme-

ellen zu verstehen sind im Auge, und wohnt demselben

somit eine rü>wirkende Kraft niht bei. Auch erscheint es nicht angezeigt, die Wiederbeseitigung derartiger, seit Jahren bestehender und niht zum Zwe>e der Konkurrenz, sondern ledigli<h in Folge hervorgetretenen Bedürfnisses ins Leben gerufener Einrichtungen zu verlangen, zumal wenn dieselben thatsächlih nicht zu einer Schädigung berechtigter Jnteressen Dritter geführt haben.

Sigmaringen, 13. September. (W. T. U Der König von Portugal is heute Nachmittag 11/4 Uhr nah Brüssel abgereist; der Fürst und die Fürstin von Hohen- zollern gaben demjselben mehrere Stationen weit das Geleit.

Vayern. München, 12. September. Ueber die Uni- formirungs-Aenderung in der bayerischen Armee enthält das neueste „Verordnungsblatt“ des bayerischen Kriegs-Ministe- riums folgende Allerhöchste Verordnung :

Im Namen Sr. Majestät des Königs. Se. Königliche Hoheit der rin Luitpold, des Königreichs Bazern Verweser, hat inhaltli>; Allerhöchster Entschließung vom 5. d. M. na<stehende Aenderungen in der Uniformirung und Ausrüstung des Heeres genehmigt und gleidzeitig das Kriegs - Ministerium mit Erlaß der Vollzugs-

estimmungen und etwaiger Anordnungen ni<ht prinzipieller Natur beauftragt. T. Für Helm und Czapka werden neue Muster (1886) eingeführt. 1) Der Helm, von s{<warzla>irtem Leder, ist in der Form für alle Waffen gleih. Derselbe hat eine an 4 Blättern auf dem Helmkasten befestigte, kannelirte Spiße, welche bei denjenigen Offizieren und Mannschaften, die Büsche tragen, behufs Ausschraubens des Haarbuschtrihters zum Abnehmen eingerichtet ist. Die Blätter werden bei den Offizieren mittelst kleiner Sterne, bei der Mannschaft mittelst kleiner Knöpfe auf dem Helmkopfe befestigt. Der Vorderschirm, mit einer Metallschiene eingefaßt, ist e>ig, der Hinterschirm abgerundet, an sämmtlihen Helmen is eine Miene angebra<ht. Das Embleme ist das Königlich bayerishe Wappen mit den Löwen als Schildhaltern und dem Spcuchbande: „In Treue fest“. Die Helme der Fußtruppen, einschließli der Militärschießs<ule, der es, der Pioniere, der Eisenbahn-Compagnie, der Sanitäts- ompagnien und des Kadetten-Corps, sowie der nicht regimentirten Offi- ziere, für welche eine besondere Uniform vorgeschrieben is (Feuer- werksoffiziece, Offiziere des Haupt-Konservatoriums und des topo- graphis<en Bureaus 2c. 2c.), haben flahe, die des Generalstabes, der Kavallerie, Feldartillerie und des Trains konvere Schuppenketten. Die Sanitätsoffiziere und Beamten tragen die Helme wie die Offiziere der Fußtruppen. Die Kokarde is an dem rechten, das Sturmband haltenden Auge angebraht. Dieselbe ist bei den Offizieren und Beamten in Silber. 2) Das sämmtlihe Beschläge auf dem Helme der Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten is je na<h der be- treffenden Farbe entweder vergoldet oder versilbert, dasjenige der Mannschaften von weißem oder gelbem Metall. Das Helmbeschläge hat die Farbe der Knöpfe des Waffenro>es ; das Beschläge am Helm der Obersten in Generalsstellung ist stets weiß aaa Ziffer 5). 3) Helmbüsche tragen die Offiziere von Büffelhaaren, die Mannschaften vom Feld- webel abwärts von Roßhaaren und zwar: weiße: die Königlichen ügel-Adjutanten, der Generalstab, die {weren Reiter- und die evauxlegers-Regimenter ; rothe: die 4 Feld-Artillerie-Regimenter ; \<hwarze: der Train exkl. Sanitätsmannscaften. 4) Die Regi- mentsinhaber, fowie die à la suite von Regimentern \tehenden Generale tragen zur Regimentsuniform den Helm oder die Czapka des betref- fenden Truppentheils, leßteren im Paradeanzug mit einem weißen Reiherbusch. 5) Die Obersten, welhe zu Brigade-Commandeuren oder fonstwie in etatsmäßigen Generalsstellungen ernannt sind, sowie jene, welchen der Rang als Brigade-Commandeur besonders verliehen ist, ein reicher dekorirtes Wappen; die Czapka im Paradeanzug mit einem weißen Reiherbush. Dasselbe Embleme, jedo vergeldet, tragen auch der General-Stabsarzt, sowie diejenigen Sanitätsoffiziere, welchen ein Generalsrang Allerhöchst verliehen ist. 8) Die Festseßung des Termins, von welchem ab der Helm und die Czapka neuen Musters zu tragen Find, bleibt den Vollzugsbestimmungen vorbehalten. Die Aptirung des bisherigen Helms nah erfolgter Hinausgabe des Musters 1886 ist, soweit angängig, gestattet und darf für die Uebergangszeit über Verschiedenheiten hinweggesechen werden. 9) A des Sites des Helms wird bestimmt, daß der Verdershirm mit den Augenbrauen abschneidend zu tragen ist. 10) Die Czapka ist von s<warzla>irtem Leder mit abgerundetem Vorderschirm, metallener Schirmschiene und viere>igem De>el von 16 ecm Länge und Breite, mit dem bayeris<hen Wappen als Embleme jevos s ationale

und metallenen Schuppenketten. Das Beschläge 2c. hat die Farbe der Knöpfe am Waffenro>k. Zum Paradeanzug tritt hinzu: Die

Tu(hrabatte von der Farbe des Rokragens, bei den Offizieren mit blausilbernem S<hnurbesaß —, die Fangshnur und der weiße, resp. unten blau eingefaßte weiße Haarbush. Der Haarbush der Offiziere ist von Büffelhaar, derjenige der Mannschaften von Roß- haaren. II. An den Rod>kragen der Uniformen is überall da, wo ni<ht \{<hon ein besonderer Vorstoß vorgeschrieben ift, ein 0,3 ecm breiter Vorstoß von der Farbe des Grundtuhes des Waffenro>es anzubringen. Ein weißer Vorstoß an der Halsbinde darf ferner- hin au< außer Dienst ni<t mehr getragen werden. 111. Das auf dem Tragbande der Reiterpatrontashe der Offiziere angebrahte Schild, sowie der oberhalb des Schildes befind- lihe Löwenkopf mit Erbsenkette kommen in Wegfall. 1V. Der Königlihe Namenszug kommt auf allen Uniform-Ausrüstungs- stü>ken 2c., auf welchen er dermalen angebra<ht ist, in Wegfall und wird erseßt: 1) dur den Stern des Ritter-Ordens vom heil. Hubertus mit Krone in Silber: auf der Gala-Schabra>ke der Generale ; 2) dur die Devise: „In Treue fest“: auf den Klingen sämmtlicher Offizierssäbel und Degen, bei diesen jedo<h nah Maßgabe deren Neu- beiGasung 3) durch die Königékrone: in den Epaulettfeldern und auf den Achselstü>ken der General- und Flügel-Adjutanten, auf der Offizierskokarde des Gendarmerie-Helms, auf der Reiterpatrontasche der berittenen Mannschaften der Gendarmerie, auf dem Kastende>el der Patrontaschen der Gendarmerie-Mannschaften zu Fuß, auf den Degenkoppel schließen der Hartschiere, endlih auf der Pelzshabra>e der Offiziere zur Parade-Ausrüstung und auf der Tuchshabra>ke der berittenen Mannschaften der Gèndarmerie.

Die „Allgem. Ztg.“ bemerkt zu dieser Verordnung: y

„IÎn dem Vertrage vom 23. November 1870, betreffend den Bei- tritt Bayerns zur Verfassung des Deutschen Bundes, war unter 8. 5 1II. bestimmt worden: „Bezüglich der Bewaffnung und Aus- rüstung, sowie der Gradabzeichen, bebält sih die Königlich bayerische Regierung die Herstellung der vollen Uebereinstimmung mit dem Bundesheere vor.“ Dagegen wurde im S{lußprotokoll zum ge- nannten Vertrag in $8. 4 vereinbart : „Dees Gegenstände des bayerischen Kriegswesens, betreffs wel<her der Bundesvertrag bom Heutigen oder das vorliegende Protokoll ni<t ausdrü>lihe Bestim- mungen enthalten fohin insbesondere die Bezeihnung der Regimenter 2c., die Uniformirung, Garnisonirung, das Personal- und Militärbildungswesen u. #. w. werden durch dieselbe nit berührt.“ Hierdurh wurde jede e des Reiches auf die Uniformirung des bayerischen Heeres ausges<lossen. Die gestern veröffentlichte Ent- s{ließung Sr. Königlichen Hoheit des Prinz-Regenten, wodur die Einführung der Pickelhaube, Muster des bayerischen Gendarmerie- helms, für die ganze Armee angeordnet wird, hat hiernah eine Maß- nahme zur „Herstellung der vollen Uebereinstimmung mit dem Bundesheere“ getroffen, ohne daß für Bayern ein fstaatêrehtliher Grund vorhanden war, und die Maßnahme ist deshalb ganz besonders bemerkenswerth.“

Elsaß - Lothringen. Straßburg, 13. September. (W. T. B.) Se. Majestät der Kaiser fuhren Vormittags bis zum festlih geshmüd>ten Stephansfeld per Bahn, woselbst Se. Majestät von einer nah Tausenden zählenden Volksmenge jubelnd begrüßt wurden. Dort bestieg der Kaiser den Wagen und fuhr dur< das von der Gemeinde reih dekorirte Dorf Brumath nah Weitbru<h, woselbst der Büxgermeister und die Beigeordneten des Dorfes, sowie die Geistlichkeit und die Lehrer des Landkreises Straßburg versammelt waren, deren Begrüßung Se. Majestät \icht- lih erfreut entgegennahmen. Der Kaiser beobachtete auf der Straße nah Weitbruch, im Wagen stehend, längere Zeit die Vorbereitung des Angriffs des XV. Armee-Corps auf die Stellung der Nord-Armee bei Kriegsheim und Weitbruch. So- dann fuhren Se. Majestät zu der vor Weitbruch errichteten Ehrenpforte, woselbst der Bürgermeister des Ortes, sowie die Geistlichkeit und die Lehrer des Kreises Hagenau versammelt waren. Eine Schaar weißge- Éleideter Mädchen ays den angesehensten Familien des Kreises überreichte Yättensträuße. Der Kaiser fuhr durch den festlih geshfü@, D bis zur Kirche und von da auf eine Höhe westlih* vo® Weitbruch, zur Beobachtung der leßten Gefechtsmomente in unmittelbarer Nähe der Truppen. Das Gefecht endete mit dem allgemeinen Vorgehen der Jnfanterie des XV. Armee-Corps und mit energischen Gegenstößen der «nfanterie und Kavallerie der markirten Nord-Armee. Um 12 Uhr 15 Minuten wurde „das Ganze halt“ geblasen, und die Truppen salutirten. Der Kaiser berief die Generalität und die Commandeure zur Kritik und fuhr sodann über Brumath nah Stephansfeld und von da mittelst Extrazuges nah Straßburg zurü>. Auf der ganzen Fahrt und auf dem Manöverfelde wurden Se. Majestät von der überall zusammen- geströmten Landbevölkerung herzlih begrüßt.

Allerhöchstdieselben trafen kurz nah 21/, Uhr Nachmittags hier wieder ein.

Jhre Majestät die Kaiserin machte Mittags eine Spazierfahrt durch die Kontades-Promenade.

Abends fand bei Sr. Majestät dem Kaiser ein Diner von 100 Gede>en statt. Jhre Majestät die Kaiserin, Se. Kaiser- lihe und Königliche Hoheit der Kronprinz, der König von Sachsen, der Großherzog und die Frau Großherzogin von Baden wohnten nah dem Diner der von der Stadt veranstalteten Gala-Theatervorstellung bei. Die Kaiserin wurde bei der Ankunft im Theater von vier Beigeordneten empfangen und beim Eintritt in die Kaiserlihe Loge mit einem vom Bürgermeister Ba> ausgebrahten Hoch begrÚßt, in welches sämmtliche Anwesenden enthusiastish einstimmten.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 13. September, (W. T. B.) Wie das „Fremdenblatt“ meldet, brahte Kaiser Franz Josef bei dem am Sonnabend anläßlih des Namens festes des Kaisers von Rußland in Lubien stattgehabten Gala- diner einen Toast auf das Wohl des Czaren aus, worauf die Musik die russische Nationalhymne spielte. Noch im Laufe der Nacht traf ein Danktelegramm des ad a von Rußland ein. An dem gestrigen Diner bei dem Kaiser nahm auch der rumänische Minister Sturdza theil. Derselbe empfing und erwiderte im Laufe des Tages den Besuh des Grafen Kalnoky und reiste in der Naht nah Lemberg zurü>.

Belgien. Brüssel, 14. September. (W. T. B,) Der König von Portugal ist Vormittags hier eingetroffen und am Bahnhof von dem König begrüßt worden.

Großbritannien und Jrland. London, 10. Sep- tember. (Allg. Corr.) Auf eine Eingabe der „schottischen protestantischen Allianz“, in welcher gegen die Anstellung eines Katholiken zum Minister des Jnnern Einsprache erhoben worden, hat der Shagkanzler, Lord Randolph D ill, unterm 9. d. die aen Antwort ertheilt: „Den Empfang Jhres Briefes mit der beigeschlossenen Abschrift einer von den Direktoren der schottishen protestantischen Allianz angenommenen Resolution bestätigend, muß ih mit Erstaunen und Bedauern bemerken, daß in diesem Zeitalter der Aufklärung und Toleranz Personen, die ih zu den Ge- bildeten und Fntelligenten zählen, zu Beschlüssen gelangen

können, die so unsinnig und unvernünstig sind wie jene, welche in der obenerwähnten Resolution enthalten sind.“

11. September. (Allg. Corr.) Der britische Ge- sandte in Konstantinopel, Sir E. Thornton, reiste gestern Abend dorthin ab. Aus dem Kreise Cardiganshire in Wales werden starke Uebers<hwemmungen gemeldet,

13. September. (W. T. B.) Das „Reutersche Bureau“ i

erklärt die Nachricht, der englishe Konsul in Sofia, Lascelles, sei nah London zurü>berufen, für unbegründet, mit dem Bemerken, daß der ehemalige Geschäftsträger in Sofia, Stevens, nah London zurü>gekehrt sei.

14. September. (W. T. B.) Die Morgenblätter veröffentlichen den Wortlaut der Agrarvorlage Parnell's, Durch dieselbe wird den irischen Landgerichten die Ermächtigung ertheilt, den Gesuchen der Pächter um Herabseßung des Pacht: zinses für dieses und das folgende Jahr stattzugeben und Exmissionen zu sistiren, wenn der Pächter die Hälfte des B gerichtlich hinterlegt. i ; imla, 9. September. (Allg. Corr.) Einem Reuter: hen Telegramm zufolge wird gegen den Bonerwal: Stamm an der Pendshab-Grenze eine strenge Blockade auf:

rehterhalten. Der Vice-König wird si< beim Verlassen |

von Simla direkt nah Bhawalpul, und von dort nah Lahore, Ahmedabad und Baroda begeben.

rFrankrei<h. Paris, 12. September. Die Thatsache, daß in der leßten Zeit die Urheber einer großen Anzahl von Verbrechen nicht entde> worden sind, hat u einer Zeugela! lung der Sicherheitspolizei ge: führt. Dieselbe bestand bis jeßt aus einem Sicherheitschef, 5 Vber-Jnspektoren, 7 Brigadiers, 13 Unter-Brigadiers und 211 Jnjpektoren. Jn Zukunft wird sie folgendermaßen zusammengeseßt sein: 1 Polizei-Kommissar als Sicherheitschef, 1 Polizei-Kommissar als Unter-Sicherheitshef, 2 Bureau: beamte, 5 Ober-Jnspektoren, 10 Brigadiers, 20 Unter Brigadiers und 300 Inspektoren.

Der Kammer werden in der nächsten Session Gesegz- entwürfe über die Kinder- und Frauenarbeit, über den Volkskredit nach italienishem Muster, über die Verbesse rung des Gesundheitszustandes in den Städten und der mit Korea abgeschlossene Handelsvertrag vorgelegt werden. Dieser Vertrag sichert Frankreih das Recht der meistbegünstigten Nation; es wird in Zukunft einen diplomatischen Agenten beim König von Korea und Konsular-Agenten in allen dem Handel eröffneten Häfen unterhalten.

Elf englische Schifferboote, die sih keiner Ueber: tretungen der Seeverordnungen schuldig gemacht hatten, son- dern nur, um sih Lebensmittel zu kaufen, in französische Häfen eingelaufen waren, wurden festgehalten, weil man Repressalien für die von den Engländern festgehaltenen Schifferboote nehmen

wollte. General Boulan ger geht morgen auf zwei Tage zu E

den Manövern des XII. Armee-Corps. Die achtzehn auslän- dischen Offiziere sind bei den zwei Armee-Corps in Vierzon eingetroffen. Ein Arbeiter hat der Gendarmerie angezeigt,

die unbeschäftigten Arbeiter hätten 80 Chassepots und 4

viele Patronen in Besiß; als Beweis hat er . ein Chassepot vorgezeigt. Jnfolge dessen wurden Nachsuchungen angestellt, um Gewehre aufzufinden.

Bulgarien. Sofia, 13. September. (W. T. V) Jn Beantwortung des anläßli<h seines Namenstages an

den Kaiser von Rußland abgesandten Glüc>wuns\<- k

Telegrammes hat der Kaiser den hiesigen russishen Konsul beauftragt, der Regierung und den angesehensten Personen der hiesigen Bevölkerung seinen Dank auszusprehen und glei: zeitig der Hoffnung Ausdru gegeben, daß Bulgarien, dessen Wohl dem Kaiser so sehr am Herzen liege, es verstehen werde, sich die Ruhe und Ordnung, deren es dringend bedürfe, zu sichern. Je mehr Bulgarien si< der Höhe dieser Aufgabe ge wachsen zeige, desto mehr werde es sih die wohlwollende Pro: tektion des Kaisers sichern.

Die Sobranje ist heute von Stambuloff im Namen der Regentschastsmitglieder mit einer Rede eröffnet worden, in der es heißt: „Sie kennen die leßten traurigen Ereignisse, welche das Land zu ertragen hatte, und das an die Bevölke rung gerichtete Manifest des Fürsten, in welchem derselbe er: klärt, daß er in der Ueberzeugung, die Unabhängigkeit und die Rechte des Landes würden nicht verleßt werden, sich entschlossen habe, auf den Thron zu verzichten, damit die guten Be ziehungen zwischen Bulgarien und Rußland, dem Bulgarien seine Freiheit verdanke, schnell wieder hergestellt würden. An- gesichts der kritischen Lage sind wir überzeugt, daß all: Bulgaren ohne Unterschied der Rasse, der Religion oder der Partei die Regierung kräftig durch patriotishes Zusammen- wirken unterstüßen werden, damit einerseits die Ordnung, Ruhe und Sicherheit im Junnern gewahrt werde, und dami andererseits das Land die gegenwärtige Krisis unter voller Wahrung seiner Fnteressen überstehen könne. Damit der jeyt erledigte Thron nicht zu lange unbeseßt bleibt, wird die Re- gierung der Verfassung gemäß in kürzester Zeit die großte Sobranje einberufen.“ Vor der Wahl des Bureaus äußerte ein Deputirter, der erste Gedanke müsse dem fortgegangenen «Fürsten gelten. Die Versammlung erhob ih darauf unter dem Ruse: „Es lebe der Fürst!“

Rußland und Polen. St. Petersburg, 14. September. (W. T. B.) Das „Journal de St. M alerabou meint, die r Aae 0 Landesvertretung, die vou Intriguen aller Art bestürmt werde, müsse sich von dauer M önteressen leiten lassen, welche geeignet seien, die Zu- unft Bulgariens sicherzustellen. Die Versammlung habe nid} die Aufgabe, einen neuen Fürsten zu wählen.

Zeitungsftimmen.

Die „Neue Preußische Zeitung“ sagt in ihren Wirthschastlihen Wochenbericht : E o ist das Herumdrü>en um unbequeme Thatsachen nun ? Der Verlegenheit und des Herumdrü>ens um ungünstige Thatsachen be shuldigte eines der bekanntesten Börsenblätter die Vertreter der sozial- politisGen Richtung, als es mit dem angeblichen „Rückgange“ des BVremischen Handels meinte einen Trumpf gegen den Schußtzoll aut spielen zu können. Mit einem Jahre meinte man drei bis fünf Jahre hinwegwischen zu können.

Nun denn, es hat si auf \{<ußzöllnerisher Seite keine Verleger heit geaciol man hat die Lcherlichkeit und Haltlosigkeit der freihänd- leris<en Behauptungen nahgewiesen, und zwar der Art, daf die Herren stumm werden wie die Fishe, und dann, wie wir bereits erwähnt haben, in aller Verlegenheit bis auf den Beri! Marteau's an den französishen Handels - Minister über den Stand der deutschen Industrie retirirten. Nun steht allerdings Marteau vollständig auf dem freihändleris<en Standpunkte; l

(Köln. Ztg.) V

theilt hinsihtli< der sogeianitóm eHandelsbilanz“ ganz die Ansichten, wel<he sogar bei den Vertretern der man<hesterlichen Wissenschaft in Deutschland längst überwunden sind, wel<he nur noch in den Zeitungen spuken und als Gespenst gegen jeden ernsthaften Anlauf zu einer ge- sunden Wirthschaftépolitik ausgehangen werden. Dennoch bestand die ganze freihändleris<he Ausbeute aus Marteau’s Bericht in der Behaup- tung, daß die nahgewiesene Belebung des deutschen Verkehrs seit 1879 ni<t auf den Schutzoll zurückzuführen sei. Worin aber die Ursache zu suchen fein sollte, darüber beobachtete man wohlweisliches Schweigen. Nun sagt aber Marteau geradezu, viele der deutshen Industrien, die jet in Blüthe stehen und auch bereits auf dem internationalen Markte Bedeutung haben, seien erst in ganz neuer Zeit und seit der Wendung der deutshen Handelspotitik entstanden, und er tritt der Behauptung, daß gegenwärtig Deutschland eine Handelskrisis durhmache, auf das Entschiedenste entgegen. Alfo {ließt Marteau ih ganz der von uns vertretenen Anschauung an, denn wir schen wohl eine Krisis der Produktion jedoch keineswegs allein in Deutshland immer stärker anshwellen, aber von einer Krisis des Handels gewahren wir noch ni<ts; am allerwenigsten aber in Folge des Schutzolles, und die von Marteau mitgetheilten Ziffern bestätigen dies vollkommen. Er bewerthet die Ausfuhr deutsher Iudustrieerzeugnisse für das Jahr 1874 auf 841 800 000 Fr., | Freihandel8-

1877 942200000 Zunahme 11,93 % | Periode. 1880 1436700000 , Z 52,48 , | Scußzoll- 1884 - 1720000000 H Beneke

und er hebt eine Reihe von Industrien heraus, woran er die Tren- nung im Einzelnen veranshauliht, indem er die Ausführungen im Einzelnen angiebt und zwar in Millionen Francs für

Freihandels-Periode Scußzoll-Periode 1874: 1877: 1880: 1884: feramishe In- S E E 48,8 31,6—35 9% 67,5+114% 79,4+ 171% Berg - Industrie (ohne Edel- metalle) .. 01,6 78,6+52 9% 136,04 69% 276,74-10319%/0 Maschinen und Werkzeuge. . 79,2 72,0— 63% 94,2+ 30% 136,7+ 45 °%

Häute und Leder- waaren... 43,5 63,9445 9% 87,4+4- 45% 134,5+ 54 %

Tertil-Industrie . 369,3 418,64-13 9/0 675,9+ 6196 708,7+ 5 % apier... 20,4 2834381% 52,84 729% 65,7+ 24 9%

a und

Kunstgegenstände 38,4 49,34-31 % 75,4+ 35% 99,44 32 9%.

Die Erwägungen und Einsichten, von denen wir bei Bildung unserer Anschauung ausgehen, sind dem Freihandel und au< dem Be- rihterstatter des französishen Handels-Ministerium fremd. Ihnen ift einfah das bei der deutshen Ausfuhr gewonnene Ergebniß ein glän- zendes, und der Franzose bezeichnet es als eine außerordentlihe Blüthe Deutshlands. Dies haben wir rü>haltlos anzuerkennen, während freihändlerishe Blätter gerade das Schlußergebniß der französischen Dar- stelluyg beflissen verdrehen, cinmal behauptend, von günstiger Lage der Industrie merke man in Deutschland nichts, und in zweiter Linie dem Franzosen die Aeußerung: der Schußzzoll habe an den günstigen Er- gebnissen für die Industrie keinen Antheil, untershiebend alles, um den Schutzoll gegen den Freihandel herabzuseßen. Aber der Franzose vermeidet es nur begreifli< für einen Freihändler unter den vielen Momenten, die er zur Erklärung des Aufshwunges anführt, den der industrielle Erport gewonnen hat, den Schutzol\ mit einem Wort zu erwähnen, während derselbe unter diesen Ursahen do< ganz offenbar in erster Linie steht. Denn unter dem Schirm des Schutzzolles ers war cs vielen unserer Industriellen möglich, im Lande konkurrenzfrei ihre Betriebe so aus- zudehnen, daß deren Leistungsfähigkeit au<h auf dem internationalen Markte bis zur Konkurrenzfähigkeit stieg. Wenn der Franzose dies in seiner Schlußfolgerung zu sagen vermied, so drü>te er cs doch im Berichte selbst aus, indem er, wie {on hervorgehoben wurde, fest- stellte, daß die meisten der deutshen Industrien, wenigstens in ihrer Ausdehnung, erst neueren Datums seien. :

Der Gebrauch, den die manchesterlihe Presse von dem Bericht des Franzosen vom Standpunkt des industriellen Interesses gegen die Schußzollpelitik zu machen sucht, erscheint also gänzlich verunglü>t. Aber ihrem eigenen Wissen schlägt jene Presse ins Gesicht, wenn sie behauptet, man merke in Deutschland nihts von Blüthe der Industrie. Wir überbli>ken z. B. vor uns eine Fabrik und beobachten ihre Ent- wickelung seit 1879. Damals war sie klein und war fast aus\{ließli< an- gewiesen auf eine andere Fabrik, an die sie 9/10 ihrer Erzeuguisse lieferte. Der Besißer wohnte in einem kleinen Häuschen, hatte wenig Kapital und mußte, um seinen beschränkten Absaß zu erhalten, einen Gesell- schafter nehmen. Nun, na< sieben Jahren, is der Gesellschafter fort; der Tite brauht ihn ni<ht mehr. Auch für die Fabrik, welcher er früher fast aus\hließli< diente, arbeitet er niht mehr, denn er hat lohnendere Beschäftigung, wobei er das Vierfache an Leuten gegen früher in Thätigkeit hat ; jene Fabrik hat sich selbst entsprehende Werkstätten eingerichtet. Dabei hat der erstere Fabri- kant neben seinem ersten Betriebe no< zwei weitere erbaut, hat dieselben mit der Eisenbahn in unmittelbare Verbindung gesetzt und wohnt ni<ht mehr in einem kleinen Hause, sondern in einer Villa, die mehrere hunderttausende Mark zu erbauen gekostet hat. Daß er jeßt Dampfbetrieb eingerihtet hat, versteht si< von selbst. Und dergleichen Beispiele kann man nah hunderten zählen. Wenn das keine industrielle Blüthe ist, was dann? Dabei ist aber jener Industrielle ein wüthender Gegner der Schutzölle und beweist jedem, der es hören will, daß er sein Holz nit mehr so billig, als früher, aus Slavonien und Serbien beziehen kann! Wie wenig er früher bezog und wie viel jett, vers<hweigt er aber. Und nun muß die Freihandelspresse selbst melden, daß jener Bremische „Han- delörückgang“, über den sie mit Hinbli> auf den Schutzzoll Zeter- mordio schrie, si< wieder in einen „Aufshwung“ verwandelt hat! Das kann doch der Freihandel ni<t bewirkt haben, denn er ist ja niht mehr vorhanden! . ._. Mögen die Herren doch nun auftreten ibe el daß der Schußtzoll die Industrie und den Handel

âdige!

Die „National-Zeitung“ bespriht das Som- bart'she Projekt, das Rittergut Streesow in Bauerhöfe zu erlegen, und äußert zum Schluß:

__. « Der Staat hat inzwischen nun ja aus einem wichtigen pos- litischen Grunde sich die Aufgabe gesetzt, deutsche Bauern an die telle polnischer Gutsbesitzer zu bringen. Seine Domänen unter auern zu theilen, scheint er hingegen so wenig wie jemals aufgelegt. Er denkt niht daran, wie Hr, Miquel ihm in den siebziger Jahren rieth, zwanzig Millionen in die Hand zu nehmen, um den fris< an- ¿useßenden Bauern auf sol<hem fiskalishen Lande die Gebäude zu bauen und dergl. .…,. Allein niht mehr wie in den Zeiten der lehtén ri und ersten Könige ist Preußen allein auf die unmittelbare Thätigkeit des Staates angewiesen, um die Zahl seiner ansässigen Bauern und Tagelöhner bewußt zu mehren, Auch der freie Unternehmungsgeist seiner Bürger tritt in diese Aufgabe wetteifernd mit ein. Wenn Hrn. Sombart's Beispiel, ur ein allerdings seltenes Zusammentreffen von Gaben und Mitteln unterstüßt, Nachfolge fände bessere Nachfolge als in der Gestalt enes Berliner Vereins, der die Lüneburger Haide auf dem Lotterie» Wege zu etwas machen will, das sie nie werden kann —, so wäre- éine lange verlassene Bahn unserer alten großen Selbstherrscher in einer der fortgeschrittenen Zeit entsprehenden Weise glü>lih wieder betreten, Was in Posen und Westpreußen jeßt geschehen soll, ist o A een Beweggründen, zum Theil au< dem Verfahren nah nderes.

Die „Sozial-Correspondenz“ schreibt über den nid Sas von Fleis<h und Bier von 1846—1885 im König-

B

reih Sahsen: d [eis und Bier gehören zu den wichtigsten Verbrauchsartikeln er Vevölkerung. Die Steuerlisten sind ziemlih sihere Quellen zur

eher mchr Centner Fleis und Bier wverbrauhßt als ver- steuert. Wenn wir nun die Steuerstatistik der leßten 40 Jahre zu Rathe zichen, so ergiebt \si< nah dem vom Königlich \âhsishen Statistishen Bureau herausgegebenen neuesten statisti- schen Jahrbu<h für das Königrei<h Sachsen, daß im Jahre 1846 im Ganzen auf den Kopf der Bevölkerung in Sachsen nur 36,2 Pfd., dagegen 1885: 64,7 Pfd. Fleish versteuert wurden. Er- freulich ist es, daß das von dem Mittel- und Arbeiterstande besonders verbrauhte Schweinefleish am Erheblichsten im Verbrauche gestiegen ist, von 21,2 Pfd. pro Kopf im Jahre 1846 auf 40,8 Pfd. im Jahre 1885, während von dem theureren Rindfleis<h im Jahre 1846 voni Ley der Bevölkerung 15 Pfd. und 1885: 23,9 Pfd. verbraucht wurden.

_ Eine no< höhere Steigerung des Verbrau<hs zeigt si< beim Bier. Im Jahre 1845 wurden in Sachsen 376 573 und 1884/85: 1120962 Ctr. fteuerpflihtiger B1austoff für die Bierbrauer ver- wendet, davon wurden 1845: 1588826 Eimer Bier gebraut nnd im Jahre 1885: 5 080759 Eimer. Außerdem is no< viel auswärtiges Bier in Sachsen verbrauht und jedenfalls mehr Bier importirt als exportirt worden. Der Fleischverbrauh hat si< mithin in den leßten 40 Jahren pro Kopf der Bevölkerung in Sachsen no< nicht ganz verdoppelt, der Bierverbrauh aber mehr als verdreifa<ht. Da Bier von den breitesten Volks\chichten verbraucht wird, fo ist dieser Konsum ein ziemli<h sicherer Gradmesser des gestiegenen Wohlstandes.

Statistische Nachrichten.

_ Gemäß den Veröffentlihungen des Kaiserlihen Gesund- heit8amts sind in der Zeit vom 29. August bis 4. September cr. von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdurhschnitt berehnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 35,7, in Breslau 38,9, in Königsberg 32,3, in Köln 39,9, in Frankfurt a. M. 25,2, in Wiesbaden 26,3, in Hannover 22,0, in Kassel 16,2, in Magdeburg 38,5, in Stettin 27,2, in Altona 38,7, in Straßburg 36,2, in- Meß —, in München 34,8, in Nürnberg 34,0, in Augsburg 27,8, in Dresden 31,3, in Leipzig 31,5, in Stuttgart 17,8 in Karlsruhe 18,7, in Braunschweig 33,0, in Hamburg 34,3, in Wien —, in Pest 34,8, in Prag 28,3, in Triest —, in Krakau 30,4, in Basel 14,0, in Amsterdam 26,0, in Brüssel 25,9, in Paris 25,3, in London 16,7, in Glasgow 20,9, in Liverpool 26,4, in Dublin 26,2, in Edinburg 20,1, in Kopenhagen 31,3, in Sto>holm 22,5, in Christiania 25,4, in St. Petersburg 25,2, in Warschau 25,2, in Odessa 43,9, in Rom 23,9, in Turin ——, îin Venedig 27,9, in Madrid —, in Alexandria 56,4 Ferner in dec Zeit vom 8. August bis 14. August cr.: in New-York 29,8, in Philadelphia 22,1, in Balti- more 22,1, in San Francisco —, in Kalkutta 19,3, in Bombay 21,5, in Madras 41,7.

_Auch während dieser Berichtswoche hat die Sterblichkeit in den meisten Großstädten Europas wiederum zugenommen, indem in Folge der außergewöhnli<h hohen Lufttemperatur, die besonders in den deut- {hen Städten in der Berichtswoche vorherrshte, die Sterblichkeit der Kinder an Darmkatarrhen und Brechdur<fällen ziemli allgemein einc bedeutende Steigerung erfuhr. Nur wenige Städte, wie Kassel, Mainz, Karlsrube, Darmstadt, Stuttgart, Basel und London melden kleine Sterblichkeitsverhältnißzahlen. Insbesondere groß war die gas der Opfer an den genannten Krankheitsformen in Berlin, Hamburg, Breslau, München, Dresden, Leipzig, Köln, Frankfurt a. M., Hannover, Nürnberg, Magdeburg, Altona, Düsseldorf, Elberfeld, Aachen, Braunschweig, London, Paris, Kopenhagen, Pest, Brüssel, St. Petersburg, Warschau, Odessa u. a. Ansehnlich geringer wurde sie nur in wenigen Orten, wie in Augsburg, Königsberg, Bremen, Stuttgart, Darmstadt, Wiesbaden. Die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit war fast allgemein cine gesteigerte. Von 10 000 Lebenden starben aufs Jahr berechnet in Berlin 208, in München 188 Säuglinge. Ver- mindert waren Todesfälle an akuten Entzündungen der Athmungs- organe; au< die Infektionskrankheiten führten meist weniger, nur typhôöse Fieber häufiger zum Tode. Masern be- dingten in Berlin, Hamburg, London, St. Petersburg weni- ger, in Paris und Prag ctwas mehr Sterbefälle; Er- krankungen an Masern kamen aus den Regierungsbezirken Königsberg und Stettin bäufiger zur Anzeige. Das Scharlachfieber hat in Hamburg, London, Paris, Pest, Peterëburg weniger, in Berlin, Köln, Warschau etwas mehr Opfer gefordert. Die Sterblichkeit an Diphtherie und Croup war in Berlin, Hamburg, Breslau, Dresden eine größere, in Nürnberg, Magdeburg, London, Paris, Pest, St. Peters- burg, Warschau cine kleinere als in der Vorwoche. Typhöse Fieber wurden in Berlin, Magdeburg, Hamburg, London, Paris, Pest häufiger, in St. Petersburg seltener Todesveranlassung. Sterbefälle an Fle>typhus kamen nur aus London 1, Erkrankungen aus Berlin und aus dem Regierungsbezirk Aachen je 1, aus St. Petersburg 4 zur Anzeige. Aus St. Petersburg wurden au<h mehrfache Er- krankungen an Rüfallsfieber gemeldet. Todesfälle an epidemischer Genickstarre werden aus Kopenhagen 2, aus Berlin 3 mitgetheilt, sowie aus letzterem Orte au eine weitere Erkrankung. Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut führten in Paris nit selten zum Tode. Todesfälle an Keuchhusten waren in Berlin, London, Glasgow selten, in Paris mehrten sie si<h. Po>en riefen in Hamburg, Prag, Warschau vereinzelte, in St. Petersburg und Rom mehrfache, in Pest 31 Sterbefälle hervor, Erkrankungen kamen aus Hamburg 1, aus dem Regierungsbezirk Königsberg 5, aus St. Petersburg 6, aus Pest 83 zur Meldung. i

Veber die Cholera in Italien lauten die Nachrichten cin wenig günstiger. Insbesondere hat die Epidemie in der Provinz Venetien abgenommen, und sind in dersclben in der Zeit vom 27. August bis 2, September nur no< 57 Erkrankungen und 30 Todesfälle vorgekommen, von denen 15 bezw. 10 auf die Stadt Venedig entfallen. Auch aus den Provinzen Pavia, Como, Brescia, Mantua wurden nur wenige Fälle bekannt. Die Epidemie zieht sih allmählih aus den sumpfigen Gegenden des rechten Po-Ufers nah den höheren hügligen Gegenden. In Florenz werden wieder Gesundheitspässe ausgegeben. Neu zeigte si die Cholera in einigen Gemeinden der Provinz Neapel, sowie in dem Badeorte Castellamare. Aus den Provinzen Bologna, Rovigo, Verona, Tre- viso, Padua werden jedo<h noch viele Erkrankungen gemeldet, weniger aus Udine und Vicenza. In Triest sind vom 23. August bis 2. September 92 Erkrankungen und 46 Todesfälle an Cholera vor- gekommen. In der Provinz Istricn, besonders in Isola, herrscht die Seuche no< fort; in der de Erft Görz-Gradisça kamen einzelne, im

le>en Mettkovih zahlreihe Erkrankunngen und Todesfälle vor. In iume und in der Fiumer Vizegespanschaft blieb das Auftreten der holera bis Anfang September cin beshränktes.

Summarische Uebersicht über die Zahl der Studirenden auf der Königlichen Universität zu Greifswald im Sommer- Semester 1886. A Im Winter-Semester 1885/86 sind immatri- kulirt gewesen 861, davon sind a. verstorben —, b. abgegangen mit Ermatrikel 208, e. weggegangen ohne sih abzumelden und daher ge- strihen —, d. gestrihen auf Grund des $.. 13 der Vorschriften für die Studirenden 2. vom 1. Oktober 1879 —, e. gestrichen aus sonstigen Gründen —, zusammen 208. Es sind demnach geblieben $53, dazu sind in diesem Semester gekommen 363, die Gesammtzahl der immatrikulirten Studirenden beträgt daher 1016. Die theologische Sakultät zählt Preußen 313, G renen 44, zusammen 357. Die juristishe Fakultät zählt Preußen 56, Nichtpreußen 2, zusammen 58, Die medizinische Fakultät zählt Preußen 432, Nichtpreußen 29, zu- sammen 461. Die philosophische Fakultät zählt a. Preugen mit dem Zeugniß der Reife 94, b. Preußen ohne Zeugniß der Reife, nach $. 3 der Vorschriften für die Studirenden der Landesuniversitäten vom 1. Oktober 1879 34, e. Nichtpreußen 12, zusammen 140. B. Außer diesen immatrikulirten Studirenden haben die Erlaubniß zum Hören der Vorlesungen vom Rektor erhalten: niht immatrikulations}fähige Preußen und Nichtpreußen 12. Die Gesammtzahl der Berechtigten ist mithin 1028. Von diesen Berechtigten hören Vorlesungen : AA. von

Erkenntniß dieses Verbrauchs; jedenfalls sind ni<ht weniger, sondern

den immatrikulirten Studirenden: in der theologischen Fakultät 356,

in der juristishen Fakultät 58, in der medizinis<hen L 460, in

der philosophischen Fakultät 139, zusammen 1013.

om Hören der

Vorlesungen dispensirt sind: in der theologis<hen Fakultät 1, in der

juristishen Fakultät —, in der medizinishen Fafkul

tät 1, in der

philofophishen Fakultät 1, zusammen 3. BB. Von den übrigen be- re<tigten Personen: Nicht immatrikulirte Preußen und Nichtpreußen,

welche vom Rektor die Erlaubniß dazu erhalten haben,

12, Die Ge-

sammtzahl der Berechtigten, welhe Vorlesungen hören, ist mithin 1025.

Veterinärwesen. Nachri<hten

über Verbreitung von Thierkrankheiten im Auslan!de.

Rußland.

In den Deutschland zunächst gelegenen und in den sonst haupt- sähli< in Betracht kommenden Gouvernements und Gebieten.

Nach Meldungen vom 1. Juni bis 1. Juli 1886

. .

Rinderpest. Zahl Gouvernements : der neu der überhaupt erkrankten gefallenen Rinder Ada e. 700 a, Mo 418 C E, B 786 S O 1674 Jekaterinoëslaw . . .. 4785 3403 E E; 50 41 E E, 84 46 ebun. U, 9130 1763 Vie 470 297 C i 122 St. Petersburg . 6 4 C E 267 S E, 88 151 V A E 6067 Zon C706 6545 Wonen E 487 244 Wöoronesh E 1038 641 __ Gebiete: Donishe Kosaken. . . . 1309 603 Sans O3 1160 Didesean 48360 875 K. E. RO47 2657 A 8295 i Sibirische Pest. Gouvernements : G a 27 27 C 16 16 O, 349 185 O E E, 52 40 u 136 U E A 2 2 Lomsha . 8 7 Liublin . 3 3 Minék . 16 18 Petrikau 5 4 Poltawa 4 4 Nom 9 3 St. Petersburg . 35 31 Smolensk E 8 7 Sur L E 2 2 C Cf 19 19 Vom 1. Juli bis 1. August 1886. Rinderpest. Maa 102 619 C E 537 S a... A 1966 1529 Sar, 224 3504 C a 28 Q B08 286 I 15 4 Dea E LOSS 446 V 6D 482 Ca B08 94 S BeS 273 So E SBoZ 6784 M BEO 516 Wohnen 83 37 Won L089 634 Gebiete: Donische Kosaken... 2486 1188 S C O24 833 Dideftan T Hg 891 R L S908 4577 Sibirische Pest. Gouvernements : C 1 1 C S 31 29 Selten la 33 17 Doi e RBS 71 R 82 57 (S 10 10 R E A 18 16 L E A 36 17 Ejublin N 13 12 Mino C 50 31 Ma N 3 3 Nova L G 115 Pat 9 10 O N 11 11 I E 15 9 P C A 16 11 M N 24 9 M N 85 83 Sl: Potersbuta ©8709 800 Ca 226 171 Su e 12 6 C E 5 3 U A 13 8 Wat N 63 98 E S 8 Oesterrei. Laut der am 21. August 1886 vorliegenden Meldungen Lungenseue. Ab: _ Zahl der any : infizirten Orte Galizien L 1 Mate a e 10 e Nieder- Oesterrei i; G 1 Schlesien . . N 2 Ober-Oesterrei U E 16 Maul- und Klauenseuche. Mähren E 1 Schafräude. Tirol a 1 Laut der am 31. August 1886 vorliegenden Meldungen : Lungenseuche. Ca L S 1 n E 13 B S 16 Nieder-Desterrith . . . .., 3 c N 2

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