1886 / 228 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Cession, Delegation u. st. w. vorausseßt, haben die Jnhaber- papiere, in welchen der Aussteller niht einem bestimmten Gläubiger, sondern jedem Fnhaber oder Vorzeiger desselben eine Leistung verspricht, wie in Rechislehre und Judikatur an- erkannt wird, den juristishen Charakter, daß das Papier die Obligation gleihsam verkörpert enthält, daher die Gläubiger- schaft an dessen Besiß sih knüpft und mit der Tradition derselben übergeht. Aus diesem Wesen des Jnhaberpapiers folgt aber, daß dasselbe niht hon dadurh, daß es von dem Aussteller aus irgend einem. rehtlihen Grunde zurückerworben wird, seine Kraft, den Besiger zum Gläubiger zu machen, verliert. Allerdings muß so lange, als das Papier in den Händen des Ausstellers si<h befindet, weil nun kein Gläubiger vorhanden ist, das Obligationsverhältniß ruhen; wenn dann aber der Aussteller, dessen Verpflichtungs- wille fortdauert, das Papier wieder weiter begiebt, so sett sih mit leßterem das dadur begründete ursprüngliche Schuld- verhältniß des Ausstellers fort, wie wenn die Zwischenperiode niemals eingetreten wäre. Dieser leßtere Fall liegt nun nah dem, was thatsähli<h feststeht, hier vor. Wie das Ober-Landes- geriht hervorhebt, sind die fraglihen Schuldverschreibungen von der Klägerin in der Absicht eingelöst, daß die- selben im Handelsverkehr, in welhen sie durh die ursprüngliche Ausgabe eingeführt waren, verbleiben L und dasselbe stellt ferner fes, daß der Wille der Klägerin, aus den Schuldverschreibungen verpflichtet zu sein, niemals aufgehört hat. Hiernach konnte jene Einlösung nur die Wirkung haben, daß die Jnhaber als Gläubiger aus dem Obligationsverhältnisse ausschieden, während die Schuldver- schreibungen selbst ihre Kraft behielten. Wenn daher auf der festgestellten thatsählihen Grundlage das Ober-Landesgericht angenommen hat, daß durh die Weiterbegebung der ein- gelösten Verschreibungen ein neues Schuldverhältniß n iht entstanden sei und deshalb eine Emission derselben im Sinne der Nr. 3 des mehrgenannten Tarifs nicht vorliege, so ist da- mit rehtli<h nicht verstoßen worden.“

Der Kaiserliche Botschafter am Königlich großbritan- nischen Hofe, Graf von Haßtfeldt-Wildenburg, hat einen ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub angetreten. Für die Dauer der Abwesenheit A von London fungirt der Botschasts- Rath Frhr. von Plessen als interimistischer Geschäftsträger.

Der Großherzoglih hessishe Gesandte am hiesigen Allerhöchsten Hofe, Wirkliche Geheime Rath Dr. Neidhardt, ist vom Urlaube na< Berlin zurückgekehrt und hat die Ge- schäfte der Gesandtschaft wieder übernommen.

Der General-Lieutenant von Lewinski, Jnspecteur der 2. Feld-Artillerie-Jnspektion, ist vom Urlaub zurü>gekehrt.

Sämmtliche Militär-Aerzte, welhe zu der hier stattgehabten Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte eingetroffen waren, haben Berlin wieder verlassen.

Pu einem 10tägigen Jnformations-Kursus bei der Militär-Schießschule ist eine größere Anzahl Sta b s- offiziere gestern hier eingetroffen, ebenso Stabs ärzte der Armee und Marine zu einem hier stattfindenden 20tägigen militär-ärztlihen Fortbildungs-Kursus.

Als Aerzte haben si< niedergelassen die Herren: Dr. Groß in Strausberg, Dr. Kre>er in Ohlau, Dr. Hirsch in annover, Dr. Schulte am Esch in Herne, Dr. Wiefel in engern, Boog in Bahnhof Welwer, Dr. Riedel in Bitterfeld. f

S. M. Kreuzer - Fregatte „Gneisenau“, Kom- mandant Kapitän zur See Valois, ist am 27. September cr. in Kiel eingetroffen.

Kiel, 27. September. (W. T. B.) Se. Königliche A A4 der Prinz Heinrich hat Sih nah Baden-Baden egeben.

Bayern. Nürnberg, 27. September. Die Münchener „Allgemeine Ztg.“ meldet: Heute Vormittag 11 Uhr 20 Mi- nuten erfolgte die Ankunft Sr. Königlichen Hoheit des Prinz- Regenten mit seinem Gefolge. Auf dem Bahnhofe war der Magistrat und das Gemeinde-Kollegium zum Empfange ver- sammelt, ferner die Vertreter der Staatsbehör den, die Gene- ralität, Vertreter der Universität Erlangen u. A. m. Nach einer begrüßenden Ansprache des Ersten Bürgermeisters Freiherrn von Stromer, und nachdem der Prinz-Regent die Front der aufgestellten Éhren-Compagnie abgeschritten, wurden die Wagen bestiegen, und unter dem Geläute sämmtlicher Glo>ken und dem Donner der Geschüße erfolgte der Einzug in die Stadt und die Fahrt na< der Burg. Die Straßen, dur<h welche der Zug ging, waren überfüllt mit Menschen; aus der Um- gegend waren Tausende und Tausende hierher gestrômt, um dem Einzug beizuwohnen. Vor und hinter dem Wagen des Prinz-Regenten ritt je eine halbe Shwadron des hier liegenden Chevauxlegers - Regiments; die Generalität mit ihren Adju- tanten begleitete den Wagen. Auf dem Wege bis zur Burg bildeten Vereine, Fnnungen und Squlkinder, leßtere gegen 4000 an der Zahl, Spalier. Die Straßen, besonders au< der Bahnhof und das Stadtthor, waren auf das prächtigste ges<hmüd>t. Die kolossale Volks- menge jubelte aus voller Brust mit ununterbrochenen Hochrufen dem Prinz-Regenten auf dem ganzen Wege zu. Die hiesigen Blätter bringen {wungvolle, warmempfsundene Begrüßungs- artikel. Das Wetter war günstig.

28. September. ( è. T. B) Der Prinz-Regent besuchte im Laufe des gestrigen Tages verschiedene Anstalten und Kirchen. Fm Germanischen Museum, wo Se. Königliche Hoheit von dem Direktor Essenwein und dem gejammten Ver- waltungsaus\{huß empfangen wurde, übernahm der Prinz-Regent auf die an ihn gerichtete Bitte das Protektorat der Anstalt. Um 2 Uhr fand au der Burg ein Festmahl statt, zu welchem an sämmtliche hervorragende Persönlichkeiten Nürnbergs Ein- ladungen ergangen waren. Dem Abends im Rathhaussaale von der Stadt veranstalteten Festconcert wohnten gegen 700 geladene Gäste bei. Später brachten die hiesigen Gesangvereine dem Prinz-Regenten auf der Burg eine Serenade, an die ih ein großer Zapfenstreih s{hloß. Die ganze Stadt war pracht- voll erleuhtet. Den Armen der Stadt überwies der Prinz- Regent 4000 M

Sachsen-Weimar-Eisena<h. Weimar, 27. September. (Th. C.) Der Landtag wird seine Thätigkeit im Laufe des nächsten Monats wieder aufnehmen und in einigen Wochen zu Ende führen. Später tritt die Landessynode zu einer Sitzung zusammen.

Oesterrei<h-Ungarn. Wien, 26. September. Die „Wiener Abendpost“ meldet: Das Herrenhaus des Reichsraths tritt am Sonnabend, den 2. Oktober, um 11 Uhr Vormittags zu seiner nähsten Sißung zusammen. Auf der Tagesordnung befinden ih folgende Gegenstände: Mittheilung des Einlaufs; erste Lesung des Geseßentwurfs, womit die Einverleibung von Realitäten in das bestehende Johann Baptist Graf Pergen'sche Realfideikommiß Aspang in Nieder-Oesterreih bewilligt wird; Wahl von 9 Mitgliedern in die Kommission zur Vorberathung der Geseßesvorlage, be- treffend die Unfallversicherung der Arbeiter; Wahl eines Mit- gliedes in. die Staatsschulden-Kontrol-Kommission.

Schweiz. Genf, 27. September. (W. T. B.) Der Antrag der konservativ-klerikalen Partei, sämmt- liche Volksabstimmungen und Wahlen in den Ge- meinden, anstatt in einheitlichen größeren Versammlungen, vornehmen zu lassen, ist bei der gestrigen Volksabstimmung mit geringer Majorität angenommen worden.

Großbritannien und Jrland. London, 27. Sep- tember. (W. T. B.) Die erste Sigung der Kommission zur Untersu<hung des Umlaufs von Gold und Silber soll am 12. Oktober stattfinden.

28. September. (W. T. B.) Das „Reuter'she Bureau“ meldet aus Sydney, von heute: den jüngsten Nachrichten aus Nounmea zufolge habe der französishe Aviso-Dampfer „Du- <haffaut“ die Nachricht überbracht, daß die Franzosen in Sila, auf der zu den Neuen Hebriden gehörigen San d- wich-Jnsel, einen dritten militärischen Posten errichtet hätten und augenscheinli<h eine Niederlassung zu gründen be- absichtigten.

(A. C.) Aus Virma erhielt das „Reuter'sche Bureau“ folgendes Telegramm :

Rangun, 24. September. Sir Charles Bernard wird sih am 27. d. von hier nah Mandalay begeben. Die mit dem Bau der Eisenbahn zwishenMandalay und Tunghu betrauten Ingenieure sind angewiesen worden, sih zum Aufbru<h nah Ober- Birma am 10, Oktober bereit zu halten, woraus man auf einen baldigen Beginn der Arbeiten \{<ließt.

Kalkutta, 24. September. (N. B.) Das 7. benga- lis<he Kavallerie-NRegiment segelte gestern von hier nah Birma ab.

Wellington (Neuseeland), 24. September. (R. B.) Der Gouverneur von Neuseeland, General-Lieutenant Sir W. Jervois, hat dem Prinzen von Wales auf tele- graphishem Wege für den Vorschlag gedankt, anläßlich des bevorstehenden Regierungs-Jubiläums der Königin ein permanentes Reichs-, Kolonial- und JFndisches Museum in London zu gründen. Auch hat der Gouverneur sih mit den übrigen Kolonien in Verbindung geseßt, um ein Einvernehmen in dieser Angelegenheit zu erzielen.

Frankrei<h. Paris, 25. September. (Köln. Ztg.) Die Beschlüsse des gestrigen Budget-Ausschusses stoßen das ganze System des Finanz-Ministers um. Der Ausschuß beschloß einstimmig (von 33 Mitgliedern waren freilih nur 11 an- wesend): 1) die Umwandlung der Obligationen von kurzer Ver- fallzeit, 466 Millionen, zu verwerfen; 2) den Schuldentilgungs- betrag von 100 Millionen aufrecht zu erhalten; 3) das E Budget der öffentlihen Bauten (69 Millionen) aufrecht zu erhalten; /4) die außerordentlihen Ausgaben des Kriegs-Ministeriums /2105 Millionen) auf das außerordentliche Budget einzuschreiben.“ Jn dem heutigen Ministerrath fam es zu einer längeren Erörterung über diese Beschlüsse des Budgetausschusses und man beschloß, für das Budget des Finanz-Ministers Sadi Carnot einzutreten und die Kammer über die Sache entscheiden zu lassen.

25. September. (Fr. C.) Dem heute früh im Auswärtigen Amt abgehaltenen Kabinetsrath wohnten sämmtliche Minister, mit Ausnahme des Handels-Ministers Lo>roy, der eine fünftägige Urlaubsreise angetreten hat, bei. Gegenstand der Berathung war fast ausschließlich die Finanzlage, insbesondere das Budget für 1887. Der Finanz-Minister theilte die Beschlüsse des Budget- Auss\chusses mit und erklärte: er werde voraussichtlich A einmal mit dem Ausschusse verhandeln müssen, da derjelbe seine Gegenvorschläge zur Ausgleihung des Budgets no<h niht im Einzelnen aufgestellt habe; es sei immerhin möglih, daß der Ausshuß, nachdem er sih überzeugt haben werde, daß es keinen besseren Weg zur Ordnung des Staats- E P gäbe, als den vom Minister befürworteten, do \<hließ- ih denselben gutheiße. Jedenfalls will Sadi-Carnot seinen Budgetplan gegen den Ausschuß vor der Kammer vertheidigen und erst dann zurü>treten, wenn diese (was nah den Stimmen der Pee längst außer Zweifel steht) die Meinung ihres Aus\chusses theilt. Der Beginn der Herb stsess ion ist, vorbehaltlich der Zustimmung der beiden Kammervorsißzenden, auf den 14. Oktober angeseßt, und der Minister wird der Kammer so bald als möglih Gelegenheit geben, zwischen seiner Finanz- politik und der des Kammer-Ausschusses zu wählen. Der Admiral Aube wird am nächsten Dienstag dem Stapel- lauf des Panzerschiffs „Hoche“ in Lorient beiwohnen.

26. September. . (Köln. Ztg.) Der Budget- auss<huß begiebt si<h morgen unter Führung des Kriegs- Ministers Boulanger nah dem Aisne-Departement, um den Versuchen mit dem neu entdelten Wurfgeshoß an- zuwohnen. Wie verlautet, hat der Kriegs-Minister be- \chlossen, den Luftschiffahrtsdienst von der technischen Abtheilung des Genies und der Militärtelegraphie zu trennen. Acht Luftschisffahrtsparks sollen in Toul, Verdun, Epinal, Belfort, Montpellier, Arras, Grenoble und Ver- sailles errihtet und jedem Armee - Corps eine voll- ständige Luftschiffahrtsausrüstung zugetheilt werden. Bou- langer beabsichtigt, für diesen neuen Dienst, an dessen Spiße General Boudet gestellt werden soll, von der Kammer drei Millionen zu fordern. Gestern wurde in Luc-en-Diois der Beginn der Arbeiten für die Durchstehung des Col de Cabre, der Grenze der Departements Drôme und Ober- alpen, festlih begangen. Dieser neue Alpen-Tunnel, dessen Länge auf 3800 m berechnet ist, hat insofern eine hervor- ragend strategishe Bedeutung, als er Mittelfrankrei<h über Gap und Briançon mit der italienishen Grenze verbindet.

27. September. (W. T. B.) Der Conseils-Prä- E de Freycinet ist heute Abend nah Toulouse ab- gereist.

Der Wiederzusammentritt der Kammern is definitiv auf den 14. Oktober festgeseßt.

Verschiedene Abendblätter melden: im Ministerium des Jnnern sei eine Depesche eingegangen, welche das Er- scheinen karlistisher Banden an der spanisch-französi- schen Grenze melde.

Spanien. Madrid, 27. September. (W. T, V) Wie das „Diario de Barcelona“ meldet, hätte eine Truppen: abtheilung bei Espinavell einen Haufen von 38 R. publikanern angegriffen und über die französish, Grenze getrieben. Die Soldaten hätten hierbei 2 Todte gehabt. Sn Coruña sollen wegen des Verdachts der Theil. nahme anu einer Verschwörung 4 Unteroffiziere verhaftet worden sein.

Türkei. Konstantinopel, 27. September. (W. T. B) Der französische Botschafter, Graf von Montebetk[g vollzog heute, umgeben von dem Botschaftspersonal und den Offizieren und Mannschaften des hier stationirten französischen Kriegs\chiffs, Es der katholischen Kirche auf der «Fnsel Prinkipo. Der apostolische Delegirte Notelli welcher die kirhlihe Feier vollzog, wies in seiner Rede auf die Verdienste hin, welche si<h Frankreih im Orient um die Civilisation und vorzügli<h um die römische Kirche erworben habe, und gedachte mit lebhafter Anerkennung der toleranten Gesinnungen des Sultans.

Bulgarien. Sofia, 27. September. (W. T. Y, Rußland hat nunmehr in Betreff seiner mehrfach erwähnten Forderungen dur<h seinen Agenten Kaulbars eine Ex- flärung überreichen lassen, welcher zufolge Rußland die ohne eine längere Wahlperiode ey Ein: berufung der großen Sobranje als illegal ansieht und alle von derseiben gefaßten Beschlüsse als nicht ge: shehen betrahten würde. Kaulbars hat der Regierung angerathen, die Vornahme der Wahlen möglichst zu ver schieben, damit dem Lande möglih sei, aus dem gegenwär: tigen Zustande der Unruhen herauszukommen und eine Wahlperiode von ausreichender Dauer festzuseßen, weil ohne eine folhe das Land sih nicht frei aussprechen könne. Ferner ertheilte Kaulbars der Regierung den Rath, den Belagerungszustand sofort aufzuheben und die ver hasteten politishen Gefangenen in Freiheit zu seßen, Ein Antwortschreiben der hiesigen Negierung wird ers na< weiteren Berathungen erfolgen. Das von Kaulbars dem Minister Natschewitsh überreichte Beglaubigungsschreiben ist vom Minister von Giers unterzeichnet. Die türkischen Kommissare Madjid Pasha und Abro Effendi sind abgereist.

Asien. Japan. Yokohama, 22. September. (R. B.) Die Unterhandlungen zur Revision des britis: japanischen Handelsvertrages werden fortgesezt. Bis jeßt sind dieselben aber nicht so weit gediehen, daß eine baldige Unterzeihnung des Vertrages in Aussicht steht. :

Afrika. Egypten. Kairo, 27. September. (W. T. V) Ein russischer Unterthan, Namens Lavison, Agent des ehemaligen Khedive FFsmail, bemächtigte sich gestern mit Hülfe bewaffneter Albanesen des Palais Fs mailia hier: selbst, in welhem gegenwärtig Mukhtar Pascha wohnt. Dieses Gebäude gehört zu den von dem Khedive Jsmail für sih reflamirten. Auf Fntervention des russischen Konsuls zog Lavison die Albanesen zurü>. Der Beweggrund Lavison's soll gewesen sein, die Gerichte zur Kenntniß von der Reklama- tion Jsmail's zu zwingen. Fn Folge dieses Zwischenfalls hat Drummond Wolff seine Rückkehr beshleunigt und wird bereits morgen hier wieder eintreffen.

Zeitungsftimmen.

Der „Reichsbote“ reibt: Das englische Handels8amt veröffentlichte soeben seinen Bericht

über das englis<he Eisenbahnwesen für das Jahr 1885, dem wir F

einige der interessantesten Angaben entnehmen. Danach ergiebt si, daß, obgleih der Eisenbahnbau im Vereinigten Königreich im Wesent- lihen vollendet ift, do< während der leuten se<83 Jahre das in den Bahnen angelegte Kapital eine Vermehrung von ca. 18090 Mill, Mark erfahren und daß auch das Erträgniß sür dieses Anlagekapital keine oder doch keine nennenswerthe Verminderung ergeben hat. Es haben nämlich betragen dur<s<nittli<: ' das Kapital das Neinerträgniß

O 28206000 £ 4,17 % r 4,46 , O C S9YOOO 4,43 , R E ROOO A 4,41 , A So e000, 4,27 1885 815 857 000 , 4,13

Die Vermehrung des Kapitals zeigt eine derartige Stetigkeit, daß vorauszuseten ist, auh in den nächsten Jahren werde der Cisen- bahnbau in dem gezeigten mäßigen Umfang fortshreiten. Was aber das Erträgniß betrifft, so möchten wir gelegentlich dessen hinweisen auf den Lärm der freihändlerischen Presse über den auch bei den deut- schen Eisenbahnen, insbesondere den preußischen Staatsbahnen, vorüber gehend vorgekommenen Ertragsrü>kgang und über die daraus von jener Presse gezogenen Schlüsse gegen die deutshe Wirthschafts- und Eisenbahnpolitik. Wir sehen, der Rükgang findet sih im freihändle- rishen England au<h. Ja, no<h mehr es findet si sogar na einem Emporgang des Ertrages im Jahre 1881 ein stetiger Rüd gang, wovon in Deutschland, wo die letzten Monate sowohl in Preußen als in Bayern wieder Fortschritte der Ginnahmen gezeigt haben, keine Me h denn der Rücllgang erstre>te si<h hier nur auf wenig?

Ba E, l

Im Güterverkehr beträgt die Verminderung des Ertrages fast S e Es ergab sih nämli<h Ertrag für die (engl.) Zug-Meile im

ahre

v. Personenverkehr v. Güterverkehr

1875 60,06 75,32 Pence 1876 58,63 R 1877 57,44 0 1878 56,35 O 1879 53,35 0 1880 52,65 B; 1881 E E, 1882 51,75 O 1883 50,73 N 1884 49,86 {80 1885 48,32 6985

Also Rückgang troß des Freihandels. Allerdings sind auch d? Betriebskosten gesunken, doh weniger erheblih; nämlich bei 4 Bahnunterhaltung von 7,49 auf 5,50 Pence, beim Lokomotivbetrie® von 9,91 auf 8,20, bei der Unterhaltung und Grneuerung von 08 auf 3,05, bei den Betriebsausgaben von 10,94 Pence 1875 auf % Pence 1885 für jede Zugmeile.

Die „Rheinis<-Westfälishe Zeitung“ äuße!! in einem Artikel: „Die Fachvereine ein Herd der Sozial: demokratie“ : E

Es ist ni<t ohne besonderes Interesse, daß in der Grei s sitzung des Reichstags in vergangener Woche von sozialdemo ratis K Seite, und zwar dur< Hrn. Bebel, das Eindringen der Sozialdew kratie in die Fachvereine ausdrü>li<h zugegeben worden ist.

Man hätte dieses Zugeständniß freili< nicht erst bedurft, um eine offeukundige Thatsache, die vor Aller Augen liegt, zu erbärten. __ Indessen bietet der Zwischenfall eine re<t beredte Illustration zu den Verhandlungen des Kösener Handwerkertages über die Fachvereine dar, und die dort gefaßte Resolution, nah wel<er die leßteren einer „vershärften Beaufsichtigung dur< die Sicherheitsorgane“ dringend empfohlen werden, erscheint in diesem Lichte um so berechtigter. In der That gestaltet si< das Wirken der Fach- vereine im gewerblichen Leben immer bedenkliher und droht den sozialen Frieden ernftlih zu gefährden. Den Haupttheil ihrer Kraft nehmen die Fachvereine aus den Krankenkassen (eingeschriebene Hülfskassen) her, die sie über den ganzen Kreis ihrer Genossen aus- zudehnen si< bemühen und dur die sie sodann eine fast unbeschränkte Herrschaft innerhalb dieses Kreises ausüben.

Großindustrielle und Handwerker wissen gleihermaßen davon zu reden. Die etwa vorhandenen Ausnahmen sind von fo geringer abl, daß sie au< hier die Regel nur bestätigen. Insbesondere Eben die Innungskrankenkassen darunter zu leiden. Viele Innun- gen, die es an Bemühungen und _Opfer zur Errichtung eigener Krankenkassen nicht fehlen lassen, müssen . die Er- fahrung machen, daß die Gesellen si< weigern, in dieselben einzutreten. Der Terrorismus, den die Fachvereine in diefer Richtung ausüben, gebt so weit, daß felbst diejenigen Gesellen, die gern den JSnnungsfrankenkassen si anschließen würden, dies doh nit wagen dürfen, aus Furcht vor ihren Genoffen, Es giebt Innungen, die nur ihre Lehrlinge in den Krankenkassen haben, und selbst diese treten aus, sobald sie Gesellen werden, weil sie si< dann dem Zwange der Fach- vereine wohl oder übel unterordnen müssen. In einem uns bekannten Falle mußte die sehr gut dotirte und {hon seit einer Reihe von Jahren vortreffli< funktionirende ältere Krankenkasse einer Innung sogar aufgelöst werden, weil die Gesellen, ob- hon sie vorher eine nothwendig gewordene Neuregulirung der Beiträge gut geheißen haiten, do<h zuleßt auf Weisung des betreffenden Fachvereins sih weigerten, dieselbe ins Leben treten zu lassen. Die ihnen ertheilte Ordre lautete einfa dahin: „Die Kasse soll auffliegen!“ Den Schaden hatten in diesem Falle die Gesellen zu tragen. Sie gestanden dies av<h selbst zu, aber sie wußten nicht, sich dem zu widerseßen, und das Schlimmste war, au<h das bis dahin bestandene gute Einvernehmen zwischen Meistern und Gesellen war gestört. Selbst den Arbeitsmarkt und die internen Arbeitsverhältnisse beherrs<hen die Fachvereine nahezu absolut. So war es einem Kunsthandwerker, der für seine Werkstatt in Folge größerer Aufträge das Arbeitspersonal vermehrèn mußte, unmögli, tros verschiedener Inserate in den Zeitungen, au nux einen einzigen Gehülfen zu erlangen. Er erhielt keine Offerten, bis endlich einer seiner älteren Arbeiter sich erbot, dur<h das Central- blatt des betreffenden Fachvereins ihm Gehülfen zuzuführenz aber das Gesuch dürfe niht von dem Meister selber ausgehen. Es half nichts, der Letztere mußte sich fügen, jedo< erhielt er wenigstens innerhalb furzer Zeit so viel Leute, wie er brauchte. :

Die Beispiele dieser Art ließen si< leiht vermehren ; sie beweisen alle, daß die Fachvereine zu immer größerer Macht gelangen, zu einer Macht, vor der die Gesellen selber sih fürchten, der sie aber nicht entrinnen können. Und diese Macht, die den sozialen Frieden gefährdet, stükt sich hauptsächlih auf die Krankenkassen der Tachvereine, für die das Gesetz über die eingeschriebenen Hülfskassen große Freiheiten ge- währt, neben den Einschränkungen, welhen die Innungêkrankenkassen V O

Die „Staatsbürger - Zeitung“ sagt in einem „Arbeit und Arbeiter“ überschriebenen Artikel:

_, Was treibt die Internationalität der sozialistischen Führer do für sonderbare Blüthen! Ganz Kinder ihrer Zeit, machen cs jeßt diese „Führer“ \{<on den Sängerinnen und Concertgebern nach: wenn daheim die Geschihte niht mehr so re<t vorwärts will und wenn das ewig aufgewärrnte und vorgeseßte Gericht nicht mehr re<te Anziehungskraft auf die Hungrigen ausübt, dann seßt man ihm eine Dosis überseeischen Pfeffers hinzu und macht eine „Tournée“ dur< Amerika. Die Kunstreise na Amerika trat seiner- zeit Eduard Lasker an, als es mit seiner Herrlichkeit in Deuts®land zu Ende warz dieselbe Kunstreise macht jeßt der Sozialist Liecbknecht unter Führung seines Impresario Aveling. Wozu? so fragen wir. Hat die deutsche Arbeiterschaft ni<ht cin Recht, von denen, die ihre Führer sein möchten, zu verlangen, daß sie in emsiger Arbeit hier im Lande helfen? Statt dessen geht Hr. Liebkneht nah Amerika, hält Reden, in denen er ganz genau weiß, daß die Chikagoer Sozialisten ungere<ht verurtheilt sind und doh_ hat er gerade erst ein paar Tage in Amerika hingero<hen. Das sind „Führer“ deutsher Ar- beiter! Wir lassen uns durch diesen Humbug nicht über den Zwe> solcher Kunstreisen täuschen. Der verblassende Schein eines lange aufre<hterhaltenen Nimbus soll dur< ein Bishen Tkeater- feuerwerk wieder aufgefris<t werden; der Erfolg wird aber das Gegentheil sein. Denn der deutshe Arbeiter hat näher liegende Aen er wird si<h um die Kunsttouren seiner „Führer“ wenig ummern... ..

Statistische Nachrichten.

Gemäß den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesund- heitsamts sind in der Zeit vom 12. bis 18. September cr. von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdurchs<hnitt berechnet, als gest o rben gemeldet : in Berlin 36,1, in Breslau 42,4, in Königsberg 34,4, in Köln 31,3, in Frankfurt a. M. 21,9, in Wiesbaden 16,9, in Hannover N Kassel 21,9, in Magdeburg 28,9, in Stettin 30,8, in Altona 31,5, in Straßburg 39,9, in Meß —, in München 38,2, in Nürnberg 31,3, in Augsburg 35,7, in Dresden 32,8, in Leipzig 23,8, in Stuttgart 18,7. in Karlsruhe 23,8, in Braunshweig 24,4, in Hamburg 36,2, in Wien 19,9, in Pest 34,6, in Prag 24,9, in Triest —, in Krakau 23,2, in Basel 14,7, in Amsterdam —, in Brüssel 23,8, in Paris 21,5, in London 17,6, in Glasgow 24,2, in Liverpool 26,2, in Dublin 27,5, in Edinburg 13,9, in Kopenhagen 33,5, in Sto>holm 17,5, 1n aa 914, in St. Petersburg 25,4, in Warschau 28,2, in Odessa 37,9, in Nom 17,5, in Turin 19,6, in Venedig 27,9, în Madrid —, in Alexandria 53,9 Ferner in der Zeit vom 21. August bis 27, August cr.; in New-York 28,3, in Philadelphia 19,9, in Balti- more 22,3, in San Francisco —, in Kalkutta 26,6, in Bombay 21,1, in Madras 43,9. i O __ Die Sterblichkeitsverhältnisse gestalteten si< in der Berichtswoche in den meisten Großstädten Europas ein wenig günstiger, obwohl die ungewöhnlich hohe Temperatur der Luft, die bis zum 15. September vorherrshte, sodann der plötliche auffallende Umschlag der Witterung, die Sterblichkeit in ungünstiger Weise beeinflußte. Nur aus wegen Städten, wie aus Stuttgart, Frankfurt a. M.,, Wiesbaden, Kassel, Barmen, Wien, London, Paris, Basel, Edinburg und Christiania werden kleine Sterblichkeitszahlen gemeldet, während dieselben in Augsburg, Mainz, Kopenhagen, Odessa auffällig gesteigert waren. Insbesondere riefen Darmkatarrhe und Brechdurchfälle no< allgemein zahlreiche Todesfälle hervor, namentli in Berlin, Hamburg, Breslau, Augsburg, München, Dresden, Leipzig, Königsberg, Frankfurt a M,, Bremen, Danzig, Straßburg, Nürnberg, Magdeburg, Altona, Düsffeldorf, London, Wien, Pest, Paris, Kopenhagen, Warschau, St. Petersburg, Odessa u. A. Doch beginnt in vielen der genannten Städte die Zahl der Sterbefälle an diesen Krankheitsformen abzunehmen. Die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit war noch immer eine bedeutende. Von 10 000 Lebenden starben aufs Jahr bere<nct in Berlin 220, in München 234 Säuglinge. Auch akute Entzün- dungen der Athmungsorgane zeigten vielfa<h eine Steigerung, Unter den Infektionskrankheiten haben Masern, typhöse und Kindbett- fieber, Keuhhusten und Po>en etwas weniger, Scharlah und Diphtheritis dagegen mehr Todesfälle veranlaßt. Sterbefälle an Masern haben in Elberfeld, London, Paris ab-, in Berlin und St. Petersburg cin wenig zugenommen. Masern-Erkrankungen waren in Frankfurt a. O., Hamburg und im Regierungsbezirk Schleswig

nicht selten. Das Scharlachfieber hat in Hamburg, Köln, Danzig, London, Glasgow, Odessa mehr Opfer gefordert, während in Pest, St. Petersburg, Warschau die Zahl der Sterbefälle geringer wurde. Die Sterblichkeit an Diphtherie und Croup war in Berlin, Frank- furt a. M., Danzig, Nürnberg, Altona, Wien, London, Prag, St. PetetSueg, Warschau, Odessa cine größere, in Hamburg, Dresden, Köln, Magdeburg, Wien, Pest eine geringere als in der Vorwoche. Erkrankungen waren außer in den genannten Städten auh im Regierungs- bezirk Schleswig sehr häufig. Typhöse Fieber zeigten si<h meist in bes<hränkter Zahl, in Berlin, London und Turin war die Zahl der Sterbefälle ein wenig größer, in Hamburg, Paris, Lyon, St. Peters- burg glei groß oder etwas kleiner als in der Vorwoche. An Fle>- typhus kam aus St. Petersburg 1 Todesfall, aus dem Regierungs- bezirk Marienwerder 3, aus St. Petersburg 2 Erkrankungen, an Rü>- fallsfieber 1 Todesfall und 4 Erkrankungen aus St. Petersburg zur Berichterstattung. Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut führten in Paris und London mehrfa<h zum Tode. Der Keuchhusten zeigte in Berlin, Paris, London, Glasgow eine Abnahme, in St. Petersburg cine Zunahme der Sterbefälle. An Pocken ge- langten aus Wien und Paris je 1, aus Rom 2, aus Warschau 3, aus Pest 32 Todesfälle, ferner aus Breslau 1, aus Hamburg und Wien je 5, aus St. Petersburg 10, aus Peft 103 Erkrankungen zur Meldung. Die Cholera hat in Pest größere Ausdehnung ge- wonnen. In der Zeit vom 18. bis 24. September erkrankten 139 Personen, von denen 65 starben. In Triest erkrankten in derselben Zeit 33 Personen, in Fiume 10, von denen 6 bezichungsweise 5 Fälle todtli<h endeten. In Ifstrien hat die Epidemie etwas abgenommen, do< werden aus Pola und Rovigno mehrere Cholerafälle gemeldet, wie au<h aus Sÿloß Mtira- mare. In der Provinz Görz-Gradiska kamen vom 27. Juli bis 17. September nur 18 Erkrankungen mit 13 Todesfällen vor. In der Vicegespanschaft Fiume sowie in Kroatien zeigte sih die Seuche in bes<hränkter Weise. Aus Italien liegen nur unvollständige, bis zum 16. September reichende Berichte vor, na< denen sowohl in Venetien wie au< in den meisten anderen Provinzen die Cholera in der Abnahme begriffen ist. In Torre Annunziata (Neapel) waren vom 10. bis 14. September no<_ 36 Erkrankungen mit 1€ Todes- fällen vorgekommen, doch soll die Epidemie seit dem 16. September daselbst erloschen sein.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Bon der fünften, vermehrten und verbesserten Auflage der „Civil- Prozeßordnung für das Deutsche Neich, nebst den auf den Civilprozeß bezüglichen Bestimmungen des Gerichtsverfassungsgescizes und den Einsührungsgesezen“, erläutert vom Geh. Ober-Justiz-Rath 2c. Stru>kmann und dem Geh. Ober-Finanz-Rath 2c. Koch, ist zu Berlin und Leipzig im Verlage von J Guttentag (D. Collin) vor Kurzem die 3. Lieferung erschienen. Dieselbe enthält von Buch 2 (Verfahren in erster Instanz) Abschn. 1 (Verfahren vor den Land- gerihten), Fortseßung und Schluß des 5. Titels (allgemeine Bestim- mungen über die Beweisaufnahme), ferner Tit. 6-—12 (Beweis durch Augenschein, Zeugenbeweis, Beweis dur Sachverständige, Beweis dur< Urkunden, Beweis dur< Eid, Verfahren bei der Abnahme von

Eiden, Verfahren vor den Amtsgerichten); endli<h von Buch 3 (Nechts-

mittel) den 1. Abschnitt (Berufung) vollständig und einen Theil des 2. Absc<hn. (Nevision). Wie in den beiden voraufgegangenen Lieferun- gen, fo ist auch in der vorliegenden dritten der Text von cinem reich- haltigen und lehrreihen Kommentar begleitet. Einleitende Vor- bemerkungen zu den einzelnen Abschnitten und Titeln orientiren den Leser über die leitenden Gedanken. Bei den Bestimmungen, um welche sich bereits eine Spezial-Literatur gesammelt hat, ist diese voran- gestellt. In der Erläuterung selbst ist die sorgfältige Benugung der Rechtsprechung des Reichsgerichts und der Oberszen und Dber-Landes- gerichte, sowie der reihen Literatur, namentlich au<h der sämmtlichen Kommentare und ihrer neuesten Ausgaben und der neueren Lehrbücher des gemeinen und preußishen Nechts überall erkennbar. Auch die logische und übersichtlihe Anordnung des Stoffes innerhalb der reic- haltigen Anmerkungen ist zu loben. So entspricht das Werk in feiner neuen Gestalt allen bere<htigten Anforderungen der Praxis an einen wissenschaftlichen Kommentar. Die neue (5.) Auflage der Civilprozeß- ordnung für das Deutsche Reich gewährt ein treues Spiegelbild des heutigen Civilprozesses, wie er si<h auf der Grundlage der Civil- rozeßordnung in Deutschland gestaltet hat. Die 5. Auflage er- cheint in 7 Lieferungen à 3 #4 und soll bis Ende dieses Jahres voll- ständig vorliegen. Land- und Forstwirthschaft. Washington, 27. September. (W. T. B.) Das Bureau des landwirthschaftlihen Departements hat im Einver-

nehmen mit den Staatsbehörden umfassende Maßregeln gegen das Umsichgreifen der Lungenseu che getroffen.

Veterinärwesen.

: Rußland. In Wilna ist die Rinderpest ausgebrochen.

Gewerbe und Handel.

Die Regierung von Guatemala hat dur< Verfügung vom 30. Juli d. F. angeordnet, daß vom 1. Oktober d. J. ab auf die „in den Zollämtern lagernden und die späterhin einzuführenden Waaren ein neben den bestchenden Eingangs8zöllen *) in derselben Weise zu ent- A a aa von 15% vom Werth der Waare gezahlt werden soll.

Vor der Hand sind indessen die Zollbehörden angewiesen worden, den Zuschlagszoll nur von den bisher mit 75 9/0 des Tarwerthes be- lasteten Artikeln der 5. und 6. Tarifklasse zu erheben.

Die „New-Yorker Hdls -Z3tg.“ {reibt in ihrem vom 17. d. M. datirten Wochenbericht: Für den zunehmenden Auf- \<wung des Geschäfts liegen jeßt so zahlreihe und überzeugende Beweise vor, daß eine Aufzählung der hervorragendsten derselben wohl von Interesse sein dürfte. Die Umsätze der Clearing Houses in den leitenden Geschäfts-Centren innerhalb der Vereinigten Staaten waren im August d. J. um 20 9% größer als in demselben Monat 1885, und dies troß der ungewöhnlichen Stille an der Fondsbörse. Die Raten für Call Loans in New-York sind von 1—2 0/% plößlich und beträchtli<h gestiegen, mit der Wahrscheinlichkeit, si unter dem Noti des bedeutenden Geldabzuges na< dem Innern sür Mobilisirung der Ernten u. st. w., für die nächsten Mo- nate wenigstens, auf 5—6 ‘%/% zu halten. Und diese plößliche Ver- sleifung des Geldmarktes is obne irgend welche ernstlihe Störung vor si gegangen. Viele der leitenden Bahnen, im Osten sowohl wie im Westen, sind seit mehreren Wochen kaum im Stande gewesen, den sih ihnen darbietenden Verkehr, unter Heranziehung alles nur irgend- wie disponiblen Betriebsmaterials, prompt zu bewältigen. In den Betriebsergebnissen der Eisenbahnen spiegelt si<h diese Verkehrs-Zu- nahme, wie ah die Herstellung eines besscren Einverständnisses zwi- schen den Gesellschaften und dadur< ermöglihte Erzielung lohnen- derer Transportraten, wieder. Die Kohlen- und Eisen-Industrien zeigen einen markanten Aufs{hwung, namentli<h die erstere, welhe cine Erhöhung der Produktion und der Preise aufzu- weisen hat. Aehnlich verhält es si<h mit Manufakturwaaren und den leitenden Stapelartikeln. So z. B. sind die Umsätze in Kaffee am hiesigen Playe in leßter Zeit ganz enorm gewesen, und dabei die

reise für Rios um 24 Cents per Pfund gestiegen. Der efffektive Ausfall der Weizen- und Mais-Grnten ist besser, als allgemein erwartet worden, und dies hat stimulirend auf den Begehr für Waaren in den Getreide exportirenden Staaten eingewirkt. Im legitimen

Geschäft liegen somit die Verhältnisse so günstig wie nur möglich,

wenn unsere Geschäftswelt dieselben des Ferneren mit Vorsicht zu benußen versteht und wir vor übertriebener Spekulation, besonders an den Fonds- und Getreidebörsen, bewahrt bleiben. Das Geschäft am Waaren- und Produktenmarkt

*) cfr. „R.-Anz.“ von 1886 Nr. 174.

bat sih etwas lebhafter gestaltet. Weizen und Mais, die unter dem Dru> einer stetigen Zunahme der in Sicht befindlihen Vorräthe im Werthe zurü>gegangen sind, begegneten in der letzten Hälfte der Woche zu den etablirten niedrigeren Preifen ftärkerer Exportfrage, an der au< Weizenmehl partizipirte, welhes in der leßten Hälfte der Woche ebenfalls in williger Tendenz verkehrte. Das Befrachtungs- geschäft verlief ruhig, bei im Ganzen genommen ziemli< gut behaup- teten Raten. Baumwolle stellte fi< in Sympathie mit Liverpool im Werthe höher und fand Seitens einheimis<her Spinner und vorübergehend au< für Export mehr Beachtung. Der Wollmarkt war fest troß immer no< beschränkter Nachfrage, deren Be- lebung jedo< binnen Kurzem erwartet wird. Brasil Kaffees sind bei bedeutenden Umsätzen abermals erhebli<h gestiegen, {ließen aber in etwas rubigerer Haltung. Reinschmec@ende Sorten verkehrten eben- falls in steigender Tendenz. Für Robzucker gab si< unter dem Ein- fluß zunehmenden Begehrs Seitens Raffineurs eine entschieden festere Stimmung kund. Am Theemarkt standen Oolongs in re<t guter Nachfrage zu festen Preisen; andere Sorten find unverändert. Von Provisionen ist Schmalz äußerst ill gewesen und im Werthe fast ununterbro<hen zurü>gegangen; auf den meisten anderen Gebieten ging eine Anfangs, bei lebhafterem Geschäft, etablirte Avance gegen Schluß zum Theil wieder verloren. Terpentinöl war, wenn auch ruhig, do< etwas fester, während Harz \{leppenden Verkehr hatte und im Preise ohne wesentliche Aenderung geblieben ist. Raff. Petroleum ist % C. höher und in regem Begehr. Pipe lines Certificates konnten die gestern erzielte Avance bis 66 C. nicht be- haupten und {lossen heute in matter Tendenz zu 647 C. Gd. u. Br. Am Metallmnarkt schließen Eisen, Zinn und Kupfer in fester, Zink und Blei dagegen in williger und matter Haltung. In fremden und cinheimis<hen Manufakturwaaren nahm das Geschäft einen befriedigenden Verlauf. Der Import fremder Webstoffe beträgt für die heute beendete Woche 2781 490 Doll. gegen 2291295 Doll. in der Parallelwoche des Vorjahres.

Leipzig, 27. September. Die „Leipz. Ztg.“ berichtet von der Messe: In baumwollenen und halbwollenen Rock- und Hosenstoffen war der Absaß ein ziemli< beschränkter, da diese Artikel zum Herbst weniger gekauft werden. Diese Branche ift indeß gegenwärtig, soweit größere, leistungsfähige Fabriken in Frage kommen, einigermaßen für den GCxport, hauptsächlih für Süd-Amerika beschäf- tigt, wodur<h die slille Periode im deutschen Geschäft leichter über- wunden wird. Die Preise verhalten si<h ziemli<h \tabil und können durhgehends als gedrückt bezeihnet werden, so daß eine kleine Auf- besserung wohl erwünscht wäre, zumal die Garnpreise aufwärtsftrebende Tendenz zu verfolgen scheinen.

__ Wien, 27. September. (W. T. B.) Ein Konsortium, bestchend aus der Deutschen Bank in Berlin, dem Bankhaus Erlanger in Frankfurt a. M., der Länderbank und der Escompte-Gesellschaft in Wien, hat mit dem galizis{<hen Boden- kredit verein in Lemberg ein Uebereinkommen abgeschlossen wegen Konversion der ö5prozentigen Pfandbriefe in 43- und 4prozentige. Im Umlaufe befinden sih Pfandbriefe im Betrage von circa 55 Millionen. Die @>onversion soll Anfang Dezember Matin

Rotterdam, 28. September. e T. B.) Bei der heute von der Niederländischen Handelsgesellschaft abgehaltenen Auktion über 22115 Blö>tke Bankazinn wurden 61lj à 62}, dur<s<nittli< 612, und über 10009 Blöcke Billitonzinn 61 gezahlt.

London, 27. September. (W. T. B.) Bei der am Sonn- abend abgehaltenen Wollauktion herrshte bessere Tendenz. Heute Stimmung matt.

Bradford, 27. September. (W. T. B.) Wolle fest, Garne thätig und fester, für Stoffe besserer Begehr.

Washington, 27. September. (W. T. B.) Der Schat- sekretär macht die Amortisirung ciner weiteren Reihe von Zprozentigen Obligationen im Betrage von 15 Millionen Dollars bekannt. Die Verzinsung dieser Obligationen hört mit dem 1. November d. J. auf. Der Schatmeister Jordan hat sih dahin ausgesprochen, daß, wenn die Staatzeinnahmen fortfahren, in dem bis- herigen Umfang einzugehen, sämmtliche 3 prozentige Obligationen binnen Jahresfrist amortisirt sein werden.

Submissionen im Auslande.

Italien.

1) 4. Oktober, Neapel. Schiffsbau - Direktion des 11. See- departements. Kupfer in Blättern, Stangen und Klumpen. Vor- anshlag 55 290, Kaution 5530 Lire.

2) 4. Oktober, Präfektur von Porto Maurizio. Instandhaltung der Kunstbauten und Eisenbojen im Hafen daselbst. Voranschlag 79 588, Kaution prov. 2750 Lire, defin. 10 9%.

Näheres an Ort und Stelle.

Verkehrs - Anstalten.

Hamburg, 28. September. (W. T. B.) Der Postdampfer „Borussia“ der Hamburg-Amerikanishen Pa>ketfahrt|- Aktiengesellschaft ist, von Hamburg kommend, am 22. d. M. in Colon eingetroffen.

Triest, 27. September. (W. T. B.) Zur Feier des fünfzig- jährigen Jubiläums des österreihish-ungarishen Lloyd fand heute der feierlihe Stapellauf des neu erbauten größten Lloyddainvfers „Imperator“ statt.

Berlin, 28. September 1886.

JFubiläums-Kunstausstellung.

Als eine der ausgezeichnetsten Leistungen von den in der Aus- stellung gebotenen italienis<en Werken muß die Aquarelle „Meine arme Maria“ von Augusto Corelli (Rom) bezeihnet werden. Die Charafteristif der in dem Bilde dargestellten Figuren ist von aus- nehmender Wirksamkeit: der Schmerz des am Sarge knienden Bur- schen, die Scheu der vor der Thür Stehenden, der Schre>ken der Kastanienröfterin, das Alles kommt vorzüglih zum Ausdru. Die foloristishen Feinheiten stehen der Zeichnung in nihts nah. Ettore Tito (Venedig) führt uns den Markusplatz vor, hat ihn aber mit Figuren aus dem vorigen Jahrhundert bevölkert, wodur der Reiz des Unmitielbaren, Frishen Einbuße leidet. Ansprechender ist seine „Stille Betrachtung“, welche uns an einer Kaimauer ein ent- fernt von einander stehendes, sh verstohlen beobachtendes Paar zeigt, ein Bild von vielen Vorzügen in Zeichnung und Farbe, G. Favretto (Venedig) zeigt sih in seinen beiden Bildern: «Susanne und die beiden Alten“, fowie in dem „Lästigen Dritten“ als ahten8werther Genremaler. . Bressanin lieferte ein ansprehendes Genrebild: „Eine spannende Erzählung“. F. Vinea (Florenz) hat zwei weibliche Bildnisse ausgestellt, deren eines, welches eine Dame der feinen Gesellschaft darstellt, „Sehnsucht“ betitelt ist, während das andere uns ein Blumenmädcben vorführt ; beide reizen dur< das eigenartige Kolorit des Gesihts und Fein- heit der Ausführung. Mchr noch als sie dürfte jedo die „Plauderei“, eine anmuthige Genrescene, Anspruch auf Anerkennung haben. Derb realistis< ist Rinaldo Giudici's Sg „Volksküche“, welche uns in kräftiger Ausführung die Armen, welche sich in dem kahlen Raum sättigen, an einzelnen charakteristishen Figuren anschaulih vergegen- wärtigt. -— Nafael Senet (Rom) hat ein Gemälde von gewaltigem Umfang ausgestellt, das er betitelt: „Da sind sie!" Der anmutbige, wirkungsvoll behandelte Stoff hätte au< in kleinerer Ausführung den- selben Erfolg erzielt. Ein eigenartiges, den Zuschauer ergreifendes Bild rührt von Luigi Nono (Venedig) her. Es zeigt uns ein betendes, von inneren Qualen zerrissenes Mädchen, das vor einem Heiligenbild kuiet. Diese lebenéwahr ge- zeihnete Figur wird in ihrer Wirksamkeit erhöht dur den in abend- liher Beleuhtung prächtig gemalten architektonishen und landschaft- lihen Hintergrund. Francesco Jacovacci erregt durch seine theatral \{< achaltene Leistung in dem „Lten Tag der Venetia- nischen Republik“ zu wenig das Interesse dur den höcstens für die Venetianer anziehenden Stoff. N Bordignon (Venedig) zeigt

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