1886 / 234 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

fehlenden Zins sheine wird der Betrag vom Kapital abgezogen. Die gekündigten apitalbeträge, wel<e innerhalb dreißig Jahren na dem Rückzahlun gstermine niht erhoben werden, sowie die innerhal vier Jahren, na< Ablauf des Kalenderjahres, in wel<hem sie fällig eworden, ni<t erhobenen Zinsen verjähren zu Gunsten der Stadt. as Aufgebot und die Kraftloserklärung verlorener oder verni<hteter

Anleihescheine erfolgt nah Vorschrift der $8. 838 und ff. der Civil- prozeßordnung für das Deutshe Reih vom 30. Januar 1877 (Reichs-Geseßblatt Seite 83) bezw. nah $. 20 des Ausführungs- pesetes Cu Civilprozeßordnung vom 24. März 1879 (G.-S. S. 281). i

Zinsscheine können weder ausgeoten no<h für kraftlos erklärt werden. Doch soll demjenigen, welcher den Verlust von Zinsscheinen vor Ablauf der vierjährigen Verjährungsfrist bei dem Magistrat zu Mys- lowißz anmeldet und den stattgehabten Besiß der Zinsscheine dur<h Vor- zeigung des Anleihescheines oder sonst in glaubhafter Weise darthut, nah Ablauf der D eung eis, der Betrag der angemeldeten und bis dahin niht vorgekommenen Zinsscheine gegen Quittung ausgezahlt werden.

Mit diesem Anleihescheine sind halbjährige Zinsscheine auf cine 10 jährige Zeitdauer, d. i. bis zum 30. September 1896, ausgegeben.

Die ferneren Zinsscheine werden gleihfalls für 10 jährige Zeiträume ausgegeben werden. : z E j

Die Ausgabe einer neuen Reihe von Zinsscheinen erfolgt bei der städtishen Kämmereikasse zu Myslowiß gegen Ablieferung der, der älteren Zins\cheinreihe beigedru>ten Anweisung. Beim Verluste der Anweisung erfolgt die Aushändigung der neuen Zinsscheinreihe an den Inhaber des Anleihescheines, sofern dessen Vorzeigung rechtzeitig geschehen ift. i : i i

Zur Sicherheit der hierdurh eingegangenen Verpflichtungen haftet die Stadt Myslowiß mit ihrem Vermögen und mit ihrer Steuerkraft. A :

Dessen zu Urkunde haben wir diese Ausfertigung unter unserer Unterschrift ertheilt.

Myslowiß, den .

Der Magistrat.

Anmerkung. Die Anleihescheine sind außer mit den Unter- schriften des Bürgermeisters und zweier Magistratsmitglieder mit dem Siegel des Magistrats zu versehen.

Regierungsbezirk Oppeln. Zinsschein Reihe zu dem Anleihescheine der Stadt Myslowitz 111. Aus- . gabe, Buchstabe . …. Nr. . . . über Mark zu 34 Prozent Zinsen über . .. Mark .. Pf. Der Inhaber dieses Zins\cheines empfängt gegen dessen Rückgabe in der Beit vom 1. April (bezw.) 1. Oktober 18... ab die Zinsen des vorbenannten “t aaa für das Halbjahr vom 1 18 S S A ._, Pf. bei der städtischen Kämmerecikasse zu Myslowiß. M den . . ten 18, Der Magistrat der Stadt Myslowiß. (Untecschriften.) Dieser Zinsschein ist ungültig, wenn dessen Geldbetrag nit innerhalb vier Jahren na< Ablauf des Kalenderjahres der Fälligkeit erhoben wird.

Provinz S@lesien.

,

& Co. Firma

bei Herren Delbrü>k, Leo & Co., Berlin

Auch zahlbar Hugo Heimann u, und der

bei der Breslauer Diskonto-

Perls & Co., Gleiwiß

Bank, Bresla

Anmerkung. Die Namensunterschriften der Mitglieder des Magistrats können mit Lettern oder Facsimilestempeln gedru>t werden, do<h muß jeder Zinsschein mit der eigenhändigen Namensunterschrift cines Kontrolbeamten versehen werden.

Provinz Schlesien. Regierungsbezirk Oppeln. Anweisung

zum Stadt-Anleiheshein der Stadt Myslowiß, 111. Ausgabe, Buch- tab | N über 9 Mark.

e Der Jnhaber dieser Anweisung empfängt gegen deren Rückgabe

zu dem obigen Anleihescheine die Reihe von Zinsscheinen für die zchn Fahre 1896 bis 1906 bei der städtis<hen Kämmereikasse zu Myslowiß, sofern niht re<tzeitig von dem als solchen sih aus- i Inhaber des Anleihescheines dagegen Widerspru<h erhoben wird.

Myslowiß, den . . ten B

Der Magistrat der Stadt Myslowit. (Unterschriften.)

Anmerkung. Die Namensunterschriften der Mitglieder des Magistrats können mit Lettern oder Facsimilestempeln gedru>t wer- den, do< muß jede Anweisung mit der eigenhändigen Namens- unterschrift eines Kontrolbeamten versehen werden.

Die Anweisung ist zum Unterschiede auf der ganzen Blattbreite unter den beiden leßten Zinsscheinen mit davon abweichenden Lettern in nachstehender Art abzudru>ken:

._._. ter Zinsschein. |

._. . ter Zinsschein.

Anweisung.

Ministerium der geistlihen, Unterrihts- und Medizinal-Angelegenheiten.

Dem Oberlehrer am Gymnasium zu Krotoschin, Dr. Berthold Adolph Günther, ist das Prädikat Professor beigelegt worden.

Der Titular-Oberlehrer Fohann S<hrammen am Kaiser-Wilhelms-Gymnasium ju Köln ist zum etatsmäßigen Oberlehrer bei derselben Anstalt befördert worden.

Am Schullehrer-Seminar zu Pr. Eylau i} der Rektor Lewin zu Friedland OD.-Pr. als Erster Lehrer angestellt worden. É

j O 1 ¡Evangelischer Osber-Kirchenrath.!y

TREERAK T E is ú M ie p a O 4 Die Konsistorial-Näthe Otto Wilhelm Ferdinand Kahle in Danzig, Heinri<h Friedrih Wilhelm Alexander Hevelke daselbst und Moriß Friedrich Ludwig Koch, bisher in Dirschau, sind zu Mitgliedern des Königlichen Konsistoriums der Provinz Westpreußen, die beiden Ersteren im Nebenamt, berufen worden. :

Der General - Superintendent der Provinz Westpreußen, Dr, theol. Taube, bisher in Königsberg O.-Pr., und der Konsistorial: Assessor Kähl er daselbst sind in gleicher Eigen- saft an das Königliche Konsistorium in Danzig verseßt worden.

Angekommen: Se. Excellenz der Staats-Minister und Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten, Dr, Lucius, von Klein-Ballhausen.

Nichtamtliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 5. Oktober. Se. Majestät der Kaiser und König machten, wie „W. T. B.“ aus Baden- Baden meldet, gestern Nachmittag eine Spazierfahrt und be- suchten wiederum die Wiese des Lawntennis-Klubs, wo Aller- höchstdieselben längere Zeit verweilten.

Alle zwischen dem Vater und seinen Hauskindern abgeschlossenen Rechts geschäfte, au<h die liberalen und Schenkungen, sind nah einem Urtheil des Reichsgerichts, ITI. Civilsenats, vom 1. Juni d. J., im Geltungsbereich des Gemeinen Rechts wirksam und können vom Vater nicht ange- fochten werden.

Als Aerzte haben sih niedergelassen die Herren: Dr. Hartwig in Liebenburg, Dr. Alfred Wolff in Schierstein a. Rh., Dr. Spaeceth und Dr. Levi *in Frankfurt a. M.

Bayern. München, 4. Oktober. (W. T. B.) Das heutige „Gesez- und Verordnungsblatt“ veröffentliht ein Handschreiben des Prinz-Negenten mit den wärmsten und lebhaftesten Danksagungen für die zahllosen, überaus herzlichen Beweise treuer Liebe und Ergebenheit, niht nur in den von ihm besuchten Städten, sondern auch in den von dem Zuge lediglih durcheilten bena<hbarten Gegenden und Orten und schließli<h für den Willklommengruß der Münchener Ge- r ay e Ati als würdigen Schluß all:r patriotishen Kund- gebungen.

Sachsen. Dresden, 4. Oktober. (W. T. B.) Erz- herzog Otto ist mit seiner Gemahlin heute Nachmittag 4 Uhr, von dem König und der Königin sowie von dem Erzherzog Karl Ludwig und dessen Gemahlin bis zum Bahn- hof begleitet, über München nah Schloß Persenburg an der Donau abgereist. Prinz Georg von Sachsen mit seiner E gab dem neuvermählten Paare bis na< Freiberg

as Geleit.

Sachsen-Weimar-Eisena<h. Weimar, 4. Oktober. (Th. C.) Der Großherzog und die Großherzogin, jowie der Erbgroßherzog sind am Sonntag bezw. Sonnabend hierher zurückgekehrt.

Am Sonnabend fand in Jena unter dem Vorsiß des Staats-Ministers Dr. Stichling eine Konferenz von Ver- tretern der thüringischen Regierungen in Sachen des gemeinschaftlihen Ober-Landesgerichts statt.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 2. Oktober. (Wien. Ztg.) Das Sub-Comité für das Zoll- und Handelsbündniß bes<hloß auf Antrag der Abgeordneten Chlume>ky und Czar- torysfi, vom Finanz-Minister Auskunft über den Stand der Zolltaxrifangelegenheit zu verlangen. Die Comité- Pa wurde bis nach der Sizung des Herrenhauses unter-

rochen.

_— 4. Oktober. (W. T. B.) Das „Fremdenblatt“ meint : Die bulgarifhe Regentschaft sei ihrer schwierigen Aufgabe, für die Erhaltung der Ruhe zu sorgen, bisher mit Geschi>k gerecht geworden. Jn dem Streben, den auf die Mächte zu nehmenden Rücksichten zu entsprechen, aber dabei doch den geseßlichen Boden zu behaupten, könne sie ruhig die Ver- antwortung tragen. Dagegen sei das Auftreten Kaulbars? in der Volksversammlung zu einer Versöhnung nicht geeignet gewesen, ebensowenig wie die geplante Reise in das bulgarische Land. Bevollmächtigte seien überall bei den Regierungen und nicht bei den Volksmassen akkreditirt. Jede Regierung müsse offene Unterhandlungen mit der Menge als eine Verleßung ihrer Autorität ansehen. Auch in St. Petersburg werde man das Bedauern über Afktionen theilen, welche den berechtigten moralischen Einfluß Rußlands s{<hwächen müßten. Kaulbars? Austreten entsprehe nicht den Grundtendenzen des Berliner Vertrages.

Pest, 2. Oktober. (Prag. Ztg.) Das Abgeordneten- haus nahm den Geseßentwurf betreffs Verlängerung des Zoll- und Handelsbündnisses in der General- und Spezialdebatte unverändert an. Jm Laufe der Debatte wies der Minister-Präsident von Tisza die Behauptung des Abg. Grafen Apponyi zurü>, daß das vonTisza proponirte Vorgehen den Rechtskreis des e E verlebe, indem dem bn orde netenhause das volle Recht der Entscheidung gewahrt bleibe. Tisza spra<h die Ueberzeugung aus, daß, wenn einmal ein selb- ständiges Zollgebiet etablirt würde, die interesfirten Parteien nach Verlauf eines Jahres die ersten wären, welche die Resti- tuirung des Zollbündnisses verlangen würden. Tisza ver- theidigte sodann no< warm das gemeinsame Zollgebiet. Die Verhandlung der Bankvorlage wurde für Donnerstag anberaumt.

Großbritannien und Jrland. London, 4. Oktober. (W. T. B.) Mr. Gladstone empfing heute in Chester Deputationen der Munizipalbehörden von Cork, Limeri> und Waterford, welhe ihm das Ehren- bürgerrecht der betreffenden Städte überbrachten. Gladstone hielt eine Ansprache an dieselben, in welcher er sagte: er sei von seiner Absicht, sih vom öffentlichen Leben zurückzuziehen, nur durch die Hoffnung abgehalten worden, zur Regelung der irishen Frage beizutragen, mit welher das Jnteresse Englands in gleihem Maße verbunden sei wie dasjenige Jrlands.

(A. C) Die Staatseinkünste in dem am 30. September verflossenen 2. Quartal des laufenden Finanzjahres bezifferten si< auf 17464 562 Pfd. Sterl. und überstiegen diejenigen des entsprehenden Quartals des Vor- jahres um 487 466 Pfd. Sterl. Was die einzelnen Einnahme- quellen betrifft, so lieferten die Zölle, verglihen mit dem gleichen Zeitraum von 1885, einen Mehrertrag von 478 000 Pfd. Sterl.; die Stempelgefälle brahten 5000 Pfd. Sterl., die Getränkesteuer 150000 Pfd. Sterl., die Vermögens- und Einkommensteuer 170000 Pfd. Sterl, die Post 30 000 Pfd. Sterl. und der Telegraph 25 000 Pfd. Sterl. me als im entsprehenden Quartal des Vorjahres. Dagegen blieben verschiedene andere Einkünfte um 182593 Pfd. Sterl. und der Zinsenertrag aus den vom Staat ge- leisteten Vorshüssen um 52941 Pfd. Sterl. hinter dem Er- trägniß des entsprehenden Quartals von 1885 zurü>. Die Staatseinnahmen in den ersten zwei Quartalen des laufenden Finanzjahres überstiegen die im entsprehenden Zeitraum des Vorja res um 536 477 Pfd. Sterl. -

Frankreih. Paris, 3. Oktober. (Fr. C.) Das Aus- wärtige Amt erhielt gestern eine lange Depesche des Hrn. Le Myre de Vilers, und der Direktor der politischen Ab- theilung, Francis Charmes, übersandte sie sofort dem augen- bli>lih in Bordeaux weilenden Hrn. de Freycinet. Le Myre de Vilers, dessen frühere Depeschen bekanntlih meldeten daß die Lage zwischen der Regierung von Madagascar und ihm sehr gespannt wäre, kündigt an, daß eine bedeutende Besserung in dieser Sachlage eingetreten ist. Der General-Resident bedient si<h in seinem Telegramm des Wortes „détente“, um die jeßige Lage zu charakterisiren. schreibt dieses Ergebniß zum Theil der Entschlossenheit seiner leßten Fnstruktionen zu. Als Folgen dieses Umschwunges in der Haltung der Hovas: Regierung sieht Hr. Le Myre de Vilers das Scheitern des Versuches des Bankiers Kingdon und die demnächstige Lösung der auf die Niederlassung der Franzosen in Diego-Suarez bezüglihen Schwierigkeiten vor- aus. Was den Anhang des Vertrages, die Erklärung derx Herren Miot und Patrimonio, anlangt, auf welche- die Mada- assen sih stüßen wollten, so verweigerte Hr. Le Myre de Vilers, entsprehend seinen Jnstruktionen, jede Erörterung hierüber mit der Hovas-Regierung : die französische Regierung erkenne nur den Vertrag an, den sie unterzeichnet hat.

Vor seiner Abreise nah dem Süden hatte Hr. de Frey- c¿net eine Unterredung mit dem Berichterstatter des Budgets des Ministeriums des Aeußern, welcher ihm die von der Kommission in Betreff seines Budgets gefaßten Beschlüsse mittheilte. Hr. de Freycinet pflichtete diesen bei. Er verzichtete namentlih auf die von ihm beabsichtigten Streichungen an den Gehältern der Botschafter und nahm das System der Kommission an, das darin besteht, die Gehälter der Botschafter in zwei Theile zu sondern: der eine stellt das Gehalt als sol<hes dar und der andere entspricht den Reprä- sentationskosten, die erst nah erfolgter Rehnungsablegung ge- zahlt werden sollen. Ein ähnliches System war 1882 einge- führt worden; da man aber damals keinen Ausweis verlangte, so e es keinen merklihen Erfolg und mußte man darauf verzichten.

4, Oktober. (W. T. B.) Der König und die Königin von Griechenland sind heute Vormittag hier eingetroffen.

Mehrere Abendblätter veröffentlichen Schreiben aus Tongking, welche melden, daß die den französischen Delegirten für die Grenzabstelungskommission beigegebene Eskorte, als sie den Rothen Fluß wieder hinauf- fuhr, am 19. August 15 km oberhalb Laokais von Piraten, welche beide Ufer beseßt hielten, angegriffen wurde, wobei 2 Offiziere und 6 Soldaten der Fremdenlegion, fowie 5 Tonkinesen getödtet wurden. Die französishea Kommissäre seien nah Laokai zurückgekehrt.

Türkei. Konstantinopel, 4. Oktober. (W. T. B.) Der Kommandant des französischen Levante-Ge- s<hwaders, Marquessac, ist zur Begrüßung des Sultans gestern Nachmiltag hier eingetroffen, ofort vom Sultan in Privataudienz empfangen und mit einer Einladung zum Diner beehrt worden. Marquessac wird 3 Tage hier verweilen.

__ Bulgarien. Sofia, 4. Oktober. (W. T. B.) Fn einer gestern stattgehabten Versammlung wurde ein russisher Unterthan gemißhandelt, weil er gerufen haben sollte: „Nieder mit Bulgarien!“ General von Kaul- bars erschien in der Versammlung und hielt eine Ansprache an dieselbe, in welcher er si<h näher über die Forderungen Rußlands, betreffend die Vertagung der Wahlen und die Befreiung der bei dem Staatsstreich betheiligten Dffiziere, aussprach. Aus der Versammlung erhoben sih darauf Rufe, durch welche hiergegen protestirt und die Vornahme der Wahlen in aht Tagen sowie die Bestrafung der Offiziere ver- langt wurde. Der General von Kaulbars erklärte dem gegen- über: die Verantwortlichkeit würde auf diejenigen zurüfallen, welche das Volk auf solhe Wege trieben. Hierauf verließ der General die Rednertribüne und die Versammlung. Zu einem weiteren Zwischenfall kam es niht. Die Regierung hatte Vorsichtsmaßregeln zum Schuß des russischen Konsulats getroffen, doch ist im Laufe des Tages die Ruhe nicht gestört worden.

4. Oktober, Abends. (W. T. B.) Die Negierung wird nah den bisherigen Bestimmungen die Wahlen zur großen Sobranje am nächsten Sonntag stattfinden lassen. General Kaulbars wird noch vor seiner Abreise der Regierung gegenüber die Erklärung wiederholen, daß Rußland die Wahlen zur Sobranje als nichzig und die etwaigen Be- \{lüsse derselben als niht geschehen betrahte. Der General begiebt si<h im Auftrage seiner Regierung heute in das Jnnere des Landes, um die Stimmung und die Zustände desselben aus eigener Anschauung kennen zu lernen.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 5. Oktober. (W. T. B.) Das „Journal de St. Pétersbourg“ be- spricht die Rede Churchill’s und meint: dieselbe sei er- muthigend für Jrländer und Hindus. Wenn die Fürsorge Englands nur ein Exportartikel sei, so werde Egypten davon Vortheil ziehen. Das FJnteresse Englands für die bulgarische Union sei seiner Zeit dur<h die Aktion Beaconsfield's be- kundet, auf dessen Veranlassung Bulgarien in zwei Theile gespalten wurde. Griechenland werde dec Ansicht sein,

| daß die Zärtlichkeit Englands für die Balkanstaaten manche

Unterbrechung erlitten habe und keine allgemeine sei. Dem Sultan werde es {wer werden, die von Churchill verkündete Politik mit der Fürsorge, welche die Torics für die Fn- tegrität des ottomanishen Reiches hegten, in Ein- klang zu bringen; die Scheidung, welhe Churcill zwischen aggressiven und friedlihen Mächten mache, sei jedenfalls sehr originell. Welhe Macht habe denn seit mehr als einem Jahre Revolution und Krieg auf der Balkanhalbinsel hervorgerufen? Welchen Mächten sei es endlich gelungen, die Anfänge eines allgemeinen Brandes zu erstiden? Wenn England dann entschlossen sei, das allgemeine Einvernehmen aufrehtzuerhalten und in fried- licher Weise die internationalen Schwierigkeiten zu lösen, so dürfe man hoffen, daß es die Bemühungen der russischen Regierung in Bulgarien unterstüßen werde, welche auf dasselbe Ziel gerichtet seien. Jn diesem kritischen Augen- bli, wo in dem unglü>lihen Lande, unter der Herr- schast von Staatsstreihen und revolutionären Abenteurern, die seit mehreren Fahren ihre demoralisirende Wirkung geübt A alles umgestürzt sei könne man da einer Bande von gitatoren, welche die Gewalt in Händen hätten und sie miß- E A blanche lassen, könne man ihnen gestatten, gewaltthätige Akte unter dem Schein eines geseßlichen Urtheils

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egen Personen zubegehen, die nicht ihrer Partei angehörten, könne

E ihnen endlih die Zusammenberufung der Wähler unter der Herrschaft des Kriegszustandes und des Schre>ens über- lassen, um eine Versammlung zu wählen, welche die Misse- thaten dieser Männer sanktioniren solle ? Alles dies sei gewiß niht das Mittel, um die von dem englischen Kabinet geträumten versöhnlihen und friedlihen Ziele zu erreichen. Da Rußland keinen anderen Zwe> habe, als Bulgarien vor solchen beklagenswerthen Eventualitäten zu bewahren, den Leidenschaften Zeit zur Beruhigung zu geben und den Wählern die Möglichkeit zu gewähren, nach reiflicher freier Ueberlegung die Abgeordneten zu wählen, welche die wirklihen Wünsche des Landes zur Kenntniß bringen sollten, und da das Werk der Beruhigung den Fnteressen Aller entsprehe ausgenommen vielleiht der Diktatoren, welche sih der Gewalt bemächtigt hätten und dieselbe au<h behaupten wollten —, so sei anzunehmen, daß die Unterstüßung Churchill's gesichert sei. :

Dänemark. Kopenhagen, 4. Oktober. (W. T. B.) Der Reichstag ist heute eröffnet worden. Vom Lands- thing wie vom Folkething wurden die bisherigen Mit- glieder des Präsidiums wiedergewählt. Dem Folkething wird morgen das Budget für 1887/88 nebst einer Vorlage, betreffend die Konvertirung eines Theils der Staats- \huld, zugehen.

Zeitungsftimmen.

Das Deutibe Tagedial

Die weitere Entwirrung unserer Parteiverhältnisse wird ih im gewöhnlichen Laufe der Dinge naturgemäß nur ganz allmählich, fie fann ih aber einmal schr ras< vollziehen, wenn eine sturm- und drangvolle Zeit über uns hereinbrechen follte, oder wenn die berufs- mäßige Opvosition eine Frage, wie die Militärfrage, dazu beaußen möchte, um die Positionen, welche sie im Ansehen des Volkes, ins- besondere in den leßten Jahren ganz zweifellos verloren hat, mit Hülfe der Reichstagstribüne wiederzugewinnen. -

Das deutshe Volk in seiner einsihtigen Mehrheit glaubt nah unserem bescheidenen Ermessen auch nit entfernt mehr in dem Maße wie früher an die ihm von freisinniger Seite no< immer wieder prâsentirte „Wahrheit“: daß man gerade in der „jährlichen Bewil- ligung gewisser Ausgaben für öffentliche Zwe>ke“ dur das Parlament ein Palladium der Freiheit des Vaterlandes zu erkennen habe. Es glaubt hieran etwa ebensowenig und ebenso schr no<, wie an die Lehre, welhe ihm den unbeschränkten Freihandel, die rüfihtslose Gewerbefreiheit oder die direkte Steuerschraube als die sichersten Fundamente oder besten Hülfsmittel seiner freiheitlihen Entwickelung anpreist. | S |

Mit der Einführung des Septennats wurde die erste Bresche in die Barrière gelegt, hinter der sih die vermeintli<hen Hüter des Volfkswohls und der Volksfreiheit vers<hanzt hatten, die immer Nein schreien, wenn es die Weiterbildung unserer Institutionen im deuts<- nationalen Sinne gilt Aus den Kämpfen, welche diese Neue- rungen mit si< brachten, entsprang dann dev Anfang der Umbildung unseres Parteiwesens. : : : H

Diese rü>gängig zu machen, scheinen die vereinten Freisinnler und Welfen grofe Neigung zu haben, sobald die Frage, was nach dem Ablauf des zweiten Septennats Recht werden und sein foll, vor die gewählte Vertretung der Nation kfommt.

Ihr geträumter Alexanderzug aber dürfte sich in jedem Falle als ein umgekehrter erweisen. Denn wenn in irgend einer Frage, wird die Mehrheit der Nation nach den mit den Septennaten lange genug ge- machten Erfahrungen, da diese entschieden gegen die Doktrin der ‘Frei- sinnigen sprechen, daß es nothwendig sei, die Präfenzziffer jedes Jahr von Neuem festzustellen, und was dergleichen mehr ist, sich auf Seiten der verbündeten Regierungen stellen und selbst dann au<h stehen bleiben, wenn die leßteren das Septennat, wie es neuerdings Feißt, in cine Art dauernder Institution verwan- deln und damit auch für spätere Zeiten die jährlihe Wiederkehr von Erörterungen, welche die Sicherheit des Vaterlandes so nahe be- treffen, daß man sie am liebsten hinter vershlossenen Thüren vor- nehmen, ge\{weige denn zum Spielball der Parteien machen oder gar den Sozialdemokraten ausliefern möchte, zu verhüten bestrebt sein sollten, zum Heile des Vaterlandes.

Der „Reichsbote“ äußert über denselben Gegenstand:

Die Friedens\stärke der deutshen Armee ist bekanntlich seit dem Jahre 1874 na<h dem Prozentsaß von 19/0 der Bevölkerung und einem Paushquantum von 225 Thlr. pro Mann, wie es 1867 fest- gestellt wurde, immer nur auf je 7 Jahre geseßli<h bestimmt worden. Das erste Septennat lief vom 31, Dezember 1874 bis 31, Dezember 1881. Das zweite läuft von da bis zum 31. März 1888. Die Festseßung auf je 7 Jahre isst uns von Anfang an als eine der Bedeutung der Armee nicht entsprechende Einrichtung erschienen und wir sind immer der Meinung gewesen : wenn irgend eine Institution von fester, bleibender Zuverlässigkeit sein und nicht von der Wandelbarkeit parlamentarischer Majoritätsbeschlüsse abhängig sein darf, so ist es die Armce, das Schwert und die Scußt- wehr des Vaterlandes. Sie verträgt ein fortdauerndes Provisorium nicht, das den demokratishen Oppositionsparteien immer eia willkom- menes Agitationsmittel darbietet und die Regierung nöthigt, entweder zum Schaden der Armee oder anderer Interessen des Vaterlandes mit jenen Parteien zu kompromittiren. Zu einem demokratischen Agita- tionsmittel ist aber die deutshe Armee zu kostbar und zu wichtig. Deshalb ift dringend zu wünschen, daß das Provisorium nit wieder erneucrt, sondern ein Definitivum an seine Stelle gefeßt werde, wie es ja auch ursprünglich als selbstverständlich vorgesehen war. Die politische Lage ist wahrli< nicht dazu angethan, um die deutsche Armee als ein der Wandelbarkeit der Parteien unterworfenes Provisorium vor der Welt hinzustellen. Wir wollen deshalb hoffen, daß der Patriotismus des Deutschen Reichstages groß genug fein wird, den Widerspruch der demokratishen Oppositionspartkeien zurüd>k- zuweisen und ein Definitivum zu {afen

Die „St. James Gazette“ bemerkt: „Gestern konstatirte die „Times“ die Thatsache, daß eine japane- sishe Prinzessin eine europäische Ausstattung im Werthe von 100 000 Dollars bestellt habe und daß die irregeleitete Dame sich an die Mode- bändler in Berlin anstatt nah Paris gewandt habe. Heute erfahren wir, daß die chinesische Regierung die Schihauer Schiffswerfte mit dem Bau von 8 Torpedo-Booten betraut hat, ansiatt den Auftrag an die Schiffsbauherren am Tyne zu fenden. Beide Ereignisse dürften unsere übersorglosen Geschäftsleute daran erinnern, daß die Dinge im fernen Osten nicht sind, vie sie waren. Nirgends giebt es schäßbarere oder ausgedehntere Märkte, wenn wir sie nur beherrschen könnten; aber nirgends ist auch die internationale Konkurrenz \{härfer. Die Deutschen vor Allen fördern ihren Handel im Stillen Ozean mit unbezähmbarer Energie und unermüdlicher Geduld. Sie kennen die Wichtigkeit, diese Centren cines nußen- bringenden Handels L, und sparen keine Mühe, um ihre \<werfälligen altmodishen Rivalen aus dem Felde zu schlagen.“

Marine - Verordnungs - Blatt. Nr. 19 Inhalt: Rechtsverhältnisse in dem Schutgebiete der Marschall-, Brown- und Providence-Inseln. Friedens-Geldverpflegungs-Reglement. Nach- sendung von Bekleidungsgegenständen. Telegramme. Proviant- lieferungs-Verträge. Berpflegungszusufß,. Sciffsbücherkisten. Personalveränderungen. Benachrichtigungen.

Ministerial-Blatt für dic gesammte innere Verwal- tung in den Königlich preußischen Staaten. Herausgegeben im Bureau des Ministeriums des Innern. Nr. 8. Inhalt: I. Allgemeine Verwaltungssahen: Inserate für den Reichs- und Staats-Anzeiger. Vereinbarung zwischen dem Deutschen Reich und der Schweiz über Beibringung von Attesten zu Eheschließungèn zwischen deutschen und \{<weizerishen Angehörigen. II. Behörden und Beamte. Betreffend die Ladung öffentliher Beamten als Zeugen. 111. Verwaltung der Kommunen, Korporationen und Institute. Errichtung von Filialen öffentliher Sparkassen. IV. Polizeiverwaltung. A. Sanitäts- polizei. Anforderungen, welche in bauliher und gesundheitliher Be- ziehung an Gast- und Schankwirthschaften zu stellen sind. Aus- stellung von Leichenpässen dur städtishe Polizeiverwaltungen. B. Gefängnißwesen, Straf- und Besserungs-Anstalten. Berehnung der Kosten für Gefangenen-Transporte auf Landwegen. Einschränkung der Fabrikation von Sc{uhobertheilen in den Strafanstalten. Ver- fahren bei Entlassung geisteskranker Gefangener aus der Haft. V. Verwaltung der öffentlihen Arbeiten. Nebenarbeiten der Bau- inspektoren der allgemeinen Bauverwaltung. Entschädigungen für Baggerbeamte bei auswärtigen Beschäftigungen. VI. Verwaltung für Landwirthschaft, Domänen und Forsten. Anweisung zur Aus- führung des Reichsgeseßzes, betreffend die Unfall- und Kranken- versicherung der in land- und forstwirthschaftlihen Betrieben beschäf- tigten Personen, VI]. Militär- und Marine - Angelegenheiten. Reglement über die Ergänzung des Personals für den höheren Marine-Verwaltungsdienst. Allerhöchste Ordre und Bekanntmachung, betr. Heirathsfonsense der Offiziere des Seebataillons.

Centralblatt der Abgaben-Geseßgebung und Ver- waltung in den Königlich preußishenStaaten. Nr. 20. Inhalt: Anzeige der in der Gesez-Sammlung erschienenen Gesetze und Verordnungen. I. Allgemeine Verwaltungsgegenstände : Ver- änderungen in dem Stande und in den Befugnissen der Zoll- und Steuerstellen. I]. Indirekte Steuern: Erkenntniß des Reichs- geri<hts. Aufbewahrung von Malzsurrogaten in der Braustätte ohne Anzeige eines dafür bestimmten Aufbewahrungêraumes, Steuer- freie Verwendung des M. Bauerschen Farbebieres zu anderweiter Bierbereitung. VI. Perfonalnachrihten.

Landtags - Angelegenheiten.

Der Wirkliche Geheime Rath Leopold von Schuhmann ift gestern früh verstorben. Derselbe war durch Allerhöchsten Erlaß vom 30. November 1872 aus besonderem Allerhöchsten Vertrauen in das Herrenhaus berufen.

Statistische Nachrichten.

Das soeben vom Kaiserlichen Statistishen Amt aus- gegebene A ugust-Heft seiner Monatshefte bringt folgende Beiträge zur Statistik des Deutschen Reichs: 1) Die Dampfkessel- Explosionen während des Jahres 1885, 2) Die Schiffsunfälle an der deutshen Küste während des Jahres 1885, 3) V er- unglüc>kungen deuts<her Seeschiffe in den Jahren 1885 und 1884, 4) Ueberseeis<he Auswanderung bis Ende August 1886, 5) Erwerbung und Verlust der Reichs- und Staatsangehörig- keit dur< Urkundenertheilung im Jahre 1885, 6) Die S<hul- bildung der im Ersatzjahre 1885/86 in die Armee und Marine eingestellten Nekrutesn, 7) Der Tabackbau und die Taba>kernte für das Erntejahr 1885/86, 8) Die Betriebsergebnisse der Rüben- zu >er- Fabriken, Zuckerraffinerien und Melasse-Entzu>kerungsanstalten und die versteuerten Rübenmengen im Monat August 1886, 9) Durchschnittspreise wichtiger Waaren im Großhandel, August 1886, 10) Cin- und Ausfuhr der wichtigeren Waaren- artifel für den Monat August und für die Zeit vom 1. Januar bis Ende August 1886.

Gemäß den Veröffentlihungen des Kaiserlichen Gesund- heits8amts sind in der Zeit vom 19. bis 25. September cr. von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdur<s\<nitt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 32,3, in Breslau 32,3, in Königsberg 32,1, in Köln 32,6, in Frankfurt a. M. 19,5, in Wiesbaden 18,8, in Hannover 36,8, in Kassel 17,0, in Magdeburg 38,5, in Stettin 29,8, in Altona 35,3, in Straßburg 36,6, in Meß —, in München 36,2, in Nürnberg 30,8, in Augsburg 21,4, in Dresden 28,4, in Leipzig 27,5, in Stuttgart 19,6 in Karlsruhe 28,1, in Braunschweig 26,9, in Hamburg 32,3, tn Wien 20,8, in Pest 34,4, in Prag 26,0, in Triest —, in Krakau 27,5, in Basel 19,1, in Amsterdam 23,4, in Brüssel 30,6, in Paris 20,2, in London 16,0, in Glasgow 19,1, in Liverpool 27,5, in Dublin 24,7, in Edinburg 16,6, in Kopenhagen 36,5, in Stoholm 22,7, in Christiania 20,6, in St. Petersburg 24,3, in Warschau 28,7, in Odessa 39,5, in Rom —, in Turin 20,9, in Venedig —, in Madrid —, in Alexandria 48,9. Ferner in dec Zeit vom 28. August bis 4, September cr.: in New-York 26,9, in Philadelphia 20,4, in Balti- more 19,1, in San Francisco —, in Kalkutta 20,8, tin ‘Bombay 22,6, in Madras 37,0. Á

Die Sterblichkeitsverhältnisse gestalteten fh in der Berichtswoche in den meisten Großstädten Europas wieder etwas günstiger. Nur wenige Städte, wie Köln, Barmen, Aachen, Darmstadt, Karlsruhe, Leipzig, Magdeburg, Hannover, Altona, Brüffel, Krakau u. a. melden größere Sterblichkeitszahlen als in der non Woche. In8- besondere haben in Folge des Eintritts kühlerer Witterung Darm- kfatarrhe und Brechdurchfälle in den meisten Städten abgenommen, wenn auch die Zahl der durch sie veranlaßten Todesfälle no<h immer in vielen derselben eine bedeutende blieb. Nur wenige Städte, wie Han- nover, Straßburg, Barmen, Altona, Karlsruhe, Basel, Brüffel, Warschau, zeigen eine Steigerung der Todesfälle an Darmkatarrhen. Der Antheil des Säuglingêalters an der Sterblichkeit war, wenn auch no< immer ein großer, so do< im Vergleih zur vorangegangenen Woche ein ver- minderter. Von je 10 000 Lebenden starben, aufs Jahr berehnet, in Berlin 163, in München 216 Säuglinge. Auch acute Entzündungen der Athmungsorgane zeigten în vielen Orten eine Ver- minderung der durch sie hervorgerufenen Sterbefälle. Von den Infektionskrankheiten erfuhren Masern und Pod>en eine Ab- nahme. während Scharlach, Diphtherie, typhöse Fieber und Keubhusten mehr Todesfälle veranlaßten. Todesfälle an Masern waren in Berlin und St. Petersburg vermindert, in Paris vermehrt; im Regierungsbezirk Königsberg kamen weniger, im Regierungsbezirk Schleswig mehr Grfkrankungen zur Anzeige. Das Scharlachfieber hat in Berlin,

annover, Danzig, London, St. Petersburg mehr, in Hamburg, Köln,

dessa, Pest, Warschau weniger Sterbefälle hervorgerufen; Erkran- kungen an Scharlah waren in Breslau, Edinburg, Kopenhagen, Christiania nicht selten. Die Sterblichkeit an Diphtherie und Croup war in Berlin, Hamburg, München, Breslau, Dresden, Leipzig, Haunover, Nürnberg, Magdeburg, Altona, Chemniß, Wien, St. Petersburg, Warschau, Odessa eine gesteigerte, während sie in Danzig, Paris, Kopenhagen und Pest eine geringere wurde. Im Re- gierungsbezirk Schleswig traten Erkrankungen wieder etwas häufiger auf. Typhöse Fieber kamen vielfah häufiger zum Vorschein, so besonders in Berlin, Paris, Odejja, Pest, Lyon, St. Petersburg. Erkrankungen an Fle>typhus wurden aus dem Regierungsbezirk Aachen 3, aus den Megie- rungsbezirken Düsseldorf und Marienwerder je 1 gemeldet. Aus St. Petersburg kamen 1 Todesfall und 5 Erkrankungen an Nückfalls- fieber und 1 Todesfall in Folge von Roßkrankheit zur Mittheilung. Aus Berlin wird cine Erkrankung an epidemisher Genistarre be- richtet. Sterbefälle an Kindbettfieber waren in Paris häufiger, Er- krankungen an rosenartigen Entzündungen des Zellgewebes der Haut in Paris und Berlin nit selten. Die Zahl der Sterbefälle an Keuchhusten war in Berlin, Paris, London, Glasgow und Skt. Petersburg eine etwas gesteigerte. Sterbefälle an Po>en kamen aus Hamburg, Wien, Prag je 1, aus Paris, St. Petersburg und Alexandria je 2, aus Warschau 5, aus Pest 35 zur Anzeige; Erkran- kungen aus St. Petersburg 3, aus Wien 8, aus Pest 99, Die Nach-

richten über die Cholera lauteten in den leßten Tagen etwas günstiger. In Pest haben in den leßten Tagen des September Erkrankunzen sehr erhebli< nachgelassen. Vom 26. bis 30. September erkrankten daselbst 125 Personen, von denen 56 starben; in Triest in derselben Zeit 19, von denen 5 starben; in Fiume fam nur 1 Ecfcankung in derselben Zeit zur ‘Meldung. In der Fiumer Vizegespanschaft kamen um Mitte September nur wenige Erkrankungen zur Meldung, des- gien aus Raab und dem Raaber Komitat. In der Provinz

enetien sowie in der Stadt Venedig selbst ist gleichfalls ein bedeutender Umschlag zu konstatiren; in den Provinzen Pavia, Como und Mantua blicb die Epidemie auf die ergriffenen Orte beschränkt, in einigen Orten der Provinz Bergamo zeigte sie si<h jedo< neuer- dings. Auch aus den Nordprovinzen Italiens lauten die Mittheilungen günstiger, do<h famen no< in vielen Orten Cholerafälle vor. In der Umgegend von Neapel (bef. in Torre Annunziata und Castella- mare) zeigten sich zu Ende September wieder Cholerafälle. In Tarent kamen vom 19. bis 23. September 35 Erkrankungen und 15 Todesfälle vor.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Die Fahnen des Infanterie - Regiments von Treskow (Nr. 17) im Gefecht bei Halle a. S. am 17. Ofk- tober 1806. Ein kriegsgeschichtlicher Beitrag zur Geschichte des Jahres 1806 und zur Lokalgeshi<te von Halle a. S., von Otto Täglichs- be>, Königlihem Ober-Bergrath. Halle, Max Niemeyer. An- gesihts der bevorstehenden Wiederkehr der beiden Gedenktage an den Herbst 1806 muß man es dem Verfasser doppelt Dank wissen, daß er auf Grund sorgfältiger quellenmäßiger Studien eine Episode aus jenen Unglü>stagen klarstellt, die den Beweis liefert, daß es au in jener unglü>lichen e niht an glänzenden Beweisen altpreußischer Tapferkeit und Fahnentreue gefehlt hat. Die Erzählung ift durch zahlreihe Anmerkungen verdeutliht und historisch belegt, auc sind zwei Anlagen und ein Plan der Kröllwißer Papiermühle und zwet Uniformbilder beigegeben. Besonderes Intereffe wird das Buch für die Familicnangehörigen der Offiziere des tapferen Regiments von Treskow Nr. 17 haben.

Deutsches Heer- und Wehrbuch. Zum Nachschlagen für Jung und Alt. Nach amtlichen Quellen zusammengestellt von Herrm. Vogt, Oberst-Lieutenant a. D. (Berlin, 1886, R. v. Decker’'s Verlag, G. Shen>k. Preis eleg. kart. 3 46) Der dur verschiedene militärishe und patriotishe Schriften der deutshen Leser- welt bereits bekannte Verfasser gicbt in dem vorliegenden handlihen Bändchen auf knappem Raum eine Fülle von Zahlen und Daten in übersichtlicher Anordnung, die das Wissenswertbeste auf dem Gebiet des vaterländischen Heer- und Flottenwesens enthalten. Von der Thatsache ausgehend, daß trop der allgemeinen Wehr- pfliht die einzelnen Institutionen des deutshen Heerwesens und ihr innerer Zusammenhang no< keineswegs allgemein oder auch nur in dem wünschenswerthen Maße bekannt sind, hat Oberst- Lieutenant a. D. Vozt. fußend auf den Allerhöchsten Vorschriften und Bestimmungen, hier cin Nachshlagebu<h über den vielgegliederten Organismus des deutschen Kriegswesens geschaffen, das nicht allein dem Berufssoldaten si<h von Wichtigk.it erweisen wird, sondern in dem Jedermann aus dem Volke in Waffen die zuverlässige Antwort auf viele Fragen findet, die im täglihen Leben an ihn herantreten. Vor allen Dingen sind die Erfordernisse zum Eintritt in Heer und Flotte unter den verschiedensten Vorbedingungen berü>sihtigt. Das „Heer- und Wehrbuch“ füllt eine Lücke in unserer Literatur aus und wird ih iu den weitesten Kreisen als cin zwe>mäßiges Nachschlage- buch erweisen. :

„Der Hüttenmeister, eine Erzählung aus dem Harz“ nennt sich ein bei Fr. Eberhardt in Nordhausen crshienener Roman (265 Oktavseiten umfassend, Preis, geheftet 4 4(,) von August Hesse, und cine Erzählung ist es allerdings im besten Sinne des Wortes, ohne Effekthascherei geschrieben, in cinfahen, aber deshalb um fo mehr eindringenden Worten. Die Scene is der Harz, der historische Hintergrund die Zeit der französishen Fremdherrschaft von 1806 bis 1813. Es ift ein ernstes Buch, kein gewöhnlicher Feuilletonroman ; von Liebesgetändel ist wenig darin die Rede, aber vicl von Sorgen und Noth, von aufopfernder Treue und vom endlihen Siege des Guten. Gleich die Einleitung ist bedeutsam: sie erzählt von einem Apfelbaum, der im Garten des Hüttenmeisters zu Braunlage im Harz im Jahre 1806 mit der S{lacht von Jena verdorrte und im Völkerfrühling 1813 selt’'amer Weise plögli<h wieder Blüthen trieb. Dieser Baum ist der Typus der vaterländis< Gesinnten jener Zeit, auch des Hüttenmeisters Gerhard Robra. Mit dem Hereinbre<en französisher Marodeure in den Harz nah der Schlacht von Auerstädt fängt das Unglück des starren Patrioten an. Diese Marodeure nehmen ihm den Sohn mit, die Kreaturen Jérome’s treiben ihn von Haus und Hof, ein französisher Parvenu verfolgt die Tochter mit An- trägen da, als der Becher des Unglücks überfließen will, erhebt sich das preußische Volk, und nun tagt es au<h für Gerhard Robra, den begeisterten Anhänger seines braunshweigishen Heldenherzogs. Allegorish spiegeln si< în den Schi>ksalen der Familie des Hütten- meisters die weltgeshihtlihen Ereignisse der großen Zeit wieder. Die dem Werkchen gegebene Ausstattung läßt nichts zu wünschen übrig.

Eine neue Groschen-Bibliothek ersheint von Ende Sep- tember d. I. ab unter dem Titel: , Meyer’'s Volksbücher“ im Verlage des Bibliographishen Instituts in Leipzig. In guter Aus- stattung soll sie zwanglos das Beste der unterhaltenden und belehren- den Literatur in si< aufnehmen. Mit den bedeutenden Mitteln der berühmten Verlagshandlung ins Leben gerufen, darf ihr bei dem dafür in Ausficht genommenen billigen Preise von 10 4 pro Nummer ein bedeutender Erfolg und eine günstige Wirkung auf den litera- rishen Geshma>k der breitesten Massen des Volks voraus8gesagt werden. |

„Die Heilighaltung der Ehe als eine Sache der Christenpfliht und der Mannesehre“, dargestellt von G. Huyssen, Militär-Oberpfarrer uud Konsistorial-Rath in Münster (Berlin, I. H. Maurer: Greiner, Hofbuchhändler, 1886, 1 46). Der Verfasser will, in der Ueberzeugung, daß geseßliche und polizeili<he Maßegeln der Unsittlichkeit einen wirksamen Damm entgegenzustellen niht ver- mögen, die sittlihe Krankheit von innen heraus geheilt wissen. Zu diesem Zwe>k tritt er in dem vorliegenden kleinen Buch laxe An- \chauungen über die Che und über das geschle<tlihe Verhältniß mit sittlihem Ernst entgegen, um die Männerwelt zu einem sozialen Selbstgeriht zu veranlassen. Möchte die Mahnung des Verfassers in re<t weiten Kreisen gelesen und verbreitet werden!

Gewerbe und Handel.

Die „Rheinisch - Westfäl. Ztg.“ berihtet vom rheinif<- westfälishen Metallmarkt: Die Lage des rheinish-westfälishen Eisenmarkts ist insofern eine unveränderte zu nennen, als die flottere Beschäftigung in vielen Branchen das Zunehmen der einlaufenden Aufträge angehalten hat. Auh mit Bezug auf die Preise is dic Marktlage als unverändert zu bezeihnen, weil troß der Mehrarbeit die Preise no< immer gedrü>t bleiben und jeder Versuch, höhere Preise durhzuseßen, von den Abnehmern zurückgewiesen wird. Ein anderer Faktor, die Ueberproduktion, wird, wenn die flotte Thätigkeit einige Zeit anhält, ni<ht mehr fo schr ins Gewicht fallen. Thatfache ist, daß zwar no<h die Produktion den mittleren Bedarf übersteigt, do dürfte dies vielleicht niht lange mehr anhalten. Die Roheisenproduktion is. im Jahre 1886 stetig geringer gewesen als im Vorjahre, au<h der Monat August weist wieder eine erheblich niedrigere Ziffer auf als im Vorjahre (264 902 t gegen 308 956 t). Wir wollen nicht verfehlen, einer Auffassung entgegenzutreten, welche auf Seiten der Abnehmer häufig zu Fehlshlüssen Veranlassung ge- geben haben mag. Durch die niedrigen Notirungen für Roheisen und die stets weihenden Preise des Roheisens veranlaßt, haben die Käufer jeden Abschlag in den Notirungen für Roheisen au<h „prozent- weise" auf die Fertigfabrikate übertragen, ohne zu be- denken, daß die Arbeitslöhne hier das %5- bis! 50 fache der Eisen- und Stahlpreise oft no< übersteigen. Durch diese irrige Rechnungsweise blieben die Käufer vielfah zurückhaltend und es mag dies mitgewirkt haben, daß die Werke, um nur in Betrieb zu bleiben,