1886 / 239 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

9. Oktober, Abends. (W. T. B.) Der russische Konsul Nekljudoff hat gegen das an die hiesigen Ver- treter der Mächte gerihtete Rundschreiben der bulga- rishen Regierung, betreffend die Verhinderung der Einmishung fremder Staatsangehöriger in die Sobranjewahlen, protestirt und erklärt, daß bis zum Eingang von Jnstruktionen des Generals von Kaulbars jeder Austausch von Schriftstücken zwischen der russischen diplomatischen NNSIne und der bulgarischen Re- p rans eingestellt sei. Die bulgarishe Regierung hat iese Note des Konsuls Nekljudoff den hiesigen Vertretern der Mächte mitgetheilt. General von Kaulbars begiebt sih heute von Rustshuk na<h Varna.

Der „Politishen Correspondenz“ wird aus Rust\<huk gemeldet: Nachdem General von Kaulbars eine Depu- tation von zwölf Anhängern der Partei Zankoff's empfangen hatte, erschien bei demselben eine Deputation von 250 Notabeln; dieselbe überreihte eine vier Punkte enthaltende \<riftli<e Erklärung des Jnhalts, daß sie nihts Gemeinsames mit den auf den Ruin Vulaaxrièns hin- arbeitenden Anhängern Zankoff's hätten. General Kaulbars sei niht gereht gegen die Regierung, welche patriotish gefinnt sei und die besten Absichten hege. Sie billigten voll- ständig die von der Regierung getroffenen Maßnahmen, sowohl betreffs der Vornahme der Wahlen wie bezüglich der L der Verbrecher, da diese Maßnahmen verfassungs- mäßig und geseßlih seien. Die Erklärung bringt ferner die Gefühle der Achtung und Dankbarkeit gegen Rußland zum Ausdru, gleichzeitig wird aber au<h bemerkt, daß das Volk Vertrauen zu der Regentschaft und dem Ministerium hege. Als General Kaulbars darauf das Wort nahm und bei seinen

egen die Regierung gerichteten Ausführungen auf den Wider- pruch der Deputation stieß, entließ er dieselbe ohne weitere Erörterungen.

10, Oftober, Nachmittags. (W. T. B.) Heute früh begaben si<h etwa 150 Landleute nah dem russischen Konsulat, um Erkundigungen einzuziehen, wie sie sih bei den Wahlen zu verhalten hätten. Der russishe Konsul Nekljudoff erschien darauf am Fenster, von der Menge mit den Rufen: „Es lebe Rußland!“ begrüßt, und hielt eine Ansprache, in welcher er auf die Mission des Generals von Kaulbars hinwies und hinzufügte: Rußland habe bereits erklärt, daß es die Wahlen als nichtig ansehen würde. Die Landleute gingen hierauf nah dem Wahlbureau und erklärten : sie kämen, um den Wahlen Einhalt zu thun, da dieselben von Rußland gemißbilligt würden. Die im Wahlbureau Anwesenden trieben die Land- leute jedo< zurü>, wobei mehrere der Leßteren auf der Treppe stürzten und von den Nachdrängenden getreten wurden. Die Wähler verfolgten die Bauern mit Steinwürfen und s{hlugen auf sie ein; fünf oder se<s Verwundete wurden auf das russishe Konsulat gebracht, wo ihnen von dem Personal des- selben Hülfe geleistet wurde.

-_. 10, Vier, (W., D. B) Man spricht von Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Regen t- schaft, indem Karaweloff gegenüber seinen Kollegen den russishen Forderungen zuneigen soll. Der Zuzu von Bauern aus der Umgegend vermehrt ih; eine zah l: reiche Menge derselben steht vor dem russishen Kon- sulat. Die Regierung läßt Patrouillen durh die Straßen ziehen.

) U Zeiklngsftimmen.

Aus einer von Hrn. Joh. Richter in Tetschen ge- lieferten Ueberseßung des Berichts von M. Vachon an den französischen Unter-Staatssekretär Edm. Turquet über seine Jnformationsreisen dur<h Deutschland, Oesterreich - Ungarn, Ztalien und Rußland entnimmt „Fr. G. Wie>'s Deutsche illustrirte Gewerbe-Zeitung“ nach der „Zeitschrift für gewerblichen Unterricht“ nachstehende Angaben und Ansichten :

Als Einleitung zu dieser Schrist bemerkt Vahon: In Deutsch- land und Desterreih hat die nationale Bewegung für die Wieder-

eburt der Kunstindustrie, von welcher ih {hon im Jahre 1881 nam-

afte Resultate ankündigte, weitere Fortschritte aufzuweisen. Die

Ausfuhr beider Länder wächst, während der französishe Export ab- nimmt. Das Berliner Muscum erwirbt tägli zu den höchsten Preisen neue shäßbare Sammlungen und wird in Folge dessen dur< den künstlerishen Werth seiner Gegenstände ein hervorragendes Jn- stitut. Zudem hat sh vor Kurzem ein weiterer widtiger Schritt vollzogen : die Gesellschaft, welhe Besißerin und Verwalterin des Museums war, hat sih aufgelöst und dem Staat ihre Stellung ein- geräumt. Das Museum ist ein Kaiserliches Institut geworden, was wichtige Veränderungen in der Verwaltung zum Gefolge hat. Die längst angeregten Wünsche, die Thätigkeit des Museums über die ganze Monarchie auszudehnen, gehen ihrer Verwirklihung ent egen. Seine werthvollen Sammlungen werden niht mehr in dem prächtigen Palast der On e unbeweglih verbleiben, sondern der Staat hat vielmehr beschlossen, sie auf Wunsch au< den Museen und Kunstgewerbeshulen zur Verfügung zu stellen; dem Ansinnen soler Städtevertretungen, welche den Erfolg und die Nüßlichkeit von Zeitaus- stellungen für ihre besonders zahlrei vertretene Industriezweige gewähr- leisten, soll Folge gegeben werden. Dementsprechend wurde in dem Augen- blide, als i< das Museum in Berlin auf meiner leßten Reise wieder besuchte, eine Ausstellung von Stoffmustern für die Krefelder Ge- werbeshule zusammengestellt, deren Dauer auf drei Monate in Aus- sit genommen war. Anderseits hat die Museums-Verwaltung auch die großen Nachtheile erkannt, welche in der beträchtlihen Entfernung des Gebäudes von dem eigentlichen Industriebezirk liegen: sie zu be- seitigen, erwägt man jeßt dic Mittel und versuht Filialen in der Nähe der Werkstätten zu errichten.

__ Die Stadtbehörde von Berlin hat den kunstgewerblihen Unter- ri<t in ihren Fortbildungs- und Handwerkershulen neuerdings reorganisirt und sie, wie i< în einer besonderen Anlage no<h eingehen- der na<hweisen werde, nah dem bewährten Muster der Hamburger Gewerbeschule umgestaltet. Ein Vorgang, der au< von anderen Be- hörden mehrerer deutschen Städte nahgeahmt wird.

. . ._._ In Oesterrei<h wie in Deutschland vermehren \i< die eere an immer mehr und mehr, Spezial-Museen in den industriellen Kreisen werden errichtet, und die lokalen und provinziellen Ausstellungen wiederholen si< so häufig, Wetteifer unter den konkurrirenden Fabriken und Gewerbetreibenden wach halten. Mit einem Worte, die geplante Wiedergeburt des Kunstgewerbes bethätigt sih, wenn auch ohne Lärmtrommel, so do sicher, sie greift tief in alle Bevölkerungs\hihten des Landes ein, zum Wohle der Staaten, zum Nachtheil Frankreichs, welches dur solche Thatsachen einer furhtbaren Konkurrenz im ganzen östlihen Europa und in Asien gegenübersteht.

. -_. Daß die Franzosen das Ausland nit so besuchen, wie die Engländer und Deutschen, wirkt sehr nachtheilig auf den französishen Handel. Es sollten ih französische Gesellschaften gründen, welche in Ungarn mit Unterstüßung des Staats Muster- und Waarennieder- lagen errihteten und namentli solche Artikel auf den dórtigen Markt bringen, welche dur< ihre Originalität die billigen Preise der deut-

daß sie einen beständigen

Tabellen. Kartenbeilagen.

bis zum Jahre 1870 den ersten P ihre gewerblichen Erzeugnisse dorthin versandten.

Geshma>s halber sehr gesucht ; die russis<he M \hließlih na< Pariser Modellen. Seit zwanzig 1 das Deutschthum in die russishe Gesellschaft ein und sucht die Herr- schaft in der Industrie an fich zu reißen.

Möbel-Industrie dagegen wetteifern die russischen Fabrikanten mit Erfolg gegen die deutschen und stellen dic nämlichen billigen Preise wie jene.

. .. . Die meisten Erfolge hat Deutschland no< mit seinen billigen keramishen Waaren E üvelfen, für welche es bislang no< keine nationale Industrie giebt; au< Bronze-Artikel finden guten

Absat. G

s ._. In seinem weiteren Bericht zieht Vahon die Schlüsse und Nußtanwendungen seiner Beobachtungen für Frankreih; er bemerkt etwa Jolgendes: In allen Ländern Europas besteht eine tiefgchende Bewegung zur Förderung der Kunst und der kunstgewerblichen Industrie. Man gründet Schulen und Museen, man entwi>elt den Zeichenunterriht und den Ges<hma> für Kunstwerke; die Verkehrs- erleihterungen führen zu den ungeheuerli<hsten Anstrengungen der Nationen, dur< künstlerishen Werth und Originalität ihrer Produkte die Herrshaft zu gewinnen. Jede Nation sucht ihre Kräfte neu zu beleben und auf die Vergangenheit zu- rückzugreifen. Die Gelehrten graben na<h verste>ten Schäten, heben plastishe Schönheiten und erforshen ihre Abstammung; man geht bis auf die entferntesten Urquellen zurü>, um die Elemente zu einer neuen Befruhtung zu sammeln. Und am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, an dem nah Propkhezeiungen der Idealisten und Volkswirthe eine allgemeine Verbrüderung eintreten sollte, blüht der unums<hränkteste Partikulariamus. Die Völker fühlen instinktmäßig, daß sie si< nur dann mit Erfolg der Unter- johung auf dem Gebiet des Handels und der Industrie dur< ihre Nachbarn erwehren können, wenn sie selbst nationale Kunst und Interessen fördern. Es ist für sie eine unbedingte Nothwendigkeit , National - Muscen in allen Provinzen zu gründen und dur<h Unterricht in der heimischen Kunstgeschichte sowie im Zeichnen den Sinn für nationale Kunst zu we>en. Diese nationale Wiedergeburt besteht niht etwa in der Phantasie der Kunst- gelehrten und Geschichts\chreiber, sondern macht si<h allerwärts be- merkbar. Jn Berlin legen ganze Straßen hiervon Zeugniß ab, in Rußland hat die russische Architektur die Oberhand gewonnen, in Ungarn nehmen die keramishen Fabrikate so zu, daß man bereits mit ihrem Import ugs Frankreih beginnt. Da i} es au< an der Zeit , daß Frankreih si<h rühre und vorerst die große Re- form im Zeichenunterrihte, die es vor einigen Jahren begonnen, fortseße. Im Auslande trachten die Direktoren der Gewerbe- und Kunstgewerbeshulen mit großem Fleiß dana, nicht wieder in den alten Fehler zu verfallen, aus ihren Instituten Vorbereitungsanstalten höherer Kunstgewerbeshulen zu gestalten; vielmehr bemühen sie sich, ihre Schüler so weit te<nis< und künstleris<h auszubilden, daß sie über dem Bildungsgrad gewöhnlicher Handwerker stehen. Vorzugs- weise in Deutschland erstrebt man, nicht wie bei uns, Berufszeichner und Lehramtskandidaten, sondern vielmehr ausgezehnete Handwerker und Arbeiter heranzuziehen, was si<h besonders in der großen Be- wegung der gewerblichen Zeichenlehranstalten dur< Herrn O. Jessen angeregt, geltend macht. Ich habe schon früher so führt Vachon im Wortlaut an die offizielle Proklamation bekannt gegeben, wel<he der Kronprinz von Deutschland bei der Einweihung des Museums von Berlin aus- spra<h: „Wir haben Frankreih im Jahre 1870 auf den Schlacht- seldern besiegt, wir wollen Frankreih heute auf den Feldern des Handels und der Industrie besiegen.“ Deutschland hat den an- gedeuteten Krieg mit derselben wissenschaftli<hen Präzision wieder eröffnet, wie es den Krieg von 1870 organisirt hatte. Hr. Bismar> hat sih selbst zum Handels-Minister erhoben. . . . Der gewalt" * Handels-Minister hat mit seiner ganzen Macht si beeilt, auf Sträatskostea neue Industrien zu gründen und Privatunternehmungen zu unterstüßen, die Eisenbahnen in Staats- dienste zu nehmen und dem Handel und der Industrie Deutschlands niedrige Transporttarife ¿zu gewähren. Andererseits bildeten sich mächtige Genossenschaften unter den Industriellen und Kaufleuten, welche eine erdrü>ende Konkurrenz gegen Frankrei organisirten und selbst zeitweise Opfer brachten, nur um ihre Produkte im Auslande billig liefern zu können und so ihre Gegner zu ruiniren. Gleichzeitig mit den Kunstgewerbeshulen errichtete man aber au< überall Handels\<hulen. Deutschland besaß {hon hundert Handels- \hulen, während Frankrei<h kaum vier zählen konnte. Daher kommt es, daß die ganze Welt mit deutshen Commis-Voyageurs über- \{<wemmt wird. Die französishen Kaufleute und Industriellen halten no< an ihren alten Gewohnheiten fest, wie sie wohl vor vierzig Jahren bestehen konnten, als unsere Produkte no< von den Kaufleuten aller Länder bezogen wurden ; fie reisen niht, sie seßen sih niht mit ihren ausländischen Abnehmern in Verbindung und lernen in Folge dessen au niht ihre Wünsche und Bedürfnisse kennen. __ Kurz gesagt, alle großen Nationen der Welt haben seit 20 Jahren mächtige nationale Industrien geschaffen; Nord-Amerika verschließt seine Grenzen, Deutschland vershließt si< halb und Rußland droht sich zu vermauern. Wir müssen unsere ganze Aufmerksamkeit auf die Vorgänge in Oesterreich-Ungarn, Rußland und insbesondere in Deutsch- land lenken und nie vergessen, daß Herr von Bismar> Handels- Minister des Deutschen Reiches ist. Frankreich muß daher ungesäumt : 1) cin National-Museum für Kunst und Industrie und allerwärts Zeichen- und Gewerbeshulen in Verbindung mit Lehrwerkstätten grün- den, 2) eine Gesellshaft zur Anknüpfung von Handelsbeziehungen schaffen, 3) ein orientalis<cs Museum errihten und 4) in allen Kunst- industries<ulen gewerblichen Fachunterricht einführen

Amtsblatt des Reichs-Postamts. Nr. 50. Inhalt: Verfügungen: vom 4. Oktober 1886. Ermittelungen über Postkarten mit Antwort, Sendungen mit Nükschein 2c., über Eilsendungen und Zeitungen.

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteo- rologie. Organ des Hydrographischen Amts und der Deutschen Seewarte. Herausgegeben von dem Hydrographishen Amt der Admiralität. Vierzehnter Jahrgang. 1886. Heft IX. Inhalt: Die Winde und Strömungen in den Ostafrikanishen Küstengewässern. Bearbeitet von der Deutschen Seewarte. (Hierzu Tafeln 11 bis 14.) Reise des Kreuzergeshwaders von Zanzibar nah Sydney. Reise S. M. Kr. „Möwe“ von Zanzibar nah Aden, topographishe und hydrographische Beobachtungen auf derselben. Nah den Berihten des Kommandanten, Kapts, z. See Hoffmann. Tieflothungen im Süd- lihen Stillen Ozean. Tieflothungen im Atlantischen Ozean. Aus dem Reiseberichte des Kapts. C. v. d. Heyden, E der deut- hen Brigg „Albert Reimann“. (D. S.) Bericht des Ober- Steuermanns L. Fellmer von der englishen Bark „Chateaubriand“ über Sommerreisen von Japan nah dem südlichen Theile von China. (D. S.) Deviationsbestimmung auf Dampfschiffen, unabhängig von Peilungen. (Hierzu Tafel 10.) Kleine Notizen: 1) Hydrographische und meteorologishe Beobachtungen im Nordatlantishen Ozean S Norfolk und Queenstown von S. M. Br. „Musquito“. 2) Ueber die Ankerpläße in der Msasani-Bucht, Ostküste Afrikas. Nah dem Berichte S. M. Kr. „Möwe“, Kommandant Kapt. z. See Hoffmann. 3) Eis im südwestlichen Theile des Südatlantischen Ozeans. (D. S.) 4) Flaschenposten. (D. S.) a. Bark „Caroline Behn“. b. Bark „Dione“. c. Bark „Hermes“. d. Vollschiff „Henry“. e. Bark „Bern- hard Carl“. f. Bark „Caroline Behn“. g. Bark „Dorothea“.

{hen und englis<hen Waaren vergessen lassen.

S G G S E S N

In Rußland behauptete Frankrei seit dem ersten Kaiserreiche laß unter allen Nationen, welche Seidenstoffe, Möbel und Pariser Luxusgegenstände waren ihrer Eleganz und ihres feinen

be h ode richtete si< aus- Jahren aber dringt

._. . . An mittelmäßigen Shmu>waaren zu fchr niedrigen Preisen Borsten Deutschland heute noch den russishen Markt; in der

Statistische Nachrichten.

Veber den Tabackbau und die Tabackernte im deuts<e Zollgebtet bringt das Augustheft zur Statistik bee euts<hen Reichs eine Uebersicht, in welcher für das Erntejah 1885/86 die Zahl der Tabapflanzer, unterschieden nah dem Umfayt der von ihnen bepflanzten Grundstü>ke, ferner Zahl und Flächeninhalt dieser Grundftü>ke sowie Menge und Werth des Ernteertrages nath- gewiesen find. Die Uebersicht, welhe nah Direktiv- und Hauptamts, ezirken aufgestellt ist, ergiebt für den ganzen Umfang des Zoll. gebiets 242 280 Grundstü>e, die im Jahre 1885 mit Taba> bepflanzt worden sind, mit einem Flächeninhalt von 1 952 865 a (1884 963 398 mit 2109 063 a Gesammftflähe). Die Zahl der Tabakpflanzer betrug 175 215, von denen 92917 eine Fläche von weniger als 1 a 28 873 über 1 a bis 10 a, 51425 zwischen 10 und 100 a und 2009 über 1 ha bepflanzt hatten (1884 zusammen 187 582, von denen jedo nur 1977 über 1 ha angebaut hatten). Geerntet wurden 1885 zu- sammen _38 537 947 kg Taba> in getro>netem, dachreifem Zustande oder 1973 kg durdscnittli< auf 1 ha (1884 47 192 885 kg oder 2238 kg auf 1 ha). Der mittlere Preis von 100 kg dachreifem Tabak ist für das Erntejahr 1885/86 ermittelt zu 75,61 4 (ein- {ließli der Steuer) oder 3,11 4 mehr als im Vorjahr, und der Gesammtwerth der Taba>ternte zu 29,1 Millionen Mark gegen 34,2 Millionen Mark im Vorjahre.

Die Sparkassen des Königreihs Sachsen im Jahre 1885. Im Königreich Sachsen bestanden am Schlusse des Jahres 1885 im Ganzen 196 Sparkassen gegen 191 im Vorjahre, bei denen 1 241 276 Einzahlungen im Betrage von 101 837 740,88 M und 685 582 Rückzahlungen im Betrage von 89 674 939,29 4 \tatt- fanden. Ueber die Entwi>elung des \ächsishen Sparkassenwesens ent- nehmen wir den ausführlichen Zusammenstellungen im „Statistischen Jahrbuch“ für das Königreich (Jahrgang 1887) nachstehende Ueber- sicht. Es betrug:

| 1848

die Zahl dex f | S B G der Betrag der| M | Einzahlungen | 3 366 852/15 864 027] der Betrag der | | | Rückzahlun- | | | G S | 3898 920 12 444 210 26425191 das Gesammt- | | | vermögen der | | Kassen. . . (10631 14446 257 155/102846789 319797448/402968860 das Guthaben |. | | der Einleger [10 086 792/44 223 5998| 98738814 /305793359/380389977 der Dur(h- | \<nittswerth eines Spar- kassenbuches . | das Durh- | \<nitts-Gut- haben p. Kopf der Bevölke- rung die Dur(h- \<nittszahl der auf 100 Sparkassen- bücher ent- fallenden Köpfe der | | Bevölkerung | 2555] 862] 354| 277

Im Jahre 1884, in wel<hem das Guthaben der Einleger auf 407 621 000 é angewachsen war, entfiel 1 Sparkasse auf 78 qkm oder auf 15 483 Bewohner, auf 100 Bewohner kamen 40 Einleger Gi der Stadt Chemniy 63, in der Amtshauptmannschaft Borna bei Zeipia 61, in Dresden 60) und auf 1 Einleger ein Guthaben von

1858 | 1878 168 M. 759732151

1868 1883 134 d

33210033

| | |

188 M. 38921994

1 ! | | | | |

74474989] 83184399

|

| | | |

136,06) 179,49 339,94

20,84) |

| | 4 9,38

l | t |

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Kunst, Wissenschaft und Literatur.

„Illusionen und Ideale.“ Ein Vortrag von Karl Gerok. 5. Auflage. Verlag von Carl Krabbe in Stuttgart. Kein Ideal ohne Glauben, kein glücklicherer Jdealist als der gläubige Christ, das ist die Grundanshauung, von welcher Gerok hier über Fdeale und deren Gegensaß, Illusionen, spricht, von welchen aus er die Ideale des Glaubens, der Kunst, der Gesellschaft, des Staates hinstellt. „Die JIlusion ist der {öne Schein, der eine unerfreulihe Wahrheit uns trügeris< verhüllt ; das Ideal ist die beseligende Wahrheit hinter dem trüben Schattenspiel der Erscheinungen; die Ideale sind die Sterne, die in wandellosem Glanz auf die Geschlechter herniederleuhten und als Zeugen einer höheren Welt unsere Erdennächte erhellen,“ das ist der Schlußakkord, in welchen der geistvolle und erhebende Vortrag ausfklingt. :

Die „Deutsche Militär-Musiker-Zeitung“ in Berlin stellt si<

die verdienstvolle Aufgabe, von Zeit zu Zeit cinen Milit är- musiker-Almanach für das Deutsche Reich, redigirt und heraus- gegeben von Emil Prager (Verlag der Erpedition der genannten Zeitung, Preis 3 H), erscheinen zu lassen, welcher ein Adressen- verzeihniß und cine Nang- und Quartierliste der deutshen Militär- musiker darstellt und nicht nur für diese ein wichtiges, sondern auch für alle si für Militärmusik Interessirenden ein interessantes Werk ist. Die leßte uns vorliegende Ausgabe bildet mit ihren Beigaben (worunter au< Illustrationen aus genannter Zeitung und ein Bild Sr. Majestät des Kaisers), einen s\tattlihen Band, wel<her die Genealogie der europäischen Regentenhäuser, das Verzeichniß der regierenden Fürsten, dann, armeecorpsweise geordnet, die Namen und Wohnungen sämmtlicher deutshen Militärmusiker mit Angabe der betr. Instrumente, das Verzeichniß der Regimentsmusiker nah den fortlaufenden Zahlen der Regimenter, der Dirigenten der Hornisten- Corps und Musiker der 2. und 3. Bataillone und der Stadt-Musik- direktoren enthält. Ein Theil des Verkaufspreises des mit großer Mühe zusammengestellten Almanachs ist für den Unterstüßungsfonds der Militärmusiker bestimmt. Erzählungen eines alten Tambours. VonEdmund Hoefer. Mit 115 Illustrationen von Emil Rumpf. Preis 3 Verlag von Carl Krabbe in Stuttgart. Die „Geschichten cines Tambours“ sind in ihrer ges{lossenen Eigenart vielleiht die besten Erzählungen aus der Feder Edmund Hoefer's. Klar und plastisch treten die Gestalten vor uns hin, so daß es an cin Bild von Meisson- nier gemahnt; warme Menschenliebe dur<hglüht jedes Wort des prächtigen alten Tambours, und zu einer gewaltigen, herzergreifenden Tragik erheben si<h die so {<li<t und einfah erzählten Geschichten. Selten war bei cinem Buh die IUlustrirung so wünschenswerth. Was so treu aus der Zeit heraus erzählt und gedacht ist, tritt uns unmittelbar nah, wenn wir es im Kostüm derselben vor Augen sehen, und Emil Rumpf, dessen treffliche militärishe Typen aus den Ha- länder’ schen „Soldatengeschihten“ bekannt sind, führt uns solche hier in Ernst und Scherz in streng historishen Uniformen von gar mannig- fahem Schnitt lebensvoll und prächtig vor.

Land- und Forstwirthschaft.

Grünberg, 8. Oktober. (Schles. Ztg.) Die Weinlese, deren Beginn von der Behörde auf den heutigen Tag angesetzt war, wurde früh 6 Uhr mit allen Glo>en feierlih eingeläutet. Bald rollten die Wagen mit den leeren Fässern hinaus nah den Gärten, wo si viele fleißige Hände regten, um die diesjährige Ernte einzuheimsen. Letztere wird zwar in der Quantität nicht reihli< ausfallen, jedoh dürfte die uaE des heurigen Weines die der leßten Jahrgänge bedeutend übertreffen.

Washington, 10. Oktober. (W. T. B.) Nach dem Bericht

des Landwirthschaftlihen Bureaus, betreffend den Stand der Baumwollenernte, war das Wetter zu veränderlich

E S a Ti E E E R S as fs E Be Sei O E E E E L E E E E E E S E Ea E S E Bd

I GT S ted E L EISE E E E

um cine bessere Entwickelung der Ernte zu gestatten. Der Durchshnittsstand beträgt in Virginia 72, in Nord-Karolina 75, in Süd-Karolina 74, in Georgia 81, in Florida 85, in Alabama 80, in Mississippi 79, in Louisiana 79, in Texas 74, in Arkanfas 86, in Tennessee 96. Der Durcschnitt in 10 Staaten beträgt 793/10. Der mittleke Ertrag beziffert si< auf 8/100 Ballen per Acre.

Gewerbe und Handel.

ije dem „Deutschen Handelsarchiv“ (Oktoberheft) aus aas berihtet wird, soll fi<h im vergangenen Jahre der Absat von Sali cylsäure und Salicylpräparaten in Japan wiederum gesteigert haben; au<h \<einen diese Artikel für Japan noch von größerer Bedeutung werden zu wollen, da dem Vernehmen nah die Reisbranntweinbrenner si< derselben zur Konservirung ihres Fabrikats bedienen. Während die hauptsächli<hsten pharmazeutischen Präparate jeßt fast aus\ließli< aus Deutschland bezogen werden, soll indessen von deutscher Seite no< kein Versu gemacht worden sein, MWeinsteinsäure, wovon der Konsum nicht unbedeutend is, nah Japan zu liefern. In Bezug auf Farbwaaren foll namentli das Geschäft mit Scharlach daselbst no< einer großen Ausdehnung fähig sein, sofern dieser Artikel unverfäls<t und echtfarbig geliefert wird. Dagegen hat die Nachfrage nah Ultramarin in Japan dem Ver- nehmen nah so_gut wie aufgehört. Für die deutsche Tu <industrie, wel<e an der Einfuhr nah Japan stark betheiligt ift, dürfte es von nteresse sein, daß s<hwarze und blaue glatte Tuche, worin die Japaner in früheren Jahren den dünnen Sorten den Vorzug gaben, jezt in möglichst {weren Qualitäten verlangt werden. Aus Georgetown(Britis<hGuayana) erfährt die genannte Zeitschrift, daß daselbst die Anpflanzungen von Kakao sih mehr und mehr ent- wieln, so daß diese Kolonie in einigen Jahren für die Ausfuhr des genannten Produkts wird in Betracht gezogen werden können. Jn Bezug auf das deutsche Cinfuhrge]\<äft daselbst verlautet, daß dasselbe vielleicht bessere Resultate ergeben würde, wenn-die deutschen Exporteure sih dazu entschließen könnten, in Georgetown oder auf den nahen Inseln einen besoldeten Agenten zu unterhalten. Doch wären hierbei die gegenwärtige ungünstige Lage der zu>kerbauenden Kolonien, sowie der Umstand in Betracht zu ziehen, daß die Geschäfts- und Kreditverhältnisse in British Guayana augenbli>li<h sehr un- günstig sein sollen. In Mesopotamien soll es an jedweder lokalen Industrie mangeln, so daß die einheimische Bevölkerung an- geblich sib gezwungen sieht, auêländishe Artikel aller Art zu über- mäßig hohen Preisen zu kaufen. So sollen daselbst für eine Näh- maschine alten Systems 225 Franken, eine ordinäre Petroleumlampe 12,50 bis 15 Franken, cine Flasche Vier 2,90 bis 3,20 Franken, ein Paar falblederne Stiefel 62 Franken, ein Pik (0,685 m) halbwollenes ordinäres Tuch 10 O und füx alle übrigen Artikel ent- \recbend hohe Preise bezahlt werden. : P Din Gei Päftöbericht der Harpener Bergbau-Aktien- Gesellschaft pro 1885/86 entnehmen wir Folgendes : Die Kohlen- förderung betrug 11719460 Ctr. gegen 11 284 240 Ctr. im Vorjahre. Die Koksproduktion betrug 2219 600 Cir. Der Gefamnterlös für Kohlen und Koks ergab 3 061 789 f oder bei dem Versandt von 103 710 Wagenladungen 29,92 F pro 109 Ctr. gegen 29,41 F im Vorjahre. Die Gewinnungskosten ver Kohlen konnten etwas ermäßiat werden; die Gesammtausgabe für Kohlengewinnung und Koksfabri- fation betrug 25114% A; na< Abzug des _Selbstverbrauchs stellten sich die Kosten pro 100 Ctr. Kohlen zuzüglich der , Generalkosten auf 23,77 F gegen 29 c im Vorjahre. Die Vilanz zrigt einen Brutto-Uebershuß von 588 611 4, wovon 971 992 M zu Generalkosten, 7896 4 zu Grund- und Haftpflicht- Entschädigungen, 19 000 6 zu Statut-Minimal-Tantièmen, 3000 M. zum Uebertrag auf Delcredere-Conto und restliche 286 722 M zu Abschreibungen verwendet worden sind. Der Auffichtsrath hat be- lossen, der C die Anlage von Briquettesfabriken zur Genehmigung zu empfehlen. 5 E Ds A 9, Diebe. (W. T. B.) _Zur Besichtigung der Anlagen und Erzeugnisse des Osnabrüd>ev Stahlwerks und der Georg -Marien- Hütte sind Vertreter preußischer Bahn- direktionen, Techniker deutsher Bahnverwaltungen sowie Delegirte niederländischer, dänischer und \{<weizerisher Bahnen hier eingetroffen. Leipzig, 9. Oktober. Die „Lpz. Ztg.“ berichtet über die Messe in Baumwoll- und Leinengeweben: Obgleich sich die Preise für Rohnessel etwas niedriger stellten, als dieses zur Ostermesse der Fall war, is das Geschäft hierin denno<h ein weit lebhafteres zu nennen gewesen und fanden fowohl Baumwollgarne als* au< Roh- Kattune lebbasten Absatz, fo daß Spinner und Weber ihre Produktion auf Monate hinaus verkauften. In veredelter Waare verlief die Messe normal und hielten si< die Preise fest. Auch in der Leinenbranche war, unterstüßt von einem festen Garnmarkt, für Gewebe im Allge- meinen ziemli<h Begehr zu E Ae E E stellten ih inf Steigerung auf Jute entsprechend höher. F Vles V e (W. T. B.) Die Vorräthe von Roheisen in den Stores belaufen si< auf 825 209 Tons gegen 627 350 Tons im vorigen Jahre. A der im Betrieb befindlien ohöófen 69 gegen 90 im vorigen Jahre. L N New YAe 9, Oktober. (W. T. B.) Der Werth der in der vergangenen Woche eingeführten Waaren betrug 7 089 234 Doll, davon 2 174 631 Doll. für Stoffe. Der Werth der Ein- fuhr in der Vorwoche betrug 9 149 912 Doll., davon 2 179 420 Doll. für Stoffe.

Submissionen im Auslande.

Spanien. 18, Oktober. Madrid. Landesstempelfabrik. arabicum. Voranschlag 5 Pesetas für 1 kg. Näheres an Ort und Stelle.

4000 kg Gummi

Verkehrs - Anstalten.

amburg, 2. Oktober. (W. T. B.) Der Poftdampfer O der Hamburg- Amerikanischen Paetfahrt- Aktiengesellschaft hat, von West-Indien kommend, gestern Lizard passirt, und die Postdampfer „Bavaria“ und „Dame monia“ derselben Gesellschaft sind, ersterer von Hamburg Sa A gestern in St. Thomas, letzterer von New-York kommend, heute früh auf der Elbe eingetroffen.

Sanitätswesen und Quarantänewesen.

Griechenland. v s d

Auf Anordnung des Griechischen Gesundheitsraths hn ie Provenienzen aus Sardinien vom 25. September d. Di Q einer effektiven elftägigen, in den Lazarethen von Corfu und Velos abzuhaltenden Quarantäne belegt worden.

Tunis. E S

Durch Ministerialbes<luß vom 29. September 1886 ist n Provenienzen aus Sardinten in sämmtlichen-Häfen der Ycegen \haft Tunis eine fünftägige Quarantäne vorges<rieben worden.

Berlin, 11. Oktober 1886, Das Astrophysikal ische Observatorium bei Potsdam.

Bericht über das Jahr 1385.

m Anschluß an unsere Berichte über die auf physikalishen Observatorium zu Potsdam in den

dem Astro- Vorjahren Bericht

Die Sonne, der hervorragendste Gegenstand der astro- physifalishen Forschungen, hat auch im verflossenen Jahre in verschiedener Hinsicht als Beobachtungsobjekt gedient. Die schon im Vorjahre vollendeten Messungen zur Neubestimmung der Wellenlängen von 300 Fraunhofer'schen Linien sind in diesem Jahre vollständig von den Dr. Dr. Müller und Kempf bearbeitet und die Resultate im fünften Band der Annalen des Observatoriums niedergelegt worden. Die bei den Messungen erreihte Genauigkeit dürfte si< wohl kaum mit den der Wissenschaft bis jeßt zu Gebote Í stehenden Hülfsmitteln übertreffen lassen, so daß die Arbeit für weitere Untersuchungen über die Natur des Sonnenspektrums als grundlegend zu betrachten ist. N Nunmehr soll au<h auf dieser sicheren Basis eine Fort- seßung der detaillirten Darstellung des Sonnenspektrums, wie sie von Prof. Vogel vor mehreren Jahren für einen großen Theil des Spektrums bereits gegeben wurde, in Angriff ge- nommen werden. Darauf bezügliche Voruntersuhungen haben schon im verflossenen Jahre begonnen. i : Während diese Beobachtungen etwas wenigstens für unsere Zeitmaße si<h Gleichbleibendes, das Sonnen- \pektrum, zum Gegenstand haben, erstre>en sih andere spektro- skopishe Untersuhungen auf mehr oder weniger s<hnell Vergängliches, auf die Protuberanzen und Sonnenfle>en. Dr. Wilsing hat an 61 Tagen ungefähr 300 Protuberanzen beobahten können, unter denen jedo<h nur wenige be- sonderes Jnteresse boten und ebenfalls nur wenige durh ein metallishes Spektrum ausgezeihnet waren. Das Spektrum der Protuberanzen besteht bekanntlich zumeist nur aus den wenigen Linien des Wasserstosss und des no< unbekannten Stoffes, welcher eine helle Linie in der Nähe der Natriumlinien erzeugt. Bei sehr heftigen Wasser- stoffausbrüchen aus dem Sonneninnern werden jedo glühende Metalldämpfe, aus denen die Chromosphäre der Sonne be- steht, mit emporgerissen, und das Spektrum gestaltet si< dann sehr linienreih. Von Wichtigkeit ist nun die Untersuhung, welchen Metallen die Linien angehören, und bis zu welcher Höhe die glühenden Metalldämpfe emporgeschleudert werden können. : tehr Jnteresse gewährten im verflossenen Jahre die spektroskopishen Beobachtungen an Sonnenfle>en, in deren Spektrum häufig eigenthümliche dunkle Bänder und Linien, vorzüglich im Grün, beobachtet werden konnten. Dieselben sind entweder entstanden dur<h abnorme Verbreiterungen von Liniensystemen, welche sonst im Sonnenspektrum s{hmal und \{hwaqch erscheinen und, durch die Verbreiterung enger zusammen- etreten, nun den Eindru> eines Absorptionsbandes hervor- rinaen ; oder es sind wirklih neue Linien, die im Spektrum des Fle>es sih zeigen und ihren Ursprung in der kräftigeren Absorption haben, welche die über dem Fle> lagernde Sonnenatmosphäre in Folge ihrer geringeren Temperatur ausübt. :

Das verflossene Jahr brachte eine Erscheinung, welche die astronomishe Welt in gewisse Aufregung verseßte. Fn der Nähe des Centrums des bekannten Andromedanebels erschien nämlich plößlih ein neuer Stern. Wenn nun auch das Aufleuchten eines shwachen Sternes oder das plößliche Auf- treten eines Sternes an einer Stelle, wo vordem kein Stern sichtbar war, nicht zu den Seltenheiten gehört, so wax_doh der vorliegende Fall dadurh ausgezeichnet, daß der Stern gerade in dem Nebel erschien. War die Erscheinung nur eine Folge großartiger Veränderungen in dem Nebel selbst, oder war es nur ein seltener Zufall, daß ein Stern, der vielleicht viele Biklionen Meilen vor oder hinter dem Nebel gelegen war und plößlich seine Fntensität änderte, gerade so genau in der Gesichtslinie von der Erde na< dem Nebel stand, daß er in der Nähe der Mitte des Nebels gesehen wurde: das waren die Fragen, welche ‘die Astronomen beschäftigten. Diese interessante Erscheinung is nun auch auf dem Potsdamer Observatorium Gegenstand häufiger Beobachtungen geworden. Professor Vogel untersuchte das Spektrum des Sternes wieder- holt und fand es in Uebereinstimmung mit dem des Nebels, und Dr. Müller hat eine größere Reihe von Helligkeitsbestimmungen an dem bald wieder an Jutensität abnehmenden Himmelskörper vorgenommen. Die Resultate der Beobachtungen sind der Annahme nicht entgegen gewesen, daß starke plögliche Ver- änderungen in dem Nebel selbst vor sich gegangen sind. Aus der spektral-analytishen Beobachtung des Nebels läßt sich folgern, daß der Nebel höchstwahrscheinlih kein eigent- licher, aus glühenden, leuhtenden Gasen bestehender Nebel ist, sondern ein Sternhaufen, dessen Komponenten in Folge der großen Entfernung des Objekts nicht ge- trennt gesehen werden können. Möglicherweise ist also die Erscheinung hervorgebracht worden durch einen Zusammenstoß zweier oder mehrerer Sterne in diesem Sternhaufen. Auch im Sternbild des Orion ist ein neuer veränderlicher Stern entde>t worden, der mehrfah Gelegenheit zu Beobachtungen in spektroskopisher und photometrisher Beziehung gab.

Von den Kometen des Jahres 1885 sind der von Barnard entde>te und der Fabry’she von Prof. Vogel mit dem Spektroskop untersuht worden. Jhre Spektra zeigten jedoh keine Abweihung von dem gewöhnlichen Kometen- spektrum. S : e

Nächst der Sonne bieten die großen Planeten ein inter- essantes Beobachtungsfeld, besonders in Bezug auf die Ge- staltung ihrer uns sihtbaren Oberflähe. Daß auf jenen Ge- \chwistern der Erde zum Theil ganz andere Zustände herrschen müssen als auf dieser, zeigt besonders Jupiter. Den oft er- wähnten rothen Fle> auf der südlichen Hemispäre fand Dr. Lohse bereits im Jahre 1878 auf; er ist immer noch, wennglei<h s{<hwach, sichtbar und hat sih demnach mit geringen Veränderungen 7 Jahre hindur erhalten, was für eine atmosphärische Bildung gewiß auffallend erscheinen muß. Dr, Lohse beobachtete den Planeten an 20 Tagen und erhielt 18 Zeichnungen von demselben. Von Saturn fertiate der genannte Beobachter eine Zeihnung am 27. Februar 1885 an.

Von größter Wichtigkeit für unsere Kenntniß der Planeten sind genaue Helligkeitsbestimmungen derselben. Durch sie erhält man zuverlässige Anhaltspunkte über das Reflexions- vermögen (Albedo) dieser Himmelskörper und hierdurh au sicherere Werthe für ihre Durchmesser. Die meisten Planeten sind bekanntlich jo klein, daß selbst mit den mächtigsten Jnstru- menten eine direkte Größenbestimmung dur< Messung nicht möglich ist. Dr. Müller hat au< im Jahre 1885 seine auf Helligkeit bezüglihen Messungen an Planeten fortgeseßt und is zu einigen recht interessanten Resultaten gelangt. Er beobachtete an 54 Tagen die großen Planeten mit Ausnahme des Mars und von den kleinen Planeten Ceres, Pallas, Vesta. Die

den, beträchtliche Helligkeitsveränderungen, die einen 1 han; mit den Phasenänderungen deutlih erkennen assen. Die Helligkeitsänderungen zeigen bei vier der kleinen Planeten eine so vollkommene Uebereinstimmung mit den an Mars beob- achteten, daß man bei denselben ähnliche physishe Oberflächen- beschaffenheit wie bei Mars vorausseßzen kann. Bei drei anderen Asteroiden zeigte fi< eine Aehnlichkeit mit den von Dr. Müller für Merkur gefundenen Helligkeitsänderungen. Außer den \{hon oben erwähnten photometrischen Messungen an Firxsternen sind im verflossenen Jahre Beob- achtungen an mehreren veränderlihen Sternen von Dr. Wilsing ausgeführt worden. Die Methode war die der Stufenschäßung zwischen dem betreffenden Objekt und benach- barten Sternen. Da es hierbei sehr wichtig ist, das Helligkeits- verhältniß der als Vergleichssterne benußten Sterne zu kennen, hat Dr. Wilsing si vielfah damit beschäftigt, die Jntensitäten dieser Vergleichsterne festzulegen. j : / Die Photographie macht \si< für gewisse Arbeitsgebiete der Astrophysik immer unentbehrlicher, besonders aber für die Statistik der Sonne. Von den Sonnenphotographien in der gewöhnlichen Größe von 10 ecm Durchmesser hat Dr. Lohse im verflossenen Jahre 146 angefertigt, so daß die Sammlung des Observatoriums am Ende des Jahres 1885 {hon 957 solcher Sonnenbilder umfaßte. Auch wurden unter besonders günstigen Verhältnissen 6 Photographien der Sonne von 30 ecm Durchmesser angefertigt. Die Bearbeitung des sämmtlichen aus den Photographien gewonnenen Materials führte Prof. Spôörer fort und ergänzte dasselbe durh Beobachtungen am Grubb'schen Re- fraktor. Ferner hat Prof. Spörer Untersuhungen über die Fle>en- entwi>delung auf der Nord- und Südhalbkugel der Sonne an- gestellt und aus dem Beobachtungsmaterial aus den Fahren 1883 bis 1885 gefunden, daß die südliche Hemisphäre in Bezug auf Fle>en ein bedeutendes Uebergewicht gehabt hat. Auch die bis einschließlih 1884 fortgesezte Untersuchung über die Breitenänderung der Fle>e lieferte einen Beitrag für die Ver- schiedenheit beider Halbkugeln. Weitere Untersuhungen ergaben eine Bestätigung der abgeleiteten Geseße für die Rotations- winkel des Sonnenkörpers. E i j Von besonderer Bedeutung verspricht die Photographie für die Topographie des Himmels zu werden. Wie viele Beobachtungsnächle würden {hon dazu gehören, um die Kom- ponenten eines nur einigermaßen sternreichen Sternhaufens mikrometrish mit der Genauigkeit zu bestimmen, welche dur zwei photographishe Aufnahmen, von denen jede etwa eine Stunde Zeit erfordert, erhalten werden kann. Vergleichungen der von Sternhaufen auf photographishem Wege durch Dr. Lohse erhaltenen Bilder, welche Professor Vogel mit den Objekten selbst vornahm, zeigten eine überraschende Uebereinstimmung des Bildes mit der Wirklichkeit. Doch hat man dafür Sorge zu tragen, daß durch geeignete Präparation der Platten die Verschiedenheit zwischen der chemischen Wirksamkeit der Licht- strahlen von bläulihen und röthlihen Sternen ausgeglichen werde, da sonst leßtere auf dem Bilde relativ shwächer er- scheinen, als sie sich dem Auge darstellen. Dr. Lohse hat außer zahlreihen Sternaufnahmen au<h im Februar 1885 noh< mehrere photographische Aufnahmen von Jupiter gemacht.

Die übrigen auf dem Observatorium ausgeführten Arbeiten und Beobachtungen seien, als von weniger allgemeinem Jnteresse, nur kurz erwähnt, so die regelmäßigen meteorologischen Ablesungen, die Zeitbestimmungen und eine Breitenbestimmung. Ueber Beobachtungen, welche Dr. Wilsing seit Dezember mit einem sinnreihen Pendelapparat zur Bestimmung der Dichtig- keit der Erde ausgesührt hat, werden wir im kommenden Jahre genauere Angaben machen, da sih dann erst die Resul- tate übersehen lassen werden. L

Die Jnstrumentensammlung ist dur< mehrere neue Appa- rate bereichert worden. Darunter sind außer dem erwähnten Pendelapparat zu nennen ein Apparat für die photographische Aufnahme von Sternspektren, eine Camera zur photographi- \{hen Aufnahme von Doppelsternen, Sterngruppen und Nebvel- fle>en, ein größerer Heliostat von Fueß in Berlin. ;

Von den Publikationen des Observatoriums ist der erste Theil des vierten Bandes und der fünfte Band zum Abschluß gebra<ht worden. Der erste Theil des vierten Bandes ist 216 Seiten stark und ist aus 3 Nummern zusammengeseßt :

Nr. 14. H. C. Vogel, Einige Beobachtungen mit dem großen Refraktor der Wiener Stermvarte. j

Nr. 15. P. Kempf, Meteorologishe Beobachtungen in den Jahren 1881—83. i f

Nr. 16. G. Müller, Ueber den Einfluß der Temperatur auf die Brechung des Lichtes in einigen Glassorten, im Kalk- spath und Bergkrystall. i i :

Der fünfte Band, 281 Seiten stark, ist nur aus einer

tummer gebildet : : f

Nr. 20. G. Müller und P. Kempf, Bestimmung der Wellen- längen von 300 Linien im Sonnenspektrum. 2

Der Personalstand des Observatoriums is im Jahre 1885 unverändert geblieben. A. B;

usammen-

Der gestrige dritte Tag des Herbst-Meetings des Unionklubs auf der Rennbahn zu Hoppegarten begann mit:

1. Memorial-Rennen. Staatspreis 3000 M. «ur zwei- jährige. Sieger im deutschen Gestütspreis zu Berlin trägt Maximal- gewicht, das zweite Pferd in diesem Nennen 1s kg extra. Distanz 1000 m. Dem zweiten Pferde die Hälfte der Einsäße und Reugelder. Zu diesem Rennen waren 10 Pferde angemeldet, von denen für & Pferde Reugeld gezahlt wurde. Von den 4 startenden Pferden siegte des Königl. Hauptgestüts Gradiß br. H. „Pumpernickel“ v. Chamant a. d. Pulcherrima ganz leiht mit 3 Längen gegen des Hrn. O. Ochlschläger dbr. H. „Räuberhauptmann“, des Srhrn. E. v. Falkenhausen F.-H. „Morgenstern“ wurde zwei Längen dahinter Dritter und Hrn. G. Beit's {<wbr. H. „Heinzelmännchen“ Letter. Werth des Rennens 3600 A dem Sieger, (609 F dem Zweiten. Am R wurden auf 20 X 41 Æ gezahlt. Um 14 Uhr folgte diesem Rennen: ; j i e N _Staatspreis 6090 M. für 1883 geborne inländische und österreichish- ungarische Hengste und Stuten. Distanz 3000 m. Das dritte Pferd rettet seinen Einsaß, der Rest der Einsäte und Reugelder zwischen dem ersten und zweiten Pferde getheilt. Das zu diesem Rennen gehörige Silbergeschirr im Werthe von 1500 M wird nach dreimaligem Sieg ohne Reihenfolge Cigen- thum. Das Rennen hatte 67 Unterschriften erhalten, von denen für 34 Pferde das Reugeld von 75 # und für 33 das Reugeld von 150 M gezahlt wurde. 4 Pferde starteten. Es siegte nah einem \{önen Rennen und nah scharfem Schlußgefeht in den leßten Sprüngen des Grafen Henkel sen. br. H. „Abenadar v. Y. Buccanneer a. i dh _60 K LLon, gegen E

ônigl. Hauptgestüts radi -St. „Geheimniß“ 1

Valben A Des Hrn. K. v, Eichel br. St. "til Lovelo>“ wurde 4 Längen dahinter Dritte und Mr. G. Johnson's F.-H. „C-dur“ Letter. Werth des Rennens: der Ehrenpreis und 97371 M dem Sieger, 3737} # dem Zweiten und 200 # der

Reduktion der Beobachtungen ergab nun bei sämmtlichen

ausgeführten Arbeiten geben wir im Folgenden einen Über das Jahr 1885. uen R!

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Asteroiden, die über einen längeren Zeitraum verfolgt wur-

Dritten. Am Totalisator wurden auf 20 4 26 A gezahlt. Diesem Rennen folgte um 2 Uhr: